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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

Was musst du wissen...? Was glaubst du...? Was verstehst du...? Woher erkennst du...? Was nützt uns...? Wie wirst du erinnert...? Was erfordert...? Woher kommt denn...? Was tröstet dich...? Was ist der Unterschied...? Was heißt...? Was nützt es dir...? Warum sagst du...? 450 Jahre Was müssen wir...? Heidelberger Was bekommen wir...? v Was will Gott...? Katechismus Was musst du wissen...? Was glaubst du...? Was verstehst du...? Woher kennst du...? Was nützt uns...? Wie wirst du erinnert...? Was erfordert...? Woher kommt denn...? Was ist der Unterschied...? Was heißt...? Was nützt dir? Was will Gott...? Was tröstet dich...?

1 reformiert 2013 2013Dezember Januar Februar


450 Jahre Heidelberger Katechismus Seite 4 Was ist der Heidelberger Katechismus? Der Heidelberger Katechismus ist im Herbst dieses Jahres im Neukirchener Verlag neu in fünfter Auflage erschienen.

Seite 6 Wie feiern wir Gottesdienst? Seite 8 Welche Frage ist mir wichtig? Seite 10 Was kann ich lesen? Lesetipps zum Heidelberger in der Literatur

S. 4-11

Seite 12 „Menso Alting und seine Zeit“ Aus- stellung in der Reformationsstadt Emden Seite 14 „Szenenwechsel“ Jugendliche erproben soziale Berufe

S. 12

Seite 15 Reformierter Glaube: Die Aufgabe eines Bekenntnisses

2 1 reformiert 2013

Seite 16 Reformierter Reisetipp: Heidelberg: Stadt des Katechismus

S. 16 Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Reformiert, Konto-Nr. 90 60 08 Sparkasse LeerWittmund, BLZ 285 500 00 Spendenquittung wird zugesandt. Titelgrafik: Georg Rieger

Seite 17 Personen Seite 18 Aktuelles, Impressum Seite 20 Position: „Organspende: Ja oder Nein?“


Berichte und Bilder zum Jubiläumsjahr 2013

Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir, sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre. Er hat mit seinem teuren Blut für alle meine Sünden vollkommen bezahlt und Frage 1 mich aus aller Gewalt des Teufels erlöst; und er bewahrt Was ist dein einziger Trost mich so, dass ohne im Leben und im Sterben? den Willen meines Vaters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, ja, dass mir alles zu meiner Seligkeit dienen muss. Darum macht er mich auch durch seinen Heiligen Geist des ewigen Lebens gewiss und von Herzen willig und bereit, ihm forthin zu leben. Liebe Leserin, lieber Leser, Frage 1 aus dem Heidelberger Katechismus: „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“ Wie viele haben diese Frage im Konfirmandenunterricht auswendig gelernt. Sie auch? Haben Sie noch mehr Erinnerungen an den Heidelberger, wie der Katechismus in Kurzform genannt wird? Der wird im nächsten Jahr 450 Jahre alt. Im Jahr 1563 beauftragte nämlich der Pfälzische Kurfürst den Theologen Zacharias Ursimus, aufzuschreiben, was für die Glaubensrichtung, die der Fürst in seinem Fürstentum einschlagen wollte, wichtig ist. Und diese Schrift wurde im Laufe der Jahrhunderte zu einem zentralen Text der evangelisch-reformierten Christen. Ist er das heute auch noch? Als ich vor einigen Jahren mit dem bevorstehenden Jubiläumsjahr zum Heidelberger Katechismus konfrontierte wurde, dachte ich zunächst: Oh – 450 Jahre, das ist ja lange her, wie kann das die Menschen im 21. Jahrhundert ansprechen. Und inzwischen finde ich allerhand Lesenswertes, Nachdenkliches und Nachdenkenswertes in dieser Schrift. So dass ich finde: Es lohnt sich, sich auf die Spur der 129 Fragen und ihrer Antworten zu begeben. Diese Ausgabe möchte Sie informieren, hinweisen und neugierig machen. Kurz: Das Jubiläumsjahr bietet neue Anregungen, sich mit Fragen des Lebens und des Glaubens auseinanderzusetzen. Gute Lektüre. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Start ins Jahr 2013. Ihr

Ulf Preuß - Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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Als im Frühjahr 1563 in Heidelberg ein kleines

Dieser Aufbau ist mehr als nur eine praktische

Buch die Druckerei verließ, ahnte wohl niemand,

Gliederung, er drückt aus, dass es um den Men-

dass es 450 Jahre später noch immer zu kaufen

schen geht: Im ersten Teil wird er als erlösungs-

sein würde: nicht nur in Heidelberg, sondern weit

bedürftig von selbst verursachter Gottesferne

darüber hinaus und in vielen Sprachen: in Euro-

und ihren Folgen betrachtet. Im zweiten Teil wird

pa, Amerika, Asien, im südlichen Afrika.

entlang des Apostolischen Glaubensbekenntnisses die durch Jesus Christus geschehene Erlösung

Heute wird es fast überall nach seinem Entste-

beschrieben; hier werden auch Taufe und Abend-

hungs- und ersten Druckort „Heidelberger Kate-

mahl erklärt. Im dritten Teil folgt dann, wie der

chismus“ genannt. Der ursprüngliche Titel laute-

befreite Mensch sich aus Dankbarkeit bemühen

te: „Catechismus oder Christlicher Underricht, wie

wird, nach Gottes Willen zu leben; dabei werden

der in Kirchen und Schulen der Churfürstlichen

die Zehn Gebote und das UnserVater behandelt.

Pfaltz getrieben wirdt“.

Um die Aussagen des Katechismus als biblisch

Ein Unterrichtsbuch für die Kurpfalz war es also, damals ein Gebiet zwischen Rhein und

len angegeben.

Neckar – und im nordöstlichen Bayern. Als Haupt-

Was musst du wiss du...? Was verstehs kennst Was ist der d ...? Heidelberger Wie Was Katechismus? e kommt denn...? Was ist der Unterschied... nützt es dir...? Waru

verfasser gilt Zacharias Ursinus, ein junger Theologe aus Breslau, der in Wittenberg bei Martin Luthers Kollegen Philipp Melanchthon studiert, auf Studienreisen aber auch die Ansichten der Schweizer Reformatoren und die Johannes Calvins schätzen gelernt hatte. Friedrich III., der pfälzische Kurfürst, hatte ihn an die Universität nach Heidelberg geholt. Das in Auftrag gegebene Buch sollte einen Bildungsschub bringen, in der noch neuen reformatorischen Lehre sicherer machen und sie auch vereinheitlichen; es sollte die Grundlage für ein gutes, verantwortliches Leben schaffen, nicht nur für die heranwachsende Generation, sondern auch für die Unterrichtenden selbst. Hier hatte der Kurfürst nämlich bei seinem Amtsantritt, so

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begründet nachlesen zu können, sind Bibelstel-

ist seinem Vorwort zu entnehmen, erhebliche Mängel festgestellt. Der Inhalt ist in Form von Frage und Antwort formuliert – insgesamt sind es 129. Die beiden

Viel Anklang fand das Buch bei den Flüchtlings-

ersten Fragen mit ihren Antworten werden als Zu-

gemeinden aus den spanisch besetzten Gebieten

sammenfassung des Ganzen angesehen. In ihnen

der damaligen Niederlande, die nicht nur am Nie-

werden der Grund und das Anliegen des Kate-

derrhein und in Ostfriesland, sondern auch in der

chismus genannt: den einen Trost im Leben und

Pfalz Aufnahme gefunden hatten. Eine erste nie-

im Sterben zu kennen und was man dafür wissen

derländische Übersetzung entstand schon 1563.

muss.

Aber auch in anderen Gegenden war man auf den

In drei Teilen folgt dann die Entfaltung: „Von

Katechismus aufmerksam geworden, so in Ungarn

des Menschen Elend“, „Von des Menschen Erlö-

oder auch in deutschen Territorien. In Bentheim

sung“, und „Von der Dankbarkeit“ überschrieben.

wurde er 1587 eingeführt, in Lingen 1597/98.


Eine Synode in der niederländischen Stadt Dordrecht erklärte ihn 1618/19 sogar zu einem für reformierte Kirchen geeigneten Bekenntnistext. Das ist er für viele bis heute geblieben, nicht nur in Europa, sondern weltweit. In 450 Jahren wurde kreativ mit ihm umgegangen. Es entstanden Kurzausgaben und Bereimungen, Auslegungen und Bearbeitungen, Textrevisionen und Unterrichtshilfen,

je nach

Herausforderung und Sichtweise mit ganz unterschiedlichen Tendenzen. Er fand Zuspruch und Widerspruch, Verehrung und Kritik, hat getröstet und geärgert. Das alles zeigt: Der „Heidelberger“ war und ist ein anregendes Buch! von Aleida Siller

sen...? Was glaubst st du...? Woher erdu...? Was nützt uns e wirst du erinnert...? erfordert...? Woher s tröstet dich...? Was .? Was heißt...? Was um sagst du...? Was Weitere Informationen: www.heidelberger-katechismus.net Hier finden sich auch Hinweise zu neuer Literatur.

Zum Jubiläum sjahr ist eine Postkartenserie erschienen . Sie war Idee ngeber für die grafische Gestaltung di es er Ausgabe. Die Postkarte n sind erhältlich über die Pressestelle, Ad resse im Impr essum. Kurfürst Friedrich III. am Heidelberger Schloss

Foto: Aleida Siller


Auf den ersten Blick ist nur die Zeit etwas un-

Der Pastor ist 2007 aus dem Rheiderland nach

gewöhnlich. Denn Gottesdienste in der evange-

Veldhausen gewechselt – und empfindet es als

lisch-reformierten Kirchengemeinde Veldhausen

eine angenehme Herausforderung, die Gemeinde

beginnen eigentlich um 10 Uhr. Am ersten Sonn-

einmal im Monat ausdrücklich mit den Grundfra-

tag im Monat läuten die Glocken aber auch um

gen des christlichen Glaubens zu konfrontieren.

8.45 Uhr. Wer rechtzeitig aus den Federn kommt,

„Der Ablauf entspricht einem normalen Gottes-

den Frühgottesdienst besucht und zur Liedtafel

dienst – bis auf den Predigttext“, erklärt er und

schaut, der entdeckt noch etwas Ungewöhnli-

betont: „Der Heidelberger Katechismus hat uns

ches. Dort hat Küster Bernd Zwafink den „Fahr-

auch heute noch sehr viel zu sagen.“ Allerdings,

plan“ angeschlagen – und der zeigt, dass es

räumt Jan Hagmann ein, schöpfe er bei der Aus-

diesmal in der Predigt nicht um eine Bibelstelle

wahl eines geeigneten Themas nicht aus dem

gehen soll.

vollen 129-Fragen-Katalog. „Einige Fragen sind

Wie

Die reformierte Kirchengemeinde Veldhausen

widmet sich in den monatlichen Frühgottesdiensten jeweils einer Frage des Heidelberger Katechismus, der Teil des Gesangbuchs ist. „Früher wurde hier sogar an jedem Sonntag ein Katechismusgottesdienst gefeiert“, berichtet Bernd Zwafink. Seit einigen Jahren haben die Niedergrafschafter diesen Umfang reduziert, halten aber an der Tradition fest. Dies ist auch den Pastoren Jan Hagmann und Bernd Roters wichtig, die sich abwechseln und jeweils sechs Mal im Jahr einen Katechismusgottesdienst halten. „Diese Form hat sich bei uns über einen langen Zeitraum etabliert, auch wenn der Frühgottesdienst schwächer besucht ist als der Gottesdienst um 10 Uhr“, sagt Jan Hagmann.

Fotos: Andre Berends

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Der markante Turm der reformierten Kirche stammt aus dem 15. Jahrhundert. Er prägt das Ortsbild von Veldhausen. Zur Kirchengemeinde gehören rund 3400 Mitglieder.

schwer in unsere Zeit zu übertragen“, meint er

Sünde

Strafe

Elend

Vermaledeiung ohne Verdienst

Gewalt

Le

Wie feiern

Feiernde Frühaufsteher im

Gnade Erlös Vorsehung

Offenbaru

Dankbar Gehorsam


und denkt zum Beispiel an die Frage 5, in der

dessen Ziel es ist, im Katechismusgottesdienst

dem Menschen ein natürlicher Hass auf Gott und

Frage und Antwort so auszulegen, dass sie den

seinen Nächsten bescheinigt wird. Manche Fra-

Nerv der Zeit treffen – und von den Menschen

gen könnten ohne den historischen Kontext leicht

verstanden werden. Dabei genieße er die Frei-

missverstanden werden, erklärt Jan Hagmann.

heit, auch gelegentlich mal gegen den Katechis-

Gleichwohl sind es gerade diese Ecken und

mus zu sprechen.

Kanten, die ihm an der 450 Jahre alten Sammlung

Wie nimmt die Gemeinde dieses Angebot an?

von Fragen und Antworten gefallen. „Ich mag

Jan Hagmann überlegt einen Moment. „Es gibt si-

den Heidelberger Katechismus, weil er Grundfra-

cherlich einige, die wegen des Katechismus kom-

gen des Glaubens pointiert und gelegentlich so-

men“, meint er. „Anderen gefällt gerade die frühe

gar provozierend beantwortet. Wenn er einfach

Uhrzeit“. Eher selten gebe es eine unmittelbare

nur biblische Aussagen zusammenfassen würde,

Reaktion auf die Predigt. Allerdings zeige der Zu-

bräuchten wir ihn nicht“, meint Jan Hagmann,

spruch – besonders von älteren Menschen – ein stabiles Interesse für Frage und Antwort.

Wahrheit

eid

Jan Hagmanns Lieblingsfrage lautet: Was ist

Glaube

wahrer Glaube? Frage 21. Glaube ist Erkenntnis und Vertrauen. „Wissen über die Bibel, über

wir Gottesdienst?

christliche Traditionen und Ethik ist wichtig, aber

Katechismusgottesdienst in Veldhausen

hauser und fügt hinzu: „Wenn ich darüber mit den

ung

ung

Kreuz

Opfer Wohltat

rkeit Mittler

Ebenbild

Trübsal

Glaube ist mehr. Letztlich ist er nicht verfügbar, sondern ein Geschenk Gottes“, meint der VeldKonfirmanden spreche, verstehen sie den Sinn, aber auch die Grenzen des kirchlichen Unterrichts.“ Und letztlich gelte dies auch für die Frühaufsteher, die an jedem ersten Sonntag im Monat in die Kirche kommen und

Kraft

auf Antworten hoffen. von Andre Berends

Aus der Postka rtenserie zum Jubiläum sjahr.

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Pastor Jan Hagmann

Die Liedtafel in der reformierten Kirche Veldhausen zeigt an, dass in der Predigt des Frühgottesdienstes eine Frage des Heidelberger Katechismus ausgelegt wird.


Welche Frage 60 Wie bist du gerecht vor Gott?

Allein durch wahren Glauben an Jesus Christus.

Frage 21 Was ist wahrer Glaube?

Zwar klagt mich mein Gewissen an, dass ich

Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige

gegen alle Gebote Gottes schwer gesündigt

Erkenntnis, durch welche ich alles für wahr halte,

und keines je gehalten habe und noch immer zu

was uns Gott in seinem Wort geoffenbart hat,

allem Bösen geneigt bin. Gott aber schenkt mir

sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches

ganz ohne mein Verdienst aus lauter Gnade

der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirkt,

die vollkommene Genugtuung, Gerechtigkeit

dass nicht allein anderen, sondern auch mir

und Heiligkeit Christi. Er rechnet sie mir an,

Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und

als hätte ich nie eine Sünde begangen noch

Seligkeit von Gott geschenkt ist, aus lauter Gna-

gehabt und selbst den ganzen Gehorsam voll-

de, allein um des Verdienstes Christi willen.

bracht, den Christus für mich geleistet hat, wenn ich allein diese Wohltat mit gläubigem Herzen annehme.

Die Frage 21 ist mir besonders lieb und wert, weil darin deutlich wird, dass der Glaube den ganzen Mensch umfängt, und deshalb der Mensch

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Die Frage 60 beschreibt die Wirklichkeit mei-

seinen Glauben ganzheitlich lebt und ausdrückt:

nes Lebens, meine Fehler und mein Versagen. Sie

mit Verstand und Gefühl, mit Kopf und Herz. „Zu-

beschreibt aber zugleich die Hoffnung und die Zu-

verlässige Erkenntnis“ und „herzliches Vertrauen“

versicht meines Lebens. Gott gibt mir, was eigent-

sind Seiten einer Medaille. Was immer für „refor-

lich nur Christus zusteht; denn Christus leistet für

mierte Frömmigkeit“ gehalten werden mag – und

mich den Gehorsam, den Gott fordert, damit ich

da mag vielen zunächst ein eher schlichter Prag-

gerecht vor Gott sein kann.

matismus und eine gewisse Nüchternheit ein-

Das alles muss ich nicht einmal verstehen, son-

fallen: Nach der Überzeugung des Heidelberger

dern mit gläubigem Herzen annehmen. Die Fra-

ist sie darüber hinaus viel mehr, und eben darin

ge 60 bestärkt mich in der Hoffnung, dass jeder

vielstimmiger, bunter, umfassender. Und ist dabei

Mensch einen Platz im Himmel haben kann: Er

doch „recht bei Trost“, denn in solch lebendigem

muss nichts leisten, weil Christus für ihn leistet,

Glauben kann der Einzelne versichert und getrös-

was nötig ist. Er muss nichts verstehen, weil nur

tet sein, dass gleich den anderen auch ihm und

sein Herz das Geschenk Gottes annehmen muss.

ihr Gottes Gerechtigkeit zugesagt ist.

Jann Schmidt, geb. 1948, Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche

Sabine Dreßler-Kromminga, geb. 1962, Pastorin der Gemeinde Braunschweig


Was ist dein Trost im Leben und im Sterben? Woher erkennst du dein Elend? Hat Gott den Menschen böse und verkehrt erschaffen? Tut Gott dem Menschen nicht Unrecht, wenn er von ihm fordert, was er nicht halten kann? Ist denn Gott nicht auch barmherzig? Woher weißt du das? Was ist wahrer Glaube? Warum aber wirst du ein Christ genannt? Warum hat Christus den Tod erleiden müssen? Warum müssen wir noch sterben, obwohl Christus für uns gestorben ist? Was hilft es dir aber nun, wenn du das alles glaubst? Macht diese Lehre die Menschen nicht leichtfertig und gewissenlos? Was sind Sakramente? Soll man auch die kleinen Kinder taufen? Was ist für ein Unterschied zwischem dem Abendmahl des Herrn und der päpstlichen Messe? Warum sollen wir gute

Welche Frage ist mir wichtig?

Frage 129 Was bedeutet das Wort: „Amen“? Frage 2 Was musst du wissen, damit du in diesem Trost selig leben und sterben kannst?

A m e n heißt:

Erstens: Wie groß meine Sünde und Elend ist.

ist von Gott viel gewisser erhört,

Zweitens: Wie ich von allen meinen Sünden und

als ich in meinem Herzen fühle,

Elend erlöst werde.

dass ich dies alles von ihm begehre.

Aus der Postka rtenserie zum Jubiläum sjahr.

Das ist wahr und gewiss! Denn mein Gebet

Drittens: Wie ich Gott für solche Erlösung soll dankbar sein.

Natürlich Frage 1, deren erster Satz alles zusammenfasst, was wichtig ist. Aber das wäre als

In einer zunehmend leistungsorientierten Ge-

Antwort ja zu einfach! Deshalb springe ich ans

sellschaft hat der dreigliedrige Grundgedanke

Ende des Katechismus. Frage 129 mag ich auch

des Heidelberger Katechismus wahren thera-

besonders gern. Und zwar deshalb, weil sie so

peutischen Charakter: vor Gott darf ich es mir

warm und zart, fast augenzwinkernd, kommt es

‚leisten‘, meine Schwächen und Fehler einzuge-

mir vor, noch einmal - wie Frage 1 - von Trost

stehen. Trotz allem bin ich von Ihm geliebt und

redet. Dem Trost, der darin liegt, dass bei Gott

angenommen. Und nicht Leistungsdruck, sondern

alles, was mich bewegt, noch viel besser aufge-

Dankbarkeit befähigt mich zu Taten, die sich se-

hoben ist, als ich mir das in meinen kühnsten

hen lassen können.

Träumen vorstellen kann.

Rens Dijkman-Kuhn, geb. 1963 in Dokkum, Niederlande Pastorin der Nederlandse Kerk in Duitsland

Heinz-Hermann Nordholt, geb. 1952, Pastor der Gemeinde Nordhorn und Präses des Synodalverbands Grafschaft Bentheim

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Was Zu theologischen Themen gibt es in der

Regel theologische Literaturempfehlungen. Diesmal anders: Die Beauftragte für das Jubiläumsjahr, Aleida Siller, hat die belletristische Literatur durchsucht – und einiges zusammengestellt. Das Ergebnis überrascht ein wenig, finden sich doch in den Deutschland erhältlichen Büchern relativ wenige Spuren. Einen Schwerpunkt bilden die niederländischen Autoren.

Maarten ‚t Hart: Der Flieger Im Mittelpunkt dieses in den Nachkriegsjahren in

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Holland spielenden Romans steht ein theologi-

Jan Siebelink: Im Garten des Vaters

scher Streit über die Vergebung der Sünden. Der

Der Roman trägt autobiographische Züge und er-

Erzähler ist ein heranwachsender Junge, dessen

zählt die Geschichte eines Jungen, der der Enge

Vater Totengräber ist und der einen katholischen

eines strengen, religiösen Elternhauses entflieht

Friedhof umbetten soll. Er bekommt einen Mit-

und einen eigenen Weg geht. Er erlebt Freiheit,

arbeiter, der aufgrund eigenständiger Bibelausle-

heiratet die Liebe seines Lebens und baut zusam-

gung mit der Lehre seiner reformierten Kirchen-

men mit seiner Frau eine eigene Gärtnerei auf.

gemeinde in Gegensatz gerät und schließlich aus

Doch dann schließt er sich mehr und mehr einer

ihr entfernt wird. Der Autor – auch sein Vater war

skurrilen reformierten Gruppierung an, die das

Totengräber - ist bestens vertraut mit Bibel und

Familienleben überschattet und zu einer Belas-

Katechismus. Dieses Wissen kommt im Roman

tungsprobe für die Ehe wird. Alle Versuche, von

eindrucksvoll zur Geltung.

der Gruppe loszukommen, misslingen.

AU TO R

AU TO R

‚t Hart (geboren1944) ist einer der beliebtesten Schriftsteller aus den Niederlanden, dessen Bücher in viele Sprachen übersetzt werden. Der Heidelberger Katechismus kommt in mehreren seiner Romane vor.

Siebelink wurde 1938 in Velp als Sohn eines Gärtners geboren. Er gehört zu den erfolgreichsten Romanschriftstellern in den Niederlanden.


Mit Leib und Seele ... aus aller Gewalt des Teufels erlöst ... von Natur aus geneigt, Gott un meinen Nächsten zu hassen ... Gott hat den Menschen gut und nach seinem Ebenbild erscha fen ... Gott ist wohl barmherzig, er ist aber auch gerecht ... die Sünde wird von den Mensche begangen ... aus dem heiligen Evangelium ... zuerst im Paradies offenbart, dann durch di heiligen Erzväter und Propheten verkündigen lassen ... zuverlässige Erkenntnis ... herzliche Vertrauen ... nicht allein andern, sondern auch mir ... Essen und Trinken, Gesundheit und Krank heit, Reichtum und Armut ... unser Tod ist nicht eine Bezahlung für unsere Sünde ... Christu hat durch seine Auferstehung den To überwunden, um uns an der Gerech tigkeit Anteil zu geben ... in aller Trübsal und Verfolgung darf ich mit erhobenem Haupt ... . von Anbeginn Lesetipps zum Heidelberger in der Literatur der Welt bis ans Ende versammel schützt und erhält ... soll auch jeder seine Gaben willig und mit Freuden zum Wohl der andere gebrauchen ... schon jetzt empfinde ich den Anfang der ewigen Freude in meinem Herzen ... ic gefalle Gott nicht deswegen, weil mein Glaube ein verdienstvolles Werk wäre ... sie gehöre ebenso wie die Erwachsenen in den Bund Gottes und seine Gemeinde ... wie das Wasser be der Taufe nicht in das Blut Christi verwandelt wird, so wird auch das Brot beim Abend mahl nicht der Leib Christi ... wir sollen gute Werke tun nach dem Gesetz Gottes . Gott will, dass wir ihn in keiner Weise abbilden ... wir weder mit Fluchen ode mit falschem Eid, noch mit unnötigem Schwören seinen Namen lästern ode missbrauchen ... Gottes Wort lernen ... meinen Nächsten weder mit G

Was kann ich lesen?

Aus der Postka rtenserie zum Jubiläum sjahr.

Jan Brandt: Gegen die Welt Der Heidelberger Katechismus wird in der jungen

Geert Mak: Das Jahrhundert meines Vaters

deutschen Belletristik nicht erwähnt. Eine Aus-

Das in vielen Auflagen nachgedruckte Buch stellt

nahme macht der im August 2011 erschienene Ro-

biographisch die Geschichte der Niederlande im

man von Jan Brandt. Er handelt vom Aufbegehren

20. Jahrhundert dar. Anhand der Geschichte sei-

gegen eine zu enge Welt, in der die Hauptperson

ner eigenen Familie, die er aufgrund von Briefen,

des Romans, „ein schmächtiger, verschlossener

Fotos und Interviews liebevoll erzählt, gibt der

Junge mit viel Fantasie und zu wenigen Möglich-

Autor Einblick in die kirchlichen, politischen und

keiten“, in den siebziger und achtziger Jahren

gesellschaftlichen Ereignisse und Entwicklungen

aufwächst. In einer Szene wird der Konfirmanden-

der Niederlande des letzten Jahrhunderts. Auch

unterricht geschildert, in dem der Heidelberger

das Leben in den fernöstlichen Kolonien wird da-

Katechismus eine Rolle spielt.

bei lebendig.

AU TO R

AU TO R

Brandt wurde 1974 in Leer (Ostfriesland) geboren. Er studierte Geschichte und Literaturwissenschaften und wurde an der Deutschen Journalistenschule in München ausgebildet. Erzählungen von ihm erschienen bisher in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und in der Süddeutschen Zeitung.

Mak wurde 1946 in Vlaardingen als Sohn eines reformierten Pastors geboren. Er ist einer der bekanntesten niederländischen Schriftsteller; er schreibt Romane und Sachbücher, von denen einige zu Bestsellern wurden.

11 1 reformiert 2013


„Menso Alting und seine Zeit“ Ausstellung in der Reformationsstadt Emden erinnert an streitbaren Calvinisten

Auch in der Gemäldegalerie des Ostfriesischen Landesmuseums finden sich Exponate zur „Menso Alting“Ausstellung.

Das Ostfriesische Landesmuseum Emden und

Die Johannes a Lasco Bibliothek nimmt Al-

die Johannes a Lasco Bibliothek erinnern mit der

ting als politischen Theologen in den Blick. In

Gemeinschaftsausstellung „Menso Alting und sei-

der einstigen Großen Kirche verkündigte er seine

ne Zeit. Glaubensstreit – Freiheit – Bürgerstolz“

reformierte Glaubensauffassung mit einer Vehe-

an einen bedeutenden Kirchenmann der Refor-

menz, die letztendlich in die Aufkündigung der

mationszeit und der folgenden Zeit der Konfessi-

Gefolgschaft zu seinem lutherischen Landesherrn

onalisierung. Am 7. Oktober 2012 jährte sich der

Edzard II. mündete. Der Besucher erfährt, wie sich

400. Todestag des streitbaren Calvinisten Menso

das Täufertum in Emden konstituierte, wie sich

Alting.

die Diakonie entwickelte, welche Dispute in der

Der Ausstellungsbereich im Ostfriesischen Lan-

Konsistorienkammer ausgetragen wurden und

desmuseum widmet sich den kulturellen und wirt-

welche Geltung Emden als Zentrum des reforma-

schaftlichen Aspekten jener Emder Epoche, die

torischen Buchdrucks hatte. Zu sehen sind theo-

von bürgerlicher Selbstbestimmung geprägt war

logische Streitschriften zum Emder Katechismus,

und später als das „goldene Zeitalter“ der Stadt

seltene Buchdrucke, Grafiken aus dem Germani-

deklariert wurde. Die Exponate mit den Themen-

schen Nationalmuseum Nürnberg und den Luther-

schwerpunkten „Vorreformatorische Zeit“, „Kon-

gedenkstätten, Werke aus den Kunstsammlungen

fessionalisierung“, „Armenwesen“, „Emder Revo-

der Universität Göttingen sowie liturgische Ge-

lution“ und „Bürgerstolz“ sowie „Bilderwelt der

genstände, die den konfessionellen Pluralismus

nördlichen Niederlande“ sind in die Daueraus-

Ostfrieslands in jener Epoche anschaulich ma-

stellung integriert. Auch die Rüstkammer, in der

chen.

Waffen aus dem Spanisch-Niederländischen Krieg (1568-1648) gezeigt werden, ist ein Schauplatz.

INFO

12 1 reformiert 2013

von Silke Arends

Aust ellun g vo m 0 7 . 1 0 . 1 2 - 3 1 . 0 3 . 1 3

Ostfriesisches Landesmuseum Emden

Zur Ausstellung findet ein um-

Rathaus am Delft

fangreiches Rahmenprogramm mit

Brückstr. 1

Vorträgen, Musikveranstaltungen,

26725 Emden

museumspädagogischen Angebo-

Tel.: 04921 – 87 20 58

ten und historischen Stadtführun-

Di – So 10 – 18 Uhr,

gen statt.

www.landesmuseum-emden.de

Mo geschlossen Zur Ausstellung liegt ein 350 Seiten Johannes a Lasco Bibliothek

starker Katalog vor; im ersten Teil

Kirchstr. 22

mit Aufsätzen zu Menso Alting und

26721 Emden

zur Geschichte Emdens während

Tel.: 04921 / 91 50 0

Altings Ära, im zweiten Teil über

Öffnungszeiten:

die Gemeinschaftsausstellung.

Mo – Fr 14 – 17 Uhr

Preis: 19,90 Euro.

jeden 1. und 3. So 14 – 17 Uhr

www.jalb.de


Menso Alting: Als Menso Alting (geboren 1541) am 10. Juni 1575 in der Emder Gasthauskirche predigte, ahnte er nicht, dass er wenig später in der Stadt ansässig werden würde und bis an sein Lebensende bliebe. Alting hatte Theologie in Köln studiert, aber mit der katholischen Lehre gebrochen; ein Grund dafür war wohl auch der Kontakt zu der dortigen niederländischen Flüchtlingsgemeinde. Er setzte seine Studien in Heidelberg fort und kehrte 1566 in seine Heimat zurück, um dort das Evangelium im Sinne der Reformation predigen zu können. Doch mit der Verfolgung der Protestanten war seine Zeit in den Niederlanden vorbei. Er flüchtete in die Pfalz und wurde 1573 Hofprediger in Heidelberg. Dort machte er Bekanntschaft mit den Größen des Calvinismus. Nach Emden berufen, machte sich Alting sogleich daran, die Gemeinde und das Leben in der Stadt im Sinne eines strengen Calvinismus zu transformieren. Ziel war es, die Menschen dahin zu bringen, dass sie ein gottgefälliges Leben führen und ihr Leben vollends einer gestrengen christlichen Ausrichtung unterstellen sollten. Alting fand unter den Flüchtlingen aus den Niederlanden einflussreiche Unterstützer und so gelang es ihm, die Obrigkeit und den Rat der Stadt von der „um Christi willen“ notwendigen Das Plakat zur Ausstellung

Kirchenzucht zu überzeugen. Sittenzucht und Kirchenzucht wurden zusammengelegt, was bedeutete, dass der Magistrat aufgefordert war, gegen

Klaas-Dieter Voß (Johannes a Lasco Bibliothek) und Wolfgang Jahn (Landesmuseum Emden) mit einer Lutherbibel von 1541 aus der der Marienbibliothek in Halle.

die Wiedertäufer vorzugehen, gegen Wahrsager, Juden und auch gegen die Lutheraner. Letzteres führte zu Konflikten mit dem lutherischen

13

reformiert Grafenhaus, doch im Kirchenrat fand1 Alting,

2013

der die Alleinherrschaft der reformierten Kirche in Ostfriesland zum Ziel hatte, den Rückhalt und so entwickelte sich die Große Kirche (die „Moderkerk“) zum geistigem Zentrum der Emder Revolution von 1595. Der Graf verließ die Stadt, und Alting war auf dem Zenit seiner politischen Einflussnahme angekommen. Er hatte die Bürgerschaft Emdens geeint, aber diese brauchte ihn nicht mehr. Der Kirchenrat verlor an Einfluss. Altings Wirkungsstätte blieb die Große Kirche. Dort stritt er bis zu seinem Tod im Jahr 1612 für den Calvinismus und fand ebenda seine letzte Ruhestätte.


„Szenenwechsel“ Jungendliche erproben soziale Berufe Sie kümmerten sich um Kinder und Senioren,

Ostfriesland und im Emsland angeboten wurde.

halfen bei Lebensmitteltafeln oder Behinder-

Im Idealfall gibt das Projekt nicht nur Einblick

teneinrichtungen. Mehr als 40 junge Menschen

in soziale Tätigkeiten, sondern sogar berufliche

beteiligten sich in den Herbstferien am „Szenen-

Orientierung, erläutert Matthias Lemper von der

wechsel“, einem Projekt, das Schülern Einblicke

Arbeitsstelle Freiwilligendienst des Bistums Osna-

in soziale Berufe ermöglicht. Bei einer gemeinsa-

brück, die zusammen mit dem Diakonischen Werk der Evangelisch-reformierten Kirche und der Diakonie in den Evangelisch-lutherischen Kirchenkreisen Emsland-Bentheim

und

Leer das Projekt anbietet. Und das kann natürlich auch einschließen, dass sich Teilnehmer für andere Richtungen

entscheiden.

Das gilt vermutlich für Simon Legtenborg, der die zehnte Klasse der Realschule besucht. Dennoch

Foto Kerstin Ostendorp/Kirchenbote

Szenenwechslerin Lea Bednorz im Kindergarten St. Josef in Emsbüren

14 1 reformiert 2013

empfand er die Woche im Kindergarten Arche Noah

men Abschlussveranstaltung gab es ein eindeu-

als wichtige Erfahrung. Die Wahl seines Einsatz-

tiges Ergebnis: Die Jugendlichen empfanden die

ortes war ihm auch deshalb leicht gefallen, weil

Woche als Bereicherung.

er in seiner Kirchengemeinde den Kindergottes-

Bei Meike Grüter und Luisa Wulfekuhl, die die

dienst mitgestaltet. „Man muss sich auf jedes

neunte Klasse besuchen, standen in den Ferien

Kind einstellen und Geduld haben“, ist eine sei-

nicht Mathematik oder Deutsch auf dem Stun-

ner Erfahrungen. Außerdem hat er Respekt vor

denplan, sondern Begegnungen mit Menschen

dem Beruf der Erzieherin gewonnen.

mit Behinderung. Denn die Schülerinnen hatten

Zufrieden waren die Teilnehmer auch mit der

das Christophorus-Werk in Lingen für ihren Ein-

Vorbereitung und dem Abschluss ihres Einsatzes.

satz ausgesucht. Am Anfang hatte Meike Grüter

Alle erhielten ein Zertifikat aus den Händen von

die Befürchtung, dass die Bewohner ihnen ge-

Bruno Krenzel, Leiter des Diözesanjugendamtes,

genüber vielleicht abweisend sein könnten. Doch

und Wolfgang Wagenfeld, Geschäftsführer des Di-

genau das Gegenteil war der Fall: „Alle haben

akonischen Werkes. Die Teilnehmer hätten Flexi-

sich gefreut, wenn wir gekommen sind“, erzählt

bilität und Mobilität gezeigt, sagte Bruno Krenzel:

die 14-Jährige. Die beiden Mädchen können sich

„Das bekommt man mit Büffeln und Theorie nicht

gut vorstellen, später beruflich diese Richtung

hin.“ Und Wolfgang Wagenfeld kündigte an, auch

einzuschlagen.

im nächsten Jahr den Szenenwechsel anzubieten.

Genau das ist die Idee hinter dem Projekt „Szenenwechsel“, das in der Grafschaft Bentheim, in

www.szenenwechsel-info.de


Reformierter Glaube Georg Plasger über die Aufgabe eines Bekenntnisses

Georg Plasger ist Professor für Systematische und ökumenische Theologie an der Universität Siegen. Er ist berufenes Mitglied der Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche

„Prüfet alles, und das Gute behaltet“ Das erste christliche Bekenntnis lautete: „Jesus ist der Herr.“ Die Bekenner zeigen damit, dass sie etwas von Gottes Tun für uns verstanden hatten. Auch heute hat jedes Bekenntnis diese Aufgabe: „Wir haben etwas von Gottes Handeln verstanden – und loben damit Gott.“ Manche Bekenntnisse sind deshalb Zusammenstellungen der wesentlichen Inhalte des christlichen Glaubens (etwa das Apostolikum oder der Heidelberger Katechismus). Aufgabe ist es dabei auch, falsch und richtig beim Namen zu nennen. In der Reformationszeit hieß das: Falsch ist es, sich einen Platz im Himmel verdienen zu können. Und richtig: Gott macht uns gerecht. In der Zeit des Nationalsozialismus, im Dritten Reich hieß es falsch, in der Kirche menschliche Autoritäten neben Gott haben zu wollen. Und richtig, dass in der Kirche alle Brüder und Schwestern sind (so die Barmer Theologische Erklärung). Und auch wenn wir merken, dass die Bekenntnisse in einer bestimmten Zeit entstanden sind und nicht immer „modern“ klingen, treten sie an uns heran mit der Erwartung: „Ihr stimmt dem doch zu, oder?“ Und dabei weisen sie uns den Weg zur Heiligen Schrift. Der Anspruch der Bekenntnisses ist es, weiterzugeben was unsere Väter und Mütter im Glauben als schriftgemäß erkannt haben – mit dem Auftrag: „Prüfet alles, und das Gute behaltet.“ Unsere Kirche hat in ihrer Verfassung drei Texte aus der Alten Kirche, den Heidelberger Katechismus und die Barmer Theologische Erklärung als Bekenntnisse aufgenommen. Sie hat das mit der Zuversicht getan, dass gerade diese Texte unverzichtbare biblische Einsichten formulieren und heute wichtige Hilfe für unseren Glauben und insbesondere für unser Lehren und Predigen sind. Sie wollen uns helfen, unseren Glauben zu formulieren, unsere Gedanken zu ordnen und biblische Linien zusammen zu führen. Bekenntnisse sind Glaubenshilfen. Es ist deshalb gut, sich mit ihnen zu beschäftigen – denn wenn wir unseren Glauben bekennen, zeigen wir damit, dass wir den, an den wir glauben, verstanden haben. Jedenfalls ein bisschen. Und das ist schon sehr viel… von Georg Plasger

15 1 reformiert 2013

Apostolicum Nicaeno-Constantinopolitum Athanasianum Heidelberger Katechismus Theologische Erklärung von Barmen

In diesen Bekenntnisschriften sieht die Evangelischreformierte Kirche – vorbehaltlich weiterführender schriftgemäßer Glaubenserkenntnis – maßgebliche Zeugnisse für ihre kirchliche Verantwortung (aus der Verfassung, § 1, Abs. 4).


REFORMIERTES REISEZIEL

Heidelberg: Stadt des Katechismus Das Schloss und die Universität prägen die Stadt am Neckar, die dem Heidelberger Katechis-

Status als Residenzstadt 1720 verlor, verfiel das Schloss zusehends.

mus seinen Namen gab. Oberhalb von Fluss und

Gutes Beispiel für den konfessionellen Wandel

Altstadt ist die Schlossruine von weitem sichtbar,

der Stadt ist die Heiliggeistkirche zu Füßen des

die 1386 gegründete Ruprecht-Karls-Universität,

Schlosses. Sie wurde 1706 durch eine Mauer ge-

älteste Hochschule Deutschlands, prägt mit den

teilt, den Protestanten gehörte das Kirchenschiff,

25.000 Studenten das Bild der Stadt.

der Chor gehörte der katholischen, ab 1874 der

Heidelberg als kurpfälzische Residenzstadt

altkatholischen Kirche.

machte eine wechselvolle konfessionelle Ge-

Zum Jubiläumsjahr des Heidelberger Katechis-

schichte zwischen Luthertum, Calvinismus und

mus gibt es in Heidelberg eine große Doppelaus-

Katholizismus durch. Kurfürst Ottheinrich führte

stellung. Unter dem Titel „Macht des Glaubens“

ab 1556 in der Kurpfalz zunächst die lutherische

stellt das Kurpfälzische Museum die Schrift in den

Reformation ein. Sein Nachfolger Friedrich III.

Kontext ihrer Entstehungszeit. Das Schloss wid-

neigte mehr einer calvinistischen Richtung zu.

met sich den Kurfürsten, ihrer Politik und höfi-

In seiner Zeit entstand 1563 der „Heidelberger

schen Lebensformen der Zeit.

Katechismus“ und die Stadt zog Studenten und

Für reformierte Spurensucher sind in der Nähe

Wissenschaftler aus ganz Westeuropa an. Gegen

das Melanchthon-Haus in Bretten interessant so-

Ende des Jahrhunderts wurden in Heidelberg eine

wie die evangelisch-katholische Stiftskirche in

Vielzahl prächtiger Renaissancebauten errichtet,

Neustadt an der Weinstraße, in der der Verfasser

das Schloss erweitert und zu einer neuzeitlichen

des Katechismus, Zacharias Ursinus, 1583 beige-

Residenz umgestaltet. Nachdem Heidelberg seinen

setzt wurde. von Ulf Preuß

INFO Heidelberg Tourist Information Willy-Brandt-Platz 1 69115 Heidelberg Tel. 06221 / 58 444 44, E-Mail: touristinfo@heidelberg-marketing.de www.heidelberg-marketing.de Kurpfälzisches Museum Öffnungszeiten Di-So 10.00 bis 18.00 Uhr www.museum-heidelberg.de

Foto: Heidelberg Marketing

1

(1) Blick auf die Altstadt und das Schloss (2) Heiliggeistkirche in der Innenstadt (3) Neckarbrücke

2

Foto: Hans Lohninger

3

Foto: Heidelberg Marketing

Schloss Heidelberg Öffnungszeiten Mo-So 10.00 bis 18.00 Uhr www.schloss-heidelberg.de www.machtdesglaubens2013.de


Neu im Amt

Zehn Jugendliche aus der Gemeinde Schüttorf ha-

Guy Cliqué (1) ist neuer Pastor in der Evangelisch-

ben ihre ihre Partnergemeinde in Südafrika be-

reformierten Gemeinde Schwabach. Die Gemein-

sucht. Vom 18. Oktober bis 6. November trafen

de hat nach langer Krankheits- und Vakanzzeit

sie in Lavender Hill Konfirmanden der dortigen

wieder einen eigenen Seelsorger und Prediger.

Kirchengemeinde, zu denen sie seit drei Jahren

Sie wählte fast einstimmig mit dem 53-Jährigen

Briefkontakt haben. Eine Woche lang arbeiteten

einen Theologen mit hugenottischen Vorfahren.

PERSONEN

Konfirmanden aus Schüttorf

die Jugendlichen im Sozial- und Trainingszentrum New World Foundation mit. “Ach, wenn man

Christina Klasink (2) ist neue Pastorin der Kir-

doch ein Stück Südafrika mit nach Hause neh-

chengemeinden Eddigehausen und Reyershau-

men könnte“, sagte ein Jugendlicher zum Ende

sen. Die beiden Gemeinden im Synodalverband

der Reise.

Plesse wählten die 30-jährige Theologin einstimmig. Klasink nimmt ihren Dienst im Dezember auf und wird am 3. Advent im Gottesdienst eingeführt.

1

Miriam Richter (3) ist neue persönliche Referentin von Kirchenpräsident Jann Schmidt. Die 30-Jährige wechselte nach ihrem 2. Examen aus Laar (Grafschaft Bentheim) ins Landeskirchenamt nach Jugendliche aus Schüttorf und Lavender Hill vor dem DaisyHostel in Kapstadt

2

Leer. Neben ihrer Tätigkeit als Referentin übernimmt Richter Vertretungsdienste als Pastorin im Synodalverband Südliches Ostfriesland.

Harald Vogel Ehemaliger Landeskirchenmusikdirektor

Ahlerich Ostendorp

Der ehemalige Landeskirchenmusikdirektor Ha-

Pastor in Nordhorn

3

rald Vogel hat einen Echo-Klassik-Preis erhalten. Er wurde als Orgelinstrumentalist des Jahres ausgezeichnet und bekam den Preis für eine CD-Einspielung von Werken des niederländischen Komponisten Jan Pieterszoon Sweelinck. Vogel war von 1983 bis 2006 Landeskirchenmusikdirektor, in dieser Zeit hat er sich um die Restaurierung

17

vieler historischer Orgeln verdient gemacht und

1 reformiert 2013

das Organeum in Weener gegründet. Ahlerich Ostendorp ist in den Rat der Vereinten Evangelischen Mission (VEM) gewählt worden. Die VEM-Vollversammlung wählte den 61-Jährigen im Oktober im indonesischen Berastagi zusammen mit zwölf anderen Vertretern in das Leitungsgremium. Die VEM mit Hauptsitz in Wuppertal ist eine internationale Gemeinschaft von 36 gleichberechtigten Kirchen in Afrika, Asien und Deutschland. Die Evangelisch-reformierte Kirche ist über ihre Partnerschaft mit der indonesischen Foto: Arp Schnitger Gesellschaft

Karo-Batak-Kirche Mitglied der VEM.


AKTUELLES

Weltgemeinschaft zieht nach Hannover Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) verlegt ihren Sitz von Genf nach Hannover. Das gab der Generalsekretär der Organisation, Setri Nyomi, Anfang November am Rande der EKD-Synode in Timmendorfer Strand bekannt. Durch hohe Wechselkursverluste zum starken Schweizer Franken gehe seit Jahren ein großer Teil der Einnahmen verloren, da der größte Teil der Mitgliedsbeiträge aus Kirchen in Euro-Ländern und den USA stammt. „Auf Dauer hätte die Weltgemeinschaft diese Kursverluste nicht verkraften können“, sagte deren Präsident, Jerry Pillay aus Südafrika. Nyomi bezifferte die Einsparungen der Organisation durch den Umzug auf 166.000 Euro pro Jahr, bei einem Gesamthaushalt von 1,4 Millionen Euro. Sowohl Bundeskanzlerin Merkel als auch Niedersachsens Ministerpräsident McAllister begrüßten in einer Pressemitteilung die Organisation in Deutschland. Hannovers Oberbürgermeister Weil sprach von einer Ehre für die Stadt Hannover. Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund sprach von einer Fehlentscheidung. Die Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen setzt sich aus 226 reformierten, presbyterianischen und kongregationalistischen sowie unierten Kirchen in 108 Staaten zusammen. Zu ihnen gehören etwa 80 Millionen Christen weltweit, damit ist die WGRK die größte protestantische Weltorganisation. Generalsekretär Setri Nyomi sprach bei der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Anfang November ein Grußwort.

Logo der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen

18 1 reformiert 2013

Foto: epd/Norbert Neetz

Chronik zum Posaunenjubiläum

Freizeitheim in Oberwaiz saniert

Zum Jubiläum der Posaunenarbeit ist die Chro-

Das Tagungshaus der Reformierten in Bayern ist

nik „125 Jahre Posaunenchöre in der Evangelisch-

saniert und modernisiert worden. Das Haupthaus

reformierten Kirche“ erschienen. Im Mai feierte

„Altes Forsthaus“ erhielt neue Fenster und eine

mit dem Posaunenchor Gildehaus der älteste der

neue Brandschutzanlage. Außerdem wurden die

Landeskirche sein 125-jähriges Bestehen. Auf fast

Sanitäranlagen modernisiert. Nach der Fertigstel-

300 Seiten werden die Posaunenchöre sowie die

lung wirbt die Einrichtung jetzt mit einem neuen

Geschichte der Posaunenarbeit ausführlich ge-

Infoflyer um neue Gäste. Nach Angaben von Prä-

würdigt. Das Buch ist zum

ses Simon Froben eignet sich das Haus in der

Preis von 22,90 Euro über

Nähe von Bayreuth sehr gut für Presbyteriums-

den Internetshop erhältlich.

Tagungen.

www.reformiert.de/

www.reformiert-bayern.de

bestellshop.html


Kirchentag: Treffpunkt Ferdinandstraße

Kirchenpräsident scheidet 2013 aus

Während des Kirchentags in Hamburg im Mai 2013 wird das Gemeindezentrum Ferdinandstraße der Hamburger Gemeinde zum Treffpunkt für Kirchentagsteilnehmer der Reformierten, Oldenburgischen und Bremischen Kirche. Die drei Landeskirchen und der Reformierte Bund richten dort ein Café und ein italienisch-waldensisches Abendrestaurant ein. Am Donnerstag-, Freitagund Samstagabend gibt es ein Kulturprogramm,

Foto: Ulf Preuß

danach lädt das „Gute-Nacht-Café“ ein. Am Frei-

Kirchenpräsident Jann Schmidt beim Ostfriesischen Kirchentag

tagnachmittag diskutieren die leitenden Theolo-

Kirchenpräsident Jann Schmidt scheidet im Herbst

gen der Kirchen zum Thema „Was brauche ich

2013 aus seinem Amt. Er wird dann 65 und tritt

wirklich? - Glaube im Alltag“, abends findet ein

damit verfassungsgemäß in den Ruhestand.

Feierabendmahl statt. Der Kirchentag in Hamburg

Ein Versuch, die Verfassung der Evangelisch-re-

dauert vom 1. bis 5. Mai 2013.

formierten Kirche in diesem Punkt zu ändern und die Ruhestandsgrenze für den leitenden Theologen an die gesetzliche Altersgrenze anzupassen, erreichte zweimal in der Gesamtsynode nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit. Dann wäre es möglich gewesen, die Amtszeit von Schmidt um ein Jahr zu verlängern. Damit wäre vermieden worden, die Wahl eines neuen Kirchenpräsidenten oder einer Kirchenpräsidentin unmittelbar nach der Neuzusammensetzung einer Gesamtsynode stattfinden zu lassen. Nach den Gemeinde-

Plakat: 34. Deutscher Evangelischer Kirchentag in Hamburg

wahlen im November kommt die neue Gesamtsynode erstmals im Mai 2013 zusammen. In der

Wahlbeteiligung gesteigert

Synode scheiterte ebenfalls ein Änderungsantrag,

An den Wahlen in den evangelisch-reformierten

der dem Vizepräsidenten in Gesamtsynode und

Kirchengemeinden haben sich mehr Menschen

kirchenleitendem Moderamen Stimmrecht zuge-

als vor sechs Jahren beteiligt. Das ergeben ers-

sprochen hätte.

te Ergebnisse aus den Gemeinden. 2006 lag die

19

Wahlbeteiligung bei durchschnittlich 15,1 Prozent. meinde Laar in der Grafschaft Bentheim mit 57,4 Prozent. Insgesamt wurden am 18. November 520 Personen in die Kirchenräte oder Presbyterien gewählt, 640 in die Gemeindevertretungen. Noch im Dezember findet die Amtseinführung der Neugewählten

statt. Danach werden auch die

Vertreter für die und

die

Ge-

Synodalverbandssynoden samtsynode neu gewählt.

Meine Kirche! Gemeindewahlen am 18.11.2012 www.gemeindewahlen.reformiert.de

Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitung der Evangelisch reformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Verantwortlich: Jann Schmidt Redaktion: Ulf Preuß, Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Jann Schmidt, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

IMPRESSUM

1 reformiert 2013

Die höchste Wahlbeteiligung meldete die Ge-


Am 1. November ist das neue Transplantationsgesetz in Deutschland in Kraft getreten. Um die Bereitschaft zur Organspende zu erhöhen, informieren zukünftig die Krankenkassen die Versicherten alle zwei Jahre über die Möglichkeiten der Spende. Es bleibt aber in Deutschland bei der Regelung, dass eine Organspende ohne eine Einwilligung nicht möglich ist. Gretchen Ihmels-Albe ist Pastorin für Frauenarbeit und Pastorin von zwei Kirchengemeinden im Rheiderland und sieht zum Thema Organspende viel Gesprächsbedarf.

Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Fragen an Gretchen Ihmels-Albe

„Organspende: Ja oder Nein?“ Haben Sie einen Organspendeausweis? Nein, bis heute nicht. Oder besser gesagt noch nicht. Ich werde mir aber einen besorgen und mich gegen eine Organspende entscheiden. Grundsätzlich ist das ein schwieriges Thema, ein sehr persönliches und es gibt nicht die eine richtige Entscheidung. Warum ist es hilfreich, den Organspendeausweis zu haben? Damit erspare ich im Ernstfall meinen Angehörigen, dass sie für mich entscheiden und mit ihrer Entscheidung dann auch weiter leben müssen. Das ist die so genannte „Erweiterte Zustimmungslösung“. Ich kann für Klarheit und Entlastung sorgen. Ich kann für mich sagen, was ich will. Meine Entscheidung muss aber nicht endgültig sein. Ich kann sie jederzeit widerrufen.

POSITION

Gibt es so etwas wie eine moralische Verpflichtung zur Organspende Nein. Sie ist meine persönliche Entscheidung. Andere haben sie zu respektieren. Allerdings wird durch das Wort „Spende“ „Geschenk des Lebens“, „Rettung“ ein moralischer Druck erzeugt. Die Evangelische und Katholische Kirche in Deutschland sprechen sogar von einem „Akt der Nächstenliebe“. Theologisch muss an dem Thema gearbeitet werden. Menschen in den Gemeinden brauchen Hilfestellungen. Das ist mein Eindruck. Gibt es auch gute Gründe, sich gegen eine Organspende zu entscheiden? Die gibt es. „Organspende schenkt Leben.“ So wird geworben. Das stimmt ja auch. Und das ist gut. Und ich freue mich mit und für die vielen Menschen, denen so geholfen werden kann. Ich habe großen Respekt vor Menschen, die ihre Einwilligung zur Organspende geben. Persönlich oder als Angehöriger. Das ist eine, wie ich finde, sehr mutige Entscheidung. Eine Entscheidung mit Konsequenzen. Im Ausweis steht der Satz: Für den Fall, dass nach meinem Tod eine Spende ...infrage kommt, erkläre ich... Genau diese Formulierung nach meinem Tod ist das Problem. Einem sterbenden Menschen dürfen keine Organe entnommen werden. Spenden kann ich nur, wenn ich hirntot bin. Der Hirntod aber ist nicht der Tod des Menschen. Das Herz schlägt noch. Der Mensch ist warm, weich. So wird er in die Hände der Transplantationsmediziner übergeben. Entnommen werden lebendige Organe aus einem lebenden Körper. Die Angehörigen können keine Sterbebegleitung machen. Sie müssen den Raum verlassen, wenn der Hirntod festgestellt worden ist. Erstarrt. Kalt. Ausgenommen kommt der Tote zurück aus dem OP. Eine hoch belastende Situation für die Angehörigen, aber auch für die Ärzte und Pflegekräften in den Krankenhäusern. Will ich das, muss ich mich fragen? Was raten Sie den Menschen, die sich bei der Frage, ob sie ein Organ spenden wollen oder nicht, unsicher sind? Nicht vorschnell eine Entscheidung zu treffen. Informieren Sie sich ausreichend. Bedenken Sie, was für Sie Leben, Tod und Sterben bedeuten. Reden Sie mit anderen, besonders in der Familie darüber, damit sie wissen, wer sich wie entscheiden will.

1 refomiert 2013  

Der Heidelberger Katechismus wird im nächsten Jahr 450 Jahre alt. Im Jahr 1563 beauftragte der Pfälzische Kurfürst den Theologen Zacharias U...