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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

elischg n a v e r alle e Jetzt f端 aushalt H n e t r e reformi

1 reformiert 2012 Dezember Januar Februar


„Besuchen Sie uns“ „Wir haben uns auch gefreut, dass endlich mal das Haus Gottes auf war und wir uns ein wenig abkühlen konnten“

Seite 4 Offene Kirchen laden ein Seite 6 Dasein und Dabeisein Seite 7

„Heute am Mittwoch habe ich ein kleines Gebet an all´ meine S. 4

Lieben geschickt“

Die Türöffner Seite 8 Check-in – Fotografien

Seite 10 Schon gehört, dass ... Seite 12 Weihnachten mit Karl May S. 12

Foto: Ulf Preuß

Seite 14 40 Minuten mit dem Papst Seite 15 Reformierter Glaube: Der Heidelberger Katechismus

2 1 reformiert 2012

S. 14

Foto: Norbert Neetz/epd

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Reformiert, Konto-Nr. 90 60 08 Sparkasse LeerWittmund, BLZ 285 500 00 Spendenquittung wird zugesandt. Titelbild: Andreas Olbrich

Seite 16 Reformierter Reisetipp: Residenzstadt Celle Seite 17 - 19 Personen, Aktuelles, Impressum Seite 20 Position: Griechenland und die Schulden?


Fotografien und Berichte zum Thema Besuchen

Foto: Andreas Olbrich

Liebe Leserin, lieber Leser, dies ist die erste Ausgabe von „reformiert für alle“. Wenn Sie die Zeitschrift zum ersten Mal lesen, heiße ich Sie als Leserin und Leser herzlich willkommen. Mit der Zeitschrift „reformiert“ besuchen wir Sie zu Hause – und dies zukünftig alle drei Monate, für Sie kostenlos. Dabei informieren wir Sie mit Berichten und Bildern aus der Evangelisch-reformierten Kirche. Mit dem Anspruch, dass ‚reformiert‘ eine Zeitschrift für alle Mitglieder der Kirche sein soll: von Leer bis Leipzig und von Nordhorn bis Nürnberg. Es freut mich sehr, als zuständiger Redakteur jetzt für und über alle Regionen der Kirche schreiben zu können. Im Frühjahr 2011 entschied die Gesamtsynode, dass die Zeitschrift ‚reformiert‘ nicht mehr nur an die sogenannten „Verstreuten Reformierten“ versandt werden soll, sondern an alle Haushalte in der Evangelisch-reformierten Kirche.

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Allen, die „reformiert“ schon kennen, präsentiert sich die Zeitschrift in neuer Gestalt. Ich hoffe, Ihnen gefällt das neue Design und bin auf Ihre und die Reaktion der Neu-Leser gespannt. „Besuchen Sie uns“ ist das Motto dieser Ausgabe. Fotografien des Schweizer Pastors Andreas Olbrich bilden den Rahmen der Titelgeschichten, die sich alle um das Thema „Besuchen“ ranken. Auf den Seiten 8 und 9 erfahren Sie mehr über seine Fotografien mit einem besonderen Blick auf Kirchen. Ich wünsche Ihnen eine interessante Lektüre, eine segensreiche Weihnachtszeit und einen guten Start ins Jahr 2012. Ihr

Ulf Preuß - Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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Offene Kirchen laden ein „Wir konnten an dieser Kirche nicht vorbeifahren. Schlicht und doch schön. Es ist ein wunderbarer Ort der Ruhe“, lautet eine Eintragung im Gästebuch der reformierten Kirche in Esklum. Immer wieder finden sich Sätze wie „Lieber Gott, wir danken dir für diesen schönen Tag“. Seit mehr als zehn Jahren sind die drei kleinen

Kirche öffnen könnten. „Wir haben uns dann im

Kirchen der kleinen Deichgemeinden an der Ems

Kirchenrat entschieden, die drei Kirchen in den

südlich von Leer sogenannte „Offene Kirchen“.

Monaten von Mai bis September täglich von 10

Das bedeutet, dass sie nicht nur für Gottesdiens-

bis 18 Uhr zu öffnen.“ Bislang habe man auch

te und Andachten geöffnet werden, sondern wäh-

nur gute Erfahrungen sammeln können, wie die

rend der Sommerzeit Besuchern offen stehen.

vielen Eintragungen in den Gästebüchern der Kir-

Sehr oft geschieht dies im Rahmen einer Fahr-

chen zeigen.

radtour entlang der Ems. Alle Deichgemeinden,

Die Gäste, die die Kirchen besuchen, kommen

so werden sie in Ostfriesland genannt, liegen an

von nah und fern, oft sind ehemalige Bewohner

der Deutschen Fehnroute, die Papenburg mit Leer

der Deichgemeinden darunter, die sich auf histo-

und anderen Orten der ostfriesischen Moorgebie-

rischer Spurensuche befinden. Edzard Busemann-

te verbindet.

Disselhoff erhält auch regelmäßig Anfragen von

Die Idee, die Kirchen regelmäßig zu öffnen, sei

Besuchergruppen aus der Region, die sich eine

in den 90er Jahren entstanden, berichtet Edzard

Andacht im Rahmen eines Ausflugs wünschen.

Busemann-Disselhoff, Pastor der drei Gemeinden.

Besonders freut ihn, dass die „offene Kirche“

Damals wurde der Radwanderweg Fehnroute

auch die Bewohner im Dorf motiviert. „Vielen

geschaffen, und immer wieder fragten Radtou-

ist dadurch viel deutlicher geworden, welchen

risten bei Dorfbewohnern an, ob sie ihnen die

Schatz wir hier haben.“ von Ulf Preuß

INFO 4 1 reformiert 2012

Nach Angaben von Gebhard Vischer, Pastor in Greetsiel (Ostfriesland), gibt es die meisten „offenen Kirchen“ in Orten, in die viele Touristen kommen. Er ist Beauftragter für Kirche und Tourismus. An der niedersächsischen Nordseeküste hat eine wissenschaftliche Untersuchung vor einigen Jahren ergeben, dass mehr als 50 Prozent der Besucher der Region die Kirche an ihrem Urlaubsort besuchen. „Offene Kirchen“ sollen in der Regel von Mai bis Oktober acht Stunden am Tag geöffnet sein. Wenn die Gemeinde es wünscht, kann sie dies auch mit dem offiziellen Signet nach außen zeigen. Einige Kirchengemeinden, die nicht ständig öffnen wollen, verweisen mit einem Schild am Eingang auf die

Signet „Offene Kirche“

Stelle, wo sich Interessierte einen Kirchenschlüssel besorgen können. Öffnungszeiten der „offenen“ reformierten Kirchen: www.reformiert.de/offene-kirchen.html

I N T E R N E T www.reformiert.de/offene-kirchen.html


„Vielen Dank für die offene Kirche. Für ein stilles Gebet.“ Eintrag im Gästebuch der Gemeinde Driever

Foto: Ulf Preuß

„Wir können mit der „Offenen Kirche“ vielen Menschen, außerhalb des Gottesdienstes, einen Raum der Stille und der Begegnung geben. Es besteht Gelegenheit des Innehaltens und des Kontaktes.“ Nicole Windemuth, ehrenamtliche Mitarbeiterin der reformierten Kirchengemeinde Hannover

„Es gibt immer wieder Fälle, in denen sich seelsorgerliche Gespräche entwickeln. Da sind wir inzwischen auch ganz gut darauf vorbereitet.“ Presbyterin Birgit Rüdel koordiniert die Dienste und organisiert kleine Fortbildungen für den Kreis der „Öffner“ der reformierten St. Martha Kirche in Nürnberg.

„Die Jakobi-Kirche liegt am Pilgerweg LoccumVolkenroda, daher kommen auch viele Pilger und besuchen uns. Wir haben für sie sogar einen Pilgersempel anfertigen lassen.“ Heiko Buitkamp, Pastor der reformierten Kirchengemeinde Rinteln (Weserbergland)

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Dasein und Dabeisein Seelsorge im Krankenhaus „Wir stellen uns mit unserer Zeit und unserer

Trennung vom Partner, Verlust der Arbeit. Beson-

Aufmerksamkeit den Patienten zur Verfügung.“

ders im Blick hat Eggert Menschen, die schon län-

So beschreibt Susanne Eggert ihre Aufgabe. Seit

gere Zeit im Krankenhaus liegen. Es kommt auch

einem halben Jahr ist die 52-jährige reformierte

vor, dass Angehörige von Patienten die Seelsor-

Pastorin als Seelsorgerin im katholischen Bor-

gerin aufsuchen. Eine Mutter, die Sorgen um ihre

romäushospital in Leer tätig. Dabei begegnet sie

kranke Tochter hat, ein Mann, der ohne seine

Menschen aller Altersklassen in den unterschied-

kranke Frau zu Hause auskommen muss.

lichsten Lebenssituationen. Schwerkranke, bei

Susanne Eggert bezeichnet ihre Arbeit als aufsuchende Seelsorge, bei der zwischen ihr und dem Gesprächspartner eine Vertrauensbasis besteht. Dazu trage auch bei, dass die Seelsorger mit den Patienten nichts machen müssten. „Wir kommen ohne Instrumente ins Krankenzimmer und machen auch keine Psychotherapie“, so die Theologin. Und ihr gehe es in den Seelsorgegesprächen auch nicht um Mission im engeren Sinne. Natürlich spreche sie schon mal mit den Patienten ein persönliches Gebet, das Unser Va-

Foto: Ulf Preuß

Krankenhausseelsorgerin Susanne Eggert (links) im Gespräch mit Schwestern von Station 42

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ter oder lese einen Psalm vor, aber immer gelte denen es oft nur darum geht, dabei zu sein und

der Grundsatz, dass die Patienten die Gespräche

ihnen in ihrer Hilflosigkeit beizustehen. Ebenso

bestimmen.

wie Patienten, die nur mit einem gebrochenen

Die ersten sechs Monate als Krankenhausseel-

Arm im Krankenhaus liegen und mit denen sie ein

sorgerin habe sie mit großer Freude absolviert,

kurzes freundliches Gespräch führt.

erzählt Eggert. Dazu trage auch die Dankbarkeit

Fast immer ist es so, dass dabei die Initiative

bei, die ihr bei Patienten und Pflegepersonal be-

für das Gespräch von der Seelsorgerin ausgeht.

gegne. Denn als Krankenhausseelsorgerin ist sie

Anhand der Patientenliste stellt sich Susanne Eg-

auch für das Personal zuständig. Richtig gefordert

gert jede Woche einen Besuchsplan zusammen,

fühlt sie sich in der Zeit der Rufbereitschaft. Alle

fragt zunächst beim Pflegepersonal nach, ob der

Seelsorger der Krankenhäuser in Leer wechseln

Kranke auch da ist, und bietet dann ihr Gespräch

sich in den Nachtstunden und am Wochenende

an. Das werde fast immer angenommen, und oft

ab und werden dann auch schon mal von der

entwickle sich dann eine Unterhaltung, in der es

Intensivstation oder der Unfallaufnahme zu Men-

neben der Bedrohung durch die Krankheit oft

schen gerufen, bei denen es um Leben und Tod

auch um andere Sorgen geht: familiäre Probleme,

geht.

INFO

von Ulf Preuß

In der Evangelisch-reformierten Kirche gibt es bislang zwei Stellen für Krankenhausseelsorge. Brigitte Schroven arbeitet als Seelsorgerin an der Euregio-Klinik in Nordhorn, Susanne Eggert gehört zum Seelsorgeteam des Borromäushospitals in Leer. Ab April 2012 wird Daniel Metelerkamp Krankenhausseelsorger in Weener (Ostfriesland). Seelsorge im Krankenhaus leisten natürlich auch die Gemeindepastorinnen und –pastoren. Wenn Sie für sich oder für einen Angehörigen ein seelsorgerliches Gespräch wünschen, sind sie auch für Sie da. Kontakt unter: www.reformiert.de/gemeinden.html


Die Türöffner Erinnerungen an den Grafschafter Hausbesuch Wenn der Pastor ins Haus kam, wurde es in der

men. Andere erwarteten, dass wir sie besuchen“,

Familie still. War alles in Ordnung? Wenn nicht,

sagt Peter Kuhn. Einmal in der Woche machten

versuchte der Gast zu helfen. Denn erst nachdem

sich die Pastoren in ihrem Bezirk auf den Weg

alle Zerwürfnisse und Hindernisse ausgeräumt

und planten dafür meistens einen halben Tag ein.

waren, stand die Tür zum Abendmahl offen. Das

Am Sonntag zuvor hatten sie von der Kanzel ab-

war die ursprüngliche Funktion des Hausbesuchs,

gekündigt, wer ihren Hausbesuch erwarten konn-

der schon in der Bentheimer Kirchenordnung von

te. „In guten Nachbarschaften sprach sich das na-

1709 erwähnt wurde. Ließen sich die Schäfchen

türlich schnell herum“, berichtet Dieter Rötterink.

nicht von ihrem liederlichen Lebenswandel abbringen, riet der Pastor auch schon mal von einer Teilnahme am Abendmahl ab. „Diese Funktion hatte der Hausbesuch zu unseren Zeiten natürlich nicht mehr“, berichtet Dieter Rötterink und schmunzelt. Der 69-Jährige war bis 2004 Pastor der reformierten Kirchengemeinde Schüttorf. Mit seinem Kollegen Peter Kuhn führte er dort Mitte der 1970er Jahre den Hausbesuch wieder ein – mit anderem Ziel: Die Foto: Andre Berends

Pastoren wollten das Gespräch mit den Menschen in ihrer Kirchengemeinde suchen. Damit rannten sie buchstäblich offene Türen ein.

Worüber wurde gesprochen? „Das war sehr unterschiedlich“, erzählt Peter Kuhn. Mal wurde

Peter Kuhn, der 1976 aus Frankfurt in die Ober-

eine halbe Stunde geplaudert, mal ging es aber

grafschaft wechselte und dort bis zum Ruhestand

auch über zwei Stunden ans Eingemachte – je

Mitte der 1990er Jahre seinen Dienst versah, erin-

nachdem, worauf sich der Gesprächspartner ein-

nert sich gerade mal an zwei Familien, die seine

ließ. „Für uns war es wichtig, die Mentalität der

Visite abgelehnt hätten. Dieter Rötterink überlegt

Menschen zu verstehen und zu wissen, was sie

und zuckt mit den Schultern: „Ich wüsste nicht,

beschäftigt. Gleichzeitig wollten wir ihnen das

dass mir das auch mal passiert wäre.“ Es sei aber

Gefühl geben: Die Kirche kommt zu mir, weil ich

durchaus schon vorgekommen, dass sich die Tür

ihr wichtig bin“, sagt Dieter Rötterink. Am Ende

öffnete – und der Herr oder die Dame des Hauses

stand fast immer ein Gebet. „Es sei denn, ich

zunächst keine Ahnung hatte, wer da um Einlass

hatte das Gefühl, dass es nicht passt“, ergänzt

bat. „Aber das klärte sich meistens schnell auf.

Peter Kuhn.

Die Leute haben dann einen roten Kopf bekom-

Die beiden Pastoren im Ruhestand bedauern,

men und sich entschuldigt, obwohl das ja gar

dass es den Hausbesuch heute nicht mehr gibt.

nicht nötig war“, erinnert sich Dieter Rötterink

„Ich kann ihn eigentlich nur empfehlen“, meint

an seine ersten Jahre in Schüttorf. Er wurde dort

Peter Kuhn. Dieter Rötterink regt an, über neue

1970 zum Pastor gewählt.

Formen des Kontakts nachzudenken – auch wenn

Es gibt zwei Gründe, warum die beiden Geistli-

es in einer immer schneller werdenden Zeit si-

chen die Menschen in ihren eigenen vier Wänden

cherlich viel Kraft und Mühe koste, die Menschen

besuchten. „Viele waren der Kirchengemeinde

zu erreichen.

fern und sind nicht in den Gottesdienst gekomvon Andre Berends

Dieter Rötterink (links) und Peter Kuhn haben als Pastoren bei Hausbesuchen das persönliche Gespräch mit den Menschen in ihrer Kirchengemeinde gesucht.

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Check-in! Fotografien von Andreas Olbrich Die Fotografien auf dieser Seite und das Titelbild

Und dann war da plötzlich eine Kirchenfassade

stammen von Andreas Olbrich. Er ist seit 2005

im Fenster. So wechselte ich zum Zeichen KIRCHE.

Pfarrer in Reigoldswill, einer Schweizer reformier-

Und irgendwann sah ich im Fenster einen Schrift-

ten Gemeinde in der Nähe von Basel, vorher war

zug in Verbindung mit einer gespiegelten Kirche.

er viele Jahre lang in Bunde (Ostfriesland). Seit

Und die Idee war geboren. Meine Fotos sind also

drei Jahren versucht er, mit der Kamera Dinge ans

wirklich vor Augen und keine Fotomontagen.

Licht zu bringen, die nicht jede und jeder sieht. „Besuchen Sie uns“ haben wir für das Titelbild Gespiegelte Kirchen mit Schrift, wo entdecken

ausgewählt, was verbirgt sich für Sie hinter die-

Sie diese Motive?

ser Einladung?

In Städten meiner Umgebung, vor allem in Basel.

Ein doppeltes: Zum einen ist es eine lockere und

Aber auch in Frankfurt während einer Fortbildung

freundliche Einladung, es mit dem Glauben zu

zum Beispiel. Oder im Urlaub in Warnemünde.

versuchen, sich einmal in die Kirche zu wagen,

Und manchmal auch in meinem Wohnort, dem

in das Gebäude und auch in die Gemeinschaft.

Dorf Reigoldswil. Ich halte die Augen stets auf,

Ich glaube und hoffe, es ist ein bereichernder Ort.

und meistens habe ich meine Kamera dabei.

Und zum anderen zeigt es für mich etwas Wesentliches von Kirche. Kirche ist für mich immer ein-

Wie ist die Idee zu dieser Bilderserie entstanden?

ladend und offen. Das möchte ich zeigen. Darum:

Die hat sich Schritt für Schritt entwickelt. Ich habe

Besuchen Sie uns!

nach einem wiederkehrenden Zeichen gesucht, das den Glauben ausdrückt. Etwas, das im Alltag zu sehen und zu finden ist. Etwas, das das Andere durchscheinen lässt. Zuerst wählte ich das Kreuz. Das fand ich in großer Zahl im Alltag. Aber als Reformierter war da immer auch ein Widerstand. Das ist für mich ein Zeichen, das zu sehr einengt. Und so war ich weiter auf der Suche. Da entdeckte ich im anvisierten Fensterkreuz die ge-

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spiegelte Sonne. Ich versuchte, das gespiegelte Licht einzufangen.

Die Fotografien von Andreas Olbrich sind unter dem Titel „Wirklich Kirche“ als Postkartenkatalog erschienen. Er ist im Online-Shop der Evangelisch-reformierten Kirche bestellbar. www.reformiert.de/bestellshop.html


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I N T E R N E T www.reformiert.de/bestellshop.html


... dass das einzige evangelisch-reformierte Kirchengebäude auf den Ostfriesischen Inseln in

Schon

Borkum steht? Die reformierte Gemeinde Borkum ist die einzige Inselgemeinde unserer Landeskirche. Die Jugendstilkirche ist in den Jahren 1896 bis 1897 erbaut worden. Sie bietet 800 Gläubigen Platz zum Gottesdienst, an den Sonntagen ist die Kirche durch die Urlauber meist voll besetzt. ... dass der schiefste Turm der Welt zur Evangelisch-reformierten Kirche in Suurhusen (Ostfriesland) gehört? 2007 erfolgte die Zuerkennung des Weltrekordes „most leaning tower“ durch die Redaktion des Guinnessbuches der Rekorde. Aktuelle Neigung: 5,19 Grad (Pisa: 3,97 Grad) ... dass sich eine der weltweit ältesten Kirchenorgeln in einer evangelisch-reformierten Kirche in Ostfriesland befindet? Die Orgel der Rysumer Kirche gilt als das älteste in seinem Pfeifenbestand weitgehend erhaltene Instrument dieser Art in Nordeuropa und zählt zu den ältesten spielbaren Orgeln der Welt. Die Orgel umfasst sieben Register auf einem Manual. Im nächsten Jahr wird sie 555 Jahre alt. ... dass die zwei ältesten Baudenkmale Nordhorns eine enge Verbindung zur Evangelischreformierten Kirche haben?

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Die Alte Kirche am Markt (heute evangelisch-reformiert) ist zusammen mit dem Kloster Frenswegen Nordhorns ältestes Baudenkmal. Sie wurde am 6. Juni 1445 gleichzeitig mit der Frenswegener Klosterkirche durch Ludgerius, den Bischof von Münster geweiht. ... dass der Dachreiter der Evangelisch-reformierten Kirche in Bayreuth ein Geschenk einer katholischen Kirchengemeinde ist? Die römisch-katholische Gemeinde in Mistelgau vermachte der Gemeinde ihren alten Dachreiter, der nach sehr aufwendigen Sanierungsmaßnahmen auf den Dachstuhl der Evangelisch-reformierten Kirche gesetzt werden konnte.

INTERNET


gehört, ...

... dass sich die einzige evangelisch-reformierte Kirchengemeinde in Mecklenburg-Vorpommern in der Stadt Bützow befindet? In das lutherische Mecklenburg kam die reformierte Tradition durch französische Glaubensflüchtlinge, die Hugenotten, die seit 1699 zur Ansiedlung in Bützow eingeladen wurden. ... dass die einzige erhaltene Hugenottenkirche in Nordwestdeutschland in Celle steht. Die in Fachwerkbauweise errichtete heutige Evangelisch-reformierte Kirche wurde 1700 als „temple“ der französisch-reformierten Gemeinde erbaut. Im Innenraum befindet sich noch der Fürstenstuhl der letzten Celler Herzogin Eléonore Desmier d’Olbreuse. ... dass die Glocken der Evangelisch-reformierten Kirche in Hannover ein Geschenk der englischen Queen Victoria sind? Im 19. Jahrhundert stiftete die englische Königin als Nachfahrin der Gemeindegründerin Kürfürstin Sophie von der Pfalz drei Glocken. ... dass die evangelisch-reformierte Kirche im Braunschweiger Stadtteil Veltenhof vorher eine Windmühle war? In Veltenhof wurden durch ein Edikt von Herzog

Gemeinde Synodalverband

Karl ab dem Jahr 1750 Siedler aus der Pfalz ansässig. Die 1876 erbaute Hofländermühle wurde 1930 zur Kirche umgestaltet.

Kerngebiet

... dass in den Allgäuer Gemeinden Bad Grönenbach und Herbishofen das evangelisch-reformierte Gesangbuch der Züricher Landeskirche in Gebrauch ist? Im Jahre 1559 führte der Reichsmarschall Graf Philipp von Pappenheim die Reformation schweizerisch-reformierter Prägung in seiner Herrschaft ein. Die engsten Verbindungen der Allgäuer Gemeinden bestanden zur reformierten Kirche in Zürich; auch heute noch ist das schweizerische Gesangbuch bei ihnen in Gebrauch.

www.reformiert.de

von Andreas Flick

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Fotos: Ulf Preuß

Weihnachten Karl May? Kein Scherz! Wer bei Karl May nur an den „Schatz im Silbersee“ und Winnetou denkt oder an Sam Hawkens „Hi,hi,hi – wenn ich mich nicht irre“, täuscht sich. Der Autor von zahllosen

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inhaltsreiches Wort!

Ich behaupte, dass es im

Sprachschatz aller Völker und aller Zeiten ein zweites Wort von ebenso tiefer wie beseligender Bedeutung weder je gegeben hat, noch heute gibt. (...) Dem gläubigen Christen ist es der Inbegriff der heißersehnten Erfüllung langen Hoffens

Abenteuerromanen ließ immer wieder

auf die Erlösung aller Geschöpfe, und auch für

Religiöses und Christliches in seine Bü-

den Zweifler bedeutet es eine alljährlich wieder-

cher einfließen. Eines heißt „Weihnacht

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Es beginnt so: „Weihnacht! Welch ein liebes,

im Wilden Westen“.

kehrende Zeit der Familienfreude und der strahlenden Kinderaugen.“ Trotz der Gefühlsduselei, die Karl May schon 1897 erkennt und benennt, unterscheidet er zwischen „dem gläubigen Christen“, der das Weihnachtsfest innerlich erfasst, und dem „Zweifler“, dem das Fest zunächst nur äußerlich bleibt und der vielleicht durch seine Kinder näheren Zugang findet. Natürlich dürfen bei der „Weihnacht im Wilden Westen“ Old Shatterhand und Winnetou nicht fehlen. Sie kommen in einer Geschichte vor, die sich – wie es sein muss – zwischen Roman und Räuberpistole bewegt. Darin werden sie in eine religiöse Interaktion verwickelt – unter anderem


„Dem einen leuchtet in der tiefsten Tiefe seines Herzens der Wahrspruch: ´Jesus Christus gestern und heut und derselbe in alle Ewigkeit!`; der andere stimmt wohl und unwillkürlich mit ein oder lässt wenigstens seine Kinder einstimmen in den Frohgesang: ´Welt ging verloren, / Christ ward geboren; / freue dich, o Christenheit!`“ Karl May, Weihnachten im Wilden Westen, Kapitel 1

mit Karl May durch die Lebensbeichte eines Mannes, der sagt:

Das ist eine Rührstory. Und die soll es auch

„Was ich nie besessen habe, werde ich von heut

sein. Dennoch ist Karl May auf seine Weise die

an besitzen: das wahre Lebensglück! Ich habe

Christlichkeit des Festes wichtig. Und immer wie-

eine schwere Schule durchgemacht; ein andrer

der bezieht er sich dabei auf die Botschaft. Von

an meiner Stelle wäre wohl zugrunde gegangen;

einer allzu schwärmerischen Frömmigkeit nämlich

aber Gott wusste gar wohl, dass es bei mir so

will er sich absetzen: „Ich gehöre zu den Men-

starker Mittel zur Heilung bedurfte, und Ihr, Mr.

schen, denen ihr Glaube höher steht als alle ir-

Shatterhand, habt ja schon als Knabe richtig ge-

dischen Angelegenheiten; aber das zudringliche

sagt: Hat der Herr ein Leid gegeben, / gibt er

Zurschautragen der Frömmigkeit ist mir verhasst“,

auch die Kraft dazu! / Bringt dir eine Last das

lässt Karl May den Ich-Erzähler sagen angesichts

Leben, / trage nur und hoffe du!“ Um die religiö-

des sogenannten „Prayer-Man“, der allzu fröm-

se Wirkkraft zu verstärken, fügt Karl May hinzu:

melnd daherkommt. Da will May anderes. Die

„Er hatte, wohl damit Winnetou alles verstehen

Herzen berühren freilich will er auch, „gläubig“

sollte, englisch gesprochen; diese Strophe aber

und nicht „zweifelnd“. Und so endet „Weihnach-

sagte er deutsch.“

ten im Wilden Westen“ nicht mit einem „Hugh,

Natürlich: Karl May betreibt munter den welt-

ich habe gesprochen!“, sondern mit einer Strophe

weiten Export der typisch deutschen Weihnacht:

des schon Old Shatterhand und Winnetou zu Ge-

„Hungernd und frierend schleppten wir uns bet-

hör gebrachten Gedichtes: „Ich verkünde große

telnd von Ort zu Ort, und je weiter wir kamen,

Freude, / die euch widerfahren ist, / denn geboren

desto elender wurden wir äußerlich und innerlich.

wurde heute / euer Heiland Jesus Christ!“

Da leuchteten plötzlich mitten in all diese unbeschreibliche körperliche und seelische Armseligkeit hinein die Kerzen des Tannenbaums …“

von Klaus Bröhenhorst

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40 Minuten mit dem Papst Der Besuch von Papst Benedikt VIX. Ende September in Deutschland war tagelang ein Medienereignis. Auch das Zusammentreffen des Papstes mit Vertretern der Protestantismus sorgte vorher und hinterher für öffentlichen Gesprächsstoff. An dem Treffen hat auch der Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche, Jann Schmidt, als Mitglied des Rates der EKD Foto: epd

Foto: Ulf Preuß

teilgenommen. Ein Interview.

Worüber haben Sie mit dem Papst gesprochen? Im Mittelpunkt der Begegnung im Erfurter Augustinerkloster standen zwei vorbereitete Reden: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Nikolaus Schneider, plädierte für mehr Gemeinsamkeit im Miteinander der Kirchen. Schneider bezog sich auf Martin Luther, der in Erfurt zum Priester geweiht worden war, und warb dafür, den Reformator als Scharnier zwischen den Kirchen zu verstehen. Der Ratsvorsitzende lud dazu ein, gegenseitige Verletzungen aus der Geschichte zu überwinden und konkrete Wege der Aussöhnung zu gehen. Papst Benedikt XVI. antwortete ohne auf die Rede von Präses Schneider Bezug zu nehmen. Er würdigte den Theologen Martin Luther und erinnerte an dessen Ringen um die Gottesfrage (Wie kriege ich einen gnädigen Gott?). Es sei eine Frage, die - so der Papst - „in neuer Form auch unsere Frage werden“ müsse. Und dann mahnte er, „unter dem Säkularisierungsdruck die großen Gemeinsamkeiten nicht unvermerkt zu verlieren“. Was bleibt nach dem Treffen? Ernüchterung - und die Erkenntnis, im Vorfeld solcher Begegnungen die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Praktische Fortschritte oder konkrete Ergebnisse für unsere ökumenische Situation sind nach der Begegnung nicht zu sehen und wohl auch nicht zu erwarten. Allerdings bewertete der Papst den ökumenischen Weg der letzten Jahrzehnte als „positiv und zukunftsweisend“. Daran lässt sich – davon bin ich überzeugt – durchaus anknüpfen. Wie haben Sie den Papst erlebt? Ich habe im Kapitelsaal des Klosters in Erfurt einen freundlichen älteren Herrn kennen gelernt, der sich

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trotz seiner 84 Jahre große Anstrengungen zumutet. Papst Benedikt war ein aufmerksamer Zuhörer, der sich mit leiser aber fester Stimme zu Wort meldete und durch seine sprachliche Prägnanz die Delegationen beider Kirchen beeindruckte. Lohnen sich solche Treffen überhaupt? Ich glaube, dass der Begegnung eine wegweisende Bedeutung zukommt. Dem Papst ist der Symbolcharakter des Ortes natürlich bewusst gewesen. Die Tatsache, dass man dort zusammenfand, wo Luther Mönch geworden ist und zum Priester geweiht wurde, macht deutlich, dass die katholische Kirche dem Reformator inzwischen mit Respekt begegnet. Für die Katholiken ist Benedikt der „Heilige Vater“, wie haben Sie und die anderen Vertreter der evangelischen Kirchen den Papst angeredet? Die protokollarisch korrekte Anrede lautet ‚Eure Heiligkeit’. Die evangelische Delegation hat sich protokollarisch korrekt verhalten. Allerdings wurde der Gast aus Rom auch als ‚Bruder in Christo’, ‚Heiliger Vater’ oder ‚sehr geehrter Papst Benedikt’ angeredet.


Reformierter Glaube

Aleida Siller ist beim Reformierten Bund für das Jubiläumsjahr 2013 des HK zuständig www.heidelbergerkatechismus.net/

Aleida Siller erklärt den Heidelberger Katechismus

Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben? Dass ich mit Leib und Seele im Leben und im Sterben nicht mir sondern meinem getreuen Heiland Jesus Christus gehöre. ... Foto: Aleida Siller

Der Heidelberger Katechismus (HK) ist neben Luthers Kleinem Katechismus der bedeutendste und verbreitetste Katechismus aus der Reformationszeit. Kurfürst Friedrich III. gab das für die Pfalz als Unterrichtsbuch gedachte Werk in Auftrag. Als Hauptverfasser gilt der bei Melanchthon ausgebildete und an die Universität Heidelberg berufene Zacharias Ursinus. Der Text besteht aus 129 Fragen und Antworten. Frage 1 („Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“) und Frage 2 („Was musst du wissen, damit du in diesem Trost selig leben und sterben kannst?“) werden als „Präambel“ angesehen, in der Grundlegung und Aufbau des ganzen Katechismus formuliert sind. In den drei dann folgenden Hauptteilen, überschrieben: „Von des Menschen Elend“, „Von des Menschen Erlösung“, und „Von der Dankbarkeit“, werden das apostolische Glaubensbekenntnis, die Sakramente, die Zehn Gebote und das Unservater erklärt. Die am Rand stehenden Bibelstellen machen den biblischen Bezug der Aussagen nachprüfbar. Schon bald nach dem Erstdruck im Frühjahr 1563 fand der HK über die Pfalz hinaus Aufmerksamkeit. In mehr als 40 Sprachen wurde er übersetzt. In vielen reformierten und unierten Kirchen der Welt gehört er zu den Bekenntnisgrundlagen. Im Jahr 2013 wird er 450 Jahre alt.

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REFORMIERTES REISEZIEL

Celle: Insel der Religionsfreiheit Wussten Sie, dass das barocke Idyll Celle mit

hugenottische Kirchenbau (temple) in Nordwest-

seinen Fachwerkhäusern 2010 zum „frauen ORT“

deutschland. Der damalige Herzog Georg Wilhelm

gekürt wurde? Ausschlag gebend hierfür ist die

versprach sich von der gewerblichen Tüchtigkeit

letzte Herzogin Eléonore d´Olbreuse von Braun-

hugenottischer Handwerker und Händler vor al-

schweig-Lüneburg, eine glaubensstarke Huge-

lem wirtschaftlichen Aufschwung. An diese Blü-

nottin, die mit ihrem französischen Charme die

tezeit erinnern neben dem barocken Schloss die

Residenzstadt zu einem Ort der Toleranz machte.

Stadtkirche und das vor kurzem restaurierte Alte

Celle, die kleine Stadt inmitten der Lüneburger

Rathaus. Zahlreiche Stadtvillen in der Westercel-

Heide, hat eine lange Geschichte, ihre Blütezeit

ler Vorstadt entstanden auch in dieser Zeit.

erlebte sie von 1665 bis 1705 unter Herzog Georg

Warum Hannover und nicht Celle die nieder-

Wilhelm von Brauschweig, dessen Frau Eléonore

sächsische Landeshauptstadt ist und wie der

1676 wurde.

Polywissenschaftler Albrecht Thaer die Land-

Am Rande der historischen Altstadt mit über

wirtschaft von Celle aus revolutionierte, erklä-

400 bunten Fachwerkhäusern steht bis heute die

ren eindrucksvoll das Residenzmuseum und Bo-

weiße, kirchturmlose, reformierte Kirche. Sie wur-

mann-Museum. Gleich nebenan befindet sich der

de zu herzoglichen Zeiten von der Französisch-

Kunst-Kubus mit der Sammlung Simon und dem

reformierten Gemeinde im Jahr 1700 erbaut - 14

ersten 24-Stunden-Kunstmuseum. Eine Museums-

Jahre nach deren Gründung. Heute ist die Evange-

Vielfalt in unmittelbarer Nähe, die zum Erkunden

lisch-reformierte Kirche der einzige noch erhaltene

einlädt. von Nadine Kaminski

INFO Evangelisch-reformierte Kirche: Hannoversche Straße 61, 29221 Celle, Tel. 05141-25540 (Führungen auf Anfrage), E-mail: refce@t-online.de www.reformiert-celle.de Touristinformation: Markt 14 - 16, 29221 Celle, Tel. 05141 - 12 12, E-Mail: info@celle-tourismus.de www.celle-tourismus.de Evangelisch-reformierte Kirche (oben), Celler Schloss (unten) Fotos: Andreas Flick

Celler Schloss: Residenzmuseum, Schlossplatz 1, 29221 Celle, Öffnungszeiten: Di - So 10 - 17 Uhr, www.residenzmuseum.de Besonders empfehlenswert ist der „EléonoreStadtrundgang“. Ein Flyer führt Sie zu Stationen der „reformierten“ Geschichte der Stadt. Der Flyer ist an vielen Orten erhältlich.


Reinhard Uthoff

Pastorin der evangelisch-reformierten Kirche

Pastor der reformierten Gemeinde in Aurich

in Bützow (Mecklenburg)

Reinhard Uthoff ist Ende November in den Ruhestand getreten. Der 65-Jährige gebürtige Westfale war 27 Jahre lang Pastor in Aurich. Von 1992 bis 2000 war er Präses des damaligen 3. Synodalverbands. Ein besonderes Anliegen waren ihm stets die Tagesstätte für Wohnungslose und die Hilfe für Leprakranke.

PERSONEN

Kathrin Oxen

Torsten Harenberg Kathrin Oxen wird neue Leiterin des Zentrums für

Pastor der reformierten Gemeinde

evangelische Predigtkultur in Wittenberg. Oxen

Schapen (Emsland)

(39) erklärte nach ihrer Berufung durch die EKD, sie freue sich darauf, „Predigerinnen und Predigern Mut zur eigenen Sprache zu machen“. Die Arbeit an der Predigt dürfe Raum und Zeit beanspruchen. Impulse für die Predigtarbeit erhoffe sie sich auch von anderen Formen wirksamer Sprache, „über die beispielsweise Journalisten, Schriftsteller und Politiker verfügen“. Das Zentrum für evangelische Predigtkultur ist 2009 im

Torsten Harenberg ist seit 6. November Ortsver-

Rahmen des Reformprozesses „Kirche im Auf-

bandspfarrer der Johanniter-Unfallhilfe in Lingen.

bruch“ der EKD errichtet worden.

Ein Schwerpunkt der Johanniter in Lingen ist der Organtransport. Harenberg ist seelsorgerlicher

Friedrich Rost

Ansprechpartner für die Ehrenamtlichen. Seit

aus der reformierten Gemeinde Osnabrück

etwa zehn Jahren ist auch als Notfallseelsorger im Landkreis Emsland tätig.

Wolfgang Wagenfeld Geschäftsführer des Diakonischen Werkes der Evangelisch-reformierten Kirche

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GAW-Präsident Wilhelm Hüffmeier (links) zeichnet Friedrich Rost mit dem Bernsteinkreuz aus

1 reformiert 2012

Friedrich Rost ist mit dem Bernsteinkreuz des Gustav-Adolf-Werkes ausgezeichnet worden. Rost zeichne sich durch Freundlichkeit und Fröhlichkeit aus und er sei von Natur aus ein Christ, sagte

Wolfgang Wagenfeld ist neuer stellvertretender

der Präsident des Gustav-Adolf-Werkes, Prof. Wil-

Vorsitzender der Diakonie in Niedersachsen.

helm Hüffmeier, bei der Verleihung. Seit 30 Jahren

Wagenfeld (59) wurde kürzlich neben dem Dia-

ist Rost Mitglied des Gustav-Adolf-Werkes (GAW)

koniedirektor der hannoverschen Landeskirche,

und seit 28 Jahren im Vorstand der Hauptgruppe

Christoph Künkel, in dieses Amt gewählt. Vor-

Osnabrück aktiv. Für ihn, so Rost, sei es wichtig,

standssprecher wurde der Oldenburger Diakonie-

Menschen im Gemeindeleben zu unterstützen,

chef Thomas Feld. Zum Verein Diakonie in Nieder-

die als Protestanten in der Minderheit in allen

sachsen gehören die fünf Diakonischen Werke der

Ländern der Welt leben.

evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen.


AKTUELLES

„Vertrauen wagen - Ik bün bi di“

„Fairer Einkauf“ wird ausgezeichnet

Aurich. Der 6. Ostfriesische Kirchentag steht unter

Hannover. Die evangelischen Kirchen in Nieder-

dem Motto „Vertrauen wagen - Ik bün bi di“. Das

sachsen haben einen Preis für „fairen Einkauf“

größte Christentreffen der Region findet vom 13.

ins Leben gerufen. Mehr als 2.000 Gemeinden

bis 15. Juli 2012 zum zweiten Mal in Aurich statt.

und weit über 1.000 Einrichtungen in Kirche und Diakonie sind aufgerufen, sich um den „Fairen Einkaufswagen“ zu bewerben. Voraussetzung ist, dass sie ökologisch hergestellte Produkte und „fair“ gehandelte Waren aus Entwicklungsländern einsetzen. Der „Fairtrade Award“ wird erstmalig 2012 und danach alle zwei bis drei Jahre vergeben. Den Gewinnern winken Preise von 3.000, 2.000 und 1.000 Euro. Zudem wird ein Sonderpreis von 1.000 Euro für eine Kirchengemeinde vergeben. Initiativen können sich bis zum 31. März 2012 bewerben (epd). www.ked-niedersachsen.de

Foto: Ulf Preuß

Diakonie warnt vor Altersarmut Sven Kramer, ev.-ref. Geschäftsführer; Detlef Klahr, ev.-luth. Landessuperintendent; Hilke Klüver, ev.-ref. Präses; Cathrin Meenken, ev.-luth. Gewschäftsführerin

Weener. Die Diakonie der Evangelisch-reformierten Kirche hat vor einer steigenden Gefahr der Altersarmut gewarnt. Menschen, deren Einkom-

1992 hatten die Evangelisch-reformierte Kirche

men bereits unter der Armutsrisikogrenze liege,

und der evangelisch-lutherische Sprengel Ost-

erhielten später in ihrer Rentenphase eine extrem

friesland zum ersten Regionalkirchentag nach

niedrige Alterssicherung, sagte Diakoniepastor

Aurich eingeladen. Die Organisatoren erwarten in

Dietmar Arends bei der Jahreskonferenz des Di-

Aurich etwa 15.000 Besucher. Zum Ostfriesischen

akonischen Werkes am Wochenende im ostfrie-

Kirchentag sind alle Kirchengemeinden, Gruppen

sischen Weener. Oft fehle ihnen eine zusätzliche

und Institutionen der Region aufgerufen, sich zu

private Altersvorsorge. „Dies zusammengenom-

beteiligen. www.okt-2012.de

men wird zu einer verschärften Altersarmut führen.“ Die Konferenz stand unter dem biblischen

18 1 reformiert 2012

Friedensgang von Moslems und Christen

Motto „Ich will für euch und eure Kinder sorgen

Melle. Mit einem gemeinsamen Friedensgang ha-

- Wer versorgt in Zukunft wen?“

ben Christen und Moslems in Melle die Interkulturelle Woche begangen. Seite an Seite gingen die

Emden wirbt mit Reformation

Pastorin der evangelisch-reformierten Gemeinde,

Emden. Die Stadt Emden will stärker mit ihrem re-

ein katholischer Pastor und ein muslimischer

formatorischen Erbe werben. Dazu hat der Emder

Imam durch die Innenstadt. Sie wurden dabei

Oberbürgermeister Alwin Brinkmann (SPD) einen

von 100 Gläubigen der verschiedenen Religionen

Partnerschaftsvertrag mit der niederländischen

und Konfessionen, darunter Melles Bürgermeis-

Stiftung „Refo 500“, unterzeichnet. Emden habe

ter André Berghegger, begleitet. „Wir wollten mit

neben Wittenberg und Genf im 16. Jahrhundert

diesem Friedensgang ein Zeichen für den Wunsch

eine zentrale Rolle in der europäischen Reforma-

nach weltweitem Frieden setzen“, so die Meller

tionsgeschichte gespielt, hieß es. In der Emder

Pastorin Bianca Spekker. Der Gang führte von der

„Moederkerk“ (Mutterkirche) hätten zahlreiche

katholischen

Matthäuskirche über die evange-

einflussreiche Reformatoren gewirkt, darunter

lisch-reformierte Gemeinde bis zur Moschee. Dort

Johannes a Lasco (1499-1560) und Menso Alting

hielt der Imam eine Freitagspredigt.

(1541-1612).


Gemeindewahlen 2012

Glocken für Neugeborene

Leer. In den 143 Kirchengemeinden der Evange-

Gildehaus. In der Grafschafter Gemeinde läuten

lisch-reformierten Kirche werden am 18. Novem-

die Kirchenglocken für neugeborene Kinder. Jede

ber 2012 neue Kirchenräte oder Presbyterien

Familie des Dorfes kann dieses Angebot der refor-

gewählt. Anschließend wählen die neu zusam-

mierten Kirchengemeinde annehmen. „Wir wollen

mengesetzten Gremien ihre Vertreter für die Sy-

mit dem Geläut den 4000 Bewohnern

noden der Synodalverbände und diese dann ihre

des Dorfes sagen: ‚Ja, freut euch mit uns;

Vertreter für die Gesamtsynode. Die neu gewähl-

ein neuer Erdenbürger hat das Licht der

ten Synoden werden sich zu Beginn des Jahres

Welt erblickt!‘“, so Pastor Lütger Voget.

2013 konstituieren, die neu gewählte Gesamtsy-

Entstanden ist die Idee anlässlich des

node wird zu ihrer ersten Tagung im April oder

„Jahres der Taufe“, sie solle aber zukünf-

Mai 2013 zusammen kommen. Zur Wahl in den

tig weitergeführt werden. Das Angebot

Gemeinden steht jeweils die Hälfte der Mitglieder

sei im Dorf auf gute Resonanz gestoßen.

des Kirchenrats oder Presbyteriums, die Amtszeit der 2009 gewählten Vertreter dauert noch bis

„Land zum Leben...“

2015. Wahlberechtigt sind in den Gemeinden alle

Dortmund. Die 53. Aktion „Brot für die

Konfirmierten oder erwachsen Getauften.

Welt“ ist am ersten Advent in Dortmund

Foto: Hans Snoek/ pixelio

eröffnet worden. Sie steht diesmal un-

Kirchensteuern sicher

ter dem Motto “Land zum Leben – Grund zur

Leer. Die neuesten Mitteilungen der Finanzäm-

Hoffnung“. Die Hilfsorganisation rückt darin die

ter an alle Steuerzahler über die gespeicherten

Bedeutung von Land für die Ernährung von Men-

Daten zur Steuererhebung geben keine korrekte

schen ins Blickfeld. „Landraub, Futtermittelanbau

Auskunft über die Konfessionszugehörigkeit. Da-

und Anbau von Energiepflanzen sind nur einige

rauf weist das Landeskirchenamt in Leer hin. In

Stichworte, die für die Bedrohung von Landbe-

diesen Mitteilungen, die in den letzten Wochen

sitz stehen“, sagt Dietmar Arends, Diakoniepastor

verschickt wurden, habe die Finanzverwaltung

der Evangelisch-reformierten Kirche. Die Hälfte

Niedersachsens alle evangelischen Konfessio-

aller hungernden Menschen auf der Welt seien

nen zum Kürzel „ev“ zusammengefasst, weil die

Kleinbauernfamilien, denen oft nicht genügend

Steuern an die fünf evangelischen Kirchen in Nie-

fruchtbares Land zum Leben zur Verfügung stehe.

dersachsen zunächst an einer Stelle gesammelt

„Es darf um Gottes Willen nicht sein, dass Klein-

werden. In der Datenbank, die der tatsächlichen

bauern aufgrund von Profitinteressen anderer ihr

Steuerhebung zu Grunde liegt, ist nach Aussage

Land verlieren“, so Arends.

der Finanzverwaltung das korrekte Konfessions-

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merkmal, für alle Evangelisch-reformierten also von Kirchenmitgliedern, der Reformierten Kirche gingen nun Einnahmen verloren, sind daher unbegründet. Das Landeskirchenamt rät auch von Widersprüchen gegen diese Bescheide ab.

Seminar: „Kirche auf dem Land“ Die nächste Fortbildung für Kirchenälteste und Presbyter widmet sich dem Wandel des Lebens im ländlichen Raum und dessen Auswirkungen auf das kirchliche Leben. Termin: 3. bis 4. Februar 2012, Ort: Johannes a Lasco Bibliothek, Emden. www.reformiert.de

Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitung der Evangelisch reformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Verantwortlich: Jann Schmidt Redaktion: Ulf Preuß, Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Steffi Sander, Andreas Flick, Jann Schmidt, Burkhart Vietzke, Matthias Lefers, Günter Plawer Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden www.skn-druck.de Auflage: 123.000 Exemplare

IMPRESSUM

1 reformiert 2012

„rf“, gespeichert. Teilweise geäußerte Sorgen


René Lammer ist seit Oktober 2010 Pfarrer der Evangelischen Kirche Deutscher Sprache in Griechenland in Athen. Er stammt aus der Evangelisch-reformierten Kirche, war Pastor in Lage (Grafschaft Bentheim) und danach lange als Auslandspastor in Costa Rica.

Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Fragen an René Lammer

Griechenland und die Schulden?

Wie ist die Stimmung momentan im Land? Natürlich gibt es hier in Athen nach wie vor ganz normalen südeuropäischen Alltag. Es lässt sich aber nicht mehr ignorieren, dass sich ein depressiver Schleier über das Land gelegt hat. Fast 20 Prozent der Griechen sind arbeitslos, und jeden Tag werden die Menschen mit neuen Sparauflagen und Kürzungen konfrontiert. Viele verlassen das Land. Betroffen sind Mitglieder aus unserer Gemeinde, aber auch Schwarzafrikaner, die illegal im Land leben und nun unmittelbar vom Elend betroffen sind. Einen Hoffnungsschimmer sehen viele in einer nationalen Einheitsregierung und dass man sich nicht weiter im Parteiengezänk verliert. Andererseits wissen sie, dass Griechenland nur noch ein eingeschränkt souveräner Staat ist. Das kränkt und ich hoffe, dass man vor allem in Deutschland eine besondere Sensibilität dafür entwickelt. Kann eine Kirchengemeinde in dieser Situation etwas machen? Was Griechenland jetzt vor allem braucht sind Investitionen. Unsere Gemeinde möchte da einen kleinen Beitrag leisten: Wir werden auf den Dächern unserer Gebäude zwei Photovoltaikanlagen installieren, um im Zentrum Athens ein kleines Zeichen zu setzen: für ökologische und ökonomische Vernunft und die Freundschaft zwischen Griechenland und Deutschland. Es wäre schön, wenn uns dabei einzelne Personen und Gemeinden, aber auch die reformierte Kirche insgesamt unterstützen würden.

www.projektpartner.info www.projektpartner.info

POSITION

Viele Menschen in Deutschland tun sich vermutlich schwer mit der Entscheidung der EU, dass Griechenland einen Teil seiner Schulden erlassen bekommt. Ich muss im Zuge dieser Schuldenkrise immer wieder an die Sozialgesetzgebung im alten Israel und an ein bekanntes Gleichnis aus dem Neuen Testament denken. Der Knecht, der vom König zunächst seine Schulden erlassen bekam und anschließend unbarmherzig mit seinem Mitknecht umgeht, als der ihn um Schuldenerlass bittet. Ich durchschaue die finanzpolitischen Hintergründe nicht, sehe aber viel Weisheit und Menschlichkeit in diesen alten Gesetzen und Gleichnissen. Wir können darin lesen, dass Griechenland – und nicht nur Griechenland - seine Schulden nicht wird bezahlen können, sondern sie ihm (zu einem guten Teil) erlassen werden müssen. Damit dieses Land nicht immer weiter im Schuldensumpf versinkt. Damit es eine Chance für einen neuen Anfang bekommt. Wenn Deutschland die Schuld und die Schulden zweier Weltkriege hätte tragen müssen und nicht Vergebung und Erlass geschenkt bekommen hätte – es gäbe heute keine blühenden Landschaften. Wie es einen Aufbau Ost gegeben hat, in den in den letzten 20 Jahren an die 2000 Milliarden Euro geflossen sind, so wird es in Zukunft auch einen Aufbau Europa geben müssen. Und noch etwas: Es geht nicht darum, dass „die“ Deutschen „den“ Griechen Schulden erlassen. Es gibt mittlerweile genug arme Deutsche und es gibt über die Maßen reiche Griechen. Die groteske Verschuldung in den meisten westlichen Ländern verweist auf einen Mangel an gerechter Verteilung der Güter.


reformiert 1.2012