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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

... damit wir klug werden - Glauben und Bildung

1 reformiert 201620Dezember Januar Februar


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Foto: Gerold Meppelink

v.l.: Gruppenarbeit im Evangelischen Gymnasium Nordhorn Wuppertal Kochbuch „DessertWelten“

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Seite 6 Vier Bildungsgeschichten Seite 8 Meine Lieblingsseiten im Netz Empfehlenswertes aus der Redaktion

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Foto: Anke Brockmeyer

... damit wir klug werden -

Seite 4 Kein Kind soll verloren gehen Das Evangelische Gymnasium Nordhorn will Bildung und christliche Werte verbinden

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Seite 10 Als reformierte Gemeinden noch eigene Schulen hatten Bescheidenheit und Ruhe waren wichtige Erziehungsziele Seite 12 Fürs Gemeindeleben lernen Seelsorge, Predigt und Gemeindepädagogik auf dem Stundenplan Seite 14 Reformierter Glaube: Gläubig und klug Klaus Bröhenhorst über den Zusammenhang von Bildung und Religion

Seite 16 Zwischen Hoffnung, Illusion und Komplexität Frieden im Nahen und Mittleren Osten als Thema einer Konsultation Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 Position Auch Muslime sind Schwestern und Brüder

Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelbild: Studio_G / shutterstock.com


Foto: Ute Mansion

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- Glauben und Bildung Liebe Leserin, lieber Leser,

Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwieriger. Kurt Tucholsky (1890-1935)

Foto: Popartic / shutterstock.com

v.l.: Vikarskurs im Predigerseminar Im Fokus einer Konferenz: der Frieden im Nahen Osten

„damit wir klug werden“ – lautete das Motto des 35. Deutschen Evangelischen Kirchentags Anfang Juni in Stuttgart – wie passend zu einer Ausgabe Ihrer Zeitschrift „reformiert“ zum Thema Bildung – und wie Klaus Bröhenhorst auf den Seiten 14 und 15 erklärt, schon immer ein Thema der Kirche der Reformation. Heute sieht die kirchliche Bildungslandschaft natürlich ganz anders aus als vor 500 Jahren: einen Auszug aus der Vielfalt der Bildungsangebote wollen wir Ihnen mit dieser Ausgabe zeigen. Ob Sie hinterher klüger geworden sind? Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und einen guten Start ins Jahr 2016.

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Ihr Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche


Fotos: Gerold Meppelink

Verena Potgeter mit ihrer fünften Klasse

Kein Kind soll Das Evangelische Gymnasium Nordhorn Ganz klein, mit drei fünften Klassen, startete das Evangelische Gymnasium Nordhorn (EGN) im Sommer 2008. Nachdem jedes Jahr ein dreizügiger Jahrgang hinzukam, wurde jetzt ein Erweiterungsbau notwendig: Mittlerweile sind die damaligen Fünftklässler kurz vor dem Abitur, das EGN hat 622 Schülerinnen und Schüler.

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Das EGN ist eine besondere Schule – das klingt immer wieder an, wenn Lehrer oder Schüler von ihrem Alltag erzählen. „Gemütlich“ ist das Wort, das fast jeder der Schüler auf die Frage nennt, was diese Schule auszeichne. Am EGN wird genauso gelernt, vor Noten gebangt, abgeschrieben, werden Streiche gemacht und Arbeiten vergeigt wie anderswo. Dennoch kann, wer diese Schule gewählt hat, nicht ausblenden, dass sie in kirchlicher Trägerschaft steht. Jeder Morgen beginnt mit einem Gebet, alle Lehrer gestalten reihum Andachten, in die sich auch die Schüler einbringen. „Auf diese Weise kommen die Schüler der Kirche näher, aber auch die Kirche kommt den jungen Menschen näher“, sagt Lehrer Steffen Sälter. Oft sind es Kleinigkeiten, deren Summe das EGN ein bisschen menschlicher, ein biss-

chen christlicher macht. Die Schule als Lernort? Ja. Aber nicht nur für Algebra, Bio und Chemie, sondern auch für Toleranz, Rücksichtnahme und Freundlichkeit. Die Verbindung von Bildung und christlichen Werten war es, was Jutta Rieks von dem Konzept überzeugt hat. „Schließlich bereiten wir die Kinder aufs Berufsleben vor – da schadet es nicht, wenn sie später in Führungspositionen auch christliche Werte verinnerlicht haben“, findet die Lehrerin. Sie war 2008 in der Planungsgruppe, hat die Schule entstehen sehen. Zuvor hatte sie an einem anderen Gymnasium gelehrt und sich gedacht: Schule muss anders gehen. „Man spürt diese besondere Idee, die hinter dem Konzept steckt“, sagt Rieks‘ Kollege Sebastian Rexilius. Schulleiterin Gabriele Obst formuliert so: „Kein Kind soll verloren gehen.“ Deshalb werden Gespräche mit allen Schülern geführt, die aufgenommen werden möchten, um sich über die Zensuren hinaus ein Bild von den Kindern machen zu können. Das EGN bietet als Ganztagsschule die Chance, Gelerntes zu vertiefen und Hilfestellung zu leisten. „Der Ganztag ist ein großer Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit“, ist Obst überzeugt. Zudem biete er Möglichkeiten, den Schulalltag


INFO

Wer finden will, muss schon fragen. Johannes Calvin (1509-

1564)

Trägerin des EGN ist die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, die Aufnahme der Schüler aber ist nicht an eine Konfessionszugehörigkeit gebunden. Seit 2014 sind die Evangelisch-reformierte Kirche und der Synodalverband Grafschaft Bentheim in die Trägerstruktur eingebunden. An dem jetzigen Erweiterungsbau haben sich beide je zur Hälfte mit insgesamt 300.000 Euro beteiligt. Das EGN ist als freie Schule nicht an die Weisungen des Kultusministeriums gebunden, muss aber für die Anerkennung der Schulabschlüsse dessen Vorgaben erfüllen. Schüler zahlen ein Schulgeld von 50 Euro pro Monat, soweit die Eltern nicht Grundsicherung („Hartz IV“) beziehen. Für das erste Geschwisterkind verringert sich das Schulgeld auf 45 Euro, das dritte Kind ist frei. Bei niedrigen Einkommen der Eltern sind individuelle Lösungen möglich.

verloren gehen will Bildung und christliche Werte verbinden anders zu gestalten. Dazu gehört unter anderem das sozialdiakonische Praktikum im Jahrgang 9. Hier lernen die Jugendlichen die Grundlagen diakonischer Arbeit kennen und arbeiten ein Schuljahr lang regelmäßig in einer Einrichtung. Empathiefähigkeit, Umgang mit behinderten oder sozial benachteiligten Menschen, die Würde des anderen anerkennen – das sind Ziele des Praktikums. „Und das lernt man nicht in zwei Wochen, sondern erst, wenn man wirklich eine Beziehung zu den Menschen aufgebaut hat“, erklärt Lehrerin Verena Potgeter, die das Praktikum betreut. Ganz bewusst spricht die Schule die Jugendlichen mit dem sozialdiakonischen Jahr mitten in der Pubertät an. „Die Jugendlichen wachsen förmlich über sich selbst hinaus“, bestätigt Oberstufenkoordinator Christoph Gastler. „Es ist erstaunlich, welche Persönlichkeitsentwicklung hier möglich ist.“ Wer durch die Gänge der Schule geht, in die Klassenzimmer schaut und dabei die Ausstattung vieler anderer Schulen kennt, dem fällt zum EGN zuallererst ein – biblischer – Begriff ein: paradiesisch. Überall ist zu erkennen, dass hier investiert wurde. 3,5 Millionen Euro hat der Neubau gekostet, finanziert zu 59 Prozent vom Landkreis, zu 41

Prozent von der lutherischen und der reformierten Kirche (s. Infokasten). Die Klassenräume sind hell und mit modernster Technik ausgestattet, die von den überwiegend jungen Lehrern – das Durchschnittsalter des Kollegiums liegt bei 36,4 Jahren – viel genutzt wird. In einem Lernzentrum mit kleiner Bibliothek und zehn Computern können die Schülerinnen und Schüler Hausaufgaben machen und für Referate recherchieren. Kleine, freundlich eingerichtete Räume bieten den Kids Rückzugsmöglichkeiten am Nachmittag. Und auch die Lehrer können dem Alltagslärm entkommen: Hinter einer Glaswand im Lehrerzimmer stehen ruhige Arbeitsplätze zur Verfügung, in einer separaten Sitzecke, von den Pädagogen „Die Muschel“ genannt, ist Durchatmen in Ruhe möglich. „Wenn wir erwarten, dass die Lehrer den ganzen Tag in der Schule sind, müssen wir ihnen ein entsprechendes Umfeld bieten“, findet Gabriele Obst. Kreuze übrigens sucht man in den Klassenräumen vergeblich. Christliche Werte sollen hier in den Herzen verankert werden, nicht an den Wänden. Von Anke Brockmeyer

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Vier Bildungsgeschichten

Wo Glaube ist – da ist auch Lachen

Foto: Gerold Meppelink

Teamer werden – Gruppen leiten

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Sofia und Miguel sind noch ganz frisch im Konfirmandenunterricht in Nordhorn. Nach den Sommerferien hat er für sie begonnen. Bis zum Alter von zwölf Jahren gingen sie zum Kindergottesdienst oder zur CVJM-Jungschar. Jetzt hat Jugendreferentin Andrea Buitkamp sie gewonnen, an der Teamer-Card-Ausbildung mitzuwirken. Mit 13 anderen Jugendlichen kommen die beiden jetzt bis zu den Osterferien einmal pro Woche in das Jugendcafé Glocke. Zum Kurs gehören pädagogische und religionspädagogische Elemente sowie Maßnahmen in Erster Hilfe. Danach können die Jugendlichen aktiv im Kindergottesdienst, im Konfirmandenunterricht oder in der Jugendarbeit mitarbeiten. Andrea Buitkamp: „Ich freue mich darüber, wie viele junge Menschen aktiv unsere evangelische Jugendarbeit mitgestalten wollen und selbst in dieser Arbeit zu jungen Erwachsenen heran reifen.“

Lachen ist gesund, Lachen befreit. Diese Erfahrungen machten auch Silke Berlin-Braakmann und Regina Becker-Wiers auf der Nordseeinsel Borkum. Im Seminar für Leiterinnen und Mitarbeiterinnen von Frauenkreisen entdeckten sie so manche Bibelstelle, die zeigt: Wo Glaube ist – da ist auch Lachen. So heißt es im Psalm 126: „Da wird euer Mund voll Lachens sein“. Längst ist die Einschätzung aus der Kirchengeschichte überwunden, dass Lachen Sünde sei. So erfuhren die beiden, dass Clownerei inzwischen auch eine Form der therapeutischen Seelsorge in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen ist. Lachen kann zu einem Perspektivwechsel führen und somit ein positives Lebensgefühl stärken. Gleichwohl tun sich viele mit dem Lachen in der Kirche immer noch schwer. Ob Silke Berlin-Brakmann und Regina Becker-Wiers beim Abschlussgottesdienst des Seminars in der Borkumer Kirche gelacht haben?

Foto: Gretchen Ihmels-Albe


Das Leben bilde7)t. zi (1746-182

Johann Heinrich Pestaloz

Die Welt vereint im Kochbuch

Foto: Michael Albe

Kirchen erkunden – Glauben erfahren Samstagmorgen. Zehn Menschen treffen sich bei strahlendem Sonnenschein vor der reformierten Kirche in Bunde im Rheiderland. Sie sind zu einer „kirchenpädagogischen Exkursion“ verabredet. Schon die erste Stufe zur Kirche in Vellage birgt eine Überraschung. Der Leiter der Gruppe feuchtet seinen Finger an und wischt unten rechts den roten Sandstein zwei Finger breit frei. Es taucht ein kleines eingemeißeltes Kreuz auf. Es wird überlegt, geraten, spekuliert. Ergebnis: diese erste Stufe zur Kirche war in der katholischen Zeit die Altarplatte. Auch in der Kirche finden sich diese Kreuze. Immer tiefer taucht die Gruppe in die Geschichte der Kirche ein. In Rollenspielen beginnt das Gebäude zu sprechen und erzählt seine Geschichte und die Geschichte der Menschen, die hier seit Jahrhunderten ihren Glauben leben. Kirchenpädagogik ist eine recht neue Methode, um mehr von der Kirche zu verstehen, Religion zu erkunden und Glauben zu erfahren.

Baklava und gefüllte Walnüsse, Puffert mit Peern und Halawet El Jibn – Süßspeisen von Ostfriesland bis Eritrea vereint das neue Kunst-Kochbuch „DessertWelten“. Alteingesessene Leeraner, Flüchtlinge und Migranten haben gemeinsam an diesem Kochbuch gearbeitet, das nicht nur Rezepte bündelt, sondern auch kleine Besonderheiten der Länder und Persönliches über die Autorinnen und Autoren. In den Räumen der Evangelischreformierten Gemeinde Leer-Loga hat das Team aus 15 Deutschen und 25 Migranten Rezepte ausprobiert, dazu Bilder gemalt, Fotos gemacht und alles zu einem Buch vereint. Unterstützt wurde das Projekt von reformierter Kirche und Diakonie, Volkshochschule, der Stiftung „Kultur tut Leer gut“ und der Druckerei direktArt Divo. „Im Kurs ist ein Gemeinschaftsgefühl von Alteingesessenen und Neubürgern entstanden“, betont Frank Hühns von der Stiftung „Kultur tut Leer gut“. Foto: Anke Brockmeyer


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Empfehlenswertes aus

www.walter-luethi.ch

„Endlich öffneten sich die Portale. Der Strom der Menschen war gewaltig, Lüthi hatte gepredigt …“, steht über den Schweizer Prediger in Dürrenmatts Buch „Der Richter und sein Henker“. Lüthi hat oft Reihenpredigten über ganze biblische Bücher gehalten. Und wenn man seine Predigten vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkrieges liest, bekommt man eine Vorstellung davon, was prophetischpolitische Predigt sein kann. Diese „fanhomepage“ zeigt alle seine erhältlichen Bücher und Predigten als pdf-Dateien.

www.ultimate-guitar.com Wer schon immer gerne - so wie ich - Rock, Pop, Liedermacherlieder von A-Z, von den 60ern bis heute auf Gitarre oder Bass oder Ukulele nachspielen oder seiner Kirchen-Band zur Verfügung stellen will, der findet auf Ultimate Guitar die wohl umfangreichste Akkordesammlung: „True Colors“ oder „Lieblingsmensch“ im Gottesdienst zum passenden Thema zu Gehör bringen? Hiermit kein Problem. Für alle Fälle im Konfirmandenunterricht, Gottesdienst - oder auch einfach nur mal für mich selber. Auf dieser Seite hab ich eigentlich (fast) jedes Lied schon gefunden.

www.nia-wortmusik.de „niA wortmusik will junge Künstlerinnen und Künstler fördern und ihre Songs sowie Texte in den Sozialen Medien verbreiten. Dabei sucht niA in der Kunst nach dem, was Menschen bewegt, was sie antreibt, herausfordert und inspiriert.“ Maßgeblich verantwortlich für die Seite ist der neue Jugendreferent der Jugendkirche Osnabrück, Philipp Eifler, selber ein beeindruckender Musiker. Man findet hier wunderbare und verrückte Texte, tiefsinnige und lebensfröhliche Lieder, kurz: Entspanntes und Spannendes für Kopf und Herz - und für den Glauben.

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www.reformiert.de n

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Mir gefällt die Homepage meiner Landeskirche. Schlicht und ungeschminkt. Knapp und übersichtlich. Sie gibt auf (fast) einen Blick einen Überblick über die tagesaktuellen landeskirchlichen Themen und Termine. Ich finde viele Informationen, die ich in meinem beruflichen Alltag als Pastorin gebrauchen kann: Kontakte zum Landeskirchenamt, Kollektenempfehlungen, Kirchenrecht, diakonische Projekte... .Die anderen Kirchengemeinden der Evangelisch-reformierten Kirche sind in einer Übersicht zu finden und so leicht zu kontaktieren. Es ist schön, auch im Netz eine Heimat zu haben.

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sseiten im Netz

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www.museeprotestant.org Hinter dieser Webadresse verbirgt sich das „Virtuelle Museum des Protestantismus“, eine Homepage auf Französisch, Englisch und Deutsch. Die Sammlung umfasst zurzeit 1.000 Artikel, 2.800 Bilder und 700 Literaturangaben. Sie werden immer umfangreicher, vor allem kommen Video- und Audiodateien hinzu. Das Museum bedient sich eines pädagogischen, instruktiven und ästhetischen Ansatzes, um zu erklären, wie sich die protestantische Gemeinschaft Frankreichs seit dem 16. Jahrhundert entwickelt hat.

www.hugenottenmuseum.de

Sag es mir - und ich werde es vergessen. Zeige es mir - und ich werde mich daran erinnern. Beteilige mich - und ich werde es verstehen. Lao Tse

Die Homepage des Deutschen Hugenotten-Museums in Bad Karlshafen bietet dem Nutzer weitaus mehr als Informationen zu den Ausstellungen, Veranstaltungen und Öffnungszeiten. Neben einer umfangreichen Bildergalerie gibt es auch zahlreiche Texte zu hugenottischen Themen. Eine virtuelle Museumsrallye führt durch die Hugenottendörfer Nordhessens und über den Museumspfad in Bad Karlshafen. Verbunden ist die Seite mit der Homepage der Deutschen Hugenotten-Gesellschaft (www.hugenotten.de), die ebenfalls in Bad Karlshafen ihren Sitz hat.

www.wcrc.ch Die Seite der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK). Im Sommer 2017 findet die Generalversammlung der Weltgemeinschaft in Leipzig statt. Seit ihr Büro 2014 von Genf nach Hannover umgezogen ist, wächst bei uns auch das Interesse für die Gemeinschaft von 80 Millionen Menschen in den 255 Mitgliedskirchen. Auch unsere Kirche gehört dazu. Die Seite existiert in mehreren Sprachen. Wer dort umschaltet, etwa ins Englische oder Französische, findet noch mehr und andere aktuelle Nachrichten. Grundlegende Dinge wie das Bekenntnis von Accra (2004) gegen wirtschaftliche und ökologische Ungerechtigkeit sind in allen Sprachen zu lesen.

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Die Seite heißt im Untertitel “Afrika anders denken“. Hier berichten afrikanische Journalisten aus ihren Ländern. „JournAfrica! ist das erste deutschsprachige Nachrichtenportal für Journalismus aus Afrika - frei zugänglich und kostenlos. Einmal pro Woche liefern Ihnen afrikanische JournalistInnen aus über 50 Ländern News und Lesestücke aus erster Hand“, heißt es dort.

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www.journafrica.de

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Als reformierte Gemeinden Bescheidenheit und

Kirchhof der Evangelisch-reformierten Gemeinde: links das ehemalige Pfarrhaus und heute Gemeindehaus, daneben die ehemalige Schule, rechts die hugenottische Kirche

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Foto: Andreas Flick

Christen sollen Gottes Wort in der Bibel in der Sprache des Volkes lesen und verstehen können – diese Überzeugung bei den reformierten Protestanten führte zum Aufbau eines eigenen Schulwesens. Einen beträchtlichen Teil der Einnahmen widmeten die Gemeinden der Bildung. Auch ärmere reformierte Familien, die sich kein Schulgeld leisten konnten, durften so ihre Kinder in die Schule schicken. „Reformierte mussten lesen und schreiben können. Ihr Glaubensverständnis führte zu einer hohen Bedeutung der Bildung“, meint Andreas Flick. Er hat sich ausführlich mit der Geschichte der reformierten Volksschulen im niedersächsischen Celle befasst, wo Flick Pastor der evangelisch-reformierten Gemeinde ist. In Celle gründeten Hugenotten nach ihrer Flucht 1691 aus Frankreich eine eigene Konfessionsschule. Durch den Unterricht in französischer Sprache wollten sie auf Dauer die Gottesdienstsprache Französisch sichern. Im Schulvertrag aus dem Jahre 1731 regelte das Presbyterium grundlegende Fragen wie die Inhalte des Unterrichts: „Unterweisung der Jugend beiderlei Geschlechts in Lesen, Schreiben, Französisch, Deutsch, Arith-

metik, Psalmengesang, kleinem und großem Katechismus“. Differenzierter Unterricht war schon damals gefordert, da die Kinder unabhängig von ihrem Alter gemeinsam in dem einzigen Klassenraum unterrichtet wurden. So heißt es im Vertrag: „Verpflichtung des Lehrers, die Zeit gut zu nutzen und die Gruppen mit unterschiedlichen Parallelprogrammen zu beschäftigen.“ Bescheidenheit und Ruhe waren wichtige Erziehungsziele. Wer mit dem Lehrer nicht zufrieden war, konnte sich an das Presbyterium wenden, das die Aufsicht über den Unterricht durch Visitationen viermal im Jahr ausübte. Ab 1717 gab es zwei reformierte Schulen am Ort. Die kleinere deutsch-reformierte Gemeinde, die sich durch den Zuzug von Reformierten vor allem aus Bremen und Anhalt gebildet hatte, gründete ihre eigene Schule mit Deutsch als Unterrichtssprache. Sie startete mit 15 Schülern, ausschließlich Kinder von finanziell besser gestellten Eltern. 1805 schlossen sich die französischen und deutschen Reformierten zur Evangelisch-reformierten Gemeinde Celle zusammen, die im Jahre 1820 die evangelisch-reformierte Schule ins Le-


noch eine Schule hatten Ruhe waren wichtige Erziehungsziele ben rief. Als einziger Lehrer fest angestellt wurde der damals erst 19-jährige Friedrich Heinrich Ludolph Stegmann. Er leitete die Schule 61 Jahre lang. Laut Vertrag sollte er sich bemühen, „nach besten Kräften sowohl die religiöse als auch die intellektuelle Bildung der ihm anvertrauten Jugend zu fördern“ sowie jedes Kind „mit Fleiß zu belehren und auf den Weg der Gottesehrfurcht und christlicher Frömmigkeit zu leiten“. Außerdem übernahm Stegmann den Organistendienst. Seine Frau unterrichtete die Mädchen täglich eine Stunde in Nähen und Stricken. Die reformierte Schule stand in Celle in Konkurrenz zur Bürgerschule, zur Garnisonsschule und zur Waisenhausschule. Sie verfügte anscheinend über einen guten Ruf, denn sie nahm mehr Kinder auf als eigentlich festgelegt – als Obergrenze nannte das Presbyterium 30 Kinder. „Nach unseren Unterlagen wurden hier ausschließlich reformierte Kinder unterrichtet“, sagt Flick. Der Ruf trübte sich aber, als Albert Hammer Nachfolger von Stegmann wurde. Prediger Wilhelm Deiß warf ihm „Prügelsucht und jähzorniges Wesen“ vor. Als Reaktion meldeten einige Eltern ihre brutal geschlagenen Kinder an anderen Schulen an. 1894 kam das Aus für die Schule. Ein Vertrag mit der evangelisch-lutherischen Kirche in Celle regelte, dass reformierte Kinder künftig lutherische Schulen besuchen sollten, bei getrenntem Religionsunterricht. Als Gründe nannte das Presbyterium den Gemeindemitgliedern: Vier Mitglieder der königlichen Regierung in Lüneburg hätten erklärt, „das jetzige Klassenzimmer sei nicht vorschriftsmäßig, es sei zu klein und zu dunkel und die Bänke und Tische seien nicht ordnungsgemäß: daher sei ein Neubau erforderlich“. Die dafür anfallenden hohen Kosten und die zu erwartenden Gehaltserhöhungen für den Lehrer könne die Gemeinde nicht aufbringen. Zudem war das baldige Ende für Konfessionsschulen absehbar – Celle war Ende des 19. Jahrhunderts eine der wenigen Städte im Deutschen Reich, in denen die Volksschulen noch nicht kommunal geführt wurden, sondern in konfessioneller Trägerschaft standen. Die meisten Volksschulen waren damals in Celle lutherisch, daneben gab es je eine reformierte, katholische und jüdische Schule. In anderen Städten wie Hannover, Göttingen und Hannoversch Münden war die Vereinigung der

Eine Schule ohne Schulzucht ist eine Mühle ohne Wasser. Johann Amos Comenius (1592-1670)

reformierten mit den lutherischen Schulen schon 1876 perfekt gemacht worden. Die einstige reformierte Schule in Celle befindet sich direkt neben dem Gemeindehaus. Die beiden alten Klassenräume wurden zu einem großen Saal umgestaltet, in dem bis heute Konfirmandenunterricht erteilt wird. Es treffen sich hier auch Gemeindegruppen. Die Wohnung über dem Schulraum, die einst dem Lehrer als Unterkunft diente, wird heute als Küsterwohnung genutzt.

11 Von Joachim Göres

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Der Lehrer Friedrich Heinrich Ludolph Stegmann war der erste Bewohner des Schulhauses


Fürs Gemeindeleben lernen Seelsorge, Predigt und Gemeindepädagogik auf dem Stundenplan Anna-Lina Becker fährt mit den Fingern durch den Sand. Sie formt Hügel, Flächen, einen Fluss. Mit ruhiger Stimme, den Blick immer auf den Sand gerichtet, erzählt sie von den Gefahren der Wüste. Dann lässt sie Figuren durch die Wüste ziehen, führt sie am Fluss entlang und in eine Stadt, bringt neue Figuren ins Spiel. Es ist die biblische Geschichte von Abraham und Sara, die sie erzählt.

Seminar mit Christiane Zimmermann-Fröb von der Arbeitsstelle für Kirche mit Kindern

Als Anna-Lina Becker fertig ist, klatschen die Zuhörer. Das sind in diesem Fall Vikarinnen und Vikare; auch die Erzählerin ist Vikarin. Sie alle kommen während ihrer Ausbildung zur Pfarrerin oder zum Pfarrer ins Predigerseminar nach Wuppertal. Dort vertiefen sie, was sie während ihres Theologiestudiums gelernt haben und was sie in ihrer Kirchengemeinde Praktisches lernen. Zweimal im Jahr beginnen Kurse am Predigerseminar, dem „Seminar für pastorale Ausbildung“. 19 Wochen verteilt auf das zweieinhalbjährige Vikariat verbringen die angehenden Pfarrerinnen und Pfarrer auf der Hardt, einem Berg in Wuppertal, auf dem auch andere kirchliche Einrichtungen ihren Sitz haben. Vier Landeskirchen schicken ihren Nachwuchs dorthin: die Evangelisch-reformierte Kirche, die Evangelische Kirche im Rheinland, die Evangelische Kirche von Westfalen und die Lippische Landeskirche.

Foto: Ute Mansion

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„Die Vikarinnen und Vikare lernen hier Methoden und Theorien, die sie für die Arbeit in der Gemeinde brauchen“, erklärt Pfarrer Achim Reinstädtler, seit Anfang November Direktor des Predigerseminars als Nachfolger von Peter Bukowski. „Sie bekommen neue Handlungsimpulse.“ Information, Introspektion, das heißt die Gewahrwerdung der eigenen Persönlichkeit, und Übung sind die drei Säulen des Lernens. Gottesdienst, Seelsorge, Gemeindepädagogik und Gemeindeaufbau sind die wichtigsten Arbeitsfelder. Für die zwölf Vikarinnen und Vikare aus dem aktuellen Kurs stehen an diesem Tag Methoden für die Arbeit mit Kindern auf dem Programm. Dafür haben sie sich in die „Arbeitsstelle für Kirche mit Kindern“ begeben. „Godly Play“ heißt die Methode, die Anna-Lina Becker und drei weitere Vikare vorstellen. Die Geschichte von Abraham und Sara und die Art, sie zu erzählen, gehören dazu. Christiane Zimmermann-Fröb von der Arbeitsstelle für Kirche mit Kindern erklärt weitere Methoden und gibt viele Tipps. „Bereitet eine Bühne“, rät sie. Zur Anschauung breitet sie ein rundes blaues Tuch auf dem Boden aus und lässt nacheinander drei Kerzen anzünden. Rituale seien wichtig, sagt sie. Wenn sie aus Zeitmangel fehlten, würden die Kinder unruhig. Die Vikarinnen und Vikare hören aufmerksam zu und haben


dann Gelegenheit, etwas auszuprobieren: Handpuppen. Auch für das scheinbar einfache Spiel mit den Puppen hat Christiane Zimmermann-Fröb Tipps parat. „Denkt euch eine Biografie für die Puppe aus, denn die Kinder fragen nach ihren Eltern und ihrem Lebensumfeld.“ Eine, die schon lange aktiv ist im Kindergottesdienst, ist Maike Dreesmann, Vikarin der Evangelisch-reformierten Kirche. Ihr gefällt der Austausch mit anderen während der Kurswochen. „Es ist schön, mit Menschen zusammenzukommen, die in der gleichen Lebensphase sind“, meint sie. „Man befruchtet sich auf andere Weise als mit jemandem, der schon lange im Dienst ist.“ Simon Plenter, ebenfalls Vikar der reformierten Kirche, ergänzt: „Es ist hilfreich, gemeinsam Sachen zu erarbeiten, die man in der Gemeinde anwenden kann.“ Rollenspiele bereiten auf die Praxis vor. „Ich kann zwar mit meinem Gemeindementor darüber reden, was ich mache, wenn ich einen Kranken besuche“, erklärt Maike Dreesmann. „Aber wenn ich es in einem Rollenspiel übe, hilft mir das, mein Auftreten zu reflektieren. Ich kann verschiedene Varianten ausprobieren, bis ich einen für mich guten Weg gefunden habe, in dieser Situation angemessen auf die Menschen zuzugehen.“ Pfarrerinnen und Pfarrer müssen mit ihrer Persönlichkeit für ihr Handeln stehen, sagt Achim Reinstädtler. Darum sollten die Vikarinnen und Vikare die eigene Persönlichkeit besser kennenlernen. Er betrachtet es deshalb als wichtige Aufgabe für sich und seine beiden Kolleginnen, die Persönlichkeit der Einzelnen zu stärken. „Die Frage ,Was hat das, was ich mache, mit meiner Persönlichkeit zu tun?‘ durchzieht alle Fächer“, erläutert er. „Was zeige ich zum Beispiel in einem Seelsorgegespräch von mir? Das Predigerseminar muss ein Ort sein, wo Vikare und Vikarinnen merken: Hier kann ich mich öffnen und auch Unvollkommenes zeigen.“ Das gilt nicht nur für

Fernsehen bildet. Immer, wenn der Fernseher an ist, gehe ich in ein anderes Zimmer und lese. Groucho Marx (1890-19

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die Übungen in der Lerngruppe, sondern auch für die drei obligatorischen Einzelgespräche, die die Lernenden mit einer Dozentin oder einem Dozenten führen. „Sie erfahren dadurch Seelsorge auch einmal von der anderen Seite“, erklärt Reinstädtler. Manche nehmen dieses Angebot mehr als dreimal wahr. Um herauszufinden, wie viel die Pfarrerinnen und Pfarrer in spe von dem, was sie am Predigerseminar lernen, zwei, drei Jahre später tatsächlich anwenden, überlegt Reinstädtler, nach dieser Zeit erneut zu erfragen, was nützlich war und was eventuell fehlte. An diesem Nachmittag widmen sich die Vikarinnen und Vikare wieder dem Thema „Arbeit mit Kindern“. Am nächsten Tag wird es um Seniorenarbeit gehen. Auch als Pfarrerinnen und Pfarrer werden sie sich immer wieder auf Neues einstellen müssen. Von Ute Stephanie Mansion www.predigerseminar-wuppertal.de

Pfarrer Achim Reinstädtler, seit Anfang November Direktor des Predigerseminars

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REFORMIERTER GLAUBE

Gläubig und klug wie möglich unterrichtet werden, handelt nicht Was für viele heute auseinanderfällt, nämlich: innur pflichtvergessen gegenüber Gott, sondern telligent zu sein und fromm, das ist in der Zeit der „verbirgt hinter einem menschlichen Aussehen Reformation das Gebot der Stunde. Der (neue) seine tierische Gesinnung.“ Auch Luther spricht Glaube braucht kluge Leute. Und wer wirklich eine ähnlich drastiklug ist, kann der sich sche Sprache. Über dem neuen Glauben die Schulen seiner entziehen? Muss dem Zeit ist er so entsetzt, nicht die reformatoridass er sie „Eselsstälsche Lehre - besonders le und Teufelsschulen“ da, wo sie Abergläunennt. Luther fordert bisches, zum Beispiel Klaus Bröhenhorst darum die Ratsherren die Verehrung von über den Zusammenhang von aller Städte deutschen Reliquien, bekämpft Bildung und Religion Landes auf, dass sie - einleuchten? In der christliche Schulen Tat ist es vielfach so. aufrichten und halten sollen - „für Knaben und Das liegt daran, dass Bildung „im Trend“ ist. GeMaidlein“ -, denn die Welt bedürfe „feiner, gewiss: Es können nur wenige lesen und schreiben schickter Männer und Frauen.“ Johannes Calvin in – auf dem Lande nur vier bis fünf Prozent, in den Genf sieht das ebenso. Dass man nicht ein Christ Städten zehn Prozent der Bevölkerung. Dennoch: sein kann, wenn man Seit dem 14. Jahrhunnicht eher einem Stück dert hat das UniversiVieh gleicht als einem tätswesen in Europa Menschen, ist für ihn stark zugenommen. eine „irrige Meinung“. Der Humanismus hat Überhaupt solle es für Bewegung in die akajedermann eine Ehrendemische Landschaft sache sein, nicht auf gebracht. Und nicht der Stufe eines ABCnur ein paar GelehrSchützen stehen zu te, auch „der gemeine bleiben. Und reichlich Mann“ soll davon propolemisch führt er aus: fitieren. Erasmus von Die evangelische KirRotterdam wünscht sich, der Bauer solle “Wenn es Gott gefiele, mich meiner che müsse einen andie Evangelien beim Aufgaben als Pastor zu entheben, deren Weg gehen als die katholische, die Pfluge lesen können, gäbe es für mich auf Erden keine Aufsich ja bekanntlich beder Weber am Webstuhl. Die Reformation gabe, die ich lieber erfüllen würde als mühe, „die Gemeinde „erfindet“ also nicht diejenige eines Schulmeisters, denn im Zustand der ersten unmündigen Kindheit einfach, dass „gläunach dem Amt des Pastors gibt es festzuhalten.“ Münbig und klug“ zusamdigkeit ist also das men gehören. Dieser kein schöneres Amt als das seine”. Bildungsziel. Freilich Zusammenhang liegt Martin Luther gibt es für die Reforin der Luft. Die Reformatoren keine „Bildung an sich“. Ziel ihrer Bemümation aber macht ihn zum Programm. „Die Juhungen um Bildung ist ein gottgefälliges Leben, gend in den Schulen vernachlässigen heißt nichts dessen Grundlage die Bibel ist. Auch wird nicht anderes, als den Frühling aus dem Jahre hinweg von unten nach oben gedacht, sondern von oben nehmen“, sagt Melanchthon bei der Gründung nach unten. Melanchthons Anliegen ist die Verder St. Egidienschule in Nürnberg. Ja: Wer keine besserung der höheren Bildung. Die Schule, an Mühe darauf verwendet, dass seine Kinder so gut

Reformierter Glaube

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REFORMIERTER GLAUBE

jährigen Krieg nach und nach beschritten wird. die Melanchthon denkt, ist das Gymnasium. Auch Die Reformatoren sind überzeugt, dass GlaubensJohannes Sturm in Straßburg, der das Klassenwissen bestes Orientierungswissen ist und dass system und die Versetzung in den Schulbetrieb Aufklärung im Lichte des Evangeliums zu gescheeinführt, zielt auf das „gymnasium illustre“. Ist ja hen habe. Diese Überauch klar: Als Multiplizeugung wird heute katoren der Reformatinicht mehr allgemein on muss es zunächst geteilt. Die Programme möglichst viele tüchtieiniger Parteien sprege Pastoren und Lehrer chen eine andere Sprageben. che. Der ReligionsunUnd die Breitenbilterricht in den Schulen dung? Nun, sie kommt. wird kritisch befragt. Aber sie kommt nur Was in der Reformatilangsam. Besonders on Offensive war, ist in auf dem Land gibt die Defensive geraten. es Widerstand, werden doch die Jungen „Keine Aufgabe ist Gott so wohlgefällig Was ist da zu tun? Nun und Mädchen in der wie die Erforschung und Verbreitung vielleicht kann man an einem Komma festArbeit gebraucht. Imvon Wahrheit und Gerechtigkeit.“ halten. Bertolt Brecht merhin: In Wittenberg hat in dem Satz „Der wird 1530 eine Mäd- Philipp Melanchthon Mensch denkt, Gott chenschule eröffnet. In lenkt“ eine Änderung vorgenommen. Er hat aus Genf erhalten Jungen und Mädchen öffentlichen dem Komma einen Doppelpunkt gemacht. Brecht und kostenlosen Grundschulunterricht. Und das wollte damit sagen: Der Mensch denkt nur, dass Fürstentum Pfalz-Zweibrücken führt als erstes unGott lenkt. In Wirklichkeit aber stimmt das nicht. ter dem Einfluss Straßburgs 1592 die allgemeine Also, was mich selbst Schulpflicht ein. Bis zur angeht – und ich hoffe Schullandschaft, wie da auf viele Mitstreiter: wir sie heute kennen, Ich bin fürs Komma. ist es allerdings noch ein weiter Weg, der erst nach dem Dreißig-

Ihr müsst die Menschen lie ben, wenn ihr sie verändern wo llt.

Johann Heinrich Pestalozzi

„Dann folgen die ‚Hirten‘ und die ‚Lehrer‘, ohne die die Kirche zu keiner Zeit sein kann.“ Johannes Calvin

Klaus Bröhenhorst ist Pastor der Evangelischreformierten Gemeinde Hildesheim, Mitglied im Beirat „reformiert“ und regelmäßiger Autor für „reformiert“.

(1746-1827)


Zwischen Hoffnung, Illusion Frieden im Nahen und Mittleren Osten als Thema einer Konsultation „Wir brauchen eine Querschnittssolidarität“. Dieser Satz des Nahost-Referenten des Berliner Missionswerks, Jens mierten Zielgruppe: ngelisch-reforprägte Eva r Nieper, die s de Verantwortliche au : nd Bu em miert for Re m de r d de un ramen EvanKirche TagungModeder hmende aus dem sschüsmaximal 40 Teilne samtkirchlichen Au ge n de d un de gelisch-reformierten rtnerPa d Gesamtsyno un e en -Christen, Ökum sen Frieden, Juden Kirche zum Frieden im schaft, Theologie s au r ne Nahen und Mittleren hspart hkundige Gespräc eologie Referenten und sac ssion und ThZweieinhalb Mi , nie ko Osten. Dia , che Politik, Kir Tage lang setzten sich 30 Mitglieder aus den r: Ausschüssen Veranstalte operation Theolomierte Kirche in Ko und ChrisEvangelisch-refor sdienste und FriedenJuden ichengie, mit Aktion Sühneze ten sowie Partnerschaft Reformiertem Bund und Mission intensiv Tagungsort: tbahnhof am Berliner Haup Jugendgästehaus mit der Frage auseinan, 10557 Berlin Lehrter Straße 68 der: „Was fördert den Leitungsteam: Pruin,Nahen und Dr. Dagmar im cher, Frieden Dr. Martin Heimbu r oo Sm ut rtm Ha Pastor Mittleren Osten?“

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nenser in Deutschland, Khouloud Daibes, GeISCH-REFO CH-REF EL O LIS N E TIo sprächspartner in der TA FRIEDENS-KoNSuL Konsultation. Shimon Stein und Karsten Voigt waren sich in einem sehr einig: Die alte politische n e d rt e Einschätzung aus dem Was förd vergangenen Jahrhund n nu Frieden im Nahe dert, dass der Frieden Mittleren Osten? zwischen Israel und Palästina der Schlüssel für einen Frieden im Nahen Osten sei, gelte nicht mehr. „Die Region wird nicht stabiler, wenn Israel und Palästina Frieden schließen“, so der ehemalige SPD-Außenpolitiker. Stein ergänzt: bisNieper meinte mit tte bi ng Jens „In der aktuellen du el m An : an 15 20 seiner Forderung nach Eskalation ist ein 26. Juli che der QuerschnittssolidaEnde nicht absehKir e ert mi Evangelisch-refor oor Sm ut rtm Ha r sto rität, dass die alten Blöbar.“ Stein und Pa Saarstraße 6 cke der Solidarität auf der Voigt gaben den r 26789 Lee ormiert.de hartmut.smoor@ref einen Seite mit dem jüdiTeilnehmern der e Konsultation klawww.reformiert.d schen Staat Israel und auf der anderen Seite mit den re Aussagen mit Palästinensern der Lage in auf den Weg, die der Krisenregion nicht gealle unter einen zweiten, die Tagung prägenden 16 recht werden. Auch in der Evangelisch-reformierBegriff fallen: Die Lage ist extrem komplex. So 1 reformiert 2016 ten Kirche gibt es diese Lager. Nieper wünscht meint Stein, dass die deutsch-israelische Beziesich eine Ablösung des alten Begriffs der doppelhung keine deutsche Herzensangelegenheit sei, ten Solidarität. In der verworrenen Situation sei jedenfalls nicht bei der Mehrheit der Bevölkerung. es hilfreich, jeweils genau hinzusehen, „wer dort In den nächsten Jahren werde der Ausgangspunkt unsere Verbündeten sind“. für diese Beziehungen, die Rolle der Shoa, in Ausrichter der Friedenskonsultation vom 12. ihrer Bedeutung abnehmen. Gegenseitige Interbis 14. Oktober in Berlin war die Evangelischessen würden wichtiger, die Komplexität nehme reformierte Kirche in Kooperation mit Aktion Sühzu. Karsten Voigt redet einer pragmatischen Aunezeichen – Friedensdienste. Neben dem eheßenpolitik das Wort. Wenn das Existenzrecht Ismaligen Botschafter Israels, Shimon Stein, dem raels zur deutschen Staatsräson gehöre, wie es ehemaligen SPD-Außenpolitiker Karsten Voigt kürzlich die Bundeskanzlerin bestätigte, dann und den Bundestagsabgeordneten von CDU und müsste Deutschland auch bereit sein, Israel im Grünen, Gitta Connemann und Volker Beck, war Angriffsfall zu verteidigen. Verantwortungsethik auch die diplomatische Vertreterin der Palästisei gefragt, keine Gesinnungsethik.


und Komplexität zwischen Kirche und Politik Die Komplexität der Lage im Nahen Osten machte auch das Grußwort der palästinensischen Botschafterin in Deutschland, Khouloud Daibes, deutlich. Sie sprach von großer Hoffnungslosigkeit in den Palästinensergebieten. „Es ist der Zeitpunkt nah, wo es weder in der palästinensischen Welt noch in der israelischen Träger einer politischen Lösung gibt“, sagte die diplomatische Vertreterin wenig diplomatisch. „Es gibt nicht die Hoffnung, dass der Status quo erhalten bleibt. Jeden Tag wird unser Gebiet kleiner, die Siedler werden gewalttätiger.“ Die Tagung weitete zudem den Blick über den israelisch-palästinensischen Konflikt hinaus – was die Beantwortung der Frage der Konsultation erwartungsgemäß nicht einfacher machte. So stellte der deutschösterreichische Theologe und Ethiker Ulrich Körtner mit Blick auf den Staatsgründungsprozess des sogenannten Islamischen Staates die bisherigen friedensethischen Aussagen der Kirchen in Frage. „Die Frage nach neuen militärischen Einsätzen wird sich stellen – und es gibt in der EKD dafür keine hinreichenden Kriterien“, so Körtner. Die bisherigen friedensethischen Aussagen seien dem politischen System der 90er Jahre verhaftet. So sei dort immer von einer Gewalt die Rede, „die Recht wieder herstellen“ solle – und nicht von einer „Recht schaffenden Gewalt“. Wenn eine politische Lösung gegen den IS die Einrichtung von Schutzzonen sei, gehe es nicht ohne militärische Gewalt, meinte Körtner.

Auch die Journalistin Katja Buck gab den Teilnehmern der Tagung Aufgaben mit auf den Weg. Sie forderte einen größeren Einsatz für die Christen im Nahen Osten. „Ihr habt den Nahen Osten aufgegeben“, sagte sie provozierend an die Kirchen in Deutschland gerichtet. Irak und Syrien würden bald christenfrei sein, so Buck. Aus diesen Ländern komme der in ihren Augen berechtigte Vorwurf, im Stich gelassen zu werden. Galt bislang immer bei allen internationalen Konflikten – so auch im Nahen Osten - , dass den Vereinten Nationen eine Schlüsselrolle zugesprochen wurde, wurde den Teilnehmern auch diese Illusion genommen. Karsten Voigt wies daraufhin, dass bei allen wichtigen bisherigen Schritten auf dem Weg zu einer friedlichen Lösung zwischen Israel und Palästina die UN nicht beteiligt gewesen sei: nicht in Camp David, nicht in Oslo. Die CDU-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Gitta Connemann, forderte eine Führungsrolle der EU und wurde dabei nicht konkret. „Was fördert den Frieden im Nahen und Mittleren Osten?“ Die Konsultation förderte wenigstens eine Einsicht zutage: Das Eintreten ausschließlich für die Interessen der einen Seite oder der anderen Seite – für die Sache der Palästinenser oder für die Sache der Israelis - bringt die Menschen dem Frieden nicht näher. Von Ulf Preuß

Karsten Voigt, ehemaliger SPD Außenpolitiker Khouloud Daibes, diplomatische Vertreterin der Palästinenser in Deutschland Shimon Stein, Botschafter Israeles von 2001-2007

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PERSONEN

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René Lammer wird neuer Pastor der Plessegemeinden Angerstein und Northeim. Die Gemeinden wählten den 59-jährigen Theologen am 4. Oktober. Lammer war vorher Auslandspastor in der Evangelischen Gemeinde in Athen. Lammer wird damit Nachfolger von Reinhard Sell, der im Sommer nach 38 Jahren in Northeim in den Ruhestand gegangen war. Seit 2008 haben die Gemeinden Northeim und Angerstein eine gemeinsame Pfarrstelle. [2]

Edzard van der Laan ist als Pastor in die Altreformierte Kirche gewechselt. Ab 1. September ist er Pastor der Gemeinde Emlichheim. Zuvor war er seit 1992 reformierter Pastor in Jemgum (Rheiderland), später war er auch für die Gemeinden Marienchor, Böhmerwold und Midlum zuständig. In Emlichheim ist Edzard van der Laan Seelsorger der größten Gemeinde der Altreformierten Kirche. Achim Reinstädtler ist seit 1. November neuer Direktor des Seminars für pastorale Ausbildung in Wuppertal. Der 57-jährige Pfarrer trat die Nachfolge von Peter Bukowski (65) an, der in den Ruhestand ging. Das Seminar mit Sitz im Theologischen Zentrum Wuppertal ist die zentrale Ausbil[1]

dungsstätte für die pastorale Ausbildung von Vikarinnen und Vikaren der Evangelischen Kirche im Rheinland, der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Lippischen Landeskirche sowie der Evangelisch-reformierten Kirche. [3]

Heinrich Bedford-Strohm ist erneut zum Vorsitzenden des Rates der EKD gewählt worden. Die Synode der EKD bestätigte den 58-Jährigen in seinem Amt, in das er vor einem Jahr als Nachfolger von Nikolaus Schneider gewählt wurde. Damit ist der Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern für die nächsten sechs Jahre höchster Repräsentant der Evangelischen in Deutschland. [4]

Helmuth Bruns wird neuer Jugendreferent im Synodalverband X. Vor seiner Ausbildung zum Diakon absolvierte er eine Lehre als Tischler. Noch ist Bruns Diakon in der ev.-luth. Kirchengemeinde Oerel zwischen Bremen und Hamburg. Dort unterrichtet er auch Religionsunterricht und hat sich zum Schulseelsorger weiter gebildet. Der 58-Jährige tritt seine halbe Stelle zum 1. Januar an. Er lebt mit der Braunschweiger Jugendreferentin und Diakonin Susanne Stamer zusammen.

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Foto: Heike Wolf

25 Ältestenpredigerinnen und –prediger im Herbst bei einer Fortbildung in Berlin. Dabei besuchten sie auch die Ägyptische Sammlung im Neuen Museum und nahmen an einer Führung zu Stätten jüdischer Geschichte teil. Die Tagung war eine Ergänzung zu einem Seminar über die Richterzeit der Bibel. In Berlin wurden die Prediger von dem Alttestamentler Prof. Rüdiger Liwak und der Geschäftsführerin der „Aktion Sühnezeichen–Friedensdienste“, Dagmar Pruin, begleitet.

Kirche für alle Trauungen offen Die Evangelisch-reformierte Gemeinde Leer-Loga öffnet sich für Brautpaare aller Konfessionen. Zukünftig können sich Paare direkt nach ihrer standesamtlichen Eheschließung im Trauzimmer der historischen Evenburg direkt nebenan in der Kirche das Jawort geben. Der Kirchenrat der Gemeinde hat vor kurzem einen entsprechenden Beschluss gefasst. Voraussetzung ist, dass die Paare für den Traugottesdienst ihren eigenen Pastor mitbringen und ein Partner einer Konfession angehört, die zur Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK) gehört. Für die Nutzung der Kirche berechnet die Gemeinde dann 365 Euro, „einen Euro pro Tag im Hochzeitsjahr“, so Pastor Ingo Brookmann. Reformierte Weltgemeinschaft tagt 2017 Die Generalversammlung der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) findet 2017 in Leipzig statt. Der Generalsekretär der WGRK, Chris Ferguson, und der Geschäftsführer der Leipziger Messe, Markus Geisenberger, unterzeichneten jetzt einen Veranstaltungsvertrag. Die Versammlung vom 27. Juni bis zum 7. Juli 2017 steht unter dem Thema „Lebendiger Gott, erneuere und verwandle uns“. Sie wird sich mit Fragen von Gerechtigkeit, Einheit der Kirchen und Erneuerung der Welt auseinandersetzen. Zu erwarten sei eine deutliche Botschaft an die Öffentlichkeit hinsichtlich drängender gegenwärtiger Herausforderungen, heißt es in der Mitteilung der WGRK. Über 1.000 Delegierte, Beobachter, Mitarbeitende und Gäste aus 108 Ländern kommen im Jahr des Reformationsjubiläums nach Deutschland.


AKTUELLES / IMPRESSUM

Foto: Cordelia Rose

Foto: Stefan Huhs

Zu einer Fankurve von Werder Bremen wurde die Neuenkirchener Kirche am 12. September. Kantor Hauke Scholten hatte zu einem Kindersingnachmittag eingeladen: mit Fußballgesängen und Liedern in Grün-Weiß. Nicht nur seine Kinderchöre warfen sich in die Werder-Vereinskluft, auch zahlreiche Eltern kamen mit Fahnen und Schal.

St. Martha läutet historische Glocke an Die Gemeinde in Nürnberg hat den Wiederaufbau der im Juni 2014 abgebrannten St.-Martha-Kirche eingeläutet. Am Erntedanksonntag am 4. Oktober wurde eine bei dem Brand beschädigte historische Kirchenglocke wieder in Betrieb genommen. Der gelernte Glockengießer Martin Buchmeier hatte die Glocke in das Joch in der Martha-Kirche eingebaut. Im Anschluss an den Gottesdienst in der benachbarten katholischen St.-Klara-Kirche erlebten zahlreiche Gottesdienstbesucher, wie „in St. Martha ein Gruß aus der Vergangenheit erklang, der gleichzeitig ein Zeichen der Hoffnung für die Zukunft ist“. Die Glocke stammt aus der Bauzeit der Kirche und konnte nach dem Brand im Juni 2014 aus dem Schutt der Kirche geborgen und wieder zusammengeschweißt werden. „foedus“ in Hannover gegründet Die Pastorinnen und Pastoren der Synodalverbände der Verstreuten Reformierten haben sich unter dem Namen „foedus“ zusammengeschlossen. Am 15. November fand in Hannover die Gründungsversammlung statt. Aufgabe der Vereinigung sei es, die Kommunikation untereinander zu verbessern und gemeinsame Belange zu beraten, sagte die zum Moderamen gehörende Pastorin für Verstreute Reformierte, Antje Donker aus Hannover. Ein Ziel sei es, eine regelmäßige gemeinsame Pfarrkonferenz zu organisieren. Die Pastoren des foedus machen etwa ein Drittel der Pastoren in der Landeskirche aus. Der Verein wolle auch mit den anderen Pfarrerverbänden der Landeskirche zusammenarbeiten. Die Pastorinnen und

Selbstgebackene „Pastorenkekse“ gab es in den Gemeinden Angerstein und Northeim zur Pastorenwahl im Oktober. Sigrid Klingner aus Angerstein hatte überraschend zwei Bleche gebacken, die nach der Stimmzettelabgabe verzehrt werden konnten.

Pastoren in Ostfriesland gehören zum Coetus, die Prediger in der Grafschaft zur Classis, beides Verbände mit jahrhundertelanger Tradition. Daneben gibt es noch einen Pfarrerverein, der für alle Pastorinnen und Pastoren offen ist. Führung durch Reformationsstadt für Kinder und Jugendliche Die Stadt Emden hat einen Kirchenführer speziell für Kinder und Jugendliche herausgegeben. Die besondere konfessionelle Vielfalt in Emden seit dem Reformations-Jahrhundert bis heute lohne einen Blick auf die verschiedenen Kirchenräume, hieß es bei der Vorstellung. Auf 52 Seiten zeigt die Broschüre mit dem Untertitel „Auf Spurensuche in Emden und Ostfriesland“ Räume, Gegenstände sowie acht unterschiedliche Kirchen und eine Synagoge. Ein besonderes Augenmerk werde auf konfessionell bedingte Unterschiede und Gemeinsamkeiten gelegt, hieß es. Die Broschüre entstand in dem Arbeitskreis „Reformationsstadt Europas“, in dem Vertreter der Kirchen und der Stadt gemeinsam das Reformationsjubiläum vorbereiten. Allianz für Demenzkranke Die Kirchengemeinde Uelsen (Grafschaft Bentheim) führt das Projekt „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ durch. „Unsere gemeinsame Aufgabe als Kirche und Kommune ist es, dass Demenzkranke so lange wie möglich ein ganz normales Leben in der Mitte unserer Gesellschaft führen können“, sagt Hanna Reurik vom Arbeitskreis Demenz. Ziel des Projektes sei es, in den nächsten zwei Jahren mit Veranstaltungen für das Thema zu sen-

sibilisieren und in den kommenden zwei Jahren ein Netzwerk aufzubauen, das die Situation demenzkranker Menschen in Uelsen verbessert. Die Kirchengemeinde wird dafür mit 10.000 Euro gefördert. „Lokale Allianz für Demenz“ ist ein bundesweit angelegtes Projekt des Bundesfamilienministeriums.

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Martin Heimbucher ist Kirchenpräsident der Evangelischreformierten Kirche. Er predigte am Reformationstag, dem 31. Oktober, in einem gemeinsamen Gottesdienst der beiden reformierten Gemeinden in München zusammen mit der ungarisch-sprachigen reformierten Gemeinde und der niederländisch-reformierten Gemeinde der Stadt.

Martin Heimbucher:

POSITION

Auch Muslime sind Schwestern und Brüder Kirchenpräsident Martin Heimbucher hat sich klar gegen eine islamfeindliche Stimmung ausgesprochen. In seiner Predigt am Reformationstag in der reformierten Gemeinde in München sagte Heimbucher: „Nein, es sind keine Terroristen, die hier kommen, sondern im Gegenteil: Es sind Menschen, die vor dem Terror fliehen.“ Diese Haltung habe ihre Basis auch bei den Christen im Nahen Osten, die zurzeit unter immenser Verfolgung leiden. In einem Notruf der evangelischen Kirchen und Gemeinden aus dem Mittleren Osten an die Kirchen weltweit vor einem Jahr habe es geheißen: „Wir bitten um Eure Hilfe, nicht allein für uns, sondern auch für die übergroße Mehrheit der hier lebendenden Muslime.“ Heimbucher sagte, dieses „evangelische Zeugnis aus dem Mittleren Osten“, dass auch die Muslime „Unsere Schwestern und Brüder“ seien, biete Anlass genug, allen zu widersprechen, die die nach Europa flüchtenden Muslime unter Generalverdacht stellten.

In seiner Predigt über die Seligpreisungen aus der Bergpredigt betonte Heimbucher weiter, dass Gott besonderes Augenmerk auf die Menschen am Rand der Gesellschaft richte. „Ihnen zuerst gelten all jene großen Zusagen des Evangeliums: dass Gott mit ihnen ist, dass er sie retten, schützen, bergen und heilen wird.“ Und Jesus nenne in der Bergpredigt in einem Atemzug mit den Leidenden auch die Menschen, „die es vermögen, etwas gegen das Leid und seine Ursachen zu tun und die Not zu wenden: die Gewaltlosen, die Barmherzigen, die Ehrlichen, die Frieden stiften.“ Die Zusage des Evangeliums schaffe ein Gegengewicht zu all den bedrückenden Erfahrungen von Leid und der Gewalt. Mit dieser Hoffnung ließen sich die Herausforderungen unseres Lebens und die Herausforderungen unserer Gegenwart bestehen. Mit Blick auf die Flüchtlingskrise sagte Heimbucher: „Der zuversichtliche Satz unserer Kanzlerin: ‚Wir schaffen das!‘ wird nur dann beständig und kräftig bleiben, wenn er in einer Hoffnung gründet.“

1 reformierte 2016  

„Damit wir klug werden“ – lautete das Motto des 35. Deutschen Evangelischen Kirchentags Anfang Juni in Stuttgart – wie passend zu einer Ausg...

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