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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

1 reformiert 2018 201620Dezember Januar Februar

Wie geht‘s? Seelsorge in Bild und Wort


Seite Seite 8-13: Vom ostfriesischen Maler Bodo Olthoff stammen vier Bilder zum Thema Seelsorge.

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Bodo Olthoff

Seite 4 Mein Bibelvers Seite 6 Seelsorgerliche Schweigepflicht gilt auch im Knast Henning Goeden macht Gefängnisseelsorge in Göttingen Seite 8 Service Seelsorge Seite 12 Seelsorge oder Psychotherapie Ein Gespräch über Grenzen und Gemeinsamkeiten

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Bodo Olthoff

Seite 14 Die neue Glocke von Ditzum Glockenguss vor Ort Seite 16 Reformierter Reisetipp Magdeburg: Eingangstor für Hugenotten Seite 18 Personen / Aktuelles / Impressum Seite 20 Die Malerei zum Thema Drei Fragen an Bodo Olthoff

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Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Evangelisch-reformierte Kirche Stichwort: reformiert Sparkasse LeerWittmund IBAN: DE94 2855 0000 0000 9060 08 SWIFT-BIC: BRLADE21LER Spendenquittung wird zugesandt Titelbild: Bodo Olthoff


Foto: Karl Heinz Krämer

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Foto: Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH

„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“

1. Petrus 5,7

Seite 14: Glockenguss vor Ort in Ditzum Seite 16: Der Magdeburger Dom - die Stadt an der Elbe ist diesmal der reformierte Reisetipp.

Liebe Leserin, lieber Leser, „Wie geht´s?“ fragt sich so schnell – und meist will man die ehrliche Antwort gar nicht hören. Dabei verbirgt sich dahinter oft ganz viel. Ob Seelsorger diese Frage auch so oft stellen? Um die Seelsorge geht es in dieser Ausgabe, aus unterschiedlichen Perspektiven: Leider lässt sich Seelsorge nicht fotografieren. Selbst die GoogleSuche liefert nur enttäuschende Ergebnisse. Aus diesem Engpass entstand die Idee, den ostfriesischen Maler Bodo Olthoff zu fragen, ob er nicht aus seinem Werk etwas zum Thema beisteuern kann.

Er hat das sehr gern getan – und so entstand zusammen mit dem Gemälde aus der Kunstgruppe von Gefängnisseelsorger Henning Goeden eine kleine Kunstserie zum Thema. Sie begleitet, ergänzt und erweitert das Thema Seelsorge – und eröffnet neue Perspektiven und schafft Gesprächsstoff. Was sehen Sie in den Kunststücken? Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und bereichernde Einblicke.

Ihr

Ulf Preuß

Bodo Olthoff

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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Mein Bibelvers Andreas Wundram, Jurist

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Andreas Wundram (56) lebt in Hannover. Er hat zur Kirche am Waterlooplatz eine besondere Beziehung. Dort wurde er 1961 getauft, 1975 konfirmiert und 1990 getraut. Die Taufen seiner Kinder 1992, 1996 und 1999 fanden in der Kirche statt, in der auch schon seine Eltern und GroĂ&#x;eltern heirateten. Seit 2003 ist er in der Gemeindevertretung und seit 2006 im Presbyterium aktiv. Er arbeitet als Jurist bei einem internationalen hannoverschen Automobilzulieferer.


„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde: weinen hat seine Zeit, lachen hat seine Zeit; lieben hat seine Zeit, hassen hat seine Zeit; Streit hat seine Zeit, Friede hat seine Zeit.“ (Prediger 3,1.4.8)

Dieser Vers ist der Trauspruch von meiner Frau Derya und mir. Auf Vorschlag von Pastor Harm de Vries wählten wir ihn 1990 aus. Wir wollten allem in unserem Leben seine Zeit geben und dachten damals, dass wirklich alles (Gute) in unserem künftigen gemeinsamen Leben auch vorkommen werde, ja vorkommen müsse. Doch Freud und Leid sind ungleich verteilt und gehören doch zusammen, und bei jedem Menschen überwiegt mal das eine, mal das andere. Mittlerweile haben wir drei volljährige Kinder von 25, 21 und 18 Jahren, unsere Eltern sind alt geworden oder schon gestorben. Alles in dieser Zeit haben wir bewusst erleben dürfen und erleben müssen. Ich glaube zu verstehen: Alles hat seine Zeit und alles braucht seine Zeit. Wir können daran nichts ändern.

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Heute, im Zeitalter des Multi-Tasking, hilft mir der Vers, wenn ich jeder Herausforderung die ihr zukommende Zeit meiner Aufmerksamkeit bewusst zuweise. Denn man kann nicht alles gleichzeitig, wohl aber nacheinander erledigen. Die ungeteilte Aufmerksamkeit braucht ihre Zeit. Wir haben nicht für alles Zeit, denn unsere Zeit ist endlich und unsere Zeit ist nicht so bemessen und darauf angelegt, dass wir alles, was möglich wäre, auch erleben müssen.

Foto: Jens Schulze


T hema

Seelsorgerliche Schweigepflicht Henning Goeden macht Gefängnisseelsorge in Göttingen „Gefangene zu besuchen ist eine tief in der Bibel verwurzelte Aufgabe“, sagt Henning Goeden. Er ist Pastor und einer von 38 christlichen Gefängnisseelsorgern in Niedersachsen. Jährlich gibt das Land 1,9 Millionen Euro für die Gefängnisseelsorge aus. Goeden arbeitet in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf bei Göttingen. Auch Jesus besuchte Kranke, Aussätzige, aus der Gesellschaft ausgestoßene Menschen. Er aß mit Zöllnern und Huren, berichten die Geschichten des Evangeliums. Darum gehört Gefängnisseelsorge zum Christsein einfach dazu, sagt Henning Goeden. *alle Namen der Gefangenen wurden geändert

Foto: Swen Pförtner

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12 Fragen zur Seelsorge

Im Umgang mit Gefangenen zeigt sich das wahre Gesicht einer Gesellschaft, meint Henning Goeden. Manchmal kommt es vor, dass ehemalige Gefangene bei ihm anrufen und ihn um Rat bitten.

Dieser Kunstkurs ist ein besonderer. Thema: freies Malen - fast wie an einer Volkshochschule draußen. Aber dieser findet hinter sechseinhalb Meter hohen Mauern, vergitterten Fenstern und Stacheldraht statt. Und drinnen sind sie für diese Abwechslung, diese Nische, die einen Hauch von Freiheit bietet, dankbar. Ihr Kursleiter ist Henning Goeden. Zehn Jahre ist er schon Pastor im Knast in Rosdorf. Davor hat er acht Jahre in der JVA in Bremerhaven gearbeitet, als Gemeindepfarrer. Jetzt blicken ihn die drei Hobbykünstler erwartungsvoll an. Goeden ist auch Kunsttherapeut. „Kunst ist ein Schlüssel, um an die Menschen heranzukommen.“ Klaus*, um die 50, zu lebenslang verurteilt wegen Mordes, Marti, Anfang 30, er hat seine Ehefrau vergewaltigt, und der End-Fünfziger Micha, verurteilt, weil er sich an seinen eigenen Kindern vergangen hat. Sicherungsverwahrter. Immer montags treffen sie sich in einem Seminarraum. In den vergangenen Wochen haben sie an ihren Bildern gemalt, heute wollen wir über die Werke sprechen. Marti zeigt sein Bild. Ein kleines Segelschiff in einem tosenden sturmgepeitschten Meer. Darauf steht ein einzelner Mensch. Er winkt in seiner Seenot. Während die beiden anderen über das Bild philosophieren, stellt Goeden Marti eine entscheidende Frage. Als ob er weiß, was aus seinem Bild spricht: „Wie war das Gespräch am Freitag?“ Es war ein Gespräch über Martis vorzeitige Haftentlassung. Da bricht es aus ihm heraus. Mit „übelsten Worten“ hätten sie ihn abgekanzelt. Seine Strafe sei noch zu gering, hätten sie gesagt. Einer vorzeitigen Entlassung würden sie wohl nicht zustimmen. „Dann sind bei mir auch Tränen geflossen“, gesteht er. Der Drang, bei seiner Familie sein zu wollen, sei so groß. Seine Frau wisse auch schon Bescheid, sie besucht ihn regelmäßig. Sie war sein Vergewaltigungsopfer, ein

Antworten von Achim Reinstädtler. Er ist Leiter des Seminars für pastorale Ausbildung in Wuppertal. Hier werden alle Vikarinnen und Vikare, also Theologen nach dem ersten Examen, in ihrer Ausbildung in einer Kirchengemeinde in Kursen begleitet.


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gilt auch im Knast Paar sind sie noch immer. „Kannst gern auch mal zu mir kommen“, sagt Micha mit ruhiger Stimme, „ich hab immer ein offenes Ohr.“ Es sind solche Momente, die den Gefängnisseelsorger Goeden motivieren. „Verurteilt sind sie schon, beurteilt werden sie ständig. Ich lasse sie einfach erzählen.“ Sie sollen sich unbefangen fühlen. Auch im Knast gilt die seelsorgerliche Schweigepflicht. Nebenbei lernten sie noch den fairen Umgang untereinander. Was seine Klienten dabei auf dem Kerbholz haben, interessiert ihn nicht in erster Linie. „Mich interessiert, was einer sagt und wie es einer sagt.“ Rund 330 Menschen sind in Rosdorf inhaftiert - 330 potenzielle Kirchgänger. Zu den Gottesdiensten, die Goeden und seine katholischen Kollegen jeden Sonntag anbieten, kommen zwischen 30 und 50 Besucher. „Wenn Formel 1 übertragen wird, sind es auch weniger.“ Als Pastor wird Goeden sehr respektvoll behandelt. Auch Moslems kommen in seinen Gottesdienst. „Wenn sie mich begrüßen, verbeugen sie sich, manche küssen mir sogar die Hand.“ Als Pastor ist er ein Vertreter des Glaubens und nicht der Justiz. Das schätzten die Insassen. Die Knastkirche in Rosdorf hat Platz für 66 Besucher. Die Fenster sind mit bunten Ornamenten geschmückt. Das Pult, der Altar und das Kreuz an der Wand sind schlicht und aus Brettschichtholz gefertigt. Der Raum strahlt Ruhe aus. „Er ermöglicht eine Offenheit“, erklärt Goeden. Darum sitze er dort auch mit Insassen, die ein individuelles Gespräch suchten. Ängste und Beziehungsprobleme sind dabei Themen. „Und immer wieder auch die Frage, wer die Schuld vergibt.“ Seine Gottesdienste hält Henning Goeden möglichst frei, gestikuliert viel. „Ich suche immer den Blickkontakt zu den Besuchern, das schafft Autorität.“ Autorität und Inhalt seien wichtig bei einem Gottesdienst

im Knast, „so hast du sie im Griff“. Wenn einer zu sehr stört, fliegt er auch schon mal raus. Und die Sprache: klar strukturiert und leicht verständlich. „In einer Predigt muss spätestens der fünfte Satz sitzen. Der muss die Leute fesseln.“ Gerade die biblischen Heilsgeschichten ziehen die Insassen in ihren Bann. „Jesus schafft es immer wieder, Menschen aufzurichten“, sagt Goeden. Jesus geht zu Kranken, die unter Fieber leiden oder bösen Geistern. „Es geht in den Geschichten um existenzielle Fragen - so wie sie sich auch hier im Knast verdichten.“ Von Jan Fragel

Dieses Bild von Marti* stammt aus einem Kunstprojekt im Knast

„Da stand er auf, bedrohte den Wind und das Meer; und es ward eine große Stille“ Matthäus 8,15

Was ist eigentlich die Seele? Mit Seele ist nicht ein Organ in mir gemeint, sondern der Aspekt meines Lebens und meiner Person, in dem die Dinge, die mir widerfahren, ihre Spuren hinterlassen. Da ist erst einmal Gott, der bei mir Spuren hinterlassen hat. Er hat mir mein Leben geschenkt, mich so geschaffen wie

ich bin und mich mit der Sehnsucht nach Leben und Erfüllung ausgestattet. Aber auch andere Dinge und Erlebnisse haben ihren Niederschlag im Laufe meines Lebens in mir gefunden. All das macht mich aus. All das macht meine Seele aus. Vieles davon ist mir bewusst, manches ist auch in mir verborgen.

Woher kommt der Begriff Seelsorge? Den Begriff „Sorge für die Seele“ benutzten schon die Kirchenväter der christlichen Antike. Sie meinten damit die Sorge um das Seelen„heil“ des Einzelnen, also die geistliche Betreuung von Menschen mit dem Ziel der „Errettung des Einzelnen im Gericht“. Im Laufe der Kirchen-


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Service

Reinhild Gedenk ist zuständig für die Seelsorge mit Hörgeschädigten in Emden

Hörgeschädigtenseelsorge Als Seelsorgerin für Hörgeschädigte bilde ich eine Brücke von der hörenden zur tauben Welt. In ihrer Gemeinde bin ich ganz Auge und nicht ganz Ohr. Gottesdienste dürfen keine langen Redebeiträge enthalten. In Seelsorge-Gesprächen muss ich erst den Bibeltext auf seinen Kern vereinfachen, um ihn dann in Gebärdensprache zu übersetzen. Auch bei Liedern und Gebeten schaffe ich eigene Texte, die ich mit den Händen umsetze. Meine Aufgabe ist, mit den Augen der anderen zu hören und mit ihren Händen zu sprechen. So kann ich die frohe Botschaft im wahrsten Sinne handgreiflich nahe bringen. Es ist auch meine Aufgabe, die Gebärdengemeinschaft in ihrem Bewusstsein zu stärken, eine Kulturgemeinschaft zu sein.

Margrit Tuente hat als Gemeindepastorin auf Borkum in der Urlaubszeit mehr mit Feriengästen als mit Borkumer Gemeindemitgliedern zu tun

Urlauberseelsorge

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Im Urlaub oder in der Kur brechen manchmal Konflikte auf, die ein Mensch unter Umständen schon sehr lange mit sich herum trägt. Manchmal ist es ein Satz in der Predigt, der jemanden veranlasst, das Gespräch zu suchen oder um Hilfe zu bitten. Die relative Anonymität am Urlaubsort macht es leichter, auch das ganz große Paket auf den Tisch zu packen: Ich kann ja wieder gehen. Bei anderen ist über die

geschichte, insbesondere durch Reformation und Pietismus, ist daraus ein aufbauendes und tröstendes Gespräch geworden, das Fragen des Lebens und des Glaubens zum Thema hat. Je weiter wir in die Neuzeit kommen, desto stärker wird bei der Seelsorge der Aspekt der Lebensbegleitung.

Jahre ein Vertrauensverhältnis gewachsen: „Mit Ihnen kann ich darüber vielleicht reden.“ Die Begleitung ist meistens kurz, aber aufgrund der angesprochenen Themen sehr intensiv. Es gibt auch seelsorgerliche Beziehungen, die sich über Jahre hin entwickeln und vertiefen. Viele, die regelmäßig nach Borkum kommen, suchen die Nähe zur Gemeinde, auch wenn sie zu Hause möglicherweise nur losen oder gar keinen Kontakt zur Kirche haben.

Darf ich meinen Pastor/meine Pastorin einfach anrufen, wenn ich Sorgen habe? Natürlich dürfen Sie Ihren Pastor oder Ihre Pastorin anrufen. Aber vielleicht wird nicht jederzeit sofort die Zeit für ein ausführliches seelsorgerliches Gespräch sein. Manchmal braucht es vielleicht eine Verabredung für einen besonderen Ge-

sprächstermin. Übrigens wissen Pastoren und Pastorinnen in der Regel, dass manche Menschen den Weg zu ihnen mit der Bitte um ein Gespräch scheuen und darum hin und wieder Sorgen und tiefere Anliegen auch bei Gelegenheiten zwischen Tür und Angel gegenüber einem Seelsorger oder einer Seelsorgerin ansprechen.


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Seelsorge

Gerrit Degenhardt ist evangelischer Militärseelsorger bei der Marine in Plön (Schleswig-Holstein)

Millitärseelsorge Als Militärseelsorger arbeite ich im abgeschlossenen Bereich der Bundeswehr, mit Soldatinnen und Soldaten – auf zwei unterschiedlichen Ebenen. Da ist die Kaserne, in der ich zusammen mit den Soldatinnen und Soldaten Gottesdienste feiere und für sie den ethisch ausgerichteten lebenskundlichen Unterricht halte. Ich bin Ansprechpartner für ihre seelsorgerlichen Belange innerhalb und außerhalb der Dienstzeit. Im krassen Gegensatz zur Enge einer Kaserne steht die globale Weite internationaler Auslandseinsätze. Über mehrere Monate sitzen Militärgeistliche und Angehörige der Truppe nicht nur im selben Boot sondern auch am gleichen Tisch. Das erfordert eine erhöhte Belastungsfähigkeit auch für die Familien der Militärseelsorger.

Bodo Olthoff

Siek Postma ist Gemeindepastor in Jennelt und Beauftragter für Blindenseelsorge

Blindenseelsorge

„Gott behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.“

Psalm 121,7

Wobei können Seelsorger helfen? Können sie immer helfen? Seelsorger und Seelsorgerin können Ihnen auf jeden Fall immer helfen, Ihr Anliegen zu klären, vielleicht einen Schritt weiterzukommen oder auch Ihre Sorgen erst einmal jetzt an jemanden loszuwerden. Bei manchen schwierigeren Problemen kann Ihnen

Meine Erfahrung in der Seelsorge mit Blinden und Sehbehinderten: beiseite gebeten und genommen zu werden. Am Rande einer Veranstaltung. Nach dem Ende eines Gottesdienstes. Während einer Freizeit. Am Abend einer Tagung. Manchmal mitten unter anderen Menschen und dann doch weit weg von ihnen. Da erbittet und schafft sich jemand einen Raum – zu jeder Zeit und an ungewöhnlichen Orten. Denn die Orte sind oft nicht wichtig, Äußerlichkeiten spielen eine untergeordnete Rolle. Wenn da nur jemand „ganz Ohr“ ist …

Ihr Seelsorger oder Ihre Seelsorgerin auch helfen zu überlegen, welche (vielleicht auch professionelle) Hilfe für Sie sinnvoll wäre. Kann ich sicher sein, dass meine Geschichte geheim bleibt? Für alle christlichen Konfessionen ist die seelsorgliche Verschwiegenheit

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von besonderer Bedeutung. Wer Rat oder Trost braucht, soll sicher sein können, dass alles im seelsorgerlichen Gespräch Gesagte nicht weitererzählt wird. Zur seelsorglichen Verschwiegenheit gehört übrigens auch die Tatsache, dass jemand überhaupt einen Seelsorger oder eine Seelsorgerin aufgesucht hat.


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Susanne Eggert ist Krankenhausseelsorgerin im Borromäus-Hospital Leer

Krankenhausseelsorge Die Krankenhausseelsorge arbeitet im Schnittfeld von Kirche und Zivilgesellschaft. Sie ist zu Gast in fremden Räumen und arbeitet in einem System, das für die Kirche keinen Raum und keine Zeit hat. Das heißt, wir Seelsorgerinnen und Seelsorger müssen uns Nischen suchen, um das Evangelium zu Wort kommen zu lassen, und wir müssen immer wieder für unsere Arbeit werben. Die Krankenhausseelsorge arbeitet - anders als die Kirchengemeinde - in einer Geh-Struktur, sie geht dahin, wo Menschen leben (und leiden). Und wenn sie sich auch an die Mitarbeitenden im Krankenhaus wendet, ist sie als Betriebsseelsorge Kirche in der Arbeitswelt.

Nicole de Leve aus Nienburg ist Leiterin der Straßenmeisterei Stadthagen

Notfallseelsorge - Ein Erfahrungsbericht

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Als Leiterin der Straßenmeisterei Stadthagen hatte ich im Frühjahr Kontakt mit der Notfallseelsorge. Auf einer unserer Baustellen kam es zu einem schweren Unfall. Aus ungeklärter Ursache fuhr ein 71-Jähriger sein Fahrzeug ungebremst in die Baustelle, erfasste einen 59-jährigen Kollegen, dieser prallte auf das Fahrzeug und wurde rund 20 Meter weit geschleudert. Der Schwerverletzte verstarb noch an der Unfallstelle. Der zweite Mitarbeiter an der Baustelle kam mit leichten Verletzungen in das nahegelegene Krankenhaus. Wir in der Straßenmeisterei erfuhren von der Rettungsleitstelle von dem schweren Unfall. Meine

Wenn ich über eine Straftat rede, was passiert dann? Die seelsorgerliche Verschwiegenheit gilt auch, wenn Straftaten im Seelsorgegespräch zur Sprache kommen. Sie wird auch vom Staat (vor Gericht) respektiert. Wenn einem Pastor oder einer Pastorin in einem seelsorgerlichen Gespräch allerdings

Aufgabe war es nun, den Kollegenkreis über den schrecklichen Unfall zu unterrichten. Eine ausgebildete Notfallseelsorgerin aus der Nachbargemeinde stand uns zur Verfügung und half, die Mitarbeiter nach Erhalt der schockierenden Nachricht so gut es möglich war aufzufangen. Später begleitete sie mich ins Krankenhaus, um dort dem verletzten Kollegen die Todesnachricht zu überbringen. Zum Glück bewahrheitete sich eine Sorge nicht: Die Witwe des Unfallopfers erfuhr nicht über die sozialen Netzwerke vom Tod ihres Mannes. Der durch die Rettungsleitstelle benachrichtigte Notfallseelsorger konnte sie rechtzeitig aufsuchen. Ich war froh und dankbar, an diesem Tag professi-

Dinge mitgeteilt werden, die eine Gefährdung anderer Personen beinhalten, so wird man abwägen, ob trotz der seelsorgerlichen Schweigepflicht der Schutz anderer vor einer konkreten Bedrohung nicht vorgeht. Bevor der Seelsorger dann aktiv wird, sollte er aber unbedingt seinen Dienstvorgesetzten oder Kirchenju-

risten hinzuziehen. - Natürlich würde er im Gespräch zuvor versuchen, den Seelsorge Suchenden zur Änderung seines Verhaltens zu bewegen. Ist die Beichte eigentlich auch Seelsorge? Die Beichte beinhaltet ein Geständnis eigener Schuld vor Gott mit der Bitte um Vergebung. Dies geschieht


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„Unsere Hilfe steht im Namen des HERRN“ Psalm 124,8

Bodo Olthoff

onelle Unterstützung von Seiten der Seelsorger zu erhalten. Sie halfen meinen Mitarbeitern und mir durch diesen schweren Tag. Gut dass es dieses Angebot gibt. Ich bin dankbar, dass die Kirche diese Aufgabe wahrnimmt. INFO: In akuten Not- und Unglücksfällen werden die diensthabenden Notfallseelsorger über die Leitstellen der Rettungsdienste und Feuerwehren informiert.

Für Notfälle aller Art ist die TelefonSeelsorge da: für alte und junge Menschen, Berufstätige, Hausfrauen, Auszubildende oder Rentner, für Menschen jeder Glaubensgemeinschaft und auch für Menschen ohne Kirchenzugehörigkeit. Rund 7.500 umfassend ausgebildete ehrenamtliche Mitarbeiter stehen Ratsuchenden in 105 TelefonSeelsorgeStellen vor Ort zur Seite. Mehr als zwei Millionen Gespräche werden hier jedes Jahr geführt, kostenfrei und rund um die Uhr. Die TelefonSeelsorge wird von den beiden großen Kirchen getragen und ist unter den drei bundesweit einheitlichen Telefonnummern erreichbar. • 0800-111 0 111 • 0800-111 0 222 • 116 123

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Über die Webseite ist auch eine Chat-Seelsorge erreichbar. www.telefonseelsorge.de

im Rahmen eines Seelsorgegesprächs. Im Unterschied zur seelsorgerlichen Verschwiegenheit gilt das Beichtgeheimnis unter allen Umständen. Es ist „unverbrüchlich“.

dafür bezahlen muss. Die hauptamtlichen Seelsorger Ihrer Kirche (Pastoren und Pastorinnen) bekommen ihr Gehalt auch dafür, dass sie seelsorgerlich ansprechbar sind.

Muss ich für ein Gespräch bezahlen? Seelsorge geschieht, anders als Therapie oder Beratung, ohne dass man

Muss ich zur Pastorin oder zum Pastor kommen? Das hängt von den Umständen ab.

Viele, vielleicht die meisten Seelsorgegespräche finden in der gewohnten Umgebung derer statt, die Seelsorge in Anspruch nehmen, aber auch in Kirchen, nach Gottesdiensten oder im Anschluss an gemeindliche Veranstaltungen. Wichtig ist, dass der Ort einen geschützten seelsorgerlichen Rahmen ermöglicht.


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Seelsorge oder Ein Gespräch über Grenzen Empathie, Solidarität, Verstehen – diese drei Säulen sind in der Seelsorge wie in der Psychotherapie gleichermaßen wichtig. Damit aber enden die großen Gemeinsamkeiten, wissen Christine (70) und Dr. Hans Kimmich (71). Einige wenige Male sei sie mit ihrer pastoralen Seelsorge an Grenzen gestoßen, sagt die Pastorin im Ruhestand. In diesen Momenten sei es hilfreich gewesen, sich an ihren Mann wenden zu können. Denn Hans Kimmich ist Nervenarzt und Psychotherapeut und betrieb bis zu seinem Ruhestand eine eigene Praxis in Leer.

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Die Seelsorgerin und der Psychotherapeut – ein perfektes Team? „Es ist nicht so, dass wir einander unsere beruflich geführten Gespräche mitgeteilt haben“, stellt das Ehepaar klar. „Auch wenn manchmal Gemeindemitglieder ganz selbstverständlich davon ausgegangen sind und sich gewundert haben, dass wir nicht beide Bescheid wussten, nachdem sie sich einem von uns anvertraut hatten“, erzählen sie lachend. Für die meisten stand es sicherlich fest, dass sich sowohl Christine Kimmich an ihr Seelsorgegeheimnis als auch Hans Kimmich an seine ärztliche Schweigepflicht gebunden fühlten. „Und genauso war es auch“, betonen sie. An einige Fälle aus ihrer beruflichen Praxis können sie sich allerdings gut erinnern, wo sie die Grenze überschritten und den Ehepartner um Hilfe gebeten haben. „Da ging es um Krankheit, etwa um Depressionen oder um Sucht – Probleme, denen mit reiner Seelsorge nicht beizukommen ist“, erzählt Christine Kimmich. Mit dem Einverständnis des Gemeindemitgliedes zog sie dann ihren Mann zu Rate. Und das sei auch gut gewesen, sind beide überzeugt. Denn zunächst ist die Herangehensweise von Seelsorge und

Wie lernen Theologen, wie gute Seelsorge geht? In der pastoralen Ausbildung bei uns im Predigerseminar ist Seelsorge eines der zentralen Fächer. Gelernt wird, wie man im Gespräch gut in Kontakt mit seinem Gesprächspartner ist und auf sein oder ihr Anliegen empathisch eingehen

„Hoffnung ist eine Brücke, Versagen hinwegführt.“ Psychotherapie ähnlich: Es geht darum, zuzuhören, sich Zeit zu nehmen, bedingungslos offen zu sein. Doch dann ist der weitere Weg unterschiedlich. „Das Ziel der Seelsorge ist immer, Vertrauen zu vermitteln zur befreienden, entlastenden Liebe Gottes, und Hoffnung zu eröffnen“, erklärt Christine Kimmich. „In der Psychotherapie dagegen geht es darum, dem Patienten zu einem Verständnis seiner Beschwerden zu verhelfen, damit

kann. Man lernt also kurz gesagt Gesprächsführung. Je nach Situation (Trauergespräch, Gespräch mit einer Person, die altersverwirrt ist, Gespräche in Krisensituationen) erfordert das besondere Aufmerksamkeit und auch Fähigkeiten um zuzuhören, zu verstehen und auf den anderen einzugehen. Geübt wird das in Rol-

lenspielen, gegenseitigem Ausprobieren und Reflektieren der eigenen Seelsorgetätigkeit in der Gemeinde. Welche Rolle spielt die Bibel bei der Seelsorge? Die Bibel lädt dazu ein, Gottes Wort im Alltag zu entdecken und für sich gelten zu lassen. So viel-


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Psychotherapie und Gemeinsamkeiten

Bodo Olthoff

die uns über Verlust und Charlotte Gray

er sich aus den oft unbewussten Fixierungen in einer krankhaften Entwicklung lösen kann“, ergänzt ihr Mann. In einigen Fällen von Suchterkrankung war ihre Zusammenarbeit ein Erfolgsmodell. Auch an ein weiteres Beispiel erinnert sich das Ehepaar. „Hier war es einmal umgekehrt, da wurde meine Frau gebraucht“, sagt Hans Kimmich. Vor ihm in der Praxis saß ein Patient, der geprägt war von „lebensfeindlichen, engen und

starren Prinzipien einer Glaubensgemeinschaft“, erzählt der Psychotherapeut. „Er geriet dadurch in tiefe innere Konflikte und entwickelte krankhafte Schuldgefühle und Symptome.“ Irgendwann war klar: Er brauchte die zusätzliche geistliche Autorität der Theologin. „In vielen Gesprächen habe ich mich darum bemüht, ihn davon zu überzeugen, dass seine Schuldgefühle nicht biblisch begründet sind“, erinnert sie sich. Doch es waren nur diese Grenzfälle, die Christine und Hans Kimmich eng zusammenarbeiten ließen. „In anderen Situationen war ich gut gerüstet. Die Bibel bietet wunderbare Einsichten“, sagt die Theologin. „Es ist interessant, dass die Bibel von so vielen exemplarischen Schicksalen erzählt, in denen man sich wiederfinden kann“, ergänzt Hans Kimmich. „Die gute Botschaft der Seelsorge ist: Du bist nicht allein. Das öffnet oft neue Horizonte“, erklärt seine Frau. Die Momente, in denen sie den Menschen eine Last abnehmen konnte, bezeichnet die Theologin als „wahre Sternstunden“, und noch heute blitzt in ihren Augen ein Strahlen auf. Die Basis für die seelsorgerliche Arbeit sei immer ein Vertrauensverhältnis zwischen Pfarrerin oder Pfarrer und der Gemeinde, macht Christine Kimmich deutlich. „Und das war mir immer wichtig. So etwas entsteht durch Besuche und persönliche Begegnungen.“ Finanzielle Sorgen, familiäre Probleme, Trauerbegleitung – überwiegend mit Situationen wie diesen werde man in der Seelsorge konfrontiert. Mitgefühl zeigen, ohne zu sehr buchstäblich in Mitleidenschaft gezogen zu werden, ist dabei ein Balanceakt. „Man muss einsteigen, aber man darf nicht mit untergehen“, beschreibt es die Theologin.

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Von Anke Brockmeyer

fältig wie die Geschichten der Bibel sind, so vielfältig ist auch Gottes Wort im alltäglichen Leben. Manche Bibelverse können da besonders hilfreich sein, um Menschen im Seelsorgegespräch eine neue Perspektive zu geben. Die Bibel wird dann genommen als ein Buch des Lebens, das in die konkrete

Lebenssituation des Menschen hinein spricht. Gibt es einen Unterschied zwischen katholischer und evangelischer Seelsorge? Ich glaube, dass es keine speziellen Unterschiede zwischen katholischer und evangelischer Seelsorge gibt.

Vielleicht nur die Besonderheit, dass im katholischen Bereich die Beichte eine größere Bedeutung hat und auch öfter praktiziert wird als bei uns Evangelischen. Ich selbst würde mich einem katholischen Seelsorger genauso anvertrauen wie einem evangelischen.


Die neue Glocke von Ditzum Glockenguss vor Ort - 250 Zuschauer verfolgten das seltene Erlebnis. Im Garten vor der Kirche wurde im Spätsommer eine neue Glocke gegossen. Der niederländische Glockengießer brachte Bronzebarren, die Glockenform und Material für einen Ofen mit. Die sogenannte Alltagsglocke läutet nun wie ihre Vorgängerin mit dem Ton fis II jeden Tag um 6, 12 und 18 Uhr. Neben ihr hängen noch weitere Glocken im Turm. s Simon Laudy Glockengießer Das Team des or nf m. vor der Glocke

Die Bronze ist 1200 Grad heiß , Simon Laudy öffnet den Ofen . Pastor Martin Schneider hält eine Andacht kurz bevor der Ofen geöffnet wird.

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Bronze in die r füllt die flüssige ße ie ng ke oc Gl r . De kenform aus Lehm vorgefertigte Gloc


r Tag: . Nächste chlagen ird zers w rm fo n e k c Die Glo

Die Glocke wird vo der Lehmfo n den Resten rm befreit .

wird der Glockenform Aus den Trümmern n. be ho die neue Glocke ge

Es ist geschafft. Ein Händedruck für die gelungene Arbeit.

Die neue, noch lauwarme Glock e darf nun ange Sie trägt die Insc fasst und bewun hrift „Meine Ze dert werden. it steht in deinen „Ora et Labora“ Händen“ (Psalm (bete und arbeite 31, 16), ) sowie das Dat um in lateinisch er Schrift. Fotos: Karlheinz Krämer


REFORMIERTES REISEZIEL

Magdeburg: Eingangstor für

Foto: Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH

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Foto: Magdeburg Marketing Kongress und Tourismus GmbH

Die Wallonerkirche

Panorama von Magdeburg mit dem Magdeburger Dom

Im Spätmittelalter war Magdeburg sowohl eine der größten deutschen Städte als auch ein Zentrum der Reformation. Heute zählt die Stadt an der Elbe und Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts 235.000 Einwohner. 1945 wurden 90 Prozent der Altstadt, 15 Kirchen und weite Teile der Gründerzeitviertel Opfer der Bomben. Dazu zählten auch die drei reformierten Kirchen. Allein von der Wallonerkirche blieben die Fassaden stehen, so dass sie wieder aufgebaut werden konnte. Es hätte auch anders kommen können, denn zur DDR-Zeit wurden zwischen 1951 und 1966 acht schwer beschädigte Kirchen gesprengt oder abgerissen, obwohl sie durchaus als wiederaufbaufähig galten. Trotzdem lohnt sich der Fußweg vom beeindruckenden St.-Mauritius- und St.-Katharina-Dom vorbei an zahlreichen Kirchen bis zur Wallonerkirche. Sie wurde 1366 als Hallenkirche fertiggestellt. Auf den Befehl von Kurfürst Friedrich Wilhelm wurde deren Ruine 1690 an wallonische protestantische Glaubensflüchtlinge übergeben und anschließend instandgesetzt. 2015 wurde in

die Kirche hinein ein modernes Gemeindehaus integriert. Das Projekt der Evangelisch-reformierten Gemeinde wurde als Magdeburgs Bauwerk des Jahres ausgezeichnet - ein mutiges wie optimistisches Projekt der heute rund 150 Köpfe zählenden Kirchengemeinde. Magdeburg, das einst die zweitgrößte Hugenottenkolonie in Deutschland beherbergte, war das Eingangstor für Hugenotten, Wallonen aus Mannheim sowie Pfälzer ins Kurfürstentum Brandenburg. Die ehedem drei reformierten Kirchengemeinden der Stadt, die Französisch-, die Wallonisch- und die Deutsch-reformierte Gemeinde, vereinigten sich 1950 zur Evangelisch-reformierten Gemeinde. Bis heute erinnern auch die Namen von bedeutenden hugenottischen Gewerbebetrieben wie Guischard oder Gruson an die reformierten Bewohner der Universitätsstadt und ihre Nachkommen. Von Andreas Flick


REFORMIERTES REISEZIEL

Hugenotten Reformierte in Deutschland.

Ich bin fremd gewesen Ausstellung in Leer vom 29.11. - 30.12.17 Öffnungszeiten: Di bis Sa von 13 - 18 Uhr, So von 13 - 19 Uhr im Ratskeller Rathaus Leer (Heiligabend, 1. und 2. Weihnachtstag geschlossen)

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Foto: Evangelisch-reformierte Gemeinde Magdeburg

Das Gemeindehaus in der Wallonerkirche

INFO Tourist-Information Magdeburg Breiter Weg 22, 39104 Magdeburg. Tel. 0391/63601402 info@magdeburg-tourist.de www.magdeburg-tourist.de Evangelisch-reformierte Gemeinde Magdeburg Neustädter Straße 8, 39104 Magdeburg Tel. 0391/59751081 bureau@ekmd-reformiert.de Öffnungszeiten der Kirche: ???? www.ekmd-reformiert.de

Anlässlich des Reformationsjubiläums erinnert die Evangelisch-reformierte Kirche an das Thema „Reformation und Migration“. Viele reformierte Gemeinden in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Ihre Gründer waren Glaubensflüchtlinge aus England und den Niederlanden oder Hugenotten aus Frankreich. „Ich bin fremd gewesen. 500 Jahre Reformation – 500 Jahre Migration“. Im Sommer 2017 war diese Ausstellung im Emder Hafen zu sehen. Untergebracht auf einem historischen Segelschiff, dem „Schepken Christi“, schlug sie eine Brücke in die Gegenwart. In acht persönlichen Filmportraits erzählt sie von Flucht aus der Heimat und Ankunft in der Fremde. Wir freuen uns sehr, dass wir Ihnen die Ausstellung in den kommenden Wochen auch in Leer zeigen können, im Ratskeller des Rathauses. Veranstaltungsort: Ratskeller (Rathaus Leer) Rathausstraße 1 26789 Leer


PERSONEN

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Foto:Kerstin Kempermann

Foto: Martin Hinrichs Foto: Erich Mehrl/epd

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Rolf Christian Wangemann wird neuer evangelischreformierter Krankenhausseelsorger in Nordhorn. Der 58-jährige Theologe tritt am 1. Januar die Nachfolge von Brigitte Schroven an, die im Sommer in den Ruhestand gegangen war. Wangemann ist zurzeit noch Leiter der ökumenischen Telefonseelsorge in Siegen (Nordrhein-Westfalen). Wangemann stammt aus Nordhorn.

temberg und lebte viele Jahre in Lateinamerika. [7]

Marius Lange van Ravenswaay ist als wissenschaftliche Leiter der Emder Johannes-a-LascoBibliothek in den Ruhestand gegangen. Sein Vertrag endete Ende Oktober, jetzt wird er noch für einige Monate in seiner Heimatgemeinde Neermoorpolder tätig sein. Der 65-jährige Pastor und Kirchenhistoriker leitete die Bibliothek seit ihrer Wiedereröffnung vor sieben Jahren. Er habe ihre europäische und internationale Bedeutung herausstellen können, sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher zu seiner Verabschiedung. Sein Nachfolger ist der aus Litauen stammende Kirchenhistoriker Kestutis Daugirdas. [8]

Maren Brenner ist neue Jugendreferentin im Synodalverband Emsland-Osnabrück und der Jugendkirche Osnabrück. Sie übernimmt einen Teil der Stunden von Jugendreferent Philipp Eifler. Die 26-jährige Sozial- und Gemeindepädagogin absolvierte ihr Studium an der CVJM-Hochschule in Kassel. Sie stammt aus Baden-Würt-

Reinhold Robbe, früherer Wehrbeauftragter und Synodenmitglied der Evangelisch-reformierten Kirche ist mit dem Heinz-GalinskiPreis ausgezeichnet worden. Der 63-Jährige aus Bunde (Ostfriesland) stammende SPD-Politiker, erhielt die Ehrung für seine Verdienste um die deutsch-jüdische Verständigung. Der Heinz-GalinskiPreis wird jährlich von der Berliner Jüdischen Gemeinde vergeben. Er erinnert an den langjährigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Berlin und des Zentralrats der Juden in Deutschland, Heinz Galinski (1912-1992).

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Foto: privat

Aleena Toplak ist neue Pastorin der Gemeinde Bovenden. Die Gemeinde wählte die 33-jährige Theologin mit deutlicher Mehrheit. Toplak wird damit reformierte Pastorin der evangelischen Kirchengemeinde. Nach dem sogenannten Bovender Modell gehören alle Evangelisch-Lutherischen und alle Evangelisch-Reformierten

Millicent Botsio ist seit August Referentin für „Brot für die Welt“ beim Diakonischen Werk. Von dort wird sie Kirchengemeinden und Gemeindegruppen über die Arbeit der evangelischen Hilfsorganisation und entwicklungspolitische Fragen informieren. Die gebürtige Ghanaerin studierte Sozialwissenschaften und Entwicklungspolitik. Die Stelle der 50-Jährigen wird gemeinsam von der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg und der Evangelischreformierten Kirche getragen.

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Mike Kunze wird neuer Jugendreferent im Synodalverband Bayern. Der 34-jährige Erzieher tritt seine Stelle am 1. Januar an. Kunze stammt aus dem ehemaligen Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und floh 1987 mit seinen Eltern aus der DDR. Zuletzt war er in einer kirchlichen Jugendhilfeeinrichtung tätig. Nebenberuflich begleitete er viele Jahre Freizeiten eines kommerziellen Jugendreiseanbieters. Kunze wird Nachfolger von Matthias Peterhoff, der vor einem Jahr den Synodalverband verließ.

Foto: Ulf Preuß

Ako Haarbeck, ehemaliger lippischer Landessuperintendent und Nordhorner Pastor, starb am 2. Oktober im Alter von 85 Jahren. Von 1980 bis 1996 stand er an der Spitze der Lippischen Landeskirche. Unter anderem gehörte er auch dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) an, von 1987 bis 1999 war er Vorsitzender der Deutschen Bibelgesellschaft. Bevor Haarbeck 1980 nach Detmold wechselte, war er Pastor der Gemeinde Nordhorn. Hier wurde er auch Superintendent.

Gerrit Jan Beuker, Pastor der Evangelischreformierten und -altreformierten Gemeinden in Laar (Grafschaft Bentheim) ist im August in den Ruhestand gegangen. Der promovierte altreformierte Theologe steht für eine bislang einmalige Zusammenarbeit zwischen der reformierten und der altreformierten Kirche. Seit 2009 war er der erste gemeinsame Seelsorger für zwei Kirchengemeinden. Viele Jahre lang war der 64-Jährige auch als Gast in der Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche aktiv.

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[8] oto: Ulf Preuß

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zu einer Kirchengemeinde. Neben Toplak arbeitet in der Gemeinde Bovenden ein Pastor der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers. Toplak legte 2015 ihr zweites theologisches Examen ab und war bislang als Pastorin in Nordhorn tätig.

Foto: privat

Hannes Brüggemann ist als Pastor von Lüneburg in die Schweiz gewechselt. Seit Oktober ist der 33-Jährige dort in der Gemeinde Ossingen bei Zürich tätig. Brüggemann absolvierte nach seinem Theologiestudium sein Vikariat in Leer, ging dann für ein Jahr nach Ägypten, um nach seiner Rückkehr nach Deutschland in der Lüneburg-Uelzener Gemeinde auszuhelfen.

Foto: Philipp Eifler

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A ktuelles

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Foto: Winfried Dahlke

Foto: Ulf Preuß

Die Orgel der Georgskirche in Weener wird vom Organeum regelmäßig für Sonntagskonzerte genutzt.

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20 Jahre Orgelkultur in Weener Die ostfriesische Orgelakademie „Organeum“ hat in diesem Herbst ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. Am 3. September lud die Einrichtung im ostfriesischen Weener zu einem Jubiläumsfest mit anschließendem Festkonzert ein. Das Organeum wurde 1997 auf Initiative des damaligen Landeskirchenmusikdirektors Harald Vogel gegründet. Ziel war es, ein Zentrum für die einmalige Orgelkultur Ostfrieslands und deren Denkmalpflege zu schaffen. Eine restaurierte Villa aus dem 19. Jahrhundert in Weener beherbergt seitdem eine wertvolle Sammlung historischer Tasteninstrumente. Mit dem Programm „Orgel im Klassenzimmer“ engagiert sich das Organeum in den Schulen. Seit 2002 ist der jetzige Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke künstlerischer Leiter des Organeums, 2006 wurde er sein Direktor. www.organeum-orgelakademie.de Plädoyer für die Pressefreiheit Religionsfreiheit darf sich nicht auf die Freiheit einer einzigen Religion beschränken. Das sagte Kirchenpräsident Martin Heimbucher in seiner Predigt zum Reformationstag im Gottesdienst der reformierten Gemeinde Herbishofen im Allgäu. Religionsfreiheit sei verbunden „mit der Freiheit des Glaubens und Denkens für alle Menschen in allen Ländern dieser Erde“, betonte Heimbucher. Heimbucher zog in seiner Predigt eine direkte Verbindung zur Pressefreiheit. Die Verkündigung des Evangeliums bedinge die Freiheit des Wortes, der Meinung und der Presse. Die Unterdrückung des kritischen Journalismus in vielen Ländern der Welt gehe uns direkt etwas an. „Und seine Verteidigung ist auch unsere Sache“, betonte Heimbucher.

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Jens Peter Kruse, Vorsitzender der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit

Mehr soziale Arbeit in den Gemeinden Die Kirche sollte sich stärker um soziale Arbeit vor Ort bemühen. Diese Auffassung vertrat der Vorsitzende der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Altenarbeit, Jens Peter Kruse, bei der Diakonischen Konferenz der Evangelisch-reformierten Kirche Ende Oktober in Aurich. Diese soziale Arbeit müsse sich an dem Leitbild einer „sorgenden Gemeinschaft“ orientieren, wie ihn der siebte Altenbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2015 formuliert habe, hob Kruse hervor. Um älteren Menschen auch im hohen Alter ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu ermöglichen, fordere der Bericht eine Förderung der Selbst-und Nachbarschaftshilfe, die auf der Ebene der Kommune organisiert werden müsse. Für die Kirchengemeinden sieht Kruse hier enorme Chancen. Der Begriff der sorgenden Gemeinschaft spreche ein Identitätsmerkmal der christlichen Botschaft an. Zukunftsorientierung verspreche dieser Ansatz, so Kruse, weil er nur in Zusammenarbeit mit anderen zivilgesellschaftlichen Organisationen gelinge. Die Kirchengemeinde müsse sich also für alle Sorgebedürftigen öffnen. Dies schaffe die Möglichkeit, betonte Kruse, eine „kirchliche Binnenorientierung“ zu beenden. „Eine um die Menschen vor Ort sorgende Gemeinde wird der Kirche langfristig helfen, Akzeptanz zu finden.“

Mehr als eine halbe Million Die Zahl der Mitarbeiter in der Diakonie in Deutschland ist auf mehr als 525.000 gestiegen. 2016, so die jüngste Erhebung, gab es zudem 31.500 stationäre und ambulante Angebote für Pflege, Betreuung und Begleitung von Menschen mit knapp 1,15 Millionen Betten oder Plätzen. Mehr als zehn Millionen Menschen nutzen jährlich die Angebote der Diakonie, 700.000 Ehrenamtliche unterstützen die Arbeit der Diakonie bundesweit.

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de Redaktion: Ulf Preuß (verantwortlich), Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Herbert Sperber, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: dpp - Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.dpp-leer.de Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Evangelisch-reformierte Kirche

Der ostfriesische Maler und Grafiker Bodo Olthoff (77) zog nach seiner Kindheit in Emden mit seinen Eltern nach Stuttgart und arbeitete dort nach seiner Lehre als Grafiker. 1968 kehrte er nach Ostfriesland zurück, studierte Design und Kunsterziehung in Münster und Düsseldorf. Nach einigen Jahren im Schuldienst arbeitet er seit 1986 als freischaffender Maler mit eigenem Atelier. Er lebt heute in Aurich und ist dort in der evangelisch-reformierten Gemeinde zu Hause.

Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Die Malerei zum Thema Drei Fragen an Bodo Olthoff Welche Themen verarbeiten Sie in Ihrer Malerei? Schwerpunkt meiner gegenständlichen und abstrakten Malerei ist der Versuch, die Beziehung zwischen Mensch und Natur zu artikulieren, besonders die zwischen dem Menschen und der See. Während meiner drei Ozeanüberquerungen habe ich diese Beziehung besonders intensiv erfahren können. Spielen in Ihrer Malerei Ihr christlicher Glaube und der Glaube an Gott auch eine Rolle? Meine Lieblingsbilder heißen Gezeiten Leser und Archaik Leser. Diese ursprüngliche Fähigkeit des Menschen, in der der Natur zu lesen, ist uns abhandengekommen. Meine Großmutter, die auf Norderney lebte, konnte beispielsweise in den Wellen lesen.

Mit meinen Bildern möchte ich diesen engen Bezug zur Schöpfung ausdrücken. Damit enthalten sie auch den Appell zur Erhaltung der Schöpfung und damit den Appell zur Erhaltung des Glaubens. Sind Sie denn religiös aufgewachsen? Ich habe meine ersten Lebensjahre ab 1940 in Emden verlebt, fünf Kriegsjahre und die Nachkriegsjahre. Das waren alles keine Honigjahre. Damals bin ich von Freunden zum CVJM in Emden eingeladen worden, das war der Einstieg in meine Religiosität. Ich bin auch mit Überzeugung konfirmiert worden und habe die Kontakte zur Kirche auch in meiner Stuttgarter Zeit aufrechterhalten.

Foto: Ulf Preuß

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1 reformiert 2018  

„Wie geht´s?“ fragt sich so schnell – und meist will man die ehrliche Antwort gar nicht hören. Dabei verbirgt sich dahinter oft ganz viel. O...

1 reformiert 2018  

„Wie geht´s?“ fragt sich so schnell – und meist will man die ehrliche Antwort gar nicht hören. Dabei verbirgt sich dahinter oft ganz viel. O...

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