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reformiert Berichte und Bilder aus der Evangelisch-reformierten Kirche

1 reformiert 2014 2013Dezember Januar Februar

zum Gottesdienst


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Foto: Andreas Olbrich

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Foto: Andreas Olbrich

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Zeit zum Gottesdienst Seite 4 Begeisterung predigen Was ist eigentlich ein guter Gottesdient? Zentrum für Qualitätsentwicklung gibt individuelle Antworten Seite 6 Kirche gibt es nur mit Kindern Zu Gast beim Kindergottesdienst in Brandlecht Seite 8 Gott hört mit oder die Frage: Ob´s durchschlägt?

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Seite 10 Und sonst noch? In den Gottesdienst gehören... Die Mitgliedszeitschrift ,reformiert’ wird an alle Haushalte der Evangelisch-reformierten Kirche kostenlos verteilt. Möchten Sie auch ,reformiert’ lesen? Tel. 0491 / 91 98 212, E-Mail: presse@reformiert.de Möchten Sie unsere Zeitschrift unterstützen? Spenden Sie auf folgendes Konto: Reformiert, Konto-Nr. 90 60 08 Sparkasse LeerWittmund, BLZ 285 500 00 Spendenquittung wird zugesandt. Titelfoto: Andreas Olbrich, Pastor der evangelischreformierten Gemeinde Reigoldswil in der Schweiz, andreas.olbrich@reigoldswil.ch

Seite 12 Kirche ist keine Insel Jann Schmidt war fast zehn Jahre lang Kirchenpräsident Seite 15 Reformierter Reisetipp Krummhörn: Von Orgeln und ihren Kirchen Seite 16 Reformierter Glaube Gott dient den Menschen über den Gottesdienst Seite 17 Personen Seite 18 Aktuelles Seite 19 Impressum Seite 20 Position: Wie politisch kann (darf ) die Kirche sein?

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Foto: Ulf Preuß

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Foto: Ulf Preuß

Rechts: Der ehemalige Kirchenpräsident Jann Schmidt (links) mit dem Direktor des Deutschen Historischen Museums, Hans Ottomayer, dem ehemaligen Ministerpräsidenten der Niederlande, Jan Peter Balkenende, und dem damaligen Bundeskanzleramtschef Thomas de Maizière 2009 bei der Eröffnung der Calvinismus-Ausstellung in Berlin.

Gottesdiensthitliste : Heiligabend - 8,5 Millionen, Erntedankfest - 1,8 Millionen, 1. Advent - 1,2 Millionen, Karfreitag -1,05 Millionen Besucher in Deutschland

EKD-Statistik 2013

Liebe Leserin, lieber Leser, Zeit zum Gottesdienst. „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ Dieser Bibelvers entlastet doch, wenn wieder die Klage zu hören ist, dass die Gottesdienstbesucherzahlen beständig bergab gehen. Klar, das lässt sich statistisch belegen: Aber in den 1920er Jahren kamen auch wenige Menschen in die Gottesdienste. Zeit zum Gottesdienst. Diese Ausgabe von „reformiert“ nimmt sich Zeit für den Gottesdienst. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Einer: Die evangelischen Kirchen in Deutschland sind ganz modern, sie betreiben Qualitätsmanagement für ihr Produkt Gottesdienst. Lesen Sie selbst. Ein anderer: Für den Kindergottesdienst, die Kirche mit Kindern, gibt es ein Logo – und das findet sogar im Gottesdienst Verwendung. Erleben Sie, wie in Brandlecht in der Grafschaft Bentheim Kindergottesdienst gefeiert wird.

900.000 Menschen besuchen in Deutschland durchschnittlich jeden Sonntag einen Gottesdienst, steht in einer Statistik der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der Gottesdienst steht im Zentrum des Gemeindelebens. Zwei Aussagen, zwei Beschreibungen, die Anlass sein können, über Gottesdienste zu sprechen und sich Zeit zum Gottesdienst zu nehmen. Zeit zum Gottesdienst. Wo mehr als zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da feiert es sich noch schöner Gottesdienst. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventsund Weihnachtszeit und einen guten Start ins Jahr 2014.

Ihr Ulf Preuß

Pressesprecher der Evangelisch-reformierten Kirche

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Rund 900.000 Menschen besuchen in Deutschland jeden Sonntag einen evangelischen Gottesdienst, das sind mehr Besucher als in den Bundesligastadien am Wochenende.

EKD-Statistik 2013

Begeisterung predigen Was ist eigentlich ein guter Gottesdienst? Zentrum für Qualitätsentwicklung gibt individuelle Antworten Qualitätsmanagement im Gottesdienst? „Ja, da zuckt mancher erst mal zusammen“, lacht Folkert Fendler. „Der Gedanke, Gottesdienst mit Methoden zu beurteilen, die für die Wirtschaft entwickelt worden sind, ist im ersten Moment ungewöhnlich.“ Der promovierte Theologe ist Leiter des Zentrums für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst, einer Einrichtung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Michaeliskloster Hildesheim. Seit vier Jahren wird hier untersucht, was Merkmale eines guten, mitreißenden Gottesdienstes sind und wie sie sich umsetzen lassen.

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Aus der FeedbackBroschüre

Um die Werkzeuge des Qualitätsmanagements kennenzulernen, hat sich Fendler zu Beginn seiner Aufgabe zum Qualitätsbeauftragen ausbilden lassen. „Da war ich als Theologe natürlich der Exot unter all den Leuten aus der freien Wirtschaft“, gibt er zu. Doch die Grundzüge, die für eine effektive betriebswirtschaftliche Arbeit gelten, könne man durchaus auch an den Gottesdienst anlegen. „Etwa drei Aspekte, die aus dem Dienstleistungsbereich kommen: die Grund-, Leistungs- und Begeisterungsfaktoren. Mit dieser Perspektive den Gottesdienst zu analysieren, ist ausgesprochen spannend.“ Die drei Faktoren lassen sich an einem Beispiel vereinfachen: Beim Restaurantbesuch erwartet der Gast beispielsweise einwandfreie Hygiene – eine selbst-

verständliche Grunderwartung. Ist der Service gut, das Essen lecker, dann ist der Gast zufrieden und auch der Leistungsfaktor erfüllt. Gibt es mehr, als der Gast erwartet – einen kleinen Gruß aus der Küche, besonders aufmerksame Kellner – entspricht dies dem Begeisterungsfaktor. „Die Leistungsfaktoren haben Pastorinnen und Pastoren meist gut im Blick“, so die Erfahrung Fendlers. „Zu wenig beachtet werden dagegen oft die Grundfaktoren.“ Das nicht funktionierende Mikrofon bei Veranstaltungen ist nur ein Beispiel, das wohl fast jeder kennt. „Natürlich kann so etwas passieren. Aber man muss erkennen, dass auch scheinbare Unwichtigkeiten wie die Technik ausschlaggebend sind, um das Gesamtbild stimmig zu machen.“ Doch auch wenn alles reibungslos funktioniert, tappen die Pfarrer, die Sonntag für Sonntag vor der Gemeinde predigen, oft im Dunkeln. Hat ihr Anliegen die Gottesdienstbesucher tatsächlich erreicht? Waren sie ergriffen, mitgerissen – oder im schlimmsten Fall gelangweilt? Es gibt wenig Feedback auf diese Arbeit, und genau das will Fendler ändern. „Ein Mittel ist die kollegiale Hospitation, die wir vermehrt einsetzen. Dafür werden die Pastorinnen und Pastoren, die Hospitationen übernehmen, vorher geschult, um Kritik auch wirklich konstruktiv anbringen zu können.“ Diese Art des Feedbacks ist für Fendler sogar „der Königsweg“ gottesdienstlicher Qualitätsentwicklung. Aber auch Gespräche mit Gemeindegliedern nach dem Gottesdienst sind ein hilfreiches Instrument. Alte und Junge, regelmäßige Gottesdienstbesucher und sporadische Kirchgänger sitzen hier mit dem Pastor und einem externen Moderator zusammen und lassen den Got-


Foto: Jens Schultze

tesdienst Revue passieren. Der Moderator achtet darauf, dass das Gespräch zielgerichtet läuft und nicht die Richtung nimmt, die Predigt nochmal in anderen Worten zu erklären. „Denn genau darum geht es ja: Die Predigt soll auf Anhieb verstanden werden und nicht im Nachhinein erläutert werden müssen.“ Doch das Team des Zentrums für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst geht noch weiter: Über die neu eingerichtete Internetseite www.gottesdiensttester.de können Gottesdienstbesucher anonym einen besuchten Gottesdienst bewerten. Mit einem Kärtchen im Klingelbeutel teilen sie dem Pastor im Anschluss mit, dass es eine Beurteilung im Internet geben werde. Auch hier achten Moderatoren darauf, dass die Regeln des fairen Umgangs miteinander eingehalten werden. „Die Seite ist wertschätzend aufgebaut“, macht Fendler deutlich. „Es geht nicht darum, einen Gottesdienst zu verreißen, sondern in der Gemeinde Gesprächsprozesse über ihre Gottesdienste anzuregen.“ Zudem werden im Michaeliskloster regelmäßig interessierte Pastorinnen und Pastoren zum Coach ausgebildet, um Gottesdienste der Kollegen zu besuchen und ihnen Feedback und bei Bedarf Anregungen für gottesdienstliche Gestaltung an die Hand zu geben. Die Coachs sollen sowohl Ansprechpartner für die Kollegen sein als auch Multiplikatoren des Qualitätsgedankens. Das Angebot ist begehrt, die Kurse sind regelmäßig ausgebucht. „Das Ziel unserer Arbeit ist es, den Qualitätsgedanken salonfähig zu machen. Aber natürlich wissen wir auch, dass wir nicht alle erreichen werden.“ Wichtig sei ihm, dass jeder Pastor überprüfe, was in seiner Gemeinde wichtig und leistbar sei und wie dieses Ziel erreicht wer-

den könne. „Wenn der Alltag kritisch hinterfragt und vielleicht neu durchdacht wird, ist schon ganz viel erreicht“, findet Fendler. Die Feedbackkultur, so seine Erfahrung, sei in Deutschland noch immer sehr negativ besetzt. „Eine Rückmeldung heißt ja nicht automatisch etwas Schlechtes. Ein Feedback spiegelt ganz persönliche Eindrücke, positive wie negative“, betont er. Punktuell habe sich schon einiges geändert in den vergangenen Jahren, zieht er Bilanz. „Oft aber fehlt den Pastoren schlicht die Zeit, etwas zu ändern“, weiß Fendler, der selbst 18 Jahre lang als Gemeindepfarrer gearbeitet hat. „Sie werden überhäuft mit Verwaltungsarbeiten, die mit ihrer seelsorglichen Aufgabe eigentlich nichts zu tun haben. Ich unterstelle vielen den Wunsch und das Bemühen, etwas zu verbessern – aber im Alltag bleibt wenig Luft, aus der Routine auszubrechen. Und manchmal fehlt auch der Mut.“

Folkert Fendler in der Michaeliskirche in Hildesheim

von Anke Brockmeyer

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INFO Das Zentrum für Qualitätsentwicklung im Gottesdienst ist eine Einrichtung der EKD und steht somit allen evangelischen Landeskirchen offen. Angelegt ist dieser Fachbereich zunächst auf fünf Jahre. Rund hundert Coachs sind EKD-weit mittlerweile ausgebildet. Das Zentrum führt Modellprojekte mit interessierten Kirchenkreisen und Dekanaten durch, Schwerpunkt dabei sind die Erfahrungen gottesdienstlicher Rückmeldekultur. Weitere Arbeitsbereiche sind fachübergreifende Arbeitskreise, empirische Forschung, Konsultationen, Fortbildungen und Fachworkshops. www.michaeliskloster.de/qualitaetsentwicklung.


Kirche gibt es Zu Gast beim Kindergottesdienst

Die Evangelisch-reformierte Kirche hat für die Kindergottesdienstarbeit ein Logo eingeführt.

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Es beginnt um 10 Uhr mit dem Gottesdienst in der voll besetzten Brandlechter Kirche. „Kirche gibt es nur mit Kindern“, sagt Pastor Friedrich Behmenburg und spricht damit die Kindergottesdienstkinder in den ersten beiden Reihen, die Eltern und Familien der drei Täuflinge und die Gemeinde an. An diesem Sonntag beginnt der Kindergottesdienst im regulären Gottesdienst, weil drei kleine Kinder getauft werden und bei Taufen die Kindergottesdienstkinder zunächst immer dabei sind. Und warum, kann man den Blicken ansehen. Wie gebannt schauen die Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren aus den ersten beiden Kirchenbankreihen auf das Geschehen über dem Taufbecken. Der eigentliche Kindergottesdienst beginnt nach der Taufe dann im Gemeindehaus. Auf dem Boden liegen ein großes Tuch mit dem Kindergottesdienstlogo, eine Kerze und eine Klangschale. Diesen Morgen schlägt die neunjährige Emma die Schale und eröffnet damit den Gottesdienst. 18 Kinder sind diesen Sonntag gekommen und beginnen eine dreiteilige Gottesdienstreihe, die sich mit den Symbolen aus dem Logo beschäftigt. Heute ist die Arche Noah dran. Nach einem gemeinsamen Lied darf sich die zwölfjährige Jana noch ein Geburtstagsgeschenk aus einer Kiste suchen. Dann tei-

len die Mitarbeiterinnen die Gruppe: Nichtschüler, Erst- bis Drittklässler und vierte bis sechste Klasse. Für die drei Altersgruppen haben Carina Verwold (20), Bärbel Kramer (47) und Jutta Berens (44) unterschiedliche Angebote vorbereitet. Carina Verwold liest den Kleinsten die Geschichte von Noah und seiner Arche vor, und die Kinder können dazu die Playmobil-Arche mit Menschen und Tieren beladen. Die Ältesten probieren sich an einer Rückengeschichte, bei der es darum geht, Menschen- und Tierbewegungen am Rücken zu erfühlen. „Damit die Älteren nicht sagen, schon wieder Noah“, meint Jutta Berens.

Foto: Ulf Preuß


nur mit Kindern in Brandlecht Insgesamt gehören zum Kindergottesdienstteam in Brandlecht neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter fünf „richtig“ Erwachsene und vier junge Erwachsene. Alle 14 Tage bereiten sie zusammen mit Pastor Friedrich Behmenburg und seiner Frau Jutta das Programm für zwei Sonntage vor. Oft orientieren sie sich dabei an einer Arbeitshilfe zum Kindergottesdienst, die zu den verschiedenen biblischen Geschichten unterschiedliche Methoden anbietet. Dazu gehört es auch, passende Lieder zu den Themen der Sonntage auszusuchen. So ein Sonntag wie dieser mit 18 Kindern ist für die Mitarbeiter eine große Freude. Denn auch im ländlichen Brandlecht gibt es Sonntage, an denen nur sehr wenige Kinder kommen. „Das ist dann schon enttäuschend“, sagt Jutta Berens. Sie hat schon als Kind in der benachbarten Kirchengemeinde Uelsen Kindergotteserfahrung gesammelt. Zum Schluss des Kindergottesdienstes beten die Kinder das Unser-Vater-Gebet und hören den Segen. So wie im Gottesdienst der Erwachsenen auch. Und

nach dem Gottesdienst stehen Eltern und Kinder beim Kirchcafé gemeinsam zusammen, oder die Kinder laufen über den Kirchplatz und die Eltern müssen sie vor dem Nachhauseweg suchen. Am kommenden Sonntag ist im Kindergottesdienst die Geschichte von der Sturmstillung dran, darauf folgt das Thema Kreuz. So bereiten die Symbole aus dem Kindergottesdienstlogo einen Familiengottesdienst mit Abendmahl vor. „Kirche gibt es nur mit Kindern“ – in der Brandlechter Gemeinde entdecken Alt und Jung gemeinsam den Glauben immer wieder neu.

Zur Kirchengemeinde Brandlecht, südlich von Nordhorn gelegen, gehören rund 850 Gemeindeglieder.

von Ulf Preuß

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An einem normalen Sonntag kommen etwa 950 Kinder zu den Kindergottesdiensten in den evangelischreformierten Gemeinden.

Statistik von 2009


Gott hört mit oder die Frage: Ob´s durchschlägt? Klaus Bröhenhorst (62) ist Pastor der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Hildesheim und Mitglied im Beirat „reformiert“

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Als ein Pastor einmal nach dem enttäuschendsten Erlebnis seines Berufslebens gefragt wurde, erzählte er, dass zu Beginn seiner Predigt eine ältere Dame in der ersten Reihe ihr Hörrohr mit lauten Klack-Geräuschen zusammensetzte, um es nach bereits fünf Minuten des Zuhörens mit ebenso lauten Klack-Geräuschen wieder auseinander zu nehmen. Kann man verstehen, dass der Kollege enttäuscht war. Ich wäre es auch gewesen. Alle, die predigen, wären es gewesen. Denn alle, die predigen, wollen, dass ihnen zugehört wird. Sie wollen nicht über die Köpfe hinweg reden, sondern, wenn es geht, zu Herzen. Gewiss: Predigen ist ein schweres Geschäft! Das hat mir der Pfarrer, bei dem ich Vikar war, immer gesagt und mich damit zu besonderer Sorgfalt angehalten. Ich habe mir das gemerkt. Jetzt, nach gut dreißig Jahren als Pastor, kommt mir eine gewisse Routine zu Hilfe. Aber zu Anfang war es immer ein Kampf. Stellen Sie sich vor, Sie müssten einen mehrseitigen Deutschaufsatz schreiben, der so gut ist, dass die meisten, denen Sie diesen Aufsatz vortragen, sagen: Wir wollen dich nächste Woche wieder hören. Und dann mit einem neuen Aufsatz! Ich gebe zu: Der Vergleich ist nicht ganz treffend. Der Gottesdienst mit Liedern und Gebeten, mit Begegnung, Sich-Sehen und Sich-Begrüßen gibt der Predigt ihren Ort. Sie schwebt nicht im luftleeren Raum. Eine positive Erwartung von Seiten der Gemeinde umgibt sie. Das hilft der Predigt und denen, die predigen. Aber die Predigt als solche sollte dann auch hilfreich sein. Freilich: Kann man das „hinkriegen“? Kann man das „machen“? Ist das erlernbar? Nun, man kann gewisse Regeln beherzigen. Der Anfang sollte „abholen“. Der Schluss wirklich ein Schluss sein. Und nicht ein Vor-Schluss, an den sich noch ein zweiter Schluss oder gar ein dritter anhängt. „Was mir noch einfällt, liebe Gemeinde“ – nein, so nicht! Auch die Predigtlänge sollte angemessen sein. Manfred Gerke, Pastor in Stapelmoor, beginnt seinen Predigtband „Vom Himmel träumen“ mit einem in dieser Hinsicht abschreckenden Beispiel. Zwei Pfarrer unterhalten sich. „Ich

habe neulich über eine Stunde gepredigt“, sagt der eine. Fragt der andere zurück: „Da musst du doch völlig fertig gewesen sein!“ Antwort: „Ich nicht. Aber die Gemeinde hättest du sehen sollen!“ Also, so bitte nicht. Ja, man kann Regeln beherzigen und sollte das auch. Aber dass nun in der Predigt Gottes Wort ergeht, dass Menschen das Herz aufgeht, das kann man nicht „hinkriegen“ und nicht „machen“. Das kann sich nur ereignen. Das kann nur erbeten werden. „Das kann doch nicht durchschlagen!“, schreibt Karl Barth einmal an seinen Freund Eduard Thurneysen, als er an der Predigtvorbereitung sitzt. „Das kann doch nicht durchschlagen!“, schreibt

Am Heiligabend gehen etwa 51.000 Menschen in die Gottesdienste der evangelisch-reformierten Gemeinden, am 1. Advent 10.200.

Statistik von 2009

er beim Verfassen einer Predigt, bei der in puncto Vorbereitung, Ausarbeitung und Sorgfalt gewiss alles stimmte. Aber reicht das? So ist es nur folgerichtig, dass Barth bei seinen Überlegungen zur Predigt ins „Seufzen“ kommt. Und in seiner Abschiedsvorlesung 1962 spricht er vom Gebet, das allein die, die predigen, davor bewahren kann, sich im eigenen Kreise zu drehen „wie eine Maus in der Falle“. Seit der sogenannten „empirischen Wende“ in den 60er Jahren wurde in der Ausbildung derer, die predigen, viel Wert darauf gelegt, dass jeder, der predigt, sich bemüht, verstanden zu werden. Das geflügelte Wort: „Unser Pastor ist wie der ´liebe Gott`: in der Woche ist er unsichtbar, und am Sonntag ist er unbegreiflich“, sollte möglichst nicht zutreffen. Viele waren mit dieser neuen


Richtung einverstanden. Aber nicht alle. Hatte es nicht im Laufe der Kirchengeschichte äußerst verständliche Predigten gegeben, die aber nicht zum Guten waren? Hatten nicht Bernhard von Clairvaux für die Kreuzzüge und Johann Tetzel für den Ablass gepredigt? Beide sehr erfolgreich und unter dem Zulauf der Massen? Ist darum die Tatsache, dass eine Predigt „ankommt“, wirklich der Weisheit letzter Schluss? Jemand meinte, der Weisheit letzter Schluss vielleicht. Aber der Weisheit erster Schluss - nein. Der Weisheit erster Schluss ist, um Gott als den ersten Hörer zu wissen. Gott - der erste Hörer. Vor Ihm ist eine Predigt zuerst zu verantworten. In Seinem „Namen“ wird sie gehalten. In Seinem „Namen“ soll sie zur Anrede werden – und darum niemals so, dass das Evangelium als „fremder Gast“ verloren geht. Ein Küster in Berlin pflegte die gehörten Predigten stets zu beurteilen und sein Urteil denen, die gepredigt hatten, unmittelbar nach dem Gottesdienst mitzuteilen. Von „Sie sind eine Posaune des Herrn“ bis „Die Lieder waren gut gewählt“ reichte die Skala. Wir, die wir predigen, sind wohl irgendwo dazwischen. Und wir sind sehr dankbar, wenn wir das nicht allein sind, sondern Sie, liebe Gemeinde, dabei.

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von Klaus Bröhenhorst

Foto: billdayone/shutterstock.de


Und sonst noch? In den … der Talar Der Talar wurde im Gottesdienst erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch eine königliche Verordnung eingeführt. Geistliche, Richter und Beamte in Preußen hatten ein solches Gewand zu tragen. Heute heißt es, durch sein Tragen werde der Charakter des evangelischen Gottesdienstes betont, in dem die Verkündigung des Wortes Gottes im Mittelpunkt steht. Zudem tritt die Kleidung des Liturgen oder der Liturgin in den Hintergrund. Die Form des Beffchens zeigt zudem die Konfession an, beim „reformierten“ Beffchen sind die zwei Stoffstreifen zusammen genäht. 400 bis 700 Euro

… das Brot Nur an wenigen Sonntagen wird Abendmahl gefeiert, obgleich Johannes Calvin den Wunsch geäußert hatte, es sollen an jedem Sonntag geschehen. Das Abendmahl ist neben der Taufe das zweite Sakrament in der evangelischen Kirche und erinnert dabei an die biblischen Berichte über das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern. „Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot, dankte und brach´s und sprach: Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis“, lauten die Einsetzungsworte für das Abendmahl. Ein Laib Brot 2,50 - 5 Euro

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… der Abendmahlskelch Die Einsetzungsworte lauten weiter: „Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.“ Im Abendmahlskelch wird der rote Wein ausgegeben als Symbol für das vergossene Blut Jesu. In vielen Gemeinden gibt es für das Abendmahl wertvolle Silberkelche, aus hygienischen Gründen wird inzwischen an vielen Orten der Wein im Einzelkelch ausgegeben. Sehr oft wird auch Wein inzwischen durch Traubensaft ersetzt. 50 Euro für einen Keramikkelch, bis zu 700 Euro für einen versilberten Kelch


Gottesdienst gehören ... … die Bibel In jede Kirche gehört eine Bibel als Fundament des christlichen Glaubens. „Alles theologische Nachdenken über Gott und die Welt beginnt und endet mit der Heiligen Schrift“, sagte der EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider bei der jüngsten Synode der EKD. Die Bibel liegt in den reformierten Kirchen aufgeschlagen auf dem Abendmahlstisch. In den meisten Gemeinden ist dies eine Bibel in der Übersetzung Martin Luthers, obgleich die Zürcher Übersetzung eigentlich die „reformierte“ Bibel ist. Vielfach gilt die Luther-Bibel als sprachlich zugänglicher, die Zürcher Bibel ist näher am Urtext. Ab ca. 20 Euro für eine Standardausgabe

… Blumenschmuck gehört nicht wirklich in den Gottesdienst oder in die Kirche. Oder doch? Auf jeden Fall ist ein Blumenstrauß auf dem Abendmahlstisch ein Schmuck für die Kirche. Fast jede Gemeinde hat hier ihre eigene Tradition. Schnittblumen sollen es aber sein, schrieb der reformierte Theologe Alfred Rauhaus. Ab ca. 20 Euro aufwärts

… das Gesangbuch Im reformierten Gesangbuch sind dem allgemeinen Teil 150 vertonte Psalmen vorangestellt, auch um damit die Verbundenheit mit dem Alten Testament auszudrücken. Sie gehen zurück auf den Genfer Psalter von 1562. Die Lieder 1 (Macht hoch die Tür) bis 535 finden sich in allen evangelischen Gesangbüchern, diesem Stammteil schließen sich landeskirchliche Anhänge an. Hier hat sich die Evangelisch-reformierte Kirche mit den Liedern 536 bis 695 mit der rheinischen, westfälischen und lippischen Kirche zusammengetan. Ganz hinten finden sich Gebete, Psalmen, Katechismustexte, so dass das Gesangbuch auch als Andachtsbuch verwendet werden kann. 27 Euro für die gebundene Ausgabe

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Foto: Karl-Heinz Krämer

Kirche ist keine Insel Jann Schmidt war fast zehn Jahre lang Kirchenpräsident

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Sind mehr als 180.000 Menschen eine überschaubare Menge? Ja - wenn sie einst ins alte Maracana-Stadion strömten, den riesigen Fußball-Tempel in Rio de Janeiro, und nur ein einziges, heiß ersehntes Ziel kannten: einen Sieg ihrer gelb-blau gekleideten Nationalmannschaft, der brasilianischen Selecao. Nein - wenn es sich um die Mitglieder der Evangelisch-reformierten Kirche handelt, die vor allem in der Grafschaft Bentheim und in Ostfriesland leben sowie als „Verstreute“ vielerorts sonst wo in Deutschland. Denn diese calvinistische Glaubensgemeinschaft zeichnet sich durch eine – vorsichtig gesagt – selbstbewusste Meinungsvielfalt aus. Ihr Kirchenpräsident Jann Schmidt schied am 31. Oktober aus und wurde am 2. November mit einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Zehn Jahre wirkte der Ostfriese aus Weener als Leitender Theologe und Chef des Landeskirchenamtes in Leer. Ein Domizil, das direkt neben einer katholischen Kirche an der mit Kopfsteinen gepflasterten Saarstraße liegt, diverse bauliche Erweiterungen erhalten hat, die nicht nur der architektonischen Logik folgten, aber ein ungeheuer charmanter Arbeitsplatz ist. Schmidt, gerade 65 geworden, geht gerne zur Arbeit. Er ist kein Bürohocker, streift meist schnellen Schrittes durchs Haus. Ein Tempomacher, der noch ein fröhliches Pfeifen auf den Lippen hat,

wenn’s stresst. Oder gerade dann. Mit dem verheirateten Vater von drei erwachsenen Söhnen, begeisterten Segler und Freund der Orgelmusik ist manchmal schwer Schritt halten. Die Belegschaft hat da so ihre Erfahrungen, auch wenn zumeist das Motto gilt: fröhlich voran. Jann Schmidt hat erstmals in der reformierten Kirchengeschichte, nach einer Verfassungsänderung, die Ämter des leitenden Geistlichen und des Chefs der landeskirchlichen Verwaltung in einer Person vereint. Die Entscheidung in der Gesamtsynode fiel am 13. November 2003 knapp aus – er erhielt im zweiten Wahlgang 21 Stimmen, seine drei Gegenkandidaten kamen auf 19, 10 und 10 Stimmen. Zuvor war er gewählter Pastor der Gemeinde Veenhusen, Schulpastor an den Gymnasien in Leer, Landesjugendpastor und Pastor für Öffentlichkeitsarbeit. 2009 wurde er in den Rat der EKD gewählt und wird dieses Mandat bis zum übernächsten Jahr ausüben. Gibt es nun, da der eng getaktete Terminkalender sich schließt, einen Freizeitplan? Das nicht, sagt er, aber gute Vorsätze. Schmidt will sich ausruhen, regenerieren, joggen, „aus der Atemlosigkeit herauskommen“. In Ruhe frühstücken, dabei gründlich die „Süddeutsche Zeitung“ lesen. Konzerte hören, vor allem in Weener, wo der von ihm hoch geschätzte Landeskirchenmusikdirektor Winfried Dahlke wirkt.

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Foto: Bonno Sikken

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Archivfoto

Foto: Klaus Ortgies

Archivfoto: Ulf Preuß

(1) Jann Schmidt predigte im Gottesdienst zu seiner Verabschiedung am 2. November 2013 in der Neuen Kirche in Emden über den sinkenden Petrus - Matthäus 14 (2) Jann Schmidt als Student während einer Studienreise nach Israel 1972 (3) Im Büro des Pastors für Öffentlichkeitsarbeit 1994 (4) Vor dem Landeskirchenamt in Leer kurz vor seinem Ausscheiden (5) Predigt im ZDF-Fernsehgottesdienst in der Johannes a Lasco Bibliothek zur Eröffnung des Calvinjahres 2009

STIMMEN Seine Kirche wird er anders wahrnehmen. „Ich hoffe auf einen Platz in der Gemeinde und will meine eigene Glaubenspraxis sehr pflegen“, sagt er. Diesen Rollentausch vom Gebenden zum Empfangenden, vom Sprechenden zum Zuhörenden, der wieder auf sich selbst zurückfällt, empfindet Jann Schmidt möglicherweise sogar als befreiend. Denn er sagt auch, dass er Lebensfreude zurückgewinnen möchte, die auf Grund der Anforderungen, die das Amt mit sich brachte, ein Stück weit auf der Strecke geblieben ist. Wenn der scheidende Kirchenpräsident auf seine Amtszeit zurückblickt, ist ihm eines besonders wichtig: der enge Kontakt zu den Pastoren, den Kirchenältesten und den Ehrenamtlichen in den Gemeinden. „Da kam viel zurück, weil die Schwellenängste schnell beseitigt werden konnten.“ Für ihn war das die Basis, um Schwieriges durchsetzen zu können, wie etwa die Zusammenlegung von Pfarrstellen auf Grund der demographischen Entwicklung. Oder um Rückendeckung zu bekommen für die Rettung der Johannes-aLasco-Bibliothek in Emden, als das theologische Zentrum des reformierten Kirchentums für ein Jahr schließen musste, nachdem die Stiftung in einen finanziellen Abgrund blickte. Es freut ihn noch immer erkennbar, wie die protestantischen Schwesterkirchen dabei geholfen haben: „Es war wichtig, dass wir als die fünftkleinste Gliedkirche im Konzert der EKD eine vernehmbare Stimme

Karin Kürten, Vorsitzende des Presbyteriums der Gemeinde Hannover und langjähriges Mitglied im kirchenleitenden Moderamen der Gesamtsynode Wachwechsel beim Schepken Christi Keiner kennt die Gemeinden, die Pastorinnen und Pastoren, die Pfarrhäuser und die damit verbundenen Freuden und Leiden so gut wie er; keiner war in so unterschiedlichen Bereichen ein so gewissenhafter Diener seiner Kirche, deren Gebiet er im wahrsten Wortsinn erfahren hat. So blieb er zwar auf Leer konzentriert, aus der Verstreutensicht manchmal zu sehr, aber verlor die Randgebiete nie aus dem Blick, war offen für Nöte und Sorgen, freute sich mit bei Erfolg und Geglücktem. Selten sagte er nein, wenn er um eine Predigt oder einen Vortrag gebeten wurde, ließ sich auf notwendige aber behutsame Veränderungen der finanziellen und gemeindlichen Strukturen ein und unterstützte sie. Einige hatten ihm das nicht zugetraut, manche täuschten sich in ihm, dennoch gab er nie auf. Nun verlässt er das reformierte Schiff, weil ein Wechsel ansteht. Wer? Jann Schmidt. Möge der Wind immer in seinem Rücken sein.


Guntram Dörr ist Chefredakteur der Grafschafter Nachrichten mit Sitz in Nordhorn. Das Portrait von Jann Schmidt entstand Ende September bei einem Gespräch im Landeskirchenamt in Leer.

waren.“ Jann Schmidt vergisst nicht, die „phantastische Arbeit“ seines Vorgängers Walter Herrenbrück zu würdigen, die dafür den Weg ebnete. Um „seine“ Kirche macht sich Jann Schmidt auch in Zukunft keine Sorgen: „Wir können fröhlich reformiert sein und bleiben“, daran glaubt er fest. Den Menschen zugewandt, ihre Sorgen erkennend, sich einmischen, an den öffentlichen Diskussionen teilnehmen – für ihn sind das reformierte Markenzeichen, erkennbar etwa in den klaren Positionierungen gegen Apartheid, Nachrüstung, wachsende Armut auf der Welt: „Da sind wir Partei und legen den Finger in die Wunde aus unserem Glauben und unserer Überzeugung heraus.“ Gerade die Globalisierung mit ihren positiven wie negativen Auswirkungen, und eine Welt, in der „Menschen aus aller Herren Länder eine Arbeit suchen oder flüchten müssen“, erfordert es nach Auffassung ihres leitenden Geistlichen, dass sich die reformierte Kirche mit verändert und „in die Gesellschaft hineinspricht“. Kirche, sagt Schmidt, ist keine Insel.

Und in Deutschland? Es treibt den 65-Jährigen um, dass „die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klafft“. 400.000 Menschen sind in der Diakonie tätig, sie halten Tafeln, Brotkörbe und Soziale Kaufhäuser am Laufen. Schmidt fragt sich, ob dies in einer führenden Industrienation sein muss. Ob es nicht gar „zur Beruhigung“ beiträgt und den Staat aus seiner Verantwortung für die Schwachen und Benachteiligten entlässt. „Sollten wir nicht besser klar machen: So kann es nicht weitergehen?“ Wie es persönlich mit ihm weitergeht? Jann Schmidt wünscht sich Gesundheit, dass er seinen Lebensmut nicht verliert und dass er sich „auf jeden Tag neu freuen“ kann. Er will es mit der Bibel halten, auch im Leben nach dem Amt: „Befiehl dem Herren deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen.“ von Guntram Dörr

STIMMEN Nikolaus Schneider, Vorsitzender des Rates der EKD

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Die reformierte Stimme im Rat der EKD Es gibt etwa 24 Millionen evangelische Christen in Deutschland, darunter geschätzte zwei Millionen Reformierte. Die reformatorischen Impulse Zwinglis und Calvins haben auch den gesamten Protestantismus in Deutschland beeinflusst. Das deutlich zu machen, war Jann Schmidt nimmermüde – auch als reformierte Stimme im Rat der EKD. Stets freundlich aber bestimmt und immer uneitel. Die Reformierten haben im deutschen Protestantismus Gewicht. Besonders deutlich wurde dies im Calvinjahr 2009. Es ist Jann Schmidt zu verdanken, dass die Johannes a Lasco Bibliothek in Emden auch in der EKD besondere Aufmerksamkeit und Wertschätzung gefunden hat. Trotz gesundheitlicher Belastungen nimmt Jann Schmidt sein Amt im Rat der EKD in großer Treue wahr – dafür danke ich ihm sehr.

Heinz-Hermann Nordholt, Präses des Synodalverbands Grafschaft Bentheim

Er hat sein Lachen bewahrt Meine erste Begegnung mit Jann Schmidt hat auf Borkum stattgefunden. Das war anlässlich einer Tagung für reformierte Theologiestudenten, irgendwann in der ersten Hälfte der Siebziger. Ich war Anfänger, Jann stand kurz vor dem Examen. Er saß mit ein paar weiteren der von uns bewunderten älteren Kommilitonen beim Frühstück, als wir jüngeren hereinkamen - und von ihm mit dem freundlichen Lachen begrüßt wurden, das jeder von ihm kennt, dem er mal entgegengekommen ist. In den letzten Jahren hatten wir viel Gelegenheit zur Zusammenarbeit. Die war von genau der Freundlichkeit geprägt, die mir schon ganz zu Anfang so gut gefallen hat. Jann Schmidt hat sich als Kirchenpräsident nie geschont und für unsere Kirche enorm viel gearbeitet. Dass er dabei sein Lachen bewahrt hat - das bewundere ich an ihm.


REFORMIERTES REISEZIEL

Von Orgeln und ihren Kirchen Wunderbare, historische Orgeln, mittelalterliche Dorfkirchen, ein Orgelfestival der Extraklasse und das schönste Fischerdorf an der Nordseeküste – all das sind Stichworte für die Region mit dem seltsam anmutenden Namen „Krummhörn“ – übrigens „die Krummhörn“. Der Name kommt aus dem Plattdeutschen, was hier noch ordentlich gepflegt wird, und bedeutet so viel wie krumme Ecke. Die Rede ist vom Landstrich nordwestlich von Emden, der zum Landkreis Aurich gehört. 19 Ortschaften bilden die Krummhörn, jedes Dorf hat seine eigene Kirchengemeinde und eigene Kirche. Alle Kirchengemeinden sind evangelisch-reformiert, bis auf Pewsum, Loquard und Woquard, alle haben eine zumeist mittelalterliche Kirche, in die im Zuge der Reformation reformierte Schlichtheit einzog. In der Regel nicht schlicht sind die historisch besonders wertvollen Orgeln in den Kirchen. Sie alle sind Zeichen ehemaligen Reichtums und wurden zum großen Teil in den letzten Jahrzehnten restauriert. Besonders genannt werden kann hier die Orgel im ostfriesischen Warfendorf Rysum, deren 555-jähriges Bestehen die Rysumer im vergangenen Jahr feierten. Einmal pro Jahr feiert die Region ihre Orgeln mit dem Krummhörner Orgelfrühling, zu dem regelmäßig Weltklasseorganisten kommen. Er findet im kommenden Jahr vom 27. Mai bis 1. Juni statt. Interessant ist die Kirchengeschichte dieser reformiert geprägten Region. Bis heute gilt hier das sogenannte ostfriesische Sonderrecht, das im 16. Jahrhundert regelte, dass Lutheraner in reformierten Gemeinden und Reformierte in lutherischen Gemeinden unter Beibehaltung ihres Bekennt-

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nisses vollberechtigte Gemeindeglieder sind. So wurde die für die Reformationszeit typische Zwietracht vermieden. Einer der Lieblingsorte der Touristen ist das kleine Pilsum, mit der Kreuzkirche am höchsten Punkt des Dorfes, der sehr angenehmen Gaststätte „Alte Brauerei“ direkt nebenan und dem gelbrot gestreiften Leuchtturm am Deich, der durch den Komiker Otto Weltruhm erlangte. Ein paar Kilometer weiter nördlich liegt der touristische Hauptort der Krummhörn, Greetsiel, mit seinen vielen Krabbenkuttern im Hafen. Und wenn Sie schon auf dem Weg in die Krummhörn sind, sollten Sie sich ganz in der Nähe die alte Kirche in Suurhusen mit dem schiefsten Turm der Welt nicht entgehen lassen. Der ist sogar im Guiness-Buch der Rekorde eingetragen. von Ulf Preuß

Foto: Gerold Meppelink

Foto: Siek Postma

Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel Zur Hauener Hooge 11 26736 Krummhörn-Greetsiel Tel.: 04926 / 9188-0 www.greetsiel.de Krummhörn bei Wikipedia:

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(1) Evangelischreformierte Kreuzkirche in Pilsum (2) Orgel der Kirche in Groothusen (3) Die erste Krummhörner Kirchentour fand diesen September statt, mit Stationen an allen 19 Krummhörner Kirchen, sie findet jetzt an jedem ersten Samstag im September statt.

Foto: Gerold Meppelink


REFORMIERTER GLAUBE

Gott dient den Menschen Barbara Schenck ist Theologin und Redakteurin der Internetplattform reformiert-info.de

Das Eingangsgebet enthält die „offene Schuld“, Im Gottesdienst dient Gott den Menschen und ein Schuldbekenntnis der Gemeinde, verbunden die Menschen dienen Gott. Dies geschieht in der mit der Bitte um Vergebung und Dank für Gottes Verkündigung von Gottes Wort, in öffentlichen heilvolle Zuwendung. Der Predigt folgen Fürbitfeierlichen Gebeten und in der Verwaltung der ten, das Unser Vater sowie der Segen. Viele GeSakramente Taufe und Abendmahl. meinden sprechen ein Bekenntnis mit Worten aus Der sonntägliche Gottesdienst in einer refordem Heidelberger Katechismus oder der Barmer mierten Kirche hat einen nüchtern anmutenden Theologischen Erklärung. Ablauf. Die schlichte Liturgie vertraut auf den Die Bibel liegt aufgeschlagen auf Kanzel und Reichtum des Wortes. Eine Orientierung für die Abendmahlstisch. Die gute Botschaft von der Ordnung des Gottesdienstes bietet die ReformierGnade Gottes zu verkündigen ist das wichtigste te Liturgie von 1999. Anliegen des Gottesdienstes, seine klassisch-reDie Glocken rufen zum Gottesdienst und zeiformierte Form ist der Predigtgen öffentlich: Die Gemeinde gottesdienst. Dieser ist aber versammelt sich. Der Gloauch eine Feier, die gestaltet ckenklang verbindet die, die werden muss. Das Ringen um nicht kommen können, mit der die rechte Form gehört seit Gemeinde. Musik, meistens dem 16. Jahrhundert zur redas Orgelspiel, eröffnet den Barbara Schenck formierten Praxis. Calvin etwa Gottesdienst. Das Wort zum über den Gottesdienst lehnte Instrumentalmusik ab, Eingang ist ein trinitarisches Zwingli sogar den Gesang. Votum (Im Namen Gottes, des Die Kollekte am Ausgang ist Teil des GottesdiensVaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und weist auf den Dienst, der das ganze tes...), das Adjutorium: „Unsere Hilfe steht im Leben umfasst im Tun des Guten und Üben der Namen...“ oder ein biblisches Wort. Lieder und Barmherzigkeit (Römer 12). Gebete folgen. Calvin führte das Psalmensingen Ein Gottesdienst kann fragwürdig, kümmerlich als biblisches Liedgut ein. Heute steht der Reimoder trostlos erscheinen, dennoch birgt er in sich psalter am Anfang des Gesangbuchs. Die Lieder die Hoffnung: Gott ist gegenwärtig. aus dem Alten Testament bezeugen auch die Verbundenheit mit dem Gebet in der Synagoge. von Barbara Schenck

Reformierter Glaube

Familiengottesdienst in Schüttorf/ Grafschaft Bentheim

Foto: Gemiende Schüttorf


PERSONEN

[1] Hilke Klüver, Pastorin im Landeskirchenamt in Leer, ist in den Rundfunkrat des Norddeutschen Rundfunks berufen worden. Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen bestimmte die 59-jährige Theologin zur Nachfolgerin des Hildesheimer Landessuperintendenten Eckhard Gorka. [2] Martin Hoffmann, Pastor der Gemeinde in Hameln/Bad Pyrmont, tritt zum Jahresende in den Ruhestand. Am 27. Oktober wurde der 65-Jährige mit einem Gottesdienst verabschiedet. Die Predigt hielt Kirchenpräsident Jann Schmidt. Hoffmann kam 1975 als Vikar nach Hameln und blieb mehr als 35 Jahre lang in der Gemeinde. [3] Manfred Gerke, Pastor der Kirchengemeinde Stapelmoor im Rheiderland und Präses des Synodalverbands, hat 24 seiner Predigten als Buch veröffentlicht. Der Band heißt „Vom Himmel träumen“ und erscheint in der Reihe „Predigt heute“ des Spenner Verlags. Die Herausgeber seien auf Manfred Gerke (62) beim Studium der Göttinger Predigten im Internet aufmerksam geworden, sagte Mitherausgeber Jörg Oberbeckmann. Wolfgang Wagenfeld, der Geschäftsführer des Diakonischen Werkes der Evangelisch-reformierten Kirche, ist in die niedersächsische Härtefallkommission für Flüchtlinge berufen worden. Wagenfeld (62) will in seinem Amt die humanitären und persönlichen Härten von Asylbewerbern prüfen und in die Kommission einbringen, um damit für sie eine drohende Abschiebung abzuwenden.

(3) Manfred Gerke (Mitte) stellt seinen Predigtband mit Jörg Oberbeckmann (links) und Jann Schmidt (rechts) vor.

[5] Martin Heimbucher hat am 1. November seinen Dienst als Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche angetreten. Der neue Kirchenpräsident begrüßte im Landeskirchenamt in Leer die 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Heimbucher (58) war im Juni von der Gesamtsynode als Nachfolger für Jann Schmidt gewählt worden.

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[7] Uwe Ochsenknecht, Schauspieler und Sänger, hat in den Gemeinden Pilsum und Marienchor gedreht. Die reformierte Kirche Marienchor (Rheiderland) und das Haus der reformierten Gemeinde in Pilsum nordwestlich von Emden waren Drehort des Films „Nena“. Ochsenknecht (57) spielt darin einen an MS erkrankten Literaturprofessor aus Groningen, der auf seinen Bruder, einen spät berufenen katholischen Priester, trifft. Der Film kommt im Herbst 2014 in die Kinos.

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[4] Matthias Lefers ist von der Gemeinde Neermorpolder mit sehr großer Mehrheit zu ihrem Pastor gewählt worden. Der 32-jährige Theologe ist bereits seit 2010 als Pastor coll. im Norden des Landkreises Leer tätig. Der zweite Pastor der Kirchengemeinde, Marius Lange van Ravenswaay, bleibt in Neermoorpolder und auch wissenschaftlicher Leiter der Johannes a Lasco Bibliothek.

[6] Manfred Meyer ist seit 1. November Landesdiakoniepfarrer in Bremen und Geschäftsführer des Diakonischen Werkes. Der Vorstand des Diakonischen Werkes wählte den 53-Jährigen einstimmig zum Geschäftsführer, die Bremische Evangelische Kirche berief ihn zum Landesdiakoniepfarrer. Meyer war bis Ende Oktober drei Jahre lang Pastor der evangelisch-reformierten Gemeinde Emden.

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Rushniya Salakhova ist neue Kirchenmusikerin in Nordhorn. Die 32-jährige Russin begann im September als Kantorin der Gemeinde. 2006 kam die Kirchenmusikerin von Russland ans Konservatorium nach Herford. In Nordhorn ist sie Nachfolgerin von Margret Heckmann, die im Frühjahr nach 37 Jahren in den Ruhestand ging.

Sophia Sander ist neue Pastorin der Gemeinde Hameln/Bad Pyrmont. Die Gemeinde wählte die 41-jährige Theologin mit deutlicher Mehrheit. Sophia Sander stammt aus Emden, seit 2002 ist sie Pastorin der Gemeinde in Weener (Rheiderland). Sie wird die Stelle in Hameln am 1. Januar antreten.

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AKTUELLES

Gesamttagung für Kindergottesdienst in Dortmund Nach 25 Jahren ist es das zweite Mal: Im nächsten Jahr wird Dortmund Gastgeber der Gesamttagung für Kindergottesdienst in der Evangelischen Kirche sein. Vom Himmelfahrtstag, dem 29. Mai, bis zum 1. Juni 2014 lädt ein richtiger „kleiner Kirchentag“ ein. Das biblische Thema hat zugleich Lokalkolorit: „DORT wird unser MUND voll Lachens sein“. Zu den Veranstaltern gehört auch die Evangelisch-reformierte Kirche, gemeinsam mit der EKD und anderen Landeskirchen. Landesjugendpastor Bernhard Schmeing, zugleich Beauftragter für Kindergottesdienst in der Evangelisch-reformierten Kirche, erwartet ein tolles Fest mit voraussichtlich 4.000 Gästen. Die Gesamttagung spreche vor allem Mitarbeitende im Kindergottesdienst an. Doch auch für Erzieherinnen und Erzieher, Gemeindepädagogen, Lehrerinnen und Lehrer sei die Tagung offen. Die Bibelarbeiten und Arbeitsgruppen beleuchten ganz verschiedene Seiten des Gottesdienstes mit Kindern – vom Erzählen biblischer Geschichten über Musik, Tanz und Schauspiel bis zur Auseinandersetzung mit schweren Themen wie Tod und Sterben. Konzerte, Theater und Kabarett, Ausstellungen sowie Material- und Ideenbörsen ergänzen das Programm.

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Jährlich finden bundesweit etwa 260.000 Kindergottesdienste statt. „Kinder haben ein Recht auf einen Gottesdienst, der ihnen entspricht“, erklärt Bernhard Schmeing. „Mit dieser Tagung wollen wir den Kindergottesdienst ebenso stärken wie die vielen Ehrenamtlichen, die ihn gestalten.“ Ein Programmhöhepunkt könne das „Politische Signal“ am Samstag, 31. Mai, werden. Die Präses der Westfälischen Kirche, Annette Kurschus, Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau und Michelle Müntefering (beide SPD) sprechen dort über Lobbyarbeit und Kinderrechte. Margot Käßmann hält eine Bibelarbeit über „Hoffnungen und Träume“. Aus der Kindergottesarbeit der Evangelisch-reformierten Kirche bietet ein Grafschafter Team eine Bibelarbeit an mit der Überschrift: „Lachmuskelaufbautraining Einmal Jerusalem, Emmaus und zurück“.

Die Anmeldung für die Tagung ist über das Internet möglich Bis zum 1. März 2014 kostet die Dauerteilnahme 65 Euro, danach 85 Euro. Die Tageskarte kostet 45 Euro. www.gt2014.de

Wider die Depression beim Älterwerden Die Evangelische Erwachsenenbildung in Niedersachsen (EEB) hat eine Arbeitshilfe zum Thema Depression im Alter veröffentlicht. Sie ist geeignet für die Erwachsenenbildungsarbeit in Kirchengemeinden. 19 Prozent aller Menschen erkrankten im Laufe ihres Lebens an einer Depression. Und die Gefahr wachse mit dem Älterwerden, so der Autor Klaus Depping. Seine zehn 90-minütigen Arbeitseinheiten nähern sich aus drei Richtungen der Frage „Wie kann man einer Depression vorbeugen?“ Die Publikation bietet auch Hilfe im Umgang mit niedergedrückten oder depressiven Menschen. Depping war bis 2011 Inhaber der Fachstelle für gemeindebezogene Altenarbeit der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers. Die Arbeitshilfe kostet 10 Euro plus Versandkosten bei der EEB Niedersachsen. www.eeb-niedersachsen.de Applaus, Applaus für jugendliche Teamer In der Alten Kirche in Nordhorn haben kürzlich 16 Jugendliche die Teamercard der Evangelisch-reformierten Kirche erhalten. In einem Jugendgottesdienst mit 150 Jugendlichen aus Nordhorn und Umgebung überreichte ihnen Landesjugendpastor Bernhard Schmeing das Zertifikat. Der Gottesdienst stand unter der Überschrift „Applaus, Applaus“. Landesjugendpastor Bernhard Schmeing sagte in Anspielung an das Lied der Sportfreunde Stiller, dass der Applaus des heutigen Tages den Jugendlichen gehöre, die sich in der Kirche engagieren. „Ohne euer Engagement würde es in der Jugendarbeit nicht laufen.“ Geschult wurden die Jugendlichen im Alter von 14 bis 15 Jahren in einem sechsmonatigen Kurs von der Nordhorner Jugendreferentin Andrea Buitkamp. In der gesamten Landeskirche sind in den letzten zwei Jahren mehr als 100 Jugendliche zu Teamern in der Jugendarbeit ausgebildet worden. Reformierte Gottesdienste in Oldenburg In Oldenburg wird es in Kürze regelmäßig reformierte Gottesdienste geben. Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Oldenburg, die oldenburgische und die reformierte Landeskirche haben verabredet, einmal im Monat in der Garnisonkirche in der Oldenburger Innenstadt zu einem reformierten Gottesdienst einzuladen. Ein Starttermin steht noch nicht fest. Mit dem Angebot soll geprüft werden, ob die Resonanz es rechtfertigt, in Oldenburg eine Gemeindegründung voranzutreiben. Im Jahr 2011 hatte die reformierte Landeskirche angeregt, in Oldenburg eine reformierte Gemeinde zu gründen. Im Raum Oldenburg leben schätzungsweise etwa 4.000 Kirchenmitglieder, die sich als evangelisch-reformierte Christen bezeichnen.


AKTUELLES / IMPRESSUM

Kollekte für Schulbüchereien in Afrika 17 Kirchengemeinden haben in ihren Einschulungsgottesdiensten zu Anfang des Schuljahres für die Norddeutsche Mission (NM) gesammelt. Die Kollekten erbrachten 3.666 Euro, die jetzt für die Einrichtung von Schulbüchereien in Ghana und Togo verwendet werden sollen. „Für die vielen Kinder aus Familien, die sich keine eigenen Schulbücher leisten können, ist das sehr wichtig“, so Wolfgang Blum, Projektreferent der NM. Mit dem Geld könnten durch die Kirchen in Ghana und Togo elf Büchereien ausgestattet werden. Zur Norddeutschen Mission gehören aus Afrika die evangelisch-presbyterianischen Kirchen in Ghana und Togo sowie aus Deutschland die bremische, lippische und oldenburgische sowie die reformierte Kirche.

425 Jahre Reformierte in Hamburg Die Evangelisch-reformierte Kirche in Hamburg hat im November ihr 425-jähriges Bestehen gefeiert. Im Jahr 1588 gründeten Reformierte aus Flamen und Wallonien, die in ihrer Heimat verfolgt wurden und nach Hamburg gekommen waren, dort eine Gemeinde. Einen ersten Gottesdienstraum hatten sie im sogenannten Englischen Haus einer Kaufmannsvereinigung. 1602 erhielten Reformierte in Altona die Genehmigung für eine Gemeindegründung. Nach Gründung der Evangelisch-reformierten Stadtsynode zu Hamburg 1963 schlossen sich endlich 1976 die Deutsche evangelisch-reformierte Gemeinde, die Evangelisch-reformierte Gemeinde in Hamburg-Altona und die Französisch-reformierte Gemeinde in Hamburg zur Evangelisch-reformierten Kirche in Hamburg zusammen. Heute feiert die Gemeinde Gottesdienst in den Gemeindezentren Ferdinandstraße im Stadtzentrum und Palmaille in Altona. www.erk-hamburg.de

Emden eröffnet Neue Kirche wieder Die Evangelisch-reformierte Gemeinde in Emden hat ihre Neue Kirche nach mehr als zweijähriger Umbauzeit wieder eröffnet. In einem Festakt am 6. September sprach der Präsident des niedersächsischen Landtags, Bernd Busemann (CDU), von einem Festtag für Emden. „In den letzten Jahren ist mit der wieder hergestellten Neuen Kirche ein einzigartiges Bürgerzentrum entstanden, das eine fruchtbare Verbindung von Tradition und Gegenwart, Kunst und Leben sowie Glaube und Welt verkörpern kann.“ Busemann bezeichnete das Zusammenwirken von politischer Gemeinde, Kirchengemeinde, Evangelisch-reformierter Kirche und Bürgergesellschaft bei der Planung und Finanzierung der Sanierung als vorbildlich. Die aus dem Jahr 1648 stammende Kirche wurde im Innenraum komplett saniert. Umfangreiche archäologische Untersuchungen verlängerten die Bauphase. Jetzt dient die Kirche als Kultur- und Veranstaltungsraum für Kirchen- wie Bürgergemeinde. Diese Neunutzung war die Voraussetzung für die zahlreichen nichtkirchlichen Zuschüsse. Insgesamt sind in der Neuen Kirche Emden etwa 1,3 Millionen Euro verbaut worden. Hauptgeldgeber waren die Kirchengemeinde mit 300.000 Euro, die Stadt Emden mit 295.000 Euro und der Bauverein Neue Kirche mit 250.000 Euro. Die Stiftung Niedersachsen und die Landeskirche gaben je 200.000 Euro, 60.000 Euro kamen vom Bundeskulturstaatsminister und 45.000 vom Land Niedersachsen.

Ausstellung „Leben nach Luther“ Das Deutsche Historische Museum Berlin zeigt zurzeit die Ausstellung „Leben nach Luther. Eine Kulturgeschichte des evangelischen Pfarrhauses“. Die Ausstellung folgt einer Pressemitteilung zufolge der Entwicklung des Pfarrhauses von der Reformation bis zur Gegenwart und richtet den Blick auch in das europäische Ausland. Mit Fotos, Film- und Tondokumenten zeige das Museum anhand des „Kirchenkampfes“ in der Zeit des Nationalsozialismus und der Epoche Kirche im Sozialismus, dass politische und gesellschaftliche Umwälzungen eng mit der Geschichte und Gegenwart des evangelischen Pfarrhauses verknüpft seien. Die Ausstellung ist bis zum 2. März 2014 geöffnet. www.dhm.de/ausstellungen/pfarrhaus

Studierstube eines Pfarrers in Zoppoten, ca. 1930 (Landeskirchenarchiv Eisenach)

IMPRESSUM Reformiert: ,reformiert’ ist die Mitgliedszeitschrift der Evangelischreformierten Kirche. Herausgeberin: Evangelisch-reformierte Kirche, Saarstraße 6, 26789 Leer, www.reformiert.de

Innenraum der neuen Kirche nach der Restaurierung.

Verantwortlich: Dr. Martin Heimbucher Redaktion: Ulf Preuß, Pressesprecher, Tel. 0491 / 91 98-212, E-Mail: presse@reformiert.de Redaktionsbeirat: Klaus Bröhenhorst, Antje Donker, Andreas Flick, Matthias Lefers, Günter Plawer, Steffi Sander, Burkhart Vietzke Konzeption, Gestaltung und Layout: Designagentur projektpartner, 26789 Leer, www.projektpartner.info Druck und Vertrieb: SKN Druck und Verlag, Norden, www.skn-druck.de Auflage: 130.000 Exemplare

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Martin Heimbucher (58) ist seit 1. November 2013 Kirchenpräsident der Evangelisch-reformierten Kirche.

Evangelisch-reformierte Kirche Landeskirchenamt - Saarstraße 6 - 26789 Leer Postvertrieb DPAG Entgelt bezahlt

Fragen an Kirchenpräsident Martin Heimbucher

Wie politisch darf (soll) die Kirche sein?

POSITION

„Reformation und Politik“: Unter diese Überschrift hat die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) das Jahr 2014 gestellt. Noch laufen in Berlin die Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/ CSU und SPD, deren Ausgang mit darüber entscheidet, wie es in Deutschland politisch weitergeht. Seit genau einem Monat ist Martin Heimbucher, der neu gewählte Kirchenpräsident der Evangelischreformierten Kirche, im Amt.

Herr Heimbucher, wie politisch darf oder soll die Kirche sein? Die Kirche ist politisch gerade dadurch, dass sie einen Unterschied macht zwischen ihrer Botschaft und einem politischen Programm. Die Botschaft der Kirche richtet sich „an alles Volk“, wie es in der Barmer Theologischen Erklärung heißt. Insofern ist sie öffentlich und immer auch politisch. Aber die Kirche sagt eher etwas über die Voraussetzungen der Politik als zu einzelnen politischen Fragen. Sie spricht von Gerechtigkeit, von Frieden, von Freiheit, von Barmherzigkeit, von Menschenwürde und von der Bewahrung der Erde. Aber sie begründet diese Grundorientierungen nicht in wechselnden politischen Theorien, sondern in den Zusagen Gottes, wie sie in der Bibel bezeugt sind. Dadurch gewinnt die Kirche auch Unabhängigkeit gegenüber politischen Ansprüchen, die immer wieder an sie gerichtet werden. Glauben Sie, dass die Stimme der Kirchen im politischen Prozess eine wahrnehmbare Rolle spielt? Die Stimme der Kirche wird gerade dann wahrnehmbar sein, wenn sie sich in ihrer Sprache und in ihrem Inhalt von dem Jargon der Politik und der Massenmedien abhebt. Der Prozess politischer Meinungsbildung und Entscheidungsfindung ist auf eine solche kritische – freilich nicht besserwisserische! – Einrede angewiesen. Diese Einrede verfolgt keine parteipolitischen Interessen, sondern weist vor allem auf die Folgen hin, die sich für die betroffenen Menschen ergeben. Quer durch alle Parteien erwarten übrigens Politiker selbst, dass die Kirche ihre Rolle wahrnimmt, Anwalt der benachteiligten Menschen zu sein.

Mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen: Was wünschen Sie sich von einer neuen Bundesregierung? Wir Reformierten wissen etwas von der gemeinsamen Verantwortung von „Regierenden und Regierten“ (Barmen V) für unser Gemeinwesen. Zunächst also wünsche ich mir aufgeweckte Christenmenschen, die die politischen Geschicke unseres Landes kritisch verfolgen. Die Spielräume zur Weiterentwicklung von Politik und Gesellschaft sind für die Verantwortlichen nicht sehr groß. Aber politisch Handelnde sollten sich nicht mit der Behauptung von Sachzwängen zufrieden geben. Die berüchtigte Haltung des TINA (There Is No Alternative) ist in den allermeisten Fällen eine Lüge. Wenn sich Kirchenvertreter politisch äußern, soll das auch in der Predigt von der Kanzel geschehen? Die Predigt ist etwas anderes als eine politische Rede. Sie bringt unsere gegenwärtige Befindlichkeit ins Gespräch mit der biblischen Botschaft. Sofern aber diese Botschaft unser Leben und Zusammenleben betrifft – und das tut sie immer – hat die Predigt auch eine politische Wirkung. Diese politischen Konsequenzen des Evangeliums können auch auf der Kanzel angesprochen werden. Aber sie sind nicht Zweck und Ziel der Predigt. Die Aufgabe der Predigt bleibt es, den Menschen Gottes Zuwendung zu bezeugen und sie selber ins Gespräch mit Gott zu bringen. Daraus folgt dann auch ein Ja oder ein Nein zu bestimmten politischen Vorstellungen oder Vorhaben.

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ZEIT zum Gottesdienst. Diese Ausgabe von "reformiert" nimmt sich ZEIT für den Gottesdienst. Aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Einer: Die e...

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