Page 36

Bei all unseren Aktivitäten gilt es, den ganz grossen Zusammenhang nie aus dem Blickfeld zu verlieren – die Armutsbekämpfung durch eine globale und computergestützte Bildungsoffensive. Dabei lassen wir uns von fünf Prinzipien leiten: 1 Jedes Kind besitzt seinen eigenen Laptop. Besitz bedeutet Verantwortung. Es bedeutet auch, dass es ein Low-Cost-Gerät sein muss, robust und benutzerfreundlich. Dies fördert die Interaktivität der Besitzenden und die Verbreitung und Vertiefung von Wissen bei allen am Projekt Beteiligten. 2 Kleines Kind erhält modernen Laptop. Je früher Kinder mit Technologie in Berührung kommen, desto selbstverständlicher wachsen sie damit auf. Sie werden in die Lage versetzt, Eltern und Grosseltern an die Möglichkeiten dieses Geräts heranzuführen und noch jüngere Kinder in der Benützung anzuleiten. 3 Alle Kinder sind gleich. Ein Kind mit einem Computer unter dem Arm verliert seine Exotik, und dies ist in etlichen, gerade armen Gegenden der Welt besonders wichtig. Alle werden sie auf diesem Wege Teil einer grossen Bewegung des Lernens. 4 Alle Kinder sind vernetzt. Wer vernetzt ist, profitiert vom Wissen aller am Netz Beteiligten. Das Netz ist global und kann die Kinder über alle kulturellen oder politischen Grenzen hinweg miteinander in Kontakt treten lassen. 5 Eine offene, zugängliche und wachsende Projektstruktur. Das Projektteam von OLPC in Cambridge/Massachusetts umfasst dreissig fest angestellte Personen. Insgesamt sind bis heute über 3 000 Menschen rund um den Globus an der Entwicklung von Basisanwendungen und Software des OLPC-Laptops beteiligt gewesen. Es werden immer mehr, denn die Entwicklung geht weiter.

34

Responsible Wealth Review – Vol. 2

Noch kostet unser Computer das Doppelte der von uns angepeilten hundert Dollar pro Stück. Jede neue Generation wird jedoch billiger werden, und dies ist auch absolut notwendig. Denn für viele der ärmsten Länder der Welt sind hundert Dollar genauso unerschwinglich, wie es zweihundert sind oder vielleicht auch fünfzig. Deshalb passen wir unser Distributionsmodell auch laufend an: Nicht mehr nur die Regierungen einzelner Länder sollen als Käufer in Frage kommen, sondern beispielsweise auch wohlhabende Nationen dazu motiviert werden, ärmere beim Kauf von Laptops zu unterstützen. Der amerikanische Kongress oder das Parlament der Europäischen Union (EU) wären ohne Probleme in der Lage, Gelder zu bewilligen, um in einem Entwicklungsland jedem Kind einen Laptop zu schenken. Ein anderes Modell ist jenes des «give one, get one», welches wir zusammen mit dem InternetVersandhaus Amazon entwickelt haben: Kauft eine Privatperson zwei Computer, geht einer an ein Kind in einem Entwicklungsland, und Amazon stellt uns hierfür ihr Vertriebsnetz unentgeltlich zur Verfügung. All dies hilft, damit das OLPC-Projekt wachsen kann. Ende 2008 existierten Projekte bereits in Uruguay, Peru, Äthiopien, Nigeria, Ghana, Ruanda, Haiti, Nepal, Afghanistan, Indien oder Sri Lanka. Die Regierung Perus hat sich verpflichtet, einer Million Kindern in den ärmsten Gegenden des Landes einen Laptop zu schenken, Ghana ist das erste Land der Sub-Sahara, welches Laptops aus dem eigenen Etat finanzieren kann, die Mongolei ist bereit, 10 000 Laptops für die Kinder im Land zu ordern. Mit zahlreichen anderen Regierungen ist OLPC im Gespräch, und es hat sich noch kein Politiker, Minister oder Staatspräsident gefunden, der nicht zugebilligt hätte, dass die OLPC-Initiative ein nachhaltiges und verantwortungsbewusstes Investment in unser aller Zukunft darstellen würde.

Nicholas Negroponte ist Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT), Mitbegründer des MIT Media Lab sowie der gemeinnützigen Initiative «One Laptop per Child» (OLPC).

Matthew Keller ist OLPC-Direktor für Europa, Middle East und Afrika.

Responsible Wealth Review Vol. 2  

Marcel Brenninkmeijer über eine der grössten herausforderungen der Menschheit. Der private Wealth Council über Responsible investing. Von F...

Responsible Wealth Review Vol. 2  

Marcel Brenninkmeijer über eine der grössten herausforderungen der Menschheit. Der private Wealth Council über Responsible investing. Von F...

Advertisement