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Das Magazin der Studierenden der Universität St. Gallen November 2011 Nummer 336

Illusion November 2011 – prisma 1


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Editorial

Ressorts Sebastian Greulich Ressortleiter Aktuell

Tobias Palm Ressortleiter Campus

Vladimir Mijatovic Ressortleiter Thema

Sören Platten Ressortleiter 360°

Roman Schister Ressortleiter Menschen

Layout Pascal Fischer Layoutchef

Michael Pum Layouter

Dominik Geissler Layouter

Schöner Schein T

renne dich nicht von deinen Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben.» Dieses bekannte Zitat von Mark Twain erinnert uns daran, dass eine Illusion nicht nur ein geistiges Trugbild ist, dem wir zu Lebzeiten hinterherjagen. Oftmals sind es diese Illusionen, die uns in Form von Träumen überdauern. Aber braucht der Mensch tatsächlich Illusionen, um seine Träume Wirklichkeit werden zu lassen? Denken wir zurück an die Zeit, als wir noch Kinder waren. Unsere Welt war damals noch voller Illusionen und wir waren nie glücklicher. Wir erschufen unsere eigenen Luftschlösser und glaubten daran, fliegen zu können. Wir waren fest davon überzeugt, dass aus den verschluckten Wassermelonenkernen eine riesige Wassermelone wachsen würde. Welche lustigen Kindheitsillusionen ihr sonst noch mit anderen HSG-Studierenden teilt, könnt ihr ab Seite 50 in unserer Umfrage nachlesen. Je älter wir wurden, desto häufiger hat man uns das Träumen abgewöhnt und uns geraten, wir sollten uns von unseren Illusionen lösen. Eine Weile haben wir uns noch dagegen gewehrt, je öfter jedoch unsere Illusionen und Träume unerfüllt blieben, haben wir uns gefügt und angefangen in der «Realität» zu leben. Aber wer bestimmt unsere Realität? Wir selbst! Gerade deshalb brauchen wir Illusionen, um unsere Träume wahr werden zu lassen. Bereits Nietzsche war der Meinung, dass der Mensch in einer selbst erschaffenen Wirklichkeit lebt. In der vorliegenden prisma-Ausgabe soll euch das Thema «Illusion» etwas näher gebracht werden. Sei es die Illusion der ewigen Schönheit, der Glaube, durch Glückspiel das grosse Geld zu machen, oder das Spiel des Zauberkünstlers Wirklichkeit und Täuschung verschwimmen zu lassen. Wir sind überall von Illusionen umgeben. Von welchen man sich lieber trennen sollte und welche es wert sind, an ihnen festhalten, muss dann doch jeder für sich selbst entscheiden. Viel Spass bei der Lektüre!

Zanet Zabarac Chefredaktorin


Inhaltsverzeichnis

«Der Mensch ist ein plumpes Wesen»

Lohndiskriminierung – ein Dauerthema

Seite 30

Gabriel Palacios ist Meister der Illusion. Bevor er sich als Unternehmensberater selbstständig machte, widmete er sich seiner Leidenschaft, der Magie und machte diese zu seinem Beruf. prisma hat den Zauberkünstler besucht und im Gespräch erfahren, was hinter der Kunst der Magie steckt und weshalb wir Menschen so leicht zu durchschauen sind.

Seite 44

Meinung

Studentenschaft

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Editorial Das Gerücht Bilderrätsel Zuckerbrot & Peitsche

Obwohl seit 30 Jahren in unserer Verfassung niedergeschrieben: Frauen verdienen im Schnitt immer noch weniger als Männer. Lohndiskriminierung – ein Thema, das auch in der Schweiz kein Ende zu finden scheint. Kathrin Arioli spricht mit prisma über die Faktoren, die die Gleichstellungsproblematik bedingen und in welchen Bereichen es noch Handlungsbedarf gibt.

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«Der Präsident braucht einen Vizepräsidenten» Viele Köpfe, ein Gedanke

Aktuell

Campus

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Agenda Kurzmeldungen

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4 prisma – November 2011

Rückkehr des HSG Balls Risiken und Nebenwirkungen des lebenslangen Lernens Sportkolumne: UniSGolf Professorenkolumne: Die Illusionsmaschine StuPa-Info: Erste ordentliche Sitzung des Studentenparlaments emerge conference feiert fünfjähriges Bestehen Gerhart Hauptmanns «Die Ratten»


Impressum Ausgabe 336, November 2011 Studentenschaft Universität St. Gallen Redaktion prisma Oberer Graben 3, 9000 St. Gallen, redaktion@prisma-hsg.ch, 076 579 92 21 Präsident: Michael Pum Chefredaktorin: Zanet Zabarac Finanzen: Samir Mutapcija Layoutleitung: Pascal Fischer Online-Chefredaktorin: Simone Steiner Anzeigenregie: Metrocomm AG, St. Gallen, 071 272 80 50 Druck: dfmedia, Flawil, 058 344 96 96 Lektorat: Monika Künzi Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion.

Profs privat: Thomas Geiser

Seite 52

Charakteristisch sind seine Fliegen, jeder und jedem ist er aus den Videovorlesungen im ersten Semester bekannt: Thomas Geiser begleitet die Studierenden bei ihren ersten Schritten durch die Irrungen des Privatrechts. prisma unterhielt sich mit ihm über Karriere sowie Privatleben und lüftet das Geheimnis um sein liebstes Kleidungsstück.

Die Redaktoren sind unabhängig. Die in den Texten vertretenen Meinungen repräsentieren folglich nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers oder der gesamten prisma-Redaktion.

Thema

Menschen

30 34 36

50

«Der Mensch ist ein plumpes Wesen» Glück ist relativ Der «ewige Jungbrunnen»

52 57 58 60

Umfrage: An welchen Unsinn hast du als Kind geglaubt? Profs privat: Thomas Geiser Herausgepickt: Antonio Netti «Gorillas müssen draussen bleiben» Partypics: Semester Break

360° 40 42 44 45 46 48

prisma empfiehlt Lohndiskriminierung – ein Dauerthema Start-Up: Miokay Six weeks in New Delhi Wohin marschieren wir? Ruhm per Giftspritze

prisma-hsg.ch

@

• Sieh dir das aktuelle Heft – und alle vorhergehenden Ausgaben – auch online an! • Auf unserem Blog informieren wir dich über das Welt- und Webgeschehen. • Ob Buch, Verein oder Dozenten – bei uns findest du zu allem was …

November 2011 – prisma 5


Caipi Night Caipirinha Caipiroska

Caipirol Caipirรถteli Campirinha Mojito Caipirissima

Immer Donnerstags in eurem


A ktuell 8

Agenda

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Kurzmeldungen

Foto: Dominik Geissler


Agenda November DO

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HSG-BigBand

Jazz und Wöscht KUGL – 21:00

DO

24

Die BigBand gibt sich die Ehre und lädt ein ins Kugl. Nach Moonbootica, Karotte und Samy Deluxe gibt es mal was ganz anderes: Jazz, Funk, Pop und Wurst. Aber auch wir werden die Wände wackeln lassen bis der Nachbar meckert. Seid dabei, wir freuen uns!

DO

17 – FR 18

DI

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oikos St. Gallen

oikos Conference Campus

MI

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Aktuell

MO

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UniGay

Get2Gether Spezial nuts – 20:00

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Sporthalle HSG

Industrial Club

Werksbesichtigung Clariant Muttenz – 14:00

Clariant bietet den Mitgliedern des Industrial Club einen exklusiven Einblick in die Werke am Hauptsitz in Muttenz. Abgerundet wird der Besuch durch spannende Fachvorträge, Infos über Einstiegsmöglichkeiten und einen Apéro Riche.

marketing.club

Mitglieder des Vereins werden in einem informellen Rahmen von ihren Erfahrungen aus absolvierten Praktika im Marketing- und Kommunikationsbereich erzählen. Mehr Infos auf unserer Website: www.marketingclub-uni.ch

Fussball Night 2011 Vier Spieler pro Team, 15 Teams maximal, zwei Tore und jede Menge Spass. Seid an der Fussball Night 2011 dabei! Meldet euch bis zum 15. November im Sportbüro an – möge die beste Mannschaft gewinnen.

On the 17th and 18th November about 100 participants will focus on the topic «Profit ohne Durst und Hunger?». Theoretical background will be provided by different speakers.

interns@marketing.club

UniSport

DI

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Studententheater

Premiere von «Die Ratten» Grabenhalle – 20:00

Erlebe den neuen Wurf des Studententheaters am 29. und 30. November in der Grabenhalle. Nach «Mein Freund Harvey» hat sich das Studententheater das Stück von Gerhart Hauptmann zu Herzen genommen (siehe Seite 26).


Wer kommt am 06. Dezember zu euch nach Hause? 12% Studentenrabatt auf Apple Produkte

- Gewinnspiel auf Seite 38

Dezember DO

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prisma

Der berühmt-berüchtigte prisma-Adventskalender ist wieder online.

MI

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Jeden Tag bis Weihnachten öffnet der prismaAdventkalender ein Türchen. Euch erwarten allerei Leckerbissen aus dem Web, welche euch die restlichen Tage bis Weihnachten versüssen sollen.

Tennis Night 2011

DO

8

Tenniscenter Wittenbach – 21:30

MO

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Samichlaus

In der guten Stube Wart ihr auch brav dieses Jahr? Und könnt ihr euer Sprüchli bereits auswendig? Dann braucht ihr euch ja nicht vor dem Schmutzli zu fürchten und dürft euch auf den Chlaus-Sack freuen.

MI

7

Gebäude 02-001 Aula – 20.15

Jazz an der Uni

Konzert: (na)PALMT(h)REE Aula HSG

Die Gewinner des diesjährigen ZKB Jazzpreises bringen die Aula mit einem Mix aus Jazz und Noise-Rock zum Brodeln. Freier Eintritt!

Nimm an der Tennis Night 2011 teil, inklusive einem einladenden Spaghettiplausch. Gespielt wird im Doppel, Einzelpersonen werden nach Möglichkeit vermittelt. Anmeldeschluss bis zum 25. November im Sportbüro.

DI

Weihnachtskonzert

Das Konzert des UniOrchesters wird auch in diesem Semester ein kulturelles Highlight! Wir bieten euch einen unvergesslichen Abend mit einem abwechslungsreichen Programm, unter anderem mit Mozart, Brahms und Mendelssohn.

prisma-hsg.ch/blog

UniSport

UniOrchester

prisma

Das neue prisma rund um das Thema Jagd liegt auf Im A- sowie im B-Foyer prisma hat für euch den Vogel abgeschossen. Holt euch das druckfrische prisma-Magazin in der Haupthalle des A-Gebäudes oder beim Eingang des B-Gebäudes.

Industrial Club

Rotation Dinner mit Georg Fischer Schaffhausen – 18:00

Nach Begrüssung und Apéro am Hauptsitz von Georg Fischer wird das Unternehmen kurz vorgestellt. Im Anschluss können sich alle teilnehmenden Mitglieder des Industrial Club mit Vertretern von GF bei einem Rotation Dinner austauschen.

prisma-hsg.ch

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Kurzfristige Änderungen und die neuesten Termine findest du auf dem prisma-Blog! www.prisma-hsg.ch/blog

November 2011 – prisma 9

Aktuell


Abwechslung gefällig? Suchst Du einen Verein, der Dir eine echte Abwechslung zum Studienalltag bietet? Dann bist Du beim ak genau richtig! Bereits verpasst hast du tolle Events wie Minigolf, Geocaching, Klettern oder Bogenschiessen (aber: Nachlesen in unserem Blog jederzeit möglich – www.akademischerklub.ch). Noch vor uns liegen Wasserpolo am 16. November, Eislaufen am 30. November oder ein gemütlicher Chlaus-Höck am 6. Dezember. Der Akademische Klub, kurz ak, organisiert seit mehr als 50 Jahren abwechslungsreiche Veranstaltungen, die vom Unileben etwas ablenken sollen. Gross schreiben wir Fun, Network und Personality! Möchtest Du mehr über uns erfahren, so hast Du zwei Möglichkeiten: besuche uns auf www.akademischerklub.ch oder – und definitiv noch besser - melde Dich für einen unserer nächsten Anlässe über aktivitas@akademischerklub.ch an. Wir freuen uns auf Dich!

Halbzeitpause wandelten die Sunnyboys diesen Rückstand aber wieder in einen Ein-Tor-Vorsprung um. In der Schlussphase erwies sich aber Wettingen als abgeklärter. In der anderen Halbfinalpaarung trennten sich Zürich und Basel mit 7:2. Im kleinen Final trafen die Sunnyboys auf die Spartans aus Basel. Bereits die ersten beiden Angriffe der St. Galler konnten zu Toren verwertet werden, wobei der Basler Torhüter nicht immer gut aussah. In der Folge nahmen die Sunnyboys das Tempo aus dem Spiel. Individuelle Fehler und unnötige Fouls führten dazu, dass Basel noch drei Tore schiessen konnten. Der Sieg für die Sunnyboys war aber nie in Gefahr. Mit einem 10:3 Sieg ging eine lange und harte Saison zu Ende. Der Meistertitel ging wie schon in den Jahren zuvor an Zürich, welche den Final mit 11:6 gewannen.

Marketing.club Zwar gibt es unseren Verein bereits seit fast 30 Jahren, doch unter dem Namen marketing.club sind wir erst seit letztem Jahr aktiv. Und die Namensänderung ist nur die Spitze des an der HSG so berüchtigten Eisbergs. Wir sind emsig daran, für unsere mittlerweile 170 Mitglieder spannende und abwechslungsreiche Events zu organisieren. Neben Social Events, bei welchen der Austausch unter den Mitgliedern in einem gemütlichen Rahmen im Vordergrund steht, veranstalten wir auch interaktive Workshops, Unternehmensbesuche und interessante Referate. Wer sich für unsere kommenden Events oder gar eine aktive Mitgliedschaft interessiert, ist herzlich eingeladen uns zu schreiben (marketingclub@unisg.ch), uns auf Facebook zu folgen oder unsere Website zu besuchen (www.marketingclub-uni.ch).

Students‘ Business Club

Die Sunnyboys erreichen den dritten Rang an den Schweizermeisterschaften! Im Halbfinal gegen Wettingen Wild unterlagen die HSG-Lacrosser knapp mit 5:8. Bereits früh in der Partie konnten die Sunnyboys in Führung gehen. In der Folge konnte Wettingen ausgleichen und sogar in Führung gehen. Bis zur

Aktuell

Der Students‘ Business Club wurde 2009 von fünf HSG-Studierenden ins Leben gerufen mit dem Ziel, Einblicke ins Management verschiedener Firmen zu gewinnen. Die Vision des Vereins ist es, durch Events mit hochrangigen Unternehmensvertretern verschiedenster Branchen den Mitgliedern des SBC und anderen Angehörigen der Universität St.Gallen Einblicke in deren Geschäftsmodell, Prozesse, Kultur und Führungsaufgaben zu ermöglichen. Diese Einblicke sollen den Studierenden als Bereicherung sowohl bei der Gestaltung des Studiums, als auch bei möglichen Berufsentscheidungen dienen. Zudem wird damit der formelle sowie informelle Austausch zwischen Führungspersönlichkeiten und Studierenden gefördert und eine Brücke zwischen Theorie und Praxis geschlagen.

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Blick hinter die Kulissen Hast Du Lust, hinter die Kulissen des 42. St. Gallen Symposiums zu blicken und diese einzigartige Veranstaltung aktiv mitzugestalten? Dann bewirb Dich noch heute als Helfer und nutze die Gelegenheit, hochkarätigen Teilnehmenden aus aller Welt ein unvergessliches Ereignis zu bescheren. Als Mitglied der Support Crew kannst Du den Campus in ein atemberaubendes Veranstaltungsgelände verwandeln, unseren internationalen Gästen ein erstklassiges Dinner servieren oder sie vom Flughafen abholen. Oder aber unterstütze unser Team bei der Dokumentation und


halte einzigartige Augenblicke auf Fotos und Videos fest. Ausserdem hast Du die Möglichkeit, herausragende internationale Studierende während der gesamten Symposiumswoche bei Dir als Gast aufzunehmen und so Kontakte in die ganze Welt zu knüpfen. Das 42. St. Gallen Symposium findet am 3. und 4. Mai 2012 zum Thema «Facing Risk» statt. Ein Helfereinsatz umfasst je nach Tätigkeitsbereich zwischen sechs und zehn Tagen. Haben wir Dein Interesse geweckt? Dann bewirb Dich noch bis zum 14. Dezember online auf www.stgallen-symposium.org.

UNIVERSA - Das Frauennetzwerk an der Uni St. Gallen In unserem Verein steht der Austausch im Vordergrund. Ob Karrierevisionen, Studienalltag oder ganz andere Dinge, Universa hat immer ein offenes Ohr für ihre Mitglieder. Wir von Universa wollen ein Netzwerk von Frauen für Frauen sein. Darum sind wir bemüht, den kleinen Frauenanteil an der Universität St. Gallen zusammenzuhalten und zu stärken. Mit unserem Engagement wollen wir verschiedene Ziele erreichen: Einerseits legen wir einen klaren Fokus auf

die Weiterentwicklung der beruflichen Laufbahn unserer Mitglieder. So ermöglichen wie jedes Semester exklusive Einblicke in Top Unternehmen, sei dies bei Company Visits, Workshops oder Networking-Events mit attraktiven Arbeitgebern. Das Herzstück unserer Veranstaltungen ist der alljährliche «Women's Day» im Frühlingssemester. An diesem Recruitingtag können (nur) die Frauen an der HSG sechs verschiedene Unternehmen in Workshops und bei Diskussionen hautnah erleben. Daneben legen wir grossen Wert auf Networking. So können die Studentinnen wichtige Firmenkontakte knüpfen, aber auch Bekanntschaften machen und Freundschaften aufbauen. Hat Universa Dein Interesse geweckt? Dann schau beim nächsten Event bei uns vorbei, schreib an universa@ myunisg.ch oder besuche unsere Website unter www.universa-unisg.ch!

Inserat Prisma HSG St. Gallen 19.8.2010_Layout 1 20.08.10 10:40 Seite 1

Gestalte Dein Projekt in Nicaragua Der Verein P.I.E.C.E.S gibt Dir die Möglichkeit, nach Zentralamerika zu reisen und dort schulische Förderungshilfe zu leisten. Im Winter- und Sommerbreak 2012 brauchen wir erneut motivierte und abenteuerlustige Freiwillige, welche den Kindern auf der Vulkaninsel Isla Ometepe die englische Sprache näherbringen wollen. Das geschieht mit Hilfe von Lehrbüchern und durch Spiele, die für Helfer und Schüler gleichermassen Spass garantieren. Hinter der Organisation solcher Projekte steckt viel Aufwand und Zeit der Vereinsmitglieder von P.I.E.C.E.S. Deshalb sind wir auch hier über jedes neue, ambitionierte Mitlgied erfreut. Deine innovativen Ideen sind höchst willkommen und Mitsprache ist garantiert. Wenn Du eine lebensbereichernde Erfahrung machen möchtest oder dies anderen Studenten und sonstigen Volunteers ermöglichen willst; get in touch, we would be happy to have you! Nimm durch unsere Facebookgruppe www.facebook.com/groups/pieces. hsg direkten Kontakt mit uns auf und informiere Dich über das nächste Treffen.

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Aktuell


S tudentenschaft 14

«Der Präsident braucht einen Vizepräsidenten»

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Viel Köpfe, ein Gedanke

Foto: Studentenschaft


Philipp Wellstein

«Der Präsident braucht einen Vizepräsidenten» Tobias Weidmann ist der Vizepräsident der Studentenschaft. Im Interview spricht er über sein neues Amt, die Zusammenarbeit mit dem Präsidenten und darüber, was ihm besonders am Herzen liegt.

SHSG

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Tobias, du wurdest gemeinsam mit Philipp im Frühjahr in dein Amt als Vizepräsident gewählt. Was waren deine Beweggründe zu einer Bewerbung? Ich bin überzeugt, dass ich als Student im 9. Semester durch meine Erfahrung an der Universität einen wesentlichen Beitrag für die Studentenschaft erbringe. Anderseits kann ich durch meine Führungserfahrung, die ich im Militär erlangen konnte, dem Vorstand und dem Präsidenten eine wichtige Stütze sein. Gerade die Perspektive eines Masterstudenten hat den vorherigen Vorstandsgenerationen gefehlt, was dazu führte, dass Probleme und Interessen der Masterstufe oft nicht adressiert und folglich inadäquat vertreten wurden. Daher wollte ich die Gelegenheit wahrnehmen, meine Erfahrungen einzubringen. Wie hast du Deine ersten Monate als Vizepräsident erlebt? Jedes neue Amt bringt neue Pflichten, Verantwortungen und Aufgaben mit sich. Ich, als damals Externer, musste mich zuerst mit allen Prozessen der SHSG vertraut machen und mich gleichzeitig in mein Ressort Marketing einarbeiten. Die Semesterferien nutzte ich folglich, mich möglichst gut auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten.

dentenschaft der Universität St. Gallen und haben eine äusserst privilegierte Situation aufgrund der weitreichenden Ressourcen. Ich wünsche mir, dass sich jeder Student wieder vorstellen kann, sich in der Studentenschaft zu engagieren, weil wir die Strukturen wieder überschaubar machen und sich das zeitliche Engagement mit dem Studium vereinbaren lassen soll. Du bist ja sozusagen der erste Vizepräsident der SHSG, da dieses Amt mit der Statutenänderung erst dieses Jahr geschaffen wurde. Wie funktioniert eure Zusammenarbeit im Präsidententeam? Das Amt des Vizepräsidenten ist sehr spannend, da man sehr eng mit dem Präsidenten zusammenarbeitet und gleichzeitig als Vorstand Marketing mit den anderen Ressorts im intensiven Austausch steht. Die Zusammenarbeit zwischen Philipp und mir läuft reibungslos, da wir bereits anderweitig zusammengearbeitet haben. Aufgrund unseres beruflichen Engagements neben der Studentenschaft ist die Arbeitsteilung und die Koordination für uns umso zentraler. Ich bin daher der Meinung, dass die Statutenänderung als Erfolg zu werten ist. Der Präsident braucht einen Vizepräsidenten, der ihn in wichtigen Geschäften vertritt, berät und unterstützt.

Bis zu deinem Amtsantritt warst du Aussenstehender der Studentenschaft. Was hat dich positiv an der Organisation überrascht? Das Engagement unserer SHSGMitarbeiter bewundere ich nach wie vor und schätze es auch zutiefst. Ich finde es grossartig, wenn sich Leute auf freiwilliger Basis zusammenschliessen, um etwas zu bewegen. Im Weiteren bin ich von der konstruktiven Zusammenarbeit zwischen der Universität und der Studentenschaft beeindruckt. Unsere Anliegen werden angehört, seriös diskutiert und geprüft. Als Student fühlt man sich dadurch ernstgenommen, weshalb es umso wichtiger ist, dass die Studenten auf uns zukommen, um Probleme oder Anregungen zu platzieren.

Auch die eigene Vorstandswahl ist ein Novum. Ihr wart das erste Mal in der Lage euren Vorstand selbst zusammenzusetzen. Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Vorstand? Ich weiss, dass klingt jetzt kitschig, aber ich muss gestehen, dass die Zusammenarbeit hervorragend läuft. Wir alle stehen hinter unseren Zielen, die wir uns für diese Legislatur gesteckt haben. Zudem haben wir viel zu lachen und die Arbeitsatmosphäre ist stets sehr angenehm. Ich bin überzeugt, dass die gute Konstellation damit zusammenhängt, dass Philipp und ich die besten Kandidaten auswählen konnten und darauf achteten, dass sich die Kompetenzen ergänzen und auf die Ressorts ausgelegt sind.

Wo sahst oder siehst du Korrekturbedarf? Ich bin der Meinung, dass sich die Studentenschaft auf das Wesentliche konzentrieren sollte und wieder näher an die Basis der Studierenden rücken muss um nicht zu einer Organisation heranzuwachsen, die sich mit sich selbst beschäftigt, indem man dieses und jenes tut, aber weniges richtig. Wir sind die Stu-

Was sind eure ersten Resultate? Seit diesem Semester haben wir eine neue, äusserst attraktive Website mit über 5'000 Besuchern pro Tag. Wir hatten über 100 Bewerbungen für die Projektmitarbeit innerhalb der Studentenschaft, eine deutlich höhere Stimmbeteiligung bei den Wahlen im Vergleich zu früher und eine gute und sehr konstruktive Zusam-

menarbeit mit dem Studentenparlament. Das sind alles sehr erfreuliche und positive Entwicklungen. Du musstest zu Semesterbeginn im Rahmen deiner Ausbildung zum Hauptmann Diensttage für das Schweizer Militär leisten. Ist dies eher ein Vorteil, da du Führungserfahrungen sammelst, oder ein Nachteil im Bezug aufs Studium Dieser Sachverhalt liegt mir schon lange am Herzen. Man muss kein Befürworter der Schweizer Armee sein aber Fakt ist, dass viele Schweizer Studenten aus Pflichtbewusstsein oder gezwungenermassen während des Semesters Dienst leisten müssen. Das ist natürlich ein gewaltiger Nachteil gegenüber Studenten, die von dieser Pflicht befreit sind. Diese Abwesenheit drückt natürlich den Notenschnitt oder erhöht die Studiendauer. In Zukunft lassen sich die Wiederholungskurse sogar noch schwieriger verschieben. Auch während den Semesterferien, wenn die meisten Studierenden ihren Praktika nachgehen, leiste ich Militärdienst. Hier muss sich etwas ändern - Es kann nicht sein, dass man für ein simples Praktikum, bei welchem um 17 Uhr Feierabend ist, Praxis Credits von der Universität erhält. Die Offiziersausbildung dauert über ein Jahr, wobei der Arbeitstag oft erst nach Mitternacht endet und der erste Rapport bereits vor Sonnenaufgang stattfindet. Hierfür werden aber von der Universität keine Praxis Credits anerkannt. Ich finde es wichtig, dass sich Leute heute noch für die Gesellschaft engagieren und ihre eigenen Bedürfnisse selbstlos zurückstellen. Zivildienst, Militärdienst und weitere Vereinsaktivitäten bieten genügend Möglichkeiten dazu, sich zum Wohle Anderer einer Sache zu widmen. Solche gesellschaftlichen Dienste sollten von der Universität nicht «bestraft», sondern entsprechend gewürdigt werden. Ein Offizier lernt mehr an Führungs- und Sozialkompetenz in seinem praktischen Dienst als in irgendeinem Kurs an der Universität und ich fände es schön, wenn diese Leistung nicht unter den Teppich gekehrt würde. Wo steht Tobias Weidmann in zehn Jahren? Das ist eine schwierige Frage. Es könnte aber durchaus sein, dass ich mich in der Politik wiederfinde, als Unternehmer tätig bin oder mich vor einer Wandtafel in einem Schulzimmer der doppelten Buchhaltung widme.

November 2011 – prisma 15

Géraldine Lüdi

SHSG


Viele Köpfe, ein Gedanke

Max Herre

Das Kennelernwochende der Studentenschaft findet jedes Jahr zu Semesterbeginn statt. Auch dieses Jahr war das Wochenende geprägt von Spass und Spiel und schweisste das gesamte SHSG-Team zusammen. Ein kleiner Rückblick.

Das Kennenlernweekend 2011 machte Spass und schweisste zusammen.

A

nne, Bachelor BWL, 21 Jahre, aus der Schweiz. Andreas, Bachelor International Affairs, 21 Jahre aus Österreich. Jana, Assessment, 17 Jahre, aus Deutschland. Mario, Master Law and Economics, 24 Jahre, aus der Schweiz. Martin, Doktorat, 34 Jahre, aus Deutschland. Diese Liste könnte man problemlos so weiterführen. Egal woher sie kommen, wie alt sie sind oder auf welcher Stufe ihrer universitären Ausbildung sie sich momentan befinden. Eins vereint sie: Der Wunsch, sich für die Gemeinschaft einzusetzen und etwas an unserer Universität zu bewegen. Doch es ist nicht diese Motivation allein, die den Spirit der Studentenschaft ausmacht. Es sind die vielen gemeinsamen Momente, die die Zeit in der SHSG zu einer einmalig wertvollen Erfahrung machen.

SHSG

Berührungsängste überwinden Eines dieser prägenden Erlebnisse ist das Einführungswochenende, das stets am Anfang des Semesters stattfindet. Erstmals ist in diesem Jahr die gesamte Studentenschaft mit all ihren Organen, Initiativen und Projekten aufgebrochen, um zusammen zwei unvergessliche Tage zu verbringen. Ziel der Fahrt war das malerische Churwalden, das uns mit blauem Himmel, schneebedeckten Bergkuppen und - fernab von den St. Galler Nebelschwaden - mit sonnigem Herbstwetter begrüsste. Knapp 100 SHSGler hatten sich am Samstagmorgen vor dem Bahnhof versammelt, wo sie, mit Namensschildern ausgestattet, erste Berührungsängste überwinden konnten. Die fast drei stündige Zugfahrt

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steigerte die Vorfreude dann nur noch weiter. Endlich angekommen, wurden sie zunächst von Maximilian Klein und dem Präsidenten der Studentenschaft, Philipp Wellstein, willkommen geheissen, bevor die Strapazen des frühen Aufstehens mit einem deftigen Mittagessen belohnt wurden. Mittels verschiedenster kleiner Spiele konnten sich die Teilnehmer daraufhin weiter kennenlernen, ob nun beim obligatorischen LuftballonTanz oder der Schoggi-Schlacht.

Strukturen klären Zwar standen Spiel und Spass im Vordergrund, doch sollte das Teambuilding auch auf inhaltlicher Ebene


People. Passion. Results.

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Max Herre Max Herre

weitergeführt werden. Um die Struktur der Studentenschaft zu verdeutlichen und damit jeder Mitarbeiter versteht, mit welchen Team er im kommenden Jahr zusammenarbeiten wird, stellten die Vorstände ihre Ressorts mittels eines menschlichen Organigramms dar. Die jeweiligen Projekte konnten darauf aufbauend ihre eigenen Ziele definieren und erste Schritte festlegen. An dieser Stelle wurde deutlich, wie wichtig es ist, dass selbst in einer grossen Organisation wie der Studentenschaft sämtliche Mitarbeiter einmal im Semester zusammenkommen, um ihre Arbeit im Gesamtkontext zu reflektieren.

Solidarität & Zusammenhalt Dies geschah aber nicht nur im Rahmen des offiziellen Programms, sondern vor allem auch während der zahlreichen Gespräche und dem Gedankenaustausch unter den SHSGlern, die im Laufe des Wochenendes zu jeglicher Tagesund Nachtzeit stattfanden. Nach einer rauschenden Party am Samstagabend zeigte sich einmal mehr die Solidarität der Studentenschaftler, die sich darin wiederfand, dass auch das gemeinsame Aufräumen und Putzen im Laufe des Sonntags zu einem sozialen Ereignis wurde. Doch es war und ist nicht primär die Mitgliedschaft und die Arbeit in dieser Organisation, die sie alle vereint. Es ist vor allem ein gemeinsames Selbstverständnis und ein Gedanke, der im Laufe dieses Wochenendes weiter heranwachsen konnte: Dass wir alle die Studentenschaft sind, dass wir alle unseren Beitrag leisten können und zusammen unsere Universität gestalten.

Theresa Niederle & Maximilian Klein

Max Herre

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SHSG

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Weitere Events und Fotos findet ihr unter: www.facebook.com/studentenschaft oder myunisg.ch


C ampus 20

Rückkehr des HSG Balls

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Risiken und Nebenwirkungen des lebenslangen Lernens

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Sportkolumne: UniSGolf

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Professorenkolumne: Die Illusionsmaschine

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StuPa-Info: Erste ordentliche Sitzung des Studentenparlaments

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emerge conference feiert fünfjähriges Bestehen

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Gerhart Hauptmanns «Die Ratten»

Foto: Simone Steiner


Laura Frick

Rückkehr des HSG Balls

1500 verkaufte Balltickets, wunderschöne Kleider, elegante Anzüge und eine gesunde Mischung aus Jung und Alt. So lautet die Kurzzusammenfassung des HSG Balls. Zanet.Zabarac@student.unisg.ch Chefredaktorin

Campus

E

ine ganze Universität, sowohl räumlich als auch personell, putzte sich am 29.10.2011 zum HSG Ball fein heraus um sich in bestem Licht zu zeigen. Aufgeregte Stimmung und stolze Pärchen füllten die Aula und das A-Foyer und begannen so um 20.00 Uhr zum ersten Mal seit sechs Jahren wieder den HSG Ball. Auch oder gerade weil der letzte eher als Reinfall in die Geschichte einging, waren die Organisatoren mit grossen Erwartungshaltungen konfrontiert und konzipierten alles neu. Diese MammutAufgabe übernahm ein Organisationskomitee aus Studierenden (operativ verantwortlich), den HSG Alumni, dem Rektorat und der SHSG. Doch nicht nur beim Organisationskomitee wurde die Pluralität der Universität bewusst gelebt: Die sechs Lounges am Ball wurden von Vereinen betreut und dekoriert und die HSG Big Band und das Uni-Orchester hatten Auftritte im Laufe des Abends. So konnten nicht nur viele HSGler zum Gelingen des Balles beitragen, sondern konnten auch ihre Engagements repräsentieren und trugen so dazu bei, dass der Ball wirklich von der gesamten Universität mitgetragen wurde.

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Durch diese breite Unterstützung eilte der Veranstaltung schon vorher ein guter Ruf voraus und führte in der Vorwoche zum Ausverkauf der Tickets, gemeinsamen Smoking-Leih-Fahrten nach Zürich und dem Dauerthema «Ball» unter den Studierenden. Eine richtige Euphorie ergriff den Campus und es wurden bis zum letzten Moment Dates und Tickets gesucht: Um die letzten Helferplätze wurde gestritten und die Warteliste nahm eine epische Länge an. Nachdem es keinen legalen Weg mehr gab, um an eine Ballkarte zu kommen, wurden auf Facebook waghalsige Abseilaktionen angekündigt und böse Zungen behaupten sogar, dass beim Aufbau am Samstagnachmittag Ticketlose durch die Gänge schlichen, um ein geeignetes Versteck bis zur offiziellen Türöffnung zu finden.

Von der Vorlesungsanstalt zum Ballsaal Um 18.00 Uhr trafen die ersten Gäste, darunter auch Prof. Dr. Thomas Bieger, der den Ball als Patronat eröffnete, ein. Es wurde ein Apéro gereicht, der durch die HSG Big Band musikalisch un-


termalt wurde, bevor anschliessend das Galadinner in der dekorierten Mensa stattfand. Sah das A-Foyer am Nachmittag noch wie eine Baustelle aus, wurde es am Abend von riesigen Diskokugeln in ein feierliches Licht getaucht. Der rote Teppich am Eingang, die Kleider der Damen und die Smokings der Herren taten ihr übriges, das von Beginn an kein Zweifel bestand, das es sich hierbei um einen glamourösen Ball handelte und nicht um eine gewöhnliche Abendveranstaltung. In der Aula, sowie im A-Foyer wurde den Gästen die Möglichkeit geboten, das Tanzbein zu schwingen. Neben der HSG Big Band und dem Orchester der Universität St. Gallen warteten Pegasus, A-LIVE, Dani Felber Big Band und zum Abschluss des Abends DJ Sei B mit ihren musikalischen Darbietungen auf. Das Angebot war also derart abwechslungsreich, dass sich niemand vor dem Tanzen drücken konnte oder wollte. Wer den Abend lieber im Gespräch mit Freunden verbrachte hatte die Qual der Wahl: Ob man sich nun bei einer der sechs Lounges im Foyer einen leckeren Cocktail holte und sich in die gemütlichen Messemöbel fläzte oder das nahrhafte Gulasch des Jägervereins genoss, verdursten und verhungern musste an diesem Abend niemand. Das Ende des Balls wurde dann mit der Verlosung der Hauptpreise, unter anderem einem Lexus für ein halbes Jahr, eingeläutet. Der Zeitumstellung sei dank konnten die Verbliebenen, insbesondere auch die Helfer, noch eine Stunde länger feiern, bevor der Ball um 3.00 Uhr offiziell zu Ende ging.

Ob die äusserst aufwändige Veranstaltung aus finanzieller Sicht erfolgreich war, darf in Frage gestellt werden. Dennoch sollte man hoffen, dass dies der Fall war und dass sich auch für den nächsten Ball wieder ein Organisationskomitee finden wird. Denn mit dem Ball ist ein Stück Tradition an der HSG widergeboren worden.

Pietro Benintendi

Abschliessend kann man sagen, dass der diesjährige HSG Ball aus Publikumssicht ein voller Erfolg war. Der Abend bot dem bunt durchmischten Publikum aus Studierenden, Professoren und Alumni tanzbare Musik aus allen Bereichen. Besonders gelobt wurde die Verwandlung des sonst eher grauen A-Gebäudes in einen glitzernden Ballsaal.

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Über welchen Kanal hat die Autorin ihre Semestergebühren bezahlt? 12% Studentenrabatt auf Apple Produkte

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Risiken und Nebenwirkungen des lebenslangen Lernens Eine Studentin der HSG aus dem Alterssegment 50+ berichtet über die Rückkehr zu ihrer Alma Mater und die Hürden, die es dabei zu meistern gilt.

A

ls arbeitslose Frau im Segment 50+ bin ich mir bewusst, dass ich das Konzept des lebenslangen Lernens gerade jetzt ernst nehmen sollte. Obwohl, beschert mir eine Weiterbildung nicht noch mehr Bewerbungsabsagen mit dem Prädikat «überqualifiziert»? Ganz abgesehen davon, dass der rote Faden in meinem Lebenslauf dadurch noch schwieriger zu finden sein wird. Andererseits, auch wenn mich der Arbeitsmarkt im Moment offensichtlich nicht brauchen kann, soll mir keiner vorwerfen, dem Nichtstun zu frönen. So kommt mir meine Alma Mater gerade recht mit ihrem Lehrgang Wirtschaftsjournalismus.

Der Hürdenlauf zum Studienbeginn Nichts wie hin, Bewerbung beim Professor einreichen, beim Studierendensekretariat Anmeldung einreichen und alles paletti, denke ich. Wäre da nicht die neue

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Website der HSG, die mich etwas verwirrt. Ganz offensichtlich soll der persönliche Kontakt zwischen den Studierenden und der Verwaltung verhindert werden, was ich irgendwie nachvollziehen kann. Habe ich doch kürzlich gelesen, dass die Studierendenzahlen explodieren. Wo kämen die denn hin in der Verwaltung, wenn jeder einfach so ins Sekretariat hereinplatzen würde? Man versprach mir, dass ich Zugang zu allen Features der Website bekommen würde, sobald die Semesterrechnung bezahlt wäre. OK, fair genug, doch schnell näherten wir uns dem Semesterbeginn und keine Rechnung in Sicht! Nach einigem Nachfragen erreichte mich dann eine Kopie der Rechnung. Über E-Banking sofort bezahlen und wieder abwarten. Jetzt würde ich mein HSG-Starter-Kit erhalten, freute ich mich, doch nichts geschah und dabei lief der Countdown für das Bidding! Die Punkte solle ich im Serviceportal setzen, besagte eines dieser sehr ausführlichen Merkblätter, welche ebenfalls mit dem Zweck verfasst wurden, den persönlichen Kontakt zu unterbinden. Service Portal? Wieder muss ich zu Kreuze kriechen und das Sekretariat anmailen, was es nun damit auf sich hat. Verstanden, doch als ich mit dem Zocken beginnen will, kann ich mich nicht einloggen! Erneutes Mail und siehe da, einen Tag später erhalte ich von der Informatik ein Passwort. Endlich kann ich zocken und ich setze alles! Gleichzeitig

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nehme ich mir vor, wie eine Furie nach St. Gallen zu hetzen, sollte ich die Kurse nicht zugeteilt bekommen. Fehlalarm, nach Abschluss der ersten Biddingrunde erblicke ich die definitive Zuteilung der Kurse auf dem Serviceportal. Endlich kann ich mich inhaltlich auf mein lebenslanges Lernen vorbereiten. Plane Vorlesungen und Selbststudium in der Bibliothek. Apropos Bibliothek, da braucht man doch eine Legi! Wieder ein Mail an das Studierendensekretariat, was mir langsam peinlich wird. Nach Tagen dann die Antwort: Sie hätten noch kein Foto von mir erhalten, deshalb hätte ich noch keine Legi. Ich verdrücke mir den Kommentar, dass bisher auch noch keiner nach einem Foto von mir gefragt, geschweige denn das Wort Legi in den Mund genommen hat. Ich sende das Foto. Eine Woche vor Semesterbeginn möchte ich dann die Dokumente herunterladen, die der Dozent für die erste Vorlesung hinterlegt hat. Mit beinahe kindlicher Freude rufe ich die Website auf und versuche, das StudyNet 2.0 zu entern. Zu früh gefreut, Benutzername und Passwort falsch, meldet das System. Langsam kommen mir Zweifel. Ist das Prozedere bei Studienbeginn ein Test um zu sehen, ob man es als Zugehörige des Segments 50+ noch drauf hat? Die Antwort auf die erneute Mailanfrage lässt längere Zeit auf sich warten. Wahrscheinlich bin ich im Studierendensekretariat in der Zwischenzeit auf der Blacklist. Dann die Offenbarung:


Mein definitiver Benutzername und meine Passw ö r ter lägen schon seit längerer Zeit zum Abholen bereit! Woher hätte ich das wissen sollen, bitte schön? Aber auch hier verkneife ich mir den Kommentar. «Natürlich, gerne komme ich dann persönlich vorbei.»

Das Studierendensekretariat Der erste Kontakt am Schalter war dann aber auch nicht gerade erbaulich für eine 50+. «Was wollen Sie?» Doch irgendwie auch wieder verständlich, die dachte sicher, ich hätte den falschen Schalter erwischt und eigentlich mein Dienstaltersgeschenk bei der Personalabteilung abholen wollen. Ich frage, ob das Foto angekommen und wann die Legi bereit sei. Das Foto sei angekommen, das sei im System vermerkt, aber die betreffende Sachbearbeiterin sei heute nicht da. Ich müsse nochmals ein Mail schreiben, um den Legi-Prozess

auszulösen. An wen ich denn das Mail schicken müsse, fragte ich. «Na, an uns natürlich!» «Aber ich stehe ja hier und jetzt vor Ihnen. Ist das nicht genug, um den Legi-Prozess auszulösen?» Nein, ich müsse nochmals mailen. Ich frage nicht mehr, Widerstand ist zwecklos. Die Schilderung der folgenden zwei Wochen erspare ich euch. Unter anderem die zahlreichen persönlichen Besuche bei den IT-Tutoren. Diese empfangen mich mit riesigen SchaumstoffbierhumpenHüten auf den Köpfen, aus denen ein Zapfhahn herausragt, der etwas einem erigierten … - na ja, ihr wisst schon, was ich meine - ähnelt. Doch eine 50+ ist hart im Nehmen. Die Tutoren residieren in einem abgeschiedenen Kellerraum und sprechen ein sehr charmantes, wenn auch ziemlich unverständliches Walliserdeutsch. Doch kein schlechtes Wort über die Tutoren: Ich liebe Geselligkeit, Sex und Dialekte. Oder die Beschreibung der leisen Unruhe, welche mich packte, als ich in den ersten zwei Wochen als einzige ohne Vorlesungsunterlagen, welche der Dozent auf dem StudyNet für uns

hinterlegt hatte, in den Veranstaltungen aufkreuzte. Ich liess mir natürlich nichts anmerken, cool überspielte ich meine Unsicherheit. Als 50+ fällt man so oder so schon genügend auf. Kein Grund, hier eine Szene zu machen! Ich weiss ja, wie peinlich meine Kinder meine Auftritte finden.

Eintrittstest knapp bestanden Viel wichtiger ist, dass ich euch heute mitteilen kann, dass ich als 50+Segment den Eintrittstest der Universität St. Gallen bestanden habe. Die Risiken und Nebenwirkungen des Prozesses waren für eine gestandene Berufsfrau ein Klacks. Nur ein paar ergraute Haare mehr, temporäre Überlastung des Zahnhalteapparates in Folge Zähneknirschens, ein paar verlorene Stunden Quality Time mit meinen Kindern, begleitet von etlichen, zugegeben unflätigen Schimpfwörtern, welche meinen Mann nervten und die mühsam antrainierten guten Umgangsformen meiner Kinder gefährdeten.

Danielle Baumgartner-Knechtli P.S.: Die Kurse sind super und meine Studienkolleginnen und -kollegen behandeln mich schon wie eine von ihnen. Was will man noch mehr?

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Solange der Vorrat reicht.

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Sportkolumne:

UniSGolf

European University Golf Championship Die European University Golf Championships wurden Anfang September im slowenischen Otocec ausgetragen. Universitäten aus ganz Europa können Teams zur Teilnahme am EUC Wettkampf entsenden. Das Teilnehmerfeld bestand dieses Jahr aus 13 Teams (à fünf Spieler) von zwölf verschiedenen Universitäten, die aus acht Ländern Europas angereist waren. Zu erwähnen ist, dass St. Gallen die einzige Universität war, welche gleich zwei Teams zur Teilnahme stellte. Die sportlichen Erwartungen waren dementsprechend hoch. Das Turnier wurde über vier Runden auf dem Golfplatz «Grad Otocec» ausgetragen. Bereits am ersten Turniertag wurde unserem Team bewusst, dass wir nicht mit den Top Mannschaften aus Schottland und Irland mithalten konnten. Dennoch war der Wettkampfgeist vorhanden und der Teamgeist hoch. Unsere Teams schlossen das Turnier mit dem 7. und 11. Platz ab. Die EUC waren ein toll organisiertes Event, an welchem wir sechs abwechslungsreiche Tage in Slowenien verbrachten. Neben dem Golfen kam auch der soziale Aspekt nicht zu kurz. Das Team verbrachte eine tolle Zeit zusammen und lernte viele Leute aus verschiedenen Teilen Europas kennen und machte Erfahrungen, die wir nicht so schnell vergessen werden.

unisg lf Golf Ryder Cup Schon zum fünften Mal wurde im deutschen Steisslingen nahe der Schweizer Grenze der Ryder Cup zwischen der Universität Zürich und der Universität St. Gallen ausgetragen, bei dem es um die Vorherrschaft im universitären Golf der Deutschschweiz geht. Gespielt wurde im LochspielFormat, bei dem am ersten Tag Zweierteams der jeweiligen Unis gegeneinander antraten und am zweiten Tag die Einzelspieler um die Punkte kämpften. Von beiden Universitäten traten je zwölf Spieler an. Nach den Teamwettkämpfen am ersten Tag lagen wir wie erwartet im Rückstand, da die Zürcher als Schnellstarter bekannt sind. In den Einzelwettkämpfen am zweiten Tag konnten wir ihnen dann wie erhofft Paroli bieten und drehten das Resultat mit starken Leistungen in eine Führung unsererseits. Nach zwei anstrengenden Tagen auf dem Golfplatz war das Ziel erreicht: Die Universität St. Gallen war im Besitz des Ryder Cups und wird ihn so schnell auch nicht wieder aus den Händen geben. Das Event war rundum ein Erfolg. Da gibt es für die nächste Austragung des Turniers nur ein Ziel: Die Zürcher noch klarer zu dominieren und den Pokal so lange wie möglich in unseren Reihen zu behalten!

Moritz Weber

Steven Rojas

UniSGolf Zweck: Förderung des Golfsports unter Studenten und Lehrbeauftragten an der HSG Mitglieder: ca. 130 Gründungsjahr: 2004 Resultate 2011: Teilnahme von zwei UniSGolf Mitgliedern an der Sommer Universiade 2011 in Shenzhen, China. Sieg im Ryder Cup gegen die Universität Zürich. Teilnahme von zwei Teams an den European University Golf Championships in Otocec, Slowenien. Mitgliedschaftsgebühr: 50 CHF. Homepage: www.unisgolf.ch


Professorenkolumne:

Die Illusionsmaschine D

ie Wirklichkeit ist nur ein weiteres Fenster und vermutlich nicht mein bestes – so beschreibt ein junger Mann seine Weltwahrnehmung zwischen Fakten und Fiktionen, zwischen Realität und Virtualität in einer Studie der USSoziologin Sherry Turkle aus dem Jahr 1997. Heute würde er vielleicht sagen: Meine Apps sind die Fenster zu meinem Leben und das ist auf Facebook. Wir regeln unseren Alltag mit der SBB-App, der Einkaufs-App, der Dating-DNA-App und dem Gehirn-Joggen des Dr. Kawashima. Unser Leben ist die Applikation unserer selbst und wir entwerfen uns bei Facebook. Das Internet ist eine Illusionsmaschine, die uns den Alltag erleichtert. Manchmal wird es aber auch zum schwarzen Loch, in dem wir selbst verschwinden können, ohne es zu merken. Dann nämlich, wenn das Leben auf Facebook leichter wird als die Realität mit ihren analogen Mühen. Wenn wir ei-

gentlich immer vernetzt, aber nie mehr wirklich für jemanden da sind. Wenn wir immer online, aber kaum mehr in der Lage oder willens sind, uns für einen längeren Zeitraum ganz auf etwas zu konzentrieren. Das Leben im Netz kann sehr flüchtig werden. Gelegentlich müssen wir uns mit der analogen Welt rückkoppeln und fragen: War da was? Auch ich frage mich beizeiten: Wer bin ich – und wenn ja, wie viele Versionen von mir geistern durchs Netz? Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn die sozialen Netzwerke zur Erweiterung unserer selbst werden. Nur müssen wir wissen, dass sie uns einen Hohlspiegel vor die Nase setzen, in dem wir uns selbst immer etwas grösser und etwas anders sehen als der Rest der Welt. Wer das versteht, darf es mit Mark Twain halten: «Trenne dich nicht von deinen Illusionen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben zu leben.»

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Zur Person Prof. Dr. phil. Miriam Meckel Miriam Meckel ist Professorin für Corporate Communication am MCMInstitut der HSG und Faculty Associate am Berkman Center for Internet & Society der Harvard University, USA. Ihr neues Buch, «NEXT – Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns», ist im Rowohlt-Verlag erschienen.

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StuPa-Info

Erste ordentliche Sitzung des Studentenparlaments In der ersten Sitzung dieses Semesters ging es vor allem um Macht und Geld. Es wurden das StuPa-Präsidium und verschiedene Kommissionen gewählt, sowie die Jahresbudgets der Studentenschaft und des Bereichs G genehmigt. chon in den Begrüssungsreden wurde des Öfteren darauf hingewiesen, welche Verantwortung ein Parlamentarier trage. Auch wenn diese Einschätzung der Aufgabe grundsätzlich von jedem Parlamentarier geteilt wird, so ist doch noch nicht allen klar, wie sie dem gerecht werden können. Dies bewiesen die vielen Fragen nicht nur vor und nach der Sitzung, sondern auch während des Einführungswochenendes der Studentenschaft. Gerade das Amt des Programmvertreters ist, weil ganz neu, noch ein grosses schwarzes Loch. Doch dies wird sich bald ändern, denn Tatendrang und Ehrgeiz sind reichlich vorhanden. Fast diskussionslos angenommen wurden das Budget der Gesamtstudentenschaft sowie jenes des Bereichs G, unter dem adhoc und MeetingPoint zusammengefasst sind. Das StuPa wird die Finanzen auch weiterhin kontrollieren, damit die rund 100 Mitarbeiter der Studentenschaft verantwortungsvoll mit dem Geld umgehen. Damit die Arbeit des Studentenparlaments aber strukturiert und effizient abläuft, musste zuerst noch ein Präsidium als Leitungsorgan bestimmt werden. Dem letztjährigen Vize Andreas Bäuml wurde das Vertrauen zum StuPa-Präsidenten ausgesprochen, ebenso Felix Rompen für das Amt als Aktuar. Eine Kampfwahl hingegen gab es für das Amt des StuPa-Vizepräsidenten. Nachdem beide Kandidaten Rede und Antwort stellen mussten, wurde schliesslich Lukas Moser gewählt. Auch wenn in dieser ersten Sitzung vor allem die neuen Parlamentarier

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noch etwas unsicher und zurückhaltend waren, ist man optimistisch, dass die kommenden Diskussionen angeregter und kritischer werden, ohne aber weniger konstruktiv zu sein. Nach einem Jahr geprägt durch die Statutenänderung ist es nun an der Zeit, vermehrt Hochschul-

politik zu betreiben und sich weiterhin bei den betreffenden Stellen für die Anliegen und Sorgen der Mitstudierenden einzusetzen.

Mario Marti Mitglied des StuPa

Kurzinterview mit dem neu gewählten StuPa-Präsidenten Andreas Bäuml was die wichtigen Positionen der Studentenschaft sind, die dann gegenüber der Universität vertreten werden.

Michael Pum

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Was seht ihr als Präsidium als eure wichtigsten Aufgaben und Herausforderungen an für das kommende Jahr? Unser Ziel ist es, im aktuellen Jahr mehr Themen zu behandeln, welche die Studierenden der Universität direkt betreffen. Ausserdem stehen wir vor der Herausforderung, die Bekanntheit des Parlaments weiter zu steigern. Worauf wird euer Hauptaugenmerk liegen? Mein grösstes Anliegen ist, dass der politische Diskurs intensiviert wird. Die rund 30 Parlamentarier wurden von einer grossen Anzahl an Studenten gewählt, um deren Interessen zu vertreten. Diese müssen sie im Parlament einbringen und diskutieren,

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Wie seht ihr die Zusammenarbeit mit dem SHSG-Vorstand? Ich denke, dass die SHSG nur dann eine wirklich effektive Organisation ist, wenn der Vorstand und das Studentenparlament gemeinsam arbeiten, denn ihre Aufgaben ergänzen sich. Deshalb freut es mich, dass die Zusammenarbeit im laufenden Jahr sehr konstruktiv und kollegial ist. Bei welchen Anliegen können sich die Studierenden an das StuPa wenden und wie machen sie das am besten? Das StuPa ist eine gute Anlaufstelle, wenn es um Themen oder Probleme des Studienalltags geht, in denen sich die Studierenden an der Uni nicht gut wahrgenommen oder vertreten fühlen. Sie können dabei direkt an studentenparlament@myunisg.ch schreiben, oder sie wenden sich mit ihrem Anliegen an einen der Parlamentarier, deren Kontaktdaten auf der Website der Studentenschaft zu finden sind. Wir freuen uns schon auf die Inputs, die von den Studierenden kommen werden!

Sören Platten


Wie hiess die einzige weibliche Organisatorin mit Nachnamen? 12% Studentenrabatt auf Apple Produkte

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emerge conference feiert fünfjähriges Bestehen Wieder waren verschiedene Organisationen vor Ort um den rund 100 Teilnehmern aus 32 Ländern bereichernde Erfahrungen zu bieten. prisma war für euch mit dabei. Tobias.Palm@student.unisg.ch Ressortleiter Campus

Simone Steiner

kussionsrunde vorausgehenden Präsentation zeigte Kveton die sich aus unternehmerischer Perspektive ergebenden Probleme in den BRICStaaten sowie mögliche Lösungsansätze auf. Als einen der wichtigsten Punkte identifizierte Kveton eine Gut besuchte Workshops brachten spannende Fakten langfristige, minund Diskussionen zu Tage. destens 20 Jahre währende Perspekhrgeizig waren die Ziele in diesem tive. Von besonderer Wichtigkeit für den Jahr: Im Gegensatz zu den ver- Unternehmenserfolg in BRIC- Staaten gangenen Konferenzen, bei denen man sah Kveton ausserdem das Personal: «Es sich wie im Jahr 2010 auf ein einziges geht immer und überall um die MenLand, damals Indien, konzentrierte, schen.» Zu anderen Schlüsselergebnissen sollten zum fünften Jubiläum sämtliche aus dem bereits Jahrzehnte währenden BRIC-Länder behandelt werden. Wäh- Engagement in BRIC-Staaten gehöre des rend die Teilnehmer auf studentischer Weiteren, «immer einen Plan B in der Seite hauptsächlich aus den Bereichen Tasche zu haben» und die Tatsache, dass BWL, VWL und Recht vertreten waren, «geringe Löhne nicht unbedingt zu gerinwar dieses Jahr auch bei den Teilneh- gen Gesamtkosten führen». Als der Workmern hinter dem Rednerpult eine Kon- shop zur Diskussion freigegeben wurde, zentration spürbar. Neben Unterneh- dauerte es nicht lange bis auch kritische mensberater Roland Berger und dem Fragen gestellt wurden. «Natürlich ist Liberalen Institut waren hauptsächlich Rauchen nicht gut», so Kveton. grosse Banken vertreten: Redner der UBS, Credit Suisse, Deutschen Bank und Wurde die Finanzkrise durch Goldman Sachs gaben sich die Klinke in die Deregulierung ausgelöst? die Hand. Mit solchen Fragen beschäftigte sich beispielsweise Prof. Christian HoffEinblicke in öffentlichkeits- mann vom Liberalen Institut. Nach einer kurzen Übersicht zu Beginn seiner scheue Branchen Nicht aus dieser Branche war dage- Keynote Speech über die Arbeit des Ingen der Workshop von George Kveton, stituts zeigte er mehrere Folien, die KorVizepräsident Geschäftsentwicklung bei relationen zwischen wirtschaftlichem JT International – dem drittgrössten Ta- Freiraum und Grössen wie Wirtschaftsbakkonzern der Welt. In einer der Dis- wachstum, Armut, Kindersterblichkeit

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und Frieden in verschiedenen Ländern aufzeigen sollten – wie der Name der Organisation schon vermuten liess, verbunden mit der Forderung nach Deregulierung. Trotz der Statistiken hatte er es schwer die Teilnehmer auf seine Seite zu ziehen. Das lag auch an Aussagen wie: «Es ist nicht nachweisbar, dass die aktuelle Finanzkrise durch Deregulierung verursacht wurde.» Schade war auch, dass er keine Antwort hatte auf die Frage, wie schwächere und schlankere Staaten Rettungspakete in Milliardenhöhe verabschieden und ganze Länder hätten retten sollen.

Erfolg trotz später Organisation Vor dem Conference Dinner am Freitagabend stand das Organisationskomitee prisma Rede und Antwort. «Bisher ist die Konferenz ein voller Erfolg. Viele Teilnehmer stellen viele Fragen, die Organisationen antworten gerne und es gab schon jetzt einige spannende Diskussionen», so Erich Nussbaumer. Sarah Badoux, die einzige weibliche Organisatorin, ergänzte: «Ein so grosses Thema in nur zwei Tagen unterzubringen, ist sehr herausfordernd. Bisher funktioniert es gut, Trends und Unterschiede zwischen den BRIC-Staaten herauszuarbeiten – und das, obwohl wir dieses Jahr so spät mit der Organisation angefangen haben.» Abschliessend kann man die Konferenz jedem Studenten ans Herz legen. Der Kontakt der Studierenden untereinander, die Diskussionen mit den Unternehmen und Banken sowie der ein oder andere Perspektivenwechsel machen die emerge conference hoffentlich weiterhin zu einer wertvollen Bereicherung des Universitätslebens.

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Gerhart Hauptmanns «Die Ratten» Nach dem Stück «Mein Freund Harvey» zeigt das Studententheater die Tragikomödie «Die Ratten».

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er Verlust ihres ersten Kindes, gerade mal acht Tage nach der Geburt, hat eine gähnende Leere in Frau Johns Leben hinterlassen. Seither verkriecht sie sich zwischen Mottenkugeln, Reinigungsmitteln und alten Requisiten im Fundus des Stadttheaters in Berlin. Ihr Mann Paul arbeitet die meiste Zeit in Hamburg und so hat Frau John scheinbar niemanden, der sie aus ihrem Sisyphus-Trott aus putzen, wischen und abstauben befreien kann.

Frau John richtiggehend auf, doch das Glück ist nur von kurzer Dauer: Getrieben vom schlechten Gewissen setzt das polnische Strassenmädchen alle Hebel in Bewegung, um ihr Kind zurückzugewinnen. Mit allen Mitteln versucht Frau John, die Illusion ihres Mutterglücks zu schützen – doch der Lüge fallen immer mehr Menschen zum Opfer und die Geschichte, bei der der Zuschauer manchmal nicht weiss, ob er lachen oder weinen soll, nimmt ihren Lauf.

Doch dann greift sie nach dem einzigen Strohhalm, der sich ihr eines Nachts zufällig bietet: Das polnische Strassenmädchen Pieperkarcka ist schwanger und will das Kind nicht behalten. Frau John kauft ihr das Kind ab und gibt es fortan als ihr eigenes aus, nicht einmal ihr Mann Paul ahnt etwas vom Kuckuckskind. Um ihren neuen Schützling blüht

Das Studententheater freut sich darauf, euch nach «Mein Freund Harvey» diesen Winter mit einem Klassiker des deutschen Theaters mitzureissen. «Die Ratten» wird am 29. und 30. November 2011 jeweils um 20.00 Uhr in der Grabenhalle in St. Gallen aufgeführt.

Marc Mounier & Henk Weidenfeld Mitglieder des Studententheaters

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«Der Mensch ist ein plumpes Wesen»

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Glück ist relativ

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Der «ewige Jungbrunnen»

Foto: Michael Pum


Gabriel lässt Dinge wie durch Zauberhand verschwinden – lehrt aber auch Managern das überzeugende Auftreten.

«Der Mensch ist ein plumpes Wesen» Gabriel Palacios, Magier, Mentalist und Hypnotiseur, lebt vom Geschäft mit der Illusion. Er war bereits Teilnehmer bei «The Next Uri Geller» und hatte mehrere Fernsehauftritte, unter anderem im ZDF, im KiKa und im Schweizer Fernsehen. Doch die Frage bleibt: alles nur Tricks? Thema

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ür ihn ist Illusion das Vorspielen einer Tatsache, die in dieser Form nicht existiert. Die Magie oder das Performen von so genannten Tricks zeigt dem Zuschauer etwas, was er noch nie zuvor gesehen hat: etwas «Unmögliches». Jedem ist bewusst, dass alles «nur ein Trick» ist, aber gleichwohl scheinen wir vom «Kunsthandwerk Magie», wie Gabriel es bezeichnet, angezogen. «Die Magie lässt uns die Aussenwelt vergessen. Der Magier lässt uns wieder staunen wie kleine Kinder und fasziniert mit seinen Künsten.» Magier sind Meister der Täuschung und Illusion, was ihnen nicht nur in der Show weiterhilft: «Menschen wie ich, die mit Magie gross geworden sind, haben es im Leben oftmals einfacher als andere. Sie können die Aufmerksamkeit anderer steuern. Genau das ist ja der Kern der Magie: Ich lenke die Achtsamkeit des Zuschauers auf meine rechte


Gabriel Palacios

Hand, während ich mit meiner linken etwas verschwinden lasse.» Manchmal lasse er beim Bezahlen im Restaurant die Zehnernote herumschweben, so Gabriel. Es gäbe aber einige Kollegen, bei denen die hilfreichen Täuschungen in eine Art Sucht ausarte: «Die können nicht mehr abschalten, ständig wird getrickst und getäuscht. Sogar ihre eigene Person verstecken sie hinter einer Illusion.»

Mentalismus als Geschäftskonzept Mit der Entwicklung der iPhone-App «Inside the Magic» und der Gründung einer Beratungsfirma hat er sich aber von der Magie als solche verabschiedet. Seither konzentriert sich Gabriel vermehrt auf so genannte «InfotainmentShows» und Seminare. Der Mentalismus steht dabei vermehrt im Zentrum. Doch

was ist Mentalismus? Gabriel demonstriert mir das mit einem sehr einfachen, aber spannenden Experiment: Er legt einen Würfel vor mir auf den Tisch und bittet mich, mir eine Zahl auszusuchen. Sobald ich eine gewählt hätte, solle ich den Würfel hinlegen und ihn mit beiden Händen verdecken. Er versichert mir, dass es weder Spiegel noch versteckte Kameras gäbe. Auf mein Zeichen dreht er sich um und beginnt mir laut vorzuzählen, wobei er für jede Zahl einen Strich von rechts nach links in die Luft zeichnet (Anmerkung der Redaktorin: Ich wählte die Nummer zwei). Nach zwei-, dreimaligem Wiederholen des Vorgangs kommt er zum Schluss, dass die Zahlen vier bis sechs nicht in Frage kämen. Erneut zählt er mir laut vor, diesmal nur mit den Zahlen eins, zwei und drei. Dabei platziert er die Eins links oben, die Zwei in der Mitte und die Drei unten rechts. Er muss nicht einmal ganz fertig zählen, schon weiss er, dass ich die Zwei ausgewählt habe. Erstaunt und verunsichert hebe ich die Hände, und da liegt sie, die Zwei. «Dein Blick hat dich verraten. Als ich bei der Zwei war, hast du zwischen der Eins und der Drei hin- und hergeschaut. Du wolltest also etwas verbergen. Bei der Drei war deine ganze Anspannung weg und da war ich mir sicher», erläutert mir Gabriel, nicht ohne den Anflug eines triumphierenden Grinsens.

Der Trick hinter dem Trick «Das Schöne ist, dass die Leute immer denken, Mentalismus sei eine Illusion. Sie können oder wollen nicht einsehen, dass der Mensch im Prinzip so ein plumpes Wesen ist, dass man ihn mit ein wenig Übung leicht durchschauen kann. Ich kann zwar nicht Gedanken lesen, trotzdem weiss ich, wie das Gedächtnis und das Denken der Menschen funktionieren. Ich lese die nonverbalen Signale und kann sie dementsprechend deuten.» Wenn man Gabriel eine Weile zuhört, wie er über Mentalismus spricht, erweckt es den Eindruck, als ob alles gar nicht so schwierig und die menschliche Psyche ein offenes Buch wäre. Tatsächlich steckt aber viel Übung und Arbeit dahinter: Ein Auge fürs Detail sollte man haben, aber auch die Fähigkeit, Wahrgenommenes schnell zu verarbeiten. Auch Gabriel hat sich das nicht alles selber beigebracht: Das Wissen hat er von seinen Mentoren, deren Namen er mir leider nicht verraten will.

Die Show ist noch lange nicht zu Ende Gabriel verfolgt zurzeit mehrere Projekte und hat auch in Zukunft Grosses vor: Neben seinem Büro in Bern, wo er unter anderem Einzelsitzungen abhält, veranstaltet er Seminare, Kurse und ist sogar im Coaching- und Consultingbereich tätig. Ein Magier/Mentalist im Consulting und Coaching? Mag sich der ein oder andere fragen. Gabriel Palacios vertritt die Ansicht, dass Kenntnisse über die nonverbale Kommunikation und zwischenmenschliche Interaktionen überzeugender sind als Fachwissen allein. Er vermittelt Überzeugungskraft, sicheres Auftreten und auch einige weitere «Tricks», womit zum Beispiel auch das Lernen für Prüfungen einfacher gehen soll.

Lernen mit dem Gedächtnispalast Das Konzept ist vor allem in seiner Branche bereits weit verbreitet: Es nennt sich «Gedächtnispalast». Laut eigenen Angaben konnte er so innerhalb einer Stunde 20 Seiten Französischvokabular lernen und erhielt die Note 5,5. Doch wie kann das funktionieren? Dafür stellt man sich das Gedächtnis als einen Ort oder ein Gebäude vor, das man sehr gut kennt (z.B. das eigene Zuhause). Jeder Gedanke, an den man sich erinnern muss, wird mit einem Gegenstand oder einem Platz verknüpft: Wichtige Gesetzesartikel könnte man so beispielsweise in der Küche verteilen. Muss man sich an einen dieser Gedanken erinnern, erinnert man sich an dessen Ort im Gedächtnispalast. Dieser Gedächtnispalast kann immer wieder verwendet werden, ohne dass man sich jedes Mal eine neue Struktur einprägen muss. Mit ein wenig Übung kann diese Methode helfen, sehr grosse Mengen an Informationen in immer kürzerer Zeit auch längerfristig im Gedächtnis zu behalten, um sie bei Bedarf genau abzurufen. Man wird sicher noch vermehrt von Gabriel hören. Ob er mit der Realisation seines noch in Planung befindlichen «einzigartigen» Flirtportals durchstartet oder eines seiner anderen Projekte ihn wieder in die Medien katapultiert: Der Magier, Mentalist und Hypnotiseur hat noch lange nicht ausgezaubert.

Nina Tatjana Schmid

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Pascal Fischer

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Glück ist relativ Geld macht uns das Leben leichter – keine Frage. Geld macht glücklich – bloss eine Illusion? Sebastian.Greulich@student.unisg.ch Ressortleiter Aktuell

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eld spielte noch keine Rolle, als Aristoteles im vierten Jh. v. Chr. das Streben nach Glückseligkeit als oberste Maxime des menschlichen Handelns bezeichnete. Bedenkt man, dass die US-Amerikaner jenes Streben knapp 2000 Jahre später als unveräusserliches Recht deklarierten, wird deutlich, wie der Drang, ein glückliches Leben führen zu wollen, seit jeher unser Verhalten beeinflusst. Die Methoden, dieses Ziel zu verwirklichen, sind bekanntlich verschieden. Um den wohl bekanntesten Vertreter aus der Kategorie «Wege zum Glück» etwas genauer unter die Lupe zu nehmen, begebe ich mich ins Innere des St. Galler Casinos und frage mich dabei: Besitzt Geld tatsächlich die Fähigkeit, uns glücklich zu machen?

Die Höhle des Löwen Das Ambiente, das einem beim Betreten der etwas schäbig anmutenden Spielhalle entgegenschlägt, zaubert mir nicht gerade das glücklichste Lächeln ins Gesicht. Man spürt dennoch eine gewisse Spannung, die in der Luft zu liegen scheint. Für einen Mittwochabend ist das Casino überraschend gut besucht; sämtliche Roulette-Tische sind gefüllt und auch beim Black Jack bieten sich den Spielern nur noch wenige freie Plätze. Was schnell auffällt, sind zwei unterschiedliche Gruppen an Spielern: taktierende Stammgäste und drauflosspielende Spasssuchende. Die regelmässigen Casinogänger offenbaren sich durch ausgefeilte Spielsysteme, die an mehreren Tischen gleichzeitig umgesetzt werden und ein rastloses Umherwandern der Betroffenen zur Folge haben, das keine Zeit für Jubel oder Freude übrig lässt.

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Auffallend hoch sind auch die Einsätze, die von diesen Personen getätigt werden. Dazwischen hört man immer wieder Jubelrufe der deutlich weniger angespannten Spasskunden. Diese sind meist in Gruppen organisiert und besetzen gleich die Hälfte eines Spieltischs. Schon der Gewinn weniger Franken scheint die Stimmung deutlich zu heben, und wenn hin und wieder einer der Beteiligten den ganz grossen Wurf landet, stimmt oft die gesamte Gruppe zum enthusiastischen Freudengesang an.

Spiel mit System Dieser Vergleich verschiedener Spielertypen lässt mich ein erstes Mal daran zweifeln, dass mehr Geld auch mehr Glück bedeutet. Sind es doch die kleinen Beträge, die ganze Gruppen fröhlich stimmen, und nicht das grosse Geld. Um einen besseren Eindruck von der Situation zu bekommen, versuche ich mit Spielern ins Gespräch zu kommen. Die meisten geben sich sehr verschlossen und möchten nicht wirklich mit mir sprechen. Manche beäugen mich etwas seltsam, andere schweigen mich einfach nur an. Schliesslich finde ich zwei junge Männer, die sich etwas offener geben und sich zu einem kleinen Plausch überreden lassen. Schnell stellt sich heraus, dass beide ebenfalls an der HSG immatrikuliert sind. Sie bezeichnen sich beide als motiviert, tragen eigene Jacketts, sind mit dem Dresscode also vertraut und spielen regelmässig im Casino, «wenn es die Zeit eben zulässt». Für sie ist es leicht verdientes Geld – sie spielen mit Strategie. Bei der Frage nach impliziertem Glück

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beginnen sich die beiden ein erstes Mal zu streiten. Für den Grösseren der beiden ist es nicht das Geld, das glücklich macht, sondern das Gefühl des Gewinnens. Viel schlimmer sei das Verlieren, meint er, «ein verdammt schlechtes Gefühl». Sein etwas kleinerer Kollege ist da anderer Meinung. Er sieht eindeutig eine Verbindung zwischen Geld und Glück. Privates Glück mit Freundin und Familie sei das Ziel, aber der Weg dorthin führe hauptsächlich über das Geld. Nebenbei lässt er noch einen Satz fallen, der zwar belanglos klingt, sich bei meinen weiteren Nachforschungen aber als äusserst aussagekräftig entpuppt: «Glück ist relativ». Tatsächlich entdeckte der Ökonom Richard Easterlin schon 1974, dass sobald grundlegende Bedürfnisse gestillt sind, das Glücksempfinden von einem grösseren Einkommen weitgehend unbeeinflusst bleibt. Seine Kollegen bedankten sich bei ihm für seine Entdeckung, indem sie dieses Phänomen gleich nach ihm benannten. Die Hintergründe und Erklärungen zur Entstehung dieses EasterlinParadoxons sind sehr vielfältig.


Tretmühlen des Glücks Für viele Experten bedeutet das Streben nach mehr Geld, also nach mehr Wohlstand, in vielfacher Hinsicht ein Treten auf der Stelle. Mit fortschreitendem Wohlstand steigt zwar die Vielfalt der Konsumauswahl, aber dieser eigentliche Gewinn an Entfaltungsfreiheit mündet in Unsicherheit und die zusätzliche Belastung neutralisiert das Mehrglück, welches durch grössere Entscheidungsräume geschaffen wird. Noch deutlicher wird die eigentliche Relativität des Glücklichseins, sobald wir beginnen, uns mit unseren Mitmenschen zu vergleichen. Zu Beginn steigt unser Glücksempfinden im selben Mass wie unser Wohlstand. Das hängt mit der Befriedigung absoluter Bedürfnisse zusammen: Mit mehr Geld lassen sich solche Bedürfnisse einfacher und schneller befriedigen. Sind die absoluten Bedürfnisse ausreichend befriedigt, strebt der Mensch aber immer noch nach mehr, um glücklicher zu werden. Dies kann er nur durch Befriedigung relativer Bedürfnisse erreichen. Das hierdurch erfahrene Glück verliert jedoch seinen Wert mit jeder weiteren Person, die dasselbe erfährt.

Die Angst vor dem Verlust Die Bedeutung von Geld für das Glücksgefühl eines Menschen scheint demnach immer in Relation zu seiner Umwelt gemessen werden zu müssen. Diesem Gedanken stimmen auch meine Casinogefährten zu. Wenn alle gewinnen würden, wäre das Spiel langweilig. Für beide ist zudem klar, dass Geld nur

ein Katalysator sein kann. Innere Zufriedenheit lasse sich nicht kaufen. Vielmehr versichern mir beide, dass es auch Gefahren gebe, diesen Weg zum Glück zu wählen. Denn der Ärger beim Verlieren sei verhältnismässig grösser. Auch die Dame hinter der Bar bestätigt mir, dass die meisten Drinks zum Frustabbau bestellt werden und weniger zur Siegesfeier. Sie erinnert sich an Situationen, in denen Einzelne ihr gesamtes Hab und Gut auf dem Roulettetisch verloren haben.

Für mich selbst endet der Abend im Casino ernüchternd: Ich habe in keinem Spiel gewinnen können. Die passenden Antworten auf meine Fragen habe somit ich auch nicht so wirklich finden können. Vielleicht hatte Herr Reich-Ranicki doch Recht, als er einst meinte: «Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Strassenbahn.»

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Thema


Der «ewige Jungbrunnen» Der Trend zum perfekten Aussehen nimmt immer extremere Ausmasse an. Wie steht ein Schönheitschirurg zum Thema «ewige Jugend und perfekte Schönheit»? Wir haben Herrn Dr. med. Ralph Hollmann, Facharzt für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie, in seiner Praxis in St. Gallen getroffen.

Herr Dr. Hollmann, Sie bezeichnen sich nicht als Schönheitschirurg, sondern als Facharzt für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie. Was ist der Unterschied? Plastische Chirurgen sind Fachärzte, die sich permanent weiterbilden und bestimmte Auflagen erfüllen müssen. Der Titel für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie wird staatlich kontrolliert und verliehen. Hingegen kann jeder Allgemeinarzt kleinere Eingriffe, wie Botox spritzen oder Fettabsaugungen vornehmen und sich dann als Schönheitschirurg bezeichnen. Im Unterschied zu plastischen Chirurgen kennen diese so genannten Schönheitschirurgen nur diesen einen Prozess, während plastische Chirurgen die gesamte Palette abdecken. Heutzutage gibt es neben Gynäkologen oder Hausärzten sogar Zahnärzte und Kosmetikerinnen, die «nebenbei» Botox spritzen. Alle wollen etwas vom Kuchen abhaben und mitverdienen. Mit welchen Erwartungen kommen Ihre Klientinnen und Klienten zu Ihnen? Als plastischer Chirurg ist man oft auch Pfarrer oder Psychiater. Viele Klientinnen und Klienten

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haben übersteigerte Erwartungen und Vorstellungen und wollen am «ewigen Jungbrunnen» teilhaben. Dabei kann man operativ nur auffrischen. Jugendlichkeit zeichnet sich durch Spannkraft, Qualität und Elastizität einer Haut und durch die Ausstrahlung der Person allgemein aus. Die Erwartung, dank eines operativen Eingriffs jünger zu werden, ist eine Illusion, und das muss der Klientin oder dem Klienten von Beginn an klargemacht werden. Ich versuche im Gespräch, die Vorstellungen und Erwartungen abzuholen, und wenn ich merke, dass diese realitätsfern sind, muss ich die Klienten abweisen. Werden nach einem erfolgten schönheitschirurgischen Eingriff die Ergebnisse den anfänglichen Vorstellungen gerecht? Es ist schwierig zu erreichen, dass das Bild, welches die Patienten und Klienten im Kopf verinnerlicht haben, am Schluss genau mit der Realität über-


Wem verdanken angeblich einige HSG-Nasen ihre perfekte Form? - Gewinnspiel auf Seite 38

einstimmt. Meine Hauptaufgabe ist es, mir dieses Bild selbst vorzustellen. Wie bereits erwähnt, ist die Aufklärung und Ehrlichkeit im Vorfeld eminent wichtig. Was ist machbar und was nicht? Gibt es ein allgemeines Schönheitsideal, nach welchem sich Patienten operieren lassen wollen? Beispielsweise die Lippen von Angelina Jolie oder die Nase von Brad Pitt? Solche Leute würde ich sofort abweisen. Bisher habe ich dies glücklicherweise nur einmal erlebt. Ein Magazin oder Heftli aufschlagen und sagen, «so will ich aussehen», ist unrealistisch. Die Models und Stars in den Magazinen sind alle retouchiert und das Ganze ist einfach ein «Bschiss». Ausserdem muss eine Nase auch zum Gesicht passen. Eine Brad-Pitt-Nase sieht nicht in jedem Gesicht gut aus. Wie stehen Sie zum Thema «ewige Jugend»? Ich halte nichts von der so genannten ewigen Jugend. Es macht mich müde, wenn ich so etwas höre. Ich weiss nicht, wieso das so wahnsinnig wichtig ist, die ewige Schönheit. Wir werden alle älter. Aber Alter kann etwas sehr Schönes sein. Viele Frauen kommen zu mir, weil sie straffe und glatte Haut wollen. Dabei strahlt ein Gesicht mit den Jahren Erfahrung und Güte aus und macht die Gesichtszüge weicher. Klar, es gibt schönere, aber auch weniger schöne Falten: strenge Falten. Solche kann man versuchen mit vernünftigen Massnahmen zu glätten. Aber die Zeit lässt sich mit einem operativen Eingriff nicht zurückdrehen oder anhalten. Innere Ausstrahlung ist für die Schönheit einer Person von Bedeutung. Verändert man nur die Fassade, macht dies nicht zwangsläufig schöner, wenn die Person im Innern alt ist und einen schlechten Charakter hat. Dann ist das einfach eine schöne Larve ohne Inhalt.

Können Sie die Wünsche Ihrer Klientinnen und Klienten nachvollziehen? Natürlich kann ich das nachvollziehen. Es ist die wichtigste Aufgabe zu spüren, was das Ziel und die Wünsche sind. Als Facharzt kann ich dann eine geeignete Vo r g e h e n s w e i s e finden und unter Umständen dem Klienten sanftere Methoden aufzeigen oder etwas gezielter behandeln. Empfinde ich etwas als übertrieben oder unrealistisch, so empfehle ich den Klienten, einen anderen Arzt aufzusuchen. Geld auf Kosten der Zufriedenheit anderer zu verdieDr. med. Ralph Hollmann nen, das mache ich nicht. So wichtig ist mir Geld dann auch wieder nicht. Aber Welche Eingriffe führen Sie am meisten es gibt genug andere in meinem Fachge- durch? Die Behandlungspalette ist riesig. biet, die immer mehr verdienen wollen. Mein Hauptarbeitsgebiet ist jedoch die Wird ihre Klientel wirklich immer jünger? Brustchirurgie. Dies ist immer eine Frage, in welchem Bereich man operiert. Brustver- Haben Sie vermehrt auch Anfragen betrefgrösserungen sind fend einer Schönheitsoperation von HSGfür 20- bis 30-jäh- Studentinnen und Studenten? Ich habe Anfragen von HSG-Sturige Frauen ein Thema, während dentinnen und Studenten, jedoch nicht für Frauen um die auffällig oder überdurchschnittlich viele. 50 Bruststraffungen Diese Gruppe gehört sicherlich nicht zu und Botox wichtiger meiner Hauptklientel. Die Studierenden sind. Aber generell kommen mit den gleichen Wünschen, stelle ich keinen Fragen und Problemen zu mir, wie andeTrend fest, dass be- re auch. Grundsätzlich achte ich jedoch reits extrem junge nicht speziell auf den Hintergrund meiner Frauen im Teena- Klientinnen und Klienten. Aber doch, die geralter sich die Brüste vergrössern oder eine oder andere Nase an der HSG habe Botox spritzen lassen wollen. Grundsätz- ich schon operiert. lich werden ästhetische Eingriffe nur bei Niniane Päffgen Personen durchgeführt., welche das 18. Lebensjahr erreicht haben. Laura Frick

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«Innere Ausstrahlung ist für die Schönheit einer Person von Bedeutung.»

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Thema


Gewinnspiel 2x2 Tickets für das Technorama Winterthur Löse das Rätsel, indem du die Frage auf der jeweiligen Seite (Seitenzahl im schwarzen Kästchen) beantwortest.

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prisma empfiehlt

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Lohndiskriminierung – ein Dauerthema

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Start-Up: Miokay

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Six weeks in New Delhi

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Wohin marschieren wir?

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Ruhm per Giftspritze

Foto: Annegret Funke


Wie heisst der Bassist der vorgestellten Band mit Nachnamen? 12% Studentenrabatt auf Apple Produkte

- Gewinnspiel auf Seite 38

prisma empfiehlt Black Mountain Die kanadische Rockband hat eine wachsende Fangemeinde und überzeugt durch emotionale Musik, welche sich mit internationalen Rockgrössen messen kann.

I

hre Musik lässt einerseits Hippieherzen höher schlagen und weckt den Wunsch, mit Blumen im Haar herumzutanzen. Andererseits umhüllen einen die dumpfen Bass Lines und energischen Gitarrenriffs wie eine melancholische Decke, von welcher man fast erstickt zu werden droht. Hätten sich Led Zeppelin, Pink Floyd, Black Sabbath und Janis Joplin auf dem Woodstock getroffen und zusammen Kinder gehabt, wäre Black Mountain entstanden. Die Musik ist ein Auf und Ab der Gefühle – sie lässt weinen und lachen sowie schreien und schweigen.

@ Mehr zu prisma empfiehlt sowie den Trailer zum Film «Stay» findest du online auf: www.prisma-hsg.ch/heft

Die aus Vancouver stammende Band Black Mountain besteht aus fünf Mitgliedern: Stephen McBean, dem Gitarristen und Sänger, Amber Webber als zweiter Sängerin, Matt Camirand am Bass, Jeremy Schmidt, der in die Keyboardtasten schlägt und dem Drummer Joshua Wells.

Auffangbecken für alternativ denkende Künstler ist. Mit ihrer Lebensweise sowie Einstellung lassen sie die alten Hippiezeiten aufblühen. Als Ausdruck ihres sozialen Engagements arbeiteten Mitglieder der Band bei Drogenberatungsstellen. Black Mountain ist also nicht einfach nur eine Band, die dem grossen Geld entgegensieht. Nein, sie sind ein Kollektiv aus Leuten mit Werten und einer gewissen Lebenseinstellung. Dies äussert sich auch in ihrem Label. Die Band hat sich bis heute gegen einen Beitritt zu einem Major-Label gewehrt, da sich die fünf treu bleiben und Musik ihres Geschmacks machen wollen. Sie haben all ihre drei Alben beim Label Jagjaguwar, bei welchem auch unter anderem Bon Iver unter Vertrag steht, veröffentlicht.

Kassandra Bucher

Hinter der Band steht die Kommune «Black Mountain Army», welche ein

Stay Ein Film der zeigt was passiert, wenn Marc Forster über 50 Millionen Dollar nahezu frei verfügen kann.

S

tay führt den Zuschauer in eine verunsichernde Zwischenwelt von Leben und Tod und schafft es, bis zum Ende konstant neue Fragen aufzuwerfen. Gerade deshalb und auch weil eine konsequente Logik vergebens gesucht wird, empfiehlt es sich, den Streifen zweimal anzuschauen. Ein besonderer Effekt in diesem Streifen aus dem Jahr 2005 ist unter Filmexperten als «Keyser-Soze-Effekt» bekannt, welcher unter anderem auch in «The usual suspects», «Lucky Number Sle-

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vin», «Fight Club» und «The Sixth Sense» zu erleben ist. Die extreme Wendung am Schluss lässt den Z u s c h a u e r sprachlos zurück und nötigt ihn, alles zuvor Gesehene unter einem anderen Gesichtspunkt zu betrachten. Entsprechend schwierig ist es daher, den Plot von Stay festzuhalten. Dem Psychologen Sam Foster, ge-


NEXT – «Rettet den Zufall!!» Zunächst erinnert nur der Titel des neuen Buches von Miriam Meckel an die MTV-Serie, bei der es auch um radikale Selektion geht. Beim Lesen wird jedoch schnell klar: Genau dies ist das Thema von «Next». Nur dass diesmal kein Sunnyboy für «nicht gut genug» befunden wird, sondern die gesamte menschliche Rasse. Tobias.Palm@student.unisg.ch Ressortleiter Campus

N

etzwerk unser, das du bist das Leben. Gepriesen werde dein System. Deine Zeit komme, deine Berechnung geschehe ...» Der Klappentext, genauso viel versprechend wie die Autorin: Miriam Meckel. «NEXT – Erinnerungen an eine Zukunft ohne uns» ist ein visionärbeängstigender Blick auf das, was nach uns kommt. Auf 300 Seiten nimmt die Autorin den Leser mit in eine Utopie ohne Menschen; Algorithmen beherrschen die Welt und der Mensch ist verantwortlich dafür, weil «er selbst die Anfänge geschaffen hat». Dabei erlebt der Leser die Reflexionen über den Übergang von Menschzeit zu Systemzeit aus zwei Perspektiven: Die Sichtweise «eines letzten Menschen» in dieser neuen Weltordnung ist der des «ersten humanoiden Algorithmus» nachgelagert. Taucht man in die beiden Teile des Buches tiefer ein wird es spannend: So philosophiert der Algorithmus über die Menschen und ihren «Weg von der

spielt von Ewan McGregor, fällt es offensichtlich schwer, das Vertrauen seines neuen Patienten Henry Letham, gespielt von Ryan Gosling, zu gewinnen. Dennoch gelingt es ihm langsam, Einsicht in die abgründige und düstere Psyche Henrys zu erlangen. Sam muss feststellen, dass der begabte Künstler Henry sich an seinem 21. Geburtstag umbringen will, genau wie sein Vorbild, der Künstler Tristan Reveur. Doch es bleibt nicht mehr viel Zeit: In gerade mal drei Tagen ist Henrys 21. Geburtstag. Besessen davon Henry aufzuhalten, lässt sich Sam in die Abgründe Henrys mitreissen und belastet damit auch seine Beziehung zur Künstlerin Lila, die von Naomi Watts gespielt wird und die er einige Jahre zuvor ebenfalls vor dem Selbstmord bewahrt hat.

menschlichen hin zur mathematischen Daseinsform». Kontrollwahn und Überheblichkeit werden als letzte Zeichen der menschlichen Rasse ausgemacht. Während der «letzte Mensch» seine Gedanken fast nur philosophisch abstrakt und sehr sachlich äussert, kennt der Algorithmus das gesamte Gefühlsspektrum von wütend bis froh. Solche Ungereimtheiten und die vor allem im ersten Teil streckenweise langatmige Schreibweise werden mehr als aufgewogen durch die wohl wichtigste Aussage dieses Buches: Wir versuchen, fehlerfrei und optimal zu arbeiten, zu leben und zu sein, aber darin sind Computer besser als wir. Vielmehr sollten wir also zu dem stehen, was uns wirklich ausmacht: Freiheit samt Fehlerhaftigkeit! Alles in allem ist NEXT wohl kein Buch, das man in einem Zug durchlesen sollte. Vielmehr kann man sich die einzelnen Kapitel für ruhige Minuten hernehmen, und über dieses, wohl hoffentlich doch unsriges, Jahrtausend nachdenken.

Next Autor: Miriam Meckel ca. 300 Seiten Erschienen bei: rohwolt, 2011

Ungewöhnliche Perspektiven, Spiegelungen und Aufnahmen durch Fensterscheiben verwischen ebenso wie die geniale und unerwartete Schnitttechnik die Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit. Zunehmend zerfliessen die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung, Sams Nachforschungen werden mehr und mehr zum verwirrenden Psychotrip. Menschen, die längst tot sind, und Zusammenhänge, die es nicht geben sollte, irritieren nebst den Rückblenden und Traumsequenzen. Gesteigert wird die beunruhigende Atmosphäre durch ein ungewöhnliches Sounddesign.

zer noch so unentwirrbaren Rätsel aufzulösen.

In einem gewaltigen, optisch wie dramatisch bestechenden Schlussbouquet gelingt es Forster, auf unvorhergesehene Art einen Grossteil der Schwei-

Fazit: Brillant inszenierter PsychoThriller mit unerwartetem Ende für anspruchsvolle Filmliebhaber.

Man sollte nicht den Fehler begehen und mit dem Massstab von Logik und gängigem Weltbild an den Film heranzugehen, was wahrscheinlich auch der Grund ist wieso der herkömmliche Kinobesucher einen Bogen um ihn gemacht hat. «Stay» beeindruckt aber nicht nur mit seiner visuellen Umsetzung und Schnitttechnik, auch die Besetzung darf sich sehen lassen: Besonders Ryan Gosling überzeugt in der Rolle des von Schuldgefühlen verfolgten Henry.

Nina Tatjana Schmid

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Lohndiskriminierung – ein Dauerthema Kathrin Arioli ist ehemalige Leiterin der Fachstelle für Mann und Frau des Kantons Zürich. Einer ihrer Schwerpunkte lag im Abbau von gerechtfertigter und nicht gerechtfertigter Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern. Im Gespräch mit prisma erläutert die Expertin Mechanismen und Ausprägungen. Marisa.Steiner@student.unisg.ch Redaktorin ann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit». Unter diesem Grundsatz ist die Lohngleichheit der Geschlechter seit 1981 in der schweizerischen Bundesverfassung verankert. Vor 14 Jahren trat ergänzend das Gleichstellungsgesetz in Kraft, welches die «Förderung der tatsächlichen Gleichstellung» bezweckt und ein Diskriminierungsverbot beinhaltet. Der entsprechende Gesetzesartikel soll Männer und Frauen gleichermassen schützen. In der Praxis jedoch wirkt die Gesetzgebung nicht genügend, wie ein Blick in die aktuelle Lohnstrukturerhebung des Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien BASS zeigt. Nach wie vor liegt das durchschnittliche Frauensalär tiefer als dasjenige der Männer. In der Privatwirtschaft erhalten Frauen rund 25, im öffentlichen Sektor rund 17 Prozent weniger Lohn, wodurch sich die Schweiz europaweit im unteren Bereich des Mittelfeldes positioniert. Gut 60 Prozent der Differenz können objektiv durch persönliche oder unternehmensspezifische Merkmale begründet werden, die restlichen 40 Prozent hingegen nicht. Hier spricht man von Diskriminierung, da dieser Anteil auf «nicht erklärbaren Faktoren» wie beispielsweise dem Geschlecht oder Zivilstand der Frau basiert. Aufgrund dieser 40 Prozent entgehen den Arbeitnehmerinnen in der Schweiz jährlich zehn Milliarden Franken. An den Prozentsätzen hat sich in den letzten Jahren trotz Bemühungen seitens

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des Staates und einzelner Unternehmen wenig geändert. Im Zehnjahresvergleich sank der Diskriminierungsanteil marginal um lediglich zwei Prozent. Kathrin Arioli kennt die Problematik: «Der Gleichstellungsprozess ist eine langwierige Aufgabe. Oft gehen wir zwei Schritte nach vorne und einen zurück.»

Meist indirekte Lohndiskriminierung Verschiedene Mechanismen tragen zur Entstehung von Lohndifferenz und Lohndiskriminierung bei. Man unterscheidet zwischen Ungleichstellung vor und auf Kathrin Arioli, ehemalige Leiterin der Fachdem Markt. «Erstere Ungleichstelle für Mann und Frau des Kantons Zürich stellung entsteht durch unterschiedliche Biografien von Ein weiterer Grund für die UnterFrauen und Männern, welche Arbeitgeber nicht direkt beeinflussen können», schiede sind Rollenstereotypen, die in erklärt Kathrin Arioli. Darunter fällt zum Lohnverhandlungen wirken: Frauen Beispiel die familiäre Rollenteilung, schreibt man bei der Forderung nach die oft mangelnde Arbeitserfahrung mehr Lohn tendenziell negative, Mänder Frau zur Folge hat. Im Gegensatz nern tendenziell positive Attribute zu. dazu bezeichnet die Ungleichstellung Lohndiskriminierung geschieht auf dem Markt Fälle von Lohn- und Beschaffungsdiskriminierung, welche heute meist indirekt. «Im Gegensatz zur durch Arbeitgeber verursacht werden. direkten Koppelung des Lohnes an das Beschaffungsdiskriminierung tritt auf, Geschlecht wird hierbei die Entschädiwenn Frauen mit gleicher Qualifikation gung durch formal geschlechtsneutrale geringere Anstellungs- und Aufstiegs- Kriterien bestimmt. Erst deren Anwenchancen erhalten als ihre männlichen dung wirkt sich zum Nachteil der Frauen Mitbewerber – also an «goldenen De- aus», so Kathrin Arioli. So ist beispielsweise ein schlechterer Stundenlohn für cken» anstossen.

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Marisa Steiner

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und erst am Schluss: Was müssen Frauen beitragen?» So gesehen ist der Abbau von Lohndiskriminierung eine Bringschuld. Meist diskriminieren Unternehmen nicht absichtlich, wie eine Analyse des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Mann und Frau zeigt. Viele nehmen jedoch auch keine sonderlich aktive Rolle in der Verbesserung des Status quo ein. «Lohndiskriminierung zu beheben, ist eben auch teuer. Die sofortige Behebung kann ein Unternehmen ruinieren», argumentiert Kathrin Arioli. Daher plädiert sie für ein schrittweises Vorgehen, zum Beispiel durch die ausschliessliche Erhöhung von Frauensalären während eines gewissen Zeitraumes. Für den Abbau von Lohnungleichheit generell sieht sie starken Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Ausschnitt aus dem Film «We want Sex» Teilzeitarbeit im Vergleich zu Vollzeitarbeit indirekt diskriminierend, weil solche Stellen mehrheitlich durch Frauen besetzt werden. Häufig kommt es auch aufgrund der Geschlechtersegregation im Arbeitsmarkt zu indirekter Diskriminierung. Das heisst, «typische» Frauenberufe werden in Relation zu «typischen» Männerberufen schlechter entlohnt, auch wenn sie eine gleiche Wertigkeit aufweisen. «Das liegt daran, dass so genannten Frauenberufen oft das Stigma der Hausarbeit anhaftet», so Kathrin Arioli. Diese ungleiche Entschädigung ist ebenso gesetzeswidrig wie diejenige von gleichen Berufen. 2001 klagten über 100 im Gesundheitswesen angestellte Frauen erfolgreich den Kanton Zürich ein, weil ihnen systematisch weniger Lohn bezahlt wurde als der als gleichwertig eingestuften Berufsklasse der Polizisten.

Stark von der Problematik der Lohnungleichheit sind Kaderfrauen betroffen. Je höher die Stellung ist, desto grösser werden der Lohnunterschied und der prozentuale Diskriminierungsanteil. Auf der obersten Führungsebene erhalten Frauen durchschnittlich 35 Prozent weniger Lohn.

«Verantwortung nicht primär bei den Frauen» Meist wird eine festgestellte Lohndiskriminierung durch die Frau(en) nicht angeprangert – obwohl das Gesetz Betroffenen Verfahrenserleichterungen und einen Kündigungsschutz bietet. «Für ein Individuum ist es sehr schwierig, sich zu wehren», so Kathrin Arioli. Deshalb sei die oft gestellte Frage, was Frauen gegen Lohndiskriminierung unternehmen sollen, in der Priorisierung falsch: «Zuerst sollte man nach den Rollen von Arbeitgebern und Staat fragen,

Der Staat leistet bisher an zwei Stellen Hilfe zum Abbau von Diskriminierung: Einerseits durch die Gesetzgebung, andererseits durch die Vergabe von öffentlichen Aufträgen an Unternehmen, die gewisse Kriterien erfüllen. Kathrin Arioli wünscht sich noch mehr staatlichen Einfluss, zum Beispiel durch obligatorische Untersuchungen und Umsetzungspläne. Denn auf freiwilliger Basis passiere zu wenig.

Fairer Lohn als Motivator Gemäss psychologischen Studien hat das Salär den stärksten Einfluss auf die Motivation am Arbeitsplatz, und eine ungerechtfertigte Lohndifferenz beeinträchtigt die Leistung negativ. Weil immer mehr Frauen in den Arbeitsmarkt strömen, wird der Abbau der Unterschiede laut Kathrin Arioli zu einem zentralen Kriterium für die Attraktivität der Arbeitgeber werden. «Aufgrund des zunehmenden Fachkräftemangels können sich die Unternehmen Lohndiskriminierung langfristig immer weniger erlauben.»

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Start-Up:

Zwei ehemalige St. Galler Studenten entwickeln die Alarmanlage für unterwegs Sören.Platten@student.unisg.ch Ressortleiter 360°

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ie Situation: Mann oder Frau ist nachts allein unterwegs auf dunkler, leerer Strasse. Irgendwo am anderen Ende lungern finster dreinblickende Gestalten, die alles andere als vertrauenserweckend wirken. Nicht erst nach den regelmässigen Berichten von tätlichen Übergriffen im öffentlichen Nahverkehr einiger Grossstädte ist klar, dass hier Gefahr drohen kann. Eine ähnliche Situation müssen Christian Hartung, Oliver Reimes und sein Team im Sinn gehabt haben, als sie die ersten Skizzen für «miokay» entwickelten. Die Idee: Ein automatischer Notruf-Auslöser für das iPhone, der automatisch Alarm schlägt, wenn man es selbst nicht mehr kann. Die Umsetzung: Beim Starten der App erscheint auf dem Display ein grosser Button. Dieser muss einmal in der Minute berührt werden. Tut man das nicht, wird telefonisch ein automatischer Notruf an eine Anzahl hinterlegter Telefonnummern versandt. Dabei wird auch die eigene Position übermittelt. Das Entscheidende an dem Produkt ist, dass der Notruf auch dann ausgesandt wird, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Was, so Christian Hartung, wohl in den meisten Notfällen der Fall sein dürfte. Insgesamt besteht das Team aus fünf Mitgliedern: Neben Christian Hartung und Oliver Reimes, die sich durch das Studium an der HSG kennen gerlent ha-

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ben, gehören noch Olga Bart, Friedrich Ackermann und Daniel Dierkes, alle von anderen deutschen Hochschulen, dazu. Kennen gelernt haben sie sich durch gemeinsame Studienaufenthalte in Asien und Harvard und die Geschäftsidee ist – wie es für ein junges Start-up standesgemässer kaum sein könnte – über Skype abgesprochen worden. Die Gründung von Miokay ist mehr als nur eine Nebenbeschäftigung für die beiden Jungunternehmer. Einerseits benötigt ein Start-Up von sich aus viel Zeit, andererseits sind die zwei Jungunternehmer mit vollem Einsatz dabei «Wir müssen uns förmlich zusammenreissen uns nicht nur auf Miokay zu konzentrieren», so Christian Hartung. Deswegen ist bereits die nächste Innovation in der Entwicklung: Die Miokay-App wird um die Zusammenarbeit mit einem privaten Sicherheitsdienst ergänzt. Wird der Notruf ausgelöst, wird in Zukunft neben Freunden und Familie auch eine professionelle Sicherheitsfirma informiert. Deren Mitarbeiter können dann innerhalb von Minuten vor Ort sein. Für Christian

Miokay Die App Miokay ist im deutschen und österreichischen Apple-AppStore erhältlich. In der Schweiz sollte die App pünktlich mit dem Erscheinen des prisma auf den Markt kommen. Weitere Informationen unter www.miokay.de.

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Hartung ist damit in Sachen Innovation lange nicht das Ende erreicht: «Wir haben noch diverse andere Produkte aus dem Bereich Sicherheit in der Pipeline».


Six weeks in New Delhi

Nathalie Rätzo

With the help of AIESEC, Nathalie Rätzo went on an internship to India for six months, specifically in the bustling metropolis of New Delhi.

Me and my tour buddies - on top of the mountain This summer, I had the chance to go abroad for two months with AIESEC. The student organization provides a global platform for students to build international networks, it gives leadership opportunities to its members and offers over 15'000 internships in professional and social fields. Present in over 111 countries, AIESEC tries to have a positive impact on society; this is what I want to do, too. For this reason, I decided to organize a summer internship in New Delhi, India. I chose a project called «UDAAN», consisting in impacting underprivileged children. I left right after my last exam, and fortunately I was well prepared to the cultural shock I had. India is a diffenrent world! The whole AIESEC team from the Delhi University did a lot to help the 20 international interns working on the UDAAN project adapt to other living standards and integrate into the local life. The first time we all met, we knew that we could do a great job together;

we came from Italy, the Netherlands, Poland, Slovakia, England, Switzerland, Russia, China, Taiwan, Canada and India, and we all had the same vision: we wanted the 40 children who were assigned to our project to learn something for life and above all, to smile, have a good time with us, to feel important and beloved. When we first met them, we were very excited, but also a bit anxious: how will communication work? Will they be interested in the activities we prepared for them? And even: will they come at all? Finally, our first session went pretty well, and some Indian volunteers from AIESEC came in order to translate for us. Then, we used to meet the children four days a week outside in a park, after school. We mainly played together and tried to teach them through our games some English, the importance of communication, tolerance, respect, civil responsibility, protection of our environment. Even though these children do not have much, they were always smiling and happy to be there with us. We be-

came really attached to them and every day it got harder to say goodbye. Besides running the project, we had enough time on weekends to travel all over Northern India; we went for a camel ride and slept in the desert overnight, visited the Dalai Lama’s place, took thousands of pictures in front of the Taj Mahal, went trekking in the Himalaya, visited a mosque, Buddhist, Jain, Sikh and Hindu temples the same day. We had a lot of fun, enjoyed amazing parties and met interesting people. This intercultural experience was very enriching for me and I learned a lot about myself. It gave me the opportunity to discover another country with a very rich and diverse culture and to build a global network with AIESECers from all over the world. I will never forget all the beautiful moments I shared with the children, the other interns and the AIESEC team from Delhi.

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Nathalie Rätzo

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Wohin marschieren wir? Alle müssen, kaum einer will. In Zeiten des Individualismus, der Globalisierung und nach Jahrzehnten ohne Krieg in Europa, wird die allgemeine Wehrpflicht immer häufiger in Frage gestellt. Eine kritische Würdigung. Sören.Platten@student.unisg.ch Ressortleiter 360°

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achdem der damalige deutsche Verteidigungsminister zu Guttenberg sich zitieren liess, «mit mir ist die Abschaffung der Wehrpflicht nicht zu machen», drehte er sich innerhalb weniger Wochen um 180 Grad und liess sich dafür feiern, die Wehrpflicht abzuschaffen. Zu laut wurden die Argumente der Kritiker, und der Minister fürchtete letztlich um die eigene Popularität. Damit ist Deutschland das letzte der grossen europäischen Länder, welches der jahrzehntelangen Tradition einer allgemeinen Wehrpflicht den Rücken zuwendet. In der Schweiz ist die Debatte zur Wehrpflicht derzeit in vollem Gange. Aktuell unterliegen junge Männer zwischen 18 und 34 Jahren noch grundsätzlich der Dienstpflicht und werden zu einer Grundausbildung und jährlichen Wiederholungskursen aufgeboten. Wobei hierbei die Verweigerung aus Gewissensgründen und das Leisten eines Ersatzdienstes möglich ist und auch immer häufiger genutzt wird, wie Studien belegen. Die Alternative zur Wehrpflicht ist die Einführung eines Berufsheeres. Dabei muss das militärische Personal auf dem Arbeitsmarkt angeworben werden und das «Berufsbild Soldat» mit anderen Karrieremöglichkeiten konkurrieren. Die Erfahrung zeigt, dass in Ländern mit Berufsheer häufig diejenigen den Dienst

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an der Waffe leisten, bei denen andere zivilberufliche Optionen eher begrenzt sind. Die wichtigsten Argumente für und gegen die Wehrpflicht auf einen Blick:

CON: «Braucht man heutzutage nicht mehr» Dieses Argument geht davon aus, dass sich die Sicherheitslage in Europa in den letzten Jahrzehnten geändert hat und der Ausgang des «Kriegs von heute» hauptsächlich von technischer Überlegenheit und weniger von personeller Stärke abhängt. Relativiert werden dürfte dieses Argument dadurch, dass moderne Technik immer breiter verfügbar wird und auch High-Tech-Nationen wie die USA in den Konflikten im vergangenen Jahrzehnt feststellen mussten, dass diese immer noch enorm viel Personal binden. Auch der Katastrophenschutz, der personalintensiv in der Vergangenheit häufig vom Militär unterstützt wurde. Ausserdem: Nicht alle Staaten rüsten ihre stehenden Heere ab, wie es die westlichen Demokratien tun. Russland, die Ukraine und Weissrussland unterhalten immer noch stehende Heere in Millionenhöhe. Gerade weil die Schweiz kein NATO-Bündnispartner ist - sollte sie dem allgemeinen Trend zur Abrüstung folgen? Was die Zukunft bringt weiss keiner.

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CON: «Wehrpflicht ist teurer als eine Freiwilligenarmee» Dass eine Freiwilligenarmee aufgrund der kleineren Zahl an Soldaten weniger kostet als ein Berufsheer, haben die Erfahrungen anderer Staaten in Europa definitiv wiederlegt. Denn die dann anfallende Notwendigkeit, die finanzielle Attraktivität des Soldatenberufs massiv zu steigern, schlägt zu Buche. Während Deutschland, als es noch die Wehrpflicht hatte, 26'800 Euro pro Soldat und Jahr aufwandte, zahlte Frankreich, seit 2001 mit Berufsarmee, pro Kopf 32'900 Euro und die Niederlande, Freiwilligenheer seit 1996, sogar 57'300 Euro pro Kopf. Jährliche Mehrkosten zwischen einer und knapp acht Milliarden Euro wären nach dieser Berechnung die Folge. Spanien, seit 2002 ohne Wehrpflicht, musste aus Mangel an geeigneten Bewerbern sogar soweit gehen, Bürgern ehemaliger Kolonialstaaten bei der Verpflichtung zum Dienst in Heer, Luftwaffe und Marine die spanische Staatsbürgerschaft in Aussicht zu stellen.

CON: «Die Wehrpflicht ist Zeitverschwendung» Die Erkenntnis, dass man die für Grundausbildung und militärische Lehrgänge aufgewendete Zeit auch anders einsetzen könnte, lässt sich kaum widerlegen und entspricht gewissermassen dem Zeitgeist. Persönlicher Einsatz für ein abstraktes Allgemeingut wie «Sicherheit» ist zur Zeit nicht unbe-


dingt populär. In Ländern wie den USA, Grossbritannien oder Frankreich besitzt Erfahrung beim Militär aber durchaus auch in Unternehmen einen hohen Stellenwert, denn sie verspricht Tugenden wie Selbstdisziplin, Ausdauer und Menschenkenntnis.

PRO: «Landesverteidigung ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe» Befürworter der Wehrpflicht führen an, dass es kaum eine gerechtere Variante gibt, als wenn alle jungen Leute gleichermassen einen persönlichen Einsatz für das hohe Gut der Verteidung und nationalen Unabhängigkeit leisten. Sie betonen den positiven Effekt auf die Gesellschaft von einem Dienst, der über alle sozialen Grenzen hinweg erbracht wird: Bäckers- und Bankerssohn müssen dann gemeinsam früh aufstehen und teilen eine sehr erfahrungsreiche Zeit ihres Lebens. So war zum Beispiel auch Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, Offizier der Schweizer Armee. Wenn jeder Mann einmal direkt im Dienst seines Landes gestanden hat, so die Befürworter, stärkt das die Identifikation mit der Gesellschaft und dem eigenen Land. Ausserdem sei es von Vorteil, wenn dieses mächtige Exekutivorgan vom «Querschnitt» der Gesellschaft gebildet wird, insbesondere auch dann, wenn das Militär einmal im Innern eingesetzt werden muss.

PRO: «Wehrpflicht erhöht die nationale Handlungsfähigkeit» In jedem Land ist das Militär das stärkste Organ der Exekutive und symbolisiert seit jeher die Stärke des Staates als solche. Die Wehrpflicht versetzt den demokratischen Staat in die Lage, bei einer akuten Bedrohung oder Notlage, schnell und unkompliziert Personal zur Bewältigung aufzubieten. Die theoretische Möglichkeit, im Ausnahmefall auch auf Reservisten, also Soldaten, die derzeit nicht im aktiven Dienst stehen, zurückzugreifen, hat zur Folge, dass der Staat als Organ nach innen wie nach aussen viel handlungsfähiger ist. Das wirkt sich natürlich auch symbolisch auf das Bewusstsein der Menschen aus. Umgekehrt wird eine Abschaffung der Wehrpflicht meistens von denen gefordert, die sich auch auf anderen Gebieten einen schwachen Staat wünschen.

PRO: «Wehrpflichtige profitieren langfristig von ihrem Dienst» Wie bereits angeführt, werden während des Grundwehrdienstes Fähigkeiten vermittelt, die sich auch in der freien Wirtschaft wieder wachsender Beliebtheit erfreuen. Darunter sind Belastbarkeit, Disziplin, Teamfähigkeit, Führungserfahrung und die Fähigkeit, sich schnell in einem neuen Umfeld zu behaupten. Vorbei sind die Zeiten, in denen eine vorangegangene Ausbildung zum (Unter)offizier Voraussetzung war, um als Vorstandsmitglied einer Grossbank oder für das amerikanische

Präsidentenamt überhaupt in Betracht gezogen zu werden. Doch in Zeiten, in denen soft skills für die berufliche Qualifikation von zunehmender Bedeutung sind, könnte auch die Bewertung des Wehrdienstes eine entscheidende Aufwertung erfahren. Letztendlich liegt die Schwere der meisten Argumente im Auge des Betrachters. Die Diskussion über die Zukunft der Wehrpflicht ist keine einfache. Bei genauer Betrachtung der Argumente wird aber deutlich, dass weit mehr für die Wehrpflicht spricht, als man gemeinhin annehmen würde und dass die Argumente der Gegner schwächer sind, als sie auf den ersten Blick wirken. Die Schweiz hat in den vergangenen Jahren immer wieder den Mut bewiesen, einen eigenen Weg zu gehen bei Fragen, welche die nationale Handlungsfähigkeit und Souveränität betreffen. Auch bei der Diskussion zur Zukunft der allgemeinen Wehrpflicht sollte sie das Beschreiten eines eigenen Weges ernsthaft in Betracht ziehen.

November 2011 – prisma 47

360°


Ruhm per Giftspritze In Europa kaum denkbar, in den USA aber noch immer gang und gäbe: die Todesstrafe. Zeit, sich mit diesem Thema und der Kontroverse «Troy Davis» etwas näher zu beschäftigen.

W

ochenlang verfolgte die ganze Welt den Fall Troy Davis. Dieser wurde im Bundesstaat Georgia zum Tode durch die Giftspritze verurteilt. Dem Afroamerikaner wurde vorgeworfen, 1989 einen weissen Polizisten in Savannah im Bundesstaat Georgia ermordet zu haben, der einem am Boden liegenden Obdachlosen helfen wollte. Die Tatwaffe wurde nie gefunden und sieben der neun Zeugen hatten ihre Aussagen ganz oder teilweise zurückgezogen, manche sprachen sogar von einem anderen Täter.

USA: Verfechter der Menschenrechte? Nach weltweiter Kritik stellt sich nun die Frage, inwieweit die Todesstrafe in der westlich zivilisierten Welt noch tragbar ist und ob ein Land wie die USA, das sich als Hüter der Menschenrechte und der Demokratie definiert, sein Rechtssystem nicht überdenken sollte. Die Argumentation, dass die Todesstrafe die Gesellschaft sicherer machen würde, verneint Amnesty International deutlich. In Kanada sei zum Beispiel die Mordrate nach Abschaffung der Todesstrafe 1976 um über 40 Prozent gesunken. Auch der Terrorismus könne durch die Anwendung der Todesstrafe kaum verringert werden, da Terroristen den Medienrummel, den ein solcher Prozess mit sich bringt,

360°

geradezu schätzen. Sie nutzen die Aufmerksamkeit, um für ihre zweifelhaften Werte werben zu können. Mit der langen Tradition der Todesstrafe in den USA sah sich auch Barack Obama konfrontiert. Nach zaghaften Versuchen am Anfang seiner Kandidatur, die Todesstrafe abzuschaffen, lenkte er bald ein: «I believe the death penalty is appropriate in certain circumstances. There are extraordinarily heinous crimes [...], terrorism, the harm of children, in which it may be appropriate.»

Afroamerikaner im Nachteil Welche Taten schrecklich genug sind, um die Todesstrafe darüber verhängen zu können, ist Ermessenssache und wird in jedem Staat und bei jedem Richter an-

48 prisma – November 2011

ders gehandhabt. Grundsätzlich gilt jedoch, dass dunkelhäutige Angeklagte nach wie vor vor Gericht schlechter abschneiden als Weisse mit vergleichbaren Tatbeständen. Das belegt eine Studie der Universität Maryland aus dem Jahr 2003. Die American Bar Association fand 2007 zusätzlich heraus, dass ein Drittel der zum Tode verurteilten Afroamerikaner nur eine lebenslängliche Haftstrafe erhalten hätten, wenn sie weiss gewesen wären. Troy Davis hatte einfach nur das Pech, als Afroamerikaner geboren worden zu sein. Die letzten Worte des Mannes, der nichts mehr zu verlieren hatte, sollten uns jedoch zu denken geben: «I am sorry for your loss. I did not personally kill your son, father and brother. I am innocent.» Troy Davis darf sich nun in die lange und unrühmliche Liste derjenigen einreihen, die aufgrund fragwürdiger Beweise den «gerechten» Tod fanden. Es bleibt nur zu hoffen, dass sein Fall die USA und die Welt zum Nachdenken und Handeln bewegt.

Joana Urlau


M enschen 50

Umfrage: An welchen Unsinn hast du als Kind geglaubt?

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Profs privat: Thomas Geiser

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Herausgepickt: Antonio Netti

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«Gorillas müssen draussen bleiben»

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Partypics: Semester Break

Foto: Dominik Geissler


Umfrage:

An welchen Unsinn hast du als Kind geglaubt? Zu Weihnachten bringt das Christkind Geschenke, Peter Pan fliegt nachts über unsere Dächer, wer lügt, bekommt eine lange Nase und wenn der Teller nicht leergegessen wird, gibt es am nächsten Tag schlechtes Wetter. Solchen oder ähnlichen Irrvorstellungen von der Wirklichkeit sind wir wohl alle in unserer Kindheit aufgesessen. An was habt ihr geglaubt? Fragen und Fotos von Anna-Luise Beulshausen und Simone Steiner

Patrik, Bachelor Law & Eco

Sarah, Assessment

«Ich habe als Kind immer gedacht, die Welt sei früher schwarzweiss gewesen, weil die Fotos von meinen Grosseltern und den alten Verwandten alle schwarz-weiss waren. Und natürlich, dass man vom vielen Fernsehen viereckige Augen bekommt.»

«Als ich klein war, habe ich gedacht, dass ich unsichtbar werde, wenn ich mir ein Tuch über den Kopf lege, da ich dann niemanden mehr gesehen habe.»

Caroline, Master International Affairs

Arthur, Assessment

«Als ich klein war, sind wir im Wald spazieren gegangen und ich habe diese kleinen Harzperlen gegessen, die überall an den Bäumen waren. Meine Mutter hat mir gesagt, dass ein Baum aus meinem Mund wachsen würde, wenn ich das mache. Das hat mich noch über Wochen beschäftigt.»

«Als ich klein war, hatte ich das Gefühl, dass ich, wenn ich ganz fest daran glaube, ein Zauberer sein könnte.»

Menschen

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Wer glaubte, er könne ein Zauberer werden? 12% Studentenrabatt auf Apple Produkte

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Luca, Assessment

Eline, Assessment

«Als Kind habe ich geglaubt, dass Busse sich heben und senken können, indem sie Luft aus den Reifen lassen und dann wieder reinpumpen.»

«Ich habe immer gemeint, dass ich irgendwann fliegen könnte, wenn ich nur lange genug übe. Ich habe mich dann auf einen Stuhl gestellt, mit den Armen geflattert und gehofft, dass ich fliege, wenn ich runterspringe.»

Miriam, Master IMT

Raphaela, Bachelor BWL

«Ich habe geglaubt, dass ich zu Fuss um die Welt laufen kann – wenn ich immer nur stur geradeaus ginge, würde ich irgendwann wieder am Ausgangspunkt ankommen.»

«Spinat macht stark.»

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Aus dem privaten Fundus: Professor Geiser während seiner Ferien im Jahre 1979.

Profs privat: Thomas Geiser, Dozent für Privatrecht

«Ich besitze etwa 300 Fliegen» Roman.Schister@student.unisg.ch Ressorteiter Menschen

Menschen

52 prisma – November 2011


Wo möchte sich Professor Geisser voraussichtlich zur Ruhe setzen? - Gewinnspiel auf Seite 38

A

n einem sonnigen Herbsttag besuchen wir Thomas Geiser in Rotmonten. Ordentlich und aufgeräumt wirkt sein Arbeitszimmer. Doch der Professor gesteht gleich ein, dass dies die absolute Ausnahme sei; normalerweise befinde sich sein Schreibtisch unter einem Durcheinander von Akten. «Das können Ihnen auch

unternehmerische Ausbildungen kamen für ihn also weniger in Frage, unter Mathematik konnte er sich kein Berufsbild vorstellen. So kam er ziemlich rasch zur Juristerei, mit dem Gedanken, etwas gestalten und auch etwas für die Gerechtigkeit tun zu können. Medizin kam für ihn von vornherein nicht in Betracht trotz der Familiengeschichte. «Mein Vater war Arzt, mein Onkel war Arzt, meine Grosseltern waren Ärzte. Irgendwann hat es eindeutig gereicht.» Während seines Studiums in Basel kristallisierte sich immer mehr das Interesse am Privatrecht heraus. «Das ist immer auch eine Frage der Professoren. Für mich war Frank Vischer ein sehr grosses Vorbild.» Nach seinem Studium und dem Anwalts- sowie Notariatsexamen im Kanton Solothurn suchte Thomas Geiser eine Stelle und wurde beim Bund fündig, wo sich der damals 26-Jährige insbesondere mit der Revision des Familienrechts beschäftigte, eine Zeit, die ihn ein Leben lang prägen wird. Nebenbei absolvierte er an der Universität Basel das Doktoratsstudium und promovierte 1983. Sechs Jahre später zog es ihn ans Bundesgericht in Lausanne, wo er als Assistent tätig war. Im selben Jahr begann er auch erste Vorlesungen zu halten, zunächst in Basel, später auch als ordentlicher Professor an der HSG.

«Ich war immer der Meinung, nicht sehr geschäftstüchtig zu sein.»

Privates Foto

meine Assistenten bezeugen. Sie wissen, dass sie sich selbst zurechtfinden müssen.» St. Gallen ist aber nicht der einzige Wohnort von Thomas Geiser. Er und sein Lebensgefährte, mit dem er seit 30 Jahren zusammenlebt, besitzen zwei weitere Wohnungen in Bern und im Tessin. Erstere ist ein Überbleibsel aus seiner Zeit beim Bundesamt für Justiz. Weil sein Partner damals im Wallis tätig war, kam St. Gallen als gemeinsame Wohnung nicht in Frage. Das Haus im Tessin kauften sich die beiden vor allem im Hinblick auf die Pension.

Der Weg nach St. Gallen Zunächst wollen wir wissen, wie Thomas Geiser zu seiner Ausbildung gekommen ist. Das sei ein wenig nach dem negativen Auswahlsystem erfolgt. «Ich war immer der Meinung, nicht sehr geschäftstüchtig zu sein.» Klassisch eher

Heute hat er zustätzlich zu seiner Lehrtätigkeit in St. Gallen verschiedene Nebentätigkeiten. So arbeitet er als nebenamtlicher Bundesrichter, sitzt im Verwaltungsrat von Aldi Suisse, im Stiftungsrat der Kuoni und Hugentobler Stiftung und ist Mitglied der eidgenössischen Filmkommission. Zudem erstellt er im Auftrag des Instituts immer wieder Gutachten und führt Beratungen durch.

Alltag eines Professors «Die Angst eines jeden Professors ist, vorne zu stehen, während einem der Stoff ausgeht. Deshalb haben wir ja auch immer zu viel Stoff.» Das absolut

Peinlichste, das einem Juristen passieren könne, sei denn auch, dass er seine Ausführungen vorträgt und nicht bemerkt, dass Gesetze in der Zwischenzeit angepasst wurden. «Ich glaube aber, das ist mir noch nie passiert. Trotzdem bin ich vor jeder Vorlesung nervös, das muss wahrscheinlich so sein», erklärt Thomas Geiser. «Wir haben es mit jungen Leuten zu tun, die grundsätzlich alles selbst lernen könnten», meint der Professor, «wir als Dozenten können lediglich versuchen, die ‹heilige Flamme› weiterzugeben.» So hofft er denn auch, dass die Studierenden genau das wahrnehmen und er so ein gewisses kritisches Denken weiter-

Laura Frick

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Zur Person Thomas Geiser Geboren: 29.10.1952 in Basel Hobbys: Film, Kunst und Skifahren Lieblingsbuch: Austerlitz von W. G. Sebald Lieblingsmusik: Klassische Musik, aber auch Latino Lieblingsessen: Wild und Spätzli Lieblingsort: Venedig

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geben kann. Dennoch fügt er mit einem Schmunzeln hinzu, er glaube, dass einige ihn zunächst als etwas skurril oder als zu kompliziert empfinden. Der schlimmste Vorwurf für ihn wäre allerdings, wenn man sich wegen ihm langweilen würde. Wir fragen uns auch, wo der Professor seine Stärken und seine Schwächen sieht. «Entgegen dem, was Sie jetzt sehen, bin ich ziemlich chaotisch. Ich habe erst gerade heute Morgen aufgeräumt. Es sieht bei mir aber nicht so schlimm aus wie im Büro von Herrn Schwander», meint Thomas Geiser und lacht. Diese Unorganisiertheit würden auch seine Assistenten, seine Sekretärin und wahrscheinlich auch die Studierenden kennen. Er glaube aber auch, dass er eine gewisse Kommunikationsfähig-

keit habe. Zudem resultiere aus seiner Unstrukturiertheit eine Voraussicht, denn schliesslich müsse er andauernd mit seinen eigenen Pannen rechnen. «Das bringt sicherlich grosse Vorteile im Leben und geht wahrscheinlich auf das Problem meiner Legasthenie zurück», erklärt der 59-Jährige. Am Abend nach der Uni kann der Dozent am allerbesten mit Literatur abschalten. Es kann Belletristik jeder Art sein, von aktueller Schweizer Literatur bis hin zu Klassikern. «Vor kurzem habe ich wieder Dostojewski zur Hand genommen, weil ich vom Titel her nicht mehr wusste, worum es geht.» Meist lese er dann eine gute Stunde in der Badewanne, bevor er sich nochmals hinsetze und etwas arbeite. Ein weiteres

Hobby Geisers ist Kunst. So gerät er beispielsweise beim Kunstmuseum Basel oder der Kunstsammlung der HSG ins Schwärmen.

Fliegen über Fliegen Ein anderes Charakteristikum von Thomas Geiser sind die auffälligen Fliegen. Insgesamt besitze er etwa 300 Querbinder und sei darauf bedacht, keinen zwei Mal hintereinander an der Uni zu tragen. Dazu hat er denn auch ein ausgeklügeltes System: «Ich habe zwei Schubladen. Jedes Mal, wenn ich eine Fliege aus der einen Schublade nehme, kommt sie am Abend in die andere. Sobald ich durch bin, geht es in die andere Richtung.» Logistisch eine Herausforderung, vor allem wenn man die drei Wohnorte bedenkt. Notabene sind alle 300 Stück zum Selberbinden, keine vorgefertigten Fabrikate. Schuld am Hang zur Schleife ist übrigens Winston Churchill. Sein vorhin erwähntes Vorbild Frank Vischer hatte einmal das Vergnügen, mit dem früheren Premierminister zu Abend zu essen, wobei dieser ihm den Tipp gegeben habe, er solle sich blaue Fliegen mit weissen Punkten kaufen und sei dann «einfach angezogen». Daraufhin kaufte die damalige Frau Vischer ihrem Mann besagten Querbinder, und fortan schwor er auf die Fliege. Diese Geschichte hat Thomas Geiser so gut gefallen, dass auch er sich dem charakteristischen Stoffband zuwandte.

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Zum Abschluss bitten wir ihn um einen Blick in seine persönliche Kristallkugel. In fünf bis zehn Jahren werde er pensioniert sein und mehr Zeit im Tessin verbringen. «Ich nehme an, ich werde immer noch aktiv sein, immer noch an Gesetzeskommentaren mitarbeiten und vermutlich mehr reisen als heute.»

Professor Geiser - Herr der Fliegen

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54 prisma – November 2011


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BLOG 14.11.11 / Das üble Spiel mit unserem Verstand

CAMPUS ONLINE

Das prisma Dozentenrating

Von Joana Urlau

Japanische Träume Was für Träume haben japanische Studenten? — Eine kurze Umfrage an der Hosei Universität in Tokyo.

Sich letzhin wieder einmal gefragt, warum du diese Vorlesung besuchst? Oder die nächste Vorlesung dick in der Agend vorgemerkt? Lass dir nicht nur Noten verpassen, verpass deinen Dozenten selber welche! Vote für deine Dozenten auf prisma-hsg.ch/campus/dozentenrating

Dozentenrating Top Dozenten

Werbung soll Bedürfnisse wecken und dazu verleiten ein Produkt zu kaufen, welches bis dahin nicht bekannt war und nicht gebraucht wurde. Seit vielen Jahren trickst die Werbeindustrie nun schon, um das Produkt so gut wie möglich vermarkten zu können. Obwohl die Tricks der Werbeindustrie durchaus bekannt sind, lassen sich Konsumenten immer wieder von falschen Versprechungen einlullen. Gerade die Beautyindustrie nutzt die Möglichkeiten der heutigen Technik exzessiv, um ihre Produkte besser vermarkten zu können. Der Wunsch nach langen Wimpern veranlasst die Konsumentinnen zum Beispiel dazu, jeden kritischen Gedanken aus ihren Köpfen zu verbannen, ganz in der Hoffnung, dass die Mascara dieses Mal hält was sie verspricht. Dass die in der Werbung zu sehenden Models ausschliesslich falsche Wimpern tragen, wird gekonnt übersehen. Erst kürzlich in den Schlagzeilen waren Julia Roberts und Christy Turlington als Werbegesichter für Lancôme und Maybelline. Die bis zur Unkenntlichkeit retuschierten und weichgezeichneten Gesichter der Models, die beide Anfang Vierzig sind, liessen sogar hartgesottene Beautyjunkies empört aufschreien. Grossbritannien ging hier als gutes Beispiel voran und erliess ein Verbot für Julia und Christy, um vor allem jüngere Konsumentinnen davor zu bewahren, einem falschen (weiter...)

TOP 3 Overall 1. Christoph Frei (5.72) 2. Stefan Kull (5.61) 3. Christian Fieseler (5.56)

Kein Facelifting für das neue Schweizer Parlament Die Schweiz hat gewählt – und dabei nichts völlig neues eingekauft. Ein Revue.

«Au revoir, mon cher été!» Eine Ode an den verregneten Sommer, der trotzdem viel zu schnell vorbei war.

Lieber Tobias Du übersiehst zwei Dinge. Das eine Faktum hättest du dem verlinkten Artikel in der Süddeutschen direkt entnehmen können, das zweite ist ein kleines Detail grosser Bedeutung. Bei letzterem spreche ich darüber, dass Kritik an Papandreous Vorstoss nicht nur eine Frage des Inhalts, sondern auch eine Frage des Vorgehens war. Die ganze EU ist seit Monaten in Aufruhr, weil etwas schief läuft, an

Antworten

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Party Pictures Party besucht und keinen blassen Schimmer wie der Abend geendet hat? Oder suchst du einfach nur eine Erinnerung zum Einrahmen? prisma hat sie alle – Lasst die letzten Parties nochmals Revue passieren.

Kommentiert: Tristan zu «Ein Votum für das Votum»

dem Griechenland, sagen wir mal, mehr beteiligt ist, als andere (weiter...)

Meiste Ratings 1. Martin Kolmar (44#) 2. Sascha Spoun (25#) 3. Dirk Schäfer (23#)

Alle Partybilder findest du auf prisma-hsg.ch/campus/partypics

Neuste Bilder Semester Break


Antonio Netti

Herausgepickt

Pietro Benintendi

«Kommt täglich in die Mensa essen!»

Antonio Netti Alter

39

Herkunft

St. Gallen

Lieblingslektüre

Sportzeitschriften

Lieblingsmusik

Lieder aus der Hitparade

Lieblingsgericht

Lasagne

Herr Netti, Sie sind Restaurantleiter der HSG-Hauptmensa. Welche Funktion haben Sie inne und was sind Ihre Aufgaben in diesem Beruf? Meine Hauptfunktion ist es, den Mensabetrieb zu organisieren, sicherzustellen, dass die richtigen Leute am richtigen Ort sind, dass das Essen zur richtigen Zeit da ist und dass die Qualität stimmt. Aber auch die Führung der Mitarbeiter, nicht nur hier in der Mensa, sondern auch in der Cafeteria A und B, sowie administrative Aufgaben – das Abrechnen, die Tages- und Monatsabschlüsse – gehören dazu. Seit wann arbeiten Sie an der HSG und was brachte Sie hierher? Die Migros ist seit dem 1. September 2010 hier an der HSG. Ich arbeite schon seit 17 Jahren bei der Migros und habe verschiedene Restaurants geleitet, bevor ich die Stelle an der HSG bekommen habe. Was macht für Sie die HSG-Mensa zu einem besonderen Arbeitsplatz? Besonders ist, dass wir sehr viele Stammgäste haben. Wir haben jetzt zirka 7'200 eingeschriebene Studierende. Die meisten davon kommen hierher und essen bei uns. Die besondere Herausforderung dabei ist, die Leute immer wieder mit etwas Neuem zu überraschen, da sie fast täglich bei uns essen. Was lieben Sie an Ihrem Beruf? Den Kontakt mit den Menschen, vor allem den Umgang mit jungen Leuten. Das gefällt mir sehr gut. Wo sehen Sie bei der HSG-Mensa noch Verbesserungspotenziale? Wir sind seit einem Jahr an der HSG und versuchen, die Abläufe und das Angebot ständig zu verbessern. Wir sind immer froh über Kundenreaktionen,

wenn etwas mal nicht so gut war. Aber wir freuen uns natürlich auch sehr, zu erfahren, dass etwas gelungen ist. Feedback ist uns sehr wichtig, damit wir uns verbessern können. Ich denke, das Angebot ist dabei immer ein Thema und auch die Preise. Sie haben eine eher administrative Position inne. Wie viel Koch steckt noch in Ihnen? Ich koche auch hier in der Mensa. Zu Hause stehe ich am Wochenende hinter dem Herd. Unter der Woche, wenn ich den ganzen Tag an der HSG bin, kocht allerdings meistens meine Frau. Meine Kinder fangen jetzt auch an. Was ist Ihr persönliches Rezept für eine ausgeglichene Work-Life-Balance? Wichtig ist, dass man neben der Arbeit ein Hobby hat oder sich auf etwas freuen kann. Bei mir ist das zum Beispiel der FC St. Gallen. Ich freue mich auf die Fussballspiele, nicht nur die des FCSG, auch im Allgemeinen. Oder etwas zu unternehmen, vor allem mit der Familie. Da ich von Montag bis Freitag so lange weg bin, ist es wichtig, dass wir das Wochenende gemeinsam verbringen. Welche Visionen und Ziele haben Sie für die HSG-Mensa? Ziel ist, dass wir so weitermachen wie bisher und dass wir uns ständig verbessern, die Studierenden mit unserem Angebot täglich neu überraschen können, auch mit verschiedenen Aktionen, die wir planen. Es ist sehr wichtig, dass das auch in Zukunft so ist. Möchten Sie den St. Galler Studierenden etwas mit auf den Weg geben? Kommt täglich in die Mensa essen. Mein Team und ich freuen uns auf euren Besuch.

Anna-Luise Beulshausen

November 2011 – prisma 57

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«Gorillas müssen draussen bleiben» 06.42 Uhr, Bahnhof St. Gallen. Der Zug Richtung ZürichFlughafen fährt ruckelnd an und unser in Philipp Mosimanns Terminkalender gequetschtes Interview nimmt Fahrt auf: Bei einem Frühstück im Bordrestaurant steht uns der CEO des Konzerns Bucher Industries Rede und Antwort. Vladimir.Mijatovic@student.unisg.ch Ressortleiter Thema

ETH oder HSG – wer verändert die Welt? Philip Mosimann: Beide. Es braucht die betriebswirtschaftliche Seite – das ist die HSG – und es braucht die technische Seite – das ist die ETH. Ein Unternehmen sollte sich nicht einseitig auf eine dieser Seiten konzentrieren. Egal auf welche der beiden. Wo haben Sie heute Kontakt zu HSGlern? An mehreren Positionen: CFOs auf Konzern- und Divisionsstufe, M&A und Leiter Konzernentwicklung sind bei uns mit HSGlern besetzt. Das sind auch die klassischen Einstiegsgebiete – aber auch in den Bereichen Konzernentwicklung und Strategie sind einige Mitarbeiter Absolventen der Universität St. Gallen. Wo sehen Sie den Unterschied zu anderen Absolventen? Sowohl von anderen Fachbereichen als auch von BWLern anderer Unis? Inhaltlich ist die HSG sicher eine der Universitäten, die in Europa spitze ist. Ich würde sie jetzt nicht ganz oben aufs Podest heben, aber sie gehört sicher zu den besten europäischen. Was die ETH angeht, ist diese im technischen ebenfalls sehr gut. Die ETH-Absolventen haben aber immer noch ein Manko in Bezug auf Projektleitung, Management und Finanzen. Allgemein sehen sich HSGler schon mal mit dem Vorwurf der Selbstverliebtheit konfrontiert. Würden Sie da zu mehr Demut raten? Auf jeden Fall. Das gilt aber für jeden

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Tobias.Palm@student.unisg.ch Ressortleiter Campus

Universitätsabsolventen; ohne «learning on the job» werden Sie eine 40-jährige Berufslaufbahn kaum erfolgreich meistern können. Bei Ihnen werden es wahrscheinlich sowieso eher 50 Jahre, was noch mehr «lebenslanges Lernen» voraussetzt. Grundsätzlich muss man aber in Bezug auf die HSG-Absolventen sagen, dass die Meinung vorherrscht, man könne mit einem Abschluss dort gleich zu Beginn im Unternehmen zwei, drei Hierarchiestufen überspringen. Das ist eine absolute Illusion. Im Job muss man sich bewähren und es zählen andere Qualitäten, beispielsweise: Kann ich meine Leute motivieren? Kann ich sie zielgerichtet führen? Wie steht es denn grundsätzlich um BWLAbsolventen in der Industrie? Sie haben ja einen naturwissenschaftlich-technischen Abschluss. Ist der technische Abschluss ein Muss, um in der Industrie Erfolg zu haben? Natürlich ist der naturwissenschaftliche Absolvent hier im Vorteil, aber auch als Ökonom können Sie es weit bringen. Sie müssen aber mindestens sehr technikinteressiert sein, um die Abläufe voll und ganz zu verstehen – sonst kann Ihnen jeder das Blaue vom Himmel erzählen. Wenn wir uns nun bei Ihnen bewerben würden, was wären die Eigenschaften, die Sie sich wünschten? Ganz falsch wäre es, in einem ersten Gespräch sofort Forderungen zu platzieren. Viel wichtiger ist es, dass Sie sich gut präsentieren, Feinheiten in Bezug auf ihre Person herausarbeiten und natürlich

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Interesse am Job beweisen. Das bedeutet weniger Elitegehabe, wie es teilweise an der HSG praktiziert wird, sowie mehr persönlichen Einsatz. Also Taten statt Worte. Seit einigen Jahren sind Fachkräfte fast genauso umkämpft wie die so genannten seltenen Erden ... In der Schweiz herrscht ja traditionell Fachkräftemangel. Deswegen sind wir auch von ausländischen Fachkräften abhängig. Viele Positionen in unserer Unternehmung werden beispielsweise von Deutschen ausgefüllt. Die ganzen Diskussionen, die Sie in Bezug auf Ausländer in den Zeitungen mitverfolgen können, sind einfach politisch und durch den Wahltermin bedingt. Halten Sie das für einen falschen Ansatz? Das ist ganz einfach verlogen. Insbesondere diese Sehnsucht nach der Zeit in den frühen 90ern, als man die bilateralen Verträge noch nicht hatte. Es war einfach unglaublich schwer, an ausländische Fachkräfte zu kommen, aufgrund der Kontingentierung der möglichen Zuzüge. Das war eine Bürokratie sondergleichen und das bremste die Wirtschaft enorm. Sie plädieren also für einen freieren Markt? Auf jeden Fall. Die Politik hat einfach ganz andere Reaktionszeiten als die Wirtschaft. Das können wir ja an Frau Merkel bestens beobachten. Man kann nicht erst abwarten, bis man den Willen der Masse bis ins letzte Detail herausgefunden hat, und dann erst Position beziehen! In der


Wirtschaft müssen Sie Entscheidungen treffen, noch bevor der Mainstream diese erkennt. Weitsichtigkeit ist hier geboten. Aber Weitsichtigkeit ist nicht unbedingt ein Merkmal der Wirtschaft, wie wir alle jetzt an der Finanzkrise sehen können. Das stimmt. Aber das betrifft in erster Linie die Finanzbranche. In der Industrie, oder im produzierenden Gewerbe allgemein, sind Sie ohne Weitsichtigkeit verloren. Die Entwicklung einer Strassenkehrmaschine beispielsweise beinhaltet drei Jahre Entwicklung, eine ein- bis zweijährige Testphase des Prototyps, dann erst beginnt der Verkauf und nach sieben bis acht Jahren merken Sie, ob die Maschine ein Erfolg war. Das führt zu einer ganz anderen Werthaltung, als man dies aus der Finanzbranche gewohnt ist. Sie wirken sehr kritisch gegenüber der Finanzbranche. Was sind denn Ihre Erfahrungen mit Vertretern dieser Branche? Ach wissen Sie, da kommen die Broker und sagen mir: «Haben Sie gesehen, Ihr Kurs ist 50 Rappen hochgegangen!» Da sag ich denen: «Ja und, morgen geht er 50 Rappen runter und am Tag danach ist wieder was anderes.» Es ist einfach schwierig, wenn ein kompletter Wirtschaftszweig die Bodenhaftung verloren hat. Es gibt zu wenig reale Wertschöpfung an den Finanzmärkten, das ist das Problem. Trotzdem gibt es Parallelen zwischen der Finanzund der Industriebranche, zum Beispiel beim Thema «Leadership».

Abschliessend würden wir Sie gerne nach einem Rat fragen, den Sie einem «typischen» HSGler mit auf den Weg geben würden. Folgendes ist wichtig: durchaus selbstbewusst sein, wissen um das lebenslange Lernen, und dass man mit eigenem Einsatz seine Zukunft weitgehend selbst bestimmen kann.

Pietro Benintendi

Was heisst Leadership bei Bucher? Zuallererst möchte ich kurz sagen, was es nicht heisst: den Gorilla raushängen lassen. In meinen elf Jahren in Führungspositionen bei Bucher habe ich nur zweimal direkt Befehle gegenüber Mitarbeitern durchsetzen müssen. Ganz kurz zusammengefasst könnte man Leadership mit drei Kerneigenschaften treffend beschreiben: Persönlichkeit, Fähigkeiten in Analyse und Synthese und Zuverlässigkeit. Selbstverständlich hilft es auch, Sachwissen zu haben. (lacht)

November 2011 – prisma 59

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60 prisma – November 2011


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Das Gerücht Neuer Masterstudiengang an der HSG

Die HSG baut ihr Master-Angebot aus: Ab Herbstsemester 2011 werden in St. Gallen Masterstudiengänge in Marketing, Dienstleistungs- und Kommunikationsmanagement, Unternehmensführung sowie Organisation und Kultur angeboten. Da die grüne Bibel nicht nur das Leitbild jedes Studenten, sondern auch das der Universität darstellt, wird diese im Hinblick auf den Produktlebenszyklus nicht untätig verharren, bis die Sättigungs- und Reifephase ihrer gerade eingeführten Studiengänge eintritt: Ab dem Herbstsemester 2012 wird ein den kundenspezifischen Bedürfnissen gerecht werdender Masterstudiengang nach dem Ansatz der market-based view den Nebel des Rosenbergs erblicken: der «Master in tax dodging and money laundering» (MTAXMOL). Ziel dieses Masters ist eine Symbiose von theoretischem Fachwissen und praxisbezogenem Handeln, welche nach vier Semestern vollzogen ist. Werden im ersten Teil eher grundlegende Materien wie länderspezifisches Risikomanagement oder optimierte Rechnungslegung behandelt, so ist nach der bestandenen Teilprüfung ein Austauschsemester Pflicht;

dank Kooperationen der Universität mit verschiedenen Institutionen des öffentlichen und privaten Rechts können die Studierenden im «Eine Hand wäscht die andere»-Austauschprogramm wahlweise in Liechtenstein, Panama und den Cayman Islands wertvolle Erfahrungen sammeln. Im Rahmen der Masterarbeit gilt es, eine Briefkastengesellschaft zu gründen, wobei den Studierenden Experten aus Wissenschaft und Praxis mit Rat und Tat zur Seite stehen. Da man davon ausgehen darf, dass sich besonders deutsche Studierende für diesen Masterstudiengang interessieren werden, wurden seitens der Universität bereits Präventivmassnahmen getroffen. So wurde im Vorfeld ein besonderes Steueramnestieabkommen mit der Bundesrepublik Deutschland abgeschlossen. Ausserdem konnte die neue liechtensteinische Privatbank NLGT dazu bewogen werden, auf Computersysteme ohne CD-Laufwerk umzusteigen. Für die Anmeldung für MTAXMOL genügt die Einreichung der aktuellen Steuererklärung. Formulare für Selbstanzeigen werden in der ersten Woche ausgeteilt.

Finde die 10 Unterschiede...

62 prisma – November 2011

Samir Mutapcija


Zuckerbrot & Peitsche

Zuckerbrot UniSport 2.0

Sport entlastet, reinigt Körper und Geist. Niemand weiss das besser als die Scharen an Studierenden, die jeden Tag in die Sporthalle pilgern, um sich im umfangreichen Angebot des Uni Sports den eigenen Schweiss auf die Stirn zu treiben. Nachdem sich prisma im letzten Semester bereits mit lobenden Worten den Trainingsmöglichkeiten an unserer Universität zugewandt hat, konnten wir zufrieden feststellen, dass sich die Verantwortlichen auf diesen Lorbeeren keineswegs ausruhen, sondern dass weiter an der tollen Performance gefeilt wird. So gelingt es dem Unisport nicht nur, eine tolle Figur auf dem Spielfeld abzugeben, auch abseits der Kernkompetenz weiss man zu überzeugen. Auf den Zug

Peitsche

Anrechnungsstelle für unzurechenbar erklärt

Wenn man als HSG-Studierende/r ein Austauschsemester absolvieren möchte, sollte man im Idealfall bereits im Voraus mit der Zulassungs- und Anrechnungsstelle (ZAS) abklären, welche Veranstaltungen für welchen Bereich angerechnet werden können. Das über das Serviceportal zusammengestellte Anrechnungsgesuch muss zunächst per Mail an die ZAS eingereicht werden. Danach heisst es erst einmal abwarten, denn eine Antwort erhält man frühstens nach zwei bis drei Wochen. Da meistens nicht alle gewünschten Kurse anrechenbar sind, kann sich der Mailkontakt schon mal über mehrere Monate erstrecken, was ziemlich mühsam sein kann. Wenn man dann im Austausch von anderen HSG-Kommilitonen erfährt, dass ihnen eine Veranstaltung, die einem selbst von der ZAS nicht anerkannt wurde, angerechnet wird, kann die anfängliche Vorfreude auf ein Semester fern von der HSG schnell verblassen. Wer das Gefühl hat, dass ein einfaches

der digitalen Revolution ist man vorbildlich aufgesprungen und bietet mit einem für universitäre Verhältnisse überdurchschnittlichen Facebook-Auftritt jedem Sportbegeisterten beste Möglichkeiten, sich zu informieren und in die Community einzutauchen. Ob Neuigkeiten zu Öffnungszeiten, Bilder der jüngsten Sportereignisse oder ein digitaler Rundgang durch den Kraftraum: Wem danach ist, der kann sich hier richtig austoben. Hinzu kommt ein Livestream des Kunstrasenfelds vor der Sporthalle, so dass schon zuhause geprüft werden kann, ob der Gang zur Spielstätte sich gerade lohnt. Für so viel Modernisierungsbereitschaft gibt es von uns zwei Daumen nach oben.

Sebastian Greulich

Telefonat mit der ZAS Klarheit schaffen kann, wird abermals enttäuscht. Denn die Leitungen sind nur von Dienstag bis Donnerstag von 10.00 Uhr bis 11.30 Uhr geöffnet und meistens die ganze Zeit belegt. Umso überraschender scheint es, wenn man einen Tag vor der Prüfungsanmeldung eine Mail von der ZAS im Posteingang vorfindet, in der einem mitgeteilt wird, man habe doch noch einen Kommilitonen in der Datenbank gefunden, dem der gleiche Kurs angerechnet wird, und dass dieser einem deshalb jetzt auch anerkannt werde. Schön und recht; von einer angeblichen EliteUniversität könnte man jedoch mehr Gleichbehandlung erwarten. Insbesondere deshalb, weil sich solche Angelegenheiten schnell herumsprechen und nur zu Ärger und Frustration führen. Definitiv das Letzte, womit man sich im Austauschsemester befassen will.

Melanie Frick

November 2011 – prisma 63


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prisma 336 - Illusion  
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