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PUBLISHING Was erfolgreiche Web-to-Print-Lösungen auszeichnet – darauf fand das siebte Web-to-Print-Forum in Mainz Anfang November eindeutige Antworten aus der Praxis: Nutzen und Gewinn für den Kunden müssen im Vordergrund stehen und nicht die Technologie. Durch permanentes Lernen von den Bedürfnissen der Benutzer werden profitable Systeme kontinuierlich weiterentwickelt.

W-to-P IN THEORIE UND PRAXIS Bundesverband Druck und Medien und zipcon consulting veranstalteten am ersten Tag des zweitägigen Forums zwei parallele Workshops für Einsteiger und fortgeschrittene Praktiker. Im Workshop für Fortgeschrittene wurden die Themen Preflight, Farbmanagement und Fonts behandelt. Dietrich von Seggern von callas software, der zum Thema Preflight referierte, hält eine Qualitätskontrolle von komplexen Dokumenten für unverzichtbar. In Verbindung mit automatischen Korrekturfunktionen lässt sich ein hohes Maß an Produktionssicherheit erreichen. Am Beispiel einer Logo-Integration zeigte er Anpassungen wie Weißraum ent-

fernen, Beschneiden, auf die Bildbox skalieren, Größe verändern und Druckmarken entfernen. Der Vortrag war sehr kenntnisreich, die Verbindung zu Web-to-Print-Konzepten in der Praxis wäre allerdings wünschenswert gewesen. Einen klaren Bezug zum Thema Web-to-Print fand Florian Süßl, der einen fundierten Vortrag über Farbmanagement hielt. Der Farbraum sRGB ist sinnvoll für die Erzeugung und Bereitstellung von RGB-Daten im Internet. In einem Webshop, in dem Benutzer Bilddaten hochladen können, sollte in der Regel ein sRGBProfil zugewiesen und eine drucksimulierte Vorschau erzeugt werden.

Zehn Anbieter hatten jeweils sieben Minuten Zeit, aktuelle Lösungen und neue Funktionen zu präsentieren: Be.Beyond GmbH & Co. KG, André Hausmann: Mit dem neuen Online Print Creator lassen sich Drucksachen im Webbrowser personalisieren; Referenzanwendung ist www.printboy.de. Brandmaker GmbH, Mirko Holzer: Optimiert wird die komplette Wertschöpfungskette im Marketing von Unternehmen. Highlights sind der Marketingplaner und das Media-Asset-Management. BWH GmbH, Christian Pahl: Printbox ist ein Web-to-Print-System für editierbare Gestaltungsvorlagen. Das Konzept »Noir now« ist ein ASPModell für den Online-Zugriff auf Standard-Software. ContentServ, Kerstin Brandenburg: Neu ist das Marketing Service Portal, das den gesamten Marketingprozess unterstützt, mit Anbindung an Buchungssysteme für Anzeigen, Großplakate und Mailings. Hiflex GmbH, Thomas Reichhart: Wichtige Funktionen des Hiflex Webshops sind der Produktkonfigurator, die Echtzeitkalkulation, blätterbare Produktansichten, die Online-Gestaltung, der optionale callas-Pre-

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www.desktop-dialog.de · 1/2-2010

Für die Druckausgabe ist es erforderlich, eine PDF/X-Datei mit ICC-Profilen zu erstellen. Durch das Thema Schriften führte Silke Ploog von der Fontshop AG. Fontshop ist ein Händler, der Lizenzen für Schriften von 70 Schriftenhäusern vertreibt und berät. Das Thema führte zu einer lebhaften Diskussion, bei der zahlreiche Fragen des Publikums beantwortet wurden: Frage: Können früher erworbene »einfache« Schriftlizenzen für Webto-Print-Anwendungen verwendet werden? Silke Ploog: Nein, die Grundlizenzen erlauben nur das lokale Editieren und sind auf den Kunden als Nutzer begrenzt. Frage: Welche Schriftlizenzen sind für den Einsatz in einem Webshop notwendig? Silke Ploog: Für den Einsatz in einem offenen Webshop sind spezielle Webserver-Lizenzen erforderlich. Damit sind das Online-Editieren für einen unbegrenzten Anwenderkreis und das editierbare Einbetten erlaubt. Frage: Wie viel kostet eine Webserver-Lizenz? Silke Ploog: Fontshop bietet ein spezielles Webserver-Lizenzpaket an: 50 Fonts kosten für die Nutzungsdauer von einem Jahr 1.990 Euro,

flight, Sammelformen, die JDF-Schnittstelle. Kinetik GmbH, Andreas Kurzac: Neue Entwicklungen in 2009: Mailingfunktion, E-Mail-Newsletter, Shop-Integration, Rechte-Management, Single-Sign-on, 3D-Produktansichten. Konzept-iX, Holger Schmidt: Neuheiten und Verbesserungen: Kampagnenübersicht, Kalendermodul, Postershop, Workflow-Steuerung, Versionierung und Änderungsverfolgung, Rich Internet Application Desktop-Integration, Zahlungsmodule für den Shop, Zeitzonenmanagement. Printdata GmbH, Frank Siegel: Der Online Print Shop OPS bietet für alle Geschäftsmodelle eine Lösung: B2B, B2C, Online Editieren, Datenupload oder Warehouse mit festem Warenangebot. Der Online-Editor kann in andere Systeme integriert werden. trivet.net, Wolfgang Boretius: Mit der Funktion »Sammlungen« lassen sich Dokumente mit automatischer Paginierung sortieren. Das PDFEditieren ermöglicht u.a. das Bildbeschneiden und Verschieben, Größe ändern und Text auszeichnen.


PUBLISHING das sind rund 40 Euro pro Font und Jahr. Frage: Wenn das Online-Editieren von Dokumenten nur Inhouse in einem Unternehmen erfolgt, welche Lizenzen müssen dann eingesetzt werden? Silke Ploog: In diesem Fall kann eine Multiuser-Lizenz infrage kommen, die für einen begrenzten autorisierten Anwenderkreis gültig ist. Der Preis für diese Lizenz ist volumenabhängig, zum Beispiel kosten 25 Arbeitsplätze 125 Euro (5 Euro pro Arbeitsplatz), mit einem lebenslangen Nutzungsrecht. Frage: Gilt die Multiuser-Lizenz auch für Unternehmen mit mehreren Standorten? Silke Ploog: In bestimmten Fällen ist dies möglich, z.B. bei Tochtergesellschaften ab 51% Beteiligung. Ausgenommen sind Franchises oder externe Partner, dann ist wieder die Webserver-Lizenz erforderlich.

Adobe oder Quark? Die beiden wichtigsten Vertreter der Anbieter von Publishing-Serverlösungen, Ingo Eichel von Adobe und Markus Moranz von Quark, traten gemeinsam auf. Beide demonstrierten Einigkeit und betonten die Gemeinsamkeiten ihrer Systeme in Bezug auf die Funktionen und den Preis, der im oberen Bereich bei circa 30.000 Euro liegt. Quark setzt verstärkt auf Workflow-Lösungen in großen Unternehmen, die Lösungen von Adobe hingegen werden ausschließlich von Partnerfirmen entwickelt.

Einfach und kostentransparent Der zweite Kongresstag zeigte ein breites Spektrum interessanter Web-to-Print-Lösungen. Mit titelhelden.de von der Deutschen Post AG

können Zeitungen für Privat- und Geschäftskunden mithilfe themenbezogener Vorlagen einfach erstellt werden. Eine erste Testphase führte zu wichtigen Weiterentwicklungen: Testen des Systems auch ohne Registrierung, gleichzeitiges Editieren und Chatten mehrerer Benutzer, Bildtransfer per Drag and Drop und das Bewerten von Vorlagen. Titelhelden ist eine Eigenentwicklung auf PDFBasis; den Druck übernehmen externe Dienstleister. Jörg Scheffler von themediahouse, einem Digitaldruck-Mediendienstleister, demonstrierte printmaileasy.de, ein Portal für personalisierte Standard-Mailingprodukte, das mit Printdata als Softwarepartner entwickelt wurde. Professionelle Mailings lassen sich damit auch für kleine und mittlere Unternehmen kostengünstig realisieren. Besonderheiten sind die patentierten, vorkonfektionierten Papiere mit Perforation und Klebestellen und ein Laserschneidsystem zum Freischneiden von Konturen in den Mailings. Die Gesamtkosten des Portals schlüsselte Scheffler wie folgt auf: 15% Web-to-Print-Software, 60% interner Aufwand (Personal) und 25% Marketinganteil.

Rechnung nur mit Inkasso Aus dem Alltag eines Mediendienstleisters, der einen offenen Webshop für Privatkunden betreibt (printplanet.de), berichtete Wilhelm Soll von digital print. Bei printplanet.de gibt es rund 60 Produkte, von der Acrylglas-Fotoplatte bis hin zu Zollstöcken. Der Shop ist bunt, aber gerade deshalb verkaufsfördernd. Für Soll ist die Benutzerführung in nummerierten Schritten besonders wichtig. Das Lernen vom Kunden führte zu einer speziellen Funktion: Ein T-Shirt wird nur einmal ausgewählt und kann mit unterschiedlichen Bestellmengen für verschiedene Größen

in den Warenkorb übernommen werden. Bei printplanet.de ist das Bezahlen auf Rechnung möglich; Soll rät hier zum Einsatz eines InkassoUnternehmens, das hilft, die Zahlungsausfälle auf einstellige Prozentsätze zu reduzieren. RTL interactive realisierte gemeinsam mit der Druckerei Wolf aus Ingelheim das Portal kochbar.de. Individualisierte Kochbücher können hier für eine Online-Community erstellt werden, die aus rund 500.000 registrierten Benutzern besteht. Eine schwierige Herausforderung war die bestehende Datenstruktur, die nicht mehr verändert werden konnte. So kann ein Rezept aus beliebig vielen Zutaten bestehen, die in das Layout integriert werden müssen. Technische Basis ist das PDF-basierende System trivet.net.

Fazit Das Forum rückte die bisher wenig beachteten Themen wie Preflight, Farbmanagement und Fonts ins Rampenlicht. Es wäre wünschenswert, wenn sich die im Forum genannten Anforderungen künftig in Web-to-Print-Systemen wiederfinden lassen. Die Lösungen aus der Praxis zeigten, dass für den Aufbau lukrativer Web-to-Print-Portale viele Erfahrungen gesammelt und Schwierigkeiten überwunden werden müssen. Eine weitere wichtige Erkenntnis der Referenten war, dass der Aufwand an Zeit und Kosten nicht unterschätzt werden darf. Mediendienstleister sollten dennoch nicht länger zögern, sich Märkte in der Online-Welt zu erschließen. Ira Melaschuk

www.desktop-dialog.de · 1/2-2010

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Web 2 Print  

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