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137/ Dez. 2013

Das lesbisch/schwule Österreichmagazin

Putinmyass! Lesben & Schwule im Protest gegen Putin.

S. 29-31

Ein Gemeinschaftsprojekt von

Preis 0,75 € | GZ 02Z031968 S | Österreichische Post AG | Sponsoring Post


! AUSVERKAUFT


PRIDE

Editorial Liebe LeserInnen!

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in intensives Jahr geht dem Ende zu. Vieles an Gleichberechtigung ist in Österreich oder auch weltweit umgesetzt worden, aber auch Rückschläge und Verschlechterungen mussten zur Kenntnis genommen werden. Minderheitenrechte und -positionen sind nicht nur ein notwendiger wesentlicher Teil einer vielfältigen Gesellschaft, sie müssen auch immer aufs Neue zum Leben erweckt werden. Darum sind die Reaktionen auf die homophoben Gesetze in Russland und auch individuelle Gestaltungsaktivitäten die Titelgeschichte dieser Ausgabe (Seite 29-32), da sie zeigen, dass auch mit kleinen Gesten Veränderungen möglich sind. Mut, Enga­ gement und Courage sind daher auch für 2014 immer noch gefragt. Die PRIDE Redaktion und ihre HerausgeberInnenvereine haben auf jeden Fall allen Grund mit positivem Blick in das neue Jahr zu gehen: Die HOSI Tirol macht einen ausführlichen Rückblick auf der Jahr 2013 (Seite 12), die HOSI Linz ist heftig am Renovieren

und auch Feiern in den neuen Räumlichkeiten (Seite 20) und die RosaLila PantherInnen zelebrieren am 22. Februar ihren 25. Tuntenball (Seite 27). PRIDE bedankt sich bei allen LeserInnen, InseratkundInnen und UnterstützerInnen im heurigen Jahr und freut sich auf zahlreiche Unterstützung im Jahr 2014 – nur damit kann unser Magazin auch finanziell überleben. n In diesem Sinne – to Russia in love and the rest of the world Gerhard Niederleuthner

SPENDENKONTO Kennwort: PRIDE UniCredit Bank Austria AG, BLZ 12 000, Konto-Nr: 04925603500; IBAN: AT69 1100 0049 2560 3500, BIC: BKAUATWW

IMPRESSUM Offenlegung laut §25 Mediengesetz: Medieninhaberin, Herausgeberin und Verlegerin: „Verein zur Förderung der Information über Schwule, Lesben und TransGender-Personen”, Gerstnerstraße 13, 4040 Linz (Vorstand: Vorsitzender: HansPeter Weingand, Vorsitzender-Stellvertreterin: Isolde Messerklinger, Schriftführer: Jürgen Preisegger, Finanzreferent: Gernot Wartner) ZVR: 993540699 Zulassungsnummer: GZ 02Z031968 S, „Sponsoring Post“ EigentümerInnen: Homosexuelle Initiative Linz, Postfach 24, 4041 Linz (Vorstand: Vereinssprecher: Rainer Bartel, Finanzreferent: Bernd Slabihoud, Organisationsreferent: Daniel Greb); Homosexuelle Initiative Tirol, Kapuzinergasse 43, 6020 Innsbruck (Vorstand: Obmann: Markus Aigner, Kassier: Jürgen Preisegger, Schriftführerin: Sarah

Milena Rendel); RosaLila PantherIn­nen (Vorstand: Vorsitzende: Martina Weixler, Kassier: Gernot Härtel, Schriftführerin: Sabine Schelch) und Stop Aids – Verein zur Förderung von sicherem Sex (Vorstand: Vorsitzender: Kurt Zernig, Kassier: Hans-Peter Weingand, Schriftführer: Martin Gössl), beide: Annenstraße 26, 8020 Graz Redaktionsleitung OÖ: Gerhard Niederleuthner Redaktionsleitung Stmk.: Hans-Peter Weingand Redak­t ionsleitung Tirol: Markus Aigner Redaktionsanschrift: PRIDE, Gerstnerstr. 13, 4040 Linz; Belichtung und Druck: Der Druck Partner, Wels; Auflage: 7000 Stk. Redaktion: Web: www.pride.at, Mail: redaktion@pride.at, PRIDE, Gerstnerstr. 13, 4040 Linz; PRIDE Nr. 137/Dezember 2013 Cover: „To Russia with love“

torussiawithlove.at Layout: Gerhard Niederleuthner, Isolde Messerklinger Redaktion: Markus Aigner, Rainer Bartel, Thomas Koller, Isolde Messerklinger, Gerhard Nieder­leuthner, Heinz Schubert, Gernot Wartner, Hans-Peter Weingand MitarbeiterInnen: Markus Aigner, Rainer Bartel, Klaus Binder, Christoph Fuchs, Thomas Koller, Jürgen Preisegger, Gerhard Niederleuthner, Iris Rendel, Oliver Ritter, Gernot Wartner, HansPeter Weingand, Kurt Zernig Redaktionsschluss: PRIDE Nr. 138/Feb. 2014: Sa., 04. Jänner 2014 Spendenkonto: UniCredit Bank Austria AG, BLZ 12 000, Konto-Nr: 04925603500; IBAN: AT69 1100 0049 2560 3500, BIC: BKAUATWW / Kennwort: PRIDE

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PRIDE

Inhalt

Vorarlberg Coming-Out-Day 23

Österreich Sieg der Vernunft 06 Nach der Wahl ... 08 Mr. Courage 09 Splitter 10

LEHRERiNNEN-FORTBILDUNG

Steiermark LehrerInnen-Fortbildung 24 Männerstammtisch 24 Queer Unifest 25 So ein Frauenzimmer! 26 Spass mit Gummi 26 Nostalchic – Anything Goes 27 Termintipps & Service 28

QUEERATTACK!

Tirol Ein ereignisreiches Jahr 12 Neu: Absolute Beginners 14 Queerattack! 15 Termintipps & Service 16 Kärnten „A Wahnsinn!“

17

Ausland Titel: „To Russia with Love“ 29 Nur Sport / Putin & der IOC / Protestsong & Protestaktion / Boykott / Russische „Gay Games“ To Russia With Love Austria – Austria Break The Silence

Trotz internationaler Proteste werden die Rechte homosexueller Menschen in Russland durch Gesetze immer mehr eingeschränkt. AktivistInnen bemerken eine Zunahme brutaler Übergriffe gegen Lesben und Schwule. Die Initiative “ToRussiaWithLoveAustria” vereint derzeit 16 Organisationen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. Die geplanten zahlreichen Aktivitäten zielen darauf ab, die Situation der betroffenen Menschen in Russland zu verbessern.

Hintergrund Im Juni 2013 verabschiedete das russische Parlament ein Gesetz, das sogenannte „homosexuelle Propaganda „ unter Kindern und Jugendlichen zu einer Ordnungswidrigkeit macht. Es ist zwar nicht offen im Gesetz erwähnt, aber es stellt in der Tat einen direkten Angriff auf die Rechte der freien Meinungsäußerung,Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit von Homosexuellen und TransgenderPersonen dar. Die Absicht der russischen Regierung ist es, jede Äußerung über Homosexualität in der Öffentlichkeit zu unterbinden.

Splitter 32 Tom Daley outet sich 33 Das Gesetz sieht saftige Strafen für diejenigen vor, die zur „Verbreitung von Informationen unter Minderjährigen über nicht-traditionelle sexuelle Ausrichtung“ beitragen oder „den gleichen gesellschaftlichen Wert von traditionellen und nicht-traditionellen sexuellen Beziehungen“ propagieren. Dieses Gesetz gilt auch für Ausländer, die mit bis zu 15 Tagen Haft und Ausweisung aus Russland bestraft werden. Diese Entwicklung ist deshalb so erscheckend, weil es einen Rückschritt in der Gesetzgebung darstellt. Russland hatte das „Werbeverbot“ 1994 aufgehoben.

Gesellschaft queerSCHLÄGE 34 Hauptsache queer 35 Die russischen Gesetzgeber ignorieren die massive Kritik aus der internationalen LGBT (LesbianGayBisexualTransgensder)-Gemeinschaft und ihren UnterstützerInnen in der Zivilgesellschaft. Die Türen in den Kreml sind geschlossen und Proteste stoßen auf taube Ohren. Russische Behörden scheinen die schädlichen Folgen der aufgeflammten Hexenjagd zu ignorieren bzw. zu tolerieren.

Es haben sich Gruppen in sozialen Netzwerken gebildet, welche starken Zulauf erleben, die zum Angriff auf LGBTs aufrufen. Als Ergebnis werden LGBTs Verfolgung, Erniedrigung sowie physischer und psychischer Gewalt ausgesetzt. Diese Taten werden auch oft dokumentiert und über diese sozialen Netzwerke im Internet ausgetauscht – als Warnung und als Aufforderung mitzumachen.

BAUSTELLENPARTYS

Oberösterreich Partys & Aktionen 18 Lauter Baustellen 20 Crowdfunding 21 Termintipps & Service 22

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Kultur Geschenktipps 36 Gesundheit Forderungen 37 Mixed Kontakte 38

FOTOS: HOSI TIROL, GERHARD NIEDERLEUTHNER, ROSALILA PANTHER/INNEN, TORUSSIAWITHLOVE.AT

PRIDE Nr. 137/Dezember 2013 Editorial & Impressum 03 Vor 20 Jahren 05


PRIDE

HTETE DARÜBER BERIC HREN... PRIDE VOR 20 JA HOSI-Info Nr. 17/Dez. 1993 Ein Teil der Berichterstattung war dem 3. Österreichischen Lesben- und Schwulenforum in Graz gewidmet, bei dem auch Lesben erstmals dabei waren. Dabei fand auch eine Podiumsdiskussion mit MedienvertreterInnen statt, die trotz Schwierigkeiten im Vorfeld („…über solche Themen berichten wir nicht!“ – Kronen Zeitung) letztlich mit zwei TeilnehmerInnen abgehalten wurde. Zeitgleich hat auch die HOSI Linz Zensur erlebt. Während der Redakteur von „Täglich alles“ bei der Diksussion in Graz ehrlich zugab, dass die Zeitung den LeserInnen nicht zumuten könne, beim Frühstückskaffee positive Berichte über Schwule zu lesen, weigerte sich die Redaktion des „Korrekt“, eine Kleinanzeige für die Junge HOSI zu schalten. Sie strichen die Wörter, „jung“ und „dynamisch“ und „Wenn du Lust hast“ aus der Kleinanzeige, sodass nicht mehr klar war, dass sich dies an interessierte Jugendliche richtete. Trotz mehrfacher schriftlicher Anfragen, wollte der zuständige Redakteur der Rundschau keine Begründung abgeben. Umso bekenntnisfreudiger war da das Liberale Forum, dessen Sprecherin Heide Schmidt erstmals die Gleichstellung der PartnerInnenschaften und die Abschaffung der diskriminierenden Strafrechtsparagrafen öffentlich zur Diskussion stellte. Aber auch das Linzer Landestheater zeigte Mut und brachte die Uraufführung von Felix Mitterers Stück „Abraham“ auf die Bühne. Und dann waren da noch verschiedene neue Frauenangebote in Linz, aber auch ein vermeintliches Kussverbot in der „Bar Wohin“ (heute das „Blue Heaven“) und eine Seite „LesbenLyrik“. Den Schluss bildete dann eine Gegenüberstellung der jüngsten BenettonKampagne („H.I.V. positive“) mit der eher lauwarmen Kampagne des Gesundheitsministeriums („AIDS betrifft uns alle.“).

RosaLila Buschtrommel 06/1993 Anfang Oktober hatten sich die „Rosaroten Panther“ mit einer Resolution an alle Grazer GemeinderätInnen und an steirischen Abgeordneten in Land und Bund gewandt. Diese Resolution und Forderungen nach Antidiskriminierungsgesetzen bzw. nach einem Zentrum mit Beratungsdienst wurden von der Landeskonferenz der Jungen Generation der SPÖ Steiermark verabschiedet. Und auch das im Sommer konstituierte Liberale Forum Steiermark sagte Unterstützung zu. In einer Info für die ForumsbesucherInnen wurde unter dem Titel „Graz hat’s“ auf die Lokale Vera de Vienne in der Reitschulgasse und auf das BANG verwiesen, Frauen wurde das „Stockwerk“ am Jakominiplatz empfohlen. Hingewiesen wurde damals auch noch auf Grazer Cruising-Areas: „Der Stadtpark dient Naturfreunden als Jagdrevier. Außerdem gibt es Lozi am Jakominiplatz, am Hauptplatz und am Hauptbahnhof: vielfrequentierte Prominententreffs mit dem besonderen Aroma.“ Coverthema war ein heute wieder viel diskutierter Bereich: die Suche nach dem Homo-Gen mit einer aktuellen Feststellung: „In einer Zeit, in der wir von sozialen Problemen überschwemmt werden, sehnt sich so mancher nach einer Biologisierung der Gesellschaft mit klaren Verhältnissen in Hierarchie und Ordnung.“ Johannes Langer veröffentlichte einen Gastartikel der Gruppe Homosexualität und Kirche (HuK) Wien. Berichtet wurde über Pioniere im BTX: Die Linzer L&S AG an der Uni und das Rechtskomitee Lambda waren in diesem Internetvorläufer vertreten. In Kooperation mit der HOSI Linz gab es eine „Warme Woche“ im Rechbauerkino mit 5 Schwulen- und 6 Lesbenfilmen. Bei den Panthern wurde über Positivenhilfe und Pädophilie diskutiert und am 28. Dezember zu einem „Spiele­ abend für unschuldige Kinder“ geladen.n

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Österreich Sieg der Vernunft Landtag beschließt einstimmig Gleichstellung Gleichstellung aller Kinder erreicht!

Anregung der HOSI Linz umgesetzt

Grüne und SPÖ – immer schon Verbündete in dieser Frage – haben da wirklich harte Bretter gebohrt. Umso schöner ist es jetzt, dass neben der ÖVP sogar die FPÖ diesem Gesetz zugestimmt hat. Damit sendet der Oö. Landtag ein wichtiges Signal an die Landesund Gemeindebediensteten – und sogar darüber hinaus. Die Parteien im Nationalrat sollten sich daran ein Beispiel nehmen. Immer nur auf Urteile von Höchstgerichten zu warten, ehe die Menschenrechte geachtet werden, ist unwürdig und in einer modernen europäischen Gesellschaft nicht zu rechtfertigen. n

Die Oö. ADS unterbreitete der Politik umgehend einen entsprechenden Änderungsvorschlag. Nur wenige Tage danach kündigten ÖVP und Grüne eine entsprechende Reform an (vgl. PRIDE 132/Feb 2013; S. 08/09). Da mit dem Oö. Landesverwaltungsgerichtsbarkeits-Anpassungsgesetzes 2013 aber ohnedies 102 Landesgesetze geändert werden mussten, damit der neue Oö. Landes­ verwaltungsgerichtshof am 1. Jänner 2014 seine Arbeit aufnehmen kann, und dabei das Dienstrecht der Landes- und Gemeindebediensteten ebenfalls anzupassen ist, wurde die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher PartnerInnenschaft gleich mitgenommen.

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Dank gebührt der Oö. ADS und den Abgeordneten des Oö. Landtags, die für diese Lösung gekämpft haben. Es ist ein Sieg der Vernunft und Menschlichkeit über ideologische Vorbehalte und veraltete Familienbilder – Leidtragende der alten Bestimmungen sind die Kinder in gleichgeschlechtlichen Beziehungen. Immerhin ist eine deutliche Mehrheit der ÖsterreicherInnen laut jüngster Market-Umfrage gegen die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher PartnerInnenschaften. Durch den Gesetzesbeschluss Anfang November wird eben nun sichergestellt, dass die in eingetragenen PartnerInnenschaften oder Lebensgemeinschaften lebenden Kinder auch bei der Pflege- und Familienhospizfreistellung den Kindern von Ehepaaren gleichgestellt sind.

Text: Gernot Wartner

FOTO: PRIDE-ARCHIV

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ie HOSI Linz hat schon vor der Beschlussfassung des LandesPartnerschaftsgesetzes im Vorjahr kritisiert, dass bei der Pflege- und Familienhospizfreistellung EURecht, Landesverfassung und Landes-Antidiskriminierungsgesetz missachtet werden. Trotz intensiver Verhandlungen zwischen den Parteien und starker Bemühungen der HOSI Linz war es 2011 und 2012 unmöglich, eine Mehrheit für völlige Gleichstellung zu finden. Auf Grund höchstgerichtlicher Entscheidungen hat die Bundesregierung mit Beginn dieses Jahres die Regelungen des Bundes für die Pflegfreistellungen diskriminierungsfrei gestellt. Die HOSI Linz hat daraufhin im März die Oö. Antidiskriminierungsstelle (Oö. ADS) darauf hingewiesen und eine Prüfung und Gesetzesinitiative angeregt.


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Nach der Wahl ... Die ÖVP hat im Wahlkampf auf Facebook UserInnen auf­ge­rufen, Fragen zu stellen, diese aber nicht beantwortet.

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a sich – ohne jetzt das ja noch nicht ausverhandelte Regierungsprogramm zu kennen – die diskriminierende Politik der ÖVP vermutlich nach wie vor nicht geändert hat, wollen wir diese Fragen erneut stellen. Insbesondere würden wir gerne wissen wollen, ... ... wieso die ÖVP – im Gegensatz zu anderen konservativen Parteien in Europa – nicht gewillt ist, sich mit Fakten zu den elementaren Menschenrechten, zum Kindeswohl in Regenbogenfamilien usw. zu beschäftigen und als unnötige Konsequenz daraus eine diskriminierende und homophobe Politik betreibt. ... wieso die ÖVP, allen voran die die gesamte Spitze der ÖVP, insbesondere Parteiobmann Michael Spindelegger, aber auch Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Justizministerin Beatrix Karl noch immer wider sämtliche wissenschaftlich anerkannte Studien Politik gegen das Kindeswohl macht und die völlige Gleichstellung von sogenannten Regenbogenfamilien und damit die von Lesben und Schwulen im Eherecht verhindert. ... wieso die ÖVP nicht aus den mittlerweile zahlreichen blamablen Gerichtsurteilen und Verurteilungen Österreichs durch Höchstgerichte lernt und die diskriminierende und letztlich offen homophobe Politik beendet. ... wieso die ÖVP immer noch mehr Höchstgerichtsurteile und Verurteilungen Österreichs durch europäische Instanzen be­nötigt, ehe sie von ihrer diskriminierenden Politik abweicht und endlich eine Politik betreibt, die zukunftsorientiert ist, den Menschenrechten wie dem gesunden

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Hausverstand genügt, positiven gesellschaftspolitischen Gestaltungs­ willen zeigt und jedwede Form von Ungleichbehandlung und Diskrimi­ nierung verhindert. ... wieso die ÖVP die demokratische und lai­ zistischen Prinzipien der Republik ignoriert und Politik als verlängerten Arm der römisch-katholischen Kirche begreift, die eine Gesellschaft fordert, die weder aufgeklärt, noch modern, noch den Grundwerten von Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit entspricht. ... wieso die ÖVP den Einfluss der römisch- katholischen Kirche nicht endlich in die Schranken weisen, das Konkordat aufkündigen will und damit verdeutlicht, dass die Kirche als Glaubensgemeinschaft kein Recht besitzt, sich in zivilrechtliche Fragen einzumischen. ... wieso die ÖVP die Gleichbehandlung aller BürgerInnen gemäß der Diskriminierungsverbote in den Artikel 21 und 23 der Europäischen Grundrechtecharta unabhängig von Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, ethnischer oder sozialer Herkunft, genetischen Merkmalen, Sprache, Religion oder Weltanschauung, von politischer oder sonstiger Anschauung, Zugehörigkeit zu einer nationalen Minderheit, von Vermögen, Geburt, einer Behinderung, von Alters oder der sexuellen Ausrichtung, verhindert und so nicht nur antieuropäische Gesinnung zeigt, sondern auch verhindert, dass Österreich gesellschaftspolitisch im 21. Jahrhundert ankommt. Wir wissen, die Bevölkerung Österreichs ist längst dafür bereit. Wann aber ist endlich die ÖVP für ein modernes Staatswesen bereit? n Text: Oliver Ritter


ÖSTERREICH

Mr. Courage

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Eigentlich war für Tobias G. Natter der Posten des museologischen Direktors im Leopold Museum „Liebe auf den ersten Blick“. Nun legte er seinen Posten überraschend nieder.

FOTO: APA-FOTOSERVICE / FOTO: LUDWIG SCHEDL © LEOPOLD MUSEUM, WIEN

abei hatte der 52-jährige Experte für die Kunst der Wiener Moderne über lange Zeit als der gleichsam natürliche Nachfolger des 2010 verstorbenen Sammlers Rudolf Leopold gegolten. Der geborene Dornbirner studierte in Innsbruck, München und Wien Betriebswirtschaftslehre, Geschichte und Kunstgeschichte, worin er 1988 promovierte. Nach kurzer Tätigkeit an der Uni Wien startete er seine Museumslaufbahn im Historischen Museum der Stadt Wien, wechselte 1991 an die Öster­reichische Galerie Belvedere. Für das Jüdische Museum Wien arbeitete er als Gastkurator und zeigte im Wien Museum „Schiele und Arthur Roessler“. Im Leopold Museum stellte er sich als Fachmann für den Facettenreichtum rund um die Wiener Moderne mit „Die nackte Wahrheit. Klimt, Schiele, Kokoschka und andere Skandale“ im Jahr 2005 vor. 2006 ging es dann zurück nach Vorarlberg, wo Natter die Leitung des dortigen Landesmuseums übernahm, für das er ein umfassendes Konzept zur Neuausrichtung erarbeitete und damit eine Verdreifachung der BesucherInnenzahlen erreichte. Nach langen Verhandlungen wurde Natter, der mit seinem Lebenspartner in Wien lebt, schließlich als Nachfolger von Rudolf Leopold präsentiert. In den zwei Jahren seit Amtsantritt am 1. Oktober 2011 konnte der neue Direktor einige höchst erfolgreiche Ausstellungen verwirklichen. Die einmalige Schau „Klimt

persönlich“ zog im Jubiläumsjahr 2012 über 250.000 BesucherInnen an. Auch die auf den männlichen Akt fokussierte Ausstellung „Nackte Männer“ wurde mit knapp 200.000 BesucherInnen zum großen Erfolg und ist heuer in Paris zu sehen. Und daneben fand Natter noch Zeit für Veröffentlichungen, die gewichtigste darunter „Gustav Klimt: The Complete Paintings“ im Taschen Verlag – mit fast acht Kilogramm. Im Oktober 1998 organisierte er gemeinsam mit Ulrike Lunacek im Rahmen des 8. Österr. Lesben-, Schwulen und TransGender-Forums eine Ausstellung mit Männerakten des Kärntner Malers Anton Kolig (PRIDE-Titelgeschichte Nr. 86/Juni 2005), dessen Fresken für das Klagenfurter Landhaus in den 1930er Jahren für einen handfesten Skandal sorgten. Erst im Mai wählte die Londoner „Times“ das Leopold Museum unter die 50 besten Kunstmuseen auf Platz 40. Und just bei der Verleihung des Kunstpreises OscART für außergewöhnlichen Leistungen im Museumswesen, die Natter entgegennahm, gab er jetzt seinen Rücktritt als Direktor des Musums bekannt – aus Protest gegen die Doppelfunktion seines kaufmännischen Kodirektors Peter Weinhäupl bei der neu gegründeten Klimt-Ucicky-Stiftung. Ob dieser Schritt klug war, müssen andere entscheiden. Er war aber rechtschaffen, ehrlich und mutig. Wir würden uns in Österreich oftmals mehr solche Courage wünschen.  Text: Gernot Wartner

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ÖSTERREICH

Verhandelt

Eingebracht

WIEN. Die österreichischen HöchstrichterInnen werden sich mit der Frage der Gleichstellung von homosexuellen Paaren befassen. In der neue Session ab Mitte November wird unter anderem eine Klage von zwei Männern, deren in Holland geschlossene Ehe in Österreich nicht anerkannt wird, beraten. Die beiden Männer wollten ihre Ehe in Tirol erneuern, doch der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) hat dies als letzte Instanz abgelehnt. Darüber hinaus wird auch über den erneuten Antrag des Obersten Gerichtshof (OGH) beraten werden, der das Verbot der medizinisch unterstützten Fortplanung für LesbenPaare aufheben möchte, da der OGH dies als verfassungswidrig ansieht.

WIEN. Im Wahlkampf haben sowohl die SPÖ, als auch die Grünen, das Team Stronach und die Neos in unterschiedlicher Ausprägung die völlige Gleichstellung von Lesben und Schwulen gefordert. Das Wahlergebnis der Nationalratswahl war für LGBTRechte zwar nicht das Beste, jedoch könnte es eine knappe Mehrheit im Nationalrat gegenüber den homophoben Bastionen ÖVP und FPÖ geben. Während SPÖ, Neos und Team Stronach bislang zu LGBT-Rechten geschwiegen haben bzw. im Team Stronach sogar homophobe Töne zu hören waren, haben die Grünen bei der Nationalratssitzung Mitte November den Forderungen aus dem Wahlkampf Nachdruck verliehen und in bewährter Tradition einen Antrag zur Ehe-Öffnung für gleichgeschlechtliche Paare eingebracht. Gemäß dem parlamentarischen Ablauf wird der Antrag dem Justizausschuss zugewiesen und dort weiter behandelt werden. Marco Schreuder, Bundesrat und Sprecher der Grünen Andersrum, meint, dass eine parlamentarische Mehrheit möglich sei: „Die SPÖ und das Team Stronach haben im Wahlkampf gesagt, dass sie für die Öffnung der Ehe eintreten werden. Die NEOS wiederum wollten ursprünglich nur die Eingetragene Partnerschaft der Ehe gleichstellen, haben aber oft selbst gesagt, dass dies ein Fehler ihres Programms sei und es bald Änderungen geben soll.” Wenn daher der grüne Antrag im Justizausschuss zur Abstimmung gelangt, wird es wohl eine Stunde der Wahrheit für SPÖ, Team Stronach und Neos werden. Während die SPÖ regelmäßig die völlige Gleichstellung von LGBTs fordert, so hat sie bislang immer vor der ÖVPHomophobie kapituliert. „Wenn alle ihre Programm- und Wahlversprechen halten, dann gibt es eine Mehrheit für BürgerInnenrechte von Lesben und Schwulen in diesem neuen Parlament”, so Schreuder.

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ÖSTERREICH

Vertrottelt

FOTO: PRIM. DR. MARCUS FRANZ © FOTO WILKE

WIEN. In einem „profil“-Interview Anfang November sagt Team-Stronach-Abgeordneter Marcus Franz unter anderem, dass Homosexualität eine „genetische Anomalie“ sei, Menschen verpflichtet werden müssten, Kinder zu zeugen, Homosexualität „amoralisch“ sei und Lesben und Schwule nicht die gleichen Rechte erhalten dürften. Der Präsident der Wiener Ärztekammer ao.Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, kritisierte daraufhin in einem offenen Brief Marcus Franz, fordert die Rücknahme der Äußerungen und eine öffentliche Entschuldigung: „[…] Ihre Einstellung zur Genese von Armut und der Funktion von Steuern sind Meinungen, die ich weder teile noch kommentiere. Ihre Mutmaßungen und Festhaltungen zu Kinderlosigkeit und Verhütung entsprechen nicht wissenschaftlichen Kriterien. Empörend und inakzeptabel ist aber Ihr Statement zur Homosexualität. […] Übersetzt hieße dies, dass Homo-

sexualität für Sie eine angeborene Krankheit sei, noch dazu außerhalb jeglicher moralischer Kategorie. […]“. Daniela Musial und Marco Schreuder von den Grünen zeigten sich entsetzt: „Abgesehen davon, dass die so genannte ‚Krankheitsthese‘ an sich schon ein wissenschaftlicher Humbug ist, ist die Bezeichnung des ‚Amoralischen‘ für Homosexualität zudem eine politische Wertung. Nicht Homosexualität ist amoralisch, sondern ein Politiker, der Lesben und Schwule auf diese Weise diffamiert und zudem fordert, dass Lesben und Schwule nicht mehr in den Innenstädten demonstrieren dürfen.” Eine nachgeschobene „Klarstellung” von Dr. Marcus Franz zeigte dann aber auf, dass seine homophoben Aussagen genau so gemeint waren, wie sie getätigt wurden. Team Stronach-Klubobfrau Kathrin Nachbaur zeigte sich not amused über die Auslassungen des Abgeordneten. Konsequenzen wurden aber keine gezogen. n

G N U L L E T S H G LE IC

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Ein ereignisreiches Jahr 2013 in der HOSI Tirol

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chon scharren sie wieder in den Startlöchern für den fünften Innsbrucker CSD nächstes Jahr, besprechen Programme, Veranstaltungen, überschlagen Finanzen: das Team um HOSI Tirol-Chef Markus Aigner – aber Moment: auch dieses Jahr, das nun in den letzten Tagen liegt, hat ja so einige, ja viele Akti­ vitäten hinter sich. Hier eine Rückschau. Politische Vernetzung Vorsichtig macht sie das Tor zum Gastgarten auf, schreitet dann beherzt einige Schritte auf die etwas nervös dreinschauenden Mitglieder des Vorstands zu und schüttelt Hände. Frisch wie ein Sommerwind wirkt die Innsbrucker Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer, die mitten in brüllenden Augusttemperaturen den neuen Räumlichkeiten der HOSI Tirol und ihren BetreiberInnen einen Kennenlernbesuch abstattet. Sie und ihr Sekretär Thomas stellen Fragen zu den Mitglieder, zu den

Wünschen der HOSI, dem Veranstaltungsprogramm und bewundern die Fotos, die die Räume vor und nach den Renovierungsarbeiten dokumentieren. Beiläufig erfährt sie, wie viel Arbeit hinter so einem Verein steckt, unentgeltliche, und mit wie viel Elan die einzelnen Mitglieder hier arbeiten. Die Tiroler Landtagswahlen sind mittlerweile schon wieder drei Monate vorbei, vor ihnen kamen in den alten Räumlichkeiten schon Landtagspräsidentstellvertreterin Gabi Schiessling von der SPÖ und die grüne Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider zum Polittalk vorbei. Im Spätsommer fand ein Besuch von Obmann und Kassier bei der grünen Landtagsabgeordneten Christine Baur im Landhaus statt und VertreterInnen der Neos schauten an einem offenen Abend auf ein Glas Wein vorbei und ließen sich Sinn und Arbeit der HOSI erklären. „Wir haben gefunden“ Vor allem ab Frühling hatten die HOSI-MacherInnen weniger Politik als schon stark den Umzug in die neuen Räumlichkeiten im Kopf – die alten waren erstens zu klein und zweitens nicht behindertengerecht. „Wir suchen“, hieß es noch in den ersten drei Monaten des Jahres, dann plötzlich: „Wir haben gefunden“ – das Pride hat berichtet. Neben den üblichen Treffs wie Jugendgruppe, Offener Abend, Transgendergruppe, die wieder aufgenommen wurde und nun auch einen Schminkkurs anbietet, Sonntagsbrunch, die monatliche „Queerattack!“ etc.

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war bis zum Juni vor allem das Renovieren der neuen Räume und der Umzug ein Thema. Und das alles zu einem Zeitpunkt, wo der vierte CSD in Innsbruck stattfand – ein Zusammenfallen von Ereignissen, das die Hauptverantwortlichen ziemlich an ihre Belastungsgrenze brachte. Aber es wurde alles geschafft, das Einweihungsfest in der Kapuzinergasse war ein Renner und die CSD-Parade samt Vor- und Nachveranstaltungen bringt noch heute leuchtende Augen der Veranstalter. Der Sommer hatte endlich Einzug gehalten und das bunte Fest im Innsbrucker Rapoldipark großen Anklang gefunden, bei der AfterShow-Party im legendären Hafen wurde bis früh zum ersten Vogelgezwitscher getanzt. Es kamen Gäste aus Vorarlberg, Südtirol, Bayern und sogar aus Russland, wie Jürgen Preisegger, Kassier des Vereins und zweites, unerschütterliches Standbein der HOSI Tirol, erzählt. Queere Veranstaltungen Aber kaum konnten sich Mann und Frau von den Ereignissen erholen, da ging es schon weiter – auf dem Aidskongress in Innsbruck Mitte Juli wurde ein Informa­ tionsstand betreut und abends wurde mit angereisten FreundInnen und Bekannten in der Kapuzinergasse zusammengesessen. Dann musste die jährliche Innlove im Oktober vorbereitet und durchgeführt werden, ein wieder einmal buntes Fest am Innsbrucker Marktplatz, das mit diversen Ständen, Moderation und Bands auf die Situation der LGBT-Community aufmerksam machen will. Auch hier, wie beim CSD, ist die HOSI Tirol in einer Gemeinschaft mit anderen Gruppen

TIROL FO TOS: HOSI-

TIROL

die Veranstalterin – an Arbeit für jeden einzelnen Verein fehlt es trotzdem nicht. Leider hatte zu diesem Zeitpunkt schon der Herbst entschlossen, erste Lebenszeichen zu setzen, und so ist dieser regnerische Tag nicht mit dem CSD zu vergleichen, aber „es war ganz ok“, lautete diesmal des Kassiers Meinung. Und das normale Leben in der HOSI ging weiter. Waren die Queerattack!s von mäßig bis super gut besucht – hier war neben der CSD Aftershow Party vor allem die Halloween- Nacht ein Renner, erfreuten sich auch die Offenen Abende jeweils Donnerstag vor allem in den heißen Sommermonaten einer großen Zahl an BesucherInnen. Waren es die Grillkünste, der schöne, nie zuvor gehabte Gastgarten, oder einfach die Freude über die sonst so seltenen lauen Nächte in Innsbruck – hier wurde gefeiert, gegessen, gelacht und das Spektakel ging oft bis tief in die Nacht. Langer Atem ist notwendig Andere Veranstaltungen gestalteten sich nicht so erfreulich. Die am Ende des vorigen Jahres neu ins Leben gerufene „Ladies Night“ konnte zeitweilig auf einige Besucherinnen hinweisen, dann wieder kam kaum jemand. Die Organisatorinnen wollen erst einmal eine Pause einlegen. Das „Happy Sunday Evening“ hatte ein tolles Programm ab Mai geboten: Bauchtanzen, ein kleiner Italienisch-Crashkurs, ein Spanischer Abend, unterschiedliche Aktivitäten und dazu etwas Gutes zum Essen. Auch hier wurden aus verschiedenen 

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 Gründen die Segel gestrichen. Die im Sommer ins Leben gerufene Elterngruppe findet bis jetzt auch nicht den erwünschten Anklang. „Von der seit zwanzig Jahren bestehenden Elterngruppe in Stuttgart weiß ich, dass solche Gruppen eine enorme Anlaufzeit brauchen“, ist die Gruppenleiterin beruhigt. „Es gibt viele Hemmungen, aber der Bedarf ist grundsätzlich gegeben“, will auch sie einen langen Atem beweisen. Und sitzt tapfer manchmal alleine weiter mit Keksen und Saft bewaffnet in den Räumen der Selbsthilfe Tirol, die hier ihre Mithilfe angeboten hat. Programm für alle Sinne „Jetzt kommt bald der Frühling“, sagte die alte Frau im Winter. Die Frau starb, der Frühling kam trotzdem“ lautet ein Gedicht von Christian Egger, der im Oktober mit dem Dichterfreund Hubert Tassati einiges aus seinen Werken zum Besten gab. Hier waren die BesucherInnen auch schnell abgezählt, so ist es nun einmal, wenn man Veranstaltungen macht. Neben den alteingesessenen und neuen Gruppen wurde vor allem im

NEU: ABSOLUTE

30 Jahre HOSI Tirol Für die letzten Tage des Jahres und nun auch schon wieder für das kommende wird an tausenden von Plänen gefeilt. Der fünfte CSD in Innsbruck, 30 Jahre HOSI Tirol – „da müssen wir was machen“, so Markus Aigner. Heij, ihr, das war das Jahr 2013. Es war ein Superjahr für uns, für die Community. Wir haben viel geschafft. Stimmt. Lasst uns dasitzen und drüber nachdenken. Das Jahr 2013 in der HOSI Tirol hat es verdient. Ach ja, da ist noch die Silvesterfeier. Bei der wir endlich einmal merken, was sich bewegt hat in diesem Jahr, das nur noch einige Tage hat. n Text: Iris Rendel

BEGINNERS

Es gibt Menschen die, aus welchen Gründen auch immer, noch (fast) nie eine Beziehung und deswegen auch nicht körperliche Zärtlichkeiten gespürt haben und Sex gehabt haben. Diese Gruppe erfasst man im Allgemeinen unter dem Begriff der „Absolute Beginners (ABs)“. Wohin gehören nun die ABs? Dies ist schwierig zu beantworten. Sie werden nicht von den Heterosexuellen-, Homosexuellen-, Transgender-, Bdsm-, Queergruppen,… repräsentiert, wobei es unter den ABs auch solche gibt, aber nur ohne diese oben beschriebenen Erfahrungen. Diese Gruppe wird in dieser so vermeintlich aufgeklärten Welt/Tirol in keiner Form repräsentiert, daher hat die Hosi Tirol

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letzten Viertel dieses Jahres von der HOSI noch so einiges geboten: Lesungen, Vorträge, Aktivitäten wie Adventkranzbinden, Törggeleabend, ein Qi Gong Schnupperkurs – sie lassen sich etwas einfallen, die MacherInnen der HOSI.

entschieden, eine Anlaufstelle für diese Menschen anzubieten, damit auch sie einen Platz in der Gesellschaft erhalten und nicht mehr ein tabuisiertes dunkles Dasein führen müssen. Angesprochene Personen können sich unter absolutebeginners@hositirol.at melden und es wird versucht, in jeglicher Form zu helfen. Es ist auch angedacht, eine (Selbsthilfe-)Gruppe zu gründen, die sich dann ein- bis zweimal im Monat im Hosi Zentrum Tirol (Kapuzinergasse 43) trifft, um Erfahrungen, auszutauschen, Ängste abzubauen. n Text: Christoph Fuchs

FOTOS: HOSI-TIROL

TIROL


TIROL

QUEERATTACK!

FOTOS: HOSI TIROL

Fotoimpressionen von der Queerattack! Halloween am 21.10.2013

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Tirol Termintipps Dezember

Jänner

Di., 17.12.2013/19:00 Jugendgruppe Neu: ab 20:30 keine Altersgrenze

Do., 02.01.2014/20:00 Offener Abend

Do., 19.12.2013/20:00 Offener Abend Fr., 20.12.2013/20:00 Transgendergruppe Umziehmöglichkeit vorhanden! Mo., 23.12.2013/22:00 Queerattack! Motto: „Christmas Night” mit Dj Henrik im VAZ Hafen, Innrain 149 Do., 26.12.2013/20:00 Offener Abend Di., 31.12.2013/19:00 Happy New Year Feiere mit uns ins Neue Jahr! Wir sind sowohl vor als auch noch lange nach dem Feuerwerk für Euch da. Kaltes Buffet und Gulaschsuppe im neuen Jahr. Weitere Überraschungen warten auf Euch! ab 19:00 Uhr im Hosi Zentrum

Do., 23.01.2014/20:00 Offener Abend Do., 30.01.2014/20:00 Uhr Offener Abend

Fr., 03.01.2014/20:00 Transgendergruppe

Februar

So., 05.01.2014/11:00 Sonntagsbrunch

So., 02.02.2014/11:00 Sonntagsbrunch

Di., 07.01.2014/19:00 Jugendgruppe

Di., 04.02.2014/19:00 Jugendgruppe

Do., 09.01.2014/20:00 Offener Abend

Do., 06.02.2014/20:00 Offener Abend

Fr., 10.01.2013/20:00 Elterngruppe 20:00-22:00, in der Selbsthilfe Tirol, Innrain 43

Fr., 07.02.2014/20:00 Transgendergruppe

Sa., 11.01.2013/22:00 Queerattack! im VAZ Hafen, Innrain 149 Do., 16.01.2014/20:00 Offener Abend

Sa., 08.02.2014/22:00 Queerattack! im VAZ Hafen, Innrain 149 Do., 13.02.2014/20:00 Offener Abend

Fr., 17.01.2014/20:00 Transgendergruppe

Fr., 14.02.2014/20:00 Elterngruppe 20:00-22:00, in der Selbsthilfe Tirol, Innrain 43

Di., 21.01.2014/19:00 Jugendgruppe

Di., 18.02.2014/19:00 Jugendgruppe

n

HOSI-TIROgLneue Adresse! Achtun

Homosexuelle Initiative Tirol Kapuzinergasse 43, 6020 Innsbruck T/F 0512 / 587 586 E office@hositirol.at W www.hositirol.at Offener Abend Jeden Donnerstag ab 20:00 Gemischter Abend, bei dem jede(r) herzlich willkommen ist!

Transgendergruppe Jeden 1. & 3. Freitag ab 20:00 Die Selbsthilfegruppe von und für Transgender-Personen. Möglichkeiten zum „Umziehen“ vorhanden! E transgender@hositirol.at Sonntagsbrunch Jeden 1. Sonntag ab 11:00

Infotelefon Jeden Donnerstag 20:00-22:00 Sportgruppe E sport@hositirol.at T 0512 / 587 586

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Jugendgruppe Jeden 1. & 3. Dienstag ab 19:00 für Jugendliche bis 25 NEU: ab 20:30 keine Altersgrenze mehr E jugend@hositirol.at Elterngruppe Jeden 2. Freitag, 20:00-22:00 Für Eltern homosexueller Kinder Anmeldung/Infos unter: T 0681/81785891 (Iris Rendel) E Elterngruppe@hositirol.at Ort: Selbsthilfe Tirol, Innrain 43


„A WAHNSINN!“ Sommerliche Eindrücke von Klaus Binder vom Gayfestival „Pink Lake“ in Velden am Wörthersee. Was bleibt im Gedächtnis? Trachten, Transen und viel, viel Party! Auffallend waren heuer vor allem der weibliche Zustrom und die immer größer werdende Beliebtheit der Trachten bei den Homosexuellen. Neben DJ Mark Neo schaute auch die Linzer Drag-Queen Giuly Ginger vorbei, um kurz „Hallo“ zu sagen. Bombastischer Samstag mit Partyschiff und DJ James Munich! Wer Glück hatte, konnte sich noch am Badestrand ein Ticket sichern, aber spätestens um 18:00 Uhr war an der Anlegestelle ganz klar: „Da geht nix mehr“. Sichtlich begeistert zeigten sich die BesucherInnen von der eigens organisierten Lichter- und Wasser-Show am Anlegeplatz. Auf regenbogen­f arbene Fontänen wurden Videos bekannter Sängerinnen projiziert – ein gigantisches Erlebnis, das es noch nie am Wörthersee gab. Infos: www.pinklake.at


„To Russia in Love“

GLAM! ist queer

Was hat Tom of Finland mit Brian Enos Glam-Kostümen zu tun? Warum machen Jack Smith und Jürgen Klauke gemeinsam den Abwasch? Warum sind David Bowie‘s Schuhe so wichtig für Andy Warhol – und was hat das mit Lady Gaga zu tun? – einige dieser Fragen werden von Redaktionsleiter Gerhard Niederleuthner und Sandra Kratochwill vom LENTOS bei den Tandemführungen durch die Ausstellung „GLAM!“ beantwortet. Lentos Kunst­ museum Linz: Sa., 21.12.13 und Sa., 11.01.14, jeweils 16:00 Uhr  www.lentos.at

FOTO: LENTOS KUNSTMUSEUM LINZ

Viele Lesben und Schwule zeigten sich solidarisch und engagierten sich bei der Fotoaktion „To Russia in Love“ – ob beim HOSI-Treff oder bei einer der Baustellenpartys. (Siehe dazu Seite 29-31)  torussiawithlove.at  /ToRussiaWithLoveAustria

Stammtisch PRISMA

PRISMA – der neue Stammtisch in Ried in der Riedmark – findet seit Oktober jeden 2. Samstag im Monat im Gasthof Sethaler, Hochstraß 61, 4312 Ried in der Riedmark statt. Der neue HOSI-Treff im Mühlviertel will zeigen, dass queer sein am Land Spaß macht. Neben gemütlichen Abende sind auch tolle Aktivitäten bereits in Planung. Sandra, Doris, Ulli & Hubert freuen sich auf jedeN InteressierteN. Die Titelgeschichte der Be-

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zirksrundschau Perg sorgte auch dafür, dass das neue Angebot heftig diskutiert wurde – ein Zeichen, wie wichtig und notwendig Angebote vor Ort sind.  www.hosilinz.at

FOTOS: RUNDSCHAU, HOSI-LINZ

FOTOS: G. NIEDERLEUTHNER

PARTYS & AKTIONEN


OBERÖSTERREICH

Nicht aus dem Feiern kommt das Populär in der BarSchneiderei: Am 25. Oktober ging‘s beim Oktoberfest zünftig her: behaarte Wadel, opulente Divendirndl und viele Karomuster waren zu bewundern. Beim Benefizclubbing zugunsten der AIDS-Hilfe OÖ am Vorabend des WeltAIDS-Tages zeigte sich die Community von ihrer solidarischen Seite und zeigte auch Mut und Lebensfreude.

Community Vol. 3, HalloQueen Party

Eine heftige Gruselbowle, spooky Dekoration & höllisch gute Gast­ geberInnen verwandelten das Sputnik Rockcafé in eine ausgelassene queere Halloweenhölle. DJane S. Stereo sorgte für höllisch gute Partymusik und Elio Seidl und seine FreundInnen verstörten mir ihrer lustvoll, trashig-schrägen Performance so mache Hexe oder gar ein grünes Krokodil. Einer der lustigsten Abende dieses Jahres – nichts für Zart­beseitete. youth-meetings.at

FOTOS: G. NIEDERLEUTHNER

FOTOS: G. NIEDERLEUTHNER

Zwei x Populär

Zwischen den Renovierungsarbeiten im neuen HOSI Zentrum gab es bei fünf Baustellenpartys immer wieder die Möglichkeit, sich vom Fortschritt der Bauarbeiten zu überzeugen. Als DJ-Lineup sorgten DJ Michael, DJ Bernhard, DJane Ozed und DJ Gazonga für den passenden Baustellengroove. Ganz nach dem Motto „Trinke & Spende“ konnte bereits die erste Monatsmiete damit finanziert werden. „Crowde oder Spende“ – mehr dazu:  igg.me/at/hosizentrum

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FOTOS: G. NIEDERLEUTHNER

Baustellenpartys


OBERÖSTERREICH

Lauter Baustellen Während die neuen Vereinsräumlichkeiten der HOSI Linz dank ehrenamtlicher HelferInnen langsam Gestalt an­ nehmen, steht das frühere HOSI-Zentrum weiterhin leer.

I

n der Linzer Goethestraße 51 wird gemeißelt, gespachtelt und gemalt. Langsam wird aus dem feuchten, alten Kellerlokal ein gemütliches Heim für die HOSI. Dass es mit insgesamt gerade einmal 67 m² sogar deutlich kleiner ist, als das vorletzte Zentrum in der Schubert­ straße, das man seinerzeit wegen deutlich gestiegenen Platzbedarfs verlassen hatte, ist freilich bitter. „Aber diese Lokalität können wir uns selbst ohne Subventionen gerade halt leisten, also nur durch Mitgliedsbeiträge und Spenden“, erörtert der vormalige Vereinssprecher und jetzige Geschäftsführer im Vorstand, Gernot Wartner. „Von den großen und einen Wert darstellenden Beständen haben wir uns letztes Jahr und heuer im Frühjahr bereits trennen müssen. Immerhin sind dadurch ein paar Euro in unsere Kasse geflossen und haben zum Über­leben des Vereins beigetragen.“

ger als geplant. Dafür sei die HOSI wenigstens nicht mehr auf die rätselhaften Entscheidungen der Politik angewiesen, sagt ein beim Umbau engagierter Aktivist. Die Mitglieder stemmen in der Tat die Miete und den Umbau aus eigenen Mitteln und aus Spendenaktionen wie den Baustellenpartys. Dort können sich alle vom Fortschritt der Arbeiten überzeugen. JedeR kann auch das Geld für ein Ausstattungsstück beisteuern, das dann seinen oder ihren Namen trägt. Vorstands-Geschäftsführer Wartner wird in Zukunft auf dem Barhocker Platz nehmen, der Gernot heißt, und Community-Referent Buchberger im HOSI-Vorstand freut sich schon auf die Barleuchten, die nach ihm Hubert heißen werden. Auch ist bereits eine Crowdfunding-Aktion im Internet gestartet worden. Denn die Adaptierung der Räumlichkeiten schlägt sich mit rund 10.000 Euro zu Buch, und seitens der Stadt Linz erhält die HOSI keinen Cent mehr.

Baustelle & Crowdfunding Wegen der mangelnden finanziellen Mittel dauert der Umbau der neuen, aber leider nicht barrierefreien Räumlichkeiten län-

Ende 2012 zog die HOSI mit Sack und Pack aus. Derweil scheint das alte „neue“ Zentrum in der Fabrikstraße 18 leer zu stehen. Offenbar hat die Stadt noch niemanden ge-

HOSI-ZENTRUM Fotoimpressionen: Viel Schweiß und Staub beim Umbau, aber auch heftig erfolgreiche Baustellen­ partys,...

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OBERÖSTERREICH

Gib der HOSI dein Gesicht: Die HOSI Linz startet eine CrowdfundingAktion zur Finanzierung des neuen Zentrums. Mit Zuwendungen zwischen 15,00 und 500,00 Euro wird ein Gegenstand nach dir benannt und besondere Geschenke als Danke warten auf dich. Crowdfunding:  Igg.me/at/hosizentrum  www.hosilinz.at

funden, der bereit wäre, dafür über 8.000 Euro Monatsmiete und Betriebskosten zu zahlen. Dazu kommt ein Wasserschaden, der im Frühjahr aufgetreten ist, weil die abgeschaltete Bodenheizung im ehemaligen Café der Winterkälte auf Dauer nicht Stand halten konnte. Neben der eigentlichen Reparatur musste der Boden komplett erneuert werden. „Das war sicher nicht billig“, vermutet die HOSI Linz. Und davon, dass die Stadt einen Pächter für das Café finden oder es wie ein Volkshaus bewirtschaften will, wie das der frühere Finanzstadtrat im Herbst letzten Jahres in der „Krone“ ver­ heißen hat, ist wohl keine Spur. Kein Wort der Entschuldigung Dem Vernehmen nach werden die Räumlichkeiten derzeit unentgeltlich von der benachbarten Musikschule genutzt. Da nicht zu erwarten ist, dass die Musikschule die allfällige Miet- und Betriebskosten durch Erhöhung der Kursbeiträge wird aufbringen müssen, wird der Betrag wohl letztlich wieder im strapazierten Budget der Stadt auftauchen. „Bei einer städtischen Einrichtung geht offensichtlich alles ganz einfach, was bei der HOSI Linz nicht

„Lebe dein Leben“ Und so steht das eine HOSI-Domizil leer, während sich das andere zunehmend mit Leben füllt. Jetzt geht es mit frischem Elan voran. Für die HOSI Linz, die das Jahr 2013 unter das Motto „Zurück in die Zukunft“ gestellt hat, hat die Zukunft jedenfalls neu und verheißungsvoll begonnen. Ganz nach dem Motto „Lebe dein Leben“. n Text: Gerhard Niederleuthner FO TOS: G. NIED ERLEUTHNER

CROWDFUNDING

gegangen ist“, ist Gernot Wartner verärgert. „Was mich noch mehr stört, ist, dass das offenbar weder den Gemeinderat noch die Oö. Krone interessiert, die sich über die HOSI entrüstet und sie so gern attackiert haben. Fraktionen ergingen sich in Prüfanträgen. Letztlich haltlose Verdächtigungen der Verschwendung und wessen sonst noch wurden ausgesprochen oder angedeutet. Jetzt aber ist allen egal, was mit dem Ex-Haus der HOSI passiert; niemand fragt nach, was es kostet. Als heuer das städtische Kontrollamt nach Prüfung der HOSI-Gebarung festgestellt hatte, dass es keinerlei Unregelmäßigkeiten gebe, ist niemandem von denen, die zuvor aberwitzige Unterstellungen öffentlich gemacht haben, eingefallen, auch nur ein Wort der Entschuldigung für die zugefügte Rufschädigung zu verlieren. Über den entlastenden Kontrollamtsbericht wurde geschwiegen“.

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Mehr Termine:

Termintipps

hosilinz.at/termine

Tipps

Jänner 2014

Februar 2014

Prisma – Stammtisch#Ried Der neue Treffpunkt für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender jeden 2. Sa. im Monat ab 20:00 im Gasthof Sethaler, Hochstraß 61, 4312 Ried in der Riedmark; Wir zeigen, dass queer sein am Land so richtig Spaß macht! Auf den Kommen freut sich das Team der HOSI Linz: Sandra, Doris, Ulli und Hubert

Fr., 10.01.2014/17:30-19:45 „LESBRESSO – what shalls!“: Frauen-Tanzabend Tanzabend im Tanzsportclub Blau Gelb von 17:45 – 19:45 (Lentia, Schmiedegasse 14, 4040 Linz) Treffpunkt um 17:30 im Lentia-Einkaufszentrum zwischen Libro und Bäckerei bei den roten Bänken;

Fr., 07.02.2014/20:00 Lesbresso goes Weiberball Ein Fest für Frauen am Weiberball in den Redoutensälen Tanzen, Shaken & Schäkern, sich gut unterhalten beim 10. Linzer Weiberball, einem von den SPÖ Frauen für Frauen veranstalteten Fest. Ein Tisch wird unter dem Namen „Lesbresso“ reserviert!

Ausstellung: „GLAM! The Performance of Style“ Tandemführungen: „GLAM! ist queer“ HOSI-Aktivist Mag. Gerhard Niederleuthner und Kunstvermittlerin des LENTOS Sandra Kratochwill führen durch die Ausstellung. Jeweils samstags, um 16:00 Uhr: 21. Dez. 2013, 11. Jän. 2014; In Kooperation mit der HOSI Linz. Ort: Lentos; www.lentos.at

Die Frauengruppe schwingt das Tanzbeine und läßt sich von den Trainern vom TSC Wechselschritt Linz in die Kunst des (Latein-)Tanzens einführen! Frau muss keine Tanzpartnerin mitbringen – nur Freude an Bewegung oder Lust mal etwas Neues auszuprobieren – und Schuhe zum Wechseln (günstig: mit Ledersohlen). Kosten: 10 €; (für Frauen ohne Einkommen: 5,00 €) Bitte unter lesbresso @yahoo.com rasch anmelden!

Mo., 10.02. - Sa., 15.02.2014 LesBiGay Youth Wintermeeting Das LesBiGay Youth Wintermeeting, organisiert vom Verein YOUTHMEETINGS bedeutet wieder sechs heiße Tage mit Sport und Fun im Schnee der Pitztaler Gletscherregion. Skifahren oder Snowboarden? – mach mit beim gemeinsamen Pistenspaß. Infos: youth-meetings.at

HOSI-LINZ Die Lesben- & Schwulenbewegung in OÖ Postfach 24, 4041 Linz T 0732/60 98 98 W hosilinz.at E ooe@hosilinz.at facebook.com/hosilinz Beratung Telefonisch & per Mail: T 0732/60 98 98 Mo. 20:00 – 22:00 Do. 20:00 – 22:00 E beratung@hosilinz.at W hosilinz.at/beratung

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HOSI-Treff @ Sax Der gemütliche Treff ab 19:00 Uhr, jeden 2. Fr. im Musikcafé Sax, Klammstraße 6, 4020 Linz Lesbentreff „Lesbresso – what schall‘s“ jeden 1. Fr. / Eine Kooperation von aFZ Linz & HOSI Linz W hosilinz.at/frauen Prisma – Stammtisch in Ried jeden 2. Sa. im Monat ab 20:00 Gasthof Sethaler, Hochstraß 61, 4312 Ried in der Riedmark YOUnited Treffen jeden 1. und 3. Fr. im

Monat für bis 25-Jährige W hosilinz.at/younited Regenbogenstammtisch Jeden Do. 20:00 im Restaurant Zur Brücke, Vorstadt 18, 4840 Vöcklabruck W hosilinz.at/voecklabruck

Spendenkonto bei der VKB Bank Kto.-Nr. 10711174 / BLZ: 18600 IBAN: AT761860000010711174 BIC: VKBLAT2L lautend auf HOSI Linz Verwendungszweck: „Solidarität“


Vorarlberg Coming-Out-Day Fachtagung in Bregenz anlässlich des Coming-Out-Days zum Thema Regenbogenfamilien

A

m Freitag, 11. Oktober 2013, fand mit Dr. Udo Rauchfleisch und Barbara Schlachter-Delgado eine spannende Fachtagung – organisiert vom Verein GoWest – anlässlich des heurigen Coming-Out-Day zum Thema Regenbogenfamilien in Bregenz statt. An die 100 Interessierte haben an der Veran­s taltung teilgenommen.

Obfrau Barbara Schlachter-Delgado aus Wien stellte ihren Verein FAmOS, Familien Andersrum Österreich, vor. Der Verein hat das Ziel, Regenbogenfamilien in Österreich zu fördern, Vernetzungsplattform zu sein sowie die Öffentlichkeit über deren Anliegen zu informieren und aufzuklären. Anlässlich des Fachtages fand am Samstag, 12. Oktober 2013 mit Regenbogenfamilien aus Vorarlberg ein Vernetzungsbrunch statt, bei dem die „Vorarlberger Regenbogen­­ familien- und Kinderwunschgruppe“ gegründet wurde. Der erste Brunch der Regenbogengruppe fand dann bereits am 23. November 2013 statt. Wer auf Facebook einen Account hat, kann den Beitritt bei der geschlossenen Gruppe „Vorarlberger Regenbogenfamilienund Kinderwunschgruppe“ beantragen. Es ist auch möglich, sich direkt an die Verantwortliche via Mail zu wenden: sonja.beer@me.com n Text: Gerhard Niederleuthner

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www.gowest.or.at

FO TOS: GOWE ST.

OR .AT

Der klinische Psychologe und Psychoanalytiker Dr. Udo Rauchfleisch aus Basel erläuterte die Ergebnisse von Langzeitstudien über Kinder aus Regenbogenfamilien. Diese zeigen klar auf, dass Kinder diejenige Zuneigung und Geborgenheit bekommen, die sie benötigen, werden sie ja in eine Familie hineingeboren, in der sie gewünscht und geplant sind. Gleichgeschlechtliche Eltern legen besonderen Wert darauf, dass ihre Kinder sowohl mit Männern als auch mit Frauen Kontakt haben. Dass Kinder aus Regenbogenfamilien mit mehr Mobbing an Schulen zu kämpfen hätten, haben die Studien ebenfalls entkräftet, sind doch auch andere Kinder wegen diverser Themen Opfer von Mobbing. Die Studien zählen einzig die Benachteiligungen, welche gleichgeschlechtliche Eltern durch Fach­ personen aus Sozialarbeit, Psychologie, Jugendamt und Behörden er-

fahren, als negative Punkte auf. Hierfür sei es wichtig, dass Aufklärungsarbeit in diesen Berufsgruppen stattfindet.

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LEHRERiNNEN-FORTBILDUNG

Organisiert von dem Institut für Pädagogische Professionalisierung der Karl Franzens Universität Graz und der PH Burgenland fand am 6. und 7. November die Tagung „Relevanz und Impulse der Geschlechter-Diversitätsforschung für die PädagogInnenprofessionalisierung“ in Neusiedl am See statt. Drei AktivistInnen des liebeist.org-Teams hielten dabei zwei Workshops zum Thema Queer Pädagogik. „Wir sahen diese Tagung als Sprungbrett für die

Entwicklung von Workshops für LehrerInnen zur Sensibilisierung für Homo-, Bi, Transsexualität an der Schule, die wir in der Steiermark in Zukunft anbieten möchten. Auf der Tagung präsentierten wir die Arbeit, die wir mit SchülerInnen machen, und besprachen Ansätze zu Mobbingintervention und -prävention.“ Das Team bekam positives Feedback und viele Vorschläge, die der weiteren Arbeit zu Gute kommen werden. n

FOTO: PETER OSWALD

MÄNNERSTAMMTISCH

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Zum Auftakt für den neuen Männerstammtisch präsentierten die RosaLila PantherInnen eine Lesung des Kölner Autors Jan Stressenreuter aus seinem neuesten Roman „Wie Jakob die Zeit verlor“. Eine Geschichte, die zwischen Gegenwart und den 1980er-Jahren pendelt. Eine Geschichte über das Leben, den Tod und ein Virus. Vor allem aber ist es eine Geschichte über die Liebe. Nächster Stammtisch ist am 18.12.2013 ab 19:30 Uhr in der Annenstraße 26. n


STEIERMARK

QUEER UNIFEST Draußen ist es grau und kalt – drinnen ist es bunt und warm! Am 22. November luden die queer Referate der ÖH zum traditionellen Semesterfest in das Foyer der Karl-Franzens-Uni und brachten unter dem Motto „Du kommst bei uns in UNIform“ die Farben des Regenbogens in die öden Hallen. Viel zu tun hatten da die Liebes-Post-Boten mit dem Zustellen diverser Flirtanbahnungen. Und außerdem konnte man ein Fotoshooting im Sailormoon-Style machen und in die Rolle der queeren Pionierinnen im Kampf für Liebe und Gerechtigkeit schlüpfen. n

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STEIERMARK

So ein Frauenzimmer! Sowohl ein sicherer Ort als auch ein Statement für lesbische und Transgender-Frauen: Das Grazer „Frauenzimmer“ feiert sein einjähriges Bestehen.

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n Anlehnung an das frühere Frauencafé im TAL (Theater am Lend) entstand ein selbstorgansierter monatlicher Treffpunkt. „Es ist ein Angebot, das eine Lücke füllte. Denn lesbische Frauen sind in der Subkultur noch wenig sichtbar, haben andere Fragen und Ängste,“ schildert Uma Höbel – Initiatorin des „Frauenzimmers“ – die Beweggründe. „Beispielsweise wird das Thema der Frauengesundheit bei lesbischen Frauen noch margi-

nalisiert. Hier leisteten wir in Kooperation mit dem Frauengesundheitszentrum wichtige Aufklärungsarbeit.“ Neben nötigen geschlossenen Veranstaltungen ausschließlich für lesbische, transgender und intersexuelle Frauen gibt es auch offene Veranstaltungen, bei denen alle Identitäten willkommen sind. Und die Sichtbarmachung schreitet voran: Mit dem neuen „FrauenzimmerCafé“ wurde nun auch ein zentraleren Ort in der Stadtmitte gefunden. n

SPASS MIT GUMMI In der Steiermark sind es meist homosexuelle junge Männer um die 25, welche die Diagnose HIV positiv bekommen. Oft begeben sie sich bewusst in Risikosituationen, weil das Virus durch die Therapien an Schrecken verloren hat. Unter dem Motto „Spaß mit Gummi“ haben deshalb die queeren Referate am 2. Dezember vor dem Uni-Hauptgebäude eine Hüpfburg organisiert, um in auffälliger und angenehmer Weise die Kernbotschaft zu verbreiten: Es ist immer noch notwendig, sich mit Kondomen zu schützen! Mit Unterstützung von Stop Aids und der steirischen Aidshilfe sollte anlässlich des Welt-AIDS-Tages aber auch die Solidarität mit Betroffenen und Ange­ hörigen zum Ausdruck gebracht werden. n

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as 1990 als Cross Dress Unifest in der Mensa angefangen hat, wurde inzwischen zu einem Highlight der Grazer Ballsaison im Congress Graz. Der Ball verdankt seinen Namen der Schwul-Lesbischen Bewegung der 90er Jahre, in denen im ganzen deutschsprachigen Raum ehemalige Schimpfwörter angeeignet und positiv umgedeutet wurden, ebensosehr wie den Drag Queens und Tunten, die Maßgebliches für die Sichtbarkeit geleistet haben. Inzwischen ist der Grazer Tuntenball ein Charity Event im Zeichen von Equality und Diversity – aber immer noch stolz auf seinen Namen. 2300 Gäste in außergewöhnlichen und einzigartigen Kostümen finden jedes Jahr den Weg in den Grazer Congress, um miteinander zu feiern und damit gemeinsam gegen Homophobie und für Gleichberechtigung zu kämpfen. In den vergangenen 25 Jahren wurden geschätzt € 150.000,- erwirtschaftet. Damit wurde eine Vielzahl an Projekten der RosaLila PantherInnen finanziert. Von Beratung, Projektgruppen und Kampagnen über Schulworkshops und Informationstage bis hin zur Finanzierung des Vereinszentrums in der Grazer Innenstadt – der Reinerlös des Tuntenballs hält seit 25 Jahren eine wichtige

ANDR A THOM PS FO TO: ALEX

FO TO: PE TER

Am 22. Februar 2014 feiern die RosaLila PantherInnen den 25. Tuntenball

OSWALD

Nostalchic – Anything Goes

ON

STEIERMARK

Infrastruktur sowie eine Vielzahl an Aktivitäten für Schwule, Lesben, Biund Transsexuelle am Laufen. Nostalchic, das Ballthema, bezeichnet die kritische und doch notwendige Auseinandersetzung mit der allzu leicht verklärten Erinnerung. Eine Nacht, in der die Gäste in glamourösen Kostümen der 20er oder 30er Jahre tanzen und sich dennoch bewusst sind, wie schwer die Lebenssituation für gleichgeschlechtlich liebende Menschen zur jeweiligen Zeit war, oder zu Diskoklängen der 80er Jahre tanzen – mit dem Wissen um Tausende von Aidstoten in diesem Jahrzehnt. Die RosaLila Pantherinnen haben sich mit dieser – nicht nur leichten Kost – das Ziel gesetzt, sich der Erinnerung bewusst zu werden und stolz und chic auf jene zurückblicken, die sich im Kampf gegen Homophobie und Ausgrenzung hervorgetan haben – in einer Nacht voller Lebenslust, Gleichheit und Toleranz. n Text: Hans-Peter Weingand

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Stmk COMING OUT TREFF

Termintipps Dezember 2013 Fr., 20.12.2013/20:00/Graz FrauenZIMMER Café Sexually Transmitted Disorders are doing music performances. Booking: S.T.D@gmx.at, UKB: 4,Ort: TAL, Wienerstraße 58a, 8020 Infos: www.homo.at Sa., 21.12.2013/21:00 To Russia with love Soliparty für Lesben und Schwulen in Russland. Mit DJane Petra Pan. UBK 5 .Ort: Rush, Rebeng. 1, 8020 Von: welle royal & friends

Jänner 2014 Mi., 08. 01. 2014/20:00/Graz Queer Student Stammtisch Ort: La Meskla Kaiserfeldgasse 19, 8010 Infos: queerstudent.at Sa., 11.01.2014/20:00/Graz FrauenZIMMER OUT im La Meskla, UBK 4.Ort: La Meskla, Kaiserfeldgasse 19, 8010M Infos: www.homo.at Mo., 13.01.2014/19:30/Graz Bei der HuG zu Gast: Prof. Leopold Neuhold

Leiter des Instituts für Ethik und Gesellschaftslehre. Ort: EHG, Kaiser-Josef-Platz 9/I, 8010 Infos: www.homo.at Mi., 15. 01. 2014/20:00/Graz NEU!!! Männerstammtisch Gemütliches Beisammensein, Kennenlernen neuer Leute, Informationsaustausch uvm, Ort und Infos: www.homo.at/ stammtisch und auf Facebook Mo., 27.01.2014/19:30/Graz HuG: Gloriosa, Pummerin und Dicker Pitter Mit Hörbeispielen! Ort: Annenstraße 26, 8020 Infos: www.homo.at Di., 28.01.2014/19:00/Graz SoHo Stammtisch Ort: Dizzy‘s, Färbergasse 9, 8010 Infos: www.facebook.com/ sohosteiermark

Februar 2014 So., 09.02.14/11:00/Mürztal HuG: Rodelpartie Traditionelle Schlittenfahrt Bitte um Anmeldung bis 5.2. an hug-steiermark@homo.at! Treffen: Kaiser-Josef-Plz 8010

NN ROSALILA PANTHER /I

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„Es fühlt sich immer besser an“ – Coming Out Treff für Frauen jeden Alters Die Begegnung mit Frauen in ähnlicher Situation, mit unterschiedlicher(en) Geschichte(n) und Erfahrungen birgt unerwartete Stärkung und lässt uns für unser Leben neue Perspektiven finden, unabhängig von Alter oder Lebensabschnitt. Termine 2013/2014: Mi., 11.12.13, 08.01.14 ab 18:30 im feel free, Annenstraße 26 Die Teilnahme ist kostenlos. Voranmeldung und Infos unter info@homo.at

Mo., 10.02.2014/19:30/Graz HuG - Homosexuelle und Glaube Plan- und Plauschabend Ort: EHG, Kaiser-Josef-Platz 9, 8010 Mi., 19.02.2014/20:00/Graz Männerstammtisch Gemütliches Beisammensein Ort und Infos: www.homo.at/ stammtisch und auf Facebook Sa., 22.02.2014 25. Tuntenball Infos: www.tuntenball.at

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RosaLila PantherInnen „feel free“ Annenstr. 26, 8020 Graz

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SOTSCHI 2014 PUTINMYASS!

„To Russia with Love“ Die olympischen Winterspiele von 7. bis 23. Februar 2014 im russischen Sotschi stehen unter internationaler Beobachtung. Putins homophobe Gesetze sind Anlass vielfältiger Solidaritätsaktivitäten – PRIDE hat fünf exemplarische Themenfelder zusammengetragen. Text: Gerhard Niederleuthner

Nur Sport Die österreichische Skispringerin Daniela Iraschko-Stolz, die seit August mit ihrer langjährigen Freundin verpartnert ist (siehe PRIDE Nr. 136/Okt, Seite 06), will sich nur auf den Sport konzentrieren. In einem Interview mit der Tageszeitung Kurier meint sie: „Ich werde als Sportler dort sein, nicht als Privatmensch, und daher wird es für mich in Sotschi nur um das Skispringen gehen.“ Sie hält nichts von einem Boykott und will Russland eine Chance geben, zu einer toleranten Gesellschaft zu werden: „Homosexuelle werden in Russland ja nicht eingesperrt, die müssen sich im Moment noch in der Öffentlichkeit ein bisschen verstecken. Das ist natürlich zach, aber es dauert vermutlich noch einige Jahre, bis dort die Gesellschaft so weit ist.“

 Fortsetzung auf Seite 30

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SOTSCHI 2014 PUTINMYASS!

 Fortsetzung von Seite 29

Putin & der IOC

Präsident Wladimir Putin versicherte dem IOC-Präsidenten Thomas Bach in einem persönlichen Gespräch Ende Oktober, dass Russland „sein Bestes“ tun werde, „damit sich alle Teilnehmer und Gäste der Olympiade wohl fühlen – unabhängig von ihrer Herkunft, Nationalität oder sexuellen Orientierung“. Das umstrittene Gesetz gegen „homosexuelle Propaganda“ – also gegen ein positives Darstellen von Homosexualität (besonders in Anwesenheit von Kindern) – wird mit umgerechnet zwischen rund 120 und 23.000 Euro oder bis zu 15 Tage Haft angewendet. Ausländer können des Landes verwiesen werden. Das Anti-Homosexuellen-Gesetz soll nicht für Olympioniken gelten, das versichert das IOC. Gleichzeitig droht es freilich, AthletInnen auszuschließen, die sich zur Causa äußern. Die russische LGBT-Bewegung hat IOC-Präsident Thomas Bach aufgefordert, noch vor den Winterspielen das umstrittene Anti-Homosexuellen-Gesetz unabhängig untersuchen zu lassen. Die LGBT-Organisation ist zutiefst besorgt darüber, dass es kein klares Statement oder Protestsong irgendeine Aktion von Seiten des „Zehn (Für Natascha und Olga)“ Internationalen Olympischen Musik gegen Homophobie: Eine partizipative Komitees gäbe. Form der Protests organisiert der Sänger Peter Plate www.sochi2014.com mit seinem Benefizlied „Zehn (Für Natascha und Olga)“. Damit weist er auf die immer mehr eskalierende Situation für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in Russland hin und ruft zum Mitmachen auf „8 – 9 – ZEHN: Gleiche Rechte für alle – auch in Russland!“: Dieser Satz soll mit einem persönlichen Kommentar mit Handy oder Webcam zugeschickt werden, um damit eine Kette von UnterstützerInnen zu bilden (Videoclip senden an: aktion@pop-out.de) peter-plate.de

Protestaktion: „To Russia with Love“

Eine andere Form des Protestes geht von der Kampagne „To Russia in Love“ aus. Organisiert von Gerd Picher geht es in erster Linie darum, Aufmerksamkeit zu erreichen. Dabei geht es nicht um Boykottaufrufe oder Konfrontationen, sondern um die Botschaft der Liebe nach Russland zu schicken. Bei Fotoaktionen lassen sich SympathisantInnen oder Promis mit dem Logo fotografieren und online stellen. Anschließend will man sich direkt an die VertreterInnen des österreichischen Olympischen Komitees wenden, um dort mehr Sensibilität zur erreichen. Die öster­ reichischen SportlerInnen werden natürlich auch aufgerufen, zum Beispiel vor Medien oder am Siegerpodest, ein Zeichen der Solidarität zu setzten. / ToRussiaWithLoveAustria torussiawithlove.at

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Russische „Gay Games“

Boykott

SOTSCHI 2014 PUTINMYASS!

Der Sportverband der Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen (LGBT) in Russland plant eigene Winterspiele, die von 26. Februar bis 3. März in Moskau abgehalten werden, damit AmateursportlerInnen, JournalistInnen und andere von Sotschi nach Moskau kommen und den Verband unterstützen können. Der selbstbewusste Vorsitzende Viktor Romanow meint zu den „Russischen Offenen Spiele“: „Wir fallen nicht in den Bereich dieses Gesetzes, weil wir nicht Homo­sexualität propagieren, sondern Sport und eine gesunde Lebens­führung“. Auch wenn den russischen Olympia­ teilnehmerInnen jedoch verboten wurde, LGBT zu unterstützen, sollen die „Gay Games“ zwischen den Olympischen Winter­spielen und den Paralympics Anfang März stattfinden, damit hier für inter­nationale SportlerInnen die Möglichkeit einer soli­darischen Teilnahme möglich ist.

FOTOS: PRIDE-ARCHIV, PETER-PLATE.DE, NIEDERLEUTHNER GERHARD, FASHIONANDFEMALES, SOCIALISTUNITY.COM/

Rückschau – Deutschland 1933: Auch wenn historische Vergleiche immer problematisch sind, gab es bereits 1933 heftige Diskussionen, die Olympischen Spiele in Deutschland zu boykottieren. Wurde doch immer deutlicher, dass die Nationalsozialisten mit den Zielen der Olympischen Spiele „Völkerverständigung und Weltfrieden“ nichts gemeinsam haben. 1934 reiste der Präsident des Amerikanischen Olympischen Komitees, Avery Brundage, der spätere IOC-Präsident, nach Deutschland, um sich persönlich ein Bild der Lage zu machen. Brun­dage war davon überzeugt, dass die Deutschen die olympischen Regeln respektierten. Er warf Leuten vor, die trotzdem zum Boykott aufriefen, „anti­olympisch“ zu sein. Ein prominenter Befürworter des Boykotts war Heinrich Mann, der in einer Rede auf der Konferenz zur Verteidigung der olympischen Idee im Juni 1936 in Paris festhielt: „Ein Regime, das sich stützt auf Zwangsarbeit und Massenversklavung; ein Regime, das den Krieg vorbereitet und nur durch verlogene Propaganda existiert, wie soll ein solches Regime den friedlichen Sport und freiheitlichen Sportler respektieren?“. Vorschau – Russland 2014: Auf internationaler politischer Ebene wird von vielen Parteien vom Boykott abgeraten, aber stets darauf gedrängt, im Dialog mit Russland die homophoben Gesetze zu thematisieren und Hilfe für die Lesben und Schwulen vor Ort zu geben. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck wird nicht nach Sotschi reisen. Gauck sieht das aber nicht als Geringschätzung der AthletInnen. Die Absage will er als Kritik an den Menschenrechtsverletzungen und der Drang­sa­lierung der Opposition in Russland verstehen.

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AUSLAND

Splitter Öffnung I HONOLULU. Nachdem bereits zuvor der Senat des US-Bundesstaat Hawaii den Gesetzesentwurf zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare mit großer Mehrheit verabschiedete, wurde mit Spannung das Ergebnis im Abgeordnetenhaus erwartet. Auch hier wurde das Gesetz – überraschenderweise mit großer Mehrheit angenommen. Obwohl im Vorfeld die Zustimmung zum “Hawaii Marriage Equality Act of 2013“ nicht sicher war und ein knappes Abstimmungsergebnis erwartet wurde. Das Ergebnis belief sich auf 30 Ja-Stimmen, bei nur 19 Ablehnungen im Abgeordnetenhaus. Damit stimmt auch das Abgeordnetenhaus dem Recht, homosexuellen Paare die Ehe im Aloha-Bundesstaat zu ermöglichen, zu. Bereits Ende Oktober stimmte der Senat von Hawaii über das Gesetz zur Öffnung der Ehe für Lesben und Schwule auf der pazifischen Inselkette ab. Auch dort wurde das Gesetz mit großer Mehrheit, nämlich mit 20 zu 4 Stimmen, angenommen. Aufgrund von Änderungen hinsichtlich Glaubensgemeinschaften, die mehr Rechte erhalten haben, gleichgeschlechtliche Eheschließungen aus religiösen Gründen abzulehnen, muss der abgeänderte Gesetzestext nun erneut vom Senat behandelt und darüber abgestimmt werden. Diese neuerliche Abstimmung dürfte aber nur reine Formsache sein. Verläuft alles nach Plan, dann können in Hawaii ab dem 2. Dezember Eheschließungen von homosexuellen Paaren durchgeführt werden.

Öffnung II SPRINGFIELD. Nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im US-Bundesstaat Illinois fehlte nun nur noch die Unterschrift des Gouverneurs, Pat Quinn. Jetzt unter-

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EHE IN DEN USA Die Ehe ist in den US-Bundesstaaten Connecticut, Delaware (seit 1. Juli 2013), Iowa, Kalifornien (wieder seit 29. Juni 2013), Maine, Maryland, Massachusetts, Minnesota (seit 1. August 2013), New Hampshire, New Jersey (seit 21. Oktober 2013), New York, Rhode Island (seit 1. August 2013), Vermont, Washington und für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet. Hawaii folgt ab Anfang Dezember 2013; ab Juni 2014 kommt auch Illinois hinzu. Weiters ist die Ehe in der Hauptstadt der USA Washington (District of Columbia) geöffnet und auch in mehreren Bezirken im US-Bundesstaat New Mexico werden Ehelizenzen an gleichgeschlechtliche Paare ausgegeben.

zeichnete der demokratische Gouverneur in einer feierlichen Zeremonie mit vielen ZuschauerInnen in der Universität von Illinois das Gesetz. Damit wird Illinois der 16. Bundesstaat der USA mit der Gleichstellung von Lesben und Schwulen im Eherecht. Erst Anfang November nahm das Abgeordnetenhaus den entsprechenden Gesetzesentwurf in adaptierter Version mit einer Mehrheit von 61 zu 54 Stimmen an und kurz darauf stimmte auch der Senat ein weiteres Mal für Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren im Eherecht. Bis die ersten gleichgeschlechtlichen Paare im 16. US-Bundesstaat der USA ihre Ehen schließen können, dauert es noch etwas, denn das Gesetz tritt erst am 1. Juni 2014 in Kraft.

Öffnung III EDINBURGH. Mitte November hat das Parlament in Schottland in ersten Lesung das Gesetz ‘Marriage and Civil Partnership (Scotland) Bill’ mit überwältigender Mehrheit angenommen. Nachdem zuvor eine Rekordzahl von 77.508 Stellungnahmen eingebracht wurden, wurde im Juni das Gesetz im Parlament eingebracht. Vor der Abstimmung hat der schottische Gesundheitsminister Alex Neil die Abgeordneten aufgeru-


FOTO: FACEBOOK.COM/TOMDALEYOFFICIAL

Tom Daley outet sich LONDON. Großbritanniens WasserspringerHoffnung Tom Daley hat in einem Video seine Beziehung zu einem Mann öffentlich gemacht. In dem sehr emotionalen Video hielt er dann fest: „Ich habe jemanden getroffen, der mich glücklich gemacht hat. Dieser jemand ist ein Mann.“ Der smarte Springer, der bei den Olympischen Spielen den dritten Platz gewonnen hat ließ aber in der Video-Botschaft offen, ob er schwul oder bisexuell ist (siehe dazu Thema „queer“ auf Seite 34/35). Als 15-Jähriger war er 2009 bei der WM in Rom der jüngste WassersprungWeltmeister. Die Gefühle zu einem Mann haben ihn selbst ein wenig überrascht. Mit dem Video will er eine ganz einfache Botschaft mitteilen: „Es fühlt sich gut an, ich dachte: okay.“

fen, den Gesetzesentwurf zu unterstützen, denn dieser „promote Gleichstellung und Vielfalt in der Gesellschaft”. Auch die Vorsitzende der schottischen Konservativen, Ruth Davidson sprach sich in einer leidenschaftlichen Rede klar für die Öffnung der Ehe aus. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass gleichgeschlechtliche und verschiedengeschlechtliche Paare die gleichen Wahlmöglichkeiten haben und wählen können, ob sie ihre Ehe im Rahmen einer standesamtlichen oder einer kirchlichen Trauung schließen möchten. Glaubensgemeinschaften werden nicht verpflichtet, gleichgeschlechtliche Eheschließungen durchzuführen. Das Gesetz wurde jetzt in erster Lesung mit 98 Ja-Stimmen, bei lediglich 15 Gegenstimmen angenommen. Fünf Abgeordnete enthielten sich der Stimme. Damit dieses Gesetz in Kraft treten kann, sind noch zwei weitere Abstimmungen notwendig. Die dritte und finale Abstimmung wird voraussichtlich Anfang 2014 stattfinden können.

Homoeheverbot ZAGREB. Bei einem Referendum Ende November in Kroatien stimmten zwei Drittel für die Verankerung der zivilen (heterosexuellen) Ehe in der Verfassung. Das von der Organisation „Im Namen der Familie“ einge-

brachte Referendum wurde von allen religiösen Gruppierungen und besonders von den konservativen Partei HDZ und der neuen ultrakonservativen Partei Hrast unterstützt. Damit ist defakto eine Verbot der Ehe für homosexuelle Paare festgelegt. Es ist bereits das dritte Referendum in Kroatien. Das Erste thematisierte die Unabhängigkeit 1991, das Zweite bezog sich auf den EU-Beitritt im Jänner 2012. Kritik kam nicht nur von vielen lesbisch/schwulen Organisationen, da zuvor aus Sorge, dass nicht ausreichend BürgerInnen teilnehmen würden, das Quorum abgeschafft worden war. Mit diesem demokratiepolitisch problematischen Trick kann jederzeit eine kleine Minderheit über relevante Themen bestimmen. Der Volksentscheid ist somit auch das erste Referendum zur Homo-Ehe innerhalb der EU. Präsident Zoran Milanovic stimmte selbst bei der Abstimmung gegen das Referendum und bemerkte: „Ich hoffe, dass wir das letzte Mal so ein Referendum mit so einer Frage abhalten“. Hätte die Regierung von Beginn an das Verfassungsgericht auffordert die Fragestellung des Referendums grundsätzlich auf Diskriminierung zu prüfen (die Ehe als exklusive Vereinigung von Mann und Frau diskriminiert alle anderen Formen des Zusammenlebend), wäre es gar nicht zu so einem unfairen Referendum gekommen. n

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Gesellschaft queerSCHLÄGE Statt des Kampfs gegen Heteronormativität dienen queere Ansätze vermehrt politisch korrektem Tugendterror. Eine Polemik

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ie Analyse und Destabili­sierung gesellschaftlicher Normen von Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit ist die noble Aufgabe der Queer Theorie. Zentrales Anliegen ist es, Sexualität als kulturelles Produkt sichtbar zu machen. Was nicht den herkömmlichen Rollen entspricht, wird unter „queer“ zusammengefasst. Und deshalb ist es auch üblich geworden, nicht mehr von einer Lesben- und Schwulenbewegung zu sprechen, sondern so zu tun, als ob es eine Bewegung gebe, die alles „Abweichende“ erfassen würde: LGBTI-Bewegung. Die Abkürzungswurst wird manchmal auch nach Bi-, Trans- und Intersexualität noch um Poly­ amorie, um „Heterofriends“ usw. erweitert. Politisch korrekter Tugendterror „Durch die Einverleibung in die LGBT werden jedoch die transidenten Menschen in die Schwulen- und Lesben-Szene gedrängt, der sie eigentlich nicht oder noch nicht angehören“, schrieb eine Trans-Person im letzten PRIDE. Diese Kritik sollte man nicht leichtfertig als Undankbarkeit oder Spalterei abtun. Der Kern der Sache ist, dass vor allem an den Unis mit Queer Theorie ein politisch korrekter Tugendterror um sich gegriffen hat, der mit den realen Problemen tatsächlich existierender Menschen nichts mehr zu tun hat. In den USA argumentieren religiös motivierte „Homo-Heiler“ mittlerweile „queer“: Die Homos würden ja selbst zugeben, dass ihre Orientierung nicht natürlich sei, sondern ein kulturell geformtes Konstrukt. Also sei dies durch festen Willen und Gebet auch

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änderbar. Dass auch Heterosexualität kulturell geformt ist, wird dabei unterschlagen. Aus queerer Sicht wird aber z. B. das Coming Out problematisiert, weil dies zu einer schwulen Identität führen solle, die jedoch nur ein Konstrukt sei. Transsexuelle werden kritisiert in ihrem Bemühen, ganz bewusst Geschlechtsstereotypen zu übernehmen (Kleidung, langes Haar, Schminke) und dadurch die als Konstrukt entlarvte Zweigeschlechtlichkeit zu stärken. Die Lesbenund Schwulenbewegung wird aus queerer Sicht in ihrem Kampf um Gleichstellung kritisiert. PartnerInnenschaftsgesetze und Homo-Ehe würden nur zu einer Hetero­ sexualisierung führen und das herrschende System stärken. Die politisch und juristisch erzielten Erfolge der letzten Jahre wurden nicht wegen, sondern gegen Queer Theorie erkämpft. Auch Regenbogenfamilien gelten vor allem als Fortführung tief verwurzelter heteronormativer Strukturen. „ist eh alles queer...“ Als Beweis der gewaltvollen Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit ist es in den letzten Jahren auch zu einer Eingliederung der Intersexuellen in die queere Abkürzungswurst geführt. Keineswegs mit breitem Konsens der Betroffenen, geht es Intersexuellen zunächst einmal unabhängig von ihrem Verständnis als geschlechtliche Wesen, also unabhängig davon, ob sie sich als geschlechtlich ein- oder mehrdeutig oder als nicht verortbar verstehen, um die Beendigung der Gewalt gegen ihre Körper und ein Aufwachsen ohne traumatisierende Gewalt­ erfahrungen.


GESELLSCHAFT

Einerseits werden also spezifische Bedürfnisse ignoriert, weil „eh alles queer“ ist. Weshalb sich auch alle Mitgemeinten (und die neuesten Erweiterungen der Abkürzungswurst öffnen ja mit Leerzeichen und Sternchen Tür und Tor) auch gefälligst „queer“ zu verhalten haben. Umgekehrt wird, um „Homonor­mativität“ vorzubeugen, die Schar der Betroffenen mittlerweile derart differenziert (schwarze Lesbe aus der Oberschicht mit Migrationshintergrund usw.), dass die Aufstellung gemeinsamer Forderungen praktisch unmög-

lich wird. Heteronormativität zu bekämpfen spielt da kaum mehr eine Rolle. Und so freut die jüngste Ablehnung der Homo-Ehe in Kroatien zwei Gruppen: die katholische Kirche, welche die Ehe überhöht als Keimzelle der Gesellschaft betrachtet. Und QueerTheoretikerInnen, die die Ehe überhöht als Hort alles Bösen betrachten. Für individuelle Bedürfnisse ist da kein Platz.  Text: Hans-Peter Weingand

KOMMENTAR FOTO: TERRORKIND / PHOTOCASE.COM

Hauptsache queer

I

n früheren Zeiten hatte Schwuloder Lesbischsein in vielen Fällen einen avantgardistischen Impetus. Weil wenn man schon anders war als die anderen, dann konnte man das auch konsequent leben – als Prinzip des eigenen Lebens, als Weltanschauung. Heute, wo alles und jedeR queer ist, ist das Identitätsstiftende des Andersseins weitgehend vorbei. Wo früher der Kampf um die rechtliche und soziale Akzeptanz und Absicherung im Focus stand, ist heute die Gleichstellung in der Spießigkeit angesagt. „Ehe für alle!“, heißt es heute und was folgt dann? Die große Freiheit im kleinen Paradies? „Frisch geduscht im Reihenhaus“, hieß es in der Oktober-Ausgabe des Magazins „Männer“; die endgültige Simulation der „heterosexuellen Lebensweise“ durch Lesben und Schwule. „In Zukunft aber wird es wohl einen regelrechten Graben geben, der die einstige Community teilt: Unterschieden wird dann in gute Homos und schlechte Homos.“ Die guten Homos sind verpartnert, monogam und angepasst mit eigenem Häuschen, Hund und womöglich noch Kindern, und die Bö-

sen ficken weiter wie bisher. Wenn alle, selbst die Heterosexuellen, ein bisschen queer sind und vor allem brav und anständig, dann braucht sich niemand mehr vor den gar nicht so abartigen Homosexuellen fürchten. Dann herrscht endlich Friede, Freude, Eierkuchen in den Fitness-Studios und Sushi-Restaurants des Landes. Wenn aber alles zergendert und dekonstruiert wird, werden alternative Lebensformen immer mehr ausgeblendet. Statt individuellen Lebensentwürfen wird der Lifstyle in Mega-Happenings kollektiv abgefeiert, gesellschaftlicher Protest verkommt zur Party-Parade mit KünstlerInnen-Aufputz und Promi-Faktor und Sex mutiert zum hygienisch unbedenklichen Fotobetrachten auf virtuellen Datingplattformen. Hauptsache queer. Aber wo bleiben die bunten, schrillen, unangepassten, dreisten und lauten Lesben und Schwulen, die die Straßen unsicher und tatsächlich noch Sex machen? Eines ist doch auch klar: Für’s Bravsein hat es noch nie einen Ehrenpreis für Homosexuelle von den Heterosexuellen gegeben. n Text: Gernot Wartner

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Kultur Geschenktipps für alle Sinne und jeden Geschmack. Mann trägt wieder Bart – auf über 250 Seiten zeigt Autor Kevin Clarke die schwule Seite der Bärte auf. Der Bart als „das großartigste Männeraccessoire aller Zeiten“ ist wieder salonfähig geworden. Endlich sind die Zeiten der (ganzkörper)rasierten Männer vorbei. Im Sinne von „Hoch lebe der gesichtsbehaarte Mann!“ werden alle haarigen Details angesprochen: von „unrasierter AlphaMaskulinität“ der 70er Jahre – Stichwort Honcho-Magazin – bis zu bärtigen, schwulen Sängern – von George Michael bis Scott Matthew. Nach dem Motto, „zeige mir deinen Bart und ich sage dir

wer du bist“ wird der gesamte Kosmos an Männerbehaarung thematisiert: Sexy Weihnachtsmänner, rassige Könige aus „Game of Thrones“ wiedergeborene Gay Clones aus den 70ern, politisch aufgeladene Taliban-Bärte oder ironisch inszenierte Hipster-Männlichkeit. Zahlreiche Interviews, historische Abstecher und Infos rund um den Bart machen „Beards“ zu einem perfekten Nachschlagwerk für kalte Wintertage. Bruno Gmünder Verlag, Fotobuch, farbig, 256 Seiten, dt./engl., Hardcover mit Schutzumschlag, Berlin, November 2013

FOTOS: © J. P. SANTAMARIA UND © WALT CSSNA

Kevin Clarke: „Beards – An Unshaved History“

Schokolade der etwas anderen Art bietet „Edibleanus“. Die Inhaltsstoffe sind zwar nicht überraschend – dunkle Schokolade mit 55% Kakao, Milchschokolade mit 34% oder weiße Schokolade mit 28% Kakaobutter, – aber die ungewöhnliche Form geben der Schokolade eine doch sehr besondere Note. Das einmalige Geschenk für den Liebsten ist in Anusform und kann in 5-fach oder 10-fach Paketen (zu je drei Schokos) online bestellt werden.  www.edibleanus.com

FOTO: EDIBLEANUS.COM

Schokolade: „Edibleanus“

Philippe Jaroussky und Cecilia Bartoli singen auf den Spuren von Farinelli. Wenn es heute einen Sänger gibt, der in der Lage ist, Farinellis extrem expressives und virtuoses Repertoire authentisch zu interpretieren, dann ist es der Countertenor Philippe Jaroussky, der bereits ein früheres Album Farinellis größtem Konkurrenten Carestini widmete. Mit „Arien für Farinelli“ begibt er sich auf die Spuren von Farinellis Lehrer und Meister Nicola Porpora.

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Für LiebhaberInnen fast überirdischer geistlicher Musik ist die Anfang November veröffentlichte CD „Stabat Mater“ ebenfalls zu empfehlen: Julia Lezhneva und Philippe Jaroussky interpretieren Kirchenmusik des im Alter von gerade einmal 26 Jahren verstorbenen Pergolesis, der bereits den späteren Stil der Mozartzeit vorweggenommen hat.  www.philippe-jaroussky.de  www.emiclassics.de

FOTO: (C) MARC RIBES LICENSED TO ERATOWARNER CLASSICS

Philippe Jaroussky: „Arien für Farinelli“ & „Stabat Mater“


Gesundheit Forderungen

A

m 1. Dezember, dem internationalen Welt-AIDS-Tag wird an bereits verstorbene gedacht und besonders auf die noch immer existierende Diskriminierung von HIV-in­ fizierten Menschen oder AIDS-Kranken aufmerksam gemacht. Einen besonderen Aspekt haben die AIDS-Hilfen Österreichs hervorgehoben und auf die mangelnde Solidarität mit HIV-postiven MigrantInnen hingewiesen, die trotz ihrer Krankheit wieder in ihre Heimatländer abgeschoben werden.

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Die AIDS-Hilfen fordern daher: n Um ein faires Verfahren gewährleisten zu können, müssen differenzierte Kriterien bei der Abwicklung der Asylverfahren Anwendung finden (Fokus auf die tatsächlichen HIV/AIDS Problematiken). n Jeder Einzelfall muss für das jeweilige Herkunftsland anhand der Empfehlungen der

WHO überprüft werden, ob ausnahmslos der Zugang zur Therapie und zu den spezifischen Kontrolluntersuchungen gewährleistet ist. (z.B. Personen mit Therapien von mehreren Medikamentengenerationen können keinesfalls auf eine frühere Therapie zurückgehen.) n Um zuverlässige Angaben zur Entscheidungsfindung zu erhalten, müssen vorrangig Gutachten und Berichte von Organisationen und ÄrztInnen eingeholt werden. Die Auskünfte von Botschaften sind nicht ausreichend. n Der Zugang zu einer HIV-Therapie im Herkunftsland muss für die Einzelperson finanziell und sozial möglich sein. n Für negativ ausjudizierte Personen, die abgeschoben werden sollen, muss eine humanitäres Aufenthalts- bzw. Bleiberecht möglich sein. Infos: www.aidshilfen.at n

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ANTWORT Die Anonymität der InserentInnen der kostenlosen Kleinanzeigen wird auf Wunsch gewahrt; für Herkunft, Inhalt, Qualität und Wahrheitsgehalt der in den Anzeigen angebotenen, nicht kommerziellen Waren, Dienstleistungen oder Mitteilungen bzw. für die direkten und indirekten Folgen ist die Redaktion nicht verantwortlich. Inserate, die ausschließlich oder überwiegend kommerzielle Zwecke verfolgen, können wir nicht kostenlos abdrucken. Auf Anfrage übersenden wir aber gerne unsere aktuelle Anzeigenpreisliste. 0900-Nummern sind kostenpflichtig. Bei gewünschter Veröffentlichung der Telefonnummer muss der Redaktion eine Kopie der letzten Telefonrechnung vorliegen, bei Veröffentlichung der Adresse ist eine Kopie des Personalausweises/Reisepasses notwendig (per FAX: 0732/70 04 74-4 oder per Post: PRIDE, Gerstnerstraße 13, 4040 Linz, Kennwort: „Kontakte“). Die Redaktion behält sich vor, die Veröffentlichung

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Neue Anzeigen: online eintragen: www.pride.at/ kontaktanzeigen/ verbunden, auch Sportlich, Unternehmungslustig. Für eine gute Freundschaft, muß keine feste Beziehung sein. Chiffre: 1371

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PRIDE Nr. 137/Dezember 2013