Page 216

FINANCE

70 Prozent verzinst. Da genug neue Mitglieder mitspielten, konnten sie die entsprechenden Beträge in den ersten beiden Jahren noch halbwegs an die Erwartenden auszahlen, dann ging es bergab. Ein Grund für den Erfolg war sicher, dass sie sich an Kleinanleger wandte, die aus dem Wenigen, was sie hatten, eben einfach mehr machen wollten. Und damit traf sie einen Nerv, denn Banken – so das Denken – wollen eben nur die mit viel Geld. Aus Kleckerbeträgen lässt sich eben nicht viel machen.

Jahr nach der Club-Gründung war die deutsche Finanzaufsichtsbehörde auf Damara und ihr Gebaren aufmerksam geworden. Doch die gab sich kämpferisch, wetterte, klagte, drohte, und hinter ihr standen die Anleger. Denn für die war klar: Der Staat mischt sich ein, weil hier endlich mal etwas für den kleinen Mann getan wurde. Staat gleich Bank, gleich Reiche werden bevorzugt. Das glaubten viele und nicht zuletzt, weil die Königin es propagierte.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Selbst im Prozess noch standen viele geprellte Anhängerinnen hinter Damara Bertges. Am Ende aber wanderte sie dennoch hinter Gitter. Offiziell acht Jahre, die verkürzt wurden. Seitdem hat man von der Schneeball-Königin nie wieder gehört. Ob sie sich im ewigen Eis versteckt oder auf den Bahamas, das bleibt daher offen. Fakt aber ist, Charakterköpfe finden immer Anhänger, die ihnen auch bis zum Ende der Welt folgen werden. Daher wird sie sicher nicht einsam sein und arm, auch das darf bezweifelt werden. Ist aber wirklich reine Spekulation.

Das Angebot das EKC war einfach. Anleger mussten 1400 Franken einzahlen, von denen 200 Franken als Provision verbucht wurden. Über ein Jahr sollten dann pro Monat 200 Franken an die Anleger ausgeschüttet werden. Insgesamt demnach 2400 Franken. Dass die ersten Gläubiger das Versprochene erhielten, half bei der Akquise. Doch schon ein

Der letzte Schneeball ist noch lange nicht geflogen Warum Schneeballsysteme auch trotz zahlreicher Negativ-Beispiele immer wieder funktionieren, liegt in der Natur der Menschen. Geld bestimmt darüber, wie man leben kann. Und wenn einer daherkommt, der einem in Zeiten von Lohn-Dumping, fehlenden Zinsen und Überteuerung von Alltagsprodukten Geld verspricht, dann wird man hellhörig und fragt zumindest mal nach. Dem Staat glaubt man zudem eh nicht mehr, den Banken noch weniger. Alternativen sind gefragt, werden geboten und genutzt. Da drückt man dann auch mal ein Auge zu, wenn es eigentlich offensichtlich ist, dass da etwas faul sein muss.

Charles Ponzi (1882 bis 1949): Pionier des Schneeballsystems

214 I PRESTIGE

Die Liste der Schneeballsystem-Täter ist daher bereits lang, und weitere Namen wie Adele Spitzeder, Reed Slatkin und Ivar Kreuger lassen sich mit zahlreichen Einträgen googeln. Und Schluss würde erst dann sein, wenn Menschen nicht mehr an Rendite interessiert wären. Das aber ist eine Sache, die utopisch ist. Wie eben auch das Beispiel von Charles Ponzi zeigt. Denn kaum auf freiem Fuss spielte der sein Spielchen an anderer Stelle – in den USA – und mit anderer Masche – Immobilien – gleich weiter. Aber auch diesmal kam man ihm auf die Schliche, und am Ende starb er krank und einsam im Jahr 1949 in Rio de Janeiro. Nicht reich, aber geschichtsträchtig.

Profile for rundschauMEDIEN AG

PRESTIGE Germany Volume 13  

PRESTIGE Germany Volume 13