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FINANCE

Doch wer kein Geld generiert, sondern lediglich umsortiert, der fliegt am Ende auf die Nase. Und zwar im Fall von Ponzi nicht, weil die Bank nicht mehr wollte. Die haben mitgemacht, wenn auch irgendwas an der Sache komisch war. Vielmehr wollte ein Kunde endlich mal so etwas wie eine Rendite sehen. Und das ist der Punkt, an dem irgendwann jedes Schneeballsystem auffliegt. Denn es basiert darauf, dass immer mehr Menschen teilnehmen, damit die ersten das Geld von den letzten erhalten können. Hört der Zustrom auf, verebbt auch der finanzielle Ausschuss. Und dann werden Fragen gestellt. Unangenehme. Und immer wieder. Im Fall von Ponzi kam am Ende raus, dass er von rund 40’000 Anlegern 10 Millionen US-Dollar kassiert hatte.

Die Königin war überzeugend Der liebe Mann wanderte daraufhin in den Knast, die gutgläubigen Investoren schauten in die Röhre. In die leere natürlich. Und so ging es auch den

Anlegern, die dem European Kings Club (EKC) glaubten. Insgesamt rund 100’000 Anleger, 20’000 davon aus der Schweiz, verloren in diesem Konstrukt 1,6 Milliarden Franken. Die Verantwortlichen in diesem Fall: Hans Günther Spachtholz und Damara Bertges. Besonders Letztere war der ­ Charakter- und denkende Kopf hinter einem Club, der weder Geschäftsmodell noch Rendite mit sich brachte. 1996 wurde das Konkursverfahren offiziell eröffnet, der Betrug selber fand zwischen 1991 und 1994 statt. Auch hier, wie so oft beim Schneeballsystem, eine einfache Idee: Man bot einfach mehr Zinsen als die Bank. Und in diesem Fall war es Königin Damara Bertges, die das wortreich und schon fast verführend ihren Anhängern vermittelte. Und wer nun denkt, dass nur Männer der Deutschen verfallen waren, der irrt. Auch für viele Frauen war sie Vorbild wie Göttin in einer Person. Ihr Versprechen: Innerhalb eines Jahres würde der Einsatz mit

The luxurious way of life I 213

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