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FINANCE

REICH IN SEINEM REICH Geld stinkt nicht, so sagt ein Sprichwort. Doch damit klotzen und protzen macht selten wirklich glücklich. Heute zeigt sich ein anderer Trend: Man weiss, was man hat, verzichtet aber auf dessen materielle Darstellung. Die Frage ist nur, für wen?

B

Wilma Fasola

ei WhatsApp könnte man eigentlich im Sekundentakt seinen Status ändern und die Welt an seinem (emotionalen) Leben teilhaben lassen. Daher handelt es sich in diesem Fall eben meistens auch um eine Momentaufnahme. Der soziale Status hingegen, den man im Leben sein Eigen nennt, ist eher von dauerhafter Natur und schon schwieriger beeinflussbar. Wikipedia sagt dazu, dass er die eigene Position innerhalb einer sozialen Rangordnung beschreibt. Ausschlag ­geben dabei Kriterien wie Macht, Einfluss, Einkommen, Vermögen, Prestige und noch so manch anderer Kram, der irgendwie den Beigeschmack von Selbstdarstellung mit sich bringt. Der breiten Masse wird der soziale Stand dabei mittels Statussymbolen vermittelt, zumindest war das lange Zeit so. Doch damit ist nun Schluss. Im Reich der Reichen hat sich nämlich ein neuer Trend breitgemacht. «Stealth Wealth» nennt er sich und steht für den verborgenen Luxus. Oder besser: für das Leben in einer Parallelwelt. Der Name ist dabei abgeleitet von den «Stealth»-Bombern. Eben denjenigen Kampfjets, die unter dem Radar und damit unerkannt in fremden Lufträumen fliegen können.

Man bleibt reich, aber lieber unter sich Wer am Ende jedoch genau das Patent auf dem Begriff «Stealth Wealth» hält, ist ungewiss. Plötzlich war er da, und man beschäftigte sich mit ihm. Auch solch angesehene Organisationen wie das Zukunftsinstitut, die ihn als den Statuskonsum der neuen Elite und postmateriell beschreiben. Politisch korrektes Geldausgeben ist ein weiteres Attribut, und das bringt es ganz gut auf den Punkt, denn so selbstlos sind Mister und Misses Reich eben doch nicht. Denn man möchte schon seinesgleichen erkennen können und lanciert so nach und nach Codes, die sich in Form von neuen, weniger offensichtlichen Statussymbolen zeigen. Auf der anderen Seite aber möchte man auch den weniger gut Betuchten Respekt entgegenbringen und legt daher ein sozialverträgliches Verhalten an den Tag. Reich bleibt also reich und eben im eigenen Reich. Und das wirkt sich auch auf die Partnerwahl aus. Dass der Prinz das Mädchen von nebenan ehelicht, ist Geschichte. Heute heiratet man auf Augenhöhe und damit jemanden, der im sozialen Weltgefüge in der gleichen Liga spielt. Pilot und Stewar­dess, der CEO und die Assistentin, diese Duette finden mehr oder weniger nur noch in der Filmwelt statt. Man mag seine Ruhe haben,

The luxurious way of life I 209

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