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ie viele unterschiedliche Gerüche kann ein normaler Mensch charakterisieren? Die wissenschaftliche Studie «Humans Can Discriminate More Than 1 Trillion Olfactory Stimuli» von C. Bushdid, M.O. Magnasco, L.B. Vosshall, A. Keller, veröffentlicht 2014, beweist, dass wir rund eine Billion Gerüche dif­ ferenzieren können, viel mehr als bis dahin an­ genommen. Der Geruchssinn bestimmt unser soziales Leben. Er ist verantwortlich für unsere Sexualpartner und alle Menschen, mit denen wir uns gerne umgeben. Diese Tatsache und Erkenntnis macht sich eine französische Parfüm-Marke zunutze. Passend zum Differenzierungsmerkmal der Nischen-Parfümerie, die es sich zum Ziel gesetzt hat, einen unverwechselbaren Stil zu kreieren und niemals einem Mainstream zu folgen, besetzt die Firma Initio Parfums Privés ihr eigenes Segment. Gegründet von «Nadia», ihren Nachnamen hält sie streng geheim, versucht die Marke, mit drei verschiedenen Unisex-Duftlinien das menschliche Gehirn zu beeinflussen. «The Absolutes»,

FASHION &BEAUTY

«The Magnetic Blends» und «The Carnal Blends» sollen eine neue emotionale Dimension eröffnen und eine Wirkung wie ein Liebestrank haben, à la Napoléon Bonaparte: «Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt.» PRESTIGE: Mit Initio Parfums Privés haben Sie ein ganz besonderes Konzept – können Sie es bitte erklären? NADIA: Es ist ein Konzept, das jahrelange Forschung und Reflexion erforderte. Es beruht auf einer einfachen wissenschaftlichen Tatsache: die Geruchskraft auf das menschliche Gehirn und auf Emotionen, die die Stimmung, das Verhalten, die Interaktionen beeinflussen … Sie wissen wahrscheinlich, dass die Nase durch den Geruch das einzige Organ des Körpers ist, das direkt mit unserem Unterbewusstsein und unseren Emotionen verbunden ist. Heute gilt es nicht mehr zu beweisen, dass Gerüche uns beeinflussen können, sondern welche Substanzen welchen Bereich im Gehirn aktivieren, welcher Rezeptor für welche Reaktion verantwortlich ist. Das versuchen wir bei Initio. Wir nutzen das Wissen und die Erkenntnisse unserer Vorfahren. Wir erzeugen Gerüche, die Menschen beeinflussen. Haben Sie ein Beispiel? Nehmen wir Moschus, das schon vor Tausenden von Jahren wegen seiner aphrodisierenden Eigenschaften verwendet wurde. Es wird von der Wissenschaft heute als ein Molekül eingeordnet, das dem von Testosteron ähnlich ist. Unsere Ahnen wussten, was die Wissenschaft heute bewiesen hat. Das Gleiche geschieht mit grauem Amber (Sekret aus dem Verdauungstrakt von Pottwalen, Anm. d. Red.). Die synthetische Interpretation dieses Naturrohstoffes ist das «Hedione-Molekül». Es ist ein weiteres perfektes Beispiel dafür, wie Gerüche unser Gehirn beeinflussen. Jüngste wissenschaftliche Forschungsergebnisse haben bewiesen, dass das Hedione-Molekül bei hoher Dosierung bestimmte Areale im Gehirn aktiviert. Es handelt sich dabei um Bereiche, die mit Lust und Libido verknüpft werden. Wie kamen Sie auf die Idee, das Gehirn mit Düften zu beeinflussen? Während einer Party wollte ich zusammen mit einem Freund, einem deutschen Wissenschaftler und Parfümeur, den sogenannten Aldron-Molekül-Effekt testen. Dabei handelt es sich um Pheromone (Botenstoffe, Anm. d. Red.) mit einem für den Menschen sehr unangenehmen Geruch. Mein Freund und zwei seiner Freunde parfümierten sich

Auftakt der neuen Hedonist-Kollektion «Rehab»

The luxurious way of life I 153

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PRESTIGE Germany Volume 13  

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