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DRIVE STYLE

sollen. Vor etwa 15 Jahren begann er, Kunden-Porsches zu «customizen». Weil er Deutschland und deutsche Autos schon immer gut fand, hat er recht frei seinen damaligen Namen eingedeutscht und firmiert seither unter «Rauh Welt Begriff».

Endmontage ist Chefsache Er mache sich nicht viel Gedanken, sagt Akira Nakai-San, und tue einfach, worauf er Lust habe und was er cool finde. Inzwischen korrigierte er auch den früheren Zusatz «Sekund Entwicklung» in «Zweite Entwicklung», sägt und schraubt aber immer noch in seiner kleinen Werkstatt, die mit allerlei Memorabilien, wie einem Billard-Tisch, leeren Bierflaschen und amerikanischem Schnickschnack, dekoriert ist. Seit ein paar Jahren hat er einen ­Manager, der sich nicht nur um Pressetermine kümmert, sondern mit dem er zusammen ein Dutzend Standorte, auf der ganzen Welt verteilt, aufgebaut hat. Meistens lokale Werkstätten oder Tuner, die RWB-Kits in Zusammenarbeit mit Nakai-San vertreiben. Interessiert sich ein neuer Kunde für einen

Umbau, versucht der Kettenraucher Nakai-San im Vorab-Gespräch über dessen Wünsche ein eventuelles Projekt und Einzelteile zu definieren. In einem 22’000-US-Dollar-RWB-Kit sind standardmässig Front- und Heckstossstangen, vier Kotflügel-Verbreiterungen, ein Paar Seitenschweller, ein GT-2oder 3.8-RS-Heckspoiler sowie Kleinteile enthalten. Nach erfolgter Bestellung werden die GfK-Teile von seinen japanischen Zulieferern gefertigt, anschlies­ send in die Niederlassungswerkstatt des Kunden verschifft, von den jeweiligen Partnern in Wunschfarbe lackiert und danach ausschliesslich von Nakai-San himself vor Ort verbaut: «Ich fliege hin, mit meinem Werkzeug im Gepäck, und in zwei bis drei Tagen Arbeit ist der Wagen fertig.» Dabei arbeitet er meist bis spät nachts, denn «mit Kaffee und Zigaretten kommen die besten Ideen für neue Umbauten» – grinst er. In den letzten Jahren hat er bis zu 60 Fahrzeuge p.a. umgebaut, jettet von ­einem Land auf den nächsten Kontinent. Neben seinen Race-Umbau-Kits bietet er auch «Narrow-­ Body»-Strassenversionen an, allesamt für 930-, 964- und 993-Modelle, und vertreibt optional Federbeinsysteme des japanischen Herstellers ­ «Aragosta», XXXXL-Champion-Heckspoiler, SSR-­ Felgen und Reifen bis zu 335er Breite. «Etwa 40’000 US-Dollar muss ein Kunde letztendlich bereit sein zu zahlen, um einen ausgewachsenen ‹Rauh Welt›-Porsche sein Eigen zu nennen – nur Umbaukosten, versteht sich.» In Deutschland sei es aber mithilfe eines netten TÜV-Prüfers dennoch schon möglich gewesen, eine Betriebserlaubnis – zu­ mindest für die schlankeren «Narrow-Body-­ Kits» – zu erhalten.

Wertsteigerung durch Coolness-Faktor

Akira Nakai-San hat mit seinem Umbau-Stil und seiner hemdsärmeligen Arbeitsweise Berühmtheit in der Porsche-Szene erlangt.

Es ist die Art und Weise, wie scheinbar unbedacht der Japaner an die Zuffenhausener Kotflügel mit seiner Stichsäge rangeht, die eingefleischte Porsche-­ Fans weltweit polarisiert. Den Begriff des «Wertes» scheinen gerade wir Deutsche mit besonderer Bedeutung zu sehen, da bei diesem Wort naturgemäss auch der damit verbundene Aufwand der eigentlichen Herstellung, ein Wiederverkaufswert, eine indirekt einhergehende Sicherheit – sprich Geldwert – verbunden ist. Oft werden dabei aber die Rahmenbedingungen vergessen, nach welchen Kriterien der «Wert» einer Sache oder auch einer Leistung bemessen wurde. Durch die Brille

The luxurious way of life I 117

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