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nach sich. Von einem Anruf oder selbstverfassten Antwortschreiben ist auch abzuraten, da alles gegen einen verwendet werden kann.

So geht man auf Nummer sicher! Um über das richtige Verhalten bei einer Abmahnung entscheiden zu können, sollte zuallererst überprüft werden, ob es sich um ein offensichtliches Fake handelt oder nicht. Ein Schreiben kann getrost in den Mülleimer geworfen werden, wenn es die Anwaltskanzlei gar nicht gibt oder Unstimmigkeiten oder grobe Rechtschreibfehler enthält. Sollte das nicht zutreffen, muss im nächsten Schritt die Frage geklärt werden, wer zur „Tatzeit“ Zugang zum Internet hatte, und wie gut das WLAN gesichert ist. Bei Wohngemeinschaften gilt: Auch wenn der Anschlusseigentümer prinzipiell immer haftet, können WG-Mitbewohner rechtlich in die Pflicht genommen werden. Hat keiner der Bewohner diese Rechtsverletzung begangen und ist das drahtlose Netzwerk zudem ausreichend verschlüsselt, kann mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Anschuldigung der Abmahnung ungerechtfertigt ist. Um auf Nummer sicher zu gehen, dass die Anwälte bald Ruhe geben, bietet es sich an, eine modifizierte Unterlassungserklärung zu unterzeichnen und an die Kanzlei zu senden. Vorlagen finden sich z.B. unter www.anmahnwahn-dreipage.de.

Damit räumt man keine Schuld ein, verpflichtet sich aber, in Zukunft das geschützte Werk nicht weiterzuverbreiten. Wer nach wie vor unsicher ist, sollte einen Fachanwalt aufsuchen. Übrigens: Im Falle einer gerechtfertigten Abmahnung kann ein Anwalt die geforderte Summe nochmal deutlich herunterhandeln.

Schreiben nehmen kein Ende, was nun?! Mittlerweile sind bei Sarah noch zwei weitere Abmahnungen eingetroffen. Auch hier ist sie unschuldig. Zumindest soweit sie es weiß. Leider besteht immer noch die sogenannte Störerhaftung als Restrisiko. Im Klartext bedeutet das: Wenn sich ein Dritter ohne ihre Erlaubnis und Kenntnis in ihr Netzwerk gehackt und den illegalen Download begangen hat, trägt sie als Anschlussinhaber die Verantwortung. Doch das kommt Sarah alles sehr unwahrscheinlich vor. Sie glaubt, dass diese Abmahnschreiben nur ungerechte Abzocken sind. Deswegen hat sie sich dafür entschieden, nach dem Versand der modifizierten Unterlassungserklärungen nicht mehr zu reagieren. Erst wenn ein Mahnbescheid oder eine Klageerhebung vom Gericht kommt, muss gehandelt werden. Bei erst Genanntem muss innerhalb von zwei Wochen ein Widerspruch eingelegt werden, bei einer Klageerhebung führt kein Weg an einem Anwalt vorbei. weltwärts | 25

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Sommer, Sonne, Strand und Freiheit. Mit diesem Gefühl startet ihr hoffentlich in eure wohlverdienten Semesterferien. Bald ist auch die letzt...

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