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Auszug aus einer Obermoselzeitung aus dem Jahr 1917 Luxemburgisches aus Amerika. …In Syracuse. R.D. feierte am 19. November der hochwürdige Herr John Reuland sein 25jähriges Priesterjubiläum. Am 15. November 1891 wurde die neue Pfarrkirche in Syracuse eingesegnet und Herrn Reuland als erster Pfarrer die Leitung der Pfarrei übertragen. Seither hat die Pfarrgemeinde sich sehr entwickelt. Die Luxemburger Gazette, der wir diese Zeilen entnehmen, schreibt. Seine gute Arbeit und sein glänzendes Beispiel und sein Einfluß reichen weit über seine Herde und seine Glaubensgenossenschaft hinaus, so daß es heute in ganz Syracuse keinen Geistlichen gibt, der höher in Achtung und Liebe des Volkes dasteht als er. Der genannte hat sich kürzlich beim Fallen das Knie verletzt und liegt mit eingegipsten Bein im Hospital darnieder. Aus diesem Anlaß schreibt er der Luxemburger Gazette einen humorvollen Brief dem wir folgendes entnehmen: Aber etwas Gutes ist bei der Geschichte für mich doch herausgekommen, so daß ich sagen dürfte: Glück im Unglück! Sie wissen ja, Herr Redakteur, wir müssen alle Heilige werden um in den Himmel zu kommen. Sie sowohl als ich. Von den Heiligen aber macht man Bilder und Statuen. Dadurch nun, daß man mir das Bein in Gips gelegt, ist schon ein Bein vom Heiligen fertig. Bei Ihnen Herr Redakteur, ist noch nicht einmal der Anfang mit einer Zehe zum heiligen gemacht. Und die Wilson-Kampagne hat Sie um hundert Jahre zurückgeworfen. Jetzt nur die Frage: Wie soll man den neuen Heiligen nennen? Es gibt schon eine ganze Menge heiliger Johannes. Vielleicht dürfte der Name lauten: Johannes der hinkende Bote? Das ginge schon für den Fall, daß nach dem Kriege Deutschland unser luxemburger Ländchen aufgabelte. Sollte aber Frankreich uns kriegen, dürfte es wohl heißen: Jean le Boiteur. Und wie, wenns Ländle selbständig verbleibt? Solls dann etwa heißen: Der heilige schlamme Jang? Doch bis der Heilige fertig ist, wird’s noch wohl ein Weile nehmen. Und bis dahin wird sich auch der rechte Name finden

Des Landwirts Merkbuch Ausweiden des Wildes. In der „All Landw Ztg“ schreibt Herr Aischendorff: Von Landwirten und Jägern hört man öfter die Äußerung. „Ich esse in der Großstadt kein Wild“ Woran liegt das? Zugegeben, daß öfters die Zubereitung zu wünschen übrig läßt, daß Butter und Rahm dabei gespart wird, so liegt doch die wesentliche Geschmacksbeeinträchtigung daran, daß das Wild, besonders Hasen, Hühner, Fasanen usw nicht rechtzeitig ausgeweidet worden sind. Gerade bei allem Wilde, das mit der Schrotflinte erlegt ist, also besonders bei allem kleineren Wilde sind fast immer die Eingeweide durchschossen und dieses Wild geht fast immer unausgenommen durch den Großhandel, den Kleinhandel bis an den Verbraucher. Wenn nicht schon früher, so geht auf dem Transport bei den auf Haufen verpackten Tieren der Darminhalt in Gärung über und die Gase durchdringen das Fleisch. Bei Rebhühnern in großstädtischen Gastwirtschaften sieht man daher öfter einen blauen Schein, der zum Teil sogar das Brustfleisch durchdrungen hat, der richtige Wildgeschmack entwickelt sich aber nur beim sauber ausgeweideten Tiere in der frischen Luft bis zum erwünschten Grade. Ob es nun nicht jetzt in den Kriegszeit angezeigt wäre, an die Reform des Wildhandels heranzugehen? Grevenmacher, 7. August. In der Gemeinderatssitzung vom letzten Freitag ….. wurde zum weiteren Hilfsfeldhüter Herr Andreas Reuter ernannt, so daß die Zahl der Feldhüter anscheinend genügend ist, um die Hut des Bannes speziell nachts, auszuüben. Für jede Entdeckung des Urhebers eines während der Nacht ausgeübten Vergehens wird dem Feldhüter von der Gemeinde eine Prämie von 12,50 Franken bewilligt. Nächsten Sonntag feiern wir unsere kleine Kirmes, die sogenannte Laurentiuskirmes, zu der sich bereits ein Karussell, mehrere Buden usw. angemeldet haben.

Unser Städtchen wird nun auch endlich ein ständiges Kinematographen-Theater erhalten, welches das ganze Jahr über geöffnet wird. Das Kino wird am Kirmessonntag im großen Festsaale des Herrn Joh. Büchler eröffnet werden mit den erfolgreichsten neuzeitlichen Stücken. Näheres im Anzeigenteil der nächsten Ausgabe dieser Zeitung. Wellenstein, 2.Aug. Bei Gelegenheit des hiesigen Kirchweihfestes am vergangenen Sonntag war die Statue der heiligen Mutter Anna in der Kirche mit zwei prächtig großen weißen und roten Trauben geschmückt. Dieselben waren von Herrn Mühlenbesitzer Welter in Remich gezogen. Die Frühreife der Beeren war dadurch herbeigeführt, daß die Traubengescheine in eine Flasche gesteckt wurden. So zog die Frucht ihre Nahrung vom Stocke und gedieh in der schützenden Glashülle ganz prächtig. Wasserbillig, 6. August. Gestern Nachmittag stattete der Verein Harmonie de Schifflange uns einen Besuch ab. Mit klingendem Spiel ging es durch die Hauptstraßen, dann an der schönen Mosel vorbei – In den letzten Tagen ist wieder viel Wein in kleineren Fässern von Langsur nach dem hiesigen Bahnhof gebracht worden um nach der Front versandt zu werden – Bei der Anlage eines Anschlusses an das Gaswerk wurde in der Mitte der Hauptstraße beim Hause Mich in der Tiefe von einem Meter eine gut erhaltenen römische Münze gefunden worden. – Aus dem Fischbehälter der Gebrüder Thiel sind bereits zu verschieden Malen in letzter Zeit nachts 20 bis 30 Pfund Fische gestohlen worden. – Aus einigen Gärten sind kürzlich nachts Pfirsiche und Aprikosen gestohlen worden. Am hellen Tage wurde ein fremder Bursche in dem Garten von Herrn Eich, der mit einer hohen Mauer umgeben ist, vom Hausknecht erwischt. Im Garten von Frl. M.Sch. ist nachts ein Pfirsichbaum abgebrochen und das Obst entwendet worden. Um seine Aprikosen und Pfirsiche vor nächtlichen liebhabern zu schützen, hatte ein Eigentümer sich in einem Schuppen seines Gartens nachts aufgehalten. Als er gegen Mitternacht verdächtiges Geräusch hörte, gab er einen Schreckschuß ab, worauf alles wieder ruhig wurde. Eich. 31. Mai. Am Dienstag Abend kam der Spediteur Joh. Medernach aus Hollerich mit seiner Kutsche aus der Richtung der Stadt. Beim Hause des Arztes Scholtes, wo die Bahn des Scharly eine Kurve macht, kam eben ein Zug angefahren, welcher M. wie es scheint, nicht gehört hatte. Das Pferd scheute und sprang gegen die Maschine, wodurch es umgeworfen und Medernach von der Kutsche geschleudert wurde. Medernach wurde ohnmächtig in die Wohnung des Arztes Scholtes getragen. Er hatte sich eine schwere Wunde an der Stirn zugezogen, die zugenäht werden mußte. Das Pferd kam mit einigen Hautabschürfungen davon. Nur die Geistesgegenwart des Maschinisten welcher mit aller Kraft bremsen konnte, ist ein größeres Unglück vermieden worden. Verproviantierung der Pferdehalter mit Hafer: Mit Bezug auf die Mitteilung vom 4. Juni gemäß welcher die Zentrale künftig Hafer nicht mehr an Pferdehalter abgeben wird, da die Hafervorräte ausschließlich zur menschlichen Ernährung verwertet werden, wird den Interessenten bekannt gemacht, daß Anträge zur Ausstellung von Kauf-und Transportberechtigung über Futterhafer an die Staatliche Einkaufs-und Verteilungszentrale einzureichen sind. Zuckerschmuggel: Unweit des Zentralbahnhofes traf die Polizei zwei Männer, die einen halb gefüllten Sack mit sich trugen. Die Beamten entdeckten darin Zucker, der aus Belgien eingeschmuggelt worden war und hier an den Mann gebracht werden sollte. Die Schmuggler wurden protokolliert und die Ware beschlagnahmt.

35 jahre muselzeidung | 89

Muselzeidung 434  
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