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EVANGELISCHE ZEITUNG FÜR ÖSTERREICH

Morgens im Radio: Birgit Zeiss-Brammer im Portrait Seite 13

JUNI 2017 ✲ NR. 6 ✲ 64. JAHRGANG

Halbzeit 2017 Seite 9−11

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Foto: M. Uschmann

Wahlen zur Gemeindevertretung

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Werben fürs Reformationsjubiläum

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„Großartig“: Nacht der Bibel

Theologie: Pfingsten Seite 14


EDITORIAL

MEINUNG

Foto: privat

Zukunftshoffnung

Liebe Leserin, lieber Leser, das Reformationsjubiläum ist in aller Munde, landauf landab gibt es Feste, Ausstellungen und Aktionen rund um 500 Jahre Reformation. Unserer Titelgeschichte gibt einen kleinen Ausschnitt davon wieder, der dennoch beeindruckt und zeigt, wie wichtig den Menschen das Gedenken und Feiern der Reformation ist. Bei allen Feiern rund ums Reformationsjubiläum steht aber schon das nächste große Ereignis vor der Tür: Im April 2018 werden die Gemeindevertretungen neu gewählt. Wir stellen Ihnen das Logo und das Motto vor und liefern erste Ideen der Verantwortlichen dazu (S 3). Viel Freude mit Ihrer SAAT, die diesmal auch wieder alle GemeindevertreterInnen erhalten.

Es gibt Termine im journalistischen Kalender, die auch nach Jahren nie zu Routine werden. So beginnt der Mai jedes Jahr mit einem Ereignis, das mich meist über Wochen begleitet und berührt: der Befreiungsfeier in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. Über 7000 Menschen aus dem Inund Ausland versammelten sich heuer hinter den steinernen Mauern des einstigen NS-Todeslagers, um der zehntausenden Toten zu gedenken. Vor allem sind es die Bilder der letzten Überlebenden der unvorstellbaren NS-Gräuel, die besonders einprägend sind. Betagte Männer und Frauen, die in ihrer ehemaligen Häftlingskleidung und gestützt von Angehörigen bedächtig über den einstigen Appellplatz gehen. Dort, wo sie vor über 70 Jahren tagtäglich um ihr Leben gebangt haben. Dort, wo man dem Tod stets näher war als dem Leben.

nungslosigkeit, neue Hoffnung verbreiten. Junge Menschen, die auf beeindruckende Weise ihrer Verpflichtung nachkommen und den Zeitzeugen eine klare Botschaft vermitteln: Wir haben es verstanden, wir übernehmen Verantwortung.

Szenenwechsel: Im Büro der pädagogischen Abteilung des „Mauthausen Memorial“ hängen an einer Pinnwand großformatige Fotos. Aufgenommen an verschiedenen Gedenkorten. Die Motive lassen erschaudern: Ein kleines Mädchen hat sich für ein Foto in einen Krematoriums-Ofen gesetzt, das Bild unmittelbar daneben zeigt einen Mann mit Glatze und nacktem Oberkörper, der auf der Todesstiege in Mauthausen mit einem Granitstein posiert. Ein weiteres Foto zeigt Bustouristen, die kurzerhand am Areal der Gedenkstätte Mauthausen Bierbänke aufgestellt und ein Fass angezapft haben. „Die Bilder bleiben immer in deinem Die mehr als fragwürdigen AufnahKopf. Die vielen Toten, das Leid, der men unterstreichen die Notwendigunglaubliche Sadismus“, hat mir Aba keit einer modernen Lern- und Lewit einmal erzählt. Der 93-Jährige Gedenkarbeit. Man muss der Dummhat das KZ Mauthausen überlebt – heit, der Rohheit, der mangelnden und kehrt dennoch einmal im Jahr Sensibilität, dem Unwissen stets entzurück an diesen Ort. Ob man nach schlossen entgegentreten. Orte wie so viel erlebtem Leid noch glücklich das „Mauthausen Memorial“ müssen sein kann? Lewit: „Glücklich hat Orte des Gedenkens sein – aber auch mich immer meine Religion gemacht. Orte der Zukunft. Plätze, an denen Und glücklich macht mich heute, dass wir aus dem Gestern für ein Morgen so viele junge Menschen hier sind.“ lernen. Und tatsächlich sind es die vielen jungen Menschen, die heute an einem Ort, der geprägt war von Hoff-

MARKUS ROHRHOFER

ist Redakteur bei der Tageszeitung „Der Standard“.

Ihr Marco Uschmann - Chefredakteur -

Zu „Maria Theresia und die Protestanten“ in SAAT 5

evangelischer Friedhof A.B. und H.B. (!) eröffnet. Die Gründungsurkunde der Gemeinde stammt aus dem Jahr Der Beitrag enthält leider keinen 1778, also drei Jahre vor dem ToleHinweis auf zwei Fakten, die für uns ranzpatent. Zweitens: Johann Fries, „Akatholiken“ wichtig gewesen Sohn einer aus Bern zugewanderten wären: Maria Theresia forcierte den protestantischen, also reformierten Ausbau von Triest zu einem Weltha- Patrizierfamilie, erfand und vertrieb fen und dazu wurde Triest zu einem den Maria-Theresien-Taler und war religiösen Freiraum. Schon 1754 finanzieller Berater Maria Theresias. wurde als erster öffentlicher Akt der Prof. Robert Kauer lutherischen Gemeinde Triest ein per E-Mail

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Zum Leserbrief von I. und P. Metz „Zu viel Ökumene?“ in SAAT 5 Glaubensgrundlage für das von Martin Luther geprägte Glaubensverständnis ist „allein Christus und die Bibel“ bei gleichzeitiger Relativierung des kirchlichen Amtes und der Tradition. Seit Bestehen der ökumenischen Bewegung mit Beginn des 20. Jahrhunderts ist man bemüht,


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Ein gutes Gefühl: Vorhaben gemeinsam umsetzen Mitten im Jahr des Reformationsjubiläums steht schon das nächste große Vorhaben an: die Gemeindevertretungswahlen im April 2018. Vorbereitet werden die Wahlen von der Abteilung Kirchenentwicklung rund um Oberkirchenrätin Gerhild Herrgesell: „Es ist ein Merkmal der reformatorischen Kirchen, dass wir bei allem mitbestimmen können, sei es das Gemeindebudget, die Art und Häufigkeit der Gottesdienste oder die PfarrerInnenwahl.“ Das Motto „Wählen in Freiheit und Verantwortung“ sei bewusst an den Slogan zum Jahr 2017 angelehnt: „Wir wollen den Schwung aus diesem Jahr mitnehmen in die Gemeindevertretungswahlen, denn es sind deutlich ein gesteigertes Interesse und eine höhere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit festzustellen.“ Herrgesell, selbst Gemeindevertreterin und Presbyterin, weist darauf hin, dass der Zeitraum mit sechs Jahren „überschaubar“ sei und die Möglichkeit gebe, aus Worten Taten werden zu lassen: „Es ist ein gutes Gefühl, wenn eine Gemeinschaft Vorhaben gemeinsam umsetzt.“

devertretungswahl, der wieder wie bei der letzten Wahl 2011 an alle Pfarrgemeinden versendet wird und auch zum Download bereitstehen wird. „Der Leitfaden wird wieder eine Hilfestellung bei der Vorbereitung und Ausführung der Wahlen bieten“, so Sölkner. Es gehe darum, die Texte möglichst verständlich zu

Kirchenrätin. Weiteres Material zur Wahl wird in den kommenden Wochen und Monaten bereitgestellt, etwa Unterrichtseinheiten für die Schule oder Plakate. „Das alles wird auch auf der Website zur Verfügung stehen, die rechtzeitig eingerichtet wird“, sagt Oberkirchenrätin Herrgesell.

formulieren. Im Anhang werden weiterführende Informationen und Rechtsquellen angeführt sein, erklärt die Juristin. Bereits ausgeschickt sei der „Wahlkalender“ mit den Terminen und Fristen.

Auch für Bischof Michael Bünker sind die Gemeindevertretungswahlen „ein wichtiges Merkmal unserer Kirche: Die Wahlen sind das Fundament für alle weiteren Wahlentscheidungen in den kirchlichen Funktionen – bis hin zum Bischof.“ So werde bei den Gemeindevertretungswahlen auch die Zukunft der Kirche mitentschieden. Bünker dankt im Gespräch mit der SAAT allen GemeindevertreterInnnen, die das Amt bis jetzt wahrgenommen haben, und bittet darum: „Nehmen Sie Ihr Wahlrecht wahr, indem Sie sich aufstellen lassen oder indem Sie im April 2018 wählen gehen.“

Alle Anfragen rund um die Gemeindevertretungswahl sind an die Abteilung Kirchenentwicklung zu richten unter der Adresse okr-ke@ evang.at. „Wir werden alle Mails so rasch wie möglich beantworten“, verspricht Sölkner. Das gehe nur, wenn viele im Kirchenamt daran mitarbeiten, „komplexere Fragen leiten wir an die zuständigen AbteiKirchenrätin Andrea Sölkner über- lungen weiter, aber der Weg sollte arbeitet den Leitfaden zur Gemein- immer über uns gehen“, ersucht die

das Trennende zwischen den christlichen Konfessionen zu überwinden. Aber es sollte für mein Dafürhalten ob der Dogmentreue der Römischkatholischen Kirche keine Einheitskirche angestrebt werden. Keine Frage, in unserer weitgehend säkularisierten Welt hängt die Glaubwürdigkeit der Kirchen und der einzelnen Christen in hohem Maße davon ab, ob sie bei all ihrer Unterschiedlichkeit im Wesentlichen einig sind oder nicht. Im „Lutherjahr“ sollten wir uns mehr bewusst machen, dass

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wir ein anderes Glaubensverständnis haben – sola scriptura – zumal die Römisch-katholische Kirche von keiner ihrer Lehrmeinungen abgerückt ist. Freuen wir uns gerade 2017, dass in der Kirche Erneuerung möglich war, und sehen wir auch die Hoffnung aus der Tatsache, dass so ein Vorgang immer wieder notwendig ist. Wilma Kropf, Wien

500-jährige Bestehen unserer Kirche darf stolz gefeiert werden. Wir sind eine eigenständige Kirche. Das zeigt das gemeinsame ökumenische Auftreten in der Öffentlichkeit, evangelisch und katholisch auf Augenhöhe. Es ist typisch evangelisch, gegen Missstände zu protestieren. Durch Kirchenaustritte, wie im Leserbrief angesprochen, wird die Bedeutsamkeit der Kirche als gesellschaftliche Mahnerin hingegen geschmälert. Die leidvolle Geschichte der EvangeUlrike Pichal, lischen wirkt identitätsstiftend. Das Wien AAT NR. 6 ✲ JUNI 2017 ✲ 64. JAHRGANG

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LOKALES / INLAND

Foto: G. Praschberger

Die Reformation läuft – Golser Lutherlauf Bis zum Schluss war es spannend, spaziert oder im Kinderwagen weil nicht klar war, ob das Ziel gefahren wurde: Die Runde führte erreicht wird – schließlich aber von der Golser Kirche hin zum Neusiedler See zur „Alten Jagdhütte“ und zurück. „Das sind acht Kilometer, und gemeinsam haben wir unser Ziel erreicht“, sagt die Pfarrerin, und ein wenig Stolz schwingt da auch mit. Das darf es auch, denn Rund 50 LäuferInnen, 200 Wandernde und 100 Kinder waren dabei immerhin hat es rund einhaben die Golser beim „Golser einhalb Jahre Vorbereitungszeit der Lutherlauf“ am 8. Mai insgesamt beiden Pfarrerinnen Iris Haidvogel 1671 Kilometer geschafft. „Wir und Ingrid Tschank sowie vieler wollten 1440 Kilometer zurücklegen, anderer gebraucht, bis der Golser das ist die Strecke Gols – Wittenberg Lutherlauf starten konnte. „Ohne die – Gols“, erzählt Pfarrerin Iris Haidvo- Mitarbeit des ‚Lauftreff Gols‘ und gel. Dabei war es egal, ob gelaufen, der Ortsgemeinde Gols hätten wir

das nie geschafft.“ So war es auch ein gemeinsames Fest der Golser – feiert die Stadt Gols doch in diesem Jahr auch ihr 800-jähriges Bestehen. „Uns war es wichtig, dass wir gemeinsam unterwegs sind und dass jeder Schritt zählt für unser Ziel.“ Aber es wurde natürlich nicht nur gelaufen und gewandert – rund um den Golser Lutherlauf gab es Live-Musik, jede Menge Essen und Trinken sowie ein Kinderprogramm, das sich sehen lassen konnte. Gestartet wurde in T-Shirts, auf denen vorne das Motto des Reformationsjubiläums stand – „Freiheit und Verantwortung“, auf der Rückseite fand sich der Hinweis auf „800 Jahre Gols – Un(endlich)“. „Insgesamt hatten wir bei bestem Wetter ein traumhaftes Fest, das gezeigt hat: Die evangelische Kirche in Gols gibt es nicht ohne die Ortsgemeinde, und die Ortsgemeinde gibt es nicht ohne die Pfarrgemeinde“, zieht Pfarrerin Haidvogel Bilanz. MAN

Werbeartikel rund ums Reformationsjubiläum funktioniert, oder Kappen gegen Sonne, Regen oder Wind. Heftchen, 1 Pack (7 Hefte) ab € 17,– Brillenputztuch und Mousepad, Foto: M. Uschmann

Das Reformationsjubiläum kann nun auch weitergegeben und weitergeschenkt werden, etwa mit Baumwolltaschen, einem praktischen Brillenputztuch, das auch als Mousepad

5 Stück ab € 14,50 Baumwolltasche, 1 Pack (4 Motive), ab € 9,– Kappen, 1 Stück ab € 4,90 Häferl, 36 Stück € 89,– Die Laptop-Tasche aus Lkw-Plane mit Aufdruck gibt es in drei Größen und vielen Farben: Auf der Vorderseite in Lachs oder Türkis; die Tasche selbst ist in Orange, Blau, Beige oder Schwarz erhältlich. Bei Mehrbestellungen reduziert sich der Stückpreis. Weitere Informationen, auch über die Staffelpreise, unter www.evangelisch-sein.at oder unter 2017@evang.at Bei einem Bestellwert über € 150,– ist der Versand (in Österreich) gratis, darunter werden € 10,– Versandkosten berechnet. Bestellungen bitte unter 500-shop@evang.at

Ob Brillenputztuch (auch als Mousepad verwendbar), Kappen, Baumwolltaschen oder Haftnotizen: Die Motive von Olaf Osten zum Reformationsjubiläum schmücken viele Produkte

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LOKALES / INLAND

Reformationsjubiläum: Legokirche und Museumsdorf Landauf, landab laden etliche Ausstellungen zum Reformationsjubiläum zu einem Besuch ein (siehe auch S. 8). Oft sind es die kleineren Städte und Orte, die sehenswerte Ausstellungen bieten. In Traiskirchen etwa lädt das Stadtmuseum noch bis Mitte 2018 zu „Im Anfang war das Wort“ ein. An Hörstationen kann man einem nachgesprochenen Verhör aus der Zeit des Geheimprotestantismus lauschen, in einem „Kino“ gibt es ORF-Beiträge der „Orientierung“ zu evangelischen Themen oder ein Interview von Schülern mit dem niederösterreichischen Superintendenten Lars Müller-Marienburg. „Es geht uns darum, eine Einführung in die Reformation und in das, was Evangelische glauben, zu bieten“, sagt der Traiskirchner Pfarrer Dietmar Weikl-Eschner, der bei der Konzeption der Ausstellung mitgearbeitet hat. So gehe es einerseits um das Evangelische in Österreich vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, „aber auch um Evangelisch-Sein heute in Traiskirchen, also etwa die Diakonie, die Ökumene und den Kirchenbau“.

Foto: D. Weikl-Eschner

gekauft, mit denen die Traiskirchner das „Museum im Dorf“ im oberösterKirche nachgebaut wurde: „Dazu reichischen Molln seine Sonderaushaben wir ein Computerprogramm stellung zum Reformationsjahr. Ausverwendet und die Originalpläne der gangspunkt war dabei die Kirche zugrundegelegt.“ Wer am Erforschung des religiösen Lebens besten errät, aus wie vielen Legosteinen das Modell besteht, kann einen Aufenthalt in Klagenfurt gewinnen; der oder die GewinnerIn wird am 31. Oktober 2017 im Gottesdienst in Traiskirchen bekanntgegeben. Der Titel Nach den Originalplänen aus Lego gebaut: die evangelische Kirche in Trais„Im Anfang kirchen war das Wort“ weist darauf hin, von Protestanten und Katholiken in „dass wir nicht den 500. Geburtstag Molln über mehrere Jahrhunderte: unserer Kirche feiern. Unsere „Religiöse Volkskunst ist immer auch Anfänge liegen nicht in Wittenberg, ein Spiegelbild des Lebensgefühls sondern in Bethlehem beziehungs- der Menschen, das im katholischen weise Jerusalem. Ihr Gründer ist Österreich ein wenig barock, ein nicht Luther, sondern Jesus Chris- wenig verschnörkelt ist. Das bildet einen interessanten Kontrast zur tus“, verdeutlicht Weikl-Eschner. Schlichtheit, die bei den EvangeMit einer Spendenaktion, die seit Mai 2016 lief, wurden Legosteine Ganz ins Zeichen der Ökumene stellt lischen spürbar ist“, erzählt Adolf Staufer, der die umfangreichen Recherchen durchgeführt und die Ausstellung konzipiert hat. „Wir wollen dabei nicht nur prachtvolle historische Objekte zeigen, sondern auch „Was hilft uns, Kirche lebendig – und abgegriffene und zerfledderte Hausnicht nur am Leben – zu halten?“ ist bibeln als Ausdruck echten und eine der Leitfragen, an denen sich gelebten Glaubens.“ Ergänzt wird die neue Vorsitzende der Evange- die Ausstellung durch eine umfaslischen Frauenarbeit, Ute Kolck- sende Online-Dokumentation, die Thudt, in ihrem Amt orientieren will. zusätzliche Inhalte vermittelt und Kolck-Thudt wurde auf der Früh- eine noch größere Reichweite als die jahrskonferenz der EFA zur Nachfol- Sonderausstellung erzielen soll. Zu gerin von Evelyn Martin gewählt. sehen ist die Ausstellung noch bis 31. Oktober. Nähere Informationen Die Niederösterreicherin freut sich unter www.molln.cc/museum im Gespräch mit der SAAT „auf die MAN/WIN Vernetzung mit möglichst vielen Frauenorganisationen auf lokaler Ebene, regional und in Österreich“, sieht aber zugleich noch viel Potenzial, die Kommunikation nach außen zu verbessern. Denn: „Die Evangelische Frauenarbeit heute will KirIn sein Amt eingeführt wurde che und Gesellschaft gleichberechPfarrer Jörg Hiltner, Radentigt mitgestalten.“ thein (Ktn) Ute Kolck-Thudt ist neue Vorsitzende der Evan-

Frauenarbeit: Neue Vorsitzende

Foto: H. Andorka

Neu im Amt

gelischen Frauenarbeit

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Die Reformation feiert Heuer stehen die Kirchentage/ Gustav-Adolf-Feste am 15. Juni ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums. Die Veranstalter erwarten tausende BesucherInnen. Wer mitfeiern will, findet hier die Orte und Zeiten: Bgld: Oberschützen, 9.30 Uhr, „Mit meinem Gott springe ich über Mauern“, Festgottesdienst mit Bischof Michael Bünker Evangelische Kirche, Gottlieb-AugustWimmer-Platz Ktn: Ferndorf, 10 Uhr, „Freiheit eines Christenmenschen“ – Festgottesdienst mit Superintendent Manfred Sauer; Theaterstück „Die Hundskirche“ (Uraufführung) Auferstehungskirche/Gemeindesaal, Rudersdorf 12 NÖ: Mitterbach, 10 Uhr, „Des Herrn Wort währet ewiglich“, Festgottesdienst am Dorfplatz mit Superintendent Lars Müller-Marienburg; Literarisches und Musik

Eine Bitte Auch heuer bitten wir Sie wieder um Ihre Unterstützung. Zum Kreis der SAAT-Leserinnen und -Leser zählen auch Menschen, die sich die 27 Euro für ein Jahresabonnement nicht leisten können. Mit Ihrer Spende ermöglichen Sie auch, dass die SAAT in Krankenhäusern, in Alters- und Pflegeheimen, aber auch in JustizvollSbg/Tirol: Hallein, 10 Uhr, „2017 – zugsanstalten gelesen werden kann. 500 Jahre Reformation“, Festgottesdienst mit Oberkirchenrätin Ingrid Für viele bildet die SAAT so die einzige Verbindung zur evangelischen Bachler Welt, zur Ökumene und manchmal Schaitbergerkirche, Davisstraße 38 zur Gesellschaft überhaupt. VerwenStmk: Graz, 9.45 Uhr, „Du stellst den Sie dazu bitte den beiliegenden meine Füße auf weiten Raum!“, Fest- Zahlschein oder überweisen Sie den gottesdienst mit Superintendent Betrag auf das Konto der SAAT (IBAN: AT15 3200 0000 0747 6088; Hermann Miklas Mariahilferplatz und Minoriten- BIC: RLNWATWW, Verwendungszweck „Sonderspende“). Ich bedanke Kulturzentrum mich herzlich im Namen der LeseWien: 10 Uhr, „Gustav Adolf“, mit der rinnen und Leser, die durch Ihre Schwedischen evangelischen Gemein- Hilfe weiterhin zur SAAT-Familie de: Festgottesdienst mit Prälatin Gab- gehören können. riele Wulz (neue Vorsitzende GustavFür die SAAT-Geschäftsführung Adolf-Werk Deutschland) THOMAS DASEK 1010 Wien, Lutherische Stadtkirche, Dorotheergasse 18 OÖ: Ökumenischer Kirchentag: Linz, 9.30 Uhr, „Ich kann nicht anders ... denn der Himmel steht offen“, Festgottesdienst mit Superintendent Gerold Lehner und ökumenischer Begegnung mit Diözesanbischof Manfred Scheuer am Domplatz; danach Weiterfeiern beim Landhaus

„Schritt für Schritt schmerzfrei“ Foto: EKH/Knapp

„Zeig mir, wie du gehst, und ich sage dir, wie alt du bist!“ Ein Drittel aller über 65-Jährigen kann sich nicht mehr schmerzfrei bewegen. Die Ursachen sind facettenreich, bedingt durch neurologische, orthopädische, angiologische und rheumatische Erkrankungen. Die Foto: grösel & grösel

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Voller Emotionen: Nacht der Bibel

Die Schauspieler wurden begleitet vom Trio „Echoes of Scripture“, das eigens für die „Nacht der Bibel“ gegründet wurde. Stefan Alkier (Gitarre), Thomas Alkier (Schlagzeug) und Walfried Böcker (Kontrabass) spielten Eigenkompositionen, die mit den Bibelerzählungen ins Gespräch kamen. Über zwei Stunden dauerte die Aufführung, „aber der Abend war eher wie ein Gemeindefest als wie eine Aufführung“, so Petritsch. Die KünstlerInnen unterhielten sich in der Pause mit dem

Publikum. Das Ganze habe sich So kommen vom 1. Buch Mose bis „unbedingt gelohnt“, ist Petritsch zur Johannesapokalypse, von der überzeugt. Die Pfarrerin hat „Die Schöpfung bis zur Neu-Schöpfung Nacht der Bibel“ in Deutschland erlebt, kurzerhand nach Österreich geholt und während der Auftritte begleitet. Hier gab es drei Aufführungen, neben Wiener Neustadt war das Ensemble noch in Krems und in Wien (hier mit Chri- Peter Lohmeyer, Barbara Auer, Peter Schröder (vr.) beim Lesen der Seligstian Nickel preisungen statt Peter Schröder) zu Gast. Entworfen hat die grundlegende Texte zur Sprache. Inszenierung Stefan Alkier, Profes- „Es war großartig, zu erleben, wie sor für Neues Testament am Fachbe- die SchauspielerInnen den Emotireich Evangelische Theologie der onen, die in der Bibel stecken, Raum Goethe-Universität Frankfurt. Es geben. Noch nie habe ich Psalm 2 so gehe darum, die Bibel als Gesamt- intensiv vorgetragen gehört.“ erzählung zu erschließen, heißt es in MAN der Einladung zur „Nacht der Bibel“. Foto: H. Krizaj

Einen etwas anderen Beitrag zum Reformationsjubiläum gab es am 6. Mai in der evangelischen Auferstehungskirche in Wiener Neustadt zu erleben: Bei der „Nacht der Bibel“ begeisterten die SchauspielerInnen Barbara Auer, Peter Lohmeyer und Peter Schröder hunderte ZuschauerInnen. „Es war ein unglaublich beeindruckender Abend“, erzählt die Wiener Neustädter Pfarrerin Angelika Petritsch. „Wenn Text und Musik ineinander übergehen oder das Schlagzeugsolo nach der Kreuzigungserzählung – das war einfach umwerfend.“

Angehende PfarrerInnen: Internationales Treffen Eine Premiere in Hainburg an der Donau: Angehende Pfarrerinnen und Pfarrer aus Ungarn, der Slowakei und Österreich kamen erstmals im Rahmen ihrer Predigerseminare zu einem Studientag zusammen, um über ihre Ausbildungswege ins Pfarramt zu sprechen, sich über das PfarrerInnenbild in ihren Herkunftsländern auszutauschen und über die Kirchen in den Nachbarländern zu lernen. Als Ort des Treffens wurde nicht zufälligerweise Hainburg an der Donau gewählt: Die Stadt hat eine protestantische Geschichte, vor Ort steht der jüngste evangelische Kirchenbau, und mit der Wende in Osteuropa hat die Stadt eine neue Rolle eingenommen: Lag Hainburg früher abgelegen nahe dem „Eisernen Vorhang“, hat die Stadt heute eine Brückenfunktion; viele SlowakInnen haben sich in den vergangenen Jahren angesiedelt, liegt doch Bratislava nur 15 Minuten entfernt.

Den Hauptvortrag bei dem Treffen am 12. Mai hielt Bischof Michael Bünker, der auch Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) ist. Er erinnerte daran, dass das ordinierte Amt in allen Evangelischen Kirchen gleichermaßen anerkannt wird. Und dass Pfarrerinnen und Pfarrer vielerorts vor neuen Herausforderungen stehen: Die christliche Überlieferung werde teilweise nicht mehr verstanden, an die Stelle der Autorität des Pfarrers tritt die Authentizität; die Art der Kommunikation werde immer wichtiger und nicht der Inhalt. Bünker: „Die Person wird immer wichtiger, und das führt natürlich zu einer zunehmenden Belastung.“

chisch, Latein) mit Gebeten und Liedern aus allen drei Ländern.

„Die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Ländern war für mich ein tolles Erlebnis. Es war spannend, zu sehen, wie unterschiedlich auch die Ausbildungswege sind“, sagte Barbara Kovács, Vikarin aus Pécs in Ungarn. „Ich fand es schön, mich mit Vikarinnen und Vikaren aus der Slowakei und Ungarn austauschen zu können. Und ich habe viel Neues gelernt, etwa dass man in der Slowakei und Ungarn schon vor dem Vikariat ordiniert wird“, erzählte Zuzana Uvácik, Vikarin aus Deutsch Jahrndorf und Nickelsdorf. Im nächsten Jahr soll wieder ein gemeinsamer Studientag stattfinden, so Rektorin Den Abschluss des Studientages bil- Johanna Uljas-Lutz vom Predigerdete ein siebensprachiger Gottes- seminar in Wien. dienst (Slowakisch, Ungarisch, S T EFA N FL EI S C H N ER- J A N I T S Deutsch, Englisch, Hebräisch, GrieAAT NR. 6 ✲ JUNI 2017 ✲ 64. JAHRGANG

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AUSSTELLUNGEN

Jubiläumsjahr 2017: Eine Auswahl Man könnte meinen, das ganze Land beschäftigt sich mit dem Reformationsjubiläum: Flächendeckend gibt es Ausstellungen, die über die Geschichte der Evangelischen in Österreich informieren. Wir haben für Sie eine Auswahl

zusammengestellt, damit Sie, wo immer Sie in Österreich sind, rasch die nächste Ausstellung finden. Bereits diese Übersicht beeindruckt, eine vollständige Liste mit Links zu den Veranstaltern finden Sie unter evang.at/2017

Burgenland „Ein Christenherz auf Rosen geht“, Landesmuseum Burgenland, Eisenstadt

bis 12.11.

„Geschichte und Gegenwart der Evangelischen Pfarrgemeinde A.B.“, Evangelische Kirche Loipersbach

3.9.–31.10.

Kärnten „Das gefaltete Tuch“, Evangelisches Kulturzentrum Fresach

bis 31.10.

„Das Ringen um den Glauben ‒ Villach und 500 Jahre Reformation“, Stadtmuseum Villach

bis 31.10.

Niederösterreich „Evangelisch im Weinviertel“, Museumsdorf Niedersulz

bis 1.11.

„Gegen Kaiser und Papst ‒ Reformation im Mostviertel“, Rothschildschloss, Waidhofen/Ybbs

bis 10.11.

„Von der Nonne zur ersten Pfarrersfrau“, Martin-Luther-Kirche Hainburg a.d. Donau

bis 11.11.

„Freyheit durch Bildung“, Schallaburg, Melk

bis 5.11.

„Reformation in St. Pölten (1517–2017)“, Rathaus St. Pölten

bis 15.9.

„Evangelisch in Stockerau“ (Dauerausstellung), Belvedereschlössl, Stockerau „Die Reformationszeit im Spiegel der globalen und regionalen Entwicklung“, Stadtgemeinde Bruck/Leitha

ab Herbst 2017 1.10.–31.10.

Oberösterreich „Das evangelische Jahrhundert in Steyr 1525–1625“, Stadtmuseum Steyr

bis 5.11.

„Reformation/Gegenreformation“, Evangelisches Museum OÖ Rutzenmoos

bis 31.10.

Steiermark „Glaubenskisten 1517–2017“, Museumsverein Ramsau am Dachstein

bis Februar 2018

„Reformation im Waghütterl“, Langenwang, „Ehemalige Gemeindewaage“

bis 1.11.

„Vulgata“ ‒ Künstlerische Zugriffe auf die Bibel, Kulturzentrum der Minoriten, Graz

bis 8.7.

„Gott und die Welt ‒ Woran glauben wir?“, Schloss Trautenfels, Stainach-Pürgg

bis 31.10.

„Frauenpower – Starke Frauen in der Reformation und in der Evangelischen Kirche“, Evangelisches Diözesanmuseum Murau

bis 15.7.

Tischgemeinschaft „Miteinander leben ‒ miteinander glauben“, Diözesanmuseum Graz

bis 7.10.

„Ein Hammerschlag …“ ‒ 500 Jahre evangelischer Glaube in der Steiermark, Museum für Geschichte Graz

bis 8.1.2018

„Glaube, Freiheit, Toleranz ‒ 500 Jahre Reformation“, Stadtmuseum Hartberg

23.6.–27.11.

„Luthers Erben“, Evangelische Pfarrgemeinde Kindberg

16.9.–27.9.

„Typisch Evangelisch“, Museum im Alten Zeughaus, Bad Radkersburg

5.10.–31.12.

Vorarlberg „Hier stehe ich ...“ ‒ 500 Jahre Reformation, Vorarlberg Museum, Bregenz

bis 31.10.

Wien

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„Bibel und Reformation“, Bibelzentrum beim Museumsquartier

bis 10.11.

„Hauspostille von Martin Luther“, Volkskundemuseum

bis 8.10.

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albzeit im Jubiläumsjahr zum Reformationsgedenken. Sehr vieles ist bereits passiert und auf die Beine gestellt worden – wie etwa das „Geschichtenmobil“, das auf seinem „Europäischen Stationenweg“ in Villach, Graz und Wien Station gemacht hat. Es lockte hunderte BesucherInnen an und sammelte an den insgesamt 68 Orten Geschichten rund um die Reformation. Im Mai kam der Ausstellungs-Lkw schließlich in Wittenberg bei der „Weltausstellung Reformation“ an.

500 Jahre Reformation: feiern und gedenken

Fotos (4): M. Uschmann

Halbzeit

2017

Das „Geschichtenmobil“ tourte durch Europa und sammelte an 68 Orten Geschichten rund um die Reformation ein – hier in Wien vor dem Burgtheater. Präsentiert wurden die Geschichten im Mai bei der Weltausstellung in Wittenberg NR. 6 ✲ JUNI 2017 ✲ 64. JAHRGANG

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T H E M A: R E FO R M AT I O N S J U B I L ÄUM

„Alles Walzer“ hieß es beim des Europäischen Reformationsball mit dem Motto „Die Reformation tanzt“. In den Redoutensälen der Wiener Hofburg feierten und tanzten am 10. Februar hunderte BesucherInnen (siehe SAAT 3/2017). Auch die vielen Ausstellungen beeindrucken mit ihrer Vielfalt, Detailtreue und teilweise außerordentlichen Exponaten rund um die Reformation in Österreich (siehe dazu auch Seite 8). Hervorzuheben ist hier sicher die Ausstellung im Wien Museum „Brennen für den Glauben“, die die Reformationsgeschichte mit einmaligen Exponaten greifbar machte: So war ein Originaldruck von Luthers 95 Thesen, von denen es weltweit nur noch drei Exemplare gibt, ausgestellt. Auch ein Original der Confessio Augustana und das Dokument zum Augsburger Religionsfrieden von 1555 gab es zu bestaunen.

Erstmals ökumenisch und international

Reformationsjubiläum süß: Viel Ausgefallenes ist den Pfarrgemeinden und Organisationen bisher eingefallen. Hier eine Spendenaktion der Diakonie Burgenland

Geplant war das Gedenkjahr zur Reformation von Anfang an dezentral mit einigen wenigen die Menschen noch erwarten dürfen. Die Bregenzer Pfarrgemeingroßen Veranstaltungen, sagt Charlotte Matthias, mit de hat bereits vergangenen November mit den „Ökumenischen ihrem Team zuständig für das Jubiläumsjahr 2017 in Österreich. „Es Gesprächen“ begonnen, erzählt Pfarrer Ralf Stoffers. Das Motto gab ja die Befragung in den Gemeinden im Jahr 2015, wie das Re- war „500 Jahre nach Luther – reformieren oder resignieren?“ Die formationsjubiläum in Österreich begangen werden soll“, erzählt Gesprächsreihe sei auf „großes Interesse gestoßen, über 300 BesuMatthias. Dabei habe es ein klares Votum gegeben für ein zen- cherInnen sind gekommen“, berichtet der Pfarrer aus dem tiefen trales Fest. „Es war eine gute Entscheidung, diesem Wunsch zu fol- Westen der Republik. Auch gibt es in Bregenz schon seit längerer gen. Unser großes Fest am Wiener Rathausplatz am 30. September Zeit eine Predigtreihe zum Thema „Reformation grenzenlos“: „Wir wird diese Idee aufgreifen und in die Tat umsetzen.“ Erwartet wer- laden PfarrerInnen aus der ganzen Welt ein, über die Reformation den tausende BesucherInnen aus ganz Österreich, die mitfeiern. zu predigen – so konnten die GottesdienstbesucherInnen Pre„Man kann hier sicherlich vom Höhepunkt des Jubiläumsjahres digten hören aus Deutschland, der Schweiz, Frankreich, Liechtensprechen.“ Das Fest – als „Green Event“ besonders umweltverträg- stein oder aus Peking.“ lich – wird den Rathauspark in eine „bunte Spielwiese verwandeln, und auf der Hauptbühne erwarten die Feiernden ab 12 Uhr Musik, Horn: Außergewöhnlich viele BesucherInnen Videos, Interviews, Lesungen aus der Bibel und vieles mehr.“ Auch in Niederösterreich wird die Reformation gefeiert: „Trotz aller Kritik, die man an Luther üben kann: Im Reformationsjahr geht es Bregenz: Reformieren oder resignieren? darum, einfach zu feiern, dass es uns als Evangelische gibt“, meint Wir haben uns aufgemacht und Pfarrgemeinden gefragt, was bei Birgit Schiller, Pfarrerin der niederösterreichischen Diasporaihnen bisher los war rund ums Reformationsjubiläum, und was gemeinde Horn-Zwettl. Über 100 Besucherinnen und Besucher – außergewöhnlich viel, wie die die Pfarrerin betont – strömten am 7. Mai ins Museum der Stadt Horn, um mit einem Aktionstag den Höhepunkt der Feierlichkeiten im Waldviertel zu begehen. „Neben einem Festgottesdienst und der Eröffnung einer kleinen Sonderausstellung zum Jubiläumsjahr gab es kulinarische Kostproben aus der Reformationszeit, etwa Erbsschnee mit Salzhering oder Semmeltorte, von der Luther immer schwärmte“, erzählt Schiller.

Olaf Osten hat mit sieben Motiven das Motto des Reformationsjubiläums „Freiheit und Verantwortung“ ins Bild gesetzt (siehe auch S. 4)

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Selbstverständlich wird auch in Pfarrgemeinden in der Stadt gefeiert und der Reformation gedacht. Dies allerdings auch mit Blick auf das „Jahr des Glaubens 2017“, zumindest in Wien-Favoriten, wie Pfarrer Thomas Dopplinger von der Gnadenkirche erzählt: „Das Jahr 2017 ist ein schöner Impuls, aber dass wir unser gesamtes Gemeindeleben am Reformationsjubiläum aufhängen, ist bei uns nicht der Fall. Wir haben schon vorher ein vielfältiges Gemeindeleben gehabt und werden es hoffentlich auch im kommenden Jahr haben.“ Bis jetzt sei ein „Glaubenskurs Alpha“ angeboten worden und der sei „sehr gut gelaufen. Wir haben diesen Kurs schon öfter gemacht und wollten ihn dieses Jahr ganz bewusst wieder anbieten, weil 2017 ja auch das Jahr des Glaubens ist.“ Man könne


durchaus von einem „großen Erfolg“ sprechen, denn „wir hatten mingespräche geben. Pfarrerin Schiller sieht darin „eine gute GeleTeilnehmerInnen dabei, die zu Kirche und Glaube schon einen Be- genheit, ein neues Bewusstsein für das Evangelische zu schaffen“. zug haben, aber teilweise auch Menschen ohne religiöses Bekennt- Und das bei Protestanten und Katholiken. nis. Wir haben also viele neue Menschen ansprechen können.“ Das kann auf der gesamtkirchlichen Ebene auch Charlotte Matthias bestätigen. Sie bilanziert im Rückblick auf das erste halbe Jahr des Reformationsjubiläums: „Es hat mich schon überrascht, dass grundsätzlich so großes Interesse an der Reformation herrscht bei den Menschen.“ Dies gelte für die historische Komponente, aber auch für Veranstaltungen: „Es sind sehr viele auf uns zugekommen, die gemeinsam mit uns etwas machen wollten.“ Auch und besonders viele KatholikInnen seien sehr interessiert am Reformationsjubiläum und an gemeinsamen Feiern und Gottesdiensten. Ein herausragendes Beispiel dafür ist sicherlich der Oberösterreichische Kirchentag am 15. Juni unter dem Motto „Ich kann nicht anders … denn der Himmel steht offen“. Bewusst ökumenisch ausgerichtet, so Superintendent Gerold Lehner, beginnt das Fest um 9.30 Uhr auf dem Linzer Domplatz mit einem Festgottesdienst, in dem es eine ökumenische Begegnung mit der Katholischen Kirche gibt, unter anderem mit Diözesanbischof Manfred Scheuer. Den ganzen Tag über wird rund um das Linzer Landhaus ökumenisch weitergefeiert.

Wien-Favoriten: „Jahr des Glaubens“ Für Pfarrer Dopplinger aus Wien-Favoriten ist das Jahr 2017 „eine gute Möglichkeit, den Schwerpunkt auf den Glauben zu legen. Grundsätzlich bieten wir weniger Veranstaltungen in unserer Gemeinde an, laden aber bewusst zu Veranstaltungen in anderen Gemeinden ein.“ Ein Meilenstein in der Pfarrgemeinde wird die Gemeindefreizeit im Oktober 2017, „die das Reformationsjubiläum zum Thema hat“. Grundsätzlich gelte, dass die Favoritner aus der Gnadenkirche das Jahr 2017 „einfließen lassen in den Strom, der sowieso läuft“. Ähnlich formuliert es auch Pfarrer Stoffers: „Wir müssen einfach die Balance finden zwischen der Bedeutung des Jubiläumsjahres und der täglichen Arbeit, die ja weiterläuft.“ So gelte es für alle MitarbeiterInnen, „diesen Spagat zu schaffen“. Gleichwohl will der Pfarrer den Schwung von 2017 nutzen fürs nächste Jahr: „Im Herbst wollen wir die Ausrichtung unserer Gemeinde beden-

Eine ökumenische Besonderheit gibt es auch in Bregenz: „Zum ersten Mal wird der Gottesdienst zur Eröffnung der Bregenzer Festspiele, heuer am 16. Juli, ökumenisch gefeiert“, berichtet Pfarrer Stoffers. Auch sonst ist die Ökumene im „Ländle“ rund um das Reformationsjubiläum gut aufgestellt: „Wir werden zwei ökumenische Reisen nach Wittenberg unternehmen, und beide sind längst ausgebucht.“ Derzeit läuft eine „Kunstintervention“ in Vorarlberg, Liechtenstein und Bayern: „Hier stehe ich und kann nicht anders“ zeigt 19 überlebensgroße Silhouetten von Persönlichkeiten der Reformation im öffentlichen Raum. Auf ihnen sind die jeweiligen biographischen Daten aufgedruckt und was diese Menschen für Wohl einer der Höhepunkte im Jahr 2017 war die Ausstellung „Brennen für die Reformation geleistet haben. In Zusam- den Glauben“ im Wien Museum mit einzigartigen Exponaten menarbeit mit den evangelischen Pfarrgemeinden des Landes lädt das „vorarlberg museum“ ein, sich auf ken. Also das Motto ‚Hier stehe ich‘ aufgreifen und bedenken, in welche Richtung wir weitergehen wollen als Gemeinde und weleine Spurensuche der besonderen Art zu begeben. che Impulse wir aus 2017 mitnehmen können.“ Überhaupt ist dieses Jubiläumsjahr 2017 das erste, das ganz bewusst international und ökumenisch gefeiert und begangen wird. Vorher aber wartet österreichweit noch so mancher Höhepunkt Bereits zu Beginn des Kirchenjahres, am 1. Advent 2016, haben die im Reformationsjahr, wie etwa der Reformationsempfang am 24. drei Evangelischen Kirchen, die Evangelische Kirche A.B., die Evan- Oktober im Wiener Musikverein, bei dem unter anderem die Regelische Kirche H.B. und die Evangelisch-methodistische Kirche, mit formationssymphonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy gespielt der Römisch-katholischen Kirche einen gemeinsamen Fernsehgot- wird. Davor aber wird am 30. September gefeiert beim Fest am tesdienst in Linz-Dornach in der evangelischen Versöhnungskirche Rathausplatz, auf das sich Charlotte Matthias schon sehr freut: „Es mit Spitzenvertretern der jeweiligen Kirchen gefeiert. Europaweit ist fast so, als ob das Fest jetzt schon lebendig wäre bei all der ist die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) beim Vorbereitung darauf: Wir geben ein Fest, an dem wir Evangelische Reformationsjubiläum unterwegs: Bereits über 90 Städte haben unsere Ideen und unseren Glauben teilen und mit einem Rufzeidas Prädikat „Reformationsstadt Europas“ verliehen bekommen, in chen laut und selbstbewusst Mut machen wollen, unsere Welt zu Österreich unter anderem Steyr, Graz oder Waidhofen an der Ybbs. reformieren.“ Das allerdings gilt nicht nur für das Fest am Rathausplatz, sondern weit darüber hinaus. Auch wenn bereits vieles auf die Beine gestellt wurde, haben die MARCO USCHMANN/MICHAEL WINDISCH/ Pfarrgemeinden noch so manches im Terminkalender stehen. In S T E FA N FL E I S CH N E R -JA N I T S Horn etwa wird es Reformationswanderungen, Konzerte und KaNR. 6 ✲ JUNI 2017 ✲ 64. JAHRGANG

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KINDERPÄDAGOGIK

P ngsten

in den Fußstapfen der Jünger

Eine Mitmachgeschichte zu Apostelgeschichte 2,1-4, die versucht, Kinder in das Pfingstgeschehen hineinzunehmen und Pfingsten erspüren zu lassen. Vor der Geschichte laden wir die Kinder ein, ihren Fußabdruck aus Papier auszuschneiden und mit ihrem Namen zu versehen. Dann beginnen wir zu erzählen: Jesus hatte seinen Freunden und Freundinnen einen Helfer versprochen, der sollte sie trösten, wenn es notwendig war. Der sollte ihnen Mut machen, wenn sie das brauchten. Der sollte immer bei ihnen sein. Seine Freundinnen und Freunde sollten sich nie einsam und verlassen fühlen. Doch dann starb Jesus. Auf schreckliche Weise wurde er hingerichtet, und mit seinem Tod kommen die Angst, die Zweifel und die Unsicherheit. Waren seine Freunde jetzt nicht doch allein? Wo ist der Tröster? Natürlich freuten sie sich, als sie erfuhren, dass Jesus auferstanden ist. Sie fühl-

Dahin ziehen sie sich zurück. (Mit den Fußabdrücken der Kinder füllen wir das Haus.) Ja, da sind sie: Petrus, Andreas, Johannes, Maria … (durchaus auch mit den Namen der Kinder auffüllen).

dem Haus. Sie werden regelrecht hinausgetrieben. Alle Zweifel, alle Angst und Mutlosigkeit sind wie weggeblasen. (Wir blasen mit Hilfe der Kinder die Fußabdrücke aus dem Haus.)

Jetzt sind sie nicht mehr unsicher: „Jesus hat uns wirklich einen Tröster und Mutmacher geschickt!“ „ Ja, er hat uns seinen Geist geschickt!“ „Er hat sein Versprechen gehalten.“ „Wie soll es weitergehen?“ „Was ist „Er steckt uns an mit seiner Kraft!“ denn jetzt unsere Aufgabe?“ „Was „Sein Feuer brennt jetzt in uns!“ sollen wir jetzt tun?“ „Sollen wir von Jesus weitererzählen?“ „Haben Und sie gehen zu den Leuten, vor wir Jesus überhaupt richtig verstan- denen sie sich erst versteckt haben, den?“ „Hat es denn Sinn?“ „Ist und jetzt können sie ihren Mund nicht alles aus und vorbei?“ So spre- nicht mehr halten. (Wir gehen auf die chen sie, so und so ähnlich. Kennen Kinder zu und von Kind zu Kind, schütteln Hände und wiederholen die wir ja auch. Sätze.) Und dann passiert es. Auf einmal ist ein großes Brausen in der Luft. Ein „Hast du schon von Jesus gehört?“ – riesiges Brausen. In der Apostelge- „Ich muss dir unbedingt von ihm schichte hei t es, Feuerflammen erzählen.“ „Er hat uns so viel von „Und Jesus ist bei erscheinen auf den Köpfen der mut- Gott erzählt.“ losen Freunde. In ihren Herzen uns mit seinem Geist, obwohl er tot ist.“ … Sie erzählen von Jesus und allem, was sie mit ihm erlebt haben. Staunend hören die anderen zu, und viele wollen immer mehr von Jesus wissen und auch zu seinen Freunden gehören. Sie verstecken sich. Draußen feiern die Leute ein Fest, aber drinnen sitzen sie und lassen die Köpfe hängen.

Was damals geschieht, kann auch heute geschehen. Ich wünsche uns/ euch Gottes guten, tröstenden und Mut machenden Geist.

Foto: M. Uschmann

Gebet

ten ihn noch einmal ganz lebendig und nahe. Doch wie vorher wird es trotzdem nicht wieder. Und dann ist auf einmal auch die Unsicherheit wieder da. Ängstlich und mutlos treffen sie sich in einem Haus in Jerusalem. (Mit Klebeband kleben wir die Umrisse eines Hauses auf den Boden.)

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brennt es, und ihr Geist wird erfüllt mit neuer Kraft und neuer Hoffnung. Der Funke der Begeisterung ist da. Ein richtiger Sturm geht los. Wow! (Brausen und Sturm hört man unserer Stimme an.) Die Jünger hält jetzt nichts mehr in

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Gott, du kommst zu uns mit deinem guten Geist. Feuerflammen sind deine Diener, und der Wind ist dein Bote. Gott, wir wollen uns begeistern lassen von dir. Wir wollen deine Kraft spüren. Wir wollen Feuer und Flamme sein wie die Freunde Jesu. Gott, du kommst zu uns, du bist bei uns. Aber erkennen wir dich wirklich? Wir bitten dich, lass dich spüren. Amen ANDREA PETRITSCH


PORTRAIT / PRAXIS

Als Evangelische war sie prädestiniert für die Redaktion der Gottesdienstübertragung. „Meine Familie ist eigentlich ‚schon immer‘ evangelisch. Meine Mutter war evangelisch, mein Vater katholisch, aber wir waren immer in evangelischen Gottesdiensten.“ Wenn es sich zeitlich ausgeht, hilft Zeiss-Brammer gerne in der Evangelischen Kirche, so wird sie im Oktober für die Evangelische Militärseelsorge eine Veranstaltung rund um den Luther-Film moderieren.

Privat gibt es neben Ehemann und Tochter den 11-jährigen Sohn Benjamin und den rund 2000 m2 großen Garten rund ums Haus bei St. Pölten. Der Sohn geht dreimal in der Woche zum Fußballtraining. Fußball spielt überhaupt eine große Rolle in der Familie: „Mein Mann Dietmar ist Jugendtrainer beim SKN St. Pölten, und nicht nur Benjamin rennt Zeiss-Brammer: Mit Sprache Bilder in den Köpfen entstehen lassen dem runden Leder hinterher, auch Ann-Kathrin hat frü- drei haben sich morgens sehr gut her gekickt.“ Sie selber übrigens organisiert und ab Mittag bin ich freut sich derzeit mit RB-Salzburg dann wieder zuhause.“ „Radio ist genau Meines, denn Radio ist schnell über die Meisterschaft. und unmittelbar. Und es ist eine Es sei „ein großes Glück“ in ihrem große Herausforderung, mit der Leben, dass sie immer arbeiten Sprache die Bilder in den Köpfen der konnte: „Mit den Morgendiensten im Menschen entstehen zu lassen.“ Radio haben die Kinder kaum MARCO USCHMANN bemerkt, dass ich nicht da war. Die

Foto:

Bekannt aus Funk und Fernsehen wenn das auf emanden zutrifft, dann auf Birgit Zeiss-Brammer. Die 45-Jährige spricht seit über 15 Jahren fünfmal pro Woche morgens die Nachrichten auf Radio Niederösterreich: „Davor habe ich auch Beiträge für ‚Niederösterreich heute‘ gestaltet, aber als unsere Tochter AnnKathrin geboren wurde, habe ich mit dem Fernsehen aufgehört.“ Ausnahme war der Fernsehgottesdienst zur Amtseinführung des neuen niederösterreichischen Superintendenten Lars Müller-Marienburg vergangenen Oktober.

RF

Bekannt aus Funk und Fernsehen

Alles frisch im Internet Alle Medienauftritte müssen regelmä ig hinsichtlich ihrer Grafik, ihrer Rubriken und ihres Inhalts überprüft werden. Dabei steht in erster Linie die Grafik im Vordergrund, denn diese veraltet überraschend schnell. Dazu zähle ich auch Fotos – hier ist es nämlich besonders augenfällig, wenn etwa ein zehn Jahre altes Mobiltelefon abgebildet wird. Im Online-Bereich verändern sich Anforderungen rascher und in kürzeren Zyklen als etwa im Druckbereich. Ich empfehle, alle fünf Jahre einen kritischen Blick auf den eigenen Internetauftritt zu werfen. Aber die Grenzen der Medien verschwimmen zunehmend. Moderne Internetauftritte sind „aufgeräumt“ und wirken elegant. Dazu gehört eine ausreichende Menge an Weißraum, also Fläche, auf der nichts abgebildet ist. Die Beiträge sind deutlich voneinan-

sites, der Text wirkt eher als „Beiwerk“ neben Bild und Weißraum. Die Fotos und überhaupt der gesamte Webauftritt sollten wenig aufdringlich wirken. Das bedeutet, dass die Fotos etwas entsättigt sind und die Farben des Webauftritts ebenfalls zurücktreten. Ziel ist es, dass das gesamte Ensemble harmonisch angelegt ist und wenig „Grundrauschen“ hat, das durch überflüssiges Beiwerk verursacht wird. Dieser harmonische Auftritt findet sich auch in anderen Medien der Pfarrgemeinde wieder, also dem Facebook-Account oder dem Gemeindebrief. Beiden Auch müssen moderne Websites Medien sollte dieselbe Tonalität schnell laden daher sollte die Datei- zugrundeliegen. größe unbedingt gering gehalten MARCO USCHMANN werden. Das ist besonders wichtig, weil Fotos grundsätzlich einen hohen Stellenwert haben. Sie bilden sozu- Im nächsten Heft: Die Medien angleisagen das Strukturelement von Web- chen, Medienmix der abgegrenzt und klar erkennbar. Die Zeilenlänge ist kurz – wobei dies natürlich auch vom Ausgabegerät abhängt: Es sollte inzwischen selbstverständlich sein, dass der Internetauftritt responsiv angelegt ist, sich also an das Ausgabegerät anpasst. Dabei ist es egal, ob die Website auf einem 20-Zoll-Bildschirm, einem Tablet oder einem Smartphone geöffnet wird, der Inhalt wird immer entsprechend dargestellt. Immerhin erfolgt über die Hälfte der Zugriffe auf etliche Websites inzwischen von mobilen Endgeräten.

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THEOLOGIE

Der heilige und der unheilige Geist Hilfreiche Hinweise zu Pfingsten bietet die Bibel

ist unanschaulich Es gibt, zumindest in Mitteleuropa, ein tiefsitzendes Misstrauen gegenüber ekstatischen Bewegungen Und das hat Gründe. So erhebend und schön Begeisterung sein kann: Das scheinbar geisterfüllte Außersichsein muss keineswegs mit dem Heiligen Geist zusammenhängen, den wir zu Pfingsten feiern. Auch die Begeisterung, mit der die Massen Hitler zugejubelt haben, trug religiöse Züge. Doch sie führte ins Verderben. Die religiöse Inbrunst, mit der sich ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengt und andere mit in den Tod reißt, ist erschreckend und ist höchst unheilig. Manche charismatischen Gottesdienste, in denen den Gefühlen freier Lauf gelassen wird, wecken den Verdacht des Rauschmittels, das nur kurzfristig Erleichterung schenkt, aber die Welt nicht verändert.

Es gibt keine nüchterne Begeisterung Gibt es denn keine nüchterne Begeisterung, Hingerissensein ohne anschließenden Kater, eine taghelle M stik (Robert Musil) in Pfingsterlebnis, das sich nicht dem Verdacht

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Gottes Kraftwirkung

hig, den Kontakt zu Gott herzustellen. Unsere Gebete sind kraftlos und schwach. Aber der Geist nimmt sich unserer Schwäche an. Paulus schreibt: „Er tritt für uns ein mit unaussprechlichen Seufzern.“ Diese Verbindung stärkt unser Grundvertrauen, dass der Geist Gottes unauslöschlich und unwiderstehlich mitten in der Welt des Todes als Anzahlung des ewigen Lebens wirkt. So können wir oft überraschende Entdeckungen für sein Wirken jenseits konfessioneller und religiöser Grenzen machen und BundesgenosIch denke, es gibt hilfreiche Hin- sen für eine friedliche Gestaltung weise in der Bibel, die uns helfen, der Welt finden. nicht nur zwischen heiligem und KL AUS HEINE unheiligem Geist zu unterscheiden, sondern uns auch seinem Wehen vertrauensvoll zu öffnen: Der Heilige Geist ist keine erzeugbare Stimmung, sondern eine stets demütig erbetene Dr. med. univ. Gotteskraft als unverfügbares Peter Maximilian Heil Geschenk. Er führt uns nicht zu esoterischen geheimen Wahrheiten, sonFacharzt für dern lässt Christus lebendig vor uns Haut- und Geschlechtskrankheiten erstehen, so dass wir heute und jetzt an ihn glauben können. Er bindet Oberarzt Universitätsklinik für Dermatologie sich so an das Wort der Wahrheit in AKH Wien der apostolischen Tradition, dass die Gemeinschaft der christlichen BrüPrivat und Wahlarzt aller Kassen Termin nach Vereinbarung der und Schwestern einen Maßstab für die kritische Prüfung der Geister Josefstädter Straße 101, 1080 Wien erhält und nicht von PrivatoffenbaTelefon: 0664 73 106 976 rungen abhängig ist. www.dermatologicum-vienna.com

aussetzen muss, man sei voll des süßen Weines oder das Volk habe gerade seine Opiumpfeife geraucht? Der unvergessene theologische Lehrer Wilhelm Dantine hat schon vor Jahrzehnten in seinem Buch mit dem Titel dieser Zeilen zur Erneuerung der Urteilskraft beitragen wollen, vor dem Versuch der kirchlichen Domestizierung des Heiligen Geistes gewarnt und auf die grenzüberschreitende, weltbewegende Wirkung des Gottesgeistes aufmerksam gemacht.

Der Geist nimmt sich unserer chwäche an So werden heiliger und unheiliger Geist unterscheidbar. Paulus benennt die Wirkungen des Heiligen Geistes so: Liebe, Freude, Langmut, Güte, Rechtschaffenheit, Treue, Sanftmut, Selbstzucht. Mit dieser Aufzählung schon wird deutlich, in welcher „Kampfzone“ wir leben. Tagtäglich müssen wir uns ja mit den gegenteiligen Wirkungen auseinandersetzen. Letztlich besteht die Wirkung des Heiligen Geistes darin, dass Christus im Regiment sitzt und weltweit regiert. Er überwindet die Entfremdung von Gott schöpferisch. Als Sünderinnen und Sünder sind wir unfä-

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P ngsten hat es bei uns als drittes christliches Hauptfest nicht leicht. Das Fest des Heiligen Geistes ist für viele nur ein Ferientermin im Frühling. Da findet sich das liturgische Rot eher in dem Rot der Verkehrsampeln und dem Blut der Verkehrsopfer wieder. Woran liegt das? Hängt es mit der Unanschaulichkeit dieser göttlichen Kraftwirkung zusammen? Obwohl es doch mit dem brausenden Wind, dem prasselnden Feuer, dem strömenden Wasser und der Friedenstaube eindrückliche Symbole gibt? Oder fürchten wir gar, sie könnte uns plötzlich ereilen wie eine Naturkatastrophe, ungeplant, unberechenbar, hinreißend, nicht kontrollierbar?


LITERATURSALON / BIBLISCHE FIGUREN

Von A bis Z Von A wie „Advent“ bis Z wie „Zahlen“: „Evangelisch von A bis Z“ buchstabiert Evangelisch-Sein, Religionen und Theologie. Und das auf höchst unterhaltsame und kompakte Weise, denn Hermann Miklas hat für jeden Buchstaben des Alphabets zwei Begriffe aus der evangelischen Welt und der Welt der Religionen ausgewählt. Davon beleuchtet jeweils ein Artikel einen eher theologischen Begriff, der andere Beitrag ist pra isbezogen. Unter G finden sich dann etwa „Gottesdienst“ und „Glauben“, unter P „Pfarrer und Pfarrerinnen“ sowie „Paradoxie“. Jeder Buchstabe beginnt mit einem passenden farbigen Bild, um die Beiträge zu illustrieren. Ein Stilelement, das das Buch enorm aufwertet und einen dazu bringt, es umso lieber in die Hand zu nehmen, darin zu blättern und zu lesen. Zweifelsohne hat dieses Buch bis jetzt in der Literaturlandschaft gefehlt, denn wo bekommt man kurz

und knapp einen profunden Streifzug durch das Evangelische in Österreich geboten? Der Autor lässt seine ganze Erfahrung aus mehreren Jahrzehnten als Pfarrer und Superintendent sowie Vorsitzender des Theologischen Ausschusses der Synode in seine Beiträge einflie en. Dabei gelingt es Miklas, erfreulich kompakt und einfach in der Sprache zu bleiben. Wer ihn kennt, hört ihn gewissermaßen sprechen: überzeugend, fragend, manchmal sogar zweifelnd. Immer aber fundiert bei der Sache und bei seinen LeserInnen. Das ABC hat Miklas deswegen gewählt, weil diese Ordnung sich nicht auf inhaltliche Zusammenhänge bezieht, „sondern der Zufälligkeit von Anfangsbuchstaben unterliegt. Auf diese Weise bekommen manchmal Begriffe einen prominenten Platz, die man normalerweise kaum in Betracht ziehen würde.“ Hier findet sich ein gro er Vorteil für die Leserinnen und Leser, denn der Theologe war gezwungen, scheinbar

Selbstverständliches zu klären und zu erklären. Und das auch noch kurz – kein Beitrag ist länger als eine Buchseite. Miklas nimmt es sportlich, denn konsequent hält er die vorgegebene Ordnung durch, selbst bei X und Y. Aber lesen Sie selbst. MARCO USCHMANN

Hermann Miklas

Evangelisch von A bis Z Evangelischer Presseverband 2017 116 Seiten € 9, Günstige Staffelpreise ab 10 Stück

L dia – eine großherzige Geschäftsfrau Auf seinen Missionsreisen begegnet der Apostel Paulus Männern und Frauen. Manche stehen ihm und vor allem seiner Botschaft vom gekreuzigten und auferstandenen Messias eher ablehnend gegenüber; andere sind aufgeschlossen und bleiben Paulus über viele Jahre hinweg verbunden. Auf seiner zweiten Missionsreise, die der Apostel um das Jahr 49 n.Chr. beginnt, werden die ursprünglichen Reisepläne vom Heiligen Geist gründlich durchkreuzt. Im Traum erreicht Paulus der Ruf, das Evangelium nach Europa zu bringen. Von der kleinasiatischen Küste bringt ein Schiff Paulus und seine Reisebegleiter nach Neapolis; von dort gelangen sie in die ganz und gar römisch geprägte Stadt Philippi (Apg 16,9-12). Eine Zielgruppe der Predigt des Paulus sind Frauen, die eine Nähe zur örtlichen Synagoge haben. Eine dieser Frauen, die sich dem jüdischen Glauben gegenüber interessiert

zeigte, war Lydia. Sie stammt aus Kleinasien, genauer aus Thyatira (an diese Stadt wird später eines der sieben Sendschreiben der Offenbarung des ohannes gerichtet sein Offb ,1 ff.). Die Predigt des Paulus fällt bei ihr auf fruchtbaren Boden, oder mit der Apostelgeschichte gesprochen: „der tat der Herr das Herz auf“ (Apg 16,14). Lydia lässt sich von Paulus taufen – und mit ihr bekennt sich „ihr ganzes Haus“ zum christlichen Glauben. Dass sie sodann den reisefreudigen Apostel und seine Begleiter direkt dazu nötigt, doch in Philippi in ihrem Hause Quartier zu nehmen, bestätigt, dass es sich bei ihr um eine überaus wohlhabende Frau gehandelt hat. Heute würde man von einer erfolgreichen Geschäftsfrau in der Modebranche sprechen – schließlich war es ein besonderes Privileg, mit Purpurstoffen handeln zu dürfen. Damit war Lydia als „Purpurhändlerin“ gleichsam Hoflieferantin des kaiserlichen Hofes.

Während nach dem Bericht der Apostelgeschichte Paulus und Silas in Philippi so manches erleben – ein Gefängnisaufenthalt mit überraschender Befreiung inklusive (Apg 16,16-39) – entsteht im gastfreundlichen Haus der Lydia eine Hausgemeinde – die erste von Paulus gegründete in Europa. Frisch aus dem Gefängnis entlassen führt der erste Weg des Paulus zu Lydia und dieser Gemeinde. Der Gemeinde bleibt er in besonderer Weise verbunden – nicht nur durch den später verfassten „Philipperbrief“. Nur von der Gemeinde in Philippi nimmt der sonst auf seine Unabhängigkeit so stolze Apostel (1 Kor 6,9.11) finanzielle Unterstützung an (Phil 4,10-19). Die erfolgreiche Geschäftsfrau Lydia mag dazu einen nicht unerheblichen Beitrag geleistet haben. J U T TA H E N N E R

www.bibelgesellschaft.at

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VERANSTALTUNGEN

REFORMATIONSJUBILÄUM

Aufklärung und Glaube Der Künstler Olaf Osten hat sieben Sujets zu „Freiheit und Verantwortung“ gestaltet, passend zum Reformationsjubiläum 2017. Wir haben bekannte Persönlichkeiten um Kommentare zu den Bildern gebeten.

2./3.6. ab 18 Uhr, „Dem Volk auf‘s Maul g‘schaut“, 34. Ökumenische Pfingstgebetsnacht 1120 Wien, Kirche am Wege, Biedermanngasse 13

14.6. 9–17 Uhr, „Die neue Lutherbibel. Worin bestehen die Änderungen?“ Studientag mit Michael Landgraf 8010 Graz, Heilandskirche, Kaiser-Josef-Platz 9

18.6. 18 Uhr, Musikalischer Abendgottesdienst mit Predigt „Vater unser im Himmelreich“, Choralbearbeitungen aus verschiedenen Jahrhunderten, Improvisationen 9800 Spittal/Drau, Lutherkirche, 10.-Oktober-Straße 8

20.6. 19 Uhr, „Sola scriptura – im Gespräch mit der Bibel“: Gesprächsabend über „Fluch und Rache“, mit Superintendent Stefan Schröckenfuchs 1090 Wien, Evangelische Akademie, Kapelle, Schwarzspanierstraße 13

25.6. 9.30 Uhr, Stapellauf des „Kirchenschiffes“ mit Gottesdienst 9020 Klagenfurt, Johanneskirche, Martin-Luther-Platz 1 10 Uhr, „80 Jahre Zwinglikirche“, Festgottesdienst mit Präsentation eines Buches über die Gemeindegeschichte, Ausstellung u.v.m. 1150 Wien, Zwinglikirche, Schweglerstraße 39

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Gra k:

laf

sten

9.6. 17.30 Uhr, Ökumenisches Eröffnungsgebet zur „Langen Nacht der Kirchen“, mit Kardinal Christoph Schönborn und Bischof Michael Bünker 1010 Wien, Augustinerkirche, Josefsplatz

ist der Glaube also nicht unvernünftig, wie etwa auch die Liebe nicht unvernünftig ist. Er ist „auf andere Weise“ vernünftig, übervernünftig.

Im 500. Jahr der Reformation auch gerade an dieses ökumenische VerIch hatte keine Heiligenerscheinung, ständnis von Glaube und Naturwissondern lediglich einen Doktor der senschaft zu appellieren scheint mir Biochemie. Gegen Ende meines natur- wichtig. Für die christlichen Kirchen wissenschaftlichen Studiums reifte ist die Ökumene, der Weg des Diain mir allmählich der Gedanke, Pries- logs, zur Selbstverständlichkeit geworden. Gleichzeitig scheint mir dieser Dialog heute aber auch in Bezug auf unsere Gesellschaft insgesamt notwendig. Dann, wenn es um Glaube und Naturwissenschaft geht. Und dort, wo es um den Aufbau einer menschenwürdigen Gesellschaft für möglichst alle Menschen geht. In einer Zeit, da alles ver- und gemessen, evaluiert und berechnet wird, kennen wir zwar von allem den Preis, aber nur noch selten den Wert. Und gerade mit Blick auf uns Menschen möchte man mit Bischof Franz Kamphaus entgegnen: Der Mensch hat nicht Wert. Der Mensch hat Würde. Das Staunen über diese Würde des Menschen kann ein Zugang zu dem sein, was Glaube meint. Glaube ist ein Weg durch den Alltag hindurch. Ein Weg, der in die Weite und in die Freiheit führt. Ein ter zu werden. Naturwissenschaft Weg, den in Verantwortung zu gehen und Glaube. Für viele Menschen ist sich lohnt, weil das Ziel sich lohnt: das bis heute ein Widerspruch. In ein gutes Leben. Und zwar für alle unserer szientistisch-positivistischen Menschen. Gesellschaft fragen sie: Wie kommt ein promovierter Biochemiker aus- Glaube ist demnach nicht zuerst Thegerechnet zur Theologie? orie, sondern Beziehung und befreiende Praxis. Er gewinnt Gestalt an Je älter ich werde, umso überzeugter den Rändern des Lebens und der bin ich: Glaube und Naturwissen- Gesellschaft, nicht zuletzt als Erinschaft schließen einander nicht aus. nerung daran, dass am Ende vor Sie gehören vielmehr zusammen. allem unser Versuch zählt, füreinanUnd das Territorium des Glaubens der da zu sein, aufeinander zu achwird dort, wo wir Erkenntnis gewin- ten, eben als Menschen zu leben. Wir nen, nicht kleiner. Im Gegenteil: Aus sind ganz wesentlich, das heißt unsemeiner Sicht nimmt das Staunen zu, rem Wesen nach, aufeinander verje genauer wir auf diese eine Welt wiesen: als Menschen. In Freiheit und auf das Leben blicken. Das Pro- und Verantwortung. Ohne ein Du gramm der Aufklärung als Ausgang wird keiner zum Ich. aus der selbstverschuldeten UnmünMICHAEL L ANDAU digkeit und der Glaube sind also ist Präsident der Caritas Österreich. kompatibel. Die Naturwissenschaft fragt im Kern nach dem Wie. Der Glaube im Kern nach dem Warum. P.S.: Den evangelischen Schwestern Aber beide beschreiben letztlich die- und Brüdern alles Gute und Gottes selbe Wirklichkeit. In diesem Sinne Segen zum Reformationsjubiläum!

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FILMTIPP / DAMALS

Die Renaissance der Mar schen Ideen Ärmlich gekleidete Menschen sammeln Brennholz im Wald, bis eine berittene Patrouille auftaucht, die Leute verfolgt und brutal niederschlägt. Akustisch begleitet wird die Szene von einem Text des jungen Karl Marx, den er für die Rheinische Zeitung als scharfe Kritik am so genannten „Holzdiebstahlgesetz“ verfasst hat, das aus Menschen, die Holz sammeln, um zu überleben, Schwerverbrecher macht.

cinema

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DER JUNGE K ARL MARX

Regie: Raoul Peck F/D/BEL 2017

journalistische Arbeit treibt ihn ins Exil, zuerst nach Paris und später nach Brüssel. Die beiden großen Denker Karl Marx und Friedrich Engels begegnen einander, finden sich Was anfänglich nach einem reiße- anfangs extrem unsympathisch und rischen Actionfilm aussieht, mutiert freunden sich schließlich doch an. zu einem Historiendrama und pha- Beide verbindet der Kampf gegen die senweise zu einem Kammerspiel. Die Bourgeoisie und die Einsicht, dass es Dramatik des Films ereignet sich neue Wege und Methoden braucht, mehr in den Dialogen und Gedanken die Gesellschaft gerechter zu gestalder Protagonisten als in der fil- ten, zumindest in der Theorie. mischen Umsetzung. Das Elend, die Repression und die Ungerechtigkeit An der Seite der beiden Philosophen leben zwei mutige und emanzipierte werden sichtbar. Frauen, die die Ideen ihrer Männer Der Film des haitianischen Regis- teilen. Der Zuschauer wird mit Theoseurs Raoul Peck beleuchtet das rien der Denker konfrontiert, die aus Leben des jungen Marx zwischen der Beobachtung und scharfen Ana1843 und 1848. Seine subversive lyse der herrschenden Verhältnisse resultierten. In einer Szene sagt Karl Marx, überzeugend gespielt von August Diehl: „Alle Philosophen haben die Welt interpretiert. Man muss auch bereit sein, sie zu verändern.“

Die AAT vor 20 Jahren Den Innenhof des Grazer Landhauses zeigt das Titelbild der SAAT vom 8. Juni 1997. Geboten wurde ein Vorblick auf die wichtigsten Themenfelder der kurz bevorstehenden Zweiten Europäischen Ökumenischen Versammlung: u.a. Einsatz für soziale Gerechtigkeit und „gerechter Ausgleich“ mit anderen Weltreligionen. Im Inneren erinnerte Professor Kurt Niederwimmer an seinen im April kurz vor seinem 94. Geburtstag verstorbenen Vorgänger Gottfried Fitzer, der Generationen von Theologen mit der wissenschaftlichen Bibelinterpretation vertraut gemacht hatte.

Das gilt auch für unsere Zeit und unsere Gesellschaft. Nachdem das Kommunistische Manifest nach heftigen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen revolutionären Gruppen endlich beschlossen wurde, endet der Film mit Szenen aus dem 20. und 21. Jahrhundert: mit raschen Bildsequenzen von Che Guevara, John F. Kennedy, Nelson Mandela und von der letzten Finanzkrise. Sie weisen darauf hin, dass die Gedanken von Marx und Engels auch heute in der Zeit des Neoliberalismus und Turbokapitalismus aktuell sind und seine Schriften lesenswert und lehrreich sein können. Man muss ja nicht gleich mit dem „Kapital“ beginnen. Der Film hat viel Kritik einstecken müssen. Ich halte ihn dennoch für sehenswert. THOMAS HENNEFELD

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PROGRAMM HF + TV

KURZ AUSGELEGT

Erstaunlich: Gott und Jesaja In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron, und sein Saum füllte den Tempel. Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er

sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich! (Jesaja 6,1+8; Trinitatis; 11. Juni 2017)

ZWISCHENRUF

jeden So., 6.55 7.00 Uhr (Ö1) 4.6.: Gisela Ebmer 11.6.: Olivier Dantine 18.6.: Johannes Wittich 25.6.: Sieglinde Pfänder 2.7.: Hermann Miklas E VA NGELISCHE MORGENGEDA NK EN

So., 6.05 6.07 Uhr, Mo. Sa., 5.40 5.42 Uhr (Regionalradios) 18.–24.6.: Harald Kluge E R F Ü L LT E Z E I T

jeden 1. So. im Monat: evangelische Predigttextauslegung, 7.04 8.00 Uhr (Ö1) 4.6.: Michael Chalupka 2.7.: Marco Uschmann LOGOS

THEOLOGIE UND LEBEN

Jeden Sa., 19.05 19.30 Uhr (Ö1) MEMO – IDEEN, MY THEN, FESTE

19.05–19.30 Uhr (Ö1) 5.6.: „Inspiration und die Folgen“ – Von Wittenberg auf die Wartburg und zurück, eine akustische Rundreise zu einigen wichtigen Wirkungsstätten des Reformators Martin Luther G E DA N K E N FÜ R D E N TAG

Mo. Sa., 6.55 7.00 Uhr (Ö1) 19.–24.6.: „Da David und sei Pantscherl“ – Alttestamentliche Geschichten auf Wienerisch, von Dietrich Siegl, Schauspieler, und Roland Kadan, Theologe HF-GOT TESDIENST

Pfingstmontag, .6., 1 11 Uhr (Regionalradios außer Wien), aus Wien-Döbling mit Pfarrerin Andrea Petritsch und Vikarin Rahel Hahn

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Die Besonderheit der Berufung des jungen Jesaja zum Propheten versetzt mich immer wieder in Staunen. Wann haben Sie das letzte Mal so richtig gestaunt? Ich meine tiefes Staunen über das, was in einem Leben möglich ist. Zum Beispiel staunen wie ein Kind, das zum ersten Mal das Meer sieht oder entdeckt, wie aus einer Raupe ein Schmetterling wird. Kein Wunder, dass Kinder auch besonders gute Philosophinnen und Philosophen sind. Uns Erwachsenen fällt so ein Staunen schwer. Wir haben alles schon oft erlebt und gesehen.

vergibt ihm seine Sünden. Er tut es in dieser Vision auf eine ganz merkwürdige Art: Gott lässt Jesajas Lippen mit einer glühenden Kohle vom Brandopferaltar berühren, von dem Altar, auf dem in alttestamentlicher Zeit die Sündopfer dargebracht wurden. Eine einzige glühende Kohle – sie ist Sinnbild der glühenden Liebe des einen wahren Gottes. Die glühende Kohle, die vergebende Liebe Gottes, verletzt Jesaja nicht und tut ihm auch nicht weh. Sie hilft und heilt vielmehr. Zugleich befähigt sie ihn, sich Gott zur Verfügung zu stellen. Als Gott fragt: „Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein?“, da Was passiert eigentlich beim Stau- meldet sich Jesaja bereitwillig. nen? Staunen erzeugt eine innere Bewegung und Anspannung. Meine Manchmal wünsche ich mir, Gott Neugier wird angeregt. Sie erzeugt würde uns Christinnen und Chrisdie Motivation, sich auf etwas Neues ten auch so direkt begegnen, uns so einzulassen und zu lernen. Neues nahe kommen. Gott ist dennoch da: musste auch der junge Jesaja lernen: Gottes vergebende Liebe hat uns Er war zur Zeit seiner Berufung noch angerührt bei unserer Taufe, Gottes kein Prophet, hatte noch nie Gottes vergebende Liebe rührt uns an bei Stimme gehört, geschweige denn der Sündenvergebung. Und wenn eine Vision gehabt. Im Jerusalemer wir unser Herz nicht zuschließen vor Tempel kam der Heilige Geist über dieser Liebe, dann wird sie unser ihn und ließ ihn den Herrn erblicken. Herz läutern und erneuern. Es wird Wie Gott aussah, das beschreibt gefüllt mit göttlicher Liebe, und wir Jesaja nicht, das ist auch unmöglich, werden bereit, uns von Gott senden dafür gibt es keine Worte. Jesaja zu lassen. Das muss nicht die große beschreibt die Umgebung Gottes, Aufgabe eines hauptberuflichen Prodie erfüllt ist von Zeichen seiner Hei- pheten sein wie bei Jesaja. Wir könligkeit: Der allmächtige Gott sitzt auf nen mit unseren von Gott geschenkeinem hohen und erhabenen Thron. ten Gaben Gottes Liebe weitergeben Die engelhaften Seraphim stehen – wenn wir trösten, helfen, Zeit über ihm. Lautes Lob der sechsflüge- haben für andere und unsere Stimme ligen Cherubim erklingt, und wie erheben für die Schwachen. von großen Rauchopfern steigen Die heutigen Prophetinnen und Progewaltige Rauchwolken empor. pheten sind von Gott berufen mit den Angesichts dieser Erfahrung fühlt Worten Hilde Domins: „Dies ist Jesaja seine Lebenskraft schwinden. unsere Freiheit, die richtigen Namen Er meint, er müsse sterben in unmit- nennend, furchtlos, mit der kleinen telbarer Gegenwart des heiligen Stimme. Einander rufend, mit der Gottes – er, der Unheilige, der Sün- kleinen Stimme, das Verschlingende der. Aber das Gegenteil geschieht: beim Namen nennen, mit nichts als Jesaja muss nicht sterben, er wird unserem Atem.“ vom gro en, unbegreiflichen Gott INGRID BACHLER zum Propheten berufen. Gott straft Oberkirchenrätin ihn nicht wegen seiner Sünden – er

AAT NR. 6 ✲ JUNI 2017 ✲ 64. JAHRGANG


RÄTSEL

GUT ZU WISSEN

"durch den Glauben" Abendgottesdienst

anständig einst evang. öst. Schloss

Heimatstadt Abrahams "Hinweis von oben"

kurz für "Eduard" Hüter ihrer Schäfchen

Pfingsten

ugs. für "Tatkraft"

Lichtengel des Alten Testaments

5

7 zur Pfingstzeit geschmückte Nutztiere

röm. Schutzgeister fürs Haus

Foto: M. Uschmann

Einschnitt in Luthers Leben anno 1521

fide, gratia, Christus u. scriptura (3 Wörter)

engl. für "Klasse"

1 Kaffernkorn

Milde, Pardon, Nachsicht

Klatsch

Satz zusammengehörender Dinge

3

Abk. für "Nationale Teilnehmerrufnummer"

in nächster Zukunft Domäne für Schweden

6

Abk. für "Epistel"

9

Frau im Hohelied des Salomon Aufseher

deutsche Vorsilbe

2 geflügeltes Wappentier

Freude über alles Geschenkte ausdrücken

Landschaft, Gebiet Zeichen für Blei

Abk. für "a conto"

Lösung des letzten Rätsels

R B U J E S T MU N G

R G F E C HW E E S I K MO O T T F U Z O F E ME R I H F A N

4 100 Quadratmeter

8 mit Müh und Not

Veste und Wohnort Luthers anno 1530

2

O R D E N G E B E T E

B K I E D E R E I R A R T L E U G E A R T I E L N D R G E B E S E T E N R R

G E D I E G E N

10 Lösungswort: ABENTEUERBURG

L 1

Keine Einheit der Kirchen in Sicht

US-Geheimdienst im Internet 10 cm

Initialen von Lincoln †

Rätsel-Brunner

modern, zeitgemäß

3

4

UNG W RT 5

6

7

8

9

10

Foto: M. Uschmann

Doppelt gewinnen mit der SAAT Schicken Sie das Lösungswort und/oder die Lösung des Personenrätsels an saat@evang.at bzw. an den Evangelischen Presseverband, Redaktion „SAAT“, Ungargasse 9/10, 1030 Wien. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir je 2 Schirmkappen mit dem Logo „ 17 ahre Reformation“. Einsendeschluss ist der 20. Juni 2017, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. GewinnerInnen des Rätsels in Heft 5 sind Harald P. aus Liezen und Roxana R. aus Premstätten. Wir gratulieren herzlich!

Die Entsendung des Heiligen Geistes auf die Apostel zu Pfingsten wird allgemein als Gründungsereignis der Kirche (gr. ekklesia, lat. ecclesia) verstanden. Kirche bedeutet dabei die Gemeinschaft derer, die das Wort Christi hören und ihm folgen. Für Martin Luther hatte die Kirche zwei Dimensionen: eine innerliche, die den Glauben des einzelnen Christen betrifft, und eine äu erliche, die Kirche als Institution versteht. Beide Dimensionen aber sind wie Leib und Seele eines Menschen nicht voneinander zu trennen. Sie sind beide, einem bekannten Ausspruch Luthers zufolge, Geschöpf des Wortes Gottes. Angesichts der Vielzahl heute bestehender christlicher Konfessionen erweist sich der Anspruch einer Einheit der Kirche als problematisch. In der aktuellen Diskussion um die Ökumene wird versucht, diesem Problem Rechnung zu tragen. WIN

Gewusst wer Er gehört zu den ganz Großen seines Standes. Man kann geradezu von einem Mythos sprechen, der sich um ihn rankt. Dabei waren seine Leistungen gar nicht so herausragend, im Gegenteil: Manche Entscheidung entpuppte sich in der Rückschau als krasser Fehler. Auf der Höhe der Macht war er nur kurz, bis er gewaltsam zu Tode kam – die Beerdigung war ein globales Medienereignis, rund eine Million Menschen waren bei der Trauerfeier dabei. Seine Arbeit fiel in turbulente und auch

gefährliche Zeiten, dementsprechend knüpften viele Menschen gro e Hoffnungen an ihn und seine Taten. Besonders die Frauen waren angetan von ihm: „Entweder sie wollen ihn bemuttern oder heiraten“, schrieb eine große Zeitung. Auch er selbst war den Frauen sehr zugewandt. Zahlreiche Affären sind belegt, auch mit Berühmtheiten. Seine Arbeit führte ihn einmal auch nach Wien, wo er mit einem Kollegen einmal mehr Weltgeschichte schrieb. Zeit seines Lebens war er krank. Wenn die Menschen

gewusst hätten, wie sehr, hätten sie ihn seinen Beruf nicht ausüben lassen, zeigt sich einer seiner Biographen überzeugt. Er aber ließ sich niemals etwas anmerken, gab den Sportsmann, schlief auf harten Fußböden, nahm täglich mehrere Bäder und viele Medikamente. Bis heute war er der einzige Katholik in seinem Beruf. MARCO USCHMANN

Auflösung SAAT 5: Sigmund Freud AAT NR. 6 ✲ JUNI 2017 ✲ 64. JAHRGANG

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P ngsten Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige, christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen … AUS DEM APOSTOLISCHEN

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SAAT Ausgabe Juni 2017  

SAAT. Evangelische Zeitung für Österreich

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