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Das neue Opernhaus

Stagion e  #4 März/April 2012 Theater an der Wien-Magazin 4. Ausgabe 2012 Ein Unternehmen der Wien Holding

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Inhalt

4 Editorial

Jacques Offenbach Les contes d’Hoffmann

Liebe Leserin, lieber Leser!

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Die nächsten zwei Premieren des Theater an der Wien widmen sich der französischen Oper des 19. Jahrhunderts: Ein Leben lang haben die fantastischen Geschichten des Dichters E.T. A. Hoffmann den Komponisten Jacques Offenbach fasziniert. Die letzten Jahre seines Lebens widmete Offenbach der Vertonung seiner großen Opéra fantastique Les contes d’Hoffmann. Doch den großen Erfolg seines Werkes konnte er nicht mehr erleben. Die vielschichtige Handlung, Offenbachs grandiose Musik und die Tatsache, dass dessen letztes großes Bühnenwerk keine vom Komponisten autorisierte Fassung kennt, machen Hoffmanns Erzählungen zu einer Oper, die sich der einfachen Deutung entzieht. Unsere März-Premiere wird ein Regisseur verantworten, der wie kein anderer die Abgründe der menschlichen Psyche erfolgreich thematisiert hat. Oscar-Preisträger William Friedkin wird zum ersten Mal in Wien eine Oper inszenieren und sich in zwei Spielserien Offenbachs Meisterwerk nähern. In der ersten Serie im März trifft Hoffmann Kurt Streit auf Mari Eriksmoen als Olympia, Juanita Lascarro als Antonia und Angel Blue als Giulietta. In der zweiten Serie im Juli wird Marlis Petersen, wie es eine überlieferte Fassung der Partitur vorschlägt, alle drei glücklosen Liebschaften des Dichters singen. Paris erlebte im 19. Jahrhundert generell eine Hochblüte der Oper, neben Les contes d’Hoffmann zählte Hamlet von Ambroise Thomas zu den erfolgreichsten Stücken dieser Zeit. Für beide Opern verfasste der renommierte Jules Barbier das Libretto. Dirigent Marc Minkowski und Regisseur Olivier Py werden nach ihren großen internationalen Erfolgen nun im Theater an der Wien gemeinsam die französische Deutung der Shakespeare-Tragödie realisieren. Als tragische Ophelia wird Christine Schäfer zu erleben sein und Stéphane Degout übernimmt die Titelrolle des Hamlet. Wir freuen uns sehr, gerade diese zwei Meisterwerke in großartigen Besetzungen gegenüberstellen zu können und wünschen Ihnen auch weiterhin bewegende Momente im Theater an der Wien.

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Herzlichst Ihr Intendant Roland Geyer

William friedkin Der Regisseur über Hoffmann

ambroise Thomas Ophelia und Hamlet in Paris

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hamlet Marc Minkowski und Olivier Py realisieren die Oper nach Shakespeare

12 osterklang Das Programm im Überblick

14 im Opiumrausch Kabarett in der Hölle

17 Ariodante Oper konzertant mit Alan Curtis

18 theodora Biblisches Oratorium von Händel

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Geisterbraut Tschechische Geisterballade

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Jugend an der Wien The Voice of Hoffmann

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Wir freuen uns auf Ihre Anregungen: magazin@theater-wien.at

Ensemble Die Künstlerinnen und Künstler im März und April

Sta|gio|ne, [sta’dʒo’nə] <lat.-it.> die, -, -n: „Jahreszeit“ 1. Spielzeit eines Operntheaters 2. Ensemble eines Operntheaters. Kennzeichnend für den Stagionebetrieb ist, dass ein Stück über eine längere Zeit gespielt wird. Je eine Inszenierung wird über mehrere Abende oder Wochen hintereinander angesetzt, es kommen nur frisch geprobte Inszenierungen zur Aufführung.

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Oper im März

Ich möchte unbedingt die Premiere sehen Ein Leben lang begleiteten Jacques Offenbach Hoffmanns Erzählungen. Die Premiere seiner letzten Oper konnte der Komponist nicht mehr erleben. Seit Kindertagen haben Jacques Offenbach die Erzählungen und Gestalten des deutschen Dichters Hoffmann fasziniert. Der immer umstrittene, zwischen den Künsten und Nationen lebende Kosmopolit und Wahlpariser Offenbach hat am Ende seines Lebens angelangt noch einmal alle Kräfte gebündelt, um jenes Werk zu schaffen, das ihn thematisch so viele Jahrzehnte begleitet hat. Mit Anfang dreißig sah der in Köln geborene Komponist, den der auf die Musikalität des Sohnes stolze Vater an das Pariser Konservatorium geschickt hatte, im Théâtre de L’Odeon Les contes d’Hoffmann von Jules Barbier und Michel Carré, dessen Hauptperson der Dichter Ernst Theodor Amadeus Hoffmann ist. Der begeisterte Offenbach bestärkte die Autoren in der Meinung, dass sich das Stück ohne Mühe in eine komische Oper umschreiben ließe. Der deutsche Dichter Hoffmann war in Frankreich ein beliebter Schriftsteller. Heinrich Heine berichtet von der großen Reputation, die Hoffmann in Frankreich genieße, und neben anderen dramatisiert George Sand dessen Erzählungen. Offenbach aber ist die kommenden Jahrzehnte mit der Opéra bouffe beschäftigt und verliert den einstigen Gedanken. Mit seinem Mitarbeiter Michel Carré hat der ständige Librettist der Opéra-Comique Jules Barbier in der Zwischenzeit die Libretti zu den Opern Mignon und Hamlet

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von Ambroise Thomas sowie zu Charles Gounods Faust geschrieben. Als Offenbach nun bald sechzigjährig sich wieder Hoffmanns Erzählungen erinnert, muss er erfahren, dass Barbier und Carré das Libretto längst verfasst haben. Die für Hector Salomon geschriebene Fassung war für eine durchkomponierte Oper 1867 entstanden, die aber nur eine teilweise, konzertante Aufführung erlebte. Offenbach gelingt es, die Rechte an der Vertonung zu erwerben und bittet Barbier um zahlreiche Änderungen. Die letzten drei Jahre seines Lebens widmet Offenbach seinem Hoffmann, und obwohl er weiß, nicht mehr viel Zeit zu haben, hat er kein anderes Werk langsamer komponiert und jede Idee mit einer sonst nicht gekannten Genauigkeit festgehalten. Seine Ärzte sehen seinen körperlichen Zustand zunehmend als hoffnungslos an und Offenbach hat nur noch einen Wunsch: „Ich möchte unbedingt die Premiere sehen.“ Mitten in Paris fand am 18. Mai 1879 in der Wohnung Offenbachs am Boulevard des Capucines ein berühmtes Hauskonzert statt, das gänzlich den unfertigen Les contes d’Hoffmann gewidmet war. Das Ensemble der Oper und ein rasch zusammengestellter Chor trugen Stücke des Werkes vor, Fragmente der Phantastischen Oper erklangen. Im folgenden eisigen Winter verschlimmert sich Offenbachs Zustand.

Obwohl noch keine fertige Partitur vorliegt, beginnen die Proben in der Opéra-Comique im Herbst 1880. Ende September verfolgt Offenbach die Proben, hört Teile des Werkes und verkündet am 4. Oktober, dass der Klavierauszug mit allen Instrumentationsangaben fertiggestellt sei. Am Morgen des 5. Oktober stirbt Offenbach, der Les contes d’Hoffmann selbst nie gehört hat. Sein Sohn Auguste-Jacques Offenbach entscheidet im Namen der Familie, den Komponisten Ernest Guiraud mit der Vollendung des Werkes zu beauftragen. Guiraud nimmt zahlreiche Veränderungen und Striche vor, eine anvisierte Uraufführung muss verschoben werden. Die Premiere am 10. Februar 1881 wird ein posthumer Erfolg für Offenbach. Toute Paris wohnt dem Schwanengesang bei, Passagen müssen wiederholt werden und trotz aller Striche dauert die Aufführung, die um halb neun begonnen hat, bis Mitternacht. Offenbachs letzte Oper hat ihn in allen großen Häusern der Welt etabliert, eine vom Komponisten autorisierte Partitur existiert von Les contes d’Hoffmann aber nicht. Regelmäßig tauchen neue Quellen der Oper auf und werden in stets erweiterten kritischen Editionen zusammengefasst. Die letzte Ausgabe, herausgegeben von Michael Kaye und Jean-Christophe Keck, vereint alle heute bekannten und verfügbaren autographen Quellen.


Oper im März

Die dunkle und die helle Seite William Friedkin

Die Aufführungsgeschichte von Jacques Offenbachs letzter Oper wird ebenso mysteriös bleiben wie die Erzählungen von E.T.A. Hoffmann. Der zur Opernfigur gewordene Dichter wartet im ersten Akt von Les contes d’Hoffmann in einer Taverne auf seine Geliebte, die Sängerin Stella. Angestachelt von der trunkenen Atmosphäre erzählt er in Rückblenden in den drei folgenden Akten von seinen unglücklichen Liebesabenteuern mit Olympia, Antonia und Giulietta. Sein Glück sieht Hoffmann stets von seinem ewigen Widersacher Rat Lindorf zerstört, der ihm unter wechselnden Identitäten nachzustellen scheint. Mit seiner realistischen Darstellungsweise prägte der amerikanische Regisseur William Friedkin das New Hollywood-Kino der 1970er Jahre. Für den Detektivfilm French Connection gewann er als einer der jüngsten Filmemacher den Regie-Oscar. In der Verfilmung von William Peter Blattys The Exorcist ließ er einen Dämonen der Urzeit in den Vereinigten Staaten der Gegenwart aus einem jungen Mädchen austreiben. Die Gattung Oper war ihm damals noch fremd. Seit den späten 1990er Jahren hat sich Friedkin verstärkt dem Musiktheater zugewandt. Das Unerklärliche, das plötzlich in das reale Leben dringt, interessiert ihn auch in dieser Gattung am meisten. Offenbach konnte seine Oper nicht vollenden. Zwangsläufig war bereits die Uraufführung eine Bearbeitung. Welche Fassung liegt Ihrer Inszenierung zugrunde? Wir verwenden die Fassung von Michael

William Friedkin im Gespräch über seine Inszenierung von Les contes d’Hoffmann. Kaye, der wohl der führende Wissenschafter für Les contes d’Hoffmann weltweit ist. Er hat beinahe sein ganzes Leben damit verbracht, bislang unbekanntes Material zu sichten und es an ungewöhnlichen Orten auch gefunden. Michael Kaye hat Jahre an der komplettesten Fassung der Oper gearbeitet, die heute existiert, und er arbeitet natürlich weiter daran, die Partitur zu vervollständigen. Er hat sein Leben einer endgültigen Fassung von Les contes d’Hoffmann gewidmet. Ich habe mehrmals mit ihm gesprochen und er war mir eine große Hilfe, ein Mentor in der Erstellung unserer Fassung. Denn häufig wurde die Abfolge der Szenen geändert, manchmal wurde der Giulietta-Akt vor dem AntoniaAkt gespielt und manchmal wurde der Giulietta-Akt der Länge halber auch einfach gestrichen. Wie wichtig war es Ihnen, die literarischen Werke E.T.A. Hoffmanns zu kennen, um Offenbachs Oper inszenieren zu können? Es ist notwendig, die Erzählungen von E.T.A. Hoffmann zu lesen, auch wenn die Oper musikalisch dem Erzählton dieser Geschichten nicht unbedingt folgt. Die Geschichten von Hoffmann sind so grotesk, wie man es sich nur vorstellen kann. In meiner Inszenierung halte ich mich mehr an das Groteske. Die Musik zu Hoffmann, die gänzlich hervorragend ist, klingt mit ihren wunderschönen Melodien wie Champagner. Aber die Geschichten wirken auf mich mehr, als ob sie von Bartók oder Strawinski vertont werden würden. Offenbach

hat Champagner-Musik geschrieben, wunderbare französische Melodien, aber dennoch hat er sich dafür entschieden, diese Oper zu vertonen. Die Musik entfernt sich beinahe vom Erzählton der Geschichten, die so tief, düster und übernatürlich wie jene von Edgar Allan Poe oder von Fjodor Dostojewski sind. Das Zeitalter der Romantik liebte diese Gegensätze, während wir heute unter romantisch eher eine Konfliktfreiheit verstehen. Welche Atmosphäre wollen Sie vermitteln, um Kitsch zu vermeiden? Es wird immer Menschen geben, die glauben, dass Les contes d’Hoffmann kitschig sind. Das ist unvermeidbar. Das Stück stammt aus einer anderen Welt. Als es ursprünglich aufgeführt wurde, wurden die Bühnen noch mit Gaslampen beleuchtet. Die Ausstattung unserer Produktion soll optisch mehr in die Richtung führen, worum es in Hoffmanns Schriften geht: Eine realistische Welt, in die das Übernatürliche nahezu unvermeidbar eindringt. Hoffmanns Geschichten gehen von einer realen Welt aus, besonders in seinen Romanen wie Die Elixiere des Teufels. Ein Mönch, der die heiligen Gelübde abgelegt hat und in ein Kloster eingetreten ist, verwaltet die Reliquienkammer. Eine der Reliquien ist das Elixier, das der Teufel verwendet hat, um den heiligen Antonius zu verführen. Aber niemand glaubt daran, dass diese Reliquie echt ist. Aber es stellt sich heraus, dass sie tatsächlich echt ist. In diesem Sinn unterscheiden sich diese Geschichten

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William Friedkin im Gespräch auf der Probebühne des Theater an der Wien

auch nicht von Der Exorzist. In einer realen Stadt und in einem realen Haus ist ein kleines Mädchen in ihrem Zimmer im oberen Stockwerk vom Teufel besessen. Das ist auch mein Zugang zu Hoffmann. In jedem dieser fünf Akte ist eine bestimmte Realität zu finden, in der übernatürliche Ereignisse geschehen. Ich persönlich glaube, dass das Übernatürliche uns andauernd begleitet. Menschen sind immer bereit, das Sagenhafte in ihrem Leben zu akzeptieren. Ein Teil unserer Seele sehnt sich nach Mythen und nach der Vorstellung, dass es etwas gibt, das mächtiger ist, als wir es sind. Das findet sich in Hoffmanns Erzählungen. Hoffmanns Liebesabenteuer mit Olympia, Antonia und Giulietta werden in Rückblenden erzählt. Durchläuft diese Figur überhaupt eine Entwicklung? Ja, im ersten und im fünften Akt, die normalerweise in einer Taverne spielen. Zu Anfang sehen wir einen Mann, der in sein Stammlokal geht, um zu trinken und um seine Depressionen zu vertreiben. In diesen Szenen sieht man einen älteren, bedrückten Mann. Im zweiten Akt der

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Olympia ist Hoffmann noch ein Student. Im Antonia-Akt ist er schon ein wenig älter. Er hat sich als Poet etabliert. Im GiuliettaAkt ist er als Dichter bereits erfolgreich. Diese Entwicklung wird gezeigt in der Art, wie Kurt Streit den Hoffmann spielt, und in den Kostümen, die er trägt. Aber jeder Versuch, Liebe zu erhalten, misslingt Hoffmann. In jeder Episode taucht ein Charakter auf, in dem Hoffmann seinen ewigen Widersacher Lindorf zu erkennen glaubt. Wer ist für Sie der geheimnisvolle Rat Lindorf ? Das ist mein Zugang zu dieser Oper: Lindorf und die drei Widersacher Coppélius, Miracle und Dapertutto sind alle ein Teil von Hoffmann. Sie stellen seine dunkle Seite dar. Wie jeder von uns eine gute Seite und eine böse Seite hat. Freud hat diese Schatten definiert, die in uns allen existieren. Der Rat Lindorf tritt auch als Le docteur oder als Le capitaine in Erscheinung. Hat dieser bewusste Hinweis auf Autorität einen Einfluss auf Ihre Deutung? Er stellt natürlich auch generell die gesell-

schaftliche Bürokratie dar, die sich auf alle Lebensbereiche setzt. Ob in einem Königreich oder in einer Tyrannei, die Bürokratie wird überall herrschen. In den Vereinigten Staaten hatten wir gute Präsidenten und wir hatten schlechte Präsidenten. Aber oft hat das keine Auswirkungen, denn es gibt darüber hinaus auch immer eine Regierung, die gut oder schlecht sein kann. Aber für mich spielt das nahezu keine Rolle. Im Leben gibt es eine Unvermeidbarkeit an Bürokratie, an Räten und Hauptmännern. Wenn Lindorf die dunkle Seite darstellt, hat Hoffmann keine gute Seite? Die Muse ist Hoffmanns gute Seite. Sie versucht, ihn von der Versuchung abzuhalten. Davon, dass er sich selbst zerstört. Lindorf ist der Teil in ihm, der ihn zur Selbstvernichtung führt. In diesem Sinn habe ich die Aufführung konzipiert. Lindorf erscheint als Coppélius, Miracle und dann als Dapertutto. Er spielt eine Rolle. Es ist Lindorf, der diese Charaktere verkörpert. La Muse oder Nicklausse wurde in früheren Produktionen manchmal gestrichen. Für was steht diese schwer fassbare Figur?


Les Contes d’Hoffmann Opéra fantastique in fünf Akten (1881) Musik von Jacques Offenbach Libretto von Jules Barbier nach dem Schauspiel von Jules Barbier und Michel Carré In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln Musikalische Leitung

Riccardo Frizza

Inszenierung

William Friedkin

Bühne

Michael Curry

Kostüme

Herbert Murauer

Video

Davide Broccoli

Licht

Mark Jonathan

Hoffmann

Kurt Streit

Olympia

Mari Eriksmoen

Antonia

Juanita Lascarro

Giulietta

Angel Blue

Stella

Magdalena Anna Hofmann

La Muse / Nicklausse

Roxana Constantinescu

Lindorf / Coppélius /  Le docteur Miracle / Le capitaine Dapertutto Aris Argiris Andrès / Cochenille /  Frantz / Pitichinaccio

Andreas Conrad

Spalanzani

Oliver Ringelhahn

La voix de la tombe

Ann-Beth Solvang

Hermann / Schlémil

Martijn Cornet

Luther / Crespel

Pavel Kudinov

Nathanael

Julien Behr

Wilhelm

Maciej Idziorek

Wiener Symphoniker Arnold Schoenberg Chor (Ltg. Erwin Ortner) Neuproduktion des Theater an der Wien Unterstützt von

Premiere: Montag, 19. März 2012, 19.00 Uhr

Aufführungen: 23. / 25. / 27. / 29. März & 2. April 2012, 19.00 Uhr

Einführungsmatinee: Sonntag, 18. März 2012, 11.00 Uhr

Die Muse versucht unentwegt, Hoffmann zu retten. Sie warnt ihn etwa davor, dass die Frau, die Hoffmann liebt, tot ist und dass sie niemals lebendig war. Aber Hoffmann will nicht darauf hören. Wir haben alle diese gute Seite, die sagt, lass dich nicht von dieser Bratwurst verleiten, iss stattdessen das Gemüse. Doch die dunkle Seite sagt, nimm doch gleich mehrere Bratwürste. Oder schlimmer: Verletze diese Person. Töte diese Person. Ich glaube daran, dass Menschen, die schreckliche Verbrechen begangen haben, von ihrer dunklen Seite beherrscht worden sind. Ich habe natürlich nie jemanden getötet, aber mit Sicherheit hätte auch ich eine Veranlagung dafür. Existiert dieser Trieb nicht in uns allen? Ja, und das möchte ich mit dieser Oper zeigen, dass diese Triebe in uns allen existieren. Über Giulietta sagt Hoffmann, dass er sie ebenso liebt wie hasst. Liebe und Krieg sind seit der Antike eng verwandt. Gibt es keine Chance auf zufriedenstellende Liebe? Nicht für Hoffmann, aber auch kaum für andere Künstler. Denken wir nur an Da Vinci und Michelangelo, die dafür gute Beispiele aus der Renaissance sind. Sie blieben ohne Beziehung zu einer Frau. Oder denken wir an Picasso, der Frauen nur gebraucht hat. Er war diesen Frauen aber nicht ergeben, er war seiner Kunst ergeben. Die großen Künstler der Geschichte sind ihren Werken ergeben, sie haben fast nie erfolgreiche Beziehungen. Kunst erfordert zuviel. Die Kunst erfordert zumindest alles von Hoffmann. Lindorf stellt in ihren Deutung in drei Charakteren die dunkle Seite Hoffmanns dar. Welche Rolle spielt Stella, in die Hoffmann

verliebt ist? Sind Olympia, Antonia und Giulietta ebenfalls, wie die Muse sagt, nur eine Frau: Stella? Diese Rollen werden gelegentlich auch von nur einer Sängerin dargestellt. Wir werden das im Juli in der zweiten Spielserie realisieren. Offenbach wollte ursprünglich, dass eine Sängerin alle Rollen übernimmt. Das unterstreicht die Idee, dass Menschen sich in der Regel immer und immer wieder in denselben Personentyp verlieben. In diesem Sinn sind sie dieselbe Frau, weil sie alle bereits vergangen sind. Antonia stirbt und Hoffmann verliebt sich in eine sterbende Frau. Olympia ist ein Roboter und Giulietta ist eine Hure. Sie werden ihn alle erledigen. Er hat sich noch nie in eine normale Frau verliebt. Von Stella wissen wir das zwar nicht genau, aber meine Vermutung ist, dass Stella für Hoffmann genau so schlecht wäre wie alle anderen. Sie ist eine Diva mit großem Erfolg und muss ihre eigene Karriere ebenfalls verfolgen. Am Ende hat Hoffmann seine Liebe verloren und liegt verlassen in der Taverne. Gibt es Hoffnung für den Poeten? In meiner Vorstellung beginnt er zu verstehen, was ihm die Muse, seine gute Seite, immer sagen wollte: „Vergiss all diese dummen Beziehungen. Du bist ein Poet. Folge Deiner Kunst.“ E.T.A. Hoffmann selbst hatte viele Fehlversuche in seinem Leben. Er versuchte sich als Komponist oder er verliebte sich in die falsche Frau. All das hat ihn von seiner Kunst ferngehalten. Aber eines Tages gelang es ihm, sich mit seiner eigenen Seele zu verbinden, und er hat diese Werke geschrieben, die alle noch lebendig sind. Das ist die Hoffnung, die ich am Ende dieser Oper verspüre. Aber die dunkle Seite bleibt immer bestehen.

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Oper im April

Vive le roi Hamlet Der zu Lebzeiten berühmte Ambroise Thomas schuf mit Hamlet seine langersehnte große Oper. Der reichhaltige Fundus an französischen Opern des 19. Jahrhunderts wurde in den Spielplänen der folgenden Jahrzehnte auf wenige Werke reduziert. Georges Bizets Carmen wurde nach der erfolglosen Uraufführung zu einem der meistgespielten Werke der Opernliteratur. Charles Gounods Oper Faust und Jules Massenets Werther kamen zu regelmäßigen Aufführungen und von Ambroise Thomas hielt sich dessen Mignon auf den Bühnen. Die Vielfältigkeit der französischen Oper von der Grand Opéra, der OpéraComique, dem Théâtre-Lyrique bis zur Opéra bouffe in dieser Zeit geriet in Vergessenheit. „In unserer Zeit der Retrospektive ist das Publikum reif für die Wiederentdeckungen des musikalischen Repertoires aus der Zeit von Ingres, Courbet und den Impressionisten, eines Repertoires, das den großen Erfolg der Pariser Opernbühnen begründet hat, und von dem wir heute noch profitieren, verlieh es doch der Stadt, die zur Musikhauptstadt Europas in der Romantik wurde, eine große Strahlkraft“, sagt Dirigent Marc Minkowski im Gespräch mit dem Bärenreiter-Verlag. „Das 20. Jahrhundert hat eine Leidenschaft für die barocke Kunst entwickelt“, meint Minkowski. Nach der Wiederentdeckung der Barockoper in den vergangenen zwei Jahrzehnten wächst jetzt auch das Interesse an der französischen Oper des 19. Jahrhunderts. Marc Minkowski war Fagottist bei Les Arts Florissants, wandte sich dem Dirigieren zu und gründete 1982 sein eigenes Ensemble für alte Musik Les Musiciens du Louvre. Der historischen Aufführungspraxis verpflichtet, erweiterte er seine musikalische Tätigkeit von der Barockmusik über die Klassik bis in die Romantik. Unsere Zeit sei durch eine tiefe Neugier gleichermaßen gegenüber der Vergangenheit wie der Zukunft gekennzeichnet, meint der Dirigent, in dessen Repertoire die französische Literatur einen Schwerpunkt einnimmt. Minkowski ist ein Verfechter der französischen Oper des 19. Jahrhunderts und maßgeblich für deren Renaissance mitverantwortlich.

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Die Pariser Komponisten der Romantik konnten für ihre Werke mit erfahrenen und geschickten Librettisten zusammen arbeiten, die literarische Klassiker von Shakespeare bis zu Goethe als Basis für ihre französischen Operntexte verwendeten. Jules Barbier war der ständige Librettist der Opéra-Comique, konnte sich hauptberuflich der Oper widmen und schuf gemeinsam mit Michel Carré die Textbücher zu einigen der bekanntesten Werke nicht nur des 19. Jahrhunderts. Charles Gounods Faust basiert ebenso auf den Versen von Barbier und Carré wie Thomas’ Mignon. Das Libretto zu Les contes d’Hoffmann stammt von Jules Barbier genau so wie das zu Hamlet von Ambroise Thomas, der zu Lebzeiten einer der wichtigsten musikalischen Protagonisten im Paris des 19. Jahrhunderts war. Als Sohn eines Geigers und einer Pianistin wurde der 1811 in Metz geborene Ambroise Thomas bereits früh ausgebildet, galt als Wunderkind und trat mit neun Jahren als Berufsmusiker auf. Nach Studienreisen durch Europa kehrte er 1838 nach Paris zurück und widmete sich als Komponist ganz der Oper. Mit 32 Jahren wurde er zum Mitglied der Légion d’honneur ernannt, und 1851 wurde er in die Académie des Beaux-Arts aufgenommen, was ihm in der Folge eine Professur für Komposition am Conservatoire national ermöglichte. Auch in finanziell schwierigen Zeiten blieb er der Opéra-Comique treu, trat nach einer sechsjährigen Pause 1866 mit Mignon wieder an die Öffentlichkeit und errang einen internationalen Erfolg. Die folgende Uraufführung von Hamlet festigte seine Reputation. Ambroise Thomas galt als verschlossen und ernst, diszipliniert und pflichtbewusst. Mit 60 Jahren trat er während des deutschfranzösischen Krieges von 1870 freiwillig in die Garde nationale ein. Seit 1871 leitete er als Direktor das Conservatoire, führte neue Unterrichtsfächer ein und erhöhte die Anzahl der Konzerte. Ehemalige erfolgreiche Schüler machte er zu Professoren des Institutes. Thomas, der der einsetzenden Moderne gegen Ende des Jahrhunderts

skeptisch gegenüber stand, erlebte die tausendste Aufführung von Mignon, hielt die Grabreden für Rossini und Gounod und erhielt als erster Musiker das Großkreuz der Légion d’Honneur. 1895 konnte er die Hundertjahrfeier des Conservatoires leiten und als er ein Jahr danach verstarb, löste sein Tod eine europaweite Aufführungswelle seiner erfolgreichsten Werke Mignon und Hamlet aus. Die Karriere von Ambroise Thomas als Opernkomponist umspannt vier Jahrzehnte, in denen zwanzig Werke uraufgeführt wurden. Der Komposition von Hamlet

Hamlet Opéra in fünf Akten (1868) Musik von Ambroise Thomas Libretto von Michel Carré und Jules Barbier nach William Shakespeare In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln Musikalische Leitung

Marc Minkowski

Inszenierung

Olivier Py

Ausstattung

Pierre-André Weitz

Licht

Bertrand Killy

Hamlet

Stéphane Degout

Ophélie

Christine Schäfer

Claudius

Phillip Ens

La reine Gertrude

Stella Grigorian

Laërte

Frédéric Antoun

Le Spectre

Jérôme Varnier

Polonius

Pavel Kudinov

Horatio / 1er Fossoyeur

Martijn Cornet

Marcellus / 2ème Fossoyeur Julien Behr Wiener Symphoniker Arnold Schoenberg Chor (Ltg. Erwin Ortner) Neuproduktion des Theater an der Wien

Premiere: Montag, 23. April 2012, 19.00 Uhr

Aufführungen: 26. / 28. / 30. April 2012, 2. / 5. Mai 2012, 19.00 Uhr

Einführungsmatinee: Sonntag, 15. April 2012, 11.00 Uhr


widmete sich Thomas mindestens sechs Jahre lang. Die Herausforderung bestand darin, Shakespeares komplexes Stück in eine dem Musiktheater adäquate Form zu wandeln, der großen Bewunderung des Publikums für die Figur der Ophelia gerecht zu werden und nach den Erfolgen in der Opéra-Comique erstmals mit einem ernsten Werk an der Grand Opéra zu reüssieren. Mit Mignon hat Thomas eine der beliebtesten leichten Opern in Paris in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts geschrieben. Hamlet sollte ihm ernsthaftere Anerkennung einbringen und ihn auch als Komponist einer fünfaktigen Opéra etablieren. Ambroise Thomas musste sich, um für die Opéra zu komponieren, an spezielle Regeln und Traditionen halten. Die offizielle Zensur musste zunächst das Libretto genehmigen, wobei entthronte Könige nicht gern gesehen waren. Das Werk musste fünfaktig konzipiert werden, in Versform geschrieben sein und durchgehend gesungen werden. Chöre, Ballett und großes Orchester waren selbstverständlich. Es musste sich trotz aller Regeln und Konventionen aber nicht an seine literarische Vorlage halten. In Shakespeares Tragödie gehört die Handlung und damit ein Großteil des Textes ganz der Titelfigur. Das Pariser Publikum des 19. Jahrhunderts aber war von der fragilen Figur der Ophelia verzaubert und die Librettisten Michel Carré und Jules Barbier rückten die Rolle der Ophélie ins Zentrum der Oper. Ambroise Thomas vertont die Geschichte einer liebenden, verratenen und sich in den Wahnsinn flüchtenden Frau gleichwertig neben Hamlets Zwiespalt zwischen der Liebe und den Pflichten eines Thronfolgers. In der Urfassung für Paris 1868 gelingt es dem ewig zaudernden Hamlet sogar das Sein zu regeln. Der gewalttätige König Claudius wird von Hamlet getötet, die heimtückische Königin ins Kloster verbannt und Hamlet als König gefeiert: „Vive le roi Hamlet.“ Für die Londoner Erstaufführung 1869 verfasste Thomas eine eigene Schlussvariante. Im Land Shakespeares musste sich auch eine große Oper an die literarische Vorlage des Dichters aus Stratford-upon-Avon halten. Über Ophélies Leichnam gebeugt stirbt Hamlet. Marc Minkowski


Christine Schäfer

Stéphane Degout

Oper im April

Arienbeklebt und malerisch Olivier Py und Marc Minkowski erarbeiten Hamlet von Ambroise Thomas. Die französischen Kritiker waren von der Hamlet-Uraufführung 1868 in Paris hingerissen und das Publikum blieb nicht aus. Bis 1914 wurde die Oper mehr als 300-mal in der Pariser Oper aufgeführt und blieb bis 1938 im Repertoire. Außerhalb der Grenzen Frankreichs hatte es Ambroise Thomas’ Shakespeare-Vertonung deutlich schwerer. Besonders der anglo-amerikanische Raum tat sich mit einem französischen Hamlet schwer. Ermüdend und hochtrabend, urteilte ein Kritiker der New York Times 1884 nach der Premiere in der Metropolitan Opera. Oskar Bie, Autor des 1913 erschienenen Standardwerkes Die Oper, bedauerte, dass man in Deutschland Hamlet von Ambroise Thomas so ganz vergessen habe. Denn im Ganzen sei ihm diese Oper, „wenn sie auch noch so arienbeklebt ist“, viel sympathischer als Mignon: „anständiger in der Mache, malerischer, reinlicher“.

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Die Vertonung eines Dramas von William Shakespeare war in Frankreich um die Mitte des 19. Jahrhunderts keine Ausnahme. Mehrere Werke des Dichters der Renaissance bildeten die Grundlage für Opernlibretti dieser Epoche. Hector Berlioz vertonte Béatrice et Bénedict nach Viel Lärm um nichts, Félicien-César David arbeitete die Komödie Ende gut, alles gut zu Le Saphir um und Jacques Fromental Halévy schrieb La tempesta nach Der Sturm. In Songe d’une nuit d’été von Ambroise Thomas stand Shakespeare als Figur der Oper sogar selbst auf der Bühne. Das berühmteste Werk dieser Tradition aber dürfte Roméo et Juliette von Charles Gounod nach dem Libretto von Jules Barbier und Michel Carré sein. Barbier und Carré schrieben auch das Libretto zu Hamlet, legten ihrer Fassung aber die erfolgreichen französischen Adaptionen des Stücks von Alexandre Dumas

dem Älteren und von François Paul Meurice zugrunde und passten vor allem den Schluss den Gepflogenheiten der französischen Tragödie an. Der englische Musikwissenschafter Hugh Macdonald hat gemeinsam mit Sarah Plummer-Hanrahan eine kritische Neuausgabe von Hamlet besorgt und bezeichnet die Librettisten als geschickte Anwender literarischer Klassiker von Ovid bis Goethe und flinke Lieferanten gereimter Verse: „Zusammen schrieben sie mehr als 30 Opernlibretti. Für Hamlet verwendeten sie Ducis’ bekannte Shakespeare-Übersetzung als Ausgangspunkt. Die dramatische Struktur ist deutlich und knapp und arbeitet die Hauptstränge der Handlung gut heraus.“ Laertes komme als einzigem Tenor zwar nur ein kleiner Part zu und seinem Vater Polonius ein noch kleinerer. „Aber die verwobenen Beziehungen von Hamlet, Claudius mit Königin Gertrude und Ophelia


werden sorgfältig und gründlich exponiert, vor allem in den Duetten und Trios.“ Ambroise Thomas begründete mit Hamlet seine letzte Schaffensphase als Bühnenkomponist, nachdem zwischen 1860 und 1866 keine neue Oper von ihm aufgeführt worden war. Seine erste Version der Shakespeare-Tragödie hatte Thomas zwar bereits 1863 beendet, dennoch ist letztlich unklar, warum weitere drei Jahre bis zur Uraufführung vergehen sollten. Einen großen Einfluss dürfte die Auswahl der Hauptdarsteller ausgemacht haben. Für den Bariton Jean-Baptiste Faure änderte Thomas die Titelrolle von einer Tenor- in eine Bariton-Partie. Faure war einer der berühmtesten Sängerdarsteller seiner Zeit und Hamlet wurde zu einer seiner Glanzrollen, in der Édouard Manet den leidenschaftlichen Sänger und Kunstsammler in seinem Ölgemälde J-B Faure dans le rôle de Hamlet verewigte. Auch die Sopranpartie der Ophélie wurde ganz auf die Sängerin der Uraufführung zugeschnitten. Seit die englische Schauspielerin Harriet Smithson 1827 als Ophelia in Paris aufgetreten war, blieb die fragile Frauengestalt eine Ikone der Romantik. In der Schwedin Christine Nilsson sah Thomas eine Idealbesetzung für seine Oper, schrieb eigens für sie koloraturreichere Melodien und statt eines vorgesehenen Zwiegesangs mit dem Chor fügte er für die Sopranistin, spätere Gräfin de Casa Miranda, eine schwedische Ballade in seine Partitur ein. Für das Publikum spielte Nilsson die Rolle nicht. Sie war Ophelia. Gaston Leroux ließ sich von dieser Verschmelzung von Figur und Darstellerin für seinen 1910 erschienenen Roman Le Fantôme de l’Opéra inspirieren, in dem die weibliche Heldin Christine Daaé nicht nur das Publikum, sondern auch den maskierten Titelhelden verzaubert. Zwei herausragende französische Künstler ihrer Generation leiten die Hamlet-Neuproduktion und stellen ihre erfolgreiche, gemeinsame Arbeit erstmals im Theater an der Wien vor. Unter der musikalischen Leitung von Marc Minkowski musizieren die Wiener Symphoniker und singt der Arnold Schoenberg Chor, die Inszenierung liegt in den Händen von Olivier Py. Beim Festival d’Aix-en-Provence leitete Marc Minkowski

2009 die Olivier Py-Inszenierung von Mozarts Idomeneo und im Vorjahr verantworteten Dirigent und Regisseur im Théâtre de la Monnaie in Brüssel die Produktion von Giacomo Meyerbeers Les Huguenots, die vom Magazin Opernwelt zur Aufführung des Jahres 2011 gekürt wurde. Der 1965 geborene Franzose Olivier Py inszeniert neben Oper auch Theater und Film, schreibt Stücke und tritt selbst als Schauspieler auf. Er verkörpert das Enfant terrible der französischen Theaterszene, leitet das Odéon Theater in Paris und wurde ab September 2013 zum Leiter des Theaterfestivals in Avignon bestellt. Er opponiert gegen die Kirche, bekennt sich als katholischer Homosexueller und bezeichnet das Theater mitunter als heidnische Spielwiese. Der französische Bariton Stéphane Degout folgt Jean-Baptiste Faure und hat sich die

Partie des Hamlet als eine seiner Glanzrollen erarbeitet. Nach seinen erfolgreichen Auftritten in Claude Debussys Pelléas et Mélisande, mit welchen er 2009 am Theater an der Wien zu erleben war, kehrt er nun als Hamlet zurück, um die ewige Frage nach Sein oder Nicht-Sein zu stellen und den Tod seines Vaters zu rächen. Die deutsche Sopranistin Christine Schäfer sang im Theater an der Wien zuletzt 2009 in einer szenischen Produktion die Titelpartie in Händels Partenope. Die laufende Saison eröffnete sie konzertant mit ihrer märchenhaften Deutung von Schönbergs Pierrot lunaire. In der Schwedin Christine Nilsson sah der Komponist die Idealbesetzung für die Ophélie, in Marc Minkowskis musikalischer Deutung übernimmt Christine Schäfer die romantische Rolle der emotionalen Ophelia.

Olivier Py

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Osterklang 2012

Der Geist ist willig Das Programm des sechzehnten OsterKlang-Festivals. CHRISTUS AM ÖLBERGE Nach dem letzten Abendmahl ging Jesus mit drei Jüngern in den Garten Gethsemane, um zu beten. Den Tod vor Augen bat er: „Vater, lass diesen Kelch an mir vorübergehen.“ Seine Jünger, die der Schlaf übermannt hatte, waren ihm keine Hilfe. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach, entstammt dieser Bibelszene. Der in Todesangst betende Jesus und die schlafenden Jünger sind ein vor allem in der Volkskunst populäres Szenarium. Als neuer Hauskomponist im Theater an der Wien schrieb Ludwig van Beethoven Christus am Ölberge, das am 5. April 1803 gemeinsam mit der zweiten Symphonie uraufgeführt wurde. Mit Beethovens einzigem Oratorium eröffnen die Wiener Philharmoniker unter der musikalischen Leitung von Philippe Jordan den OsterKlang 2012. Johan Botha übernimmt die Partie des Jesus und Gerald Finley singt den Petrus. Als Seraph preist Camilla Nylund des Erlösers Güte und fordert zur Nächstenliebe auf. Samstag | 31. März 2012 | 15.30 Uhr Sonntag | 1. April 2012 | 11.00 Uhr Theater an der Wien

LES CONTES D’HOFFMANN „Beeilen Sie sich, mein Stück herauszubringen, mir bleibt nicht mehr viel Zeit, und ich möchte unbedingt die Premiere sehen“, drängte der vom Tod gezeichnete Jacques Offenbach den Direktor der Pariser Opéra-Comique, während er mit verbissener Energie und in Fieberschauern an

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Hoffmanns Erzählungen arbeitete. Offenbach sollte die Premiere nicht mehr erleben, er starb am 5. Oktober 1880 und hinterließ eine unvollendete Fassung. Außer bei einem Hauskonzert und bei Proben hat Offenbach sein eigenes Werk nie gehört, und welche endgültige Form er dieser Phantastischen Oper geben wollte, wird Rekonstruktion bleiben. Im passenden Rahmen des OsterKlangs geht Kurt Streit als Hoffmann in der Inszenierung von William Friedkin Fragen der Wahrnehmung und der Realität nach, denn das Gute ist schwer zu erkennen und Dämonen lassen sich nicht immer vertreiben. Montag | 2. April 2012 | 19.00 Uhr Theater an der Wien

JOHANNES-PASSION Zwei Passionen sind von Johann Sebastian Bach erhalten, beide kommen beim OsterKlang zur Aufführung. Die frühere JohannesPassion war als Werk für den Gottesdienst gedacht und wurde am Karfreitag 1724 in der Nikolaikirche in Leipzig uraufgeführt. Die Heterogenität der Komposition liegt auch in der biblischen Vorlage begründet. Jesus ist im Johannes-Evangelium durchgehend als Gottessohn charakterisiert. Bach schildert die Ereignisse von der Gefangennahme bis zur Grablegung in zwei Teilen, die fünf Akte entsprechen gemäß der mittelalterlichen Tradition den Leidensstationen Christi. Unter der musikalischen Leitung von Stephen Layton musiziert das Orchestra of the Age of Enlightenment. Ian

Bostridge schildert als Evangelist die Leiden Christi, verkörpert von Neal Davies. Dienstag | 3. April 2012 | 19.00 Uhr Theater an der Wien

LA CENA DEL SIGNORE Rubén Dubrovsky und das Bach Consort Wien präsentieren unter dem Titel La cena del Signore nach einem Oratorium von Johann Joseph Fux Werke von Francesco Bartolomeo Conti, Antonio Caldara und Fux in der Wiener Minoritenkirche. Der argentinische Countertenor Franco Fagioli singt Arien der drei Komponisten, die der italienische Soprankastrat Domenico Genovesi während seiner Mitgliedschaft in der kaiserlichen Hofkapelle von 1717 bis 1752 am Wiener Hof in der Osterzeit gesungen hat. Die drei Komponisten Fux, Conti und Caldara waren ebenfalls am Wiener Hof und in dieser Reihenfolge als Hofkomponisten tätig und hinterließen eine Fülle heute vielfach unbekannter Sakral-, Bühnen- und Instrumentalwerke. Besonders Conti und Caldara gehören zu den großen Unerforschten, von deren Werk nur ein Bruchteil erschlossen ist. Mittwoch | 4. April 2012 | 19.30 Uhr Minoritenkirche

DES RÊVES ET DES PLEURS Die aus Spanien stammende Viola da gamba spielte sowohl in der Kammermusik als auch im großen Orchester vom 15. bis in das 18. Jahrhundert eine zentrale Rolle. Jordi Savall hat die Kniegeige wiederentdeckt und ist gleichzeitig einer der wichtigsten


Virtuosen der Gegenwart. In seinem Programm für den OsterKlang präsentiert er in fünf Kapiteln in der besinnlichen Minoritenkirche Kompositionen für die Viola da gamba aus der Zeit des Monsieur de Sainte-Colombe. Die Identität des Herren von Colombe ist bis heute ungeklärt, mit Sicherheit war er in Paris tätig, unterrichtete Marin Marais und fügte der Bassgambe eine siebte Saite hinzu, um die Möglichkeiten des solistischen Spiels zu erweitern. Träume und Tränen drückt Jordi Savall in der Passionszeit persönlich und emotional auf der siebensaitigen Viola da gamba aus. Gründonnerstag | 5. April 2012 | 19.30 Uhr Minoritenkirche

MATTHÄUS-PASSION Ähnlich wie in der Johannes-Passion folgt der dramaturgische Aufbau von Bachs umfangreichstem Werk den fünf Stationen der Leidensgeschichte Christi, drei unterschiedliche Quellen flossen in den Text ein. Jede Szene beginnt mit dem Evangelienbericht in seiner chronologischen Abfolge, ergänzt um Choralstrophen des lutherischen Kirchengesanges und poetischen Betrachtungs-

texten von Christian Friedrich Henrici, die dieser unter dem Pseudonym Picander veröffentlicht hatte. Die Matthäus-Passion wurde für den Karfreitagsgottesdienst in der Leipziger Thomaskirche komponiert und 1729 uraufgeführt. Martin Haselböck und seine Wiener Akademie präsentieren das Werk mit neun Solisten, die auch die Chorpartien übernehmen, in der Wiener Minoritenkirche im Originalklangbild der Bachzeit. Karfreitag | 6. April 2012 | 18.00 Uhr Minoritenkirche

LUX AETERNA Der liturgische Gesang Ubi caritas et amor basiert auf dem 1. Johannesbrief des Neuen Testaments und wurde bereits im 8. Jahrhundert im Kloster Sankt Gallen schriftlich festgehalten. Bis in die Gegenwart hat die Sehnsucht nach Nächstenliebe Komponisten angeregt. Die mittelalterliche Herkunft ist in den Vertonungen des 1978 geborenen Norwegers Ola Gjeilo und des amerikanischen Komponisten Morton Lauridsen deutlich hörbar geblieben. Einen ebenfalls aus der christlichen Liturgie stammenden Text hat György Ligeti in sei-

nem Chorwerk Lux aeterna vertont. In der statisch konzipierten Komposition für 16 Stimmen soll sich die Musik nicht dem Wort unterordnen, sondern den inhaltlichen Gehalt klanglich hervorbringen und das titelgebende Ewige Licht in der Minoritenkirche zum Klingen bringen. Karsamstag | 7. April 2012 | 19.30 Uhr Minoritenkirche

Frühling in Wien A la française wird die lang ersehnte warme Jahreszeit von den Wiener Symphonikern beim diesjährigen Festival begrüßt. Vor 25 Jahren übernahm Georges Prêtre die Stelle des Ersten Gastdirigenten des Orchesters und führt heuer beim traditionellen Konzert Frühling in Wien durch ein internationales Programm, das eine österreichische Militärparodie mit andalusischen Liebesmelodien vereint, einen Amerikaner durch Paris begleitet und Tänze der Kyptschaken vorstellt. Zum Abschluss führt der Maître in seine französische Heimat und heißt den Frühling mit Bizets L ’ Arlésienne willkommen. Ostersonntag | 8. April 2012 | 19.30 Uhr Musikverein

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Georg Wacks, Christoph Wagner-Trenkwitz, Martin Thoma, Stefan Fleischhacker, Elena Schreiber

Kabarett

Die Lust zu fabulieren Georg Wacks präsentiert die dritte kabarettistische Revue Im Opiumrausch. Das Ensemble rund um Georg Wacks hat im Souterrain des Theater an der Wien Pharaonen beschwört, Elefanten gebändigt und ist auch nicht davor zurückgescheut, sich in Baströcke zu zwängen. Bei all ihren Darbietungen folgten sie dabei der Geschichte des Hauses. Seit 1906 wurde der heutige große Pausenraum als Theater und Cabaret Die Hölle bespielt. Fritz Grünbaum, Karl Farkas oder Hans Moser traten in der teuflischen Restaurationsstätte auf. Franz Lehár und Robert Stolz schrieben einaktige Varietéopern und die Diseusen Mela Mars und Josam Selim sangen zweideutige Lieder. Georg Wacks hat diese Tradition historisch erforscht, schauspielerisch wiederbelebt und wurde dafür mit ausverkauften Aufführungsserien und notwendigen Zusatzvorstellungen belohnt. Einzig dem Element Wasser musste das Ensemble weichen. Während des Umbaus auf der Hinterbühne wurde im Sommer 2011 festgestellt, dass auch im Souterrain des Theater an der Wien eine sofortige Renovierung durchgeführt werden muss. Lecks im Heizungsrohrsystem durchnässten Wände und Erdreich und mussten umgehend behoben werden. Die angekündigte

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kabarettistische Revue zum 105-jährigen Bestehen der Hölle musste daher von Oktober in das Frühjahr der laufenden Saison verschoben werden. Die Hölle trocknet rasch und im April kann nach dem ersten Programm Tanz der Blinden und der Revue Rouge et Noir die Premiere von Im Opiumrausch stattfinden. Der kabarettistische Festakt zeigt in authentischen Kostümen und prachtvoller Ausstattung unbekannte Höhepunkte aus der Geschichte der Hölle. Für das Flair des Fin de Siècle sorgen die Diseuse Elena Schreiber mit pikanten Chansons, Christoph Wagner-Trenkwitz in seinen grotesken Tänzen, Martin Thoma mit tiefgründigen Milieustudien und Stefan Fleischhacker als letzter lebender Kunstpfeifer. Marie-Theres Arnbom präsentiert in der begleitenden Ausstellung verschollene Artefakte. In den 1930er Jahren kam in Etappen das Ende der Hölle. Auflagen der Behörde konnten nicht mehr erfüllt werden und das Lokal entsprach in wesentlichen Punkten nicht mehr den Bestimmungen des Theatergesetzes. In Folge scheiterte jeder neue Versuch, das Kabarett wiederzubeleben auch an den politischen Ereignissen

der folgenden Jahre. Viele der Künstler wurden im Dritten Reich beraubt und vertrieben. Fritz Grünbaum, fixe humoristische Größe des Wiener Kabaretts, wurde im Konzentrationslager Dachau ermordet. Seine Gedichte und Lieder lassen das Flair der Zeit aber erahnen und erinnern an den Sprachwitz und an die Doppeldeutigkeit während des Fin de Siècle. Der Abdruck des Gedichtes Selbstbiographie erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Thomas Sessler-Verlages, Wien.

Im Opiumrausch Ein kabarettistischer Festakt: 105 Jahre „Hölle“ Regie, Programmgestaltung, Musikalische Leitung: Georg Wacks Mitwirkende: Elena Schreiber, Stefan Fleischhacker, Martin Thoma, Georg Wacks und Christoph Wagner-Trenkwitz Ensemble: Albero Verde

Mittwoch, 11. April 2012, 20.00 Uhr Aufführungen: 13. / 14. / 15. / 17. / 18. /  19. / 20. April 2012, 20.00 Uhr


Fritz Grünbaum | Selbstbiographie Ich bin ein Dichter, wie ihr alle wisst, Und nie erzeugt die Welt ’nen besseren, So lange Zeiten schwinden. – – Doch meine Werke, ach! im Kehricht, auf dem Mist Und im Papierkorb mancher Redaktion Sind sie zu finden! „Doch liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen Und das Erhabene in den Staub zu zieh’n!“ Das ist ein Satz aus einem meiner Werk’, Den ich geschrieben hab’ mit Schmerzen, Doch weiß ich jetzt nicht, wann und wo, worin – – – Jedoch genug! Ich will euch Zeit nicht rauben, Ich hoff’ ihr werdet so es mir auch glauben! Ihr glaubt’s. Ich seh’s an den entzückten Mienen Die um mein Antlitz kosen liebevoll; Ihr glaubts –; doch nicht die Welt die böse, Die stets nur hasst, was sie verehren soll. Sie wirft mir vor (o hört, ihr werdet lachen), Dass fremdes Gut, was je ich schrieb und dacht, Geraubt, gestohlen meine Sachen, Ein Plagiat, was zu Papier ich bracht! Drum, dass ihr urteilt über all mein Wesen, Ob fremdes Gut, die Werke alle mein, Will meine Selbstbiographie in Versen ich euch lesen – –, Ob ich ein Dieb, ihr sollt die Richter sein! Nennen soll ich meinen Namen! Wohl: er sei euch nicht verborgen! Ich, ihr Herren und ihr Damen Will euch meine beiden Namen Auf dem Titelblatt gesteh’n, Bitte freundlich nachzusehn! Mir schenkte des Gesanges Gabe, Der Lieder süßen Mund Apoll! Fünf Bände, das ist meine Habe, Mit lyrischen Gedichten voll: Vom Vater hab ich die Statur, Des Lebens ernstes Führen, Von Mütterchen die Frohnatur, Die Lust zu fabulieren. In der Aula des Gymnasiums Wollt’ man meinen Geist erst lenken. Doch der fehlt und nichts erlernt ich’, Tat, wie oft den Vater kränken – – Ihm wars, als ob er die Hände Aufs Haupt mir legen sollt’, Weil ich so gar nichts lernte, So gar nichts lernen wollt’! Vergiftet sind meine Lieder, Wie könnt’ es anders sein? Mir bläute ja mein Vater Den Weltschmerz tüchtig ein. Wenn mir mein Pensum nicht gelang, Da wurd’ es mir im Herzen bang Und litt ich an Vikabelschwund, Wurd ich noch weniger gesund. Doch wenn er sprach: „Ich schlage dich“, Dann musst’ ich weinen bitterlich. Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht, Wie seltsam, o Göttin Natura,

Es war meine Reifeprüfung, ich macht’ Zu jener Zeit die Matura. Ich kam nach Wien, da sah ich mir an Im Theater manch schöne Geschichte, Dann kam ich nach Haus, den Magen leer, Kein Geld – und machte Gedichte. Die Gedichte, die sandt ich der Zeitung ein, Man las sie (o welche Blamage!) Nur beim Friseur, auch dienten sie Als Olmützer Käsemballage. Das ist der deutschen Dichter Urewiger Lebenslauf: Erst lässt man sie verhungern, Dann gibt man – Käs darauf! Mein Hunger glänzte weit hinaus, Ich schrieb einen Brief ins Reine, Den sandt’ ich meiner Mama nachhaus Und bat um Nachtmähler, feine. Die Sendung kam, das Nachtmahl schwoll, Paket um Paket kam wieder. Von meiner Mutter liebevoll, Fielen die Lebern nieder! Seit jener Zeit liegt im Magen mir’s flau, Geht weg nicht mit Hebeln und Hebern, Mich hat die unglückselige Frau Vergiftet mit ihren Lebern! Ihr fragt mich, ob je ich liebte im Leben. Die Mädchen verlachten den Wandrer; Und fand ich die Eine, die je Einen liebte – So war dieser Eine – ein Andrer! Mein ganzer Reichtum war mein Lied, Und das erklärt euch alles, Denn unverträglich seit tausenden Jahr’n Sind Frauenliebe und – Dalles! So geh’ ich freudlos meine Bahn Als Mensch verkannt, als Dichter verlassen, Verhöhnt und verspottet, von niemand erkannt Des Lebens bescheidenste Nebengassen! Wie traurig ist mein Dichterlos, Es bohren die Zweifel und nagen, Ich hab ein verdorrtes, verdorbenes Herz Und – einen verdorbenen Magen. Täglich geht der wunderschöne Junge Dichter auf und nieder Wenn um Morgenzeit im Magen Karlsbader Wasser plätschern. Täglich werden bleich und bleicher Seine Sängerrosenlippen! Heute Abend aber kommt ihr Auf mich zu mit raschen Worten: „Deinen Namen will ich wissen, Deine Heimat, deine Sippschaft – – –!“ Und ich sage: „Liebe Freunde, Hätte das nicht Zeit bis morgen? Und dann überhaupt, ich bitte, Habt ihr keine andern Sorgen? Ich bin ein deutscher Dichter, Verkannt im ganzen Land, Nennt man die schäbigsten Namen, Der meine wird nicht genannt!“

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Oper konzertant

Thron und Tochter Joyce di Donato singt die Titelrolle von Händels Ariodante, Alan Curtis leitet sein Ensemble Il Complesso Barocco. Drei Opern von Händel basieren auf dem Versepos Orlando furioso von Ludovico Ariost. Orlando, Ariodante und Alcina sind zwischen 1732 und 1735 entstanden und schildern besonders dramatische Handlungen. Ariost erzählt in der Ariodante zugrunde liegenden Episode von der Liebe des titelgebenden Ritters zur schottischen Königstochter Ginevra. Durch eine Intrige gelingt es Polinesso, dem Herzog von Albany, Ariodante die Untreue von Ginevra vorzutäuschen. Denn natürlich will der Herzog selbst Thron und Tochter. Am Ende wird Polinessos Schandtat aufgedeckt, und das Paar mit dem Segen des Königs vereint. Bereits Shakespeare hatte den beliebten Stoff bearbeitet und daraus seine Komödie Viel Lärm um Nichts gestaltet. Händel griff 1735 für seine Vertonung auf das Libretto des Florentiner Arztes Antonio Salvi zurück, das sich eng an die Vorlage Ariosts hält und sich großer Beliebtheit erfreute. Die Entstehung von Ariodante fällt wie häufig bei Händel in eine turbulente Zeit. Der Komponist stand vor einem Neuanfang im Theater in Covent Garden, nachdem seine Arbeit im Theater am Haymarket zu Ende gegangen war und ein Großteil seiner Sänger zur direkten Konkurrenz der Opera of the Nobility übergewechselt waren. Doch Krisen haben Händel häufig zu höchstem Können angetrieben. Händel war gezwungen, das Publikum mit seinem neuen Werk zu überzeugen und in sein neues Theater zu locken. Sein erster Biograph, der Theologe John Mainwaring, berichtet aus diesen Jahren der konkurrenzierenden Opernunternehmen, dass es sich bald spüren ließ, „das der Engländer Neigung zu Musik nicht stark genug war, zwo Opern auf einmal zu unterhalten.“ Der amerikanische Dirigent, Cembalist und Musikwissenschafter Alan Curtis debütierte 1980 mit Ariodante in der Mailänder Scala, wandte sich dann weiteren Raritäten und selten gespielten Opern Händels zu und interpretierte im Vorjahr erneut das in seinen Augen zu den besten Opern Händels zählende Werk. Mit Joyce di Donato in der Titelrolle spielte Curtis eine Studioaufnahme des Dramma per musica ein, die er in einer konzertanten Aufführung an der

Joyce Di Donato

Wien präsentieren wird. Im Rahmen der Aufführung wird Alan Curtis während einer Signierstunde seine Ariodante-Einspielung dem interessierten Publikum näher bringen. Händel schrieb zweieinhalb Monate lang an Ariodante, eine für ihn lange Kompositionszeit. Die Musik sowie die sensibel gezeichneten Charakterbilder gehören zum Ausdrucksvollsten, was er je geschrieben hat. Zudem schöpfte Händel das künstlerische Potenzial am Covent Garden voll und ganz aus. Während seine Konkurrenz dezidiert dem italienischen Geschmack treu blieb, setzte Händel mit der engen Verbindung von Tanz, Chören und der dramatischen Handlung, wie sie eigentlich für die französische Oper charakteristisch war, auf eine publikumswirksame Erneuerung. Er engagierte die Pariser Tänzerin Marie Sallé, die für ihren Ausdruckstanz in spärlichen Gewändern bekannt war und komponierte zahlreiche Ballettszenen für die berühmte Sallé. Händel eröffnete mit Ariodante sein erstes Jahr in Covent Garden und setzte sich mit insgesamt elf Aufführungen in der Premierensaison gegen die Konkurrenz der Adelsoper durch.

Ariodante Dramma per musica in drei Akten (1735) Musik von Georg Friedrich Händel (1685-1759) Libretto von Antonio Salvi Konzertante Aufführung in italienischer Sprache

Musikalische Leitung

Alan Curtis

Ariodante

Joyce Di Donato

Ginevra

Karina Gauvin

Polinesso

Marie-Nicole Lemieux

Dalinda

Sabina Puértolas

Lurcanio

Nicholas Phan

Il Re di Scozia

Matthew Brook

Il complesso barocco

Freitag, 9. März 2012, 19.00 Uhr

Im Anschluss an die Aufführung findet eine Autogrammstunde mit Alan Curtis, Joyce Di Donato sowie mit dem gesamten Ensemble im großen Garderobenfoyer gegenüber des Arcadia-Opernshops statt.

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Oper konzertant

Gottes Geschenk Die wahre Liebe einer Märtyrerin: Händels Theodora. Theodora und Didymus wollen ihrem Glauben nicht abschwören, bleiben trotz erheblicher Repressionen standhaft und müssen den Märtyrertod sterben. Dass die Macht der Obrigkeit im Tod ihre finale Grenze findet, schildert Händels Oratorium Theodora, das Librettist Thomas Morell nach The Martyrdom of Theodora and Didymus von Robert Boyle und Corneilles Théodore vièrge et martyre verfasst hat. Neben dem Messiah ist Theodora Händels zweites Oratorium mit einem christlichen Sujet. Das Libretto stellt dramaturgisch eine große Ausnahme dar, kein anderes englisches Oratorium des 18. Jahrhunderts basiert auf einer Heiligenlegende. In Antiochia um das Jahr 304 befiehlt der römische Gouverneur Valens allen Bewohnern, dem Kaiser an seinem Geburtstag ein Opfer darzubringen. Die weltentsagende Christin Theodora kann diesen Befehl nicht erfüllen und wird zum Dienst im Freudentempel gezwungen. Der in Theodora verliebte Offizier Didymus lässt sich zum Christentum bekehren und verhilft ihr zur Flucht. Doch Valens hat für beide kein Mitleid und verhängt nach römischem Recht die Todesstrafe. Liebende und ihr tragisches Schicksal waren in den mystischen Schriften des Mittelalters besonders beliebte Vorbilder. Theodora stellt diesen Typ der Liebenden dar, die durch ihren Verzicht auf irdisches Glück ihre wahre Liebe in Gott sucht im Wissen, „dass Liebe weit stärker als der Tod ist.“ Händel selbst schätzte das eindringlich nach innen gekehrte Stück hoch ein, das am 16. März 1750 im Theatre Royal in Covent Garden uraufgeführt wurde, dann aber nur zwei Wiederholungen erlebte.

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Dem Earl of Shaftesbury muss das Oratorium gefallen haben, er besuchte gleich alle Vorstellungen und schrieb an seinen Cousin, dass er das vollendete, schöne und ausgearbeitete Werk gleich dreimal gehört habe. Nur den Bürgern der Stadt gefalle es überhaupt nicht. Der Zulauf der Londoner ließ tatsächlich zu wünschen übrig: „Die Juden wollen nicht kommen wie zum Judas, weil es eine christliche Geschichte ist, und den christlichen Damen ist der Stoff zu tugendhaft“, soll Händel dem Librettisten Morell den künstlerischen Misserfolg erklärt haben. Finanziell könnte sich die Erstaufführung dennoch gelohnt haben. Am Tag nach der Premiere von

Theodora zahlte Händel hundert Pfund Sterling auf sein Konto bei der Bank of England ein. Bei seinem Debüt im Theater an der Wien leitete Hervé Niquet in Soldatenuniform die konzertante Aufführung von Offenbachs Militärfarce La Grande-duchesse de Gerolstein und zeigte sein komödiantisches Talent. Der französische Cembalist, Organist, Komponist und Dirigent studierte neben Orgel und Cembalo auch Schauspiel, sang als Tenor im Ensemble Les Arts Florissants von William Christie und gründete 1987 sein eigenes Ensemble Le Concert Spirituel, mit dem er sich vordringlich der barocken Musik zuwendet. An barocken Kirchen, Gemälden und Palästen bewundert Niquet vor allem die stets präsente Virtuosität sowie das Können ihrer Schöpfer, und diese Virtuosität möchte er auch in der Interpretation von Barockmusik erreichen.

Theodora Oratorium in drei Teilen (1749) Musik von Georg Friedrich Händel (1685-1759) Libretto von Thomas Morell Konzertante Aufführung in englischer Sprache

Musikalische Leitung

Hervé Niquet

Theodora

Sandrine Piau

Irene

Patricia Bardon

Didymus

Lawrence Zazzo

Septimius

James Gilchrist

Valens

Nathan Berg

Le Concert Spirituel

Hervé Niquet

Mittwoch, 21. März 2012, 19.00 Uhr


Oper konzertant

Bedrohte Braut Tomáš Netopil leitet Antonín Dvoˇráks Ballade Die Geisterbraut.

Tomáš Netopil

Antonín Dvoˇrák war in der k.u.k. Monarchie eine respektable, aber keine große Karriere gelungen, als der in Prag wohnhafte Komponist 1883 ein attraktives Angebot vom Musikverlag Novello aus London erhielt. In England waren Dvoˇráks Oratorien und Chorwerke auf großes Interesse gestoßen und nach einer Einladung der Philharmonic Society erreichte Dvoˇrák ein Brief des bekannten Londoner Musikverlages: „Außerdem bitten wir Sie auch, uns gefälligst wissen zu lassen, ob Sie geneigt wären, uns bis Anfang 1885 ein weltliches Chorwerk für Soli, Chor und Orchester zu komponieren, welches ungefähr eine Stunde zur Aufführung in Anspruch nehmen würde. Wir glauben, dass es uns persönlich möglich sein würde, das Werk im Jahr 1885 bei einem großen Festival hier in England anzubringen und Ihnen eine Einladung zu verschaffen, dasselbe hier zu dirigieren.“ Die Aussicht auf internationale Anerkennung beflügelte Dvoˇrák und in den folgenden Jahren war er als Komponist so

produktiv wie nie zuvor. Er hoffte, dass für ihn durch seine Engagements und Aufträge aus England eine glücklichere Zeit anbräche. Seine Erfolge in England verhalfen ihm tatsächlich zu größerer Reputation in ganz Europa, er wurde besser bezahlt und fühlte sich unabhängiger und gesichert. Dvoˇrák entschied sich, den Auftrag von Novello mit der Vertonung der Ballade Die Geisterbraut des tschechischen Nationaldichters Karel Jaromír Erben zu erfüllen, die einen in der Volksdichtung Europas weit verbreiteten Stoff thematisiert und auch Gottfried August Bürgers Gedicht Lenore zugrunde liegt. In der romantischen und dramatischen Kantate stellt Dvoˇrák Leiden, Ergebenheit und Erlösung eines Mädchens dar, das vergeblich auf den im Krieg gefallenen Bräutigam wartet. Schließlich lässt sie sich dazu hinreißen, den Geist des Toten zu beschwören. Im Unterschied zu Bürgers Deutung nimmt Erbens Variante ein versöhnliches Ende. Ein inbrünstiges Gebet vertreibt am Ende das bedrohliche Gespenst. Dvoˇrák gliedert die Ballade in sieben Abschnitte, durch die Betonung der lyrischen Momente hebt sich in seiner Vertonung das unheimliche Geschehen eindringlich von der realen Welt des unglücklich liebenden Mädchens ab. Dvoˇrák selbst leitete die Aufführung in Birmingham, an der angeblich 500 Chorsänger teilgenommen haben sollen. In der Euphorie des Erfolges bezeichnete Antonín Dvoˇrák Die Geisterbraut als das Werk, „das alle meine bisherigen übertrifft“.

Der musikalische Leiter Tomáš Netopil, der neben Dirigieren auch Violine studiert hat, ist seit 2009 Musikdirektor am Nationaltheater Prag. Antonín Dvoˇrák und sein Schwiegersohn Josef Suk sind für den jungen tschechischen Dirigenten die zwei wichtigen musikalischen Säulen seiner Heimat. Die Musik dieser beiden Komponisten spreche unzweifelhaft jeden tschechischen Musiker an, und auch er empfinde seit seiner Zeit als Geiger ein enges Verhältnis mit der Musik Dvoˇráks. Unter Netopils Leitung musiziert die 1994 gegründete Prager Philharmonie, die düstere Ballade erzählt von Ivan Kusnjer. Als toter Soldat erscheint Ladislav Elgr dem Mädchen Maria Porubcinova, Preisträgerin des Hans Gabor Belvedere Gesangswettbewerbs in der Wiener Kammeroper 2009.

Svatební Košile (Die Geisterbraut) Dramatische Kantate (1885) Musik von Antonín Dvoˇrák (1841-1904) Text nach der Dichtung von Karel Jaromír Erben Konzertante Aufführung in tschechischer Sprache

Musikalische Leitung

Tomáš Netopil

Das Mädchen

Maria Porubcinova

Der Tote

Ladislav Elgr

Der Erzähler

Ivan Kusnjer

Prager Philharmonie Prager Philharmonischer Chor

Freitag, 27. April 2012, 19.00 Uhr

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Neuheiten

Ein Stück Opernwelt für zuhause Theaterrequisiten und Bühnenelemente werden zum Kauf angeboten. In Kooperation mit der Zeitschrift H.O.M.E hat das Theater an der Wien eine besondere Aktion gestartet: Opernliebhaber haben ab sofort die Möglichkeit, sich ein Stück Opernwelt für zuhause zu sichern. Erstmals werden Theaterrequisiten und Bühnenelemente zum Kauf angeboten. Die Idee zu dieser Aktion hatte Intendant Roland Geyer, um Einnahmen für die engagierte Vermittlungsarbeit Jugend an der Wien zu lukrieren. Das erste Opernmöbel hat die Tageszeitung

Die Presse erstanden: einen Sessel aus L’Orfeo von Claus Guths Monteverdi-Inszenierung. Die Favola in musica, die am 14. Dezember 2011 im Theater an der Wien Premiere feierte, erzählt mit psychologischer Sensibilität und dramatischer Wucht von den extremen Gefühlslagen der Protagonisten, die von vollkommenem Liebesglück bis zu abgrundtiefer Verzweiflung reichen. Inszeniert wurde die Oper von Claus Guth, für die Ausstattung zeichnete Christian

Schmidt verantwortlich. Mari Eriksmoen, die in der Rolle der Euridice zu bewundern war, ließ es sich nicht nehmen, bei der Übergabe an Michael Fleischhacker, dem Chefredakteur der Presse, dabei zu sein. In der neuen Ausgabe von H.O.M.E. werden die stolzen Eigentümer präsentiert. Die Vereinigten Bühnen Wien bedanken sich bei der Tageszeitung Die Presse, dem Pionier des Projektes, und wünschen viel Freude mit dem edlen Stück aus Monteverdis L’Orfeo.

Michael Fleischhacker und Mari Eriksmoen

IMPRESSUM: Theater an der Wien – Intendant DI Roland Geyer | Medieninhaber/Herausgeber: Vereinigte Bühnen Wien Ges.m.b.H. | Generaldirektor Mag. Thomas Drozda Ein Unternehmen der Wien Holding | Theater an der Wien, Linke Wienzeile 6, 1060 Wien | Tel. (+43/1) 588 30-660 | oper@theater-wien.at | www.theater-wien.at Für den Inhalt verantwortlich: Intendant DI Roland Geyer | Redaktion: Johannes Penninger Theater an der Wien-Team: Petra Aichinger, Karin Bohnert, Andrea Brandner, Sylvia Hödl, Catherine Leiter, Sabine Seisenbacher, Anna Steger, Claudia Stobrawa, Philipp Wagner Marketing & Produktion: Tina Osterauer | Grafik/Art Direction: Martina Heyduk | Redaktionsschluss: 20. Februar 2012 Herstellung: Niederösterreichisches Pressehaus, Druck- und Verlagsgesellschaft m.b.H., 3100 St. Pölten, Gutenbergstraße 12 Änderungen und Irrtümer vorbehalten | DVR 0518751

Bildnachweis: Coversujet © beyond / michael huber . thomas riegler (grafik: thomas riegler) // S. 3 Roland Geyer © Lukas Beck // S. 5 & S. 6 William Friedkin © Lukas Beck S. 9 Marc Minkowski © Marco Borggreve // S. 13 Sujet © mauritius images / Firstlight // S. 14 Ensemble Im Opiumrausch © Armin Bardel // S. 20 Michael Fleischhacker und Mari Eriksmoen © Philipp Kreidl

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Jugendoper

Junge Stimmen Das dritte Freizeitprojekt von Jugend an der Wien schildert Hoffmanns Erzählungen. Insgesamt haben sich heuer 50 Jugendliche zusammengefunden, um an einem gemeinsamen musikalischen Projekt zu arbeiten. Jugend an der Wien präsentiert unter dem Titel The Voice of Hoffmann eine eigene Fassung der Oper Les contes d’Hoffmann von Jacques Offenbach, die auf verschiedenen Erzählungen E.T.A. Hoffmanns basiert. Ein wichtiger Aspekt daran: Die Jugendlichen tun dies in ihrer Freizeit. Die reine Freude an der Musik bringt die Teenager ab 14 Jahren unter dem Dach des Theater an der Wien zusammen. Einige von ihnen wissen schon sehr genau, dass sie später auf der Bühne stehen möchten und bereiten sich dementsprechend mit Gesang- und Musikstunden, Schauspiel- oder Ballettunterricht darauf vor. Andere stehen zum ersten Mal auf einer Bühne, das Niveau ist sehr unterschiedlich. Einige von ihnen wollen hinter den Kulissen mitwirken, als Lichtdesigner-, Masken- oder Kostümbildner. Die 21-jährige Laura Malmberg erzählt, sie interessiere sich generell für Kultur – und für Theater im Speziellen. Deshalb arbeitet sie hier bei den Kostümen mit, vielleicht auch um herauszufinden, was sie am liebsten macht. Schon bei den ersten Proben strahlen die Gesichter der jungen Gruppe, sie sind aufgeregt, fröhlich und vor allem motiviert. Man meint sogar hier die oft zitierte und doch vermeintliche, jugendliche Leichtigkeit tatsächlich zu spüren. Mit dieser Unbeschwertheit wird auch an die Aufarbeitung des Stückes herangegangen. Im Laufe der Besprechungen und Auseinandersetzung mit der Handlung entwickelt sich eine eigene Dynamik. Die Muse, als ständige Begleiterin des Protagonisten Hoffmann,

verbindet sichtlich auch die Jugendlichen. Die Gruppe bringt tiefsinnige Themen auf, setzt sich mit dem Stoff eindringlich auseinander. Mit der Begleitung der Projektleiterin Catherine Leiter und Schauspieltrainerin Beate Göbel ergeben sich erstaunliche Ideen für die Ausarbeitung, unerwartete Wendungen im Spiel auf der Probebühne und darüber hinaus, als sozialer Aspekt des Projektes Jugend macht Oper, ein rücksichtsvoller, sensibler Umgang miteinander, sowohl vor als auch hinter der Bühne. Mit Dirigent Johannes Mertl wird stimmlich experimentiert. „Ich finde es sehr schön, dass alle wirklich etwas beitragen können, dass wir nicht einfach ein Stück vorgelegt bekommen, sondern dass wir uns einbringen können mit dem, was uns gerade durch den Kopf geht“, erklärt die 17-jährige Milena Pumberger. Was die Jugendlichen in ihrer Lebenswirklichkeit gerade beschäftigt, spiegelt sich in ihrer Interpretation des Inhalts wider. In der Neuinterpretation der Opéra fantastique lernt Hoffmann seinen Schöpfer Jacques Offenbach als sein Alter Ego und sein Spiegelbild kennen; die Liebe zu drei Frauen entdeckt er im Rahmen einer Castingshow, die ihn jeweils in eine neue Geschichte entführt. Elektronische Musik und farbenfrohe Kostüme des OlympiaTeils stehen im Kontrast zu Antonias schwarz-weißer Welt und Blues-Klängen bei Giulietta. Klassische Opern-Arien werden kombiniert mit Elementen aus Elektronik, Schlager, Blues oder Chansons. Eine weitere Besonderheit ist, dass die Premiere sowie die Folgeveranstaltung von The Voice of Hoffmann auf der großen Bühne des Theater an der Wien stattfinden.

The Voice of HOffmann Jugendoper zu Les contes d’Hoffmann von Jacques Offenbach Gesamtkonzept & Inszenierung

Catherine Leiter

Schauspiel & Inszenierung Beate Göbel Musikalische Leitung

Johannes Mertl

Kostüme

Axel E. Schneider

Lichtdesign

Frank Storm

Musikalische Assistenz

Thomas Asanger

Anna Rockenschaub

Szenische Mitarbeit

Rainer Vierlinger

Regieassistenz

Barbara Emilia Dauer

Videodokumentation

Karin Granner

Mit Christoph Anzböck, Marie-Sophie Bauder, Franziska Bauer, Isabella Bauer, Samuel Caron, Isabella Eisnecker, Cordula Engeljehringer, Zsolt Fancsali, Magdalena Födinger, Jascha Geber, Sofie Hatos, Johanna Höppel, Res Hoy, Raphael Hulan, Clarisse Jähn, Hannah Jöchtl, Gabriel Karger, Tabea Marie Kerschbaumer, Verena Kircher, Wendy Kok, Benjamin Alan Kubaczek, Julia Lackner, Sarah Lang, Sarah Lehner, Daria Lik, Verena Löhnert, Daniel Luk, Rhian Maedel, Laura Manschein, Jakob Mitterer, Katja Ondracek, Lea Pöder, Alexander Polli, Elisa Pötz, Milena Pumberger, Georg Ramisch, Lidia Saarinen, Cigdem Sahiner, Laurence Strasser, Emanuela Sutter, Simon Valderrama, Karoline Vetter, Sophie Wasserburger, Georg Wasserburger, Veronika Zeller

Mittwoch, 28. März 2012, 18.00 Uhr Aufführung: 29. März 2012, 11.00 Uhr

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Les Contes d’Hoffmann

Riccardo Frizza (Musikalische Leitung) · Kurt Streit (Hoffmann) · Juanita Lascarro (Antonia) · Magdalena Anna Hofmann (Stella) William Friedkin (Inszenierung) · Mari Eriksmoen (Olympia) · Angel Blue (Giulietta) · Roxana Constantinescu (La Muse /Nicklausse)

Aris Argiris (Lindorf /Coppélius/  · Le docteur Miracle /Le capitaine Dapertutto)

Oliver Ringelhahn (Spalanzani)

Andreas Conrad (Andrès / · Cochenille /Frantz /Pitichinaccio)

·

Martijn Cornet (Hermann /Schlémil)

Ann-Beth Solvang (La voix de la tombe)

·

·

Julien Behr (Nathanael)

Pavel Kudinov (Luther /Crespel)

·

Maciej Idziorek (Wilhelm)

HAMLET

Marc Minkowski (Musikalische Leitung) · Stéphane Degout (Hamlet) · Phillip Ens (Claudius) Olivier Py (Inszenierung) · Christine Schäfer (Ophélie) · Stella Grigorian (La reine Gertrude)

Frédéric Antoun (Laërte) · Pavel Kudinov (Polonius) · Julien Behr (Marcellus / 2ème Fossoyeur) Jérôme Varnier (Le Spectre) · Martijn Cornet (Horatio / 1er Fossoyeur)

Ariodante

Alan Curtis (Musikalische Leitung)

·

Karina Gauvin (Ginevra)

Joyce di Donato (Ariodante)

·

·

Sabina Puértolas (Dalinda)

Marie-Nicole Lemieux (Polinesso)

·

·

Matthew Brook (Il Re di Scozia)

Nicholas Phan (Lurcanio)

Theodora

Hervé Niquet (Musikalische Leitung) · Patricia Bardon (Irene) · James Gilchrist (Septimius) Sandrine Piau (Theodora) · Lawrence Zazzo (Didymus) · Nathan Berg (Valens)

Svatební Košile (Die Geisterbraut)

Tomáš Netopil (Musikalische Leitung) · Ladislav Elgr (Der Tote) Maria Porubcinova (Das Mädchen) · Ivan Kusnjer (Der Erzähler)

Im Opiumrausch

Georg Wacks

· Elena Schreiber

Stefan Fleischhacker · Martin Thoma · Christoph Wagner-Trenkwitz


Theater an der Wien-Magazin 4. Ausgabe 2012 Theater an der Wien | Linke Wienzeile 6 | 1060 Wien www.theater-wien.at

9. März bis 5. Mai Ariodante

Dramma per musica von Georg Friedrich Händel (konzertante Aufführung) | Musikalische Leitung: Alan Curtis | Il complesso barocco 9. März 2012, 19.00 Uhr | Tickets ¤ 70 | 58 | 45 | 35 | 26 | 18 | 11

Les Contes d’Hoffmann

Oper von Jacques Offenbach | Neuproduktion des Theater an der Wien Musikalische Leitung: Riccardo Frizza | Inszenierung: William Friedkin | Wiener Symphoniker | Arnold Schoenberg Chor (Ltg. Erwin Ortner) 19. März 2012, 19.00 Uhr (Premiere) | 23., 25., 27., 29. März & 2. April 2012, 19.00 Uhr | Tickets ¤ 150 | 135 | 115 | 90 | 75 | 45 | 25 Einführungsmatinee: 18. März 2012, 11.00 Uhr

Theodora

Oratorium von Georg Friedrich Händel (konzertante Aufführung) | Musikalische Leitung: Hervé Niquet | Le Concert Spirituel 21. März 2012, 19.00 Uhr | Tickets ¤ 70 | 58 | 45 | 35 | 26 | 18 | 11

The Voice of Hoffmann

Jugendoper zu Les contes d’Hoffmann von Jacques Offenbach | 28. März 2012, 18.00 Uhr | 29. März 2012, 11.00 Uhr | Tickets ¤ 5 | 3

OSTERKLANG 2012 (31. März – 8. April) Christus am Ölberge 31. März, 15.30 Uhr, 1. April, 11.00 Uhr | Theater an der Wien | Tickets ¤ 98 | 86 | 74 | 62 | 50 | 38 | 27 Les contes d’Hoffmann 2. April, 19.00 Uhr | Theater an der Wien | Tickets ¤ 150 | 135 | 115 | 90 | 75 | 45 | 25 Johannes-Passion 3. April, 19.00 Uhr | Theater an der Wien | Tickets ¤ 78 | 65 | 53 | 42 | 32 | 23 | 11 La cena del Signore 4. April, 19.30 Uhr | Minoritenkirche | Tickets ¤ 32 | 25 | 18 | 15 | 11 | 7 Des rêves et des pleurs Gründonnerstag, 5. April, 19.30 Uhr | Minoritenkirche | Tickets ¤ 32 | 25 | 18 | 15 | 11 | 7 Matthäus-Passion Karfreitag, 6. April, 18.00 Uhr | Minoritenkirche | Tickets ¤ 41 | 34 | 26 | 18 | 11 | 7 Lux Aeterna Karsamstag, 7. April, 19.30 Uhr | Minoritenkirche | Tickets ¤ 32 | 25 | 18 | 15 | 11 | 7 Frühling in Wien Ostersonntag, 8. April, 19.30 Uhr | Musikverein | Großer Saal | Tickets ¤ 85 | 79 | 69 | 60 | 51 | 45 | 40

Im Opiumrausch

Ein kabarettistischer Festakt: 105 Jahre „Hölle“ | Regie, Programmgestaltung, Musikalische Leitung: Georg Wacks 11. April 2012, 20.00 Uhr (Premiere) | 13., 14., 15. , 17. , 18. , 19., 20. April 2012, 20.00 Uhr | Tickets ¤ 20

Hamlet

Svatební Košile (Die Geisterbraut)

Dramatische Kantate von Antonín Dvoˇrák (konzertante Aufführung) | Musikalische Leitung: Tomáš Netopil | Prager Philharmonie Prager Philharmonischer Chor | 27. April 2012, 19.00 Uhr | Tickets ¤ 70 | 58 | 45 | 35 | 26 | 18 | 11

Karten

Öffentliche Führungen

Freier Vorverkauf an der Tageskasse im Theater an der Wien und am Wien-Ticket Pavillon sowie per Telefon und Internet. Vorverkaufsbeginn für die Vorstellungen ab 1. Jänner 2012 am 1. September 2011.

20.3., 29.3., 2.4., 30.4., 3.5., 18.6. jeweils  16.00 Uhr | Dauer: ca. 1 Stunde Preis: ¤ 7/5* | Kinder unter 6 Jahren frei Information: +43-1-58830 664 oder philipp.wagner@theater-wien.at

Schriftliche Bestellungen: Theater an der Wien, Linke Wienzeile 6, 1060 Wien

*Ermäßigung gilt für: SchülerInnen, Studierende, Zivil- und Präsenzdiener

Tageskassen (Mo-Sa 10 bis 19 Uhr) Theater an der Wien: Linke Wienzeile 6, 1060 Wien Wien-Ticket Pavillon: Karajan-Platz (neben der Staatsoper) Internet: www.theater-wien.at (Online-Bestellungen nur mit Kreditkarte) Ö1 Clubmitglieder erhalten für hauseigene Produktionen auf maximal zwei Karten pro Vorstellung eine Ermäßigung von 10 %. Abonnement: Das Abonnementprogramm senden wir Ihnen auf Bestellung gerne kostenlos zu. Änderungen der Vorstellungszeiten, Preise, Preiskategorien, Öffnungszeiten sowie Besetzungen vorbehalten.

Kartentelefon: täglich von 8 bis 20 Uhr

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass die Miniaturoper Kafka-Fragmente aus terminlichen Gründen auf die nächste Spielzeit verschoben werden musste.

Hauptsponsor

KlangBlatt 2/2012 | Sponsoring Post | Verlagspostamt 1060 Wien | DVR 0518751 | GZ 03Z034773 S

Oper von Ambroise Thomas | Neuproduktion des Theater an der Wien Musikalische Leitung: Marc Minkowski | Inszenierung: Olivier Py | Wiener Symphoniker | Arnold Schoenberg Chor (Ltg. Erwin Ortner) 23. April 2012, 19.00 Uhr (Premiere) | 26. , 28. , 30. April, 2., 5. Mai 2012, 19.00 Uhr | Tickets ¤ 150 | 135 | 115 | 90 | 75 | 45 | 25 Einführungsmatinee: 15. April 2012, 11.00 Uhr


STAGIONE #4/2012