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+++PRESSEMITTEILUNG+++

Maina Miriam Munsky: „Die Angst wegmalen“ Bonner Frauenmuseum eröffnet erste Parallelausstellung zu SINGLE MOMS Im Rahmen der Ausstellung „Single Moms“, in der das Leben von Alleinerziehenden in Geschichte, Kunst und Gegenwart thematisiert wird, präsentiert das Frauenmuseum vom 11.05. – 29.06.2014 Arbeiten der Berliner Künstlerin Maina Miriam Munsky aus den Jahren 1967 bis 1991. Das Gros der Werke fokussiert den Beginn des Lebens, die Geburt. Munsky, 1943 in Wolfenbüttel geboren und 1999 in Berlin gestorben, gehörte zu den neuen Westberliner Realisten der 70er Jahre, die der Gesellschaft gegenüber eine deutlich kritische Haltung einnahmen und sich auf Vorbilder wie Hannah Höch, George Grosz oder John Heartfield, das Prinzip Collage und Dada bezogen. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den 70er und 80er Jahren, in denen Munsky den für sie typischen, an der Neuen Sachlichkeit geschulten hyperrealistischen Malstil perfektionierte. 1970 verschaffte sich die Künstlerin Zugang zu den Kreiß- und Operationssälen einer West-Berliner Klinik und malte nach dort aufgenommenen Fotografien gynäkologische Untersuchungen, Geburtsvorgänge und Operationen. Ihre Gemälde mit knappen, nüchternen Titeln wie „Kabine“, „Sonde“ oder „Eingriff“ spiegeln die funktionale, sterile Atmosphäre in Krankenhäusern. Ihre Farbpalette ist auf wenige kühle Töne reduziert; die Lichtquelle ist häufig nur das Kaltlicht der OP-Lampen. Munsky selbst dazu: „Ich male Eingriffe in das Leben der Frau, des Kindes. Ich male Operationen, Geburt und den Tod, Grenzsituationen des Menschen, seiner Hilflosigkeit, seines Ausgeliefertseins. Ich male meine Bilder so objektiv, so wahrheitsgemäß, wie es mir möglich ist.“ Munskys Werk ist wegen ihrer Sujets und Malweise seit jeher umstritten gewesen. Dies hängt zum einen sicher mit ihrer strengen, formalen Herangehensweise an emotionale Themen zusammen, zum anderen aber auch mit der Tabuisierung des Themas Geburt in der Bildenden Kunst. „Es wäre kulturgeschichtlich zweifellos interessant, der Frage nachzugehen, wieweit und warum Darstellungen von Fruchtbarkeitsriten, Geschlechtssymbolen, Begattungsakten und Erotomanien jahrtausendelang, je nach Kulturkreis mehr oder


weniger offenherzig, ohne Hemmungen akzeptiert wurden. Nur der Akt des Gebärens blieb, angesehen vielleicht als zu intim und verletzlich einerseits, als zu nackt und brutal andererseits, ausgespart. Ihn zum Thema zu wählen, bedeutete nicht nur in gewisser Weise Mut nach außen, sondern griff viel tiefer ein in eine Dunkelzone von Schonung und Verschleierung, Geheimnis und Mysterium.“ (Lucie Schauer) Munsky wagte aus einer weiblichen Perspektive heraus, den Akt der Geburt, der für Männer gewaltsam und furchteinflößend war und ist, künstlerisch zu enttabuisieren. Die Ausstellung wurde durch eine Projektfinanzierung des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) ermöglicht und in Zusammenarbeit mit Marianne Pitzen, Jan Schüler und der Galerie Poll (Berlin) realisiert.

Vernissage: 11.5., 12 Uhr, Begrüßung Marianne Pitzen, Vortrag Jan Schüler Führungen: jeden Sonntag um 13 Uhr und auf Anfrage

Weitere Parallelausstellungen: 13.07. – 07.09.2014 Annegret Soltau: „Einheit und Trennung- Familienbilder“ 21.09. – 09.11.2014 Portraits Überlebender von Anfal und die von Frauen initiierte Gedenkstätte

Bildnachweis: Maina Miriam Munsky. Sonde, 1974, Acryl auf Nessel, 150 x 180 cm. Galerie Poll, Berlin.

Ansprechpartnerin Presse: Dr. Klaudia Nebelin Im Krausfeld 10 53111 Bonn www.frauenmuseum.de Tel: +49 (0)228 – 92 89 45 27 Fax: +49 (0)228 696164 Mobil: +49 (0)173 630 3608 klaudia.nebelin@frauenmuseum.de


Maina Miriam Munsky: "Die Angst wegmalen"  
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