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Nr. 3

Dezember 2012 | 33. Jahrgang Bozen | Galileo-Galilei-Straße 4/c Poste Italiane SpA | Versand im Postabonnement ges. Dekr. 353/2003 (abgeändert in Ges. 27/02/2004 Nr. 46) Art. 1, Komma 2, CNS Bozen

Was wird sein …?

Die Entwicklung der Wohnsituation

People First: Internationale Kontakte in Nordtirol

Natur und Kultur mit den Geschwistern Mölgg

Urlaube 2012: eine kleine Fotogalerie

Neues aus der Welt der Technik: Apps


IMPRESSUM

Perspektive, dritteljährliches Mitteilungsblatt der Lebenshilfe ONLUS Im Sinne des Pressegesetzes verantwortlicher Redakteur: Christoph Franceschini Redaktion: Tommy Bristot, Hanspeter Delucca, Dietmar Dissertori, Melanie Goldner, Georg Königsangerer, Wolfgang Obwexer, Luigino Scaggiante, Zenzi Stockner, Lisl Strobl, Verena Elisabeth Turin Mit schriftlichen Beiträgen von: Tommy Bristot, Café Prossliner, Dietmar Dissertori, Extreme24, Fischereiklub Schlern, Melanie Goldner, Lukas Graiss, Verena Harrasser, Hermann, Alfred Hermeter, Franz Hofer, Jürgen, Johannes Knapp, Georg Königsangerer, Landespresseamt, Marion, Robert Mumelter, Simone Niedermair, Wolfgang Obwexer, Karin Pfeifer, Karl Pichler, Veronika Psaier, Pyramide, Peter Rechenmacher, Sabine, Luigino Scaggiante, Anna Steinkasserer, Zenzi Stockner, Lisl Strobl, Theresia Terleth, Verena Elisabeth Turin Lebenshilfe ONLUS Bozen, Galileo-Galilei-Straße 4/c, Tel. 0471 062501 Registriert beim Tribunal Bozen mit Dekret Nr. 7/80 R.St. vom 5. Mai 1980 Interne computertechnische Beratung: Armin Unterthiner Sekretariat: Martin Winkler Layout: Hermann Battisti Fotosatz und Druck: Ferrari-Auer, Bozen, Kapuzinergasse 7–9 Gedruckt auf »Climate Paper« (klimaneutrales Papier) www.lebenshilfe.it perspektive@lebenshilfe.it

Die Tätigkeiten der Lebenshilfe werden unterstützt von:

AUTONOME PROVINZ BOZEN - SÜDTIROL Abteilung 24 - Familie und Sozialwesen

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PROVINCIA AUTONOMA DI BOLZANO - ALTO ADIGE Ripartizione 24 - Famiglia e politiche sociali


Liebe Leserinnen und Leser!

Unterstützen Sie uns mit Ihrer Mitgliedschaft! Wir befinden uns in Zeiten ökonomischer Engpässe. Für gewinnorientierte Unternehmen bedeutet dies häufig, dass die Gewinne sinken. Bei sozial nützlichen und nicht-gewinnorientierten Vereinen wie dem unsrigen wirken sich diese Engpässe dahingehend aus, dass der Umfang an Angeboten für unterstützungsbedürftige Personen zur Diskussion steht. Die Lebenshilfe befindet sich heute, mehr denn je zuvor, in der Situation, wo immer möglich einsparen zu müssen. Ein Ausbau der Angebote für Menschen mit Beeinträchtigung ist äußerst schwierig. Jedes Ergebnis, das im Jahresrückblick bescheinigt, dass die bestehenden Angebote mehr oder weniger aufrecht erhalten werden konnten, ist als Erfolg zu betrachten. Aus diesen Gründen sind wir für jede Art der privaten Unterstützung dankbar. Wir fragen heute alle Leserinnen und Leser unserer Zeitschrift „Perspektive“, die nicht Mitglieder unseres Verbands sind: Wollen Sie uns in unserer Arbeit für Menschen mit Beeinträchtigung mit Ihrer Mitgliedschaft unterstützen? Der jährliche Mitgliedsbeitrag beläuft sich für Einzelpersonen auf 20 €, für Familien auf 25 €. Wenn Sie Mitglied der Lebenshilfe werden wollen, so ersuchen wir Sie, unsere Homepage www.lebenshilfe.it zu besuchen, das Mitgliedsformular auszudrucken, auszufüllen und uns per Post zukommen zu lassen. Wenn Sie über keinen Internet-Anschluss verfügen, laden wir Sie ein, uns anrufen. Sämtliche Informationen erhalten Sie bei Karin Hört, 0471 062501, hoert@ lebenshilfe.it Wir freuen uns über jedes einzelne neue Mitglied. Mit Ihrer Mitgliedschaft unterstützen Sie unsere Arbeit für und mit Menschen mit Beeinträchtigung nicht nur finanziell, sondern auch ideell. Je mehr Personen sich mit unserem sozialen Auftrag identifizieren, desto stärker können wir uns dafür einsetzen, dass Menschen mit Beeinträchtigung ein selbstbestimmtes, teilhabendes und somit erfülltes Leben führen können.

Die Titelrubrik ... ... der vorliegenden Ausgabe der „Perspektive“ widmet sich der Frage der Wohnsituation von Menschen mit Beeinträchtigung. Mit ihr beanspruchen wir, einen kleinen Beitrag zu einer Thematik zu leisten, die gegenwärtig in der Welt des Sozialen breiten Raum einnimmt. Diese Welt bemüht sich, den Forderungen der „UN-Konvention zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen“ gerecht zu werden, und sieht sich zusätzlich mit der Tatsache konfrontiert, dass Menschen mit Beeinträchtigung so wie alle anderen auch immer älter werden und in sehr vielen Fällen nicht zeitlebens bei ihren Eltern werden wohnen können. Die Lösung der Frage der Wohnsituation von Menschen mit Beeinträchtigung wird also immer dringlicher und steht heute unter dem Aspekt der Relevanz jener der Frage der Arbeitsinklusion um nichts nach. Wie immer fanden wir auch diesmal interessante Personen, die auf den Seiten der Titelrubrik das Thema „Wohnen von Menschen mit Beeinträchtigung“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. Wir hoffen, dass auch für Sie etwas Interessantes dabei ist, und wünschen Ihnen viel Erfolg, Glück und Gesundheit im neuen Jahr! Die Redaktion


LEBENSHILFE INTERN

… Seite 6

PEOPLE FIRST

Hallo Freunde von People First! … Seite 10 Selbstvertretungswochenende in Matrei … Seite 11 Unsere Tagung „Was wird sein, wenn unsere Eltern alt und krank sind?“ … Seite 15

AKTUELLES

… Seite 19

TITEL

Wohnassistenz für Menschen mit Beeinträchtigung Impulse für die Sozialpolitik und die Sozialverwaltungen in Südtirol … Seite 23 Was wird sein, wenn …? Zu Gast bei einer Tagung von People First … Seite 26 Erfordernisse und Engpässe Im Spannungsfeld zwischen Handlungsbedarf und Ressourcenknappheit: ein Gespräch mit Thomas Dusini … Seite 30 Zusammen leben in Kleingruppen Die Wohngemeinschaften der Lebenshilfe in Schlanders: ein Gespräch mit Emma Pinzger … Seite 33 Individuelle Wege Arbeit für die Zukunft von Menschen mit Beeinträchtigung … Seite 36 Compagnia … Seite 38 „Manches kann ich gut, anderes ein bisschen weniger“ Ein Gespräch mit Hanspeter Delucca … Seite 40 Wohnen heute und morgen Zusammenfassung in einfacher Sprache … Seite 42


BUNTE SEITEN

… Seite 45

MAGAZIN

Erlebnistag auf Marinzen Eine gemeinsame Initiative von Lebenshilfe, Extreme24 und Fischereiklub Schlern … Seite 77 Das Sommerfest in St. Vigil in Enneberg … … mit Manuela und Manfred Mölgg am 14. Juli … Seite 78 Ein Dankeschön … … für die Einladung zum Spatzen-Fest … Seite 80 Die Mundarten Tirols (Nord-, Ost- und Südtirol) und des Salzburger Landes (und des dazugehörigen Chiemgauer Berglands) … Seite 81 Urlaube 2012 mit der Lebenshilfe … Seite 82

MEDIOTHEK

Apps für Menschen mit Beeinträchtigung … Seite 89


LEBENSHILFE INTERN

Neuer Name fĂźr unseren Verband Im Zuge der Ăœberarbeitung seiner Statuten hat sich unser Verband umbenannt. Der alte Name war Landesverband Lebenshilfe fĂźr Menschen mit Behinderung, der neue Name ist Lebenshilfe ONLUS. Wo nicht aus VerwaltungsgrĂźnden notwendig, nennen wir uns einfach nur Lebenshilfe.

Dritte Ausgabe: Kunst der Vielfalt / Arte della DiversitĂ 2013 „Kunst der Vielfalt / Arte della DiversitĂ â€œ ist ein Projekt, das die Lebenshilfe gemeinsam mit dem Teatro La Ribalta und unterstĂźtzt von der Gemeinde Bozen ins Leben gerufen hat. 2013 ist das Jahr von dessen dritter Ausgabe. „Kunst der Vielfalt / Arte della DiversitĂ â€œ bezeichnet einen Zyklus von TheaterauffĂźhrungen, bei denen es um Menschen geht, die Ausgrenzung erleben: beeinträchtigte, alte, kranke, verkannte, unterdrĂźckte, verfolgte Menschen. Sie alle verkĂśrpern, uns immer wieder fremd, was wir oft ablehnen, ausgrenzen und abschieben oder sogar verdrängen. Beim GroĂ&#x;teil der StĂźcke wirken professionelle Schauspieler/innen und Menschen mit Beeinträchtigung gemeinsam. BerĂźhmte Theatergruppen aus dem Inland wie dem Ausland geben sich die Ehre. Besonders stolz ist die Lebenshilfe auf ihre eigene Theatergruppe, die nach dem Erfolg ihres „Minotaurus“ im Rahmen von Bolzano Danza / Tanz Bozen 2013 ein neues StĂźck aufzufĂźhren geplant hat. Auf unserer Homepage www.lebenshilfe.it finden Sie unter der Rubrik „Aktuelles“ einen einschlägigen Artikel, in dessen Anschluss Sie die BroschĂźre „Kunst der Vielfalt / Arte della DiversitĂ  2013“ einsehen und Mit freundlicher UnterstĂźtzung der

               

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herunterladen kĂśnnen. FĂźr nähere Informationen, Anmeldungen und Kartenvorverkäufe wenden Sie sich bitte an Barbara Rottensteiner, 0471 062529, rottensteiner@lebenshilfe.it Hier das Programm des gesamten Zyklus: 12. Dezember (bereits aufgefĂźhrt): Mezzanin Theater: „Das Prinzip Struwwelpeter“. 30. Jänner, 20.30 Uhr, Stadttheater Bozen: Saverio La Ruina: „Italianesi“. 22. Februar, 20.30 Uhr, Stadttheater Bozen: Babilonia Teatri & Amici di Luca: „Pinocchio“. 23. Februar, 16.30 Uhr, Teatro Cristallo: Teatro delle Briciole: „Il viaggio“. 16. März, 20.30 Uhr, Stadttheater Bozen: Pippo Delbono: „Dopo la battaglia“. 28. März, 20.30 Uhr, Stadttheater Bozen: Ascanio Celestini: „La pecora nera“. 12. April, 20.30 Uhr, Stadttheater Bozen: Teatro delle Albe: „Rumore di acque“. Juli: Ein neues StĂźck von Stiftung Stadttheater und Konzerthaus Bozen & Teatro La Ribalta & Lebenshilfe im Rahmen von Bolzano Danza / Tanz Bozen 2013. 11. Oktober, 20.00 Uhr, Waltherhaus: Junges Schauspielhaus ZĂźrich: „BrĂźder“.

Urlaube: Begleiter/innen und Leiter/innen gesucht Wir freuen uns, auch fßr den Sommer 2013 wieder Menschen mit Urlaub/Vacanze 2013 Beeinträchtigung viele UrlaubsmÜglichkeiten anbieten zu kÜnnen. Wir haben uns bemßht, interessante Urlaubsziele auszusuchen, und warten auf die AnmeldunAnmeldungen ab 7. Jänner Prenotazioni dal 7 gennaio in poi gen, die ab 7. Jänner getätigt werden kÜnnen. Inzwischen ist auch die neue Broschßre erschienen, die man auch auf unserer Homepage einsehen und herunterladen kann. Wie in den vergangenen Jahren suchen wir wieder volljährige Personen mit Engagement und EinfßhlungsvermÜgen, die Menschen mit Beeinträchtigung während Ihres Urlaubs begleiten und unterstßtzen. Verantwortungsbewusstsein, Respekt und Geduld sind wichtige Voraussetzungen fßr diese Arbeit. Auch sollten die Begleiter/innen mit KÜrperkontakt und Nähe umgehen kÜnnen. Neue Begleiter/innen werden im Juni ein dreitägiges Ein-


Mit freundlicher UnterstĂźtzung der

               

fĂźhrungsseminar besuchen. Zudem suchen wir Personen, die zusätzlich bereit sind, die Urlaubsgruppen zu leiten. Diese Begleiter/ innen sollten auch Erfahrung in der FĂźhrung von Teams mitbringen. Im Juni wird ein eintägiges Leiter/innen/seminar stattfinden. Wer interessiert ist, bei einem Urlaub als Begleiter/ in bzw. als Gruppenleiter/in mitzumachen, kann sich ab sofort bei uns melden: Martina Pedrotti, 0471 062528 oder 348 2467756, pedrotti@lebenshilfe.it Bevor Sie sich bei uns melden, betrachten Sie in der Rubrik „Magazin“ ab Seite 82 die kleine Fotogalerie zu den Urlauben des vergangenen Sommers.

Tagung von People First zum Thema „Was wird sein, wenn unsere Eltern alt und krank werden?“ Zum zweiten Mal nach März 2011 organisierte die Selbstvertretungsgruppe People First eine Tagung zum Thema „Was wird sein, wenn unsere Eltern alt und krank werden?“ Die Mitglieder von People First erkannten die Wichtigkeit dieser Thematik bereits vor ungefähr zwei Jahren, als ihre beiden Ansprechpersonen gemeinsam mit ihrem UnterstĂźtzer zur Teilnahme an einer vom Amt fĂźr Menschen mit Behinderungen einberufenen Arbeitsgruppe eingeladen wurden. Das Neue und Besondere an dieser zweiten Tagung, die am 27. Oktober im Hotel Masatsch in Oberplanitzing stattfand, war die Teilnahme der Eltern. Der Vorschlag, die Eltern einzuladen, war am Ende der ersten Tagung im Vorjahr unterbreitet worden. So diskutierten Eltern, SĂśhne/TĂśchter und Referentinnen auf AugenhĂśhe miteinander und brachten ihre persĂśnlichen Sichtweisen ein. Nach den Referaten von Ute Gebert vom Amt fĂźr Menschen mit Behinderungen und der Pädagogin Lisl Strobl

formierten die Eltern auf der einen und die SĂśhne/ TĂśchter auf der anderen Seite jeweils eine Arbeitsgruppe, um die Thematik getrennt voneinander zu vertiefen und sodann die Ergebnisse des Gedankenaustausches im Plenum zu präsentieren. „Die Eltern unterdrĂźcken ihre Ă„ngste und fordern zu wenig von uns“, sagte eine Tochter. Einer der SĂśhne meinte: „Es ist wichtig, dass die Kontakte zu meinen Eltern aufrechterhalten bleiben, auch wenn ich in eine Wohngemeinschaft ziehe.“ Und eine Mutter erklärte: „Ich habe Schwierigkeiten, meine Tochter loszulassen, weil ich nicht einschätzen kann, ob sie es schafft.“ Ganz besonders wiesen die Eltern darauf hin, wie wichtig es sein wird, sich Ăźber Sachwalterschaft sowie Ăźber alle Rechte und Pflichten Gedanken zu machen, die mit selbständigem Wohnen verbunden sind. Die SĂśhne/TĂśchter ihrerseits hielten eine ganze Reihe von Ăœberlegungen fest, deren Kern der Wunsch nach Selbstbestimmung sowie das Bewusstsein der Notwendigkeit von UnterstĂźtzung und Training bildeten. Details dazu finden Sie in der Rubrik „People First“ ab Seite 15. Die gemeinsame Tagung wurde von den Eltern wie den SĂśhnen/TĂśchtern als durchwegs positiv erlebt. Im kommenden Jahr wollen die beiden Generationen ihre gemeinsame Arbeit fortsetzen und sich ein weiteres Mal treffen. Bei dieser dritten Tagung zum genannten Thema, so wurde vereinbart, sollen dann schwerpunktmäĂ&#x;ig die finanziellen wie bĂźrokratischen Aspekte des selbständigen Wohnens sowie Fragen rund um Partnerschaft und Sexualität diskutiert und vertieft werden.

Drittes Benefiz-Gala-Dinner im Hotel Masatsch ein voller Erfolg Zum dritten Mal lud am 15. November das Hotel Masatsch zu einem Benefiz-Gala-Dinner, diesmal unter dem Motto „alles bio“. Die Erfolge der beiden vorangegangenen Gala-Dinners hatten Hotelleiter Christian Etl auch heuer wieder dazu bewogen, das Dinner nach der 5-Elemente-Ernährung auszurichten. Unter Verwendung vorwiegend biologischer Produkte orientierte sich das MenĂź auch diesmal an den Prinzipien der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) und wurde mit besonderen Kräutern und GewĂźrzen vollendet. Das Team Masatsch um Meisterkoch Florian Kritzinger und das Weingut Alois Lageder verwĂśhnten die Gäste mit acht sorgfältig aufeinander abgestimmten Gerichten sowie erlesenen Weinen und ausgesuchten Tees. Angelika Pichler Etl, diplomierte Ernährungsberaterin (TCM), und 7


LEBENSHILFE INTERN

Offizielle Pressemitteilung: Dient der neue Bluttest zur Feststellung des Down-Syndroms der Selektion?

Michael Pichler vom Weingut Alois Lageder begleiteten durch den Abend, an dem unter vielen anderen auch die Bürgermeisterin der Gemeinde Kaltern, Gertrud Benin, und Soziallandesrat Richard Theiner teilnahmen. Letzterer zeigte sich nicht nur begeistert vom gelungenen Abend, sondern lobte auch das gesamte Hotel als Vorzeigebetrieb für Arbeitsinklusion von Menschen mit Beeinträchtigung. Der Erlös des Abends kommt eben diesem Arbeitsinklusionsprojekt zugute. Die Lebenshilfe bedankt sich herzlich bei folgenden Personen bzw. Firmen für die großartige Unterstützung: Angelika Pichler Etl, Weingut Alois Lageder, Galloni Fleisch, südtirolgoji, Alpenlachs Mölltal, Biokistl Südtirol, italia&amore, Miko Geschirr, TezzeleEspira, Markenforum und Andreas Marini.

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Ein neuer vorgeburtlicher Test analysiert anhand des Blutes der schwangeren Frau, ob ihr ungeborenes Kind ein dreifach statt zweifach vorhandenes Chromosom 21 besitzt und somit das Down-Syndrom hat. Um an das Erbgut des Ungeborenen zu gelangen, musste bislang eine Fruchtwasseruntersuchung durchgeführt werden, was einen nicht ungefährlichen Eingriff notwendig machte. Der neue Test ist weder für die werdende Mutter noch für das Kind gefährlich. Die Lebenshilfe steht dem neuen Test, der bald auch in Italien durchgeführt werden kann, kritisch gegenüber. Es besteht die Gefahr, dass wieder zwischen wertem und unwertem Leben unterschieden wird. Der Druck auf Frauen könnte wachsen, ein Kind mit Down-Syndrom abzutreiben. Dabei gerät das grundlegende Recht auf Leben in Gefahr. Warum Menschen mit Beeinträchtigung in unserer Gesellschaft immer noch abgelehnt werden, hat nichts mit diesen Menschen zu tun, sondern mit den Projektionen der so genannten Nichtbehinderten. Mit Menschen mit Beeinträchtigung werden unreflektiert in erster Linie Leid und Mühsal verbunden. Wir sehen dann unsere eigenen Befürchtungen und Ängste wie in einem Spiegel im Menschen mit Beeinträchtigung. Dabei sind Menschen mit DownSyndrom aller Erfahrung nach genau so unglücklich oder glücklich wie alle anderen Menschen auch. Dementsprechend „leiden“ sie auch nicht unter dem Down-Syndrom, wie eine verräterische Wendung klar unsere Projektionen entlarvt. Eine Studie hat außerdem jüngst ergeben, dass Familien mit einem beeinträchtigen Angehörigen ihr Dasein im Durchschnitt genauso erfüllt und glücklich erleben wie Familien ohne einen beeinträchtigten Angehörigen. Der neue Test nährt überdies die Annahme, beeinträchtigtes Leben sei vermeidbar. Die genetisch bedingten Beeinträchtigungen machen aber nur einen geringen Prozentsatz aus. Die meisten Beeinträchtigungen entstehen während der Geburt oder werden im Laufe des Lebens durch Unfälle oder Krankheiten erworben. Deshalb sollte unsere zentrale Frage im Interesse aller sein, wie wir eine Gesellschaft gestalten können, in denen alle Menschen würdig leben können, auch wenn sie vorübergehend oder dauerhaft auf Unterstützung angewiesen sind.


Anregungen erwünscht Lisl Strobl, Mitglied der Lebenshilfe, ist im Beirat für Menschen mit Beeinträchtigung in der Gemeinde Bozen vertreten. Der Beirat diskutiert in regelmäßigen Zusammenkünften Anliegen von Menschen mit Beeinträchtigung, hält diese Anliegen fest und bringt sie der Politik zur Kenntnis. Sollten Sie Anliegen haben oder von Anliegen wissen, sind Sie herzlich eingeladen, Lisl Strobl anzurufen (0471 974440 oder 338 6001108) oder ihr eine E-Mail zuzusenden: lisl.strobl@fastwebnet.it

Erweiterung der Datenbank durch Einfügung von E-Mail-Adressen Wenn Sie als Mitglied oder als Mitarbeiter/in der Lebenshilfe über eine E-Mail-Adresse verfügen, laden wir Sie ein, uns diese bekannt zu geben. Wenn wir über Ihre E-Mail-Adresse verfügen, können wir Ihnen sämtliche digitalen Mitteilungen zukommen lassen, die wir als Informationsmaterial zusammenstellen. Wenn Sie uns Ihre E-Mail-Adresse bekannt geben möchten, wenden Sie sich bitte an Karin Hört, 0471 062501, hoert@lebenshilfe.it

Stets auf dem neuesten Stand durch einen Besuch unserer Homepage Wir laden Sie herzlich ein zu einem Besuch unserer Homepage. Besonders hinweisen möchten wir dabei auf die Rubrik „Aktuelles“, die wöchentlich, bei Bedarf auch täglich, adjourniert wird. Die entsprechenden Einträge erfolgen unmittelbar, sobald wir wichtige Informationen möglichst vollständig und verbindlich weiterleiten können. Wählen Sie die Adresse www.lebenshilfe.it

Unterstützen Sie uns! Fünf Promille für die Lebenshilfe Bei der Einreichung Ihrer Steuererklärung können Sie uns unterstützen, indem Sie die Erklärung unterzeichnen, dass fünf Promille Ihrer Steuerabgaben unserem Verband zukommen sollen. Wir brauchen Ihre Mithilfe! Danke!

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PEOPLE FIRST

Hallo Freunde von People First!

Wir sind eine Selbstvertretungsgruppe von Menschen mit Lernschwierigkeiten. Wir haben viele Aufgaben, Wünsche und Forderungen. Um stark zu sein, braucht es auch deine Ideen und deine Mithilfe. Wir treffen uns regelmäßig in Bozen. Wir sprechen über unsere Arbeit, über Wohnen, Freizeit, Geld, Freunde und so weiter. Wir sprechen darüber, was wir brauchen und was wir uns wünschen. Jeder kann mittun. People First Südtirol hat sein Büro in der Lebenshilfe. Wenn du Fragen hast oder etwas sagen möchtest, kannst du dort anrufen: von Montag bis Freitag, 9-11.30 Uhr Telefon: 0471 062527, Fax: 0471 062510 E-Mail: peoplefirst@lebenshilfe.it Vorsitzender: Hanspeter Delucca Ansprechpersonen im Büro: Robert Mumelter, Monica Ragazzoni Unterstützer: Johannes Knapp

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PEOPLE FIRST

Selbstvertretungswochenende in Matrei

Das Selbstvertretungswochenende in Matrei vom 7. bis zum 10. Oktober fand heuer bereits zum sechsten Mal statt. Das Netzwerk Selbstvertretung Österreich hat das Selbstvertretungswochenende organisiert. People First Südtirol ist bei diesem Netzwerk Mitglied. Es kamen 90 Selbstvertreter/innen aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Südtirol. Es gab bei der Eröffnung einen interessanten Vortrag. Stefan Göthling, Geschäftsführer von Mensch-Zuerst-Netzwerk People First Deutschland, berichtete uns, was Mensch Zuerst macht. Anschließend gab es ein offenes Mikrofon. Bei dem offenen Mikrofon konnte jede/r Teilnehmer/in sagen, was ihm/ihr wichtig war. Am nächsten Tag gab es verschiedene Arbeits-Gruppen. In jeder Arbeits-Gruppe hat man über ein bestimmtes Thema gesprochen. Die Themen waren: - Arbeits-Gruppe 1: Was ist das Netzwerk? Wofür brauchen wir ein Netzwerk? Diese Gruppe war für neue Leute. 11


PEOPLE FIRST

- Arbeits-Gruppe 2: Diese Arbeitsgruppe hat eine Aktion in Innsbruck vorbereitet. - Arbeits-Gruppe 3: Was ist Selbstvertretung? Was ist Mensch Zuerst? Wie werde ich ein/e starke/r Selbstvertreter/in? - Arbeits-Gruppe 4: Die Kerngruppe traf sich. Wie arbeiten wir am Aufbau vom Netzwerk weiter? - Arbeits-Gruppe 5: In Kontakt bleiben mit der E-Mail-Gruppe vom Netzwerk. Was ist die E-Mail-Gruppe? Wie geht das mit der E-Mail-Gruppe? Ein Höhepunkt war heuer die Aktion in Innsbruck. Bei dieser Aktion ging es um die UN-Konvention über die Rechte für Menschen mit Behinderungen. Das Netzwerk Selbstvertretung Österreich kämpft dafür, dass die Konvention umgesetzt wird. Deshalb wurde eine Menschenkette organisiert. In der UN-Konvention steht: Kein Mensch darf auf Grund einer Behinderung vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen werden.

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Menschen mit Lernschwierigkeiten werden jedoch oft diskriminiert. In Innsbruck waren über 100 Personen an der Menschenkette beteiligt. Dies war ein sehr großer Erfolg! Am letzten Tag lassen wir immer viele Luftballons steigen. Auch heuer! Der Himmel war voller Luftballons mit Kärtchen mit unseren Wünschen. Das Selbstvertretungswochenende hat für uns eine große Bedeutung. Wir haben auch bei diesem Wochenende sehr Interessantes gelernt. Wir haben auch gesehen: Wenn wir um unsere Rechte kämpfen, dann erreichen wir auch etwas! Gemeinsam sind wir stark! Robert Mumelter, unterstützt von Johannes Knapp Die Unterkunft und der Aufenthalt waren im Bildungshaus St. Michael in Matrei gut. Alle waren freundlich miteinander. Bei der Hauptversammlung hat der Sprecher undeutlich 13


PEOPLE FIRST

geredet. Man verstand nicht, was er sagte. Bei den Arbeitsgruppen wollten alle mitreden. Der Gruppenleiter hätte schauen müssen, dass immer nur eine Person redet und nicht alle untereinander. Ich kam nicht dazu, meine Meinung zu sagen. Ich bin zu langsam gewesen. Ich hätte mehr Zeit gebraucht. Aber ich habe gelernt, dass ich schneller denken und reden muss. Ich bin froh, dass es dieses Netzwerk gibt, denn so fühlen wir uns nicht allein. Ich hoffe, dass sich im Vinschgau noch einige melden, die mit uns mitarbeiten. Insgesamt waren circa 90 Personen, davon 8 aus Südtirol. Es waren Leute mit Lernschwierigkeiten oder mit Rollstühlen. Wir sind alle zusammengekommen, um unsere Meinungen und Probleme zu besprechen und Lösungen zu finden. Es waren 5 Arbeitsgruppen. Wir brauchen Unterstützung, um uns bekannt zu machen, dass wir auch wertvoll und wichtig sind. Wir brauchen Weiterbildung, um selbständiger zu werden. Wir möchten, dass wir von allen respektiert werden. Und wir wollen mit anderen Gruppen Informationen austauschen. Lukas Graiss

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Unsere Tagung „Was wird sein, wenn unsere Eltern alt und krank sind?“

People First machte am 27. Oktober im Hotel Masatsch eine sehr wichtige Tagung zum Thema „Was wird sein, wenn unsere Eltern alt und krank sind?“ Das war bereits die zweite Tagung zu diesem Thema. Bei der ersten Tagung im Februar 2011 waren nur Menschen mit Lernschwierigkeiten dabei. Diesmal hatten wir auch die Eltern eingeladen. Weil das Thema nicht nur für Menschen mit Lernschwierigkeiten sehr wichtig ist, sondern auch für die Eltern. Es kamen insgesamt 29 Personen, 18 Menschen mit Lernschwierigkeiten und 11 Eltern. Bevor die Tagung anfing, teilten wir allen Gästen eine Tagungsmappe aus. Dort befanden sich zwei Vorträge, ein Faltblatt von People First und das Programm zur Tagung. Um 10 Uhr begrüßte Robert Mumelter alle Teilnehmer/innen. Waltraud Illmer und ich führten durch die Tagung. Den ersten Vortrag machte Ute Gebert vom Amt für Menschen mit Behinderungen. Das Thema hieß „Welche Wohnmöglichkeiten gibt es in Südtirol für Menschen mit Lernschwierigkeiten?“ Nach diesem ausführlichen und interessanten Vortrag machte Lisl Strobl, Pädagogin, den zweiten. Ihr Vortrag hieß: 15


PEOPLE FIRST

„Es ist wichtig, dass wir in der Familie über dieses Thema sprechen. Wir wollen lernen, unsere Wünsche, Hoffnungen und Sorgen gemeinsam zu besprechen“. Um 14 Uhr ging es mit zwei Arbeitsgruppen weiter. Eine Arbeitsgruppe war für die Eltern und eine für die Söhne und Töchter. Die Arbeitsgruppe für die Söhne und Töchter leitete Wolfgang Obwexer. Die Arbeitsgruppe für die Eltern leitete Lisl Strobl. Nachdem alle in den Arbeitsgruppen fertig waren, versammelten wir uns wieder im großen Saal, um die Ergebnisse vorzustellen. Ein paar Ergebnisse von der Arbeitsgruppe der Eltern sind: 1. Kinderwunsch der Töchter und Söhne ist ein wichtiges Thema. 2. Partnerschaft meiner Tochter oder meines Sohnes ist auch ein wichtiges Thema. 3. Selbständigkeit. 4. Loslassen ist noch schwieriger, wenn man nicht weiß, wo die Kinder dann leben können. 5. Der Kontakt zum Elternhaus sollte nicht abbrechen. In den Einrichtungen ist dies aber oft schwierig. 16


Ein paar Ergebnisse von der Arbeitsgruppe der Töchter und Söhne sind: 1. Wenn ich ausziehen sollte, ist es mir wichtig, dass ich noch viel Kontakt und eine gute Beziehung zur Familie habe. 2. Wenn ich eine Wohngemeinschaft gründen sollte, ist es mir wichtig, dass ich bestimmen kann, mit wem ich wohne. 3. Es ist mir wichtig, ein Wohntraining zu machen, um vieles zu lernen. 4. Es wäre mir wichtig, mit meinem Partner zusammen wohnen zu können. 5. Es wäre wichtig, von den Eltern Unterstützung bei der Wohnungssuche und beim Organisatorischen zu bekommen. 6. Es ist mir wichtig, dass ich den Ort aussuchen kann. 7. Dorthin ziehen, wo mein Partner oder meine Partnerin wohnt, und dies auch gut planen.

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PEOPLE FIRST

8. Einige von uns haben schon Erfahrungen gemacht, außerhalb der Familie zu wohnen. 9. Die Beziehung zur Familie kann sich oft verbessern, wenn wir ein unabhängiges Leben in einer Wohngemeinschaft haben können. 10. Wir möchten gerne leben wie die anderen Menschen ohne Lernschwierigkeiten. Dann besprachen wir, wie es weitergehen soll. Wir versuchten, das gemeinsam zu überlegen. Was kann jede und jeder von uns tun, und was können wir in unseren Familien tun, damit wir weiterkommen? Was brauchen wir noch, damit wir zu einem selbständigen Wohnen und Leben kommen? Was brauchen unsere Eltern, damit auch sie die Sicherheit haben, dass dies gelingen kann? Um 17 Uhr war die Tagung zu Ende. Es war eine sehr erfolgreiche Tagung. Wir möchten auch weiterhin über dieses Thema sprechen, denn es ist sehr wichtig. Vieles muss noch besprochen und gelöst werden. Karin Pfeifer

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AKTUELLES

Arbeitseingliederung: Landesbeiträge für 52 Sozialgenossenschaften (Landespresseamt) – Die Arbeitseingliederung für Menschen mit Beeinträchtigung und sozial Benachteiligte ist wieder einen Schritt vorangekommen: Landesrat Richard Theiner sicherte im Sommer mit einem Dekret die weitere finanzielle Unterstützung von insgesamt 52 Sozialgenossenschaften für das laufende Jahr. „Mit unserer Hilfe“, so Theiner, „können die Sozialgenossenschaften benachteiligten Menschen vollwertige Arbeitsplätze bieten und damit einen wichtigen Beitrag zur Arbeitseingliederung leisten.“ In der zweiten Augusthälfte wurden Beiträge in Höhe von über 2,8 Mio. € an 52 Sozialgenossenschaften ausbezahlt. Dadurch können die Sozialgenossenschaften in ganz Südtirol insgesamt 290 regulär entlohnte und versicherte Arbeitsplätze anbieten, die für Menschen mit Beeinträchtigung und für sozial Benachteiligte wie Haftentlassene, psychisch Kranke, Suchtkranke oder Menschen in Notlagen reserviert sind. „Die Arbeitseingliederung“, so Theiner, „entlastet die soziale Fürsorge, aber es ist eine Fürsorge, die keine passiven Empfänger, sondern aktive Partner hat.“ Neben Arbeitsplätzen sorgen die Sozialgenossenschaften auch für Ausbildungsmöglichkeiten und Unterstützung in verschiedensten Lebenslagen.

Kinder mit Beeinträchtigung: Landesregierung verabschiedet Förderprogramm (Landespresseamt) – Um Familien mit Kindern mit Beeinträchtigung in den ersten Lebensjahren zu begleiten und die Kinder zu fördern, erarbeiteten das Amt für Menschen mit Behinderungen gemeinsam mit Sozialverbänden und den Sozialdiensten entsprechende Leitlinien. Diese verabschiedete die Landesregierung auf Antrag von Landesrat Richard Theiner im August. Die Eltern von Kindern mit Beeinträchtigung können künftig auf Beratung und Begleitung eines neuen ambulanten Dienstes zurückgreifen. „Das neue Angebot der Familienbegleitung und der pädagogischen Frühforderung von Kindern mit Beeinträchtigung“, so Landeshauptmann Luis Durnwalder, „richtet sich an rund 250 Familien mit Kindern von der

Geburt bis zum Alter von sechs Jahren.“ Im neuen Angebot sind gezielte Maßnahmen vorgesehen, die bei den Fähigkeiten und Fertigkeiten des Kindes ansetzen und darauf aufbauend dessen Entwicklung fördern. Dies geschieht durch regelmäßige Hausbesuche durch spezialisierte Fachkräfte. Dabei werden die Sorgen und Anliegen der Eltern besprochen und die Fördermaßnahmen geplant. Weitere Schwerpunkte sind die Beratung der Eltern bei Auswahl und Nutzung von Diensten und Leistungen sowie der Informationsaustausch mit anderen betroffenen Eltern. „Eine gezielte Förderung vom ersten Lebensjahr an“, so Theiner, „hilft, Behinderungen und ihre Folgen zu mindern. Dafür steht in Südtirol eine Reihe von spezialisierten Gesundheitsdiensten zur Verfügung. Die Familien brauchen aber auch Unterstützung, um die vielen Herausforderungen des Alltags zu bewältigen.“ Der neue Dienst schließt so eine wichtige Lücke und soll zu einer spürbaren Entlastung der Eltern beitragen. Der Dienst kann bei Bedarf von der Geburt bis zur Einschulung des Kindes in Anspruch genommen werden. Die Fachkräfte werden die Familien in ihrer Lebenssituation unterstützen, eine gemeinsame Vorgehensweise besprechen und konkrete Hilfestellung anbieten. Der neue Dienst ist derzeit im Aufbau und wird künftig in ganz Südtirol angeboten. Er wird vom Betrieb für Sozialdienste Bozen geführt und ist beim Sozialsprengel Gries angesiedelt. Die Leistungen können ab 1. Jänner 2013 beansprucht werden. In der Anfangsphase wird der Dienst in Bozen und in Meran angeboten. Eine spätere Ausweitung auf Brixen und Bruneck ist für Herbst 2013 vorgesehen. Die Begleitung durch die Fachkräfte erfolgt auf Wunsch der Eltern, ist kostenlos und wird ausschließlich in Form von Hausbesuchen erbracht. Die Leitlinien zur pädagogischen Frühforderung wurden von einer Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertreter/inne/n des Amtes für Menschen mit Behinderungen, der Lebenshilfe, des Arbeitskreis Eltern Behinderter, des Betriebs für Sozialdienste Bozen und der Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern sowie des Südtiroler Sanitätsbetriebs ausgearbeitet. 19


AKTUELLES

Wohnen für ältere Menschen mit Beeinträchtigung: Leitlinien verabschiedet (Landespresseamt) – Die Südtiroler Bevölkerung wird immer älter, auch die Menschen mit Beeinträchtigung. Im Alter steigt auch für sie der Pflegebedarf, aber in den speziellen Wohneinrichtungen werden kaum Plätze für jüngere Bewohner/innen frei. Die Landesregierung verabschiedete daher im September auf Antrag von Landesrat Richard Theiner neue Leitlinien zu den Wohnmöglichkeiten für ältere Menschen mit Beeinträchtigung. Die verbesserte Lebens- und Betreuungsqualität kommt auch Menschen mit Beeinträchtigung zugute, denn sie erreichen immer öfter ein hohes Alter. Die Kehrseiten sind: Mit dem Älterwerden erhöht sich der Pflegebedarf. Die Mitarbeiter/innen der verschiedenen Dienste müssen sich daher auf diese neuen Aufgaben vorbereiten. Oberstes Ziel der Landesregierung bleibt weiterhin, dass Menschen mit Beeinträchtigung in der eigenen Wohnung verbleiben und durch verschiedene Pflegedienste zu Hause unterstützt werden. Sollte dies nicht möglich und eine Unterbringung in einer speziellen Wohneinrichtung erforderlich sein, gelten ab 1. Jänner 2013 neue Richtlinien für ältere Menschen mit Beeinträchtigung. Künftig wird das 60. Lebensjahr als Richtwert für die „Pensionierung“ gelten, wobei zu berücksichtigen ist, dass bei Menschen mit Beeinträchtigung in der Regel die Alterungsprozesse früher eintreten. Dies bedeutet: Falls der Pflegebedarf der Menschen mit Beeinträchtigung über 60 Jahre weiterhin gering ist und von den Fachkräften der Wohneinrichtungen weiterhin gedeckt werden kann, können die Bewohner/innen auch weiterhin in der gewohnten Umgebung des Wohnheims bleiben. Sollte sich allerdings der Pflegebedarf, besonders was die krankenpflegerischen Leistungen betrifft, deutlich erhöhen, ist eine Aufnahme bzw. ein Übergang in ein Wohnheim für Senioren möglich, da diese über spezialisierte Fachkräfte für die zunehmenden altersbedingten Beeinträchtigungen verfügen. Vorgesehen sind auch eigene Wohngruppen in einem Seniorenwohnheim pro Bezirk. Diese Wohngruppen werden aus höchstens acht bis zehn Personen mit Beeinträchtigung bestehen. Dadurch soll die Kontinuität in der Betreuung gewährleistet werden. Im Rahmen der neuen Leitlinien werden auch die Tarifregeln für ältere Menschen mit Beeinträchti20

gung ab dem 60. Lebensjahr zwischen den Wohneinrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung und den Wohnheimen für Senioren angenähert. Ziel ist, dass einzig der effektive Betreuungsbedarf ausschlaggebend für die Art der Unterkunft ist. Neben den Leitlinien zum Wohnen enthält der Beschluss der Landesregierung auch Grundlagen zur sozialpädagogischen Begleitung von alt gewordenen Menschen mit Beeinträchtigung: spezielles Wissen zu altersbedingten Beeinträchtigungen, methodische Ansätze zur Begleitung von Menschen mit Beeinträchtigung sowie die Auseinandersetzung mit Sterben und Trauer in den Diensten. Die Leitlinien wurden im Rahmen einer Arbeitsgruppe unter Federführung des Amtes für Menschen mit Behinderungen gemeinsam mit Vertretern von Menschen mit Beeinträchtigung, Familienangehörigen, Sozialfachkräften sowie Vertretern der Seniorenwohnheime und solchen der Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigung erarbeitet.


Öffentliche Vergabe: Sozialklauseln sollen Eingliederung fördern

Zivilinvaliden-Ausweis jetzt als Karte und ohne Angabe der Beeinträchtigung

(Landespresseamt) – Einen neuen Impuls in Richtung soziale Eingliederung erwartet sich Landesrat Roberto Bizzo von einem Beschluss, den die Landesregierung im September traf. Auf seinen Antrag hin wurden so genannte Sozialklauseln genehmigt. Diese sollen die Berücksichtigung von Sozialgenossenschaften bei der öffentlichen Auftragsvergabe erleichtern. Im Artikel 36 des diesjährigen Finanzgesetzes (LG Nr. 15/2011) wurde die Möglichkeit festgeschrieben, bei der Vergabe öffentlicher Aufträge ab dem EU-Schwellenwert so genannte Sozialklauseln vorzusehen. Auf diese Möglichkeit baut der jüngste Beschluss der Landesregierung auf. Er sieht vor, dass bei Vergaben ab dem EU-Schwellenwert das Land, ebenso wie die von ihm kontrollierten Gesellschaften, die Landesanstalten und örtlichen Körperschaften, das wirtschaftlich günstigste Angebot als Kriterium der Zuschlagserteilung anwenden, dabei aber die Sozialklauseln mit einer angemessenen Punktezahl, auf jeden Fall nicht weniger als 15%, bewertet werden. Zudem müssen es die Sozialklauseln ermöglichen, etwaige Zuschlagsempfänger auf ihre Fähigkeit hin zu prüfen, wirksame und gute Arbeitseingliederungen durchzuführen. Dabei gilt es, die Verfügbarkeit von Instrumenten, Ressourcen, Kompetenzen und Methoden sowie die Zusammenarbeit mit den zuständigen Sozial- und Gesundheitsdiensten zu bewerten. Die Sozialklauseln beinhalten eine Reihe von Eigenschaften und Merkmalen, die Teilnehmende an öffentlichen Wettbewerben nachweisen oder einhalten müssen. So geht es um die Zahl der beschäftigten Personen mit Benachteiligung, um die Eingliederungsmaßnahmen und um Bildungsprojekte. „Mit der Einführung der Sozialklauseln“, so Bizzo, „sollen die Eingliederung benachteiligter Personen in die Arbeitswelt gefördert und die Chancen von Sozialgenossenschaften auf Berücksichtigung bei der öffentlichen Auftragsvergabe verbessert werden.“

(Landespresseamt) – Plastifiziert und im handlichen Bankomatkarten-Format und vor allem ohne Angabe der Beeinträchtigung: das ist der neue von Landesrat Richard Theiner Ende September vorgestellte Ausweis für Zivilinvaliden, mit dem diese verschiedene Begünstigungen in In- und Ausland in Anspruch nehmen können. Name, Steuernummer und Grad der Beeinträchtigung: das sind die Angaben, die der neue Ausweis für Personen mit anerkannter Zivilinvalidität enthält. Bisher musste der medizinische Befund der Ärztekommission zur Feststellung der Invalidität auf einem Schein in DIN-A4-Format vorgezeigt werden. Das war nicht im Sinne der Betroffenen und gewährleistete nicht den Datenschutz. „In Südtirol“, so legte Theiner dar, „leben an die 40.000 anerkannte Zivilinvaliden; rund 35.000 von diesen erhalten den neuen Ausweis, da ihre Beeinträchtigung über 46% liegt.“ Ab diesem Prozentsatz zählen Personen zur „geschützten Kategorie“ im Arbeitsbereich, und italienweit können nur diese Begünstigungen in Anspruch nehmen. Drei Grade der Beeinträchtigung werden auf den Ausweisen angeführt: 46-73%, 74-99% sowie 100%. Ab 74% gelten etwa Transportbegünstigungen. „Um die Ausweise“, so Theiner, „muss ausdrücklich angesucht werden. Sie ersetzen nicht die Ausweise der verschiedenen sozialen Organisationen und gelten auch nicht als Parkscheine.“ Die Kosten für die Einführung der neuen Ausweise belaufen sich auf 30.000 € plus Postspesen. Stefan Hofer, Präsident des Dachverbands für Soziales und Gesundheit, bezeichnete die Einführung der neuen Ausweise als guten und wichtigen Schritt. „Wir wollen“, so Hofer, „nichts geschenkt, sondern nur die Nachteile aufgrund unserer Beeinträchtigung ausgleichen. Deshalb hat der Dachverband über Jahre hinweg die Einführung dieses neuen Ausweises gefordert. Mit diesem neuen Kärtchen sind wir italienweit Vorreiter. Die neuen Ausweise sind Ausdruck dafür, dass die Bereiche Soziales und Gesundheit gut zusammenarbeiten.“ Der Dachverband für Soziales und Gesundheit sammelt jetzt auf seiner Website www.dsg.bz.it alle Informationen darüber, wo es mit diesem Ausweis Begünstigungen für Menschen mit Beeinträchtigung gibt. Die Verteilung der Ausweise obliegt dem Südtiroler Sanitätsbetrieb. 21


AKTUELLES

Wie wohnen Menschen mit Beeinträchtigung? Tagung der Wohndienst-Verantwortlichen (Landespresseamt) – Ein möglichst selbständiges Wohnen: dies ist das Ziel von vielen Menschen mit Beeinträchtigung. Das Land Südtirol unterstützt dies mit verschiedenen Wohndiensten: Wohnheimen, Wohngemeinschaften, Trainingswohnungen sowie einer sozialpädagogischen Wohnbegleitung. Im November tauschten sich die Verantwortlichen der Wohndienste bei einem vom Amt für Menschen mit Behinderungen organisierten Seminar in Bozen über Erfahrungen und neue Entwicklungen aus. Die Wohneinrichtungen sollen den unterschiedlichen Wohnbedürfnissen ihrer Bewohner/innen entgegenkommen, denn für viele stellen sie ein dauerhaftes Zuhause dar. Neben Pflege, Betreuung und Begleitung werden die Bewohner/innen auf ein möglichst normales Alltagsleben vorbereitet. „Insgesamt“, so erklärt Ute Gebert vom Amt für Menschen mit Behinderungen, „stehen in Südtirol 416 Wohnplätze für Menschen mit Beeinträchtigung in Wohnheimen, Wohngemeinschaften und Trainingswohnungen sowie im Jesuheim und im Blindenzentrum zur Verfügung.“ Die verschiedenen Arten des Wohnens sind an den individuellen Grad der Selbständigkeit angepasst. So leben etwa in den Wohngemeinschaften vor allem Menschen mit einer niedrigen Pflegestufe, da sie noch verschiedene alltägliche Handlungen selbst durchführen können und relativ wenig Betreuung benötigen. Eine besondere Position nehmen hingegen die 21 Wohnplätze in den Trainingswohnungen ein. Beim Wohntraining werden Menschen mit Beeinträchtigung auf das selbständige Wohnen in einer eigenen Wohnung oder Wohngemeinschaft vorbereitet, indem sie jene Fertigkeiten trainieren, die ihnen später erlauben, weitestgehend selbständig zu leben.

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Ziel ist es, die Bewohner/innen noch stärker in die Entscheidungsprozesse rund um ihren Alltag und die Organisation der Wohndienste einzubeziehen. Enrico Camin (Unterland-Überetsch) zeigte bei der Tagung auf, wie auch die Bewohner/innen mit Beeinträchtigung bei der Aufnahme neuen Personals der Wohndienste und bei der Bewertung der Mitarbeiter/innen und Praktikant/inn/en miteinbezogen werden können. Johanna Marsoner (Kurtatsch) zeigte geeignete Instrumente auf, um Personen individuell an allen Entscheidungen, die sie betreffen, mit einzubeziehen. „Alle Menschen“, so ihr Leitgedanke, „können Entscheidungen treffen. Es gilt, die richtigen Instrumente und Kommunikationsformen dafür zu entwickeln.“ Zudem soll künftig verstärkt auf die sozialpädagogische Wohnbegleitung gesetzt werden, auch mit neuen Wohnformen. Imma Mair leitet diesen Fachdienst in Bozen. Sie begleitet auch drei Personen mit Lernschwierigkeiten, die sich gemeinsam eine Wohnung des Sozialen Wohnbauinstituts in Bozen angemietet haben und dort seit einigen Jahren gemeinsam wohnen. Ihre Erfahrungen mit dieser neuen Wohnform fassten zwei Bewohner/innen, die im Seminar von ihren Erfahrungen erzählten, so zusammen: „Schön ist es in unserer Wohnung, und besonders fein, dass keine Betreuer dauernd sagen, was wir tun müssen!“


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Wohnassistenz für Menschen mit Beeinträchtigung Impulse für die Sozialpolitik und die Sozialverwaltungen in Südtirol

Wohnassistenz Die meisten Menschen mit Beeinträchtigung benötigen, wenn sie selbständig leben wollen, Wohnassistenz. Unter Wohnassistenz verstehen wir ein Bündel an Leistungen, die die Organisation des Haushalts, Beratung und Assistenz für die soziale Inklusion (inklusive Mobilität und Freizeitgestaltung), Unterstützung für ein selbständiges Leben sowie Pflege umfassen können. Die Assistenz kann wenige Stunden umfassen oder aber aufgrund der Komplexität der Beeinträchtigung sehr energie- und zeitintensiv sein und spezielle Qualifikationen beim assistierenden Personal erfordern. Im Sinne des personenzentrierten Denkens ist in den vorliegenden Ausführungen ausschließlich von Wohnassistenz die Rede. Professionelle Mitarbeiter/innen des Sozialbereichs, aber auch Betroffene und Angehörige denken meist in Einrichtungskategorien. Der personenzentrierte Ansatz erfordert eine Abkehr vom Denken in Einrichtungen, das einer Institutionalisierung der sozialen Arbeit Vorschub leistet. Er wendet sich ganz der Person zu und fragt nach dem Bedarf an Assistenz in den verschiedenen Lebensbereichen (Arbeit, Wohnen, Freizeit). Damit erhalten die Assistenzleistungen individuelle Ausformungen, die von verschiedenen Faktoren (persönliche, umweltbezogene) abhängig sind.

Die Ausgangssituation in Südtirol Das Amt für Menschen mit Behinderungen stellte anhand von Erhebungen, die im Jahr 2010 durchgeführt worden waren, fest, dass in den nächsten Jahren zusätzlich zu den bereits von den Sozialdiensten assistierten Personen rund 200 weitere Menschen mit Beeinträchtigung Wohnassistenz benötigen werden. Aus Rückmeldungen von Betroffenen und Familienangehörigen ergibt sich außerdem folgendes Bild: die Einrichtungen der Sozialdienste (Wohnheime, Wohngemeinschaften) sind immer mehr, in einigen Bezirken bereits zur Gänze ausgelastet. Personen, die Wohnassistenz benötigen, müssen sich in Wartelisten eintragen. Sie wissen meist nicht, wie lange sie auf einen Platz in einer der genannten Einrichtungen warten müssen. Die ambulanten Leistungen der Hauspflege decken den Bedarf an benötigter Wohnassistenz in keiner Weise ab. Das Pflegegeld, das im Übrigen nicht alle Betroffenen erhalten, reicht nicht aus, um sich Wohnassistenz im benötigten Umfang einzukaufen. Wie erwähnt, stellt die Pflege nur einen Teil der Wohnassistenz dar. Die Lebenshilfe macht einen Bedarf an Wohnassistenz für junge Menschen mit Beeinträchtigung aus, die ein selbständiges Leben unabhängig von ihrer Ursprungsfamilie aufbauen möchten. Ein weiterer Bedarf besteht aufgrund der höheren Lebenserwartung für viele ältere Menschen mit Beeinträchtigung, die noch häufig in ihrer Ursprungsfamilie leben, wobei die älter werdenden Eltern in naher Zukunft nicht mehr imstande sein werden, ihre Töchter und Söhne zu betreuen. 23


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Impulse für den Aufbau einer Wohnassistenz für Menschen mit Beeinträchtigung 1. Politische Richtlinien Zu den politischen Richtlinien, auf die wir uns berufen können, gehören die „UN-Konvention zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen“ sowie der Sozialplan der Autonomen Provinz Bozen. Zu den Grundsätzen der Konvention zählen die individuelle Autonomie von Menschen mit Beeinträchtigung, einschließlich der Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen sowie die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft. Bezogen auf das Thema der Wohnassistenz heißt es im Artikel 19 über die „Unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gemeinschaft“: „Die Vertragsstaaten dieses Übereinkommens anerkennen das gleiche Recht aller Menschen mit Behinderungen, mit gleichen Wahlmöglichkeiten wie andere Menschen in der Gemeinschaft zu leben, und treffen wirksame und geeignete Maßnahmen, um Menschen mit Behinderungen den vollen Genuss dieses Rechts und ihre volle Einbeziehung in die Gemeinschaft und Teilhabe an der Gemeinschaft zu erleichtern, indem sie unter anderem gewährleisten, dass a) Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt die Möglichkeit haben, ihren Aufenthaltsort zu wählen und zu entscheiden, wo und mit wem sie leben, und nicht verpflichtet sind, in besonderen Wohnformen zu leben, b) Menschen mit Behinderungen Zugang zu einer Reihe von gemeindenahen Unterstützungsdiensten zu Hause und in Einrichtungen sowie zu sonstigen gemeindenahen Unterstützungsdiensten haben, einschließlich der persönlichen Assistenz, die zur Unterstützung des Lebens in der Gemeinschaft und der Einbeziehung in die Gemeinschaft sowie zur Verhinderung von Isolation und Absonderung von der Gemeinschaft notwendig ist, c) gemeindenahe Dienstleistungen und Einrichtungen für die Allgemeinheit Menschen mit Behinderungen auf der Grundlage der Gleichberechtigung zur Verfügung stehen und ihren Bedürfnissen Rechnung tragen.“ Im Sozialplan der Autonomen Provinz Bozen, den die Landesregierung kürzlich verabschiedete, heißt es im Abschnitt „Wohnen“: „Die Sozialdienste haben sich auf den neuen Bedarf an ambulanter Begleitung der Bewohner/innen einzustellen und sind in Zukunft gefordert, diesbezügliche Angebote auszubauen.“

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2. Der Bedarf an Kontaktstellen Menschen mit Beeinträchtigung und besonders jene mit einer kognitiven oder mehrfachen Beeinträchtigung benötigen aus Sicht der Lebenshilfe demnach Kontaktstellen für alle Fragen rund um das Thema Wohnassistenz. Die Kontaktstellen sind bei den Sozialsprengeln angesiedelt. Die Bezirksgemeinschaften bzw. der Betrieb für Sozialdienste Bozen könnte auch einen privaten Träger mit der Führung der Kontaktstellen beauftragen. Die Lebenshilfe hat zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft für Behinderte und der Genossenschaft Handicar den Beratungsdienst „Social Infopoint“ aufgebaut, der im ganzen Land angeboten wird. Der „Social Infopoint“ könnte die Aufgaben der Kontaktstelle übernehmen, müsste dafür aber personell aufgestockt werden. Die Kontaktstellen haben die Aufgabe der Beratung, der Abklärung, der Vernetzung sowie der Koordination und Hilfestellung bei verwaltungstechnischen Abwicklungen inklusive Finanzierung. Beratung und Abklärung. Viele Menschen mit Beeinträchtigung benötigen Wohnassistenz, haben aber häufig keine genauen Vorstellungen davon, wie, wo und mit wem sie wohnen möchten. Die Unterstützungsmöglichkeiten durch die öffentlichen und privaten Sozialdienste sind selten im Detail


bekannt. Hinzu kommt, dass Menschen mit Beeinträchtigung aufgrund ihrer Unterstützungsbedürftigkeit meist eine enge Beziehung zu ihren Eltern haben. Deshalb muss die Kontaktstelle bei Bedarf das Thema „Loslassen“ kompetent und behutsam unter Einbeziehung der gesamten Familie ansprechen. Die Kontaktstelle unterstützt schließlich die Erstellung eines individuellen Wohnprojekts. Methodisch bedient sich die Kontaktstelle der Instrumente des personenzentrierten Ansatzes. Vernetzung. Die Kontaktstelle hilft dem Betroffenen und seiner Familie, sich im weitesten Sinn zu vernetzen. Sie unterstützt und koordiniert bei Bedarf die Kontaktaufnahme zu anderen Betroffenen, mit denen die Gründung von Wohngemeinschaften besprochen werden könnte. Sie berät über private und öffentliche Dienste, die Wohnassistenz zur Verfügung stellen, und hilft bei der Kontaktaufnahme. Sie informiert über öffentliche und private Körperschaften, die Wohnungen zur Verfügung stellen können. Koordination und Hilfestellung bei verwaltungstechnischen Abwicklungen inklusive Finanzierung der Wohnassistenz. Die Kontaktstelle unterstützt bei allen verwaltungstechnischen Schritten hin zum selbständigen Wohnen. Das kann die Suche nach einer geeigneten Wohnung, die Anmietung, die Organisation von Wohnassistenz usw. betreffen. Die Kontaktstelle unterstützt die Betroffenen, damit die Wohnassistenz finanziert werden kann. Sie hilft bei Antragstellungen zur Finanzierung der anfallenden Kosten.

3. Die Finanzierung von Kontaktstellen Im Sinne der personenzentrierten Ausrichtung erfolgt die Finanzierung der Wohnassistenz über ein persönliches Budget, das allen Anspruchsberechtigten nach zu definierenden Kriterien zur Verfügung gestellt wird. Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung können bereits auf das persönliche Budget zurückgreifen. In Südtirol gibt es unseres Wissens keine wie eben beschriebene Wohnassistenz. Die öffentliche Hauspflege unterstützt selbständiges Wohnen von Menschen mit Beeinträchtigung in geringem Ausmaß, da, wie schon der Name sagt, Pflege im Vordergrund steht. Pflege ist aber, wie erwähnt, nur einer von mehreren Aspekten von Wohnassistenz. Ein Dienst für Wohnassistenz bedarf einer fachlichen Koordination und greift auf ein Team von Mitarbeiter/inne/n mit unterschiedlicher Qualifikation zurück (Pädagog/ inn/en, Sozialbetreuer/innen, Laienhelfer/innen und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen). Im Rahmen eines mit dem Betroffenen erstellten individuellen Wohnprojekts kommen dann die verschiedenen Qualifikationen in unterschiedlichem Ausmaß zum Einsatz. Wolfgang Obwexer

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Was wird sein, wenn …? Zu Gast bei einer Tagung von People First

Der folgende Artikel ist die leicht modifizierte Version eines in bewusst einfacher Sprache gehaltenen Vortrags, den Lisl Strobl im Rahmen der Tagung der Selbstvertretungsgruppe People First zum Thema „Was wird sein, wenn unsere Eltern alt und krank werden?“ am 27. Oktober im Hotel Masatsch in Oberplanitzing hielt. Kurzberichte über Verlauf und Ergebnisse dieser Tagung finden Sie in den Rubriken „Lebenshilfe intern“ und „People First“. Die Redaktion

Seit Jahren sind zumindest Teile unserer Gesellschaft bemüht, Menschen mit Beeinträchtigungen in die Gemeinschaft einzugliedern. Menschen mit Beeinträchtigung sollen ein Leben mit Rechten und Pflichten führen können wie andere auch. Immer ausgehend von den Möglichkeiten, die diese Menschen haben. Das beginnt schon in Kindergarten und Schule. Auch dort sollte nur verlangt werden, was die Kinder auch können. Viele Kinder begegnen hier kleineren oder größeren Schwierigkeiten. Unsere Gesellschaft ist bemüht, die heranwachsenden Kinder in Jugendgruppen einzugliedern. Spätestens da ergeben sich für Familien mit Jugendlichen, die eine Beeinträchtigung haben, manche Schwierigkeiten. Das hat wohl auch damit zu tun, dass Menschen im Jugendalter sehr auf sich selbst und ihre neu entdeckten Bedürfnisse konzentriert sind. Sie haben keine Lust, sich mit schwierigen Situationen auseinanderzusetzen. Das heißt dann oft, dass die Familien selber schauen müssen, wie sie ihre Kinder sinnvoll beschäftigen können. Was meistens nicht leicht ist. Später, nach abgeschlossener Schule, sollte der junge Mensch in die Arbeitswelt aufgenommen werden. Das ist für Menschen mit Beeinträchtigung die nächste Hürde. Manchen gelingt es, eine befriedigende Arbeitsstelle zu finden. Viele aber warten zu Hause oder in einer Werkstatt auf so eine Möglichkeit. Es wird in den öffentlichen Ämtern viel darüber nachgedacht, was man tun könnte, um diese Situation zu verbessern. Wenn nun der Mensch erwachsen ist und eine Arbeit hat, die ihm gefällt und für die er bezahlt wird, ist es ganz normal, dass in ihm das Bedürfnis wächst, auch selbständig zu wohnen. Man möchte einladen können, wen man will, man will essen, was man will, 26

ausgehen, wann und mit wem man will, und so weiter. Warum aber sind die meisten jüngeren und älteren erwachsenen Menschen mit Beeinträchtigung immer noch zu Hause? Warum denken viele gar nicht ernsthaft daran, selbständig zu wohnen? Erwachsene Menschen mit Beeinträchtigung wohnen meistens bei ihren Eltern, bis diese alt sind. Wenn die Eltern dann keine Unterstützung mehr bieten können, müssen Menschen mit Beeinträchtigung schnell einen gerade freien Platz annehmen: in einem Heim, in einer Wohngemeinschaft oder bei Verwandten. Fast nie haben sie diesen Platz selbst überlegt gewählt.


Muss es denn sein, dass wir so lange warten, bis wir selbst nicht mehr mitentscheiden können? Warum warten wir so lange? Weil es bequem ist? Weil wir keine Energie haben, etwas dagegen zu tun? Weil wir Hilfe brauchen, die uns fehlt? Weil wir zu wenig Geld haben? Weil wir Angst vor der neuen Situation haben? Weil wir als Menschen mit Beeinträchtigung Angst haben, mit den Eltern darüber zu sprechen? Weil wir als Eltern Angst haben, mit den Kindern darüber zu sprechen? Wahrscheinlich von allem etwas! Können wir etwas dagegen tun? Natürlich! Vor allem müssen wir den Mut finden, über das Thema zu sprechen. Natürlich ist es am bequemsten, einfach so lange wie möglich wie gewohnt weiter zu leben. Nicht immer aber ist das die beste Lösung. Oft ist der Eine oder die Andere damit gar nicht zufrieden. Die Eltern sind oft schon alt und haben schon viel geleistet. Sie sind oft müde und haben nicht mehr die Kraft, etwas zu unternehmen. Gleichzeitig aber haben sie Angst, ihre Kinder, die sie lieben, dorthin gehen zu lassen, wo man sie nicht gut genug kennt, wo man sie womöglich nicht richtig versteht, wo sie vielleicht nicht das bekommen, was sie brauchen, wo sie viele ihrer Gewohnheiten aufgeben müssen, wo vielleicht niemand da ist, der sie richtig pflegt, wenn sie krank sind und so weiter. Das sind alles berechtigte und verständliche Ängste. Die jungen Menschen, die „großen Kinder“, um die es geht, wissen sehr oft nicht, was sie tun müssen oder können, um eine Wohnung zu finden. Sie wissen oft auch nicht, wer sie unterstützen könnte, wenn sie Unterstützung brauchen, oder sie laufen Gefahr, dass sie sich die falschen Unterstützer/innen aussuchen. Eines ist es, daheim beim Aufräumen, Kochen, Waschen und so weiter zu helfen, ein anderes ist es, selbst dafür verantwortlich zu sein. Es müssen regelmäßig Rechnungen für Strom, Wasser, Gas, Telefon, Müllabfuhr, Fernseher und so weiter bezahlt werden. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, brauchen sie mehr Unterstützung als Menschen

ohne Lernschwierigkeiten. Und natürlich haben auch sie Angst vor der neuen Situation. Vieles aber kann man mit der Zeit lernen. Und dann kommt das ganz große Tabu. Eltern haben Angst, ihre Kinder zu verletzen, wenn sie sich wünschen, dass die Kinder gehen, und die Kinder haben Angst, die Eltern zu verletzen, wenn sie ihnen sagen, dass sie lieber selbständig leben wollen, vielleicht mit Freunden oder gar mit Partner bzw. Partnerin. Dabei wären manchmal vielleicht beide Beteiligten froh, wenn man endlich diesen Schritt wagen würde. Es gibt mehrere Gründe, weshalb sich Eltern wünschen, dass ihre Kinder in eine eigene Wohnung ziehen. Sie können sich noch gut erinnern, wie gerne sie sich selbständig gemacht haben, wie schön es war, nicht immer den Eltern Rechenschaft ablegen zu müssen, nicht immer ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn man einmal nicht rechtzeitig daheim ist, sich nicht immer beobachtet zu fühlen, einfach selbst mehr und öfters entscheiden zu können. Es wünschen sich ja alle nur, dass es den anderen gut geht. Damit wir aber wissen, ob es den anderen gut geht, müssen wir darüber reden. Wir müssen unsere Wünsche aussprechen.

Auf jeden Fall ist es ganz wichtig, dass man früh genug anfängt, darüber nachzudenken, wie es sein könnte, wenn die eigenen Eltern einmal nicht mehr für uns sorgen können. Dann haben wir die Zeit, um uns umzusehen, was es für Möglichkeiten gibt. Wir leben leider auch in einer Zeit, in der immer mehr gespart werden muss. Auch von der öffentlichen Hand, vom Land, können wir uns nicht immer die Unterstützung erwarten, die wir uns wünschten. Das muss aber nicht unbedingt nur negativ sein. Wenn die Hilfe weniger wird, müssen wir eben selber aktiv werden. Wir müssen nachdenken und überlegen, was man tun kann. Wir müssen kreativ werden. Wir müssen selber Initiativen ergreifen, selber etwas unternehmen, dass wir zu einer Wohnung kommen. 27


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Wir müssen herumfragen, wir müssen uns beraten lassen, zu verschiedenen Ämtern gehen, Leute um Hilfe bitten. Das braucht oft viel Zeit und viel Geduld. Das heißt dann allerdings auch, dass wir unsere eigene Meinung sagen, selber mitbestimmen und mehr selber entscheiden können. Das fängt schon damit an, dass wir selber aussuchen können, mit wem wir zusammen wohnen möchten und wo wir wohnen möchten. Ich möchte ein Beispiel bringen, wie ich mir diesen Weg von daheim in der eigenen Familie, bei den eigenen Eltern, hin in eine neue Wohngemeinschaft vorstelle. Der erste Schritt ist der, dass ich für mich weiß: ich möchte weg von meiner Familie, denn ich möchte selbständig leben, selber für mich entscheiden. Aber Achtung! Bei aller Selbständigkeit darf man nie den Respekt vor unseren Mitmenschen verlieren, nie die Würde unserer Mitmenschen verletzen. Wir müssen dabei immer unsere Demut bewahren. Wir alle finden es ganz wichtig, dass jeder Mensch so weit wie möglich seine Selbständigkeit leben soll und darf. Und wir sind da, um diese Tatsache zu unterstützen. Aber wir dürfen dabei nie unsere Grenzen übersehen, wir dürfen sie nie überschreiten. Wir alle haben Grenzen. Jede/r von uns kommt oft zu einem Punkt, wo er/sie alleine nicht mehr weiter kommt. Dann müssen wir die Demut haben, uns diese Grenze einzugestehen und Hilfe zu suchen, um Hilfe bitten und die Hilfe annehmen. Das „Bitte und Danke“ in Demut ist ein kleines Geheimnis, das uns oft das Leben leichter machen würde, das wir aber leider allzu oft leichtfertig vergessen.

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Die meisten von euch arbeiten in Genossenschaften, Werkstätten oder in einem öffentlichen Dienst. Viele von euch unternehmen mit Freunden und Kollegen Ausflüge, machen Urlaube oder verbringen Abende gemeinsam. Da kann man sich oft besser kennen lernen. Zwei, drei oder vier Freunde oder Freundinnen oder auch Paare könnten sich zusammentun und beschließen, gemeinsam eine Wohngemeinschaft zu gründen. Das ist schon der zweite Schritt. Bevor man sich entscheidet, mit wem man gemeinsam in eine Wohnung zieht, um dort gemeinsam zu leben, ist es ganz wichtig, dass man sich gut kennen lernt und es sich sehr gut überlegt. Vielleicht könnte man vorher wirklich ein paar Male gemeinsam in den Urlaub fahren und vielleicht auch das Zimmer teilen, um die Gewohnheiten des Anderen kennen zu lernen und zu sehen, ob man diese selber akzeptieren oder vielleicht sogar teilen kann. Vielleicht hat der/die Andere gleiche oder ähnliche Gewohnheiten. Es gibt vielleicht Dinge, die ich gar nicht machen kann, ein/e Andere/r aber gut. Zum Beispiel kann es sein, dass ich überhaupt nicht bügeln kann oder will, ein/e Andere/r bügelt dafür sehr gut und gern. Dafür kann ich vielleicht gut kochen oder aufräumen, was der/ die Andere weniger gut kann oder gar nicht gern tut. Da kann man sich dann gut ergänzen. Vielleicht aber liebe ich die Ruhe, und jemand anders redet sehr viel und laut oder braucht ständig laute Musik. Da sollte man es sich gut überlegen, ob man zusammen wohnen will. Auch muss ich wissen, dass es in einer Lebensgemeinschaft gilt, Regeln aufzustellen und diese einzuhalten. Sonst gibt es bald ein Chaos, und das wiederum macht das Zusammenleben schwierig oder gar unmöglich. Ich muss also bereit sein, solche Regeln, die man am Anfang gemeinsam aufgestellt hat, einzuhalten. Wenn mir das alles klar ist und ich weiß, dass ich ausziehen möchte und vielleicht auch schon weiß, mit wem ich zusammenziehen möchte, ist es wich-


tig, die eigene Familie darüber zu informieren und sie davon zu überzeugen, dass das für mich der richtige Weg sein wird. Der dritte Schritt. Sind die Eltern überzeugt, dann werden sie auch gerne bereit sein, bei der Wohnungssuche zu helfen. Es muss nicht nur eine geeignete Wohnung gefunden werden. Oft findet man die richtige Wohnung mit Hilfe von Freunden oder Bekannten, oft kann man vom Wohnbauinstitut Hilfe bekommen. Das ist nun der vierte Schritt. Die Wohnung muss vielleicht leicht verändert oder angepasst werden, und sie muss finanziert werden. Bei diesem fünften Schritt brauchen wir wahrscheinlich besonders viel Unterstützung. Wenn die richtige Wohnung gefunden und die Finanzierung sichergestellt ist, wenn wir wissen, wie wir die Wohnung bezahlen können, dann kommt der sechste Schritt. Die Wohnung muss noch eingerichtet werden. Stellt euch vor, ihr könnt bei der Einrichtung eurer eigenen Wohnung selbst mitbestimmen! Das wird sicher eine schöne und interessante Zeit. Vielleicht darf man sogar das eine oder andere Stück von zuhause mitnehmen. Einen Schrank, der einem immer schon gefallen hat, ein Bild, an dem besondere Erinnerungen hängen, einen Teppich, der besonders gut ins neue Zimmer passt und so weiter. Vieles aber muss gekauft werden. Und überall seid ihr dabei und entscheidet mit. So! Nun ist die Wohnung eingerichtet und die Finanzierung gesichert. Eigentlich könnte man jetzt einziehen. Der siebte und vorletzte Schritt ist, dass man die Frage der Unterstützung klärt. In eurer Wohngemeinschaft braucht ihr eine/n oder mehrere Begleiter/in/ nen. Ich stelle mir vor, dass ihr das Recht haben sollt, euch eure Begleiter/innen selber, mit Unterstützung eurer Eltern und eventuell einer Fachkraft aus dem zuständigen öffentlichen Dienst, selbst auszusuchen und einzustellen. Ihr müsstet über die Zeitung oder das Internet ein Bewerbungsschreiben aussenden. Wenn sich Leute melden, die bereit wären, euch zu begleiten, müsstet ihr diesen sagen, welche Unterstützung ihr euch von ihnen erwartet. Man muss ausmachen, wie viele Stunden sie bei euch arbeiten werden und was sie bezahlt bekommen. Auch diese Finanzierung muss natürlich geregelt werden. Es ist bei diesem Gespräch ganz besonders wichtig, dass den Mitgliedern der Wohngemeinschaft und den zukünftigen Begleiter/inne/n klar wird, ob sie gut miteinander auskommen. Damit das möglich wird, ist es unbedingt notwendig, dass man sich gegenseitig vertrauen kann: die Bewohner/innen, ihre Eltern und die Begleitpersonen. Man muss im Vorfeld an vieles

denken. Zum Beispiel: Was passiert, wenn einmal ein Mitglied der Wohngemeinschaft krank ist? Kann es alleine zu Hause bleiben oder braucht es jemanden, der/die es versorgt? Wer wird das sein? Die Eltern, Geschwister, Freunde oder die Begleitperson? Wer verwaltet das Haushaltsgeld? Wer unterhält die Verbindung zum verantwortlichen öffentlichen Dienst? Solche Fragen und noch andere wird man stellen und beantworten müssen, bevor endlich der Betrieb in der neuen Wohngemeinschaft aufgenommen wird. Je besser die Vorbereitung ist, desto leichter wird es den Eltern fallen, ihre Kinder ziehen zu lassen, und desto sicherer werden diese sich in der neuen Situation fühlen. Lisl Strobl

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Erfordernisse und Engpässe Im Spannungsfeld zwischen Handlungsbedarf und Ressourcenknappheit: ein Gespräch mit Thomas Dusini

PE: Die gegenwärtige und zukünftige Wohnsituation von Menschen mit Beeinträchtigung stellt eine im Sozialwesen zurzeit stark beachtete Thematik dar. Diesseits der in der „UN-Konvention zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderungen“ deklarierten Forderung, in allen Lebensbereichen Möglichkeiten der Selbstbestimmung zu schaffen, verleihen demografische Entwicklungen dem Thema Brisanz. Menschen mit Beeinträchtigung können heute ein beachtliches Alter erreichen und werden in vielen Fällen nicht ihr Leben lang auf die Unterstützung ihrer Eltern zurückgreifen können. In welcher Weise werden Sie in Ihrer Eigenschaft als Direktor der Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Eisacktal und somit als einer der Vertreter der öffentlichen Sozialdienste in Südtirol mit der Frage der Wohnsituation von Menschen mit Beeinträchtigung konfrontiert? Dusini: Die Sozialdienste in Südtirol widmen sich schon seit geraumer Zeit dieser Frage. Wir, die Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Eisacktal, sprachen bereits vor zehn Jahren beim zuständigen Landesamt sowie beim damaligen Soziallandesrat vor, um auf den zu erwartenden Bedarf aufmerksam zu machen. Wir regten damals an, unser Sozialzentrum Seeburg in Brixen mit einem Zubau zu erweitern, der 24 neue Wohnplätze umfassen sollte. Im Laufe der Zeit überarbeiteten wir dieses Konzept dahingehend, dass wir vorschlugen, das historische Gebäude der Seeburg zu adaptieren und die beiden im Besitz der Gutsverwaltung des Land- und forstwirtschaftlichen Versuchszentrums Laimburg befindlichen Wohnungen zu übernehmen. Dadurch könnten beträchtliche Investitionskosten eingespart und entstehende Synergien genutzt werden. In den damit gewonnenen Räumlichkeiten, so sieht unsere Vorstellung aus, könnten wir drei verschiedene Typen von Wohnangeboten schaffen. Uns schweben acht Plätze für Dauerbewohner/innen, acht Plätze für rotierende Bewohner/innen und acht Plätze für kurzzeitige Bewohner/innen vor. PE: Welche Überlegungen stehen hinter dieser Unterscheidung? Dusini: Wir nehmen auf der einen Seite wahr, dass das Durchschnittsalter unserer Klient/inn/en, auch jener, die in den Werkstätten arbeiten, im Steigen begriffen ist, und ebenso, dass es jüngere Menschen 30

Thomas Dusini, Direktor der Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Eisacktal

mit Beeinträchtigung gibt, die an autonomem Wohnen außerhalb ihrer Herkunftsfamilie interessiert sind. Es gibt also gute Gründe, Wohnräume für Menschen mit Beeinträchtigung zu schaffen, die sich einen dauerhaften Wohnplatz wünschen und in der Lage sind, mit Unterstützung und Begleitung dort zu leben. Auf der anderen Seite erscheint es uns sinnvoll, Wohnangebote zu schaffen, die vor allen Dingen entlastende Funktion haben. Rotationsplätze und Kurzzeitplätze entlasten die Angehörigen, erstere über längere Zeitspannen von zwei, drei Wochen bis zu zwei oder auch drei Monaten, letztere einige Tage oder ein Wochenende lang. Kurzzeitwohnplätze, so könnte man auch sagen, sind gedacht, um familiäre Notsituationen zu lindern oder solchen Notsituationen vorzubeugen. PE: Wir besprechen gleich die Gründe, warum Ihre Pläne noch nicht umgesetzt werden konnten. Würden


Sie mir vorher die gegenwärtige Situation in der Seeburg beschreiben? Dusini: Im Wohnbereich der Seeburg gibt es zurzeit eine Warteliste, in die 20 Personen eingetragen sind. Wir können momentan nicht mehr als zwei Kurzzeitplätze anbieten, auch wenn einer dieser beiden unter Umständen als Rotationsplatz vergeben werden kann. Von den vier Personen, die das 70. Lebensjahr überschritten haben, übersiedelten zwei in ein Seniorenwohnheim, so dass die eben genannten und dringend benötigten Kurzzeitplätze geschaffen werden konnten. Obwohl Übersiedlungen in Seniorenwohnheime ethisch grundsätzlich umstritten sind, darf ich behaupten, dass der männliche Bewohner diesen Schritt freudig und neugierig mittrug. Die Bewohnerin äußerte sich diesbezüglich zwar nicht, doch angesichts der Tatsache, dass der Umgang mit ihr zuletzt ein vorwiegend pflegerischer war, konnte ich diese Entscheidung nicht nur verantworten, sondern musste sie sogar befürworten. Angesichts ihres hohen Pflegebedarfs war sie im Seniorenwohnheim besser aufgehoben als bei uns. PE: Eine Warteliste mit 20 Namen erscheint doch relativ lang. Gibt es Anzeichen dafür, dass Ihre stationären Wohnangebote in absehbarer Zeit unter quantitativen Gesichtspunkten bedarfsgerecht sein werden? Dusini: Mit dieser Frage berühren wir die Barrieren, die unsere Sozialdienste gerade erleben. Es ist eine Tatsache, dass wir aufgrund der prekären ökonomischen Gesamtsituation unserer Gesellschaft in den für die kommenden fünf Jahre erarbeiteten Investitionsprogrammen der Autonomen Provinz Bozen nicht berücksichtigt sind. Das bedeutet, dass das Wohnangebot in der Seeburg bis mindestens Ende 2017 nicht wird erweitert werden können. Außerdem ist absehbar, dass die familiären Notsituationen zunehmen werden. Zahlreiche Eltern unserer Klient/inn/en haben ein Alter erreicht, bei dem die Überforderung von einem Tag auf den anderen eintreten kann. Womit wir Sozialdienste jährlich sehr wohl rechnen können, sind die Zuwendungen aus dem Sozialfonds. Allerdings sinken diese, so dass wir uns für das bevorstehende Jahr auf einen Rückgang der finanziellen Mittel von einigen Prozentpunkten vorbereiten. Bezogen auf das Thema „Wohnen von Menschen mit Beeinträchtigung“ bedeutet dies, dass wir es von Grund auf neu denken und in Angriff nehmen müssen. PE: Würden für ambulant begleitetes Wohnen mehr Ressourcen zur Verfügung stehen? Dusini: Das ambulant begleitete Wohnen in eigenen Wohnungen oder Wohngemeinschaften wurde 31


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unsererseits immer schon mitgedacht. Die Wohnangebote in unserem Land bzw. in unserem Bezirk sollen ja möglichst vielfältig sein. Und ich glaube sehr wohl, dass wir verstärkt in diese Richtung diskutieren müssen. Eine bedeutsame Ressource auf dieser Schiene scheinen mir die privaten Organisationen und Interessensverbände sowie vor allem die Betroffenen selbst mit ihren Angehörigen darzustellen. Wir knüpften auch schon entsprechende Kontakte mit der Lebenshilfe, dem Arbeitskreis Eltern Behinderter und der Genossenschaft casahaus. Letztere ist bereits im Begriff, Wohnungen anzumieten und diese interessierten Personen zur Verfügung zu stellen. Gemeinsam mit den genannten privaten Organisationen und Verbänden sowie den Betroffenen selbst und deren Angehörigen wurde auch schon diskutiert, wie man etwa Generationen übergreifende Wohneinheiten schaffen bzw. freiwillige Kräfte wie Universitätsstudent/inn/en in Projekte miteinbeziehen könnte. Wir werden im Rahmen gemeinsamer Anstrengungen unseren Beitrag leisten, müssen dabei aber von unseren stark begrenzten finanziellen wie personellen Ressourcen ausgehen. Denn natürlich sind auch die Sozialpädagogische Grundbetreuung und die Hauspflege von den Einsparungen betroffen. Wir können beispielsweise einen gewissen Umfang an ambulanter Assistenz für außerhalb der Einrichtungen autonom wohnende Personen zur Verfügung stellen, müssen aber aufgrund der fehlenden finanziellen Ressourcen bei der Frage der Wochenendbegleitung sowie bei der Frage der Nachtbetreuung zurzeit passen.

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PE: Muss der Mensch mit Beeinträchtigung also verstärkt auf Eigeninitiative setzen? Dusini: Die im Rahmen des Gesetzes zur Pflegesicherung erfolgende direkte Zuwendung an den Einzelnen durch Überweisung von Geldmitteln aus dem Pflegefonds ist im Grunde bereits ein klares Signal in diese Richtung, ebenso die neu geschaffene Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung für ein selbstbestimmtes Leben und gesellschaftliche Teilhabe. Die übrig bleibenden Ressourcen wollen wir als Sozialdienste in jedem Fall im Sinne der „UN-Konvention zum Schutz der Rechte für Menschen mit Behinderungen“, im Sinne des Prinzips der Selbstbestimmung sowie im Sinne des Postulats von Inklusion und Teilhabe nutzen. Wir bekennen uns zu dieser Ethik, müssen aber zur Kenntnis nehmen, dass unsere Ressourcen zurzeit knapper denn je sind. Aus diesem Grund gehört es unter den heutigen Rahmenbedingungen mit zu unseren Hauptaufgaben, die Familien auf ihrer Suche nach individuellen Lösungen möglichst wirksam zu unterstützen. Interview: Dietmar Dissertori


Zusammen leben in Kleingruppen Die Wohngemeinschaften der Lebenshilfe in Schlanders: ein Gespräch mit Emma Pinzger

PE: Fünf Jahre sind vergangen, seit im Haus Slaranusa der Lebenshilfe in Schlanders der Wohnbereich neu strukturiert wurde und das Wohnheim drei Wohngemeinschaften Platz machte. Wollen wir dieses Gespräch mit einer kurzen Zwischenbilanz beginnen? Pinzger: Es steht für mich außer Zweifel, dass die Umgestaltung des Wohnbereichs eine höchst positiv zu bewertende Entscheidung war. Die Aufhebung des Wohnheims und die Errichtung von bis heute drei Wohngemeinschaften führten dazu, dass die Lebensqualität unserer Klient/inn/en erheblich stieg. Rückblickend können wir sehr dankbar sein für jene Anregungen, die wir im Jahr 2007 im Rahmen einer groß angelegten Evaluation erhielten. Dabei war das gesamte Personal einschließlich meiner selbst anfangs äußerst skeptisch. Wir hatten keine klare Vorstellung von einem Alltag, der wesentlich von Mitsprache geprägt sein würde, ebenso wenig davon, wie wir unsere Bewohner/innen an Mitsprache gewöhnen und zu Mitsprache animieren sollten, und auch nicht davon, wie wir mit Privatheit umgehen sollten und was es in der konkreten Arbeit bedeutet, Privatheit zu respektieren. Fragen dieser Art waren im Wohnheim in dieser ausdrücklichen und systematischen Form nicht aufgeworfen worden. Doch im Laufe der Zeit wich diese Skepsis und machte der Überzeugung Platz, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Wenn ich heute an die ste-

Emma Pinzger, Verantwortliche der Wohngemeinschaften der Lebenshilfe Vinschgau

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rilen Räumlichkeiten des Wohnheims zurück denke und diese mit den persönlich gestalteten Einzelzimmern vergleiche, so kann ich behaupten, dass wir einen nicht nur bedeutsamen, sondern auch notwendigen Schritt setzten. Auch die Bewohner/innen selbst erkennen heute den Wert von Privatheit und den Besitz eines Rückzugsraums. PE: Konntet ihr bei dieser Umstrukturierung auch von euren Erfahrungen mit der Wohngemeinschaft im Dorf profitieren, die ja bereits seit dem Jahr 2004 existiert? Pinzger: In der Wohngemeinschaft im Dorf wohnen zwei Männer und zwei Frauen, die tagsüber in unseren Werkstätten arbeiten. Sie werden von zwei Betreuerinnen begleitet und erstellen mit deren Hilfe an jedem Samstag Wochenpläne, in denen unterschiedliche Zuständigkeiten festgelegt werden. Mit Hilfe von Piktogrammen und Fotos erkennt jede/r einzelne Bewohner/in sofort, wer für die Zubereitung des Frühstücks, für den Einkauf, für die Reinigung der gemeinsamen Räume und anderes mehr verantwortlich ist. Die Wohngemeinschaft im Dorf, deren Bewohner/innen doch relativ selbständig sind, war von Anfang an als Trainingswohnung konzipiert. Natürlich sollten uns später die Erfahrungen mit dieser Wohngemeinschaft hilfreich sein, aber als uns im Zuge der Evaluation nahegelegt wurde, das Modell auch auf den Wohnbereich im Haus Slaranusa zu übertragen, waren wir doch einigermaßen 34

überrascht. Andererseits erkannten wir, dass Prinzipien wie Selbstbestimmung, Mitsprache und Privatheit nicht teilbar sind. So führten wir bald eine Befragung sowohl unserer Bewohner/innen als auch von deren wichtigen privaten und professionellen Bezugspersonen durch. Und es dauerte nicht lange, bis die Umbauarbeiten im Haus begannen. Wir sehen heute, um wie vieles besser wir in Wohngemeinschaften auf die einzelnen Personen individuell eingehen können. PE: Was im Wohnheim nicht in diesem Ausmaß möglich war? Pinzger: Im Wohnheim wohnten elf Personen in vier Schlafräumen und mit einer Nasszelle. Es war dort viel schwieriger, individuellen Anliegen gerecht zu werden. Wohngemeinschaften bieten viel familiärere Umgebungen. In Kleingruppen gibt es größere Freiräume. Freizeitaktivitäten werden heute je nach Bedürfnis und Interesse differenziert, ebenso wie die abendlichen Speisepläne je nach Wunsch, und jede/r Bewohner/in kann sich nach dem Abendessen je nach Lust, Laune und Befindlichkeit entweder auf sein/ihr Zimmer zurückziehen oder, womit und mit wem auch immer, den Rest des Abends im Gemeinschaftsraum verbringen. Außerdem werden den Bewohner/inne/n Verantwortlichkeiten übertragen. Jede Kleingruppe ist nämlich, natürlich in Begleitung der Betreuungspersonen, für Planungen und Besorgungen selbst zuständig. Nachmittags wird zum Beispiel besprochen, was abends auf den Tisch kommen soll, und im Anschluss daran steht ein Besuch des Supermarkts an. Eingebunden sind die Bewohner/innen auch in der Küche während der Zubereitung der Mahlzeiten, beim Tischdecken und beim Abtragen des Geschirrs.


PE: Die Personalsituation ist also günstig genug, um ein familiäres Klima herzustellen und individuelle Zuwendungen zu ermöglichen. Pinzger: Wir können nicht erwarten, dass jedem/ jeder einzelnen Bewohner/in eine Betreuungsperson zur Seite gestellt wird. Doch normalerweise kommt es ja nicht vor, dass jede/r einzelne Bewohner/in beispielsweise zu genau demselben Zeitpunkt ein besonderes und mit niemandem geteiltes Interesse an einer bestimmten Freizeittätigkeit hat. In der Praxis wollen mehrere Personen gemeinsam, manchmal sogar kleingruppenübergreifend, schwimmen gehen, eine Ausstellung besichtigen, ein Konzert besuchen oder was auch immer. Deshalb ist es auch problemlos machbar, ausschließlich jenen Bewohner, der einen Bekannten im Seniorenwohnheim hat, zwischendurch nachmittags dorthin zu begleiten, oder ausschließlich mit jenem frommen Bewohner, der als einziger Interesse zeigte, nach Brixen zu fahren, um der Bischofsweihe beizuwohnen.

PE: Kürzlich teiltest du in einer verbandsinternen Sitzung mit, dass einige Veränderungen bevorstehen. Was bewegt sich in den Wohngemeinschaften im Haus Slaranusa? Pinzger: Die Zusammensetzung der Wohngemeinschaften im Haus Slaranusa ist seit fünf Jahren identisch. Die Bewohner/innen wurden damals befragt und entschieden sich für jene Mitbewohner/ innen, mit denen sie bis heute zusammen leben. In letzter Zeit aber macht sich eine gewisse Unruhe breit. Es sind Spannungen bemerkbar, und eine der Bewohnerinnen sendet eindeutige Signale aus, in jene Wohngemeinschaft übersiedeln zu wollen, deren Gemeinschaftsraum sie aus der Zeit des Wohnheims bestens kennt und den sie offensichtlich vermisst. Es ist an der Zeit, gemeinsam mit den Bewohner/inne/n neue Zusammensetzungen anzudenken und auszuprobieren. Behilflich sein wird uns dabei die Tatsache, dass wir über Räumlichkeiten verfügen, um eine vierte Wohngemeinschaft öffnen zu können. Auf diese Weise wird es uns auch möglich sein, die doch relativ große Kleingruppe von sechs Personen aufzulösen. Ab kommendem Jänner wird es also im Haus Slaranusa insgesamt vier Wohngemeinschaften mit je dreimal vier und einmal drei Bewohner/inne/n geben. Fix ist bereits, dass das Pärchen zusammen bleibt und jener Bewohner mit der Leidenschaft für Panzer, Jeeps und Uniformen in die Wohngemeinschaft mit Aussicht auf das Militärgelände übersiedeln wird. Alles, was sich sonst noch ergeben wird, lassen wir, gespannt und gelassen zugleich, auf uns zukommen. Interview: Dietmar Dissertori 35


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Individuelle Wege Arbeit für die Zukunft von Menschen mit Beeinträchtigung

Theresia Terleth, Mitglied des Landesvorstands der Lebenshilfe

Als unser Sohn Markus 10 Jahre alt war, bekamen wir die Diagnose Asperger-Autismus für seine Verhaltensauffälligkeit bei normaler körperlicher Entwicklung und teilweise überdurchschnittlichen Fähigkeiten. Gerade in dieser schweren Zeit machten wir uns als Eltern viele Gedanken über die Zukunft. Noch im selben Jahr fuhr ich gemeinsam mit anderen Müttern aus der Gegend von Brixen und unserer Therapeutin in die Schweiz, Kanton St. Gallen, um Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten von Jugendlichen mit Autismus bzw. Wahrnehmungsstörungen anzusehen. Eine Wohngemeinschaft mit sieben Jugendlichen, die auf einem Bauernhof untergebracht war und in der als tägliche Förderung die Therapie nach Affolter angewandt wurde, beeindruckte uns sehr. Die Therapeut/inn/en bzw. Betreuer/innen hatten alle die Ausbildung nach Affolter und wurden wissenschaftlich begleitet. Durch eine genaue Dokumentation im Alltag konnten nachweislich Verbesserungen im autistischen Verhalten und in der Entwicklung der Fähigkeiten der Jugendlichen festgestellt werden. Die Medikamenteneinnahme wurde auf ein Minimum reduziert. Nach diesen beeindruckenden Erfahrungen und mit viel Idealismus gründeten wir Eltern nach der Rückkehr aus der Schweiz mit Hilfe von Politiker/ inne/n und Freund/inn/en die Sozialgenossenschaft Efeu. Im Jahr 2006 folgte die Eröffnung einer Tages36

förderstätte nach Affolter für sechs Jugendliche in den gemieteten Räumen der Seeburg in Brixen. Markus absolvierte inzwischen die Landwirtschaftliche Oberschule in Auer und arbeitet seit einem Jahr im elterlichen landwirtschaftlichen Betrieb mit. Zweimal wöchentlich fährt er mit dem Zug nach Brixen in die Tagesförderstätte Efeu. Er wohnt auf dem elterlichen Hof in einer kleinen Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche. Besonders schätzt er an seiner Wohnung die Rückzugsmöglichkeit von der übrigen Familie. Andererseits wohnen und arbeiten Eltern, Geschwister, Verwandte und Freunde auf dem Bauernhof, so dass Kontakte jederzeit möglich sind. Ich hoffe für Markus, dass wir als Eltern seine derzeitige Wohnsituation noch verbessern können. Markus hat das Potenzial, seine Autonomie und die Fähigkeit der Artikulation seiner Wünsche und Vorstellungen zu steigern. Ich kann mir für seine Zukunft ein Leben in einer Wohngemeinschaft von fünf bis sechs Personen am Hof mit einer gezielten Förderung sehr gut vorstellen. Als Mutter hoffe ich ganz besonders, dass finanzielle Mittel für die von der Lebenshilfe mitgetragene Wohnassistenz bereitgestellt werden, damit Menschen mit Beeinträchtigung beim selbständigen Wohnen bestmöglich begleitet werden können. Ich appelliere auch an alle Eltern und Verwandten, sich schon im frühen Jugendalter ihrer Kinder mit verschiedenen Wohnmöglichkeiten zu Hause oder in der Umgebung auseinanderzusetzen und sich in der momentanen, sicher schwierigen Wirtschaftslage mit Pauschalabsagen bezüglich neuer Wohnmög-


lichkeiten von Seiten der Öffentlichkeit nicht abspeisen zu lassen. Für die Zukunft wären sicher kleinere Wohngemeinschaften oder begleitetes Wohnen in noch mehr Gemeinden Südtirols wünschenswert. Und wenn die heute noch jüngeren Menschen mit Beeinträchtigung eines Tages ein gewisses Alter erreicht haben werden, so hoffe ich, dass die Praxis der Einweisung in ein Altenheim überwunden sein wird. Nicht zuletzt in meiner Eigenschaft als Mitglied des Landesvorstands der Lebenshilfe liegt mir aber nicht nur die Zukunft meines Sohnes Markus, sondern auch jene aller anderen Menschen mit Beeinträchtigung am Herzen. Ich begleite zurzeit Jugendliche und Erwachsene mit Beeinträchtigung bei verschiedenen Sport- und Freizeitveranstaltungen. Gerade während dieser Tätigkeiten erzählen sie mir aus ihrem täglichen Leben. Dabei spielt das Wohnen eine zentrale Rolle. Wie alle Jugendlichen durchleben sie in der Pubertät eine Abnabelung von den Eltern und fühlen sich zu Gleichaltrigen hingezogen. Freundschaften werden geknüpft und mit Hilfe der modernen sozialen Netzwerke bzw. Handys auch bei größeren geografischen Entfernungen der jeweiligen Wohnorte gepflegt. Der Wunsch, mit Freund/ inn/en Wohngemeinschaften zu gründen, wird sehr oft geäußert. Gleichzeitig spüren die Jugendlichen im Alltag, dass ihr Leben ohne Unterstützung nicht gelingen kann. Der Großteil der Jugendlichen und Erwachsenen wohnt bei den Eltern. Viele Eltern werden selbst pflegebedürftig, und nicht selten müssen die Geschwister die Betreuung mit übernehmen und fühlen sich dadurch häufig überfordert. Große Einrichtungen, in denen viele Menschen mit verschiedenen Beeinträchtigungen untergebracht sind, werden besonders von jungen Eltern mit Skepsis betrachtet. Auf dem Territorium der Bezirksgemeinschaft Überetsch-Unterland versandten wir im November an alle Personen mit Beeinträchtigung, die Mitglieder der Lebenshilfe sind, einen Fragebogen, um die allgemeine aktuelle Wohnsituation zu erfahren. Im kommenden Jänner wollen wir alle Bürgermeister/innen und Sozialreferent/inn/en des Bezirks zu einem Informationsabend einladen, bei dem die Ergebnisse der Umfrage vorgestellt und diskutiert werden sollen. Theresia Terleth

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Compagnia

In fondo sarebbe solo una famiglia un po’ allargata ma … la casa, la comunità? Tranquilli, resta solo un bel sogno. La prima ad arrivare, poco prima delle 16, era stata Franziska. Si era tolta gli stivali e, senza nemmeno togliersi l’impermeabile, si era lasciata cadere, a braccia larghe, sul divano. Con un clic sul pulsante verde del telecomando, aveva acceso il televisore grande ed era andata dritta al film che si era registrata. Sapeva che non avrebbe fatto in tempo a vederlo tutto prima che arrivassero gli altri, ma la voglia di scoprire come era andata a finire quella storia che tanto l’aveva intrigata era troppo grande. Le regole, nella Wohngemeinschaft, erano abbastanza rigide ma nemmeno la Helga, la Frau Helga, riusciva a dire di no a un’appassionante storia d’amore. Lei, il suo grande amore, l’aveva perduto in un terribile incidente aereo e, anche se sapeva che avrebbe finito per infliggersi una sofferenza, l’affascinava immedesimarsi in quella storia. Respirava una voglia acuta, profondissima, ma si guardava bene dal darlo a vedere. Lei era l’autorità e doveva dimostrare a tutti di saper dominare ogni emozione. Naturalmente ci riusciva solo per il grande senso del dovere che aveva caratterizzato tutta la sua educazione. Così, quando rientrò dalla spesa, non disse nulla a Franziska che, presa com’era dal film, non si era nemmeno accorta del suo arrivo. Frau Helga preparò una teiera di quel delicato Weihnachtstee che la nonna di Franz aveva portato nella sua ultima visita e la posò sul tavolino rosso, a destra del televisore. Portò anche un vassoio di Lebkuchen e, come fosse

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stata sempre lì anche lei a vedere il film, si sedette sulla poltroncina a fianco del divano. Franziska quasi sobbalzò per lo spavento nel trovarsela a due metri di distanza, ma bastò un largo sorriso di Frau Helga a rassicurarla. Di più, le chiese se la protagonista si fosse davvero riappacificata col suo innamorato, per far sì che il contatto fosse immediatamente stabile. Senza accorgersene, Franziska si ritrovò in una mano la tazza di tè e, nell’altra, un bel dolcetto. Il film, una drammatica storia d’amore, era quasi all’epilogo quando arrivò un frastuono dalle scale. Manfred e Julian si stavano rincorrendo e Julian, con uno scatto finale, arrivò per primo ad aprire la porta e urlò: „Primo! Ho vinto io, devi fare 10 Liegestützen, marameo!“ Franziska, che per il suo handicap non riusciva a gestire due canali di comunicazione, scoppiò a piangere. Quei due maschiacci, anche se le erano simpatici, le avevano rovinato l’atmosfera e quel loro irrompere in casa aveva rovinato il gusto del finale del film. Non fosse stato per il gran tatto della Frau Helga, sarebbe scoppiato un litigio furibondo, ma con calma, dopo aver messo il film in pausa, salutò i due con un caloroso „Ben tornati, venite a bere il tè, che è già pronto“ e si spostò sul divano con Franziska, riempiendole la tazza e porgendole un altro dolcetto, la portò a superare quel delicato momento chiedendole come, secondo lei, sarebbe finita la storia. Franziska, quasi presa alla sprovvista, balbettò che non sapeva proprio ma, con un aiutino della Helga, si avventurò nell’ipotizzare un finale strappalacrime. „Secondo me“, disse, „scappano di casa, si rimettono insieme e vanno a vivere in California, felici e contenti.“ Frau Helga, sorridendo, annuì e commentò: „Non ci avevo pensato ma potrebbe essere proprio un bel finale.“ I due scalmanati, Manfred e Julian, erano andati in camera loro a cambiarsi ed erano usciti, Birkenstock ai piedi, inventandosi un’altra gara: „Vediamo chi arriva prima alla Chaise Longue“, la poltrona più ambita del soggiorno. Ci arrivarono quasi simultaneamente e Julian la spuntò solo perché era troppo più forte fisicamente. Sempre facendo finta che fosse la cosa più naturale del mondo, Frau Helga porse a tutti e due una tazza di tè e, con un gesto, indicò il vassoio dei dolcetti.


Erano diventate quasi le sei e, di lì a poco, sarebbero arrivate anche la Petra e la Johanna, impegnate per tutto novembre in un corso di cucina, subito dopo il lavoro. E, alle sei e un quarto, puntuali, eccole lì sulla porta, piene di pacchetti. Oltre allo zainetto, nel quale avevano le poche cose che si portavano al lavoro (un piccolo beauty, un thermos e un romanzo che leggevano assieme per la terza volta, scambiandosi sempre opinioni diverse) avevano due borse di plastica nelle quali avevano infilato i loro ultimi capolavori culinari: tutta una serie di biscotti natalizi, cornetti alla vaniglia, Spitzbuben e baci di dama che avevano finito di preparare proprio quella sera. Frau Helga, per dare la giusta ritualità al loro lavoro, tirò fuori due grandi scatole di metallo, una rossa e una color oro, per sistemarli adeguatamente e metterli, in un certo senso, al riparo dalla sfrenata golosità di Franz e Ivan. Gli ultimi due maschi della compagnia sarebbero arrivati giusto per cena, alle sette, perché il mercoledì avevano due ore di nuoto, dalle 16.30 alle 18.30. Fuori era naturalmente buio da un pezzo e quando la campana della Torre Bianca suonò le sette, Franziska si ricordò che aveva promesso a Maria, l’unica che ancora non era rincasata, che sarebbe scesa in strada ad aiutarla perché, con le stampelle, non ce la faceva proprio a cavarsela. Parcheggiò in cortile il suo triciclo e con un allegro „Hallihallo“ richiamò l’attenzione dell’amica. „Come è finito il film?“, le domandò subito, e Franziska, furibonda, spiegò che, per colpa di quei due giocherelloni di Manfred e Julian si era dovuta fermare proprio prima di scoprire come sarebbe andata a finire. „Beh, meglio così“, la prese in contropiede Maria, „il finale ce lo gusteremo assieme.“ E Franziska, con una bella risata, finì per ammettere che, in fondo, era proprio vero: si sarebbero gustate assieme, dopo cena, il finale. Per cena Frau Helga aveva preparato una gran padella di splendida mosa, con sopra carrube grattugiate, proprio come le aveva insegnato la sua non-

na materna, al maso, in Val Senales, e poi un piatto misto di prosciutto affumicato, speck e formaggi. Le quattro ragazze, quasi si fossero messe d’accordo, bevevano tè mentre i quattro ragazzi preferivano succo di sambuco e acqua di rubinetto. Dopo i complimenti, non di rito, ma calorosamente sinceri a Frau Helga per la bella cenetta, i maschi (questa settimana toccava a loro sparecchiare e lavare i piatti, mentre le ragazze si erano limitate ad apparecchiare la tavola) si organizzarono per cercare di battere il loro record: sparecchiare, lavare e asciugare in meno di 14 minuti. Le ragazze, assieme a Frau Helga, si spostarono in soggiorno per il tanto sospirato finale del film mentre i maschi, in cucina, avevano acceso la musica. Ivan, come accadeva spesso, aveva alzato la voce con Manfred perché voleva assolutamente imporre la sua compilation e così addio nuovo record. Finirono il loro lavoro in 16 minuti proprio mentre sul grande televisore scorrevano i titoli di coda e tutte si asciugavano gli occhi. Il lieto fine era stato travolgente e perfino Frau Helga aveva dovuto allungare la mano verso la scatola dei fazzoletti di carta. Erano arrivate quasi le fatidiche 22 ed era ora di andare a nanna. I bagni erano tre, ma gli ingorghi erano inevitabili. Notte! Sveglia, al solito, alle 6.30. E le sveglie scattarono il giorno dopo, puntualissime. Solo che tutti gli otto protagonisti della nostra storia si svegliarono, al solito, in altrettante stanze. La magnifica Wohngemeinschaft era stata solo uno splendido sogno. Qualcuno saprà trasformarla in realtà? Luigino Scaggiante

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„Manches kann ich gut, anderes ein bisschen weniger“ Ein Gespräch mit Hanspeter Delucca

PE: Hanspeter, du weißt, dass sich diese Ausgabe der „Perspektive“ mit dem Thema „Wohnen“ auseinandersetzt. Du bist inzwischen über 50 Jahre alt und wohnst zusammen mit deiner Mutter in der elterlichen Wohnung. Dein Stiefvater ist leider schon verstorben, und deine Mutter wird auch älter und hat daher immer weniger Kraft und Energie. Ich nehme an, du hast dir sicher schon Gedanken darüber gemacht, was sein wird, wenn deine Mutter einmal den Haushalt nicht mehr schafft oder zum Beispiel in ein Seniorenwohnheim übersiedeln muss. Delucca: Ich frage mich: Wenn meine Mutter nicht mehr hier lebt, was geschieht dann mit der Wohnung? Ich bin dann allein in der Wohnung, obwohl meine Schwester in der Nähe ist. PE: Könnte es nicht möglich sein, dass du mit einer Unterstützung von außen in der Wohnung bleiben kannst? Delucca: Das könnte möglich sein, aber genau weiß ich es nicht. Solange meine Mutter da ist, ist alles in Ordnung. Wie es dann weiter gehen soll, weiß ich aber nicht. Es ist schon noch meine Schwester da. Sie lebt im gleichen Haus, im oberen Stock. Ich kann von ihr aber auch nicht alles verlangen. Ich müsste schauen, dass mir jemand hilft. PE: Wo holst du dir diese Hilfe? Weißt du, an wen du dich wenden kannst? Delucca: So genau weiß ich das heute noch nicht, aber ich würde mich in jedem Fall an die Lebenshilfe wenden. Die Lebenshilfe wird mir sicher sagen können, wo ich Hilfe bekommen kann. Und sie wird mir auch bei der Suche nach Unterstützung behilflich sein. PE: Ich möchte mit dir gemeinsam überlegen, was man eventuell tun kann, wenn du einmal alleine sein solltest. Kannst du zum Beispiel kochen? Delucca: Nicht gut. Ich koche manchmal gemeinsam mit meiner Mutter, damit ich es lerne. Und ich habe in einem Kurs in Haslach ein bisschen kochen 40


gelernt. Ich kann vielleicht eine einfache Pasta kochen, viel mehr traue ich mir aber nicht zu. PE: Es gibt auch das Essen auf Rädern. Vielleicht könntest du das anfordern. Delucca: Das habe ich schon einmal probiert, und wir bekommen dieses Essen auch in der Genossenschaft, wo ich arbeite. Das Essen besorgt die Caritas, und es kommt jeden Tag von Meran. Ich hätte das nicht so gerne. PE: Dann müsstest du aber wirklich selber ein bisschen besser kochen lernen, oder? Delucca: Ja, das stimmt. Dafür aber habe ich kein Problem beim Einkaufen. Das kann ich gut alleine. Ich schreibe mir alles auf, was ich brauche, und hole es dann im Supermarkt. Wo ich Hilfe brauche, ist beim Bügeln. Gebügelt hat bis jetzt immer meine Mutter. Auch da müsste ich noch viel üben. Staub saugen und Fenster putzen hingegen mache ich selber, das kann ich gut. Unbedingt Unterstützung brauche ich, wenn Rechnungen zu bezahlen sind. PE: Kannst du dir vorstellen, irgendwann mit einer anderen Person zusammen zu leben? Delucca: Das kommt ganz darauf an. Man müsste sich dann eben auch die Spesen teilen. Lieber würde ich in meiner Wohnung bleiben und sie mit jemandem teilen als in eine Wohngemeinschaft anderswo ziehen. Dort müsste ich mit jenen Personen zusammen leben, die schon da sind. Ich weiß nicht, ob ich in so einem Fall mit allen gut auskommen würde. Wenn ich hingegen daheim bleibe, kann ich selber entscheiden, wer bei mir einzieht. PE: Sprichst du manchmal mit deiner Mutter darüber, was sein wird, wenn sie einmal nicht mehr für dich da sein kann? Delucca: Nein, eigentlich nicht. Wir haben immer andere Themen, über die wir sprechen. Ich gehe viel mit ihr spazieren, und bin viel mit ihr zu Hause, damit sie nicht alleine ist. Solange sie da ist, geht es mir gut. PE: Wie geht es dir, wenn du an die Zukunft denkst? Machst du dir manchmal Sorgen? Delucca: Nein, ich mache mir eigentlich keine großen Sorgen. Im Moment ist alles in Ordnung. Das kann sich allerdings ändern, wenn ich einmal wirklich alleine bin. Dann wird man sehen.

PE: Es ist ja wirklich nicht ganz einfach, über die eigenen Sorgen zu sprechen. Trotzdem ist es wichtig, dass man die Gelegenheit dazu hat. Aus diesem Grund veranstaltet die Gruppe People First, deren Präsident du bist, jetzt eine Tagung, bei der man sich gemeinsam mit den Eltern intensiv mit dem Thema beschäftigen wird. Delucca: Ja, und ich hoffe, dass viele Leute kommen werden. Es wäre auch wichtig, dass viele Eltern kommen. Es ist schon wichtig, dass man sich rechtzeitig mit dem Thema auseinandersetzt, damit man auch Zeit hat, sich auf neue Situationen vorzubereiten. PE: Dann freuen wir uns jetzt gemeinsam auf diese Tagung, an der auch ich teilnehmen werde, und hoffen wir, dass sie uns alle ein Stück weiter bringt. In diesem Sinne wünsche ich auch dir alles Gute für die Zukunft und bedanke mich ganz herzlich für das offene Gespräch. Interview: Lisl Strobl

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Wohnen heute und morgen: Zusammenfassung in einfacher Sprache

Die meisten Menschen mit Beeinträchtigung wohnen bei ihren Eltern. Das geht aber nicht für immer. Denn die Eltern werden alt. Irgendwann brauchen sie selber Unterstützung. Das ist aber nicht die einzige wichtige Frage beim Wohnen. Es gibt noch eine andere wichtige Frage: Welche Hilfe sollen Menschen mit Beeinträchtigung erhalten, wenn sie autonom wohnen wollen? Auch wenn die Eltern noch jung sind? Wolfgang Obwexer ist Geschäftsleiter der Lebenshilfe. Er ist der Meinung, dass es zwei Dinge braucht. Das erste sind Kontaktstellen, in denen Menschen mit Beeinträchtigung beraten werden. Das zweite ist eine persönliche Wohnassistenz, bei der jeder genau die Unterstützung bekommt, die er braucht. Lisl Strobl sagt, dass es wichtig ist, dass Eltern und ihre Söhne/Töchter offen über die Zukunft sprechen. Jeder soll über seine eigenen Wünsche, Hoffnungen und Befürchtungen reden können. Das schafft Klarheit. Diese Klarheit ist wichtig, weil man nur so gemeinsame Pläne entwerfen kann. Zum Beispiel einen Plan, wie, wo, mit wem und mit welcher Unterstützung die Söhne/Töchter am besten wohnen können. 42


Thomas Dusini ist Direktor der Sozialdienste der Bezirksgemeinschaft Eisacktal. Für ihn ist das Thema „Wohnen von Menschen mit Beeinträchtigung“ ein sehr wichtiges. Leider ist aber kein Geld da, um die Seeburg auszubauen. Seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können aber bei der Wohnassistenz mithelfen, wenn Menschen mit Beeinträchtigung in eigenen Wohnungen oder in Wohngemeinschaften leben. Emma Pinzger ist die Verantwortliche für die Wohngemeinschaften der Lebenshilfe. Es gibt in Schlanders mehrere Wohngemeinschaften von Menschen mit Beeinträchtigung. Früher hat es ein einziges Wohnheim gegeben. Emma Pinzger ist der Meinung, dass die Bewohner/innen heute viel mehr Selbstbestimmung und Privatheit haben. Theresia Terleth ist Mutter von Markus. Markus hat eine eigene Wohnung im Haus seiner Eltern. Seine Mutter könnte sich gut vorstellen, Markus dabei zu helfen, eine Wohngemeinschaft zu gründen. Theresia Terleth ist aber auch Mitglied im Vorstand der Lebenshilfe. In dieser Funktion interessiert sie sich auch für alle anderen Menschen mit Beeinträchtigung, vor allem im Unterland. Dort hat sie vor kurzer Zeit einen Fragebogen zum Thema „Wohnen“ verschickt. 43


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Luigino Scaggiante erzählt uns eine erfundene Geschichte von acht Personen, die in einer Wohngemeinschaft leben. In dieser Wohngemeinschaft ist allerhand los! Hanspeter Delucca wohnt bei seiner Mutter. Seine Mutter hat schon ein gewisses Alter. Er weiß noch nicht genau, wie er wohnen wird, wenn seine Mutter einmal nicht mehr für ihn sorgen kann. Er weiß, dass er beim Kochen noch einiges lernen muss. Einkaufen kann er aber schon heute gut. Die Redaktion

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Wohnen mit meinen Eltern

Ich wohne noch bei meinen Eltern daheim. Und das ist wunderschön. Natürlich muss ich ihnen auch helfen. Zum Beispiel: aufdecken, abtragen, Staub saugen, Zimmer aufräumen, Müll wegtragen, abspülen, abtrocknen, in der Küche aufräumen und so weiter. Auch wenn ich nicht so begeistert bin, mache ich es trotzdem. Ich möchte in Zukunft in einer Trainingswohnung in Sterzing wohnen. Es wäre nett, wenn mein Freund mit mir wohnen würde. Aber ich weiß nicht, wie ich das alles schaffen kann. Dann würde ich kaum mehr in den Urlaub fahren. Anschließend werde ich mich dann um den Haushalt und meinen Freund kümmern. Verena Elisabeth Turin

Mein Traumhaus

Es wäre nett, wenn mein Traumhaus ganz gemütlich ausschaut. Es sollen nicht viele Zimmerpflanzen und Blumen sein. Natürlich aber ein Bad mit Bidet und Dusche. Und ein Kasten dazu. Und auch Teppiche, aber nicht viele, und Handtücher und was man im Bad alles braucht. In meinem Wohnzimmer soll es ein bisschen klein sein. Dort soll es einen Fernseher mit DVD-Player-Gerät, Regale mit vielen DVD, Bücher, einen Tisch mit vier Stühlen, drei Teppiche, einen Massagestuhl und ein Sofa mit einem Gästebett dazu und zwei Wandkästen mit Abteilungen geben. Verena Elisabeth Turin


Urlaubsfeeling

Bibione ist zwar schon etwas her, doch die Erinnerungen daran prägen mich sehr. Am liebsten würde ich gleich wieder starten, jetzt, wo ich weiß, was mich würde erwarten. Die Zeit mit Steffi genoss ich sehr, nun möcht’ ich sie missen nie mehr. Leider ist so viel Zeit verronnen, bis ich habe zu schreiben begonnen. Was noch herausspringt, bringt mich zum Staunen, da ich bis heute nicht hatte die richtigen Launen. Immer beschäftigt und voller Tatendrang, bin ich das nicht, wird mir schon bang’. Egal, ob Massagen, Bücher oder Spaziergänge am Strand, die Zeit ließ keiner versinken im Sand.


Der Anblick des weiten Meeres gefiel mir sehr, er ist beruhigend, was will man mehr? Hatte ich mal Kummer, so war das eine Fünf-Minuten-Nummer. Von lieben Menschen umgeben zu sein machte alles wieder sauber und rein. Ich habe es einem Animateur angetan, etwas Körperbewegung tut gut, was ist schlimm daran? An Unterhaltung mangelte es uns nicht, Langeweile wäre hingegen ein Bösewicht. Diese Zeit hat mir neue Freundinnen geschenkt, so hätt’ ich mir nie gedacht, dass die wachsende Freundschaft wird in diese Richtung gelenkt. Zum Schalten und Walten gibt es im Alltag allerhand, doch dies sollte keinen Abbruch tun dem Band. Melanie Goldner


Urlaub in Cesenatico

18. August. Die Gruppe ist um 9.15 Uhr in Bozen gestartet und um 16.45 Uhr in Cesenatico angekommen. Wir packten die Koffer aus dem Bus und bekamen gleich die Schlüssel für die Zimmer. Wir bekamen auch Bänder auf den Arm, weil die Getränke gratis waren. Wir gingen auf die Zimmer, packten unsere Koffer aus und gingen dann alles ein wenig anschauen. 19. August. Nach dem Frühstück sind wir alle zum Strand gegangen, haben dort unsere Liegen bekommen und es uns gemütlich gemacht. Später haben wir einen Spaziergang gemacht, und anschließend gab es eine Plantschparty im Meer. Nach dem Mittagessen ist ein Teil der Gruppe an den Strand gegangen, der andere blieb im Schwimmbad zurück. Nach dem Abendessen sind wir mit einer Fähre über den Fluss zur anderen Seite gefahren. 20. August. Bevor wir an den Strand gingen, haben alle noch schnell etwas getrunken, es war ja ziemlich heiß. Dann sind wir über die Straße gegangen, und schon waren wir


bei unseren Liegen. Das Wasser war schön warm und angenehm. 21. August. Heute fuhren wir eine ganze Stunde lang Tretboot. Wir hatten sehr viel Spaß. Am Nachmittag gingen wir wieder an den Strand. Wer wollte, konnte auch im Schwimmbad bleiben. Am Abend sind wir ein bisschen zur Animation gegangen. 22. August. Heute Morgen haben wir Patrizio in unser Reisebüro begleitet, und anschließend sind wir an den Strand gegangen. Das Wasser war heute etwas kühler als sonst, aber wir hatten trotzdem viel Spaß. 23. August. Nach dem Frühstück ging es an den Strand. Das kühle Nass tat uns allen sehr wohl. Wir sind viel geschwommen und haben jede Menge geblödelt. Nach dem Mittagessen haben wir ein wenig gerastet. Am Abend gab es eine Musikveranstaltung, die mir aber nicht so gefallen hat. 24. August. Am Vormittag gingen wir an den Strand. Am Nachmittag sind wir zum Leuchtturm gegangen und haben dort auf das große Schiff gewartet, das uns nach Rimini und wieder zurück brachte. Es gab Fisch, Brot und Pommes zu essen. Um das Schiff kreisten Möwen, die wir fütterten. Das war toll! 25. August. Heute hatten wir sehr viel Spaß im Meer. Wir steckten uns gegenseitig ins Wasser. Am Nachmittag hatten wir es noch viel lustiger.


Wir hatten eine Luftmatratze, auf der Patrizio lag. Immer wieder kippten wir sie um, und Patrizio flog kopfüber ins Wasser. Auch Martina wurde immer wieder ins Wasser getaucht. Schließlich hat die Luftmatratze den Geist aufgegeben. Schade! Am Abend sind wir mit einem kleinen Zug eine Runde gefahren. 26. August. Am Morgen schien uns die Sonne ins Zimmer. Aber während des Frühstücks fing es plötzlich an zu regnen und zu donnern. So beschlossen wir, in die Stadt zu fahren. Dort kaufte ich mir ein paar Ansichtskarten, schrieb sie und verschickte sie sogleich. Am Nachmittag fuhren wir in das große Einkaufszentrum. 27. August. Heute sind wir nach San Marino gefahren. Vom Hotel haben wir Brötchen und Mineralwasser mitbekommen. Zu Mittag haben wir in einem Bergrestaurant zu Mittag gegessen. Anschließend haben wir ein Museum angeschaut. Es war ein schöner Tag. 28. August. Heute Morgen ging es wieder an den Strand. Wir hatten sehr viel Spaß im Wasser. Nach dem Mittagessen ging ich mit Patrizio und Siegfried Taucherbrillen kaufen. Dann konnte der Spaß weitergehen. Am Abend haben wir mit dem Fahrrad ein paar tolle Runden gedreht und sind erst spät ins Bett gegangen. 29. August. Nach dem Frühstück sind wir an den Strand gegangen und haben uns im Wasser ausgetobt.


Wir hatten sehr viel Spaß. Unser Gruppenleiter hatte immer wieder neue Ideen und Späße auf Lager. Am Abend haben wir zu Fuß eine Runde gedreht. 30. August. Zenzi, Sieglinde, Siegfried, Anna und Martina sind Tretboot gefahren. Die anderen blieben mit Patrizio am Strand zurück. Vom Boot aus konnte man über eine Rutsche ins Wasser tauchen. Das hat Spaß gemacht! Der ganze Tag war wieder super toll! Am Abend sind wir noch spazieren gegangen. 31. August. Über Nacht hat es geregnet. Nach dem Frühstück haben wir unsere Koffer gepackt, weil die Heimreise anstand. Wir haben uns sehr gut erholt, und das Essen hat uns auch immer gut geschmeckt. 1. September. Heute sind wir schon um 7 Uhr aufgestanden. Wir packten den Rest in unsere Koffer und gingen frühstücken. Pünktlich um 8 Uhr stand unser Bus vor dem Hotel. Das Gepäck wurde aufgeladen, und ab ging die Rückreise Richtung Bozen. Um 14.30 Uhr sind wir dort angekommen. Ein schöner Urlaub war zu Ende! Ein herzliches Dankeschön an Clarissa, Lisa, Martina und Patrizio! Anna Steinkasserer


Mein Urlaub in Numana

Der Urlaub ging vom 29. Juli bis zum 12. August. Wir sind um 9.15 Uhr bei der Kohlerer Seilbahn in Bozen gestartet. Als wir in Numana ankamen, wurden wir in verschiedene Bungalows eingeteilt. Das Abendessen war um 20 Uhr. Da die Reise lange gedauert hat, haben wir lange ausgeschlafen. Nach dem Fr端hst端ck holten wir in den Bungalows unsere Sachen und machten uns auf den Weg zum Schwimmbad. Als wir dort ankamen, mussten wir unsere Eintrittskarten zeigen. Wir gingen sofort ins Schwimmbecken. Nach einigen Minuten kam schon der Pfiff vom Bademeister. Wir mussten alle raus


aus dem Schwimmbad. Wir holten unsere Badehauben und gingen wieder ins Wasser. Nach dem Mittagessen gingen wir in unsere Zimmer und machten eine kleine Pause. Nach dem Rasten machten wir uns auf den Weg zum Strand. Als wir dort ankamen, cremten wir uns alle ein. Das Meerwasser war unruhig, Elisabeth ging mit mir ins Wasser. Wir machten auch eine Boccia-Runde. Am Abend nach dem Essen gingen wir das erste Mal tanzen. Das war toll und amüsierend! Müde wurden wir auch, und so gingen wir heim und gleich ins Bett. Am nächsten Tag machte ein Teil von der Gruppe einen Stadtbummel, die anderen gingen ins Schwimmbad. Zu Mittag war die Gruppe wieder komplett. Heute machte die andere Gruppe, die das letzte Mal im Schwimmbad war, einen kleinen Ausflug. Wir machten vom Hafen von Numana aus eine Schifffahrt. Es ging turbulent zu! Wir kamen an zwei Bergen vorbei, die „Due Sorelle“ hießen. Mein Bruder Konrad und seine Frau Barbara besuchten mich am Strand. Ich bin mit ihnen etwas trinken gegangen. Am nächsten Tag habe ich mit ihnen zu Abend gegessen. Sie holten mich ab und brachten mich wieder zurück. Auch heuer hatte ich wieder zwei herrliche Meerwochen. Das gesamte Essen schmeckte mir sehr gut. Schade, dass die Meer-


wochen schon vorbei sind. Wir sind heute am Vormittag noch ins Schwimmbad gegangen, und am Nachmittag haben wir Koffer gepackt und sind noch für eine Weile zum Strand gegangen. Später gingen wir duschen und anschließend zum Abendessen. Wir gingen noch kurz Musik hören und zum Schluss in die Bungalows zurück. Wir setzten uns im Kreis zusammen und erzählten vom schönen Urlaub. Das Meer ist meine zweite Heimat geworden, und die Betreuer sind meine zweite Familie. Veronika Psaier


Wallfahrt nach Maria Weißenstein

Für den 5. Mai organisierte der Arbeitskreis Eltern Behinderter eine Wallfahrt nach Maria Weißenstein. Die frühere Präsidentin Gertrud Calenzani hat alles bestens organisiert. Es sind viele der Einladung gefolgt. Am Nachmittag um 14 Uhr feierte unser Bischof Ivo die heilige Messe. Es war eine schöne Messfeier. Nach der Messfeier versammelten wir uns auf dem Platz hinter der Kirche. Wir freuten uns, dass der Bischof zu uns kam. Er redete mit uns, und wir machten mehrere Fotos mit ihm. Dann verabschiedeten wir uns von ihm. Er gab mir die Hand, und wir gingen in das nahe Gasthaus. Es war kühl, und es regnete. Wir stärkten uns mit Kaffee oder Schokolade und Kuchen. Wir sprachen auch über die schöne Predigt und waren froh, dass wir nach Weißenstein gefahren sind. Zenzi Stockner


So ein Spaß am Gardasee!

An einem Samstagmittag ist die Reise von Bozen aus gestartet. Mit vielen lustigen Teilnehmern und Betreuern. Wie wir in Peschiera angekommen sind, haben wir unsere Koffer und Rucksäcke aus dem Bus herausgeholt. Inzwischen hat uns die Leiterin im Büro in unserer Nähe angemeldet. Anschließend haben wir für die Bungalows die Schlüssel bekommen. Die armen und hilfsbereiten Betreuer haben unsere Koffer getragen. Wie nett! Wir haben es uns dann im Bungalow sehr gemütlich gemacht. Es gibt sehr viel zu essen. Am nächsten Tag sind wir an den Strand und am Nachmittag ins Schwimmbad gegangen. Danach am Abend ist eine Gruppe zu einem kleinen Markt gegangen. Und am nächsten Vormittag sind wir auf den Markt gegangen und haben dort die verschiedenen Ständchen angeschaut. Am Nachmittag sind wir dann ins Schwimmbad gegangen. Und am Abend ist eine Gruppe von uns zu einem großen Platz gegangen, um einen Karaoke-Auftritt anzusehen. Dort kommen die Jugendlichen auf die Bühne und singen dann die englischen Liedtexte vor einer Leinwand vor. Am nächsten Vormittag sind wir zum Strand gegangen und haben es uns dort gemütlich gemacht.


Ein paar von uns sind mit zwei Tretbooten auf den Gardasee gefahren. Die andere Gruppe hat Boccia gespielt und Rätsel aufgelöst. Wie üblich sind wir am Nachmittag ins Schwimmbad gegangen. Nach dem Abendessen haben wir uns den Sonnenuntergang angesehen. Der ist so wunderschön rubinrot. Am nächsten Vormittag haben wir vom Kellner unser Mittagessen in einem Sack bekommen, weil wir am selben Tag mit dem Bus zum Movieland gefahren sind. Dieser Bus ist so steckvoll von Menschen gewesen. Mir hat der Fahrer leidgetan, weil er die Fahrgäste, die schon längst gesessen sind, brüllend aufgefordert hat aufzustehen. Nur so haben wir freie Plätze bekommen. Im Movieland haben wir uns ein bisschen umgeschaut, was wir machen können. Am Anfang habe ich einen Zauberer gesehen, der so wie Harry Potter ausgesehen hat. Anschließend haben wir dann eine Musikshow angeschaut. Später gab es Route66, Magma2 avventuroso viaggio sui maestosi camion, ZorroShow und Tomb Rider Machine. Am nächsten Vormittag ist eine Gruppe am Strand geblieben. Meine Betreuerin und ich haben ein Fahrrad ausgeliehen und eine Radtour gemacht. Am selben Tag am Nachmittag sind wir ganz gemütlich beim Bungalow geblieben. Dann haben wir einen kurzen Besuch im Schwimmbad gemacht. Am folgenden Vormittag haben wir einen Stadtbum-


mel gemacht. Später bin ich mit einer kleinen Gruppe zum Fitness-Studio gegangen, um zu turnen. Anschließend haben wir für eine abendliche Party eingekauft. Beim ersten Bungalow hat es dann begonnen, und ich bin überrascht gewesen, dass sie meinen Namenstag gefeiert haben, mit verschiedenen Luftballons, Musik, Spielen. Wir haben auch ein Würfelratespiel, Apfelbeißenwasserspiel mit Sekunden, die schnelle Schokoladenschlacht und Stille Post gespielt. Das ist sehr lustig! Bei einem Regentag am folgenden Vormittag haben wir eine Schifffahrt nach Garda gemacht. Dort haben wir ein bisschen eingekauft. An einem Sonntag ist eine mittelgroße Gruppe ins Dorf zur Messe gegangen. Am nächsten Tag sind wir dann ins Dorf, um einen Markt anzusehen. Leider ist es nicht gegangen, weil es geregnet hat. Und so haben wir in einer Bar etwas getrunken. Dort haben wir zwei Händespiele im Sitzen gemacht. In der Mittagszeit sind wir dann mit dem Ta-


xibus zu unserem Bungalow zurückgefahren. Am Nachmittag ist eine Gruppe spazieren gegangen, die andere etwas trinken und Post aufgeben und die nächste ins Fitness-Studio. Die letzte ist im Bungalow geblieben. Heute haben wir das Aquarium Seadlife angeschaut. Und zwar sehr viele Fischarten. Danach haben wir einen Seehund gesehen, der wunderschön schwarz war. Ein Mann hat mit dem Seehund ein paar Kunststücke vorgeführt. Anschließend haben wir bei der Fütterung von mittelgroßen Haien zugeschaut. Zum Schluss sind wir noch einmal zum Strand, um einen Spaziergang zu machen. Bei einer Strandbar haben wir erzählt, wie es uns in diesen Urlaub gefallen hat. Leider ist auch der letzte Tag gekommen. Und dann geht es ab nach Bozen mit dem Bus. Mir hat dieser Urlaub sehr gut gefallen, und auch das Programm ist toll gewesen! Verena Elisabeth Turin


Wanderung ins Villnösstal

Am 2. September fuhren wir von Kulturverein nach Villnöss zum Wandern. Wir fuhren mit dem Auto. Wir waren zu sechst. Es waren zwei Leute vom Fugger Sterzing, meine Freundin, ich und die zwei Betreuer/innen. Wir fuhren zum Zanser Parkplatz. Dort gingen wir noch etwas trinken und warteten auf meine Freundin. Danach gingen wir das Gehege anschauen. Dann wanderten wir bis zur Kaserillhütte. Und nachdem es dort erst 11 Uhr war, entschieden wir uns, weiterzugehen bis zur Gampenalm. Aber wir sind anstatt bei der Gampenalm bei der Lochalm gelandet. Es war mittlerweile 12.15 Uhr. Dort entschieden wir uns, nur etwas zu trinken zu bestellen. Und danach bei der Kaserillhütte etwas zu essen. Um 12.30 Uhr starteten wir und wanderten wieder zurück zur Kaserillhütte. Dort aßen wir etwas. Später wanderten wir zurück zum Parkplatz. Von dort fuhren wir glücklich nach Hause. Zum Glück wurde im Laufe des Tages schönes Wetter. Ich freue mich schon auf das nächste Mal. Karin Pfeifer


Eingeladen am Moarleitnerhof

Am 23. September trafen wir Brixner uns bei der Agip-Tankstelle um 10 Uhr. Dort kam uns der Bus Silbernagl abholen. Dort saßen schon die Unterlandler drinnen. Wir fuhren dann zusammen nach St. Lorenzen, um den Moarleitnerhof zu besichtigen. Wir kamen gegen 11 Uhr an. Da der Bus nicht ganz zum Moarleitnerhof hinauffahren durfte, mussten wir ein Stück zu Fuß gehen, aber das war für uns überhaupt kein Problem. Als Vorspeise gab es Streichbrote. Wir bekamen zu Mittag Kartoffelsalat, Karotten, Zucchini mit Fleisch oder Würstchen. Danach gab es eine Kräuterführung, die sehr interessant war. Danach zeigte uns der Mann vom Hof noch sein Labor, wo er die verschiedenen Kräuter und Tees aufbewahrt hat. Zum Schluss gab es noch leckere Kuchen. Und dann kam uns auch noch Elda Letrari besuchen. Ich und alle anderen, wir freuten uns wahnsinnig. Gegen 15.30 Uhr fuhren wir von St. Lorenzen zurück nach Brixen. Karin Pfeifer


Volterra: Tournee einmal anders

27. Juli. Gegen 9.45 Uhr hieß es für 4 Schauspieler und 2 Begleitpersonen „Auf nach Volterra in die Toskana!“ Wie bei Auftritten üblich, blieb auch diesmal die Spannung nicht auf der Strecke. Um die Reisezeit etwas unterhaltsamer zu verbringen, sorgten die Schauspieler selbst für etwas Auflockerung. Gegen 15.30 Uhr wurde das Ziel erreicht, und die gesamte Truppe konnte sich einquartieren. Für etwas mehr Entspannung sorgte das gemütliche Ambiente mit Liegestühlen und Schwimmbad. In einem nahe liegenden Restaurant wurde das Abendessen eingenommen. 28. Juli. Nach einem gemütlichen Frühstück ging es in die Stadt zur Besichtigung und Akklimatisierung des Aufführungsorts. Da es nicht so ganz ohne Probleme verlief, mussten wir kurzfristig unsere Bühne ins Foyer des Theaters verlegen. Nach zwei etwas mühsamen technischen Proben am Nachmittag fand eine unvorhergesehene Aufführung bereits um 17 Uhr statt. Diese war für alle Teilnehmer einer Theaterwerkstatt unseres Regisseurs geplant. Gleich anschließend um 18.30 Uhr lief die nächste Aufführung für öffentliches Publikum über die Bühne. Von geschafft über glücklich bis gerührt fand auch dieser anstrengende Tag sein Ende. 29. Juli. Ein weiterer Entspannungstag stand auf dem Programm. Da in dieser Gegend einige Geschäfte auch sonntags geöffnet haben, stand am Vormittag eine Shoppingtour an. Ein Geschäft mit Alabasterprodukten war besonders interessant. Trotz außergewöhnlicher Geschäftszeiten waren wir imstande, einen Sack Alabasterpulver zu erhalten. Dieses Pulver kann auch zu künstlerischen Zwecken verwendet werden. Der restliche Tagesablauf verlief wiederum in unserer Unterkunft, wo am letzten Abend auch gespeist wurde. 30. Juli. Der letzte Tag der Reise war ziemlich heiß, wobei wettermäßig meistens die Sonne das Sagen hatte. Die Rückreise wurde gegen 9.30 Uhr


angetreten. Da an diesem Tag die M端digkeit im Vordergrund stand, wurde im Auto ziemlich viel geschlafen. War dies nicht der Fall, so wurde gescherzt und gelacht. Gegen 15.30 Uhr waren wir wieder in Bozen. Die gesamte Reise war beeindruckend und unvergesslich. Melanie Goldner


Fußball in Bozen-Gries

Am 15. September trafen sich aktive Fußball-Liebhaber/innen aus weiten Teilen Südtirols bei herrlichem Herbstwetter in Bozen-Gries zu ihrem traditionellen Turnier der Lebenshilfe, das spannender denn je verlief. Jede Mannschaft konnte bis kurz vor Schluss von der Goldmedaille träumen. Letztlich waren es die Blauen Blizzards, die sich mit einem knappen Sieg im Finale den höchsten Podiumsplatz sicherten. Ein herzliches Dankeschön an das Kloster Muri Gries, das uns auch heuer wieder den Platz gratis zur Verfügung stellte, besonders an Frater Otto, Frau De Paoli und Frau Livia für die Zusammenarbeit in der Phase der Organisation sowie an den Hausmeister Matthias für die aufwändige Arbeit, die er für uns neben dem Platz verrichtete. Einen goldenen Pokal für das Kloster Muri Gries! Dietmar Dissertori Alfred Hermeter


Vorrunde Blaue Blizzards – Grüne Geparden 0:0 Weiße Wölfe – Azure Adler 2:0 Grüne Geparden – Azure Adler 2:1 Blaue Blizzards – Weiße Wölfe 1:0 Den Grünen Geparden und den Blauen Blizzards genügt in den Semifinals ein Unentschieden für den Einzug ins Finale Semifinals Weiße Wölfe – Grüne Geparden 2:0 Blaue Blizzards – Azure Adler 1:0 Finale Blaue Blizzards – Weiße Wölfe 1:0


Lesen Sie hier weitere drei Texte, die Peter Rechenmacher im Kunstatelier in der Lebenshilfe in Schlanders in Begleitung von Kurt Hofer geschrieben hat. Das Kunstatelier wird von der Integrierten Volkshochschule (IVHS) Vinschgau organisiert und finanziert. Die Redaktion


Mein Arbeitsplatz Hoppe in Laas

Ich bin gerade von der Arbeit bei der Hoppe heimgekommen. In der Früh um 8.45 Uhr fahre ich mit dem öffentlichen Bus nach Schlanders. Oft ist Herbert, unser Betreuer, mit dem Kleinbus von der Lebenshilfe schon bei der Bushaltestelle. Wenn er nicht hier ist, muss ich zum Haus der Lebenshilfe gehen. Dann fahren wir zusammen bis nach Laas zur Hoppe. Wir sind zu viert: Matthias, Armin, Christian und ich. Wir ziehen uns die Arbeitsschürzen und die Arbeitsschuhe an, und dann geht die Arbeit los. Wir werden jeden Tag freundlich empfangen und begrüßt. Um 10 Uhr haben wir schon die erste Pause, und um 12 Uhr gehen wir gemeinsam zu Mittag essen. Wir haben einen fleißigen Koch, der uns jeden Tag mit einem besonderen Essen verwöhnt. Nach dem Essen machen wir immer noch ein kurzes Kartenspiel. Um 15 Uhr fahren wir schon wieder heimwärts bis zur Lebenshilfe in Schlanders. Ich fahre dann mit dem Bus bis Morter. Am Samstag haben wir immer frei. Das ist für mich gut, denn so kann ich den Mesnerdienst auch noch bewältigen. Wir kennen in der Firma jetzt alle Arbeiter, und die Vorgesetzten sind nett und freundlich zu uns. Wir haben immer etwas zu reden und zu lachen. Fast jeden Tag machen wir Feuerschutztüren. Aber jeder Tag ist anders. Es ist immer etwas los. Es ist nie langweilig. Ich freue mich alle Tage, dass ich in der Hoppe arbeite. Lukas Graiss


Unser Filmkurs

Am 6. Oktober hat der Filmkurs mit der Referentin Anke Riester, Studentin der Filmakademie Zelig, in der Lebenshilfe angefangen. Wir lernen, wie man mit der Filmkamera umgeht. Wir haben sogar probiert, uns gegenseitig zu filmen. Wir haben auch die Gelegenheit, unsere Themen auszuwählen. Am 17. Oktober haben wir gelernt, die Räume zu filmen. Ich habe eine Woche Zeit, mein Thema „Freizeit“ zu filmen. Am 24. Oktober haben wir die Videokamera mitgenommen, weil Anke dann geschaut hat, wie wir gefilmt haben. Unsere Filme sind am 3. Dezember zum Internationalen Tag für Menschen mit Behinderung veröffentlicht worden. Tommy Bristot


Einmal gedreht, nie wieder vergessen …

Wer geht nicht gern ins Kino, um sich einen Film anzusehen? Ich glaube, jeder findet etwas nach seinem Geschmack. Aber es haben sich sicher nur wenige von uns gefragt, wie viel Arbeit dahinter steckt, um einen Film entstehen zu lassen. Diese Erfahrung konnte ich dank „Lass’ springen, Baby“ machen. In dieser deutsch-schweizerischen Produktion handelt es sich um einen Jungen, seit einem Unfall im Rollstuhl, der nicht ins Heim gesteckt werden will und aufgrund dessen mit drei Kollegen einen Tankstellenüberfall plant. Hiermit wollen die zwei Regisseure zeigen, dass auch Menschen mit Beeinträchtigung imstande sind, Aktionen dieser Art zu starten. Für diesen Film wurden Theaterszenen verändert und angepasst. So kam auch ich zum ersten Mal zum Zug, Hamlet-Zitate in Szene zu setzen. Shakespeare fasziniert mich seit meinen Schulzeiten. Ich finde es vorteilhaft, dass man beim Film eine misslungene Szene wiederholen kann. Es ist sehr aufregend, eigene Erfahrungen mit anderen Schauspielern auszutauschen und zu teilen. Das ganze Team wuchs mir im Laufe der Dreharbeiten ans Herz. Ich kann es jetzt schon kaum erwarten, die Crew bei der SüdtirolPremiere wieder zu sehen. Diese wundervollen Tage werde ich nie wieder vergessen. Melanie Goldner


… I wanna dream on!

Welch eine Bombenstimmung kam am 16. November im Forum Brixen auf, als einige Musical-Darsteller für drei Stunden die Band Queen unter dem Titel „Rock the Queen“ geehrt haben. Ich konnte mir wieder einmal einige Schauspiel- und Tanztipps abschauen. Natürlich war ich von den diversen Bühneneffekten hin und weg, auch wenn diese manchmal durch Stimmen etwas lauter wirkten. Die Choreografien haben mich alle mitgerissen, so dass ich am liebsten selbst auf die Bühne wollte. Bei Hits wie „I want it all“, „I want to break free“, „We will rock you” und “We are the Champions” wurde meine Sing- und Tanzlust besonders hervorgehoben. Einen Riesenrespekt dem gesamten Team! Schauspiel, Gesang und Tanz sind nicht leicht unter einen Hut zu bekommen. Nichtsdestotrotz kannte man den Schauspielern den Spaß an, denn es wurde gerockt, was das Zeug hielt. Dies war für mich eine Bestätigung, dass ich bald wieder auf die Bühne zurück möchte. Melanie Goldner


Vier Personen suchen Freundschaften

Ich suche einen Freund. Ich bin Sabine, 27 Jahre alt, und wohne in Neumarkt. Ich arbeite im Kindergarten. Ich habe schöne blaue Augen, braunes Haar und trage eine Brille. Ich habe Down-Syndrom. Meine Hobbys sind: Radfahren, Schwimmen, Gameboyspielen, Reiten und Kartenspielen. Ich höre auch gerne Volksmusik, Schlager und Herzmusik. Dann male und zeichne ich noch gerne. Ich gehe auch gern mit Freunden aus (Disko) und ins Kino. Mein Freund sollte ehrlich, sportlich, zuverlässig und treu sein. Er sollte mit mir kuscheln und mich verstehen. Er sollte keinen Alkohol trinken und mich nicht betrügen. Ich würde mich freuen, wenn du anrufst, um mich kennen zu lernen. Meine Telefonnummer ist: 0471 812058. Ich bin Jürgen und komme aus Graun. Ich bin 16 Jahre alt und suche eine Freundin für die Freizeit. Meine Hobbys sind: Reiten, Radfahren, Schwimmen, Kochen und Tiere züchten. Meine Freundin sollte blond, intelligent, gleichaltrig und schön sein. Auch sollte sie Lust haben, mit mir Ausflüge zu machen. Meine Telefonnummer ist: 0471 880085.


Ich suche einen E-Mail-Partner oder eine E-Mail-Partnerin. Ich bin Hermann und 30 Jahre alt. Ich habe braune Augen und dunkles Haar. Ich trage eine Brille und habe einen Rollstuhl. Ich wünsche mir viele positive Kontakte zu Gleichgesinnten, die auch im Rollstuhl sind. Denn nur sie können verstehen, wie ich mich manchmal fühle. Meine Hobbys sind: Computer, Schlager und Rockmusik. Ich höre aber auch viele andere Arten von Musik. Ich bin gerne unter Menschen und knüpfe gerne Kontakte. Ich würde mich freuen, Zuschriften zu bekommen. Ich warte auf euch. Meine E-Mail-Adresse ist: friendby.smile@rochetmail.com Ich suche einen Freund. Ich bin Marion und 21 Jahre alt, wohne in Auer und arbeite im Kindergarten. Ich habe wunderschöne blaugraue Augen, rotgoldenes Haar und trage eine Brille. Meine Hobbys sind: Lesen, Fußballspielen, Puzzlespielen, Zeichnen und Musikhören. Ich wünsche mir einen Freund, der ehrlich und aufrichtig ist, der zuhören kann, der mich so nimmt, wie ich bin. Der nicht türmt, wenn es Probleme gibt, sondern mit mir diskutiert und nicht nur ein Abenteuer sucht. Er sollte keinen Alkohol trinken und sich nicht schämen, mit mir auszugehen. Meine Telefonnummer ist: 333 9979240.


Besuch von Mike

Heute hatten wir einen Gast aus Ibiza. Monika hatte einen DJ eingeladen. Wir haben viel Musik gehört, er hat uns alles erklärt, wie man Musik remixen kann. Es gibt viele Arten von Musik, und Mike hatte so viel Geduld mit uns, um alle Fragen zu beantworten. Dann durfte sich jeder eine Musikrichtung aussuchen, und er spielte sie für uns. Wir haben Kekse gegessen und machten später viele Fotos. Wir hatten viel Spaß, und wir hoffen, dies bald wieder zu erleben. Wir freuen uns auf DJ Mike Cees, wenn er uns wieder besucht oder wir seinen Auftritt erleben dürfen. Die Gruppe „Pyramide“, Auer


Hallo liebe Leute …

… wie geht es euch? Es ist wunderschön, dass es Menschen mit Lernschwierigkeiten überhaupt im Leben gibt. Ich habe zwar Down-Syndrom und kann nicht alles gleichzeitig merken und tun und rechnen. Aber ich leide nicht unter Down-Syndrom. Was ich nicht hören möchte, ist Invalide, Schimpfwörter und Streitgespräche. Ich bin kurzsichtig und trage deshalb eine Brille. Leider kann ich die kleinsten Wörter nicht lesen. Dabei nehme ich die Brille, um Bücher zu lesen, zu Hilfe. Ich suche meine Freunde selbst aus. Für mich ist das sehr wichtig. In meiner Freizeit treffe ich mich mit Freunden, gehe in die Bibliothek, schreibe Briefe und Berichte, sehe fern, höre Musik, singe und tanze. Ab und zu lese ich auch Bücher. Meistens nasche ich auch Chips und ein Glas Nutella mit einem Löffel und trinke Cola, Fanta, Spuma oder Limonade dazu. Ich weiß, dass es dick macht. Aber genau das Ungesunde schmeckt mir so gut. Eigentlich bin ich mit meinem Leben zufrieden. Auch wenn ich eine Frau mit Lernschwierigkeiten bin. Und trotzdem habe ich sehr vieles gelernt. Verena Elisabeth Turin


Der Winter …

… ist die vierte Jahreszeit. Er bringt uns Kälte und Schnee, aber auch besinnliche Tage und eine schöne Zeit. Wir Menschen holen unsere warme Kleidung aus dem Schrank und heizen den Ofen an. So ertragen wir die Kälte besser. Die Waldtiere und die Vögel, die hier geblieben sind, tun sich schwer, Futter zu finden, besonders, wenn viel Schnee fällt. Sie werden dann oft von den Menschen gefüttert. Für die Kinder ist der Winter eine schöne Zeit. Sie sind glücklich über den Schnee und freuen sich, wenn sie rodeln oder eine Schneeballschlacht machen können. Der Winter ist schön, besonders auch, weil er uns die besinnlichste Zeit im Jahr bringt. Er bringt uns Weihnachten. Es ist das Fest der Geburt unseres Erlösers. Wir Menschen sollten uns darüber freuen. Simone Niedermair


M T I AT G E LA Z I N

Erlebnistag auf Marinzen Eine gemeinsame Initiative von Lebenshilfe, Extreme24 und Fischereiklub Schlern

Wie seit 2005 jedes Jahr luden der Verein Extreme24 und der Fischereiklub Schlern auch heuer wieder die Mitglieder des Lebenshilfe-Bezirks Schlerngebiet zum Grillfest auf Marinzen ein. Umrahmt von den volkstümlichen Klängen der Böhmischen gab es herzlich zubereitete Grillspezialitäten. Es wurde diskutiert und gekartet, und wer wollte, konnte mit Helmuth einen Rundritt entlang des Weihers machen. Nach dem Mittagessen begab sich so mancher Hobbyfischer ans Ufer des Weihers, wo die Profis beim Umgang mit der Angelrute behilflich waren. Es lag nicht am falschen Köder oder gar an mangelndem Können, dass an diesem Samstag im August nur wenige Fische anbissen: es war einfach zu warm. Umso größer war die Freude über jeden Fang, der an Land gezogen wurde. Als Tagessieger wurde Arnold Karbon gefeiert, doch auch jeder andere war ein Gewinner an diesem Tag. Mit den besten Glückwünschen verabschiedeten wir uns am späten Nachmittag von unseren Gästen mit dem Wunsch auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr. Der Ausdruck ihrer Freude am Erlebten war ihr Dank.

Ein aufrichtiges Vergelt’s Gott der Marinzen GmbH für die Freikarten, Helmuth Prossliner und seinen Begleitern für die geführten Ritte, der Musig und den Schnolzern für die Umrahmung, der Bäckerei Trocker für das Brot, dem Hotel Alpenroyal für die Saucen, der Europa-Frieda für den Kuchen, der Firma Gross für die Getränke, dem Hotel Baumwirt für den Grill, den Grillmeistern Maria Luise und Albert sowie der Raiffeisenkasse für die Zelte. Verein Extreme24 Fischereiklub Schlern

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M T I AT G E LA Z I N

Das Sommerfest in St.Vigil in Enneberg … … mit Manuela und Manfred Mölgg am 14. Juli

Nachdem unsere liebe Edith Lageder im März allzu früh verstorben war, mussten wir befürchten, dass die von ihr im letzten Jahrzehnt im Pustertal organisierten Freizeitveranstaltungen nie wieder stattfinden würden. Doch ihre Schwiegertochter Marianne fasste sich ein Herz und organisierte im Gedenken an ihre Schwiegermutter für die Lebenshilfe ein schönes Sommerfest mit den Geschwistern Mölgg. Treffpunkt war das Naturparkhaus in St. Vigil in Enneberg. Pünktlich um 10 Uhr waren auch schon die Geschwister Mölgg da, welche die nach und nach eintreffenden Mitglieder unserer Sport- undFreizeit-Gruppen aus dem Wipptal, dem Eisacktal und aus Bozen/Unterland begrüßten. Es kamen insgesamt rund 100 Personen, Mitglieder, Familienangehörige und Begleiter/innen eingeschlossen. Diese wurden dann in mehrere kleine Gruppen aufgeteilt und von drei Forstbeamten sowie von Manuela und Manfred durch das Parkhaus geführt. Es gab viel Wissenswertes zu sehen und zu erfahren, 78


was das Weltkulturerbe Dolomiten angeht, von deren Entstehen und deren Beschaffenheit über die darin lebende Flora und Fauna bis hin zum neuesten Gadertaler Fund, dem Höhlenbären Ursus Ladinicus. Danach gab es ein zum Thema Natur passendes lustiges Rätselspiel. Es ging darum, die in jeweils einem von vierzehn Leinensäckchen enthaltenen Gegenstände (Reiskörner, Tschurtschen, Steine, Holzteile, Nudeln usw.) nur mittels Tasten zu erkennen und die Lösung auf den vorgefertigten Ratebogen zu schreiben. Für jeden erkannten Gegenstand gab es einen Punkt. Anschließend führten uns Manuela und Manfred über eine vom Naturparkhaus ausgehende etwa halbstündige Themen-Rundwanderung. An den verschiedenen Rastgelegenheiten des Wanderwegs sind Tafeln angebracht, welche die alten ladinischen Fanes-Sagen in Kurzform beschreiben und bildlich darstellen. Es kam die Mittagszeit, und so begaben sich die Teilnehmer/innen nach und nach zu dem in St. Vigil aufgebauten Festzelt, wo es für jeden eine köstliche Pastasciutta und eine Nachspeise gab. Ein originelles Musikduo aus St. Vigil unterhielt dabei die Gesellschaft mit Volks- und Tanzmusik. Nach den Abschlussreden von Manuela und Manfred Mölgg, des Bürgermeisters Albert Palfrader und von Marianne Lageder sowie den Dankesworten von Paola Amort, Präsidentin der Lebenshilfe, und Karl Pichler, Präsident der Lebenshilfe-Sektion Sport, stellten sich alle zu einem Gruppenfoto auf. Danach erhielt jeder eine Losnummer für einen Sachpreis. Die Nummern wurden aufgerufen, und jeder erhielt das der Nummer zugeordnete Geschenk. Der fröh-

liche Erlebnistag, an dem uns auch das Wetter gut begleitet hatte, ging gegen 16 Uhr zu Ende. Die Lebenshilfe bedankt sich mit allen Teilnehmer/ inne/n bei Marianne Lageder für die freiwillige Organisation und bei den Geschwistern Mölgg, denen wir für die laufende Skisaison viel Erfolg und Gesundheit wünschen. Ein Dank auch den Forstbeamten, dem Musikduo, dem Kochteam und allen Gönnern und Sponsoren für die vielen Sachpreise sowie für die Bereitstellung von Speis und Trank. Ein Danke auch dem Oldtimerklub Pustertal für die schon seit vielen Jahren erhaltene Unterstützung. Franz Hofer Karl Pichler

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M T I AT G E LA Z I N

Ein Dankeschön … … für die Einladung zum Spatzen-Fest

„Noch größer als der Everest ist das KastelrutherSpatzen-Fest, ein Berg, der hört am Gipfel auf, die Stimmung steigt noch höher rauf …“ Diese Zeile aus einem der bekannten Spatzen-Hits beschreibt vortrefflich die Stimmung und die Emotionen unserer Gruppe des Café Prossliner der Lebenshilfe in Auer, die das Kastelruther-Spatzen-Fest besuchen durfte. Durch das großzügige Entgegenkommen des Organisators Richard Fill, des Spatzen-Chefs Norbert Rier und der Freiwilligen Feuerwehr Kastelruth konnte Marlene Fischer, Leiterin des Café Prossliner, die Teilnahme am Spatzen-Fest für die Mitarbeiter/innen des Café, deren Angehörige und die Freiwilligen organisieren. Durch die perfekte Vorarbeit aller Beteiligten lief am Tag des Festes alles wie am Schnürchen. Schon als wir am frühen Vormittag in Kastelruth eintrafen, wurden wir über den Personaleingang ins riesige Festzelt, das später fast 10.000 Fans Platz bieten würde, eingelassen. Wir bekamen alle eine Ehrengast-Karte ausgehändigt, was uns riesig freute. Die gesamte Gruppe hatte das Gefühl, bei dieser Veranstaltung willkommen zu sein. Für einige von uns war es das erste Mal, dass sie sich auf dieser „Vorzugsschiene“ bewegen durften. Als bald darauf Vinzenz und Fernando als erste Vorgruppe die Bühne betraten und mit ihrer Musik unser leckeres Mittagessen untermalten, breitete sich in den Herzen große Freude aus. Das Mittagsessen und die Getränke, ebenso von der Freiwilligen Feuerwehr und den Organisatoren gesponsert, wurden von Annemarie Schenk, Sozialreferentin der Gemeinde Kastelruth, persönlich serviert. Passend zur Nachspeise rockten dann die urigen Mayrhofner, 80

und merklich stieg die Stimmung. Durch die mitreißenden Showeinlagen des Entertainers Hansi wurde die Fangemeinde auf den Auftritt der Spatzen vorbereitet. Als dann die Kastelruther Spatzen die Bühne betraten, gab es für viele kein Halten mehr, und auch einigen aus unserer Gruppe stand buchstäblich ins Gesicht geschrieben, wie sehr ihnen die Musik der Spatzen zu Herzen ging. Lied für Lied wurde dann auch mitgeschunkelt, mitgesungen und mitgetanzt. Dieser Ausflug und das Spatzen-Fest als solches haben in unserer Gruppe einen sichtbar bleibenden Eindruck hinterlassen, und einigen wurde der lang ersehnte Wunsch erfüllt, endlich den Spatzen von Angesicht zu Angesicht zu begegnen. Aus diesem Grund möchten wir uns nochmals aus tiefstem Herzen beim Organisator Richard Fill, bei der Freiwilligen Feuerwehr Kastelruth mit Kommandant Josef Silbernagl und der Sozialreferentin Annemarie Schenk sowie bei allen Beteiligten herzlichst bedanken. Ein besonders großes Dankeschön gebührt Norbert Rier und allen anderen Mitgliedern dieser außergewöhnlichen musikalischen Formation. Weiteres möchten wir all diesen liebenswerten Gastgebern für die Zukunft alles Gute wünschen, so dass wir aus den Liedern der Kastelruther Spatzen noch viele Jahre lang Hoffnung, Glück und Zufriedenheit schöpfen können. Das Team des Café Prossliner der Lebenshilfe in Auer


Die Mundarten Tirols (Nord-, Ost- und Südtirol) und des Salzburger Landes (und des dazugehörigen Chiemgauer Berglands)

Die im Titel angeführten Mundarten (zum Chiemgauer Bergland zählt das ganze Chiemgauer Gebiet zwischen dem Inntal über Ruhpolding, Inzell, Berchtesgaden bis zur Salzburger Landesgrenze) gehören zumeist zur bajuwarischen Gruppe. Nur das Lechtal (Außerfern) ist ziemlich alemannisch, ebenso das Oberinntal etwa ab Imst (im Oberinntal allerdings weniger stark spürbar). Das „obere Gericht“ (Landeck-Reschen) und auch der obere Vinschgau (etwa ab Laas) haben bereits einen deutlichen rätoromanischen Einschlag, der ostsalzburger Lungau besitzt hingegen einen steirisch-norischen Anklang. Besonders stark altbajuwarisch ist vor allem die Sarner Mundart (geradezu gotisch) geprägt. Nun folgen einige charakteristische Beispiele. Im Oberinntal: salber für selber, im Eisacktal: Bua für Bub, im Pustertal: Pfarro für Pfarrer, Kindo für Kinder, im Hochpustertal: Gaase für Geise (Ziegen), im

Südtiroler Unterland Keeler für Keller (also: das „e“ wird, falls betont, in die Länge gezogen), in der Kitzbüheler Gegend, im Chiemgauer Bergland und im Salzburger Land: ei-Anhängung an das Hauptwort: Jirgei für Georg, in der Kitzbüheler Gegend auch beispielsweise: Hausal für Balthasar, Bachei für Bacher (vermutlich) (Hofname), Lenei für Lena, Vrenei für Verena. Ich hoffe, dass die Leser/innen dieses Artikels sich trotz seiner relativen Kürze doch einen guten Überblick zu diesem Thema verschaffen können. Georg Königsangerer

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M T I AT G E LA Z I N

Urlaube 2012 mit der Lebenshilfe

Reise nach Barcelona

Kreuzfahrt im Mittelmeer

Reise nach Oberbayern

Reise nach Korsika

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Reise nach Sizilien

Reise nach Budapest

Reise nach Stockholm

Familientherapiewochen in Pfalzen 83


M T I AT G E LA Z I N

Familienseminarwochen in Cesenatico

Meerurlaub in Bellaria

Meerurlaub in Viserbella

Meerurlaub in Bibione

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Meerurlaub in Numana

Meerurlaub in Lido degli Estensi

Meerurlaub in Cesenatico

Meerurlaub in Cavallino

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M T I AT G E LA Z I N

Meerurlaub in Tortoreto Lido

Meerurlaub in Caorle

Meerurlaub in Caorle

Badeurlaub in Peschiera

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Wanderferien im Zillertal

Malferien in Kiens

Urlaub auf dem Bauernhof in Krieglach

Urlaub auf dem Bauernhof in Tieschen

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M T I AT G E LA Z I N

Wellnesswoche in Oberplanitzing

Mit freundlicher UnterstĂźtzung der

               

FĂźr die Zeit zwischen Anfang Juni und Ende September organisierte die Lebenshilfe auch im laufenden Jahr wieder zahlreiche Urlaube fĂźr Menschen mit Beeinträchtigung. Manche entschieden sich fĂźr einen Badeurlaub am Gardasee oder in einem von mehreren ausgewählten Badeorten an der Adria, andere genossen eine Wanderwoche im Zillertal, Urlaub am Bauernhof in der Steiermark, Kreativferien im Pustertal oder eine Wellnesswoche in Oberplanitzing. Besonders bei kulturinteressierten Personen beliebt sind die Reisen in Kleingruppen, die heuer nach Sizilien, Oberbayern, Korsika, Barcelona, Budapest und Stockholm sowie auf einem Dampfer quer durch das Mittelmeer fĂźhrten. Zusätzlich zu jenen Urlaubsangeboten, die ausschlieĂ&#x;lich an Menschen mit Beeinträchtigung gerichtet waren, fanden auch heuer wieder die zwei traditionellen Familienwochen in Cesenatico und in Pfalzen statt. Dieses Angebot wurde vor allem von Eltern genutzt, die noch kleine Kinder mit Beeinträchtigung haben. UnterstĂźtzung erhielten sämtliche Urlaubsteilnehmer/innen vor Ort von betreuungserfahrenen bzw. verbandsintern in einem speziellen Seminar geschulten Begleitpersonen. 88

Mehr als 200 Menschen mit Beeinträchtigung nahmen heuer an einem Urlaub mit der Lebenshilfe teil. Trotz dieser stattlichen Zahl mussten schon im Winter einige Interessierte auf die Warteliste gesetzt und am Ende mit dem Versprechen einer Teilnahme im nächstjährigen Sommer getrĂśstet werden. Interessierten Mitgliedern auf diese Weise ein allseits beliebtes und immer wieder mit groĂ&#x;er Vorfreude bedachtes Angebot vorenthalten zu mĂźssen, ist fĂźr die Lebenshilfe unbefriedigend. Noch um einiges sorgenvoller blickt die Lebenshilfe angesichts der gegenwärtigen gesamtgesellschaftlichen Situation in die Zukunft. Sie erachtet ihr Urlaubsangebot fĂźr Menschen mit Beeinträchtigung angesichts der groĂ&#x;en Nachfrage fĂźr ausbaubedĂźrftig, muss aber zur Kenntnis nehmen, dass das AusmaĂ&#x; an finanzieller UnterstĂźtzung von Seiten der Ăśffentlichen Hand nicht einmal die Aufrechterhaltung des Status quo sicherstellt. Der Verband wird von seiner Seite jedenfalls alles ihm MĂśgliche unternehmen, um Menschen mit Beeinträchtigung Angebote bereitstellen zu kĂśnnen, die auf begeisterte Resonanz stoĂ&#x;en. Dietmar Dissertori


G NE K M ETD T IA E ILAOZTI H

Apps für Menschen mit Beeinträchtigung

In den letzten Jahren hat die Nachfrage von Fachleuten und Eltern in Bezug auf den Einsatzbereich von Tablets und Apps für Menschen mit Beeinträchtigung stark zugenommen. Was ist ein Tablet? Ein Tablet-Computer oder Tablet-PC ist ein tragbarer, flacher Computer in besonders leichter Ausführung mit einem Touchscreen-Display, anders als beim Notebook ohne ausklappbare Tastatur. Aufgrund der leichten Bauart und dem berührungsempfindlichen Bildschirm zeichnen sich Tablet-PC durch eine einfache Handhabung aus. Was sind Apps? Apps sind kleine Anwenderprogramme insbesondere für PC und Handys, aber neuerdings immer mehr für Tablets. Die Apps können dem Benutzer einen Nutzeffekt bringen (zum Beispiel ein Wecker oder ein besseres Kalenderprogramm) oder auch Spiele oder Rätsel sein. Wie komme ich zu einer App? Apps können über das Internet oder einen WIFI-Anschluss heruntergeladen werden. Viele Apps sind kostenlos, andere müssen bezahlt werden. Voraussetzung dafür ist die Anmeldung im Internet. Täglich werden hunderte von neuen Apps ins Netz gestellt. Die Vielfalt der zur Verfügung stehenden Apps nimmt rasant zu, so dass es schwierig ist, immer auf dem neuesten Stand zu sein. Mittlerweile gibt es auch sehr interessante und nützliche Apps für Menschen mit Beeinträchtigung, die von der Stiftung FST (Stiftung für Elektronische Hilfsmittel) gesammelt und aktualisiert werden.

Beispiele für Anwendungsbereiche und Ziele, die damit verfolgt werden: - Ursache-Wirkung: ein erstes Ausprobieren des Touchscreens, Ursache-Wirkung-Zusammenhänge erfahren, „selber“ Musik machen, Spaß am Selberkönnen. - Einfache Kommunikation: einfache kommunikative Situationen unterstützen, Spaß am Selbersprechen, Handlungsabläufe in einzelne Schritte gliedern. - Lernspiele: Sprachverständnis, Erkennen von Gegenständen, Hören, Sehen, Nachsprechen, Wortschatz, Legasthenie-Training, Sortieren, Kategorisieren. - Spiele: Geschicklichkeit, Unterhaltung, Geduld, Konzentration, Spaß. - Bilderbücher: Freude an der Geschichte, Selberblättern, Selbererzählen. - Zeichnen: Malen, Ausmalen, Spaß am Spurenmachen, Förderung der Kreativität. - Musik: Freude am Musikmachen, einfache Melodien lernen. - Timer: Visualisierung und Lernen von Zeit und Zeitabläufen. - Spracheingabe: Texterfassung über Spracheingabe. - Verschiedenes: zum Beispiel Maps/Karten für Rollstuhlfahrer. Weitere Infos finden Sie im Internet unter der Adresse www.fst.ch, Infos anfordern können Sie auch mit einer E-Mail an info@fst.ch Verena Harrasser

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Vorankündigung Die „Perspektive“ 1/2013 wird dem Thema Autismus gewidmet sein. Über Beiträge für die restlichen Rubriken freuen wir uns. Tel. 0471 062525, Dietmar Dissertori perspektive@lebenshilfe.it Redaktionsschluss: Donnerstag, 14. März 2013. 90


Hotel Masatsch – anders wohnen Das Hotel Masatsch liegt im sonnigen Oberplanitzing bei Kaltern. Inmitten von Weinbergen und südlicher Vegetation erwartet Sie ein Hotel mit einem besonderen Flair: wir vermitteln Ihnen das angenehme Gefühl, als Gast willkommen und auch als Mensch mit besonderen Bedürfnissen erwünscht zu sein. Wir verfügen über 23 großzügige und komfortabel eingerichtete Hotelzimmer mit und ohne Balkon.

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Paella Valenciana o Paella de Marisco? Neben einer großen Auswahl an glutenfreien Gerichten bieten wir jeden Montag, Dienstag und Mittwoch Abend unsere köstliche Paella (ab 2 Personen). Está comida! Unser Restaurant ist Mitglied in der „Associazione Italiana Celiachia“ (AIC). Geöffnet von Montag bis Samstag von 7.30 - 23.00 Uhr | Sonntag Ruhetag

Oberplanitzing 30 | 39052 Kaltern | Tel. 0471 669 517 | www.masatsch.it Ein Unternehmen der Lebenshilfe Südtirol/Onlus

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Herzlich, gemütlich, gut.

Hotel Masatsch – wo Menschen mit und ohne Beeinträchtigung einander begegnen

Perspektive Zeitschrift der Lebenshilfe  

Die Mitarbeiter/innen der Zeitschrift „Perspektive“ unternehmen den Versuch, Themen aufzugreifen und zu behandeln, die für Menschen mit Beei...

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