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Elektrische / Elektronische Antriebstechnik

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POWERWORLD 01-2013

Systeme und Komponenten für Funktionale Sicherheit Sauer-Danfoss gehört eigenen Angaben zufolge zu den weltweit führenden Herstellern in Bezug auf Design, Produktion und Verkauf von Hydraulik- und Elektroniksystemen und -komponenten. Das Unternehmen ist weltweit aktiv und kann 50 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der mobilen Arbeitsmaschinen vorweisen. Anlass genug um in Hinblick auf die bauma 2013 und die aktuelle Diskussion um das Thema Funktionale Sicherheit, ein Interview mit dem Product Compliance Manager Rüdiger Hüttmann zu führen.

Welche Produkte betrifft die Funktionale Sicherheit bei Ihnen? R.H.: Sauer-Danfoss ist ein weltweit führendes Unternehmen für die Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von hydraulischen und elektronischen Komponenten- und Subsystemen für mobile Arbeitsmaschinen. Dazu gehören Lösungen für den Fahrantrieb, die Lenkung, diversen Arbeitsfunktionen und u.a. Joysticks, Displays und Elektroniken, die u.a. vom Kunden programmiert werden. Wir arbeiten hierfür mit den verschiedensten Kunden aus unterschiedlichsten Applikationsbereichen zusammen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse kommen dabei natürlich unter Berücksichtigung der notwendigen Geheimhaltung allen Kunden zugute. Wie wird das Thema Funktionale Sicherheit in Ihrem Unternehmen strukturiert? R. H.: Wir haben hierfür ein dediziertes Experten-Team gegründet. Ich selbst leite es und konzentriere mich ausschließlich auf das Gebiet der Funktionalen Sicherheit unse­rer Produkte. In diesem Team sind erfahrene Entwicklungs- und Applikationsingenieure als Experten aus der Produkt-Entwicklung und -Applikation sämtlicher Geschäftsbereiche vertreten. Diese spezielle Expertise ist ein sehr großer Vorteil für unsere Kunden. Sie bringen nämlich die notwendige Expertise und Erfahrung der jeweiligen Teilbereiche im Kontext der Funktionalen Sicherheit ein. Es handelt sich hierbei um ein Cross Functional-Team rund um die Rüdiger Hüttmann, Product Compliance Manager.

Funktionale Sicherheit der Produkte. Dies schließt diverse Technologien wie Hydraulik, Mechanik, Elektronik, Software und Subsysteme ein. Das Team ist derzeit mit Experten aus Europa und Nordamerika global aufgestellt. Hinzu kommt ein Satelliten-Team mit Kollegen aus dem asiatisch-pazifischen Raum und China. Sie unterstützen unsere Kunden vor Ort und tragen die lokalen Anforderungen an die Funktionale Sicherheit zurück in das Unternehmen. Wie gehen Sie vor? R. H.: Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Produkte und Technologien müssen die relevanten Standards identifiziert, interpretiert und angewendet sowie innerhalb der Organisation kommuniziert werden, um anschließend entsprechende notwendige Anpassungen einzuleiten. Sicherheitsrelevante Daten werden immer einheitlich in einem definierten Prozess mit unseren Kunden erarbeitet und kommuniziert. Das Team stellt die Kompetenz der Sicherheit in den unterschiedlichen Bereichen dar. Die Teammitglieder werden direkt in den jeweiligen Bereichen in Entwicklungsprojekte mit dem Fokus auf Funktionale Sicherheit eingebun­ den. Damit verdeutlichen wir, dass SauerDanfoss nicht nur kompetent in den Bereichen Systeme und Komponenten ist sondern auch in dem weiten Feld der Funktionalen Sicherheit. Wie transportieren Sie dieses KnowHow? R. H.: Das gesamte Team ist als eine Art Competence-Center und Help-Desk für das Thema Funktionale Sicherheit zu verstehen. Die Teammitglieder sind u.a. pro-aktiv involviert innerhalb der Firma z.B. das Enginee-

Das gemäß Norm IEC 61508:2010 mit dem SIL2 (Safety Integrity Level 2) zertifizierte digitale Betätigungsmodul PVED-CX. ring, das Sales, den Service, ... zu schulen,aber auch außerhalb der Firma unsere Kunden und Distributionspartner zu trainieren. Das Thema „Funktionale Sicherheit“ wird auf der bauma 2013 thematisch ein Highlight bei Sauer-Danfoss sein. Auf einem Teil des Standes werden technische Produkte präsentiert, auf der anderen Seite stellen wir dem Kunden einen zertifizierten Software-Entwicklungsprozess sowie unser FSTrainingprogramm dar. Dieses Training bein­haltet eine Einführung in diverse Standards der Funktionalen Sicherheit, wie z.B. ISO 13849, IEC 61508, ..., des Weiteren wird in einem weiteren Training-Baustein der Prozess der Risikoanalyse und der Evaluierung im Detail geschult und in einem anderen Training der nach IEC 61508:2010 SIL3 zertifizierte sicherheits-relevante Software-Entwicklungsprozess trainiert. Wie wird bei Entwicklungsprozessen vorgegangen? R. H.: Unser Software-Entwicklungsprozess wird zur Zeit vom TÜV-Nord zertifiziert, und soll schon zur bauma 2013 abgeschlossen sein. Hierbei stellen externe Auditoren sicher, dass die entsprechenden Prozesse, Dokumente und Organisationsstrukturen, die wir in bestimmten Bereichen eingeführt haben, die relevanten Standards erfüllen. Es sind schon diverse Produkte nach IEC61508 mit SIL2 zertifiziert, wie beispielsweise das Automotive-Control aus der H1Pumpen-Familie oder das PVED-CX aus PVG-Ventilproduktfamile oder auch die Software-Entwicklungsumgebung PLUS+1GUIDE, bis hin zu einem zukünftig zertifizierten Software-Entwicklungsprozess. Damit ist Sauer-Danfoss in der Lage seinen Kunden ein ganzes Paket an Produkten, Tools und Prozessen zur Funktionalen Sicherheit anzubieten. Auf der einen Seite bieten wir also generische Produkte und Sub-Systeme an. Auf


Auch die H1P078 AC des Herstellers ist nach der Norm IEC 61508:2010 mit dem SIL2 (Safety Integrity Level 2) zertifiziert.

der anderen Seite aber auch kundenspezifische Lösungen und Dienstleistungen rund um Hard- und Software. Darüber hinaus entwickeln wir, natürlich dem allgemeinen Stand der Technik und den aktuellen Standards der Funktionalen Sicherheit entsprechend auch systemspezifische Sicherheitsfunktionen für Fahrantriebe, Lenksysteme und Arbeitsfunktionen. Die Steuerungen unterliegen hierbei den Sicherheitsanforde­ rungen des Kunden. Das geht von der Sicherheitsanforderung totaler Stillstand („Fail-Safe“) über reduzierte Performance im Fehlerfall bis hin zu dem Zustand „FailOperational“. Hierbei sind diverse Kriterien und Anforderungen zu berücksichtigen und jede Steuerung muss hierbei applikationsspezifisch abgestimmt und beurteilt werden. Was ist mit der Produktseite? R. H.: Wir bieten beispielsweise HMI (HumanMachine Interface)-seitig Joysticks, Pedale mit Can- oder analogem Interface oder Controller - kleine und mittlere - mit unterschiedlichsten Sicherheitsarchitekturen bis hin zu Aktuatoren auf der hydrostatischen Seite. Proportionale Ventile zur Steuerung von unterschiedlichsten Arbeitsfunktionen

aber auch Funktions­ventile für eine sichere Abschaltung und Erreichen des sicheren Zustandes. Das gleiche auf der Lenkungsseite mit unseren intelligenten Lenkeinheiten - gekoppelt mit GPS. Die elektrohydraulische Lenkung wird an das GPS gekoppelt und übernimmt die Lenkfunktion auf dem Feld. Auf der anderen Seite wurde vom TÜV Süd bestä­tigt, dass unser CAN Safety Message Protokoll mindestens den Anforderungen eines SIL2 nach der IEC 61508:2010 genügt. Es kann auf diverse Protokolle aufgesetzt werden, z.B. SAE J1939, ISOBUS oder CANopen - ohne, dass große Änderungen vorgenommen werden müssen. So kann mit einer spezifischen Maßnahme die Sicherheit eines bestehenden Protokolls signifikant angehoben werden. Auf der bauma werden wir das Thema „Functional Safety by Sauer-Danfoss“ her-

ausstellen. Wir präsentieren auf dem Messestand anhand von beispielhaften Sub-Systemen die Möglichkeiten für Kunden im Bereich Fahrantriebe, Lenkfunktionen und Arbeitsfunktion und wollen diese Umgebung für angeregte Diskussionen nutzen. Denn Sicherheit muss immer im Systemblickwinkel diskutiert und gelöst werden. Es geht uns darum, Lösungen zu entwickeln und evtl. mit kleinen Änderungen an den Komponenten das System des Kunden in vielerlei Hinsicht zu verbessern. Die absolute Sicherheit wird es nie geben. Nur muss man das Risiko für den Anwender der Maschine und die sich in der Umgebung der Maschine befindlichen Personen entweder eliminieren oder im Mindesten auf ein vertretbares Minimum senken. Viele unserer Kunden sind auf der bauma mit Lösungen aus unserem Hause vertreten, die die Funktionale Sicherheit ihrer Maschine maßgeblich unterstützen. Vielen Dank für dieses interessante Gespräch! (sob) Bilder: Sauer-Danfoss GmbH & Co. OHG

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info Sauer-Danfoss GmbH & Co. OHG 24539 Neumünster Fon: +49 (0) 43 21-871-266 www.sauer-danfoss.com Hazard & Risk Chart.

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