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SPITZBERGEN 2009

Ein Expedition der Jugend des Deutschen Alpenvereins


Vorwort

Blick vom Furystakken im Mittag-Leffler-Gletscher über den Wijdefjord in Richtung Nordpol

Es ist jetzt über ein Jahr her, dass das Projekt Spitzbergen 2009 begann Formen anzunehmen. Seither ist vieles passiert. Wir haben viel Mühe in die Organisation unserer Expedition gesteckt. Obwohl wir keine Profis sind haben wir es geschafft Sponsoren von unserem Konzept zu überzeugen. Einige Tücken der Expeditionsvorbereitung haben wir erst am eigenen Leib lernen müssen. Manche mussten vor Ort feststellen, doch mit leicht falschen Vorstellungen in die Arktis gekommen zu sein, andere fanden genau das wonach sie gesucht hatten. Ein großes Team bietet viel Platz für Diskussionen und verschiedene Meinungen. Trotzdem haben wir es geschafft, die Expedition erfolgreich durchzuführen. Wir wurden von keinem Eisbären gefressen und sind auch nicht mit großem gepolter die Wände hinuntergestürzt. Auch auf der sportlichen Seite konnten wir einiges vollbringen. Die zahlreichen Erstbegehungen in Fels und Eis würden in den Alpen zwar wohl wenige Wiederholer finden, haben uns aber durchaus Spaß bereitet. Und im Rahmen unserer Möglichkeiten haben wir doch vieles geleistet. Doch nicht nur die alpinsportliche Leistung will vollbracht werden. Zahlreiche Stunden ehrenamtlicher Arbeit flossen in dieses

Projekt und nicht nur einmal sorgte eine ungleiche Arbeitsverteilung für Frust und Auseinandersetzungen. Gerade die Nachbearbeitung der Expedition mit Vorträgen und Berichten war ein harter Brocken, da bei vielen das Projekt im Kopf schon abgeschlossen zu sein schien. Auch die Erstellung dieses Berichts hat sich länger hinausgezögert als gewünscht, da die Erstellung eines knapp 100-seitigen Buches durch wenige ehrenamtliche Hände viel Zeit benötigt. Doch nun ist es soweit und Sie halten unseren Expeditionsbericht endlich in den Händen und können sich in aller Ruhe unsere Geschichten aus der Arktis zu Gemüte führen. Die Geschichten von endlosen Gletschermeeren und steilen Felswänden die nicht ganz so stabil sind, wie sie aussahen... Unser großer Dank gilt allen unseren Unterstützern im Alpenverein, den Sponsoren und allen privaten Spendern. Ohne Euch wäre diese einmalige Jugendexpedition, von der sicher noch in einigen jahren gesprochen wird, niemals möglich gewesen. Vielen Dank und nun viel Spaß beim Lesen! Christian Katlein Expeditionsleiter


Inhaltsverzeichnis Einleitung Vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung . 6 Die Teamauswahl . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Das Team . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Michael „Mimi“ Knoll . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Philipp Schädle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Uli Ott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 Konstantin Nebel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Rebecca Michiels . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Christian Müller . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Christoph Schieber . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Christian Katlein . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Manuel Fink . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Michael Fitz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Kalle Weidinger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15 Kleiner Reiseführer Spitzbergen . . . . . . . . 16

Vorbereitung Vorbereitungstouren . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gaisalpfälle Allgäu . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sportklettern im Donautal . . . . . . . . . . . Alpinflair am Grimsel . . . . . . . . . . . . . . . . Vorbereitungen in Spitzbergen . . . . . . . . . . Besuch auf der ISPO . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ausrüstungsbestellung . . . . . . . . . . . . . . . . Essensplanung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Postkarten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Webseite . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . T-Shirts . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Klettermaterial . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medizinische Versorgung . . . . . . . . . . . . . . Ohne Moos nix los . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Sponsoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

22 22 24 26 28 29 30 32 33 34 35 36 38 42 44

Auf Tour Chronologischer Ablauf der Expedition . . . 48 Die Tour . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 Tourenbericht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Anreise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 Tarantelle . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 58 Campverlagerung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Oben hui, unten pfui . . . . . . . . . . . . . . . . 66 Singularität der Weltfunktion . . . . . . . . . 68 Mitternachtssonne . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 Ramsayfjellet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 From Dusk Till Dawn . . . . . . . . . . . . . . . . 74 Dark side of the Moon . . . . . . . . . . . . . . . 78 Grand Final . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 Rückmarsch in die Petuniabucht . . . . . . 88 Rückfahrt mit dem Schiff . . . . . . . . . . . . 90 Packen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 91 Rückflug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92 Das Seen-Isotopen-Projekt . . . . . . . . . . . . 94 Basisstation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 Kritische Punkte und gelernte Lektionen . 97 Hitliste ungebrauchter Ausrüstung . . . . . . 98 Hitliste beliebter Gegenstände . . . . . . . . . 99

Nachbereitung und Anhänge Berichte & Vorträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . 102 Finanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 104 Expeditionsvertrag . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 Kontakte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112 Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 112


Einleitung


Einführung • Vom ersten Gedanken zur Umsetzung

Vom ersten Gedanken bis zur Umsetzung

Wie aus einer verrückten Idee Realität wird! Das eisgängige Schiff schaukelt sanft in den Wellen. Dichter Nebel liegt über dem Wasser. Nichts lässt auf gutes Wetter hoffen. Doch plötzlich bricht ein Sonnenstrahl durch und die Wolken beginnen sich zu verziehen. Inmitten der Wolkenfetzen fällt mir plötzlich eine schwarze Struktur auf, ein senkrechter Felspfeiler steilt sich am Fjordufer auf, Wandfuß und Gipfel sind zunächst noch im Nebel verdeckt. Ich verlasse die Kajüte und als sich der Nebel verzogen hat, steht die volle

Gestalt der Granitberge im Samarinfjord vor mir. Dort hinauf, das wäre ein Abenteuer. Damals im August 2004 hätte ich nicht zu träumen gewagt fünf Jahre später wirklich mit einer Expedition nach Spitzbergen aufzubrechen. Aber der Polarvirus hatte mich infiziert und der Gedanke an eine Kletter­ expedition war stets im Hinterkopf dabei. Durch Zufall stieß ich auf die Möglichkeit im Sommer 2006 als Trekkingguide für die deutsche Spezial-Reiseagentur Terra Polaris als Trekking-Guide auf Spitzbergen zu arbeiten. Zwei Sommersaisons lernte ich die

arktische Wildnis aufs Intensivste kennen. Je mehr Erfahrungen ich dort sammelte umso realistischer wurde die anfangs eher verrückte Idee zum Klettern nach Spitzbergen zu fahren. Ich hörte viel von gescheiterten Expeditionen und ihren Fehlern. Spitzbergen gilt als ein hartes Expeditionspflaster für Leute ohne Arktiserfahrung. Nicht, dass Spitzbergen so unglaublich unwirtlich ist wie von vielen angenommen. Vielmehr sind es hunderte kleine logistische Details die Erstbesuchern das Leben schwer machen. Da gibt es Kayakolympiasieger die sich auf einer Kayaktour retten lassen müssen, selbsternannte Polarhelden die dank falschem Benzin mitten auf der Gletscherkappe nicht mehr kochen können und noch viele mehr. Doch wenn man diese Eigenheiten Spitzbergens kennt, zeigt sich die arktische Wildnis als wunderbare Gegend für lange ausgedehnte Touren auf denen man wochenlang keinem Mensch begegnet. Auch meine Guide-Kollegen ermutigten mich die Idee von der Expedition umzusetzen, zumal 1999 bereits eine Kollegin mit der JDAV-Regensburg eine erfolgreiche Expedition durchgeführt hatte. Meine Wahl in die Landesjugendleitung der JDAV BadenWürttemberg gab dann endgültig die Möglichkeiten das Projekt anzugehen. Als JDAV

Baden-Württemberg waren wir nicht irgendeine Expedition. Nachdem ich im Frühjahr 2008 nach einer Landesjugendleitungssitzung Spitzbergenbilder zeigte und mit der Idee herauskam, kam im Sommer 2008 grünes Licht und im Herbst eine Ausschreibung im Schulungsprogramm. Diese Ausschreibung war relativ offen gehalten um dem Projekt Entwicklungsmöglichkeiten in alle Richtungen zu lassen. Als Jugendexpedition sollte diese Expedition viel durch die Teilnehmer mitorganisiert werden und Platz für die persönliche Entwicklung und nicht nur alpinsportliche Höchstleistungen bieten. Im Dezember stand dann die grobe Teamzusammenstellung, was relativ spät für ein solches Großprojekt ist. Viele Sponsoren haben zu der Zeit ihr Budget schon längst verplant. Dennoch gelang es mit vereinten Kräften die Expedition auf die Beine zu stellen, auch wenn dabei gelegentlich das Studium etwas zu leiden hatte. Ende Juli 2009 wurde dann nach einigen Vorbereitungstouren aus dem fünfjährigen Traum Realität und wir hoben mit dem Flugzeug in Richtung Spitzbergen ab.


Einführung • Die Teamauswahl

Die Teamauswahl Die Idee der Expedition stand fest. Nun fehlten nur noch die Leute. Eine offene Ausschreibung im Schulungsprogramm führte bis Oktober zu ca. 25 Bewerbungen. Der Aus schreibungstex t war absichtlich sehr offen gehalten, was folglich auch große Teamzusammenstellung Unterschiede in der auf dem Fußboden Art der Bewerbung hatte. Vom kurzen Statement „Ich wär gern dabei“ bis zur mehrseitigen Bewerbung war alles dabei. Nach Bewerbungsfrist vereinbarten wir ein gemeinsames erstes Treffen im Kletterzentrum Stuttgart. Wie üblich konnten zu dem Termin natürlich nicht alle kommen, aber der Großteil der Bewerber nahm sich die Zeit. Anfangs spürte man förmlich die Anspannung und Unsicherheit im Raum. Es gab eine Vorstellungsrunde und einen kleinen Vortrag über das, was ungefähr in Spitzbergen zu erwarten war. Nach zwei Stunden war das Treffen vorbei, doch einige blieben noch etwas länger und zeigten viel Interesse an den Möglichkeiten in Spitzbergen. Nach dem Vortreffen hatten die Bewerber noch einmal eine Woche Zeit, ihre Bewerbung zu überdenken und die ersten zogen

ihre Bewerbungen zurück. Danach wurde es ernst. Es gab mehr realistische Bewerbungen als Plätze. Das Team hatte ich von Anfang an auf ca. zehn Leute festgelegt, weil eine größere Gruppe einen unvorstellbaren logistischen Aufwand bereiten würde. Ein Team mit zehn Leuten wurde nach der Expedition von einigen für zu groß gehalten während andere die Größe optimal fanden. Doch wie nun auswählen? Ich druckte für jeden Bewerber ein A4-Blatt mit Bild und den wichtigsten Daten. Diese wurden dann auf meinem Zimmerboden heftig durchgewirbelt und langsam entstand eine Idee, wie das Team aufgebaut sein könnte. Da ich diese Entscheidung jedoch nicht ganz alleine fällen wollte, beriet ich mich am Schulungsteamertreffen mit einem erfahrenen Teamer, der ebenfalls viele der Bewerber kannte. In der

Letztes Frühstück in der Petuniabucht

Woche danach stand das vorläufige Team fest und ich verteilte die Entscheidung per E-Mail. Auch hier waren die Reaktionen unterschiedlich. Wie immer kamen die bösesten E-Mails von denjenigen, die am wenigsten Aufwand in eine Bewerbung gesteckt hatten. Kurz danach kristallisierte sich jedoch bereits heraus, dass Kalle Weidinger nicht mitkommen konnte. Und nach der ersten Vorbereitungstour verließ auch Mark Schneider das Team. Er hatte sich die Teamzusammenstellung anscheinend etwas anders vorgestellt. Jetzt mussten die Lücken geschlossen werden und erneut türmten sich die Papierzettel auf meinem Fußboden. Als Ersatz rück-

ten Mimi und Michi ins Team nach. Bei dieser Zusammenstellung blieb es dann auch tatsächlich bis zur Expedition. Man kann viel darüber diskutieren, wie ein Team optimal zusammengestellt wird. Für mich stand bei der Teamauswahl nicht nur die reine alpinsportliche Leistung im Vordergrund. Als Jugendexpedition sollte die Expedition vor allem auch Entwicklungsmöglichkeiten geben, so dass ein Gemisch aus erfahrenen und eher jungen das Team bildet. Diese Rechnung ist meines Erachtens auch größtenteils aufgegangen, auch wenn so eine Gruppe immer über interne Spannungen verfügt.


Einführung • Das Team

Das Team

Michael „Mimi“ Knoll

Philipp Schädle

Uli Ott

Jahrgang 1980. Mimi wohnt in Karlsruhe, wo er im 10. Semester Informatik studiert und nebenher freiberuflich als Software-Entwickler arbeitet. In seiner genau zwanzigjährigen Karriere beim DAV war Mimi Jugendleiter in Bad Waldsee und Karlsruhe sowie Jugendreferent in Bad Waldsee, und ist seit 2006 Mitglied in der Landesjugendleitung BaWü und wurde nach der Expedition zum Bundesjugendleiter gewählt. Er ist seit 2008 Mitglied des Schulungsteams BaWü. Gerade befindet er sich in der Ausbildung zum Fachübungsleiter für Hochtouren. Mimi fühlt sich in Eis und Schnee ebenso wohl, wie beim Sportklettern in Arco. Tourenhighlights von ihm sind unter anderem „Alhambra“ (6b+), Salbit Südgrat (6) sowie die Besteigung des Elbrus (5642 m) mit einer deutsch-russischen Expedition. In Spitzbergen schleppte Mimi tapfer den größten und schwersten aller Rucksäcke, und obendrauf auch noch die gesamte Fotoausrüstung. Als unser Expeditionsfotograf war er verantwortlich für den Großteil unserer tollen Landschafts- und Kletteraufnahmen.

Jahrgang 1985. Philipp wohnt in Stuttgart wo er im 7. Semester Umweltschutztechnik studiert. Mit dem Klettern begann Philipp in seiner Heimatsektion Bad Waldsee, wo er lange Jahre als Jugendleiter aktiv war und den Posten des Umweltschutzreferenten inne hat. Philipp ist bereits seit über zehn Jahren in den Bergen unterwegs, wobei er von nahezu allen Facetten des Bergsports gleichermaßen begeistert ist. Neben Sportkletterrouten bis 7a+ kann Philipp eine lange Liste verschiedener Alpintouren aufweisen. Sein Stammklettergebiet ist das Tannheimer Tal, wo er z.B. Akrophobie (8-) und „Schwarze Mamba“ (8-) beging. Aber auch beim Snowboarden, Bouldern und Eisklettern bis WI 4 kann man Phillip in den Bergen antreffen. Mit dem bröckeligen spitzbergischen Fels konnte Phillip nicht ganz warm werden, dafür tobte er sich in diversen Eiscouloirs und beim Gletschertrekking aus.

Jahrgang 1988. Uli arbeitet als Mechatroniker bei Bosch Rexrot in Elchingen. Heimisch ist er in der Sektion Schwaben. Dort leitet er zusammen mit Manuel seit einigen Jahren eine Jugendgruppe. Vom Wandern mit seinem Vater kam Uli zum Klettern. Dabei ist er für fast alles zu begeistern. Nachdem Uli zunächst mit dem Sportklettern begann, ist er nun auch immer öfter in alpinen Routen unterwegs. Außerdem ist Uli engagiertes Mitglied im technischen Hilfswerk in seiner Heimatstadt. Uli war der Chefbastler unserer Expedition. Er konstruierte unsere Pulkas sowie den Bärenzaun und schraubte auch in Spitzbergen noch an allem möglichem herum, das repariert oder verbessert werden musste.


Einführung • Das Team

Konstantin Nebel

Rebecca Michiels

Christian Müller

Christoph Schieber

Jahrgang 1987. Derzeit leistet Konstantin noch seinen Zivildienst im Universitätsklinikum Mannheim ab, danach möchte er mit dem Studium beginnen. Im DAV ist Konstantin seit 2004 Mitglied, nur ein Jahr später begann er schon sich als Jugendleiter zu engagieren. Mittlerweile ist er außerdem Mitglied des Vorstandes seiner Heimatsektion und in Ausbildung zum Fachübungsleiter Alpinklettern. Konstantin ist häufig in den nahe seiner Heimat gelegenen Klettergärten im Odenwald, Schwarzwald und der Pfalz unterwegs, wo er Sportklettertouren bis UIAA 7+ begeht. Seine eigentliche Leidenschaft gilt jedoch langen, alpinen Routen in den Alpen. Zu seinen eindrucksvollsten Touren zählt er unter anderem Motörhead (6a+) und eine Besteigung des Elbrus (5642 m) mit einer internationalen Jugendexpedition. In Spitzbergen war Konstantin ohne Angst vor dem Scheitern für nahezu jedes Projekt zu begeistern, wobei er sowohl im Eis als auch im Fels an einigen Erstbegehungen beteiligt war.

Jahrgang 1988. Rebecca wohnt in Freiburg und studiert dort im 5. Semester Mikrosystemtechnik. Rebecca begann 2004 in der Sektion Freiburg mit dem Klettern. Nur ein Jahr später übernahm sie die Leitung einer Jugendgruppe und ist mittlerweile außerdem Materialwärtin der Jugend. Rebecca ist häufig in den Klettergärten des Schwarzwaldes unterwegs, wo sie Sportkletterrouten bis UIAA 7 begeht. Schon bald entdeckte sie jedoch ihre Liebe zu höheren Bergen. Nachdem sie einige Hochtouren und lange Routen in den Alpen unternahm, geht sie jetzt auch im Winter zum Eisklettern. Die Essensrationierung in Spitzbergen machte Rebecca schwer zu schaffen, trotzdem verlor sie nicht ihren Spaß am klettern. Da es sie weniger ins Eis lockte, war sie an einem Großteil der Felsprojekte beteiligt.

Jahrgang 1988. Momentan wohnt Christian in Niefern, wo er sein Abitur macht. Anschließend möchte er mit dem Maschinenbau-Studium beginnen. Christian kommt aus der Sektion Pforzheim, wo er auch als Jugendleiter aktiv ist. Privat ist Christian bereits seit Jahren in den Alpen unterwegs, ob auf Hochtour, in irgendeinem Eisfall oder beim Alpinklettern. Dementsprechend lang ist seine Tourenliste, zu der z.B. Besteigungen des Mont Blanc (4807 m), Weißhorn (4505 m) und Schwarzhorn (4321 m) gehören, sowie Routen wie „Akrophobie“ (8- ) oder „Siebenschläfer“ (7). Christian war unser Sponsorenkoordinator, ein nicht immer ganz einfacher Job, der einiges an zeitlichem Engagement verlangte. Ihm verdanken wir es, dass wir eine doch recht lange Liste von Sponsoren aufweisen können, die uns mit hochwertiger Ausrüstung unterstützten. Da Christian nicht so viel Gefallen an spitzbergischen Felstouren finden konnte, war er dort vor allem an der Begehung vieler Eisrouten beteiligt.

Jahrgang 1986. Christoph studiert im 9. Semester an der Uni Stuttgart Elektrotechnik. Mit zwölf Jahren kam er zum Klettern und engagiert sich seit sechs Jahren als Jugendleiter in seiner Heimatsektion Ludwigsburg. Mittlerweile ist Christoph dort auch als Fachübungsleiter für Hochtouren aktiv, und organisiert regelmäßige Klettertreffs und Ausfahrten ins Gebirge für die Jugend. Privat ist Christoph beim Sportklettern bis UIAA 8 unterwegs. Sowohl im Sommer wie auch im Winter geht er jedoch auch gerne in den Alpen hoch hinaus. So unternahm er Hochtouren auf die Barre des Ecrins (4102 m) und das Finsteraarhorn (4274 m), sowie Skitouren auf Leckihorn (3068 m) und Großglockner (3798 m), und viele Eisbegehungen bis WI 4. Auch in Spitzbergen war Christoph in Eis und Fels gleichermaßen motiviert unterwegs, wobei die beeindruckendste Erfahrung für ihn die Wildnis und Einsamkeit Spitzbergens war.


Einführung • Das Team

Christian Katlein

Manuel Fink

Michael Fitz

Kalle Weidinger

Jahrgang 1986. Christian studiert im 7. Semester Physik in Tübingen. Er wuchs in der Jugend der Sektion Freiburg auf, wo er später lange Jahre selber als Jugendleiter tätig war. Mittlerweile ist Christian Umweltreferent der Landesjugendleitung BaWü und Mitglied des Landesschulungsteams. Christian haben es vor allem alpine Touren sowie das Eisklettern angetan, außerdem kann er mehr als zehn Neuerschließungen bis UIAA 7 u.a. im Donautal aufweisen. Eine neue Leidenschaft von ihm ist das Slacklinen. Als Expeditionsleiter hat Christian diese ganze Expedition überhaupt erst in Gang gesetzt, er war der Dreh- und Angelpunkt während Planung und Durchführung. Wieviele Stunden er tatsächlich in die unzähligen Formalitäten, Vorbereitungen und Koordinierungsarbeiten steckte, können wir nicht nachzählen. Fest steht aber, dass ohne Christian diese Expedition nie statt gefunden hätte. Christian kannte Spitzbergen bereits vor der Expedition gut, da er dort mehrfach als Führer für Trekkingtouren arbeitete. Da es ihm dort so gut gefällt, blieb er nach der Expedition gleich dort, um neun Monate Auslandssemester an der Universität von Longyearbyen zu verbringen.

Jahrgang 1989. Student im 3. Sermester im Studiengang Print-Media-Management ausStuttgart. Manuel begann 2002 mit dem Klettern in seiner Heimatsektion Schwaben Ortsgruppe Laichingen, wo er derzeit zusammen mit Uli eine Jugendgruppe leitet. Neuerdings ist Manuel außerdem auch Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Landesjugendleitung. Manuel kam vom Sportklettern an den heimatlichen Felsen im Blautal und an der Ostalb zu den alpineren Spielarten des Bergsports. Seit einigen Jahren ist er nun auch in langen Alpenrouten und beim Eisklettern anzutreffen. Manuel war unter anderem unser Druckund Designchef. Er entwarf Flyer, Logos und unsere wunderbaren T-Shirts. Außerdem realisierte er den Druck dieses Expeditionsberichtes.

Jahrgang 1985. Michael studiert derzeit im 3. Semester Medizinische Dokumentation und Informatik an der Hochschule in Ulm. Michael begann 2001 mit dem Klettern und leitet seit 2003 eine Jugendgruppe in Bad Waldsee. Dort ist er inzwischen auch angehender Fachübungsleiter für Hochtouren und übernimmt demnächst den Posten des Jugendreferenten. Michael ist am liebsten in alpinem Eis und Fels unterwegs, im Winter auch mal auf Skitour. In den Alpen hat er zahlreiche Touren unternommen, unter anderem die „Direkte Nordwand“ (7-) am Gimpel, eine Winterbegehung des Jubiläumsgrat sowie diverse Nordwände der Ostalpen wie z.B. Taschacheiswand und Petersenspitze. Michael war als letzter Quereinsteiger zu unserem Team dazu gestoßen und war in Spitzbergen bei fast allen Aktionen im Eis mit dabei.

Kalle ist seit über 30 Jahren in den Alpen unterwegs, davon auch schon 10 Jahre mit seiner Jugendgruppe aus Baden-Baden. Eigentlich hätte er gerne das Expeditionsteam kulinarisch verwöhnt, jedoch machte die schlechte Wirtschaftslage in der Firma eine Teilnahme unmöglich. Zudem ist er als Vorsitzender seiner Sektion im Augenblick stark in das Bauvorhaben einer Kletterhalle eingebunden. Dafür hielt er während der Expediton von BadenBaden aus den Kontakt zum Team und pflegte die Internetseite mit den jeweils neusten Informationen. Die Angehörigen versorgte er mit den aktuellen Nachrichten. Zum Trainieren geht Kalle regelmäßig zum Klettern an den Battert, unternimmt Hochtouren im Berner Oberland und Wallis und läuft Marathon. Denn vielleicht gibt es für Kalle ja noch mal eine Chance nach Spitzbergen zu kommen.


Einführung • Kleiner Reiseführer Spitzbergen

Kleiner Reiseführer Spitzbergen

Holzhäuser in Longyearbyen

Spitzbergen – oder Svalbard wie die Norweger sagen – ist ein Archipel im Nordpolarmeer. Geografisch ist es relativ leicht zu lokalisieren, nämlich ziemlich genau in der Mitte auf der Verbindungslinie zwischen Nordkap (Norwegen) und dem Nordpol. Während der Vorbereitungen zu unserer Expedition informierten sich alle Expeditionsteilnehmer über das Land und wir möchten hier ein paar wichtige Punkte für den Leser unseres Berichtes aufführen. Wer es genauer wissen will, dem sei die Lektüre des Spitzbergen Handbuchs von Andreas Umbreit (Conrad-Stein Verlag) empfohlen. Geschichte/Politik Spitzbergen wurde im 16. Jahrhundert von Wilhelm Barents auf der Suche nach der Nordostpassage entdeckt. Nach dem ersten Weltkrieg wurde im Spitzbergen-Vertrag

das Archipel unter norwegische Verwaltung gestellt. Diese Regelungen gelten bis heute und erlauben es jedem Menschen auf Spitzbergen im Prinzip das zu tun was er will, sofern es im Einklang mit den norwegischen Gesetzen steht. Verwaltet wird Spitzbergen vom Sysselmann (Gouverneur) der von der norwegischen Regierung eingesetzt wird.

Neben den Landtieren gibt es zahlreiche Vogelarten (Eissturmvogel, Krabbentaucher, Möwen, Küstenseeschwalben, Gänse, …), Robben sowie vereinzelt auch Wale und Walrosse. Die karge Vegetation besteht hauptsächlich aus der nur einen Zentimeter großen Polarweide sowie zahlreichen Steinbrech- und Hahnenfußarten.

Tierwelt/Flora Ursprünglich war Spitzbergen für seinen Reichtum an Walen bekannt, der jedoch bald ausgerottet wurde. Auf Spitzbergen gibt es heute nur drei Landsäugetiere. Den Polarfuchs, das Spitzbergen-Rentier sowie den Eisbär. Eisbären sind prinzipiell das ganze Jahr über vereinzelt auf der gesamten Inselgruppe anzutreffen. Auch wenn keine große Sichtungswahrscheinlichkeit besteht ist das Mitführen großkalibriger Waffen bei jeder Tour Vorschrift.

Wirtschaft Nachdem die Wale ausgerottet waren entdeckte man zahlreiche Bodenschätze und begann diese auszubeuten. Bis heute am erfolgreichsten war dabei der Abbau von Steinkohle. Die norwegische Kohlegesellschaft betreibt heute eine der wenigen gewinnbringenden Minen dieser Welt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat sich der LandTourismus als Wirtschaftszweig etabliert, obwohl Spitzbergen schon lang Ziel von Kreuzfahrten war. Mittlerweile gilt Spitzbergen auch als Eldorado für die Wissenschaft.

Eissturmvogel

Siedlungen Die größte Siedlung auf Spitzbergen ist das norwegische am Isfjord gelegene Longyearbyen mit seinen gut 2000 Einwohnern. Ny Ålesund hat sich als kleine aber feine Forschungssiedlung im Kongsfjorden etabliert. Die einzige momentan bewohnte russische

Kohleverladekai in Pyramiden

Siedlung ist Barentsburg, das ebenfalls vom Bergbau lebt und an der Mündung des Isfjord liegt. Die russische Paradesiedlung und vormals nördlichste Stadt der Welt Pyramiden ist seit 1998 verlassen. Zur Zeit wird jedoch versucht zumindest den Tourismus in Pyramiden wieder aufleben zu lassen. Vorschriften/Verwaltung Der Sysselmann verwaltet als Gouverneur den Archipel und hat neben Verwaltungsauch polizeiliche und Rettungsaufgaben. Es existieren zahlreiche strenge Richtlinien zum Naturschutz, aber auch zum Schutz von Kulturdenkmälern. Jede Aktivität außerhalb eines gewissen Gebiets rund um die Siedlungen (Management Area 10) ist anmelde- und


Die Expedition beim Überqueren einer Gletscherspalte auf dem Mittag-Leffler-Gletscher

Einführung • Kleiner Reiseführer Spitzbergen

genehmigungspflichtig. Im Genehmigungsverfahren werden die nötigen Vorbereitungen sowie die entsprechenden obligatorischen Rettungs-Versicherungen überprüft. In unserem Fall lief die Genehmigung über einen sehr freundlichen persönlichen Kontakt mit dem entsprechenden Sachbearbeiter beim Sysselmann. Der DAV hat dort bereits einen relativ guten Ruf und von Anfang an wurde großes Vertrauen in unsere Planungsarbeit gesetzt, dem wir auch voll und ganz gerecht werden konnten. Bergsteigen Wenn man den Namen Spitzbergen hört denken Alpinisten unweigerlich ans Bergsteigen. In der Tat begrenzen sich die spitzen Berge jedoch auf die Westküste und das Atomfjella Zentralmassiv. Die im Landesinneren vorrangig anzufindenden Sediment-Plateauberge sind zum Beklettern gänzlich ungeeignet. Allein aus dem Vorhandensein von Gneis und Granit in den beiden Gebieten mit steilen Bergen sollte man aber nicht unbedingt auf festen Fels schließen. Der Fels ist durch den Permafrost an den meisten Stellen extrem brüchig. Die lange Frostperiode verhindert einerseits das Herunterfallen von Trümmern, während andererseits Frostsprengung für viel loses Material sorgt. So klettert man oft

eher im senkrechten Geröllfeld. Trotzdem finden sich immer wieder einzelne Passagen mit erstaunlich festem Fels, der dann aber wiederum auch sehr kompakt und hakenabweisend sein kann. Expeditionen Die alpine Expeditionsgeschichte auf Spitzbergen ist auch eng mit dem deutschen Alpenverein verbunden, der Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere –damals noch eher Erforschungsexpeditionen– in die arktische Kälte schickte und erste alpinistische Spuren hinterließ. 1999 war Spitzbergen bereits einmal Ziel einer JDAV Expedition der JDAV Regensburg, die jedoch doppelt so lange wie wir unterwegs waren und neben einigen Erstbegehungen vor allem auch eine Skidurchquerung der Hauptinsel machten. 2007 stattete Robert Jasper, der deutsche Extremkletterer dem winterlichen Atomfjella einen Besuch ab. Generell gibt es pro Jahr mehrere meist kleinere Expeditionen, deren Ziel jedoch nur selten das Klettern ist.


Vorbereitung


Vorbereitung • Vorbereitungstouren • Das erste Kennenlernen – Gaisalpfälle Allgäu

Gaisalpfälle Allgäu Nachdem das Team ausgesucht wurde und einige Aufgaben bereits erledigt oder zumindest schon einmal verteilt wurden, mussten wir uns natürlich auch alle einmal persönlich besser kennen lernen. Manche aus dem Team kannten sich bereits seit Jahren, andere wiederum noch gar nicht. Was lag also näher als sich im Winter einmal zum Eisklettern zu treffen? Einen passenden Termin für zehn aktive Jugendleiter zu finden war dabei allerdings alles andere als einfach. Spontan haben wir uns dann als Termin für das erste Wochenende im neuen Jahr entschieden, wobei letztlich leider doch noch einige von uns kurzfristig absagen mussten. Unser Ziel sollten die Gaisalpfälle im Allgäu sein, wo wir unterhalb davon auch unser Lager mit Zelten aufschlugen. Beim Aufstieg dorthin über eine Rodelstrecke konnten wir alle bereits erste Erfahrungen beim Ziehen der von Uli neu gebauten Pulka sammeln. Nicht schlecht, denn zwei dieser Transportmittel haben wir schließlich auch auf den Gletschern Spitzbergens verwendet. Bei deutlichen Minusgraden um die -10°C zog es uns am ersten Abend nach dem Abendessen

doch recht schnell in die meist warmen Schlafsäcke und jedem wurde nochmal bewusst, wie wichtig ein warmer Schlafsack und eine gut isolierende Unterlage ist. Am nächsten Morgen brachen wir zum Eisklettern auf und durchstiegen auch gleich den 5 Seillängen langen Gaisalpfall mit Schwierigkeiten im 3.-4. Eisgrad. Angesichts dessen, dass sich die Seilschaften bis dahin alle noch nicht kannten, lief alles ziemlich reibungslos und es konnte ein durchweg positives Fazit gezogen werden. Am Abend wurde wie bereits am Tag zuvor, gemeinsam gekocht, über ausstehende Fragen bezüglich der anstehenden Expedition diskutiert und natürlich auch noch über vieles weitere geredet und gelacht. Am zweiten Tourentag entschieden wir uns dann für eine winterliche Wanderung auf den Entschenkopf. Im Sommer sicherlich eine

Wintercamping an der Gaisalpe

recht einfache Wanderung die keinem von uns irgendwelche besonderen Anstrengungen abverlangen würde, erwies sich diese im Winter, insbesondere im Abstieg über den Gaisalpsee, als gar nicht mal so harmlos. Und wir alle waren glaube ich ganz froh, dass wir doch eines unserer Eisgeräte mitgenommen hatten. Wieder unversehrt am Lager zurück, musste dieses natürlich noch abgebaut werden, bevor wir beim Abstieg die voll beladene Pulka nun als Schlitten testeten. Uli konnte dabei durchaus mit den anderen Rodlern auf der Rodelstrecke mithalten, aber noch viel wichtiger, sie hielt den Beanspruchungen und dem ersten Härtetest stand und wir waren zuversichtlich was die Expedtion anbelangte. verschneiter Gipfelgrat im Allgäu

Aufstieg zum winterlichen Entschenkopf


Vorbereitung • Vorbereitungstouren • Das zweite Treffen – Sportklettern im Donautal

Sportklettern im Donautal Dank langfristiger Terminplanung konnte das gesamte Spitzbergen Team vollständig zur zweiten Vorbereitungstour im Donautal antreten. Das Wochenende war neben dem gemeinsamen Klettern und Kennenlernen vor allem organisatorischen Details gewidmet. Am Samstag zog uns das gute Wetter zunächst an den Schreyfels. In wechselnden Seilschaften kletterten wir zahlreiche klassische Mehrseillängentouren im 6. und 7. Schwierigkeitsgrad. Dabei ging es uns weniger um die sportliche Leistung, sondern vor allem darum, als gesamtes Team zusammen unterwegs zu sein und unterschiedliche Seilschaftskombinationen auszuprobieren. Anschließend setzten wir uns zusammen um weitere Details unserer Expedition zu besprechen. Neben dem Erstellen genauer Packlisten, Planung des Schiffstransfers etc. ging es um viele Kleinigkeiten, die es noch zu regeln galt. Test der Trangia-Kocher Auch unser genauer

Tourenverlauf wurde noch einmal besprochen und eventuelle Probleme identifiziert – es wurde ein langer Abend! Wer sich übrigens mal überlegt hat, einen Trangia Kocher – unverwüstliche und sehr einfach aufgebaute Kocher die wir auch in Spitzbergen dabei hatten – mit Benzin zu betreiben, dem raten wir an dieser Stelle dringend davon ab. Die millimeterdicke Rußschicht wieder von den Töpfen zu entfernen war trotz Spülmittel und warmem Wasser mit sehr großen Mühen verbunden und kostete einiges an Zeit und Kraft. Obwohl am Sonntagmorgen die Sonne dann an die Felsen lockte, kamen wir noch einmal zusammen und Christian und Manuel gaben uns einen kurzen Überblick über die medizinische Ausrüstung. Dazu noch eine kurze Übung zur behelfsmäßigen Bergrettung. Außerdem waren bereits die ersten der von unseren Sponsoren Julbo und Ortovox bereitgestellten Ausrüstungsgegenständen angekommen und konnten von uns voller Freude ausgepackt und im ersten Einsatz getestet werden! Ein Teil der Gruppe brach zum Abschluss dann noch einmal zum Klettern zu den Hausener Felsen auf. Dort vergnügten wir uns ein bisschen mit anspruchsvoller Kletterei

in zum Teil von Christian selbst eingebohrten Routen. Christoph und Michi gelang dabei noch die erste Rotpunktbegehung eines Projektes im oberen 6. Grad. Auch nach diesem Wochenende konnten wir eine insgesamt positive Bilanz der bis dato geschehenen Planung ziehen, ein Großteil der organisatorischen Vorbereitungen war abgeschlossen und es ging von da an nunmehr um Details. Noch wichtiger war aber wohl, dass sich die Gruppe als gutes Team zusammen gefunden hatte.

Klettern am Schreyfelsmassiv im Donautal


Vorbereitung • Vorbereitungstouren • Die dritte Vorbereitungsour – Alpinflair am Grimsel

Alpinflair am Grimsel Wir waren kaum aus dem Donautal heimgekommen, da stand auch schon das nächste und letzte Vorbereitungswochenende an. Gleich vier Tage konnten wir diesmal zusammen klettern. Zumindest diejenigen von uns, die nicht am Freitag noch Klausuren schreiben mussten. Da wir ein wenig höher hinaus wollten, zog es uns in die wunderbare Alpenwelt des Grimselpasses. Unser Basislager schlugen wir auf Rebecca in den Seeplatten dem Campingplatz in Meiringen auf. Von dort aus ging es auch gleich am ersten Tag an die Seeplatten um kürzere Mehrseillängentouren zu klettern, was bestens geeignet war um sich an die Plattenkletterei im Granit zu gewöhnen, denn für den ein oder anderen Kalkkletterer auf der Alb stellt dieses Terrain doch eine große Umstellung dar. Alpines Wetter und Verhältnisse gab es auch gleich inklusive. Bei Nebel und Wind durften wir unsere Ausrüstung und Motivation testen und die überall noch anzutreffenden Schneefelder machten so machen Zustieg aufregender. Auch

die Ausrüstung von Mountain Equipment konnte verteilt werden und so konnte jeder am Abend seine neuen Ausrüstungsgegenstände inspizieren und gleich einmal testen. Da der organisatorische Teil nur mehr Kleinigkeiten umfasste, konnten wir uns voll aufs Klettern konzentrieren. Natürlich durfte die wohl fotogenste Route am Grimsel – Motörhead (6a+) – auf der to-do-Liste für dieses Wochenende nicht fehlen. Gleich zwei Seilschaften (die Christians sowie Christoph und Konstantin) kämpften sich durch die 14 Seillängen dieser traumhaften Rissverschneidung. Ein wenig verdutzt haben die vier geschaut, als in der sowieso nicht übermäßig abgesicherten Route an der Schlüsselstelle, anstelle einer ganz normalen Lasche ein mit einem Loch durchbohrter Messerha-

Mimi in der Fair Hands Line

ken angeschraubt war. Am Ausstieg war es dann schon 19 Uhr, ganz nach dem Motto zuerst ausschlafen und dann die arktische Gelassenheit walten lassen. Und als sie spät nachts auf dem Campingplatz wieder ankamen, wurde ihnen vorgeworfen, sich damit um das Kochen herum gedrückt zu haben. Aber auch der Rest kam auf seine Kosten. Zwischen zwei Begehungen der Fair Hands Line (6a) und einer der Schwarzbrunnenfluh (6b+) wurde viele viele Meter über Platten geschlichen und getanzt. Eine Disziplin von der wir in Spitzbergen keinen Gebrauch machen mussten. Abschluss des Wochenendes bildete das obligatorische Gruppenfoto in den auch bereits eingetroffenen knallgrünen JDAV Spitzbergen T-Shirts. Unser nächstes Zusammentreffen sollte dann auch schon am Flughafen in Frankfurt sein!

Konstantin in der Schlüsselstelle der Motörhead


Vorbereitung • Vorbereitung in Spitzbergen

Vorbereitungen in Spitzbergen Am 27. März ging es für mich nach Spitzbergen um für Spitsbergen-Tours eine Schneeschuhtour zu führen. Bis auf einen Tag mit Schneesturm war das eine sehr interessante Erfahrung, bei Temperaturen um -25 Grad eine Woche in einer Schneehöhle zu leben. In Longyearbyen konnte ich aus den Vorjahresrestbeständen unseres Sponsors nahezu unsere komplette Verpflegung zusammensuchen. Das bedeutete stundenlanges heraussuchen und sortieren draußen in der Kälte am Container-Lagerplatz in Longyearbyen. Hier möchte ich mich besonders bei meiner Guide-Kollegin Katja Förster für die tatkräftige Unterstützung bedanken. Ein paar Dinge habe ich dann noch im örtlichen Supermarkt nachgekauft und alles in 4 wasserdichte Tonnen, eine Zarges Box und unsere Pulkas verpackt. Insgesamt waren das knapp 100 kg Essen, Brennstoff und Kocher. Nach Ostern war es dann soweit. Gemeinsam mit Andreas Umbreit wurden die Sachen auf die Anhänger der Motorschlitten geladen und wir Verladen der Ausrüstung auf Schlitten fuhren nach Nor-

Besuch auf der ISPO den. Dort verlegten wir ein bisheriges Depot von Spitsbergen Tours vom Ålandsvatn an den Hoglandsvatn und deponierten dort auch unsere Ausrüstung, was stundenlange Schaufelarbeit im stark verwehten Moränengelände bedeutete. Nach dieser 19-stündigen Motorschlitten Tour waren wir dann ziemlich geschafft, aber es hatte sich gelohnt und wir hatten vieles im Gelände erledigt. Das Depot ermöglichte uns erst mit so einer großen Gruppe ins Zielgebiet vorzustoßen. Ein Mittragen über die ganze Strecke hätte sehr viel Zeit gekostet, wenn es denn überhaupt möglich gewesen wäre. Unser Dank gilt insbesondere TerraPolaris / Spitsbergen Tours für die logistische Unterstützung unserer Expedition. von Christian Katlein

Christian beim Aussetzen des Depots am Hoglandsvatn

Für unsere Spitzbergen Expedition waren wir Anfang Januar ein Wochenende auf der ISPO Winter 2009 in München unterwegs. Ziel war die Werbung von Sponsoren für unser Vorhaben. Neben zahlreichen Absagen und „kein Budget, tut uns leid“, haben wir auch einige sehr interessante Zusagen bekommen, welche uns für die weitere finanzielle Gestaltung der Expedition sehr weiterhelfen konnten. Bei der Vorstellung bei den Firmen half uns, dass wir unser Konzept als 10-seitige Hochglanzbroschüre vorlegen konnten. Einer der nettesten Kontakte der Messe war der englische Hardwarehersteller DMM, der uns mit Klettermaterial versorgte. Zukünftigen Expeditionen sei geraten: Fragt ihr bei einem englischen Sponsor an, solltet ihr auch darauf gefasst sein auf Englisch zu antworten. Neben 1000 verschiedenen Produkten für alles mögliche und unmögliche war ein lustiges Gimmick ein „Kletterförderband“, das „Klettern am laufenden Band“ ermöglichte - Preis: lustige 30.000 Euro und eine Eiskletterwand aus Styropor, die wirklich richtig Spaß gemacht hat, auch wenn die Eisgeräte schier gar nicht mehr rausgekommen sind. Wie auf den Fotos zu sehen, waren wir auch

fleißig am trainieren und hatten ersten Kontakt zu Eisbären...

modernes Training: Christian am Kletterförderband

Dieser Eisbär war äußerst friedlich zu unserem ISPO-Team


Vorbereitung • Ausrüstungsbestellung

Ausrüstungsbestellung Dankenswerterweise hatten wir die Möglichkeit bei einigen Firmen zu stark vergünstigten Konditionen Ausrüstung zu bestellen. Die Bestellungen wurden von unserem Sponsorenkoordinator gesammelt und verwaltet, was Zeitweise eine Riesenarbeit war, aber auch zu Glücksmomenten beim Auspacken toller Ausrüstungspakete führte: Ortovox: Wäre es ein Rennen gewesen so hätte das Team um Hendrik Reschke dieses mit Vorsprung gewonnen. Auch hier gab es zwar einige Umbestellungen, da wir im Frühjahr Winterartikel bestellten, doch ging hier alles reibungslos und super direkt. So konnten wir bei unserem zweiten Vorbereitungstreffen im Donautal bereits die Funktionsunterwäsche verteilen, die sich später in Spitzbergen bestens bewährt hat. Edelrid Da bei Edelrid das Hauptaugenmerk auf den Seilen lag, war die Bestellung denkbar einfach. Auch wenn die Kommunikation dank ungeschickter Spamfilter am Anfang nicht perfekt funktionierte war Edelrid einer

der unkomplizierten Hersteller. Da wir das gesamte Material per Post nach Spitzbergen schicken mussten fiel unsere Wahl auf die Merlin Halbseile, die extrem robust, imprägniert und leicht sind. Auch bei den zahlreichen Touren in Spitzbergen bewährten sich die Seile. Lediglich ein Strang wurde beschädigt, was bei den rauhen Verhältnissen kein Wunder ist. Mountain Equipment Als Partner der JDAV war es nicht schwer Mountain Equipment als Unterstützer zu gewinnen. Wir bestellten unter anderem 6 Schlafsäcke sowie zahlreiche Jacken, Hosen und Handschuhe. Hierzu wurden im Vorfeld die örtlichen Bergsportgeschäfte unsicher gemacht und alles anprobiert was interressant war. Da wir leider zum Ende der Wintersaison Winter-Artikel bestellten wurde daraus ab und zu ein wenig mehr Arbeit für mich und unsere Ansprechpartner, da viele Artikel nicht mehr oder nur noch in verschiedenen Größen oder Farben lieferbar waren. Auch Rucksäcke konnten wir dank Invia von Gregory beziehen.

DMM Die Auswahl von Karabinern und Friends fiel uns allen schwer, da die Palette so groß und kein Karabiner bei DMM sichtbar schlechter ist als ein anderer. Aber auch diese Hürde konnten wir überwinden. Da DMM eine eher kleine Firma ist, war es jedoch teilweise schwierig die benötigten Massen an Ausrüstung zu bekommen. Nach vielem hin und her kam auch das Paket von DMM in Deutschland an und nach einem 24 stündigen Aufenthalt ging die Reise für das Paket voll mit Klettermaterial nach Spitzbergen weiter. Es traf dort nur einen Tag vor uns ein. Erwähnenswert ist auch, dass DMM uns einen kompletten Satz Ausrüstung für eine Seilschaft kostenlos zur Verfügung stellte. Also alles in allem ein Volltreffer, sowohl vom Inhalt als auch vom Timing. Julbo Beinahe wären wir in München am Julbo-Stand einfach vorbeigelaufen, doch wider Erwarten zeigte sich Julbo als eine der spendabelsten Firmen. Wir durften uns bei Julbo 10 Brillen aussuchen. Die Entscheidung fiel in fast allen Fällen auf

die Explorer, den modernen Klassiker der Gletscherbrille, groß genug um alles abzudecken, leicht und gut anzupassen. Unsere Frau entschied sich für das Modell Nomand, die alltagstauglichste Gletscherbrille die es wohl gibt. Aber bei den Gläsern waren sich alle zehn einig, dass es die Cameleon sein sollten, Gläser die sich selbst abdunkeln und polarisierend sind. Wir möchten uns nochmal bei allen Sponsoren für die gute Unterstützung und das entgegengebrachte Vertrauen bedanken! von Christian Müller


Vorbereitung • Essensplanung

Essensplanung

Postkarten

Eines der Hauptliesser auf, dass entsprechend gesprächsthemen auch die Rationen für Spitzberwährend unserer gen angepasst hätten werden Expedition war das müssen. Das führte dann Essen. Nicht nur dass folglich für alle zu einer doch uns ein Eisbär 8kg der sehr knappen Frühstücksdeponierten Schokoration, die zusammen mit lade gestohlen hatte, dem Schokoladenverlust nein uns war auch ein doch erheblichen Einordentlicher Planungsfluss auf die Moral hatte. fehler unterlaufen. Aus Einige hatten doch eher Umwelt- und Preisgründen mit den für die JDAV haben wir uns entschlossen üblichen riesen Essenstatt teurer Spezialnahrung sportionen gerechnet normale Trockennahrung und fürchteten sich (Nudeln/Reis/Kapü) mitzunehschon beinahe vor n men. Die Mengen kalkulierten Verhungern. ratio dem ier t - er Müsli ll o r t on ei d wir anhand einer DepotausstatGenerell sollte man nau k sfehler b e g t ha ung tungsliste unseres Partners sich jedoch im Klaren sein, dass mand dem Plan nd nie it TerraPolaris, wobei wir einzelne uDie Liste m man bei solchen Expeditionen durchaus Mengen nach oben oder unten mit Gewichtsverlust rechnen muss. Im Nachanpassten. Bei den Vorbereitungstouren hinein mussten auch alle Teilnehmer eingezeigte sich, dass die Essensrationen im gro- stehen, dass die Portionen gar nicht so knapp ben und ganzen hinkommen. Sie waren zwar waren, sondern viel mehr die Gruppendynamik nicht üppig, aber Essen für zehn Leute will die Essensvorräte als zu klein erschienen ließ. auch getragen werden, so dass einfach kein Immerhin, wir haben nichts von unserem Essen Festmahl drin ist. Eins war jedoch vollkommen zurückgetragen und bereits wenige Tage nach falsch rationiert und das war Müsli. Bei den Ankunft die verlorenen Kilos wieder aufgefüllt. Vorbereitungstouren ließ sich das einfach ausvon Christian Katlein merzen. Leider fiel jedoch niemandem der Müs-

Heutzutage verliert die Postkarte dank Email und iPhone wohl immer mehr an Bedeutung. Trotzdem bekamen wir von Postkartensammlern Anfragen, ob wir nicht auch eine Expeditionspostkarte verschicken. So schwierig ist die Gestaltung einer Postkarte nicht und mit Hilfe unseres Partners Druckerei M. Fink GmbH & Co.KG konnten wir allen Sammlern und Unterstützern während der Expedition als kleines Dankeschön unsere Postkarte zuschicken. Insgesamt haben wir 400 Postkarten mit verschiedenen Motiven gedruckt. Auch bei den Teilnehmern waren die Postkarten natürlich als Gruß in die Heimat sehr beliebt.

Die fünf beliebtesten Motive der Expeditionspostkarte


Vorbereitung • Webseite

Webseite Neben der Werbung im Schulungsprogramm der JDAV Baden-Württemberg und der Webseite des Landesverbandes benutzten wir eine eigene Webseite, um auf unsere Unternehmung aufmerksam zu machen. Als Basis dafür konnten wir die Internetseite des JDAV Landesverbandes verwenden, welche auf Typo3 aufgesetzt ist und es ermöglicht, mehrere Domains mit Seiteninhalt zu versorgen. Das komplette Layout der Seite wurde zunächst übernommen, eine eigene – auf die Inhalte der Expedition angepasste – Seitenstruktur erstellt und schließlich noch ein paar passende Bilder hinzugefügt. So hatten wir eine Plattform, um die Ideen unseres Vorhabens kund zu tun und eine Anlaufstelle für Sponsoren und Interessierte. Für die Suche nach Sponsoren war es sehr hilfreich, auf der einen Seite eine Adresse angeben zu können, unter der weitere Infos zu finden waren und auf der anderen Seite darauf Werbung anbieten zu können. Alle Sponsoren wurden auf einer eigenen Seite sowie auf jeder Seite am Rand mit einem Logo erwähnt. Bereits vor der eigentlichen Expedition stellten wir immer wieder Berichte von Vorbereitungstouren und dem Stand der Dinge online. Während der Expedition konnten wir über unseren Ansprechpartner zu Hause

T-Shirts über das Satellitentelefon aktuelle Berichte online stellen. Auch den Wetterbericht für das Gebiet, in dem wir uns aufgehalten haben, wurde auf der Webseite veröffentlicht, so konnten Angehörige und Freunde nachschauen, wie es uns im hohen Norden ergeht. Nach der Expedition wurden Bilder und Videos veröffentlicht sowie Berichte zu den Touren, die wir gemacht haben. Neben diesem öffentlichen Teil nutzten wir das Forum der JDAV Webseite für organisatorische Dinge und errichteten einen internen Bereich für private Dinge wie Adresslisten, Packlisten, Sponsorenbestellungen usw. die wir damit geschützt austauschen und „kollaborativ“ erarbeiten konnten. Da Typo3 ein relativ komplexes System ist, das lange Einarbeitungszeit erfordert, ist es nur auf Grund der vorhandenen Infrastruktur so leicht gewesen, diese Seite aufzusetzen. Wenn diese Infrastruktur nicht gegeben ist, tut man sich mit einer Blog-Software wie z.B. Serendipity oder Wordpress sicherlich leichter. von Michael „Mimi“ Knoll

Einer unserer Wünsche für die Expeditionsausrüstung war ein gemeinsames Kleidungsstück. Einerseits als gemeinsames Outfit für Fotos, als auch für Vorträge und als Erinnerungsstück. Nachdem wir keinen Sponsor für eine schicke gemeinsame Softshell-Jacke gefunden hatten, fiel die Wahl auf das universellste, wenn auch etwas Spitzbergen untypische Kleidungsstück: Ein T-Shirt. Die Wahl fiel auf ein Funktionshemd im DAV ähnlichen hellgrün, dass sich später dann doch eher als warnfarben neon-grün herausstellte. Manuel durfte die T-shirts in der Siebdruckwerkstatt seiner Hochschule bedrucken und der berühmte Klettercartoonist Erbse stellte uns ein Motiv, das er bereits für Christian gezeichnet hatte, für den Rückendruck zur Verfügung. Die Warnfarbe machte Expeditionsteilnehmer allzeit gut sichtbar und wider erwarten war dank des warmen Wetters das T-shirt sogar öfters als Oberbekleidung in Spitzbergen zu sehen. Über den tatsächlichen Funktionsgehalt und die Robustheit dieses so genannten Funktionshemdes gab es natürlich unterschiedliche Meinungen. Aber es ist in jedem Fall ein schönes und auffälliges Erinnerungsstück.

Rückenmotiv des Expeditions-T-Shirts gezeichnet von Erbse (www.erbsencomics.de)


Vorbereitung • Klettermaterial

Felsausrüstung für unsere Erstbegehungen

Klettermaterial Persönlich: Klettergurt Kletterschuhe (Ersatzschuhbändel) HMS Karabiner 3 Kleine Schrauber 4 Bandschlinge 120cm 4 Bandschlinge 60cm 4 Abseil- / Sicherungsgerät 1

Stück Stück Stück Stück Stück

Gemeinsam: Expressen 40 Friends 4 Klemmkeile 4 Schlag - Haken 50 Hammer 4 Eisgeräte 5 Eisschrauben 31 Handbohrset 2 Bohrhaken 7 Schraubenschlüssel für Bohrhaken 1 Materialkarabiner f. Eisschrauben 8 Repschnurmaterial 6 mm 10 Repschnurmaterial 5 mm 20 Abalakovfädler 4 Klemmkeilentferner 4 Halbseile 5

Stück Sätze Sätze Stück Stück Paar Stück Stück Stück Stück Stück Meter Meter Stück Stück Paar

von Philipp Schädle

Christian und Konstantin sortieren die Ausrüstung für eine Erstbegehung


Vorbereitung • Medizinische Versorgung

Medizinische Versorgung Vorkehrungen gegen Eisbärenbisse und Bodenstürze Eine Expedition in die Wildnis Spitzbergens bedeutet auch immer eine große Distanz zu möglicher medizinischer Hilfe. Zwar kann über Satellitentelefon oder Notpeilsender Hilfe angefordert werden, diese trifft jedoch frühestens nach einer Stunde oder wenn kein Flugwetter ist erst nach mehreren Tagen ein. Der Superpuma-Rettungshubschrauber des Gouverneurs ist zwar bestens ausgestattet, dennoch gibt es nur eine kleine auf Rettung spezialisierte Einheit des Roten Kreuzes, deren Schwerpunkt jedoch die Gletscherrettung ist. Spektakuläre Bergungen aus den Wänden und Rettungsaktionen in der Wand sind daher nur äußerst eingeschränkt und nur mit Mithilfe der Expedition möglich. Entsprechende Fähigkeiten vorweisen zu können ist daher für die Genehmigung der Tour sehr von Vorteil. Teil unseres Teams war ein Bergwachtler, zwei Sanitäter(anwärter) sowie unser Spitzbergenerfahrener und in WildnisErste-Hilfe ausgebildeter Expeditionsleiter. Das gesamte Team war angehalten sich in Sachen Erste Hilfe und Bergrettung auf einen aktuellen Stand zu bringen. Weiterhin übten wir die wichtigsten Grundtechniken während unseren Vorbereitungstouren.

In Zusammenarbeit mit Ärzten und Apothekern aus dem Umfeld der Expedition, konnten wir eine umfangreiche Expeditionsapotheke zusammenstellen, die in mehren Kunststoffkisten verteilt transportiert werden konnte. Das Dimensionieren einer solchen Expeditionsapotheke ist ein anspruchsvolles Unterfangen. Benötigt man einen Typ Verband oder Medikament tatsächlich über eine längere Zeit, braucht man eine ordentliche Menge. Andererseits schleppt man womöglich vieles unnötiges mit. Gott sei Dank haben wir ziemlich wenig von unserer Apotheke Gebrauch machen müssen: • Steigeisenschnittwunde an der Hand, Versorgung mit Klammerpflastern • Schnittwunden an der Hand nach einem Bodensturz • stark geschwollenes Knie, Salbe und Verband • diverses Tape und Blasenpflaster für Marschblasen • Kopfschmerztabletten

Ständige Begleiter auf Tour im Land der Eisbären: Erste Hilfe Set und Gewehr

Um nachfolgenden Expeditionen einen Anhaltspunkt zu geben findet sich auf der nächsten Seite eine Liste unserer medizinischen Ausstattung. Zusätzlich zu dieser

Hauptapotheke die im Camp verblieb hatten wir für die Touren 5 kleine Erste-Hilfe Sets dabei, die primär auf Wundversorgung ausgelegt waren. In der Liste fett gedruckte Teile wurden von uns tatsächlich verwendet. Die Arzneimittel haben wir aus der Verpackung herausgenommen, einen Teil der Verpackung mit Gummi an den Tabletten befestigt und die Beipackzettel gesammelt alphabetisch sortiert beigelegt. Weiterhin wurde die Ausrüstung thematisch auf drei verschiedene Verbandskästen aufgeteilt: Verbandsmaterial, Salben und einfache Medikamente. Die Medikamente verblieben im Zelt der beiden Personen die sich zuvor von medizinischem Personal in die Anwendung dieser Medikamente einweisen gelassen hatten. Die starken Notfallmedikamente wurden vom Expeditionsleiter verwahrt.


Vorbereitung • Medizinische Versorgung

Expeditionsapotheke 1x20 1x10g 1x30 1 Tube 1x 20 1x20g 1x20 1x10 2x10 1x30 1x15ml 1x20g 1x10 1x10 1x6 1x 1x30 2x10 1x20 1x30ml 1x4 1x20 1x20 1x 1x24 1x50ml 1x 1x50g 1x20 1x25g

Amoxicillin Tabl. Antibiotikum, bakterielle Erkrankungen Arnika Gobuli Prellungen, stumpfe Verletzungen ASS Schmerzmittel, leichte Schmerzen Bepanthen Augen- und Nasensalbe Entzündungen, Rötungen Berberil Augentropfen Entzündungen, Rötungen Brand-und Wundgel Verbrennungen, zum Kühlen Cetirizin Tabl. Antiallergikum Ciprofloxacin 500mg Tabl. Antibiotikum, starke bakterielle Erkrankungen Diazepam Tabl Beruhigungsmittel, Notfallmittel Diclofenac 50 mg Tabl. Schmerzmittel, starke Schmerzen Effortil Tropfen Kreislaufmittel, starker Blutdruckabfall Fenistil Gel Antiallergikum, bei Juckreiz Ibuprofen 400 Schmerzmittel, mittelstarke Schmerzen, Fieber Ibuprofen 500 Lysinat Schmerzmittel, mittelstarke Schmerzen, Fieber Imodium akut lingual Durchfallmittel Kanamytrex Augentropfen bakterielle Entzündungen Kohle Kompretten Durchfallmittel, Vergiftungen Loperamid Tabl. Durchfallmittel Magnesium 400mg Brausetabl.Krämpfe MCP Tropfen starkes Erbrechen Mikroklyst Verstopfung Mucosolvan Lutschtabl. Husten Musaril Tabl sehr starke Verkrampfungen, Notfallmittel Nasenspray von AL Ohrenschmerzen, Schnupfen Neo-Angin Lutschtabl. starke Halsschmerzen, Octinisept Fls. Desinfektion Otalgan Ohrentropfen Ohrenschmerzen Panthenolcreme Wund- und Heilsalbe Paracetamol/ Benuron 500mg Schmerzenmittel, leichte Schmerzen, Fieber, PVP Jod Salbe Entzündungen, Vereiterungen

1x50 Sinupret Tabl. Schnupfen, verstopfte Nase, Schleim lösend 1x20 Talvosilen forte Schmerzmittel, sehr starke Schmerzen, 1x10ml Tramol Tropfen extrem starkes Schmerzmittel, Notfallmittel 1x5g Tyrosur Gel Entzündungen, Vereiterungen 1x50g Voltaren Emulgel Schmerzmittel, Muskelschmerzen 1x20 Wick Daymed Grippe, allgemeine Erkältung 1x Beatmungsmaske 2x5 Compeed Blasenpflaster groß 2x6 Compeed Blasenpflaster small 1x Fixomull strech 2m x10cm 1 Packung Handschuhe 1x5m Hansaplast 2,5 cm 12x Kanüle Nr. 1 2x10 Kompressen steril 8,5x5cm 10x Mullbinden 8 cm 3x1m Pflaster 6cm 3 Pack Pflasterstrips gemischt 1x Pinzette 1x10 Porofix Klammerpflaster 1x Schere 2x10m Sporttape 3,75 Anst a Felsk t t E x trem s let te rn be ituatione n i S on n e n s un d ar k tis chein und imchen Stü T-shir rmen g ab e s t


Vorbereitung • Ohne Moos nix los

Ohne Moos nix los Wie finanziert man drei Wochen Aktivurlaub auf Spitzbergen? Alle Expeditionen in die Arktis haben eines gemeinsam: Sie sind teuer. Flüge, Schifftransfers, Depots, Ausrüstungstransporte, Spezialausrüstung und viel mehr will bezahlt werden wenn man sich etwas abseits der ausgetretenen Pfade bewegt. Spitzbergen ist da wenigstens dank internationalem Flughafen mit der nötigen Logistik versorgt und auch für normalsterbliche halbwegs preisgünstig erreichbar. Dennoch stellt so eine Expedition auch eine große finanzielle Herausforderung dar, zumal jugendliche Teilnehmer eher nicht so zahlungskräftig sind. Hierbei erwies sich natürlich die Tatsache, dass wir eine Expedition der JDAV BadenWürttemberg waren als hilfreich, da die Jugend auch im Alpenverein durchaus als förderungswürdig gilt. Die Expeditionsförderung des DAV-Ressorts Spitzenbergsport fördert hauptsächlich die großen Expeditionen der bekannten Bergsteiger, bot aber auch uns als Jugendexpedition finanzielle Unterstützung. Weiterhin wurden wir vom DAV-Landesverband Baden-Württemberg und trotz knapper Finanzlage auch durch die JDAV Baden-Württemberg finanziell sehr großzügig unterstützt. Etwas enttäuscht waren wir, dass wir vom Bundesverband der

JDAV keinerlei Förderung erhielten, wäre dies doch der Verband gewesen der am ehesten für eine Förderung zuständig gewesen wäre und selbiges in vergangenen Jahren auch schon öfters getan hatte. Leider ist die Finanzpolitik der JDAV auf Bundesebene in Händen eines Herrn mit grauen Haaren und äußerst undurchsichtig. Weiterhin existiert anscheinend ein genereller Beschluss des Jugendausschusses gegen das Fördern von Expeditionen, obwohl die Förderung der Jugend zu selbständigen Bergsteigern erklärtes Satzungsziel der JDAV ist. Im Gegensatz dazu erklärten sich alle Sektionen der Expeditionsteilnehmer zu einer Förderung bereit, deren Höhe zwischen 100 und 300 Euro pro Teilnehmer schwankte. Hinzu kamen vereinzelte sehr großzügige private Spenden, für die wir dank unserer Zugehörigkeit zur JDAV Baden-Württemberg auch Spendenquittungen ausstellen konnten. Für die Suche nach Sponsoren waren wir bereits relativ spät dran, als wir Anfang Februar in München auf der ISPO für unser Projekt warben. Zu dem Zeitpunkt hatten die meisten Firmen ihr Sponsoring-Budget schon verplant. Weiterhin geben alle Firmen lieber billige Ausrüstung, als finanzielle Unterstützung. Trotz der schwierigen Ausgangslage – teils auch sicher wegen der Wirtschafts-

krise – gelang es uns einige Sponsoren zu begeistern, die uns teilweise mit kostenloser oder zumindest stark vergünstigter Ausrüstung versorgten. Nicht zu vergessen ist vor allem auch die logistische Unterstützung durch Terra Polaris vor Ort. Hätten wir die benötigte Logistik in vollem Umfang bei anderen Agenturen bezahlen müssen, wäre das Expeditionsbudget wohl deutlich zu klein gewesen. Eine kleine Sache am Rande, die uns aufgefallen ist: Keine der Firmen egal wie groß die Unterstützung war, legte die Rahmenbedingungen in einem Sponsor-Vertrag fest. Das werten wir als großes Vertrauen und haben daher unser bestes gegeben dies zu erfüllen. Lediglich die DAV-Expeditionsförderung ist schriftlich an Bedingungen geknüpft. von Christian Katlein

Die Eismassen des Mittag-Leffler-Gletschers


Vorbereitung • Sponsoring

Sponsoren Wir bedanken uns hiermit recht herzlich bei all unseren Sponsoren. Ohne deren Unterstützung wäre die Umsetzung um einiges schwieriger oder gar unmöglich gewesen.

Folgende DAV-Sektionen und Verbände haben uns finanziell und ideell unterstützt: Longyearbyen Camping Übernachtung in Spitzbergen

Ortovox vergünstigte Funktionswäsche

Deutscher Alpenverein Abteilung Spitzenbergsport Expeditionsförderung

Amical Alpin Satelittentelefon

Mountain Equipment / INVIA vergünstigte Schlafsäcke und Bekleidung

DMM Wales Kletterausrüstung

Finkdruck Flyer, Postkarten, Expeditionsbericht

Edelrid vergünstigte Seile und Kletterausrüstung

Terra Polaris / Spitzbergen Tours Logistik, Spezialausrüstung, Bilder, Beratung

Claudia Röger Wetterbericht während der Expedition

DAV-Summitclub Pack und Seesäcke

Julbo Gletscherbrillen

Polarcharter Sonderkonditionen Schiffstransfer

JDAV Bayern Mützen

DAV-Landesverband Baden-Württemberg JDAV-Landesverband Baden-Württemberg DAV-Freiburg DAV-Mannheim DAV-Ludwigsburg DAV-Schwaben DAV-Bad Waldsee Unterstützung mit Sach- oder Geldspenden gab es auch von: Erbse (T-shirt Motiv) Wolfgang Goller (Pulka Kufen) Bosch Rexroth Elchingen Sonderteile Th. Beck (Pulkagestänge) Mark Schneider Anke Kraft Anne Gold Metzgerei Rückert Friedel G. Egger Werner Haim Reinhard Buchner ... sowie unzählige nicht genannte kleine und größere Hilfeleistungen. Vielen Dank!


Auf Tour


Auf Tour • Chronologischer Ablauf der Expedition

Chronologischer Ablauf der Expedition 25. Juli: • Treffpunkt am Frankfurter Flughafen • Flug über Oslo und Tromsø nach Longyearbyen • Aufbau der Zelte auf dem Campingplatz • 0:15 Uhr schlafen 26. Juli: • 8:30 Uhr aufstehen • Besuch des Svalbard Museums • letzte Besorgungen in Longyearbyen • Aufteilen von Proviant und Kletterausrüstung • Schießtraining oberhalb Longyearbyens, Nähe Seed Vault • kurz vor 3 Uhr schlafen 27./28. Juli: • 5:45 Uhr aufstehen • 8:30 Uhr Transfer zum Hafen • Fahrt mit Polarkreuzer „Polargirl“ nach Pyramiden, von dort mit Schlauchbooten in die Petuniabucht nahe der Skottehytta • erste Etappe via Ragnadalen, Ragnabreen, Mc Whaebreen zum Depot und ersten Lagerplatz in der Nähe des Hoglandvaten • gegen 4 Uhr schlafen

28./29. Juli: • 14 Uhr aufstehen • Rückmarsch zum Zwischendepot am Mc Whaebreen, beim Hinweg ohne Wathosen und mit Umweg, beim Rückweg mit Wathosen und ohne Umweg • Rationierung der vorhandenen Vorräte • kurz nach 5 Uhr schlafen 29./30. Juli: • 14 Uhr aufstehen • nach Frühstück Start zu Erkundungstour über Mittaglefflerbreen für den nächsten Lagerplatz • kleines Depot von Eisausrüstung und Seilen nahe des angestrebten neuen Lagerplatzes • 1:00 Uhr zurück am Lager 1 • 3 Uhr schlafen 30./31. Juli: • 14 Uhr aufstehen • nach Frühstück wird Lager nahezu abgebaut • 17:30 Uhr starten Christian K., Christian M. und Konstantin zur Tarantelle, Erstbesteigungsversuch endet nicht ganz auf dem höchsten Punkt

• Rest der Gruppe verlegt Lager 1 mit Pulkas an den Zusammenfluss von Mittagleffler-, Formidable- und Aktivbreen • von Lager 2 aus erster Kontakt per Satellitentelefon mit Kalle in Deutschland • Tarantellegruppe um 6 Uhr zurück im Lager 1 31. Juli/1. August: • Gruppe in Lager 1 steht um 17:15 Uhr auf • nach Frühstück wird Lager 1 endgültig abgebaut • 21:15 Uhr Abmarsch von Lager 1 zum Lager 2 • Gruppe in Lager 2 holt Ausrüstung aus Zwischendepot ins Lager 2 • Besteigung des Furystakken • 1 Uhr Ankunft von Christian K., Christian M. und Konstantin in Lager 2 • nach gemeinsamem Abendessen gegen 4 Uhr schlafen 1./2. August: • gegen 8:30 Uhr aufstehen • Christoph, Michi, Mimi und Philipp klettern „No reason to get excited“ am Ramsajfjellet • Christian K. und Konstantin klettern „Sonnenrinne“ am Bottfjellet und „Seize the day“ am Ramsayfjellet

• Uli und Rebecca sowie Manuel und Christian M. klettern am Hyrneknausen • nach Rückkehr neue Rationierung des Proviants • kurz vor 4 Uhr schlafen 2./3. August: • 16:30 Uhr aufstehen, anschließend gemeinsames Frühstück • Christian K., Manuel und Konstantin klettern „Unten pfui – oben hui!“ am Bottfjellet • Mimi und Christoph klettern „Julbocouloir“ am Bottfjellet • Rebecca, Michi, Philipp und Christian M. versuchen sich am Ramsayfjellet • erneuter Kontakt über Satfon und Wetterbericht von Claudia • gegen 4:30 Uhr Abendessen und gegen 7 Uhr schlafen 3./4. August: • 18 Uhr aufstehen • Wetter nicht besonders einladend • Christian K., Christoph, Rebecca, Manu und Konstantin machen Erkundungstour zum Sederholmfjellet für mögliche Klettertouren • Gruppenrest macht Ruhetag • 1:30 Uhr zurück im Lager 2 • nach Abendessen gegen 6 Uhr schlafen


Auf Tour • Chronologischer Ablauf der Expedition

4./5. August: • 16 Uhr aufstehen und frühstücken • Christian K. und Konstantin versuchen sich am Sederholmfjellet • Christoph und Rebecca, sowie Uli und Manuel klettern „Lars der kleine Eisbär“ am Hyrneknausen • Christian M., Michi, Mimi und Philipp klettern „From dusk till dawn“ am Bleikfjellet • Satfonkontakt nach Deutschland zu Kalle • gegen 5 Uhr wieder alle im Lager 2 • nach Abendessen gegen 7:30 Uhr schlafen 5./6. August: • 17 Uhr aufstehen und anschließend frühstücken • Christoph, Rebecca und Konstantin klettern „Mitternachtssonne“ oberhalb des Fairbairnbreen zu P. 1025 m • Rest der Gruppe legt einen Ruhetag ein • gegen 6 Uhr zurück im Lager 2 • nach Abendessen gegen 9 Uhr schlafen, die Ruhetaggruppe startet nun zu ihren Touren: Christian K., Manu und Uli überschreiten Sederholmfjellet

6./7. August: • Christoph, Rebecca und Konstantin legen Ruhetag ein • als gegen 19 Uhr alle wieder im Lager2 sind, kurzes Frühstück • Satfonkontakt nach Deutschland mit Kalle • dösen/schlafen 7. August: • 12:30 Uhr aufstehen und frühstücken • Christoph und Konstantin überschreiten das Sederholmfjellet • Christian M., Michi, Mimi und Philipp entdecken Felstour am Ramsayfjellet, Begehung der 1. Seillänge • Christian K. und Manuel auf Erkundungstour zum Furystakken und Ramsayfjellet • gegen 23:30 Uhr wieder schlafen 8. August: • 5:30 Uhr aufstehen und frühstücken • anschließend wieder ins Zelt, lesen und dösen • gegen 19 Uhr gemeinsames Abendessen • gegen 23 Uhr erneut schlafen

9. August: • gegen 7:30 Uhr aufstehen und gemeinsames frühstücken • Christian K. und Manuel klettern Schokoladenbär am Bottfjellet • Christian M., Michi, Mimi und Philipp klettern „Dark side of the moon“ • Christoph, Rebecca, Uli und Konstantin erkunden das Sederholmfjellet nach möglichen, verbleibenden Klettertouren • gegen 18:30 Uhr Abendessen • Satfonkontakt nach Deutschland mit Kalle • gegen 23 Uhr schlafen 10. August: • 7 Uhr aufstehen und gemeinsam frühstücken • Christoph, Manuel und Konstantin wiederholen „Dark side of the moon“ am Ramsayfjellet • Christian K. und Rebecca klettern „Singularität der Weltfunktion“ am Ramsayfjellet • Christian M., Michi, Mimi und Philipp versuchen sich erneut an ihrem Felsprojekt am Ramsayfjellet • gegen 20 Uhr zurück im Lager 2 mit gemeinsamem Abendessen • gegen 22 Uhr schlafen

11. August: • gegen 10 Uhr aufstehen und frühstücken • Christoph und Konstantin wiederholen „Singularität der Weltfunktion“ am Ramsayfjellet • Christian M., Christian K., Mimi und Philipp wiederholen „Dark side of the moon“ am Ramsayfjellet • Rebecca, Manuel und Uli klettern „Grand Final“ am Bottfjellet • gegen 21 Uhr Abendessen • Satfonkontakt nach Deutschland mit Kalle • 23:45 Uhr Rückkehr von Rebecca, Manuel und Uli und anschließend schlafen 12. August: • 8:30 Uhr aufstehen und gemeinsam frühstücken • Zusammenpacken des Lagers • 12:50 Uhr Abmarsch mit Pulkas in Richtung Lager 1 • Zwischenstopp vor Lager 1, wo eine Gruppe die Pulkas ins Lager 1 bringt und anschließend wieder zurückkehrt, eine andere Gruppe erkundet einen Lagerplatz für weitere Übernachtung auf dem Gletscher • 19:30 Uhr Ankunft an günstiger gelegenem Lagerplatz, Zelte aufbauen • Abendessen und gegen 22 Uhr schlafen


Auf Tour • Chronologischer Ablauf der Expedition

13. August: • 11:30 Uhr aufstehen und frühstücken • Lager wieder zusammenpacken • 13:50 Uhr Abmarsch in Richtung Petuniabucht • über Ragnarbreen und durch Ragnardalen bis zur Bucht • 20:45 Uhr Ankunft an Lagerplatz in Petuniabucht direkt am Strand, unweit Skottehytta • Zelte aufbauen und Abendessen • gegen 0:30 Uhr schlafen 14. August: • gegen 11:30 Uhr aufstehen und kleines Frühstück • anschließend dösen im Schlafsack • 15:20 Uhr Feedbackrunde • gegen 18:30 Uhr Abendessen und gegen 21Uhr schlafen 15./16. August: • 11 Uhr aufstehen und sehr kleines Frühstück • Lager zum letzten Mal zusammenpacken • 13 Uhr Besuch einer polnischen Forschungsgruppe in der Skottehytta • dort essen wir Waffeln, Borschtsch und trinken Tee, Kaffee, Milch und Metaxa

• gegen 15 Uhr werden wir von Polarkreuzer „Polargirl“ wieder abgeholt und mit Brownies (Schokoladenkuchen) verwöhnt • leckeres Buffet an Bord • 21 Uhr Ankunft im Hafen von Longyearbyen • Gepäck zum Zeltplatz und anschließend zum Essen in die Stadt • gegen 2 Uhr Fahrt zum Campingplatz, duschen und umpacken • 8 Uhr Abflug über Oslo zurück nach Frankfurt

tiefblaue Spaltenwelt der arktischen Gletscher


Auf Tour • Die Tour

Die Tour

Übersichtskarte über Spitzbergen, sowie das Gebiet des inneren Isfjorden. Die schwarzen Rahmen geben die Umrisse der jeweils detailreicheren Karte an. Die Detailkarte auf der rechten Seite zeigt das Zielgebiet der Expedition. Der Bootstransfer erfolgte von Longyearbyen bis an das Ende der Bucht die am unteren Kartenrand zu sehen ist. Das zweite Camp befand sich am Zusammenfluss von Mittag-Lefflerbreen und Formidablebreen etwas nördlich des Schriftzuges Ramsayfjellet.

Kartengrundlage: Norwegisches Polarinstitut


Auf Tour • Tourenbericht • Anreise

Anreise Am Samstag, den 25.07.09 um 10:00 Uhr treffen alle Expeditionsteilnehmer pünktlich in Frankfurt a. M. Flughafen ein und gehen anschließend zum Check-in und zur Gepäckaufgabe. Wir fliegen in 7,5 h über Oslo mit Zwischenlandung in Tromsø nach Longyearbyen auf Spitzbergen. Da der Flughafen dort eher überschaubar klein ist, haben wir schnell unser Gepäck abgeholt und machen uns auf den Weg zum Zeltplatz. Es machen sich erste Eindrücke breit: eine karge und unwirtliche Landschaft - Schnee, Eis und viel Fels. Von letzterem hoffen wir solchen zu finden, der unseren Hunger auf alpine Erstbegehungen stillt. Auf dem Zeltplatz angekommen wird erst einmal gegessen und anschließend das im Voraus verschickte Material sortiert. Als wir unsere in Paketen verstauten Zelte gefunden haben, fallen wir zufrieden ins Zelt. Wir werden das erste Mal mit der arktischen Sonne konfrontiert, die auch um 24:00 Uhr noch hell scheint. 26.07.09 – Wir stehen früh auf, denn wir haben ein volles Programm. Wir werden von Andreas Umbreit – Reiseführer, Autor, Trekkingagenturbesitzer und unsere Kontaktperson auf Spitzbergen, vom Zeltplatz abgeholt und ins Museum gebracht. Hier bekommen wir von ihm höchstpersönlich eine Führung

mit interessanten Informationen zu Spitzbergen. Anschließend geht es zum „Shoppen“ und Essen in die Stadt. Im „KROA“ – einem rustikalen Restaurant – essen wir eine hervorragende Pizza, welche unsere vermutlich letzte richtige Mahlzeit für die nächsten 3 Wochen ist. Wir verbringen noch etwas Zeit damit, die letzten Grüße an die Lieben Abflug in Frankfurt in der Heimat zu versenden und schon geht es mit Andreas Umbreit weiter zum Schießen. Da der Schießplatz aber leider belegt ist, fahren wir zurück zum Zeltplatz, wo wir die Zeit zum Rucksäcke packen nutzen. Zum ersten Mal bekommen wir einen Überblick darüber, wie viel wir zu schleppen haben. Der Schätzung nach von 30 bis fast 40 kg. Es wird klar, dass uns ein harter Marsch bevorsteht. Weil wir noch schießen müssen, wird es wieder einmal spät und wir kommen erst um 2:00 Uhr ins Bett. Da unser Schiff am 27.07.09 schon um 8:00 und nicht wir erwartet um 10:00 abfährt, kommt morgens noch etwas Hektik

auf. Als das Schiff erst mal den Hafen verlassen hat, interessiert die meisten nur noch der Salon, auf dessen Bänken wir den verlorenen Schlaf der letzten Nacht nachholen. Wir nehmen noch ein Mittagessen auf dem Schiff ein, bevor wir mit Zodiacs ausgebootet werden. Zur Freude einiger gibt es – typisch einheimisch – Gulaschsuppe mit Minkwal. Wir landen in der Petuniabukta in der Nähe der Skottehytta, welche derzeit von polnischen Forschern bewohnt wird. Diese leihen uns freundlicherweise ein paar Wathosen, was das Überqueren des Ebbaelva um einiges beschleunigt. Auf der anderen Seite angekommen, steht uns nichts mehr im Weg um zum ersten Depot zu gelangen – sollte man meinen. Zuerst geht es noch angenehm den Fjord entlang und das einzige was uns hin und wieder zur Pause zwingt, ist der Rucksack, der uns in den Boden drückt. Als sich dann der Ragnarbreen auftut, verlassen wir langsam die wüstenartige Gegend, was aber auch neue Schwierigkeiten mit sich bringt. Die bisher eher flache Landschaft stellt sich

auf und die erste Moräne stellt sich uns in den Weg. Ab hier machen wir nur noch wenig Strecke und das Ziel scheint nicht näher zu kommen. Der Rucksack wird nach jeder Pause und jedem erneuten Aufsetzen schwerer und schwerer. Die Hüften beginnen bereits zu schmerzen. Auf dem Ragnarbreen angekommen macht es den Eindruck, als könne es gar nicht mehr so weit gehen, aber hier spüren wir zum erstem mal wie endlos Spitzbergens Gletscher sein können. Oben angekommen wird es wieder überschaubar, wir können unser Ziel schon fast sehen. Am Fuße des McWhaebreen legen wir ein Materialdepot an, in dem wir unsere Klettersachen und einiges Essen zurücklassen. Mit nun leichterem Gepäck geht es auf die Suche nach dem bereits im Winter eingerichteten Depot. Nachdem wir die GPS- Geräte richtig eingestellt haben und einige Zeit durchs Gelände gelaufen sind, können wir unser Depot finden. Leider mussten wir feststellen, dass während des Winters 8kg unseres Schokoladenvorrats von einem Eisbären weggefressen wurden. Dies stellt unsere einzige Konfrontation mit einem Eisbären dar. Nur der Gedanke an den Schlafsack lässt uns diesen Rückschlag schnell vergessen. von Philipp Schädle


Auf Tour • Tourenbericht • Tarantelle

Tarantelle Als wir noch in unseren warmen Schlafsä- säcke packen und dem Rest beim Abbau cken liegen und nicht das Geräusch von auf des Lagers helfen, der am heutigen Tag das das Zeltdach trommelnden Regentropfen Camp in Richtung Formidablebreen verlegen vernehmen, steht der Entschluss der Taran- wird. Nur ein Zelt, ein Teil des Bärenzauns telle einen Besuch abzustatten im Prinzip und das Küchenzelt wird stehen gelassen. Wir drei marschieren um 17:30 Uhr vom schon fest. Dieses markante, von weitem sichtbare alten Lagerplatz los und überqueren drei und an ein mystisches Monument erin- Bäche teils mit Wathosen. Nach dem dritnernde Konstrukt, dass anstatt lediglich von ten Bach deponieren wir die Wathosen und speichern die Stelle Wind und Wetter geschaffen sicherheitshalber in worden zu sein genau so gut unserem GPS-Gerät. von einer urzeitlichen Sekte Anschließend folgen zu spirituellen Zwecken hätte wir einem Gletschererrichtet worden sein können, bach bis zu dessen hat uns doch gehörig beeinQuelle und steigen druckt, als wir es auf Bildern, dann mit Steigeisen nicht zuletzt aber in der Reaweiter bei nun dichlität von unserem Camp aus terem Nebel und gesehen haben. Wie eine leichtem NieselreSpinne thront es auf dem oberen Gratabschnitt des west- Die Tarantelle - über die Risspur am linken Pfei- gen. Wir wollen in die ler erfolgte der zweite Besteigungsversuch Scharte westlich der lich von unserem Lagerplatz gelegenen Berges. Und es ist dem Verlauten Tarantelle, können sie wegen der schlechten diverser Quellen nach noch unbestiegen. Sicht aber nicht erkennen. Als der Gletscher Das wollen Christian Katlein, Christian Müller aufsteilt und wir schließlich an eine steile Schuttflanke gelangen, beschleicht uns der und Konstantin Nebel ändern. Gegen 14 Uhr heißt es daher: Raus aus den Verdacht, an der Scharte vorbei gelaufen zu Schlafsäcken und rein ins Abenteuer! Zuerst sein. Als wir auf der Karte die Position der einmal gibt es aber noch ein gemeinsames Tarantelle bestimmen und diese in das GPS Frühstück, bevor wir drei unsere Tagesruck- eingeben, weist es uns auch tatsächlich wie-

der ein Stück zurück. Wir queren also in der ermittelten Richtung durch grobes Geröll und gelangen auch bald in die Scharte, wo die Steigeisen abgeschnallt werden. Dann geht es weiter in Geröll mal steiler, mal etwas flacher, vereinzelte Schneefelder querend und eine kurze, unkomplizierte Kletterstelle den Grat hinauf bis wir gegen 21 Uhr die Tarantelle erreicht haben. Aus dem Nebel hört man die Laute von Eissturmvögeln, die um den Felsen herum fliegen. Nach einer kurzen Pause umrunden wir die gut 40 Meter hohe Skulptur und inspizieren sie nach möglichen kletterbaren Linien. Christian M. steigt daraufhin am Ostgrat die ersten 20 Meter durch teilweise sehr brüchiges Gestein, unterbrochen von einem überraschend soliden Riss bis auf einen Absatz, an dem mit einem geschlagenen Haken und einer langen Köpfelschlinge Stand gemacht wird. Dann klettern Konstantin und anschließend Christian K. einzeln nach, der Steinschlaggefahr Rechnung tragend. Gerade der Ausstiegsbereich erweist sich dabei als äußerst brüchig. Von hier aus ginge es zwar exponiert an der nun sehr schmalen Gratschneide oder links davon in der Wand haltend zum Gipfel, jedoch erkennen wir keine beziehungsweise erst in einem wesentlich höheren Abschnitt Sicherungsmöglichkeiten bei gleichzeitig anhaltender Brüchigkeit und

Abseilen nach dem ersten Besteigungsversuch


Auf Tour • Tourenbericht • Tarantelle

Christian am Stand, der Weiterweg über die Schneide im Hintergrund war ungangbar.

schwererer Kletterei. Deshalb entschließen wir uns wehmütig gegen das Weiterklettern und für das Abseilen. Als Fixpunkt zum Abseilen entscheiden wir uns gegen das nicht uneingeschränkt Vertrauen einflößende Köpfel und für einen Expressanker. So bohren wir in gut 20 Minuten mit Hammer und Handbohrer ein ausreichend tiefes Loch an einer Stelle mit massivem Fels, setzen den Expressanker und seilen anschließend ab. Die eine Seillänge bewerten wir mit V- (UIAA) und geben ihr den passenden Namen „Von der Tarantel erschlagen“. Endgültig geschlagen geben wollen wir uns aber noch nicht. Wir hatten noch einen weiteren möglichen Anstieg am Westgrat gesichtet, der zwar

etwas schwerer, aber dennoch machbar aussah. Bei nun leicht besserem Wetter mit Sicht bis auf den Wijdefjord hinab fängt Konstantin an, sich langsam den Fels hochzuarbeiten in Richtung einer Rissverschneidung, die zunächst auf einen Absatz führt. Von dort erwarten wir uns, den höchsten Punkt erreichen zu können. In einer Höhe von vier Metern wird ein erster Klemmkeil gesetzt und zwei Meter darüber ein 1er Friend, der jedoch aus Mangel an besseren Placements zwischen vertikal geschichtete Schuppen gesetzt werden muss. Jetzt gilt es noch vor einer kleinen konkaven Vertiefung aufzustehen und dann wäre man am Beginn des Risses. Doch beim Ausspreizen vor der Vertiefung zwei Meter über dem Friend löst sich unerwartet ein Griff und Konstantin stürzt hinab. Die Schuppen klappt es unter dem Spreizdruck des Friends zusammen und der Friend kommt, der verbleibende Keil kann den Grounder nicht vermeiden und bremst erst, als Konstantin bereits auf dem Boden aufgeschlagen ist. Der Schreck sitzt tief und da Konstantin mit dem Kopf zuerst aufgekommen ist und im ersten Moment auch keine Luft zu bekommen scheint, rechnen die beiden Christians schon mit dem Schlimmsten. Doch zu deren Erleichterung ist er kurz danach schon wieder voll bei sich und versi-

Konstantin kurz vor dem Sturz an der Tarantelle

chert, dass es ihm gut geht. Einige kleinere Wunden an den Händen werden versorgt und wir entscheiden uns nach kurzem Überlegen gegen einen erneuten Versuch. Man soll das Glück auch nicht überstrapazieren! Um 1 Uhr machen wir drei uns an den Abstieg über die Aufstiegsroute. Wir finden bei guter Sicht auch ohne Orientierungsprobleme zu unseren beiden Wathosen, mit deren Hilfe wir die letzten beiden Bäche

durchqueren und um 3 Uhr wieder an unserem stark geschrumpften Lager ankommen. Dort geht es zuerst ins Küchenzelt, wir essen Kartoffelpüree mit Schweinefleisch und reden noch über dies und das, bevor wir uns zu dritt in das verbliebene Zelt legen und um 6:30 Uhr schlafen. Am nächsten Tag werden wir dem Gruppenrest ins Lager 2 folgen. von Konstantin Nebel


Auf Tour • Tourenbericht • Campverlagerung

Campverlagerung Vorstoß ins Landesinnere Nach einem Ruhetag am Hoglandvatn brachen wir am darauf folgenden Tag auf Erkundungstour in Richtung Norden auf um einen passenden Platz für unser zweites Basislager zu finden. In der Karte hatten wir bereits als mögliches Zielgebiet den Zusammenfluss der Gletscher Formidablebreen und Mittag-Lefflerbreen unterhalb der Ramsayfjellet Felsen ausfindig gemacht. Ziel war es nun die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort zu erkunden und einen möglichst einfachen Weg dorthin für die Pulkas zu finden, so dass möglichst wenige Gletscherspalten und Bäche zu überqueren sind. Am höchsten Punkt zwischen Furystakken und Hyrneknausen konnten wir auf unserer Erkundungstour bereits unseren Wunschplatz sehen und er entsprach auch den Vorstellungen. Wir beschlossen aber nicht dorthin weiter zu gehen, sondern legten ein kleines Materialdepot am Furystakken an und sparten uns unsere Kräfte für den nächsten Tag. Am Tag der Schlepperei galt es zunächst die beiden Pulkas, die bereits im Winter ins Depot gebracht worden waren, eine halbe Stunde über Geröll und Moränen zum Gletscher zu tragen. Beide Schlitten waren unter anderem jeweils mit einer Essenstonne und einem 10 l Spirituskanister beladen und

wogen je rund 60kg. Etwas übereifrig ging Manuel die ersten Meter beim Ziehen der Pulka an. Um einen kleinen Gletscherbach zu überqueren nahm er tüchtig Anlauf. Dass die Pulka aber nicht wie er selbst einen Sprung tat, sondern stattdessen frontal in die gegenüberliegende Bachseite rammte, hatte er so sicherlich nicht vorgehabt. Beide Stahlfedern im Gestänge rissen, und so hatten wir nach nicht einmal 100 m bereits unseren ersten Totalschaden. Die Stimmung sank, wie sollten wir mit einer kaputten Pulka und den sowieso schon viel zu schweren Rucksäcken nur zum nächsten Camp kommen? Schließlich fackelten wir nicht lange herum und ersetzten das Metallgestänge und die Federn schlicht durch eine einfache Reepschnur. Wir kamen damit ohne allzu großen Zeitverlust beim Reparieren weiter, mussten allerdings große Abstriche beim Ziehkomfort hinnehmen. Wir kamen langsam aber dennoch kontinuierlich vorwärts und es zahlte sich aus, dass wir die Strecke vom Vortag schon kannten und somit wussten, wie wir die größten Spalten umgehen konnten. Nur die kleineren unumgehbaren Gletscherbäche, über die wir die Pulkas tragen mussten, stoppten immer wieder unseren Marsch. Bis zum höchsten Punkt, zu dem wir auch am Vortag gelau-

Transport des Materials zum Gletscher

fen waren, benötigten wir sieben Stunden. Von dort aus ging es dann nur noch bergab. Nun war es wichtig, dass die Pulkas von einer zweiten, dahinter gehenden Person, gebremst wurden. Klar, sonst wäre einem die Pulka von hinten in die Beine gefahren. Was sich hier so einfach liest, war in der Praxis dann aber doch nicht immer so einfach. Man muss sich vorstellen, dass wir zu diesem Zeitpunkt immerhin schon etliche Stunden mit einem 30-40kg Rucksack unterwegs waren und folglich auch die Konzentration entsprechend nachließ. Dennoch hatten wir nach weiteren zwei Stunden letztlich unser Ziel erreicht. Nicht nur wir waren am Ende, nein auch die Pulkas. Die Pulkas waren mit angeschraubten Stahlkufen verstärkt gewe-

sen, für die diese Belastung einfach zuviel war. Im Laufe der Zeit lösten sich Schrauben und Kufen, was zur Folge hatte, dass die Kufen entweder komplett abfielen oder sich in sämtliche Richtungen verwunden. Mit etwas Mühe und den vielen Ersatzteilen die wir dabei hatten konnte Uli sie aber im Camp wieder halbwegs zusammenschrauben. Am selben Abend wurden nur noch die Zelte sowie der Bärenzaun aufgebaut und danach gab es noch schnell etwas zu Essen und dabei trotz Rationierung sogar eine kleine wohlverdiente Extraportion. Wichtiger war an diesem Tag jedoch der wohlverdiente Schlaf. Der Lagerplatz - unser Zuhause für die nächsten 14 Tage - lag auf dem Gletscher zwischen zwei wunderschönen Gletscherseen die durch eine Felsmoräne getrennt wurden. Unter uns eine meterdicke Eisschicht, die uns in dieser Zeit lebhafter in Erscheinung trat, als man das von einem Gletscher erwarten würde. Dass Gletscher sich bewegen war uns nichts Neues, aber diese 14 Tage machten dies noch deutlicher. So tat es immer wieder einen lauten dumpfen Schlag und irgendwelche Spannungen entluden sich. Besonders interessant war es, wenn sich dabei auch ein feiner Riss im Gletscher ausbildete, aus dem an Stellen mit Wasserlachen kleine Luftbläschen ​aufstiegen


kurz vor der Ankunft im zweiten Camp kämpft Mimi nach langer Tagesetappe immer noch gegen Rucksack und Pulka

und es anfing zu blubbern. Es hatte schon fast ein wenig Whirlpool-Charakter. Beeindruckend war auch die Abschmelzung des Gletschers ringsherum um die Zelte. Anstatt dass unsere Zelte Mulden ins Eis geschmolzen hätten, ist genau das Gegenteil passiert:

wir haben den Gletscher vor Sonneneinstrahlung geschützt und nach den beiden Wochen standen unsere Zelte wie auf kleinen Eisinseln 20-30cm über dem restlichen Gletscherniveau.

Die beiden Pulkas wogen je ca. 60 kg und waren schwer zu bändigen. Beim hinteren fehlt bereits das Zuggestell.


Auf Tour • Tourenbericht • Oben Hui, unten pfui

Oben hui, unten pfui Schotter und heimischer Gneis in der Bottfjellet Nordwand Beim Abstieg vom Bottfjellet hatten Konstantin und ich in der Nordwand zwei Verschneidungssysteme entdeckt, die relativ fest aussahen. Das linke der beiden war länger und höher in der Wand gelegen, während das rechte einfacher zu erreichen war und dafür nicht wirklich auf den Gipfel führte. Frei nach Dülfer fiel mir auf einmal eine Linie ins Auge, wie man beide Verschneidungssysteme durch einen großen Quergang verbinden könnte. Also machten Konstantin, Manu und ich mich anderntags auf, diese Linie zu probieren. Zunächst der obligatorische steile Anstieg den Aktivbreen hinauf und dann Anseilen am Wandfuß. Von unten meinte Manu noch, die erste Seillänge sähe doch so einfach aus da könnte man ohne Seil hochgehen, doch mir war das Seil deutlich lieber und ich ließ für den Schotter lieber erst einmal die Bergstiefel an. Klettertechnisch war die erste Seillänge nichts besonderes, aber die absolute Brüchigkeit ist mir bis heute im Gedächtnis. Wahrscheinlich war das eine der Seillängen in meinem bisherigen Leben in denen ich – trotz 5°C  – am meisten geschwitzt habe. Nach langem Scharren konnte ich am Fuße der rechten Verschneidung einen guten

Stand einrichten und Manu und Konstantin folgten. Die nächste Seillänge wurde es spannender. Die rechte Verschneidung war so überhaupt nicht fest, dass ich bereits nach wenigen Metern links über eine kleine Rampe ausbrach und den nächsten Stand weit links der Verschneidung erreichte. Das war der Beginn des Quergangs. Ab hier war der Fels nicht mehr so gänzlich lose und es ging einen kleinen Pfeiler empor in einen atemberaubenden Quergang. Grobe Blöcke boten Halt und man hatte eine grandiose Aussicht über die Gletscherlandschaft. Der Fels gebot zwar etwas Vorsicht aber zum Ende der Seillänge erreichte ich den Fuß der linken Verschneidung und traf dort besten Fels für einen Standplatz an. Beim Sichern konnte ich unten auf dem Aktivbreen den anderen Teil der Gruppe ausmachen, die bereits von ihrem Versuch am Ramsayfjellet zurückkehrten. Sie wurden Zeugen, als Manuel einen der Blöcke im Quergang, auf dem Konstantin gerade eben noch gestanden hatte, antippte und sich ein Mikrowellenherd großer Felsblock ins Tal stürzte. Das war jedoch der letzte Stein des Tages. Was nun folgte war ein Traum, den uns einige die nicht dabei waren bis heute nicht abnehmen. Was nun kam war Fels und zwar fester

Christian in der dritten Seillänge von „Oben hui, unten pfui“

Fels. Bereits nach fünf Metern geriet ich völlig ins Schwärmen, zumal mich der dunkle Gneis an meinen Heimatfels im Schwarzwald erinnerte. Es folgten zwei überaus schöne Felsseillängen in denen man endlich einmal den Griffen Vertrauen schenken durfte und sich super Sicherungsmöglichkeiten fanden. Welch eine Erlösung nach den ersten Seillän-

gen. Am Ausstieg beginnt es leicht zu regnen doch auch das kann die letzte kurze Seillänge nicht mehr vermiesen. Die erste große Felstour der Expedition ist geschafft und nun wissen wir, dass wir nur ein bisschen suchen müssen um brauchbaren Fels zu finden. von Christian Katlein


Auf Tour • Tourenbericht • Singularität der Weltfunktion

Auf Tour • Tourenbericht • Mitternachtssonne

Singularität der Weltfunktion

Mitternachtssonne

Da das Wetter verhältnismäßig sonnig zu werden scheint, beschließen Christian Katlein und ich am vorletzten Klettertag noch einmal eine Felstour zu probieren. Tags zuvor hatte Christian bei einer Erkundungstour eine mögliche Route am Ramsayfjellet entdeckt, zu der wir nun aufbrechen. Nach einer halbe Stunde Zustieg über den Gletscher stehen wir am Einstieg. Ein relativ weiter, teilweise abdrängender Kamin mit Riss. Christian beginnt mit dem Vorstieg und nachdem er sich mit allem Material behängt hat, sieht er aus wie ein Weihnachtsbaum. Ich stehe dafür zunächst in der Kälte und

Rebecca in der ersten Seillänge von „Singularität ...“

muss sichern. Außerdem muss ich später das Gewehr im Nachstieg durch den Kamin tragen. Da wir abwechselnd führen, ist die zweite Seillänge meine, den Rucksack mit Gewehr konnte ich aber nun gegen den leichten Vorstiegsrucksack tauschen. Nachdem es zunächst ganz gut beginnt, kämpfe ich mich 30 m durch völliges Schuttgelände und fluche schrecklich. Aber immerhin bedankt Christian sich später, dass ihm „nur“ zwei Steine auf den Kopf gefallen sind… Die dritte und schwerste Seillänge, die wieder Christian übernimmt, entschädigt dafür mit toller, steiler Kaminkletterei. Irgendwie hat Christian heute die besseren Karten gezogen, denn ich wandere danach erst einmal durch die Wiese. Die restlichen drei Seillängen bis zum Gipfel bieten dann jedoch noch einmal meist schöne, unschwere Blockkletterei. Als wir auf dem Gipfel des Ramsayfjellet aussteigen, ist die Sonne zwar mittlerweile hinter Wolkenbänken verschwunden, aber wir sind trotzdem äußerst zufrieden. Bei einer Tafel Schokolade suchen wir nach kreativen Ideen für einen Routennamen, der schließlich in Anlehnung an gewisse Diskussionen über theoretische Physik während langer Regentage im Küchenzelt entsteht … von Rebecca Michiels

Gegen 17 Uhr stehen wir allmählich auf und als dann wirklich jeder aus seinem Zelt gekrochen ist, gibt es erst mal ein gemeinsames Frühstück im Küchenzelt. Währenddessen werden die Pläne für den heutigen Tag geschmiedet. Es stellt sich heraus, dass ein Großteil unseres Teams gern einen Ruhetag einlegen möchte, da auch das Wetter außerhalb des Zeltes nicht wirklich einladend erscheint: Nebel und Wind! Christoph, Rebecca und Konstantin machen sich trotz des schlechten Wetters – wenigstens ist es trocken  – um kurz vor 20  Uhr auf den Weg, um ein Couloir zu klettern, dass Christoph und Mimi einige Tage zuvor beim Rückweg von ihrer Tour aufgefallen war. Christoph hatte sogar einige Bilder davon gezeigt. Zuerst müssen wir dem Formidablebreen entgegen seiner Flussrichtung folgen, bis wir links von uns einen kleinen Gletschersee erblicken. Kurz nach dem See legen wir die erste Trinkpause ein, bei der Christoph auffällt, dass an seinem rechten Steigeisen die Schraube zur Fixierung der Frontalzacken auf einer Seite samt Mutter abgebrochen ist und somit die Gesamtstabilität des Steigeisens dahin ist. Er entscheidet sich dazu, das rechte Eisen komplett auszuziehen. Vom Formidablebreen, den wir wegen des Nebels nicht

Rebecca und Christoph in und vor der Mitternachtssonne

einmal in seiner kompletten Breite einsehen können, zweigt nun rechts der Fairbairnbreen ab, von dem aus das gesuchte Couloir starten soll. Allerdings können wir auf Grund des Nebels nicht viel erkennen. Christoph meint, es müsse hier irgendwo sein und holt die Digitalkamera hervor, auf der wir uns die Bilder noch einmal ansehen. Doch die Aufnahmen sind bei besserem Wetter entstanden und helfen uns nicht wirklich weiter. Als wir jedoch den steilsten Teil des Gletschers hinter uns gebracht haben, beginnt sich der Nebel zu lichten. Wir stehen nun über dem Dunst und bald sogar in der Sonne und sehen auf das dunkle Tal hinab. Nachdem wir noch einen kurzen Anstieg hinter uns gebracht haben, sehen wir endlich das trichterförmige Couloir. Es befindet sich am Ende des Gletschers und führt auf den in der Karte vermerkten Punkt


Auf Tour • Tourenbericht • Mitternachtssonne

1025 m. Wir befinden uns mittlerweile in einer wahren Sonnenarena, die Felsen um uns herum werden von der Abendsonne angestrahlt und erscheinen teilweise in goldgelb. Das Wetter hat sich um 180° gewandelt und unsere Stimmung auch. Von dieser unbeschreiblichen Stimmung motiviert nehmen wir die letzten Meter bis zum Fuß des Couloirs in Angriff und legen dort noch mal ein kurzes, als Trink- und Esspause getarntes Sonnenbad ein. Um 23:20 Uhr steigen wir dann in die Rinne ein, zuerst noch unangeseilt in gutem Trittfirn. Hier kommt auch Christoph mit nur einem Eisen noch sehr gut zurecht. Nach etwa zwei Drittel der Rinne, als zunehmend Blankeis unter einer dünner werdenden Firnschicht auftaucht, bauen wir mit Eisschrauben den ersten Stand und seilen uns an. Von hier aus steigt Konstantin die ersten knapp 60 m vor, bis er den Trichter durch eine Engstelle zwischen zwei Felsen verlassen kann. Der Blick hinab auf den Rest der Rinne und den Gletscher ist wirklich sehr beeindruckend. Erneut wird ein Eisschraubenstand gebaut und Christoph und Rebecca kommen nach, setzen dabei noch an der steilsten Stelle den Neigungsmesser ein. Darauf folgt noch eine kurze Seillänge von 20 m, ein letzter Stand im Eis und dann steigen wir gegen 1 Uhr aus der Rinne aus und betreten wieder Geröll. Der Gip-

Die Eisflanke der „Mitternachtssonne“ von oben gesehen

fel ist für das Gebiet typisch flach und fällt auf der anderen Seite nicht ab, sondern geht über in das sogenannte Sentralisen, eine weite, weiße Hochfläche. Wir blicken hinab auf den Nebel und im Westen sehen wir in der Ferne etliche Bergspitzen aus dem Nebel ragen, die uns bislang verborgen waren. Bei dem Blick hinab zum Formidablebreen oder vielmehr dem, was wir unter der dicken Nebeldecke erahnen, entscheiden wir uns zu einer ausgiebigen Gipfel- und Fotopause. Unserer Tour geben wir den Namen „Mitternachtssonne“ (ca. 220 m, 2 SL, (unten seilfrei), bis 60°), bevor wir uns um 2:30 Uhr auf den Heimweg machen. Dabei laufen wir zuerst in einem weiten Rechtsbogen bis nördlich des Bottfjellets, dann zu einem Bach hinab, dem wir bis zum See unterhalb der „Sonnenrinne“ und des „Julbocouloirs“ folgen. Hier hängt der Nebel immer noch im Tal, lichtet sich aber, als wir den Aktivbreen zu unserem Lager hinabsteigen, an dem wir um 5:50 Uhr ankommen. Dort hat der Rest der Gruppe mit dem Abendessen gewartet. Wir essen alle zusammen, reden noch über unsere Tour und als Christoph, Rebecca und Konstantin gegen 9 Uhr in die Schlafsäcke kriechen, machen sich die anderen auf zu ihren Touren. von Konstantin Nebel


Auf Tour • Tourenbericht • Auf der Suche nach den Felsen

Auf Tour • Tourenbericht • Auf der Suche nach den Felsen

Auf der Suche nach festem Fels In unserem Motivationshoch nach der Erstbegehung einer der schönsten Eistouren unserer Expedition, wollten wir noch mal im Fels angreifen. Nach ersten Erkundungen der Felsen rund um das Ramsayfjellet beschlossen wir in eine Linie einzusteigen die ca. 4 bis 5 SL lang werden sollte. Der Zustieg über ein Schuttfeld ging noch ganz gut, obwohl bereits auf dem Zustieg zur Wand schon klar war, dass rechts und links von uns viel Schutt den Weg nach unten nahm.

Mimi erforscht die Felsfestigkeit des Ramsayfjellet

Nach der Standardprozedur: Hakensortiment zusammenstellen, Gurt voll hängen und Kletterschuhe aufwärmen, machte ich mich in die erste Seillänge auf, die Mimi bereits zwei Tage zuvor schon geklettert war. Dort hatten wir umdrehen müssen, da wir von einfacher Gratkletterei ausgegangen waren und Michi und ich nur die steigeisenfesten Schuhe dabei hatten. Nachdem ich zielsicher einen Weg durch das nicht allzu feste Gestein gefunden hatte und den Stand von vor zwei Tagen erreicht hatte, begann ich Mimi nachzuholen um gute Bilder von Michi und Philipp schießen zu können. Als dann gefühlte zwei Stunden später alle am Stand angekommen waren, begann das Aufräumen. Allerdings stellte sich heraus, dass dieses Aufräumen eine unendliche Geschichte sein sollte: Man merkte, dass unter jedem Brösel ein größerer oder zwei kleine steckten. Noch am Stand entschlossen sich Philipp und Mimi einen Bohrhaken zu setzen um sich abzuseilen, da sie genug Schutt gewühlt hatten. Also versuchten wir zu zweit weiter vorzudringen, doch der von unten so einladende Riss stellte sich als Körperriss heraus der aufgrund fehlender großer Friends nicht abzusichern war. Plan B war die Friends einfach tief in den Riss zu setzen. Doch da war

er wieder der Feind des Felskletterns, der Schutt. Somit war auch Plan B gestorben und ich kletterte die bereits erklommenen 10 Meter wieder ab und versuchte noch einen Blick in die als mögliche Ausweichroute besprochene Nebenwand zu erhaschen. Doch auch diese Linie war nicht mit unserer Risikoeinschätzung zu vereinbaren. Was sollten wir davon haben in einer Tour weit ab von jeglicher Zivilisation einen gefährlichen Sturz zu riskieren. So stand auch für uns fest, dass der einzig sichere Weg der Weg nach unten war. Als ich auch die nächsten 15 Meter wie-

Philipp beim Nachstieg im Ramsayfjellet Baseclimb

der abgestiegen war, waren Michi und Philipp bereits fast fertig mit dem Setzen des Bohrhakens. Heil unten angekommen war uns allen klar, dass es die richtige Entscheidung war, nicht in einem nicht einschätzbaren Fels zu klettern und Stürze mit extrem hohem Verletzungsrisiko zu riskieren. Wieder einmal wurde mir da klar, dass nicht die Erstbegehung an sich lohnend ist, sondern nur eine möglichst gute und imposante Linie. von Christian Müller


Auf Tour • Tourenbericht • From Dusk Till Dawn

Auf Tour • Tourenbericht • From Dusk Till Dawn

From Dusk Till Dawn 11. Tag: Dienstag 4.8.2009: Frühstück und Am Grat seilen wir uns an und laufen weiter packen der Eisausrüstung. Heute soll es für das Bleikfjellet nach oben. Mimi, Philipp, Christian Müller und mich in Nach ca. 1 ½ – 2 Stunden Gehen im FaulRichtung Bleikfjellet gehen. Dort haben wir schnee, wo wir immer wieder bis fast zur vom Camp aus eine Eisrinne ausgemacht, Hüfte einbrechen, drehen wir auf ca. 1300  m um, da es unserer Meinung nach keinen Sinn die wir begehen wollen. Um 17.30 Uhr starten wir also vom Camp aus macht weiter zu laufen. über den Formidablebreen zum Bleik­fjellet. Außerdem hat sich Christian am Zeigefinger Wir laufen den Gletscher erst einmal 1 ½ mit dem Steigeisen verletzt. Stunden entlang und queren dabei zahlrei- Wir laufen die gleiche Spur, die wir gekomche Bäche. Kurz vor der Wand, nach einer men sind zurück, was trotzdem ganz schön kleinen Moräne, ziehen wir unsere Eiskletter- anstrengend ist. Ich verschwinde mehrfach in einer Gletscherspalte. Die verdammten ausrüstung an einem großen Felsblock an. Dinger sind einfach Nun steigen wir gemütlich nicht sichtbar, außerdas etwa 35-40° steile dem wird das Gelände Schneefeld nach oben. In immer steiler. etwa Wandmitte wird das Wir entschließen uns Schneefeld dann schmawieder zurück an ler und es kommt Blankeis den Grat zu gehen zum Vorschein. Danach und uns nach einer folgen wir einem immer anderen Alternative dünner und steiler werdenumzuschauen. Es gibt den Schlauch. Oben kurz allerdings leider nicht vor Wandschluss ist das Abstieg durch den Gletscherbruch Eis blank und sehr hart. Wir entscheiden uns sehr viele. Entweder über einen Felsgrat oder nach links auf den Fels auszuweichen. Nach irgendwie rechts durch den Gletscherbruch. etwa 60 m im zweiten und dritten Grad über Der Felsgrat erscheint uns ungeeignet, da wir loses Blockgelände und Moos erreichen wir zu wenig Haken zum Abseilen dabei haben. den Grat. Es liegen etwa 400 m Wand hinter Ich entdecke ziemlich waagrecht von unserem Standpunkt aus eine mögliche Linie uns.

durch den Bruch. Nur bei einer Schneebrücke sind wir uns nicht sicher, ob wir da durchkommen. Ich steige vor und drehe etwa alle 4  Meter eine Schraube ins Eis, damit die anderen direkt nachkommen können. Das Gelände ist etwa 50-60° steil und ich gehe die komplette Länge bis zur Brücke aus, die anderen folgen. Jetzt hat man eine bessere Übersicht und ich sehe, dass ich nun etwa 3‑4 Meter nach unten muss. Mimi lässt mich über den überhängenden Eiswulst hinunter. Die anderen folgen. Christian ist der Letzte und muss an einer Eissanduhr, die wir ihm gebaut haben, abseilen. Nun noch ein kleines Stück über eine Schneebrücke und wir sind wieder auf dem Gletscher. Wir bleiben angeseilt und steigen über den steilen Gletscher ab. Fast unten noch mal durch einen kleinen Bruch und zurück auf den Formidablebreen. Endlich sind wir wieder unten, packen unsere Eisausrüstung wieder ein und laufen über den Formidablebreen zurück zum Camp, das wir um 5 Uhr morgens erreichen. Wir sind ganz schön geplättet nach den 11 Stunden und 30 Minuten. Der Abstieg war doch ein größeres Abenteuer als wir gedacht haben und die eigentliche Schwierigkeit der Tour. von Michael Fitz

Michi im Aufstieg durch die Firnflanke


Panorama vom Bleikfjellet. Unten rechts liegen Formidablebreen und Mittag-Lefflerbreen im Nebel, w채hrend links das Sentralisen in der Mitternachtssonne liegt.

360 Grad Blick von unserem zweiten Lagerplatz. v.l.n.r.: Ramsayfjellet, Mittag-Lefflerbreen, Mittelmor채ne, Sederholmfjellet, Formidablebreen mit Bleikfjellet im Hintergrund, Aktivbreen mit Bottfjellet dahinter, Ramsayfjellet.


Auf Tour • Tourenbericht • Dark side of the Moon

Dark side of the Moon


Auf Tour • Tourenbericht • Grand Final

Grand Final Es ist unser letzter Klettertag vor Abbruch des Camps, und diesen wollen wir noch einmal nutzen. Das Wetter scheint mitzumachen und so beschließen Manuel, Uli und ich uns auf den Weg zum Bottfjellet zu machen, und als Dreierseilschaft über die Felsschulter aufzusteigen. Eigentlich sind wir von der Route nicht so überzeugt. Von nahem sieht alles recht brüchig und unspektakulär aus, aber es mangelt an alternativen Ideen und da es der letzte Tag ist, wollen wir es einfach versuchen. Wir diskutieren länger über den besten Einstieg und landen einen überraschenden Volltreffer. Bei relativ guter Felsqualität darf Manuel einen schönen, mit Rissen durchsetzten Kamin vorsteigen. Nach einer eher unspektakulären Folgeseillänge stehen wir dann völlig unerwartet vor einem kompakten, steilen Aufschwung, durch den sich ein nahezu perfekter Riss zieht. Der Riss entpuppt sich als kraftraubend und auch technisch anspruchsvoll, lässt sich allerdings bestens absichern. Und so legt Manuel tüchtig Friends, während er sich nach oben zieht und klemmt. Es folgt Uli, der tapfer durch die gesamte Tour das Gewehr auf dem Rücken trägt und zuletzt ich als Aufräumerin. Für mich die wohl anstrengendste, aber auch schönste Seillänge der gesamten Expedition, in der ich allerdings auch ein Problem

bekomme. Ausgerechnet an der Schlüsselstelle steckt der Friend so tief drin, dass ich kaum drankomme. Nach 15 Minuten nerven- und kraftraubendem Gezerre gebe ich schließlich auf. Manuel muss sich noch einmal ablassen um aus einer deutlich besseren Position den Friend zu lösen. Das Ganze hat uns jedoch einiges an Zeit und auch Kraft gekostet, so dass wir froh sind, dass es von nun an nur mehr unschwer weiter geht. Ab der vierten Seillänge übernehme ich die Führung. Es kommen noch einige nette Einzelstellen an Block- und Kaminkletterei. Da es schon spät ist, wird es nun auch merklich kühler. Gegen 21 Uhr stehen wir schließlich erschöpft, jedoch auch stolz auf dem Bottfjellet. Diese Tour, die von unten so zweifelhaft wirkte, war unerwarteterweise wirklich sehr lohnend! von Rebecca Michiels

Abenteuer Felsklettern in Spitzbergen


Auf Tour • Tourenbericht • Topos

Bottfjellet

Ramsayfjellet Westwand

Ostgipfel

750m

40°

925m 50°

40°

30m IV

br

ige

h üc

50°

t ra rG 45m II

45°

2 60m IV-

1: Westrinne 50°, 300m Christoph Schieber, Michael Knoll 2: Mitternachtssonne 60°, 220m Christoph Schieber, Konstantin Nebel, Rebecca Michiels

30°

30° oberster See

30m Gehgelände Stand an markantem Quarzblock 55m V+

br

ü

Mittag-Lefflerbreen

1: Singularität der Weltfunktion, V+, 6 SL, 300m, 4,5h Christian Katlein, Rebecca Michiels 2: No reason to get excited, 50°, 300m Christoph Schieber, Michael Knoll, Philipp Schädle, Michael Fitz 3: Poltergeist, V, 1SL, Rückzug nach der ersten Seillänge Christian Müller, Michael Knoll, Philipp Schädle, Michael Fitz

ig ch 60m IV-

Punkt 1025m

oberer Fairbairnbreen 1025m.

60°

60m IV+

3

1

1

2 Fairbairnbreen


Auf Tour • Tourenbericht • Topos

Bottfjellet

Ramsayfjellet

Nordwand 925m

1: Unten pfui oben hui: V-, 300m, Christian Katlein, Konstantin Nebel, Manuel Fink 6 SL, 1 NH belassen, 5,5 Stunden 2: Grand Final: VI, 300m, 6SL, Manuel Fink, Rebecca Michiels, Uli Ott 3: Julbo-Couloir: 50°, 300m, Michael Knoll, Christoph Schieber 4: Sonnenrinne: 60°, 350m, 5SL, Christian Katlein, Konstantin Nebel 5: Schokoladenbär: 50°, 300m, Christian Katlein, Manuel Fink

25m III+

50° 45m III

55°

50°

50°

45°

40°

45m 40° kurze Stelle 70°

45m VI 55m III

60m II

40°

60m 50°

40m 50°

55m V

40°

3

2

50°

60m 45°

30°

55m IV

60m 40°

35m V

30°

60m III

5

10m II

40m 55°

60m V-

50m IV-

3

45°

750m

10m bis 75°

35m IV60°

Nordwand

1: Cease the day, 50°, 4SL, 300m Konstantin Nebel, Christian Katlein 2: Nordwand, 40-50°, 250m, Christian Müller, Michael Fitz, Michael Knoll, Philipp Schädle 3: Dark side of the moon, 75°, 4SL, 300m, Christian Müller Michael Fitz, Michael Knoll, Philipp Schädle

4

2

1

1 Aktivbreen


Auf Tour • Tourenbericht • Topos

Hyrneknausen 1: Lars der kleine Eisbär IV 4SL, Rebecca Michiels Christoph Schieber 2: Nibelungenlied VIRebecca Michiels, Christoph Schieber 3: Safety Südwand V Christian Müller, Manuel Fink 4: Ohne Mampf kein Kampf III Rebecca Michiels, Uli Ott

1

Tarantellen

775m Es sind keine klettersportlichen Besteigungen der Tarantelle bekannt! IV

4

35m IV

30m III

2

3

55m III

Mittag-Lefflerbreen

2

1

1: Von der Tarantel erschlagen: V- 25m Erstbegehung am 30.7.2009 durch Christian Müller, Konstantin Nebel, Christian Katlein Weiterweg nicht sicherbar. Rückzug NO-seitig an Bohrhaken 2: zweiter Versuch, nach Bodensturz von Konstantin abgebrochen. Diese Route ist am erfolgversprechendsten um den Gipfel zu erreichen


Auf Tour • Tourenbericht • Rückmarsch und Rückflug

Rückmarsch in die Petuniabucht

Camp in der Petuniabucht

Alles geht einmal zu Ende, damit nach knapp 15 Tagen in der Wildnis auch unsere Expedition. Die Erfahrungen vom Hinweg, aus der Petunia-Bucht zum Hoglandsvatn reichten uns, um den Rückweg etwas langsamer –  oder besser gesagt in kürzeren Etappen – angehen zu lassen. So planten wir zuerst 3 Tage ein, um über den Mittag‑Lefflerbreen wieder zurück zum Hoglandsvatn und schließlich mit einem weiteren Zwischenstopp auf dem Ragnarbreen zurück in die Petuniabucht zu gelangen. Spontan wie wir nun mal waren, erschien uns unterwegs eine kleine Planänderung

sinnvoll, die es vorsah nicht mit der ganzen Gruppe zu unserem ersten Lagerplatz zurückzukehren und dort ein Zwischenlager einzurichten, sondern auf dem Gletscher zu bleiben und direkt auf den Pass zu gehen. Ein kleiner Trupp holte unsere „Rückstände“ am Zwischenlager ab und gemeinsam ging es dann weiter. Diese Streckenänderung sparte uns einiges an Laufstrecke und vor allem eine ganze Menge Höhenmeter, die mit den immer noch sehr schweren Rucksäcken alles andere als unterhaltsam gewesen wären. Durch die kürzere Strecke schafften wir es schließlich doch in zwei angenehmen

Tagesetappen zurück in die Petunia-Bucht zu kommen, nachdem wir unterwegs an einem See unterhalb des Ragnarbreen noch die letzten Wasserproben genommen haben. Die knappen Essensrationen (Frühstück gab es quasi fast keines mehr) sorgten erstens dafür, dass die körperlichen Strapazen als noch unangenehmer empfunden wurden und machten sich auch in Form von sehr gereizter und schlechter Stimmung in der Gruppe bemerkbar. Das Ankommen in der Bucht machte diese zunächst nicht viel besser, auch wenn jeder froh war, dass die schweren Rucksäcke nun zunächst mal abgestellt werden konnten und die rettende Pizza im „KROA“ immer näher rückte. Mit zwei statt drei Tagen Rückweg war uns nun ein ganzer Tag in der wunderschönen Petunia-Bucht beschert, welche die meisten nutzten, um Tagebuch zu schreiben, zu lesen, Musik zu hören oder einfach nur faul herumzuliegen. Auf eine zunächst noch geplante Tour in der Umgebung hatte niemand mehr so richtig Lust. Eine Robbe schwamm immer wieder in kurzer Entfernung vor unserem Lager direkt am Strand vorbei und musterte uns neugierig. von Michael „Mimi“ Knoll

Jeder Sonnenstrahl wurde zum Lüften und Trocknen der Schlafsäcke genutzt.


Auf Tour • Tourenbericht • Rückfahrt mit dem Schiff nach Longyearbyen

Auf Tour • Tourenbericht • Packen

Rückfahrt mit dem Schiff nach Longyearbyen

Packen

Am Samstagmorgen galt es zuerst mal, unsere Zelte abzubauen und alles „schifffertig“ zu verpacken. Da es auf der Hinfahrt zu einigem Wasser in den Rucksäcken kam, war vor allem darauf zu achten, alles was auf keinen Fall nass werden sollte, wasserdicht einzupacken. Danach gingen wir der wiederholten Einladung einiger polnischer Studenten nach, die in direkter Nachbarschaft eine kleine Hütte als Basisstation für ihre geomorphologischen Forschungen auf den umliegenden Gletschern nutzten. Die ersten „fremden“ Menschen nach 15 Tagen gaben uns eine erste Gelegenheit, von allen Ereignissen zu berichten, die wir in den letzten Tagen gemacht hatten. Die Kekse, Tee und Kaffee sorgten zudem für steigendes Wohlbehagen. Unser Schiff war für 14 Uhr eingeplant. Mit großer Spannung schauten wir immer wieder aus den Fenstern der Hütte und irgendwann bekamen wir das weiß-rote Schiff dann auch zu Gesicht. Ein kleiner Schock entstand daraus, dass es – anders als bei der Hinfahrt – nach kurzem Aufenthalt in Pyramiden gleich wieder losfuhr. Wir dachten, die Bootscrew würde uns wieder mit den Schlauchbooten abholen, solange die Touristen an Land gingen. Allerdings war immer noch ein Schlauchboot defekt, so dass uns die ganze Polargirl

entgegengefahren kam. Wir verabschiedeten uns von den Polen und wurden mit zweimal Schlauchboot fahren alle aufs Schiff gebracht. Dort erwartete uns die zweite Überraschung des Tages: Das Essen, welches bei der Hinfahrt vor dem Landgang serviert wurde, gab es jetzt erst nach dem Landgang. Das bedeutete, dass wir auch noch mal etwas davon abbekamen. Unsere Stimmung verbesserte sich daraufhin abrupt. Doch noch bevor es zum Hauptgericht kam, wurde uns ein ganzes Blech Brownie-Kuchen gereicht, vermutlich hatte jedes Stück doppelt so viele Kalorien wie unser „normales“ Frühstück und jeder bekam zwei davon. Nachdem die Landgänger wieder an Board kamen, gab es für uns eine Art Kulturschock. Nach 18 Tagen Wildnis mit niemandem außer den bekannten Gesichtern um uns herum, waren es auf einen Schlag wieder hundert Leute, die um einen herumstanden. Das Essen war ausgezeichnet: es gab in Alufolie gebackenen Lachs und gegrillten Wal. Dazu frischen Salat – das hatten wir die ganze Zeit über nicht – und leckere Salzkartoffeln. Und man durfte sich eine zweite Portion holen, wenn man wollte. von Michael „Mimi“ Knoll

Mit einem kleinen Zwischenfall im Restaurantbereich des Schiffes – wir sollten ihn verlassen, weil wir anscheinend zu stark stanken – kamen wir wohlbehalten gegen 20:30 in Longyearbyen an. Der große Hunger auf die Pizza war zwar schon etwas vergangen, aber dennoch hieß es dort erst einmal „KROA“, danach Packen am Campingplatz. Das Verteilen des Materials auf die Rucksäcke wollte wohl bedacht sein. Wir hatten wie beim Hinflug auch ein Gewichtslimit von 20 kg pro Rucksack und 8 kg Handgepäck. Das Verteilen der Ausrüstung dauerte die ganze Nacht. Zwischendrin gab es noch eine heißersehnte Dusche in den Aufenthaltsräumen des Campingplatzes. Immerhin die

erste nach 3 Wochen! Unser Flug ging um 8 Uhr, gegen 6 Uhr waren wir mit dem Packen fertig, gerade rechtzeitig um als erstes am Check-In zu sein. Dort zeigte sich das Flughafenpersonal in Sachen Übergewicht sehr wenig kompromissbereit und wir mussten schließlich für 15 kg Übergepäck ca. 120 Euro bezahlen. Unsere Bitte beim Flughafenpersonal, uns zum Wohl der anderen Fluggäste möglichst beisammen ins Flugzeug zu setzen, wurde nicht erhört. Wir bekamen als Antwort, dass wir, falls wir zu arg stinken sollten auch daran gehindert werden könnten, an Board zu gehen. von Michael „Mimi“ Knoll

Nächtliches Umpacken der gesamten Ausrüstung im Aufenthaltsraum des Zeltplatzes in Longyearbyen


blaue Farbenwelt der Gletscher

Auf Tour • Tourenbericht • Rückflug

Rückflug Nachdem wir uns von Christian verabschiedet hatten, der ja noch eine Weile in Spitzbergen bleiben würde, hieß es dann Abschied nehmen. Das Flugzeug startete pünktlich um 8 Uhr und anders als beim Hinflug hatten wir beim Rückweg bestes Wetter. Der Zwischenstopp in Tromsö blieb uns dieses Mal auch erspart, so dass wir nach ca. 2 h Flug in Oslo

ankamen. Dort waren dann erst mal 6h Aufenthalt rumzukriegen. Wieder hieß es schlafen – essen – lesen. Dann noch einmal ins Flugzeug und um kurz vor 20 Uhr waren wir schließlich zurück in Frankfurt.

Vor dem Abflug ein letzter Blick in die heimisch gewordene Arktis

von Michael „Mimi“ Knoll


Auf Tour • Das Seen-Isotopen-Projekt

Das Seen-Isotopen-Projekt Wissenschaft mit modernsten Methoden Bereits zu Anfang der Planungen kam die Idee auf, ein wissenschaftliches Projekt in unsere Expedition mit einzubetten. Ist Spitzbergen doch relativ gesehen noch einer der weißen Flecken dieser Erde und Daten aus unserem Zielgebiet könnten für Wis senschaf tler gerade im Zeitalter wo alles über Erderwärmung spricht interessant sein. Zunächst fehlte jedoch die zündende Idee, so Die Probengefäße waren gut tragbar dass wir die Möglichkeit nicht weiter verfolgten. Eines Abends in der Feierling Brauerei in Freiburg erzählte Christian seinen Freunden vom Expeditionsvorhaben und sein Freund Matthias Ritter, seines Zeichens Hydrologiestudent in Freiburg, horchte auf und erklärte das Interesse des Hydrologischen Instituts Freiburg an Wasserproben aus der ganzen Welt. Da war sie nun die Verbindung und wenige Wochen später heckten Christian und Matthias zusammen mit Dr. Christoph Külls vom hydrologischen Institut das Seen-Isotopen-Projekt aus.

Der Rahmen war schnell klar. Die Expedition konnte keine großen Wassermengen transportieren, stieß dafür aber in interessante Gebiete vor. Eine genauere Durchsicht der Karte des Zielgebietes brachte zahlreiche interessante Seen hervor. Diese Seen hat noch niemand untersucht und das sollte nun mit modernsten Mitteln nachgeholt werden. Die modernen Methoden der Isotopenanalyse benötigen nur kleinste Probenmengen, so dass wir pro Probe nur ca. 2ml Seewasser mittragen brauchten. Selbst bei 40 Wasserproben war der Probenkasten einer der leichteren Ausrüstungsgegenstände. Tatsächlich fanden wir die auf der Karte verzeichneten Seen im Gelände - was für Spitzbergen nicht ganz selbstverständlich ist- und beprobten ca. 10 Seen. Wie im Voraus vermutet handelt es sich dabei größtenteils um Karseen, die von den Gletschern zurückgelassen wurden. Ergänzt wurden die Wasserproben durch einfache Zufluss und Abflussmessungen sowie Abmessungen und Position der Seen. Ziel des Projekts war es den Wasserhaushalt dieser Seen zu untersuchen und ggf. neue Erkenntnisse über das arktische Klimasystem zu gewinnen. Zur Zeit (Oktober 2009) werden die Proben in Freiburg untersucht. Noch sind keine endgültigen Ergebnisse da, aber wie so oft in der Wissenschaft

ist es nicht ganz so einfach wie man es sich vorgestellt hat. Momentan sieht es so aus, als seien die Proben für die ursprüngliche Fragestellung nicht aussagekräftig genug. Allerdings zeigen alle Proben eine deutliche Abweichung vom europäischen und weltweiten Mittel der Isotopenverhältnisse auf.

Warum, das versuchen die Wissenschaftler in Freiburg in den nächsten Monaten herauszufinden. Die Ergebnisse werden dann sowohl durch das hydrologische Institut als auch auf unserer Expeditionshomepage veröffentlicht.

Christian bei der Entnahme von Wasserproben aus einem der Seen

von Christian Katlein


Auf Tour • Basisstation

Auf Tour • Kritische Punkte und gelernte Lektionen

Basisstation

Kritische Punkte und gelernte Lektionen

Mit freundlicher Unterstützung von Amical schickte E-Mails an eine zuvor eingerichtete Alpin hatten wir auf unserer Expedition ein Mailingliste an Bekannte und Verwandte. Neben dem Telefonieren konnte man mit Satellitentelefon dabei. Darauf kann man bei einem Netzbetreiber ähnlich wie bei einer dem Satellitentelefon auch SMS empfangen Prepaid Karte auf einem Handy im Voraus (nicht verschicken). Auf diesem Weg schickte Gesprächsminuten kaufen. Wir hatten 75 uns Claudia Röger alle 3 Tage einen aktuellen Wetterbericht. Obwohl es für die Gegend, Minuten zu 150 Euro gekauft. Das Telefonieren mit dem Gerät ist denkbar in der wir uns aufhielten direkt keinen eigeeinfach: Einschalten – auf Empfang warten – nen Wetterbericht gab, schaffte es Claudi Nummer mit Landesvorwahl wählen und tele- ziemlich gut, unsere Wetterverhältnisse vorfonieren. Bis auf ein, zwei Fehlversuche zu auszusagen. Beginn eines jeden Gesprächs hat das auch immer hervorragend geklappt. Eine Stimme zu Beginn einer Verbindung gibt einem an, wie viel Zeit man noch zur Verfügung hat. Auf diesem Wege gaben wir in regelmäßigen Abständen bei unserer Bodenstation „Karl Weidinger“ den Stand der Dinge durch. Der veröffentlichte relevante Teile unseres Berichts auf der Webseite und ver- Mimi nimmt während der Tour per Satellitentelefon Kontakt zu Kalle auf

Um die Planung zukünftiger Expeditionen zu erleichtern möchten wir ein paar kritische Punkte herausheben, woran unsere Expedition nur knapp nicht gescheitert ist:

Außerdem sind uns in unserer Abschlussrunde ein Paar Punkte aufgefallen, die wir anders hätten gestalten sollen:

• Das letzte Paket mit Kletterausrüstung kam erst einen Tag vor uns in Spitzbergen an • Einige Pakete kamen stark beschädigt und evtl. nicht ganz vollständig an • Wir hatten vergessen, dass wir ja auch in Longyearbyen etwas zu essen brauchen • Der Eisbär hätte auch mehr als nur 8kg Schokolade essen können… • Konstantins Sturz hätte auch ganz andere Folgen haben können… • Ein Fehler im GPS-Kartendatum hätte uns beinah nie zum Depot geführt. Zum Glück war Christian beim Aussetzen des Depots dabei und wusste noch wo es liegt. • Zum Glück war die Polargirl immer pünktlich und zuverlässig. Gerade beim Rückflug wäre kein Spiel für Verspätungen gewesen

• Zu wenig Frühstück/Essen und daraus resultierender Futterneid • Der erste Marsch war zu lang • Einige hatten mehr festen Fels erwartet • Gemeinsame Vorbereitung kam manchen zu kurz • Kein Auswahltreffen • Teilweise zu wenig Initiative und andererseits eine Stimmung von internem Wettkampf • Gruppe evtl. zu groß • Zu viele unangebrachte dumme Sprüche…


Auf Tour • Hitliste ungebrauchter Ausrüstung

Hitliste ungebrauchter Ausrüstung

Hitliste beliebter Gegenstände

Tja es gibt Arüstungsgegenstände bei denen man froh ist, dass man sie umsonst durch die Gegend getragen hat. Hier möchten wir eine Liste der Ausrüstung zusammenstellen bei der wir froh sind Sie dabei gehabt zu haben, sie aber nicht einsetzen mussten.

Doch es gab auch kleine Ausrüstungsgegenstände die sich nach erstem Belächeln großer Beliebtheit erfreut haben.

Vor der Abreise: Schießtraining für alle Teilnehmer

1.Notpeilsender Sehen aus wie alte LVS Geräte und senden auf Knopfdruck über Satellit ein Alarmsignal, dürfen nur bei akuter Lebensgefahr benutzt werden

4. EH Sets Natürlich haben wir die kleinen Sachen wie Blasenpflaster, Tape und Klammerpflaster gebraucht, aber nicht die richtig harten Mittelchen die wir für den Notfall dabei hatten.

1. Bücher Das Nibelungenlied, erst von Mimi zu Camp 1 getragen danach von Christian gelesen und weitergegeben bis ca. 6 Leute Siegfried und Kriemhilds Schicksal kannten

2. Gewehre Extrem nervig am Rucksack, da kein Hersteller eine brauchbare Halterung für Gewehre an seinen Tagesrucksäcken hat. Dennoch bei potentiellem Eisbärenkontakt sehr nützlich. Zum Klettern jedoch so nützlich wie Wasser in die Elbe tragen

5. Kaffee Tja das war das einzige Nahrungsmittel, das wir am Lager 1 zurückgelassen hatten, weil keiner von uns das Zeug trinken konnte...

2. Kissen Bei drei Wochen im Zelt schlafen, ein bisschen Komfort und Wohl- befinden

6. Ortliebsäcke Für die zahlreichen Flussüberquerungen hatten wir alle unsere Schlafsäcke Wasserdicht verpackt. Zum Glück haben wir aber das Ufer immer trocken erreicht.

3. Zusatz Matte Die Komfortcamper unter uns hatten zwei Isomatten dabei. Die Muldengröße nach dem Zeltabbau verriet, dass es nicht die schlechteste Investition war. Rebecca löste das Problem, indem sie nachts alle Seile unter ihrer Matte aufschichtete.

3. Bärenzaun Kontakt mit einem Bären hatte er zwar nicht, dafür hat er beim Aufbau von Camp 2 ausgelöst. Dank Manuel wusste danach wenigstens ein Teil der Gruppe wie eine Auslösung aussieht

7.Schneeschaufel Warum Mimi eine Schneeschaufel mitgenommen hat weiß ich leider wirklich nicht.

4. Vitamintabletten Magnesium- und Calciumtabletten waren erst nicht notwendig, doch mit der Zeit aß man sie im Zelt, da man seine Schokoladenration schon verbraucht hatte. Auch zum Trinken stahlen sie abends dem Tee immer mehr die Hauptrolle, da das nächtliche Klogehen sehr störend und kalt war.


Nachbereitung und Anh채nge


Nachbereitung und Anhang • Berichte & Vorträge

Berichte & Vorträge Mit dem Heimflug nach Frankfurt sollte die Expedition noch nicht zu Ende sein. Denn genauso wie die Vorbereitung erledigt sein wollte, stand beziehungsweise steht nun noch die Nachbereitung auf dem Programm.

Für den Expeditionsbericht, der acht Wochen nach Expeditionsende druckfertig vorliegen muss, heisst das für uns konkret Berichte schreiben über die einzelnen Touren, Etappen und Themen, die man nun hier in unserem Expeditionsbericht lesen kann. Dabei hat jeder mehr oder weniger viele Themen zugeteilt bekommen, je nachdem wo der einzelne dabei war oder sich eingesetzt hat. Neben dem Expeditionsbericht steht auch noch die Erstellung der Präsentation für diverse Vorträge an. Diese Vorträge sollen verteilt über ganz Baden-Württemberg in Freiburg, Mannheim, Stuttgart, Karlsruhe und Bad-Waldsee stattfinden. Daneben werden wir noch auf dem Bundesjugendleitertag in Ulm am 7. November und beim Landesjugendleitertag am 30. Januar berichten.

Das Bild, an das sich wohl die meisten Zuschauer unserer Vorträge erinnern können. Es wurde sogar versucht es der DAVPanorama Redaktion als Bild für den Bericht über die geförderten Expeditionen unterzujubeln. Mindestens ein Sponsor hat verstärktes Interesse an diesem Bild gezeigt. Wer weiß, wie weit es dieses Bild noch bringen wird... Oder sachlich: Drei Expeditionsteilnehmer vor einem Gletschersee im Mittag-Lefflerbreen, im Hintergrund das Odellfjellet

Dieses Plakat wurde für die Vorträge gedruckt


Nachbereitung und Anhang • Finanzen

Ausgaben

Finanzen

Posten

Einnahmen Posten TN-Beiträge

Betrag in €

Anzahl

Bootstransfer incl. Ausbooten

Summe

650

10

6500

2000

1

2000

500

1

500

1000

1

1000

DAV Ludwigsburg

100

1

100

DAV Freiburg

300

2

600

DAV Mannheim

100

1

100

DAV Waldsee

100

3

300

DAV Schwaben

200

2

400

Hydrologie Freiburg

400

1

400

10

3

30

680

1

680

DAV-Expeditionsförderung DAV-LV BaWü JDAV-BW

Postkarten private Spenden Summe

12610

Betrag [NOK] 2000

Flug Verpflegung Depot

Betrag [€]

Anzahl

Summe

224,29

10,00

2242,91

3906,56

1,00

3906,56

150,00

1,00

150,00

Verpflegung Feld

1422

159,47

1,00

159,47

Verpflegung Siedlung

1870

209,71

1,00

209,71

Eisbärenschutz

1400,00

1,00

1400,00

Satfon Anmeldung

130,90

1,00

130,90

Notpeilsender

684,09

1,00

684,09

Ausrüstung

250,00

1,00

250,00

1350

151,40

1,00

151,40

65,00

10,00

650,00

990

111,02

1,00

111,02

Übergepäck Frachtkosten Eintritt Museum T-shirts

83,30

1,00

83,30

300,00

1,00

300,00

69,00

10,00

690,00

Medizinische Versorgung

162,00

1,00

162,00

sonstige Kosten vor Ort

495,00

1,00

495,00

400

1

400

433,64

1

433,64

Vobetour Expeditionsversicherung

Druck Expeditionsbericht Vorträge Summe Ausgaben

12610,00


Nachbereitung und Anhang • Expeditionsvertrag

Expeditionsvertrag Um die rechtliche Grundlage für die Expedition zu schaffen war ein Expeditionsvertrag notwendig. Dieser wurde, wie auf folgenden Seiten, abgedruckt zu Beginn der ganzen Expeditionsplanung von jedem Teilnehmer unterschrieben. 1. Ziel der Expedition Die Expedition der JDAV-Baden-Württemberg e.V. im Sommer 2009 (25.7. – 16.8.) nach Spitzbergen, soll engagierten und entsprechend qualifizierten Jugendleitern der Sektionen des Deutschen Alpenvereins die Möglichkeit zu einer besonderen Tour geben. Neben der alpinistischen Leistung steht hierbei vor allem das gemeinsame Erleben der arktischen Natur im Mittelpunkt. Hierbei soll es sich nicht um eine regionale Kopie des DAV-Expeditionskaders - die nur perfekt trainierten Jugendlichen offen steht - handeln, sondern es geht um den gemeinsamen Spaß am Bergsteigen in einer trotzdem gut qualifizierten und leistungsfähigen Gruppe abseits der gewohnten Wege. Hierbei wichtig ist die Persönlichkeitsentwicklung bei der selbständigen Planungsarbeit und die Entwicklung und Verbesserung der persönlichen alpinen Fähigkeiten, die wiederum für den Alltag in der Jugendarbeit von Nutzen sein werden. Die Expedition

steht damit in Einklang mit den Bildungs- und Erziehungszielen der JDAV, deren Ziel es u.a. ist Jugendliche zu selbständigen Bergsteigern zu erziehen. 2. Veranstalter Die Expedition wurde von der Landesjugendleitung der JDAV Baden-Württemberg e.V. ins Leben gerufen und ist somit eine offizielle Veranstaltung der JDAV Baden-Württemberg e.V. Die Landesjugendleitung wird regelmäßig über den Planungs- und Durchführungsstand der Expedition informiert. 3. Eigenverantwortung Auch wenn die Organisation einer Expedition gewisse Hierarchie-Strukturen mit sich bringt, wird die Expedition in Eigenverantwortung aller Teilnehmer organisiert. Jeder Teilnehmer erklärt, dass er ausreichend qualifiziert ist, um den Anforderungen der Expedition selbständig zu begegnen. Es handelt sich nicht um eine geführte Tour. Insbesondere garantiert die Expeditionsleitung keine Führung im Gelände und übernimmt keinerlei Verantwortung für die Teilnehmer. Jeder Teilnehmer ist dazu angehalten, seine Fähigkeiten zur bestmöglichen Gewährleistung der Sicherheit und zum Erfolg der Expedition mit der gesamten Gruppe einzusetzen.

4. Expeditionsleitung Dem Expeditionsleiter kommen hauptsächlich administrative und repräsentative Aufgaben zu. Der Expeditionsleiter übernimmt keine Verantwortung für das individuelle Handeln der Teilnehmer. Prinzipiell werden Entscheidungen mehrheitlich in der Gruppe getroffen. Sollte akute Situation es erfordern, kann jedoch der Expeditionsleiter allein eine Entscheidung treffen. Die von der Gruppe bzw. in einzelnen Fällen vom Expeditionsleiter getroffenen Entscheidungen müssen von allen Teilnehmern akzeptiert und bestmöglich umgesetzt werden. Ziel ist hierbei immer die sichere und erfolgreiche Durchführung der Expedition. 4. Touren Nach dem gemeinsamen Anmarsch werden vom gemeinsamen Basislager aus verschiedene Touren unternommen. Hierbei wählen sich alle Teilnehmer ein für sie passendes Projekt, das sie in Eigenverantwortung durchführen. Es ist darauf zu achten, dass kein Teilnehmer bei der Tourenwahl benachteiligt oder bevorzugt wird. Ziel ist es, möglichst viele verschiedene spektakuläre Routen zu begehen. Erstbegehungen sollten dabei gegenüber Wiederholungen bestehender Routen Vorrang haben.

5. Finanzen Die Kosten der Expedition werden durch Teilnehmerbeiträge, verschiedene Fördergelder (DAV, Landesjugendplan etc.) sowie Sponsorengelder abgedeckt. Teilnehmerbeiträge sind auf Anweisung der Expeditionsleitung schnellstmöglich auf das von der Expeditionsleitung geführte Expeditionskonto (Nr.: 317328438 BLZ: 36010043)zu zahlen. Die Teilnehmerbeiträge sollten eine Summe von 2000€ pro Teilnehmer nicht übersteigen. Es wird versucht die Beiträge möglichst gering zu halten. Wenn nach der Expedition Gelder übrigbleiben, sind diese anteilig an die Teilnehmer zurückzuzahlen. Beschließen die Teilnehmer der Expedition, einzelnen Teilnehmern bei besonderen Leistungen als Aufwandsentschädigung mehr Gelder zurückzuerstatten, ist dies mit einfacher Mehrheit der Teilnehmer in sinnvollem Rahmen möglich. Die Rückzahlung soll spätestens im Dezember 2009 geschehen. Die Expeditionskasse übernimmt keine Kosten für benötigte persönliche Ausrüstung, Fahrtkosten für Vorbereitungstouren etc. Entstehen einem Teilnehmer Kosten, die für die gesamte Expedition vonnöten und mit der Expeditionsleitung abgesprochen sind (z.B. Pulkabau, Messeeintritt,


Nachbereitung und Anhang • Expeditionsvertrag

Übungsmunition etc.), werden diese von der Expeditionskasse ersetzt. Generell wird versucht, die Kosten für die Expedition möglichst gering zu halten, was jedoch nicht zu Lasten von Sicherheit und Qualität gehen darf. Fällt ein Teilnehmer aus oder springt –aus welchem Grund auch immer- ab, so können Kosten nur dann zurückerstattet werden, wenn sich eine Vertretung finden lässt. Kann ein Teilnehmer die Expedition nicht antreten oder muss sie –aus welchem Grund auch immer- abbrechen, besteht kein Anspruch auf Rückerstattung. Eventuelle Kosten für Reiseabbruch, Rettung etc. trägt der betroffene Teilnehmer. 6.Veröffentlichung in Bild und Ton Alle auf der Expedition aufgenommenen Tonund Bildaufnahmen sind gemeinschaftliches Eigentum aller Expeditionsteilnehmer. Die Nutzung wird durch den Expeditionsleiter verwaltet. Aus diesen Aufnahmen werden frei verwendbare für Internet und Printmedien sowie Bilder für die Sponsoren ausgewählt. Jeder Teilnehmer hat das Recht nach Absprache mit dem Expeditionsleiter, die Aufnahmen der Expedition zu veröffentlichen. Alle Teilnehmer sind angehalten, ihre Aktivitäten während der Expedition zu dokumen-

tieren, damit entsprechendes Material für Expeditionsberichte und Sponsoren zur Verfügung steht. Jeder Teilnehmer beteiligt sich an der Umsetzung eines Expeditionsberichtes, der zwei Monate nach Expeditionsende fertiggestellt sein muss. 7. Sponsorenverträge Jeder Teilnehmer ist berechtigt, nach Absprache mit der Expeditionsleitung Sponsorenverträge mit Sponsoren abzuschließen, sofern der Vertrag als Gegenleistung lediglich Bilder und Berichte der Expedition beinhaltet. Weitere Gegenleistungen sind mit der Expeditionsleitung und dem Sponsorenkoordinator abzustimmen. Bei der Sponsorenwahl ist darauf zu achten, dass das Image der Sponsoren dem Leitbild der Expedition nicht entgegensteht, sowie dass ein Gleichgewicht zwischen Sponsoringleistung und zu erbringender Gegenleistung herrscht. Hierbei ist auch auf Gleichberechtigung der Sponsoren untereinander, sowie die Vermeidung von Sponsorenüberschneidungen zu achten. Die für die Expedition vereinbarten vergünstigsten Einkaufskonditionen bei Sponsoren dürfen nur für Zwecke der Expedition in Anspruch genommen werden.

8. Ausrüstung Die Expedition übernimmt keine Haftung für verwendete private Ausrüstung, die auf der Expedition beschädigt wird. Gesponsorte persönliche Ausrüstung, die jeder Expeditionsteilnehmer erhalten hat, wird nach der Expedition Eigentum des Teilnehmers. Andere gesponsorte Ausrüstung wird nach der Expedition entweder zugunsten der Expeditionskasse verkauft, oder sofern Einigkeit besteht nach Bedarf auf die Teilnehmer aufgeteilt. 9. Mitorganisation Alle Teilnehmer sind verpflichtet sich aktiv an der Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Expedition zu beteiligen. Entsprechend seinen besonderen Kompetenzen arbeitet jeder auf seinem Gebiet möglichst selbständig. Der Expeditionsleiter sowie alle anderen Teilnehmer der Expedition sollen regelmäßig über die Tätigkeiten informiert werden um möglichst effizient arbeiten zu können. 10. Sicherheit Die üblichen Verhaltensregeln in der arktischen Wildnis sind einzuhalten. Zum Eisbärenschutz müssen die Zeltcamps durch einen Stolperdraht gesichert sein. Jeder

Teilnehmer muss sich zu absolut jedem Zeitpunkt –auch am Berg- in Reichweite eines großkalibrigen Gewehres sowie einer Signalpistole(o.ä.) befinden. Es gelten die üblichen Regeln zum Umgang mit Waffen. Waffen dürfen nur bei direkter Eisbärenbedrohung scharf durchgeladen sein. Während der Expedition müssen die Waffen im Gelände stets voll geladen (ohne Kugel im Lauf) und gesichert sein. Die vor Ort üblichen Verhaltensregeln bei Eisbärenkontakt und zur Vermeidung dessen (siehe „SpitzbergenHandbuch“ Andreas Umbreit, Conrad Stein Verlag) müssen befolgt werden. Notpeilsender dürfen nur bei direkter nicht anders abzuwendender Lebensgefahr möglichst nach Absprache mit dem Expedleiter aktiviert werden. Die Teilnehmer der Expedition bewegen sich in arktischer Wildnis, in der kleine Fehler schwerwiegende Konsequenzen haben können. Eine Rettung ist trotz moderner Hilfsmittel unter Umständen nur langsam oder auch gar nicht zu erwarten. Alle Teilnehmer sind sich über dieses erhöhte Risiko von alpinen Touren in einer solchen Umgebung bewusst und gehen es absichtlich ein. Die Expeditionsleitung schließt für alle Teilnehmer die DAV-Expeditionsversicherung für die Dauer der Expedition ab. Es wird emp-


Nachbereitung und Anhang • Expeditionsvertrag

fohlen zusätzlich eine für Spitzbergen gültige Auslands-Krankenversicherung (z.B. ADAC) abzuschließen. Jeder Teilnehmer stellt sicher, zum Zeitpunkt der Expedition einen gültigen DAV-Ausweis sowie einen DAV-Jugendleiterausweis mit gültiger Jahresmarke 2009 zu besitzen. 11. Regeln des Bergsteigens Die Expeditionsteilnehmer verpflichten sich, sich gemäß den üblichen Moralvorstellungen des Bergsteigens -zum Beispiel der Tiroler Deklaration- zu verhalten. Es ist darauf zu achten, in der arktischen Wildnis möglichst wenig Spuren zurück zu lassen. 12. Gesetze/ Vorschriften etc. Die Teilnehmer verpflichten sich, sich über die Gesetze und Vorschriften der Norwegischen Verwaltung zu informieren (z.B. A. Umbreit „Spitzbergen Handbuch“, Conrad Stein Verlag; www.sysselmannen.no) und sich gemäß derer zu verhalten. Besonders zu erwähnen sind hier die Vorschriften zu Umwelt-, Tier- und Denkmalschutz sowie zur eigenen Sicherheit. Der Expeditionsleiter übernimmt keinerlei Haftung bei Verstößen gegen diese Gesetze. Alle Teilnehmer handeln eigenverantwortlich und haben bei Verstößen in

vollem Umfang für die Konsequenzen aufzukommen. 13. Nichterfüllen Verstößt ein Teilnehmer gegen die Bestimmungen dieses Vertrages, z.B. in dem er sich nicht ausreichend beteiligt oder gefährdet anderweitig durch sein Verhalten das Gelingen der Expedition, besteht für den Expeditionsleiter jederzeit die Möglichkeit ihn von der Expedition auszuschließen. Auch in diesem Fall sind die Kosten des Reiseabbruchs vom Teilnehmer selbst zu tragen. Ebenso besteht keinerlei Anspruch auf Rückerstattung von Kosten. Hiermit bestätige ich meine Teilnahme an der Spitzbergen Expedition der JDAV BadenWürttemberg e.V. im Sommer (voraussichtlich 25.7. – 16.8.) 2009. Ich akzeptiere die Bestimmungen dieses Expeditionsvertrages und setze mich für ein sicheres Gelingen der Expedition ein. Name und Unterschrift der Teilnehmer


Kontakte Michael „Mimi“ Knoll mimi@kaktusteam.de Philipp Schädle philipp@kaktusteam.de Uli Ott uli.r.ott@web.de Konstantin Nebel alpinknebel@web.de Rebecca Michiels RebeccaMichiels@aol.com Christian Müller expressschlinge@aol.com Christoph Schieber christoph.schieber@gmx.de

Impressum Christian Katlein Kandelstr. 30 79194 Gundelfingen christiankatlein@hotmail.com Manuel Fink Siedlungsweg 2 89188 Merklingen mmf@funnyprinter.de Michael Fitz michi@kaktusteam.de Karl „Kalle“ Weidinger kalleweidinger@web.de

Herausgeber: JDAV Spitzbergen Expeditionsteam der Jugend des Deutschen Alpenvereins Baden-Württemberg e.V. Verantwortlich im Sinne des Presserechts Christian Katlein Kandelstraße 30 79194 Gundelfingen Deutschland http://www.katlein.de Layout und Gestaltung Manuel Fink Siedlungsweg 2 89188 Merklingen mmf@finkdruck.de http://www.funnyprinter.de Druck Druckerei M. Fink GmbH & Co.KG Siedlungsweg 2 89188 Merklingen htpp://www.finkdruck.de Fotos und Illustrationen Alle Fotos und Illustrationen sind von den Teilnehmern des Expeditionsteams erstellt, bzw. von den Sponsoren zur Verfügung gestellt.


Expeditionsbericht JDAV Spitzbergen 2009  

Der offizielle Expeditionsbericht der JDAV-Jugendleiter Expedition der JDAV Baden-Württemberg 2009 nach Spitzbergen.

Expeditionsbericht JDAV Spitzbergen 2009  

Der offizielle Expeditionsbericht der JDAV-Jugendleiter Expedition der JDAV Baden-Württemberg 2009 nach Spitzbergen.

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