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Sommer Open Air 2017

KUNST & KULTUR

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Krömers Kodderschnauze Absurde Satire aus Berlin-Neukölln Laut und gerne mal cholerisch, so kennt man Kurt Krömer, die sympathisch-aufbrausende Witzfigur. Mit der berühmt-berüchtigten Kodderschnauze knöpft sich das Berliner Original so manche Abstrusität des Alltags vor, nimmt sich Personen des öffentlichen Lebens zur Brust oder pöbelt auch mal das Publikum an. Dem Neuköllner verzeiht man dabei schnell – zu absurd und witzig sind seine Verbalattacken. Beim Ritt durch Politik, Stadtgeschichten und das persönliche Leben der Kunstfigur fasst Krömer nichts mit Samthandschuhen an, sein Werkzeug ist die Brechstange. Nachdem er sich vom TV-Schirm verabschiedet hat, ist Krömer verstärkt auf Bühnen präsent. Das Publikum liebt ihn und lacht gern über seine beißend-satirischen Auftritte. Ob er dem Titel des Programms „Heute stimmt alles“ auch in Potsdam gerecht werden kann? Es wird ein lustiger Abend und jedenfalls nichts für Zartbesaitete – Krömers eigener Anspruch: „Es muss schon weh tun.“. H. Harthun

23. Juni bis 9. Juli

O Kurt Krömer, 10.05., 20 Uhr, Nikolaisaal, Eintritt: ab 35 Euro, www.kurtkroemer.de

Comedian Kurt Krömer sorgt wieder für Gesichtsmuskelkater und Pipi in den Augen.

Beinahe wie Völkerverständigung Tastenprofi versöhnt Hochkultur und Fußball Seine Verdienste reichen fast an die Dimension von Völkerverständigung heran. Denn Stephan Graf von Bothmer ist nicht nur ein einfallsreicher und exzellenter Tasteninstrumentalist – er rettet auch Ehen damit. Ehen, die nicht mehr wissen, von was sie mehr angefressen sind: von RundlederRäude oder Toccata-Traumata, die sich beim finalen Kampf um die Fernbedienung zwischen Konzerthausschalte und Sportschau fast schon aufgerieben haben. Denn dieser Mann fusioniert Fußball und Klavierkonzert. Die Therapie ist so radikal wie genial. Die Dynamik fliegender Füße wird unbarmherzig von der mehr oder minder ausgeprägten Expertise des TVKommentars befreit. Stattdessen nimmt sich Tastenprofi von Bothmer dieses 90-Minuten-Dramas an und transponiert diese schlachtgetümmelige KickdribbelpfostentorAbseitselfmetereinwurffalle in ein hochemotionales Konzert. Selten war die Versöhnung von Hochkultur und Fußball durch strafloses Handspiel so zum Greifen nah.

Public Viewing mal anders: Am Flügel begleitet Stephan Graf von Bothmer live das DFB-Pokalfinale.

Dass von Bothmer und die Nikolaisaalplatzwarte von der Heilkraft dieser hybriden Sinnesreise überzeugt sind, zeigt sich an der Größe der Operation. Nichts weniger als das DFB-Pokalfinale kommt zum Wohl der gegensätzlich hobbyfizierten Paare unters Instrument, mit hervorragender Akustik und auf Großleinwand. Und wie bei allen verantwortungsvollen Eingriffen hat das Team noch einen Plan B: Es hat präventiv einen Bypass durch den

Gehörgang gesetzt, falls die Sportlerseele beim pianoforschen Schnitt in die Reportage zu sehr schreit: Via Ohrphon-Technik können Kommentatorenleistungen, auch wenn sie nicht immer ganz reif sind, ins verbal unterversorgte Sesselsportlerhirn implantiert werden. S. Rosig

5x2 O DFB-Pokalfinale als Livekonzert, 27.05., Fr karten 20 Uhr, Nikolaisaal, Eintritt: VVK ab 12 Euro, aeiS. 40 www.nikolaisaal.de www.stadtmagazin-events.de MAI 2017

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2017.05  

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