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IM ZEICHEN DES TA FABRIK POTSDAM, HANS OTTO THEATER, KUNSTRAUM POTSDAM, MUSEUM FLUXUS+,

Hinterfragen von Traditionen

Foto © Alfred Mauve

Foto © Sylvie-Ann Par

Tanztage werden zum Resonanzraum für Protest und Verantwortung

Die kanadische Choreografin Marie Chouinard zeigt anhand von Hieronymus Boschs „Der Garten der Lüste“ was sich ereignen kann, wenn ein Gemälde zu tanzen beginnt.

Eine Demo mit weißen Plakaten schreitet durch die Straßen Potsdams, indonesische Frauen praktizieren Kriegstänze, Traditionen geprägt von Tabus und Gewalt werden hinterfragt – die Potsdamer Tanztage werden in diesem Jahr zum Resonanzraum für Protest und Verantwortung. Mit einer Deutschlandpremiere beginnen die diesjährigen Tanztage. Die Compagnie Marie Chouinard zeigt „Hieronymus Bosch: der Garten der Lüste“ – ein Stück, in dessen Mittelpunkt die chaotische und anarchistische Welt von Hieronymus Bosch steht. Angst, Freude, und Emotionen finden eine Bühne als Verkörperung der wildesten Träume der Menschen. Weiterhin fallen Produktionen auf, die für eine engagierte Kunst stehen. Sinnbild hierfür ist das Happening von Anne Collod, das eine Wiederaufnahme der Kunstdemo „The Blank Placard Dance“ von Anna Halprin aus dem Jahr

Für Guy Nader und Maria Campos, zwei Choreografen aus Barcelona, zählen der pure Tanz und die flüssigen Verbindungen der Figuren.

1976 nach Potsdam bringt. Die Banner der Demonstranten sind dabei unbeschriftet und rufen mit ihren fehlenden Parolen die Zuschauenden zur eigenen Vervollständigung der Revolte auf. Das Stück „Unrelated“ von Diana Ashbee beeindruckt durch die Thematisierung von Gewalt gegen Frauen in der indigenen Bevölkerung und ihrer Wirkung über Generationen hinaus. Für die Choreografin ist Tanz eine Möglichkeit des Ausdrucks der Not, aber auch der Heilung. Ali Chahrour beschäftigt sich in seinen Stücken mit den Traditionen seiner Heimat und behandelt in „May He Rise …“ das Thema der Männlichkeit im Zusammenspiel mit Momenten der Schwäche und des Verlusts. Der indonesische Choreograf Eko Supriyanto widmet sich wiederum den Frauen Indonesiens. Er präsentiert mit Balabala eine Gruppe junger Frauen, die mit der Praxis von typisch männlichen Kampfkünsten ihrer Region die gesellschaftlichen Regeln ihres Dorfes infrage stellen. Sein Stück wird

zur Huldigung an die modernen indonesischen Frauen und reklamiert für sich die gesellschaftliche Wirkung der Kunst. Mit einem Kanada Fokus haben die Potsdamer Tanztage darüber hinaus fünf Produktionen zu Gast, die einen Einblick in die Vielfalt der kanadischen Tanzszene geben. Die Compagnie Marie Chouinard gehört zu den bekanntesten Ensembles des Landes, so wie die Rubberband Dance Group mit ihrem unverwechselbaren Stil aus Hip-Hop und zeitgenössischem Tanz. Als Festival-Prolog bereist Caroline Laurin-Beaucage mit ihrem Open-Air-Stück „Habiter sa Mémoire“ das Land Brandenburg und bringt in einer vierstündigen Performance für Passanten den Tanz ins alltägliche Leben. Neben dem Aufführungsprogramm präsentieren die Potsdamer Tanztage ein breites Angebot von Konzerten, die nach den Stücken dazu einladen, den Abend zu verlängern. A. Friedrich O Potsdamer Tanztage, 25.05.-05.06., Schiffbauergasse, Eintritt: VVK ab 8 Euro, AK ab 10 Euro, Festival Pass 75 Euro, erm. 55 Euro, 9x2 www.potsdamer-tanztage.de

Freikarten a S. 40

In „Time Takes The Time Time Takes“ verschmelzen die Körper der Tänzer zu einer Interaktion im Raum.

Workshops für alle Das Festival lädt darüber zum Besuch von 33 Workshops für Profis, Amateure und Kinder sowie zu Künstlergesprächen ein, die das Erlebte vertiefen.

Foto @ Alfred Mauve

KUNST- UND KULTURQUARTIER SCHIFFBAUERGASSE WWW.SCHIFFBAUERGASSE.DE XXX 2017 www.stadtmagazin-events.de

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2017.05  

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