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KULTUR ZUM NACH FABRIK POTSDAM, HANS OTTO THEATER, KUNSTRAUM POTSDAM, MUSEUM FLUXUS+,

Ein Psychothriller über Schuld und Sühne Eddie Irle und Nina Gummich in einer Romanadaption Dostojewskis

Ihr kommt gerade aus den Proben: Wie gestresst seid ihr? Eddie Irle: Proben sind für mich immer positiver Stress. Ich spiele Raskolnikow, eine Figur mit extremen Dimensionen: fiebrige Schuldgefühle,, überschießende Energie, Halluzinationen – also genau das, was Spaß macht. Wie laufen die Proben? Nina Gummich: Für mich ist es die erste Arbeit mit dem Regisseur Alexander Nerlich. Er ist jemand, der eine ganz eigene künstlerische Welt erschafft, denken Sie an seinen „Peer Gynt“ oder „Die Netzwelt“ – und es ist inspirierend, als Schauspielerin dahin eingeladen zu werden. Es ist die letzte Inszenierung, die Alexander Nerlich am Hans Otto Theater erarbeitet: Hat das Auswirkungen auf das Miteinander? Eddie Irle: Das schwingt immer mit. Es ist das letzte Mal, dass wir in dem Team etwas auf die Beine stellen können und das schweißt zusammen. Es ist weniger Arbeitsroutine als sonst, wir genießen mehr. Wie habt ihr euch auf die Rollen vorbereitet? Eddie Irle: Ich habe den Roman mit 21 zum ersten Mal gelesen. Die Hauptfigur

LICHT AN!

SFEN

Foto © HL Böhme

„Warum anständig sein, in einer Welt, die vollkommen verkommen ist?“ In Fjodor Dostojewskis großem Roman „Verbrechen und Strafe“ will der mittellose Jura-Student Raskolnikow alles Faule und Verkommene hinwegfegen und wird darüber zum skrupellosen Mörder. Dostojewski fragt nach Recht und Gerechtigkeit, Schuld und Verantwortung – beängstigend aktuell in Zeiten ideologisch motivierten Terrors. EVENTS-Redakteur Hannes Harthun traf die Darsteller Eddie Irle und Nina Gummich zum Interview während der Proben.

Sonja (Nina Gummich) opfert sich für den schuldigen Studenten Raskolnikow (Eddie Irle).

Raskolnikow gehört für mich zu den interessantesten Figuren, die ich kenne, und sie hat mich schon lange begleitet. Habt ihr etwas in den Rollen gefunden, das euch selbst auch privat ausmacht? Eddie Irle: Ja, den großen Anspruch, den man an sich selbst hat und das Gefühl der Scham, diesen Ansprüchen nicht gewachsen zu sein. Auch das große moralische Empfinden und die Verzweiflung über alles Unmoralische. Aber natürlich trennt mich auch vieles von Raskolnikow. Nina Gummich: Ich spiele drei Figuren. Aber die Figur der Sonja zum Beispiel, auf der einen Seite eine Prostituierte, auf der anderen Seite eine tief Gläubige, die ihre Bestimmung darin sieht, sich für die Menschen an sich und schließlich auch für Raskolnikow zu opfern, und die ihm am Ende bis in die Lagerhaft folgen wird, ist mir erstmal fremd. So versuche ich zum ersten Mal nicht, wie ich es sonst oft mache, die Figur zu mir zu holen, sondern ihr entgegen zu gehen.

O Der Ideenwettbewerb für die Stadt für eine Nacht 2018 unter dem Motto „Licht an!“ ist gestartet. Noch bis 28. Februar werden Bewohner für die Stadt auf Zeit gesucht. Mehr Infos auf: www.schiffbauergasse.de/sfen

Warum sollte man sich das Stück ansehen? Eddie Irle: Es ist eine spannende Geschichte, ein irrer Psychotrip, ein gut gemachter Thriller. Alexander Nerlich hat eine verdammt bildmächtige Fantasie und die Bühne ist fantastisch. Ich lade alle meine Freunde ein – das mache ich nicht immer. H. Harthun

O Verbrechen und Strafe, Premiere, 02.02., 19.30 Uhr, Hans Otto Theater, Eintritt: ab 13 Euro, www.hansottotheater.de

Das Stück: Verbrechen und Strafe O Dostojewskis 1866 publizierter Kriminalroman „Verbrechen und Strafe“, auch unter dem Titel „Schuld und Sühne“ bekannt, fragt danach, ob sich Straftaten im Sinne einer größeren Sache rechtfertigen lassen, er fragt nach Recht und Gerechtigkeit, nach Schuld und Verantwortung. Eddie Irle spielt die Hauptrolle Raskolnikow, Nina Gummich verkörpert die drei Charaktere Sonja, Lisaweta und Nastassja. Regie führt Alexander Nerlich.

KUNST- UND KULTURQUARTIER WWW.SCHIFFBAUERGASSE.DE

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2018.02  

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