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Wege und Steine besondere Freilichtmuseen im Laufental

Niklaus Starck porzio.ch 2018


Laufenthal, das, ein betr ächtliches T Amt Delsb hal im bernis erg, das sic chen h von Sauge lang nordw rn 5 Stund estlich um den Blauen en Basler Gre berg, bis a nze beugt, v n o d n ie der Birs du und durch rchflossen w welches die ird, gros nach dem M ünsterthal fü se Strasse von Bas el hrt. Den N die kleine in am seiner Mitte gelegene Sta en gibt ihm seiner Einve dt Laufen. B rleibung in d ei ie Schweiz, schöflich-ba b il slerische H dete es die b e rr is chaft Zwing wohlgruppie en. Es ist m rten it nige Nebenth Dörfern und Weilern geziert, hat äler, schöne e iHolzungen, und die Bir gutes Ackerl s gewährt d and er Wiesenw Vortheile. 1 asserung gro , sse 1

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Wege und Steine besondere Freilichtmuseen im Laufental

Wege und Steine besondere Freilichtmuseen im Laufental Niklaus Starck mit einem Geleitwort von Georges Thüring, Landrat, Grellingen porzio.ch, 2018 Druckerei Dietrich AG, Basel, auf Daunendruck Natural 1.5 Offset-Preprint, extra matt, 120/300 g/m².

Matthäus Merian, Ein Wald an der Birs, um 1620, Laufental Museum, Laufen. Umschlag vorn, von links oben im Uhrzeigersinn: der Birsfall Büttene im 18. Jahrhundert, Grenzstein Nummer 58, Brunnersche Karte aus dem Jahr 1769, Ausschnitt Laufen, Stundenstein von Laufen; Umschlag hinten: Stundenstein von Soyhières, Schloss Angenstein nach Emanuel Büchel, Kartenausschnitt historische Verkehrswege, der ehemalige Birsfall Büttene.

Von besonderen Freilichtmuseen...............................5 Grenzstein Nr. 58, ein Zeuge der Zeit ......................6 Zustände im Freistaat Bern.......................................10 In der Büttene .............................................................17 Un concert hydraulique .............................................20 Vom Wesen der Wächter und Karten .....................24 Unterwegs durch die Zeit..........................................34 Der Zytglogge und die Stundensteine.....................36 Was Nr. 58 erlebte ......................................................42 Homage an eine Lebensader.....................................47 Ein Verlorengegangener taucht auf .........................53 Verzeichnisse ...............................................................55 Dank .............................................................................55


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doch nun nicht einfach sich selbst überlassen, man müsste über ihn schreiben ...”, meinte er. Er ging auf Wanderschaft durchs Laufental von einst und hat vieles aus dem Dunstkreis der Vergangenheit ans Licht unserer Zeit gebracht und dabei immer wieder auch über den Hag ums Laufentals hinaus geschaut. Er ist auf seinen Wegen auch an den Berner Stundensteinen im Laufental vorbeigekommen und hat festgestellt, dass die Baselbieter Behörden 23 Jahre nach dem Kantonswechsel weder von deren Existenz noch von ihrem Schutzstatus Kenntnis hatten. Das liess mich aufhorchen und staunen, denn in der Heimatkunde Grällige von 1999 wird der dortige Stein als geschütztes Kultur- und Baudenkmal erwähnt. Ich freue mich, dass dieses bernische Erbe nun auch in unserem Kanton den Schutz des Archäologiegesetzes geniessen darf. Es ist Niggi Starck gelungen, eine gut fundierte und reich illustrierte Dokumentation über besondere Freilichtmuseen im Laufental zu verfassen. Es macht Freude, darin zu lesen.

Von besonderen Freilichtmuseen Die vorliegende Publikation hat mit dem Grälliger Dorffest vom letzten Juni-Wochenende des Jahres 2017 zu tun. Im Rahmen dieses Festes wurde der Grenzstein Nr. 58 feierlich enthüllt, zum zweiten Mal in seiner Karriere. Er steht dort an der einstigen Kantonsgrenze, in der Büttene, dem heutigen Industriegebiet, am Schnittpunkt der Gemeinden Grellingen, Duggingen und Pfeffingen. Zuvor erfüllte er während 179 Jahren die Aufgabe eines Grenzwächters. Diese erhielt er durch einen Beschluss des Wiener Kongresses, der 1815 eidgenössische Grenzen neu zog. Das Gebiet des ehemaligen Fürstbistums Basel wurde auf die Kantone Basel und Bern verteilt. Neue Grenzen brauchen neue Grenzsteine. Nach der Aufteilung von Basel in zwei Halbkantone im Jahr 1833 hütete Grenzstein Nummer 58 die Kantonsgrenze zwischen neuerdings BaselLandschaft und Bern. Mit dem Beschluss der Laufentaler, sich von den Bernern zu trennen und Baselbieter zu werden, das war 1994, verlor Grenzstein Nummer 58 seine Existenzberechtigung. Die Kantonsgrenze verschwand, und das tat auch er, auf geheimnisvolle Weise. Die Umstände seiner Renaissance hingegen sind bekannt. Dieses kleine Buch berichtet über die Geschichte dieses Grenzsteins und über diejenige anderer Laufentaler Steine, Grenzen, Wege und Wasserläufe. Niggi Starck hat es verfasst. Wir gingen nach der Enthüllung des Grenzsteins Nummer 58 am 24. Juni 2017 gemeinsam von der Büttene zurück ins Dorf und unterhielten uns angeregt über das Erlebte. “Man dürfe diesen Stein

Georges Thüring, Grellingen, Baselbieter Landrat

Walter Mittelholzer, Grellingen von oben aus 900 m, Luftbildfotografie, tiefgeflogen, schräg, ETH-Bibliothek, 1930, LBS_MH01-006035.tif. Der Standort des Grenzsteins Nr. 58 ist rot markiert. 5


gekrönt, christianisierte Karl sein Reich, friedlich und gewaltsam. Er schuf eine effektive Verwaltung nach römischem Vorbild und setzte sich für Bildung und Kultur ein. Basel und sein Umland gehörten damals zu Hochburgund. Im Jahr 999 schenkte der kinderlos gebliebene Burgunder König Rudolf III. dem Bischof von Basel die Benediktinerabtei MoutierGrandval und trat 1006 die Stadt Basel an seinen Neffen, den deutschen König und späteren Kaiser Heinrich II. ab. Damit wurde Basel Teil des Heiligen Römischen Reiches und der Bischof von Basel der kirchliche und weltliche Herrscher über das Fürstbistum, wie es fortan genannt wurde. Durch eine Schenkung von Heinrich II. an den Fürstbischof im Jahr 1005 kamen auch die Vogteien Pfeffingen, mit Aesch, Duggingen und Grellingen, sowie Laufen und Zwingen zum Bistum. Die Dugginger und Grellinger blieben bis Mitte des 19. Jahrhunderts in Pfeffingen kirchgenössig. So lebten die Menschen auch im Laufental mit der wechselhaften achthundertjährigen Geschichte dieses feudalherrschaftlichen Fürstbistums, der Reformation, der Gegenreformation, mit den entsprechenden Religionskriegen, insbesondere dem Dreissigjährigen, der Leid und Not ins Tal brachte. Mit den Franzoseneinfällen von 1792 und 1798 kam es zur Helvetischen Revolution. Zuvor allerdings wurde der grosse Teil der Gebiete des ehemaligen Fürstbistums 1792 zur Raurakischen Republik und damit französisch. Auch der Kanton Laufen mit Laufen als Hauptstadt gehörte zu dieser Republik. Sie löste sich allerdings bereits nach vier Monaten wieder auf und wurde dem französischen Département Mont-Terrible angegliedert. Dieses wiederum ist im Jahr 1800 dem Département

Grenzstein Nr. 58, ein Zeuge der Zeit Die Geschichte des Grenzsteins Nr. 58 beginnt nach dem Untergang des Fürstbistums Basel, genauer mit der Helvetik und der anschliessenden Mediation, die Napoleon den Eidgenossen 1813 diktiert hatte. Und mit dem Wiener Kongress. Ein Blick zurück: Die ältesten Funde menschlicher Existenz im Laufental stammen aus der sogenannten Würmeiszeit, in der während 100’000 Jahren, bis 10’000 vor der Zeitrechnung, die Alpen, Voralpen und das heutige Mittelland mit einem dicken Eispanzer bedeckt waren1. Die Täler und Höhen des Juras blieben fruchtbar und boten den ersten Nomaden, die hier in Höhlen hausten, eine Lebensgrundlage. Die Funde beim Abri am Wachtfels datieren von 13’300 vor der Zeitwende2. Der nächste Hinweis auf die Anwesenheit von Menschen, Kelten, ergibt sich aus dem Fund von Goldmünzen3, wohl aus dem Zeitraum von 300 Jahre vor der Zeitwende. Ausgrabungen auf dem Schmälzeried und im Neutal bei Grellingen haben Spuren von Römern zutage gebracht. Sie eroberten Gallien, wie sie das Land der Kelten nannten, kurz vor der Zeitwende, blieben etwa 500 Jahre in unserer Gegend und sorgten für die gallo- beziehungsweise kelto-romanische Durchmischung der Bevölkerung. Sie zogen sich zurück, als die Alemannen und Burgunder, beides germanische Völker, im 4. Jahrhundert in unsere Breitengrade drängten. Die Alemannen wiederum gingen im 6. Jahrhundert im Fränkischen Reich auf, das unter Karl dem Grossen zur dominierenden Macht in Europa wurde. Im Jahr 800, vom Papst in Rom zum Kaiser 1 Historisches Lexikon der Schweiz, Eiszeiten, www.hls-dhs-dss.ch, 27. Juni 2017. 2 Archäologie Baselland, Jahresbericht 2015, Dokumentation und Funde, Liestal, 2016, Seite 5. 3 Archäologie Baselland, Seite 183.

Walter Mittelholzer, Luftbildfotografie, hochgeflogen, schräg, Blick von Norden nach Süden, unten rechts Aesch, oben Grellingen,1923, Ausschnitt, ETH Bibliothek LBS_MH01-003297.tif. Der Standort von Grenzstein Nr. 58 ist rot markiert. 6


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Haut-Rhin zugeschlagen worden. Am 17. Januar 1798 stellten die Liestaler einen Freiheitsbaum auf und begannen mit dem Sturm der Schlösser und Residenzen der Basler Vögte. Die Regierung musste abdanken, die Basler Nationalversammlung konstituierte sich als erstes revolutionäres Parlament im Land. Helvetien, erste zentralistische Demokratie auf Schweizer Boden – oder ein französischer Vasallenstaat, je nach Sichtweise –, hatte bis 1803 Bestand, sie zerbrach an der zu starken Einflussnahme der Franzosen. Auf die Helvetik folgte die Mediation, die Zeit von Napoleons Vermittlung in der Schweiz, bei der es um die Transformation der zentralistischen Helvetischen Republik zur föderalistischen Schweizerischen Eidgenossenschaft, unserem heutigen Staatsgebilde, ging. Nachdem Napoleon, Kriegsherr und Erneuerer Europas, nach verlorenen Schlachten in die Verbannung geschickt worden war, organisierten die Siegermächte 1815 am Wiener Kongress Europas Grenzen neu. Wie nirgendwo sonst in der Schweiz begann damit in der Nordwestschweiz die Zeit der Rochaden der Wächter an den Kantonsgrenzen. Die wird sich möglicherweise mit einer Wiedervereinigung der beiden Basel fortsetzen ... Mit Folgen auch für die Gemeindegrenzen von Duggingen, Grellingen und Pfeffingen. Denn die ehemaligen Gebiete des Basler Fürstbistums wurden aus dem französischen Département Haut-Rhin herausgelöst und aufgeteilt: Das Birseck, und damit Pfeffingen, kam zum Kanton Basel, das Laufental, mit ihm Duggingen und Grellingen und die jurassischen Gebiete, zum Kanton Bern. Somit hörten die Laufentaler nach 23 Jahren wieder damit auf, Franzosen zu sein. Die Grenzen von Duggingen und Grellingen zum baslerischen Pfeffingen

wurden erstmals in der Geschichte zu Kantonsgrenzen. Und nun brauchte es Grenzwächter. Die Nummer 58 kam in die Büttene an den Schnittpunkt der drei Gemeinden zu stehen. – Doch kurz darauf raufte sich die Basler Land- mit der Stadtbevölkerung um Privilegien der Städter, um Gleichberechtigung. Es kam 1833 zum Waffengang an der Hülftenschanz, zur Niederlage der Städter. Die eidgenössische Tagsatzung verfügte in der Folge die Trennung in die beiden Halbkantone Stadt und Land, wie wir sie heute noch kennen. Als Konsequenz mussten nun die Basler Wappen auf diversen Grenzsteinen entfernt und durch den Baselbieter Stab, den Siebedupf, ersetzt werden4. Ein nächstes Mal mussten die Grenzwächter im westlichen Laufental nach der Gründung des Kantons Jura im Jahr 1979 umfunktioniert werden. Aus dem Bernerwar das Jurawappen geworden und aus dem Laufental eine bernische Exklave. 1994, nachdem sich die Menschen im Tal in einem denkwürdigen Abstimmungsprozess nach 161 Jahren als Berner zur Zugehörigkeit zum Kanton Basel-Landschaft entschieden hatten, verschwand die Kantonsgrenze und mit ihr der Grenzstein Nummer 58 in der Grellinger Büttene. Er und die andern Wächter entlang dieser Grenze hatten ihre Funktion verloren. Nummer 58 verschwand auf geheimnisvolle Weise durch unbekannte Hand ...

4 Der rote Bischofsstab war einst das Wappen der Stadt Liestal. Nach der Kantonstrennung wurde er mit den sieben Düpf versehen und nach rechts gedreht, um die Abwendung von Basel-Stadt zu dokumentieren.

Walter Mittelholzer, Industrie in Grellingen, Luftbildfotografie, tiefgeflogen, schräg, 1928, Ausschnitt, ETH Bibliothek LBS_MH03-0359.tif. 9


Zustände im Freistaat Bern

Karl Jakob Durheim, gewesener Zoll- und Ohmgeldverwalter, Distanzen-Tabellen und die Strassen 1., 2. und 3. Classe des Kantons Bern, nach den Vermessungen der Bezirks-Ingenieurs und nach den Angaben des technischen Bureau’s, Haller’sche Buchdruckerei, Bern, 1844.

Das Laufental gehörte also von 1815 bis 1994 zum Kanton Bern. In dieser Zeit wurde es von der bernischen Geschichtsschreibung eher stiefmütterlich behandelt. Und nicht nur das. Das Historische Lexikon der Schweiz schreibt von einer schwierigen Integration des mehrheitlich katholischen Laufentals in den reformierten Kanton Bern. Auch auf dem politischen Parkett hatten die Laufentaler in Bern wenig zu sagen1. Immerhin haben sich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts diverse Männer systematisch mit ihrem Kanton und damit auch mit dem Laufental befasst. Einer

von ihnen war Karl Durheim, 1780-1866. Als Sohn des Bäckermeisters Johann Samuel und der Salome, geborene Kurz, war er nach einem abgebrochenen Theologiestudium als Handelsmann tätig und diente als Offizier in einem napoleonischen Schweizerregiment. Durheim war während der französischen Besetzung als Adjunkt des Quartier-Büreau mit für die Hausbesuchung und Repartition der Quartiere zuständig. Später hielt er fest, wie die Stadt Bern zu ihren Hausnummern kam: “Die Bezeichnung der Häuser mit Nummern geschah auf Befehl der Municipalität nach dem Einzug der Franzosen, laut Verordnung und Pu-

1 Historisches Lexikon der Schweiz, Laufen (BL, Bezirk), www.hls-dhsdss.ch, November 2017.

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blikation vom 8. April 1798 durch das Quartieramt. Früher waren die Häuser nur zum Teil mit den Namen der Eigenthümer oder unter Eigennamen, ohne Nummern, bekannt, was beim Einzuge der Franzosen und bei der ungewohnten Einquartierung von so beträchtlicher Truppenzahl in den ersten Tagen grosse Verwirrung und betrübende Scenen verursachte.2” 1817 wurde Durheim Kantonsbeamter und brachte es zum Oberzoll- und Ohmgeldverwalter3, er war von 18311937 Berner Grossrat. 1844 zog er sich zurück und widmete sich der historischen Arbeit4. Er verfasste unter anderem Werke wie Die Ortschaften des eidgenössischen Freistaates Bern, Distanzen-Tabellen und die Strassen 1., 2. und 3. Classe des Kantons Bern oder Historisch-topographische Beschreibung der Stadt Bern und ihrer Umgebungen. Darin gab Durheim Aufschluss über das Leben auch im Laufental. In seiner links abgebildeten Distanzen-Tabelle behandelte er Duggingen, abseits der Berner Strasse I. Classe gelegen, “approximativ”, das heisst, die genauen Distanzen wurden nicht ermittelt. Grellingen galt als Grenzort, Duggingen erwähnte Durheim in seiner Tabelle gar nicht. An anderer Stelle bezeichnete Durheim Grellingen als “Dorf und Filial von Pfeffingen mit einem Grenz-Zoll-Bureau und 1 Schule, 1/2 Stunde von Laufen, 5 Stunden vom Amtssitz [in Delémont] und 20 Stunden und 15 Minuten von Bern [Zytglogge]5”. In seinem Inventar der Ortschaften des Freistaates Bern hielt Durheim zu den Laufentaler Gemeinden im Amtsbezirk Delémont6 folgendes fest7:

Blauen, Kirchgemeinde, Bevölkerung 298 Seelen, dazu gehört einzig noch Petit Blauen, grosser Meierhof8. • La Bourg, Kirchgemeinde, Bevölkerung 264 Seelen, dazu Le Château de la Bourg, Gut; Les Bains de la Bourg, Gut; Le Moulin de la Bourg, Gut. • Brislach, Kirchgemeinde, Bevölkerung 399 Seelen, dazu gehören noch Fiechtenhoff, Meierhof; Schelloch, Meierhof. • Dittingen, Kirchgemeinde, Bevölkerung 298 Seelen. • Laufon, Kirchgemeinde, Bevölkerung 1697 Seelen, bildet vier Burger- und vier Einwohnergemeinden, nemlich: I. Laufon, II. Laufon le Foubourg, III. Wahlen, IV. Zwingen. • Liesberg, Kirchgemeinde, Bevölkerung 483 Seelen, bildet mit Riedes-dessous eine Burger- und eine Einwohnergemeinde. Riedes-dessous, kleiner Weiler (Unter-Riederwald); Le Moulin de Liesberg, mehrere Häuser; Bebrunnen, Meierhof; Spitzenbühl; Meierhof; Flümatten, Meierhof; Greifel, Meierhof; Les Vernes, Meierhof (der untere Rohrberg); Glockenweid, Meierhof; La Helle, Meierhof (Hölle). • Nenzlingen, Kirchgemeinde, Bevölkerung 187 Seelen. • Pfeffingen, Bevölkerung 680 Seelen. Diese zu Basel-Landschaft gehörende Kirchgemeinde begreift in sich folgende auf Berngebiet und zum Kanton Bern gehörende Ortschaften: Duggingen, Dorf und Filial von Pfeffingen, mit 1 Schule, bildet eine Burger- und eine Einwohner-Gemeinde, 1/2 Stunde von Grellingen, dazu gehören Angenstein, Schloss und Hof, La Mouche, Hof und Wirtshaus (Mücke), Oberaesch, Hof, Luegimatt, Hof, Tiefenthal, Hof; Grellingen, Dorf und Filial von Pfeffingen mit einem Grenz-Zoll-Bureau und 1 Schule, 1/2 Stunde von Laufon. • Roeschenz, Kirchgemeinde, Bevölkerung 455 Seelen, mit Le Moulin de Roeschenz, abgelegenes Haus. • Roggenbourg, Kirchgemeinde, Bevölkerung 486 Seelen, bildet folgende zwei Burger- und zwei Einwohnergemeinden, nemlich: I. Roggenbourg, II. Ederschwyler [mit diversen Höfen]. •

Addiert man die Bevölkerungszahlen kommt man auf ein Total von rund 5250 Einwohnerinnen und Einwohnern, was in etwa einem Viertel der heutigen Zahl entspricht9. Eine sogenannte Postablage gab es einzig in Laufen10. Polizeiposten mit je einem Land-

Bern, 1838, Seiten 84 und 85. 7 Karl Durheim, Die Ortschaften des eidgenössischen Freistaates Bern, Druck und Verlag der Haller’schen Buchdruckerei, Bern, 1838, ab Seite 75. 8 von Meier, Pächter oder Verwalter eines Gutes. 9 Bundesamt für Statistik, Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung) per 2016: 19’626 Personen, www.bfs.admin.ch, Oktober 2017. 10 Karl Durheim, Die Ortschaften des eidgenössischen Freistaates Bern, Druck und Verlag der Haller’schen Buchdruckerei, Bern, 1838, ab Seite 392.

Karl Jakob Durheim, Historisch-topographische Beschreibung der Stadt Bern und ihrer Umgebungen, Haller’sche Buchdruckerei, Bern, 1859, Fussnote auf Seite 9. 3 Umsatzsteuer auf Wein und Spirituosen, teilweise auch auf Lebensmittel wie Salz, Korn oder Fleisch. 4 Historisches Lexikon der Schweiz, Karl Jakob Durheim, www.hls-dhsdss.ch, Oktober 2017. 5 Karl Durheim, Die Ortschaften des eidgenössischen Freistaates Bern, Druck und Verlag der Haller’schen Buchdruckerei, Bern, 1838. 6 Karl Jakob Durheim, Die Ortschaften des eidgenössischen Freistaates Bern, erster Band, Druck und Verlag der Haller’schen Buchdruckerei, 2

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jäger existierten im Jahr 1838 in Grellingen, Roggenburg und Zwingen, der Laufner Posten war mit zwei Landjägern besetzt, sie alle gehörten der fünften Berner Division an11.

Ein- und Austritt jeder Strasse in jeden Kanton und • die Namen der Dörfer, wo Zoll erhoben wird. Die Zollkarte verlor ihre Gültigkeit erst nach der Aufhebung der Binnenzölle an den Kantonsgrenzen und der Einführung der eidgenössischen Zollhoheit mit der Bundesverfassung von 1848. Bis zu diesem Zeitpunkt waren an jeder Birsbrücke im Laufental Schlagbäume, Zollhäuschen und Zöllner zu sehen, die ihres Amtes walteten. Sie trieben das Geld für den Unterhalt ihrer Brücken ein. Für die Binnenzölle war das Zollbüro in Grellingen zuständig, es ist auf der Karte mit Z bezeichnet. Im Lexikon der Schweiz aus dem Jahr 182713 kann nachgelesen werden: “Grellingen, ein Filial der basel Pfarrei Pfeffingen, im Laufenthal und dem bernischen Amt Delsberg, mit 331 Einwohnern, 6 Stunden von seinem Amtsort. Nahe bei diesem Dorfe bildet die zwischen Felsen gedrängte Birs einen schönen Fall in malerischen Umgebungen. Hier ist eine Berner Zollstätte für alle nach Basel durchgehenden, oder von dorther kommenden Waaren.“ In seiner Schrift zur alten Brücke zu Grellingen14 vermerkte Emil Kräuliger15 zur Einrichtung des Zollhauses in Grellingen, ohne Angabe von Quellen: “Unterm 12. Juli 1816 schlägt nun die Zollkommission dem kleinen Rat in Bern vor, in Grellin-

Verglichen mit heute war damals die individuelle Mobilität kaum entwickelt, man war zu Fuss unterwegs oder hoch zu Ross, man zog oder schob Handkarren und begegnete Fuhrwerken und Kutschen. Wer in der Schweiz reiste oder mit Waren unterwegs war, hatte zu bezahlen, die Binnenzölle an den Kantonsgrenzen, die Brücken- und Weggelder. Heute würde man wohl von Abzockerei sprechen, denn die Eidgenossenschaft war auch für ausländische Reisende ein teures Plaster, sie wurde deshalb nach Möglichkeit über Frankreich oder Österreich umgangen. Der damalige eidgenössische Commissär für das Zollwesen, Johann Kaspar Zellweger, 1768-1855, aus Trogen, hatte das Problem erkannt, nahm sich ihm an, führte Untersuchungen über die Transit- und Binnenzölle durch und veranlasste die Entstehung der Zollkarte der Schweiz. Gezeichnet wurde sie von Heinrich Keller, 1778-1862, aus Zürich.12 Aus der Zusammenarbeit der beiden Männer in den Jahren 1824 bis 1825 ergaben sich zwei handgezeichnete Originale. Das Erste, schwarz-weisse, liegt im Staatsarchiv von Bern, das Zweite, kolorierte, im Schweizerischen Bundesarchiv, ebenfalls in Bern. Die Karten zeigen unter anderem • die Kantonsgrenzen, Brücken über Gewässer, • “die Kommerzialstrassen mit Bezeichnung der Steigung, wo Fuhrleute des Vorspanns bedürfen”, • die fahrbaren Strassen, • Saum- und Fusswege, die von Grenzkantonen ins Ausland führen, • die Namen des ersten und letzten Dorfes beim

13 Markus Lutz, Vollständige Beschreibung des Schweizerlandes, Band G-O, Heinrich Remigius Sauerländer, Aarau, 1827, Seite 82, ETH-Bibliothek Zürich, www.e-rara.ch. 14 Emil Kräuliger, Die alte Brücke zu Grellingen, Genossenschaftsdruckerei Volksfreund, Laufen, ohne Jahresangabe, vermutlich aus den 1920er-Jahren, Seite 15. 15 Emil Kräuliger, 1879-1950, Bürger von Cham, Heirat 1906 mit Elisa Kilcher, Tochter des Schappe-Direktors in Grellingen, ein Sohn, Franz. Kräuliger kam als Primarlehrer nach Grellingen, Weiterbildung zum Sekundarlehrer, Studium als Maschineningenieur an der ETH Zürich, anschliessend Tätigkeit als Rationalisierungsfachmann bei der Grellinger Schappe. Kräuliger war Armee-Major, freisinniger Gemeinderat und Kirchenpräsident in Grellingen, Präsident des Laufentaler Schützenverbandes, Verwaltungsrat des ACV Basel. Er betätigte sich als Dirigent des Kirchenchors und des Orchestervereins. Kräuliger veröffentlichte zahlreiche lokalhistorische Texte, war zusammen mit Josef Häring Mitbegründer der Gesellschaft Raurachischer Geschichtsfreunde und zusammen mit Carl Lüdin, Heinz Kohler und Fritz von Schröder massgebend an den archäologischen Grabungen im Kaltbrunnental beteiligt. Leo Jermann, Emil Kräuliger, Ingenieur, Grellingen (1879-1950), in Laufentaler Jahrbuch Nr. 3, 1988, Seiten 110-116.

dito, Seite 397. Thomas Klöti, Die Zollkarte der Schweiz (1825) von Johann Kasper Zellweger und Heinrich Keller : die Entstehung einer Grundlage für die Revision der Transit- und Binnenzolle, Cartographica Helvetica, Fachzeitschrift für Kartengeschichte, Heft 14, 1996. 11 12

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Zweite Fassung der Zollkarte der Schweiz von 1825, Ausschnitt, Schweizerisches Bundesarchiv, Bern. Grellingen ist mit dem Z fßr Zollstätte versehen.

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Emanuel Büchel, Schloss Angenstein von Nordwesten, 1754, Feder in Schwarz und Pinsel in grau, laviert, über Bleistift, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, A 48.b 36. Rechts der Brücke ist das Wirtshaus zur Mücke zu sehen, den Eisenbahntunnel unter dem Schloss gab es noch nicht, die Jurabahn wurde 1875 eröffnet.

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“Der Autor hat ein wunderbares kleines Werk geschaffen, das zur Pflichtlektüre für geschichtlich interessierte Leserinnen und Leser in unserer Region werden müsste.” Adrian Schmidlin, Verfasser der Heimatkunde Grällige, Dezember 2017

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