Page 1

Das Rohr in Breitenbach

Ein historischer Spaziergang Niklaus Starck, porzio.ch, 2017


Das Rohr in Breitenbach Ein historischer Spaziergang Niklaus Starck, porzio.ch, 2017

Exemplar 000/000


Dßrren Wäldli im Rohr an einem Wintermorgen, Dezember 2016


Das Rohr in Breitenbach – zum Geleit Man muss nicht in die Ferne schweifen, um faszinierende Gebäude zu entdecken, denn das Gute liegt so nah, wie ein Streifzug durch unsere Heimat zeigt. Die Kapelle im Rohr übt aufgrund ihrer langen und bewegten Geschichte eine besondere Faszination auf die Menschen unserer Region aus. Sie ist zusammen mit der modernen Kirche im Dorfzentrum und der Fridolinskapelle ein sichtbares Zeugnis dafür, dass die Bevölkerung von Breitenbach sich bis in die heutige Zeit mehrheitlich zur römisch-katholischen Konfession bekennt. Einigen dürfte bekannt sein, dass in ihr die Gebeine von Verstorbenen des ehemaligen Friedhofs zu Rohr ihre letzte Ruhestätte finden. Doch den meisten ist der Grund für ihre Existenz schleierhaft. Niemand weiss genau, wann und von wem sie gebaut wurde. Ausgehend von einem Spaziergang im Rohr nimmt der Autor die Leserschaft mit auf eine Reise zu den geologischen Ursprüngen unserer Region, zu deren ersten Besiedlung, zur Geschichte unseres Tales und zur Geschichte des Rohrs, die eng mit dem Kloster Mariastein und Beinwil sowie dem Schloss Thierstein verbunden ist. Er beschreibt und illustriert nicht nur die Entstehung, Blütezeit und den Verfall der Propstei Rohr, sondern beleuchtet die mittelalterlichen Machtverhältnisse. Durch seine vielseitigen Themen und Hintergrundinformationen, die mit zahlreichen Bildern illustriert

sind, ist dieses Buch nicht nur als Nachschlagewerk für architekturhistorisch interessierte Menschen unserer Region interessant, sondern auch für Menschen, die nach einer Wanderung durch das Gebiet Rohr mehr über diese geheimnisvolle Kapelle wissen möchten. Es bildet die perfekte Fortsetzung eines Spaziergangs und zeigt die grosse Vielseitigkeit unserer Heimat. Dieses Buch bildet eine Brücke zu unserer Vergangenheit. Es macht uns bewusst, dass Streitereien um Einfluss, Macht und Geld schon im Mittelalter die wichtigsten Triebfedern der Entwicklung waren. Daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. Es zeigt aber auch, dass nichts einfach so geschieht, dass alles eine Ursache hat und die heutige Ordnung nur eine Momentaufnahme im sich ständig weiterdrehenden Film der Menschheitsgeschichte ist. Die Vergangenheit ist zwar Geschichte, doch wer aus ihr die richtigen Lehren zieht, ist besser für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet. Durch das Studium der historischen Zusammenhänge, sind wir in der Lage, Muster zu erkennen, die positive oder negative Entwicklungen einleiten. Diese Erkenntnis kann uns helfen, Fehler der Vergangenheit zu vermeiden. Möge dieses Buch dazu beitragen, dass wir unsere Heimat besser verstehen und den richtigen Weg in eine friedliche Zukunft finden. Dr. Dieter Künzli Gemeindepräsident Breitenbach


Das Rohr in Breitenbach Ein historischer Spaziergang Niklaus Starck porzio.ch, 2017 Mit einem Geleitwort von Dr. Dieter Künzli Gemeindepräsident Breitenbach Die Quellenangaben zu zitierten Texten oder reproduzierten Abbildungen befinden sich auf den entsprechenden Seiten beziehungsweise unter Quellen. Fotografien ohne Quellenangaben stammen vom Verfasser. Gedruckt von der Druckerei Dietrich, Basel, www.druckerei-dietrich.ch, auf Olin® rough high white matt, ein holzfreies, FSC-zertifiziertes, hochwertiges Ausstattungspapier mir rauher Oberfläche und hohem Volumen, 120 beziehungsweise 300 g/m2. Umschlag vorn: Blick vom Brislacher Kirchweg auf die ehemalige Propstei, mit Kantonsgrenzstein Nummer 88, Rohrkapelle und Pfarrhaus, im Morgennebel des St. Nikolaustages 2016, darüber das Wappen der Propstei: drei Schilfrohre mit Kolben auf einem Dreiberg. Umschlag hinten: Silhouette der Propstei nach Urs Joseph Walker aus dem Jahr 1845, im Hintergrund ein Fragment aus der Erb-Karte von 1753.


Ein Spaziergang im Rohr.............................................6 Das Rohr vor der Zeit..................................................8 Am Anfang war das Wasser...................................8 Die ersten Breitenbacher waren wohl Kelten..... 9 Römervillen im Laufner Becken.........................10 Keltische Funde in der Region............................11 Prähistorische Funde in der Region................... 11 Römerstrassen in der Region...............................12 Römische Funde in der Region...........................13 Das Dunkel des Mittelalters zieht auf................14 Beinwil, die Klöster entstehen..................................14 St. Peter, erstes Gotteshaus an der Lüssel?....... 19 Margareta von Antiochia..................................... 20 Kurze Blüte, langer Niedergang..........................21 Frauenkloster mit unbekannter Geschichte......23 Die Kastvögte von Beinwil..................................24 Der heilige Fridolin...............................................26 Das Kloster Beinwil geht unter................................29 Im Rohr wird die zweite Kirche gebaut..................32 Die dritte Rohrkirche................................................. 37 Die Troubles im Laufental...................................38 Baubeschrieb der dritten Kirche.........................40 Eine Trennungsgeschichte...................................42 Das Kirchenjahr 1759 zu Rohr........................... 42 Lohn der Pfarrherren........................................... 44 Eine weitere Rettung vor dem Zerfall............... 45 Von den Schwarzen Buben..................................47 Causa Kirchgemeinde vs. Kloster.......................48 Breitenbacher Glocken.........................................48 Die Pfarrherren im Rohr..................................... 50

Abriss der Vergangenheit.....................................51 Kulturkampf und ein falscher Bart....................52 Die Kapelle im Rohr..................................................55 Das Rohr, kartografiert..............................................60 Grenzwächter als Zeitzeugen..............................60 Erb-Karte von 1753............................................. 62 Emanuel-Büchel-Zeichnung, 1755.....................64 Brunner-Plan von 1778........................................ 66 Farbiger Prospect der Propstei Rohr................. 68 Alois-Oser-Zeichnung..........................................70 Walkerplan von 1845............................................ 72 Das Käsbissendach verschwindet.......................74 Das Rohr von oben.............................................. 77 Heutige Besitzverhältnisse........................................ 78 Das alte Pfarrhaus bleibt eine Legende...................80 Flurnamen rund ums Rohr....................................... 84 Vom schuderigen Galgen.......................................... 86 Galgengeschichten................................................ 88 Historische Pfade ums Rohr.....................................93 Der verlochte Isenbach............................................. 96 Geschichte des Rohr und seines Umfelds.............. 98 Quellen.......................................................................108 Ernst Baumann................................................... 108 Albin Fringeli.......................................................109 Ferdinand Eggenschwiler.................................. 110 Gottlieb Loertscher............................................ 111 Karl Motschi........................................................111 Dank...........................................................................115 Namen- und Stichwortverzeichnis.........................118


Ein Spaziergang im Rohr

Eigentlich ist das Rohr ein neuzeitliches Quartier wie viele andere in ländlichen Agglomerationen auch. Die meisten Wohnhäuser sind neueren Datums, auf den Quartierstrassen sind Kreidezeichnungen von Kindern zu bewundern, man hört Menschen in unterschiedlichen Sprachen sprechen, in der unmittelbaren Nachbarschaft klingen Kuhglocken. Immer wieder stört auch Lärm die Idylle. Der Lärm der Gewerbebetriebe an der Lüssel, derjenige der grossen Lastwagen, die zum Breitenbacher Industriegebiet unterwegs sind oder derjenige der Flugzeuge, die am Euroairport bei Blozhe1 starten oder landen. Hier fehlt ein Stück Trottoir, dort ein Fussgängerstreifen, manche Anwohner nehmen den freundnachbarschaftlichen Respekt nicht so ernst wie andere, es bestehen hin und wieder Meinungsverschiedenheiten. Zum Beispiel darüber, ob der Elektrorasenmäher einem benzinmotorbetriebenen vorzuziehen sei oder der Besen einem Motorbläser. Oder welche Art von Fleisch “definitiv nicht” auf einem Balkongrill zu braten sei. – Es ist wie in vielen anderen ländlichen Agglomerationen auch. Die Mehrheit der Menschen im Rohr ist freundlich und fröhlich, auf Terrassen und in Gärten blühen Blumen, auf den Wiesen Obstbäume und in den Beeten wachsen Beeren, Kräuter und Gemüse. Der Klang des Glockengeläuts der Dorfkirche – Betonkonstruktion, 1960er-Jahre – wird je nach Wind lauter oder gedämpfter ins Rohr getragen. Auffällig ist der alte Baumbestand bei der Rohrkapelle, Nadelbäume, eine riesige Blutbuche, eine Trauerweide, stattliche Gewächse. Auch die alten Häuser dort fallen auf. Diese Ecke hat etwas Erhabenes, etwas Geheimnisvolles fast. Spaziergänge im Rohr machen neugierig, weil überall Fragen auftauchen. Was zum Beispiel hat es mit dem Namen Rohr überhaupt auf sich? Oder mit Rohrhollen, Rohrholz oder Rohrrain? Warum steht die Rohrkapelle dort auf der Wiese, was hat sie mit all diesen Flurnamen zu tun? Wofür stehen Strassennamen wie Beim

Chäppeli oder Chirchmatt? Etwa auch für diese Kapelle? Wo ist der Isenbach geblieben, der früher durch das Rohr geflossen sein soll? Weist der Name Gärbi auf eine alte Gerberei am Ufer der Lüssel hin? Weshalb heisst der Galgenweg beim Rohrholz Galgenweg? – Neben solchen Fragen erkennen die Spaziergänger im Rohr auch viel Selbstredendes. Dass die Brislacher Breitenbacherstrasse nach Breitenbach und die Breitenbacher Brislacherstrasse nach Brislach führen, scheint logisch zu sein. Auch dass der Grenzweg die Linie zwischen diesen beiden Gemeinden und damit den Kantonen Baselland und Solothurn zieht, liegt auf der Hand2. Weshalb die alten Grenzsteine das Solothurner Wappen und den Berner Bär zeigen ist bekannt, zumindest den älteren Generationen. Hingegen weiss kaum jemand mehr, dass sie einst die Grenze zwischen Frankreich und der Eidgenossenschaft markierten. Dass hier vor Zeiten eine Kirche gestanden haben soll, ist vielleicht vom Hörensagen bekannt, aber was es damit auf sich hat ...? Wo stehen wir also, hier im Rohr? – „Das Wort Rohr bedeutet Schilfrohr, Schilf und davon abgeleitet schilfbewachsene Stelle, Feuchtgebiet, Moor. Ortsnamen mit diesem Grundelement bezeichnen eine Siedlung bei einem Moor. Rohr erscheint als selbständiges Wort oder als Element in den Namen der politischen Gemeinden Kammerrohr, Rohr und Welschenrohr sowie im Namen der alten Kirche Rohr bei Breitenbach.3“ Weitere Klärung vermittelt das Solothurnische Namenbuch: „Rohr, Ror, Roor, im Roor: Locker überbautes, ebenes Gelände im Nordes des Dorfes, an der Es ist klar, dass sich der Grenzweg dort befindet, wo das Trottoir an der Brislacherstrasse unvermittelt aufhört, um auf der gegenüberliegenden Strassenseite, an der Breitenbacherstrasse, ebenso unvermittelt weiterzuführen. Ebenso klar handelt es sich hier um ein Exempel gut eidgenössischen Kantönligeistes. Jeder Kanton hat euses Trottoir. Für die grenzüberschreitende Sicherheit der Fussgänger an diesem privat wie gewerblich intensiv genutzten Verkehrsträger fühlen sich weder Landschäftler noch Solothurner zuständig. Darum gibt es keinen Zebrastreifen. Zweites Exempel: Wer auf dem Fussweg vom Breitenbacher Zentrum rechtsseitig der Lüssel talabwärts spaziert, kommt exakt bis zur Kantonsgrenze. Dort hört der Weg auf. Umkehr ist angesagt. Kantönligeist eben.

2

Prof. Dr. Rolf Max Kully, Solothurner Ortsnamen, Die Namen des Kantons, der Bezirke und der Gemeinden, Lehrmittelverlag Kanton Solothurn, 2003.

3

Blotzheim, Elsässer Gemeinde, an deren Peripherie sich der Flughafen befindet.

1

6


Grenze gegen Brislach, früherer Standort der Kirche Sankt Margaretha, heute Standort einer AllerseelenKapelle. Erste bekannte Urkunde aus dem Jahr 1253: ‘Conradus decanus de Rore’, SOUb 2 51,7”4. Die Spaziergänger im Rohr wandeln also auf geschichtsträchtigen Pfanden, es hatte früher eine Bedeutung, die ihm heute abhanden gekommen ist. Eines der vielen Zeugnisse für diese Vergangenheit mag die erste solothurnische Kantonskarte sein, die Walkerkarte von 1832, auf der das Rohr mit seiner Kirche verzeichnet ist5. Die Vergangenheit des Breitenbacher Rohr ins Licht

unserer Zeit zu stellen, war die Motivation, dieses kleine Buch zu schreiben. Der Autor bezieht sich in seinen historischen Exkursionen auf diverse reichhaltige Quellen, die sowohl in den einzelnen Texten als auch am Schluss dieser Schrift genannt werden. Aus dem Spaziergang im Rohr ist einer durch den Lauf der Zeit geworden. Einer, der nicht nur zu Fakten, Bildern, Geschichten und Zusammenhängen geführt hat, sondern auch zu grundlegenden Fragen. Die Geschichte an und für sich wäre eine solche. Sie ist nicht die der Menschen wie du und ich, sie ist die der Herrschenden. Sie ist die Geschichte der Macht. Die Geschichte der Menschen kann nirgends nachgelesen werden. Die muss man sich ausdenken, ausmalen, vorstellen. Zum Beispiel auf Spaziergängen.

Solothurnisches Namenbuch 2, Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Dorneck-Thierstein, Schwabe Verlag, Basel, 2010, Seite 819.

4

5

Kanton Solothurn, Geoportal, Walkerkarte, www.so.ch, 16. Mai 2016.

7


an der Laufner Stadtmauer zeigt diverse Funde aus Vorgeschichte und Steinzeit1.

Das Rohr vor der Zeit Am Anfang war das Wasser

Der Homo sapiens im Schwarzbubenland

Vor 200 bis 145 Millionen Jahren war Jurazeit. Es breitete sich südlich der Vogesen und des Schwarzwaldes, diese beiden Gebirge gab es seinerzeit schon, das tropische Flachmeer Tethys aus. Dieses Meer hinterliess Spuren bis in die Gegenwart. Kalkstein zum Beispiel oder Steinsalz- und Gipslager und jede Menge fossiler Versteinerungen. Viel, viel später, vor 10 bis 2 Millionen Jahren, kam es zur Jurafaltung. Der afrikanische Kontinent schob sich nach Norden, es entstanden neben den Alpen auch der Falten- und Tafeljura mit einer Längsausdehnung von rund 300 Kilometern. Der Jura beginnt an der Isère in Frankreich und zieht sich in einem halbmondförmigen Bogen bis in den Raum des heutigen Kantons Zürich. Mit einer Fläche von 4’200 Quadratkilometern macht er rund 10 Prozent der Schweizer Landesfläche aus. Im Gegensatz zum Rest des Landes war der Jura in der letzten Eiszeit, 50’000 bis 25’000 Jahre vor der Zeitwende, nicht von Gletschern bedeckt, davon zeugen verschiedene Spuren menschlichen Daseins an diversen Orten im Birstal. Das Museum Laufental im alten Schulhaus

Das älteste Zeugnis menschlicher Anwesenheit in der Schweiz ist der Faustkeil von Pratteln, ein Werkzeug aus Feuerstein, wie es die Menschen in der Altsteinzeit verwendeten. Dieses Pratteler Exemplar ist je nach Quelle zwischen 100’000 und 350’000 Jahren alt2. Feuerstein, auch Silex genannt, ist ein Gesteinsmaterial, das glasartig splittert und deshalb nicht durchbohrt werden kann3. Unsere Vorfahren, der Homo sapiens, kamen vor rund 45’000 von Ostafrika her nach Europa. Sie trafen auf dort auf ihre Verwandten, die Neandertaler, die vor 30’000 Jahren ausstarben. Als Grund für die Auswanderung aus Afrika werden klimatische Veränderungen angenommen. Nachdem sich die Gletscher der Eiszeit zurückgezogen hatten, überwuchsen riesige Laubwälder den europäischen Kontinent. In unseren Gefilden, zum Beispiel in den 1

Museum Laufental, Helye-Platz, Laufen, www.museum-laufental.ch.

Heimatkunde Pratteln 2003, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, 2003, Seite 71.

2

Duden, Die deutsche Rechtschreibung, Silex, www.duden.de, 17. Mai 2016.

3

8


Das Wegkreuz an der Spitalstrasse unterhalb des Zentrum Passwang, FrĂźhling 2016.

49


tenbach bezeugen hiermit, dass die Pfarrgemeinde Breitenbach allgemein als Eigentümer der Liegenschaft Nr. 1346 betrachtet wird und selbe von ihren Voreltern hinterlassen worden. Breitenbach, 20. Oktober 1825, signiert G. Roth, Ammann.104” Dieser Eintrag in den Breitenbacher Gemeindebüchern war ohne Konsultation des Abtes von Mariastein verfasst worden und führte, nachdem das Kloster im Jahr 1845 sein Eigentum im Rohr vom Solothurner Landmesser Walker ausmarken liess, zum Rechtsstreit. Materiell ging es um die Eigentumsfrage der Pfarrmatte, auf der heute die drei Mehrfamilienhäuser an der Kirchmattstrasse 2, 4 und 6 stehen. Der Gerichtsprozess ging über mehrere Instanzen und dauerte bis ins Jahr 1856, dann einigte man sich in einem Vergleich: Das Kloster blieb Besitzerin der Pfarrmatte, der Propst hatte das Nutzungsrecht daran, die Kirchgemeinde wurde Besitzerin des Terrains von Kirche und Friedhof. Pater 104

Hieronymus Ziegler, der Rohrer Propst, meldete seinem Abt in Mariastein, es seien die Magnaten des Dorfes gewesen, die den Prozess heraufbeschworen hatten. Es ist nicht überliefert, ob er den Ausdruck Magnaten despektierlich meinte oder nicht. Abriss der Vergangenheit

Hundert Jahre nachdem die dritte Kirche im Rohr gebaut worden war, stellten sich Altersschäden ein, eine neuerliche Renovation stand an. Diese Tatsache und die Loslösung der Brislacher von der Pfarrei im Rohr im Jahr 1803 brachten bald die Standortfrage auf den Tisch. Sollte die Dorfkirche abgelegen nahe der Kantonsgrenze bleiben oder sollte sie einen neuen Platz in der Mitte des Dorfes Breitenbach erhalten? Die Gemeindeversammlung von Anfang 1844 sprach sich für die zweite Variante aus. Im Herbst desselben Jahres begannen im Rohr die Abbrucharbeiten, die drei

Ernst Baumann, Seite 55.

Propstei Rohr im Jahre 1844 vor dem Abbruch, Dr Schwarzbueb, 1925, Seite 92, Original: Kopf des Walkerplans von 1845.

51


Glocken – Margarethenglocke, Fridolinsglocke und Muttergottesglocke –, die Orgel und andere Einrichtungen der alten Rohrkirche wurden in den Dorfkern transportiert. Bis zur Fertigstellung des neuen Gotteshauses, es wurde Ende 1846 geweiht, fanden die Messen im Schulhaus statt. Am Ort der Rohrkirche wurde 1866 die Rohrkapelle errichtet, in deren Gruft die Gebeine aus dem ehemaligen Gottesacker gelegt wurden.

ger von Breitenbach gegen ihn erhoben hatten, ungerechtfertigt sei”106. “Verkleidet, mit falschem Bart und Schnurrbart, kam Pater Franz Sales oft nachts in die bernischen Dörfer, wo römisch-katholische Handlungen verboten waren, um die Kranken zu versehen und die Toten einzusegnen. In Brislach wohnte er von einem Estrich aus den Beerdigungen bei.” – Die Berner Regierung hatte 1874 im Jura und Laufental insgesamt 69 katholische Priester abgesetzt107. Sie mussten das Territorium verlassen, weil sie den Treueeid mit dem Bischof und damit der katholischen Kirche nicht brechen wollten108. Im März des Jahres 1875 verfügte der Kanton Solothurn die Aufhebung des Klosters Mariastein. Zu diesem Zeitpunkt dürfte auch das klösterliche Eigentum im Rohr an die zivilen Behörden übergegangen sein. Die Wiederherstellung der korporativen Selbständigkeit des Klosters Mariatein durch die Solothurner Behörden erfolgte im Jahr 1971, der Klosterbesitz im Rohr war zu diesem Zeitpunkt von der Gemeinde schon längst in private Hände verkauft worden.

Kulturkampf und ein falscher Bart

Nachdem sich die Schweiz mit der ersten Bundesverfassung im Jahr 1848 zum demokratischen Rechtsstaat bekannt hatte, entfachte sich im Kulturkampf die Auseinandersetzung zwischen diesem Staatsgebilde und der katholischen Kirche. Der Streit fand seinen Niederschlag auch in der zweiten Bundesverfassung von 1874, die neuerdings Artikel gegen die Kirche enthielt. So wurde zum Beispiel die Errichtung von Bistümern zur Sache des Bundes, ebenso die Neu- oder Wiedererrichtung von Klöstern, und der Jesuitenorden durfte in der Schweiz nicht mehr wirken. Der Streit führte Ende 1874 zur Liquidation des Bistums Basel durch die Behörden. Der Kulturkampf hatte seine Auswirkungen auch in Breitenbach. Dort wurde Pfarrer Franz Sales Zimmermann105 von der Regierung wegen “Kanzelmissbrauches” für ein Jahr von seinem Amt suspendiert, “trotzdem 122 Pfarrkinder mit ihrer Unterschrift bezeugten, dass die Anklage, welche 44 Bür-

s’Baselbiet, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal, 2004, Seite 215.

Pater Franz Sales Zimmermann, 1843-1900, geboren in Heitersheim, Baden, gestorben im Rohr.

108 Giuseppe Gerster, Joseph Ferdinand Gerster, ein Burger von LaufenStadt im 19. Jahrhundert, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, 2012, Seite 49.

106

Ernst Baumann, Seite 55.

107

105

52


Propstei Rohr ums Jahr 1900, Dr Schwarzbueb, 1925, Seite 93. Auf dieser Fotografie ist die Rohrkapelle im Originalzustand zu sehen. Anlässlich der Renovation in den 1940er-Jahren wurde der kleine Turm nach hinten versetzt, die Dachgeometrie verändert und ein Pultdach über den Eingangsbereich gestellt. Auch das Pfarrhaus präsentiert sich ohne seine heutigen, “stilwidrigen” Anbauten. Der Pfarrhof im Vordergrund fiel in den späten 1970er-Jahren einem Feuer zu Opfer.

53


54


Die Kapelle im Rohr Erst im Jahr 1865 fasste die Kirchgemeinde unter Pfarrer Karl Motschi den Beschluss, dem Kloster zu gestatten, am Ort der ehemaligen Margarethenkirche eine Kapelle ohne Altar errichten zu lassen. Ohne Altar deshalb, weil die Gemeindeangehörigen verhindern wollten, dass im Rohr weiterhin Messe gelesen wird. Unter der Kapelle sollten auch die Gebeine aus dem ehemaligen Friedhof zu Rohr ihre letzte Ruhestätte finden. Motschi, ein hervorragender Zeichner, fertigte eigenhändig entsprechende Pläne und Skizzen an. Sein erster Plan, siehe linke Seite, “wurde aber mit Recht von seinen Pfarrkindern nicht akzeptiert109”. Anstelle 109

Ernst Baumann, Seite 65.

Linke Seite: Erste Skizze zur Kapelle im Rohr aus der Feder von Propst Karl Motschi. Der Grundriss ist beschriftet mit “Totengruft der Pfarrer im Rohr bei Breitenbach, 1866”. Das Original befindet sich im Archiv des Klosters Mariastein. Rechte Seite: Das Beinhaus zu Rohr 1865, gefertigt und vorgelegt von P. Carl Motschi, Propst in Rohr, im Juni 1865. Nach diesem Plan wurde die Rohrkapelle im Jahr 1866 erbaut. Links unten der Massstab in “neuem Schweizermass”, die Bedeutung der Buchstaben und Zahlen links und rechts der Ansicht ist unbekannt, möglicherweise handelt sich um Initialen von Gönnern. Das Original befindet sich im Archiv des Klosters Mariastein. 55


eines Altars sah Propst Motschi eine grosse Mater Dolorosa vor, dahinter einen vergitterten Raum, in dem die Gebeine aufbewahrt werden sollten. Die Decke der Kapelle wollte er mit Knochenornamenten zieren. In der Mitte der Kapelle sah er eine gewölbte Gruft als letzte Ruhestätte für die sterblichen Überreste der Pfarrherren zu Rohr vor. Propst Motschi entwarf einen zweiten Plan mit der Aufschrift Das Beinhaus zu Rohr 1865, gefertigt und vorgelegt von P. Carl Motschi, Propst zu Rohr, im Juni 1865. “Er hängte ihn in der Kirche zur Einsicht auf und fand allgemeine Zustimmung”. Dieser zweite Wurf wurde im Jahr 1866 realisiert, 22 Jahre nach dem Abriss der Margarethenkriche im Rohr. Der Bau wurde gegenüber dem Plan in vereinfachter Art und Weise ausgeführt. Die Länge der Rohrkapelle betrug 5,45 m, die Breite 3,45 m und die Höhe 5 m. Der ZeitLinks: der Eingang der Kapelle, unten: Blick von der Kapelle auf das Pfarrhaus mit dem einstigen, zugemauerten Eingang, links, und dem Anbau aus den 1940er-Jahren, rechts. Rechte Seite: Ansicht der Kapelle vom Pfarrhaus aus.

56


Die Rohrkapelle, Dreikรถnigstag 2017 57


punkt ihrer Einsegnung ist nicht bekannt110.“ Der Kunsthistoriker Gottlieb Loertscher bezeichnete den Bau als “eine neugotische Beinhauskapelle, welche 1943-1946 ungünstig renoviert und mit neuen Vorzeichen versehen wird. Im Innern neugotisches Holzrelief einer Pietà; seitlich Statuen von Johannes dem Täufer und St. Joseph”111. Nachdem weder bei Karl Motschi noch bei Gottlieb Loertscher die Wappenscheiben in den Glasfenstern über dem Eingang erwähnt werden, ist davon auszugehen, dass diese anlässlich der Renovation in den 1940er-Jahren eingesetzt 110

Ernst Baumann, Seite 65.

111

Gottlieb Loertscher, Seite 184.

wurden. Diese Annahme bestätigen die Inschriften am mittleren Fenster mit dem Wappen des Abts des Klosters Beinwil bzw. Mariastein. Unten links ist zu lesen: “A. Schweri112, Bern, 1944”, unten rechts: “Technische Ausführung A. Kirsch & Cie, Glasmalerei, Fribourg113”. Das Familienwappen der Marti im rechten 112 Albin Schweri, 1885-1946, geboren in Ramsen, gestorben in Bern, Maler, Glasmaler, Mosaizist und Grafiker. Schweri war seinerzeit ein bekannter Glasmaler, entwarf hauptsächlich Kirchenfenster für Gotteshäuser in der ganzen Schweiz. SIKART Lexikon zur Kunst in der Schweiz, Albin Schweri, www.sikart.ch, 7. Januar 2017. 113 Vinzenz Kirsch, geboren 1872 im deutschen Heimbach, Baden, gestorben 1938 in Fribourg, arbeitete nach seiner Ausbildung zum Glasmaler in Zürich, 1891 zog er nach Fribourg. Dort gründete er mit einem Geschäftpartner das Atelier Kirsch & Fleckner. 1950 gründeten Kirschs Söhne die A. Kirsch & Cie. Die Gesellschaft führte verschiedene bedeu-

58


Fenster – den Marti gehörte damals die alte Propstei – lässt mutmassen, dass sie sich vor über siebzig Jahren an den Renovationskosten der Kapelle beteiligt haben. Im linken Fenster ist die Interpretation des Rohrer Propstei-Wappens zu sehen114.

Es wäre zu wünschen, dass bei einer kommenden Renovation der Rohrkapelle auf den Originalentwurf von Propst Karl Motschi zurückgegriffen wird. Sein Original liegt im Archiv des Klosters Mariastein. und Kantonsfarben [weiss auf rot]”, zeigt auf der linken Seite einen zweiblättrigen Rohrkolben auf gelbem, auf der rechten das weisse Symbol der Lüssel auf rotem Hintergrund.

tende Glasmalerarbeiten, insbesondere Kirchenfenster aus. Sie wurde 1984 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. 1998 musste die Kirsch SA Konkurs anmelden. Augustin Pasquier, Du savoir faire du verrier, L’atelier Kirsch & Fleckner, in Jozef Mehoffer, Repères Fribourgeois 7, 1995, Seite 98. Es ist davon auszugehen, dass das Schilfrohr im heutigen Wappen der Gemeinde Breitenbach, rechts, eine Reminiszenz an das einstige Propsteiwappen ist. Gemäss der Breitenbacher Online-Gemeindegeschichte, gelesen am 17. Januar 2017, gab es bis zum Jahr 1928 kein Gemeindewappen. Die Einwohner- und Bürgergemeindeversammlung stimmte damals dem heutigen Emblem zu. Es “versinnbildlicht die beiden Ortsnamen Rohr und Breitenbach in den Bezirks- [grün auf gelb]

114

59


1954 zeigt, blau dargestellt, zum letzten Mal den Lauf des kleinen Isenbachs, der während Jahrhunderten munter aus dem Rohrholz übers Rohr, wo er wohl den kleinen Fischteich spies, in die Lüssel floss. 1950 hat man ihn eingedolt, die gestrichelte Linie zeigt seinen unterirdischen Verlauf unter der Ebne. Auf der Landeskarte 1:25’000 im Hintergrund ist die Situation im Jahr 2016 zu sehen. An die einstige Kirche im Rohr erinnert einzig die verzeichnete Rohrkapelle. Anstelle der ehemaligen St. Peterskapelle, auf dem Gemeindebann von Brislach rot eingetragen, steht heute ein steinernes Wegkreuz. Die Vergangenheit ist teilweise in Form von Flurnamen und kartografierten Grenzsteinen festgehalten.

Das Rohr, kartografiert Die Auffassung darüber, ob Grenzen richtig oder falsch gezogen sind, beschäftigt die besitzenden Menschen, seit es Grenzen gibt. Oder Besitz. Sie stritten schon immer darüber. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass Grenzgebiete früh und oft kartografiert wurden, um damit genaue Fakten zum Ausmass der Besitztümer und ihrer Grenzen zu schaffen. Heute kümmern sich in der Schweiz rund 3’000 Fachpersonen darum, “dass die amtliche Vermessung unabdingbare Grundlagen für wichtige Bereiche unseres Lebens schafft”115. So kann auch die Entwicklung des Rohr und seines Umfelds an der Kantonsgrenze auf verschiedenen Kartenwerken nachvollzogen werden. Die Abbildung116 gegenüber zeigt die einstige und heutige Situation im Rohr anhand einer Überlagerung diverser Kartenwerke. Ihr ältestes ist die Grenzkarte von Johann Ludwig Erb aus dem Jahr 1753, rot und grün dargestellt. Die Gebäude auf dieser Karte sind nicht massstäblich zu sehen, Feldmesser Erb hatte sie überproportioniert. Immerhin sind seine Pläne, was die Genauigkeit der Aufzeichnung der Grenzsteine betrifft, absolut zuverlässig. Dasselbe gilt auch für den rechts nicht dargestellten Brunner-Plan aus dem Jahr 1778. Claudia Jeker Froidevaux, Verfasserin des Bezirksbands Laufen des Baselbieter Namenbuchs117, bestätigte die aus heutiger Sicht erstaunliche Präzision der Arbeit der damaligen Feldmesser118. Der von Geometer Urs Joseph Walker verwendete Massstab, violett dargestellt, entspricht ebenfalls sehr genau der Situation Mitte des 19. Jahrhunderts. Diese Karte hat bekanntlich einen jahrelangen Streit um Besitzansprüche zwischen dem Kloster Beinwil und der Kirchgemeinde Breitenbach ausgelöst. Die Siegfriedkarte des Jahres

Grenzwächter als Zeitzeugen

Die auf der Erb-Karte nummeriert verzeichneten Grenzwächter, wie die Granitsteine entlang der Kantonsgrenzen auch genannt wurden, existieren nicht mehr, sie wurden durch neuere ersetzt oder sind verschwunden. Der Kantonsgrenzstein Nummer 85 am Feldweg bei Rüttenen stammt aus dem Jahr 1868, auf ihm sind das Berner und das Solothurner Wappen graviert. Der ehemalige Vermessungspunkt 464.5 beim Galgenhügel besteht nicht mehr, in seiner unmittelbaren Nähe wurde ein Markstein mit einem Bolzen mit der Aufschrift Kantonsgrenze eingelassen. Auch der Stein mit der Nummer 86 wurde durch einen Markstein, dieser ohne Bolzen, ersetzt. Die Steine mit den Nummern 87, dieser steht in einem privaten Garten, und 88, er steht auf dem Feld nahe des ehemaligen Brislacher Kirchwegs, stammen aus dem Jahr 1951 und zeigen auf ihrer nördlichen Seite noch den Berner Bären, der wohl irgendwann durch den Siebedupf, das Baselbieter Wappen, ersetzt werden wird – vielleicht auch durch ein anderes, wer weiss? Der Wächter 89 ist hinter den Zäunen des Gewerbeareals bei der ehemaligen Gerbi verschwunden. Der jenseits der Lüssel mit der Nummer 90 postierte Stein stammt ebenfalls aus dem Jahr 1951 und ist gleich graviert wie die Nummern 87 und 88.

Die amtliche Vermessung der Schweiz, Bundesamt für Landestopografie swisstopo, 2011.

115

116

Reproduziert mit der Bewilligung von swisstopo (BA160128).

Baselbieter Namenbuch, Die Orts- und Flurnamen des Kantons BaselLandschaft, Markus Ramseier, Herausgeber, Verlag des Kantons BaselLandschaft, Liestal, 2017. 117

118

Gespräch vom 17. Januar 2017. 60


Nr. 89?

Nr. 88, 1951, BE-SO

Nr. 87

Nr. 85, 1868, BE-SO

Nr. 86subs Tri-Pt-subs

Nr. 90, 1951, BE-SO

Hintergrund: LK 1:25’000, 2016 Blau: Siegfriedkarte, 1954 Violett: Kopie des Walker-Plans, 1845 Grün: Grenzkarte Johann Ludwig Erb, 1753, Blatt C Rot: Grenzkarte Johann Ludwig Erb, 1753, Blatt D

61


Erb-Karte von 1753

Die Abbildung zeigt einen Ausschnitt aus der nach Süden ausgerichteten Grenzkarte D Geometrischer Grundriß von Johann Ludwig Erb aus dem Jahr 1753. Die Kartenreihe mit dem Titel Geometrischer Grundriss, Der Gränze Scheidung zwischen dem Fürstentum Basel und dem Canton Solothurn wurde zwischen 1753 und 1761 von Johann Heinrich Laubscher du côté de l’Évêché und Johann Ludwig Erb du côté de Soleure angefertigt. Die Karten im Massstab 1:3600 werden als „assez beaux plans, terrain en perspective verticale, teinte relief à l’aquarelle, arbres à la cavalière“ bezeichnet. Der Originalsatz enthält 53 Kartenblätter im Format 40 x 56 cm, er wird im Staatsarchiv Solothurn, Planarchiv A.15, aufbewahrt119. Die präszise Massstäblichkeit der Karte beschränkt sich auf die Distanzen zwischen den einzelnen Kantonsgrenzsteinen, die Gebäude sind ausnahmslos überdimensioniert dargestellt. Der Plan zeigt einige Details zur Situation im Jahr 1753: • Der als solcher bezeichnete Brislacher Kirchweg und das ehemalige Totenweglein zwischen Strasse und Kirche führen zum Rohr, der Breitenbacher Kirchweg, die heutige Rohrgasse, ist nicht eingezeichnet. • Bey St.-Peter ist links der Hauptstrasse zwischen Breitenbach und Brislach die ehemalige Kapelle St. Peter zu erkennen. Heute steht an dieser Stelle ein steinernes Wegkreuz. • Der Flurname Zwischen den Gräben ist vom 17. bis ins 19. Jahrhundert als Gebiet zwischen zwei heute aufgefüllten Bewässerungsgräben belegt120. Angesichts der heutigen Drainageanlage am Rohrrain könnte es sich auch um ehemalige Entwässerungsgräben gehandelt haben. • Die Flurbezeichnung Mühlmatten lässt darauf schliessen, dass am Ufer der Lüssel einst eine Mühle stand121. Georges Grosjean, Landesvermessung und Kartographie des Kantons Bern, II. Teil, Kantonaler Karten- und Plankatalog Bern, Kapitel A 06 Grenzen vor 1800, A 06.22, Frontières aves les Cantons de Bâle et de Soleure, Kantonale Kartographiekommission Bern, 1960, Seite 40. 119

Oben der mit Kantonsgrenze plombierte Markstein bei ehemaligen Triangulationspunkt 464.5, unten der Grenzstein Nummer 88 vor der Baumgruppe, von Süden nach Norden gesehen. Rechts das alte Pfarrhaus, im Hintergrund Häuser in Brislach, am Horizont der Jurakamm über der Nenzlingereweide. Der ehemalige Brislacher Kirchweg führte unmittelbar am Grenzstein Nummer 88 vorbei, heute verläuft er etwa zwei Dutzend Meter westlich davon.

Namenbuch der Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft, Bezirksband Laufen, Stiftung für Orts- und Flurnamen-Forschung Baselland, Pratteln, 2017, unter Sigristegarte, Brislach.

120

121 1544 erbaute Hans Schwäbli in Breitenbach eine Mühle. “Sie scheint nicht lange Bestand gehabt zu haben, denn sie wird später nicht mehr erwähnt.” Ernst Baumann, Seite 165.

62


63


gende Dörfer gehören; welches ehemals den Freyherrn von Ramstein von dem Bischthum zu Lehn gegeben, nach deren Abgang aber wieder an das Bischthum gezogen worden.124“ Einige Details zur Zeichnung: Die Birsbrücke im Osten des Dorfes ist bereits aus Stein gebaut, südlich des Schlosses sind die Lüsselmündung und die diversen Arme der Birs zu erkennen, weiter südlich, dem Lauf der Lüssel talaufwärts entlang, kann rechts des Schriftzuges Brislach die Rohr-Kirche mit ihrem charakteristischen Käsbissenturmdach und der Überschrift Rohr ausgemacht werden, siehe die Vergrösserung auf der rechten Seite.

Emanuel-Büchel-Zeichnung, 1755

Der Basler Zeichner Emanuel Büchel122 malte im Jahr 1755 das Schloss und Dorf Zwingen123. „Ein Schloss und Dorf zur rechten Seiten der Birs (welche man um selbiges völlig herumlaufen lassen kan) etwa 3 Stund ob der Stadt Basel, auf welchem ein Bischöflicher Landvogt seinen Sitz hat, unter welchem das von diesem Schloss des Namen habende Amt Zwingen stehet, in welches auch die Stadt Lauffen, das Schloss Burg, und die Pfarren Liesperg und Blauwen und die darzu lie122 Der Basler Bäcker, Torschliesser am Steinentor, Topograph und Zeichner Emanuel Büchel lebte von 1705 bis 1775. Er widmete sich hauptsächlich botanischen Themen und topografischen Ansichten. 123 Emanuel Büchel, Schloss und Dorf Zwingen, 1755, Feder, laviert, Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, A 48. b 38.

124 Hans Jacob Leu, Allgemeines Helvetisches, Eydgenössisches oder Schweizerisches Lexicon, Hans Ulrich Denzler, Zürich, 1755.

64


65


Alois-Oser-Zeichnung

Dem Benediktinermönch Alois Oser ist die Darstellung von “Kirche und Propstei wie ich sie als Kind noch gesehen habe und wie ich mich erinnern konnte” zu verdanken. Seine Zeichnung stammt aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts und wird im Brislacher-Buch im Archiv des Klosters Mariastein aufbewahrt. Sie gibt im Detail Auskunft über die einzelnen Gebäude und ihre Funktionen. Bruder Alois’ Zeichnung ist nach Osten ausgerichtet, die Windrose erleichtert die Orientierung. Hier die Abschrift der Legende: 1. Pfarrkirche, 2. Beinhaus, 3. Sigristenhaus, 4. Häuschen, wo das Heilige Grab aufbewahrt wurde127, 5. Bienenhaus, 6. Propstei, der Schriftzug am Gebäude unten rechts lautet “Brunnen in der Küche”, zu jener Zeit gab es noch kein fliessendes Wasser in den Häusern. 7. Brunnen. 8. Waschhaus, 9. Scheune, 10. Fischteich, 11. Brunnstube, 12. Holzschoppen. Ferner hat Bruder Alois den Gottesacker verzeichnet, den Rohrrain, die Wege nach Brislach und Breitenbach, den Gras- und Baumgarten, das “Eisenbächlein” und den Fussweg hinauf zur heutigen Spitalstrasse. Im Propsteihof sind Hühner zu sehen, im Teich, möglicherweise bezog er sein Wasser aus dem Isenbach, schwimmen zwei Fische. 127 Pater Lukas Schenker, Archivar und Bibliothekar des Klosters Mariastein: “jeweils während der Karwoche”.

70


71


Der Plan ist nicht nach Norden, sondern in Richtung Osten ausgerichtet, er müsste um etwa 80 Grad im Uhrzeigersinn gedreht werden, um unserer gewohnten Betrachtungsweise zu entsprechen. Darauf sind Flurnamen, die Grundstückgrenzen und -dimensionen sowie die Situation der Gebäude zu erkennen. Die Kirche selbst ist nicht verzeichnet, sondern nur die Fläche, auf der sie, umgeben vom Friedhof, stand. Auf dem Plan werden folgende Masse auf der Berechnungsgrundlage einer Juchart à 40’000 Fuss131 (34 Aren132) angegeben: Nutzbar: 10 Juchart, 28’142 Fuss (364 Aren), Unnutzbar, Häuser, Wege: 13’465 Fuss (11 Aren), Kirchhof und Kirchenplatz: 12’493 Fuss (11 Aren), Total: 11 Juchart, 14’060 Fuss (386 Aren). Das Grundstück wird Rohrer Propstei Pfarrmatt genannt. Das Solothurnische Namenbuch schreibt einerseits vom Alte Pfaarhoof, als “abgegangenes Pfarrhaus mit Umschwung im Gebiet Ror”133. Andererseits nennt es auch den von Walker verwendeten Begriff der Pfarrmatt, als “Grundstück im nördlichen Siedlungsbereich im Gebiet Ror”134, er sei im Jahr 1651 erstmals aufgetaucht. Heute stehen auf dieser Pfarrmatt die drei Mehrfamilienhäuser Kirchmattstrasse 2, 4 und 6. Auch die Chilchmatt oder Chiirchmatt ist im Solothurnischen Namenbuch vermerkt als “Wiese im Besitz der Kirche”135. Als Flurnamen sind im Walkerplan verzeichnet der Käse-Acker, das Rohr-Hohlen-Feld, der Ebnett-Acker, die Siegristenmatt und der Rain-Acker, von der Bedeutung dieser Flurnamen wird noch die Rede sein. An Wegen sind zu sehen die Rohrgasse mit dem heutigen Zugang zu den ehemaligen Propsteigebäuden und der Rohrkapelle, das Totenweglein, das einst die Kirche mit der Hauptstrasse Brislach-Breitenbach verband, und der Brislacher Kirchweg, der noch heute als Feldweg benutzt wird. Weitere Wege sind im Hang zu erkennen, der eine führt serpentinenartig hinauf, der andere direkt, er mündet in den Alten Baselweg, die heutige Spi-

Walkerplan von 1845

Aus der Copie des Planes über die Rohrer Propstei Pfarrmatt bei Breitenbach, sie liegt im Archiv des Klosters Mariastein, gehen verschiedene wesentliche Informationen und Details zur Situation hervor. Diese Kopie ist aufgenommen worden „auf Befehl“ von Bonifazius, „würdigster Abt zu Beinwil in Mariastein und J. M. Walker, Geometer, 1845“. Walker setzte 38 Marksteine, um das Terrain im Rohr genau ausmessen zu können128. Als Kopist hat Pater Karl Motschi129, Propst im Rohr, gewirkt, die Plankopie datiert vom 29. August 1865. Gemäss Pater Motschi sind zwei Drittel des ursprünglichen Plans kopiert worden. Bei J. M. Walker dürfte es sich um den Zeichner des Originalplans, Urs Joseph Walker, handeln, über dessen Leben und Wirken der Historiker Dr. Thomas Wallner in seinem Artikel in der Zeitschrift Cartographica Helvetica130 schrieb. Walker, aus Oberdorf SO, geboren 1800, gestorben 1855, war ein Schüler des Genfer Topographen und nachmaligen Generals Guillaume Henri Dufour. Walker erstellte die erste offizielle Karte des Kantons Solothurn, die Walkerkarte von 1832, im Massstab 1:60’000 in den Massen 94 x 80 Zentimeter. Sie galt als Meisterwerk ihrer Zeit und diente in Teilen als Grundlage für die 1845 erschienene Topographische Karte der Schweiz, 1:100’000, genannt Dufourkarte. Im Jahr 1845, so Wallner, habe sich Walker „für kantonale Vermessungsaufträge verpflichtet, zum Beispiel zur Vermessung der Klostergüter von Mariastein“. Nachdem Walker 1845 seinen Plan dem Abt von Mariastein übergeben hatte, entbrannte ein Rechtsstreit zwischen der Kirchgemeinde Breitenbach und dem Kloster. Zwanzig Jahre zuvor nämlich, 1825, liessen die Gemeindebehörden Pfarrmatte und Propsteigarten im Rohr im Hypothekenbuch stillschweigend als Eigentum der eigenen Pfarrgemeinde eintragen. Das Kloster opponierte, es kam zu einem langwierigen Prozess, der erst 1856 mit einem Vergleich zwischen den Parteien abgeschlossen werden konnte. 128

131

Gemeint ist Quadratfuss.

Walker berechnete die Masseinheit Juchart offensichtlich mit 34 Aren. Dies obwohl das Konkordat über eine gemeinsame schweizerische Mass- und Gewichtsordnung vom 17. August 1835, dem sich auch der Kanton Solothurn angeschlossen hatte, die Juchart einheitlich auf 36 Aren festgelegt hatte. Im Kanton Solothurn waren zuvor die von Walker verwendeten 34 Aren üblich. 132

Ernst Baumann, Seite 53.

Pater Karl Motschi, geboren 1827 in Oberbuchsiten, war von 1863 bis 1865 Probst im Rohr. Ernst Baumann, Breitenbach, Seite 54.

129

Thomas Wallner, Die Topographische Karte des Kantons Solothurn von Urs Josef Walker, Cartographica Helvetica, Fachzeitschrift für Kartengeschichte, Heft 11, 1995.

133

Solothurnisches Namenbuch, Seite 683.

134

Solothurnisches Namenbuch, Seite 684.

135

Solothurnisches Namenbuch, Seite 427.

130

72


73


76


nahme der Swissair Photo AG aus dem Jahr 1976140. Die neue Kirche und der neue Spitalbau stehen, Einkaufszentrum Wydehof und Busstation sind im Bau, im Rohr steht die Zeit noch still. Auch der später abgebrannte Pfarrhof links der Kapelle existiert noch. Auf allen Abbildungen ist die Rohrkapelle und der ehemalige, Ende der 1970er-Jahren abgebrannte Pfarrhof gut zu erkennen.

Das Rohr von oben

Hier einige Illustrationen zur Entwicklung des Dorfes Breitenbach im Lauf der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Links oben die Aufnahme von Werner Friedli aus dem Jahr 1950, er flog aus Richtung Norden über Brislach nach Breitenbach138. Links unten: Aufnahme des gleichen Fotografen in entgegengesetzte Richtung aus dem Jahr 1953139. Oben eine Auf138

Archiv der ETH Zürich, LBS_H1-013309.

139

Archiv der ETH Zürich, LBS_H1-015020.

140

77

Archiv der ETH Zürich, LBS_L1-768967.


Wohnzonen sind gelb eingetragen, die Arbeitszonen violett, Zonen für öffentliche Nutzung grau, Zentrumszonen braun, Gebiete ohne Einfärbung gehören nicht zur Bauzone. Der Versuch, die Entwicklung der Grundbesitzverhältnisse im Rohr im Detail zu eruieren, hat in den Archiven diverser Amtsstuben buchstäblich keinen Staub aufgewirbelt. “Leider fehlt es mir an der Zeit, in unserem Archiv umfangreiche Recherchen zu betreiben ...”, “Da die historische Aufarbeitung nicht zu unserem Kerngeschäft gehört, will ich unseren Aufwand möglichst gering halten ...”, ein weiteres Archiv befand sich in einem Zustand, “der Recherchen nicht zulässt”. Ach ja, und, “falls ein Auszug gewünscht wird, ist dieser kostenpflichtig”. Aufgrund dieser Ausgangslage und in Anbetracht der relativen Bedeutungs-

Heutige Besitzverhältnisse Das Eigentum des Klosters Mariastein und sein Grundbesitz im Rohr sind, wie bereits erwähnt, während des Kulturkampfs um 1874 per Volksbeschluss an weltliche Institutionen übergegangen. Der einstige klösterliche Grundbesitz wird unten durch die Konturen des Walkerplans aus dem Jahr 1845 markiert, der Hintergrund der Abbildung zeigt die Solothurner Grundbuchkarte, Geoportal, Web-GIS, von Juni 2016. Das ehemalige Sigristenhaus, A, und der Ende der 1970er-Jahre abgebrannte Pfarrhof, B, sind als Konturen auf dem Walkerplan zu sehen. Beim zweiten Planausschnitt handelt es sich um die Karte der Bauzonen Schweiz, harmonisiert, des Bundesamtes für Raumentwicklung, ARE, von Juli 2016. Die

78


losigkeit von Besitzverhältnissen im Kontext eines historischen Spaziergangs im Rohr, sei an dieser Stelle nicht die amtliche Wahrheit – möge sie in ihren Archivschachteln in Frieden ruhen – widergegeben, sondern eine naheliegende Annahme getroffen: Der ehemalige Klosterbesitz dürfte 1874 an die Gemeinde oder Kirchgemeinde von Breitenbach übergegangen und im Verlauf der Zeit zu Geld gemacht und verkauft worden sein. Es ist davon auszugehen, dass die Propstei mindestens bis zum Auszug der Pfarrherren ins neue Pfarrhaus, anfangs der 1920er-Jahre, im Besitz der Kirchgemeinde Breitenbach-Fehren-Schindelboden war. Gemäss Auskunft von Alfons Marti141 erwarb sein Breitenbacher Urgrossvater Otto Marti, Inhaber einer Ziegelei, zuerst in Pfungen, später in Zollikofen, 141

das gesamte Terrain mit der Probstei und verpachtete dieses Eigentum über Jahrzehnte. Die Erbengemeinschaft seines Sohnes Josef Marti, geboren 1924, veräusserte diesen Besitz. Die alte Propstei wurde 2004 an die heutigen Eigentümer verkauft142. Gemäss Auskunft des Grundbuchamts in Dornach hat die Rohrkapelle seit 1922 eine eigene Grundstücknummer, Parzelle 2223, siehe auch den Plan auf der linken Seite, sie befindet sich im Besitz der Kirchgemeinde. – Eine kleine Parzelle mit Kapelle als Reminiszenz an 600 Jahre Kloster- und Kirchengeschichte im Rohr.

142 Dieter Striebel, Eigentümer der alten Propstei, Gespräch vom 17. Dezember 2016, Kaufvertrag vom 28. Januar 2004.

Gespräch vom 18. Januar 2017 in Breitenbach.

79


Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten, das von den Vereinten Nationen im Jahr 1954 getroffen wurde. Das Abkommen ist aus der Einsicht entstanden, wonach “jede Schädigung von Kulturgut, gleichgültig welchem Volke es gehört, eine Schädigung des kulturellen Erbes der ganzen Menschheit bedeutet, weil jedes Volk seinen Beitrag zur Kultur der Welt leistet.”146 KGS-Objekte werden in einem Konfliktfall gekennzeichnet, um ihren Schutz sicherzustellen. Die alte Propstei ist gemäss Gottlieb Loertscher 1572 erbaut und in den Jahren 1724 und 1820 renoviert und vergrössert worden. “Sie diente den Breitenbacher Pfarrherren bis 1922 als Wohnung und wurde 1940 durch stilwidrige Anbauten entstellt.”147 Diese Anbauten sind von der seinerzeitigen Besitzerfamilie Marti in Auftrag gegeben worden, möglicherweise gleichzeitig mit der Renovation der Rohrkapelle 19431946. Heute besteht der Gebäudekomplex aus zwei Stockwerkeigentumseinheiten. Die eine umfasst den nördlichen Teil der alten Propstei, die andere den “stilwidrigen Anbau” auf der Ost-West-Achse sowie die Räume im südlichen Teil der Propstei. Dieter Striebel bewohnt heute den ersteren Hausteil. Ein Besuch in diesen altehrwürdigen Gemäuern lässt die Vergangenheit aufleben und gibt Rätsel auf. Weshalb zum Beispiel ist nicht das gesamte Gebäude mit den eindrücklichen Tonnengewölben unterkellert? Weshalb fehlt anscheinend die Logik in der Anordnung der dicken Tragmauern im Erdgeschoss des Hauses? Wurden die Stuck-Verzierungen an den Decken des Obergeschosses anlässlich der Renovation um 1815 angebracht? Was bedeutet die rauchschwarze Decke im Untergeschoss nahe der ehemaligen Haustür, befand sich dort einst die Küche? Oder war es der Ort, wo die Pfarrherren jeweils anfeuerten, um den gefrorenen Messwein aufzutauen? Wo befindet sich die Quelle des alten Brunnens, aus dessen Stock jahrein jahraus Wasser mit einer konstanten Temperatur von rund zwölf Grad fliesst? – Die Propstei im Rohr bleibt eine Legende.

Gartenpfosten mit der Jahrzahl 1780, wahrscheinlicher Zeitpunkt des Baus der Gartenanlage.

Das alte Pfarrhaus bleibt eine Legende Unter dem Titel ehemaliges Propsteihaus Rohr, 1724, steht das alte Pfarrhaus mit der KGS-Nummer 13486 auf der Liste der Kulturgüter in Breitenbach. Es ist, zusammen mit der Galerie Laterne143 am Gängli im Dorfzentrum, das einzige geschützte Objekt im Ort. Beide Gebäude gehören zu den Schutzkategorien B, regionale und kantonale Bedeutung144. Gemäss Kaufvertrag vom Januar 2004, unter Anmerkungen, wurde die alte Propstei bereits am 29. Dezember 1943 unter den Altertümerschutz, Vorläufer des KGS, gestellt145. Für den Schweizer Kulturgüterschutz, KGS, ist das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, Bundesamt für Bevölkerungsschutz, zuständig. Dieser Kulturschutz basiert auf dem Haager Abkommen für den 143

KGS-Nummer 13944.

Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesrecht, Internationales Recht, 0.5 Krieg Neutralität, 0.520.3, Haager Abkommen für den Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten, von der Bundesversammlung genehmigt am 15. März 1962, in Kraft getreten am 15. August 1962.

146

Kategorie A, nationale Bedeutung, Kategorie B, regionale und kantonale Bedeutung, Kategorie C, lokale Bedeutung.

144

145 Altertümerschutz, Beleg B 283/1982, Dieter Striebel, Eigentümer der alten Propstei, Gespräch vom 17. Dezember 2016.

147

80

Gottlieb Loertscher, Seite 185.


81


„Kupiertes Waldgebiet NNE Dorf, vormals auch Acker- und Mattland an seinem Fuss, sowie Bach an der Grenze zum Rorholz.“ Der Flurname Isenbach wurde 1371 erstmals urkundlich erwähnt, Solothurnisches Namensbuch, Seite 380.

nach Norden, westlich am kleinen Dürren Wäldli163 vorbei, bis zum Rohr. Dort bog er erneut nach Westen ab und floss entlang dem ehemaligen Totenweglein und unter der Hauptstrasse Breitenbach-Brislach hindurch auf einer Höhe von rund 380 Metern in den einstigen Gerberei-Kanal und schliesslich in die Lüssel. Seine Länge betrug rund 1’500, sein Gefälle etwa 60 Meter. Auf der Zeichnung von Bruder Alois Oser, OSB, aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts, ist der Lauf des Eisenbächleins zwischen der ehemaligen Kirche im Rohr und der Propstei gut zu erkennen. Die historische Fotografie des Pfarrhauses von 1902, Seite 103, zeigt den den kleinen Bach. Heinrich Studer, ehemaliger Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Breitenbach, erinnert sich an eine Gemeindeversammlung anfangs der 1950er-Jahre, an

„Stark nach W geneigter bewaldeter Hang im N Siedlungsgebiet.“ Der Flurname Rorholz wurde 1752 erstmals urkundlich erwähnt. Solothurnisches Ortsnamenbuch, Seite 819.

163 Kleiner Wald an stark nach Westen geneigter Flanke (608170/251210), unterhalb des Hauses Dürr gelegen. Solothurnisches Namenbuch, Seite 1028.

Der verlochte Isenbach Der Isenbach161 entspringt im Rohrholz162 auf einer Höhe von etwa 440 Metern in einem Waldstück westlicher Exposition, rund einen Kilometer westlich vom Dorfzentrum gelegen. Mehrere Rinnsale vereinen sich im Rohrholz zum Isenbach, einem Bächlein, das heute noch munter murmelnd und gurgelnd durchs dichte Unterholz fliesst. Früher verlief er durch die markante Geländemulde, durch die heute eine Strasse führt, der Isenbachweg, in westlicher Richtung. Er unterquerte die Spitalstrasse und drehte, in der Ebne angelangt, 161

162

96


welcher der Isenbach ein Thema gewesen sei164. Ein Imker namens Leo Ackermann habe sich zu Wort gemeldet und gegen das Verschwinden des Isenbachs plädiert, weil dadurch „eine von den Bienen gerne genutzte Tränke“ verschwände. Dieses Votum habe zu belustigten Kommentaren geführt. Heinrich Studer erinnert sich an die Eindolung im Zusammenhang mit dem Bau des Isenbachwegs in den 1950er-Jahren. Heute werden die beiden Arme des Isenbachs unmittelbar bei ihrem Austritt aus dem Rohrholz gefasst und unterirdisch kanalisiert. Spaziert man mit offenen Ohren den Isenbachweg hinunter, meldet sich der Bach bei jeder Dole mit seinem lustigen Blubbern. Auch beidseits der Spitalstrasse ist er gut zu hören. Danach zwingt ihn sein unterirdisches Korsett zur Abweichung von seiner natürlichen Fliessrichtung. Anstatt nach Norden wendet er sich nach Westen und unterquert die Ebne. Er ist ein letztes Mal in den Dolen der Rohrgasse zu hören, dann fliesst er weiter westlich unter der Kantonsstrasse hindurch und findet in der Lüssel seine alte Freiheit wieder. Die Abbildung links zeigt einen Ausschnitt aus der kantonalen Karte zur Ökomorphologie der Fliessgewässer165. Der natürliche Lauf des Isenbachs ist grün dargestellt, der künstliche mit der gestrichelten, roten Linie.

164

Ausschnitt aus der ersten Ausgabe der Siegfriedkarte, mit dem verzeichneten Isenbach, aus dem Jahr 1875.

Gespräch vom 2. Mai 2016 in Breitenbach.

Kanton Solothurn, Geoportal, WebGIS, Ökomorphologie der Fliessgewasser, www.geoweb.so.ch, 13. Juli 2016. 165

97


1032 Basel wurde vom Heiligen Römischen Reich annektiert. Schenkungen durch den deutschen Kaiser Heinrich II., Elsässer Hard, Stiftung des Münsters. St144 1085 Gründung des Klosters in Beinwil “nach der Hirsauer und der Beinwiler Tradition [...] der erste Konvent bestand aus acht Hirsauer Mönchen unter Abt Esso”. Andere Quellen nennen Einsiedeln als Mutterkloster und legen das Gründungsjahr auf 1124. GL150 1147 Erste Erwähnung des Klosters Beinwil. Papst Eugen III. stellte es unter seinen apostolischen Schutz. SoUB55 1152 Erste Erwähnung von Breitenbach “allodia in Breitenbach”. König Friedrich I. nahm das Kloster Beinwil in seinen Schutz und bestätigte ihm seine Besitzungen. Es besass mit dem Dinghof einen Mittelpunkt seiner Verwaltung in Breitenbach. SoUB69 1194 Papst Coelestin III. nahm das Kloster Beinwil in den Schutz des apostolischen Stuhles und sicherte ihm alle gegenwärtigen und zukünftigen Besitzungen. SoUB132 1200 Bau der Kirche im Rohr als private Eigenkirche durch die Herren von Brislach oder ihre Nachfolger, die Herren von Ramstein. GL178, EB8 1255 Erste Erwähnung eines Pfarrherrn im Rohr, Dekan Konrad von Rohr, “Conradus, decanus de Rore”. GL178 1291 Gründung der Eidgenossenschaft. 1295 Laufen erhielt das Stadtrecht. 1311 Die Herren von Ramstein traten das Patronatsrecht über die St. Margarethenkirche im Rohr ans Kloster Beinwil ab. 1348 Erste Pestepidemie in der Schweiz, weitere folgten 1439, 1519, 1541, 1611, 1630 und 1668. HLS(Pest) 1356 Erdbeben zu Basel, Auswirkungen in der ganzen Region, auch das Kloster Beinwil wurde beschädigt. 1411 Das Hofgericht zu Breitenbach brachte den Hofrodel mit den wichtigsten Rechten und Pflichten der Hofleute zu Pergament. FE29 1430 Basel galt mit 8’000 Einwohnern als volksreichste Stadt im Gebiet der heutigen Schweiz. St145 1431-1448 Konzil zu Basel. 1444 Schlacht bei St. Jakob an der Birs. 1445 Adelskrieg in der Region Basel.

Geschichte des Rohr und seines Umfelds

Der besseren Lesbarkeit halber werden die Quellen in den einzelnen Texten mittels Abkürzungen mit Seitenangaben genannt: BistBS1, EB2, BB3, BL4, FE5, GL6, HLS7, HZ8, NLRB9, SoUB10 St11, 1 Benedikt Bury, Klosterpfarrer, Geschichte des Bistums Basel und seiner Bischofe, Solothurn, 1927, 26. Kapitel, Wirren und Revolution im Bistum. 2 Ernst Baumann, Breitenbach, Geschichte der alten Pfarrei Rohr, der Kirchgemeinde und des Dorfes, römisch-katholische Kirchgemeinde Breitenbach-Fehren-Schindelboden, 1950. 3 Breitenbach, ein Bildband zu Kultur und Geschichte, Bürgergemeinde Breitenbach, 2002. 4

s’Baselbiet, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, Liestal, 2004.

Ferdinand Eggenschwiler, Geschichte des Klosters Beinwil von seiner Gründung bis 1648, Jahrbuch für solothurnische Geschichte, Band 3, 1930.

5

Gottlieb Loertscher, Die Kunstdenkmäler des Kantons Solothurn, Die Bezirke Thal, Thierstein und Dorneck, Birkhäuser Verlag, Basel, 1957.

6

7

Historisches Lexikon der Schweiz, www.hls-dhs-dss.ch.

Heimatkunde Zwingen, Gemeinde Zwingen, Verlag Basel-Landschaft, 2014. 8

9

Natur und Landschaft der Region Basel, www.regionatur.ch.

Solothurner Urkundenbuch, Regierungsrat des Kantons Solothurn, 1952. 10

11

Niklaus Starck, Stammbuch der Familie Starck, Basel, 1989.

6.-1. Jahrhundert vor der Zeitwende Der kleine keltische

Stamm der Rauracher bevölkerte die Gegend von Basel. 44 vor der Zeitwende Der Römer Munatius Plancus gründete im heutigen Augst die Colonia Raurica. 3.-5. Jahrhundert Germanische Stämme drangen in die Nordwestschweiz vor. 5.-8. Jahrhundert Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter. Die Nordwestschweiz gehörte zum Merowingischen Reich, der ältesten Königsdynastie der Franken. 8.-10. Jahrhundert Die Nordwestschweiz gehörte zum Karolingischen Reich, Karl der Grosse wurde im Jahr 800 zum ersten Kaiser seit der Antike gekrönt. 999 Rudolf III., letzter König von Burgund, schenkte dem Bischof von Basel das Kloster Moutier-Grandval mit seinen Besitztümern, die weltliche Herrschaft des Fürstbistum Basel entstand. 1000 Der Baslerstab erschien erstmals als Hoheitszeichen des Bischofs. 98


Gründung der Basler Universität als erste Schweizer Hochschule bis ins 19. Jahrhundert. Gleichzeitig kam in Basel das Buchdruckergewerbe auf. 1481 Solothurn trat dem Bund der Eidgenossen bei. 1499 Schwabenkrieg, Schlacht bei Dornach. 1501 Basel trat dem Bund der Eidgenossen bei. 1515 Vollständiger Neubau der Kirche im Rohr “Kirchen sambt dem Turm”. GL178 1522 Thierstein wurde zur Solothurner Landvogtei. 1525 Bauernkrieg, die Laufentaler zogen gegen ihren Landesherrn, den Basler Bischof, brannten die Bernhardinerabtei von Lützel nieder. BL212 1529 Reformation in Basel, dem Birseck und dem Laufental. BL213

Das Rohr, A. Obrist, Architekt, nach der Natur gezeichnet. Mitte des 19. Jahrhunderts, Original im Archiv des Klosters Mariastein.

1460

1530 Bildersturm im Rohr zu Breitenbach. EB17 1530 Solothurn wurde zur Ambassadorenstadt, der

Residenz der französischen Botschafter in der Eidgenossenschaft. 1572 Bau der alten Propstei im Rohr. Renovationen und Vergrösserungen 1724 und in den 1820er-Jahren. “Sie diente den Breitenbachern Pfarrherren bis 1922 als Wohnung und wurde 1940 durch stilwidrige Anbauten entstellt.” GL185 1573 Nach der Ausweisung der Juden aus Elsass und Österreich erlaubte der Fürstbischof den Bau eines Ju99


ren. 1931 waren es 14’086, 1933 ihrer 23’0702. 1927 Spatenstich zum Bezirksspital Thierstein in Breitenbach. BB136 1931-1933 Bau des Scheiteltunnels am Passwang. 1931-1939 Weltwirtschaftskrise, Förderung der Kleinlandwirtschaft, hohe Arbeitslosigkeit, der Ausbau des Sozialstaats wurde beschleunigt. BL217 1935 Das Zeitalter des Fernsehens begann. St156 1939-1945 Zweiter Weltkrieg, Rationierung der Lebensmittel, Aktivdienst der Armeeangehörigen. 1940 Der Kanton Basel-Stadt zählte 170’000 Ein-

des Kantons Solothurn angemeldet mit dem Zweck der „Förderung der wirtschaftlichen und kulturellen Interessen der angeschlossenen Mitglieder durch das Mittel der genossenschaftlichen Selbsthilfe.“ Ihre Löschung im Handelsregister erfolgte im Jahr 2001. 1910 Die Basler Verkehrsbetriebe beförderten rund 20 Millionen Fahrgäste. St155 1914-1918 Erster Weltkrieg, Rationierung der Lebensmittel, soziale Unruhen in den Städten, Einsatz der Armee zum Ordnungsdienst. BL216 1919 Gründung des Obstbaumvereins Breitenbach mit dem Ziel der Förderung des Obstbaus. 1921 In Pittsburgh, USA, ging die erste Radiostation auf Sendung. St155 1921 In Breitenbach wurden die Pferdekutschen durch Postautokurse abgelöst. 1926 Das Radiozeitalter brach an, Eröffnungsjahr der Basler Radiogenossenschaft mit 2159 Konzessionä-

2 Yvonne Höfliger-Griesser, Die Geschichte der Gruppe 33, Editions zem Specht, Basel, 1983, Seite 45.

Blick vom Rohr, wahrscheinlich vom Dürren Wäldli, Richtung Süden nach Breitenbach, im Vordergrund rechts die Rohrgasse, links der Alte Baselweg, die heutige Spitalstrasse, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Wegkreuz an der Verzweigung Rohrgasse-Spitalstrasse ist undeutlich zu erkennen. Original im Archiv des Klosters Mariastein.

106


mung der Kanton Jura konstituiert. 1980 Das Zeitalter der Personal-Computer begann. 1982 Gründung der Stiftung Beinwil. 1990 Das Zeitalter des Mobiltelefons begann. 1994 Das Laufental beschloss mit einer Mehrheit von 51,7 Prozent bei einer Stimmbeteiligung von 93 Prozent die Zugehörigkeit zum Kanton Basel-Landschaft als fünfter Bezirk. Es hatte seit dem Wiener Kongress 1815 während 179 Jahren zum Kanton Bern gehört.

wohner, die Stadt Zürich 320’000. St156 1947 Gründung des Rassemblement Jurassien, Beginn der jurassischen Separationsbewegung. BL217 1950 Viele Breitenbacher Obstkulturen fielen in den 1950er-Jahren der Mechanisierung der Landwirtschaft zum Opfer. 1952 Bau des Schulhauses Mur, Breitenbach. BB96 1955 Die Landeskarten der Eidgenössischen Landestopografie in diversen Massstäben lösten die Siegfriedkarte ab. 1967-1968 Die Stimmberechtigten des Kantons Basel-Landschaft votieren für das Frauenstimmrecht in kantonalen Angelegenheiten. BL217 1971 In der Schweiz wurde das Stimm- und Wahlrecht der Frauen eingeführt. 1978 Ein Feuer richtete im Kloster Beinwil grosse Schäden an, es wurde bis 1982 restauriert. 1979 Nach 165jähriger Zugehörigkeit zum Kanton Bern wurde nach einer eidgenössischen Volksabstim-

107


• •

• •

Arnim, von, Ludwig Achim, Die Päpstin Johanna, herausgegeben von Johannes Barth, Max Niemeyer Verlag, Tübingen, 2006. Baumann Ernst, Breitenbach, Geschichte der alten Pfarrei Rohr, der Kirchgemeinde und des Dorfes, römisch-katholische Kirchgemeinde Breitenbach-Fehren-Schindelboden, Breitenbach, 1950. Bern, Kanton, Staatsarchiv, schriftlich. Beerli Willibald, Pater OSB, Die Katholischen Orden und Kongregationen der Schweiz, herausgegeben von Dr. J. Hartmann, Appenzell, 1937/38. Brislach 1991, Einwohnergemeinde Brislach, 1991. Brunner Guido, Brunner Roman, Haberthür Werner, Spaar Willi, Thalmann Christian, Kirchen Breitenbach / Fehren, Breitenbach, 2008. Bürgergemeinde Breitenbach, Breitenbach, Ein Bildband zu Kultur und Geschichte, Breitenbach, 2002. Bury Benedikt, Klosterpfarrer, Geschichte des Bistums Basel und seiner Bischöfe, Solothurn, 1927. Eggenschwiler Ferdinand, Geschichte des Klosters Beinwil von seiner Gründung bis 1648, Jahrbuch für solothurnische Geschichte, Band 3, 1930. ETH-Bibliothek, Online-Bildarchiv, Stiftung Luftbild Schweiz, www.library.ethz.ch. Fondation des Archives de l’ancien Évêché de Bâle, Porrentruy, persönlich. Fringeli Albin, Die Schwedenschanzen an der Rohrgasse in Breitenbach, Dr Schwarzbueb, Breitenbach 1924. Ganter Theo, Basel und die Katholiken um 1927, Die Antoniuskirche in Basel, Birkhäuser Verlag, Basel, 1991. Gasser Markus, Schneider Thomas Frank, Solothurnisches Namenbuch 2, Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei DorneckThierstein, Schwabe Verlag, Basel, 2010. Gemeinde Pratteln, Heimatkunde Pratteln 2003, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, 2003. Gerster Giuseppe, Joseph Ferdinand Gerster, ein Burger von Laufen-Stadt im 19. Jahrhundert, Verlag des Kantons Basel-Landschaft, 2012, Seite 49. Grosjean Georges, Landesvermessung und Kartographie des Kantons Bern, II. Teil, Kantonaler Karten- und Plankatalog Bern, Kapitel A 06 Grenzen vor 1800, A 06.22, Frontières aves les Cantons de Bâle et de Soleure, Kantonale Kartographiekommission Bern, 1960. Gunn-Hamburger Dagmar, Dinghöfe und “Dinghöfe” im Schwarzbubenland, Jahrbuch für solothurnische Geschichte, Band 70, 1997. Haas Hieronymus, Pater OSB, Wallfahrtsgeschichte von Mariastein, Kloster Mariastein, 1973. Heusler Andreas, Geschichte der Stadt Basel, Verlag Frobenius Basel, dritte Auflage, 1918. Historisches Lexikon der Schweiz, www.hls-dhs-dss.ch.

• •

• •

• •

• • • •

112

Jura, Lexikon des, www.diju.ch. Kunstführer durch die Schweiz, Band 3, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Büchler Verlag, Bern, 1982. Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett, persönlich. Loertscher Gottlieb, Die Kunstdenkmäler des Kantons Solothurn, Band III, Die Bezirke Thal, Thierstein und Dorneck, Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte, Basel, 1957. Mariastein, Kloster, Archiv, Pater Lukas Schenker, persönlich. Meyer Werner, Herrschaftsbildung und Burgenbau im Birstal, Nachrichten des Schweizerischen Burgenvereins, Band 68, 1995. Museum Laufental, Helye-Platz, Laufen, persönlich. Namenbuch der Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft, Bezirksband Laufen, Stiftung für Orts- und Flurnamen-Forschung Baselland, Pratteln, 2017. Namenbuch der Gemeinden des Kantons Basel-Landschaft, Brislach, Stiftung für Orts- und Flurnamenforschung Baselland, Pratteln, Basellandschaftliche Gebäudeversicherung, Liestal, Herausgeberin, 2006. Schenker Lukas, Abt des Klosters Mariastein, Exil und Rückkehr des Mariasteiner Konventes 1874-1981, Kloster Mariastein, 1998. Schenker Lukas, Abt des Klosters Mariastein, Benediktinische Gemeinschaften in der Schweiz, Benediktinisches Leben in der Schweiz von den Anfängen bis zur Gegenwart, Schweizerische Benediktinerkongregation, Gossau, 2002. Schmied Alfred A., Herausgeber, Kunstführer durch die Schweiz, Basel-Landschaft, [...] Solothurn, Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Bern, 1982. Schwarzbueb, Dr, Solothurner Jahr- und Heimatbuch, Breitenbach, Dr. h.c. Albin Fringeli und weitere Autoren, diverse Ausgaben. Semplici Cesar, Brislach 1991, Einwohnergemeinde Brislach, 1991. swisstopo, Bundesamt für Landestopografie, Bern. Solothurn, Kanton, Geoportal, www.sogis1.so. Solothurn, Kanton, Staatsarchiv, persönlich. Solothurner Urkundenbuch, Regierungsrat des Kantons Solothurn, 1952. Verlag des Kantons Basel-Landschaft, s’Baselbiet, Liestal, 2004. Wallner Thomas, Die Topographische Karte des Kantons Solothurn von Urs Josef Walker, Cartographica Helvetica, Fachzeitschrift für Kartengeschichte, Heft 11, 1995. Wurstisten Christian, Bassler Chronick, Sebastian Henricpetri, Basel, 1580. Wyss Max, Grenzsteine – vergessene Kulturdenkmäler, Leymen und Biel-Benken, 2015.


Im Rohrholz, Herbst 2016 113


Blick von der Rohrgasse auf die Propstei, Januar 2017. 114


Dank

Der Verfasser bedankt sich bei Marie-Louise Brunner, Breitenbach, für das Vertrauen, • ihn interimistisch zum “Sakristan” der Rohrkapelle gemacht zu haben. Susann Cattin-Flury, Zuchwil, für die Informationen • über ihren Grossvater, den Historiker Ferdinand Eggenschwiler. Astrid und Fredy Dreier-Henzi, Breitenbach, für die • Gastfreundschaft, die guten Gespräche, die vielen Hinweise und das Überlassen der alten Jahrbücher von Dr Schwarzbueb. Ulla Fringeli, Seewen, für die Unterstützung, den von • ihr verfassten Lebenslauf ihres Schwiegervaters Albin und die Erlaubnis, aus Dr Schwarzbueb zu zitieren und zu reproduzieren. Claudia Jeker Froidevaux, Laufen, für die spontane • und unkomplizierte Hilfe beim korrekten Umgang mit Brislacher Flurnamen. Fränzi Maurer-Saner, Breitenbach, für Interesse, Of• fenheit und all die guten Tipps. Damien Bregnard, Archiviste adjoint, Fondation des Ar• chives de l’ancien Évêché de Bâle, Porrentruy, für den freundlichen Empfang und die kompetente Beratung. Giuseppe Gerster, Laufen, für den freundlichen Emp• fang, die Informationen über die Laufner Geschichte und die Forschungsarbeiten seines Vaters Alban zum Thema der Römer. Peter Haberthür, ehemaliger Gemeindeschreiber von • Breitenbach, für die Gastfreundschaft, die spannenden Gespräche und die Exkursion zum Ort des ehemaligen Breitenbacher Galgens. Dr. Dieter Künzli, Gemeindepräsident, Breitenbach, • für das Geleitwort und die motivierenden Gespräche. Alfons Marti, Breitenbach, für die Aufklärung in Sa• chen Besitzverhältnisse im Rohr.

Pater Lukas Schenker, Archivar und Bibliothekar des Klosters Mariastein, für den stets freundlichen Empfang und die so kompetente wie angenehme Beratung und Unterstützung. Willi Spaar, Kultur am Kreisel Breitenbach, für das Interesse, den freundlichen Empfang und die wertvollen Unterlagen und Tipps. Dieter Striebel, Breitenbach, Eigentümer der ehemaligen Propstei, für Gastfreundschaft, Interesse und Offenheit. Heinrich Studer, Breitenbach, ehemaliger Gemeindemitarbeiter in Breitenbach, für die Hilfe bei der Spurensuche nach dem Isenbach. Claudia, für Geduld, Verständnis, Nachsicht und all die wertvollen kritischen Anregungen.

Die folgenden Institutionen haben durch finanzielle Unterstützung die Produktion dieses historischen Spaziergangs im Rohr ermöglicht: Gemeinde Breitenbach • • Kirchgemeinde Breitenbach-Fehren-Schindelboden • Lotteriefonds Kanton Solothurn Spenden haben entrichtet: Basellandschaftliche Kantonalbank, • Marktgebiet Arlesheim N. N. • Der Verfasser bedankt sich herzlich dafür.

Hier noch eine letzte Fussnote, ein Epilog quasi, weil sie an die erste dieses Buches im Vorwort anknüpft. Es geht um den Kantönligeist. Isaac Reber, Regierungsrat des Kantons Basel-Landschaft, lehnte in seinem Schreiben vom 8. Februar 2017 eine finanzielle Unterstützung des Buchprojekts mit der Begründung ab, die Geschichte des Rohr weise keinen “sehr engen Bezug” zum Baselbiet auf. Den Hinweis des Verfassers darauf, dass eben diese Geschichte von der “über 600jährigen ‘interkantonalen’ und für die Kantone Basel-Landschaft und Solothurn einzigartigen historischen Verbindung zwischen den Gemeinden Brislach BL und Breitenbach SO” erzähle, liess er unkommentiert stehen. Warum auch immer. – Honni soit qui mal y pense!. 115

Das Rohr in Breitenbach  

Ein historischer Spaziergang. Niklaus Starck, porzio.ch, 2017

Read more
Read more
Similar to
Popular now
Just for you