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CONDENaSTVkRLAC

RADIKAL KUUG R A F F IN IE R ! ^SEX Y POETISCH

VOGUE • GLAMOUR • GQ • MYSELF • AD


Till Lindemann: „Sic stehen mit Ihrer Disziplin und Ihrem Fleiß für typisch deutsche Tugenden“ Karl Lagerfeld: „Das hasse ich, wenn man das sagt. Ich gebe mir nämlich nicht igstc Mül wei deutsche Weltstars, E IN GESPRÄCH

Fotos Karl Ijigerfeld I Text:

ChristianeArp und David Baum


CJehleicht oder gepudert? In der Krage ihrer Haarfarben sind sich die beiden hellen Kรถpfe nicht einig.


Ls o-ehörl \ ie (lazi i. heule ( iediehle seh mi>en

Mut

fär! Ijigrfeid

Meine Mutter sagte, ein Deutschland ohne iuden ist nur Mief, eine Suppeohne Salz. Tl.- Erinnern Sie sich noch an den Krieg? KL- [a ia.doch doch, aber ich habe nicht da­ runter gelitten. Ich war auf Gut Bissenmoor, aii der Grenze zu Dänemark, also da, wo nichts passiert ist. Es gab kein Fernsehen, man bekam als Kind von all dem wenig mit. (Jhd die Zeitungen wurden uns nicht gezeigt. Tl.- Letzteres klingt so ähnlich, wie bei uns damals im Osten. Hs sei doch naheliegend, weshalb er seit [äh­

.Auch ich kann meinen eigenen geschrie­

Hie wichtig is! der ostdeutsdx Hintergrundfi& Sie

ren in dieses kleine Vier-Sterne-Hotel ander

benen Kram nichtübersetzen. Das liest sich

M d Ha Werk. Herr lindemann?

Rue de Rivoli käme, sagt Till Lindemann.

wie Thomas Man n auf Französisch, also

T L Ich bin bei Rammstein fürs Wort zu­

Der Blickaut’dieTuilerien sei einfach u n ­

wie Bahnhotsliteratur.

ständig. Kindheitserinnerungen spielen in

vergleichlich. Und schon ist in den ersten

S in n ! es. dass Sie eiie andere BrsünlieDhi!

den Texten eine große Rolle und sind natür­

Minuten klar,dass der Sänger von R am m ­

oine/mm. uenn Sie die Sprai* u.eciue!n?

lich von der DDR geprägt. Daher stammt die

stein - der international erfolgreichsten

K I. Ich habe keine Persönlichkeit, ich habe

Art, Dinge verklausuliert auszudrücken, so

deutschen Rockband - privat nur bedingt

drei. Eine französische,eine deutsche,eine

wie esdamalsgemachtwerden musste.

mit der martialischen Bühnentigur zu tun

englische.

K L Bei Ihren Gedichten merkt man das

hat, die man erwartet. Doch das hätte man

TL-Dis geht m ir im Spanischen ähnlich. Ich

nicht, ich habe die gelesen. Ich fand es beein­

sich denken können, als der Mann, der auf

habe den Eindruck, mein Blut wird heißer,

druckend. es gehört viel Mut dazu, heute

der Bühne Peuer speit, kürzlich einen G e­

■oenn ich Spanisch spreche.

Gedichte zu schreiben.

dichtband herausgab und seinen bildungs­

77.-Träumen Sie auf Deutsch oderauf

Tl.- Meine Fugend lasseich als Thema außen

bürgerlichen Hintergrund offenbarte. Der

Französisch?

toi - da war ich auf einer Sportschule. Das

kleine Spaziergang mit Lindemann und

K L Das kommt drauf an, wer in den

warkeine gute Zeit, die habe ich verdrängt.

seiner Lebensgefährtin Sophia Thomalta

Träumen vorkommt, normalerweise ge­

\ferdrängung ist manchmal gut, damit man

fuhrt zu einem ganz besonderen Gipfeltref­

mischt.

weitermachen kann.

fen. In der Rue des Saint-Peres wartet Karl

Sie beidegeilen als international bekanntere

A7. Aber unbewusst bleibt doch etwas hatten,

Lagerfeld, ein anderer deutscher Weltstar,

dm'.stiie Künstler. Denken Sie mancimaldarüber

nicht wahr?

bei einem Mittagessen.

nath. dass S ie fir lyeutseidand steilen?

Tl.- [a. aber Gedichte schreiben gleicht ohne­

l-är Ktr&m m d um limen beiden Bua'ier erssiaenen. Tiä ISmlemann hat einen (iediauband iserausgegtben. fär! Ijigerßd ein Bucii mi! seinen besten Bam oli. . .

K L Also bitte, man soll es auch nicht über­

hin einer Psychoanalyse, wer was anderes be­

treiben. „Für Deutschland“, wie das

hauptet, der schreibt über Hamster oder

klingt. Wie ein Film m it W illy Birgel aus der

Blümchen. M3n holt Kästchen aus seiner

A7. Ohne mein Zutun wohlgemerkt. Aber es

Nazizeit. FürPierrn Lindemann ist es viel­

Seele, in denen alles weggesperrt ist, und

wird nie auf Deutsch erscheinen, weil kein

leicht etwas anders, der hat in Deutschland

macht sie alle auf.

Ubersetzerden richtigen Ton hinbekommt.

gelebt, ich bin so schnell wie möglich hinaus.

Kl.- Lernten Sie Russisch in der DDR? 37


..Ich habe ni II Talent Im* das, wofür ich mich inleressiei|f Air;' Lagrtfüd

dadurch nicht mehr an jedes Detail.

Mann den Teller an den Kopf geschmissen.

T L Was ist dam it geschehen?

Dann kam auch noch so ’ne Journalistin an,

Ä7- Meine Mutter hat sie weggeworfen, als

so ein dickes Weib in einem Pullover, der so

sie das Haus des Vaters verkaufte. Sie

grobmaschig war,dass man den BH sehen

sagte: Junge, es ist nicht nötig, dass die Leute

konnte. Die sagte: Das ist unhöflich, so 'ne

wissen, wie do ofd u bist. Ich bedaure es, aber

schwarze Brille, setzen Sie die ab. Daraufhin

ich kämpfe andrerseits gegen zu viel Erinne­

sagte ich: Nehmen Sie erst Ihren schwarzen

rung, um nicht im Gestern zu leben.

Büstenhalter ab. Dann fing auch die an sich

Kannten iS< die DDR, Herr lAgerfeld?

au (zu führen. Das war mein DDR-Erlebnis.

K L Das war nicht mein Land, ich fand das

Akuten Sie beide daßtr i&npfen. Ms Ihre E ie n

grauenhaft. Meine Mutter war eine große

Iia t Begabung im ! Hat Ksinsi anerkannten?

Goethe-Verehrerin, und so wusste ich alles

Kl.- Nein, gar nicht. Mutter sagte, sie fände es

über Weimar. Ihre Goethe-Gesamtausgabe

nett, dass ich das machte, es würde beweisen,

von 1832 hat sie an einen Studenten

dass ich kein Snobsei.

verschenkt, der ihr beim Umzug geholfen

T L Ich bin damals vom Land in die Groß­

T L Fa. wieso?

hatte. Dersei nicht so dum m wie ich und

stadt, ich hatte ia schon eine Tochter.

AZ.-Mein Vater wollte, dass ich Russisch

habe auch mehr Interesse gezeigt.

W . Wie alt istdie denn heute? T L 29, älter als meine Freundin.

lerne, aber ich habe gesagt: Ich habe nur

T I- Och Mann.

Talent für das, wofür ich mich interessiere.

A7- Am zweiten oder dritten Tag, nach­

IJ . Aberda müssen Sie doch nicht rot

Und dafür interessiere ich mich nicht. Vater

dem die Mauer gefallen war, bin ich nach

werden,deshalb.

lebte vordem Ersten Weltkrieg in Russland

Potsdam gefahren und habe das Neue

T L (iacht) Das ist der Champagner!

nid liebte es. Das waren die glücklichsten

Palais fotografiert Ich liebte Friedrich den

f J j !a ja ja ja ja!

fahre seines Lebens. W ir mussten einmal in

Großen, nicht den. de i Krieg geführt hat.

T L Meine Mutter ist damals ausgeflippt.

der Woche deshalb Borschtsch essen, wäh.

sondern den. der die Schlösser gebaut hat

Nach Berlin zu ziehen. Musikzu machen

Ich habe das gehasst, das sah aus, als wenn

Dann sind wir nach Weimar, ich kannte

und zu glauben,davon leben zu können,

einem jemand auf den Teller gekotzt hätte.

das Goethe-Haus auswendig, als ob ich darin

das fand sie abwegig. Man darf nicht ver­

T L Solianka ist auch so ’neSache.

gewohnt hätte. Für Fotografien musste

gessen, dass nach dem Mauertall fast jeder

A7.Noch einmal: wäh. Aber russische Lltera-

man da fünf,äh ...

Ostdeutsche in ein tiefes Loch gefallen ist.

turtand ich toll. Einerder ersten Romane,

77. Mark, wir hatten Mark damals.

W ir waren perspektivlos, keiner wusste, was

die ich gelesen habe, war „Krieg und Frieden“.

A7--Genau, fünf Mark bezahlen. Da kam so

er tun soll. Die staatseigenen Fabriken,

Mas war Ihre ersse Hterarisdse Entriea&ng. Herr

ein Mann und machte Skandal.denn der

Ländereien wurden alle verkauft.

Ijntkm ann?

Tarif sei nur für Touristen, und ich wäre be­

Kl.- Ich bekomme bis heute Angebote.

T L Wolf Biermann, der gewagt hat, als

rufsbedingt hier. Danach sind wir in das

Schlösser in Ostdeutschland zu kaufen. Aber

Mitglied des DDR-Schriftstellerverbands die

Restaurant gegangen, das Essen war nicht

ich wüsste nicht, was ich dam it machen soll.

Regierung zu kritisieren. Da» war eine Erwe­

genießbar, aber der Kellner sah so aus wie

77.- Die meisten Künstler und Musiker fan­

ckung, man musste alles lesen, weil es so

der morphiumanische Kammerdiener in

den sich plötzlich als Versicherungsvertreter

iiierhört war. J. D.Salingers „Fängerim

DocteurMabuse. Eigentlich wollte ich das

wieder oder in irgendwelchen anderen ab­

Roggen' war auch ein wichtiger Einfluss.

nur gegenüber meinen Mitarbeitern auf

surden Berufen. Kunst blieb komplett auf der

Das durfte bei uns nicht veröffentlicht wer­

Französisch anmerken,hatte es aber unab­

Strecke. W ir haben uns arbeitslos gemeldet

den,man bekam es nur unter der Hand.

sichtlich auf Deutsch geugt. Da hat m irder

und sind jeden Tag in den Proberaum.

K L Wie kamen Sie dann zu Gedichten? 7/.-über Rilke, der war eine ganz große Nummer damals. Überall dort, wo was los war - in Studentendubs und Mensas, bei Partys. Tazzkonzerten und Lesungen. Das hat mich eigentlich weniger interessiert, aber nun konnte da gut Mädchen abschleppen. A7--Seltsamerweise hatte die D D R den Ruf, kulturell ein höheres Niveau zu besitzen. T L Was Bildung angeht, ia. Man ist mit Brecht und Goethe aufgewachsen, gleich­ artig wurden einem Marx und Engels in die Köpfe gestopft. Ä7- Ach ja, Erinnerungen. Ich bedaure es sehr, dass ich die Tagebücher meiner K ind­ heit nicht mehr habe, ich erinnere mich 38

waren w ir pers| )ckli\los. keiner wussle, was er tun soll“ 7Jff Iin ie ra s i


Deutschlands härtester Kocks u r schreibt (jedichte und lieht den Hick a u f die Tuilerien.

fJ.- Deshalb sag ich immer: Der Zulall ist der wichtigste Partner. Am richtigen Ort, zum richtigen Zeitpunkt. Es gibt Leute, die sind sicher genauso gut wie wir.aberdas hat ihnen gefehlt. Glauben Sie an Sdutksal? Ä/-Sie sind so deutsch, das ist so deutsch diese Frage. Schicksal, Heimat, Heimweh . .. Haben Sie etwa Heimwei’J fJ . Nein, wonach? Ich bin dazu erzogen, Euro­ päer zu sein. Das ist sentimentaler deutscher Kitsch. Ich bin total deutsch, ich habe auch nie eine andere Nationalität angenommen. 77-Sie stehen mit Ihrer Disziplin und Ihrem Fleiß Air typisch deutsche Tugenden. fJ.- Das hasse ich, wenn man sagt, dass das deutsch sei. Es gibt auch faule Heutsche. Und ich habe überhaupt keine Disziplin, denn ich will das ia. was ich mache. Ich muss mich zu nichts zwingen, nie. Ich gebe m ir nicht die geringste Mühe. TL- Wenn wir in den USA sind, bekommen wir andauernd diese Klischees zu hören. Lei­ der auch andersherum. Da sagt dann jemand. Mensch, du bist ja ganzlustig, obwohl du Deutscher bist. Woher kommen bloß diese Vorurteile? KL- Das ist noch von Bismarck und vor allem Wilhelm II. T L Obwohl, wenn ich im Ausland bin, er­ kenne ich Deutsche schon aus 500 Meter Ilä i würden S ii sagen, ist der G n a d fit Iben

g e lin d e rt. Es wäre heute vermutlich un-

Entfernung.

enormen E rfolg}H eia m it iiandwerklicisem Kimen

m öglich,mit einem Wollmantel nen

fJ.- A uf mich kommen öfter Leute zu und

tu i 1«, uder ist ei ein intellektueller Aspekt?

Kuckuck zu schießen.

sagen, hallooo, wir sind auch Deutsche.

A7.: Bitte, wir wollen doch nicht analysieren.

fJ- Das war eben die Aufgabe. Ich ging noch

Dann antworte ich im m er: Fa und,davon

Es ist eine Mischung aus all dem. Aber es

zur Schule, hattedas eingesendet und

gibtes SO Millionen. In Südfrankreich ist e*

wirkt gleich soprätentios.wenn man selbst

wieder vergessen. Ich war selbst verwundert,

ri.'i;h schlimmer.da herzen die einen.als

über so etwas spricht.

als ich plötzlich gewonnen hatte.

wenn man zusammen schon mal Kuhe ge­

S t nahen als 20-Jäiaiger einen Alante! in Hamburg

T L So etwas Ähnliches haben wir als Band

hütet hätte. Ich linde das grauenhaft. Ich lebe

ge&iiimet und damit ha einem /hriser I I e ’ tt-

auch erlebt. Ein halbes [ahr, nachdem wir

dort in einer Festung m it Bewachern Tag und Nacht. Die Leute werden ewig aggressiv.

hewerh den ersten Preis gewannen. Das muss man

nach Berlin gezogen waren, schickten wir ei­

düiii iunterfragen dütfin, wie das gekommen ist?

ne Magnetbandkassette bei einem Senats­

Das ist zu gefährlich. Charlotte Rampling,

A7. Das war besonders, da waren 200 000

wettbewerbein und gewannen überraschend.

die hat zweimal um fünf U hr morgens

Bewerber aus aller Welt, doch doch doch.

Der Gewinn war ein Tag in einem Leipziger

ungebetenen Besuch gekriegt. Sogar die

77- Ein Wollmantel, nicht?

Tonstudio. Keiner wollte uns haben zu dieser

Arnaults,die von Dior.die haben Leute im

A7. Das wissen Sie? Das überrascht mich.

Zeit, aber der gewonnene Wettbewerb war

Garten gehabt, die kamen übers Meer.

77- [a, das habe ich gelesen und mich

der Auslöser für alles Weitere.

(ib t es eine Diskrepant tw isaien liaer beider äffentlidsen und Iher priiaten ftrson? fJ.- Da denk ich nie dran. Das tut mir leid.

Ich erkenne Deutsche ans 500 Meier IJilfernnnof

Ich lebe in einer totalen Indifference. Es

ist so, als ob ich eine Marionette rausschicke.


I(‘h habe mein ganzes Leben damit verbrach I. (den Abgrund zn vermeideif C

T

,

K ol lagaßld

Zuhälter. A7-Nun ja, solange er zu Ihnen hält, nicht wahr? T L W ir haben ihn aus dem Tierheim geholt, er warvon Anfangan sehr arrogant und hat sich eben wie ein Zuhälter benommen, also passte der Name. Kl.- Inder Stadt ist eine Katze besser, die sind soetepetete.da riecht es nie streng. Aber Sie sind ja auf dem Land. Was anderes: Stimmt es. dass Sie die lagd mögen? Ich könnte auf

aber damit habe ich kein Problem. Kennen

A7. Nein, im Gegenteil, ich lege großen

nichts schießen.das sich bewegt. Meine

Sie Doktor Caligari? Ich bin Conrad Veidt

Wfert darauf,dass alle, mit denen ich arbeite,

Mutter stand immer aufdem Balkon und

nid Werner Kraul? in einer Person.

großzügig bezahlt werden, dafür kämpfe ich

schoss von dort auf Vögel. Nein, für mich ist

T L Ich kann mich draußen einfach bewegen.

sehr. Ich hasse Pfeffersäcke.

das nichts. T L Mein Vater schoss Tauben mit dem

Ich setz mir ein Mützchen auf, dann geht das.

Herr Lagerfeld überIhr Werkgib! es eine wissen-

A7-- Ich muss immer soaussehen wie ich

soiafilicä Arbet, die heiß!: , lu f der Sucht nach

Luftgewehr,die lagen später in der Pfanne.

aussehe. Ich kann mich nicht verkleiden. Als

demldeal“. H a:die Wissensciuftdieshttfgfch rtdti?

KL: Ich war zweimal auf fagden, dann sah ich

Kind mochte ich Tirolerhüte. Aber meine

fJ . Hm, ja, ich habe eine ästhetische Basis,

da diese Tierleichen aufdem tableau äs

Mutter sagte: Zieh das aus, du siehst aus wie

die daraufgebaut ist. Das schon.

chiisse. seitdem kann ich kein Fleisch mehr

Viealte I.esbierin.

I Vornan suchen Sie, T ill Limiemann?

essen. Es tut m ir leid.

77.- In der D D R wurde ich dazu gezwungen

Tl.- Nach Ruhe. W ir waren jetzt vier lahre

Tl.- Es ist eine archaische Sache, ja.

ich war ja damals Leistungssportler, und da

auf Tournee, nun will ich etwas zu mir

M.- Ich möchte nicht daran erinnert werden,

herrschte Mützenzwang im Winter.

kommen. Ich merke, dass es m ir gut geht.

was das aufdem Teller mal war. als es

Sie beide verbinde! ein Haag tum S a it

Dass ich keine Angst vordem Alter-

noch lebte. Sie sind ja auch eine Unschuld

fJ.- Ja wirklich?

werden haben muss. Es gibt keinen Grund

vom Lande, haben Sie mal gesehen, wie ein

H ot Ijigerfeld, Sie tragen .Vietenlalcrhandscimix.

frustriert zu sein.

Schwein geschlachtet wird?

früher waren Sie m al Ihxex das ia mindestens ia

K7. Alter zu werden ist das Beste, was einem

T I. Das mache ich jedes [ahr!

Martialisch wie die Bü/meaaufits von Rammsiein.

passieren kann, weil man dann viel Mist

A7. Grauenhaft.ich bin kein Muselmane,

K I. Ich hab alles gemacht. Da gibt es den

wegwerfen kann. Man soll sich nicht zu sehr

aber Schwein esse ich nicht mehr, seitdem

berühmten Satz von Paul Klee: f'ai toutaime,

an materielle Dinge hängen. Was ich habe,

ich als Kind gesehen habe, wie die

tout goüte et maintenant je suis un astre

ist okay.allein meine Bücher,ich liebe es,die

getötet werden. Die Schreie,das ist furchtbar,

glace. Ich lege keinen Wert darauf, mich an

zu sammeln.aber jetzt habe ich zu viele.

davon bin ich traumatisiert.

meine 'Vergangenheit zu erinnern.

300000 sind es inzwischen. Ich weiß aber

77- Ich linde aber auch, dass man einem

t lf< wichtig is! das Spiel m it dem Aignndigen?

genau, wo was ist.

Bauern oder Hafenarbeiter, der den ganzen

K7-Non non non, bei Ihnen vielleicht! Der

Tl.- Lesen Sie die denn alle? Wie geht das

Tag Säe ke sch Ieppt, n icht vorsch rei b en kan n,

Abgrund ist bei mir nur der Hinteigrund.

denn?

dass er am Abend Tofu zu essen hat. Aber Sie

Ich habe mein ganzes Leben damit verbracht

A7.[a ja, doch doch, ich lese immer zehn

arbeiten doch auch m it Fellen und Pelzen.

den Abgrund zu vermeiden.

Bücher gleichzeitig. Mein Ben ist umgeben

hl.- |a, aber ich kenne die Tiere vorher nicht.

T I. Bei mir ist der Abgrund Berufsbeklei­

\t>n den 3üchern,die arme Chnupette

Und wissen Sie, die! eute, die das immer

dung.

stoßt sich da immer an denen.

kritisieren, die sollen mal in die nördlichen

A7--Wie so mü sse n wi r da ietzt so t ie f gi a be n ?

7/im/: CJi.-upeüe... Herr I m iemann, haben Sie

Gegenden fahren, wodie Menschen von

77- Weil die schmutzig* Erde so ergiebig ist.

auch eine ä'mlidse Beziehung tu einem Tier wie

der [agd leben, und ihnen erklären, dass sie

A7- Man kann über mich sagen, was man

Herr Ijigerfeld tu seiner K alte1

jetzt allearbeitslos sind. Wahrheit ist immer

will, Hauptsache es stimmt nicht.

T L Ich habe einen H und, bin aber auch Kat­

eine Sache des Standpunkts.

TL- Dabei weiß man soviel von Ihnen.

zenmensch. Meine Schwester istda extremer,

TL- Und sie ist eine kleine Nutte, die

AL-Nein nein nein, ich rede im mer so viel,

sie hatacht Katzen.

Wahrheit.

damit man m ir nicht wirklich nahekommt.

A7. Acht sind sieben zu viel.

A7- Und es gibt Wahrheiten, die man besser

Herr tendemam. stimm! es. dass Kammstein

T L Nun habe ich eben einen Hund, Chulo.

für sich behalten sollte.

h.'ern satiabslisth organisiert sind3

A7. Wie heißt der?

Thema Traditionen: leiern Sie eigentlich

T L [a, doch, wir sind ein Kombinat. Bei uns

T L Chulo, das ist Spanisch und bedeutet

Weihnachten?

funktioniert das recht gut. feder hat das glei­ che Mitspracherecht. Es ist eine extreme De­ mokratie. Herr Ijigetfeld sthtintfroii £u sein, dass et in keiner Band is t... 42

.Bei mir isl der \l )gTUI1( Berufsbekleidung' 7Tff IJn'Senann


I akl isl: l(* h D i n

lolal

trieb

T i’l Hn-Semann

A7--1don’t remember. Mein Beruf besteht

das kann jeder. Aber bei Porno muss alles

darin, die Leute an- und nicht auszuziehen.

echt sein, sonst tliegt man auf. Ich habe eine

Sex ist eine gesunde, sportliche Aktivität für

kennengelernt,die hat 200solcher Filme

junge Leute. Später bitte promiskös.

gedreht, jetzt schreibt sie. ihr Roman ist ein

SuualiHB im A ier is t das größt T/stma der Film-

Ertolg - tollesMädchen. Ich bewundere eine

«ii.tr- heiAßehae! Hanexe oder Andreas

gute Pornodarstellerin mehralseinen

Drestn. I Vollen Sie diesen Trend etwa zetuiilafen?

schlechten Schauspieler.

f j -■Das ist für Leute, die zu Hause keinen

Herr IjigerfeitL wieso sdmen Sie andauernd au f

haben. Das ist Ersatz. Ich linde ja, dass die

Ihr Handf?

Leute das machen sollen, aber man muss ja

A7. Ich bekomme da immer Bilder geschickt,

nicht den Rest der Welt darüber informieren.

wasChoupette gerade macht. Man muss

Deswegen heißt es ja Intimität, damit man

ja wissen, was passiert. Sehen Sie, sie frisst

fj- Ich? Weihnachten ist für Kinder. Mein

es diskret auslebt und die Tür zumacht.

gerade zu Mittag.

Weihnachten sieht soaus.dassdie Ateliers

77--Zwei 70-Fährige beim Sex zu zeigen war

T L Mein H und ist aufdem Lande zusam­

tnd Studios geschlossen sind und ich eine

vermutlich eines der letzten Tabus, die es

men mit meinem Schwiegersohn und

\\bche Ruhe habe, uni die Couture zu zeich­

ai brechen galt. Uns wird oft zum Vorwurf

meinem Enkel.

nen und nicht gestört zu werden. Das ist

ym acht, dass wir Tabus brechen und damit

A7-- M it wem?

auch sehr deutsch. In Frankreich darf m an ia

nur provozieren wollen. Dabei muss man

T L Ia - ich bin schon Großvater. Es ist

nicht mal mehr feiern, sonst regen sich die

doch bloß die Zeitung autlschlagen. um das,

toll zu beobachten, wie die beiden sich

ai de re n Religionen auf. So ist das ja heute.

worüber wir singen, als Realität zu erkennen.

angs freundet haben. Chulo fangt an,

Meine Weihnachten auf Gut Bissenmoor

AZ. Ich linde das überhaupt nicht provokant,

aufden Kleinen zu hören, er akzeptiert ihn

waren toll,das hab ich geliebt.

was Sie machen. Sic behandeln Themen,die

bereits als Befehlshaber.

77. Wir feiern das groß. Ich gehe jedes Jahr

aktuell sind.

;J . Sagt Ihr Enkel Opa zu Ihnen?

in den Wald, um einen Weihnachtsbaum zu

T L Danke schön. Sie sind eben ein kluger

T L Leider ja.

klauen, obwohl da ja drakonische Strafen

Mann.

A7-- Sie Ärmster. Deswegen bin ich gegen

drauf stehen. Das ist unsere Tradition. Den

A 7.fa.nun.

Familie, weil man sich dann plötzlich

Baum guckt n u n sich schon im Sommer

T L Der Kannibale, der einen anderen Mann

inGenerationskategorien befindet. Ich habe

aus, schlimm ist es, wenn er dann zu W eih­

per Annonce in sein Haus eingeladen, ihn

nur junge Leute um mich.

nachten schon weg ist.

dort kastriert und das dann gebraten und ge­

T L Ich war kürzlich mit ihm in der Kauf­

Ä7. So ein deutscher Wreihnachtsbaum ist

gessen hat - das ist nun mal passiert und war

halle, dort gab es eine wunderschöne Kassie­

was Schönes, m it Silberkugeln und Silber-

in allen Medien. Wenn wir darüber singen,

rerin,die mich anlächelt. Und dann sagt er:

fametta. Leider durfte ich als Kind nie in die

ist es plötzlich Prov okation.

Opa, kann ich noch ’nen Kaugummi haben? A7. Darf ich Ihnen noch etwas Persönliches

Kirchegehen, auch nichtan Weihnachten,

AZ.-Das war sicher ganz zusammenge­

weil eine Wahrsagerin meiner Mutter vorher-

schrumpelt, nicht mal mehr ‘ne Bratwurst.

sagen?

gpsagt hat,dass ich Kardinal werden würde.

Nun werden Sie zum dritten Mal rot,

T L Ja bitte.

Meine Mutter fand das entsetzlich und sagte,

herrlich...

A7_-Sie sollten sich die Haare nicht bleichen,

sie wäre nicht neun Monate schwanger

T L Das streichen wir raus, das ist der

das ist sehr ungesund. Die Frauen vertragen

gewesen, um einen Priester hervorzubringen.

Champagner.

das.dievertragen manche Dinge einfach

Herr Lrnim am . S it habt» SeetaiM einmc: ais

A7-- Sie sind sensibler.als ich dachte.

besser ais wir.

dtn A k t'* Iher Arbeit be&i&ne!. V n tJo jf •nan

F.-n K ant'nslei'igii es ein lÄdea s if demman die

77-- Das war schon immer so.

dos vostdxn?

gantf Bsnd ieim Sex m l fbrnodarsleHerinnen sieiu.

fj.- Ich pudere meine Haare nur. Das macht

T L Das ist schwierig zu erzählen, wenn

I ta t jfis ane Cbtmindung?

nichts, das ist unbedenklich. Aber die

meine Freundin neben m ir sitzt.

TL; Fa sehr, seitdem ziehe ich die Mütze vor

Bleiche, da bekommt man Haarausfall. Las­

A7. Ha! Nun wird er zum zweiten Mal rot in

jedem Pornodarsteller, [eder Fugendliche

sen Sie uns anstoßen, auf die Gesundheit.

diesem Gespräch. Frau Tbomalla und ich

träumt doch davon.einen Porno zu drehen.

TL- A uf Ih r Wohl!

können ia inzwischen rausgehen.

f j . Ich nicht, das gabi damals nicht. Aber

A7- Oder sagen wir Prost - um es schön

T L Bleiben Sie hier. Fakt ist: Ich bin extrem

ich will Ihnen was sagen, ich bewundere

ordinär deutsch zu machen.

triebgesteuert. Und Texte zu schreiben

diese Darsteller auch. Gefühle Vorspielen,

Tl.- Prost!

kann natürlich eine Sublimierung der Triebe sein. Man muss nicht alles machen, was der Trieb gern hätte. A7- Ist das nicht Frustration, wenn man das Bedürfnis hat, und dann schreibt man nur darüber? TL- Für mich nicht, ich habe das lange genug aisgelebt. Ist der Trieb für Sie kein Antrieb? •H

Mein BemT bestehl darin, Leule an- und nicht auszuziehen

ftar: Ijig p ß d

2013.11.xx - Quintessence  

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