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RadMarkt

RadMarkt 12 2012

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ISSN 0033-8540 H 5741

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Schmier- und Pflegemittel:

Rund um den Fuji Geschmeidig in den Winter


Radreiseveranstalter Cycling Japan TOURISMUS

Postkartenmotiv: Der Mount Fuji spiegelt sich in der Morgensonne im Lake Yamanaka.

Rund um den Fuji Fahrradreisen sind in Japan nicht populär. Das wollte Kenichi Kawamura ändern, als der begeisterte Windsurfer und Surfer nach einem längeren Aufenthalt in Hawaii zurück in seine Heimat kam. Auf Hawaii hatte er viele Radler gesehen. Und festgestellt, dass eigentlich jeder radeln kann und »es ein gutes Mittel ist, die Leute in die Natur zu kriegen«.

S

ein Radreisegeschäft Aloha Biketrips gründete Kawamura 2003, doch es richtet sich ausschließlich an Einheimische. Das später hinzugekommene Zweitunternehmen Cycling Japan sollte sich mit Englisch sprechenden Guides an ausländische Japan-Besucher wenden. Kommuniziert wird das Angebot ausschließlich über die Website. Alles Weitere läuft über Mund-Propaganda. Doch zuerst einmal ging gar nichts. 2005 dann schienen an Japan interessierte »Westler« bei ihrer Web­recherche auf das NipponRadreiseangebot gestoßen zu sein, so baute Kawamura 2007 aus. Danach ging es langsam bergauf. Bis Fukushima. »Vor Fukushima hatten Aloha Biketrips und Cycling Japan 70 Prozent ausländische und 30 Prozent japanische Gäste. Nach Fukushima sind es 50 zu 50«, erklärt Kawamura. Und das auch nur, weil nach dem kollektiven Ausstieg der westlichen Kundschaft asiatische Kunden in die Bresche sprangen. Bei dieser scheint Fukushima nicht den nachhaltigen Schrecken hervorzurufen wie im Westen. Benachbarte Nationen, wie Taiwan oder Hongkong, haben vor einigen Jahren das sportliche Radfahren entdeckt und gefördert. Jetzt interessieren sich speziell Taiwaner für neue Ziele, sobald sie in ihrer Heimat alles abgeradelt haben.

Nicht nur Mountainbike Während sich Aloha Biketrip als Mountainbike-Spezialist in Szene gesetzt hat, musste Kawamura mit Blick auf Cycling Japan schnell lernen, dass der internationale Markt an mehr als nur »Offroad« interessiert ist: »Unsere heimischen Mountainbike-Touren sind im wesentlichen Tages- oder Wochenendtrips. Ausländische Gäste wollen lieber ein Komplettpaket mit längeren Touren auf Asphalt.«

So bietet Cycling Japan zum Beispiel zwei- bis fünftägige Trail-Touren am und um den Mount Fuji inklusive Bustransfer auf die südlicher gelegene Halbinsel Izu. Dort gibt es eine landschaftlich schöne Tour vom Old Amagi Tunnel - einem alten Straßentunnel auf einer Passhöhe – an den KawazuSeven-Falls-Wasserfällen, schönen Bambuswäldern und Tempeln vorbei bis nach Kawazu Town an der Küste. Dort relaxt man in einer der unzähligen heißen Badequellen. Zweimal im Jahr bieten Kawamura und sein Team Singletouren an. »Es ist gar nicht so einfach, eine gleiche Anzahl allein stehender Männer und Frauen zusammenzukriegen, damit die Gruppe auch ausgeglichen ist. Wenn es dann aber losgeht, ist es einfach«, schmunzelt Kawamura. Er hat die Erfahrung gemacht, dass »ich selbst auf diesen Kontaku Tours gar nicht viel reden muss. Für japanische Verhältnisse sind die Singles bei der Kontaktaufnahme sehr gesprächig. Es ist wohl einfacher und unverfänglicher, über das gemeinsame Hobby Fahrrad ins Gespräch zu kommen.« Das Durchschnittsalter der Teilnehmer liege »bei Männern um die 40 und bei Frauen um die 35«. Auf solche Radtouren seien auch schon Hochzeiten gefolgt. Mittlerweile haben Aloha Biketrips und Cycling Japan 50 Fahrräder zur Verfügung. Hier hat Kawamura einen Deal mit Trek Bikes: »Den Service für die 15 Hybridräder, 15 Rennräder und 20 Mountainbikes machen wir allerdings selbst.« Derzeit beschäftigt sein Unternehmen fünf Mitarbeiter. Kawamuras Credo für ausländische Touristen: »Es geht nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern darum, mittels sanfter Mobilität Land und Leute kennen zu lernen« – und zwar abseits ausgetretener Touristenpfade: »Nur so kannst du das wahre Japan entdecken!« www.cyclingjapan.jp Text/Fotos: Jo Beckendorff

Viel Natur: Blick von Koyodai auf den Lake Saiko, einen der insgesamt fünf Seen am Fuß des Mount Fuji. Links Ken Kawamura, rechts sein lokaler Guide Mitsumasa Takanayagi.

Auch an Bambuswäldern führen die Touren vorbei.

12/2012 RadMarkt

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Rad Markt 2012-12 | Seite 45  

Fahrradreisen in Japan: Rund um den Fuji

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