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69 Dezember 2011

Matthew Herbert Jeffrey Eugenides The Walking Dead Rocko Schamoni Monsters of Gรถttingen


69 Dezember 4

Monsters of Göttingen

2011

Endlich fünf! 5

Rocko Schamoni Besuch aus Hamburg

6

Annette Pehnt Literatur und Alter

7

Susie Asado

Poetisch gewitzte Sprachspiele 10

Jeffrey Eugenides

Campus-Liebe in den 80ern 12

Matthew Herbert

Leben und Tod eines Schweines 16

The Walking Dead Unter Zombies 28

Filme

30

Digitales

31

Spiele

32

Tonträger

34

Bücher

36

Theater

37

Kolumne

38

Sterne

40

Terminkalender

50

StadtKarte

51

Impressum

52

PONYhof

3 Inhalt


O n l i n e - J o u r n a l i s m u s

E n t e r t a i n m e n t

Realitäten verändern

Für immer frisch

„Monsters of Göttingen“ feiert seinen fünften Geburtstag. Wir gratulieren. Und stellten Benjamin Laufer, einem der Redakteure des Magazins für Politik und (Sub-)Kultur, eine Handvoll Fragen.

Eine kleine Rocko-Schamoni-Phänomenologie. Christoph Braun

Rocko Schamoni ist der Bundespräsident des Underground. Das ist vielleicht etwas hitzig daher gesagt, denn ob der 1966 geborene Hamburger wirklich noch „underground“ im Sinne von unbekannt ist, das mag angesichts der vielen, die seine Bücher gelesen, die Platten gehört, im Pudel getanzt, sich zu Studio Braun beölt haben oder Schamonis Glanzrolle als Schützenkönig in der „Fleisch ist mein Gemüse“Verfilmung goutieren durften, bezweifelt werden. Underground ist halt eine Haltung, keine Frage der Verkaufszahlen und Reichweiten. Wer Schamoni zusammen mit den Studio-Braun-Kollegen am 11. April 2008 in der NDR-Talkshow erlebt hat, wird es bestätigen. Da saßen die Drei, saßen Palminger, Strunk, Schamoni, und wirkten wie Fremdkörper im leicht lalligen Gedankenaustausch all der Semi-Promis. Schamoni hat mal ein Alien gespielt, hat er nicht? In Helge Schneiders „Jazz-Club“, jenem so lustigen wie weisen Film über das Kultur-Prekariat. Der Bundespräsident des Underground hat sich diese Karriere hart erarbeitet. Er war kaum älter als 20, als er mit „Vision“ nicht nur den Ironie-Rock erfand, sondern dafür auch gleich von einer Zeitschrift wie „Tempo“ gefeiert wurde. Und das ist der entscheidende Punkt: „Tempo“ war das Lifestyle-Magazin deutscher Sprache in diesem Jahr 1988, als „Vision“ erschien. Längst existiert das Blatt nicht mehr. Nur Rocko Schamoni konnte seinen Ruhm mehren. Als er sich das „King“ für seine zweite Platte aus dem Namen strich, da konnte er sich seiner Bedeutung schon sicher sein. Und dann ging es Schlag auf Schlag. Wenn er nun zum Beispiel nach Göttingen kommt, dann stellt er sein bereits fünftes Buch vor. „Tag der geschlossenen Tür“ lässt den Helden des Romandebüts „Sternstunden der Bedeutungslosigkeit“ noch einmal auferstehen. Michael Sonntag ist nicht normal. Er blickt auf die Normalen. So ähnlich wie Rocko Schamoni. Man kann das mit dem Bundespräsidenten ruhig so sagen. Oder mit dem Wort, das fehlt: King.

Interview: Michael Saager

pony: Fünf Jahre „Monsters of Göttingen“ – was heißt das für dich rückblickend? Benjamin Laufer: Vor allem bedeutet das in der Rückschau, dass wir wesentlich mehr Staub aufgewirbelt haben, als wir uns das vor fünf Jahren vorgestellt hatten. Eigentlich wollten wir ja nur ehrlichere Veranstaltungsankündigungen als die anderen Stadtmagazine schreiben, also auch mal was scheiße finden. Jetzt haben wir gerade mit Burschileaks einen kleinen Skandal aufgedeckt und ich denke, vor allem unsere polizeikritische Berichterstattung hat sich auch nie verstecken brauchen. Und wir haben gelernt, dass es ganz schön anstrengend sein kann, immer dagegen zu halten und sich auch Feinde zu machen. Was treibt euch an? Wahrscheinlich hauptsächlich die Möglichkeit, den öffentlichen Diskurs kritisch beeinflussen zu können. In gewisser Weise verändern wir ja schon Realitäten. Und wenn so ein Text von dir 2.000 bis 3.000 Mal gelesen wird, motiviert das natürlich auch. Was würdet Ihr nie tun? Ein Heft im A5-Format rausbringen. Denkt ihr denn gar nicht an die Bäume? Die schlimmsten Veränderungen, die sich in den letzten fünf Jahren in Göttingen vollzogen haben? Kulturell ist in Göttingen in den letzten Jahren vieles enger geworden, weil es die netten Clubs entweder nicht mehr gibt oder weil sie ihr Programm angepasst haben. Da haben wir aber nichts mit zu tun, haha. Politisch bedeutete die Amtseinführung von Polizeipräsident Kruse eine neue Qualität der „Law & Order“-Politik. Aber so viel besser war das vorher auch nicht. Wie betrachtet man als Redakteur eines Online-Magazins die alten Holzmedien? Mitleidig? Ach – wenn man es sich leisten kann, auf online zu verzichten, ist das Magazinmachen bestimmt wesentlich entspannter. Wir haben die Möglichkeit, schnell zu sein, aber eben auch den Druck, zeitnah zu berichten. Das machen wir auch und das macht auch Spaß, aber manchmal ist das ganz schön anstrengend.

monsters.blogsport.de

Rocko Schamoni liest am 5.12. um 20:15 Uhr aus „Tag der geschlossenen Tür“ (Piper, 2011, 270 Seiten, 16,95 Euro).

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A l t e r

&

L i t e r a t u r

F o l kpop

Hinter der Drehtür

Die Ukulele im Handgepäck

Annette Pehnt macht das Altersheim zum Romanschauplatz.

Die poetisch gewitzten Sprachspiele der Susie Asado.

Michael Saager

Der Literaturkritiker Jörg Magenau nannte die Schriftstellerin Annette Pehnt einmal eine „Spezialistin für die Randbezirke des Lebens“. Das stimmt auch insofern, als sich die 1967 in Köln geborene Autorin in ihren frühen Romanen „Ich muss los“ und „Insel 34“ für verschrobene Einzelgänger interessiert – für Bewohner bemerkenswert eigensinnig gestalteter, hochgradig individueller (Phantasie-)Welten. Eine soziale Tatsache mit Seltenheitswert, ein Phänomen vom Rand des Lebens im strengen Sinn ist Mobbing eher nicht. „Mobbing“, Pehnts Roman aus dem Jahr 2007, umkreist, sozialpsychologisch bestens informiert, sein Thema ebenso subtil wie raffiniert. Vielleicht interessiert sich Pehnt mehr noch als für Randbereiche des Lebens für Dinge, über die niemand gern spricht? Für Dinge zumal, aus denen selten Romane geformt werden. Es verwundert nicht, dass Pehnt in ihrem hoch gelobten Roman „Haus der Schildkröten“ (Piper, 2006) das Alter und das Altern zu Literatur gemacht hat. Selbstverständlich nicht im Sinne eines Philip Roth, dessen männliche Romanfiguren in großzügig geschnittenen New Yorker Eigentumswohnungen ihrer Jugend nachweinen, während sich junge Mädchen in ihren Betten wälzen. Pehnts Schauplatz ist das Altersheim, eine der letzten gesellschaftlichen Tabuzonen. Es ist leicht nachzuvollziehen, dass sich Alters- und Pflegeheime häufig an den Rändern der Städte befinden. Den unerfreulichen Prozess des Altwerdens und Sterbens hält man sich, zumindest in unserer Gesellschaft, möglichst lang vom Leib – aus den Augen, aus dem Sinn. Nicht so Pehnt. Sie interessiert sich für die Ausweglosigkeit eines Lebens hinter der Drehtür. Schlaganfall und Pflichtbesuche zu Kirschkuchen, fixe Heim-Spielregeln, Inkontinenz und der trübe Horror des Ausgeschlossenseins: Die Autorin weiß eine Geschichte zu erzählen, die nichts verschweigt. Ihr schriftstellerischer Blick ist notwendig nüchtern, aber nicht kalt. Kein Leisetreter, nein, aber ein Roman kluger leiser Töne.

Markus von Schwerin

Annette Pehnt ist am 2.12. um 20:00 Uhr zu Gast im Lit. Zentrum. Sie spricht mit dem Literaturwissenschaftler Tilmann Köppe über das „Alter in der Literatur“.

Susie Asado und Spring Breakup spielen am 12.12. um 20:00 Uhr im Apex. Susie Asados Album „Traffic Island“ erscheint demnächst bei Kook/Broken Silence.

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„Susie Asado“ – das ist zunächst einmal ein lautmalerisches Gedicht von Gertrude Stein. Für Josepha Conrad, die bereits als Hälfte des geschwisterlichen Folk-Duos Crazy for Jane die Poetin gern zitierte, war die Figur zudem Katalysator und Leitfaden für die eigene Solokarriere. „It always got me as if it was a code to a part of myself, I could otherwise not get to“ erfährt man auf ihrer Website. Und so fing Josepha an, „Susies Kleider zu tragen, süßen Tee zu trinken und in deren Schuhen zu tanzen“. Denn als sich ihr jüngerer Bruder Philipp, mit dem sie in Chicago und Frankfurt/Main aufwuchs, studienbedingt von Berlin nach Wien zog, war es erst mal vorbei mit dem täglichen Musikmachen. Doch die durch Crazy for Jane gewonnenen Kontakte in der FreefolkSzene der Hauptstadt erwiesen sich als ergiebig. So musste die Ukulele spielende Wortakrobatin nicht lange suchen, um geistesverwandte Mitstreiter für Susie Asado beisammen zu haben. Und nach drei Jahren kontinuierlicher Zusammenarbeit mit dem Violonisten Marko Hefele, dem Perkussionisten Jason Levis und dem Saiten-Tausendsassa Tomi Simatupang versteht Josepha die anfangs noch als Alter Ego ersonnene Susie Asado vor allem als Bandprojekt. Und das hört man: Während auf dem Debüt „Hello Antenna“ der Fokus noch klar auf Josephas Sprachspielen lag, leben die Lieder auf dem gerade erschienenen zweiten Album „Traffic Island“ ebenso stark von den Arrangements, zu denen es sich nun nicht nur schmunzeln, sondern auch tanzen lässt. In „Koffer auf Koffer zu“ und „Tintenlumpenhand“, einer Anekdote über ein obskures Büroutensil, zeigt sich, wie gut der Asadosche Witz auch auf Deutsch funktioniert. Die bisherige Anti-Folk-Ästhetik mögen viele der zwölf neuen Stücke hinter sich gelassen haben. Doch dass Susie Asados Herz weiterhin für jene Spielart schlägt, belegen viele gemeinsame Gigs mit Kimya Dawson, Jeffrey Lewis oder The Burning Hell, dessen Banjo spielender Kopf Matthias Kom auch auf der aktuellen Tour dabei sein wird. Diesmal allerdings im Verein mit seiner kanadischen Kollegin Kim Barlow: als Spring Breakup betrachten sie den Geschlechterkampf von der humorvollen Seite.


C a m p u s - Ro m a n

Wie hierzulande Sibylle Lewitscharoff hat in den USA der Pulitzer-Preisträger Jeffrey Eugenides eine wenig beachtete Ära aufgewühlt: die frühen achtziger Jahre mit ihrer Lust am Text und ihrer Liebe zur Dekonstruktion. Doch seine Liebesgeschichte zwischen einem Depressiven, einem Gottsucher und einer Musterstudentin zündet nicht.

Als wir Schulterpolster trugen Kerstin Cornils

Jeffrey Eugenides taucht in seinem neuen Roman „Die Liebeshandlung“ tief auf den Meeresgrund der achtziger Jahre hinab. Bei seiner Expedition in die Vergangenheit stößt der heute 51-jährige Pulitzer-Preisträger aus Detroit auf die Welt seiner jungen Jahre, eine Welt im Dornröschenschlaf. Es ist 1982 und auf dem Campus der renommierten Brown Universität in Rhode Island laufen unter blühenden Magnolienbäumen hitzig debattierende Studenten in schwarzen Pullovern mit aufgeplusterten Schulterpolstern herum. Wer auf sich hält, setzt sich morgens in Seminare, in denen über die neuesten poststrukturalistischen Thesen aus Frankreich gestritten wird. Abends berauscht man sich an Partys, Drogen und der urbanen Verzweiflung der Talking Heads. Stimmt es wirklich, dass der Autor tot ist und alle Bedeutungen sich in einem Wald voller Zeichen verflüchtigt haben? Ist es wahr, dass wir so viele Identitäten wie Haarschnitte haben? Und dass es neuerdings keine Liebe mehr gibt? Wo vorher kommuniziert wurde, wuchern plötzlich Diskurse. Gefühle zerrinnen wie Wassertropfen in einem Meer aus Ironie und Zitat. Gott ist tot und der Sinn des Lebens wurde von Männern wie Derrida und Umberto Eco kaputtgemacht. Edith Wharton, Henry James, Jane Austen, George Eliot und die „gefürchteten Schwestern Brontë“. Es ist eine schöne Idee, dass Eugenides seine 22-jährige Heldin Madeleine Hanna auf der ersten Seite seines Romans nicht mit ihrer Augenfarbe charakterisiert, sondern schlicht, indem er einen Blick auf ihr Bücherregal wirft. Im Einklang mit der Lust am Text der achtziger Jahre erscheint Madeleine gleich zu Beginn als junge Frau, deren Wahrnehmungen immer schon durch ihre Lektüre gefiltert sind. Gleichzeitig ist Eugenides’ Einstieg durchs Bücherregal auch als nostalgischer Abgesang auf die gute alte Gutenberg-Galaxis lesbar – schließlich hat der Autor seinen dritten Roman im 21. Jahrhundert, in der Ära der E-Reader, abgeschlossen. Doch auch ein latenter Konflikt ist im ersten Absatz angelegt: Eine junge Frau wie Madeleine, die sich „unheilbar romantisch“ für die raffinierten Liebeshandlungen und Vermählungsabenteuer in viktorianischen Romanen begeistert, wird in der desillusionierten Epoche der Dekonstruktion vermutlich noch Schwierigkeiten bekommen.

Wolken wie Blutergüsse Dass sie sich zwischen zwei jungen Männern entscheiden muss, ist freilich ein durch und durch traditionelles, keineswegs ein postmodernes Erzählmuster. So wie die begabte Studentin darüber nachgrübelt, wer am Ende der Richtige für sie sein mag, ist es schon unzähligen zaudernden Romanheldinnen vor ihr ergangen. Mitchell Grammaticus, einem akademisch versierten Kommilitonen mit griechischen Wurzeln, der sich in Seminaren wie ein junger Tom Waits geriert und irgendwann nach Kalkutta aufbricht, um dort Gott und Mutter Teresa zu suchen, scheint zunächst der etwas fade Part des „guten Freundes“ zuzufallen. Lieber gibt Madeleine Leonard Bankhead den Vorzug, der, gutaussehend und intellektuell brillant, ein Forschungsstipendium bei Cape Cod ergattert hat, wo er im illustren Kreis angehender Nobelpreisträger die mysteriösen Eigenschaften der Hefe studieren soll. 9


Die Studentin stört sich nicht daran, dass Leonard in einer muffigen Einzimmerwohnung haust und über seine Familie aus Portland nur wenig Erbauliches zu berichten weiß: „Mein Vater ist ein Depressiver, der sich mit Alkohol selbst medikamentiert. Meine Mutter ist ungefähr ebenso drauf.“ Der schillernde Charakter Leonards erinnert Madeleine an die unwiderstehlichen, düsteren Männer in den Romanen von Wharton und Austen. Doch dann wird ihr Freund eines Tages mit einer schweren bipolaren Störung ins Krankenhaus eingeliefert – mit einer Krankheit, auf deren Schrecken sie der viktorianische Roman mit seinen gepflegten Verwicklungen nicht im Mindesten vorbereitet hat. Stück für Stück wird nun eine grausige Anatomie der Melancholie entfaltet. In beklemmenden Rückblicken erinnert sich Leonard an seine Jugend – an eine Zeit, in der eine noch namenlose Krankheit vorerst nur zaghaft an seine Tür klopfte. Anfangs hört er mit seinem Freund Godfrey Bands wie Pentagram und entwickelt einen glühenden Hass auf Politiker, Hippies, die Sportskanonen an der Schule und einen Angestellten im 7-Eleven. Doch dann nehmen die Wolken eines Tages die Farbe von Blutergüssen an und Leonard schafft es nicht mehr, auch nur einen Fuß vor die Tür zu setzen: „Ihm war, als würde er gewaltsam ausgeleert, als zöge ein großer Magnet sein Blut und seine Flüssigkeiten hinunter in die Erde. Er weinte wieder, unaufhaltsam, und sein Kopf glich dem Kronleuchter im Haus seiner Großeltern, der zu hoch hing, als dass sie drangekommen wären (…). Sein Kopf war ein alter Kronleuchter, der allmählich erlosch.“

Das Bandana des Axl Rose Immer wieder ist Eugenides in Interviews mit der These konfrontiert worden, in Leonard habe er seinem depressiven Schriftstellerkollegen David Foster Wallace ein Denkmal setzen wollen. Der Autor hat intendierte Ähnlichkeiten zwischen seiner Romanfigur und dem Schriftsteller, der sich 2008 erhängt hat, zurückgewiesen. Das Bandana, das Leonard im Forschungslaboratorium von Cape Cod trägt, habe nichts mit dem postmodernen Kultautor zu tun, vielmehr gehe das Accessoire auf Axl Rose, den Sänger der Guns N’ Roses, zurück. Doch ganz gleich, bei wem Eugenides nun Anleihen für seinen Helden gemacht haben mag – sein zwischen manischer Hitze und depressiver Kälte schwankender Leonard ist glänzend getroffen. Er gehört zum Besten, was Eugenides in seinem ambitionierten Campus-Roman auf Papier gebannt hat. Für Madeleine, die zentrale Figur in dem studentischen Liebesdreieck, gilt dies nicht. Sie ist mit ihrem hemmungslosen akademischen Enthusiasmus vielversprechend konzipiert, doch in der Ausführung ist Eugenides der Charakter verrutscht. Mit penetranter Regelmäßigkeit wird die Normalität der Heldin betont; selbst der chronisch in Madeleine verliebte Mitch erkennt im Objekt seiner Begierde „die Dummheit der Reichen und Schönen, (...) die im Leben bekommen, was sie bekommen wollen“. Doch wie kann es sein, dass eine Frau, die labile Menschen von Kindheit an wie Pestkranke gemieden hat, plötzlich bereit ist, ihr Leben mit einem Mann wie Leonard zu verbringen – einem Mann, der ihre Eltern vor den Kopf stößt, seine Karriere zerstört und sein Geld in Monaco verspielt? Unmöglich ist es nicht, eine solche Geschichte zu erzählen. Jonathan Franzen etwa, der in seinem letzten Roman ebenfalls eine Menage à trois unter die Lupe genommen hat, hätte die leeren Hüllen unscheinbarer Menschen so lange zerbrochen, bis von ihrer vermeintlichen Normalität nichts mehr übrig geblieben wäre. Eugenides aber ist kein Echolot, das selbst noch in die Tiefe des Biederen hinabreichen könnte. Seine Madeleine bleibt trotz ihrer überschäumenden Leselust seltsam langweilig und musterschülerinnenhaft. Ein bedauerlicher Konstruktionsfehler: Ohne eine charismatische weibliche Hauptfigur muss diese Liebesgeschichte abstürzen wie eine defekte Rakete. 10

Jeffrey Eugenides: „Die Liebeshandlung“. Rowohlt, 2011, 621 Seiten, 24,95 Euro


Michael Saager

So u n dpo l i t i k

„Eine unsichtbare Welt hören“ Das Schweinesystem als Kunstwerk: Matthew Herberts diskussionswürdiges neues Album „One Pig“.

Aller guten Dinge sind drei. Matthew Herbert, Sample-Spezialist, House-Aficiando, Musik-Politiker, Big-Band-Jazzer und Komponist konzeptioneller Popmusik aus dem Geiste Neuer Musik und der Klassik, fing, wie sich das gehört, im Jahr 2010 bei eins an: bei „One One“, dem ersten Album einer spannenden Trilogie, die nach „One Club“ jetzt mit „One Pig“ ihren konzeptionellen Schlussund Höhepunkt erreicht hat. „One One“ ist feingliedrigster elektronischer Pop. Zum ersten Mal seit 15 Jahren singt der 1972 geborene Künstler hier selbst, mit einem leicht souligen Timbre, das an den großen Art-Popper Robert Wyatt erinnert. Das Singen fand er überraschend schwierig, umso leichter scheint ihm das Komponieren, das Spielen und Produzieren von der Hand gegangen zu sein: Da ist nicht die Andeutung einer Anstrengung zu hören, dafür federnde Beats, phantasievolle Perkussion, erlesene Sounds und melodische Themen verschiedener Instrumente von einiger Subtilität. Fürs zweite Album „One Club“ griff der Engländer auf in dem Offenbacher Club Robert Johnson aufgezeichnete Field-Recordings zurück. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Das Album besteht nicht nur zum Teil, sondern ausschließlich aus Klängen und Geräuschen, die Herbert während des regulären Clubbetriebs aufgenommen hat. Das Resultat ist nicht unbedingt die vertonte Essenz einer rauschenden Clubnacht. Dafür ist es zu radikal, zu spitz und zu kantig, zu sehr interessiert an der Möglichkeit der offenen Form. Und während „One Club“ dem einen die Ohren weit öffnet, fallen sie dem anderen, dem klassischen Raver etwa, in Anbetracht Herberts nervös-noisigen Electro-House-Maschinenfunks vermutlich gleich wieder zu. „One Pig“ schließlich dokumentiert das Leben und Sterben eines Schweines. Die Tierrechtsorganisation PETA (People for Ethical Treatment of Animals) sah darin nichts Vernünftiges und warf dem Musiker vor, aus dem Leid eines Schweines Entertainment zu machen. Herbert war darob einigermaßen fassungslos. Immerhin lässt sich „One Pig“ mit seinen Grunzgeräuschen, Atmern, den gewetzten Messern, all den Brat, Schmatz- und Lachgeräuschen auch als politisches Statement lesen: Das Album thematisiert nichts Geringeres als das fragwürdige Verhältnis von Mensch und Tier. Nicht Herberts Kunst ist grausam. Auf eine Welt, in der Tonnen von (Schweine-)Fleisch verzehrt, in der wir uns Jahr um Jahr blind, blöd und gleichgültig der Lebensmittelindustrie an den Hals werfen, sollte man unbedingt verweisen dürfen. Nicht zuletzt mit radikaler Kunst. ––– Interview: Christof Meueler

pony: Das Image von Schweinefleisch wird immer schlechter. Warum haben Sie das knapp zweijährige Leben eines Hausschweins vertont – und nicht das von einem Schaf oder von einem Rind? Matthew Herbert: Schafe sind nervöse Kreaturen und nicht so einfach von der Fleischindustrie auszubeuten wie Schweine oder Rinder. Doch kein Haustier polarisiert die Gemüter und die Kulturen so sehr wie das Schwein. Manche finden es eklig, andere glauben, ohne Schweinefleisch nicht leben zu können. Auch wenn erwachsene Menschen in der westlichen Welt Schweinefleisch immer negativer gegenüberstehen, so sind wir doch zumindest von seinen Nebenprodukten abhängig. Die Verwertung von Schweinefleisch findet hinter verschlossenen Türen statt, ich wollte diese unsichtbare Welt hörbar machen. 13


Sie haben ein Schwein von der Geburt über die Schlachtung bis zum Verspeistwerden begleitet. Hatte es einen Namen? Ein Name war nicht notwendig. Haben Sie trotzdem eine mehr oder weniger anthropologische Beziehung zu diesem Tier aufgebaut? Nein, denn das Tier hat sich über mich und mein Projekt auch keine Sorgen gemacht. Es war nicht mein Tier, sondern gehörte einem Bauern in der näheren Umgebung, der nachhaltig arbeitet. Ich hatte in den Restaurants, in die ich gewöhnlich gehe, nachgefragt, woher ihr Fleisch kommt. Denn ich wollte die Nahrungskette rückverfolgen. So fand ich diesen Bauern heraus, auf dessen Hof ich dann mehr als Beobachter, der Feldaufnahmen macht, agierte. Natürlich war ich traurig, als das Schwein zum Schlachter fuhr und anschließend ohne Kopf zurückkam, zerlegt in zwei Hälften. Es war ein brutales viszerales Experiment. Wie fand der Bauer Ihre Platte? Ich glaube, er hat sie noch nicht gehört. Während der Feldaufnahmen war er sehr höflich. Sind Sie eigentlich Vegetarier? Nicht offiziell. Ich esse einmal oder zweimal die Woche Fleisch. Aber seitdem die Platte fertig ist, habe ich festgestellt, dass ich kein Schweinefleisch mehr essen möchte. Wir sollten unseren Fleischkonsum sowieso reduzieren und Wert darauf legen, nur hochwertiges Fleisch zu essen. Wie haben Sie sich auf Ihre Platte vorbereitet – durch Diskussionen mit Ihrem Metzger? Ich habe Bücher über die Geschichte und über Methoden der Landwirtschaft und der Viehzucht gelesen. Es gehört zum Plattenmachen dazu, die Aufnahmen als einen Prozess des Lernens und des Experimentierens zu begreifen. Wenn man zu hohe Erwartungen hat, hört man nicht sorgfältig genug hin. Für die Aufnahmen verwendeten Sie unter anderem eine Orgel, in die Schweineblut gepumpt wurde. Ich beauftragte den Instrumentenbauer Henry Dagg, mir eine solche Orgel zu konstruieren. Ich dachte, das Schwein würde in den Tönen irgendwie weiterleben. Das Resultat ist sehr verstörend. Hat Sie das nicht geekelt? Oder betrachten Sie sich als reinen Sound-Wissenschaftler? Ich interessiere mich sehr für die Kontexte von Musik, Geräuschen und Tönen, sozusagen für die Politik des Sound, deren Teil ich auch bin. Würde ich mich außen vor lassen, wäre ich nichts anderes als eine Drum-Maschine oder ein Synthesizer. „One Pig“ ist der dritte Teil einer Serie. Für „One One“ spielten Sie alle Instrumente selbst, für „One Club“ sampleten Sie die Geräusche einer Nacht im Offenbacher Techno-Club Robert Johnson. Wie soll das alles zusammengehören? Das sind verschiedene Stufen einer Reise in das Unbekannte. Bei „One One“ begann ich mit dem, was ich am besten kenne, nämlich mit mir selbst. Das war sehr intim. Für „One Club“ agierte ich wie ein Alien unter einer Gruppe von Fremden in einer anderen Stadt. „One Pig“ war für mich etwas so Merkwürdiges, dass ich diese Erfahrung immer noch verarbeiten muss. 14

Matthew Herbert: „One Pig“ (Accidental/PIAS/Rough Trade). Das Interview ist ein Nachabdruck; mit freundlicher Genehmigung der Tageszeitung „Junge Welt“.


Z o m b i e s

Chaos regiert „The Walking Dead“ nimmt sich, als Comic und als Fernsehserie, ausreichend Zeit, um zahlreiche existenzielle Fragen aufzuwerfen.

Sven Jachmann

„Für mich waren die Zombies immer Sinnbilder der Revolution: Eine Generation frisst die andere auf“, sagte Horror-Maestro George A. Romero einmal – und lieferte mit seinen Filmen die Probe aufs Exempel: Die kannibalistischen, noch recht uniformen Gestalten aus seinem frühen Schwarzweißfilm „Night of the Living Dead“ (1968) entwickelten sich im Laufe der Jahrzehnte zu Identitäten, die das Menschsein imitierten. Erfreulich deutlich wurde das in Romeros „Land of the Dead“ aus dem Jahr 2005. Dem Zombiefilm fehlte es ja nie an Modellen, wenn es darum ging, den miserablen Zustand der menschlichen Zivilisation zu konstatieren. Die Rezeptionsgeschichte des modernen Zombies als soziale Metapher, die mit Romero ihren Anfang nahm, hat sich heute mehr denn je zu einer Dystopie konkretisiert: der Suche nach dem richtigen Leben im nunmehr völlig falschen; der verzweifelten Suche nach Humanität, wenn die Menschheit erst zur Minderheit geworden ist und die Überlebenden sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Im Vergleich zum Spielfilm hat die TV-Serie „The Walking Dead“ diesbezüglich die besseren Karten, zumal ihre Vorlage, die 2003 gestartete, überaus erfolgreiche amerikanische Comicreihe von Robert Kirkman, Tony Moore und Charlie Adlard als Endlosserie konzipiert ist. Im Prinzip wird darin nichts verhandelt, was man nicht von anderen Gattungsvertretern kennt, doch geschieht es hier eben weitaus ruhiger – und deshalb umso eindringlicher. Der Auftakt der TV-Adaption (bei der u. a. Frank Darabont – dank einiger Stephen-King-Verfilmungen in Genre-Angelegenheiten sattsam erprobt – als Produzent verantwortlich zeichnet) erinnert an „28 Days Later“ – an jenen Film, in dem Regisseur Danny Boyle 2002 die Zombies mit der physischen Konstitution von Hochleistungssportlern über England herfallen ließ: Da erwacht nach wenigen Minuten der wegen einer Schusswunde operierte, komatöse Polizist Rick Grimes (Andrew Lincoln) schweißgebadet im Patientenzimmer eines Krankenhauses. Die Blumen neben seinem Bett sind längst vertrocknet. Die Uhr über der Tür und die Geräte, an die sein Körper angeschlossen wurde, haben ihren Geist aufgegeben. In den verfallenen Fluren herrscht bedrückende Stille. Last Man on Earth? In „28 Days Later“ diktierte die Erzählökonomie des Spielfilms nach wenigen Minuten heillose Panik. Ein Blick aus der Vogelperspektive auf die irritierte Hauptfigur musste genügen, um alle Einsamkeit der Welt zu indizieren. Kurze Zeit später kam es zur ersten Flucht.

Grunzend durchs Gras kriechen In „The Walking Dead“ – das gilt für den Comic und für die Fernsehserie – heißt das Prinzip „Entschleunigung“. Und dies nicht nur, weil die Zombies nun wieder etwas gemächlicheren Schrittes durch menschenleere Straßen schlurfen. Rick registriert langsam, dass die Welt dem Verfall preisgegeben wurde. Er stößt auf Leichenberge und verwesende Torsi, die grunzend durchs Gras kriechen,

bald auch auf erste Überlebende und mit ihnen auf hilflose Erklärungsversuche für das Chaos ringsherum. Bis er schließlich am Stadtrand von Atlanta in einem winzigen provisorischen Camp seine Familie zusammen mit seinem besten Freund und früheren Kollegen Shane Walsh (Jon Bernthal) wiederfindet. Um diese Kerngruppe zentriert sich das weitere Geschehen. Mit der Verve verzweifelter Utopisten ziehen sie, nomadengleich, durch zivilisatorische Überreste, durch Orte, die längst kolonisiert worden sind, obwohl sie doch nicht einmal mehr die Zukunft irgendeiner Herrschaft versprechen. Die Erzählung switcht gekonnt hin und her, zwischen Melodram und Soap, Splatter und Ekel. Es geht um alte Ordnungen und neue Normen, um Verzweiflung und Zukunftsentwürfe, Sozialdarwinismus und menschliches Mitgefühl, um Rollenbilder und Lebensmuster, Glaube und Materialismus. Und natürlich nicht um „normalen“ sozialen Wandel, im Gegenteil – Thema ist die Erosion von Gesellschaft selbst: Was bedeutet diese Art von Leben für intime Beziehungen, für die Familie und die Sexualität? Wie steht es um die (gewissermaßen nivellierten) Unterschiede zwischen den Generationen, wenn der Tod aller zur alles überschattenden Prämisse geworden ist und die entfernte Zukunft eigentlich gar nicht mehr denkbar? Welche Konflikte sind existenziell wichtig? Was heißt hier Vernunft? Die Krise, in welche die Figuren überführt werden, ist schleichend und bemisst sich kaum an den blutigen Kämpfen mit den monströsen Gestalten. Vielmehr thront über allem die Frage, wie es sich in einer Welt miteinander aushalten lassen soll, in der völlige Isolation und höchste Lebensgefahr die Alternativen sind. Man muss es dem Comic hoch anrechnen, dass er diese Krise weitaus radikaler abbildet als die Fernsehserie. Denn im Comic hebt das Chaos sogar die Gesetze der narrativen Ordnung aus den Angeln: So greift sich der Tod hier gleich haufenweise Hauptfiguren. Unerwartete, meist wesentlich pessimistischere erzählerische Wege müssen deshalb beschritten werden – diese absolute Unvorhersehbarkeit fordert auch vom Leser ständig neue Orientierungsleistungen. 17

„The Walking Dead“; USA 2010; Idee: Frank Darabont (TV-Serie), Robert Kirkman, Tony Moore, Charlie Adlard (Comic). Im Cross-CultVerlag erscheint jetzt der 14. Sammelband der Comicreihe, in dem, stets vorbildlich editiert, erneut sechs Einzelhefte zusammengefasst sind. Eine (leicht gekürzte) DVD-Box der ersten Fernsehstaffel präsentiert Entertainment One/WVG Medien; außerdem wurde jüngst eine Ausstrahlung im Free TV für das kommende Jahr von RTL II angekündigt. Die zweite Staffel läuft derzeit im Pay TV beim FOX Channel.


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T a g e

d e s

V e r r a t s

M i ch a e l

Politische Archetypen Andreas Busche

Der Zeitraum von der Präsidentschaftswahl 2008 bis zum Tauziehen um Obamas Gesundheitsreform wird wohl für längere Zeit die letzte Phase amerikanischer Politik gewesen sein, die von Aufbruchsstimmung geprägt war. Den Normalzustand beschreibt George Clooneys Politdrama „Tage des Verrats“, dessen Originaltitel „Ides of March“ eine historische Referenzgröße ins Spiel bringt. An den Iden des März im Jahr 44 AD wurde Julius Caesar von einer Gruppe Verschwörern ermordet. Um Ränkespiele und Machthunger geht es auch Clooney. Er selbst spielt den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Mike Morris, der mit einem Sieg bei den Ohio-Vorwahlen die Weichen für seine zukünftige Präsidentschaft stellen will. Zwar ist Politprofi Morrris die zentrale Figur, doch im Mittelpunkt des Films steht sein aufstrebender Pressesprecher Stephen (Ryan Gosling in einer Paraderolle). Gosling verkörpert Morris’ jüngeres Alter Ego: strahlend, charmant, einnehmend und mit einem grenzenlosen Idealismus ausgestattet. Stephen steht eine glänzende Zukunft in Aussicht. „Tage des Verrats“ zeichnet seinen rasanten Aufstieg über einen Verlauf von nur wenigen Tagen nach – doch unbeschädigt wird am Ende niemand aus der Geschichte hervorgehen. Man merkt dem Film seine Theaterherkunft an. Wie schon im Kammerspiel „Good Night and Good Luck“ dominieren auch in „Tage des Verrats“ Close-ups und Dialoge. Clooney hat ein grandioses Ensemble versammelt: Philip Seymour Hoffman spielt Morris’ Berater, ein Politschlachtross der alten Schule, Paul Giamatti den zwielichtigen Berater von Morris’ Widersacher, Marisa Tomei die knallharte Journalistin und Jeffrey Wright einen Senator, von dessen Zuspruch die Wahlentscheidung maßgeblich abhängt. Es ist eine brisante Konstellation, eine heruntergekochte Version von „West Wing“ – die jedoch kaum Platz für Politik lässt. Clooney kritisiert in erster Linie ihre Performanz. Das ist mitunter scharf beobachtet, und verfehlt doch den Kern der Problematik. Denn das Festhalten an und Streben nach Macht ist nicht der eigentliche Skandal, sondern dass die politischen Inhalte darüber zur bloßen Verhandlungsmasse verkommen. Insofern ist es bezeichnend, dass Clooney kaum auf die konkrete Politik seiner Figur eingeht. „Tage des Verrats“ liefert am Ende vor allem politische Archetypen. Als hätte sich die Politik seit den historischen Iden des März selbst nicht verändert. 30

Im Keller „Clooney hat ein grandioses Ensemble versammelt“

Regie: George Clooney USA 2011; 98 Minuten; mit George Clooney, Ryan Gosling, Marisa Tomei u. a.

Carsten Happe

Fast könnte man auf die Idee kommen, für ganz Österreich ein psychopathologisches Profil erstellen zu wollen. „Michael“, das Regiedebüt von Markus Schleinzer, des ehemaligen Casting Directors von Michael Haneke, wäre darin ein weiteres, sämtliche Vorurteile bestätigendes Puzzleteil. Nach Kampusch und Fritzl, nach Ulrich Seidls Filmen, von denen „Hundstage“ und „Import Export“ lapidar gesagt die harmlosesten sind (Seidl arbeitet ja seit ein paar Jahren an einer Dokumentation mit dem bezeichnenden Titel „Im Keller“, wo es um die Eigentümlichkeit österreichischer Keller gehen wird), fügt sich „Michael“ absolut passgenau in jene Traditionslinie, die das ehemals so verträumte Alpenland schrecklich beunruhigend erscheinen lässt. „Michael“ handelt von Missbrauch und von dunklen Kellerräumen. Schleinzer inszeniert seine Geschichte distanziert, nahezu klinisch kalt, was die furchterregende Atmosphäre des Films noch einmal verstärkt. Die knappe Ankündigung von Schleinzers Debütfilm (der überraschenderweise zum Wettbewerb in Cannes eingeladen wurde) umriss den Plot betont grob: Um das Zusammenleben des 10jährigen Wolfgang mit dem 35jährigen Michael würde es gehen. Der Titel „Michael“ ist ein Verweis auf die Mittelpunktstellung des Täters; die Normalität, die ihn kennzeichnet, ist bestechend und bestürzend zugleich: Michael ist ein durchschnittlich erfolgreicher Versicherungsangestellter; er wird befördert, seine Kollegen laden ihn zu einem Skiausflug ein. Niemand ahnt, dass dieser so nette und zuvorkommende Junggeselle einen Jungen in seinem Keller gefangen hält und ihn regelmäßig missbraucht. Michael Fuith spielt den Pädophilen mit – so seltsam es klingen mag – beeindruckender Präzision und Kontrolliertheit. Seine Darstellung wird nie zur Freakshow, die leisen Momente der Repression lassen sie umso erschreckender erscheinen. Markus Schleinzer hat sich augenscheinlich eine Menge abgeschaut bei seinen vormaligen Arbeitgebern Michael Haneke, Jessica Hausner und Ulrich Seidl. Er reproduziert die emblematischen Inszenierungsstrategien der ausgewiesenen Meisterregisseure perfekt, verdichtet sie zu einem rasiermesserscharfen Portrait eines Monsters mit menschlichem Antlitz. Das ist durchgehend unbequem anzuschauen und in seiner Konsequenz ebenso faszinierend wie verstörend.

„Markus Schleinzer hat sich augenscheinlich eine Menge abgeschaut bei seinen vormaligen Arbeitgebern Michael Haneke“

Regie: Markus Schleinzer Österreich 2011; 96 Minuten; mit Michael Fuith, David Rauchenberger, Christine Kain u. a.

31 Filme


Soz i a l e

N e t zw e r k e

Wandering Stars

D a r k

So u l s

Der glückliche Sisyphos

Henning Lisson

Florian Brauer

Die Liste sozialer Netzwerke ist sehr lang. Facebook, Google+, Twitter, LinkedIn kennt man natürlich, iWiW, Mixi, Cyworld, Orkut, Nexopia oder Nasza-Klasa eher nicht. Kein Wunder, sind iWiW und Nasza-Klasa doch im osteuropäischen Raum beheimatet, Cyworld, Mixi und Orkut in Asien, und Nexopia stammt aus Kanada. Dazu kommen sogenannte professionelle Netzwerke wie Research Gate, eine Community für Wissenschaftler. Dann gibt es diverse Flirt-Communities für Akademiker, Studenten, Silver Ager etc. Diaspora, den Feel-GoodJute-Beutel unter den sozialen Netzwerken, wollen wir auch nicht vergessen: hochgelobt, Open Source, dezentral und: total vereinsamt (tumbleweed). Fünfzehn soziale Netzwerke weltweit haben derzeit die magische Mitgliederzahl von über 100 Millionen überschritten. Einige von ihnen kommen aus dem bevölkerungsstarken Reich der Mitte. Doch was heißt hier eigentlich „sozial“? Das Soziale ist eine Art Versprechen. Eingelöst wird es durch die Möglichkeit wechselseitiger Interaktion und die Chance zur Gruppenbildung. Solche Aktionen können Distinktions-Charakter haben; sie definieren sich dann meist über geschlossene Zirkel. So ist Research Gate ein geschlossenes Interessennetzwerk nur für Wissenschaftler. Indes liegt der eigentliche Reiz sozialer Netzwerkerei in der absoluten Verfügbarkeit. Das beste Beispiel hierfür ist Facebook mit über 800 Millionen aktiven Mitgliedern. Beide Varianten erzeugen für ihre jeweiligen Mitglieder entsprechende Nähr- und Mehrwerte. Dabei sind die deutschen VZ-Netzwerke ein schönes Beispiel für den Wandel von einem zum anderen: Mit dem Anspruch, in ein ernsthaftes Konkurrenzverhältnis zum blauen Platzhirschen Facebook zu treten, ist man vor Jahren gescheitert, um sich sodann vermehrt geschlossenen Interessenzirkeln zuzuwenden. Schüler sollen über SchülerVZ mit speziellen Schüler-Features, dem Abbilden einer nationalen Klassenstruktur und dem Ausschluss von Erwachsenen gelockt werden: klassische Distinktion. Ob das gut geht, wird sich zeigen. Myspace ist ein nachgerade tragisches Negativbeispiel. Seit Jahren versucht man sich neu zu erfinden. Das einst erfolgreichste soziale Netzwerk hat wichtige Entwicklungen verschlafen und sich viel zu lange auf seine (ehemals) große Community verlassen. So sieht‘s nun einmal aus: Kommt jemand mit einer neuen Idee, interessanteren Möglichkeiten oder einfacherer Handhabe, beginnt die Community-Wanderung. Von Myspace zu StudiVZ zu Facebook zu Google+ zu Diaspora? Ja, was ist das überhaupt mit Google+ und Diaspora? Google+ legte seit seinem Start in diesem Sommer das schnellste Wachstum der Geschichte sozialer Netzwerke aufs Parkett – und stagniert nun gemütlich vor sich hin. Sogenannte First Mover und Early Adaptors konnte man überzeugen, die breite Masse jedoch nicht. Bei G+ unterhält man sich zu 50 Prozent über G+. Der Rest wird mit animierten GIFs aufgefüllt – eine Funktion, die Facebook nicht bietet. Und Diaspora? Denen nützt die schönste Piraten-HippieGutmensch-Nerd-Attitüde nix, solange sie keine Mitglieder haben.

Es heißt, die Freude, die man aus einem Stück der Musik oder einem Roman ziehen kann, sei umso größer, je mehr man sich das Werk erarbeiten muss. Gilt das auch für Videospiele? Aber sicher, sagen die Entwickler von From Soft. Ihr Action-Rollenspiel „Dark Souls“ ist eine echt harte Nuss! Vielleicht auch eine extraknifflige Antwort auf den konsumentenfreundlichen „dumbing down“Trend? Wer weiß. Die Schwierigkeiten eines Spiels allein machen natürlich kein gutes Spiel. „Dark Souls“ ist aber so eines – mit extrem fesselnder Atmosphäre, starkem Gameplay und einer wahrhaft ausgefuchsten Spielmechanik. So gut wie tot ist man von Anfang an. Das Ende scheint unausweichlich in dieser verfluchten Kerkerzelle zu liegen. Plötzlich erhellt ein Lichtstrahl das Verlies und irgendjemand wirft einen leblosen Körper und dessen Seele hinab. Seelen sind wichtig, sie sind die Währung dieser Welt – das Spice, der Äther, den es dringend braucht, um am Leben zu bleiben, um aufzuleveln und Ausrüstung zu kaufen. Nur mit winzigen Kraftreserven und einem abgebrochenen Schwert erhebt man sich und kriecht aus dem finsteren Loch, dem Licht entgegen nach oben. Eine Handvoll Kampffertigkeiten, die einem in den ersten Minuten beigebracht wurden, reichen gerade mal, um ein paar Zombies abzuwehren. Dem riesenhaften Krötendämon gegenüberzustehen, ist was ganz anderes. Wie zur Hölle soll man diesem Biest je beikommen können? Die Atmosphäre des Spiels ist beklemmend. Man fühlt sich einsam, die eigene Machtlosigkeit wird einem ständig vor Augen geführt: Man stirbt viele Tode. Gleichwohl kann man sich darauf verlassen, dass es einen Weg gibt. Und wenn man die Bewegungen seiner Gegner erst studiert und sich die Umgebung etwas genauer angeschaut hat, bekommt man seine Chance. Das eher schlichte und doch variantenreiche Kampfsystem mit seiner Unmenge an Waffen liebt man irgendwann. Besonders wichtig sind die Lagerfeuer, an denen man rasten, aufleveln und Heiltränke auffüllen kann. An diesen Punkten wird das Spiel dann auch gespeichert. Hierher kehrt man also zurück, wenn man gerade wieder mal gestorben ist. In den verwitterten, finsteren Gewölben und Verliesen findet man sich einigermaßen schnell zurecht, obwohl man keine Karte zur Hand hat. Gewisse Abschnitte zwischen dem Lagerfeuer und der Stelle, an der man zuletzt gestorben ist, spielt man nämlich häufiger, damit man die verlorenen Seelen wieder einzusammeln kann. Gelingt es einem nicht, die Seelen beim ersten dieser Versuche zurückzugewinnen, ist der Spielerfolg mehrerer Stunden futsch. Seltsamerweise kann man diesen Verlust schnell verwinden und die Aussicht darauf, den Abschnitt dieses Mal unbeschadet zu überstehen, birgt eine ganz erstaunliche Kraft. Auch Sysiphos hatte eine Menge Ehrgeiz, und vermutlich eine leicht masochistische Neigung. Die Erfolgserlebnisse, die man mit „Dark Souls“ haben kann, wirken wie gute Drogen – man will immer mehr davon. Eines der Spiele des Jahres.

32 Digitales

33 Spiele

Action-Rollenspiel From Software; PS 3, Xbox 360


Die Platte

am Anfang Portable

Into Infinity 

Perlon/Rough Trade

Michael Saager

Bevor wir über eine der schönsten Platten des Jahres, über Portables sehnsuchtsvolles, mystisch-deepes Album „Into Infinity“, reden – ein kleiner Diskussionsblock vorweg: Der Graben zwischen E- und U-Musik, zwischen (Neo-)Klassik bzw. Neuer Musik und Pop, scheint bisweilen schmaler als der Graben zwischen Pop und Musik aus dem Clubkontext. Steile These? Geht so. Bieten Sie einer normalen Tageszeitung mal die Rezension eines Albums aus dem Techno-, House- oder Bass-Musik-Milieu an: Du, weiß ich jetzt nicht so, ob unsere Leser das hören … Oder, die unverblümte Variante: Ach, geh mir bloß weg mit deiner Spartenmusik! Man könnte Mäuse melken. Umso mehr an ihrer vierbeinigen Zahl, als sich ja längst deutlich abzeichnet, dass es zur geraden oder fast geraden Bassdrum kaum mehr Alternativen gibt, sofern es ums Tanzen geht. Immer mehr Musiker aus dem (Indie-)Popkontext klingen wie waschechte Clubmusiker, selbst im amerikanischen R&B ist das so. Dass bislang solo agierende Clubprotagonisten (wie Apparat) derweil auch mit Bands rumturnen, ändert nichts an der Vorherrschaft gerade getakteter Funktionalität. Eher scheinen da ein paar Künstler unzufrieden mit dem ewigen Spartendasein. Sicher, wenn der aus Südafrika stammende Alan Abrahams – bekannt als Bodycode und Portable – sein Album „Into Infinity“ nicht bei dem geheimnistuerisch verschlossenen House-Label Perlon herausgebracht hätte, sondern bei DFA Records, dann wäre das Presse-Echo vermutlich nicht beinahe Null. James Murphy von DFA sollte sich fast ein bisschen ärgern, denn „Into Infinity“ ist schon ein toller Hybrid: Produktionstechnisch filigran-satt, also unüberhörbar aus dem Clubkontext der Gegenwart stammend, gehen hier minimaler Factory-Wave à la Minny Pops, märchenhaft verwunschene Synthie-Melodien und knackigperkussiver Chicago-House eine Gänsehautallianz ein, die eigentlich nicht von dieser Welt sein kann. Abrahams Gesang vermählt den theatralischen Glam Scott Walkers mit der grenzenlosen Einsamkeit der Sterne. So zauberhaft.

Kate Bush

50 Words for Snow 

Fish People/EMI

Ulrich Kriest

Da ist wohl ein kleines Kate Bush-Revival am Laufen! Sechs Jahre nach „Aerial“ und 18 Jahre nach „The Red Shoes“ veröffentlicht die Künstlerin 2011 gleich zwei Alben: im Frühjahr ihren „Director‘s Cut“ zweier älterer Alben und jetzt „50 Words for Snow“. Dazwischen lag außerdem Theo Bleckmanns überzeugende Kate-Bush-Hommage „Hello Earth!“ (Winter & Winter). „50 Words for Snow“ ist ein Konzeptalbum, das sieben eigenwillige musikalische Erzählungen (Songs wäre das falsche Wort) über den Vorstellungskomplex „Schnee“

entwirft. Das beginnt mit einem Flug der Schneeflocken Richtung Erdboden. Es folgen Begegnungen mit einem Schneemann (Betonung auf: Mann), mit dem Yeti, eine Liebesgeschichte, die im antiken Rom beginnt und bis in die Gegenwart reicht. Schließlich sind da noch der Titelsong, der exakt das einlöst, was er verspricht, sowie das Postskriptum „Among Angels“ – mit knapp sieben Minuten der kürzeste Track des Albums. Die Musik ist stark vom Klavier dominiert, setzt sparsam Akzente durch effektvolle Orchestrierung, reizt mit Anleihen bei Alter Musik und hält sich auch mit exzentrischer Vokalakrobatik angenehm zurück. „50 Words for Snow“ klingt sehr introspektiv, versponnen und erreicht über weite Strecken die ambitionierte Klasse von Scott Walker, David Sylvian, Talk Talk und Joni Mitchell („Paprika Plains“). Da kann selbst der sporadische Bush-Duett-Partner Elton John keinen Schaden anrichten.

Peaking Lights 936 

Domino/Goodtogo

Christoph Braun

Gute Schwingungen also, Vibrationen, wie sie sonst nur aufgeweichte Schokoladenkekse auszulösen vermögen. Die Peaking Lights verströmen diesen Geschmack ebenso wie Brian Wilsons Chöre. Die Peaking Lights klingen wie ein iPhone, auf dem ein Fan ausnahmslos Beach-BoysPlaylisten angelegt hat und das am Strand vergessen worden ist. Nun liegt es da, übertönt von der Brandung, der Gischt, vom Möwengeschrei und den Geräuschen, die durch das Auftragen von Sonnenöl auf Menschenkörpern entstehen. Ja, diese acht Songs auf „936“ sind um mehr als 40 Jahre jünger, sie klingen auf Anhieb jedoch älter, viel älter. Nach sechs Monaten als Liebling der anglo-amerikanischen Blogs wird das Album nun offiziell in Deutschland auf den Markt gebracht. Aaron Coyes und Indra Dunis, abgekürzt A.C.I.D., leben im kalifornischen Spring Queen. Doch scheint ihnen diese Angabe vernachlässigbar vorzukommen. Das A.C.I.D.Pärchen jedenfalls gibt als Wohnort „Epic Vibeland“ an. So taucht kein Keyboard ohne Anschlagsverzögerung auf, wiederholen sich die Bassläufe in eleganter Penetranz, durchlaufen Indra Dunis und ihre monotonen Gesänge ein Gefüge aus Labyrinthen, erbaut aus Echo und Hall. Die Musikgeschichte erzählt sich rückwärts, in einem Augenblick erklingen Neo-Krautrock und Broadcast, dekonstruktivistische New-Wave-Bands wie Pink Militairy und die Au-Pairs, Can, Fairytale Folk, Beach Boys, Bach, Gregorianik. Die Erfindung der Trommel. „All The Sun That Shines“, „Marshmellow Yellow“, „Birds Of Paradise“: die Temperatur in Da House of Music bleibt sommerwarm.

Sóley

We Sink 

Morr Music/Indigo

Markus von Schwerin

„Elfen-Gelispel zum Einmummeln und Abschalten.“ So das voreilige Resümee einer nie veröffentlichten Kritik zum oben genanntem Solodebüt der isländischen Keyboarderin. Der Autor hörte „We Sink“ dann noch öfter und nun

zählt es zu seinen Lieblingsplatten von 2011. Okay, das Intro-Stück „I‘ll Drown“ gemahnt mit lang ausklingenden Klavierakkorden und Du-ziehst-mich-inden-Abgrund-Bezichtigungen an die österreichische Tragödin Soap & Skin. Und wenn dann Traumvisionen wie „I walked the road when i realized my death/The road had notes about my pity little past“ folgen, ist der Schalk erstmal nicht so leicht auszumachen wie bei CocoRosie. Aber im Verein mit knarzenden Gitarrenbünden, cleveren Percussion-Ideen (Kochtöpfe, Tischtennisbälle) und unverkennbarem Pop-Gespür wirkt auch die lakonischmädchenhafte Phrasierung stimmig. Oder sie bekommt, mit viel Hall versetzt, sogar etwas lasziv-hypnotisches, wenn zu langsam klopfender Beatbox und Wummerorgel frohlockt wird: „Drink my wine and I will dance for you“ – bevor ein paar Zimmer weiter eine Twang-Gitarre erklingt und zuletzt alles in feierliche Mantra-Chöre mündet. Selbst auf Piano, Orgel und Gesang reduziert wird der Spannungsbogen gehalten. Da trifft in „Kill the Clown“ Satie-hafte Melodik auf Lynsey de Paul‘sche Prägnanz. Obwohl das Schifferklavier in „Fight Them Soft“ schon ziemlich viel Wasser abbekommen hat, wird im walzenden „About Your Funeral“ mit rhythmischem Gezischel und Vaudeville-Bimbam (Leierkasten, Glockenspiel) erst richtig gefeiert – bevor es strudelwärts zu Neptun geht.

Pinch & Shackleton

Pinch & Shackleton 

Honest Jon’s

Christoph Braun

Zwei aus der ersten Dubstep-Garde verkündeten zu Beginn des Jahres 2011: Wir machen jetzt was zusammen. Erste Garde, das gilt für die Chronologie des Sounds ebenso wie für die Qualität des Werkes. Pinch & Shackleton haben Dubstep, diese Musik aus Subfrequenz-Bässen, Schlagzeug-Schnipseln und innerstädtischen Klangflächen, auf je eigene Art geprägt. Der 1980 geborene Robert Ellis alias DJ Pinch siedelte der Liebe zur Soundsystem-Kultur wegen aus dem schottischen Aberdeen in die englische Hafenstadt Bristol über. Dort schuf er mit Tectonic eines der prägenden Labels des frühen Dubstep. Zunächst forschte Tectonic ganz entschieden an der Verflüssigung des vormals festen Körpers Bass. Dann schlug das Label die Brücke zwischen der OffbeatTradition des Hardcore Continuums und den geraden Zählzeiten des Techno. Nun also trifft dieser Pinch auf Sam Shackleton und damit auf den Mystiker der tiefen Frequenzen. Ratternde, holprige, skelettierte Beats, für die ist der in Berlin lebende Shackleton bekannt geworden, flankiert von der Do-It-Yourself-Ästhetik seines mittlerweile eingestellten Labels Skull Disco. „Torn & Submerged“: ein Tippen auf der Schreibmaschine, eine verlassene Landschaft, Vakanz, klirrende Winde. „Monks on the Run“ verfremdet Gebetsglöckchen. „Boracay Drift“ öffnet einen Schlund, und in Überlautstärke wird ein Streichholz gerieben, wird gezündelt. Und es rattert hölzern, und die Trommeln des Vorderen Orients klackern. „Pinch & Shackleton“ ist klanggewordener Existentialismus – und essentieller Klang.

34 tonträger


Ro m a n

I n t e r v i e w - B u ch

Ro m a n

Am Sandfluss

Alles fragen, nichts fürchten

Der Hals der Giraffe

Gyrdir Eliasson

Judith Schalansky

Dietmar Dath & Martin Hatzius Moritz Scheper

Ulrich Kriest

Kerstin Cornils

Aus und vorbei ist sie, die soundsovielte Frankfurter Buchmesse. Die Isländer rückten sich ins beste Licht, auch wenn wie immer viele Hinterbänkler der Gastlandliteratur den deutschen Herbst mit ihren Ergüssen beglücken mussten, was den Blick auf die eigentlichen Perlen verstellt. Eine solche ist der Preisträger des Nordischen Rates, Gyrdir Eliasson. Ein sprachlicher Leisetreter, mit einer an Lyrik geschulten, abgerüsteten Prosa. Einer mit einem einzigartigen Ton, in den er auch mit seinem aktuellen Kurzroman „Am Sandfluss“, der Erzählung eines namenlosen Malers, der in seinem Trailer abgeschieden am Waldrand und dem titelgebenden Fluss darauf wartet, dass ihm endlich „die Augen aufgehen“, wie selbstverständlich verfällt. Ein Text wie ein Bergsee: nicht zwingend breit, aber dafür gehörig tief und erstaunlich klar. Mit der Lektüre setzt der Tauchreflex ein, die Herzschlagfrequenz fährt herunter, eine vollkommene Ruhe greift um sich. Nicht dass der Stoff konfliktfrei daherkäme, aber Eliasson bleibt in seinen Mitteln derart reduziert, dass die Spannungen erst bei wiederholtem Tauchgang zutage treten. Denn zwischen ausgiebigen Waldläufen und mikroskopisch-präzisen Naturschilderungen findet sich die Palette einer Künstlerbiographie in all ihren dunklen Tönen: Isolation, Blockaden, Selbsthass. Gerade naturalistische Maler verzweifeln demütig an ihrem gelungenen Vor-Bild, vor allem jedoch am geringen Gestaltungsraum, ihrem „minus X“, wie Arno Holz es auf eine Formel gebracht hat. Eliasson dekliniert das Naturalismusproblem formell durch, begehrt scheinbar auf gegen die stille Übereinkunft, jedes Wort sei grundsätzlich mit einem symbolischen Mehrwert belegt. Dass die Rechnung „minus X“ für Maler und Schreiber nicht aufgeht, ist natürlich klar wie Bergseewasser, doch selten sind Scheitern und Schönheit zu eng zusammengefallen. Wie – um noch einen letzten Vergleich zu bemühen – in einem der nebeligen Fotos aus Hiroshi Sugimotos „Seascapes“-Serie. In den Warenkorb.

„Das Schreiben ermöglichte mir Kommunikation mit Leuten, die an diesen Texten ihre Gemeinsamkeiten mit mir entdecken und mir dann ihre Gemeinsamkeiten mit mir zurückspiegeln konnten. Ich kam dadurch plötzlich in die Lage, selber Gemeinsamkeiten mit anderen zu entdecken und das zu objektivieren.“ Ein wenig erinnert dieses Interview-Buch, das ausführliche Gespräche des „Neues Deutschland“-Redakteurs Martin Hatzius mit dem Schriftsteller Dietmar Dath dokumentiert, an eine hochinteressierte Spurensuche. Wiewohl Dath vielleicht kein „richtig“ populärer Autor ist, so ist er doch eine schillernde Gestalt des Literaturbetriebs, die allerlei Eigenarten oder Eigenschaften auszeichnen, die in dieser Kombination eher unüblich sind. Dath ist erklärter Kommunist, interessiert sich für Phantastik, Metal, Comics, Naturwissenschaften, Mathematik, politische Theorie und gewiss noch für zwei Dutzend Dinge mehr. Er arbeitet gleichzeitig als Schriftsteller und als Journalist, seine Produktivität ist legendär. Die Frage stellt sich: Wie entwirft so jemand einen Ort, von dem aus sich die unterschiedlichen Facetten seiner Persönlichkeit realisieren lassen. Dath sagt einmal: „Der Zufall, sagt Louis Pasteur, begünstigt vorbereitete Leute.“ Und so hören wir in einem großen Bogen die Geschichte von der Kindheit und Jugend im Südbadischen, von den ersten publizierten Texten in „Titanic“, „Heaven Sent“, „Konkret“ und „Spex“, wo Dath für zwei Jahre Chefredakteur wird, um danach, als Studienabbrecher und ohne journalistische Ausbildung, bei der „FAZ“ zu landen, was für ihn kein Treppenwitz der Weltgeschichte ist, sondern eher der erfüllte Traum einer Arbeit in idealen Redaktionszusammenhängen. Das Gute an diesem Buch: Hatzius will wirklich etwas wissen von Dath – und Dath steht ausführlich Rede und Antwort, doziert aber nicht (oder nur selten), sondern lässt sein Gegenüber (und die Leser) am vor Intelligenz und Bildung funkelnden Spaß teilhaben, sich Theorie und Praxis nicht auseinander dividieren zu lassen. Wenn man so will: politics and poetry in motion. Ein Buch mit hohem Gebrauchswert.

Das Gehirn ist ein enormer Energiefresser. Während sich der Mensch fortwährend unter Qualen den Kopf zerbricht, kommt die Seescheide auch ohne graue Substanz aus. Deshalb bewundert die Lehrerin Inge Lohmark das wirbellose Knollentier, das sich gedankenlos im Meer tummeln darf. Wenn es nach Lohmark ginge, könnte man das menschliche Gehirn mit einem Schlag abschaffen – zusammen mit ihren pubertierenden Schülern, die nichts Besseres zu tun haben, als mit ihrem Moschusgeruch das Klassenzimmer zu verpesten und apathisch aus dem Fenster zu starren. Denken ist nutzlos, weil es in Sackgassen führt. Am Ende gar ins Verhängnis. Dass die seit über dreißig Jahren unterrichtende Pädagogin in ihren Klassen kreidetrockenen Frontalunterricht durchführt und keine verzärtelten Kennlernspiele mit rotem Wollknäuel veranstaltet, liegt auf der Hand. Um der misanthropischen Isolation ihrer Heldin Ausdruck zu verleihen, findet die 1980 in Greifswald geborene Autorin Judith Schalansky in ihrem Roman „Der Hals der Giraffe“ eine vor Knappheit klirrende Sprache. Die Außenwelt, etwa Wortfetzen von Schülern und Kollegen, dringen nur tröpfchenweise in den nahezu wasserdichten Monolog. Die schon seit Jahren in den USA verschollene Tochter und Lohmarks Mann, der in der DDR Rinderbesamer war, schleppen sich wie Untote durch den Text. Wenn es in diesem Roman so etwas wie Liebe gibt, dann hat die Autorin sie in ihre zerbrechlichen Abbildungen von Quallen und Seekühen gelenkt. Obwohl Lohmark sich von der menschlichen Welt am liebsten absondern würde wie ein sackförmiges Manteltier, wohnt ihren Beobachtungen doch ein luzider Blick auf das heutige Vorpommern inne. Wenn das Charles-Darwin-Gymnasium demnächst die Tore schließt, wird die Lehrerin hinter zugezogenen Gardinen in einem entvölkerten Landstrich voll leerer Gehöfte ausharren und sich allmählich in ein Fossil verwandeln. Das, was sie angesichts der Wolken über Vorpommern denkt, gilt auch für Schalanskys Prosa: „Unerträglich, aber schön.“

Walde + Graf, 2011, 137 Seiten, 16,95 Euro

Das Neue Berlin, 2011, 240 Seiten, 17,95 Euro

Suhrkamp, 2011, 222 Seiten, 21,90 Euro

36 Bücher


N e u e

S t ü ck e

Künstlerseelen, Dichterherzen Tina Fibiger

Häufig wird die Nabelschnur der Ökonomie zur Schlinge um den Künstlerhals. Auch Goethes „Torquato Tasso“ in der Inszenierung von Nina Pichler am Deutschen Theater spürt den Würgegriff. Auf die charmant offerierte Alimentierung fürs opus magnum folgt die Kasernierung. Der schöpferische Freiraum, den das Bühnenbild mit einer malerischen Wolkenkulisse suggeriert, offenbart sich als luftige Spekulationszone der Besitzstände. Nicht bloß eine schöpferische Bilanz fordert der herzögliche Regent Alfonso, sondern auch eine Dichterpose demütiger Dankbarkeit. Spekulieren lässt sich nun über die Launigkeiten eines ungestümen jungen Genies, wie sie Gerrit Neuhaus an dieser Projektionsfigur sondiert. Der wortgläubige Wahrnehmungshorizont dieses Tasso verträgt sich nicht mit Renditestrategien auf dem Jahrmarkt der Selbstdarsteller. Wie er von den Damen des Hauses eifersüchtig umschwärmt wird, und neben der literarischen auch eine emotionale Erfolgskurve genießt. Und wo dann mit Staatssekretär Antonio ein Hausgast eintrifft, der diesen abgekarteten Schmusekurs torpediert. Beim Duell zwischen Bilanzkünstler und Wortkünstler steht der Verlierer im Grunde genommen schon fest. Vor allem weil hinter der Illusion des kreativen Freiraumes das Gespenst der Existenzkrisenangst lauert. Da die Kulturevent-Gesellschaft pflegeleichte Entertainer mehr schätzt als strapaziöse Individualisten, könnte die Frage der künstlerischen Autonomie ein Thema dieser Inszenierung sein und nicht allein das Diktat der Ökonomie, das die Kunst zur gefälligen Etikette deklariert. Aber diese Frage verflüchtigt sich vor der malerischen Wolkenkulisse. Und im Jungen Theater irrt ein weiterer Wortkünstler auf dem Feld der Illusionen. Goethe kommt erneut zum Zuge, auch wenn um seinen Werther jede Menge Konkurrenz aufgeboten wird. Es geht um den alle Dimensionen sprengenden Liebesbrief, der noch geschrieben werden muss, gerappt oder gereimt. Hauptsache: er wirkt. Und das tun auch die „Love Letters“ in der Inszenierung von Johann Kuithan. Das kleine Podium in der JT-Kantine funktioniert als intime Kulisse auch so, dass sich das Publikum in die Recherche nach beschwörenden Wortschöpfungen verwickeln lässt. Manchmal genügt ein schmachtender Blick von León Schröder, der über die Wirksamkeit der richtigen Papierfarbe grübelt, vor allem freilich über den richtigen Ton. Was kommt besser: zärtliche Beteuerungen oder ein cooler Spruch? Einen Versuch für kompatible Wortkreationen ist der Internet-Liebesgenerator schon wert. Schröders Schauspielkollegen stiften weitere Liebesbotschaften am Schirm, während poetische Beschwörungen kursieren und Goethes Werther sich weiter verschwärmt. Da der intime Dialog um die magischen Worte sogar bei Schillers Paar aus „Kabale und Liebe“ schiefgeht, ist auf die dramatische Literatur nur bedingt Verlass. Umso mehr auf die unterhaltsame Wirkung dieser emotionalen Bekennerschreiben – ob sie nun schüchtern ausfallen, gestelzt oder offensiv. Oder einfach mit „dolle Sehnsucht“ enden.

LIE B E

„Torquato Tasso“ Deutsches Theater, Regie: Nina Pichler

& „Love Letters“

Junges Theater, Regie: Johann Kuithan

DT Gerrit Neuhaus

38 Theater

Eine Romanze ist eine Romanze

„You wanna fuck her, make her love you“ Tony Soprano

René Hamann

Die Geschichte, wie sie sich kennengelernt haben. In einer Diskothek. Die Lichter blinkten, die Getränke rutschten nur so die Kehle herunter, Bier er, Sekt auf Eis sie, eine rauschhaft durchtanzte, dann durchrauchte und durchquatschte Nacht, so wie es sein soll. Und während sie redeten, liebkosten sie sich mit Blicken, dann mit flüchtigen Berührungen. Sie war eine Friseurin mit dörflich anmutender Frisur, er arbeitete mit Pomade. Koteletten bis zum Anschlag. Backenbart, sagte er, sie lachte. Zum Abschied hatte er sie gefragt, ob er sie wiedersehen dürfe. Ja, warum nicht, sagte sie. Und erzählte ihm gleich darauf, wie es um sie bestellt war, in welcher Situation sie steckte. Sie war noch verheiratet, offiziell, aber ihr Mann war ausgezogen, die Scheidung wäre eingereicht, er hatte Affären gehabt, und sie haben ein gemeinsames Kind, eine Tochter. Ihr Mann sei fremd gegangen, immer wieder, sie habe aus Frust wieder angefangen zu rauchen. Wie er von der Diskothek nach Hause komme, wollte sie wissen. Ich bin mit dem Bully hier, sagte er, einem umgebauten VW-Bus, dort wolle er sich erst mal hinlegen und morgen früh, wenn er wieder nüchtern sei, fahre er nach Hause. Sie hatte gegrinst und ist am Morgen mit einem Frühstückspaket vor dem Bully erschienen und hat ihn aus der Koje geklopft. Da hat er gestaunt. Dann hatte sie Angst, dass er gar kein Zuhause hätte, sondern tatsächlich in diesem Bully wohne, zur Beruhigung hat er sie gleich mitgenommen. In seine Reihenhaushälfte. Als er noch schlief, es war bereits Nachmittag, hat sie seine Wohnung nach Utensilien anderer Frauen durchsucht, nach Spuren von Weiblichkeit. Außerdem nach Spielsachen, Anzeichen für Kinder, aber es ließ sich nichts finden. Das überraschte sie dann doch. Er war Junggeselle, Anfang 40, keine Kinder, selbst Scheidungskind, so wie sie. Vielleicht sollten Scheidungskinder zusammenhalten, vielleicht passte das ganz gut, dachte sie dann. Seine Wohnung war aufgeräumt, wirkte durch die vorherrschende Sachlichkeit sehr männlich. Kein Schmuck, keine Zierde, kaum Bilder. Dafür veraltete Utensilien, Sachen wie von einem Flohmarkt, liebevoll behandelt und sauber, eine Stereoanlage aus den siebziger Jahren, alte Holzboxen, eine Menge alter Schallplatten. Er hatte es merkwürdig gefunden, dass sie mit Frühstück aufgetaucht war, an diesem verkachelten Sonntagmorgen vor der Diskothek, das kann man romantisch finden, aber auch bedrohlich. Jedenfalls, eine Romanze ist eine Romanze, und es werden immer nur Romanzen begonnen, die sich dann zu ganzen Ehen auswachsen können, wenn es denn gut läuft. Aber so gut läuft es selten. „You wanna fuck her, make her love you“, sagt Vater Soprano zu seinem Sohn Tony in einer Sequenz, die in der Vergangenheit spielt. Aber dieses Ziel war bereits erreicht. Und in diesem Fall stellte sich heraus, dass der Junggeselle genau das zu bleiben beabsichtigte: ein Junggeselle, der mit seinem Bully zu Dorfdiskotheken fährt.

fehmi-baumbach.de

39 Kolumne


D E Z EM B ER

Sterne Ella Jaspers mit Arno Holz

Wassermann  Dein Berg aus Zuckerkant ist süß, so eckig an den Seiten, glatt hier, ein wenig pudrig da. Mit der Zunge darüber fahren. Eine glatte Straße bleibt zurück, auf ihr gerät man ins Schlingern. Bei minus acht Grad. Fische  Dein Pfefferkuchenhäuschen blinkt. Rot und Purpur leuchtet es auf zwischen den Bergen aus feinem Zuckerguss, der Vorgarten erinnert an die Vorhölle. Krachend knirscht es zwischen deinen Zähnen. Widder  Deine Fenster sind aus Goldpapier, bestückt mit silbrigem Tand. Kaum kann man hindurchschauen, die Reflexe des Außen sind zu groß, sie blenden beim Hineinsehen. Auf dem Grund verschlucken sich die Fische. Stier  Aus deinem Schornstein raucht Watte. Du stehst mit deinem Cowboyhut in einer anderen Welt, für einen Abend. Wir haben Cowboy und Indiander gespielt, das Zelt ist mit Fellen ausgekleidet. Kleiner Büffel ruft. Zwillinge  Im grünen Himmel über dir ist die Lärche wie ein gelber Sonnenfleck. Du schaust hoch. Später bohrst du etwas in den Boden, es ist laut und dauert seine Zeit. Du bist ganz bei der Sache, dein Lachen wandert durch den Wald. Krebs  In deinem See aus Staniol willst du baden, schwimmen, Bahnen ziehen. Glitzern und Rascheln bei jedem Zug, umschlungene Oberarme, verfangene Hände. Im Ohr ein Kloß, nichts zu hören. Freier atmen im Tauchen. Löwe  Es spiegeln sich alle ihre Engel, alle ihre Lichter in deinen Gedanken. Die Zeit ist vorbei. Ein rauer Abglanz überlagert den Moment, bald verdoppeln sich die Zeichen womöglich zeitgleich. Wie schön wäre das. Jungfrau  Die kleinen Kinder stehen rum und werfen ihren Blick auf dich. Du hältst stand, verschließt endlich deinen unmittelbaren Zugang. Die Brücke nur zu Gelegenheiten herunterlassen und morsche Bretter zuvor wechseln. Waage  Du wirst angestaunt. Du kannst so viel. Manchen ängstigt es, der ist zu klein, im Geist oder im Herzen. Du staunst selbst. Über das Staunen. Verscheuch es und nimm es doch mit, treib es vor dir her wie einen guten Boten. Skorpion  Dein Bauch ist aus Traganth. Weich und elastisch fühlt er sich an, im Verlauf entstehen Blüten und Dekorblätter. Bei ihnen ist niemals Herbst, du lachst in all das Grün hinein. Schütze  Deine Beinchen Streichhölzer. Bahnen sich nur schwerlich einen gelassenen Weg durch das Leben. Flexibilität fehlt noch, kein Aufbäumen, kein Knick, keine Biegung, kein Einlenken. Du findest deinen Weg. Dennoch. Steinbock  Eine süße Nase, deine Äugelchen Korinthen. Schnupperst den Dingen nach, verfolgst sie akribisch, lässt dich nicht abwimmeln, es blendet dich niemand. Deine Basis liegt auf mehreren tausend Metern Höhe. 40 Horoskope


2.1200. 23 .

DJ Stylewarz PONY A5-Release-Party

Fr

Sa

So

2.12.

3.12.

4.12.

HG. Butzko Verjubelt 20.15

Der Fall Vanunu Stille Hunde 20.15

18.00

Frühstücksbuffet & Bundesliga 10.00 / 15.30

Frühstücksbuffet & Tatort 10.00 / 20.15

pony A5-Release-Party DJ Stylewarz 23.00

Famous Christmas Edition 23.00

Exil

Headbangers Ballroom

The Spirit of Outpost Kultrock 22.00

Freihafen

pony A5-Release-Party

Apex

einsB

Diva Lounge EinsB

JT-Keller Musa Nörgelbuff pools 6 Millionen Dollar Club Tangente Thanners

Paulaner-Tag

22.00

23.00

Black Wazabi C. Verde & Gunman 23.00

Weekender Britpop & Madchester 23.00

La Boum Eighties mit Toto 23.00

Weststadtrevue

Weststadtrevue

Tango-Salon

20.00

20.00

20.00

Traumatanz Dark Wave & Gothic 22.00

Gypsy Juice Balkan Beatz 22.00

Friday Rhymes

Breakfast & Friends

21.00

10.00

Phonylicious by Frank Phony 21.00

80s Fusion by Djane Viper M 21.00

Funky Station Funk & Soul 23.00

Hot Spot Best of Tangente 23.00

Tag- & Nachtschänke

Tag- & Nachtschänke

Tag- & Nachtschänke

13.00

13.00

14.00

Annette Pehnt 20.00 LIT. ZENTRUM

Queere Party 23.00 STILBRVCH

Michael Schober 15.00 LIT. ZENTRUM

Luke Leighfield Konzert 20.00

T-Keller (T) Kabale (K) Diverse

4.1200. 20.

Luke Leighfield pools Wer so viel macht wie Luke Leighfield, braucht einen großen Hut, um alles drunter zu kriegen. Der 1987 geborene Musiker aus Southhampton betreibt diverse Internet-Plattformen, pflegt einen niedlichen Blog, tingelt durch Wohnzimmer und Clubs in aller Welt. Er spielt Demos und Alben ein, hat ein Plattenlabel, ja, und Zeit für ein Studium der Literatur und Musik findet er auch noch. Der Vergleich zu Ben Folds fällt andauernd. Bisweilen erinnern seine klavier- und gitarrenbetonten Bubblegum-Rockpopsongs an Oasis in schön. 42 42

Navid Kermani Aula am Wilhelmsplatz

2 7. /8.100

.

20.

Dieses Jahr ist der Essayist, Romanautor und Orientalist Navid Kermani an der Reihe, die Poetikvorlesung zu halten. Kermani hat sein Thema etwas offener gewählt: „Über den Abfall. Jean Paul, Hölderlin und der Roman, den ich geschrieben habe“. Abfall: Seine offene Ambivalenz, seine Vielgestaltigkeit scheint ungeschlagen. Und obwohl der Abfall in den Offenbarungen des Alten Testaments und des Koran zu Zeichen Gottes umgedeutet wird, so ist doch auch dieser göttliche Nicht-Abfall nur denkbar über die Idee des Abfalls. PONY Express


Mo

Di

Mi

Do

Fr

Sa

So

5.12.

6.12.

7.12.

8.12.

9.12.

10.12.

11.12.

Apex Diva Lounge

Whiskey-Probier-Tag

Paulaner-Tag

10.00

20.00

18.00

Frühstücksbuffet & Bundesliga 10.00 / 15.30

Mixtape Sexy Sander 23.00

Rumble in the Jungle Rockabilly & Ska 23.00

Rock Jukebox DJ Wishmaster 22.00

Nacht der Schatten Dark Rock & Wave 22.00

The Spirit of Outpost Kultrock 22.00

WeihnachtsmarktAfterparty 21.00

Rockt! Indie & Hardcore 23.00

Geschlossene Gesellschaft

Vollmondparty Extremtanzbar 23.00

Cry Baby Club Dj Bionique 23.00

Cover the World Erasmus-Party 23.00

HAWK-Party

22.00

23.00

Sportler-Cafeten-Party Sexy Sander 23.00

JT-Keller

Weststadtrevue

Rock gegen Rheuma DJ Albi 21.00

Corvus Corax Konzert 21.00

Tango-Salon

20.30

Salsa en Sótano Salsa & Latin 22.00

Deep in the Groove Jam-Session 21.00

Bernd & Bernie Band Konzert 21.00

Rödel Jazzband Konzert 21.00

Acrobat Readers Offene Lesebühne 20.00 Winter-Tales

Diverse

20.00

Kallelujah

Tannenzäpfle-Dienstag

Starlights & Musik

Manic Thursday

Friday Rhymes

10.00

21.00

21.00

21.00

21.00

Phia Konzert 20.00

Jack Out ... Jack Daniels-Special 21.00

Jäger & Sammler Astra -Special 21.00

Sekt and the City Sekt-Special 21.00

Beatgrade by Ed Scientific 21.00

Break the Funk by DJ Slicktec 21.00

Wicked Wednesday

Stoppok Solo Konzert 20.00

Zartbitter-Party Indie & Emo 23.00

Strickly 90s Eurodance & Pop 23.00

Tag- & Nachtschänke Jever-Stunde 14.00

Tag- & Nachtschänke

Tag- & Nachtschänke

Tag- & Nachtschänke

13.00

13.00

14.00

Casino-Abend 20.00 (K)

Breakfast-Club 10.00 (K)

Tangente

23.00

Tag- & Nachtschänke Warsteiner-Stunde 14.00

Tag- & Nachtschänke Kölsch-Stunde 14.00

Spax-Tag 18.00 (K)

Frauenkneipe Ladies only 21.30 (K)

Rocko Schamoni 20.15 JUNGES THEATER

Alles Liebe 20.15 THOP

Weizen-Tag 14.00

Krusovice-Tag 18.00 (K) Navid Kermani 20.00 AULA WILHELMSPLATZ

Alicia Rust 20.15 GfbV

Sausa Ritmo 22.00 SAUSALITOS

00

2 1.

Urlaub in Polen K 19 (Kassel)

10.00

Mikili 20.00 GOETHE INSTITUT

8.12.

Anti-Israelismus ist groß in Mode, auch in Göttingen. Stille Hunde zum Beispiel haben jetzt ein Stück gemeinsam mit Amnesty International entwickelt, das die Enthüllung des israelischen Nuklearwaffenprogramms durch Mordechai Vanunu vor 25 Jahren zum Thema hat. Der Träger des alternativen Nobelpreises wurde nach seinem versuchten Verrat des Programms an britische Journalisten zu 18 Jahren Haft in Israel verurteilt. Was bedeutet es wohl, die Sache in einem Theaterstück zum Gegenstand zu machen?

RSV Göttingen 05 vs. Eintr. Braunschweig II

11.12., 14 Uhr, Jahnstadion

Die Band zur dichtgefugten Klangwand macht Schluss, leider. Derzeit sind Urlaub in Polen auf Abschiedstour. „Boldstriker“ war das letzte Album der Kölner Neo-Kraut-Spacerocker. Man kann davon ausgehen, dass es live noch besser funktioniert als zuhause: Das wuchtige Schlagzeugspiel erinnert an muskulöse Cyborgs. Sci-Fi-Gitarren singen sägend. Im Hintergrund Aliengrabesgesang. Hall, Echo und allerhand andere Effekte machen die Räume weit und fremd. Das Album als surrealer Traum. Der Auftritt: ein Trip.

Die Roaring Twenties sind nicht weit, wenn im Cafe Kabale Nacklaces, Zigarettenspitzen, Plüsch, Plunder und glatte Haut oder helle Hemden unter feinen Anzügen oder auf High Heels auftauchen. Goldene Taler fließen durch die Hände der Besucher des CasinoAbends, die Karten fächern sich auf, die Kugel ist gefallen. Gezockt wird bis zum „Rien ne va plus“, vorher jedoch tritt noch die Band Earl Mobilé Orchestra auf. Die Zeiten stimmen: Rezession wie in den 20ern – und die Justiz ist auf dem rechten Auge blind. 45

20.

Apex

20.30

NB-Houseband Funk, Soul & Blues 21.30

8.1215.

Der Fall Vanunu

Salsa-Kneipe

6 Millionen Dollar Club

T-Keller (T) Kabale (K)

Frühstücksbuffet & Tatort 10.00 / 20.15

Lounge

10.00

Freihafen

Thanners

Sir Simon u. a. Konzert 20.30

Lounge

Wild‘n Weiz‘n

pools

Uli Masuth Ein Mann packt ein 20.15

10.00

Exil

Nörgelbuff

Sophie Scholl Stille Hunde 20.15

Lounge

EinsB

Musa

Der Fall Vanunu Stille Hunde 20.15

. 10.1200 20.

CasinoAbend Café Kabale


Apex Diva Lounge

Mo

Di

Mi

Do

Fr

Sa

So

12.12.

13.12.

14.12.

15.12.

16.12.

17.12.

18.12.

Spring Breakup & Susie Asado 20.30

Compagnia Buffo Weihnachtsfeier 20.15

Lounge

Lounge

10.00

10.00

EinsB

Der Fall Vanunu Stille Hunde 20.15

Die Pawlowskis forte Schöne Bescherung 20.15

Bernd Gieseking Ab dafür! 20.15

Weihnachtsgeschichte Stille Hunde 17.00

Lounge

Whiskey-Probier-Tag

Paulaner-Tag

10.00

20.00

18.00

Frühstücksbuffet & Bundesliga 10.00 / 15.30

Frühstücksbuffet & Tatort 10.00 / 20.15

Halftime-Party

Zahnmed. Heiligenschein-Party 23.00

King Kong Kicks Guitar Pop 23.00

Kill your Idols Xmas 90s Trash 23.00

Radio Durango Live 20.00

Classic Rocknacht 22.00

The Spirit of Outpost Kultrock 22.00

WeihnachtsmarktAfterparty 21.00

Sabor Latino Latin Rock 23.00

Kill your Idols Xmas 90s Trash 23.00

Sauna Club 23.00

Jukebox Explosion Indie & Bastard 23.00

Voodoo Glow Skulls Konzert 21.30

Soneros De Verdad Exot. Weihnachten 21.00

Planet Emily Konzert 20.00

Tango-Salon

23.00

Wild‘n Weiz‘n

Exil

22.00

Halftime-Party

Freihafen

23.00

JT-Keller Musa Nörgelbuff pools

Salsa-Kneipe 20.30

MiMi & Mad Noise Factory 23.00

T-Keller (T) Kabale (K) Diverse

20.00

Improsant Improtheater 20.30

Salsa en Sótano Salsa & Latin 22.00

Electronic Swing Orchestra 21.30

Intense Konzert 21.00

The Loop Konzert 21.30

Grenzwerte

Kallelujah

Tannenzäpfle-Dienstag

Starlights & Musik

Manic Thursday

Friday Rhymes

Breakfast & Friends

Winter-Tales

10.00

21.00

21.00

21.00

21.00

10.00

10.00

Jack Out ... Jack Daniels-Special 21.00

Jäger & Sammler Astra-Special 21.00

Sekt and the City Sekt-Special 21.00

Nuzzlefunk by Elnite & Curtis 21.00

One Decade Dollar Club 10 jähriges Jubiläum 21.00

Ballroom Blitz 80s and more 23.00

Ü-40 Party

Tag- & Nachtschänke

Tag- & Nachtschänke

Tag- & Nachtschänke

13.00

13.00

14.00

Wicked Wednesday

Tangente

23.00

Tag- & Nachtschänke Warsteiner-Stunde 14.00

Tag- & Nachtschänke Kölsch-Stunde 14.00

Spax-Tag 18.00 (K)

Frauenkneipe Ladies Only 21.30 (K)

Mikili 20.00 GOETHE INSTITUT

Student‘s Night 20.00 IRISH PUB

Weizen-Tag 14.00

Tag- & Nachtschänke Jever-Stunde 14.00

20.00

21.00

Krusovice-Tag 18.00 (K)

. 13.12 00

Musa

21.30

Querbeat Bandsession

6 Millionen Dollar Club

Thanners

MiMi & The Mad Noise Factory

2 1.

Mit der Musik von Marius Müller Westernhagen aufzuwachsen, kann einem auch mit einem fanbegabten Nachbarn und entsprechend dünnen Wänden passieren. Und wenn man Westernhagens einzige Tochter ist? Wie ist das? Gute Frage. MiMi jedenfalls, so heißt es, hat ihren ganz eigenen, ätherischen Stil gefunden: Sie spielt „bittersüße Rumtreibermelodien“. Ein paar Vorteile hat die Sache auf jeden Fall: Sie kann ihr Ding machen, wird nicht ständig mit Papa verglichen.

Breakfast-Club 10.00 (K)

Offene Bühne 23.00 STILBRVCH

RSV Göttingen 05 vs. BSV SW Rehden

Vision Circle 23.00 STILBRVCH

Die Mühle und das Kreuz Lumière

18.12., 14 Uhr, Jahnstadion

ab

15.12

Kann das funktionieren? Ein Gemälde verfilmen? Sich ins Bild selbst hineinwagen? Der polnische Filmemacher Lech Majewski hat sich ein Gemälde vorgenommen, dass viele Geschichten erzählt: „Die Kreuztragung Christi“ von 1564, mit dem Pieter Brueghel der Ältere eine originelle, explizit zeitgenössische Version der Passionsgeschichte schaffen wollte. Ein Film, mit Rutger Hauer und Charlotte Rampling auch noch hochkarätig besetzt, wie ein hoch motivierter Museumsbesuch. Kunstgeschichte als eigenwilliges Abenteuer.

So eine richtige Schwitzstube fördert das körperliche Wohlbefinden. Gerade in der Winterzeit finden wir Saunen fantastisch. In die Sauna zu gehen indes, ist jetzt nicht mehr nötig. Man kann das Sinnvolle mit dem Angenehmen verbinden: Saunieren und tanzen, schwitzen und trinken. In Russland oder den skandinavischen Ländern ist die Sauna oder Banja ein wichtiger geschäftlicher aber auch sozialer Treffpunkt: Auch diese Aufgabe übernimmt in Göttingen gern der JT-Keller – schwitzen, kontakten, tanzen, „alles kann, nichts muss“. . 47

. 16.1200 23 .

Saunaclub JT-Keller


Apex Diva Lounge

Mo

Di

Mi

Do

Fr

Sa

So

19.12.

20.12.

21.12.

22.12.

23.12.

24.12.

25.12.

David Lemaitre & Deep Sea Diver 20.30

Weihnachtsgeschichte Stille Hunde 20.15

Lounge

Lounge

Lounge

Whiskey-Probier-Tag

Paulaner-Tag

10.00

10.00

10.00

20.00

18.00

EinsB Exil

Weihnachtsgeschichte Stille Hunde 20.15 h

I Love 00s

3 Jahre Astronaughty

23.00

23.00

Wild‘n Weiz‘n

Boogie‘n Blues Küche

22.00

22.00

Weihnachtsmarkt Afterparty 21.00

Freihafen

Nörgelbuff pools

20.30

NB-Houseband Funk, Soul & Blues 21.30

Diverse

t.b.c.

Geschlossen

The Spirit of X-Mas Kultrock 23.00

Hohoho … Sexy Sander & Elnite 23.00 Tango-Salon 20.00

Salsa en Sótano Salsa & Latin 22.00

Kallelujah

Tannenzäpfle-Dienstag

Starlights & Musik

Manic Thursday

Friday Rhymes

Breakfast & Friends

Winter-Tales

10.00

21.00

21.00

21.00

21.00

10.00

10.00

Jack Out... Jack Daniels-Special 21.00

Jäger & Sammler Astra -Special 21.00

Sekt and the City Sekt-Special 21.00

Grand Slam by Coin Op 21.00

X-Mix Club

Bicki Bash’s Beat Bomb 21.00

Tangente

T-Keller (T) Kabale (K)

Der Baum brennt! Weihnachtsrock 23.00

Rock gegen Rheuma DJ Albi 21.00

Salsa-Kneipe

6 Millionen Dollar Club

Thanners

Klangwelt DJ Take One 22.00

Cry X-Mas Baby DJ Bionique 23.00

Frühstücksbuffet & Tatort 10.00 / 20.15

Geschlossen

23.00

JT-Keller Musa

Frühstücksbuffet & Bundesliga 10.00 / 15.30

Tag- & Nachtschänke Warsteiner-Stunde 14.00

Tag- & Nachtschänke Kölsch-Stunde 14.00

Spax-Tag 18.00 (K)

Frauenkneipe Ladies only 21.30 (K) Student´s Night 20.00 IRISH PUB

Wicked Wednesday

Just 00s

23.00

23.00

Weizen-Tag 14.00

Tag- & Nachtschänke Jever-Stunde 14.00

22.00

Hot Spot Best of Tangente 23.00

Tag- & Nachtschänke

Tag- & Nachtschänke

Tag- & Nachtschänke

13.00

13.00

14.00

Krusovice-Tag 18.00 (K)

Loaded JuzI

. 16.12 30 2 1.

Dass uns die JuzI-Konzertveranstalter zur Abwechslung einem mit Weihnachtsoratorium überraschen könnten, damit rechnet nicht mal der Weihnachtsmann: auch eine Art von Traditionspflege. Loaded aus Mannheim spielen Songs, die mit Titeln wie „Mannheim Riot Squad“ straight auf Punk verweisen. Das Fanzine „Ox“ freute sich über „einen Hauch von Ska“, der sich über manche Punkhymne legen würde. Das Trio gibt’s seit 15 Jahren. Kein Alter – für eine echte Traditionspunkband.

Breakfast-Club 10.00 (K)

Delicate Plant 21.00 CARTOON

. 17.12 00

2 1.

One Decade Dollar Club Sechs Mio Dollar Club

Die kleine Stufe am Eingang, von der aus man für einen kleinen Augenblick alles überschauen kann, dann das Klackern der Füße auf dem Metallboden, gegenüber die schöne Frau, die ihre Beine aus dem Fond des Wagens schwingt. Zehn Jahre Dollar Club – yeah! Zehn Liter Hemingway – yippie! Zehn Kisten Bier dazu – juchu! Wir gratulieren dem schönen Club mit dem wunderbaren Innenhof, in dem schon so viel passiert ist. Und der übrigens gerade renoviert wurde. Was haben wir dort nicht alles erlebt! Man könnte beinahe nostalgisch werden.

Einmal werden wir noch wach, heißa, dann ist Weihnachtstag! Damit das Warten aufs Christkind nicht zu lang wird, kann man sich gut mit einem Abend im JT-Keller die Zeit vertreiben. Im Cry Baby Club zählen Bionique und DJ Ingle Bells die Sekunden herunter. Damit die Zeit bis dahin überhaupt noch auszuhalten ist, bekommen die ganz Ungeduldigen noch einen wunderschönen Adventskalender auf der JT-Facebook-Seite. Die Macher laufen schon seit November mit Mütze und Schal herum und sammeln süße Geschenke zusammen. 49

. 23.12 00 23 .

Cry X-Mas Baby JT-Keller


Mo

Di

Mi

Do

Fr

Sa

So

26.12.

27.12.

28.12.

29.12.

30.12.

31.12.

1.1.

Antonio de Cádiz en concierto 20.15 h

Die Buschtrommel Lobbylabd 20.15 h

Hr. Faust will alles wissen Stille Hunde 16 h

Jan Jahn Heute hier, morgen... 20.15 h

Hammerschlag und Muffensausen 21 h

Lounge

Lounge

Lounge

Whiskey-Probier-Tag

Paulaner-Tag

10.00

10.00

10.00

20.00

18.00

Frühstücksbuffet & Bundesliga 10.00 / 15.30

Apex Diva Lounge

Wild‘n Weiz‘n

Exil

22.00

Coppelius Konzert 20.00

60er & 70er Party Rock & Pop 22.00

Black Shampoo Funk & Soul 23.00

JT-Keller Musa Nörgelbuff pools 6 Millionen Dollar Club

T-Keller (T) Kabale (K) Diverse

23 .

22.00

Sylvester DJ Bionique 23.00 Rock gegen Rheuma Sylvester-Special 21.00

Salsa-Kneipe 20.30

Tango-Salon 20.00

Spielstunde Open-Stage 21.30

Voodoo Rockets Konzert 21.30

Salsa en Sótano Salsa & Latin 22.00

Kallelujah

Tannenzäpfle-Dienstag

Starlights & Musik

Manic Thursday

Friday Rhymes

Breakfast & Friends

Winter-Tales

10.00

21.00

21.00

21.00

21.00

10.00

10.00

Geschlossen

Jäger & Sammler Astra -Special 21.00

Sekt and the City Sekt-Special 21.00

Steve Austin Lounge

DJ Ruutschin´s Jah

21.00

21.00

Wicked Wednesday

Ärzte vs. Hosen-Party

Sylvester-Pary

23.00

22.00

23.00

Tag- & Nachtschänke

Tag- & Nachtschänke

Tag- & Nachtschänke

13.00

13.00

14.00

Dollar-Lounge 21.00

Tangente Thanners

. 23.12 00

Sylvester Rocknacht Kill your Idols Sylvester Special 00.30

Freihafen

Tag- & Nachtschänke Warsteiner-Stunde 14.00

Tag- & Nachtschänke Kölsch-Stunde 14.00

Spax-Tag 18.00 (K)

Frauenkneipe Ladies only 21.30 (K) Student´s Night 20.00 IRISH PUB

Weizen-Tag 14.00

Salsa en Sótano Sylvester-Party 22.00

Tag- & Nachtschänke Jever-Stunde 14.00 Krusovice-Tag 18.00 (K)

einsB

Frühstücksbuffet & Tatort 10.00 / 20.15

Kill your Idols Sylvester Special 00.30

EinsB

Drei Jahre Astronaughty

Scott Carpenter war ein Astronaut der ersten Generation der NASA, der, staunend über die Schönheit des Universums, beinahe vergessen hätte, zur Erde zurückzukehren. Am 24. Mai 1962 startete er mit der Mission Mercury-Atlas 7 in Raumschiff Aurora 7. Nach drei Erdumkreisungen landete er im Atlantik, weit, weit weg vom vereinbarten Punkt. Spacen zwischen Zeit und Raum unter dem blinkenden Sternenhimmel – das funktioniert auch bei der Astronaughty-Party. Später wurde Carpenter Aquanaut. Und Sie dürfen weiter schweben.

Breakfast-Club 10.00 (K)

Nacht d. Studenten 21.00 ALPENMAX

Voodoo Rockets Nörgelbuff

. 27.1230 2 1.

Ja, „was zum Teufel ist Hoodoo-Voodoo-Rock & Roll?“ Wie sollen wir das wissen, wenn nicht mal die Kasseler Band die eigene Frage beantworten kann? Ist natürlich bloß ein kleines Begriffsspiel. Eigentlich ist alles ganz einfach und nicht halb so wild wie The Cramps. Harmonisch, ja geradezu fröhlich trunken swingt der Sound unseres posaunenverstärkten Orchesters. Tito & Tarantula, Elvis, Bo Diddley, Jerry Lee Lewis, The Ramones, AC/DC. Große Vorbilder wollen gecovert werden? Den Nostalgiker macht’s froh.

Im Januar zu einem Outdoor-Filmfestival eingeladen zu werden, klingt eher nach Daunenexpeditionsjacke und langer Unterwäsche als nach einer behaglichen Angelegenheit. Gemeint sind aber Filme von draußen, nicht, dass sie draußen gezeigt werden – das wäre ja auch wirklich ganz schön kalt. Vorgeführt werden Outdoor- und Extremsportfilme von Filmemachern aus der Region. Sie können sich auch mit einem eigenen Film bewerben: Wie wär‘s mit „Schlittschuhlaufen in der Dachrinne“ oder „Kraxeln auf den Schillerwiesen“? 51

Bergwelt OutdoorFilmfestival ZHG

15.1.


Mo

Di

Mi

2.1.

3.1.

4.1.

Kontakt Tel.: +49 (0) 551 - 99 51 430 info@readmypony.com

Apex Diva Lounge

Herausgeber pony.medien, Tim Kießling Hospitalstraße 35 / 37073 Göttingen

Lounge

Lounge

Lounge

10.00

10.00

10.00

Geschäftsführung Tim Kießling Chefredaktion Michael Saager (V.i.S.d.P.) saager@readmypony.com

EinsB Wild‘n Weiz‘n

Exil

22.00

Redaktion Kerstin Cornils, Jan Langehein, Henning Lisson, Tina Lüers

Freihafen

Gestaltung Ronald Weller

JT-Keller

Mitarbeit  Florian Brauer, Christoph Braun, Andreas Busche, Tina Fibiger, Carsten Happe, Sven Jachmann, René Hamann, Ulrich Kriest, Benjamin Laufer, Moritz Scheper, Markus von Schwerin

Musa Nörgelbuff pools

Salsa-Kneipe 20.30

NB-Houseband Funk, Soul & Blues 21.30

Salsa en Sótano Salsa & Latin 22.00

Kallelujah

Tannenzäpfle-Dienstag

Starlights & Musik

10.00

21.00

21.00

Jack Out … Jack Daniels-Special 21.00

Jäger & Sammler Astra -Special 21.00

6 Millionen Dollar Club

Wicked Wednesday

Tangente Thanners T-Keller (T) Kabale (K) Diverse

23.00

Tag- & Nachtschänke Warsteiner-Stunde 14.00

Tag- & Nachtschänke Kölsch-Stunde 14.00

Spax-Tag 18.00 (K)

Frauenkneipe Ladies only 21.30 (K) Student’s Night 20.00 IRISH PUB

Weizen-Tag 14.00

Nacht d. Studenten 21.00 ALPENMAX

Fotos / Illustration  Fehmi Baumbach, Ali Mahdawi, Bob Mahoney, Thomas Müller, Greg Nicotero, Gene Page, Benjamin Richter, Gasper Tringale, Matthew Welch, Accidental Rec., Fox Channel, Fugu Film, Neue Visionen film, Schneider+, Tobis Film Cover  © Matthew Herbert/ Schneider+ Anzeigen  Michaela Bang, Frank Stietenroth Druck  Grafische Werkstatt von 1980 GmbH Die Meinungen in den veröffentlichten Texten geben nicht unbedingt die Meinung des Herausgebers wieder.


U n t e r s t ü t z t

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PONYHOF Pferdehandtuch, Pferdeposter, Pferdeunterwäsche. Etwas später geht’s dann in den Stall: Pferde striegeln, stundenlang. Den geliebten Vierbeinen hingebungsvoll den Dreck aus den Hufen kratzen. Den Reiterpass machen, klar, und diverse Reiterabzeichen. Knuddeln nicht vergessen, immer wieder Pferde streicheln. Und Pony Billy ist ja auch echt so wahnsinnig süß! So sah die Welt 8- bis 14jähriger Mädchen vor dreißig Jahren aus. Und genauso schaut sie heute noch aus. Ab 14 verändert sich die schöne heile Pferdemädchenwelt merklich – dann kommen langsam die Jungs angetrabt und wollen gestreichelt werden. Der Panini-Verlag hat jetzt auf den ehernen Pferdetrend reagiert und bringt seit Oktober alle zwei Monate ein Magazin namens „Mein Pferd Amika“ heraus. Ein reines Mädchenmagazin – wie gemein. Da fragen wir uns doch: Was sollen bloß pferdevernarrte Jungs dieses Alters lesen? Die gibt’s nämlich auch. Fürs Pony, für uns, sind sie noch entschieden zu klein. Und wir schreiben ja auch viel häufiger über Zuchtkatzen. Die Welt ist hart, aber ungerecht. Apropos klein: Wie Sie sehen, sind wir gewachsen. Das hat mit unserm fortgeschrittenen Alter zu tun, und auch damit, dass es nichts Erbaulicheres gibt, als eigene Texte wieder und wieder zu lesen. Stellen Sie sich vor, Sie stehen unterm Weihnachtsbaum und wollen Ihre Familie – die der vielen unerfüllten Weihnachtsfesterwartungen wegen komplett mit den Nerven runter ist – ein wenig aufmuntern. Und Ihre Stimme hebt bereits feierlich an, um, sagen wir, den Artikel über „The Walking Dead“ zu rezitieren. Und dann bricht sie auch schon wieder ab, Ihre Stimme, weil Sie den Text nicht entziffern können, verdammt! Und das Fest ist mal richtig im Arsch. Das ist der Grund – deshalb erscheinen wir jetzt im DIN-A5-Format. Definitiv nicht „im Arsch“ sind die Nazis und Burschis dieser Welt. Hat es doch Ordnungsvater Staat vor lauter Geilheit auf die Linken versäumt, nach rechts zu schauen. Und es ist ja auch nicht so einfach: Der (metaphorische) rechte Arm fliegt in den meisten demokratisch verfassten Staaten doch irgendwie von selbst nach oben. Sich selbst auf die Finger schauen oder gar hauen, wer will das schon, zumal als strammer Regierungspolitiker? So wird, nach einer ersten Großinszenierung öffentlicher Überraschung, eh alles beim Alten bleiben: Das radikalrechte Pack lacht sich schief und macht weiter wie zuvor. Zum Glück machen auch „Monsters of Göttingen“ (monsters.blogsport.de) weiter. Fünf Jahre ist das linke Online-Magazin, das jüngst mit Burschi­ leaks einen kleinen braunen Skandal ans Licht gezerrt hat, gerade geworden. Wir gratulieren herzlich.

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Oliver Ballien | Der Friseur im Börnerviertel | Barfüßerstr. 12 | Tel.: 0551 - 4 88 30 06


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PONY # 69 12/11  

Das pony ist ein monatlich erscheinendes kostenloses Kultur- und Stadtmagazin für Göttingen. Inhaltlich beschäftigt sich das pony vornehmlic...

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