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Unseren Toten zum Gedenken!


Den unvergessenen Gefallenen Söhnen der Heimat gewidmet!

Ein Volk ist nur soviel wert, wie es seine Toten ehrt! In Ermangelung eines städtischen Denkmals in Erinnerung an die in Kriegen gefallenen Söhne der Stadt Lassan, entschlossen sich im Jahr 2007 einige Bürger initiativ zu werden, eine Gedenkmappe mit den Namen der Kriegs- und Nachkriegsopfer an öffentlichen Stellen auszulegen - so im Rathaus, in der St. Johanniskirche und im Museum Lassaner Mühle.

schleift. Im deutschen Osten wurden viele Erinnerungsdenkmale zerstört bzw. zu einer polnischen Marienverehrung umgestaltet. Auch in Lassan war die steinerne Totenehrung nicht sicher, obwohl man vermuten mochte, daß unter dem schützenden Dach des Gotteshauses St. Johannis unser nationales Gedächtnis nicht dem gleichen Schicksal anheim fällt.

Nach Rücksprache mit Beteiligten an der damaligen Initiative wurde beschlossen, die Gedenkschrift in einer anderen Form und größeren Auflage zu erstellen. Einige Teile der Originalmappe, insbesondere die Liste und Textelemente, wurden übernommen.

Doch die Gedenksgraffiti wurde nicht nur übermalt, sondern teilweise geschleift und damit zerstört. Um 1977 fielen sie der Modernisierung des Altarraumes zum Opfer. Sie verschwanden dabei unter weißer Farbe. Pastor war zu dieser Zeit Siegfried Burmeister.

Für die Gefallenen der deutschen Einigungskriege und des Ersten Weltkrieges aus Lassan und Umgebung gab es bis zum Ende der 70er Jahre im Altarraum der St. Johanniskirche eine Ehrung. Sie bestand aus der Nennung der Namen, künstlerisch gestaltet in Sgraffito-Malerei. Als künstlerisches Beiwerk schmückte an der Südseite des Altarraumes das Eiserne Kreuz die Namen der Gefallenen in den Kriegen von 1866 und 1870/71. Ihr gegenüber war über den Namen der 90 Gefallenen ein Jesusbild und das in diesem Zusammenhang damals übliche Bibelzitat aus dem Johannes-Evangelium zu lesen: „Niemand hat größere Liebe, denn die, daß er sein Leben lässet für seine Freunde.“

Die schändliche Störung der Totenruhe und des angemessenen nationalen Erinnerns machte jedoch selbst auf dem Gottesacker nicht halt!

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurden zahlreiche Denkmäler für Gefallene aus ideologischem Kalkül ge-

Auf zahlreichen Grabsteinen in Nähe der Lassaner Kirche befanden sich Hinweise auf gefallene Angehörige von Bürgern der Stadt. Viele, die ihre letzte Ruhe auf dem alten Friedhof fanden, wurden zwischenzeitlich entfernt. So zum Beispiel der sehr schöne Grabstein für den Ritterkreuzträger des Ersten Weltkrieges, Joachim Dittmer, der inzwischen von Unbekannten zerstört und abgeräumt wurde. Die Namen der Gefallenen des 1. Weltkrieges und der Einigungskriege sind alle in Unterlagen im Kirchenarchiv vorhanden. Die Liste der Opfer des Zweiten Weltkrieges aus Lassan und Um-


send andere in solchen „Speziallagern“ eines qualvollen Todes starben.

Aus Erfahrung weiß man, daß der zweite große Krieg den Orten meistens doppelt so viel Blutzoll abverlangte als im ersten großen Völkerringen.

Überlebt haben das Lager der sowjetischen Besatzungsmacht nach dem bisherigen Erkenntnisstand aus Lassan nur der Malermeister Wilhelm Püschel und der Lehrer Claye. Erinnert sei an dieser Stelle auch an die Freitode der Familie des Gutsbesitzers in Waschow, Hermann Bartelt, und der Familie des Apothekers Karl Heppe aus der Wendenstraße.

Alle an Kriegen beteiligten Lassaner eint hierbei eine Gewißheit: Sie handelten nach einem inneren Befehl, wie ein Gesetz, das Gesetz für die Sicherheit unseres Volkes, das sie zu verteidigen stets bereit waren. Und dieses Gesetz trug ein jeder dieser tapferen Söhne Lassans in seiner Brust. Das Gesetz, für Deutschland zu sterben, wenn das Leben Deutschlands diese Forderung an sie gestellt hat. Es sind jedoch nicht nur Gefallene unter den Namen. Weitere Identifizierte sind Opfer der kommunistischen Diktatur der Sowjets, die nach Ende des Zweiten Weltkrieges ihr Leben lassen mußten: Claus Trede Hans-Ulrich von Quistorp zu Bauer Hermann Rakow Jacob Keller Trede war Gutinspektor in Lassan-Vorwerk; von Quistorp Gutsbesitzer in Bauer und Rakow Bürgermeister Lassans in Vertretung für den zum Wehrdienst einberufenen Dr. Fritz Kasten. Rakow soll sich auf dem Weg in das Internierungslager Neubrandenburg-Fünfeichen vergiftet haben, während Trede und v. Quistorp wie viele tau-

Wir sind es den toten Lassanern schuldig, endlich einen Hort zur Erinnerung an die Schicksale verstorbener Bürger zu schaffen. Es ergeht hiermit die dringende Aufforderung an die Bürger Lassans und seiner umliegenden Dörfer, diese Liste zu vervollkommnen durch Namen weiterer Personen und zusätzlicher Angaben zu korrigieren. Wir verpflichten uns hiermit, solange unseren Einsatz nicht ruhen zu lassen, bis angemessener Platz und ausreichend Mittel bereit stehen für eine würdige Erinnerungsstätte unserer Gefallenen.

Den unvergessenen Gefallenen Söhnen der Heimat gewidmet!

gebung weist bislang etwas über 100 Namen auf.


GEFALLENENLISTE

Den unvergessenen Gefallenen Söhnen der Heimat gewidmet!

des 1. Weltkrieges aus Lassan und Umgebung nach dem Alphabet: Baecker, Arnold gefallen 4.10.1917 Bartelt, Fritz gefallen 30.8.1915 Behnke, Hermann gefallen 11.8.1916 Benter, Friedrich gefallen 25.5.1917 Berndt, Albert gefallen 27.9.1918 Berndt, Wilhelm gefallen 23.10.1915 Blank, Fritz gefallen 5.3.1915 Bolljahn, Wilhelm gefallen 5.1.1919 Borchardt, Gustav gefallen 27.2.1915 Brasch, August gefallen 2.8.1917 Breitsprecher, Wilhelm aus Waschow gestorben 14.5.1918 Breitsprecher, Otto gefallen 13.9.1915 Dammann, Ernst gefallen 28.10.1914 Duggert, Johann gefallen 24.10.1916 Duggert, Ludwig aus Pulow gefallen 31.1.1918 Duggert, Wilhelm aus Pulow gefallen 23.1.1918 Ernst, Albert gefallen 4.3.1918 Freese, Friedrich aus Jamitzow gefallen 12.6.1918 Friedrich, Max gefallen 18.6.1918 Gierig, Paul gefallen 29.3.1918 Greeck, Paul gefallen 16.11.1918 Gültzow, Wilhelm gefallen 21.2.1915 Hagemann, Erich aus Pulow gefallen 9.6.1918 Hahn, Karl gefallen 8.8.1915 Hilgendorf, Karl gefallen 30.3.1916 Hilgendorf, Karl aus Waschow gefallen 11.8.1915 Hinzmann, Martin gefallen 15.10.1916 Hinzmann, Hermann gefallen 5.11.1917 Höcker, Frank gefallen 26.3.1916 Holz, Karl gefallen 5.3.1915 Jistel, Walter gefallen 21.4.1915 Jonas, Georg gefallen 15.7.1915 Keller, Karl gefallen 9.10.1914 Kieckbusch, Rudolf gefallen 14.5.1918 Koppen, Paul gefallen 21.8.1918 Krohn, Karl gefallen 28.10.1915 Krüger, Otto gefallen 19.4.1916 Labahn, Albert gefallen 5.6.1915 Labahn, Robert gefallen 21.2.1919 Lebert, Hermann gefallen 27.3.1916 Lewerenz, Wilhelm gefallen 13.11.1914 Lewerenz, Hermann aus Vorwerk gefallen 13.5.1915


Den unvergessenen Gefallenen Söhnen der Heimat gewidmet!

Lissau, Karl gefallen 21.1.1916 Lustig, Karl gefallen 7.9.1918 Martens, Karl gefallen 10.8.1917 Matz, Paul gefallen 5.5.1915 Matz, August gefallen 29.9.1918 Matz, Otto sen. gefallen 14.9.1919 Mähling, Albert aus Jamitzow gefallen 13.6.1918 Meier, Franz gefallen 24.4.1915 Müller, Johann aus Wangelkow gefallen 21.11.1918 Nehls, Wilhelm gefallen 4.4.1918 Neujahr, Friedrich gefallen 3.1.1919 Nikolaus, August gefallen 12.9.1918 Ostermeier, Ludwig gefallen 24.2.1915 Parlow, Albert aus Pulow gefallen 6.11.1914 Parlow, Reinhold gefallen 29.8.1915 Perkow, Franz gefallen 2.7.1917 Pieper, Richard gefallen 26.11.1918 Pinnow, Hermann gefallen 7.10.1914 Polster, Emil gefallen 10.9.1914 Raase, Karl gefallen 22.11.1917 Richter, Karl aus Buggenhagen gefallen 14.11.1914 Richter, Wilhelm aus Buggenhagen gefallen 5.11.1915 Richter, Otto gefallen 3.12.1915 Risch, Karl aus Silberkuhl gefallen 16.8.1917 Roloff, Richard gefallen 30.9.1914 Roloff, Erich gefallen 14.11.1914 Rosenthal, Erich aus Klotzow gefallen 14.6.1917 Rosenthal, KarI aus Klotzow gefallen 16.8.1917 Rosse, Erich gefallen 13.6.1918 Sauck, Wilhelm gefallen 20.10.1916 Schmidt, Max gefallen 14.7.1915 Schmiel, Fritz gefallen 9.5.1918 Schulz, Paul gefallen 11.4.1920 Schumacher, Otto gefallen 15.3.1918 Schümann, Wilhelm gefallen 25.8.1916 Steinfurth, August gefallen 11.7.1915 Steffen, Hermann gefallen 11.11.1914 Thiede, Robert aus Pulow gefallen 7.7.1915 Thurow, Hermann gefallen 11.11.1914 Tiews, Albert aus Jamitzow gefallen 21.10.1916 Töpper, Walter gefallen 16.7.1918 Ulm, Walter gefallen 9.10.1918 Valentin, Georg gefallen 29.6.1917 Wendt, Carl gefallen 22.6.1917 Wodrich, Friedrich aus Vorwerk gefallen 13.4.1918 Wussow, Paul gefallen 11.8.1915


Zapel, Friedrich aus Jamitzow gefallen 14.4.1918 Zapel, Karlaus aus Jamitzow gefallen 12.6.1918

GEFALLENENLISTE

Den unvergessenen Gefallenen Söhnen der Heimat gewidmet!

des 2. Weltkrieges aus Lassan und Umgebung nach dem Alphabet: Altrogge, Wilhelm gefallen 16.8.1944 Bense, Friedrich Wilhelm gefallen 2.5.1940 Bensei, Kurt gefallen April 1945 Bensei, Willi gefallen 1942 Berger, Bruno gefallen 17.7.1942 Bernhard, Heinrich gefallen 20.4.1943 Bußler, Julius gefallen 7.7.1941 Bußler, Josef gefallen 5.7.1943 Brasch, Karl Friedrich gefallen 3.10.1941 Brasch, Walter gefallen Dase, Helmut Willi gefallen 4.12.1941 Dützmann, Max gefallen 20.5.1944 Engelke, Willi gefallen Okt. 1943 Gransow, Karl gefallen 13.7.1944 Greske, Willi gefallen Hammermann, Ernst Hans gefallen 8.2.1940 Hahn, Richard gefallen 14.10.1944 Heima, Friedrich gefallen 4.1.1943 Heitmann, Walter gefallen Hellmann, Horst gefallen 24.3.1944 Hellmann, Werner gefallen Heitmann, Walter gefallen 28.6.1942 Holz, Gerhard gefallen 15.8.1942 Höwel, Bruno gefallen 5.2.1944 John, Paul gefallen 5.9.1941 Jfickstock, Otto gefallen Kagemann, Günter vermisst 29.10.1943 Kahre, Hermann gefallen 11.5.1945 Dr. Kasten, Fritz gefallen Kaufer, Karl Heinz gefallen 30.7.1943 Kawitz, Otto Erich gefallen 31.8.1941 Kempke, Walter Otto gefallen 25.8.1942 Köhler, Bruno gefallen 3.7.1944 Köppen, Gerhard gefallen 22.8.1944 Köppen, Herbert vermisst 15.9.1943 Krumtung, Johannes gefallen 5.12.1942 Küster, Wilhelm gefallen 2.12.1943 Lenz, Karl gefallen 3.1.1943 Lenz, Günter vermisst 14.1.1945


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Littmann, Werner vermisst 1945 Lohse, Ernst gefallen 16.12.1943 Löper, Rudolf gefallen 24.1.1945 Lörky, Erwin gefallen 9.3.1945 Mahler. Oskar gefallen Markmann, Herbert gefallen 23.7.1943 Michael, Bernhard gefallen 24.1.1945 Michael, Hans gefallen Jan. 1945 Jacob Keller Michelson, Paul gefallen Aug. 1944 verstorben im sowjet. NKWD Michelson, Erwin erschossen1942 Speziallager Nr. 9 Möller, Harald gefallen 20.8.1943 Neubrandenburg - Fünfeichen Müller, August gefallen 19.2.1945 im Februar 1947 Möller, Günther gefallen 5.4.1944 Nasky, Fritz gefallen 24.10.1942 Peters, Hans Willi gefallen 7.1.1943 Hermann Rakow Peters, Werner Willi gefallen 18.8.1943 Freitod auf dem Wege in ein Peters, Erich gefallen sowjet. Internierungslager 1945 Prätzel, Herbert gefallen 6.12.1944 Räsch, Hans-Jürgen gefallen 26.9.1941 Räsch, Werner gefallen April 1945 Claus Trede Rehländer, Werner gefallen 10.8.1941 verstorben im sowjet. NKWD Reige, Karl gefallen Speziallager Nr. 9 Reimers, Hermann vermisst 1.1944 Neubrandenburg - Fünfeichen Rinkes, Günther gefallen 30.11.1943 Rosenthal, Otto gestorben 17.5.1945 Rosse, Hans gefallen 12.11.1944 Rüge, Günter gefallen 19.1.1945 Hans-Ulrich von Quistorp Rust, Karl gefallen 11.7.1942 verhungert im sowjet. NKWD Sadewasser, Erich gefallen Speziallager Nr. 7 Sass, Karl gefallen 3.2.1943 Sachsenhausen am 13.12.1946 Sass, Werner gefallen 15.2.1943 Scharf, Eitel gefallen 15.5.1944 Schlaack, Paul gefallen Schmidt, Alfred gefallen 4.10.1941 Schmiel, Fritz gefallen 16.8.1941 Schmurr, Ernst gefallen 26.11.1943 Schönfeldt, Werner gefallen 23.1.1942 Schwarzenberg, Richard gefallen 1.10.1942 Schwerin, Walter gefallen 6.11.1941 Schümann, Heinz gefallen 4.12.1942 Schutt, Rudolf Hermann gefallen 24.1.1943 van Severn, Joachim gefallen 7.9.1941 Sikura, Paul gefallen Febr. 1944 Stahnke, Reinhard gefallen 15.3.1943 Steinfurth, Bruno gefallen 28.9.1944


Zu den Befreiungskriegen gibt es keine Angaben, weil unser Gebiet erst danach zu Preußen gekommen ist. Im deutsch-dänischem Krieg von 1864 fiel am 17.03.1864 der gebürtige Lassaner Karl Theodor Bresemann in der Ortschaft Düppel, Bresemann gehörte zum 2. Batl. 8. Brandbg. Inf. Rgt. 64. Im preußisch-östereichischen Krieg von 1866 fiel ein Soldat aus Lassan und einer aus Bauer.

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Der Lassaner Fischersohn und Füselier Carl Trost fiel laut KirchenarchivUnterlagen am 19. 07.1866 in der Schlacht bei Gitschin.

Der Gutsbesitzersohn und Reservist Albert Voss aus Bauer nahm an der Schlacht bei Königgrätz teil und erlitt eine Kopfverletzung. Daran starb er am 25.08.1866. Im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 verloren zwei Soldaten aus Lassan ihr Leben. Der Fischersohn und Musketier Wilhelm Techlin fiel am 18.08.1870 in der Schlacht bei Gravotte. Der Maurer und Grenadier bei der 3. Kompanie des Mecklenburgischen Grenadierregiments Nr. 89 Ludwig Ostenbrügge erlag den Folgen eines Brustdurchschusses im Gefecht bei Connerri am 14.01.1871.

Gedenkstein für Arnold Bäcker auf dem neuen Friedhof in Lassan. Gefallen am 4.10.1917

Grabstein für Werner Schönfeldt auf dem neuen Friedhof in Lassan. Gefallen am 23.1.1942


Grabstein der Familie des Apothekers Karl Heppe. Die Familie wählte nach dem Einmarsch der Roten Armee den Freitod.

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Gedenkstein für Karl Heinz Kaufer gefallen am 30.7.1943 auf dem alten Friedhof in Lassan wieder enteckt.


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Zur Geschichte der Gefallenenehrung nach dem Ersten Weltkrieg Im ersten Weltkrieg hatten auch Lassan und die nach hier eingepfarrten Dörfer einen hohen Blutzoll entrichten müssen. Die Trauer um die Gefallenen und jene an den Kriegsverletzungen in der Heimat Gestorbenen war noch gegenwärtig als sich die meisten Ortschaften im Reich daran machten, zu ihrem Gedächtnis Ehrenmale zu errichten oder Gedenktafeln zu enthüllen. Die Initiative zu einer "Kriegergedächtnisehrung" in Lassan ging laut Aktenlage von seinem evangelischen Pastor Gustav Adolf Pantel aus. Dafür hatte er den Altarraum (Chorraum) vorgese-

hen.1 Er war das letzte Mal um 1880 renoviert worden und bedurfte frischer Farbe, so dass sich "die Idee von der einheitlichen Chorgestaltung" mit der Gefallenenehrung anbot. Doch mit welchen Mitteln sollte die einheitliche Gestaltung erfolgen? Zwecks Einholung von Anregungen schrieb Pastor Pantel an seinen Amtsbruder in Usedom. In der Antwort vom 27. Juli 1920, dessen Unterschrift auf dem Dokument leider abgetrennt worden ist, heißt es u.a.: "Die Kriegergedächtnistafeln unserer Kirche sind von Usedomer Kameraden hergestellt worden, die der Ortsgruppe der Kriegsgeschädigten angehören...

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SGRAFFITI FÜR KRIEGSOPFER IN DER LASSANER ST. JOHANNISKIRCHE


Die Herstellung der Tafeln war in ca. 3 4 Wochen erledigt."2 Die beiden Tafeln hätten nur 768 Mark gekostet, heißt es aus Usedom. Und weiter: "Wäre die geleistete Arbeit wirklich sachgemäß bezahlt worden, so würde eine der Tafeln rund 600 Mark kosten." Der die Auskunft Erteilende gibt der Hoffnung Ausdruck, dass sich auch in Lassan Handwerker finden mögen, "die sich freiwillig in den Dienst dieser Sache stellen." Das hätte sich schon bei der reichlich vertretenen Tischlerzunft in Lassan angeboten. Doch Pantel konnte sich mit der Usedomer Version für Lassan nicht anfreunden, zumal ja die Erneuerung des Altarraumes anstand.

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Statt Holztafeln Wandmalerei in Sgraffito Durch Vermittlung des Architekten Schneider und des Oberingenieurs Hans Urbach aus Berlin bot sich für die Gefallenenehrung in Sgraffito, also in farblicher Putztechnik, der Berliner Kunstmaler Dr. Hans Joachim Wagner an. Als Beispiel für seine Fähigkeiten nannte Dr. Wagner in seinem Schreiben vom 17. Juni 1921 an Pastor Pantel den von ihm im Jahre 1912 geschaffenen Fries im Neubau der deutschen Botschaft in St. Petersburg. Der erste Entwurf für die Gefallenenehrung fand allerdings noch nicht "den Beifall der Mitglieder der Kommission", wobei in der Akte außer Pastor Gustav Pantel, der Papendorfer Rittergutsbesitzer Baron von Lefort, Lehrer Möller und Bäckermeister Menge genannt werden, die auch dem Gemeindekirchenrat (GKR) angehörten. So teilte Pastor Pantel dem Künstler mit, "dass die gewaltigen Ausmessungen des Kruzifix in der unmittelbaren Nähe des Altars,

auf dem schon das Kreuz steht, zu erdrückend und wiederholend wirke." Zudem dürfe die Anordnung der Namen nicht zu weit nach unten reichen, da sonst einige verdeckt werden, wenn die "Gemeinde sich erhoben hat." Die Art und Weise der Ablehnung seitens der "erwählten Kommission" verstimmte den Künstler. Die Kritik habe ihn, so Dr. Wagner am 17. Oktober 1921, "merkwürdig berührt. Einem Künstler müsse ein gewisses Maß an Vertrauen entgegen gebracht werden" und man "müsse ihn gewähren lassen." Schließlich lenkte Dr. Wagner in seinem fünf Seiten umfassenden Brief an die Gemeinde ein und der GKR erteilte ihm am 21. August 1922 den Auftrag "die Arbeit möglichst umgehend der Verabredung gemäß in Angriff zu nehmen." Pastor Pantel gab der Hoffnung Ausdruck, dass die "Gedächtnisehrung unserer Gefallenen" damit noch "vor Ablauf des Monats Oktober fertig gestellt sein kann." Ursprünglich hatte man bereits das Jahr zuvor für die Realisierung ins Auge gefasst. Die Gedächtnisehrung für die Kriegsopfer sollte nicht nur die des ersten Weltkrieges betreffen, sondern auch jene der sogenannten Einigungskriege einschließen. Im siegreichen Kampf Preußens gegen Österreich im Jahre 1866 wegen konträrer Auffassungen über die Verwaltung Schleswig-Holsteins fiel ein Soldat aus Lassan (oder Umgebung?), im Krieg der deutschen Bundesstaaten gegen Frankreich 1870/71 waren es zwei Soldaten, die in fremder Erde zu ewiger Ruhe gebettet wurden. Für sie sah der GKR ein Sgraffito unter dem Südfenster des Altarraumes vor. Schmückendes Element wurde das in den Befreiungskriegen gegen Napoleon gestiftete Eiserne Kreuz.


Es muss Ende Oktober, Anfang November 1922 geworden sein, als der Sgraffito-Maler auf den breiten Stegen (Bohlenbretter) der Rüstung stand, um sein mehrteiliges Kunstwerk Gestalt werden zu lassen. Von diesem Werk heißt es in den Unterlagen, "dass keine Kirche in Deutschland etwas Ähnliches aufzuweisen" habe. Über seinen Aufenthalt in Lassan schreibt Dr. Wagner am 30. Dezember 1923 aus Berlin rückblickend an "sehr verehrter Herr Pastor" u.a.: "Ich denke noch fast immer an Ihren stillen romantischen Garten an der alten Stadtmauer und an die schöne ernste Landschaft rings um Lassan." Zu den Kosten: Der Einsatz Dr. Wagners kostete der Gemeinde 60 000 Mark. In einem Kostenanschlag vom 8.

Oktober 1921 ist noch von insgesamt 24 000 Mark die Rede abzüglich 6 000 Mark für Maurermeister Völlmer. Für die annähernde Verdreifachung der Kosten sind jedoch nicht so sehr die Auftragnehmer verantwortlich, sondern die nachkriegsbedingte Inflation. So wurden in einem Schreiben vom 23. April 1922 immerhin schon 41 000 Mark für den Kunstmaler und 10 000 Mark für den Maurermeister veranschlagt. Zur Begleichung der Kosten konnte Pastor Pantel an das Evangelische Konsistorium in Stettin am 8. Mai 1924 berichten, sie seien "längst durch freiwillige Spenden gedeckt worden, so daß noch ein erheblicher Überschuß blieb, der leider inzwischen durch die Papiermarkentwertung gar nicht in Goldwährung ausgedrückt werden kann." Am Volkstrauertag des Jahres 1922, eine Woche vor Totensonntag, erfolgte während des Gottesdienstes die Einweihung des neu gestalteten Altarraumes mit der künstlerischen Wandgestaltung für die Ehrung der Kriegsopfer. Besonders beeindruckend die Ausschmückung der Nordwand mit den 85 Namen der Opfer des Ersten Weltkrieges aus Lassan, der Siedlung Silberkuhl und den "Rittergutsdörfern" Buggenhagen, Jamitzow, Wangelkow, Klotzow, Papendorf und Pulow.3 Die Aufzählung der Namen mit Nennung des Dienstgrades erfolgte chronologisch nach Sterbedatum, dabei ist als letzter der Reservist Paul Schulz genannt, der aufgrund seiner Kriegsverletzung am 11. April 1920 verstorben war. Dieses einmalige Kunstwerk lässt sich heute leider nicht mehr betrachten. Um 1977 fiel die Gedächtnisehrung aus mir und vielen anderen Lassanern unverständlichen Gründen der Modernisierung des Altarraumes zum Opfer. Sie

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Bevor Dr. Wagner zu Werke gehen konnte, waren Vorarbeiten notwendig, wie das Aufstellen einer Rüstung und das Abschlagen des Putzes an den Flächen, wo Sgraffiti angebracht werden sollten. Die Deckengewölbe waren für Malereien vorgesehen, die Abbilder von biblischen Persönlichkeiten zeigen. Mit dieser Aufgabe war der erfahrene Lassaner Maurermeister Karl Völlmer beauftragt worden, der unmittelbar am Hafen (Lange Straße 1) sein Unternehmen betrieb. Dafür erhielt Karl Völlmer von Dr. Wagner genaue schriftliche Anweisungen. So verlangte der Künstler für den Rauputz 1 Teil Kalk für 2 bis 3 Teile Sand. "Am besten wäre, wenn Sie dem Mörtel Quarkkäse beimengen. 40 Pfund für den gesamten Bedarf des Rauputzes wäre genügend..." Die Begründung: "Der Quarkkäse macht den Mörtel steinhart." Als Lieferanten des Quarkkäses brachte Dr. Wagner den Papendorfer Gutsbesitzer von Lefort ins Spiel.


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verschwand dabei unter weißer Farbe. Das schöne Patronatsgestühl verschwand gleich mit und wurde zu Brenn-

holz. Pastor war zu dieser Zeit Siegfried Burmeister. Günter Fromm

Nur ein Foto erinnert heute noch an die Ehrung für die Gefallenen des ersten Weltkrieges aus Lassan und Umgebung in der Sankt Johanniskirche.


Ich danke an dieser Stelle Herrn Philip Graffam, bis 2010 Pastor zu Lassan, für die Einsichtnahme in die Akte "KriegerGedenktafeln in der Kirche". 1

Die beiden Tafeln befinden sich noch heute in der Kirche zu Usedom und zwar im Turmraum. In den 70er Jahres des 20. Jahrhunderts kam eine namenlose Gedenkwand für die Opfer mehrerer Kriege, so auch des Zweiten Weltkrieges, hinzu. Unweit des Friedhofes errichtete die Stadt für ihre im ersten Weltkrieg gefallenen Söhne ein Monument mit großen Namens- und Spruchtafeln. Nach der Wende von 1989/90 kam eine weitere große Tafel hinzu mit dem Text: "Gewidmet allen Opfern von Gewaltherrschaft, Unterdrückung und Krieg."

wäre es kein Wunder gewesen, so Steinfurth, aber dass die Gefallenenehrung in Verantwortung der Gemeinde (des damaligen Gemeindekirchenrates) beseitigt wurde, empörte ihn umso mehr. Als Ersatz für die Sgraffiti ist ein Gedächtnisbuch für die Gefallenen vorgesehen, so Pastor Graffam. Darin enthalten sein müssten auch die Namen der Opfer des Zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit. In der Perspektive - bei einer fälligen Renovierung des Altarraumes - muss unbedingt wieder die Gefallenehrung unter der Farbe hervorgeholt werden. Spenden dafür sind bereits eingegangen. Ob sich darunter auch eine Spende von Pf. i. R. Siegfried Burmeister befindet, ist dem Autor nicht bekannt.

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Unter den Gefallenen wurde auch der Ersatz-Reservist August Steinfurth genannt, der am 11. Juli 1915 starb. Dessen Sohn, der Rüsselsheimer Bauunternehmer Ulrich Steinfurth (+), Träger des Bundesverdienstkreuzes, besuchte 1990 Lassan das erste Mal nach 45 Jahren wieder und war sehr verwundert darüber, dass er die GedächtnisWandmalerei nicht mehr vorfand. Hätte sie sich außerhalb der Kirche befunden,

Von der Einweihung des neu gestalteten Altarraumes mit der Gefallenenehrung existiert die Weiherede von Pastor Pantel. Leider ist sie größtenteils in Kurzschrift verfasst. Trotz meiner Bemühungen konnten mir altgediente praktizierende Stenotypistinnen den Text nicht übertragen. Die Erklärungen reichen von einem Privat-Steno des Pastors bis zur griechischen Schreibweise. Günter Fromm, 2010

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Bildquellen: Umschlag: Privatarchiv Christian Hilse Seite 3: Privatarchiv Christian Hilse Seite 4-7: Hintergund halmackenreuter/ 1. Auflage Januar 2013 Eigendruck im Selbstverlag Verantwortlich im Sinne des Presserechts Christian Hilse, Neustadt. 4 in 17440 Lassan E-Mail: christian.hilse@gmx.de

Seite 8: Seite 9: Seite 14:

pixelio.de Privatarchiv Christian Hilse Privatarchiv Christian Hilse Privatarchiv Günter Fromm Privatarchiv Günter Fromm

Den unvergessenen Gefallenen Söhnen der Heimat gewidmet!

Anmerkungen:


Dem unbekannten Soldaten (Rainer Schlösser, 24. März 1918)

Den Friedhof fand ich, wo der Bruder ruht, Doch konnt´ ich keines Kreuzes Schrift mehr lesen, Die stille Statt war Kampfgesild gewesen, Auf dem das Schlachtgewitter sich entlud. So birgt die Erde heimlich denn ihr Gut, Läßt nicht nur Leiber, Namen auch verwesen. Was tut´s? Die sich der Kriegsgott auserlesen, Sind namenlos nach Blut von unserm Blut. Drum senkt das Haupt vor diesen stummen Steinen, Um die die Mütter und die Bräute weinen. Vielleicht, das euch die Helden Brüder nannten Wie mich der Tote, den ich nicht mehr finde Und dem ich Kränze um ein Grabmal winde; Nicht ihm allein, auch all den Unbekannten.


Unseren Toten zum Gedenken!  

In Ermangelung eines städtischen Denkmals in Erinnerung an die in Kriegen gefallenen Söhne der Stadt Lassan, entschlossen sich im Jahr 2007...

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