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Chronik von Rothen


Zur Geschichte des Gutes Rothen und des Dorf Rothen Es ist viele tausend Jahre her, dass in Rothen Menschen siedelten, Behausungen bauten und mit einfachen Arbeitsgeräten ihren Lebensunterhalt bestritten. In den Untersuchungen über „Die ur- und frühgeschichtlichen Denkmäler und Funde des Kreises Sternberg, bearbeitet von Gertrud Gärtner„ aus dem Jahr 1969 findet sich unter Rothen folgender Absatz auf Seite 85: “Feuersteingeräte des Mesolithikums und Neolithikums, die ein Gutsbesitzer Fabricius in seiner Rothener Feldmark gefunden hat und die mit der Sammlung des Amtsgerichtsrates Fabricius, Waren, 1940 ins Museum Waren überführt wurden.“ In der Sammlung befinden sich Feuersteinbeile, Felsäxte, Steindolche, Speerspitzen, Klingenstichel, Halbmondmesser. Diese steinzeitlichen Relikte stammen aus einer Epoche 10000 Jahre v.u.Z. Aus der Steinzeit wurden Siedlungsreste südlich der Rothener Tannen auf dem zum Scheidbach nach Zülow abfallenden sandigen Acker gefunden. Andere Siedlungsspuren aus der Steinzeit fanden sich auf einem sandigen Acker südlich der Mildenitz an der Grenze nach Zülow. Aus der Eisenzeit (600 v.u. Z bis 600 u.Z.) befinden sich in Waren aus der Sammlung Fabricius Pommersche Fibeln, eine Flügelnadel aus Bronze und Tonscherben.


Inzwischen sind alle Teile der Sammlung Fabricius in der Sammlung des Landesamtes f端r Bodendenkmalpflege in Willigrad bei Schwerin eingelagert. Das obige Faksimile ist der Eintrag im Eingangsbuch des Warener Museums f端r die Sammlung Fabricius.


Die frühste urkundlich belegte Nennung des Namens Roten stammt aus dem Jahre 1369. Am 25.November 1369 verpfändet Lorenz, Fürst von Werle für 300 Mark Lüb. väterliche Schuld den v. Bellin Bede, Hundekorn und Münzpfennige aus Bellin, Groß- und Klein-Bresen, Kirch-Kogel und Wendisch Kogel etc. Im Text der Urkunde heißt " up der molen to Roten". Die Urkunde befindet sich im Landeshauptarchiv und ist im Mecklenburgischen Urkundenbuch unter der Nummer 9989 gedruckt.

An der Urkunde hängt das Originalsiegel der Fürsten zu Werle mit dem Stierkopf


Unterlagen und Akten aus dem Schweriner Landesarchiv berichten 1643 und in den Jahren danach über eine Schäferei in Rothen, um die es einen Erbstreit unter den Zülower Gutsbesitzern und deren Erben gab. Mit der Schäferei waren auch eine Fischerei und Anrechte auf Gehölze verbunden. Eine weitere frühe Erwähnung von Rothen findet sich auf der Karte des Amtes Sternberg von Bertram Christian v. Hoinckhusen um 1700. Dort ist der Ort als „Roten“ bezeichnet, an der Mildenitz gelegen, gegenüber der“ Roten Mohl“. In einem Beichtkinderverzeichnis von 1751 ( das Original liegt im Bundesarchiv Koblenz) findet sich folgende Beschreibung von Rothen: " Aus dem nach dem adlichen Gute Zülow gehörigen neu angelegten Dorfe Rothen: Bauer Hinr. Hahn, Ehefrau: Anna Elis., Sohn Berhard Wigand, , Magd Dor.Greven Bauer David Petersen, Ehefrau Dor. Marie, Sohn Gabriel, Knecht Joh.Chrph. Jacobs, Magd Rebecca Drosten, Bauernschwester Anna Sophia Calsowen, Witwe Maria Höffnersche Bauer Fried. Stein, Schiegersohn Erdmann Leferentz, Ehefrau Dor. Marie, Sohn Gabriel und Gürgen Fried., Magd Ann Thrin Höffners, Witwe Sophia Schwartzen Bauer Joh. Frahm, Ehefrau Maria, Stiefsohn Hinr Lanckhoff, Ehefrau Cath. Dor., Knecht Frid.Höffner, Magd Maria Zülcken, die alte Hedw. Krögersche "


Ursprünglich war die Feldmark Rothen eine sogenannte Pertinenz von Zülow, d.h. ein Teil der Gutsherrschaft Zülow. Zülow war in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Besitz der Familie von Bülow. Durch die Bestimmungen des Erbvergleichs von 1755 hatte sich die Bemessungsgrundlage für die Besteuerung der Güter verändert. Nicht mehr nach dem alten Maß der Hufen sollte die Steuer erhoben werden, sondern nach der neuen, modernen Vermessung. Im Jahre 1769 wurde darum in der Gutsherrschaft Zülow das Land neu vermessen und ein amtlich beglaubigtes Feldregister erstellt. In diesem Feldregister wurden erfasst: 1.Acker, Koppeln, Wörte 2.Wiesen 3.HausStäten, Lust-,Kohl- und Obstgarten 4.Hölzungen, Möhre, Brüche, Brinke 5. Seen, Teiche, Sölle, Kölke 6. Priester und Küster Äcker und Wiesen. Die Flurmark "Rauten" wird in dem Register extra mit 100 Positionen erfasst. Einige der Flurbezeichnungen gibt es heute noch, wie z.B. die "Seekoppel". Interessant ist auch, dass sich die Struktur der Flurmark nur wenig geändert hat. Sölle, Moore und Waldungen finden sich häufig heute dort, wo sie z.T. schon vor 250 Jahren verzeichnet waren. Natürlich haben sich die meisten Wege geändert oder sind nur noch als Reste in der Landschaft zu finden, wie der Kirchweg von Rothen nach Gägelow. Die alte Grenze nach Mustin entspricht der heutigen Gemeindegrenze. Im Feldregister werden 3 Bauernstellen, 1 Hofstelle und ein Katen genannt.


Auf der Direktorialkarte von 1806 sind dort, wo heute das Gutshaus steht, Bauernstellen verzeichnet (Siehe Ausschnitt).


In den Akten der ritterschaftlichen Brandschutzversicherung finden sich Listen aus der Zeit von 1784 bis 1840, die die Zahlungen der Zülower Gutsherrn für die Versicherung der Rothener Bauernkaten dokumentieren. Rothen war offenbar ein dem jeweiligen Zülower Gutsbesitzer gehörendes Bauerndorf. In den Versicherungsakten werden die Häuser einzeln aufgezählt. 1784 mußte der Zülower Gutsbesitzer für folgende Gebäude in Rothen eine Versicherungsprämie zahlen:“ Ein Bauernhaus, rechter Hand, die Scheune dabei, ein Bauernhaus, linker Hand, die Scheune dabei, der Hirten Kathen, ein Kathen vom 2.Hirten, ein Bauernhaus und Scheune, in einer Verbindung, rings umher mit Ziegel gemauret.“ 1797 wird die gleiche Anzahl und Aufteilung der Häuser in der Versicherungsunterlage festgehalten. Im Jahre 1804 geben die Versicherungsakten die veränderte Situation im Dorf wieder. Es wird nun unterteilt in “Hoflage Rothen“ und „Dorflage Rothen“. In der Hoflage wird ein “Haus auf dem Hofe“ aufgezählt, ein Schaafstall, ein Viehhaus und eine Scheune. In der Dorflage werden 4 „Kathen zu 2 Wohnungen“ erwähnt. Die Bauernhäuser sind verschwunden. In der Volkszählungsliste von 1819 werden in Rothen 55 Einwohner gezählt. In der “Geschichte des ritterschaftlichen Gutes Mustin“ von 1901 beschreibt der Autor v.Oeynhausen die Entstehung des Gutsdorfes Rothen auf Seite 113: “Der Gutsherr v. Bülow ist gerade mit der Einrichtung des nachherigen ritterschaftlichen Gutes Rothen beschäftigt


und das nimmt seine Zeit und Interesse vollauf in Anspruch. Zu diesem Zweck kauft er den Borkower Anteil in Gägelow und verlegt dorthin, rechts des Weges von Gägelow nach Borkow, die beiden letzten Rothener Bauern, deren Zahl sonst vier betrug, die ihm bei der Einrichtung des Hofes im Wege sind. Denn von diesen liegt einer da, wo sich der Dabelsche und der Gägelower Weg unweit der Mildenitz scheiden und der andere nach der Stelle hin, wo der neue Hof aufgebaut werden soll, wozu Bülow einen Teil der früheren Pertinenz Arnshörn und sonstiger Borkower Äcker und Wiesen mit einem Teil des Rothener Sees erwirbt.“ Frau Helga Böhnke aus Dabel betreibt seit vielen Jahren intensive Heimatforschung. Sie hat in ihrem Archiv einen Brief aus dem Jahre 1931, den Friedrich Röhrdanz aus Gägelow geschrieben hat. Dieser Brief beschreibt sehr konkret die Gründung des Gutes Rothen und die Folgen für die dort lebenden Menschen. " Gägelow, den 5.März 1931 die Geschichte der Familie Röhrdanz (Hauswirt) Hofstelle Gägelow Anteil Zülow Es war im Jahr 1801 als die beiden Hauswirte Brockmann und Scheve von Rothen nach Gägelow umverlegt wurden und darunter vom Grundherrn Jasper von Bülow auf Zülow, selbiger war auch Besitzer von Borkow, die Ländereien der heutigen beiden Höfe Nr. 1 und 2 in Gägelow gehörten zur damaligen Zeit (als Schäferei zum Gut Borkow also auch zur Zülow-Begüterung). Bis 1801 wohnten in Rothen 16 (sechszehn) Bauern, die alle durch ihre damaligen Bauernverträge verpflichtet waren, dem Grundherrn J.v.Bülow in Zülow und Borkow Hand - und Spanndienste zu leisten (also Frondienste) hatten.


Es war die Zeit und auch noch später, als die Bauern "abgemeiert" wurden in Mecklenburg. Und so geschah es auch in Zülow - Rothen. (Hier fällt mir eine vom Vater erzählte Geschichte ein, die ich hier mit eingeben möchte.) Um das Jahr 1800 gab es in Mecklenburg noch keine Eisenbahn, so daß ein höherer Regierungsbeamter mit Fuhrwerk von Schwerin nach Güstrow fuhr. Die alte Landstraße Schwerin - Güstrow führte an Gägelow vorbei über Zülow - Witzin. Gastwirtschaften waren zur damaligen Zeit nicht üblich. Diese Gaststätten lagen damals bei den Holländereien, so kehrte der Beamte in Zülow beim Holländer ein, um sein Pferd zu füttern und selbst sich zu stärken. Im Gespräch mit dem Holländer erfährt der Beamte, ( weil so stark in damaliger Zeit gebaut wurde), daß in Rothen noch vielmehr gebaut wurde und zwar wurden in Rothen die 16 Bauern sämtlichst enteignet. Der Beamte fährt nach Güstrow weiter. Unterwegs denkt er über die gehörte Brutalität weiter nach. Auf dem Rückweg macht er sich beim Holländer weitere Nachfragen und seine Notizen. Einige Zeit später erhält der Besitzer J.v.Bülow einen Brief durch einen Regierungsboten. Unverzüglich soll er die geplagten Bauern in Rothen wieder aufrichten. Nun begab es sich, daß die Bauern in Rothen befragt wurden, wer unter ihnen lieber wieder Bauer werden wollte. Das Resultat war, daß von den 16 Bauern nur 2 wieder aufgerichtet werden wollten und zwar hieß der eine Brockmann und der andere Scheve. Die übrigen 14 wollten lieber dem Gutsherrn seine Tagelöhner werden. Durch das Kirchenbuch werde ich feststellen, wie lange schon unsere Vorfahren in Rothen gewohnt haben. Von meinem Vater wußte ich, daß der Name Scheve ein sehr alter in Rothen sein soll. 1801 bekamen die beiden Hauswirte Brockmann und Scheve einen neuen, zwar weit besseren Contrakt, wie sie die selbigen früher in Rothen hatten. Der mit Jasper von Bülow und den beiden Bauern gemachte Contrakt ist noch in meinem Besitz und möchte ich auch noch aufbewahren. Hier nach Gägelow zog nur mein Urgroßvater Johann Scheve und der Nachbar Carl Brockmann ( bei Brockmann waren es bestimmt in 4 Generationen immer ein Carl). Der letzte eigentliche C.Brockmann starb beim Packen an Herzschlag in der Nachmaadende in der Zülower Wirst. Nun kam sein Bruder Friedrich Brockmann. Mein Urgroßvater, Johann Scheve, hatte keinen Sohn, nur eine Tochter, die sich mit


meinem Großvater Friedrich Röhrdanz, gebürtig in Sternberg, verheiratet im Jahr.... Stammbaum: aus dieser Ehe sind mein Vater Johann Röhrdanz, geb. 7.Nov.1851, ein Bruder Fritz Röhrdanz selbiger starb unverheiratet 1879 und zwei Schwestern die älteste Liselotte verheiratet mit Hauswirt Lange in Luckwitz b. Wittenburg, die jüngste Schwester Minna war mit einem Lehrer Krüger in Wüstmark bei Mühlen-Eichsen verheiratet. Friedrich Röhrdanz Zu Gägelow Anteil Zülow

Das Bauernlegen und die Neuschaffung des Rothener Gutes geschah also in der Zeit zwischen 1797 und 1804. Die Vertreibung der Bauern (Bauernlegen) war ein Recht der Gutsherrn, festgeschrieben im Erbvergleich von 1755, einem Vertrag zwischen den Landständen und dem Herzog von verfassungsrechtlichem Rang. Nachdem die Bauern nach Gägelow „gelegt“ worden waren, entwickelte sich Rothen zu einem typischen Gutsdorf. 1840 (inzwischen ist F.C.H. Fabricius Gutsbesitzer) verzeichnet die Versicherungsliste für „Hof Rothen“: ein Wohnhaus, zwei Scheunen, das Viehhaus, den Schaafstall, und einen kleinen Stall. Im „Dorf Rothen“ gibt es jetzt 5 Kathen mit je zwei Wohnungen. Im Jahre 1840 verkauften Vollrath von Bülow und seine Geschwister das Gut Rothen an Friedrich Carl Heinrich Fabricius. Der Kaufvertrag ist auf den 21.Januar 1840 datiert. Fabricius erhält den Zuschlag für das Gut Rothen auf einer öffentlichen Versteigerung


am 18.1.1840. Nicht eingeschlossen in den Kauf ist das Erbbegräbnis der v. Bülows in Gägelow und die Kirchstühle in der Gägelower Kirche werden im Vertrag genau aufgeteilt: Die Zülower behalten zwei Drittel des Raumes, die Rothener bekommen das restliche Drittel. Die in Rothen befindliche Holländerei mit 52 Kühen und den in Zülow dazugehörenden 100 Kühen muß der Käufer vom Gut Rothen mit dem Holländerei Pächter Harms bis zum Jahr 1841 abwickeln. Es ist ihm freigestellt, den Pachtvertrag dann nicht zu erneuern. Dem Pächter Harms wird von Fabricius gekündigt. Geregelt ist im Kaufvertrag auch die Abgabenpflicht des Gutsherrn an den Prediger und den Küster der Kirche in Gägelow. Für das Gut muß Fabricius 58000,Thaler als Kaufpreis zahlen. Am 21.July 1840 findet die Übergabe des Gutes in Rothen statt. Zusammen mit den Zeugen Tischlermeister Ehlers aus Witzin , dem Maurermeister Fr.Barnem aus Sternberg und einem Protokollanten treffen sich der Hauptmann von Bülow und F.Fabricius „im ehemaligen Holländerhause zu Rothen, welches augenblicklich“ zum Herrenhaus aptiert wird“, wie es im Übergabeprotokoll wörtlich heißt. Hier wird also das erste Mal ein Herrenhaus (sprich Gutshaus) erwähnt, das aus dem Holländerhaus hervorgeht. Wenn das Holländerhaus, also das Wohnhaus des Pächters der Holländerei, das “Haus auf dem Hofe“ ist, wie die Versicherungslisten von 1804 es festhalten, dann könnte man schließen, dass der älteste


Teil des heutigen Gutshauses um 1804 entstanden ist, was der Bauart des Gebäudes auch entsprechen würde. Der Hauptmann von Bülow überreicht Fabricius als Symbol des Besitzwechsels eine Erdscholle und den Hausschlüssel. „Es wurden darauf mehrere Rothener Tagelöhner herbeigerufen und so ward ihnen angezeigt, dass das Gut Rothen jetzt auf den Herrn Fabricius übergegangen sei, dass sie mithin ihre Verpflichtungen gegen die frühere Gutsherrschaft entbunden und dem Herrn Fabricus, als ihr nun jetzigen Gutsherrn, Treue und Gehorsam schuldig wären“. Das Treuebekenntnis wird mit Handschlag besiegelt. Die Leibeigenschaft wurde in Mecklenburg 1820 aufgehoben, aber die realen Verhältnisse auf den Gütern waren weitgehend ähnlich wie vor diesem Datum.

Unterschrift von F.C.H. Fabricius unter den Kaufvertrag des Gutes Rothen vom 23.12.1840


Da das Gut Rothen ein Lehensgut war, also vom Mecklenburgischen Großherzog als Lehen dem jeweiligen Besitzer gegeben wurde, war ein „Consens“, eine Zustimmung des Landesfürsten zum Verkauf notwendig.

Consens – Dokument der Großherzoglichen Lehenskammer zum Verkauf des Guts Rothen 1840


Für die ritterschaftlichen Güter gab es ab 1782 wie schon erwähnt eine Brandversicherungsgesellschaft. Aus dem Jahre 1840 stammt der Situationsplan von Rothen, den der Versicherungsbeamte für seine Akten anlegte.

Situationsplan der ritterschaftlichen Brandversicherungsgesellschaft von 1840

In den nachfolgenden Jahren baut Fabricius das Gut Rothen weiter aus. 1848 verzeichnet die Versicherungsakte bereits folgende Gebäude auf dem Hof Rothen: ein Wohnhaus, Milch- und Badhaus, Schaafstall, Scheune mit Kornboden, Wagenscheune, Scheune mit Pferdestall, Viehhaus mit Heuboden, Anbau provisoria mit Häxelmaschine mit Schrotgang


und einen Stall. Im Dorf werden weiterhin 5 Kathen erwähnt aber mit jeweils 3 Wohnungen! Hinzu kommt noch eine Ziegelscheune und ein Ziegelofen an der Scheide zwischen Gägelow und Zülow. In der Ortskunde Mecklenburgs von W.Raabe werden 1857 insgesamt 90 Einwohner aufgeführt. Für 1858 zählt Raabe 42 männliche und 48 weibliche Dorfbewohner und für das Jahr 1859 werden 44 Männer und 49 Frauen gezählt.

Dachstuhl im Speicher des Gutshausteils, der von Ost nach West verläuft. Dieser Hausteil ist der wohl älteste Teil des Gutshauses, der auf dem zuerst erwähnten Wohnhaus/Holländerhaus basiert. Die Fundamente sind 1,50 m dick und aus Feldsteinen gemauert.

Zwei der handgeschmiedeten Zimmermannsnägel, die bei der Sanierung der Dachpfetten im August 2004 in einem Dachbalken gefunden wurden. Die Nägel stammen aus der frühen Bauzeit des Gutshauses.


Friedrich Fabricius betrieb im Gutshaus auch eine Schnapsbrennerei für Kartoffelschnaps. Im Jahre 1851 wollte er seine Branntweinbrennerei ordnungsgemäß bei der ritterschaftlichen Brandschutzversicherung anmelden. Diese lehnte die Versicherung aber ab, weil der Heuboden zu dicht an der Brennerei gelegen sei. Wütend kündigte Fabricius die Versicherung, was die Versicherung aber ablehnte, weil er die Kündigungsfrist nicht eingehalten hatte. Später bekam das Gutshaus auch den Spitznamen „ Branntweinpalais“. In seinem Schreiben an die Versicherung beschreibt Fabricius, dass die Brennerei in einem gemauerten Gewölbe untergebracht ist. Dies Gewölbe ist vermutlich das Kellergewölbe im Querflügel des jetzigen Gutshauses, was auch der mündlichen Überlieferung alter Dorfbewohner entspricht. In einem Buch über die Landtagssitzung Ständetages findet sich folgender Absatz:

des

Kurzer Bericht über den meklenburgischen Landtag des Jahres 1843-1845 von S. Schnelle, 6. Herr Fabricius-Rothen übergab Namens der Chausseecommitte mehrere Berichte, von der aber nur der über die 9te E. A. Pr. (Beihülfe für den Vipperowschen Erddamm) zum Vortrag kam. Röbel hat schon oft eine Beihülfe des Landes zu dem Bau des Vipperowschen Erddamms beantragt, die Landstände haben aber die Ansicht consequent festgehalten, daß dies Unternehmen nicht als eine Landessache, sondern als eine Sache der Jnteressenten zu betrachten, und denselben daher keine andre Unterstützung zu gewähren sei, als der 8. 292 des L. V. für derartige Privatunternehmungen bestimme.

Gutsbesitzer Fabricius war also auch im Sinne und für seinen Stand als Gutsbesitzer politisch aktiv und nahm als bürgerlicher Rittergutsbesitzer sein Mandat im Landtag wahr.


Fabricius war 1857 auch als Mäzen tätig. Der Historiker Lisch schreibt im Jahrbuch für mecklenburgische Geschichte Bd. 24 von 1859: “Auf meinen Vorschlag übernahm es der eingepfarrte Gutsbesitzer Herr Fabricius auf Rothen sogleich und unbedenklich mit großer Theilnahme und Bereitwilligkeit, nicht allein dieses Gemälde, sondern auch die Restauration der beiden alten großen Figuren auf seine Kosten ausführen zu lassen….“. Es handelt sich dabei um die Malereien in der Gägelower Kirche, über deren bunten Gemäldeschmuck man in Mecklenburg sprichwörtlich sagt: So bunt wie die gägelowsche Kirche. 1m Jahre 1864 stirbt die Mutter von Fabricius. Laut Kirchenbucheintrag aus Gägelow wird Marie Caroline Wilhelmine Fabricius 89 Jahre, 2 Monate und 19 Tage alt. Sie wird in Gischow begraben. Am 9.Oktober 1875 heiratet Fabricius mit 72 Jahren die sehr viel jüngere Jungfer Julie Melusine Bernhardine Henkhus , geb. in Lübz am 25.April 1845 Am 12.Juni 1881 stirbt Fabricius an einem Nieren und hinzugetretenen Gehirnleiden.. Als Erben sind eingesetzt der Bruder Pastor Fabricius zu Cambs bei Röbel und die die Gutsbesitzerin Friedel Fabricius auf Resmin in Westpreußen. Testamentvollstrecker ist ein anderer Bruder, Senator Adolf Fabricius aus Wismar. Er hat auch die Vollmacht, das Gut zu verkaufen.


usz체ge aus den Kirchenbuch von G채gelow, der f체r Rothen zust채ndigen Kirchgemeinde


Erinnerungstafel an die ehemaligen Gutsherren Fabricius und v.Oertzen in der Eingangshalle des Gutshauses Die Deutung der Jahreszahlen auf dem Stein ist noch nicht klar. Vermutlich benennen die Zahlen Jahre, in denen das Gutshaus umgebaut wurde. Im Jahre 1859 wütet die Cholera in Mecklenburg. Theodor Ackermann schreibt in seinem Buch" Die Choleraepidemie des Jahres 1859 im Grossherzogthum Mecklenburg-Schwerin" , dass auch eine Frau aus Rothen an der Epidemie starb. "Im August kam eine Frau Behncke aus dem Gute Rothen nach Sternberg in die Mühle, in welcher ihr Schwiegersohn an demselben Mittag verstorben und ihre Tochter wenige Stunden später erkrankt war. Die Frau B. erkrankte etwa 24 Stunden nach ihrer Ankunft und starb 12 Stunden später. (Dr. Schlettwein.)." Nicht nur die Menschen waren von Seuchen bedroht, auch die Tiere mußten unter Epidemien leiden und


Rothen blieb nicht verschont. Der Regierungsanzeiger für das Großherzogthum Schwerin meldete 1869: "Die Schafpockenkrankheit ist erloschen in Gottin bei Teterow, Testorf bei Grevesmühlen und Rothen bei Sternberg. Schwerin am 7ten April 1869. Dreißig Jahre später malte der bekannte mecklenburger Maler Carl Malchin ( 1838 – 1923 ) drei Motive in Rothen. Es sind die bislang ältesten bekannten Abbildungen von Rothen. Alle drei Bilder entstanden 1886. Die Originale hängen in Schwerin im Museum.

Weg bei der Rothener Mühle

Rothener Mühle


Katen in Rothen Das Haus vorne, rechts steht heute noch.


Henning v.Oertzen schreibt in den Oertzen-Blättern von 1972 , Seite 11: “Auf der Auktion von 1887 hörte mein Großvater, Domänenrat Dehns, dass Rothen verkauft werden sollte, noch in der Nacht fuhr er dort hin, besichtigte andertags Feld und Hof, fuhr dann 5 Stunden nach Wismar und nachts wurde dort der Kaufvertrag für meinen Vater unterzeichnet.“ Der kgl. Preußische Rittmeister Adolf Friedrich v.Oertzen (26.2.1856 -13.3.1920) und seine Frau Auguste (12.9.1861 – 15.5.1947), Tochter des Domänenrats Hans Ludwig B. Dehns besaßen nun das Gut Rothen mit einer Fläche von 1600 Morgen für 400000,- Mark, zwei Drittel davon waren Schulden. Schwiegervater Dehns war Landwirt und wohnte in Mestlin. Die Familie Dehns stammte ursprünglich aus Lübeck. Das Gut war wohl recht heruntergekommen und wie es in den Oertzenblättern von 1930/2/ Seite 7 heißt:“…..waren die ersten Jahre schwer…..Hinzu kam, dass Rothen, welches einem alten Junggesellen gehört hatte, zwar gute Wirtschaftsgebäude, aber kein Herrenhaus besaß. Es war nur ein sehr kleines altes Haus vorhanden. Nach drei Jahren aber konnte dann ein durchgebautes, nettes Haus bezogen werden und ein hübscher Park, an dem Flüsschen Mildenitz und am See gelegen, mit schönen alten Bäumen bestanden, entstand unter den Händen von Frau v.Oertzen, deren eigenstes Gebiet die Verschönerung des Besitzes war.“


Erste Seite des Protokolls der Verkaufsverhandlung von Fabricius und A.F.v.Oertzen 1887

Am 9.Juli 1887 wird das Gut Rothen an Schwiegerpapa Dehns übergeben. Der Premier-Leutnant v. Oertzen ist in Metz und kann nicht anwesend sein. In komplizierten Festlegungen wird detailliert aufgeführt, wer was wem zu zahlen hat. U.a. wird festgestellt, dass der Schäfer Prühs einen Vorschuß von 150 Mark bekommen hat, die er mit 4 % verzinsen muß. Prühs ist laut Übergabeprotokoll der einzige „Deputatist“. Lohn (d.i.Jahreslohn) bekommen: Der Rademacher Steinbrecher (225 Mark), der Knecht Jarmuth (165 M.), Wienek (162 M.), Schmidt (156 M.), Lesch und Sommer (150 M.), Schäferknecht Kemke (108 M.), Schweineknecht Rautz (126 M.), Kutscher Lehmkuhl (180 M.), Köchin Winkelmann (108 M.), Stubenmädchen Cord (96 M.), Milchmädchen Popp (108 M.). Ferner wird im Protokoll erwähnt, dass jeder der 8 Tagelöhner des Gutes 50 Tage im Jahr


unentgeltlich zu leisten hat. An Contribution und Feuerung wird jedem Tagelöhner einmal im Jahr 8 Mark, 64 Pf. vom Jahreslohn abgezogen. Im Protokoll wird auch vermerkt, dass der Inspektor Hafemeister bleibt, die Wirtschafterin aber den Dienst nicht fortsetzen will. Jener genannte Knecht Lesch ist übrigens in Zülow geboren. Er war der Vater von Johanna Lesch (siehe die Ausführungen über die Familie Ernst weiter vorne), der Großmutter von Christa Bölkow, geb. Ernst, die heute noch in Rothen ein Haus hat.

v.l.: A. F. v.Oertzen und A. Dehns 1884 als Brautpaar , die zwei ältesten Söhne, Adolf Friedrich v.Oertzen, kgl. Preußischer Rittmeister (1856 – 1920), Besitzer des Gutes Rothen und Gründer des “Hauses Rothen“ der Familie v.Oertzen. Das Bild zeigt v.Oertzen 1917


Die Familie von Adolf Friedrich und Auguste von Oertzen zusammen mit der Familie Dehns und Behnke. Auguste war eine geborene Dehns, ihr Vater war Dom채nenp채chter in Mestlin. Einer Tochter Behnke heiratete einen Behnke. Die Aufnahme entstand Ostern 1900.


So sah der Saal im Gutshaus vor dem Umbau 1926 aus, Aufnahme von 1900

Das Kinderzimmer von J端rgen v.Oertzen im Gutshaus, Aufnahme von 1900


Auguste v.Oertzen im Wohnzimmer des Gutshauses. Diese Zimmerfluchthat sich bis heute nicht ge채ndert. Aufnahme von 1900

Sohn J체rgen von Oertzen im Matrosenanzug und mit Hundegespann an der Mildenitz im Park und mit seiner Mutter Auguste v.Oertzen Aufnahmen um 1900


Der Ausfluss der Mildenitz aus dem Rothener See um 1900

Feldarbeit in Rothen mit dem Pferdegespann im Jahre 1913


Der neue Besitzer musste mit seinem Gut, kaum hatte er es gekauft, eine Agrarkrise überstehen. Aber bereits 1894 wurde ein großer Pferdestall gebaut, dessen eine Hälfte noch heute steht. Am Giebel stehen die Initialen F.v.O und die Jahreszahl 1894. Ab 1896 schienen sich die Verhältnisse für den Gutsbesitzer so sehr gebessert zu haben, dass in größerem Maßstab die Landwirtschaft mechanisiert werden konnte. In der Mustiner Gutsgeschichte schreibt v.Oeynhausen auf Seite 136: „Im selben Jahr (1886 d.V.) entsteht bei der Rothener Mühle die Brücke über die Mildenitz, die bisher nur durch eine Furt für Fuhrwerke passierbar war. Sie wird im Interesse seines Geschäftsbetriebes von dem Mühlenpächter Rickmann erbaut, welchem die beiden benachbarten Gutsherrschaften auf Mustin und Rothen die Erlaubnis zum Bau geben, und ihm auch im Übrigen zu Hülfe kommen, doch muss der Erbauer die Furt an der Südseite der Brücke freilassen. Mustin liefert sämtliches Kiefernholz in rohem Zustande und der Rittmeister von Oertzen übernimmt die notwendige Bodenbewegung auf seiner Seite, wofür sie die Passage frei haben, während der Müller von anderen Passanten für das Pferd 10& Brückengeld nehmen darf. Der Bau kostet damals ungefähr 600 Mk. Und liegt die Erhaltung der Brücke dem Erbauer und Eigentümer ob.“ Die Brücke wurde 1993 durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt, Bauabnahme war 8.7.1993. 1898 kaufte v.Oertzen noch weitere Güter für insgesamt 1,43 Millionen Mark (Liessow und Rautenhof, später Tessin). Für die gesteigerte


Produktion mussten auch die Straßen verbessert werden. So beteiligte sich der Rothener Gutsherr v. Oertzen u.a. am Bau der Straße zwischen Rothen und Borkow (1908).

Karte des Gut Rothen von 1902

Im Besitz von Fritz von Oertzen, dem Adoptivsohn von Henning v.Oertzen, befindet sich eine alte Hofkarte aus dem Jahre 1902. Auf dieser Karte ist die gesamte Flurmark, die zum Gut Rothen gehörte, verzeichnet - ca. 390 ha. Die Gebäude und Straßensituation ist darauf anders als heute. Der Pferdestall und das Gutshaus stehen noch heute, der Kuhstall hatte andere Dimensionen, und auch die anderen Wirtschaftsgebäude stehen nicht mehr und waren z.Teil auch ältere Bauten, die in den nachfolgenden Jahren durch neuer ersetzt


wurden. Die Straße von Borkow nach Mustin und der Mildenitzkanal sind nachträglich eingezeichnet und zeigen die Modernisierung der Verkehrswege. Interessant ist zu sehen, dass der Weg nach Dabel anders verlief als heute und der Kirchweg von Rothen nach Gägelow eingezeichnet ist. Die damalige Hausbebauung in der Dorfstraße zum Kanal bestand aus weniger Häusern als heute. Ein Teil der heute dort stehenden Häusern wurde erst nach 1919 und in der Dreißiger Jahren gebaut. Zur Mühle gab es laut Karte am Ende der Dorfstraße einen Brückenübergang ungefähr dort, wo heute das Wehr ist.

Ausschnitt aus der Hofkarte von Rothen aus dem Jahr 1902


Der Verlauf der Mildenitz war so, dass das Wasser direkt am Haus zum Mühlrad lief und daneben eine Insel im Fluss war. Friedrich .v.Oertzen und seine Frau Auguste sind beide auf dem Friedhof von Gägelow beerdigt. Die Grabstelle war von der Straße aus kommend an der linken Seite der Kirche vorbei an der Kante des Friedhofs zum See. Auguste v. O. lebte bis zu ihrem Tode 1947 erst in Bad Doberan /Goethestr.19 und zum Schluß in Rostock. Die Grabsteine sind nicht mehr vorhanden. Drei Aquarelle und ein Foto aus dem Jahr 1919 zeigen das Gutshaus und den Park in seiner damaligen Gestalt


Diese Postkarte mit der Parkansicht des Gutshaus Rothen zeigt das Haus, wie es vor 1926 aussah. Eine Tante der Familie schrieb diese Postkarte an J端rgen v.Oertzen ( siehe unten )1915 nach Frankreich ins Gefangenenlager.

J端rgen v.Oertzen um 1900 als Kind auf einem Pferd vor dem Eingang des Gutshauses. Auch der Eingang des Gutshauses wurde 1926 umgebaut.


Das Haus in der Ansicht vom Park aus gesehen. Das ObergeschoĂ&#x; ist noch nicht ausgebaut, die Schornsteine sind noch alle vorhanden, weil noch keine Zentralheizung im Haus ist, die Fassade hat die alte Gestaltung, auf der Terrasse ist der Verandaaufbau zu sehen. Das Haus ist bewachsen. (Ausschnitt aus dem nachfolgenden Bild unten)


Ansicht des Gutshauses vom Rothener See aus betrachtet

Der Park vom Gutshaus aus gesehen: Alle Bäume sind kleiner , der Erlenbruch beim Steg ist noch nicht gewachsen und auch die große Eiche rechts ist noch nicht umgebrochen. Im Park sind Wege angelegt, eine weiße Bank lädt zum Ausruhen ein.


Bau des Wasserkraftwerkes in Zülow

1924 wurde beim Bau des Zülower Wasserkraftwerkes auch eine Feldbahn benutzt. Eine Lokomotive setzte am 1.Mai 1924 die rechte Hofseite von Rothen in Brand. Für den Gutsbesitzer Henning v.Oertzen, (5.8.188823.8.1979) Sohn von A.F.v.Oertzen, war dies ein „Glücksfall“, wie er wörtlich selber schrieb. Denn die für den Brand verantwortliche Baufirma Philip Holzmann AG konnte zahlen. Vermutlich wurde mit den Versicherungsgeldern der Umbau des Gutshauses finanziert. Laut Jahreszahl am Balkon über dem Eingang des Gutshauses wurde der Umbau 1926 beendet, und das Haus bekam sein heutiges Aussehen. Henning v.Oertzen war außerdem Mitglied des Aufsichtsrats der Haake-Beck Brauerei in Bremen. Seine Frau stammte aus der Familie Jenisch, die Mitbesitzer der Brauerei war und sehr vermögend.


Postkarte mit der Vorderansicht des Gutshauses Rothen von 1926

Henning v.Oertzen königlich preußischer Rittmeister (5.8.1888 – 23.8.1978)

Karla v.Oertzen, Gemälde von 1922

Karla v.Oertzen, geb.Jenisch, verw. v.Waldow (7.3.1889 – 27.9.1975)


In den 20er und 30er Jahren wurde in Rothen auf dem Gut viel gebaut. In der Dorfstraße kann man noch heute die Zahl 1921 oder 1938 an einem der Landarbeiterhäuser sehen und die Initialen H.v.O. (Henning v.Oertzen). Die Bilder aus den 30er Jahren zeigen eine riesige Gutsanlage mit Scheunen, Pferdeställen, Stellmacherei, Feldscheune, Kuhstall. Bis auf den halben Pferde – und den Kuhstall (heute der „Rothener Hof“) sind alle diese Wirtschaftsgebäude des Gutes verschwunden. Aus den abgerissenen Gebäuden wurden die Steine für den Bau der Neusiedlerhäuser nach 1945 im Dorf genutzt.

Blick vom Balkon des Gutshauses auf die Wirtschaftsgebäude: ganz rechts der Kuhstall, dahinter die Stellmacherei, gegenüber die Roggenscheune.


Pferdestall und Roggen-Scheune des Gut Rothen

Der ehemalige Kuhstall des Guts Rothen, heute gehört der Stall dem Verein „Rothener Hof“


Blick vom Gutshausbalkon auf den Kuhstall und den Gutsgarten, wo heute der Kräutergarten des „Rothener Hofs“ ist

Die Mustiner Landstraße, links das Trafohaus


Postkarte vom Erntedankfest 1931. Die Gutsarbeiter und -arbeiterinnen überbringen in einem Festumzug die Erntekrone dem Gutsherrn. Im Hintergrund sieht man die Mauer, die den Garten zur Mustiner Landstraße abgrenzt. Vor der Erntekrone marschiert die Blasmusik. Auf dem Schimmel reitet der Verwalter Malwitz.

Foto vom Erntefest 1931: Die Gutsangestellten, d.h. das gesamte Dorf marschierte zum Gutshaus mit der Erntekrone und posierte für das Gruppenbild. Rechts auf dem weißen Pferd Gutsinspektor Malwitz


Wenige Jahre später (1938) marschierte ein Trupp von sechs Männern in SA-Uniform hinter der Erntekrone her. Heinrich Köhler, ehemaliger Pferdeknecht auf dem Gut, erinnert sich, dass die SA-Männer nicht aus Rothen stammten. Die Herrschaft habe mit der Partei nichts am Hut gehabt( hier irrt H.K.-siehe unten )

Elsbeth Ernst (1.v.l) , Paula Ernst (3.v.L) mit der Erntekrone vor der Stellmacherei

Die Dorfjugend mit der Erntekrone vor der Stellmacherei. Im Hintergrund sieht man die SA-Männer in Uniform. 1938


M채hbinder mit Pferdegespann

Pferdegespann des Rothener Gutes. Mit solchen Gespannen wurde noch in den 30er und 40er Jahren auf dem Feld gearbeitet. Dritter von links ist Franz Ernst.


Arbeiter vom Gut Rothen: ganz links Franz Ernst, in der Mitte Martin Ernst.

Gutsk端che war im Keller des Hauses. Das Personal hat sich zum Gruppenbild zusammengesetzt.


Freier Blick in den Park und auf den Rothener See

Die Mildenitz mit der Br端cke nach Rothenm端hle im Hintergrund


Kinder aus der Oertzen-Verwandtschaft, die im Krieg f端r eine Zeit im Gutshaus untergebracht waren

Ansicht des Gutshauses aus dem Jahre 1944


Das Leben in Rothen war für die Mehrheit der Bewohner von harter Arbeit geprägt. Der Pferdeknecht schlief bei den Pferden oder im Keller des Gutshauses. Sanitäre Einrichtungen waren primitiv: Plumsklo im Garten, Wasser aus der Pumpe, Wäsche wurde im Bach gewaschen. Die Landarbeiter, die in den Gutskaten in der Dorfstraße wohnten, hatten meistens etwas Vieh auf ihren kleinen Höfen. Ein Liste des Viehversand K.Baustian aus Dabel ( im Archiv von Helga Böhnke aus Dabel) verzeichnet zwischen 1935 und 1942 diverse Viehlieferungen aus Rothen. Mal ein Schwein oder eine Kuh oder ein Kalb wurde von Familie Schapert, Ernst, Schmidt, Waak, Ferle, Rockmann, Bab oder anderen Familien eingeliefert und vom Viehhändler aufgekauft. U.an. 57 Schweine wurden in diesen Jahren bei Händler Baustian von den Landarbeiterfamilien verkauft. Gutsherr v. Oeertzen verkaufte im gleichen Zeitraum 77 Schweine. Die Verkehrswege besserten sich erst in den Jahren 1908 -12. In dieser Zeit wurde mit Landesbeihilfe die Kopfsteinplasterstraße von Rothen nach Borkow durch den Rothener Gutsherrn gebaut, damit die Ernte besser zum Bahnhof und notwendige Güter wie Kunstdünger vom Bahnhof zum Gut transportiert werden konnten. Im letzten Haus links in der Dorfstraße war die “Kasern“, die Schnitterkaserne, dort wohnten die Schnitter, d.h. meist polnische Saisonarbeiter für die Ernte, ca. 15 Mann. Im Jahr 1925 wohnten in Rothen 105 Einwohner.


Heinrich Köhler erzählt: Gespräch in Sternberg am 8.8.2007 Heinrich Köhler wurde 1920 in Rothen geboren. Er lebte bei seinen Großeltern Detlof erst im letzten Haus in der Dorfstraße rechts, später in der Mittelwohnung im neuen Haus, d.h. dem heutigen Haus von Petra Suhrbier und Familie Bölkow in der Mittelwohnung. Sein Großvater war Pferdeknecht im Gut. Seine Mutter war Hausangestellte im Gut, arbeitete in der Küche, bediente bei Festen. Heinrich Köhler ging in Mustin zur Schule, ein Jahr auch in Gägelow. Dorthin ging´s immer zu Fuß, bis weit in den Winter mit Kniestrümpfen. Lehrer in Mustin war Herr Ohlenrot aus der Rothener Mühle. Die Familie bekam vom Gut Holz als Langholz. Das musste Heinrich Köhler mit der Hand sägen, später erst mit der Kreissäge. Köhler wurde Pferdeknecht auf dem Gut. Als seine Großeltern wegzogen, wollte ihn die Gutsherrschaft behalten. Er wohnte dann unter dem Gutshausbüro im Anbau des Gutshauses. In dem Büro arbeitete die Gutssekretärin Fräulein von Einem, die bei den Herrschaften ein und ausging. Stellmacher war Herr Schapert, er konnte auch Klarinette spielen. Inspektor vom Gut war Herr Mallwitz. Die SA Leute sind nach Köhlers Erzählung nicht aus Rothen, die Herrschaft vom Gut hatte damit nichts am Hut. (Hier irrt H.Köhler. Charlotte Richter und H.U. Mallwitz konnten sich noch an die Namen einzelner SA Männer aus dem Dorf erinnern) Die Haferscheune war oben an der Straße, daneben der Düngerschuppen, die Roggenscheune dort, wo heute Bohaczecs und Kwaders Haus steht. Gegenüber die Stellmacherei und die Wagenhalle. Kornwägen gegenüber vom Kuhstall, wo heute der Parkplatz vom Rothener Hof ist. Chauffeur vom Gut war Wilhelm Schwank. Die Herrschaften hatten immer so einen „komischen“ Wagen, erinnert sich Heinrich Köhler, er meint


einen Cadillac. An dieses Auto erinnert sich auch Hans-Ulrich Mallwitz, der Sohn des Verwalters

Der Schweinestall war dort, wo heute der Bolzplatz für die Dorfjugend ist. Er wurde vermutlich in den 40er Jahren gebaut, weil er auf früheren Fotos dort noch nicht zu sehen war. Das Bild stammt aus den 50er Jahren. Im weißen Hemd Herr Krätzel.


Der 5.von rechts ist Heinrich Köhler ca. 1935 als 15jähriger Dorfjunge auf dem Feld.

Zur Ernte kamen jedes Jahr die sogenannten Schnitter, meist polnische Saisonarbeiter (hier auf dem Feld des Gutes Rothen ca. 1935). Sie wohnten in der Schnitterkaserne, dem heutigen Wohnhaus von Rudi Schreiber in der Dorfstraße links das erste Haus


Hans-Ulrich Mallwitz wurde 1926 in Rothen geboren. Sein Vater war Herbert Mallwitz, geb. am 3.4.1893 und seine Mutter Elfriede Mallwitz, geboren am 25.9.1899. Tochter Marlies Mallwitz kam 1925 auf die Welt. H. Mallwitz kam ca. 1922 mit seiner Frau nach Rothen und arbeitete hier als Verwalter des Gutes. Er wohnte in dem Verwalterhaus, das Friedrich v.Oertzen 1919 hat bauen lassen, in der oberen Hälfte, in der anderen Haushälfte hat die Gutssekretärin Fräulein von Einem ihre Wohnung. Der Garten der Familie reichte bis zum Trafohaus und war wie ein kleiner Park mit Rondell, Kinderschaukel und Laube angelegt. Die Familie Mallwitz stand im Dorf zwischen der Gutsherrschaft und den Landarbeitern. Uli Mallwitz berichtete, dass er zu den Kindern im Dorf eine gewisse Distanz hatte. Herbert Mallwitz war Parteigenosse der NSDAP und Ortsbauernführer. Gespielt wurde viel an der Mildenitz, in der auch gebadet wurde. Die Kinder klemmten sich Schilfbündel unter die Arme und ließen sich so im Wasser treiben. Wenn die Herrschaften nicht da waren, schlichen sich die Kinder heimlich von der Brücke aus in den Park, um zu angeln. Beeindruckende Erinnerung für Uli Mallwitz war die jährliche weihnachtliche Bescherung im Gutshaus. Im Keller (sic!) des Gutshauses versammelten sich die Dorffrauen und die Kinder und sangen Weihnachtslieder. Uli Mallwitz erinnert sich noch, dass er einmal Schlittschuhe und sein erstes Karl May Buch bekam. Herbert Mallwitz ging nach 1945 mit der Familie nach Schwerin, kehrte aber bald wieder auf Drängen seiner Frau nach Rothen zurück, um dort die Rückkehr vom Sohn Hans–Ulrich aus der russischen Kriegsgefangenschaft abzuwarten. 1947 kam der 21 jährige junge Mann nach Hause, machte eine landwirtschaftliche Ausbildung in Schabernack bei Güstrow und verließ dann die DDR, als man ihn aufforderte, Volkspolizist zu werden. Mutter Elfriede Mallwitz starb 1951 und ist in Goldberg


begraben. Herbert Mallwitz zog dann nach Woserin, wo er 1971 starb. Uli Mallwitz lebt heute bei Hamburg in Seevetal.

Erntedankumzug 1938 in der DorfstraĂ&#x;e. Auf dem weiĂ&#x;en Pferd Gutsverwalter Herbert Mallwitz.

Gutsverwalter Herbert Mallwitz vor den Gutshaus Rothen


Oertzenkarren auf der Landstraße in Rothen

Dorfjungen helfen bei der Ernte, rechts H.U.Mallwitz ca. 1940

Ernte in Rothen in den 30iger Jahren: Dreschen auf dem Hof.

H.U.Mallwitz mit seiner Schwester auf einen Oertzenkarren beim Ernte einfahren. Es gab 1,- RM pro Tag !

Gutsverwalter Herbert Mallwitz mit dem preisgekrönten Zuchteber vor dem Schweinestall, heute Fußballplatz


H.Mallwitz hoch zu Ross

H.U. Mallwitz auf der „Hungerharke“ als Erntehelfer

Gutsverwalter Herbert Mallwitz (links) mit Gutsbesitzer Henning v.Oertzen (rechts) auf dem Hof vor der Stellmacherei


Im Garten der Familie Mallwitz auf der Schaukel Marlies Mallwitz, H.U.Mallwitz und Charlotte Gerhard

H.U.Mallwitz mit neuem Rad und HJ Uniform

BadespaĂ&#x; im Zuber vorm Verwalterhaus H.U.Mallwitz und Charlotte Gerhard, die Kusine

Tauziehen im Garten der Familie Mallwitz

Bereit zum Kutsch-Ausflug auf der LandstraĂ&#x;e vor den Schweinestall

Familiefoto vor dem Verwalterhaus mit Besuch Lehrer Ohlenroth


Dorfkinder in Festtracht am Erntedank 1938 vor der Stellmacherei. Im Hintergrund das Gutshaus Rothen

Weihnachten bei Familie Mallwitz ca.1936

H.U.Mallwitz (rechts) mit seiner Schwester Marlies(links) vor dem Gutshaus Ca. 1928 .


Gespräch im Sommer 2009 mit Charlotte Richter, geb. Gerhard : Frau Richter ist die Kusine von H.U. Mallwitz und wohnte mit ihrer Mutter in Rostock. Da es eine gute Bahnverbindung gab (Damals fuhr die Bahn noch bis Borkow), war sie sehr oft bei den Verwandten, der Familie Mallwitz hier in Rothen. Vom Bahnhof wurde sie im „Pastorwagen“, einem offenen Wagen mit Ballonrädern und dem Pferd „ Sepl“ abgeholt. Für sie als Stadtkind war das Leben in Rothen die unendliche Freiheit, die Kleidung war egal, die Kinder waren gänzlich ungebunden. Es wurde geangelt auf der Seebrücke (dem Steg), man konnte in den Pferdestall gehen und sogar in den Gutspark, aber nur wenn die Herrschaft nicht da war. Es gab schon eine gewisse Distanz zur Herrschaft und einen besonderen Respekt. So wurde die Bescherung an Weihnachten für die Angestellten im Keller durchgeführt, wo auch die Küche des Gutshauses war. Frau Richter erzählt, dass es nicht nur den Chauffeur Herrn Schwank für das Auto des Gutsherrn gab, sondern auch noch eine zweites Auto, einen kleinen grünen Opel, den die Gutssekretärin Fräulein von Einem fuhr. Im Gutsgarten gab es ein Glashaus mit Weintrauben und sie erinnert sich noch daran, dass im linken Pferdestall (der heute noch steht) schöne Kacheln an der Wand waren. Das war der Kutschpferdestall, in dem auch die herrschaftlichen Pferde standen namens Kümmel und Korn. Bei den Linden, östlich vom heutigen Parkplatz, gab es einen Eiskeller in der Erde. Einmal schaute Frau Richter dort


hinein und sah einen Rehbock dort hängen. Herr Waack war der Schweizer. Und morgens klapperte das „Holzpantoffelgeschwader“ der Dorfkinder am Verwalterhaus vorbei, wenn die Kinder in die Schule gingen. Die Gutsherrin war ein „prächtige Frau“,wie Frau Richter berichtet, und saß täglich auf dem Pferd. Die Oertzenkinder spielten nicht mit den Dorfkindern, sondern blieben für sich. Sie spielten Krocket und machten Tontaubenschießen. Und während des Krieges gab es sogar ein Segelboot auf dem See. Charlotte Richter wurde von ihrem Onkel oder seiner Frau öfters für Botengänge ins Gutshaus geschickt. Daher kannte sie das Haus und wusste, dass im Saal ein Flügel stand. Ein besonderes Ereignis war immer das Erntefest. Unter den Linden (neben dem heutigen Parkplatz) wurde eine große Tafel mit Bänken und Tischen für die Frauen und Kinder des Dorfes aufgebaut. Die Mädchen trugen Mecklenburger Tracht. Es gab Butterkuchen und Kaffee aus großen Kannen. Und hinterher bekamen die Frauen in die Schürzen Würstchen für die Kinder. Dann wurde das Vieh versorgt und abends gab es Freibier und Schnaps auf dem Kornspeicher. Onkel Herbert ( d.i. Herbert Mallwitz, der Verwalter) ging mit der Schnapsflasche rum und schenkte aus, und wer zuviel intus hatte, bekam nichts mehr. Die Musiker kamen aus der Umgebung. Die Klarinette spielte Stellmacher Schabert. Seitdem ist für H.U.Mallwitz der Ton der Klarinette Ausdruck von Feierlichkeit. Nach dem Erntefest gab es immer eine Prügelei mit den Mustinern. Das gehörte einfach dazu. Das letzte Erntefest war 1940.


Umzug beim Erntefest im Dorf. Im Hintergrund das Haus, in dem heute M.BĂśhlke wohnt.

Schlittenfahren auf der Koppel neben den Gutspark, der mit einem weiĂ&#x;en Holzzaun abgeTrennt war. v.L.: Marlies Mallwitz, Charlotte Gerhard, H.U.Mallwitz


Annine von Einem war die Gutssekret채rin in Rothen. Sie wurde am 8.9.1902 geboren und laut ihrem F체hrer schein, der am 2.Juli 1929 ausgestellt wurde, lebte sie da schon in Rothen. Es ist bemerkenswert, dass sie als junge Frau zu der Zeit schon einen F체hrerschein hatte und wie die Fotos zeigen, auch ein eigenes Auto.

Annine v.Einem 1929

Die Patentochter von Fr채ulein v.Einem, Frau Wiebke Weege, besuchte 2011 Rothen und stellte der Chronik


zahlreiche Fotos von ihrer Patentante aus deren Fotoalben zur Verfügung. Die Bilder zeigen den Blick dieser alleinstehenden jungen Frau auf das Leben auf dem Gut. Stolz wird die Einrichtung des Zimmers präsentiert. Sie zeigt sich selbstbewusst in der Mode der Zeit, sogar im Badeanzug auf dem Steg am See, mit tragbarem Grammophon, im eigenen Auto, im Auto der Gutsherrschaft oder mit Freunden in einer Beiwagenmaschine. In den Alben fanden sich auch Bilder von der Einrichtung des Gutshauses, vom großen Nutzgarten mit dem Treibhaus, von neuen Ansichten der Wirtschaftgebäude. Bislang einmalig auch Szenen wie die der Jagdgesellschaft, das Krocketspiel auf dem Vorplatz oder junge Leute - wohl Freunde oder Verwandte der Gutsbesitzer -auf dem Steg. Fräulein von Einem flüchtete 1945 in den Westen und lebte dort bei Lüneburg als Flüchtling. Ihre Patentochter schrieb über ihre Tante: "Nun habe ich, woran Ihnen ja sehr lag, ein recht schönes Foto mit der Erntekrone gefunden, aber es ist nicht genau das, das in meinen Kopf herumspukt, da wird nämlich die Erntekrone dem Gutsherrn überreicht und Frau v. Oertzen steht daneben auf den Stufen. Ich vermute, dass es sich in einem der Alben meiner Mutter befindet, denn da habe ich des Öfteren gestöbert. Wie sich unschwer aus den Fotos ersehen lässt, hat meine liebe Tante doch ein recht munteres und unabhängiges Leben geführt in den 20er und 30er Jahren; bedingt durch Flucht und damit Arbeitsplatzverlust hat sie dann recht bescheiden mit ihrer Mutter Jahrzehnte als kleine


Buchalterin beim Förster (von dem Bussche) in Hitzacker gelebt, bis die Mutter dann starb. Nervenzusammenbruch, weil sie vor dem Nichts stand. Keine Nachweise über Berufstätigkeit etc., wie das früher oft der Fall war. Sie kam dann kurz zu uns und versuchte neu Fuss zu fassen, wobei mein Vater ihr behilflich war, v.a. zu Rentenansprüchen zu kommen. Ich weiss nicht mehr genau, war zu jung, aber v. Oertzen hat wohl Bescheinigungen ausgestellt. Sie arbeitete dann als 'Gesellschafterin' und Chauffeuse(!) für eine alte adlige Dame in Arolsen, bis ihr eigenes Augenlicht stark abnahm. Jedenfalls starb sie letztlich 1988 ganz elend halbseitig gelähmt aber bei vollem Verstand 3 oder 4 Jahre nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim in Nortorf/Holstein. Über all dies nochmal nachzudenken und die wenigen Briefe zu lesen, die sie hinterlassen hat, war eine sehr zwiespältige Erfahrung. Sie war eine durch und durch konservative Frau, pardon Fräulein, monarchischnostalgisch oder wie man das sonst nennen könnte; aber ich habe sie doch als sehr realistisch und bodenständig in Erinnerung, sehr naturverbunden, immer in Gesellschaft des jeweiligen Rauhaardackels.... Naja, das führt zu weit, ist aber vielleicht nicht ganz unnütz, um ein Bild von ihrer Persönlichkeit zu bekommen(wie auch die von ihr gesammelten Nazi-Witze)."


Fräulein v.Einem in ihrem Zimmer und im Gutsgarten

Die erwähnten Naziwitze, die eigentlich Anti-NaziWitze sind, hat Fräulein v. Einem während der Nazizeit begonnen zu sammeln. Sie geben also authentisch wider, was damals als Witz kursierte und auch verstanden wurde, denn sonst hätten die Witze ja nicht funktioniert. Die Sammlung der Witze zeigt, wie weit die Untaten der Nazis im Bewusstsein der Menschen verankert waren, was man alles gewusst hat und wie man sich darüber lustig machte mit oftmals schwarzem Humor.


Fräulein v. Einem im Motorrad auf der DorfstraĂ&#x;e und vor der Stellmacherei, im eigenen Auto und im Auto der v. Oertzens vor dem Gutshaus, vor dem Gutshauseingang und am Badesteg im Badeanzug.


Wohnzimmer im Gutshaus

Fr채ulein v. Einem in ihrem Zimmer am Schreibtisch

Am Rothener See

Wintergarten im Gutshaus

im Wintergarten


Ehepaar v. Oertzen (rechts) mit Besuchern vorm Gutshaus

Der Chauffeur mit dem Auto von Fr채ulein v. Einem

Jagdgesellschaft

Das herrschaftliche Auto mit Chauffeur

Krocketspiel auf dem Gutshof

Ernte auf den Rothener Feldern


Kuhstall

Gutssgarten und Treibhaus

Stellmacherei

Kuhstall

Gutshaus Rothen


Blick von der Mildenitz zum Dorf

Das Dorf

Bahnhof Borkow

Br端cke 端ber die Mildenitz in Rothen

Der Gutsgarten

Badesteg am See


Badesteg am See

Die Erntekrone vor dem Gutshaus

Fr채ulein v. Einem vor dem Treibhaus


In der Zeit des Nationalsozialismus war das Verhältnis der mecklenburgischen Gutsbesitzer zu den Nazis zwiespältig. Zwar hatten viele Gutsbesitzer die Machtergreifung der Nazis begrüßt, aber gleichzeitig Probleme mit dem NSDAP-Gauleiter Friedrich Hildebrandt in Mecklenburg. Die Beziehung war davon geprägt, dass Hildebrandt ursprünglich Landarbeiter war und sich als Vertreter der kleinen Leute aufführte und oft über die Gutsherren schimpfte, und umgekehrt etliche Gutsherren in Hildebrandt den proletenhaften Knecht sahen und auf ihn herabschauten (siehe dazu: Bernd Kasten, Herren und Knechte,2011) In den Protokollen der "Tagungen des Gauleiters F.Hildebrandt... " findet sich am 15.3.1943 folgender Eintrag: "Angelegenheit von Oertzen in Rothen. Ich habe angeordnet, dass er nicht angezeigt wird. Ich will abwarten. Aber er wird auch erschossen, wenn es soweit ist. Er geht genauso über den Jordan. Jetzt ist es der Inspektor, der als Zeuge auftritt. Nun sind andere Gutsbesitzer da, die sich ähnlich über den Führer geäußert haben" (Ed.Temmen , S.647). Genauere Hinweise, um welche "Angelegenheit" es sich handelte, gibt es nicht, aber zu vermuten sind abfällige Äußerungen von H.v.Oertzen über den "Führer" - der Nachsatz legt das nahe. Als Zeuge dafür führt der Gauleiter den Inspektor an. Wenn das stimmt, wäre Verwalter Mallwitz gemeint, der Ortsbauernführer in Rothen war. Das Zitat aus dem Protokoll passt zu den Erinnerungen von Fritz v.Oertzen, der berichtete, dass sein an sich sehr konservativer Adoptivvater die Nazis nicht mochte.


1945 flohen die Besitzer von Rothen, die Familie v. Oertzen auf Pferden von ihrem Gut. Eine ehemalige Gutshausbewohnerin erzählte, es wären weiße Pferde gewesen. Das „Schloß“, so berichteten alte Rothener, wurde geplündert. Russische Soldaten rissen angeblich die Heizung raus, auf den Fotos ist sie allerdings noch zu sehen. Dorfbewohner und einquartierte Flüchtlinge nahmen aus dem „Schloß“, was sie brauchen konnten, u.a. elegante schwarze Möbel, Porzellan, usw. Denn wer hier als Flüchtling ins Dorf kam, hatte in der Regel nichts und konnte alles brauchen. In Tagebuchnotizen von 1945 beschreibt Henning v.Oertzen seine Flucht.


Erste Seite aus dem Fluchttagebuch v.H.Oertzen


Die Not bedrückte Einheimische wie Flüchtlinge. Im Gutshaus wurden bis zu 15 Flüchtlingsfamilien einquartiert. Der Saal wurde zeitweilig mit Tüchern unterteilt und in jeder Abteilung wohnte eine Familie. Schräg durch die Eingangshalle wurde eine Trennwand gezogen, hinter der eine Küche eingerichtet wurde. Eine ehemalige Bewohnerin, Frau A.Wagner, die mit ihrer Mutter als Vierjährige im Gutshaus unterkam, erinnert sich: „Die Tante bewohnte mit 5 Personen das Balkonzimmer. Nun kamen wir an. Wir zogen in die Räucherkammer. Ich weiß noch, es wurde versucht, etwas Farbe an die fettigen Wände zu bekommen, doch es wurde nichts. Meine Mutter stopfte einen Strohsack und schon hatten wir eine Schlafmöglichkeit. Ich fand die drei kleinen Fenster so unheimlich tief.“

Die drei kleinen Fenster im Dachboden


Dieter Dobratz, geboren 1937, kam als zehnjähriger Junge nach Rothen. Heute, 2006 berichtet er, dass die ersten Jahre seiner Zeit als Kind hier in Rothen die schlimmsten Jahre seines Lebens waren. Einmal hatte seine Familie drei Monate nichts zu essen, keine Kartoffel, kein Brot - nichts. Sein Vater hat ihn morgens um 5 Uhr geweckt und er musste sich im Wald Himbeeren sammeln und davon satt essen. Dann ging es zu Fuß ohne Schuhe nach Mustin in die Schule. Mittags bekam er eine Schale in die Hand gedrückt und musste sich wieder Essen im Wald suchen. Herr Dobratz hat als Junge auch erlebt, wie zwei Freunde im Rothener See ertranken. Im Winter sind die beiden Brüder von Werner Vogelgesangs Frau mit dem Schlitten aufs Eis gefahren, der eine brach ein, der andere wollte ihn retten, was nicht gelang und auch ein größerer Jungendlicher konnte nicht helfen. Noch heute kann Dobratz diese schreckliche Kindheitserinnerung nicht verdrängen. Später erlebte er auch Schönes im Gutshaus, wenn die Musik aufspielte, wenn auch nicht sehr wohlklingend, so doch bestens geeignet zum Tanz. Da fand er auch seine erste Liebe, eine FDJlerin aus Thüringen, die zum Ernteeinsatz in Rothen war.


Ernst Marg, 25 Jahre, vorm Eingang des Gutshauses ca.1950

August Bartel und Auguste Grotzke, Fl端chtlinge , auf der Treppe des Gutshauses ca. 1950


Familie Marg bei der Taufe der Tochter Christa Sommer 1950 vor dem Gutshaus – Eingang: vordere Reihe v.l.: Walter Nielson, Gertrud Marg, Erich Marg, hintere Reihe3.v.l. Tante Lieschen Nielson, Onkel Herbert Nielson, Oma Marta Bartel, Opa August Bartel

Weihnachten 1953: Flüchtlingsfamilie Marg ( Die Mutter, Tochter Christa und der kleinere Bruder) im ehemaligen „Waffenzimmer“ des Gutsherrn


Nicht nur im Gutshaus änderte sich viel, auch der Charakter des Dorfes wandelte sich. Ein Teil der Wirtschaftsgebäude wurde abgerissen und an deren Stelle und aus deren Material Häuser für die Neubauern gebaut. Familie Dotschuweit z.B. baute ihr neues Haus genau an der Stelle, wo die zweite Hälfte des Pferdestalles stand.

Neubauernhaus der Familie Dotschuweit in Rothen. Man erkennt noch die Mauern des alten Pferdestalls, die für Den Hausbau genutzt wurden.

Familie Dotschuweit Anfang der 60iger Jahre: Helene, Manfred , Karin und Melkermeister Erhard Dotschuweit. Sohn Manfred wohnt mit seiner Mutter noch heute in dem Haus


Auch die Vogelgesangs kamen als Flüchtlingsfamilie aus Ostpreußen nach Rothen. Zuerst wurden sie im Haus der Familie Necker einquartiert, 10 Menschen wohnten auf äußerst beengtem Raum in dem Landarbeiterhaus in der Dorfstraße. Zu essen gab es nichts, sie mussten oft ihr Essen stehlen. Später gab es dann Lebensmittelkarten und die Versorgungslage besserte sich langsam. Anfänglich mussten die Dorfbewohner unter dem Kommando der russischen Besatzung arbeiten. Im ehemaligen Inspektorhaus des Gutes an der Mustiner Landstraße neben dem Trafohaus war die Kommandantur: Ein sowjetischer Offizier, der eigentlich Tierarzt war und ein Soldat. Die Ernteerträge wie Hafer oder anderes Getreide ließen sie in den unteren Räumen des Gutshauses einlagern. Der Soldat kontrollierte die Arbeit der Dorfbewohner, wer beim Klauen erwischt wurde, wurde für ein paar Tage im Anbau des Gutshauses, dem ehemaligen Gutsbüro im Erbsenlager eingesperrt. Später wurde die Familie Vogelgesang im Gutshaus untergebracht. In der Eingangshalle wurde eine provisorische Küche abgeteilt - noch heute kann man im Parkett eine Spur der Trennwand erkennen. Am 22.2.1946 wurde Werner Vogelgesang Neubauer und bekam die Flurnummer 12 mit 6,52 ha Land schuldenfrei zugeteilt.


Neubauernurkunde von Werner Vogelgesang. Interessant ist die Grafik im Stile der Blut und Boden 窶的dylle, die rote Sonne geht vor einer mittelalterlich anmutenden Landschaft auf. Das Motto der Urkunde spricht von gesunden Bauernwirtschaften auf Grundlage des Privateigentums.


Katasterplan von 1946, auf dem die FeldstĂźcke verzeichnet sind, die Werner Vogelgesang als Einzelbauer besaĂ&#x;.


Zunächst musste ein Haus gebaut werden. Steine nahm man vom Abriss der ehemaligen Gutsscheune. 4 Sack Zement gab es zugeteilt für den Hausbau - damit konnten gerade die Fenster- und Türstürze gemacht werden. Nägel gab es nicht, aus dem geklauten Draht von Koppelzäunen wurden sie notdürftig hergestellt. Für die Deckung des Daches wurde am Rothener See das Schilf geschnitten. An fließend Wasser war nicht zu denken. Mit einem 200-Liter-Faß wurde das Wasser täglich aus der Mildenitz geholt. Mit dem Wasser wurde gekocht, die Tiere getränkt, gewaschen.

Familie Vogelgesang verabschiedet Besuch. Ganz links die Eltern von Werner Vogelgesang, ganz rechts seine Frau. Links am Bildrand erkennt man das Reetdach des Hauses

Viele Flüchtlinge hier in der Gegend waren Deutsche aus Jugoslawien. Die Frauen trugen häufig ein Kopftuch -eine Tradition aus ihrer Heimat. Das Haus im Hintergrund ist die ehemalige Schnitterkaserne am Ende der Dorfstraße.


Vogelgesang bei Kartoffel hacken – Handarbeit wie im Mittelalter im Jahr 1947. v.L. Hermann Vogelgesang, Erna Luschas, die spätere Ehefrau von Werner Vogelgesang, Werner Vogelgesang.

Werner Vogelgesangs erste Sau - obwohl der Magen knurrte, brachte er es nicht übers Herz sie zu schlachten.


Viele Flüchtlinge kamen aus der Stadt und waren keine Bauern. Auch Werner Vogelgesang war Städter, er kam aus Tilsit und wollte Apotheker werden. Er ließ sich überreden, Bauer zu werden, hatte aber anfänglich von Landwirtschaft keine Ahnung. Die Neubauern hatten nichts. Sie bekamen etwas Saatgut zugewiesen und mussten mit den wenigen veralteten Maschinen arbeiten, die noch vorhanden waren. Werner Vogelgesang pflügte mit einem mit Eisenrädern ausgestatteten Traktor vom ehemaligen Gut, und da auch nachts gearbeitet werden musste, ging einer mit der Laterne vorweg in der Furche, damit der Fahrer etwas sehen konnte. Werner Vogelgesang konnte sich dann ein Pferd von einem Bauern weit hinter Bützow abholen, das dieser zwangsweise abgeben musste. Da es keine Verkehrsmittel gab, musste Werner zu Fuß dahin gehen. Später gab es dann die Maschinenausleihstation in Mustin, was die Arbeit etwas erleichterte. Am 1.10.1946 waren zum ersten Mal Gemeindewahlen. In Rothen wurde Ernst Friedrich Carl Waak, SED Mitglied zum Gemeindevorsteher gewählt. Am 1.7.1950 wurden Rothen, Woserin und Borkow zur Gemeinde Borkow zusammengelegt. Mit 32 Neubauern hatte im Dorf die Zeit der Einzelbauern begonnen. Davon blieben dann 8 Einzelbauern übrig. In relativ kurzer Zeit traten sie der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe bei und wurden dann später erst Mitglied der LPG Mustin und dann der LPG Borkow. Diese LPG war nicht so produktiv, so dass die LPG Mitglieder nur 80% vom Lohn gezahlt bekamen.


Pause bei der Feldarbeit Ende der 40er Jahre

Poststelle im Haus der Familie Vogelgesang ca.1947.v.l. Hermann Vogelgesang, G端nther Sievert


Rothen feiert den Kindertag im Gutshaus, Aufnahme aus den 50er Jahren

Am Kindertag wurde im Gutshaus gefeiert, das Gruppenfoto wurde auf der Treppe gemacht. Ca. um 1960. Ganz links Kinderg채rtnerin Tante Christl Gedigk.


Umzug durchs Dorf am sozialistischen Kindertag am 1. Juni des Jahres. Vom Gutshaus bis zur MildenitzbrĂźcke ging der Zug mit dem Schifferklavier vorneweg. Aufnahme aus den 50er Jahren

Weihnachtsfeier mit den Kindern aus Rothen im groĂ&#x;en Saal des Gutshauses, ca. 1960. Die 3.v.l. ist Regina Marg, die vierte v.l. Renate Marg.


Umzug beim Erntefest in den 50iger (links) und 60iger (redchts) Jahren in Rothen

Ernst Marg mit Christa beim Pferdestall Da wo heute der Reitplatz ist, standen Buden der „Schloß“bewohner, im Hintergrund der Kuhstall ohne den Anbau.

Erltern Marg mit Christa (linkes Bild) und Großvater August Bartel mit seinen Gänsen. Der Blick zum See war frei, nur die Eiche stand schon. Sie ist heute vom Blitz gespalten.


Auf dem Fahrrad GroĂ&#x;vater Dotschuweit Anfang der 50er Jahre. Man sieht links noch die alte Gutsschmiede.

Um 1960 wurde der neue Schweinestall am Dorfeingang gebaut. 2006 wurde der zerfallene Stall abgerissen.


Bis auf die eine Hälfte des Pferdestalls und den Kuhstall verschwanden mit den Jahren die anderen Gebäude des Gutshofes. Der Abriss der Gutsscheune ( die ehemalige Haferscheune) auf dem heutigen Grundstück der Familie Vogelgesang wurde offiziell damit begründet, dass das Bild des Gutsdorfes verändert werden sollte. Eigentlich wäre die Scheune noch zu gebrauchen gewesen. Im Kuhstall wurde von der LPG das Milchvieh gehalten und die ehemaligen Neubauern waren nun Landarbeiter, angestellt bei der LPG Morgenrot.

Milchannahmestelle im ehemaligen Kuhstall des Gutes und Blick auf den Kuhstall Vom Haus der Familie Dotschuweit aus gesehen. Oben links Frau Helene Dotschuweit, daneben Lisbeth Sender. Das Bild unten zeigt, dass der Anbau der Gutsscheune in den 50iger Jahren abgerissen Der Anbau wurde später wieder aufgebaut.

war.


Die Familie Ernst ist eine der Familien, die schon zu Beginn des 20.Jahrhunderts in Rothen ansässig war, hier aus der Gegend stammte und nach wie vor in Rothen, Dabel, Woserin oder Sternberg lebt. Am Beispiel dieser Familie kann man sehen, wie die Landarbeiter hier im Dorf lebten, wer mit wem verwandt war und ist und wie die “große Geschichte“ auf die “kleinen Leute„ eingewirkt hat. Gespräch mit Christa Bölkow und Petra Suhrbier, beide geborene Ernst. Rothen, 7.8.2007 Die Familie Ernst stammt eigentlich aus Baumgarten. Dort lebten die Urgroßeltern. Der Großvater Franz Ernst ist in Baumgarten geboren. Er war Landarbeiter und hat in Stieten als Gutsarbeiter gearbeitet. Von dort musste er wegziehen, weil er entlassen wurde. Er hatte wohl nicht vorteilhaft genug für den Gutsherrn abgerechnet. Er zog dann nach 1922 über Stieten nach Rothen. Seine Frau, die Großmutter Johanna Ernst ist in Rothen geboren. Die Urgroßeltern von Christa Ernst zogen nach Woserin, wo auch eine Reihe von Verwandten später lebten. Noch heute gibt es in Neu Woserin Tante Tegler, geb. Ernst.

. Johanna Ernst ,geb. Lesch als junge Fra

Franz Ernst als Soldat im I.Weltkrieg

Johanna und Franz Ernst


Diese Urkunde, die Franz Ernst fĂźr seine Verdienste als Soldat im I.Weltkrieg bekam, war der Dank des Vaterlandes an den Landarbeiter Ernst. Die Urkunde illustriert, wie sauber und friedlich so ein Weltkrieg ist.

Die Familie Ernst in Rothen: v.l. vorne: Gerhard Ernst, Johanna Ernst, Franz Ernst, Martin Ernst, Mitte hinten Hans Ernst und die beiden Mädchen Ilse und Helga Ernst, TÜchter von Clara Ernst.


Vater Hans Ernst ist 1928 in Rothen geboren, er machte eine Lehre als Schmied, war dann noch ca. ½ Jahr als Soldat im Krieg, kam in englische Gefangenschaft bei Hamburg und zog dann wieder nach Rothen. Hans Ernst lebte mit seiner Frau im Haus der Eltern in der Dorfstr.5a in Rothen. Er war wie seine Eltern Neubauer und hatte eine Siedlung, allerdings kein eigenes Haus. Christa und Petra Ernst erzählen, daß ihre Eltern von früh bis spät nur gearbeitet haben. Um 5 Uhr wurde aufgestanden, bis um 11 Uhr abends geschuftet. Zur Zeit der LPG war der Tagesablauf dann geregelter. Das Zusammenleben mit den Eltern, bzw. Schwiegereltern war in der Enge des Hauses belastend. Christa Ernst sagt, es gab wohl wenige Glücksmomente. Hans Ernst war als LPG-Mitglied zuständig für die Pferde im Pferdestall und dann später nach Abschaffung der Pferde Traktorist. Ende der 70er Jahre ist er aus gesundheitlichen Gründen Invalidenrentner geworden. Er lebte bis 2002 in Rothen und ist 2004 gestorben. Großvater Franz Ernst war von der neuen Zeit angetan und glaubte an den Fortschritt, Gleichheit und Gerechtigkeit. Er brachte nicht nur sein Land und Tiere, sondern auch noch Haus und Hofgrundstück in die LPG ein. Nach der Wende mussten die Erben das Haus zurückkaufen, sie bekamen es nicht zurückerstattet. Franz Ernst war zeitweilig Bürgermeister in Rothen. Onkel Gerhard Ernst, ein Bruder von Hans, war mit Ruth Sender verheiratet, die wiederum eine Schwester von Helmut Sender war, dem Vater von Siegfried Sender. Gerhard Ernst war eine besondere Persönlichkeit. Zuerst war er Milchkontrolleur, dann hatte er lange Jahre den Konsum in Bolz. Er wohnte im Gutshaus, wenn man davor steht oben rechts. Das Balkonzimmer war die gute Stube. Gestorben ist Gerhard Ernst in der Mittelwohnung von Manfred Böhlkes Haus. Es gab noch


einen dritten Bruder von Hans und Gerhard, das war Martin Ernst, der mit Hilde Ernst, geb. Mahl verheiratet war. Hans und Hilde Ernst haben das heutige Fischerhaus von Norbert Marx gebaut. Tante Hildes Familie kam aus Ostpreußen bereits im Kriege hier nach Rothen. Norbert Marx hat sich später um Hilde Ernst gekümmert und von ihr das Haus geerbt. Das sogenannte Tantchen lebt heute in Nisbill im Heim. Sie galt als sparsam und hat immer viel aufgeschrieben, z.B. über lange Zeiträume das Wetter notiert. Christa und Petra Ernst berichten, dass die alten Leute oft unheimliche Geschichten erzählt haben. Z.B. die Geschichte vom kleinen Mann am Igel, d.i. das Wehr an der Mühle. Dort tauchte der kleine Mann mit dem großen Kopf im Nebel auf und war zum Fürchten. Der Großvater Franz hatte einen Sohn, den Onkel Karl Ernst. Der war mit Achaz von Waldow, dem Stiefsohn des Rothener Gutsbesitzers Henning v.Oertzen befreundet.

Onkel Karl Ernst als Wehrmachtsoffizier


Durch dessen Unterstützung konnte er Offizier werden in der Wehrmacht. Er war zeitweise verlobt mit Elfriede Marx, hatte aber später eine Frau aus der Stadt. Karl ist im Krieg umgekommen ebenso wie Achaz von Waldow. Für Christa Ernst war ein wichtiges Erlebnis, wenn bei Großvater Franz Ernst Geldtag war. Dort wurde in den ersten Jahren der Lohn an die LPG Mitglieder ausgezahlt. Die Arbeitseinheiten wurden in Geld umgerechnet, Christa durfte das Geld in die Lohntüten zählen. Sie wünschte damals, später einmal in der Bank zu arbeiten. Als dann die neuen LPG Ställe gegenüber von Senders am Dorfeingang gebaut wurden, hat Großvater Franz öfters mit Landwirtschaftsstudenten in einem Raum des Sozialgebäudes, wo es sogar Duschen und Spülklosett gab, Experimente mit Pflanzen gemacht. Neue Methoden wurden versucht. So gab es eine Zeit lang am Handtuch einen Spargelacker als Versuchsfeld. Christa Ernst ist bis zur 8.Klasse nach Mustin im ehemaligen Gutshaus zur Schule gegangen. Dorthin fuhr sie mit ihren Freundinnen aus dem Dorf mit dem Fahrrad. Die 9. und 10. Klasse absolvierte sie in der Oberschule in Witzin.

Von rechts: Christa Ernst, Rita Necker, Jürgen Nielson, Monika Nielson vor dem Haus Nr. 5a in der Dorfstraße „Zum Kanal“ in Rothen.


Die Schüler wurden nach Witzin von Mustin aus mit einem Trecker und Anhänger, der mit einem Holzverschlag überdacht war, gebracht. Einmal kippte der Anhänger um. Es gab eine Panik unter den Kindern, mehrere Kinder hatten Brüche und Verletzungen. Christa Ernst erinnert sich, dass die Rothener Kindergärtnerin Frau Wandel jedes Jahr ein Laienspiel vorbereitete. Gespielt wurden Märchengeschichten, und schon im Sommer begannen die Vorbereitungen für Kostüme und Kulissen. Spiele der Dorfkinder waren Völkerball, Federball.

Sportplatz vor dem Haus der Familie Sender. Am Gewehr Herbert Rohde.

Vor dem Haus von Senders gab es einen Sportplatz, sogar mit Sprunggrube. Im Sommer wurde am Steg am Kanal beim heutigen Grundstück von Frehses gebadet. Dort wurde übrigens auch die Wäsche gespült von den Familien aus der Dorfstraße. Der Steg am Rothener See war verboten, Fischer Schadtke erlaubte nicht, dort an den See zu gehen. In der Sandkuhle – heute ist dort die Kläranlage – wurde Räuber und Gendarm gespielt und im Winter gerodelt. Weitere wichtige Höhepunkte im Dorfleben waren das jährliche Kinderfest am Kindertag, dem 1.Juni, das


Umzug durch Rothen am Erntedankfest in der Dorfstraße „Zum Kanal“ in den 60er Jahren. Im Hintergrund das Haus, in dem heute Petra Suhrbier, geb. Ernst wohnt, im Umzug das dritte Mädchen mit den kurzen Haaren ist Christa Bölkow, geb. Ernst. Die Erntekrone trägt Herbert Rohde, heute Bürgermeister in Dabel.

Die Kindergartenkinder auf der Treppe vor dem Rothener Gutshaus:v.l und hinten: Detlef Sievert, Birgit Kretzel, Olaf Necker,Uwe Ernst, Kindergärtnerin Frau Isanowske, Conny Wandel, Jörg Necker.


vom Demokratischen Frauenbund organisiert wurde. Auch ein Erntefest fand jährlich statt und diese Feste wurden im Saal des Gutshauses gefeiert. Samstag gab es Jugenddisko im Saal, sonntags Kinderdisko und Onkel Gerhard Ernst zeigte Kinofilme im Saal. Sehr beeindruckend war der russische Film „Der Amphibienmensch“. Das war in den 60er Jahren. In den 70er war im Gutshaus unter Leitung von Elektriker Schmaichel die GST Funkgruppe und beim jetzigen Reitplatz war ein Kinderspielplatz mit Geräten eingerichtet, gebaut von den Eltern im Dorf. Das begehrteste Gerät war die Hollywood-Schaukel. Im Wintergarten konnte Tischtennis gespielt werden. Die Tante Ruth Ernst hatte den Saalschlüssel, den sie aber ungern rausrückte. Christa aber durfte manchmal mit Freundinnen und Kofferradio hinein und hat dort auf dem glatten Packet tanzen gelernt. Später ging die Jugend dann auch zum berühmten Jugendclub nach Borkow, nach Dabel zur „Eisenbahn“. Man fuhr in einer Gruppe per Fahrrad oder ging zu Fuß. Man hatte in der Gruppe einen guten Zusammenhalt. Natürlich kannte im Dorf jeder jeden, alles wurde beobachtet. Daher wollte man nachher auch raus aus dem Dorf. Als Vergnügung für die Kinder gab es auch ab und zu einen Ausflug nach Sternberg zum Rummel mit dem Fahrrad, ein Auto hatte im Dorf wohl nur Werner Vogelgesang. Er hatte zuerst einen Saporoschjez, genannt „Sapperfrosch“. Der Konsum war im Dorf ein wichtiger Treffpunkt, dort wurde viel erzählt, man wartete auf das Brotauto oder das Fleischauto. Lange Jahre hat Frau Müller aus Borkow den Rothener Konsum geführt. Die Politik hat im Dorf keine so große Rolle gespielt. FDJ und Pioniere wurden als Jugendgruppe wahrgenommen, waren aber eher an der Schule aktiv.


Im Rahmen der LPG wurden Ausflüge für die Mitglieder organisiert, man fuhr mal ins Theater oder auch in andere Städte. Auf den linken Bild v.l.: Werner Vogelgesang, Erna Vogelgesang, Helene Ernst, E.Sender, Hans Ernst. Auf dem rechten Bild v.l.: E. Sender, Erna Vogelgesang, Helene Ernst, Erhard Dotschuweit, Frau Dotschuweit.

Jugendweihefeier in Borkow ca. 1970, u.a.auch für Jugendliche aus Rothen. In der letzten Reihe, vierter v.links Manfred Dotschuweit vor dem Bilde Lenins und der Losung: „ Lernt und lebt im Geiste Lenins“


Veranstaltung im Saal des Gutshaus Borkow mit dem Chor der Schule in Borkow am 22.4.1961 und Ulbricht an der Wand.

Teilnehmer der Weltjugendfestspiele in Berlin Anfang der 50er Jahre. Ganz rechts Hans Ernst.


Die machten viel und das hat Spaß gemacht. Der 1. Mai wurde in Borkow gefeiert und man ging dorthin wegen des Maitanzes. . Für die Dorfkinder war es unangenehm, dass sie viel bei der Ernte helfen mussten, denn jede Familie hatte noch einen Privatacker: Rüben hacken, Kartoffeln ernten und Heu machen, waren die Aufgaben, bei denen auch die Kinder zupacken mußten. Telefon gab es im Dorf nur bei Familie Sender und bei Familie Dotschuweit, wo auch die Eiersammelstelle war. Helmut Sender war im Dorf angesehen, er war Buchhalter der LPG und bei ihm war zeitweilig auch die Lohnauszahlungsstelle. Fischer Schadtke war eine Respektsperson und eher gefürchtet. Willi Schmidt hatte Bienen und konnte viel. Er veredelte Bäume und pflegte den Obstgarten neben dem Gutshaus. Eine Zeit lang wohnte er mit seiner Mutter in einem Verschlag in der Eingangshalle vom Gut. In den 70/80er Jahren kam viel Alkohol ins Dorf. Es wurde viel getrunken, vor allem die Männer gaben sich dem Alkohol hin. Die Gleichheit hörte auf. Jeder war sich selbst der Nächste, man „bediente“ sich bei der LPG, die Interesselosigkeit nahm zu. Vielleicht wurde wegen der scheinbaren Perspektivlosigkeit so viel getrunken. Der Zusammenhalt nahm ab und man machte nur noch wenig miteinander. Soweit die Erzählungen von Christa Bölkow und Petra Suhrbier.


Bedeutungsvoll war die Rolle der Grundorganisation (GO) der SED in Borkow. Sie hatte ungefähr 40 bis 50 Mitglieder und diese Mitgliederzahl blieb auch so über die Jahre in etwa konstant. Die Sitzungsprotokolle und Rechenschaftsberichte der GO Borkow, die sich in Landeshauptarchiv befinden, geben einen Eindruck über das politische Geschehen im Dorf. Es drehte sich hauptsächlich alles um die LPG und die Erfüllung der damit verbundenen Aufgaben. Planvorgaben und selbstgesteckte Planziele waren immer wiederkehrende Themen der Diskussionen. Die Rechenschaftsberichte der GO Leitung beginnen alle mit großangelegten Analysen der Weltlage und kommen dann nach einigen Seiten allgemeiner Bemerkungen dazu, die Aufgaben der LPG und der Partei anzusprechen. Erstaunlich konkret und nüchtern werden Produktionsfehler, Materialmangel und organisatorische Mißstände benannt. Immer wieder wird der mangelhafte Besuch der Versammlungen und der aktiven Mitarbeit beklagt. Zwischen 50 und 75 % lag die Anwesenheit der Parteigenossen bei den Sitzungen. In den Leitungssitzungen und Mitgliederversammlungen wurden auch immer wieder einzelne Mitglieder gelobt und getadelt. Parteigenossen wurden gerügt, bekamen Parteierziehungsmaßnahmen oder wurden ausgeschlossen und nicht länger für würdig befunden, Parteimitglied zu sein. Gründe dafür waren u.a. übermäßiger Alkoholkonsum bei der Arbeit, Unterschlagung und Diebstahl, Passivität. Ein Genosse wurde seiner Ämter enthoben, weil er "mit den Russen keinen Frieden schließen konnte" , da er mit den


Russen schlechte Erfahrungen gemacht habe. In einer Debatte über Inaktivität wurde von einem Redner eingewandt, dass die Menschen müde sind oder sich in finanzieller Not befinden. Beständig wurde die Leitung aufgefordert, besser anzuleiten und zu versuchen, die Parteiziele durchzusetzen. Kollegen sollten überzeugt werden, Genossen zu werden. In den 70iger Jahren wurde verstärkt auch über die Jugend gesprochen. Ausbildungsplätze sollten zusätzlich eingerichtet werden, Jugendclubs wurden gegründet und Freizeitaktivitäten der Jugend wie Fußball und Gründung einer Tanzkapelle befördert. In der 60iger Jahren wurde intensiv die Rekrutierung der Betriebskampfgruppen besprochen. Wie weit die protokollierten Debatten der SED-GO sich dann im Dorfleben niederschlugen, ist aus heutiger Sicht schwer festzustellen. Die Akten sind Dokumente, die kritisch hinterfragt werden müssen. Die Berichte und Erzählungen der heutigen Dorfbewohner, die diese Zeit miterlebt haben, lassen darauf schließen, dass Vieles sich doch recht stark verflüchtigte, wenn es im Dorf ankam. Aber mit Sicherheit war die Auswirkung der Parteiarbeit auf den Arbeitsplatz, die Produktionsziele, die Entlohnung und die Machtstruktur sehr stark. Die GO hatte in den einzelnen Brigaden der LPG kleine Kollektive, die nicht ohne Einfluß blieben. Häufig finden sich in den Protokollen detaillierte Einschätzungen der einzelnen Personen, seien es Parteimitglieder oder nicht organisierte Kollegen, deren genossenschaftliches Verhalten bewertet wurde.


Wie weit die Mitgliedschaft der Dorfbewohner in der SED Spuren im Denken und F체hlen hinterlassen hat, w채re sehr spannend zu untersuchen und festzustellen. Wurde subjektiv gebrochen mit den Anschauungen der Parteiidelologie ,sind einzelne entt채uscht, frustriert oder ist das, was damals galt, einfach vergessen und abgelegt. Oder gibt es gar Dorfbewohner, die an den Zielen der SED festhalten und darauf hoffen, dass eine sozialistische Gesellschaftsordnung entsteht.

In der SVZ stellt 1979 Karl-Heinz Schmeichel seinen Standpunkt zur GST Arbeit in Rothen dar

Zeitungsartikel in der SVZ von 1976/77

Stempel d.Rothener Poststelle v.26.11.1964


Horst Schubert erzählt: 1961 sind wir nach Rothen gezogen. Wir waren 8 Kinder, 4 Jungen und 4 Mädchen. Wir wohnten in dem Haus, in dem in der anderen Hälfte Familie Necker wohnten. Es gab unten eine Küche, die ausreichend groß war, das Schlafzimmer meiner Eltern und ein Kinderzimmer, wo wir 4 Jungs wohnten. Oben wohnten in einem Zimmer die 4 Mädchen. Klo war im Hof – ein Plumpsklo aber schon mit eigener Tür, man musste nicht mehr durch den Stall. Wir hat schon sehr früh ein Waschbecken im Haus. Wir Kinder mussten viel mitarbeiten: ausmisten, Vieh versorgen. Die Kuh mussten wir zur Mitgliederkoppel an der Seekoppel bringen. In den Sommerferien sind wir immer freiwillig arbeiten gegangen auf der LPG. Ich konnte als Kind schon besser als mancher Erwachsene Trecker fahren. Wenn ich die Kurve zu eng nahm und den Pflug umschmiss, gab es schon mal was hinter die Ohren. Wir haben viel zusammen mit den anderen Kindern im Dorf gespielt. Im Winter sind wir am Schleiloch Ski gefahren und auch in der Sandkuhle – heute ist das die Kläranlage – sind wir viel gewesen. Im Mildenitztal haben wir Bunker gebaut und vom Konsumberg sind wir runtergerodelt. Zur Schule bin ich in Mustin gegangen, erst immer zu Fuß, dann auch mit dem Fahrrad. Es gab später auch das Dschungeltaxi, ein Anhänger mit Holzbrettern oben drauf und einer Holzleiter zum aufsteigen, das hat uns dann zur Schule gebracht. Im Gutshaus haben wir auch Theater gespielt als Kinder, z.B. die Geschichte von den zwei


Königskindern. Später war ich dann nach Harald Rohde Leiter vom Jugendclub. Jedes Wochenende war Freitag, Samstag und Sonntag Tanz. Wir haben Musik vom Band abgespielt im Verhältnis 60 Ost - zu 40 Westmusik. Die Musik nahmen wir mit dem Tonband auf, ganz viel von Radio Luxemburg. Im Saal vom Gutshaus wurde Tischtennis gespielt und manchmal Kinofilme gezeigt. Ich erinnere mich an „Ede und Unku“, „Karbit und Sauerampfer“ oder „Spur der Steine“. Zu meiner Jugendzeit war viel los im Dorf. Wenn unsere Familie und Rohdes zusammensaßen, waren fast 20 Leute am Tisch. Mein Vater war Traktorist. Er war aus dem Westen mit einem Kumpel gekommen. Er sollte wohl zu Bundeswehr oder hatte was ausgefressen, darum ist er rüber gekommen. Er konnte gut mit der Jugend und war hilfsbereit. Meine Mutter war Viehpflegerin und hat im Kälberstall gearbeitet.

Elektriker Karl-Heinz Schmeichel installiert ca.1972 die Dorflaternen


Sternberg, 6.11.2008 Willi Necker, Hiltraud Necker, geb.Radke, Tochter Rita Necker und Sohn Jörg Necker erzählen: Willi Necker wurde 1935 in Rothen geboren, und zwar in dem letzten Haus links in der Dorfstraße, wo lange Familie Ferl gewohnt hat. Das Haus ist seit ein paar Jahren abgerissen. Sein Vater Johann Necker ist am 13.9. 1896 in Ruchow geboren. Er war Pferdeknecht auf den Rothener Gut. Für seine Arbeit bekam er Lohn und Deputat. Seine Mutter Auguste, geboren im Jahr 1900, hat für das Gut gewaschen und gemolken. Die beiden haben immer gut über die Gutsherrschaft gesprochen, sie hatten es besser, als in anderen Dörfern. Im Haus wohnten vier Familien. In ihrer Familie waren drei Kinder. Es gab Strom, ein Plumpsklo im Stall und eine Wasserpumpe draußen. Die Pumpe steht heute noch im Garten von Familie Schmeichel. Willi Necker ist in Mustin zur Schule gegangen, natürlich zu Fuß. Sein Bruder, der später im Krieg gefallen ist, ging noch nach Gägelow zur Schule. Der nächste Laden war in Borkow. Es kamen aber auch Kaufleute mit dem Wagen ins Dorf und man konnte dort Brot und andere Lebensmittel kaufen. Zu Hause hatte die Familie eine Kuh und ein Schwein. Festliche Höhepunkte waren das Erntefest, an dem bei schönem Wetter die Kaffeetafel draußen gedeckt war. Weihnachtsbescherung war immer für die Kinder im Keller des Schlosses (= Gutshaus). Es gab Verbote: Die Kinder durften nicht in den Park und nicht durch den Park an den See. Wenn sie dabei erwischt wurden, gab es Ärger. Es gab wohl auch ein Auto im


Dieses Haus stand in der Dorfstraße links unten und ist seit ein paar Jahren abgerissen. Hier wohnten vier Familien, u.a. Familie Ferl. Hier wurde Willi Necker geboren.

Mutter Auguste Necker, Tochter Elisabeth und Sohn Willi

Hochzeit von Willi Necker mit………. 1955


1.v.l. ist Hans Ernst, 3.v.l. Willi Necker, Karl Waack genannt Kalli ganz rechts, Vater GĂźnther Waack in den 60iger Jahren als LPG-Arbeiter auf dem Feld

Johann Necker beim Sensendengeln

Tochter Heike Necker auf der DorfstraĂ&#x;e.


Schloss, ansonsten wurde mit der Kutsche gefahren. 1938 ist Familie Necker ist das neu gebaute Haus in der Dorfstraße / Mitte rechts, wo jetzt Debora Gubener wohnt, gezogen. In diesem Haus hat Willi Necker dann 65 Jahre gelebt. 1945 kamen die Russen und haben zuerst die Wirtschaft auf dem Gut übernommen. Der Guts-Inspektor Malwitz war erst weg, kam dann wieder und hatte zeitweilig auch eine Siedlung in Rothen übernommen. Johann Necker bekam mit der Bodenreform das Grundstück R mit 10,41 ha. Land überschrieben. Am 29.6.1946 wurde dies im Grundbuch eingetragen. Im Jahre 2003 wurde das Land an Herrn Hildebrandt/Pastin verkauft, das Haus kaufte Debora Gubener. Willi Necker ging nach der Schule ohne Ausbildung bei seinem Vater auf der Siedlung zur Arbeit. Lohn gab es nicht, er musste um Geld fragen, wenn er etwas brauchte. Mit 16 lernte er seine 15 jährige zukünftige Frau kennen und ist seither mit ihr zusammen. 1954 kam Tochter Rita zur Welt, 1955 wurde geheiratet. Für die ersten Möbel hat Willi Necker sich etwas Geld bei Fischer Schadtke dazuverdient. Als der Vater krank wurde, übernahm Willi Necker die Siedlung. Sie wurde ihm am 25.7.1959 überschrieben. Für Frau Necker war es schön, 1953 von Bolz nach Rothen zu ziehen. Sie hatte eine schwierige Kindheit und lernte erst bei Neckers ein warmherziges Familienleben kennen. 1960 gingen sie in die LPG. Dieser Schritt wurde als Erleichterung empfunden, denn bei der eigenen Wirtschaft blieb wenig über, man bekam kaum


Düngemittel. Es war ein ökonomischer Zwang, in die LPG zu gehen. Der Boden blieb im Privatbesitz, dafür gab es eine geringe Pacht. Auf den Wald haben sie mit einer Unterschrift am 1.6.1966 verzichtet. Er wurde ihnen, wie Neckers berichteten, „abgequascht“ und ging an den staatlichen Forst. Der Lohn bei der LPG war fest. Willi Necker hat mit den Pferden gearbeitet, wurde später Traktorist und war dann im Kuhstall beschäftigt. Frau Necker arbeitete im Kälberstall und in der Milchannahme, die dort war, wo jetzt die Schmiede von Takwe Kaenders ist. Neckers erzählen, dass man im Dorf viel miteinander unternommen hat. Wenn Geburtstag war, wurde eine große Schüssel Kartoffelsalat gemacht und gefeiert. Man hat sich auch viel bei der Arbeit gegenseitig geholfen. Als die ersten Fernseher ins Dorf kamen, zuerst zu Dotschuweits, dann zu Senders, blieb man mehr zu Hause. Anfänglich traf man sich noch nach der Ernte und hat gemeinsam im Fernsehen „Friedensfahrt„ (Radrennen) angeschaut. Gefeiert wurde auch am Frauentag (8.März). Die Feier fand im Schloss statt und die Männer haben die Frauen bedient. Vom Demokratischen Frauenbund wurden Faschingsfeste organisiert und Erntefest wurde bis früh um 5 Uhr gefeiert. Zum Tanz ging es nach Mustin, Zülow oder Borkow und jede Woche war in einem anderen Dorf Kino. Man musste rechnen, es gab wenig Geld, aber man hat sich nicht als arm empfunden. Reiche gab es nicht,


Katasterblatt des Grundstück R, das Johann Necker und dann Willi Necker als Siedlung besaßen.

Verzichterklärung von Willi Necker auf seinen Waldanteil


Vor dem Gutshaus v.l.: Erika Leonhardt, Rita Necker, Christa Ernst, Karin Dotschuweit

Hosen wurden geflickt, ein Kleid kostete 15 Mark. Gegessen wurde vom Eigenen. Kartoffeln waren genug da. Neckers hatten ein Schwein, Hühner, Enten. Es wurde geräuchert, Speck und Mettwurst gemacht. Da es keinen Gefrierschrank gab, wurde Gemüse eingemacht. 60 Gläser eingemachte Bohnen waren normal. Und es war schon Tradition, dass die Ente für acht Personen reichen musste. Die Wende wurde als positiv empfunden. Rita Necker erzählte, dass sie schon mal vor der Wende im Westen


war. Da hat ihr die Hektik und der Lärm nicht gefallen. Sie hat die DDR nicht als negativ empfunden. Auf dem Lande war kein Mangel. In der Stadt war das anders. Es war klar, dass es in der DDR nicht so weitergehen konnte, wenn schon die Grundnahrungsmittel knapp wurden. Und es war gut, dass die Grenzen offen waren. Der Umzug nach Sternberg war grauenhaft, sagt Frau Necker. Nur aus Vernunftgründen haben sie das Haus verkauft, denn sie konnten den großen Grund und Garten aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr versorgen. Eigentlich hatte Frau Necker immer gedacht: Aus Rothen geh ich nicht raus. Nun wohnen Neckers in Sternberg in der Karl-Marx-Straße in einer Neubauwohnung. Sie haben das Gefühl, dass die Wurzeln gekappt sind.

Frau Marianne Guratsch erzählt am 3.3.2009: Frau Marianne Guratsch hat mit ihrem Mann Günther Guratsch von 1962 bis 1975 in Rothen gelebt. Seitdem wohnt sie in Schlowe. Frau Guratsch stammt aus Arndorf bei Dresden und kommt aus einfachen Verhältnissen. Nach dem Krieg arbeitete sie bei Bauern, der Hunger war Schuld. Sie konnte dann die Fachschule besuchen und hat in Jena studiert. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen. Sie und ihr Mann waren in der Bauernpartei, sie wollten einen Neuanfang und helfen,


Frau Guratsch und ihr Mann Güther Guratsch

den Sozialismus aufzubauen. Frisch von der Universität wurden sie und ihr Mann nach Mestlin geschickt. Sie sollten dort die LPG Leitung und die Bauern fachlich beraten. Dabei eckten sie fachlich an, wurden aber für die Planung der Arbeit gebraucht. „Ich habe schon damals gespürt, das sind die Totengräber des Sozialismus“, erzählt Frau Guratsch. Sie galten als Studenten als “ reaktionäre Clique“, sie waren nicht in der SED. “ Man hinterfragt, wird kritisch“, berichtet sie. Als die Leitung der Mestliner LPG wegen Misswirtschaft gewechselt wird, muß sie mit ihrem Mann die Wohnung für die neuen Genossen, die nach Mestlin kommen, räumen und in ein verlassenes Bauernhaus in Ruest ziehen. Dort war es nicht lange auszuhalten und das Ehepaar Guratsch


Das ehemalige Verwalterhaus des Rothener Guts und der Vorgarten, den Frau Guratsch nach altem Vorbild weiter pflegte

bewirbt sich bei der LPG Morgenrot in Borkow. Sie bekommen eine Hälfte des ehemaligen Verwalterhauses des Gutes in Rothen zugewiesen. Dort gab es nur einen Wasserhahn mit fließendem Wasser, dass vom Gutshaus zugeleitet wurde – sonst hatte niemand im Dorf fließendes Wasser. Plumpsklo war Standard. Eine richtige Küche und Bad gab es in dem Haus nicht. Das Wirtschaften im Haus war arbeitsreich. Die Familie hatte Kaninchen und Hühner. Wäsche kochen, mit dem Waschbrett waschen, von früh bis spät heizen und arbeiten. Es gab Kachelöfen und einen großen Kohleherd. Zu den Nachbarn, die in der anderen Haushälfte wohnten, Ida und Walter Bab bestand ein sehr gutes Verhältnis. Für die Kinder waren sie wie Ersatzgroßeltern. Da Günther Guratsch in der Leitung der LPG war, hatten sie zu vielen Dorfbewohnern ein gutnachbarschaftliches Verhältnis aber auch eine gewisse Distanziertheit. Insgesamt war die Wirtschaft primitiv und Frau Guratsch wollte da immer raus. Es gab jährlich ein Brigadefest und zum 1.Mai nicht zu erscheinen, wäre peinlich gewesen. Der Maitanz war in Borkow. Frauentag wurde im Saal des Gutshauses gefeiert, ebenso Kindertag und Kinderfasching. Das


organisierten die Frauen unter sich. Die Kinder waren im Kindergarten und die Eltern bauten einen Spielplatz. Die Kinder waren auch bei den Pionieren und was sie dort lernten, war schon in Ordnung, es war eine Form von Zusammenhalt. Ausflüge wurde wenig gemacht, mal ging es ins Theater oder es wurde eine Reise zu den Großeltern nach Thüringen gemacht. “Das Fernweh musste ich begraben“, erinnert sich Frau Guratsch. Die Wende hat Frau Guratsch verhalten aufgenommen. Man wusste um den Niedergang der DDR, aber auch, dass es keine Wende zum goldenen Westen werden würde und man hatte Bedenken, was daraus wird, wenn der Westen einen Fuß in der Tür hat. „ Die DDR will ich nicht zurück haben. Das gleichgeschaltete Denken, und dass man aufpassen musste, was man sagt, das war nichts“, resümiert Frau Guratsch. Essen war reichlich da, aber auch viel Mangelwirtschaft. Jeder Einkauf war ein Erlebnis und ein schönes Kleidungsstück zu bekommen, ein Abenteuer. Der Denkzwang hat gestört, über den hat man sich lustig gemacht mit Wortungetümen wie “ Von der Rolle der Bedeutung bei der Gestaltung der Entwicklung“.

M.Guratsch:“ Diese Orden sind Ausdruck der gestohlenen Zeit“ . Verschiedene Orden, die das Ehepaar Guratsch im Laufe ihres Arbeitslebens erhielten.


Feldarbeit

Vor der Fahrt zum ersten Schultag musste noch der Trabbi repa Riert werden.

Nachbarin Frau Ida Bab an der Dachgaube

Tochter Guratsch vor dem Hauseingang

Tochter Guratsch mit den neuen Fahrrad. Zum Schulbeginn Musste mit dem Fahrrad gefahren werden.

Die Töchter Guratsch auf der Dorfstraße. Im Hintergrund der Schweinestall und rechts die Düngerhalle


Oben: Blick auf das Haus in der Dorfstraße, das jetzt abgerissen ist und was früher Schnitterkaserne war. Dort wohnten in den 70iger Jahren auch Gustav Rohde und Monika Rohde mit Tochter Bettina. Mitte/links: Monika Rohde mit dem Moped in der Dorfstraße Mitte/rechts: Monika Rohde, Tochter Bettina und Tante Conny Unten: Der Eingang zur Familie Rohde Die Fotos sind von ca. 1978


Das Gutshaus wurde auf vielfältige Weise von den Dorfbewohnern genutzt. Es war Wohnhaus z. B. für die Fischerfamilie Schadtke, die die unteren großen Räume bewohnte. Im Gutshaus waren aber auch zeitweise der Konsum, der Kindergarten, die Poststelle, die Disco für die Dorfjugend, der Jugendclub, der Funkraum der GST im ehemaligen Schlafzimmer der „gnädigen Frau“. Laut dem Mietvertrag zwischen dem Rat der Gemeinde Borkow und dem Hauptpostamt Schwerin vom 1.Juni 1976 musste die Post für den Poststellraum (16qm) und den dazugehörigen Flur im Monat 12,50 Mark Miete bezahlen. Im Saal wurde Kino gezeigt, wurde getanzt und Familienfeste gefeiert. Und im Park war sicher auch einiges los.

Fischer R. Schattke in seinem Boot Edith und Rudolf Schattke 1962 in Rothen

Familie Schattke auf den Stufen des Gutshauses Ende der 50er Jahre


Gabriele Vollmer, geb. Waack, Tochter von Ewald Waack, schrieb in einem Brief v. 13.7.2009 u.a.: Mein Vater, Ewald Waack, war der Älteste, er ging mit 14 Jahren auf „Wanderschaft“ und erlernte den Beruf Bau- und Möbelschreiner, es war früher in der Zunft so üblich. Danach ging er zur Wehrmacht, wurde verwundet entlassen und heiratete später. Als er schon Vater von zwei Töchtern (Gabriele und Charlotte) war, machte er seine Meisterprüfung. Es war hart, neben dem Beruf die Schule zu besuchen und für die Familie zu sorgen. Später wurde dann die 3.Tochter Dorothe geboren. Mein Vater hatte noch folgende Geschwister: Betty, verh., Mann im Krieg vermisst, 1 Tochter Annegret, lebt in Schwerin Walli, nach Hamburg geflüchtet, später nach Amerika, geheiratet, wieder zurück nach Hamburg Grete, verh.Rick, 2 Söhne Bernd und Holger, leben in Schwerin Ernst, Musiker, geflüchtet, lebt in Gelsenkirchen-Horst Lissi, verh., 3 Kinder, geflüchtet nach Hamburg Karl, verh.3 Kinder, 1 Kind gest. (es wurde von einem Lastwagen in der Kurve der Borkower Allee überfahren, d. Hrsg.) Edith, verh., geflüchtet nach Hamburg Die Reise zu meinen Großeltern war aufregend und zeitaufwendig. Vorher gab es viel Schreibereien, ein Antrag und Einreisevisum waren nötig, Geld musste umgetauscht werden, Kurs 1: 1, denn es musste pro


Kopf ein Tagessatz gezahlt werden. Es war sehr viel Geld für meine Eltern. Dazu wurden noch Unmengen an Schokolade, Kaffee, Rauchwaren, Kleidung, u.ä. an „Mitbringseln“ eingekauft und eingepackt. Wie die „Packesel“ starteten wir in die Zugfahrt. Nach mehrmaligem Umsteigen, tlws. mehrstündigen Aufenthalten kamen wir endlich in Borkow an. Opa wartete mit seinem Pferdegespann schon auf uns. Doch bevor es nach Rothen ging, tranken wir in der Bahnhofsgaststätte noch eine „Brause“, Waldmeister – oder Zitronengeschmack. Mir schmeckte diese Brause, meiner Schwester nicht. Dann ging die Fahrt weiter, nach ca. 3 km waren wir endlich in Rothen angekommen. Oh, die Landschaft ! Für uns Stadtkinder war es noch gewöhnungsbedürftig, doch das legte sich schnell. Wie wir uns an vieles schnell gewöhnen. Badezimmer – gab´s nicht. Waschen an der Kommode war angesagt, mit Waschschüssel und Wasserkrug. Das Wasser war frisch, aber sooo kalt, es kam direkt aus der Pumpe. Toilette - Oh Gott! Ein Plumpsklosett, dahinter eine Grube, dieser Duft !!!! Meine jüngste Schwester hatte Angst, dort hineinzufallen und daher musste meine Mutter immer mit ihr gehen. Einmal hatte meine jüngste Schwester Oma auf dem Plumpsklosett eingeschlossen, weil sie im Fernsehen „Sandmännchen“ schauen wollte, Oma jedoch etwas anderes. Alle suchten Oma, bis meine Schwester endlich mit der Sprache herauskam. Oma wurde befreit, meine jüngste Schwester von ihr beschimpft. Opa lachte unaufhörlich, doch bald war alles wieder gut und meine


Schwester bekam von Oma wieder selbstgebackenen Lieblingsmakrönchen.

ihre

Ach, und all die Tiere: Schweine, Kühe, Pferde, Hühner, Enten und Gänse. Ich habe erlebt, wie eine Kuh gekalbt hat, Stute Lotti ein Fohlen bekommen hat – zu schön! Vor dem Haus stand an der Straße eine Riesenpappel, mit 7 Kindern haben wir sie umfassen können. Oben in der Baumkrone war ein Storchennest, die Alten kamen angeflogen und fütterten die Jungen. Mein Vater kannte das schon von seiner Kindheit her. Jedes Jahr kamen Störche dorthin. Nun ist ja die Pappel nicht mehr da. Schade! Ich hab` auch erlebt, wenn Hühner geschlachtet wurden, mit abgehackten Köpfen flatterten sie noch kurz umher! Schlimm, der Anblick, ich glaube, daher esse ich auch kein Huhn… Wenn wir aus dem „Westen“, wie man sagte, bei Oma und Opa waren, war das Haus immer voll. Alle Verwandte, Freunde und Nachbarn kamen zu Besuch. Dementsprechend wurde auch gekocht. Große Mengen! Ich erinnere mich noch an die Riesenpfannen und Töpfe, die offene Feuerstelle! Die Bratkartoffeln – ein Genuss! Frischer Fisch, mnh! Mein Vater ging immer mit Fischer Schattke zum Fischen. Aalschnüre hat mein Vater mit dem Fischer gelegt und Aale gefangen, die wurden dann gesäubert und geräuchert, sehr lecker! Meine Schwestern haben zum Angeln Würmer gesucht, war nichts für mich, zu ekelig – die kamen dann in ein


Glas als spätere Köder. Champignons wurden gesammelt, Körbe voll, wie im Schlaraffenland! Auch habe ich noch den Geruch von leckerem Brot in der Nase, 1mal wöchentlich fuhr der Brotwagen durch das Dorf. Dieses Schwarzbrot – ein Genuss! So etwas habe ich nie wieder irgendwo gegessen. Ach, es gab alles in Hülle und Fülle, so viel frisches Obst und Gemüse in Opas Garten, die Schinken und Würste in der Räucherkammer, sogar selbstgemachte Butter, ein kleiner Raum neben der Küche war dafür hergerichtet, und in der Speisekammer Unmengen Eingemachtes. Opa sagte immer: „Wer fleißig ist, viel arbeitet, dem geht es immer gut!“ Hin und wieder ging es auch auf die Felder. Opa nahm uns mit, Kartoffeln wurden ausgebuddelt, aufgeladen und woanders abgeladen. Milch wurde zur Molkerei gebracht und Käse abgeholt. Mit Oma gingen wir oft einkaufen. Im „Schloß“, wie wir Kinder den Gutshof nannten, war der Konsum untergebracht. Man ging die Treppe hinauf, links und rechts standen die Zucker- und Mehlsäcke, dazwischen Regale mit Lebensmitteln, Süßigkeiten und Spielwaren. Es gab so lecke Sahnebonbons in Plastikdosen, die schmeckten besonders gut. Der Einkauf dauerte immer sehr lange, denn dort wurden auch die neusten Ereignisse aus dem Dorf erzählt. Gleichzeitig war das „Schloß“ neben dem Konsum auch Kino. Die Zuckerund Mehlsäcke wurden weggeräumt und der


Filmvorführer bezog Stellung, 3 Stuhlreihen wurden hergerichtet, unbequem, aber für uns Kinder schön! Die Filme waren nicht die aktuellsten, doch immer waren wir begeistert. Am anderen Tag war alles wieder im Urzustand und der Verkauf ging weiter, später wurde das Verkaufsgebäude kurz vor der Dorfstraße neu errichtet. Wenn wir bei den Großeltern zu Besuch waren, waren auch alle Dorfbewohner bei Familie Waack vertreten. Mein Vater erzählte aus seiner Jugend, auch von seinem Freund Achatz v. Waldow, den Gutsbesitzern v.Oertzen, von Köhler und anderen. Ja, es wurde bis spät abends erzählt, jeder wurde von meinen Eltern mit Schokolade, Kaffee und Zigarren bedacht. Ich sehe noch die alten Rochmanns, wie man sie nannte, vor mir, es sind jetzt schon 50 Jahre her. Sie waren so herzlich. Bei unserer Abreise standen sie schon ganz früh morgens am Straßenrand, winkten und weinten. Frau Rochmann schnäutzte in ihre Kittelschürze und sagte auf Platt: “Ach Gott, uns Ewald mit Frau un Kinners fährt wieder toröck!“ Wir Kinder haben uns alle miteinander gut verstanden und gespielt. Meine jüngste Schwester hatte sich mit Rita Necker angefreundet. Rita besaß ein Fahrrad, Dorothee hatte darauf fahren gelernt. Sie war aber noch nicht allzu sicher, wollte an Opas Haus vorbeifahren, brauste die abschüssige Straße hinunter und wäre beinahe im Kanal gelandet. Zum Glück war Kalli, unser Onkel so schnell, bekam noch den Gepäckträger zu greifen und Dorothe war gerettet. Dorothe war auch


sehr oft mit Rita im Dorfkindergarten und war vollauf begeistert. Es wurden die schönsten Märchen vorgelesen, die schönsten Spielsachen waren vorhanden. Es war einfach wunderbar!

Gabrlele Waacks Großeltern mit der Tochter Edith

Großeltern Else und Ernst Friedrich Carl Waack vor ihrem Haus, links das Stallgebäude


Ernst Waack, der“ Musiker“. Er hat am Hamburger Konservatorium studiert .Er wurde im Dorf der „der Musiker genannt, denn bei Festen und Feiern war er immer dabei. Er spielte Klavier, Geige, Trompete, Klarinette und Saxophon.

Ernst, Karl und Ewald Waack

Das „Unterhaus“ der Familie Waack. Dort war auch die Waschküche und davor die Pumpe. Sie war an der Straße und für alle zugänglich

Die sogenannte „Seebrücke“- der Steg am Rothener See in den 50iger Jahren


Trude Müller aus Borkow berichtet am 15.10.2009: Ich bin 1941 in Below geboren und habe in Bruel Verkäuferin gelernt. Von 1962 bis 1964 und 1968 bis 1989 war ich Verkaufsstellenleiterin beim Konsum in Rothen. Ida Baab hatte sich dafür eingesetzt, dass in Rothen ein Konsum eingerichtet wurde.

Trude Müller, ganz rechts als Verkäuferin-Lehrling mit ihren Kolleginnen in Brüel 1958

Zuerst führte Gerhard Ernst im Gutshaus den Konsum, dann wurde an der Kreuzung im Dorf das Konsumgebäude errichtet, in dem heute Jürgen Bölkow wohnt. Am Anfang gab es kein fließend Wasser und


keine Toilette in der Verkaufsstelle, da musste ich schon mal ins Feld gehen. Wasser hab ich aus dem Kuhstall geholt. Erst in 70iger Jahren gab es fließend Wasser. Um den Konsum herum war der Weg ursprünglich auch schlecht. Von der LPG wurde dann Steine abgekippt und die vom Verkaufsstellenausschus haben das dann glatt gemacht. Der Konsum hatte einen Verkaufsstellenausschuss, der aber sonst mehr papiermäßig da war. Edith Sender war auch in dem Ausschuss, sie hat viel geholfen und z.B. mal Vertretung gemacht, wenn ich auf Versammlung war. Fast alle im Dorf waren Mitglied im Konsum. Jeder hat 50 Mark eingezahlt und dann bekam man Rabattmarken. Das war z.B. für Weihnachtseinkäufe sehr günstig, weil man dann was gut hatte. Im Sortiment gab es alles, was man so brauchte an Lebensmitteln, Waschmitteln, usw.. Einmal die Woche kam Fleisch, 2 Mal die Woche kam der Brotwagen. Milch brachte der Waack mit dem Pferdewagen in einer 20 Liter Kanne. Obst kam von Sternberg. Ich hatte einen Katalog mit dem Sortiment, daraus konnte ich bestellen. Das Sortiment sollte sich immer in einer bestimmten Zeit umsetzen und wenn ich gut gewirtschaftet hatte und ersten Platz machte, gab es eine Prämie, die wurde bei den Konsumversammlungen vierteljährlich festgelegt. Jeden Tag hab ich Kasse gemacht und das Geld wurde auf die Post gebracht. Es gab schon Mangel, d.h. von 7 Marmeladen aus dem Katalog gab es dann nur 5. Wenn Bananen kamen, habe ich die durchgezählt, für die Alten und Kinder im Dorf je 2 Stück, je eine für die anderen. Bei Apfelsinen


ebenso, besonders wenn die richtigen kamen und nicht die Kubanischen. Es sollten ja alle im Dorf etwas bekommen und nicht nur die ersten. Es musste schon eingeteilt werden im Dorf auch beim Fleisch. Aber es hatte ja auch jeder noch einen Garten und Viehzeug. Am Anfang bin ich immer mit den Rad nach Rothen gefahren, später dann mit dem Moped. Ich habe einen Dringlichkeitsantrag gestellt für das Moped, weil ich es für die Dienstfahrt brauchte, und es dann schneller bekommen. Als Verkaufsstellenleiterin habe ich gut 700 Mark verdient im Monat. Die Öffnungszeiten waren von 9 Uhr bis 15 Uhr und Donnerstag bis 16 Uhr. Kurz vor der Wende hab ich aufgehört, noch ein halbes Jahr bei der KFW 4 Stunden täglich gearbeitet. Dann wurde ich arbeitslos. Die Wende war nicht gut für mich. Im Konsum wurde viel erzählt. Öfters standen schon morgens welche vor der Tür wegen Alkohol. Im Konsum gab es Tisch und Stuhl, da haben dann einige lange gesessen und ihr Bier getrunken. Insgesamt war der Zusammenhalt besser und bei Feiern waren alle da. Es wurde mehr untereinander verkehrt.

Das Logo der Konsum Genossenschaft der DDR, ein K geformt aus einem Schornstein und einer Sichel


Der bauliche Zustand des Gutshauses war mit der Zeit etwas heruntergekommen. Vieles im Haus wurde mit primitiven Mitteln, oft auch nicht fachgerecht den Bedürfnissen der Bewohner entsprechend umgebaut. Ein ehemaliger Mitarbeiter der staatlichen Gebäudewirtschaft, die u.a. für die Instandsetzung der Gutshäuser zuständig war, berichtete, dass immer wieder Material fehlte, dass Hausschwamm im Haus war, Leitungen provisorisch und undicht gelegt wurden, usw. So wurde in einem Prüfbericht der staatlichen Bauaufsicht vom 12.9.1988 für eine Wohnung in der 1.Etage, links festgestellt: “Im Wohnzimmer war ein Deckenbalken herabgestürzt. Der Holzbalken ist von Insekten befallen und am Auflager verfault. Als Ursache des Bauschadens wird das jahrelang undichte Dach in diesem Bereich angesehen.“

Das Gutshauws vom Park aus gesehen in den 50iger Jahren. Man sieht den Verandaaufbau und die Treppe rechts neben der Veranda.


Und am 10.4.1984 schrieb der 2.Sekretär der Sternberger SED-Kreisleitung Peters an den Direktor der VEB Gebäudewirtschaft in Sternberg, Bruno Sperlich folgenden Brief: „Auf der Einwohnerversammlung am 9.4.1984 in Rothen wurde das Problem der Toiletten im Schloß sehr kritisch angesprochen. Nach Aussagen der Einwohner sind für 6 dort wohnenden Familien nur zwei Spültoiletten vorhanden, wovon eine gleichzeitig dann benutzt wird, wenn im Dorfclub Veranstaltungen durchgeführt werden.“ Im Antwortschreiben weist der Genosse Sperlich darauf hin, dass auch in anderen Häusern der Gebäudewirtschaft 3 bis 4 Familien eine Toilette benutzen müssen und stellt am Schluss seines Schreibens fest: “Wir sind zur Zeit nicht in der Lage, eine Veränderung der Verhältnisse herbeizuführen.“ Was für ein vorausschauender Satz. Anderseits wurde doch soviel für das Haus getan, dass es in seiner Grundsubstanz erhalten blieb. So wurde z.B. laut Abrechnung der Produktionsgenossenschaft Fritz Reuter aus Dabel am 28.1.1987 umfangreich das gesamte Dach des Gutshauses saniert und teilweise neu gedeckt. Die Gebäudewirtschaft musste dafür 8164,67 Mark investieren.


Das Gutshaus Rothen fotografiert am 30.8.1979

Die Anlegestelle an der Mildenitz im August 1979


Das Gutshaus in Rothen im Jahre 1979

Die DorfstraĂ&#x;e Zum Kanal in Rothen 1979


aufgenommen ca. 1985 vor der R端ckseite des Gutshauses: v.l.: Charlotte Schattke,Tochter des Fischers Schattke, eine Nichte der Familie Loose, Otto Loose und seine Frau Clara Loose, die beide als Fl端chtlinge 1945 ins Gutshaus Rothen zogen, Frau Edith Schattke, die Frau des Fischers, die zusammen 1949 im Gutshaus wohnten.

aufgenommen ca 1985 vor dem Gutshaus Rothen


Die Bilder von 1991 bezeugen Bautätigkeit aber auch Verfall.

Vorderansicht des Gutshauses 1991: Auf der Treppe rechts Frau Mahl und mitte Frau Köpp, beide ehemalige Bewohnerinnen des Gutshauses

So sah das Gutshaus Rothen Mitte der Neunziger Jahre aus. Ein Wintergartenfenster war zugemauert, unter der Terrasse war ein Schweinestall, daneben ein Schuppen, über der Terrasse Farbreste der ehemaligen Überdachung, im Kellergeschoss diverse Türen, die heute nicht mehr existieren.


In der Nachwendezeit flossen reichlich Fördergelder in den ländlichen Wegebau. Die Strecke von Zülow nach Rothen wurde 1992 asphaltiert und kostete über 600000,- DM und die Brücke über die Mildenitz in Rothen in Richtung Mustin wurde 1993 für 550000,neu gebaut. 1994 wurde für über eine halbe Million Mark der Landweg von Borkow durch die Felder in Richtung Rothen DM ausgebaut. Und heute -im Jahr 2007- hat die Gemeinde Borkow in ihren Planungshaushalt einen Posten von über 600000,- € eingestellt für die Sanierung der Straße von Borkow nach Rothen. Ob diese Infrastrukturmaßnahmen die Region wirklich vorangebracht haben ist nicht recht ersichtlich. Die Landwirtschaft braucht diese Wege nicht, Industrie ist keine vorhanden und für den Tourismus sind diese Straßen auch nicht zwingend. Aber sicher haben sich die Straßenbaufirmen gefreut und wir Dorfbewohner können jetzt von Rothen nach Zülow mit 120 Km/h fahren – auch ein Fortschritt.


SVZ vom 11.5.1994

SVZ vom 9.Juli 1994


1995 ließ Friedrich v.Oertzen, Adoptiv-Sohn des letzten Rothener Gutsherrn, den Gedenkstein für seinen im Krieg gefallenen Bruder Achatz v.Waldow, der im Park am Seeplatz stand, auf den Friedhof nach Gägelow überführen.


Nach der Wende 1989 war die Gemeinde Borkow Besitzerin des Gutshauses. Friedrich von Oertzen und sein älterer Bruder Jochen bemühten sich eine Zeit lang um die Rückgabe des Gutes an Ihre Familie, waren dann aber bereit, einem Verkauf an Dritte durch die Gemeinde zuzustimmen. Die Gemeinde schloß dann einen Kaufvertrag mit Berliner Investoren, die das Gutshaus als Hotel mit mindestens 25 Betten ausbauen wollten. Dieser Kaufvertrag kam aber nicht rechtskräftig zu Stande. Das Haus wurde in dieser Zeit als Wohnhaus genutzt, unter anderem von der Familie Ernst und der Familie Inis und Roland Scholz.

Roland Scholz, Inis Scholz und Sohn Christian Scholz


Im Jahr 1997 kaufte der Lübecker Landwirt Bernhard Meins das Gutshaus. Er ließ das Dach reparieren und erneuerte die Fenster und die Heizung. Besonders augenfällig war die Ausstattung der Bäder und Küchen mit türkischem Marmor, den Meins günstig erstanden hatte.

Badezimmer im 1.OG

In den großen Saal wurde eine Küche eingebaut und die Grundrisse im ersten Stock stark verändert. Im ersten Obergeschoss und im Keller entstanden mehrere Ferienwohnungen.

In den Saal eingebaute Küche.


SVZ vom 16.1.1999


Auf einer Wiese vom Rothener Hof , wo jetzt der Fußballplatz ist, hatte der Vorgängerverein des jetzigen Rothener Hof e.V. einen Schafstall mit Gehege und Tieren angelegt. Aufnahme von 1999.

Bautätigkeit am Gutshaus durch B. Meins im Jahr 1999. Das Dach und die Fenster wurden erneuert, die Fassade neu angestrichen und am Anbau steht noch das Baugerüst.


Die Schweriner Volkszeitung berichtete im Januar 2001 端ber die Sanierung des Hauses.

SVZ vom 12.1.2000


2001 gründete sich der Verein Rothener Hof e.V. Vorsitzende war von Anbeginn Andrea Klein, Bauingenieurin aus Woserin. Der Verein kaufte einem Vorgängerverein den ehemaligen Kuhstall des Gutes Rothen und zwei dazugehörige Grundstücke ab, pachtete außerdem noch Wiesen an der Mildenitz und den ehemaligen Obstgarten des Gutes. Das Ziel des Vereins bestand darin, als Dach für verschiedene selbständige Projekte da zu sein. Konkret musste das Haus gesichert werden, d.h. das Dach war zu großen Teilen zu erneuern. Im März 2003 berichtete die SVZ, dass der Verein aus der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Landkreis Parchim und aus vielen Einzelspenden und Privatdarlehen der Mitglieder über 40000,-€ zusammenbekommen hat, um das Dach zu sanieren. Die Schmiedin und Metallgestalterin Takwe Kaenders bezog im Mai 2002 die erste Werkstatt im Rothener Hof und beteiligte sich zu Pfingsten an der Aktion „Kunst offen“.

Andrea Klein

Takwe Kaenders


s


Der Rothener Hof wurde zum zweiten kulturellen Fixpunkt im Dorf neben der Galerie Rothener Mühle. Zahllose Veranstaltungen fanden seit der Vereinsgründung im Hof statt. Konzerte, Flohmärkte, Theater, Kinderzirkus-Kurse, Malkurse für Kinder belebten den Hof und das Dorf und zogen Besucher aus der ganzen Region an.

Kinderzirkus 2004

Sommerfest 2005 u.a. mit Märchenerzählerin


Bernhard Meins verunglückte 2002 tödlich bei einem Verkehrsunfall. Seine Erben verkauften das Haus im Frühjahr 2004 an die Familie Lehsten, die seit dem 1.6.2004 das Haus durch die Baufirma MOL sanieren ließ.

Jacob, Gabriele und Christian Lehsten

Außerdem wohnen im Gutshaus Irmgard v.Lehsten, die Mutter von C.Lehsten und Uschi und Hans Usemann aus Hamburg, die im ehemaligen Gutshausbüro eine Ferienwohnung gemietet haben.


Abbrucharbeiten im Saal – die Reste der eingebauten Küche werden entfernt

Der Saal hat wieder seine ursprüngliche Proportion


An der einen Saalwand zeigen sich die Spuren der Bautätigkeit, die über 150 Jahre das Haus immer wieder verändert hat. Rechts eine alte Türöffnung, die in jüngster Zeit geschlossen und jetzt wieder geöffnet wurde. In der Mitte oben sieht man den alten Türsturz einer großen Tür, die aber schon vor langer Zeit zugemauert wurde. Und in der linken Hälfte des Bildes zeigen die hellen Steine die Stelle, wo früher eine Durchreiche für das Essen war, denn hinter der Wand war der Anrichteraum. Dorthin kam mit einem Speisefahrstuhl das Essen aus der im Keller gelegenen Gutsküche.

Unter alten Tapeten klebte die Schweriner Volkszeitung und tauchte Tapetenmalerei im Stil der 60er Jahre auf


Die Sanierung ergab auch einige unangenehme Überraschungen. Verfaulte Dachbalken und Pfetten waren nicht ausgewechselt, sondern hinter Gipskartonplatten versteckt worden. Alte verdorbene Dämmung wurde nicht entfernt, Gipskartonwände waren wackelig gebaut, usw.

Unsanierter Dachbereich

Sanierter Deckenbalken im Obergeschoss


Die Sanierung sollte möglichst viel von dem ursprünglichen Zustand des Hauses wiederherstellen, bzw. erhalten.

Über Jahrzehnte war eines der Wintergartenfenster zugemauert.

Jetzt hat der Wintergarten wieder zwei große Fenster, die nach dem Original erneuert wurden


Die neue K端chent端r wird montiert


Kaputte Stuckteile werden erg채nzt


Neuer Dielenboden im ersten Stock

Der fertig renovierte Saal wird geputzt

Parkettverlegung in der Einliegerwohnung


Blick in den Wintergarten

Die Schiebet端r vom Saal zum Wintergarten


Die kleine Ferienwohnung im Gutshaus

Die mittlere Ferienwohnung im Gutshaus

Der Saal im Gutshaus


Im November 2004 war der Umbau des Gutshauses beendet. Im Haus sind jetzt 3 Ferienwohnungen eingerichtet und zwei Privatwohnungen. Im Anbau des Gutshauses, dem früheren Gutsbüro, befindet sich ebenfalls eine Ferienwohnung. Im Park steht außerdem noch ein kleines Ferienhaus. Seid dem Frühjahr 2005 verbringen die ersten Feriengäste ihren Urlaub im Gutshaus und genießen die herrliche Landschaft, die Ruhe und die Natur. Auch der alte Pferdestall vom Gut wird wieder genutzt, denn Debora Gubener aus der Dorfstraße hat dort ihre Pferde stehen, einen Reitplatz angelegt und gibt Reitunterricht. Im Gutshaus fanden 2005 zwei ausverkaufte Konzerte statt. An Pfingsten war das Gutshaus im Rahmen von „Kunst offen“ mit Schmuck (G.Lehsten), Fotos ( C.Lehsten) und Möbeln (Uli Steinhöfel) für die Besucher geöffnet und über 700 Menschen kamen an drei Tagen. Am 11. September, dem Tag des offenen Denkmals, war Rothen gleich zweimal im Gutshaus versammelt, einmal leibhaftig und einmal im Portraitfoto. C.Lehsten hatte alle Rothener portraitiert und fast alle haben mitgemacht. 80 Bilder von Bewohnern aus Rothen, ein ganzes Dorf im Portrait, das lockte Hunderte von Ausstellungsbesuchern ins Gutshaus, sowohl am Tag des offenen Denkmals, als auch am 3.Oktober, an dem der Rothener Hof Markttag und die Rothener Mühle Apfelfest feierten. In diesem Jahr wurden auch die alten verfallenen LPG-Stallanlagen am Dorfeingang abgerissen und damit ein Schandfleck im Dorf saniert.


Abriß der alten LPG Ställe am Dorfeingang

Manfred Böhlke ergriff die Initiative zum Ausbau des Fußballplatzes auf der Wiese des Rothener Hofs und die Jugend in Rothen kann dort seitdem unter verbesserten Bedingungen Fußball spielen: neuer Rasen, neue Tore und Netze.


Im Jahr 2006 hat sich die positive Entwicklung fortgesetzt. Die Zahl der Feriengäste im Gutshaus ist gestiegen, das Klavierkonzert im August war wieder ausverkauft, am 1.September las Christa Wolf aus ihrem Buch „Kein Ort. Nirgends“ und 2 weitere Musikabende und eine Modenschau von Tine Schröter aus der Rothener Mühle fanden hier im Hause statt. Auf Initiative von Mitgliedern des Rothener Hof e.V.

Mitglieder und Freunde des Rothener Hofs pflanzen die Platanen im Dorf.

wurden im Dorf 36 neue Bäume gepflanzt, damit die Landstraßenallee am Fußballplatz wieder ergänzt ist und der Dorfplatz an der Kastanienallee eine schöne Einfassung durch Platanen bekommt. Eine ganze Reihe von Dorfbewohnern half beim Beseitigen des Kastanienlaubs in der Dorfallee, um so mit beizutragen,


den Befall der Kastanien durch die Minirmotte einzudämmen. Im nachfolgenden Jahr blieben die Kastanien zwei Monate länger grün als an anderen Orten. Achim Behrens aus Bolz bezog die neue Schreinerei im Rothener Hof, so dass im Hof jetzt zwei Gewerke ihren Platz gefunden haben. Der Friseursalon von Silke Vogelgesang „Am Handtuch“ ist fertiggestellt und täglich kommen die Kunden oft von weit her, um

Schreiner Achim Behrens in seiner Werkstatt

sich von Silke schneiden, föhnen und insbesondere färben zu lassen. Fischer Norbert Marx ist jetzt fast ganz nach Witzin umgezogen, befischt aber weiterhin den Rothener See.


Fischzug auf den Rothener See

In seinem Haus wohnt in einer Wohnung jetzt Carry Steinbacher mit ihren Kindern. Sie hat dort auch ein Massagezimmer für die „TouchLife“ Massage eingerichtet.

Carry Steinbacher bei einer TouchLife-Wellness-Massage

Das halb verfallene ehemalige Inspektorhaus an der Landstraße gegenüber vom Fußballplatz wurde verkauft


und wird nach und nach saniert. Es sollen dort drei Wohnungen entstehen. 2007 war ein Jahr voller kultureller Aktivitäten in Rothen. Der Rothener Hof, die Galerie Rothener Mühle und das Gutshaus erstellten einen gemeinsamen Flyer, der in 5000 Auflage für „Rothen Kultur„warb. Die Ausstellung mit Grafiken und Bildteppichen von Johanna Schütz-Wolff im Gutshaus hatte über 1000 Besucher - davon allein an „Kunst offen“ zu Pfingsten 800. Der Münchner Gitarrist Stefan Stiens gab ein ausverkauftes Konzert am 4. August im Gutshaus, im Rothener Hof fanden während der Sommerferien zwei Kindermalkurse statt, ein Trommelkurs und zwei

Bootsbaukurs

Kindermalkurs

Bootsbaukurse. Und der Reitbetrieb von Debora Gubener fand zunehmend Zuspruch von Pferdefreunden aus der Region und den Feriengästen des Gutshauses.


Debora Gubener bei einer Reitstunde auf dem Reitplatz

Der Rothener Hof belebte sich 2007 weiter. Der Kräutergarten wurde von Antje Beyer aus Ruchow wieder regelmäßig gepflegt und seit Pfingsten betreibt sie im Rothener Hof einen kleinen Dorfladen, der besonders von den Feriengästen des Gutshauses rege frequentiert wird. Für alle Dorfbewohner war sehr einschneidend die Errichtung einer öffentlichen Abwasseranlage. Im ganzen Dorf wurden Druckrohre, Pumpen und Pumpenschächte verbuddelt von der Firma EURAWasser im Auftrag des WAZ. Jeder Hausbesitzer musste Tausende von Euro bezahlen, einige mussten zusätzlich Kraftstromanlagen einrichten lassen, die auch sehr teuer waren. Sehr hoher technischer Aufwand wurde betrieben, damit man das Abwasser in die Kläranlage bei der Rothener Mühle transportieren kann. Den Hauptnutzen hat der Abwassermonopolist. Die Firma EURAWasser kassiert jetzt statt 3,90 € pro


Kubikmeter Wasser über 10,-€. Aus Sparsamkeitsgründen hat die Gemeinde jetzt die Straßenbeleuchtung reduziert und ab Mitternacht ist es stockdunkel im Dorf. Immerhin sind jetzt auch die Laternen hinter dem Handtuch auf dem Feld abgeschaltet. Einige Sandwege wurden von der Gemeinde ausgebessert, die Straßenränder gemäht und sogar die Straße von Borkow nach Rothen wurde recht gründlich geflickt. Auch der Badesteg am Rothener See ist renoviert, die Badeleiter erneuert und neue Bänke und ein Tisch aufgestellt. Ende August/Anfang September fand wieder ein gemeinsames Kulturwochenende im Dorf statt. Die Rothener Mühle hatte Finisage der Sommerausstellung, Takwe Kaenders und eine Schmuckkünstlerin stellten im Hof aus und im Gutshaus zeigte Christian Lehsten die Fotoausstellung KUNST HAND WERKER.

Der renovierte Badesteg des Dorfes am Rothener See.


Im Saal des Gutshauses zeigte Christian Lehsten die Fotoausstellung KUNST HAND WERKER mit Portraits von K端nstlern und Kunsthandwerkern aus der Region und je einem Werk der Fotografierten. Im Vordergrund eine Frauen figur von Stefan Albrecht.

Im September begann die Renovierung des Pferdestalls und der Ausbau einer weiteren Ferienwohnung im ehemaligen Heuboden des Pferdestalls. Der Offenstall f端r die Pferde wurde in die Remise verlegt und der hintere Stallraum als Sattelkammer und Aufsattelraum hergerichtet.


Die neue Ferienwohnung im Pferdestall


Am 14.3.2008 wurde die neue Ferienwohnung im Pferdestall zusammen mit allen, die daran gearbeitet haben, eingeweiht. Das drittgrößte Haus im Dorf wurde von Grund auf saniert, der Stall hergerichtet und die Ferienwohnung für maximal 8 Personen eingerichtet. Die Bauplanung machte Andrea Klein aus Woserin und die Bauarbeiten wurden von der Baufirma Michael Kunst aus Mustin durchgeführt. Schreinerarbeiten führten Achim Behrens und Ulrike Steinhöfel von der Holzwerkstatt im Rothener Hof aus, Metallarbeiten Takwe Kaenders aus der Schmiede im Rothener Hof. Am 23.4.2008 fand im Gutshaus ein Liederabend mit der jungen Sängerin Verena Usemann statt. Im März 2008 erschien der zweite gemeinsame Veranstaltungskalender vom Rothener Hof, der Galerie Rothener Mühle und dem Gutshaus Rothen in einer Auflage von 10000 Stück. Die Zahl der Veranstaltungen im Dorf hat zugenommen und die Zusammenarbeit wird enger. Alle drei Veranstalter nehmen wieder an Kunst Offen zu Pfingsten teil, es gibt einen gemeinsamen Herbstsalon, Hof und Mühle sind an der Aktion Offene Gärten beteiligt und die Galerie Rothener Mühle veranstaltet eine Modenschau im Gutshaus. Im März fand im Gemeindehaus in Borkow eine Anhörung zur Erweiterung der Schweinemastanlage zwischen Borkow und Rothen statt. Die Firma Rethmann wird die Anzahl der Schweine auf 1500 Tiere verdoppeln. Der Lastwagenverkehr wird dadurch zunehmen, ebenso die Menge der ausgebrachten Gülle.


Einige Rothener beschwerten sich, dass die „Güllebomber“ durch die Dorfstraße fahren und die Straße durch das hohe Gewicht der Fahrzeuge beschädigt wird.

Eröffnung der Sommerausstellung in der Rothener Mühle

Am 1.Mai begann in der Rothener Mühle wie schon seit 13 Jahren die Sommerausstellung mit 10 Kunsthandwerkern. Und an Pfingsten zu „Kunst offen“ kamen dieses Jahr ca. 650 Besucher, die im Rothener Hof, in der Mühle und im Gutshaus Kunst und Kunsthandwerk anschauten und kauften. Das Angebot des Hofladens im Rothener Hof erweiterte sich dieses Jahr insbesondere dadurch, dass Antje Beyer und Richard Scherer auf Bestellung die leckersten Menüs kochten. Bis in den September hatte Rothen so eine kleine Wirtschaft zu bieten, die von Feriengästen, Radfahrern, Paddlern und Dorfbewohnern frequentiert wurde.


Antje bedient im Hofladen

Am Tag des offenen Gartens (14./15.Juni kamen 150 Besucher ins Dorf

Zirkusvorstellung zum AbschluĂ&#x; des Kurses im Rothener Hof am 1.August 2008

Vernisage des Malkurses am 25.7.2008

Sommerfest am Rothener Hof am am 2.August 2008


Der Sommer in Rothen wurde belebt durch 30 Kinder, die am Zirkus-Kurs im Rothener Hof teilnahmen und zum Abschluss eine Vorführung ihres Könnens vor großem Publikum veranstalteten. Der Malkurs im Rothener Hof hatte dieses Jahr als Thema das Gedicht von Heinrich Heine „Die Loreley“. Zusammen mit einer Kindergruppe in Tschetschenien und in Südamerika, die das gleiche Thema bearbeiten, wird der Verein Rothener Hof daraus eine kleine Broschüre machen. Im Juni erschien die erste Ausgabe des Rothener Hof Kuriers mit vier Seiten im Zeitungsformat. Darin werden die Aktivitäten des Vereins dargestellt und aufgerufen, für die Renovierung des Vereinsgebäudes zu spenden, speziell für den Ausbau des Dachbodens als Veranstaltungsraum werden 20000,- € gebraucht..

Der ehemalige Heuboden des Kuhstalls soll zu einem Veranstaltungsraum ausgebaut werden.


Am 26.September begannen die Bauarbeiten an der Straße zwischen Borkow und Rothen. Die Erneuerung dieser Straße wird schon lange gefordert. Durch Zuwendung von Sondermitteln konnte die Gemeinde den Bau in Auftrag geben. Als Ausgleichsmaßnahme, die gesetzlich vorgeschrieben ist, legt die Gemeinde am Dorfeingang auf dem Gelände des ehemaligen Schweinestalls, zusammen mit der Gutsverwaltung Rethmann eine Streuobstwiese an mit ca 130 Bäumen. Für die Erweiterung der Schweinemastanlage muß die Gutsverwaltung Rethmann als Ausgleich eine Pflanzung von Obstbäumen anlegen. Ab Ende Oktober können dann alle Autofahrer auf der neuen Straße mit noch höherer Geschwindigkeit die drei Kilometer überwinden, kein Schlagloch stört mehr die gigantischen Trecker und Mähdrescher. Die Gemeinde ist jetzt endgültig pleite. Die Strabag aber – eine der größten Straßenbaufirmen - ist der Gemeinde sicher sehr dankbar für das Auftragsvolumen von 589000,-€. Der „Herbstsalon“ in Rothen fand das rege Interesse von ca. 150 Kunstfreunden. Takwe Kaenders und Christine Mathias zeigten Emailbilder und Schmuck, Christian Lehsten die Fotoausstellung „Säulenordnung“ im Gutshaus Rothen und die Mühle beendete die Sommerausstellung. Der 11.Oktober 2008 war ein ganz besonderer Tag für das Dorf Rothen. An diesem Tag trafen sich um 14 Uhr 44 ehemalige Kinder aus Rothen vor dem Gutshaus.


Gernot Vogelgesang, Rita Necker und Christa Ernst hatten alle diejenigen eingeladen, die zwischen 1947 und 1967 in Rothen als Kinder gelebt hatten. Viele wohnen inzwischen weit weg von Rothen, nur ganz wenige noch oder wieder im Dorf. Es war ein großes Hallo und Umarmen, etliche hatten sich seit vielen Jahren nicht gesehen, manche erkannten sich nicht wieder und mache sofort. Dann wurde natürlich das obligatorische Gruppenfoto auf den Stufen des Gutshauses gemacht, so wie vor 50 Jahren die Kinder am Kindertag auf der Treppe des Rothener Gutshauses fotografiert wurden.

1.Reihe v.l.: Siegfried Sender, Wolfgang Bab, Christa Marg, Harald Lüder, Günther Waack, Bernd-Uwe Siebert, Manfred Dotschuweit. 2.Reihe v.l.: Regina Marg, Hans-Jürgen Baytala, Regina Gurazsch, Irene Gurazsch, Roswitha Nilson, Birgit Krätzel, Erika Leonhardt 3.Reihe v.l.: Petra Ernst, Dietmar Krätzel, Uwe Ernst, Christel Rohde, Ulla Rohde (vor Gernot Vogelgesang), Ute Necker, Birgit Schubert, Karin Dotschuweit, Harald Rohde, Willi Bab 4.Reihe v.l.: Christa Ernst, Gustav Rohde, Jörg Necker, Herbert Rohde, Conny Wandel (vor Detlef Siebert), Günter Sender, Heike Necker, Rita Necker, Frank Schubert, Uli Ernst, Edgar Rohde, Horst Schubert


Die „ Kinder von Rothen“ beim Rundgang durchs Dorf

Nach dem gemeinsamen Rundgang durchs Dorf traf man sich im Saal des Gutshauses bei Kaffee und Kuchen aus dem Rothener Hofladen - in dem Saal, wo früher der Jugendclub war, die Feiern zum Kindertag oder zu Weihnachten durchgeführt wurden und wo Kinofilme gezeigt wurden. Christa Ernst betont in Ihrer Begrüßungsansprache, wie sich das Dorf in den letzten 50 Jahren verändert habe und wie es durch den Zuzug neuer Dorfbewohner in den letzten 20 Jahren bunter und interessanter geworden sei. Früher habe sie in ihrer Jugend aus dem Dorf weggehen wollen, jetzt zieht es sie immer wieder nach Rothen. Bis in den späten Abend wurden Erinnerungen ausgetauscht, Lebensgeschichten erzählt und Bilder gezeigt. Geplant ist, sich in 5 Jahren wieder in Rothen zu treffen vielleicht auf dem Sommerfest des Rothener Hofs.


Am 22. November spielte der Schottisch-deutsche Pianist Trefor Smith aus Hamburg bei einem Klavierabend im Gutshaus Rothen und begeisterte die 70 Zuhörer. Und im Dezember öffnete die Galerie Rothener Mühle zu ersten Mal an allen vier Wochenenden ihre Adventswerkstatt in der neu ausgebauten Galerie. Ende Januar 2009 begannen die ersten Bauarbeiten für den Ausbau des Hofladens von Antje Beyer im Rothener Hof. Der Boden wird erneuert, Gastraum, Küche und Ladenraum renoviert und den Bauvorschriften entsprechend hergerichtet. Auch der geplante Ausbau des Dachbodens im Rothener Hof kommt ein Stück voran, denn die Zimmerleute Jo Müller und Bernhard Zimmermann verlegen neue Deckenbalken. Im Mai waren Hofladen und Cafe fertig ausgebaut. Antje Beyer und Richard Scheerer haben mit großem Einsatz alles hergerichtet. Sie bekamen viel Unterstützung von Freunden des Vereins Rothener Mühle in Form von Spenden und Sachleistungen. Besonders schön ist der große Lehmofen im Cafe geworden, der es ermöglicht, auch im Winter das Cafe zu benutzen. Das Dorf Rothen hat jetzt einen neuen kommunikativen Mittelpunkt. Dorfbewohner, Feriengäste, Fahrradtouristen, Paddler, Leute aus der Region kommen zum Essen, das Richard sehr lecker bereitet,


zum Kaffee trinken und Torten essen oder zum Einkaufen in Antjes Hofladen.

Der Ofen f端r das Cafe wird gebaut

Das neu ausgebaute Cafe


Das ehemalige Verwalterhaus des Gutes, dass Fischer Marx 2006 erworben und zu renovieren begonnen hatte, wurde von Tom Wagner aus Mustin erworben. Er möchte es herrichten und die entstehenden Wohnungen vermieten.

Grisue wenige Minuten nach der Geburt

Am 21. April wurde erstmalig seit Jahrzehnten in Rothen ein Hengstfohlen geboren. Auf dem Pferdestall wurde die Nisthilfe für den Storch von Flechtmeister Wolf Schröter aus der Rothener Mühle neu beflochten. Zweimal kam ein Storch im Anflug zum Nest, aber er hat sich nicht niedergelassen. Jetzt hoffen wir auf Zuzug im nächsten Jahr.

Wolf Schröter auf dem Dach des Pferdestalls beim Beflechten des Storchennestes.


Zum Pfingsten 2009 beteiligten sich wieder Rothener Mühle, Rothener Hof und das Gutshaus an „ Kunst 0ffen“. Ca. 600 Besucher kamen an den drei Tagen ins Dorf. Im Gutshaus stellten Gabriele Lehsten Schmuck und Anka Kröhnke aus Kühlungsborn Tapisserien aus.

Anka Kröhnke mit einem Bild aus Blechdosen

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Im Jahre 2009 hatte Rothen den ersten französischen Einwohner: Cedric le Montreer aus Rivieres ist 15 Jahre alt und kam am 15.Mai im Rahmen des Schüleraustausch durch das Deutsch-Französische Jugendwerk nach Rothen. Im Gegenzug wird Jacob Lehsten im Herbst nach Frankreich fahren. Cedric hat 2 Monate in Rothen gelebt, ist jeden Tag mit Jacob in das Gymnasium nach Sternberg gefahren und hat rege hier am Leben der Familie teilgenommen. Cedric war ein


liebenswerter Gast und hat durch seine freundliche Wesensart die Herzen seiner Gastgeber erobert. Mit Jacob nahm er an zwei Wettkämpfen der Jugendfeuerwehr Dabel teil, die die Kreismeisterschaft von Parchim gewannen und zweite bei der Landesmeisterschaft wurden. Auch mit anderen Jugendlichen aus dem Dorf bekam Cedric guten Kontakt, insbesondere beim FuĂ&#x;ball spielen und beim Baden. Es ist zu hoffen, dass die Freundschaft bestehen bleibt und er wieder einmal unser Dorf besuchen wird.

Cedric und Jacob haben das Gutshaus in Lego nachgebaut.


Der Sommer 2009 war wieder mit den schon traditionell in Rothen stattfindenden Aktivitäten gefüllt. Anfang August feierte der Rothener Hof Verein das Sommerfest, diesmal ohne Band. Takwe Kaenders führte einen Kindermalkurs in den Ferien durch mit den Thema „Mein Deutschland“. Parallel dazu malten Kindergruppen in Bolivien und Tschetschenien Bilder über ihre Heimat. Im Juli wurde unter Anleitung von Takwe Kaenders der erste Dengelkurs abgehalten.

Dengelkurs mit Takwe Kaenders

Wirt Richard Scherer

Zum Herbstsalon spielte der Münchner Pianist Uli König im Gutshaus ein Klavierkonzert und im Rothener Hof wurde die Ausstellung „Redboxes“ gezeigt. 20 Künstler aus aller Welt hatten eine Kiste zum Thema Rot gestaltet. Der neuausgebaute Hofladen und das Cafe im Rothener Hof fanden in diesem Sommer noch mehr Anklang. Allerdings nicht bei den Nachbarn Frau Ohlenroth und Herrn Remus. Die beiden hatten sich schon länger über angeblichen Lärm der Schmiede beschwert und lagen in diesem Sommer dem Ordnungsamt in Sternberg in den Ohren, weil sie den „schlafraubenden Lärm“ der Gäste


des Cafes nicht ertragen konnten, die zu laut „erzählen und lachen“. Viele Termine mit Behörden und Beamten verschiedenster Ämter fanden statt mit dem Ergebnis, dass weder Schmiede noch das Cafe zu laut sind. So zeigt sich, dass auch in Rothen die Welt zwar sehr schön, aber auch nicht nur heil ist. Initiative und Lebensfreude findet offenbar auch immer Neider und Missgünstige. Zum Glück begrüßen die übrigen Dorfbewohner das Cafe als eine Bereicherung für das Dorf, gehen dort zum Kaffee trinken oder auch mal auf ein Bier. An warmen Abenden saßen manchmal bis zu 30 Gäste, (Feriengäste aus dem Gutshaus, Menschen aus benachbarten Orten, Radler und Paddler) in Richards „Biergarten“ und genossen die köstlichen Speisen, den guten Wein und die entspannte Atmosphäre. Am 3. Oktober fanden zwei Ereignisse in Rothen statt: Um den Hof herum war wieder Markttag, der gut besucht war. Im Gutshaus feierte die älteste Bewohnerin des Dorfes, Irmgard v. Lehsten ihren 90. Geburtstag mit einem rauschenden Fest.

Rothener Freunde gratulieren zum 90.

Irmgard v. Lehsten in ihrem Garten


An der Aktion „Kunst heute“ vom Künstlerverband Mecklenburg nahmen zwei Kulturschaffende aus Rothen teil. Die Metallbildhauerin Takwe Kaenders und der Fotograf Christian Lehsten zeigten am 24.10.2009 Werke im ehemaligen Kulturhaus Mestlin, die sich mit der Geschichte dieses Kulturhauses auseinandersetzten. Die Mitgliederversammlung des Vereins Rothener Hof am 20.November zog eine positive Bilanz. Es konnten so viele Spenden geworben werden, dass der Fußboden des Dachbodens fertiggestellt werden und eine neue Treppe gebaut werden kann. Einige neue Mitglieder hat der Verein bekommen, ein neuer Hofkurier ist in Planung, ein Vereinsstammtisch wurde ins Leben gerufen und eine lange Liste von Aktivitäten fürs neue Jahr geplant. Das Café war trotz aller Hindernisse erfolgreich. Es wurden ca. 1800 Portionen Kaffee ausgeschenkt und ca.60 Torten wurden verzehrt. Die Adventswerkstatt in der Mühle an den vier Dezember-Wochenenden war nicht so gut besucht wie erwartet. Krise und Konkurrenz anderer Weihnachtsmärkte scheinen sich auszuwirken. Der Winter brach um Weihnachten mit Macht ein und brachte soviel Schnee wie schon lange nicht mehr. Die Temperaturen sanken an manchen Tagen auf Minus 20 Grad und in einigen Häusern im Dorf froren die Wasserleitungen ein. Der Rothener See hatte eine geschlossene Eisdecke, nur am Ausfluß der Mildenitz gab es noch offenes Wasser, wo die Wasservögel


Nahrung finden konnten. An einigen Tagen wurden bis zu 8 Seeadlern auf dem See gesichtet.

Winter , Januar 2010


Am 23.1.2010 war Arbeitseinsatz am Rothener Hof. 13 Mitglieder und Freunde des Vereins halfen bei Kälte und Schnee, die alte Lehmdecke vom Heuboden abzureißen. Es war ein gewaltiger Dreck und Staub, aber gemeinsam ging es doch relativ schnell, das Material der Schmiede in eine andere Buchte umzuräumen, die Schleden von der Decke zu nehmen und den Lehm mit der Schubkarre herauszuschaffen. Am Abend traf sich dann zum ersten Mal der Stammtisch des Vereins mit 20 Mitgliedern und Gästen in Antjes und Richards Café im Rothener Hof. Bei leckerem Essen von Richard und Wein wurde der neue Hofkurier geplant, es wurden Ideen gesammelt, diskutiert und ein schöner Abend verbracht. Am 27.2.2010 hatte die Bürgermeisterin Regina Rosenfeld zu einer Einwohnerversammlung für den Ortsteil Rothen ins Gutshaus eingeladen. Die Bürgermeisterin berichtete über das geplante Bodenneuordnungsverfahren, das unklare Grenzlinien regeln soll. Dazu werden alle Grundstücke und Häuser auf Kosten der Gemeinde neu vermessen. Danach sollen die realen Grenzen mit den vermessenen abgeglichen und endgültig mit Eintrag im Grundbuch festgelegt werden. Das Verfahren kann sich über mehrere Jahre hinziehen. Moniert wurde von Einwohnern der Zustand des Weges zum Haus von Rohdes und der schlechte Straßenzustand der Allee nach Mustin. Die Gemeindevertretung soll sich nach Meinung der Rothener mit der Gemeinde Mustin zusammentun, und dafür sorgen, dass die Straße


repariert wird, weil sie erstens die Autos gefährdet und zweitens ein erhaltenswertes Kulturgut der Region ist. An der Versammlung nahmen 13 Anwohner aus Rothen teil. Anfang März 2010 begannen Bauarbeiten im ehemaligen Verwalterhaus. Eine Ferienwohnung und zwei Wohnungen für dauerhafte Vermietung sollen ausgebaut werden. Die Holzverschalung soll entfernt werden, die Fenster wieder so gebaut werden, wie sie früher einmal waren. Damit hat dies schön gelegene Haus wieder ein Zukunft. Im Juni bezog Manou Zeise mit ihrem Sohn Waja die erste Wohnung. Kurz vor Pfingsten in der Woche vom 10. bis 15.Mai war Kurt Huuk aus Niedersachsen mit fünf Helfern aus einer Einrichtung für Suchtkranke in Rothen, um den Dielenboden im Rothener Hof zu verlegen. Die Zimmerleute Jo Müller und Bernhard Zimmermann, die schon viel im Rothener Hof gebaut haben, hatten die Baustelle vorbereitet und mit sensationeller Geschwindigkeit wurde der Boden verlegt. Nun hat der Verein einen Raum mit über 400 qm Fläche, der auf vielfältige Weise genutzt werden kann. So konnte der Kinderzirkus-Kurs von Andreas Gotschalk in den Sommerferien mit 40 Kindern in der Halle stattfinden. Und auch bei der abschließenden Zirkusvorführung war für die vielen Zuschauer noch Platz. Dank der freiwilligen Helfer konnte das Bauvorhaben im Hof vorangebracht werden und es blieb sogar noch so viel


Geld 端brig, dass eine solide Treppe f端r den Dachboden gebaut werden konnte.

Der neu Boden wird verlegt

Andrea Klein bedankt sich bei Bauhelfern und Spendern bei der Einweihungsfeier am 15.Mai

Zirkus-Kursus in den Sommerferien im Rothener Hof


Zu Pfingsten fand wieder "Kunst offen " statt und in Rothen beteiligten sich daran die Rothener Mühle, der Rothener Hof mit Takwe Kaenders, Daniela Melzig, Ulrike Steinhöfel und als Gast Wolfgang de Fries und das Gutshaus Rothen mit Gabriele und Christian Lehsten. Über 600 Besucher kamen ins Dorf und das Café im Rothener Hof hatte Hochbetrieb. In der neu ausgebauten Galerie der Rothener Mühle fielen besonders das erweiterte Grafikangebot und die Webarbeiten von Andreas Möller aus Hamburg auf.

Ausstellung im Rothener Hof

Café im Rothener Hof

Galerieraum Rothener Mühle

Der Ahorn im Park wird gefällt

Am 22.Juli 2010 muss ein großer Ahorn im Park gefällt werden, weil der Stamm morsch ist und droht, umzufallen.


Nach dem langen, kalten und schneereichen Winter war der erste Teil des Sommers ab Siebenschläfer sehr trocken und heiß bis 38 Grad. Anfang August heirateten Feriengäste im Gutshaus. Es war die erste Hochzeit seit Jahrzehnten, die hier stattfand. Über 70 Gäste feierten drei Tage das glückliche junge Paar Claudia und Timo Domröse.

Claudia Bley und Timo Domröse werden im Gutshaus abgeholt

Kaffeetafe im Park des Gutshauses

Der Herbstsalon 2010 am 28./29.August hatte insgesamt ca. 150 Besucher, die sich die Ausstellungen im Rothener Hof, der Rothener Mühle und im Pferdestall des Gutshauses anschauten. Erstmalig wurde im ehemaligen Pferdestall ausgestellt, und zwar Portraitfotos von Gärtnerinnen und Gärtnern, die Christian Lehsten für das Buch über offene Gärten in Mecklenburg fotografiert hatte. Am 3.Oktober war nun zum sechsten Mal wieder Markttag im und um den Rothener Hof. Es nahmen 25 Händler mit ihren Ständen teil und ungefähr 1000 Besucher kamen aus der ganzen Region zum Markt. Zum ersten Mal wurde der große Dachboden als Markthalle genutzt. Die Händler waren zufrieden mit


den Verkaufsergebnissen, die Besucher gesättigt von den vielseitigen Essenangeboten, der Verein konnte Spenden aus dem Kuchenverkauf in die Kasse legen und die Kinder lieĂ&#x;en sich von Zauberer Gernot Vogelgesang mit einer Zaubershow verzaubern,

Markttag am 3.Oktober 2010 am Rothener Hof

Tomatenstand aus Mestlin der Gärtnerei Wonglorz

Achim Behrens von der Mosterei

Markthalle auf dem Dachboden der Rothener Hofs

Manou Zeise am Schminkstand

Der Pomologe beim Apfelbestimmen


An drei Wochenenden im Oktober fand wieder eine Ausstellung mit 13 Künstlern im Rahmen von KUNST HEUTE unter dem Motto HEUTE KUNST im ehemaligen Kulturhaus Mestlin statt, die von Takwe Kaenders konzipiert wurde. Aus Rothen nahmen Takwe Kaenders, Dahny Melzig und Christian Lehsten mit Werken an der Ausstellung teil.

Fotos von Christian Lehsten

Installation von Takwe Kaenders

Installation von Dahny Melzig

Das ehemalige Wohnhaus der Familie Bohaczek, das die Schreinerin Ulrike Steinhöfel erworben und inzwischen bezogen hat, wird Zug um Zug renoviert und neu ausgebaut. Ulrike hat drei Töchter, die neues Leben ins Dorf bringen. Am 16.Oktober 2010 spielten im Gutshaus Rothen Julian Arp, Violoncello und Caspar Frantz, Piano ein wunderbares Konzert mit romantischer Kammermusik. Das Konzert war ausverkauft und die Zuhörer begeistert von den beiden jungen Musikern. Allein aus Rothen kamen 19 Zuhörer - das ist fast ein Drittel der Rothener Bewohner.

Julian Arp und Caspar Frantz


Die Mostsaison in der Rothener Mühle war dieses nicht sehr gut. Der lange kalte Winter, der schlechte Bienenflug und der sehr trockene Frühsommer hatten dazu geführt, dass die Apfelernte sehr schlecht war. Das hatte zur Folge, dass weniger Saft gemostet werden konnte. Im Oktober wurde die Ausgleichspflanzung auf der neuen Streuobstwiese - dort, wo früher der LPGSchweinestall am Dorfeingang war - erweitert. Jetzt steht dort ein stattliche Zahl von jungen Obstbäumen. Wer was daraus macht, ist bislang unklar. Ende Oktober am 27.10. und 28.10 waren die Rothener Kunsthandwerker aus den Rothener Hof gleich zweimal im Fernsehen. Der Dengelkurs von Takwe Kaenders wurde ausführlich in der "Landpartie" dargestellt und über den Bogenbaukurs von Achim Behrens wurde in der "Nordtour berichtet.

Achim Behrens beim Bogenbau

Teilnehmer des Dengelskurses von Takwe Kaenders


Am 12.November war Stammtisch des Rothener Hofserstmalig im neuen Gastraum, den Richard Scherer und Antje Beyer im Hofcafé hergerichtet haben. Jetzt können fast 30 Gäste an Tischen in dem kleinen Restaurant im Rothener Hof bewirtet werden. Der Stammtisch befasste sich mit den Ideen für die weitere Arbeit des Vereins, der zunehmenden Nachfrage nach dem großen Raum im Hof und den Plänen für das zehnjährige Jubiläum des Vereins im Jahre 2011. Ein gute Band ist für den 9.Juli 2011 bereits gewonnen.

Der erste Schnee kam dieses Jahr pünktlich zum ersten Advent und es wurde auch schon gleich recht kalt.

Der Pferdestall des Gutshaus Rothen


Die Mildenitz am Rothener See

Ein Feriengast vom Gutshaus f채hrt mit Langlaufskiern im Gutspark


In der Rothener Mühle wurde die Adventswerkstatt mit einem Puppentheater am 26.11.2010 von ERNST HEITER mit dem Märchen vom bösen Wolf eröffnet. In der Ausstellung wurde sehr schönes und qualitätsvolles Kunsthandwerk gezeigtleider war der Ausstellungsbesuch an den Adventswochenenden etwas mager.

Adventswerkstatt und Puppentheater in der Galerie Rothener Mühle

Auf mehreren Stammtisch-Treffen wurde zu Beginn des Jahres 2011 die genaue Planung des Jubiläumsfestes des Vereins Rothener Hof besprochen.

Einladung für das Sommerfest des Rothener Hofs


Im Gutshaus fand am 19.März das erste Jazz-Konzert in Rothen statt. Es spielte die Gruppe JAZZYARD aus Rostock, vier junge Musiker, die mit eigenen Songs und Standards das Publikum begeisterten.

Konzert von JAZZYARD im Saal des Gutshaus Rothen am 19.3.2011

In den Osterferien führte Debora Gubener zum ersten Mal einen Ferien-Reitkurs für Kinder durch. Die Kinder wohnten bei ihr, wurden dort auch verpflegt und waren täglich auf dem Reitplatz und bei Ausritten unterwegs. Um Ostern herum halfen Freunde des Vereins tatkräftig im Kräutergarten und sorgten unter Anleitung von Antje Beyer dafür, dass die Beete von Unkraut befreit wurden, die Büsche beschnitten und die Wege abgestochen wurden. Der Kräutergarten beteiligt sich 2011 wieder an der Aktion "Tag des Offenen Gartens" am 25. und 26. Juni.


Der 1.Mai war wie schon seit 16 Jahren der Beginn der Sommerausstellung in der Galerie Rothener Mühle. Die Vernisage war sehr gut besucht. Besondere Beachtung fanden die Bilder von Friedrich Fretwurst, die Keramiken von Barbara Hast und die Perlenketten von Gabriele Lehsten,

Vernisage in der Rothener Mühle am 1.5. 2011

An " Kunst Offen" zu Pfingsten nahmen im Rothener Hof in diesem Jahr vier Künstler und Kunsthandwerker im Rothener Hof teil: Takwe Kaenders, Ulrike Steinhöfel, Dahny Melzig und der Wortkünstler Reinhard Risch, der sich für den Sommer 2011 im Rothener Hof eingemietet hat. Im Gutshaus stellte wieder Gabriele Lehsten ihren Schmuck aus und Christian Lehsten Fotos. Sein Thema waren Fotos aus dem Projekt "Säulenordnung", die


gemeinsam mit dem Münchner Künstler Wolfram Kastner im Mai in Mecklenburg, Berlin und Hamburg neu fotografiert wurden. Stefan Albrecht aus Eickhof hatte dicke Frauen aus Beton vor dem Gutshaus aufgestellt und ca. 700 Besucher kamen an den drei Pfingsttagen ins Dorf.

Skulpturen von Stefan Albrecht vorm Gutshaus Rothen

Reinhard Risch in seiner Werkstatt

v.L.: Dahny Melzig, Ulrike Steinhöfel, Reinhard Risch und Takwe Kaenders bei der Ausstellungsvorbereitung


Die Pfingstbelegschaft der Rothen Kelle

Im Café "Zur Rothen Kelle" war an den Pfingsttagen viel Betrieb. Antje und Richard verstärkten die Belegschaft beim Bedienen, Grillen und in der Küche. Vom 8.Juni bis zum 10. Juni feierte der Verein Rothener Hof sein 10jähriges Jubiläum mit einem rauschenden Fest. Am Freitag gab es auf dem großen Dachboden Kino, Jazz mit der DorfJaZZentrale und Bar, am Samstag viele Stände, Theater mit den Pyromantikern, Gernot mit einer Zaubervorführung, Schülertheater, Tango und Flamencoeinlagen. Am Samstag abends spielte die "Grine Kusine" aus Berlin fetzige Tanzmusik bis spät in die Nacht. und zu mitternächtlicher Stunde brannten die Pyromantiker beim Fußballplatz ein surrealistisches Feuerwerk ab. Am Sonntag erfrischten sich die Gäste beim Brunch in der "Rothen Kelle" und mit Musik von Quint, begeisterten sich am Rothener-Berliner Fußballtournier und ersteigerten für über 700,-€ rote Gegenstände, die Achim Behrens in einer Installation zusammengesammelt hatte. Achim schaffte es , als Auktionator über zwei Stunden lang die Käufern mit witzigen Sprüchen zu fesseln und zu erheitern und zu


regem Kauf zu animieren. Hunderte Besucher aus der ganzen Region nahmen an den verschiedenen Darbietungen des Festes teil. Es war das schönste Sommerfest des Vereins. Der zum Fest erschienene Rothener Hof Kurier 2011 mit diesmal 6 Seiten wurde gut gekauft und die Presse berichtete ausführlich über das Jubiläum.

An der Bar

Achim Behrens und Takwe Kaenders

Die Grine Kusine

Die Rothener DorfJaZZentrale

Die Pyromantiker mit dem Froschkönig


Feuerwerk Theater der Pyromantiker

Rothener-Berliner FuĂ&#x;balltournier

Achim Behrens, der Auktionator

Musikgruppe Quint


Der Sommer 2011 war so nass, dass die Mildenitz und der Rothener See bis zum äußersten Rand voll Wasser standen, so voll wie noch nie in den letzten Jahren. Die kulturelle Sommersaison wurde wieder mit dem Herbstsalon beendet. Am 27. und 28.August stellten die Kunsthandwerker im Rothener Hof aus, zusätzlich als Gast wieder Christine Matthias mit ihrem Schmuck. In der Mühle spielte am 28.8. bei der Finisage die Rockgruppe Lobster Society aus Hamburg, u.a. mit Till Schröter am Bass. Im Gutshaus eröffnete der Verleger Gerhard Wolf eine Ausstellung mit Aquarellen und Radierungen von Hartwig Hamer aus Schwerin. Die anschließend geplante Lesung mit Christa Wolf mußte leider ausfallen, weil Frau Wolf krank war. Trotzdem kamen über 80 Besucher zur Vernissage ins Gutshaus. Ungefähr 150 Besucher kamen zum Herbstsalon nach Rothen.

Gerhard Wolf (Mitte) spricht zur Ausstellung von Hartwig Hamer (links)


Am Donnerstag, den 22.September, beschloss ein Jury des SPD Bundesvorstands in Berlin, dem Rothener Hof Verein den Regine-Hildebrandt - Preis zu verleihen. Das bedeutet, dass neben der Ehrung der Verein 10.000,- € bekommt, die er für seine Tätigkeit verwenden kann. Mit nachfolgender Pressemitteilung gab die SPD diesen Beschluss bekannt. In verschiedenen Zeitungen, im Rundfunk und Fernsehen wurde darüber berichtet. Berlin, 23. September 2011 Mitteilung für die Presse

„Regine-Hildebrandt-Preis“ 2011 Der „Regine Hildebrandt-Preis“ 2011 geht in diesem Jahr an „Quillo – Neue Musikvermittlung auf dem Land“ und „Verein Rothener Hof e.V.“ Dies gab die Jury für die Vergabe des „Regine-Hildebrandt-Preises“ nach ihrer gestrigen Sitzung bekannt. Der mit 20.000 Euro dotierte Preis für herausragendes Bürgerengagement wird damit an zwei Projekte vergeben, die sich in besonderer Weise für das zivilgesellschaftliche Engagement in den vom Strukturwandel betroffenen ländlichen Regionen Ostdeutschlands verdient machen. Im zehnten Todesjahr erinnert die Jury damit auch an die Bedeutung von Kunst und Musik im Leben von Regine Hildebrandt. Zu den Preisträgern: „Quillo – Neue Musikvermittlung auf dem Land“ – Die Kammerphilharmonie Uckermark e.V und das Ensemble Quillo (Land Brandenburg) arbeiten seit ihrer Gründung im Bereich der Musik- und Kulturvermittlung in den strukturschwachen Regionen der Uckermark. Dabei werden in besonderer Weise Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien in die Arbeit einbezogen. Über die Projekte Junge Opernwerkstätten, Landmusik und die Film-Musik-Projekte erhalten Kinder und Jugendliche Zugang zu Musikinstrumenten, Komposition, aber auch zur bildenden Kunst und Tontechnik. In den Jungen Opernwerkstätten werden in Eigenregie Kostüme kreiert, Bühnenbilder gebaut und über mehrere Monate Opernaufführungen entwickelt. Das Projekt Landmusik bietet Kindern die Möglichkeit, kostenfrei ein Blechblasinstrument zu erlernen. Die FilmMusik-Projekte ermöglichten den Kindern und Jugendlichen und weiteren Dorfbewohnern als Darsteller und Mitarbeiter die Produktion des Films „Sie wissen es nicht, aber sie tun es.“ Im Rahmen des Projektes wurden 40 Musikinstrumenten von Langzeitarbeitslosen gebaut, die den Kindern der Kooperationsschulen zugute kamen. - 2 - Der Verein „Rothener Hof e.V.“ bearbeitet seit seiner Gründung vor 10 Jahren die Folgen des Strukturwandels in der ländlichen Region des Landkreises Parchim (Mecklenburg-Vorpommern). Durch engagierten Einsatz wurde der Rothener Hof vom drohenden Verfall gerettet und etabliert sich inzwischen als geistiges, soziales und kulturelles Zentrum der Region. Neben einer Schreinerei, Schmiede und dem Cafe wurde ein Fußballplatz auf dem Vereinsgelände gebaut. Aktionen wie „Kunst Offen“ oder der „Tag des offenen Gartens“ und der „regionale Markt“ locken Hunderte Gäste ins Dorf. Breiten Raum nehmen Angebote für Kinder wie z.B. Malkurse, Kinderzirkus und Kochkurse ein. Bewohner einer Einrichtung für Alkohol- und Suchtkranke wirkten am Ausbau des Vereinsgebäudes mit. Im Verein engagieren sich Menschen aus Ost- und Westdeutschland. Sie tragen mit ihrer Arbeit zum Abbau von Vorurteilen bei. Der Verein betreibt Aufklärung über völkisch-rassistische Gruppierungen im Raum Güstrow und bekämpft damit die Ausbreitung von rechtsradikalem Gedankengut.


Der Jury des „Regine-Hildebrandt-Preises“ gehören an: Dr. Christine Bergmann (Schirmherrin), SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles, Petra Heß, Frauke Hildebrandt, Marion Hildebrand, Sigrid Keler, Carla Kniestedt, Dr. Gerlinde Kuppe, Ingrid Stolpe und Simone Violka. Soziales Engagement und der Gedanke der Solidarität prägten das Leben von Regine Hildebrandt. Der nach ihr benannte Preis wird in diesem Jahr zum zehnten Mal vergeben und soll in erster Linie gesellschaftliche Initiativen würdigen, die sich im Sinne dieser außergewöhnlichen Frau und großen Sozialdemokratin engagieren. Der Preis wird am 26. November 2011, dem Jahrestag des Todes von Regine Hildebrandt verliehen. Die Preisverleihung findet im Willy-Brandt-Haus in Berlin statt. Eine gesonderte Einladung hierzu geht Ihnen rechtzeitig zu. Für Rückfragen steht Ihnen die Pressestelle des SPD-Parteivorstandes unter der Rufnummer 030 25991-300 zur Verfügung. Über Ihr Interesse freuen wir uns.

Bundesweit berichtet wurde über das Gutshaus Rothen am Sonntag, den 25.9.2011 in einem zweiseitigen Artikel in der Welt am Sonntag. Die Sanierung des Gutshaus und die Geschichte der neuen Besitzer waren die Themen dieses Artikels. Ein Abend mit Liedern von Georg Kreisler war am 2.Oktober im Gutshaus Rothen zu erleben. Viola Kuch (Gesang) und Alexander Klein (Piano) spielten ein brilliantes Programm und begeisterten die Zuhörer im gut gefüllten Saal des Gutshauses.

Kreislerabend im Gutshaus


Der traditionelle Markt um den Rothener Hof am 3.Oktober fand auch dieses Jahr wieder statt. Es war die größte Veranstaltung, die je im Dorf durchgeführt wurde. Circa 3000 Besucher kamen und über 30 Händler mit ihren Ständen nahmen am Markt teil. Es war eine wunderbare Stimmung, viele Marktbesucher , trafen sich mit Freunden und Verwandten. Man kann nach diesem Markttag feststellen, dass das, was der Verein hier in der Region veranstaltet und anbietet, von den Menschen angenommen wird, dass sich die Besucher wohlfühlten und offensichtlich für jeden etwas im Marktangebot da war. Hunderte Autos parkten auf dem Parkplatz des Vereins, auf dem dafür hergerichteten Fußballplatz und an den Straßenrändern nach Borkow, Zülow und Mustin. Auch für die Händler hat sich der Markt gelohnt, denn eigentlich alle haben gut verkauft und waren zufrieden.

Markttreiben um den Rothener Hof am 3.Oktober 211


Rothen hat Zuzug: In die zweite Wohnung im ehemaligen Verwalterhaus zog im November Franziska Bielenstein mit ihren Kindern Alva und Philine ein. Im November 2011 begann die schon seit Jahren von der WEMAG geplante Verlegung der Stromleitungen im Dorf in die Erde. Die Sternberger Firma Sandmann führte die Bauarbeiten durch. Teilweise wurden die Kabel im offenen Graben verlegt, an einigen Stellen wurden die Leitungen unterirdisch geschossen. Nach ca. 4 Wochen waren die Bauarbeiten beendet. Einige Laternen wurden neu aufgestellt, so auch eine am Dorfplatz vor dem Rothener Hof. Obwohl niemand der Anwohner diese Laterne wollte, beharrte die Bürgermeisterin Rosenfeld, die Gemeindevertretung und Herr Russbült vom Bauamt in Sternberg auf der Errichtung dieser Laterne. Denn man sollte bedenken, dass im Notfall der Rettungswagen die Häuser nicht findet, wenn keine Laterne brennt und die die Gemeinde dann in große Schwierigkeiten komme. Nun werden aber die Laternen auf Beschluss der gleichen Gemeindevertretung um 11 Uhr abgestellt. So sind wir jetzt in der komfortablen Lage in Rothen, vor 23 Uhr unseren Herzinfarkt bekommen zu müssen, weil wir ja sonst nicht vom Rettungswagen gefunden werden, denn der hat ja bekanntlich kein Licht und kein Navigator. Eine echte Neuentdeckung: Schilda in Mecklenburg ! Auf der Jahresmitgliederversammlung des Rothener Hof Vereins am 18.11.2011 wurde der Vorstand neu


gewählt. Takwe Kaenders, Achim Behrens und Richard Scherer bilden den neuen Vorstand. Andrea Klein, die den Verein 10 Jahre geleitet hat, wurde als Vorsitzende verabschiedet. Sie wollte auf eigenen Wunsch den Vorsitz nicht mehr weiterführen. Ohne ihre großartige Arbeit als Vereinsvorsitzende wäre der Verein nicht so weit gekommen und hätte nicht so viel erreicht. Als Dankgeschenk wurde ihr der Rothener Hof in Form eines Vogelhauses überreicht. Außerdem beschloss die Mitgliederversammlung, die Website des Vereins zu erneuern und im Jahr 2012 mehrere Veranstaltungen und Kinoabende durchzuführen.

Vorstand A.Behrens, T.Kaenders,R.Scherer

Andrea Klein bekommt das Vogelhaus überreicht.

Am 26.November fuhr eine große Delegation des Rothener Hof Vereins nach Berlin, um im WillyBrandt-Haus der SPD den Regine Hildebrandt-Preis von 10.000,- € in Empfang zu nehmen. Es sprachen auf der Versammlung die Ministerin Manuela Schwesig, Ministerpräsident Matthias Platzeck und die Laudatorin des Vereins, die Landtagspräsidentin Sylvia Brettschneider, deren Laudatio auf den Verein zu 90 %


aus Zitaten aus dem Rothener Hofkurier bestand korrekt, aber nicht sehr originell. Es war eine große Veranstaltung und ein Würdigung des Vereins. In zahlreichen Zeitungsartikeln, im Radio des NDR und im NDR-Fernsehen wurde ausführlich darüber berichtet. Sehr viele Menschen aus der Region beglückwünschten den Verein zu diesem Preis und äußerten Stolz darüber, dass dadurch die Region bekannter würde.

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oben links: Takwe Kaenders mit Manuela Schwesig (Mitte), oben rechts: Zuschauer im Willy-Brandt-Haus unten links: Vereinsmitglieder mit S.Brettschneider (links) und M.Schwesig (Mitte), unten rechts: v.l.: S.Brettschneider, M.Platzeck, NN, Takwe Kaenders, Manuela Schwesig

Advent ist seit 17 Jahren Anlass für die Galerie Rothener Mühle, eine an den vier Wochenenden stattfindende Weihnachtsausstellung durchzuführen. Am 2.Advent fand zusätzlich noch ein Ausstellung im Gutshaus statt mit Schmuck von Gabriele v.Lehsten und


Grafik von Johanna Schütz-Wolff. Ca. 140 Besucher kamen an diesem Wochenende ins Dorf , erfreuten sich an der Kunst und erwarben schöne Geschenke . Die Schriftstellerin Christa Wolf starb am 1.Dezember 2011. Sie lebte im Sommer im Pfarrhaus in Woserin und war oft in Rothen zu Besuch. Sie war Mitglied im Verein Rothener Hof und den Mitgliedern und ihren Aktivitäten freundschaftlich verbunden. Am 15.12.2011 veröffentlichte der Verein eine Traueranzeige in der Schweriner Volkszeitung. Der Rothener Hof Verein beschloß auf dem Stammtisch am 20.Januar 2012 ein umfangreiches Programm mit Diskussionen, Ausstellung und Kinofilmen in der Woche nach dem 9.Juni 2012 durchzuführen. Am Samstag, den 25. Februar 2012 starb Werner Vogelgesang im Alter von 84 Jahren. Als Flüchtling aus Tilsit kam er 1946 hier nach Rothen, wo seine Eltern, die aus Ostpreußen geflohen waren, eine neue Heimat gefunden hatten. Werner hatte die Apothekenlehre gemacht und war dann noch als Kindersoldat im Krieg und in kurzer Kriegsgefangenschaft. Er übernahm eine Siedlerstelle und war nur Bauer mit10 ha Land, ohne landwirtschaftliche Kenntnisse und ohne einen Pfenning in der Tasche. 1950 heiratete er seine Frau Erna, mit der er 62 Jahre verheiratet war. 64 Jahre lebte Werner Vogelgesang in Rothen, immer im gleichen Dorf. Er starb zu Hause, umsorgt von seiner Familie.


Werner Vogelgesang Um 6.50 Uhr am 25.2.2012 gebar Debora Gubeners Stute Laudate nach langem Warten ein gesundes Stutenfohlen namens Lola. Am 2.M채rz traf sich zu zweiten Mal der Lesekreis des Vereins Rothener Hof. Besprochen wurde das Buch von Eugen Ruge, In Zeit des abnehmenden Lichtes. Zum zweiten Mal spielte die Gruppe Jazzyard im Gutshaus Rothen am 10.Marz ein Konzert mit eigenen und gecoverten St체cken. Die 75 Zuschauer waren begeistert von dem Auftritt der vier jungen Musiker, die die Woche zuvor in der Ferienwohnung im Pferdestall wohnten und im Saal des Gutshauses ihr neues Programm einstudieren konnten.


Jazzyard beim Üben im Gutshaussaal

Konzert von Jazzyard am 10.3.2012

Kunst Offen an den Pfingsttagen 2012 wurde wie immer in den letzten Jahren sehr gut besucht. Ausgestellt wurde wieder in der Galerie Rothener Mühle, Im Rothener Hof und im Gutshaus.

Gabriele Lehsten und Marike Sinnen in der Schmuckausstellung im Gutshaus

Eine Höhepunkt in der Arbeit des Vereins Rothener Hof war die politische Woche unter dem Motto: Was uns unter den Nägeln brennt. Vom 9.6. bis 13.6.2012 fanden 5 Veranstaltungen im Hof statt, die durchschnittlich von


ca. 50 Besuchern besucht waren. Hervorragende Referenten, Podiumsteilnehmer, spannende Diskussionen und beeindruckende Filme ergaben ein buntes, ein nachdenkenswertes Programm. Während der Woche konnte man auch die Dioramen-Ausstellung von Matthias Schmeier aus Köln betrachten, der Brennpunkte der Zeitgeschichte in Modellen 1:35 nachgebaut hat: ein ganz anderer Zugang zur Geschichte. Vielfältige Themen bot der Verein in seinem Programm. Mit dem Dokumentarfilm "Wadans Welt" wurde die schwere Arbeit auf der Wismarer Schiffswerft dargestellt und anschließend gab es ein informative Diskussion mit Betriebsräten der Werft, die extra zur Veranstaltung gekommen waren. Die Journalistin Andrea Röpke, Spezialistin für Neonazis, informierte über Frauen bei den Rechtsradikalen und zeigte dazu einen Film. Und ganz unbescheiden wurde mit der Abschlussveranstaltung der politischen Woche die Frage aufgeworfen" In welcher Welt wollen wir leben?". Viele Unterstützer gaben für die Durchführung der Veranstaltungswoche Spenden und ermunterten den Verein, mehr solche Angebote zu machen. Geplant ist, auch im nächsten Jahr Diskussionen anzuregen.


Andrea Rรถpke

Diorama von M.Schmeier


Auf Anregung von Torsten Gottschalk, Hornist bei den Dresdner Philharmonikern, fand sich am 23.6.2012 im Gutshaus Rothen ein Ensemble von 8 Bl채sern zusammen, die beim ersten Rothener Open Air Konzert wunderbare Musik von Mozart u.a. spielten. Im Park des Gutshauses genossen die 체ber 100 Besucher des Konzerts einen warmen Sommerabend.

Open Air Konzert im Gutspark in Rothen


Das Sommerprogramm des Vereins Rothener Hof bot Kindern viele Möglichkeiten: Es gab einen Kindermalkurs bei Takwe Kaenders und Doro Drave, einen Kinderhörspielkurs und den schon traditionellen Zirkuskurs von Andreas Gottschalk, der mit einer fulminanten Vorführung der Kinder auf dem Dachboden des Vereinshauses beendet wurde.

Kinderzurkus im Rothener Hof

Am 31.8.2012 zeigte der Verein einen Dokumentarfilm über das Dorf Altmeteln. Über 70 Zuschauer kamen und es gab eine lebhafte Diskussion mit der anwesenden Regisseurin. Der kulturelle Sommer wurde wie schon in den letzten Jahren beschlossen mit dem Herbstsalon am 1. und 2. September. Die Galerie Rothener Mühle öffnete noch


einmal ihre Türen, im "Showroom" des Vereins zeigten die Kunsthandwerker Kaenders, Steinhöfel, Risch, Melzig und Matthias ihre Werke und im Gutshaus gastierten Maria Wiesmaier (Cello) und Antonis Annisegos (Klavier) - beide aus Berlin - mit Werken von Schostakowitsch und Rachmaninoff. Am 3.Oktober 2012 war Herbstmarkt um den Rothener Hof. Dazu ein paar Zahlen: Über 3000 Besucher, fast 40 Händler, 3 verzehrte Schweine, 300 Bratwürste, 20 Bäckerbleche mit Kuchen und ungezählte Tassen Kaffee. Es war wohl die größte Veranstaltung, die das Dorf erlebt hatte. Größer muss es nicht werden ! Die Händler waren zufrieden, die Besucher auch und der Verein nahm einen Batzen Geld ein für die Sanierung des Daches. Auf dem Markt herrschte eine schöne Stimmung, das Wetter war traumhaft und man konnte zu Recht sagen, dass der Markt ein beliebter regionaler Treffpunkt geworden ist.


Der Kuchen und Kaffeestand des Vereins

Marktchefin Antje Beyer - entspannt

Im September und Oktober herrschte heftige Bautätigkeit in Rothen. Endlich konnte das Dach des Anbaus vom Vereinsgebäude saniert werden. Andrea Klein hatte alles gut geplant und die Fördergelder eingeworben, die Handwerker gute Arbeit abgeliefert und die Mitglieder und Freunde des Vereins über 9000,€ gespendet. Innerhalb kürzester Zeit konnte das Werk vollendet werden. Vielleicht auch in Zeichen dafür, dass der Verein Rothener Hof über seine Grenzen hinaus


Anerkennung erworben hat und daher so Unterstützung für das große Bauvorhaben bekam.

viel

Die zweite große Baustelle war die Sanierung des ehemaligen Verwalterhauses. Die Fenster wurden erneuert, der gesamte Dachstuhl neugebaut, das Haus von Außen gedämmt. Auf das Dach kamen alte Biberschwänze, die Hausbesitzer Tom Wagner von der Bützower Stiftskirche erworben hatte.


Reinhard Risch, der seit einem Jahr im Haus von Fischer Norbert Marx "Am Handtuch" im Nebengebäude wohnt, hat diese Wohnung sehr schön ausgebaut und hergerichtet. Die Tannenhecke wurde entfernt, bzw. gekürzt und somit der freie Blick in die Landschaft zu den Rothener Tannen geöffnet. Um das Gebäude hat Reinhard Risch einen kleinen Garten gestaltet, den er noch weiter ausbauen möchte und mit der davorliegenden Wiese gärtnerisch verbinden will.

Emailofen von Takwe Kaenders

In der Emailwerkstatt von Takwe Kaenders im Vereinsgebäude fand im Oktober ein Email-Workshop mit 6 Künstlern aus Mecklenburg statt.


In Rothen wohnen 56 Personen, von denen 8 als Bewohner von Ferienhäusern nur zeitweilig im Dorf sind. Die Herbert-Quandt-Stiftung veröffentlichte im November 2012 eine Broschüre mit dem Titel " Die Kunst des Bleibens". Darin enthalten ist ein mehrseitiger Artikel über Rothen mit der Überschrift "Das Kultur-Cluster". Der Journalist Moritz Baumstieger beschreibt darin ausführlich die Wirkung der Kulturaktivitäten von Verein, Mühle und Gutshaus auf das Dorf und die Region. Am 1.Dezember 2012 gab es den ersten Schnee- der Winter ist da. In der Galerie Rothener Mühle begann die Adventsausstellung. An 2.Advent stellten Gabriele Lehsten Schmuck, Ulrike Steinhöfel Möbel und Holzarbeiten und Takwe Kaenders Metallarbeiten und Emailbilder im Gutshaus, bzw. im Pferdestall aus. Parallel dazu lief die Weihnachtsausstellung in der Galerie Rothener Mühle an allen vier Adventswochenenden. Der Publikumsandrang war etwas schwach, weil Schnee und Eis viele davon abhielt, sich auf den Weg zu wagen.


Der Jahresbeginn war durch einen sehr lang dauernden Winter gekennzeichnet. Bis zum Ende des März gab es Schnee und der Frühling kam spät.

Elfi und Gernot Vogelgesang am 13.2.213

Richard Scherers Aschenbecher am 29.3.2013

Takwe Kaenders , Vorsitzende des Vereins Rothener Hof bekam einen anonymen Brief, in dem sie und ihre Familie bedroht und beleidigt wurde, und sie aufgefordert wurde, Rothen zu verlassen. Das Schreiben war voller unflätiger Ausdrücke ueber Takwe als Frau. Ihre künstlerische Arbeit wurde in den Dreck gezogen, ihrem Sohn wurde Gewalt angedroht. Außerdem wurde eine Scheibe ihrer Werkstatt mit einem Stein eingeschmissen und ihr PKW besprüht. Takwe und der Verein wandten sich sofort an die Öffentlichkeit und informierten die Presse. Ruediger Rump von der SVZ


schrieb einen sehr guten Artikel über diesen ungeheuerlichen Fall. Es gab darauf sehr viele Solidaritätsbekundungen und sogar die Präsidentin des mecklenburgischen Landtages Brettschneider schrieb einen Brief, in dem sie diese feige Bedrohung schärfstens verurteilte. Am 15.3. lud der Verein zu einer Versammlung aller Rothener ein. Der Brief wurde verlesen und die Rothener waren empört. Natürlich wurde viel gerätselt, wer einen solchen Brief in der Lage ist zu schreiben und wer ein Interesse daran hat. Natürlich hat Takwe Kaenders auch Anzeige erstattet. Allerdings ist von der Ermittlungen nicht viel zu erwarten. seitdem hat es keinen weiteren Vorfall dieser Art gegeben.

Versammlung im Gutshaus Rothen am 15.3.213


Am nächsten Tag, dem16.März fand im Gutshaus ein Liederabend mit Siegrid Wiedemann und Boris Schönlebe aus Berlin statt. Gespielt wurden romantische Lieder von Schumann, Debussy , u.a. .Das Spiel der beiden Künstler war anrührend und wunderschön. So dicht können Barbarentum und herrlichste Kunst beieinander liegen.

. Liederabend im Gutshaus am 16.3.213


An Ostern lag noch Schnee und das Osterfeuer konnte die Umstehenden wirklich w채rmen.

Zu Pfingsten kamen wieder hunderte von Besuchern ins Dorf, um im Rahmen von KUNST OFFEN die Ausstellungen in der Rothener Muehle, im Rothener Hof und im Gutshaus zu besuchen. Das Publikum war


interessiert und es wurde gut verkauft. Zum ersten Mal stellte Franziska Bielenstein Zeichnungen im ehemaligen Pferdestall aus und bekam gute Resonanz. Vom 31.5. bis 2.6.2013 veranstaltete der Verein Rothener Hof das zweite PODIUM. Es ging um das Thema Landwirtschaft und Kommunalpolitik. Trotz Fußballendspiel im DFB-Pokal kamen am Samstagabend ca. 80 Besucher zur Podium Rothener Hof. Der Rothener Hof Verein hatte zu einer Veranstaltung mit dem Titel "Wirtschaft auf dem Lande - wie weiter " eingeladen und zur Diskussion ein kompetent besetztes Podium organisiert. Dr. Jörg Gerke von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und selber Biobauer kritisierte in seinen Statements insbesondere die Politik der Privatisierung von Ackerland, das zur Wendezeit zu 40 % in Besitz der öffentlichen Hand war. Es wäre kein bäuerlicher Mittelstand geschaffen und gefördert worden, junge Landwirte hätten keine Chance bekommen, Betriebe einzurichten. CDU wie SPD -Landespolitiker hätten das Land den großen Landbesitzern zukommen lassen. Inzwischen sind die Bodenpreise so hoch, dass kleine und mittlere Betriebe kaum eine Chance zum Erwerb von Boden haben. Darum wird weiter Landwirtschaft wie bisher betrieben und Alternativen haben nur geringe Chancen. Johannes v.Niebelschütz, Gutsbesitzer in Cambs beklagte speziell die unfähige Verwaltung der Behörden, die den Landwirten immer wieder Schwierigkeiten bereiten. Sein Credo: wenig


Regulierung und freie Entwicklungsmöglichkeiten für die Landwirte, die seiner Auffassung nach in Lage sind, selber kreativ zu entscheiden, was gut für das Land und die Arbeit auf und mit dem Land ist. Er appellierte auch an den Verbraucher: " In Deutschland fahren die Verbraucher mit einem teuren Auto zum Discounter, um billige Lebensmittel zu kaufen, in Frankreich fährt der Käufer mit einem billigen Auto zum Lebensmittelhändler und kauft verhältnismäßig teure Lebensmittel." Fred Paarmann, Bauer aus Augzin meinte, wenn die Verbraucher bereit sind, mehr Geld für die Lebensmittel auszugeben, werden die Landwirte auch eher bereit sein, biologisch angebaute Produkte zu liefern. Die kluge Moderation von Professor Peter Adolphi von der Akademie für Nachhaltige Entwicklung führte dazu, dass sehr sachlich und offen diskutiert wurde. Zwei Stunden konzentrierte Debatte über Fragen der Landwirtschaft warf viele Fragen auf, brachten nützliche Informationen, ließen aber auch Fragen offen. Auf die abschließende Frage, was er aktuell tun würde, wenn er Entscheidungsmacht hätte, antwortete Jörg Gehrke, dass er die verbliebenen 80 Tausend Hektar Land in öffentlicher Hand, alternativen Landwirten zukommen lassen wollte, damit wenigstens auf dieser Fläche ohne Pestizide und andere Gifte, ohne Monokulturen für den Tank Landwirtschaft betrieben werden könne. Gleichzeitig zeigte er sich skeptisch, ob der geplante Masterplan des Landwirtschaftsminister Backhaus dies leisten könne und werde. Am Sonntag um 11 Uhr fand die dritte Veranstaltung des Podium Rothener Hof statt. Geladen war zu einem


kommunalpolitischen Frühschoppen. Die 50 Teilnehmer, darunter Bürgermeister und Kommunalvertreter aus Kreistag und Gemeinden diskutierten lebhaft über die Möglichkeiten kommunaler Demokratie und Mitwirkung. Gemeinderat Ralf Eggert wünschte sich mehr Wertschätzung von Initiativen aus der Bevölkerung durch die Gemeinderäte. Viele Regelungen der Kommunalarbeit empfindet er als einengend und nicht dazu geeignet, neuen Ideen Raum zu geben. Ernst Schützler aus Qualitz berichtete von vielen örtlichen Initiativen, die aktive Bürger im Dorf starten und umsetzen. Er fände es gut, wenn die Kommunalpolitiker dies aufgriffen und fördern würden. Jörgen Fuchs , der für die Grünen in Kreistag sitzt, wünschte sich Einmischung in die Kommunalpolitik und sprach die Hoffnung aus, nicht zu resignieren. Er meinte, gerade im Gemeinderat habe man die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen und auch negative Entwicklungen zu verhindern. Christa Bölkow, die aus einer schon lange in Rothen ansässigen Familie stammt, meinte in der Debatte, dass es ganz wichtig sei, die Menschen mit neuen Ideen zu "berühren". Wer sich berührt fühlt, ist auch bereit, Neues aufzugreifen und mitzumachen an der Gestaltung des Gemeinwesens. Regine Rosenfeld, Bürgermeisterin aus Borkow, berichtete ebenso wie auch andere Kommunalvertreter, dass die Gemeinden eigentlich pleite sind und kaum noch finanzielle Spielräume haben. Sie sei offen für neue Ideen und Initiativen. Baldur Beyer, ehemaliger Lehrer, der in Witzin viele kulturelle Aktivitäten angekurbelt hat, erzählte davon, dass zur Vorbereitung


von Aktivitäten Stammtische mit Interessierten aus der Dorfbevölkerung durchgeführt wurden. Kommunikation, "Palaver" und eine konstruktive Streitkultur- so betonten mehrere Redner- sind das A und O, wirkliche Bürgerbeteiligung in den Kommunen zu mobilisieren. Andrea Klein vom Rothener Hof Verein moderierte die Versammlung und bedankte sich bei allen Teilnehmern für die konstruktive und sachliche Diskussion.


Debatte 端ber Kommunalpolitik am Sonntag Vormittag auf dem Dachboden des Rothener Hosd.


Ende Juni montierten Karl Schmeichel, Manfred Dotschuweit und Peter BĂśhck die Kinderwippe neben dem kleinen Karussell beim Rothener Hof. Gernot Vogelgesang hatte die Wippe dem Verein geschenkt und Schlosser Peters aus Dabel gab das Metall fĂźr die Halterung.


Herzlichen Dank an alle, die Material für diese Chronik zur Verfügung gestellt haben: Werner Vogelgesang, Familie Bohaczec, Familie Schulz/Marg, Roland Scholz, Manfred Dotschuweit, Frau Peter vom Heimatmuseum Sternberg, Landesarchiv in Schwerin, Fritz v. Oertzen - v. Waldow, Wilhelm T.v. Oertzen, Irmgard v.Lehsten, Frau Nienkarn, Christa Bölkow und Petra Suhrbier, geb. Ernst, Bärbel Scholz, Frau Anneliese Wagner, Heinrich Köhler, Horst Schubert, Familie Necker, Familie Schadtke, Frau Guratsch, Hans-Ulrich Mallwitz, Charlotte Richter, Trude Müller, Gabriele Vollmer, geb. Waack, Heiko Ehlers, Wiebke Weege, Juta Freifrau v.Jena, Christa Schapert, Helga Böhnke, Herr Baab. Christian Lehsten


Rothener chronik sommer 2013