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Fertig! November 2011

Magazin zu den Jugendmedientagen 2011 HERAUSGEGEBEN von der Jugendpresse DEUTSCHLAND


Foto: Martin Knorr

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In einer Gesellschaft ohne Anrufbeantworter

Wenn eine Neuigkeit rauskommt, müssen die Journalisten schnell darauf reagieren. Genauso wie man an das Telefon rangehen soll, wenn es klingelt. Verpasst man die Möglichkeit, ist es zu spät. Denn in der Echtzeit gibt es keine zweite Chance für die Langsamen – und keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter. Von Bettina Benzinger und Ekaterina Karabasheva

Foto: Martin Knorr

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abt ihr schon einmal vor dem Telefon gesessen und auf den Anruf eures letzten Dates vom Abend zuvor gewartet? Wenn dieses doofe Ding einen unschuldig und stumm anschaut. Man hofft, und wartet, und hofft, und wartet. Er kann sich in einer Minute melden. Oder in fünf. Oder 50. Oder auch erst morgen. Oder gar nicht. Wie lang fühlen sich diese Minuten an? Viel zu lang. Und wenn ihr als junge Journalisten eure Artikel bis zur Deadline fertig haben müsst, eure Fakten recherchiert haben müsst, wie fühlen sich die Minuten jetzt an? Viel zu kurz. Die Echtzeit ist realer denn je. Das Internet erzwingt Journalismus in Echtzeit. Die Journalisten müssen flott arbeiten können, immer den Nachrichtenverkehr im Auge behalten, verschiedene Informationsquellen berücksichtigen und Themen möglichst schnell umsetzen. Doch lasst uns kurz weg von Journalismus, weg von Zeitdruckdebatten, hin zu einer ganz anderen Thematik gehen. Wenn man in der Informatik von „Echtzeit“ spricht, dann meint man nicht die Geschwindigkeit oder die Qualität eines Vorgangs. Es geht eher darum, dass man dessen Dauer im Voraus einschätzen kann. Betrachtet man eine Uhr, deren Zeiger unermüdlich wandern, so weiß man, wann der Glockenschlag kommen wird. Pünktlich, wenn der große Zeiger auf der Zwölf steht. Stellt man sich dagegen vor ein Telefon, weiß man nicht, wie lange man warten muss, bis es klingelt. Aber wenn es klingelt, dann muss man abnehmen, also reagieren. Die Folgen sind real… So ist es auch in unserer Gesellschaft. Man weiß nicht, wie lange es dauern wird, bis die nächste berichtenswerte Neuigkeit kommt und welches Ausmaß sie haben wird – ob es ein Fukushima sein wird oder ein kleinerer Störfall, der bald in Vergessenheit gerät. Aber man weiß, dass man darauf reagieren muss. Denn die Medienwelt ist wie ein Telefon ohne Anrufbeantworter. Keine Nachricht nach dem Piepton. Keine Info darüber, ob man etwas verpasst hat. Und wenn man nicht da war, wenn es geklingelt hat, dann ist man raus aus dem Spiel. So ist es eben auch im Journalismus – will man drin bleiben, muss man schnell sein. Das heißt aber oft für die Journalisten: schnelle Bearbeitung unerwarteter Themen, wenig Zeit zum Recherchieren, kaum Zeit zum Redigieren. Resultiert das in einer sinkenden Qualität? Und bringt

Edi tor i a l Liebe Leserinnen und Leser, was bedeutet es für dich, in Echtzeit zu leben? Wie viele Stunden verbringst du täglich auf Facebook? Nur, um zu erfahren, was deine Freunde machen; nur, um up to date zu sein? Wie oft checkst du auf deinem iPhone deine Mails, um nichts Wichtiges zu verpassen? Du bist gehetzt. Wir alle sind gehetzt. Journalismus ist gehetzt. Journalismus in Echtzeit ist das Thema dieser Jugendmedientage in Stuttgart. Alles schneller, mehr Output in kürzerer Zeit. Fastfood-Journalismus in einer McJournalismus-Gesellschaft. Doch da gibt es nicht nur den Journalismus. Da gibt es die Menschen in der Gesellschaft. Da gibt es uns. Da gibt es dich. Was bedeutet Echtzeit für dich? Auf den JMT 2011 begleiten wir die zahlreichen Workshops und Diskussionen, in denen ihr herausfinden könnt, was Echtzeit für euch bedeutet. Fast drei ganze Tage, 71 Stunden, 4260 Minuten oder exakt 255 600 Sekunden Echtzeit stecken in den Stuttgarter Jugendmedientagen. 255 600 Sekunden, in denen ihr die Jugendmedientage in Echtzeit erleben könnt. Wir wünschen euch eine echt spannende Echtzeit und bleiben mit der politikorange dabei! Eure Chefredaktion Bettina Benzinger und Ekaterina Karabasheva

Inha lt

Dreamteam Ein Interview mit Anja Elser und Jessica Hefti, den Köpfen hinter den JMT. Seite 06

»Bitten wenden« 10 Autos, 14 Fahrer. Und jede Menge Stress. Eine Stunde mit dem Fahrdienst. Seite 05

Fastfood Werden Nachrichten nur noch in bekömmlichen Häppchen konsumiert? Seite 11 Alles festhalten, nicht verpassen.

die Schnelligkeit einen besseren Service für die Leser mit sich oder enttäuscht sie mit unzureichenden Hintergrundinformationen? Mit solchen Fragen haben sich die Diskutierenden auf der Auftaktveranstaltung in der Carl Benz Arena auseinandergesetzt. Vor dem mit 500 Jugendlichen gefüllten Saal setzten Spiegel-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron und Joachim Dorfs, Chefredakteur der Stuttgarter Zeitung, Impulse für die kommenden Tage, die euch voll bepackt mit Medienworkshops und Diskussionen spannende Einblicke in aktuelle journalistische Entwicklungen und Debatten bieten.

»Haudegen« Chuck Norris würde auch vor Twitter auf dem TahirPlatz sein. Seite 10

Bettina Benzinger 24 Jahre, Stuttgart Ekaterina Karabasheva 22 Jahre, Sofia …sind Masterstudentinnen im Medienbereich und haben für euch bis spät in die Nacht in Echtzeit gearbeitet.

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N ach r i ch t en

Teamvorstellung Wer sind eigentlich die Teamer und was machen sie? In der Tagungsschrift findest du auf Seite 58 & 59 die Vorstellung des Teams in Echtzeit. Verfolge die Posts am Samstag stündlich live unter www.facebook.com/jugendmedientage. Egal ob Springer, Fahrer, Teilnehmerbetreuung oder Koordination Programm. Was hinter den Kulissen passiert, erfährst du am Samstag live.

„FAHR! MACH MAL! DU MACHST DAS GUT!“

Als Besucher sieht man die Jugendmedientage (JMT) als Veranstaltung, doch was läuft eigentlich im Hintergrund ab? Transporte und Chauffeurdienste wollen erledigt werden. Tanja Dischinger begleitete für einige Stunden Chris (23), der als Fahrer bei den JMT dabei ist.

JMT In Echtzeit-Radio Heute morgen wurdest du in der Turnhalle vom Morgenprogramm der JMT in Echtzeit Redaktion geweckt. Bei jedem Essen wird im Hintergrund das JMT in Echtzeit laufen, und dir Einblicke in das Programm liefern, Umfragen ausstrahlen und wichtige Hinweise für die kommenden Tage geben. Darunter auch: Was steht in der nächsten po.

Open Night Nach einer langen Nacht am Donnerstag und einem anstrengenden Tag am Freitag, erwartet dich Abends das offene Programm der Open Night. Hier hast du die Gelegenheit, dich bei Ständen von Medienunternehmen informieren, bei der Poetry-Slam Bühne kreativen Köpfen zuzuhören oder mit deinen neu gewonnenen Freunden WII zu spielen.

Medieneinblicke Gewinne Einblicke in die Medienmacher und das kulturelle Programm von Stuttgart. Bei den Medieneinblicken schaust du bei Radiosendern vorbei, beim Landtag, bei der Landesbibliothek oder beim Du-Mont-Verlag. In Teams gelangt ihr zu den Medieneinblicken und wieder zurück.

Erzählcafés Wer die Stuttgarter Medienwelt schon kennt, kann auch in einem Erzählcafé relaxen und spannenden Vorträgen lauschen. Besonders für schon erfahren Schreiber interessant: Der Vortrag zum Thema Auslandsjournalismus von Pauline Tillmann, die in St. Petersburg als freie Journalistin arbeitete.

Facebook Diejenigen, die die Auftaktveranstaltung in der Carl Benz Arena bei Facebook schon mitverfolgt haben, wissen bereits, dass bei fast allen Programmpunkten der Jugendmedientagen unter www.facebook. com/jugendmedientage in Echtzeit berichtet wird. Log auch du dich ein und kommentiere das Geschehen!

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Perspektive des gefahrenen.

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ch durfte heute auch hinter die Kulissen blicken und die Logistik dahinter erfahren. Ich treffe mich also um 11 vormittags mit Chris. Er soll von der Carl-Benz-Arena zum Büro der Jugendpresse fahren und etwas transportieren. Wir fahren also mit einem roten Lieferwagen dorthin und ich lerne ihn etwas näher kennen. Er erzählt mir, dass er ein freiwilliges soziales Jahr bei der Jugendpresse absolviert und bei den JTM das erste Mal dabei ist – eingeteilt als Fahrer. Da man die Fahrtzeit abhängig vom Verkehr vorher schlecht einschätzen kann, sagt er: „Alle maulen einen an: ‚Wo bist du?‘ oder ‚Wo bleibt die Butter?‘ Ich habe keine Ahnung, ich bin nur der Fahrer!“ Als solcher hat er einen flexiblen Dienstplan. „Ich lebe von der Hand in den Mund: Die Aufträge, die ich bekomme, schiebe ich rein.“ Nachdem wir durch die Stadt gefahren sind, kommen wir schließlich im Jugendpressebüro an. Wir tragen nun also drei Transportwägen in den Lieferwagen, holen noch ein Flipchart, Presseausweise und Visitenkarten und fahren alles wieder zurück zur Carl-Benz-Arena. Dort angekommen und fertig abgeladen bekommt Chris den

Foto: Martin Knorr

Auftrag, Saskia Brauer, eine Referentin muss improvisieren, damit er den Herrn des Deutschen Journalisten-Verbandes zur Carl-Benz-Arena bringen kann und vom Flughafen in ihr Hotel zu bringen. organisiert für seine darauffolgende, geDieses Mal ist unser Transportmittel ein plante Fahrt schließlich Ersatz. Hektisch PKW. Chris schaltet das Navi an und los fahren wir vom Hotel los, um rechtzeitig geht’s in eine wiederum verquatsche zur Arena zu gelangen. Natürlich stecken Autofahrt mit einem sehr sicheren Fah- wir mitten in einem Stau und die Zeit rer. Angekommen am Flughafen, betre- wird knapp. Chris meint dazu: „Stuttgart ten wir die Eingangshalle und warten ist schwäbisch und Schwaben sind sparam Terminal auf die Referentin, von der sam – auch an den Straßen.“ Obwohl Chris sagt, dass er sie nicht kenne, nur Chris sich nun im Zeitdruck befindet, wisse, dass er sie holen müsse. Das ko- bleibt er relativ gelassen und schafft es mische Gefühl, das er beim Warten im sogar noch bis fünf Minuten vor 16 Uhr Magen hat, liegt aber nicht an der Aufre- in die Arena. Während des Staus äußerte gung und Ungewissheit, sondern daran, sich der chauffierte Referent zu Chris: dass er schlichtweg Hunger hat. Es ist „Fahr! Mach mal! Du machst das gut!“ – schließlich mittlerweile schon nach 14 und genau das hat Chris. Uhr. Nachdem wir Frau Brauer empfangen haben, bringt Chris sie zum Auto, während ich das Parkticket löse. Die Fahrt verläuft ziemlich zügig und ist beTanja Dischinger gleitet von Gesprächen zwischen Chris 21 Jahre, Günzburg und der Referentin. Als wir das Hotel erreicht haben, checkt Frau Brauer ein … hat gerade ihr Fachabi und ein weiterer Referent kommt an die in der Tasche und freut sich auf ein Praktikum Rezeption. Er solle sich um 16 Uhr in der bei einer Lokalzeitung. Carl-Benz-Arena einfinden. Diese Fahrt überschneidet sich allerdings mit Chris‘ nächsten. Er erledigt einige Telefonate,


In Echtzeit mit dabei

Obwohl die gröSSten Stars in Hollywood sind, haben die Jugendmedientage ihre eigenen VIPs. Die journalistische Prominenz braucht keinen roten Teppich, sie hält sich auch nicht mit Starallüren auf, sie ist viel lieber mit dabei bei der gröSSten Veranstaltung für junge Medienmacher in ganz Deutschland. Von Anna Ruppert

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ber hundert Referenten stehen bei den JMTs in den Startlöchern, um mit euch zu diskutieren, sich euren Fragen zu stellen und mit euch zu arbeiten. Bekannte Referenten für die Jugendmedientage zu finden ist jedoch ziemlich anspruchsvoll: „Es müssen mindestens doppelt so viele Referenten angefragt werden, wie letztendlich kommen“, erklärt Andi Weiland aus dem Bundesvorstand der Jugendpresse. Die Referenten engagieren sich bei den Jugendmedientagen ehrenamtlich und reisen aus den verschiedensten Ecken Deutschlands an. Ein kurzer Einblick, was euch erwartet: Ein besonderes Highlight ist dieses Jahr Mathias Müller von Blumencron. Der Spiegel Chefredakteur war am Donnerstagabend bei der Auftaktveranstaltung in der Carl-Benz-Arena mit dabei. Müller von Blumencron ist seit 1992 beim Spiegel beschäftigt. Bevor er Chefredakteur des Spiegels wurde, war er als Wirtschaftskorrespondent in Washington und New York der Echtzeit ausgesetzt. So richtig in Echtzeit lebt auch Jan Böhmermann, Moderator der Auftaktveranstaltung und Preisträger des Fernsehpreises für die „Beste Comedy“. Während der Veranstaltung war er in Echtzeit online und hielt seine Twitter-Follower auf dem Laufenden. Er selbst hat sich als

Jugendlicher in der Jugendpresse enga- Zusammen mit Wallraff recherchierte er giert und kann die JMT als das wichtigste undercover und lebte eine Zeit lang als Event für medieninteressierte Jugendliche „türkischer Arbeiter“. In einer Sofarunin Deutschland nur empfehlen. de wird der Auslandskorrespondent den Die Präsenz bekannter Referenten Teilnehmern und Teilnehmerinnen spanendet allerdings nicht schon bei der Auf- nende Fragen zum Thema Krisenjournataktveranstaltung – in Echtzeit sind sie bei lismus beantworten. fast allen Programmpunkten mit dabei. Wer denkt, dass nur bekannte RefeAuf keinen Fall fehlen darf Pauline renten vor Ort sind, täuscht sich. Bereits Tillmann, die früher selbst bei der Jugend- in den vergangenen Jahren hat sich der presse war und sich besonders für Nach- ein oder andere namenhafte Workshop wuchsjournalisten engagiert. Bestimmt etabliert: Ein Beispiel hierfür ist der Neon kennen sie einige Teilnehmer und Teil- Workshop, der dieses Jahr von Neon Textnehmerinnen noch von den letzten JMT redakteurin Heike Kottmann und Neon in München. Momentan arbeitet Tillmann Art Direktor Jonas Natterer geleitet wird. als Korrespondentin in St. Peterburg und Sowie der Zeitmagazin-Workshop.“ Workist nun angereist, um jungen Medienma- shops mit Namen sind ausschlaggebend chern einen Einblick in ihr Leben als Aus- und immer besonders schnell voll“, weiß landsjournalistin zu ermöglichen. Anne-Marie Hertzer, ProgrammverantAls solche muss Pauline Tilmann wortliche für die JMT. ständig gut vernetzt sein. Wie kann man überhaupt vernetzt sein, wenn man plötzlich offline ist? Christoph Koch, Autor von „Ich bin dann mal offline“, hat den Anna Ruppert spannenden Selbstversuch gewagt. Wie 18 Jahre, Heilbronn das Leben ohne Internet und Handy in der Echtzeit weiterging, könnt ihr das Mit…freut sich schon glied der Neon Redaktion am Samstag im darauf, bald ihr Abi in der Tasche zu haben. Sie Podium „Nachrichtenflut“ fragen. schreibt für die LokalSchon lange bevor der Medienalltag zeitung und ist bei der in Echtzeit stattfand war Gerhard KromJugendpresse BW aktiv. schröder mit Günther Wallraff unterwegs.

FruchtflEisch Was bedeutet es für dich in Echtzeit zu leben? „Glücklich sein“

„liveticker“

Fotos: Martin Knorr

„nicht bereuen“

Laura König 19 Jahre, Konstanz „Jeden Moment auszukosten und nichts zu bereuen, was ich tu.“

Anoja Perinpanathan 18 Jahre, Aachen „Alles, was passiert, ist Echtzeit. Auch Soziale Netzwerke. das bedeutet, glücklich zu leben und nicht der Vergangenheit nachzutragen.“

Felix Groell 19 Jahre, Köln „Ich denk dann sofort an Liveticker, Internet und an Ereignisse, die in der Welt passieren, live in meinen Bildschirm verfolgen zu können.“

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thomas fischer in seiner kreuzBerger altBauwohnung. „hätte ich früher reisen kÖnnen, wäre ich wohl weltgewandter“. Foto: privat

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Jessica Hefti und annja Elser. Gemeinsam mit dem 10-köpfigen Veranstaltungsteam organisierten sie die JMT.

»Besser als ein Semester an der Uni « Die Macher stellen sich vor

Jessica Hefti und Anja Elser sind die diesjährigen Projektleiterinnen der bundesweiten Jugendmedientage in Stuttgart. Was „hinter den Kulissen“ passiert ist und warum die Erfahrung mehr wert war, als ein Semester an der Uni, erzählt euch das Dreamteam der JMT im Gespräch mit Elisabeth Omonga vor der groSSen Auftaktveranstaltung

Und bist du schon ausgeschlafen? Wie war die letzte Nacht vor der Auftaktveranstaltung zu den Jugendmedientagen? Jessi: Ich bin nicht müde. Ich habe zwar die letzte Nacht gut geschlafen, aber körperlich bin ich am Limit. Heute Morgen stand ich mit einem Lächeln im Gesicht auf und habe mich gefreut, dass es nach einem Jahr Arbeit endlich losgeht. Dafür würde ich 72 Stunden wach bleiben!

Wie lange haben die Vorbereitungen gedauert? Und welche Schwierigkeiten gab es? Anja: Im September letzten Jahres fand das erste Treffen statt. Richtig los ging es im Januar, als wir das komplette Team zusammengestellt haben. Wir standen vor einer großen Herausforderung, vor allem durch das dezentrale Arbeiten zwischen den Jugendpressebüros in Berlin und Stuttgart. Die Koordination zwischen Berlin und Stuttgart war die größte Herausforderung für uns. Die Kommunikation lief über etliche Mails und wöchentliche Telefonkonferenzen ab. An den Wochenenden organisierten wir Teamtreffen vor Ort, um unterschiedliche Bereiche der JMT zu besprechen.

Warum „In Echtzeit“? Wie seid ihr auf das Thema gekommen? Anja: Hmm… wir haben sehr lange überlegt. Das ist ein großes Thema. Jeder twittert, bloggt und besitzt ein Handy. Ohne Internet geht gar nichts mehr. Es geht um Mobilität, Geschwindigkeit, Erreichbarkeit und Kommunikation. Anfangs hatten wir grobe Strukturen zum Thema „In Echtzeit“, bis sich das dann endgültig entwickelt hat.

Wie fühlt ihr euch in der Rolle der Projektleitung für die bundesweiten Jugendmedientage? Jessi: (seufzt) Das haben wir vorher noch nie gemacht. Wir sind ein Team bestehend aus 10 Leuten und wir haben das alles zusammen aufgebaut. Also

ich würde nie sagen, dass das allein mein Verdienst ist.

(Das Handy klingelt wieder, Jessi wirft einen langen Blick drauf)…

Ein perfektes Dreamteam á la Timon und Pumbaa oder zickt ihr eher rum? Jessi: Ja, auf jeden Fall ein perfektes Dreamteam. Man weiß ja vorher nie, wie das enden könnte, weil zwei Fremde aufeinanderstoßen. Wir kannten uns wirklich gar nicht. Am Anfang war das eher ein Beschnuppern, dann haben wir gemerkt, dass wir viele Gemeinsamkeiten haben. (Notfallhandy klingelt) Oh sorry, muss kurz ran…Zum Beispiel haben wir nach und nach herausgefunden, dass wir meistens gleichzeitig Hunger haben, die gleiche Musik hören, Sushi lieben, gerne Kaffee schwarz und Bier trinken. Wir sind so aufeinander angewiesen, haben uns auch gegenseitig hochgepusht und Kraft gegeben. Also wir halten immer zusammen und haben uns auch nie richtig angezickt. Da gab es vielleicht einen kurzen Moment, nur zwei Minuten, dann haben wir uns angesehen, gelacht und meinten: „Nein, das geht so nicht. Wir müssen zusammenhalten.“

Wie viel Echtzeit habt ihr in den letzten acht Monaten Vorbereitungszeit erleben können? Man will oder muss sogar durchgehend erreichbar sein. Mittlerweile habe ich mir auch ein Smartphone gekauft, ich hatte vorher keins. Das liegt aber momentan in der Reparatur (lacht). Ja, wir haben sehr viel Energie und Zeit reingesteckt, aber abends haben wir uns ab und an zusammen gehockt und unabhängig von der JMT Vorbereitung einfach gequatscht. Wir hatten eine Menge Spaß bei der Arbeit.

Nach 148.713 Mails und 1001 To-Dos seid ihr da nicht völlig am Ende? Jessi: Noch nicht. Es hat unheimlich Spaß gemacht und es war ziemlich spannend. Wir haben noch nie im Projektmanagement gearbeitet. Diese Zeit hat sich aber trotz alledem mehr gelohnt als ein Semester an der Uni. In Zukunft werden wir so große Projekte einschätzen können. Wir haben so viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und wahnsinnig viel gelernt

Elisabeth Olajumoke Adeyanju Omonga 19 Jahre, Aachen …studiert Regionalstudien Asien/Afrika und Portugiesisch an der Humboldt Uni in Berlin und schreibt unter anderem für europeanyouthvoice.eu.

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in Echtzeit

manchmal muss es ganz schnell gehen. manchmal? immer! Auch bei uns in der politikorange-redaktion. Da wird kurzfristig die lang geplante Idee zu gunsten einer besseren verworfen. und in ganz kurzer zeit ein starkes st端ck kreativer arbeit geleistet. um solche geisesblitze zu fixieren braucht es platz. den wollen wir euch mit dieser seite bieten. Zeitungmachen in echtzeit sozusagen.

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Mi tma c hen Gern veröffentlichen wir eure Beiträge und Ideen auch in der nächsten Ausgabe. Schickt uns eine digitale Version eurer Notizen und Ideen an: mitmachen@politikorange.de

Du,16–27 Jahre medienbegeistert Du schreibst in der Schülerzeitung oder studierst Journalismus. Du magst Medien und Medienmachen.

OPTIONALE RUBRUK //

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Chuck Norris war vor Twitter auf dem Tahrir-Platz

Wäre Spiegel Online eine Zeitung, dann würde sie zur zeit nur noch Sonderausgaben drucken. Gefühlt alle zehn Minuten kommt eine neue Eilmeldung rein. In den meisten Fällen sind die Nachrichten aber nur noch Reaktionen von Journalisten und keine Entdeckungen mehr. Braucht es dann den Journalisten noch? Ein Kommentar von Andi Weiland Foto: Martin Knorr

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as man in der ersten Hälfte 2011 an Nachrichten erlebt hat, würde für drei Jahresrückblicke ausreichen. Wirtschaftskrise, Fukushima und Ägypten sind nur ein paar der Stichworte, die Suchmaschinen zum Glühen gebracht haben. Doch wie konnten Journalisten darauf reagieren oder anders gefragt: Können Journalisten nur noch reagieren? Matthias Urbach von der tageszeitung (taz) sagte auf einem Symposium zur Berichterstattung über die Katastrophe in Fukushima, dass Journalisten Dienstleister sind, die Informationen organisieren und in Kontext stellen – am besten „in Echtzeit“. Doch: ist das alles? Muss ein Journalist nur noch ein reagierender Informationsmoderator sein, der aus 123.979.398 Suchergebnissen einen Text bastelt? In alten amerikanischen Filmen waren Schauspieler wie Clint Eastwood als wadenbeißende und unabhängige Investigativjournalisten unterwegs. Clint reagierte nicht auf Nachrichten. Er schuf Nachrichten, indem er sich mit Klienten in dunklen Gassen traf, Nächte in Bibliotheken verbrachte oder einfach vor der Mafia flüchtete. Würde Clint 2011 nur noch vor einem stylishen Notebook mit abgebissenem Apfel sitzen, einen Latte Macchiato schlurfen und warten, bis bei den Trending Topics bei Twitter irgendein „RIP Michael Jackson“ oder „Occupy Wall Street“ reinkommt? Drei Stunden Film kann man damit wohl nicht füllen. Obwohl wir die Informationen in Echtzeit empfangen können, Bürger ganz einfach zu Quellen werden und die Zugfahrt zwischen Berlin und Stuttgart zum Schreiben und recherchieren genutzt werden kann, ist eines der Argumente von Journalisten, dass sie keine Zeit für Storys haben. In einer Otto-Brenner-Studie von 2010 wurde besonders der Nachrichtenagentur dpa und der Tagesschau Versagen in der Berichterstattung bei der Finanzkrise 2009 vorgeworfen – auch andere Medien gestanden Fehler ein. In schön formulierten Texten wurde das Nicht-Erkennen von Zeichen der Zeit (überteuerte Hypotheken etc.) kleinlaut kritisiert, aber geändert hatte sich wenig. Die Staatsverschuldung von Griechenland wurde genauso wenig von Journalisten erkannt, wie arabische Revolutionen. Korrespondenten konnten nur reagieren, indem sie um die Wette zum Tahrir-Platz rannten und „Eilmeldungen“ produzierten. Um die Unmöglichkeit auszudrücken, vor Twitter als Journalist bei einem Ereignis zu sein, könnte man den Internet-Hype

Andi Weiland 26 Jahre, Berlin … studierte Politik- und Kommunikationswissenschaft in Münster und freut sich zum 7. Mal bei den JMT zu sein. Auch in stuttgarts dunklen gassen könnte clint eastwood unterwegs sein.

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Chuck Norris instrumentalisieren, weil nur er vor Facebook, Twitter und Co. bei Ereignissen sein könnte. Aber muss der Journalist Katastrophen schon erkennen, bevor sie passieren oder ist das gar nicht mehr seine Aufgabe? War es überhaupt irgendwann mal die Aufgabe der schreibenden Zunft? Zurzeit diskutieren Journalisten eifrig darüber, wie das neue Web die Gesellschaft verändert, aber die Diskussion über die eigene Rolle wird dabei oft vergessen. Argumente, wie zu wenig Zeit und Geld oder die nächste Eilmeldung beenden Diskussionen, bevor die eigentlich wichtige Frage gestellt wird: Brauchen wir noch einen Journalisten, der nur auf Ereignisse reagiert und keine mehr findet? Oh #Papandreou ist Trending Topic bei Twitter, mal sehen, was da gerade passiert. Bis später.


Wird NachrichtenFastFood zum Alltag?

Ein Burger von McDonalds auf dem Weg von der Schule zum Gitarrenunterricht? Ein Coffee to go am Bahnhofskiosk? Das wichtigste vom Tag in 20 Sekunden. Fastfood-Liebhaber statt Gourmets mit Zeit. Kürzer, schneller, rasanter. Das gleiche gilt auch für Nachrichten: Niemand hat mehr die Zeit, lange Berichte und Reportagen zu lesen. Überschriften, Teaser und Titelbilder zählen mehr denn je. Gelesen wird, was im 20-Sekunden-Quick-Test überzeugt. Dem Verfasser bleiben knappe zehn Sätze zum Anlocken: Nachrichten-FastFood. Von Sophia Kümmerle. Foto: Martin Knorr

Nachrichten als fastfood?

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nternet und Globalisierung bringen die Konkurrenzspirale immer schneller in Gang. So entsteht Druck, den die Pressevertreter schnell zu spüren bekommen: Journalisten finden sich immer mehr in einem Zwiespalt zwischen ausführlichen Recherchen und Wirtschaftlichkeit wieder. Es entsteht der Zwang, etwas trotz der Schnelligkeit des Internets konkurrenzfähig und natürlich rechtzeitig abzuliefern. Beim Journalisten-Barometer 2010 hat sich eine klare Tendenz heraus kri-

in fobo x Im Journalisten-Barometer 2010 gaben nur 6,6 Prozent der befragten Journalisten an, sich überhaupt keinem wirtschaftlichen Druck ausgesetzt zu fühlen, während mehr als doppelt so viele einen sehr starken Druck verspüren (16,5 Prozent). Ganz vorne bei den Gründen liegt die Abnahme der Recherchezeit, die Journalisten das Leben schwer macht. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die hohe Arbeitslast und Personaleinsparungen.

stallisiert: über 60 Prozent der befragten Journalisten haben angegeben, bei ihrer täglichen Arbeit unter wirtschaftlichem Druck zu stehen. Durch den Zuwachs an Medien, durch Konkurrenz nicht nur aus dem Insondern auch dem Ausland von Medien, die mit Hilfe des WorldWideWeb in „unserer“ Nachrichtenwelt mitmischen, erhöhen sich die Anforderungen an Journalisten rasant. Es werden außerdem nicht mehr nur Nachrichten gelesen, die von Journalisten sind, sondern auch Blogs von Privatpersonen. Für die Journalisten ist das Vorteil wie Nachteil, denn die Anzahl der Quellen als auch die der Konkurrenten steigen. Letzteres ist vor allem deshalb ein Problem, weil die meisten Konkurrenten ihre Nachrichten kostenlos zur Verfügung stellen. Es entsteht für die Journalisten also das Problem, ihrer Arbeit mehr Qualität geben zu müssen, um mehr Geld zu verlangen. Doch wie genau soll das gehen – mit dem ständigen Druck im Nacken? Klar ist, dass es Situationen gibt, in denen positiver Stress zu einer höheren Leistung animiert, anspornt, motiviert.

weiterhin ernst nehmen, auch wenn die Bedingungen sich verschlechtern. Denn wenn die Ernsthaftigkeit nicht mehr gegeben ist, wird sich auch niemand mehr Zeit für seine Arbeit nehmen. Ursachen für gestresste Arbeit sind jedoch auch in anderen Punkten zu finden: Ein weiteres Problem ist beispielsweise die hohe Arbeitsbelastung, bedingt durch eine schlechte Arbeitsverteilung. Denn obwohl Druck wächst und somit Was tun? die Herausforderungen an PresseverDie Gründe für den Stress sind vielfältig. treter steigen, sind Journalistenschulen Doch an welchen Stellen genau wirkt er weiterhin überrannt, Studiengänge und sich aus? „Journalismus heißt Zeit haben Workshops immer gefragter. Die Mögfür Recherche“ war der erste Satz der lichkeiten, Journalisten durch die FördeAnkündigung, die die Deutsche Journa- rung der Neulinge und Personalaufstolistinnen und Journalisten Union (dju) ckungen zu entlasten, sind durch freie zum Journalistentag 2010 heraus gab. Das Mitarbeiter also gegeben! Doch zusätzJournalisten-Barometer zeigte auch, dass liche Mitarbeiter wollen bezahlt werden. fehlende Zeit für Erkundigungen meist der Ein Kostenfaktor, durch den man nicht Grund ist, der die Profession unter Druck mehr so günstig anbieten kann wie die setzt. Es gilt deshalb für Journalisten und Konkurrenz. Doch in den Zeiten der Redakteure, sich und anderen mehr Zeit Massenmedien sollte gelten, was bereits für die Recherche zu geben, sich diese Verlagsmanager Bodo Hombach sagte: im Notfall auch zu nehmen, um ihrer „Nur Journalismus, der einen Mehrwert Arbeit wieder einen Nährwert zu geben. bietet […] darf was kosten und wird seiAußerdem müssen Journalisten ihren Job nen Markt behaupten.“ Viel wichtiger allerdings ist der Distress, der Journalisten bei der Ausübung Ihrer Arbeit nachlässiger werden lässt. Wenn ein Journalist plötzlich den Job von drei machen muss, wird zwar Geld gespart, doch es bleibt ihm auch weniger Zeit für seine Arbeit. Diese verliert dadurch an Wert, statt Bio-Nachrichten gibt es FastFood – nährwertlos, kurzlebig.

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Und täglich grüSSt die Teamzentrale

Wenn sich 600 Teilnehmer drei Tage lang auf den Jugendmedientagen treffen, dann sorgt die gute Organisation im Vorfeld für den reibungslosen Ablauf. Wie die Vorbereitung hinter den Kulissen der Jugendpresse verlief, verrät in einer Innenansicht Antje Lampe.

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Veranstaltungsaufbau in Aktion.

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Telko, PR-Telko,… Im Telefonraum treffen wir uns mindestens einmal pro Woche, um gemeinsam zu planen. Hier wird alles besprochen: Wer kommt wann? Gibt es neue Sponsoren? Wer kümmert sich um die JMT-Pressemitteilungen? In den Gesprächen zwischendurch verabschieden wir uns meistens mit „Bis später“, denn der nächste Anruf lässt sicher nicht lange auf sich warten. Ständig sind die Telefone in Betrieb: Teilnehmer haben Fragen zur Anmeldung, Referenten müssen angefragt werden, hier fehlt noch eine Information, da müssen wir noch einmal nachhaken. In den Zentralen ist also immer etwas los. Da haben auch Paul und Paula, die ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Jugendpresse machen, alle Hände voll zu tun. Während Paul unermüdlich die Anrufe und Nachrichten der Teilnehmer beantwortet, bäckt Paula Zucchini-Schokokuchen, der durch Endorphine im Teig das Stresslevel im Büro sinken lässt. Wieder zufrieden und glücklich teilen wir das Blech auf. Überhaupt teilen wir in diesen Tagen viel – Schokolade, Statusupdates über Fortschritte und Fotos von den Teilnehmershirts auf Facebook, und jede Menge Launen, Jubeleien und Flüche. Der Countdown auf der JMT-Website zeigt an, in wie vielen Tagen die Veranstaltung beginnt. Die Post-Its auf den Schreibtischen vermehren sich. Die Bürotür ist immer länger offen – was praktisch ist für die Nachbarn, deren Post wir annehmen. Das Überschriften-Brainstorming an diesem Abend dauert noch eine ganze Weile und je näher es auf die Veranstaltung zugeht, umso weniger Schlaf bekommt das Team. Warum sich die Jugendpressler trotzdem so engagieren? Die Jugendmedientage sind einfach jede Nachtschicht wert. Unter Zeitdruck ist nicht alles möglich, doch Entscheidungen müssen getroffen werden. Inzwischen lautet der Titel des Sportjournalismusworkshops „Tipp dich zum Weltrekord“.

Foto: Johnny Krüger

Foto: Johnny Krüger

in typischer Mittwochabend, 21 Uhr, sechs Wochen vor den JMT, im Büro der Jugendpresse Deutschland. „Kanada ringt Tonga nieder! Ist das dein Ernst?“ Ungläubig schaut AnnaLena, Projektleiterin der JMT, zwischen einem vollgeschriebenen Blatt Papier und Anne-Marie, der Programmverantwortlichen, hin und her. „Also, ich find das super.“ „Als Überschrift für Sportjournalismus?“ „Klar, das ist doch aus einem Bericht über ein Rugbyspiel! Und kreativ fände ich das für die Workshopbeschreibung auch.“ Ja, kreativ müssen wir sein. Wer glaubt, dass es für so etwas wie Kreativität keinen Terminkalender gibt, war noch nicht dabei, wenn die Jugendmedientage vorbereitet werden. Seit Stunden sammeln wir Einfälle, diskutieren über Formulierungen in Texten und versuchen, auf frische Ideen für die Titel der Workshops zu kommen. Die Teilnehmer warten schon ungeduldig darauf, sich endlich aus den vielen Workshops einen aussuchen zu können. Was noch für die Website und die Anmeldungen fehlt, sind Überschriften, die neugierig machen. Und die brauchen wir nun einmal jetzt, sechs Wochen vor den JMT. Also, komm her, liebe Kreativität (und bring Pizza mit, denn wir wollen noch eine Weile hier bleiben)! Kleine Baustellen wie diese räumt das Team bis zum Auftakt der JMT immer wieder auf. Zum einen wird am Programm gefeilt – wir brauchen Redaktionen, Verlage und Produktionen, bei denen sich die Teilnehmer umsehen können; Medienmacher, die von ihrer Arbeit berichten; und natürlich Eröffnungs- und Abschlussveranstaltungen. Zum anderen gibt es logistische Probleme zu lösen. 600 Teilnehmer, mehr als 100 Referenten und fast genauso viele Teamer brauchen Seminarräume, Technik, Schlafplätze, Kaffee, Bahntickets und, und, und. Kaum können wir einen Punkt abhaken, scheint die Liste wieder zu wachsen. Zum Glück behalten die beiden Projektleiterinnen den Überblick über alles, was noch zu tun ist. Monatelang widmen sich Anja und Jessica, Veranstaltungsleiterinnen den Jugendmedientagen. Unterstützung finden sie dabei in ihrem Heimatverband, der Jugendpresse Baden-Württemberg, und der Jugendpresse Deutschland. Um die rund 600 km zu überwinden, die zwischen dem Team in Stuttgart und dem in Berlin liegen, braucht es vor allem einen guten Internet- und Telefonanschluss. Neben unzähligen E-Mails am Tag, die im Minutentakt von einem Büro zum anderen eilen, gibt es regelmäßig Telefonkonferenzen. War ich am Anfang noch dagegen, die Abkürzung „Telko“ zu benutzen, so kann ich bald nicht mehr auf sie verzichten. Team-Telko, Programm-

Foto: Rafael Hünerfauth


Den Rollkoffer schleppen

Klapp, klapp, klapp. Auf dem Kopfsteinpflaster Bad Cannstatts schlägt es den Rollkoffer hin und her. Schwer liegt er in der Hand. Mit jedem Klapp scheint er schwerer zu werden. Die Hand aber gehört einem der 500 Jugendmedientageteilnehmer. Aus der Schweiz kommt er. Lang war die Anfahrt, und da scheint jeder Meter den man hinter sich bringen muss ewig. Inmitten der Teilnehmer. Von Sophie Rebmann. eim letzten Mal wurden wir am Bahnhof empfangen und uns wurde gesagt, wo wir hin müssen. Das ist jetzt nicht so!“, meint der Junge mit dem Koffer im Schlepptau. Zwischen S-Bahnen, dröhnenden Lautsprecheransagen und zuschnappenden Bustüren verschwindet die dünne Beschilderung zur MercedesBenz Arena, während die angesprochenen Passanten in die verschiedensten Richtungen weisen. Auch beim Anblick der Schlange kann man mürrisch und genervt werden: Koffer, Reisetaschen und Backpacker-Rucksäcke liegen dicht an dicht und überall wartende Menschen. Die Schlange aber ist berechtigt. Innerhalb kürzester Zeit gilt es, die Menge an Teilnehmern zu registrieren, Namensschilder herauszusuchen, ihren Stundenplan auszudrucken und das Gepäck aufzunehmen. Ab und zu reihen sich überraschende Vorkommnisse ein, aber trotz Stress wird jeder freundlich und ruhig empfangen. So auch von Miriam, die im Stockwerk weiter oben auf die Ankömmlinge wartet, um ihnen den Weg zum Fahrstuhl zu weisen und weiteren Ablauf zu erklären. Dass die zwei Handys in ihrer Hand dauerhaft um die Wette klingeln, merkt man ihr nicht

Fotos: Marin Knorr

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man dann wieder daheim ist, fehlt das Zusammengehörigkeitsgefühl.“ Schon ein Mal hat er mitgeholfen und genoss es da, auf immer unterschiedliche Charaktere zu treffen, die aber immer freundlich und offen seien. Die Teilnehmerbetreuer bleiben trotz Trubel und Schnelllebigkeit der Stunden in der Echtzeit. Lasst uns so sein wie Annika und Franzi in der Schlange vor dem Infopoint: Die einstündige Wartezeit sehen sie gelassen – Franzi vertreibt sich die Zeit mit einem der ausliegenden Magazine und Annika hat während der Anstehzeit schon weitere Leute kennen gelernt.

Teilnehmerbetreuer geben alles, um die teilnehmer glücklich zu machen.

an. Denn hinter dem Checkpoint geht es für das Teilnehmerbetreuerteam erst richtig los: Koffer werden vom Empfang über ein ausgeklügeltes System direkt in Transporter verladen und in die Turnhallen gekarrt, in der die Teilnehmer übernachten. Charlotte sucht auf Wunsch eines Teilnehmers nach Verbindungen von der Arena in ein von ihm gebuchtes

Hotel und um 18:30 stolpert Björn nach einer Zweistundenschicht am Bahnhof in den Teamerraum. Es gab ihn doch, den Infopoint am Bahnhof, an dem er Teilnehmern geduldig den Weg wies. Wie er trotz Stress, Chaos und viel Arbeit fünf Tage lang mit so viel Menschen um sich freundlich bleibt? „Ich mag den Trubel. Es ist zwar stressig, aber wenn

Sophie Rebmann 21, Tübingen …studiert Politik-und Islamwissenschaft und war schon mit Rucksack auf RecherchereiseBalkantour.

FruchtflEisch Was bedeutet es für dich in Echtzeit zu leben? „spannung“

„up to date“

Fotos: Marin Knorr

„GenieSSen“

Isabel Borowski 17 Jahre, Stuttgart

Felix Franz 24 Jahre, Augsburg

Fatma Kut 18 Jahre, Mainz

„Das Hier und Jetzt zu genieSSen.“

„Spannung PUR!“

„… Immer auf den aktuellsten Stand zu sein.“

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100 HELFER

500 TEILNEHMER

120 REFERENTEN

4 TAGE VERANSTALTUNG

1.500

148.713

ÄPFEL

110

LAPTOPS

Mails

3.500

TASSEN KAFFE

240 TAGE VORBEREITUNG

30 m2 PROJEKTBÜRO

1.500 m2 CARL-BENZ-ARENA

18.000 m2 HOCHSCHULE DER MEDIEN

\\ 14

Illustration: Martin Knorr

240 m2 TANZFLÄCHE JMT-PARTY


f risc h , f r u ch t i g, s e l bs tge p r e s s t – m it m achen @po lit ik o ran g e.de

Impr ess um Diese Ausgabe von politikorange entstand während der Jugendmedientage vom 03.11. bis 06.11.2011. in Stuttgart. Herausgeber und Redaktion: politikorange – Netzwerk Demokratieoffensive, c/o Jugendpresse Deutschland e.V., Wöhlertstraße 18, 10115 Berlin, www.jugendpresse.de

A 

ls Veranstaltungszeitung, Magazin, Onlinedienst und Radioprogramm erreicht das Mediennetzwerk politikorange seine jungen Hörer und Leser. Krieg, Fortschritt, Kongresse, Partei- und Jugendmedientage – politikorange berichtet jung und frech zu Schwerpunkten und Veranstaltungen. Junge Autoren zeigen die große und die kleine Politik aus einer frischen, fruchtigen, anderen Perspektive.

politikorange – Das Multimedium

Wie komm’ ich da ran?

Wer macht politikorange?

Gedruckte Ausgaben werden direkt auf Veranstaltungen, über die Landesverbände der Jugendpresse Deutschland e.V. und als Beilagen in Tageszeitungen verteilt. In unserem Online-Archiv stehen bereits über 50 politikorange-Ausgaben und unsere Radiosendungen sowie Videobeiträge zum Download bereit. Dort können Ausgaben auch nachbestellt werden.

Junge Journalisten – sie recherchieren, berichten und kommentieren. Wer neugierig und engagiert in Richtung Journalismus gehen will, dem stehen hier alle Türen offen. Genauso willkommen sind begeisterte Knipser und kreative Köpfe fürs Layout. Den Rahmen für Organisation und Vertrieb stellt die Jugendpresse Deutschland. Ständig wechselnde Redaktionsteams sorgen dafür, dass politikorange immer frisch und fruchtig bleibt. Viele erfahrene Jungjournalisten der Jugendpresse stehen mit Rat und Tat zur Seite. Wer heiß aufs schreiben, fotografieren, mitschneiden ist, findet Infos zum Mitmachen und zu aktuellen Veranstaltungen im Internet oder schreibt einfach eine eMail.. Die frischesten Mitmachmöglichkeiten landen dann direkt in Deinem Postfach

Warum eigentlich politikorange wurde 2002 als Veranstal- politikorange? tungszeitung ins Leben gerufen. Seit damals gehören Kongresse, Festivals und Jugendmedienevents zum Programm. 2004 erschienen die ersten Themenmagazine: staeffi* und ortschritt*. Während der Jugendmedientage 2005 in Hamburg wurden erstmals Infos rund um die Veranstaltung live im Radio ausgestrahlt und eine 60-minütige Sendung produziert.

In einer Gesellschaft, in der oft über das fehlende Engagement von Jugendlichen diskutiert wird, begeistern wir für eigenständiges Denken und Handeln. politikorange informiert über das Engagement anderer und motiviert zur Eigeninitiative. Und politikorange selbst ist Beteiligung – denn politikorange ist frisch, jung und selbstgemacht.

Chefredaktion (V.i.S.d.P.): Ekaterina Karabasheva (ek.karabasheva@yahoo.com), Bettina Benzinger (bettina@be-nu.de) Redaktion: Elisabeth Olajumoke Adeyanju Omonga, Anna Ruppert, Sophie Rebmann, Tanja Dischinger Bildredaktion: Martin Knorr (www.martinknorr.de) Layout: Florian Hirsch (f.hirsch@jugendpresse.de), Projektkoordination: Florian Hirsch Druck: Pressehaus Stuttgart Druck GmbH Auflage: 800 Exemplare

www.politikorange.de mitmachen@politikorange.de

Foto: Martin Knorr

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politikorange "Fertig!"  

Erste von zwei politikorange-Ausgaben zu den Jugendmedientagen 2011 in Stuttgart

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