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*INNEN_LEBEN OKTOBER 2017

UNABHÄNGIGES MAGAZIN „GENDER, IDENTITÄTEN UND POLITIK“ DER JUGENDPRESSE DEUTSCHLAND E.V.


Montagen (Titel, Seite 2): Alexander Naumann

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FEMINISMUS ODER SCHLÄGEREI

EDI TOR I A L Liebe Leserinnen und Leser, Wenn wir Menschen begegnen, ordnen wir sie ein – Mann oder Frau? Beim Workshop „Gender, Identitäten & Politik“ haben wir uns gefragt, warum das so wichtig ist – und einmal mehr erfahren, dass das Thema tief verwurzelte gesellschaftliche Strukturen berührt.

STERNCHEN, UNTERSTICH ODER GAR NICHT? SPRACHE ALS MITTEL EINES FEMINISTISCHEN UND EMANZIPATORISCHEN KAMPFES. VON HANNAH TRULSEN

Gesucht haben wir nach den richtigen Worten: Wie sprechen wir mit Personen, die sich nicht ihrem biologischen Geschlecht zuordnen? Wie schreiben wir über sie? Intergeschlechtliche und Trans-Menschen haben uns Einblicke in ihr Leben und ihre Kämpfe gegeben. Auch die Rechte von Homosexuellen haben uns beschäftigt. Was bedeutet die Ehe für alle? Wie geht es weiter? Und wie steht es eigentlich um den Feminismus? Brauchen wir den noch? Die Bundestagsabgeordneten Renate Künast (Grüne) und Cornelia Möhring (Linke) sagen: Ja. Denn in der Politik haben Frauen immer noch mit Problemen zu kämpfen. Genauso wie im Journalismus.

AUFRUF ZUM FEMINISTISCHEN KAMPF – AUF PAPIER UND AUF DER STRASSE

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prache ist das Mittel zur Interaktion zwischen Menschen. Wir können nicht nur verbal miteinander kommunizieren, sondern auch nonverbal. Sprache ist aus dem Leben von Menschen nicht wegzudenken. Die Bedeutung von Wörtern, Gestik und Mimik ist eine Aushandlungssache, die innerhalb der Gesellschaft stattfindet und dadurch festgeschrieben wird. Durch diesen Prozess des Aushandelns und Festschreibens ist Sprache fließend und entwickelt sich weiter. „Mit Hilfe unserer Sprache erfassen wir die Welt, und mit Hilfe von Sprache konstruieren wir unsere Wirklichkeit“, stellte die Sprachwissenschaftlerin Senta Trömel-Plötz bereits 1984 fest. Der Mond heißt Mond, weil die Gesellschaft es innerhalb eines Rahmen so festgelegt hat. Sprache ist also ein prozesshaftes und wandelbares Konstrukt, das entweder Herrschaftsverhältnisse verstärken oder durch die Selbstreflexion der eigenen Sprache abbauen kann.

GESCHLECHT UND SICHTBARKEIT Die deutsche Sprache ist voll von Geschlechtszuschreibungen und -bezeichnungen. Zum einen ist dort das grammatikalische Geschlecht, zum Beispiel: die Frau. Das sogenannte Genus ist das Geschlecht von einzelnen Wörtern. Dann gibt es da noch die pronominalen Zuordnungen von Berufen, etwa die Sekretärin oder die Arbeiterin. Jedoch wird in einer Gruppe von verschiedenen Geschlechtern im Deutschen traditionellerweise die männliche Form verwendet. Die Kritik daran: Diese Verwendung sorgt für eine Überrepräsentiertheit beziehungsweise ein Abbild von männlicher Dominanz in Sprache. „Frau“, „Herr“ und „Fräulein“ sind Anredeformen für Frauen* und Män-

ner. „Herr“ zeichnet ein Bild von Macht und einer hohen Position in der Gesellschaft. „Frau“ ist dahingehend eine reine Geschlechtszuschreibung und „Fräulein“ ist eine Verniedlichung von weiblichen* Subjekten und unterscheidet, ob Frauen* verheiratet sind oder nicht. An der Verwendung von „Fräulein“ ist erkennbar, dass sich die Verwendung von bestimmten Wörtern in der Interaktion zwischen Menschen verschiebt. Kaum jemand nutzt das Wort noch im eigentlichen Sinne.

SPRACHE ALS POLITIKUM Bei der reinen Verwendung der männlichen Pluralform sind Frauen* und Menschen, die sich weder dem einen noch dem anderen Geschlecht zuordnen können oder wollen, nicht sichtbar. So schließt Sprache auch strukturell Menschen aus. Zum einen werden verschiedene Identitäten nicht berücksichtigt und zum anderen werden – etwa durch viele Fachausdrücke – Menschen strukturell ausgeschlossen, die keinen Zugang zu dieser Art von Bildung haben oder wünschen. Sprache bietet die Möglichkeit, das Denken und Fühlen von Menschen zu transportieren. Das kann, zum Beispiel in einer Liebesbeziehung, schön sein. Sprache kann aber auch Machtverhältnisse transportieren, die verletzen, ausschließen und diskriminieren. Dadurch werden aber –ismen wie Rassismus, Sexismus und Antisemitismus verstärkt. TrömelPlötz kommt daher zu dem Schluss, dass Sprache niemals neutral sein kann, sondern immer auch ein Politikum ist. Sprache ist ein Ergebnis von Gewohnheit und Sozialisation, also der Erziehung und dem Einfluss der Umwelt auf einen einzelnen Menschen.

Foto: Alexander Naumann

Eine häufige Kritik an geschlechterneutraler Sprache ist, dass sie schwer zu lesen und somit schwieriger zu verstehen sei. Darüber hinaus gibt es den Vorwurf, dass geschlechterneutrale Sprache auf einer Seite mehr Personen mitdenken und sichtbar machen will, aber trotzdem das binäre Geschlechtersystem verstärkt, weil durch den Unterstrich oder das Sternchen beide Extreme dargestellt werden. Verwenderinnen und Verwender von geschlechtsneutraler Sprache weisen oft darauf hin, dass gerade diese anfängliche Verwirrung zwei wichtige Aufgaben erfüllt: Erstens Aufmerksamkeit für das Thema zu erregen und zweitens Sensibilisierung. Durch beides wird ein Prozess der Selbstreflexion der eigenen Sprache angestoßen. Der Feminismus setzt sich genau für diese Dinge ein: Minderheiten mitdenken und Selbstreflexionsprozesse anstoßen. Deutscher Journalismus verwendet, mit wenigen Ausnahmen, jedoch keine geschlechterneutrale Sprache. Dabei ist es für Journalisten und Journalistinnen wichtig, möglichst viele Menschen anzusprechen. Die Medien übernehmen in unserer westeuropäischen Gesellschaft eine wichtige Rolle, um verschiedene Thematiken in die Bevölkerung zu tragen.

Als Schreibende haben wir eine große Verantwortung. Denn Sprache ist unser Handwerk. Obwohl wir Fans des GenderSternchens unter uns haben, benutzen wie die männliche und weibliche oder die neutrale Form. Denn diese Regelung hat die Mitgliederversammlung der Jugendpresse beschlossen – nach langen und heftigen Debatten. Wie sollte es anders sein – bei diesem Thema? Eine anregende und unterhaltsame Lektüre wünschen Fabian Schäfer & Inga Dreyer (Chefredaktion)

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»Unbequem« Katrin Gottschalk von der „taz“ spricht über feministischen Journalismus. Seite 4

»Ungerecht« Trotz Ehe für alle sind homosexuelle Paare immer noch nicht gleichberechtigt. Seite 8

»Uneindeutig«

Hannah Trulsen 22, Gelsenkirchen

Eine intergeschlechtliche Person berichtet über den Kampf gegen ZwangsOperationen. Seite 18

... gendert am liebsten mit dem Gender*Star.

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WE ARE FAMILY

DIE EHEÖFFNUNG UND DIE DAMIT VERBUNDENE MÖGLICHKEIT DER ADOPTION WAR EIN RECHTLICHER UND SYMBOLISCHER SCHRITT NACH VORN. GLEICHSTELLUNG FÜR REGENBOGENFAMILIEN BEDEUTET SIE JEDOCH NOCH NICHT. EINE BESTANDSAUFNAHME ZU ADOPTION UND FAMILIE VON HELENE FUCHS

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er Begriff Familie ist in unserer Gesellschaft stark im Wandel. Neben dem klassischen Vater-MutterKind-Modell werden inzwischen auch Patchwork-Konstruktionen, Stief- und Halbgeschwister oder Freundinnen und Freunde als Familie begriffen. Für heterosexuelle Paare ist fast jede Struktur möglich. Schwule, Lesben und Bisexuelle bleiben aber in der Familiengründung eingeschränkt.

Adoptionsrecht hält die Gesetzgebung also an den Erzeugerinnen und Erzeugern des Kindes als Eltern fest und berücksichtigt damit kaum die soziale Elternschaft.

MEHR ALS BIOLOGIE

VON EHEN UND STIEFKINDERN Mutter eines Kindes ist immer diejenige, die es austrägt und gebärt. Zu den Privilegien in einer Ehe gehört in Deutschland die Regelung, dass der Ehemann einer Schwangeren automatisch als Vater des Kindes eingetragen wird. Übrigens unabhängig davon, ob er der biologische Vater ist. So will es das Abstammungsrecht. Wird ein Kind in eine eingetragene Lebenspartnerschaft oder zukünftig in eine Ehe zweier gleichgeschlechtlicher Menschen geboren, gilt dies nach aktueller Regelung auch nach der Eheöffnung für Homosexuelle im Sommer 2017 nicht. Solange nicht explizit darauf verzichtet wird, wird der biologische offiziell als zweiter Elternteil angesehen. Konkret bedeutet das, dass die Ehefrau einer Schwangeren nicht als Mutter gilt. Um

MUTTER, MUTTER, KIND

Foto: Laura Lubahn

das zu erreichen, ist also eine Adoption der Regenbogenfamilien ausmachen. nötig. Ein langwieriger und aufreibender Ein Kind mithilfe von EizellenspenProzess – selbst wenn sich alle Beteiligten de und Leihmutterschaft zu bekommen, einig sind. ist in Deutschland nämlich nicht erlaubt. Da homosexuelle Paare in Deutsch- Hier sieht der LSVD Handlungsbedarf. land bislang nicht gemeinsam Kinder ad- „Wir wollen eine altruistische Leihmutoptieren durften, wurde hierbei meist ein terschaft legalisieren“, sagt dazu Markus juristischer Trick angewandt: Seit 2005 Ulrich, Pressesprecher der Organisation. kann eine Person die leiblichen Kinder Damit wäre es für ein schwules Paar mögder Partnerin oder des Partners adoptie- lich, mithilfe einer Eizellenspende und eiren. Diese sogenannte Stiefkindadopti- ner Frau, die das Kind unentgeltlich auson ist eigentlich nicht für homosexuelle trägt, ein eigenes Kind zu bekommen. Eltern gedacht, kann aber besonders Am Verbot dessen hat die Ehe für von lesbischen Paaren genutzt werden, alle nichts geändert, ebenso blieb das Abdie laut Schätzungen des Lesben- und stammungsrecht von dem Beschluss unSchwulenverbandes (LSVD) 90 Prozent berührt. Auch mit einem gemeinsamen

Diese Ungleichbehandlung von Regenbogenfamilien steht stark in der Kritik. „Wir fordern klar eine Abschaffung der Stiefkindadoption“, sagt Ulrich. Sie sei für eine völlig andere Situation gedacht, nämlich für heterosexuelle Patchworkfamilien. Um Gleichberechtigung zu erreichen, ginge es für homosexuelle Paare aber um eine Änderung des Familienrechtes. Tatsächlich erscheint die Bevorzugung der Ehe und das Ausklammern vielfältigerer Familienstrukturen längst nicht mehr zeitgemäß. Für den LSVD ist es an der Zeit, dies zu ändern.

Helene Fuchs 18, Leipzig … glaubt, dass Blutsverwandtschaft nicht gleich Familie bedeutet.

KLEINER BAUSTEIN ZU EINEM VIELFÄLTIGEN LAND

DIE EHE FÜR ALLE IST BESCHLOSSENE SACHE. IST NUN ALLES ERREICHT? MARCEL KUPFER SPRICHT MIT MARKUS ULRICH VOM LESBEN- UND SCHWULENVERBAND IN DEUTSCHLAND (LSVD) DARÜBER, WOFÜR DER VEREIN KÄMPFT.

Die Ehe für alle ist für den Lesben- und Schwulenverband ein Riesenerfolg. Seit 25 Jahren sind wir dafür, dass der Staat die Liebe und Partnerschaft zweigeschlechtlicher Paare als gleichwertig betrachtet.

WOFÜR KÄMPFT DER LSVD DANN NOCH? Der LSVD hat sich zum Ziel gesetzt, dass Lesben und Schwulen angst- und diskriminierungsfrei leben können und die rechtliche sowie soziale Gleichstellung in unserem Alltag möglich zu machen. Au-

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ßerdem sollen die Grundrechte und Bürgerrechte von Lesben und Schwulen in Deutschland anerkannt werden.

WIRD SICH IHRER MEINUNG NACH DIE EINSTELLUNG NACH DER EHEÖFFNUNG VIELLEICHT ÄNDERN? Es ist schwer zu sagen, vielleicht kann man argumentieren, dass viele Leute Lernprozesse machen und sich daran gewöhnen. Rechtliche Gleichstellung hat einen Einfluss auf die gesellschaftliche Gleichstellung. Wenn der Staat in seiner Vorbildfunktion keine Unterschiede macht, dann wird die Gesellschaft auch weniger Unterschiede machen.

IST NUN ALLES ERREICHT? Nein. Mit der Ehe für alle ist nicht ist nicht alles erreicht. Es ist ein ganz kleiner Baustein hin zu einem vielfältigen Deutschland, dem es egal ist, ob man lesbisch, schwul, hetero oder bi ist.

Marcel Kupfer 17, Untermünkheim Foto: Laura Lubahn

HERR ULRICH, WAS BEDEUTET FÜR SIE EHE FÜR ALLE?

… kann überhaupt nicht nachvollziehen, warum die Diskriminierung von Homosexuellen wieder zunimmt. MARKUS ULRICH IM INTERVIEW


„ICH BIN GERNE EINE QUOTENFRAU!“

POLITIKERINNEN DEFINIEREN SICH ÜBER INHALTE, NICHT ÜBER IHR GESCHLECHT. TROTZ ALLER VERBESSERUNGEN: IM 2017 GEWÄHLTEN BUNDESTAG STELLEN SIE GERADE EINMAL 31 PROZENT DER ABGEORDNETEN. SIND QUOTEN EINE LÖSUNG? JANINE PONZER HAT MEINUNGEN ZWEIER POLITIKERINNEN EINGEFANGEN.

RENATE KÜNAST (GRÜNE, 3.V.L.) DISKUTIERT MIT HANNAH TRULSEN (SPD), ROMAN-FRANCESCO ROGAT (JUNGE LIBERALE), MODERATORIN JANA KUGOTH, CORNELIA MÖHRING (LINKE, V.L.) UND MATTHIAS STEUCKARDT (CDU, NICHT IM BILD).

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äufig dominieren Männer die politischen Diskussionsrunden. In diesem Fall hat jedoch selbst Moderatorin Jana Kugoth keine Chance, die Rednerin zu unterbrechen: „Wenn Frauen sich nicht durchkämpfen, haben wir immer 100 Prozent Männerquote!“ Schlagartig erklingt Renate Künasts Stimme lauter. Während einer Diskussionsrunde der Jugendpresse Deutschland zum Thema „Politik und Geschlecht“ wehrt sie Einwände ab. In gezielt ignoranter Weise führt sie ihren Monolog fort und rechtfertigt ihre These mit demonstrativ erhobenem Ton.

ENGAGEMENT REICHT OFT NICHT AUS In der Weltpolitik beweist Angela Merkel sich regelmäßig gegenüber ihren männlichen Mitspielern. Daher wird Deutschland mit seiner weiblichen Bundeskanzlerin häufig als fortschrittlich betrachtet. Dass der emanzipative Schein trügen kann, bestätigt der Einblick in die inländische Parteienlandschaft. Hier sind Frauen noch immer in der Unterzahl. Nicht selten mindern beständige Annahmen über das stärkere und durchsetzungsfähigere männliche Geschlecht ihre Aussichten. Künast bringt an, dass trotz Engagement und Einsatzbereitschaft ihre Kolleginnen häufig nicht ernstgenommen

würden. Die grüne Parlamentarierin bemängelt nicht nur das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Frauen und Männern in Parteien. Um eine strukturelle Diskrepanz zwischen den Geschlechtern zu verhindern, plädiert sie für ein ausgeglichenes Verhältnis in Entscheidungsgremien. Wer die Bundestagsabgeordnete der Grünen-Fraktion bei Google sucht, erhält als ersten Ergänzungsvorschlag: „…verheiratet“. Tatsächlich hat sich die Politikerin, Jahrgang 1955, vor sechs Jahren mit einem Juristen vermählt. Vor ihrer politischen Karriere arbeitete auch sie als Rechtsanwältin; ihren politischen Werdegang begann sie Ende der Siebzigerjahre. Das entspricht wenig dem Bild der traditionellen Hausfrau, welches der Vater von ihr erwartete: „Später stehst du eh in der Küche!“, hat er ihr als junge Frau prophezeit. Bei der Frage nach der Bedeutung von Identität fordert sie, davon unabhängig allen Menschen dieselben Chancen zu geben. Künasts Standpunkt lautet: „Alle können, wie sie möchten – ohne Rollenzuteilung.“ Im Jugendalter musste sie sich dies selbst erkämpfen. Die eigentliche Frage sei das „Warum?“. Studien würden beweisen: Typische Qualitäten von Frauen qualifizieren sie für Positionen und Ämter, hinter denen es verantwortungsbewusste Persönlichkeiten braucht.

KEINE LUST, IMMER MIT MÄNNERN ZU STREITEN Die Identität sei die Summe der persönlichen Erfahrungen, ist die Linken-Abgeordnete Cornelia Möhring überzeugt. Ist die selbstbestimmte Verhaltens- und Ausdrucksweise Künasts somit das Ergebnis ihres Werdegangs in männerreichen Domänen? Zurück bei Google blickt sie den Sucherinnen und Suchern auf den ersten Bildern mit angestrengtem, kampfbereitem Gesichtsausdruck entgegen. Dann: Möhring erzählt, sie habe es satt, dass Frauen sich immer mit den Jungs abstreiten müssten. „Ich bin gerne eine Quotenfrau!“, betont die stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag. Weg mit dieser anstrengenden Hürde, fordert sie: „Frauen sollten nicht immer selbst ein Auge darauf haben müssen, dass sie als Frauen berücksichtigt werden.“ Für bestimmte berufliche Positionen sollte das politische System sie bestärken. Sonst folgten die Reaktionen häufig erst, sobald der Quote wegen noch „Weiblichkeit“ in der Runde fehle. Selbst dann stünden Frauen zunächst vor der Herausforderung, sich ihren Respekt unter den männlichen Kollegen zu erarbeiten. Ist das Thema „Frauen in der Politik“ bei Männern überhaupt angekommen? Für Cornelia Möhring ist das selbst bei Frauen noch nicht unbedingt der

Foto: Alexander Naumann

Fall. Eine Quote als Instrument gegen die weibliche Unterbesetzung in Parteien – damit möchte sie ihre Kolleginnen zu mehr Mut bewegen. Die internationale Anerkennung der deutschen Bundeskanzlerin ist immerhin kein Verdienst ihres Geschlechts. Jedoch werden Frauen nach Meinung von Möhring schnell in der Opfer-Rolle betrachtet. Deshalb fordert Renate Künast das Bewusstsein für die Debatte über eine „Quote für Frauen UND Männer“.

Janine Ponzer 20, Berlin … stellte in der aktuellen po-Redaktion erstmals den Bedarf einer Männerquote fest.

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Z UR PERS ON K AT RIN G OTTSC HA LK wurde 1985 in Dresden geboren. Als Chefredakteurin des Missy Magazines baute sie besonders das Online-Angebot aus. Seit Mai 2016 ist sie stellvertretende Chefredakteurin der „taz“.

Foto: Alexander Naumann

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»BESCHÄFTIGT EUCH MIT SPRACHE UND BESCHÄFTIGT EUCH MIT GESCHLECHT!« KATRIN GOTTSCHALK

IST STELLVERTRETENDE CHEFREDAKTEURIN DER TAGESZEITUNG (TAZ), DAVOR WAR SIE BEIM MISSY MAGAZINE. CHRISTINA BRAUN UND HELENE FUCHS HABEN MIT IHR DARÜBER GESPROCHEN, WIE FEMINISTISCHER JOURNALISMUS FUNKTIONIERT. WENN SIE FEMINISMUS IN DREI WORTEN ERKLÄREN MÜSSTEN… Unbequem, wie sagt man, lebensbejahend, … schön.

WAS WAR FÜR SIE DER AUSLÖSER, SICH ALS FEMINISTIN ZU BEZEICHNEN? Ich habe 2006 einen Freiwilligendienst bei einer schwullesbischen Jugendorganisation in Stockholm gemacht. Die hatten eine Broschüre über Heteronormativität auf Schwedisch, die ich in ein furchtbares Englisch übersetzt habe. Ich fand es wahnsinnig interessant, wie auf vermeintlich natürliche Weise davon ausgegangen wird, dass wir alle heterosexuell leben – überhaupt auf eine bestimmte Art und Weise Männer und Frauen sind. Und meine Reaktion war dann eben: „Voll scheiße!“ Ich hab mich dann nicht gleich als Feministin bezeichnet, aber da verstanden, dass das die coolen Leute sind, von denen ich mehr lesen will.

BEI H&M UND ZARA KANN MAN JETZT T-SHIRTS KAUFEN, AUF DENEN GROSS DAS WORT „FEMINIST“ STEHT. IST FEMINISMUS JETZT HIP? Ja, schon. Man kann das natürlich belächeln und manchmal tue ich das auch. Da hast du dann ein Shirt, was von Kindern in Bangladesch hergestellt wird: ja, geil. Und man kann dann auch Leute wie Beyoncé belächeln, die trotzdem allen Schönheitskonventionen folgen. Aber dann sehe ich auch Jugendliche, für die sie ein Vorbild ist und über ihre Positionierung zum Feminismus kommen. Und wenn das passiert, ist ja irgendwie auch alles gut.

UND WAS KANN MAN DAGEGEN TUN?

ja auch im Privaten: Wenn du sagst, ich will Karriere machen, ich will aber auch ein Kind und du hast einen Freund, der dann aber nicht sagt: „Ich bleib jetzt die Hälfte der Zeit zu Hause“, dann wirst du relativ schnell merken, dass das Ganze nicht funktioniert. Jede Frau, die heterosexuell lebt, will ja einen anständigen Freund haben.

JETZT MAL WEG VOM PRIVATEN UND HIN ZUM BERUFLICHEN: SEIT KURZEM SIND SIE GEMEINSAM MIT EINER KOLLEGIN STELLVERTRETENDE CHEFREDAKTEURIN DER „TAZ“, MIT EINEM MÄNNLICHEN CHEFREDAKTEUR. EINE KLASSISCHE VERTEILUNG. INWIEFERN HÄNGEN DEUTSCHE REDAKTIONEN IN VERALTETEN ROLLENBILDERN FEST? Zuerst muss man dazu sagen, dass die „taz“ vorher 15 Jahre von einer Frau geleitet wurde, meist mit zwei männlichen Stellvertretern. Das war eine lange Überlegung, aber die „taz“ wollte eben unbedingt Georg, weil er der Richtige für diesen Job war und ist. Die „taz“ hat lange die Quote bei den überregionalen Zeitungen nach oben gezogen. Da haben alle hingeschaut, wenn es um weibliche Führungskräfte ging. Das hat aber auch verdeckt, dass es bei allen anderen viel schlechter aussah. Jetzt hat sich das umgekehrt: Die „Bild“ hat eine Chefredakteurin und wir einen Chefredakteur. Dadurch ist die „Bild“ aber nicht weniger sexistisch geworden. Und wir bei der „taz“ haben auch bei den Führungspositionen ein Verhältnis von 50:50 und das hat, glaube ich, keine andere deutsche Tageszeitung.

dem nicht der, der am lautesten reinredet, die meiste Wortmacht hat, sondern auch die zu Wort kommen, die nicht so dicke Backen machen – indem sich alle melden müssen.

VOR IHRER ZEIT BEI DER TAZ HABEN SIE FÜR DAS FEMINISTISCHE „MISSY MAGAZINE“ GESCHRIEBEN. WIE FUNKTIONIERT FEMINISTISCHER JOURNALISMUS? Der kann ganz unterschiedlich aussehen. Bei „Missy“ haben wir vornehmlich über Frauen berichtet. Aufträge gingen an Autorinnen und Fotografinnen, wir hatten auch männliche Autoren, irgendwann kam eine genderqueere Person dazu. Heute berichtet Missy stärker über Frauen mit Migrationsgeschichte und über Personen, die genderqueer sind. Das Feministische ist, die Perspektive zu finden, die gerade nicht so stark repräsentiert wird und zu fragen, wie wir die abbilden können.

WAS MÖCHTEN SIE JUNGEN JOURNALISTINNEN UND JOURNALISTEN MIT AUF DEN WEG GEBEN? Beschäftigt euch mit Sprache und beschäftigt euch mit Geschlecht! Macht nicht die gleichen Fehler wie die Journalisten und Journalistinnen vor euch und schaut lieber einmal länger, ob ihr nicht eine weibliche Expertin für ein Thema findet. Sucht auch nach weiblichen Protagonistinnen. Stellt Frauen nicht aufgrund ihres Frauseins Fragen. Und helft euch gegenseitig: Gerade für weibliche Journalistinnen ist es wichtig, nicht in so ein Konkurrenzdenken zu verfallen. Vor allem aber: Habt Bock, Verantwortung zu übernehmen.

WAS MUSS SICH ALSO IN DER BRANCHE ÄNDERN?

Dagegen muss man nichts tun. Wenn eine Bewegung Dafür, wie viele kompetente Journalistinnen es gibt, ist groß wird, dann wird sie eben vereinnahmt. Da ver- es wahnsinnig verrückt, dass bei der „Zeit“ oder dem schwendet man seine Zeit, darüber zu diskutieren, was „Spiegel“ immer noch Investigativressorts gegründet werdie richtige Form ist. Interessanter ist es, sich mit den In- den, in denen keine einzige Frau sitzt. Es muss den Leuhalten zu beschäftigen, um die es gehen soll – um Öko- ten einfach auffallen, dass da etwas nicht stimmt. Im nomie zum Beispiel. Aber auch um die Frage, wie man Moment fühlt es sich manchmal eher noch so an wie: die Arbeit in unserer Gesellschaft besser verteilen und „Hier müssen wir jetzt nochmal eine Frau reinsetzen.“ weibliche Arbeit anerkennen kann, was bis jetzt haupt- Das sollte eher ein natürlicher Zustand sein. sächlich über Geld läuft.

ES GIBT IMMER MEHR MÄNNER, DIE SICH ZUM FEMINISMUS BEKENNEN. WIE WICHTIG SIND FEMINISTEN? Total! Feminismus will ja kein Wohlfühlparadies für Frauen schaffen, sondern eine neue Gesellschaft, in der alle Geschlechter gleichberechtigt miteinander leben. Da gehören Männer natürlich auch dazu. Und man sieht es

UND WIE KANN MAN DEN ERREICHEN? Durch gezielte Förderung. Zum Beispiel mit bezahlten Coachings für Frauen, die zum ersten Mal eine Führungsposition übernehmen, weil die sich im Gegensatz zu Männern vielleicht doch noch unsicher fühlen in der Rolle. Oder dass ich auch Führungspositionen in Teilzeit oder als reduzierte Stelle anbiete. Und indem ich für ein anderes Diskussionsklima in der Redaktion sorge, bei

Christina Braun 21, Freiburg Helene Fuchs 18, Leipzig … brauchten keine schwedische Broschüre, um sich als Feministinnen zu bezeichnen.

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M EIN UN G

FRAU + MANN = <3

JUNGE, MÄDCHEN – ZACK, FETTICH: BEZIEHUNG. SO EINFACH IST DAS, ODER? NEIN, DENKT MAJA HERZOG. EIN KOMMENTAR ZU DEN NORMEN IN UNSERER GESELLSCHAFT.

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obald sich eine Frau und ein Mann länger als drei Sekunden unterhalten, fragt sich mindestens eine der umstehenden Personen: „Was läuft denn zwischen den beiden?“ Besonders gerne wird das gefragt, wenn sich die beiden dabei auch noch anschauen, zulächeln, zueinander beugen oder sich auch noch berühren – und sei das alles nur aus Höflichkeit und dem Willen, alles zu verstehen, was einem erzählt wird, während der Bass drumherum wabert. Das Bittere an der Sache ist, dass sich die wenigsten Leute die „Was läuft denn da?“-Frage stellen, wenn sich das Ganze zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts abspielt. Der Grund dafür: Heteronormativität.

DIE GRUNDANNAHME Heteronormativ bedeutet, dass allgemein davon ausgegangen wird, dass alle Menschen heterosexuell sind, alle anderen Sexualitäten von der Norm abweichen und damit ungewohnt und unerwünscht sind. Wenn sich zwei Menschen mit dem gleichen Geschlecht miteinander unterhalten, kommt diese Frage also selten bis nie auf. Dabei muss man auch nochmals unterscheiden, ob sich nun gerade zwei Frauen miteinander unterhalten oder zwei Männer. Frauen können erfahrungsgemäß auf dem Schoß der anderen sitzen, Händchen halten oder sogar knutschen und am Ende heißt es: „Die sind nur gute Freundinnen.“ Auch

wenn sie seit zwei Jahren glücklich ein Paar sind. Über zwei Männer hört man so etwas gar nicht.

FRAUEN SIND HARMLOS Das liegt daran, dass Frauen als „harmloser“ gelten und ihre Sexualität meist heruntergespielt und nicht ernst genommen wird. Der Grund: Unsere patriarchale Gesellschaft. Zwei Männer werden da eher gefragt, ob sie schwul seien, was allerdings meistens nega- VERSCHIEDENE GLEICHUNGEN, SELBES ERGEBNIS. tiv konnotiert ist, denn schwul sein bedroht Also lasst uns alle für Reformen in den in einer heteronormativ-patriarchalen Schulen sorgen und uns für eine diverse Welt ihre Männlichkeit und damit ihre Gesellschaft, auch in Kinderbüchern, Privilegien. einsetzen. Denn nur dann werden nachDiese Heteronormativität ist in un- folgende Generationen mit dem Wissen serer Gesellschaft noch immer sehr aus- aufwachsen, dass Homosexualität nicht geprägt, auch weil in den Schulen noch nur „voll okay“ ist, sondern einfach ganz nicht angekommen ist, dass Liebe und Sex normal und jeder Mensch die Person liezwischen zwei gleichgeschlechtlichen ben kann, die er möchte – unabhängig Personen etwas ganz Normales ist. Wenn vom Geschlecht. Und dann können sich Homosexualität im Unterricht Thema ist, Frauen und Männer vielleicht auch enddann eher als etwas Exotisches. Und auch lich unterhalten, ohne dass gleich Gesonst werden andere Sexualitäten als et- rüchte entstehen, während die „besten was behandelt, das nichts für Kinder ist. Freundinnen“ als verliebtes Paar erkannt So gibt es auch kaum Kinderbücher, in und akzeptiert werden. denen es mehr als Mann und Frau gibt.

Illustration: Maxi Unger

Maja Herzog 19, Berlin … fragt sich, mit welchen ihrer Freunde sie „schon zusammen war“.

Umfrage: Marcel Kupfer, Fotos: Laura Lubahn

FRUCHTFLEISCH WAS HÄLTST DU VON GESCHLECHTERGERECHTER SPRACHE? »UNNÖTIG«

MARIAN VLAJCIC STUTTGART ICH HALTE ES FÜR UNNÖTIG. BISHER HAT ES AUCH GUT GEKLAPPT. ICH DENKE, DAS GEHT AUCH WEITERHIN SO PROBLEMLOS!

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»GLEICHBERECHTIGUNG«

ANDREA LAKY SCHWECHAT, ÖSTERREICH ICH BIN DAFÜR, WEIL ICH FINDE, DASS IN DER ZEIT, IN DER WIR LEBEN, FRAUEN UND MÄNNER GLEICHBERECHTIGT WERDEN.

»21. JAHRHUNDERT«

GIA-YIN MEI SCHWECHAT, ÖSTERREICH JA ICH BIN FÜR GENDERN, WEIL ICH FINDE, DASS GLEICHBERECHTIGUNG DAZUGEHÖRT. WIR SIND IM 21. JAHRHUNDERT.


OPERATIONEN IM AKKORD

IN SEINEM DOKUMENTARFILM „TRANSIT HAVANNA“ BEGLEITET DER REGISSEUR DANIEL ABMA DREI MENSCHEN AUF KUBA, DIE SICH NICHT MIT DEM GESCHLECHT IDENTIFIZIEREN, DAS IHNEN NACH DER GEBURT ZUGEWIESEN WURDE. DENNIS BELTCHIKOV HAT DEN FILM GESEHEN.

MALÚ WINKT EIN TAXI HERAN, ANFANGSSZENE AUS TRANSIT HAVANNA.

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n einem Fahrstuhl in Havanna stehen drei Frauen. Eine kurze Pause des Verschnaufens weicht einem belanglosen Small Talk, in dem sich die drei über das Wetter unterhalten: Es scheint wie eine ganz banale und alltägliche Situation. Was sie jedoch besonders macht: Malú, eine der drei Frauen, wurde körperlich als Mann geboren, identifiziert sich allerdings als Frau. Im Gegensatz zum früher weitverbreiteten, etwas irreführenden Begriff Transsexualität, der sich lediglich auf die Sexualität bezieht, favorisieren viele Betroffene den Begriff Transgender, der sich auf die Geschlechtsidentität bezieht.   

SELBSTHILFE BRAUCHT SELBST HILFE Malú, eine junge LGBTQI-Aktivistin, wartet zum Zeitpunkt der Dreharbeiten für den Dokumentarfilm „Transit Havanna“ bereits fünf Jahre lang sehnsüchtig auf ihre geschlechtsangleichende Operation: „Es ist mein wichtigstes Ziel im Leben.“ Bis 2016 kamen einmal im Jahr ein niederländischer und belgischer Arzt nach Kuba, um Geschlechtsangleichungen durchzuführen und einheimische Ärzte weiterzubilden. Der Gedanke der Hilfe zur Selbsthilfe gestaltet sich allerdings insofern als problematisch, als dass laut Abma, der wie die Ärzte aus den Niederlanden kommt, ein Arzt 20 solcher Operationen zu begleiten hätte, bis er zur eigenen Durchführung einer solchen qualifiziert sei. Auf Kuba wurden pro Jahr allerdings nur fünf Geschlechtsangleichungen während des Besuchs der Ärzte

durchgeführt, was diese Qualifizierung sehr erschwert: Bisher hätte erst ein kubanischer Arzt die Operationen 20 Mal in Folge begleitet, doch kurz darauf ging er in Rente, erklärt Abma.  

VIEL BEDARF, WENIG ANGEBOT Aufgrund der ungebrochen hohen Nachfrage ist ein Auswahlsystem erschaffen worden, welches nach intransparentem Schlüssel jedes Jahr fünf Menschen unter den vielen Bewerberinnen und Bewerbern aussucht. Dieses erscheint nicht nur den Protagonistinnen und Protagonisten, sondern auch den Zuschauenden als völlig willkürlich und ungerecht: Malú, die sich als Aktivistin engagiert und schon so lange wartet, wird auch 2014, zum Zeitpunkt der Dreharbeiten, wieder nicht zur OP ausgewählt. Der Kontrast: Die junge Odette erhält die Zusage bereits beim ersten Versuch.   Mit Odette hat das Filmteam einen spannenden Gegenpart zu Malú gefunden: Während Malú, wie fast alle Mitglieder ihrer Gruppe, Sexarbeit betreibt, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, verurteilt die religiöse Odette das und lehnt solche Tätigkeiten ab. Durch den Neid auf den OP-Platz schaukele sich dieser Konflikt hoch, erklärt Abma. Zumal interessanterweise in keiner Szene beide Protagonistinnen gleichzeitig auftauchen: Anstatt miteinander zu reden, wird übereinander gesprochen.  Während Malú durch ihren Aktivismus und ihr Selbstbewusstsein relativ akzeptiert scheint, kann sich Odette auf keinen Rückhalt verlassen. Ihre Familie

Film Still: Promo

verwendet bewusst weiterhin das männliche Personalpronomen. Während der Aufnahmen streitet Odette häufig mit ihrer intoleranten Mutter, die aus religiösen Gründen große Probleme mit ihrer Geschlechtsangleichung hat. „Meine Tiere sind meine besten Freunde“, fasst Odette ihre Situation etwas wehmütig zusammen. Zu diesem Zeitpunkt erscheint es fast utopisch, dass Odette später bei der Filmpremiere in Havanna öffentlich von ihrer Mutter als „Tochter“ bezeichnet wird, was Abma laut eigener Aussage mitbekommen hat, als er zufälligerweise bei der Filmvorstellung neben ihr saß.   Jemand, der seine Transition, also geschlechtsangleichende Operation, bereits hinter sich hat, ist Juani, selbstbezeichneter „erster Transgender-Mann Kubas“. Er wird während der Drehaufnahmen vom europäischen Ärzteteam operiert, um seinem „Pancho (Anm. d. Red.: Kubanische ugs. Bezeichnung für Penis) Leben einzuhauchen“, bisher habe er seit der Geschlechtsangleichung unter Erektionsstörungen gelitten. Die Operation sei gut verlaufen, ganz stolz habe Juani allen im Krankenhaus seinen „Pancho“ präsentiert.   

ZWISCHEN ILLUSION UND REALITÄT Der Dokumentarfilm zeigt das Wechselspiel zwischen Illusion und Desillusion in der kubanischen Realität. Während die Bevölkerung Kubas mehrheitlich den Sozialismus befürwortet, bleiben die gewünschten politischen Veränderungen, obwohl von vielen Machthabenden in

Aussicht gestellt, letztlich aus. Sehr im Gedächtnis bleibt die Sequenz, wie sich Odette Anfang 2015 euphorisch darüber freut, als der damalige US-Präsident Barack Obama sich im Fernsehen für eine engere Kooperation der USA mit Kuba ausspricht und damit zum Beispiel den Ausbau des Internets in Kuba in Aussicht stellt. Odette, völlig aus dem Häuschen, ruft ihrer Mutter begeistert zu: „Mama, Mama, es wird sich alles ändern!“ Heute weiß man, wie sich diese Dinge entwickelt haben und dass sich vieles nicht geändert hat – Odette wird wohl bis heute zu Hause keinen Internetanschluss haben. „Transit Havanna“ zeigt, perspektivisch ansprechend und visuell mitreißend, auf eine unglaublich berührende Art und Weise den Alltag junger Transgender und ihr unerbittliches Durchhaltevermögen im Kampf für das Ausleben ihrer Identität.

Dennis Beltchikov 18, Bremen … ist froh die Möglichkeit zu haben, würde er sich operieren lassen wollen.

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IM GENDER-DSCHUNGEL

Die Vorsilbe „cis“ verweist auf die Übereinstimmung der eigenen Geschlechtsidentität mit dem Geschlecht, das bei der Geburt zugewiesen wurde. Das bedeutet: Wer als Frau geboren wurde, versteht sich als Frau. Cis wird häufig genutzt, damit nicht nur trans*, inter* und nicht-binäre Personen markiert werden. Durch eine Bezeichnungsmöglichkeit für Cis-Personen wird vermieden, dass diese als „das Normale“ gelten und alle anderen als „Abweichung“.

Queer ist ein englisches Wort und kann übersetzt werden mit mer verwendet, beschreibt es Homosexuelle. Dies spiegelt sich besonde (lesbisch) und/oder gay person (schwule Person) wider. Ursprünglich als Beleidigung gegenüber vornehmlich homosexue Communitys in den 1990er-Jahren den Begriff als Selbstbezeichnu wird auch innerhalb der Communitys dazu verwendet, um sich vo beispielsweise gegen eine bürgerliche Lebensform, wie die Instituti 20 Jahren dahingehend gewandelt, dass er heute als Sammelbegrif vereint. Queer grenzt keine Identitäten aus, da er keinen klaren Tr deren Lebensentwürfen zieht. Der Begriff queer ist stets im Wande heterosexuell.

HETERONORMATIVITÄT

Heteronormativität beschreibt den Zustand, in dem Heterosexualität und die damit verbunden Vorstellung von einem binären Geschlechtersystem als Norm begriffen wird.

CIS-SEXISMUS SEX

Die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer (angenommenen) Identität als Trans*-Person.

Sex beschreibt das biologische Geschlecht und meint damit den Körper, also Frauen- und Männerkörper. Sex ist eine Unterkategorie der sexuellen Identität. Die gesellschaftliche Norm sind Cis-Frauen und Cis-Männer. Wie „Gender“ komme auch dieser Begriff aus dem Englischen und wird seit den 1970er-Jahren verwendet.

TRANS*

CISGENDER

QUEER

BEGRIFFE ÜBER BEGRIFFE: ES IST NICHT LEICHT, SICH BEI DEM UMKÄMPFTEN THEMA ZURECHTZUFINDEN. HANNAH TRULSEN UND SABRINA WINTER BRINGEN ETWAS LICHT INS SPRACH-DICKICHT.

Trans* ist ein Oberbegriff für alle Trans*mensc verwendet für Menschen, für deren Geschlechtsi geschlechtermodell nicht ausreicht – beispielswe aufgrund ihrer körperlichen Merkmale seit der G angesehen werden, aber eine weibliche Geschlech Einige entscheiden sich für sogenannte geschl Operationen, um beides in Einklang zu bringen. sen sind aber Trans*menschen, die keine mediz men wünschen. Damit ist gemeint, dass Trans*frau weiterhin männliche Genitalien haben.

PATRIARCHAT GENDER TRAN Dieser Begriff beschreibt die Vorherrschaft von männlich positionierten Menschen gegenüber weiblich positionierten Menschen. Der Begriff des Patriarchats wird häufig als Schlüsselbegriff (queer-)feministischer Theorien verstanden.

Das sind andere Beg

Gender beschreibt einen anderen Teil der sexuellen Identität. Es ist zum einen das psychische Geschlecht, die Identität. Zum anderen ist es das soziale Geschlecht, die gesellschaftliche Rolle, die Menschen spielen.

GENDER-STERNCHEN* Das * ist eigentlich ein Platzhalter und zeigt, dass an dieser Stelle auch andere Buchstaben stehen könnten. Am Wortende kann das Sternchen dafür eingesetzt werden, um zu betonen, dass es sich bei Begriffen um soziale Konstruktionen und nicht um biologische Tatsachen handelt (Frau*, Mann*). Wie das Gender-Gap kann auch das Sternchen in der Mitte von Wörtern benutzt werden, um auszudrücken, dass es jenseits des binären Geschlechtersystems noch weitere Geschlechtsidentitäten gibt, die dadurch sprachlich eingeschlossen werden sollen.

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TR

Der Begr sident. E weil sich griff dam wiederum


rkwürdig, krank oder homosexuell. Wird Queer als Substantiv ers in den verwendeten Synonymen wie gay (schwul), lesbian

ellen Menschen verwendet, haben die verschiedenen queeren ung verwendet und ihn damit neu und positiv besetzt. Queer on anderen Menschen der queeren Welt abzugrenzen und sich ion der Ehe, zu entscheiden. Der Begriff hat sich in den letzten ff steht, der alles jenseits der heterosexuellen Norm unter sich rennstrich zwischen hegemonialer Heteronormativität und anel und hat keine starre Definition wie zum Beispiel homo- oder

T

ne

chen. Trans* wird identität das Zweieise Personen, die Geburt als Männer htsidentität haben. lechtsangleichende Auch eingeschloszinischen Maßnahuen beispielsweise

SEXISMUS

MISOGYNIE

Sexismus beschreibt die Diskriminierung von Menschen aufgrund bestimmter Eigenschaften, die einer Geschlechtsidentität zugeschrieben werden. Ein einfaches Beispiel dafür ist: Frauen können angeblich keine Autos reparieren, weil sich Frauen nicht mit Autos auskennen.

Dieses Wort aus dem Altgriechischen bezeichnet Abneigungen und Abwertungen gegenüber Frauen und Weiblichkeiten. In Alltagssprache wird häufig von „Frauenhass“ oder „Frauenfeindlichkeit“ gesprochen. Misogynie drückt sich zum Beispiel durch sexistische und diskriminierende Strukturen gegenüber Frauen aus.

CARE-ARBEIT Das Wort beschreibt die Tätigkeiten des Sorgens und des Sich-Kümmerns. Der Begriff ist in den 1990er-Jahren innerhalb der zweiten Frauenbewegung in Deutschland entstanden. Er bezieht sich auf Reproduktionsarbeiten wie zum Beispiel die Pflege von Angehörigen und die typischen Hausarbeiten, die vor allem von Frauen verrichtet wird.

DEADNAME Deadnames sind die bei der Geburt falsch zugeschriebenen Namen von Trans*persönlichkeiten. Die Verwendung von Deadnames kann bei Trans*persönlichkeiten sehr starke Emotionen hervorrufen und verletzend sein.

NSGENDER UND TRANSIDENT

RANSSEXUELL

riff bedeutet für viele das gleiche wie transgender und tranEinige Trans*Menschen mögen den Begriff jedoch nicht, h „sexuell“ sehr auf das Medizinische bezieht und der Bemit als etwas Pathologisches gedeutet werden kann. Das m könnte zu Diskriminierungen führen.

INTER*

griffe für den Oberbegriff „Trans*“. Der Begriff transident hebt hervor, dass es um die Identität eines Menschen geht.

Inter* bezeichnet die Vielfalt intergeschlechtlicher Realitäten und Körperlichkeiten. Der Begriff fungiert vermehrt als deutscher Oberbegriff für Intersexuelle, Intersex, Intergender sowie inter- oder zwischengeschlechtliche Menschen. Das sind Personen, die Geschlechtsmerkmale haben, die sowohl Frauen als auch Männern zugeordnet werden. Bezeichnungen wie „Zwitter“ oder „Hermaphrodit“ werden als Fremdbezeichnung von vielen abgelehnt, können jedoch eine empowernde Selbstbeschreibung sein.

Wer sich für noch mehr Begriffe interessiert, findet unter http://www.queerulantin.de/ eine Übersicht. Illustration: freepik.com; Collage: Maxi Unger

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DEN EIGENEN KÖRPER ZURÜCKEROBERN

PORNOGRAFIE UND FEMINISMUS – WO IST DER WIDERSPRUCH? FELICIA HERRMANN HAT DAFÜR BEI LISA LUDWIG, CHEFREDAKTEURIN VOM FRAUEN-FOKUSSIERTEN ONLINEMAGAZIN BROADLY, NACHGEFRAGT.

ANTI-S E X I S MU S - G U IDE Oft werden Menschen im Alltag auf ihr Geschlecht reduziert, beleidigt oder belästigt. Sabrina Winter und Helene Fuchs haben für euch Strategien zusammengestellt, mit denen ihr euch zur Wehr setzen könnt. Lest mehr politikorange.de/Klr4T DEBATTIEREN ÜBER SEXISMUS: LISA LUDWIG (L.) UND POLITIKORANGE-AUTORIN FELICIA HERRMANN.

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m Hintergrund Stimmengewirr, Stühle, in den Fokus. Ein gutes Beispiel dafür Themen gehen, die alle Frauen betreffen, die nach einer hitzigen Diskussions- ist das Onlinemagazin Broadly. „Frauen wie zum Beispiel Pornografie oder Musikrunde wieder zurechtgeschoben werden, interessieren sich für alles“, sagt Lisa genres wie Rap, die nicht einfach einem doch nichts lenkt von dieser Frau ab. Mit Ludwig. Diesen Gedanken repräsentiert Geschlecht zuzuschreiben sind. einer selbstbewussten, gleichzeitig ab- auch Broadly, das eine riesige Bandbreite Pornografie ist im Feminismus ein wartenden Haltung lächelt sie. Es riecht an Themen beleuchtet, wie zum Beispiel umstrittenes Thema. Doch nicht nur in leicht nach Shampoo. Hier sitzt Lisa Lud- Gaming, Beziehungen und Okkultismus. Pornos wird der weibliche Körper oft prowig, persönlich nicht weniger interessant Auch das „Missy Magazine“ oder „Barba- blematisch dargestellt: Viele Menschen, als ihre journalistischen Arbeiten. ra“ gehen in dieselbe Richtung. die in den Medien auftreten, etwa bekannIhr journalistischer Weg startete in te Sängerinnen, tragen dazu bei, dass der Bayreuth. Sie hat sich vielseitig auspro- MEHR ALS KLASSISCHE weibliche Körper sexualisiert wird. Desbiert, unter anderem bei “Rap.de“, bis sie „FRAUENTHEMEN“ halb fühlen sich viele Frauen mit der Fra2015 Chefredakteurin des zu „Vice“ gehöge konfrontiert, ob sie durch das Tragen renden Frauen-Onlinemagazins Broadly Broadly widersetzt sich Klischees von vermeintlich aufreizender Kleidung dem Weiblichkeit und berichtet nicht nur über Feminismus widersprechen würden. Sie wurde. „klassische Frauenthemen“. Das Magazin sind unsicher, wo die Grenze liegt: Bis hat aber auch keine Angst, bei bestimm- wohin darf ich mich entkleiden und kann FEMINISTISCHER ten feministischen Strömungen anzue- mich trotzdem Feministin nennen? JOURNALISMUS cken – etwa, wenn es um Pornografie Lisa Ludwig ist Teil eines neuen Jour- geht. So bejaht Lisa Ludwig die Frage, ob PLAKATIV UND PROVOKATIV nalismus – eines feministischen Jour- sie Pornos schaue, und ergänzt: „Es gibt nalismus, der Gleichberechtigung als viele Leute, die haben irgendwie Angst, Ein passendes Beispiel ist das Musikvideo Grundlage seines Schaffens sieht. Diese dass sie keine guten Feminist*innen sind, „Wrecking Ball“ der Sängerin Miley Cyrus, neue Generation von Journalistinnen und wenn sie sagen ‚Ja okay, das gefällt mir‘“. die sich selbst als Feministin sieht. Im ViJournalisten setzt auf Fairness und VielEin vielfältiger Journalismus bedeu- deo räkelt sie sich nackt auf einer Abrissfältigkeit. Sie rückt zunehmend Themen te damit laut Ludwig, offen miteinander kugel und zeigt provokativ ihren Körper wie Gleichberechtigung und Feminismus in den Dialog zu treten. Dabei soll es um vor der Kamera. Viele Medien kritisieren,

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Bild: Laura Lubahn

die Sängerin ginge damit einen Schritt zu weit und „prostituiere“ ihren Körper. Selbstinszenierung im Widerspruch zum Feminismus? Lisa Ludwig hat eine klare Meinung dazu: „Es gibt keine Regel, wo gesagt wird, so viel Nippel ist noch feministisch und dann hört‘s auf.“ Es stünde also nicht im Widerspruch zum Feminismus, seinen eigenen Körper so selbstbewusst in Szene zu setzen wie man möchte. Stattdessen sei dies Teil der individuellen Freiheit einer jeden Frau und ein Beitrag zu der Enttabuisierung des nackten weiblichen Körpers. Genau dieses Gefühl ist es, das neue feministische Formate vermitteln wollen.

Felicia Herrmann 17, Sankrug ... liebt Rap und würde gerne mal einen Aufstand anzetteln.


FRAUEN HABEN KEINE AHNUNG

AUCH IM JOURNALISMUS IST SEXISMUS EIN PROBLEM. JOURNALISTINNEN BEGEGNEN OFT BÖSE KOMMENTARE – VOR ALLEM DANN, WENN FRAUEN IN „TYPISCHEN MÄNNERBEREICHEN“ BERICHTEN, WIE IM FUSSBALL. VON SABRINA WINTER

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b sie blonde Haare habe, fragt der Anrufer Dorothee Torebko. Denn blonde Frauen hätten überhaupt keine Ahnung von Fußball. Da sei er sich sicher. Auch auf Facebook zieht ein Shitstorm über die Journalistin her. Einige Facebook-Nutzer bezeichnen sie als Hausfrau. Sie sind sich einig: Frauen, die Fußballspiele kommentieren, sind nicht erwünscht. Der Grund für die Beleidigungen ist ein Artikel, den Dorothee Torebko geschrieben hat. In einem Kommentar in der „Märkischen Oderzeitung“ bewertet sie das Verhalten des Fußballspielers Franck Ribéry als sexistisch und unprofessionell. Denn er hat während eines Spiels den Schnürsenkel der Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus geöffnet. Dazu muss man wissen: Bibiana Steinhaus ist die erste Frau, die Spiele in der Männer-Bundesliga pfeift. Ein solches Verhalten könnte eine gelbe Karte zur Folge haben. Steinhaus aber entschied sich dagegen und klopfte Ribéry nur auf die Schulter. Ribéry selbst sagte später im Interview: „Diese Schiedsrichterin musste man ein bisschen schütteln wegen der Stimmung.“ Dorothee Torebko hat eine klare Haltung dazu. Sie schreibt in ihrem Kommentar: „Was Ribéry getan hat, war sexistisch. Und: Hätte er so auch bei einem männlichen Referee reagiert? Bestimmt nicht.“ Die 31-Jährige arbeitet seit fünf

Jahren als Sportjournalistin und beschäftigt sich regelmäßig mit Fußball, Basketball, Volleyball und Co. Sie kennt sich aus. Doch für viele Facebooknutzerinnen und -nutzer spielt das keine Rolle. Sie beleidigen Dorothee Torebko und bestärken sich gegenseitig in der Annahme, dass sie als Frau nichts über Fußball wissen könne. Ein solches Verhalten wird als sexistisch bezeichnet. Das bedeutet, einer Person wird aufgrund ihres Geschlechts eine bestimmte Eigenschaft zugeschrieben. Diese Zuschreibung wird dann genutzt, um die Person zu diskriminieren.

MEHR STARKE STIMMEN Ähnliche Erfahrungen hat Lisa Ludwig gemacht (siehe Artikel links). Sie ist Journalistin bei Broadly, dem Online-Magazin für Frauen von Vice und hat vorher für Rap.de gearbeitet. Dort passierte es ihr, dass ein Interviewpartner sich enttäuscht äußerte, dass ihn eine Frau zu seinem neuen Album befragt. Einmal machte Lisa Ludwig ein Experiment und veröffentlichte einen Text sowohl unter ihrem eigenen Namen als auch unter einem männlichen Pseudonym. Das Ergebnis: Unter dem Männernamen kommentierten Leute, dass endlich mal jemand bei Rap. de gut schreiben könne. Unter ihrem weiblichen Namen las sie die üblichen Sprüche. „Das fand ich frustrierend“, sagt die Journalistin. Trotzdem findet sie, dass

FRAUEN, DIE AHNUNG VON FUSSBALL HABEN? NO WAY! ODER DOCH?

sich niemand durch so etwas in seiner Berufswahl stoppen lassen sollte. „Denn dann gibst du auf“, sagt sie. Aufgeben ist auch für Dorothee Torebko keine Option. Sie sagt: „Ich habe gelernt, mir eine dicke Haut zuzulegen, ruhig zu bleiben und sachlich zu argumentieren.“ Ob jemand gute Artikel schreibt, hat für sie etwas mit Kompetenz zu tun – jedoch nichts mit Geschlecht oder Haarfarbe. Dorothee Torebko erklärt: „Je mehr starke, weibliche Stimmen es im Sportjournalismus gibt, desto besser!“ Sie hofft, dass es ein Umdenken in der Gesellschaft ge-

Bild: Laura Lubahn

ben wird und es Menschen in Zukunft egal ist, ob ein Mann oder eine Frau ein Fußballspiel kommentiert.

Sabrina Winter 23, Dresden ... war bei der Recherche etwas schockiert darüber, wie offen sexistisch manche Menschen sein können.

FRUCHTFLEISCH WANN IST DIR SEXISMUS BEGEGNET? »WERKZEUGKAUF«

JULIA MATHEÄI , 24 JAHRE, OLDENBURG JEDEN TAG. ICH WOLLTE GROSSE WERKZEUGE KAUFEN. DIE VERKÄUFER RIETEN MIR, LEICHTERES ZU NEHMEN, DA ICH MICH VERLETZTEN KÖNNTE. DAS WAR SICHER WEGEN MEINES GESCHLECHTS.

»FRAUENARZT«

FOJAN, 44 JAHRE, HAMBURG IM IRAN, ALS ICH ZUM FRAUENARZT GING, WURDE ICH SEXUELL BELÄSTIGT.

»DUMME SPRÜCHE«

MARLENE RESCH, 21 JAHRE, FREIBURG SEXISMUS BEGEGNET EINEM SEHR OFT IM ALLTAG – ZUM BEISPIEL, WENN MAN VON EINER GRUPPE VON TYPEN ANGEMACHT WIRD UND DUMME SPRÜCHE HÖRT.

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DER PIONIER

NIEMAND HAT DIE WISSENSCHAFTLICHE AUSEINANDERSETZUNG MIT GESCHLECHTERN UND SEXUALITÄT SO GEPRÄGT WIE MAGNUS HIRSCHFELD. FABIAN SCHÄFER ERKLÄRT, WIESO SEINE ERRUNGENSCHAFTEN BIS HEUTE WIRKEN.

M 

agnus Hirschfeld, der von 1868 bis 1935 lebte, war ein Vorreiter, Vordenker, Wegbereiter: Der Arzt und Sexualforscher gründete 1897 das Wissenschaftlich-humanitäre Komitee. Das war die erste Organisation der Welt, die das Ziel hatte, Sex zwischen Männern zu entkriminalisieren. Denn zu Hirschfelds Zeit bestand im deutschen Kaiserreich der Paragraf 175, der sexuelle Handlungen unter Männern verbot. Wer damals verurteilt wurde, musste mindestens einen Tag ins Gefängnis. Außerdem konnte er das Recht zu wählen verlieren. Hirschfeld und seine Anhänger hatten gute Gründe, das Gesetz abzuschaffen. Sie waren der Ansicht, dass Homo- oder Bisexualität nicht anerzogen, sondern angeboren waren – eine damals moderne Sicht. Außerdem argumentierten sie, dass der Paragraf 175 vor allem Erpresserinnen und Erpressern in die Hände spielte: Es ist mittlerweile bewiesen, dass vielen Männern gedroht wurde, sie wegen des „Schwulenparagrafen“ anzuzeigen. Weil mit einer Verurteilung auch eine soziale Ächtung verbunden war, begingen nicht wenige Männer wegen solchen Erpressungen Selbstmord.

1931 verließ Hirschfeld Deutschland, weil er Jude war und sich aufgrund des stärker werdenden Nationalsozialismus nicht mehr sicher fühlte. Nach der Machtergreifung Hitlers wurde sein Institut geplündert und zerstört, die Bibliothek wurde im Rahmen der Bücherverbrennung vernichtet.

GEDENKEN AN HIRSCHFELD

Heute erinnert die Hirschfeld-Gesellschaft, die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und die – auch nach der Aktivistin Fannyann Eddy aus Sierra Leone benannte – Hirschfeld-Eddy-Stiftung ans Leben und Wirken des Wissenschaftlers. Bis 2019 soll in Berlin das ElberskirchenHirschfeld-Haus (kurz E2H) entstehen, wo queere Archiv-, Bildungs- und Forschungseinrichtungen ihren Platz finden. HIRSCHFELD, DER FORTSCHRITTLICHSTE SEXUALWISSENSCHAFTLER SEINER ZEIT. Mitinitiator Jan Feddersen erklärte im Illustration: Inga Dreyer Berliner Queer-Magazin „Siegessäule“: „Das sind alles Juwelen, und die muss kam 1919 in die deutschen Kinos. Hirsch- ren“, heißt es heute auf einer Gedenkta- man zusammenführen.“ feld spielt darin sich selbst – einen Arzt, fel in Berlin. Hirschfeld lehrte dort auch der erklärt, dass Homosexualität etwas die von ihm aufgestellte Theorie der Natürliches ist. Zwischenstufen: „Wir verstehen unter Die bedeutendste Leistung Hirsch- sexuellen Zwischenstufen Männer mit Fabian Schäfer felds ist die Gründung des Instituts für weiblichen und Frauen mit männlichen 23, Köln Sexualwissenschaft in Berlin im Jahr Einschlägen“, schrieb er 1914. InsgeHIRSCHFELDS 1918. Das war die weltweit erste Einsamt unterschied er 81 Grundtypen ... hofft, dass das ZWISCHENSTUFEN richtung dieser Art und internationaler dieser Zwischenstufen. Das klingt fast Elberskirchen-Hirschfeld-Haus schneller als Von einer solchen Erpressung handelt Treffpunkt für Wissenschaftlerinnen nach den 60 Geschlechtsidentitäten, der Berliner Flughafen auch der erste Film der Welt, der Homo- und Wissenschaftler. Das Institut war die Facebook zur Verfügung stellt – nur fertig ist. sexualität thematisiert: „Anders als die „Zufluchtsort für alle, die wegen ihrer dass Hirschfeld sie hundert Jahre früher Andern“ von Regisseur Richard Oswald Sexualität gesellschaftlich geächtet wa- aufstellte.

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Seit mehr als 25 Jahren fördern wir die bunte Vielfalt kleiner und großer lesbischer und schwuler Initiativen in Stadt und Land. Unterstützen Sie uns dabei durch Ihre Spende oder Ihre Zustiftung. Informieren Sie sich über uns. Die Prinzipien von Nachhaltigkeit und Transparenz prägen unser Stiftungshandeln ebenso wie unsere Anlagestrategien. hms • Postfach 120522 • 10595 Berlin E-Mail: info@hms-stiftung.de www.hms-stiftung.de Spendenkonto: DE39 4306 0967 8010 5290 00

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DEB AT T E

JENSEITS VON ROSA UND HELLBLAU

MANN ODER FRAU – DIESE KATEGORISIERUNG SPIELT IN UNSERER GESELLSCHAFT IMMER NOCH EINE GROSSE ROLLE. IST DIESE EINTEILUNG EIN LÄSTIGES ÜBEL ODER SOLLTEN WIR SIE BEIBEHALTEN UND POSITIV DEUTEN? JANINE PONZER UND HANNAH TRULSEN SIND UNTERSCHIEDLICHER MEINUNG.

MÄNNLICH, WEIBLICH, TRANS, … : WERDEN GESCHLECHTERSTEREOTYPEN MIT DER ZEIT IMMER MEHR VERBLASSEN?

PRO

  Geschlecht ist eine Norm, kein Gesetz. Die Gesellschaft übergeht die Menschen, die sich nicht wehren können, Neugeborenen wird ein Stempel aufgedrückt. Es entscheidet sich in einer Sekunde, ob sie von Altersarmut stärker betroffen sein werden, von ihnen verlangt werden wird, unbezahlte Care-Arbeit zu verrichten und ob sie strukturell benachteiligt werden. All das ist Realität, wenn eine Hebamme im Kreißsaal aus einem Baby ein Mädchen macht. Die Frage, die sich dort stellt, ist: Kann Geschlecht aufgrund von Genitalien bestimmt werden? Genitalien machen doch kein Geschlecht aus. Manche Männer haben eine Vulvina und Frauen* einen Penis. Verwirrt? So tief ist das Alltagswissen um Geschlecht in unseren Köpfen verwurzelt. Wann können Menschen ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten nachgehen und sich frei entfalten? Die Antwort ist einfach: Erst dann, wenn in der ersten Sekunde des Lebens eines Menschen nicht das ganze Leben schon festgelegt wird – aufgrund von Genitalien, die nichts über den Menschen aussagen. Es kann 2017 nicht mehr sein, dass Menschen, die diesen Kindergarten von pinken und blauen Babystramplern nicht wollen, um ihre soziale Überlebensfähigkeit fürchten müssen. Die Debatte im Bundestag zur Frauenquote in Vorständen hat gezeigt, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der Frauen* für jeden Millimeter Richtung Gleichstellung erbitterte und langwierige Kämpfe führen müssen und

Männer jedes Mal Angst haben, den Aufschnitt vom Butterbrot zu verlieren. Wie zynisch. Männer leben mit einer langen Liste von Privilegien, die sie jeden Tag mal mehr oder weniger bewusst ausspielen – und wenn es „nur“ das Belegen von vier Sitzen in der Straßenbahn ist. Aufgrund dieser Strukturen wäre für Frauen eine Gesellschaft, in der ihr Geschlecht keine Rolle spielen würde, ein Traum. Aber auch für Männer wäre dieser Zustand befreiend. So könnten sie auch endlich ohne schlechte Witze ein Jahr in Elternzeit gehen oder gleich zu Hause bleiben und sich um die unbezahlte Care-Arbeit kümmern. Eine Gesellschaft ohne Geschlechtszuschreibungen schafft etwas, was gerade viel zu kurz kommt – und das ist Solidarität. Die Seite der Vorteile einer geschlechterlosen Gesellschaft ist lang, so muss deren Ermöglichung dieser Gesellschaft oberstes Ziel sein, wenn wir darüber sprechen, wie Gerechtigkeit in den nächsten Jahren aussehen soll. Normen sind veränderbar. Lasst sie uns verändern – und her mit dem guten Leben.

Hannah Trulsen 22, Gelsenkirchen ... findet, das Geschlecht ist nicht zwischen den Beinen, sondern zwischen den Ohren.

CONTRA

 Schon bevor ein Kind zur Welt kommt, ist dessen Geschlecht im Mutterleib festgelegt. Ohne Zweifel hat dies einen Einfluss auf die Entwicklung der persönlichen Identität. Wie wir in unserem sozialen Umfeld wahrgenommen werden möchten, können wir dennoch unabhängig von unseren Genitalien entscheiden. Eine Absage an die Geschlechtszugehörigkeit allein aber löst nicht das Problem sexistischer Respektlosigkeit. Ein Grund dafür: Die geschlechtliche Identifikation vollständig zu umgehen, ist bereits aus evolutionärer Logik keine Option. Eine Schwangerschaft entsteht durch Mutter und Vater. Aus wissenschaftlicher Sicht ist die Rekombination von weiblichem mit männlichem Erbmaterial essentiell. Die natürlichen Differenzen garantierem Baby eine optimale anatomische sowie organische Reifung, Gesundheit und Persönlichkeitsbildung. Biologische Unterschiede können wir nicht ignorieren. Beispielsweise birgt eine an kommunistischen Idealen orientierte Gleichstellung die Gefahr, von geschlechtsspezifischen Bedürfnissen wie dem Mutterschutz zurücktreten zu müssen. Vielmehr sollte die Politik solche Ansprüche anerkennen und fördern. Gleiche Rechte trotz Kontrasten zwischen Frauen und Männern – was sagt mein Geschlecht also aus? Bei der Frage nach der eigenen Identität dürfen wir diese Frage stellen. Jedoch sollte weder „Frau sein“ noch „Mann sein“ mit Fähigkeiten und Attributen wie Kochen oder Unmoralität assoziiert werden. Eine

Illustration: Maxi Unger

pauschale Rollenverteilung ist out; die Entfaltung unserer Potentiale tritt in den Vordergrund. Diese basieren auf mehr als reiner Biologie. Nichtsdestotrotz sollten wir uns auch mal stereotyp abgrenzen dürfen. In den Neunzigern sang Lucilectric: „Mir geht’s so gut, weil ich ein Mädchen bin!“ Indem sie gängige Mann-Frau-Klischees veralbert, setzte sie ein Statement: Weiblich zu sein ist cool. Männer mögen Frauen dafür. Andersherum funktioniert das genauso. Gleichwohl sind das keine Argumente, sich rechtfertigen zu müssen. Männer weinen auch, und Frauen können Autos reparieren. Um Vielfalt zu akzeptieren, müssen wir uns unabhängig von Geschlechtern als Individuen annehmen. Lehnen wir rollenzuweisende Klischees ab, ermöglichen wir ein Wohlergehen für unser Zusammenleben. Ohne die Bedeutung der Geschlechter zu relativieren, können wir uns gegenseitig ermutigen, unsere Lebenswege auf eigene Weise zu gestalten. Auf diesem Weg unterstützen wir die jeweiligen Stärken, die als Glieder unsere Gemeinschaft tragen.

Janine Ponzer 20, Berlin … ist gerne eine Frau unter Männern* und Frauen*

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FEMINISMUS ZU FUSS

SELTEN WIRD FRAUEN IN DER GESCHICHTSSCHREIBUNG SO VIEL PLATZ ZUGESTANDEN WIE IHREN MÄNNLICHEN MITSTREITERN. EINE FEMINISTISCHE STADTFÜHRUNG DURCH BERLIN BEGIBT SICH AUF DIE SPUREN BEDEUTENDER FRAUEN. VON JANA BORCHERS

Foto: Alexander Naumann

STADTFÜHRERIN ANDREA HEUBACH MÖCHTE MUTIGE FRAUEN UND IHRE GESCHICHTE SICHTBARER MACHEN.

B 

erlin Kreuzberg, ein kleiner Platz erinnert? Das sind Fragen, die sich die nahe der Haltestelle Hallesches Tor. Teilnehmenden heute gemeinsam stellen Der Himmel ist leicht bewölkt an diesem sollen. „Normalerweise werden Frauen Freitagnachmittag, die Sonne wirft ein ja eher so dargestellt”, sagt Andrea Heumilchiges Licht. Auf dem Platz steht ein bach und deutet zu dem Engel: DekoraBrunnen, darauf die Statue eines Engels, tiv, hübsch, nett anzusehen. Der Engel anmutig auf einem Bein balancierend, der betrachtet weiterhin den grauen Himmel Blick ist verträumt in die Ferne gerichtet. und tut so, als habe er nichts gehört. Die Stadtführerin Andrea Heubach Die Gruppe setzt sich in Bewegung, wartet schon. Sie hat Politikwissen- die Friedrichstraße hinunter. Friedrich. schaft studiert, heute leitet sie soge- Das klingt doch sehr nach einem Mann. nannte feministische Stadtspaziergänge, Fast laufen die Teilnehmenden an dem die den Fokus auf das politische Wirken Schild vorbei: „Menschenrechte haben von Frauen in der Geschichte Berlins le- kein Geschlecht.“ Es ist ein Zitat von gen. Sie sieht den Anwesenden prüfend Hedwig Dohm, die 1831 geboren wurde in die Augen. Es soll um couragierte und bis 1919 in diesem Haus gewohnt Frauen gehen an diesem Nachmittag, hat. An einer grauen Steinwand ist die um Widerstandskämpferinnen, Frau- Tafel angebracht, LOVE hat jeenrechtlerinnen, die ihrer Zeit voraus- mand darunter geschmiert. gedacht haben. Aber auch darum, wie an diese Frauen im Stadtbild erinnert WAHLRECHT ALS wird. Oder warum es vielleicht nicht SKANDAL getan wird. „90 Prozent der Straßen in Berlin, die nach Personen benannt „Hedwig Dohm war eine der ersten, sind, erinnern an Männer“, sagt Heu- die das Wahlrecht für Frauen geforbach. Deshalb gibt es in Friedrichshain- dert haben“, erzählt Heubach. Viele Kreuzberg seit einigen Jahren einen Be- Frauenrechtlerinnen zögerten zu dieser Zeit noch mit solch radikalen Forschluss, neue Straßen oder solche, die umbenannt werden, speziell Frauen zu derungen, weil sie befürchteten, es sich widmen. Ob da nicht die Gefahr eines dadurch bei anderen Themen verscherProtests bestehe, falls die Frauennamen zen, beispielsweise mit dem Zugang zu höherer Bildung für Frauen. Hedwig Überhand gewinnen sollten, möchte ein Teilnehmer der Führung wissen. Dohm selbst lehnte den Begriff der Frauenrechtlerin ab und nannte sich Heubach schüttelt den Kopf: „So viele Straßen werden ja gar nicht gebaut oder stattdessen lieber eine Radikale. Ihre Gegner habe sie gelegentlich spöttisch umbenannt.“ Eine ausgeglichene Quote als „Herrenrechtler“ bezeichnet. liege bisher noch in ferner Zukunft. Die einzige Möglichkeit, sich zur damaligen Zeit als Frau weiterzubil„MENSCHENRECHTE HABEN den, war eine Ausbildung zur LehKEIN GESCHLECHT“ rerin, die Dohm zunächst einschlug, Wo sind Spuren der Frauen- und Protest- aber später abbrach. Sie heiratete den bewegung in Berlin zu finden? Auf wel- Chefredakteur einer satirischen Zeitche Art und Weise wird an die Frauen schrift, die Ehe war für sie vor allem

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ein Ausbruch aus dem Haus der Eltern. Als eine der ersten Feministinnen nahm sie an, dass gewisse geschlechtsspezifische Eigenschaften nicht biologisch begründbar, sondern auf soziale Prägungen zurückzuführen seien. Die Gruppe verlässt Hedwig Dohm. Kurz darauf hält Heubach in der Zimmerstraße an. In der Nummer 54 hat vor mehr als 150 Jahren Lucie Lenz gewohnt, die während der politischen Umbrüche

SCHÖN UND HARMLOS: SO WERDEN FRAUEN IM STADTBILD OFT DARGESTELLT Foto: Alexander Naumann

zur Zeit des Vormärz besonders aktiv war. Heute befindet sich hier ein Bürokomplex. Nichts erinnert mehr an die Anwesenheit der Aktivistin. „Sie ist eine ganz mysteriöse Frau“, sagt Andrea Heubach. „Von einigen Historiker*innen wird vermutet, dass sie später als Spionin für die Konterrevolution gearbeitet hat.“ Weil sie aus einer nicht-bürgerlichen Schicht stammt, gibt es auch keine Porträts von ihr. Heute hat sie nicht einmal einen Eintrag bei Wikipedia. Es wirkt fast, als sollte diese Frau vor der Welt geheim gehalten werden. Andrea Heubach erzählt von den Unruhen 1848, als viele Menschen mehr bürgerliche Rechte und nationale Einheit forderten. Als es am 18. März 1848 zum Aufstand gegen den preußischen König kam, errichteten Männer wie Frauen Barrikaden in der ganzen Stadt. Der Blick schweift zum Ende des Häuserkomplexes, eingezwängt zwischen Büros und AxelSpringer-Haus befindet sich eine Baustelle. Aus der Ferne sieht sie einer Barrikade gar nicht unähnlich. Der Baulärm könnte auch Straßentumult sein. Nun fallen auch die ersten Regentropfen. Fast riecht man den Rauch brennender Kutschen, möchte den Blick nach oben richten, um zu schauen, ob nicht Menschen mit Gehwegplatten in den Händen auf den Dächern stehen – so wie damals. Welche Frauen hatten teil an diesen Wochen, in denen viele Menschen meinten, eine Revolution sei zum Greifen nah? Welche Frauen trugen bei zum Verlauf der Geschichte? Neben Lucie Lenz ist da noch Louise Aston, aus deren Leben mehr bekannt ist, und das bedeutet in ihrem Fall vor allem: mehr Skandale. Zweimal verheiratet mit demselben Mann, erotische Gedichte. Sie trug Männerkleidung und rauchte in der Öffentlichkeit.


Ihre politischen Positionen waren radikal. Das unterschied sie von Lucie Lenz, über die und deren Gruppe aus politisch aktiven Frauen Aston sich des Öfteren lustig machte. „Lucie Lenz wiederum warf Aston vor, Frauenemanzipation geschehe nicht dadurch, dass man mit Männern im Trinken und Rauchen wetteifert“, sagt Heubach und muss ein bisschen lachen.

Mittlerweile ist die Gruppe fast zwei Stunden unterwegs. Die Liste der Frauen, die eine Veränderung der Verhältnisse herbeisehnten, die sich über gesellschaftliche Normen hinwegzusetzen versuchten, scheint endlos. Da ist Rahel Varnhagen,

die einen literarischen Salon unterhielt, um aus den bestehenden Verhältnissen auszubrechen, von der Briefe und Tagebucheinträge überliefert sind, aber keine Veröffentlichungen, weil es zu der Zeit für Frauen kaum möglich war, als Schriftstel-

ERINNERUNG AN JÜDISCHE WIDERSTANDSKÄMPFERIN Die Teilnehmenden setzen sich nun erneut in Bewegung, lassen den Blick schweifen, auf der Suche nach Statuen, Straßenschildern. Wo sind sie, die Rebellinnen? Die Politikerinnen, die Widerstandskämpferinnen? Heubach läuft voran. Es fühlt sich an, als würde das Auge, das auf ihren Rücken tätowiert ist, die Gruppe beobachten. Als würde es sichergehen wollen, dass alle richtig hinsehen. Der nächste Stopp ist die AxelSpringer-Straße. Wieder muss Heubach hinweisen auf das Denkmal für die Frau, an die hier erinnert wird: Ein Stolperstein auf dem Fußweg. Lotte Rotholz wurde 1945 im Konzentrationslager in Auschwitz ermordet, so steht es dort. Daneben eine Erinnerung an ihren Mann. „Hingerichtet“, heißt es auf seinem Stein. Warum diese Unterscheidung in der Wortwahl gemacht wurde, wird nicht klar. Hingerichtet – das klingt irgendwie politischer. Dabei waren es die beiden, die gemeinsam mit der „Gruppe Baum“ während der NS-Zeit Flugblätter verteilten und einen Anschlag auf eine Berliner PropagandaAusstellung verübten. In einem Innenhof gleich daneben, der einer Krankenkasse gehört, befindet sich außerdem ein Denkmal für die Synagoge, die hier vor dem Zweiten Weltkrieg gestanden hat, von den Nazis entweiht und zerstört und nach dem Krieg abgerissen wurde. Die Teilnehmenden lassen sich nieder auf den Steinbänken, entworfen von drei israelischen Künstlerinnen, die den ehemaligen Grundriss der Synagoge nachbilden sollen. Wilde Blumen sprießen dazwischen, als wolle sich die Natur den Ort zurückerobern. Weiter hinten befindet sich auch hier eine Baustelle. Ein Teil des Denkmals ist eingezäunt, der Stacheldrahtzaun, übersät mit kleinen scharfen Klingen, die das schwache Nachmittagslicht zurückwerfen, wirkt bedrohlich.

lerinnen zu arbeiten. Da ist Lily Braun, die früh in die SPD eintrat, hin- und hergerissen war zwischen der bürgerlichen und der proletarischen Frauenbewegung, und die die erste öffentliche Rede zum Frauenwahlrecht hielt. Andrea Heubach und ihre Gruppe ist am Spittelmarkt angelangt. Der Himmel reißt langsam auf. Ein paar Sonnenstrahlen spiegeln sich auf dem Wasser des Spreekanals. Über den Kanal spannt sich die Getraudenbrücke. Die Statue der heiligen Gertrud wurde Anfang des Jahres für Sanierungsarbeiten an der Brücke nach Friedrichsfelde verlagert. Eine weitere Frauenfigur, die vorerst aus dem Stadtbild verschwunden ist.

LESBISCHE ZEITUNGEN UND QUEERE LYRIK DIE SCHRIFTSTELLERIN RAHEL VARNHAGEN GEHÖRT ZU DEN WENIGEN FRAUEN, DENEN IN BERLIN EINE STRASSE GEWIDMET WURDE. Foto: Alexander Naumann

Andrea Heubach lässt Fotos von alten Zeitschriften herumreichen. Abgebildet ist „Die Freundin“. Ein paar Zuschauerinnen sehen sich an. Aber schnell wird klar, dass kaum Gemeinsamkeiten zu der Frauenzeitschrift „Freundin“ bestehen, die es heute immer noch gibt und die sich im Namen nur durch ein Wort unterscheidet. Dabei war auch „Die Freundin“, die in der Weimarer Republik erschien, ein Medium, das sich speziell an Frauen richtete. „Sie gilt als erste lesbische Frauenzeitschrift“, sagt Andrea Heubach. Artikel zur Emanzipation, Kurzgeschichten über lesbische Liebesbeziehungen. Aber auch: Ankündigungen zum WindbeutelWettessen. Eine, die ihre Gedichte in dieser Zeit veröffentlichte, war Helene Stöcker. „Sie schrieb Texte, die aus heutiger Sicht überraschend ‚queer‘ sind“, sagt Heubach. Beispielsweise wechselte sie darin immer wieder Pronomen, wie in „Der blonde Page, die an der Straße stand“. Stöcker war Pazifistin, forderte das Recht auf Abtreibung, Straffreiheit für Homosexualität und mehr Schutz für unverheiratete Mütter. Dann ist die Führung zu Ende, Andrea Heubach bedankt sich schnell und ist dann plötzlich verschwunden – fast wie all die anderen Frauen, deren Erinnerung aus dem Stadtbild gelöscht zu sein scheint. Auf dem Weg zur U-BahnHaltestelle sitzt sie dann doch noch einmal in einiger Entfernung auf einer Bank. Wenn man die Augen ein wenig offen hält, dann sind die politischen Frauen Berlins nicht zu übersehen.

EIN LEBEN WIE EIN ABENTEUERFILM Hier erzählt Andrea Heubach nicht nur von Lotte Rotholz, sondern auch von Maria Gräfin von Maltzan, die eigentlich noch sechs weitere Namen trägt, und deren Geschichte sich wie ein Abenteuerfilm anhört. Während der NS-Zeit half die 1902 Geborene jüdischen Menschen, das Land zu verlassen, eine Frau soll sie schwimmend über den Bodensee gebracht haben, ein anderes Mal versteckte sie Menschen in Möbeln, die in einem Lieferwagen in das neutrale Schweden transportiert wurden.

Jana Borchers 20, Mainz … würde auch gerne mal eine Straße umbenennen und hätte da so einige Vorschläge. VON BERLIN KREUZBERG NACH MITTE – GRÜNE STRASSEN WURDEN NACH MÄNNERN, Illustration: Maxi Unger BENANNT ROTE NACH FRAUEN UND GELBE NICHT NACH PERSONEN.

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»DIE MEDIZIN HAT MICH KRANK OPERIERT«

INTERGESCHLECHTLICHE MENSCHEN HABEN GESCHLECHTSMERKMALE, DIE NICHT INS MANN-FRAU-SCHEMA PASSEN. DESHALB WERDEN SIE OFT DIREKT NACH DER GEBURT OPERATIV ZU EINEM MANN ODER EINER FRAU GEMACHT – MIT SCHWEREN FOLGEN. VON CHRISTINA BRAUN

PER SONA LPR ONOMEN Den Gebrauch eines geschlechtszuweisenden Personalpronomens empfindet Sandrao als sehr verletzend. Daher wurde im Artikel stets das geschlechtsneutrale Pronomen er_sie gewählt. Foto: Laura Lubahn

SANDRAO IM GESPRÄCH MIT DER REDAKTION.

S 

andrao kommt weder als Junge noch als Mädchen zur Welt – er_sie ist intergeschlechtlich. Nach der Geburt stellen die Ärzte fest, dass Sandrao männliche und weibliche Geschlechtsmerkmale besitzt und entscheiden, ihn_sie zum Mädchen zu operieren. Lange weiß Sandrao weder, dass er_sie intergeschlechtlich ist, noch von der Operation. Erst mit 34 Jahren erfährt er_sie von dem Eingriff. Plötzlich ergibt alles Sinn, denn Sandrao hat sich nie als Mädchen gefühlt. Wie viele Neugeborene intergeschlechtlich sind, lässt sich nur schätzen. Die Medizin geht davon aus, dass eines von tausend Babys nicht ins Mann-Frau-Schema passt. Sandrao wäre lieber so geblieben, wie er_sie geboren wurde: dazwischen. Eine Wahl darüber, was mit seinem_ihrem Körper passieren soll, hatte Sandrao aber nie. „Ich bin ein gesunder Mensch, aber die Medizin hat mich krank operiert.“ Das ist das Paradoxe an den Operationen: Wie bei Sandrao sind sie in den meisten Fällen nicht lebensnotwendig, sondern wollen intergeschlechtlichen Menschen lediglich ein Geschlecht zuzuweisen. „Es sind vor allem kosmetische Operationen“, erklärt Stefanie Klement vom Verband Intersexuelle Menschen Berlin-Brandenburg. Die gesundheitlichen Folgen solcher Operationen können schwerwiegend sein: lebenslange Schmerzen, Abhängigkeit durch Hormonersatztherapien, Zeugungsunfähigkeit, Sensisbilitätsverlust, Traumata. Vor allem aber wird den

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Betroffenen das Recht genommen, frei über ihren Körper und ihre Identität zu entscheiden.

34 JAHRE ALS FRAU Da seine_ihre hormonproduzierenden Organe bei der Operation entfernt wurden, muss Sandrao die Hormone Östrogen und Testosteron einnehmen. Studien über die Langzeitfolgen der Eingriffe und Hormontherapien existieren bisher so gut wie nicht. „Die Medizin klaut unsere Organe, obwohl sie die Folgen nicht kennt und dann werden wir allein im Regen stehen gelassen“, sagt er_sie. Die Eltern erziehen Sandrao als Mädchen, 34 Jahre lang muss er_sie als Frau leben – ein Leben, das sich falsch anfühlt. Als Sandrao vor drei Jahren von seiner_ihrer Zwischengeschlechtlichkeit erfährt, ist das ein Befreiungsschlag. Sandrao lässt seinen_ihren Geschlechtseintrag streichen, trennt sich von seinem_ihrem weiblichen Vornamen. Das war mit viel bürokratischem Aufwand verbunden. Heute sagt Sandrao: „Ich bin von der Natur so gewollt und das ist auch gut so.“

NEUE REGELUNG KAUM BEKANNT Seit dem 1. November 2013 hat sich die gesetzliche Lage in Deutschland geändert. Wenn ein Kind nicht eindeutig

als Junge oder Mädchen geboren wird, muss der Geschlechtseintrag in der Geburtsurkunde offengelassen werden. Auch nachträgliche Änderungen oder Streichungen des Geschlechtseintrages sind möglich – zumindest auf dem Papier. Die Hoffnung vieler Betroffener, dass durch die Gesetzesänderung auch die Zahlen der Operationen zurückgehen, hat sich aber nicht erfüllt. Auch Ulrike Klöppel von der Berliner Humboldt-Universität stellt in ihrer Studie vom Dezember 2016 fest, dass die Operationen lediglich zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden oder andere Diagnosen gestellt werden. Die Zahl der kosmetischen Operationen an intergeschlechtlichen Kindern sei aber de facto gleich geblieben. Ein weiteres Problem ist, dass das Gesetz in der Praxis nicht allen bekannt sei, erklärt Sandrao. „Medizin und Bürokratie wissen oft nichts zur Regelung, sondern raten direkt zu Operation.“ Wenn die Geburtsurkunde ausgestellt wird, kommt dann doch wieder die Schubladenfrage: Junge oder Mädchen? Was muss sich also ändern? Der Bundesverband Intersexueller Menschen fordert ein sofortiges Verbot nicht selbstbestimmter geschlechtszuweisender Operationen. Dass die kosmetischen Zwangsoperationen das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung verletzen, finden auch Amnesty International und der Deutsche Ethikrat und unterstützen die Forderung. Wie

es gehen kann, machen Malta und Chile vor: Dort ist ein solches Verbot schon umgesetzt.

IMMER NOCH EIN TABUTHEMA Außerdem braucht es laut der Antidiskriminierungsstelle des Bundes ein verbessertes Beratungsangebot für Eltern. Denn Intergeschlechtlichkeit ist noch immer ein Tabuthema, über das nur wenig gesprochen wird. Deshalb hat es sich Sandrao zur Aufgabe gemacht, mit seiner_ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen. Sandrao will kämpfen, bis Zwangsoperationen verboten sind: „Irgendwann ist Zwischengeschlechtlichkeit hoffentlich ganz normal.“

Christina Braun 21, Freiburg … findet, dass Normalität schon lange mal ordentlich dekonstruiert werden müsste.


F R I S CH , F R UC HTIG, S E L BS TGE P R ES S T – M IT M ACHEN @PO LIT IK O RAN G E.DE

I MPR ESSUM Diese Ausgabe von politikorange entstand während des Workshops „Gender, Identitäten und Politik“ der Jugendpresse Deutschland e.V. vom 17. bis 20. August 2017 in Berlin. Herausgeber und Redaktion politikorange c/o Jugendpresse Deutschland e.V., Alt-Moabit 89, 10559 Berlin, www.politikorange.de Chefredaktion (V.i.S.d.P.) Fabian Schäfer (timfabianschaefer@gmail.com) Inga Dreyer (i.dreyer@jugendpresse.de)

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rintmagazine, Blog und Videos: politikorange erreicht sein Publikum über viele Kanäle und steht neuen Wegen offen gegenüber. Junge, kreative Köpfe berichten in wechselnden Redaktionsteams aus einer frischen Perspektive. Ob aktuelle Themen aus Politik und Gesellschaft oder die kritische Begleitung von Veranstaltungen – politikorange ist mittendrin.

POLITIKORANGE – DAS MULTIMEDIUM politikorange wurde 2002 als Veranstaltungszeitung ins Leben gerufen. Rund 130 Ausgaben wurden seither produziert. Seit Anfang an gehören Kongresse, Festivals, Parteitage und Events zum Programm. 2004 kamen Themenhefte hinzu, die aktuelle Fragen aus einer jugendlichen Sichtweise betrachten. 2009 nahm politikorange Video und Blog ins Portfolio auf und präsentiert spannende Beiträge unter den Labels politikorange TV und blog.politikorange.de.

WO KANN ICH POLITIKORANGE LESEN?

cher Perspektive. Frei nach dem Motto: frisch, fruchtig, selbstgepresst.

Gedruckte Ausgaben werden direkt auf Veranstaltungen und über die Landes- WER MACHT POLITIKORANGE? verbände der Jugendpresse Deutschland e.V. verteilt. Im Online-Archiv auf poli- Junge Journalistinnen und Journalisten tikorange.de können digitalisierte Ma- – sie recherchieren, berichten und komgazine durchgeblättert und Videos auf- mentieren. Wer neugierig und engagiert gerufen werden. Printausgaben können in Richtung Journalismus gehen will, kostenlos nachbestellt werden – natür- ist bei politikorange an der richtigen lich nur, solange der Vorrat reicht. Für Adresse. Ge-nauso willkommen sind bedas Stöbern auf dem Blog genügt der geisterte Fotografen und Fotografinnen, Videoredakteurinnen und -redakteure Aufruf von politikorange.de. sowie kreative Köpfe fürs Layout. politikorange funktioniert als Lehrredaktion: WARUM EIGENTLICH Die Teilnahme ist kostenlos und wird POLITIKORANGE? für jede Ausgabe neu ausgeschrieben – Welchen Blick haben Jugendliche auf der Einstieg ist damit ganz einfach. Den Politik und gesellschaftliche Verände- Rahmen für Organisation und Vertrieb rungen? politikorange bietet jungen stellt die Jugendpresse Deutschland. Menschen zwischen 16 und 26 Jahren Du willst dabei sein? Infos zum eine Plattform für Meinungsaustausch Mitmachen gibt es unter politikorange.de, und den Ausbau eigener Fähigkeiten. in unserem Newsletter und via Facebook Engagement und Begeisterung sind und Twitter. die Grundpfeiler für journalistisch anspruchsvolle Ergebnisse aus jugendli- mitmachen@politikorange.de

Projektteam politikorange Judith Langowski, Maja Herzog, Inga Dreyer Projektbetreuender Vorstand Maximilian Gens (m.gens@jugendpresse.de) Julian Kugoth (j.kugoth@jugendpresse.de) Bildredaktion Alexander Naumann (alex.naumann@gmail. com) Laura Lubahn (lauralubahn@me.com) Layout Maxi Unger (maxiunger@outlook.com) Redaktion Dennis Beltchikov, Jana Borchers, Christina Braun, Helene Fuchs, Felicia Herrmann, Maja Herzog, Marcel Kupfer, Janine Ponzer, Hannah Trulsen, Sabrina Winter Druck: Bechtle Verlag und Druck GmbH & Co. KG Auflage: 6 000 Exemplare Wir danken der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld (BMH) und der Hannchen-Mehrzweck-Stiftung für Homosexuelle Selbsthilfe (hms), die das Projekt mit ihrer Förderung ermöglicht haben. Ein herzlicher Dank gilt auch allen unseren Gästen, Referentinnen und Referenten für die kenntnisreichen, spannenden und persönlichen Einblicke, die sie uns in das Themenfeld gewährt haben: Katrin Gottschalk, Markus Ulrich (LSVD), Hannah Trulsen, Andrea Heubach, Lisa Ludwig, Tasnim Rödder, Tania Hagn (dgti), Maxi und Sandrao, Daniel Abma, Cornelia Möhring, Renate Künast, Roman-Francesco Rogat und Matthias Steuckardt. Ein Dank gilt außerdem der Friedrich-Naumann-Stiftung, Sergei Gubanov und allen anderen, die das Projekt mit ihren Ideen unterstützt haben,sowie dem gesamten Team der Jugendpresse Deutschland.

hms Hannchen Mehrzweck Stiftung schwul-lesbische Stiftung für queere Bewegungen

DIE POLITIKORANGE-REDAKTION AM LETZTEN WORKSHOP-TAG IM BÜRO DER JUGENDPRESSE

Foto: Alexander Naumann

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Illustration: Inga Dreyer und Maxi Unger

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politikorange *Innen_Leben  

Im Rahmen unseres Workshops „Gender, Identitäten & Politik“ vom 17. bis 20. August 2017 in Berlin entstand diese Ausgabe. Viel Spaß bei der...

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