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SZ ich mag fussball Monats-SchĂźlerZeitung der freien Waldorfschule UhlandshĂśhe #5/2011

nicht gerne, weil mein papa immer fussball schaut und das ist langweilig


Inhalt

Editorial ............................................................................................................................ 3 Sommermärchen Reloaded!......................................................................................... 4 Hochverehrte Schulleitung ........................................................................................... 7 Thema Fußball .............................................................................................................. 8 Der Schulhof zum Thema ............................................................................................ 1 0 Die olympischen Spiele 2011 ..................................................................................... 12 Fünf Wochen in Bolivien .............................................................................................. 1 4 Eindrücke aus Florenz ................................................................................................. 18 Infos ................................................................................................................................. 20

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Impressum SZ – monatliche Zeitung von und für Schüler; Organisation: Tamalone, 11b; Leonora, 11b; Lea, 11b; Hannah, 11b; Pauline, 11a; Artikel und Fotos von Schülern der Freien Waldorfschule Uhlandshöhe; gestaltet von Pauline, 11a;

Druck und Heftung: mühl am Eugensplatz www.muehl-am-eugensplatz.de; Diese Ausgabe wird gesponsert von WELEDA; V.i.S.d.P.: Pauline Franz c/o Freie WaldorfschuleUhlandshöhe Haußmannstr. 44 70188 Stuttgart e-mail: sz@of-uhlandshoehe.de


Editorial

Diese Ausgabe hätte eigentlich noch während der FrauenWM herauskommen sollen... naja fast geschafft :-) Aber so ist das nun mal, man weiss nie, was passiert und so kommt die Zeitung eben jetzt heraus, nachdem die Sieger schon fest stehen. Was kann man also rückblickend sagen? Von den deutschen Frauen haben wir schon ein bisschen mehr erwartet, oder? Andererseits war das auch eine ungewohnte Situation für die Damen, mit den Publikumsdimensionen... mehr zum Frauenfußball auf Seite 4-6. Was beim Thema Fußball natürlich nahe liegt, ist das Fußballverbot an unserer Schule. Warum eigentlich alles kein Problem ist? Seite 7 Auf dem Schulhof sind die Meinungen geteilt: Es gibt echte „Macherinnen“, sexy Oberschenkel und Fußballfans (Seite 10-11) In der Rubrik Persönlich gibt es dieses Mal einen Gastbeitrag: Ein Schüler der Waldorfschule auf den Fildern berichtet von seinem Sozialpraktikum in Bolivien (Seite 14-17). Unser Poet David wird nach Berlin ziehen. Vielleicht gibt’s ja andere Künstler an der Schule, die die Zeitung in Zukunft mit Beiträgen schmücken werden? Und vielleicht schickt auch

David uns dann und wann mal wieder eines seiner Haikus nach Stuttgart! Die Sommerferien sind ja nun zum Greifen nah. Für die Oberstufe gibt’s vorher noch die Projekttage, bei denen ihr alle viel Spaß haben werdet! Wir hoffen, dass es mit der SZ nach den Ferien genauso gut weitergeht wie bisher! Oder noch besser? Schöne Ferien!! Eure SZ-Redaktion

E-mail: sz@of-uhlandshoehe.de Auf der Homepage des Oberstufenforums: of-uhlandshoehe.de könnt ihr euch die Zeitung auch als Pdf-Datei herunterladen und uns eure Meinung in Form von Kommentaren schreiben!

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Sommermärchen reloaded!

Ein Sommermärchen Samstag, 8. Juli 2006, 22.45 Die Straßen in ganz Deutschland sind überfüllt, überall sind Flaggen zu sehen- an Häusern, Autos und Gaststätten. Es ist 22.45 Uhr, plötzlich liegen sich wildfremde, überglückliche Menschen in den Armen. Sie haben in den letzten 90 Minuten als Nation vereint einen ständigen Wandel an Emotionen erlebt. Diese Erfahrung hat sie zusammengeschweisst und ein unvergleichbares Gemeinschaftsgefühl in ihnen geweckt. Jeder kann sich daran erinnern; das Fussballsommermärchen 2006, obwohl wir doch eigentlich mit dem 3. Platz nur “Weltmeister der Herzen” waren.

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Frauenfussball Vom 26.Juni bis zum 17.Juli 2011 haben wir die Möglichkeit ein solches Sommermärchen noch einmal zu erleben- ein Sommermaerchen, welches sich meiner Meinung nach nicht mit dem 3. Platz zufrieden geben wird! (Dieser Text wurde noch vor Beginn der FrauenWM verfasst) Die derzeitige deutsche Fussballnationalmannschaft der Frauen ist zweifacher (2003, 2007) und amtierender Weltmeister und siebenfacher Europa-

meister. Neben den USA ist sie die erfolgreichste Frauenmannschaft der Welt. Grosse Chancen nutzen Die Fussballweltmeisterschaft in Deutschland ist eine unvergleichbare Chance den Frauenfussball populärer zu machen. Zumeist wird dieser von Männern nur belächelt und sofort als „langsam“ und „langweilig“ abgestempelt. Meiner Meinung nach ist dies ein schlichtes Vorurteil. Jeder, der sich internationalen Frauenfussball ansieht muss zugeben, dass dies in der Regel Spiele voller Taktik, schöner Tore und durchdachter Spielzüge sind. Es machen lediglich Kraft und Körpergewicht den Unterschied zum Männerfussball aus. Ich glaube es ist an der Zeit die Männerdomäne des Fussballs von ihrem Thron zu stossen. Deshalb rate ich jedem sich während der Weltmeisterschaft ein eigenes Bild vom Frauenfussball zu machen und sich nicht mit Vorurteilen zufrieden zu geben. Warum Fussball? In Deutschland schafft es wohl kaum ein anderer Sport Menschen so sehr zu fesseln und zu begeistern wie der Fussball. Doch warum? Warum gelingt dies ausgerechnet einem


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einfachen, primitiven Sport, einem Sport, den alle sofort verstehen können, einem Sport, der überall und von jedem mit geringem Aufwand gespielt werden kann? Es ist seine Primitivität. Ob Investmentbanker, Strassenbahnschaffner oder Grundschullehrer- er ist für jedermann zugänglich. Die sozialen Stände werden für einen Moment aufgehoben, scheinen sogar gänzlich zu verschwinden unter dem Einfluss des Fussballs. Doch nicht nur bei einem 90minütigen Fussballspiel der Nationalmannschaften entsteht dieses Gemeinschaftsgefühl. Nein, es ist in jedem kleinsten Fussballverein dauerhaft vorhanden. Man gewinnt und verliert, man steht und fällt miteinander, man spielt und kämpft miteinander, man geht gemeinsam an seine Grenzen. Allein hat man keinen Erfolg. Durch das Vertrauen, welches man sich gegenseitig entgegenbringen muss entsteht eine innige Freundschaft, eine zweite kleine Familie, ein unglaublicher Teamgeist.

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Ein paar Fakten zum Schluss: Wusstest du, dass… …jeder Mensch der Erde statistisch gesehen ca 5 Spiele der Weltmeisterschaft im Fernsehen ansieht? …in ärmeren Ländern, wie z.B. Brasilien, Fussballstar zu werden eine der wenigen Möglichkeiten ist den Armenvierteln zu entrinnen? …die Sportart Fussball in Deutschland von ueber 6 Millionen Spielern in 27.000 Fussballvereinen ausgeübt wird? …das Maskottchen der Frauenweltmeisterschaft 2011 die Katze Karla Kick ist? …Frauenfussball bis zum 31. Oktober 1970 vom DFB verboten war? …im Jahr 2006 fast doppelt so viele Mädchenteams am Spielbetrieb teilgenommen haben wie zwei Jahre zuvor? …es für den Weltmeistertitel der Frauen 2007 pro Spielerin eine Praemie von 50.000 Euro gab, für einen Heimsieg bei der Männerweltmeisterschaft 2006 wären es dagegen pro Spieler 300.000 Euro gewesen? von Elena, 11a Foto: Lilith, 10a


Hochverehrte Schulleitung! Eine Satire

Hochverehrte Schulleitung, ich möchte mich mit diesem Brief für die Erlaubnis Fußball zu spielen einsetzen. Ich habe selbstverständlich Verständnis dafür, dass Sie auf Grund der enormen Anzahl an Toten und Verletzten durch Fußballunfälle in den letzten Jahren große Bedenken hegen, doch diese sind völlig unnötig, da die Unfälle allesamt nicht durch unkontrolliertes Eindreschen junger Füße auf einen geradezu steinharten Ball, sondern durch das sinnlose Herumstehen unmotivierter und bewegungsfeindlicher Kinder verschuldet wurden. Auch habe ich gelernt, dass die Hand, wie natürlich auch schon unser allwissender Waldorfpapst Rudolf Steiner wusste, für uns Menschen ein persönlicheres Körperteil ist wie der Fuß. Um Fußball also persönlicher zu gestalten, schlage ich vor, dies als

sechsstündiges Epochenfach einzuführen und am Ende der Schulzeit eine Abschlussprüfung in personalisierter Fuß-Handhabung anzubieten. Die alternative Anhängerschar der Waldorfbewegung wäre begeistert. Sie können diesen Vorschlag natürlich gerne an die Bildungsbehörde weiterleiten. Falls man Sie von dort an eine psychiatrische Klinik weitervermitteln sollte, empfehle ich Ihnen eine Einrichtung mit Sportplatz. Der dortige Rollrasen ist selbstverständlich auf biologischer Basis hergestellt, aus Angst vor selbstmordgefährdeten, grasessenden Waldorflehrern. Also ist doch eigentlich alles kein Problem, oder? Mit freundlichen Grüßen, Hannah, 9a Illustration: Pauline, 11a

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Thema: FuSSball

Warum ist Fußball an unserer Schule verboten? Es gibt wohl kaum eine Klasse, die an dieser Frage nicht verzweifelt. Immer wieder stoßen sich Schüler an dem Verbot, ohne zu verstehen, warum. Eine ordentliche Erklärung? Fehlanzeige! Also haben wir uns gedacht, wir führen einfach Mal ein freundliches Interview. Paul und Jeong Yeob aus der 11b haben sich mit einem Lehrer unserer Schule zusammengesetzt und ein sehr interessantes Gespräch geführt. Super, dachten wir. Der Lehrer fand das nicht. Er bat uns darum, das Gespräch in der Fassung, wie wir es aufgefasst hatten, nicht abzudrucken und schickte uns eine neue, selbstgeschriebene Version. Das wiederum möchten wir nicht abdrucken, da es kein echtes Gespräch mehr ist. Schade, dass zu diesem Thema noch immer keine normale Kommunikation möglich ist... Pauline, 11a

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Der SchulHof zum Thema: Interviews: Paul, 13. Klasse Foto: Makito, 11a

Clara, 7b: Ich spiele manchmal Fußball auf der Straße. Fußball anschauen tu ich selten, ins Stadion geh ich nicht. Meine Lieblingsmanschaft? Deutschland vielleicht. SZ: Frau Vizen, werden sie sich Spiele der FrauenWM anschauen? Frau Vizen: Nein. Ich habe noch nie, weder Fußball noch sonst was, lieber angeschaut als selber gemacht. Ich bin die Macherin! Ich war früher Handballspielerin und habe nie Spiele angeschaut, sondern nur selber gespielt. SZ: Spielen sie auch Fußball? Frau Vizen: Nein. Carla, 2b: Ich mag Fußball nicht gerne, weil ich das schrecklich finde und weil mein Papa immer Fußball schaut und das ist langweilig. Leichtathletik mag ich lieber. Carlo, 7b: Ich finde, dass Fußballspielen hier in der Schule erlaubt sein sollte, z.B. auf dem Turnplatz. Im Sportunterricht muss es aber nicht sein. Iris, 10a: Fußball spielt für mich eine nicht so große Rolle, weil es für mich eher Geldmacherei ist. Ganz selten schaue ich es an, nur manchmal mit meinem Vater. Eine Lieblingsmannschaft habe ich nicht wirklich, aber wenn würde ich vielleicht Juventus wählen. Aron, 5b: Ich spiel gerne Fußball, vor allem mit Freunden. Für die Frauen Fußball WM interessiere ich mich nicht. SZ: Aber die Männer Fuball WM interessiert dich? Aron: Ja. SZ: Warum interessiert dich die Frauen WM weniger als die Männer WM? Aron: Die Frauen WM ist nicht so bekannt und die Männer WM interessiert mich einfach mehr. Die Bundesliga interessiert mich jetzt nicht so, aber die Championsleague und die WM schon. Mein Lieblingsverein ist Barcelona und bei der WM Brasilien, für Deutschland bin ich nicht so. Sophie, 13 Klasse: Fußball spielt keine Rolle in meinem Leben, weil ich den Sport einfach nicht interessant finde. Ich muss aber einräumen, dass manche Fußballspieler sexy sind. 10


Letizia, 2b: Also ich mag Fußball nur manchmal, wenn es nicht zu schwer ist, aber ins Stadion geh ich nicht. Herr Wais: Natürlich schau ich mir die Spiele der FrauenWM an! Zwischen Frauenfußball und Männerfußball gibt es einen großen Unterschied. Man sieht, dass die Frauen zwar technisch besser geworden sind aber es gibt noch einen großen Abstand, vor allem fehlt die Kraft. Loreen, 10a: Ich finde, dass die FrauenWM noch mehr in die Medien muss. Man hört ja immer nur was von den Männern aber von den Frauen wenig. Und das ist ja meistens bei allen Frauensportarten so, dass sie in den Medien nicht so berücksichtigt werden. 11


Schulisch Die olympischen Spiele 2011

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Ringen, Weitsprung, 50m-Lauf, Diskuswerfen und Speerwerfen, das waren die Disziplinen die wir seit Beginn der 5 Klasse im Sportunterricht erlernten. Auf unserer Klassenfahrt in Oberibach haben wir dieses Können dann noch vertieft um uns auf die olympischen Spiele vorzubereiten. In Oberibach war es „Oberwitzig“ – Herr Leinz z.B. hat uns angewiesen beim Speerwerfen die Telefonleitungen über dem Sportplatz zu treffen. Oberanstrengend war der Ausflug an den kalten Ibach und unglaublich Oberlecker war das Essen von Frau Jaafar und Frau Korkmatz – die beiden standen bereits um 5 Uhr morgens auf, um für uns alle zu kochen. Am Samstag den 4. Juni 2011 war es dann soweit. Die 5a und 5b trafen sich mit Ihren Eltern morgens um 8.00 Uhr im Stadion in Untertürkheim. Wir hatten Glück mit dem Wetter – es war sehr schön. Die Eltern bereiteten das griechische Büffet vor, während wir Kinder schon sehr aufgeregt waren. (Auch wenn es wohl nicht jeder zugeben wollte). Als alle da waren, spielten die Orchester Kinder die Eröffnungs-Fanfare. Dann stellten sich die Städte: Sparta, Theben, Athen, Delphi und Korinth in

fünf Reihen auf. Wir haben eine kurze Gymnastikübung gemacht, die vordersten Kinder bekamen eine Fackel für den Fackellauf. (Es hieß zwar Fackellauf, war aber eher ein Fackelrennen). Viele waren danach schon außer Atem, obwohl es erst der Anfang der Olympiade war. Jede Stadt bekam Blätter mit den


nächsten Aufgaben. Korinth fing mit Ringen an, Theben mit Diskuswerfen, Sparta mit dem 50 m – Lauf usw. Zwischendurch konnten wir trinken und uns mit leckerem Obst stärken. Am Ende gab es noch den Staffellauf und die Siegerehrung. Jeder bekam eine schöne Urkunde und einen „Lorbeerkranz“ aus Efeu.

Es gab noch ein gigantisches Siegerbüffet für alle und eine riesig lustige Wasserschlacht. Danach gingen alle klitsche nass nach Hause. Am Ende hat Sparta dann doch gewonnen, Athen wurde zweiter und Korinth dritter. von Marielle und Tamara, 5. Klasse Foto: Helga Fabritius 13


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Personlich 5 Wochen in Bolivien

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Eigentlich wollte ich mein Sozial- und Industriepraktikum auf einem Ökodorf in Sachsen- Anhalt machen. Doch als mein Vater in der Stuttgarter Zeitung eine Suchanzeige für Gasteltern von Austauschschülern aus Kolumbien entdeckte, schlug er mir vor bei der in Stuttgart ansässigen Organisation nachzufragen ob man in Bolivien auch ein Praktikum machen könne. Die Idee gefiel mir von Anfang an gut, da ich schon viel von Südamerika gehört hatte und mich die Kultur und die Menschen dort sehr interessierten (vielleicht war es auch ein bisschen so ein Abenteuer-Feeling was mich dazu antrieb). Die deutsche Schule in Bogota wollte jedoch nicht die Verantwortung für einen einzigen deutschen Schüler übernehmen, noch dazu wenn dieser nicht in die Schule gehen würde. Doch noch im selben Telefongespräch wurde mir angeboten mein Praktikum in Santa Cruz, Bolivien, zu machen da dort schon länger Schüleraustausch- Erfahrungen mit einer deutschen Schule bestanden. Ich war einverstanden und so bereitete ich mich die nächsten 6 Wochen mit einem Spanisch-Crashkurs, Impfungen, Reisepassbeantragung etc. darauf vor. Erst 20 Stunden vor Abflug bekam ich die endgültige Bestätigung, dass mich jemand vom Flughafen ab-

holen und alles klappen würde. In Santa Cruz angekommen war ich überrascht, auf so einem kleinen Flughafen zu landen, da ich mir den Flughafen einer 2 Millionenstadt etwas größer vorgestellt hatte (später erfuhr ich, dass es der größte in Bolivien ist). Bei der Passkontrolle in der 20 Meter großen Haupthalle gab es einige Komplikationen, da ich zig Einreiseformulare ausfüllen musste und die Polizisten kein Englisch konnten. Auf einmal waren jedoch alle Papiere vergessen und ich wurde an den anderen Passagieren vorbei nach draußen geführt. Dort erwartete mich die Freundin einer Lehrerin der deutschen Schule, von der ich späte erfuhr das sie den Polizisten einfach gesagt hatte, sie sollten mich durchlassen. Von Ihr erfuhr ich auch, dass ich nicht -wie bisher geplant- in einer Bäckerei arbeiten sollte, da dafür meine SpanischKenntnisse noch zu schlecht waren, sondern in einem Kinderheim namens „Mano Amiga“ (Freundeshand). Damit war ich „wunschlos glücklich“, da ich mir von Anfang an gewünscht hatte etwas mit Kindern zu machen zu können. Die ersten 2 Wochen wohnte ich bei dieser Freundin, da in meinem späteren Haus, dem Haus der Volontäre, noch kein Platz für mich war. Als


ich dann das erste Mal nach Mano Amiga ging, waren die Kinder anfangs zurückhaltend und etwas schüchtern. Sie fragten mich nach meinem Namen, wo her ich käme und was ich hier mache. Meine Namen lernten sie nie auszusprechen und mit der Zeit hatte ich an die 10 unterschiedliche Namen wie: Bogis, Mogge, Muis, Mogli, Mosgo usw. Als sie hörten, dass ich aus Deutschland komme, machten sie nur große Augen. Als ich am nächsten Tag wiederkam, freuten sie sich total und alle rannten auf mich zu und umarmten mich. In den nächsten Tagen lebte ich mich gut ein, half in der Küche, beim Putzen und allen möglichen anderen Arbeiten. Mit meinem Spanisch war es am Anfang etwas schwierig, doch schon bald wurde es besser, da mir die Kinder alles total geduldig und mit Händen und Füssen erklärten.

Meine Tage begannen morgens gegen 8 Uhr in Mano Amiga. Da war das Frühstück gerade zu Ende und es wurden allgemeine Aufgaben verteilt: Geschirr abspülen, Schlafsaal ausfegen, Toiletten sauber machen oder den Flur wischen. Danach gingen die Kinder im Alter von 6- 13 Jahren in die heimeigene Schule. Manchmal half ich den Lehrern dort, doch fand ich deren Aufgaben oft sinnlos: Manche Kinder hatten z.B. als Aufgabe, die Zahlen von 200 bis 400 aufzuschreiben. Andere bekamen ein Wort oder einen Namen in ihr Heft geschrieben, den sie dann etwa 30-mal abschreiben sollten. Wenn das Ziel dieser Übung das Schönschreiben gewesen sein soll, so wurde es meiner Meinung nach total verfehlt, da die Kinder die Wörter einfach so „abmalten“ wie die Erzieher sie ihnen, mit ihrer Sauklaue und

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ohne auf eine schöne Schrift geachtet zu haben, hingeschrieben hatten. Am Schluss kam dann meist irgendeine wellenförmige Linie heraus. Gegen 13 Uhr gab es Mittagessen. Danach durfte ich eine Stunde Mittagspause machen, da ich als einziger Betreuer den ganzen Tag im Heim war. Anfangs legte ich mich oft irgendwo im Garten unter einen Baum, doch schon bald kamen die Kinder, denen es riesig Spaß machte mich mit einem Grashalm zu kitzeln. So ging ich mittags immer öfter ins Haus der Volontäre, das etwa 50 Meter vom Heim entfernt war. Ab 15 Uhr gab es eine Zeit von etwa 2 Stunden in denen die Kinder von den Erziehern Matheaufgaben oder Schreibübungen bekamen. Bei den Matheaufgaben hatten fast alle Multiplikationsaufgaben zu erledigen. Es überraschte mich, dass alle „Rechentabellen“ hatten, sodass die Ergebnisse nur noch durch Nachschlagen ermittelt werden mussten. Beim Durchsehen der Aufgaben stellte ich fest, dass das Niveau total unterschiedlich war. Manchen gelangen die Aufgeben spielend, andere vertauschten noch die einzelnen Zahlen (statt 49 schrieben sie 94). Mit der Zeit stieß ich auf immer neue Probleme: Wie bringt

man einem Kind bei, dass 1+ 0= 1 ist und nicht 10? Auch konnten manche Kinder mir nicht ohne langes Überlegen sagen, was 8+2 ist. Ich versuchte es ihnen mit Hilfe von Stiften (als Kastanienersatz) zu erklären. Manchmal rechnete einer 10 Minuten an einer schriftlichen Addition (z.B. 394+34) und als ich ihn am Schluss fragte, was denn nun das Ergebnis sei, sah er mich nur groß an. Es fehlte ihnen irgendwie an einer Art Gesamtüberblick über das, was sie da rechneten. Nach dem Unterricht gab es noch einmal Freizeit, in der oft und viel Fußball gespielt wurde. Um 7 Uhr war es dann Zeit zum Abendessen. Mein Arbeitstag endete danach. Ein besonderes Erlebnis für mich war ein Spaziergang zu einem Fluss am Rande von Santa Cruz. Die Sonne schien, es war ein warmer und trockener Tag. Wir liefen wir etwa eine Stunde durch den Berufsverkehr, über vierspurige Straßenkreuzungen und 10 Meter breite Abwasserkanäle aus der Stadt. Der Fluss hatte ein sehr breites und flaches Bett, in dem nur in dessen Mitte ein wenig Wasser floss. Bald entstand eine wilde Wasserschlacht (ich wollte gar nicht wissen, woher das Wasser kam) und es


war schön, zu erleben wie glücklich die Kinder schon durch ein bisschen Wasser und gutes Wetter sein können. Nach etwa 1 1/2 Stunden gingen wir erschöpft und pitschnass zurück zum Heim. Ein anderes Mal fuhren wir (15 Erwachsene und 50 Kinder) mit 2 Taxis und einem Pick-up! in den Zoo. Wir packten einfach so viele Kinder wie möglich in die Taxis und den Rest stellten wir möglichst eng auf die Ladefläche des Pick-ups. Insgesamt hat mir die Arbeit mit den Kindern sehr viel Spaß gemacht, auch wenn mir während der Schulzeit teilweise etwas langweilig war. Überrascht hat mich, dass die Kinder von Anfang an total freudig und offen auf einen zukamen. Andererseits war es auch abschreckend wie schnell und mit welcher Gewalt die Kinder sich stritten. Manchmal konnte ich nur mit viel Kraft zwei sich prügelnde Kinder trennen. Santa Cruz liegt östlich der Anden am Eingang zur Amazonastiefebene auf ca. 437m. Ich war erstaunt wie extrem stark dort große Marken wie Coca Cola, Nestle oder Tigo (riesiger Telefonkonzern in ganz Südamerika) im Stadtbild vertreten sind. Ich denke, dass gerade durch diese Konzerne die

alle circa in den letzten 40 Jahren aus dem Westen nach Bolivien kamen, die Menschen dort teilweise einfach den falschen Umgang mit vielen Dingen gelernt haben. Auf einmal war alles da und wurde übergestülpt: Wenn man vorher z.B. den Kompost im Garten vergraben hatte machte man das mit dem Plastikmüll jetzt auch. Andererseits haben die Leute dort vielleicht auch ganz andere Probleme, als sich Gedanken über ihre Müllentsorgung zu machen. Wir hier im Westen müssen uns nicht mehr täglich überlegen, wie wir etwas zu essen bekommen. Umweltschutz, so scheint es ist etwas für Reiche. Ich würde jederzeit nochmal solch ein Praktikum machen und ich kann es jedem der irgendwie die Gelegenheit dazu hat auch nur wärmstens empfehlen. Allerdings würde ich mir wünschen dort eine feste Aufgabe oder einen festen Verantwortungsbereich zu haben, aber dafür war der Aufenthalt dieses Mal wohl zu kurz. Moritz, 11. Klasse Freie Waldorfschule auf den Fildern Gutenhalde

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Eindrücke aus Florenz entstanden im Schullandheim der 12b Zeichnung: Joachim, Haiku: David

Der Blick zum Gegner rufend – und lebendige Seite zeigen Mut Lockende Haare Mit energischem Gesicht Sein Ziel vor Augen Selbstbewusster Blick Die Schleuder um sein Rücken gewunden zum Wurf Klar, glatt gegliedert Der Marmor glänzend im Licht Lebendig doch kalt


Infos Die Schülerzeitung „Blitz“ der Michael-Bauer-Schule hat zusammen mit einigen Schülern der Uhle ein gemeinsame Online- Ausgabe herausgebracht. Schaut sie euch unbedingt an!!! Zu finden ist sie unter folgenden Adressen:

www.blitzzeitung.de www.of-uhlandshoehe.de 25. und 26. Juli

Oberstufentage „Bewegung“ 17. - 24. Juli. 2011 Die Aufführungen des

Circus Calibastra www.calibastra.de 22. Juli 2011

Balkanspezialitäten 22:00 Uhr in den Wagenhallen 30. Juli 2011

Stuttgart Kaputtraven im Keller-Klub In der

Staatsgalerie gibt es in den Ferien Workshops für Kinder und Jugendliche: www.staatsgalerie.de

SCHÖNE FERIEN!!! 19



Schülerzeitung der FWS Uhlandshöhe