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NO 2 | DEUTSCHLAND 3,00 € eis-welten.de

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2015

Welten n 2

NEUE

FOTO-TIPPS FÜR

EISKALTE ZONEN

Den NORDEN sehen

Das ganz persönliche Logbuch einer Expeditionsreise nach Spitzbergen

Tagebuch aus der Kälte Die abenteuerliche Reise eines jungen Deutschen um 1900 nach Spitzbergen

Ein BÄR als KULTURGUT


Husky-Touren Erlebnis-Wochen Polar-Lichter Abenteuer-Wochen

ERLEBNISREISEN

Huskywoche für Einsteiger

Die schönsten

ab € 1.798 pro Person im DZ inkl. Vollpension & Flug

Wintererlebnisse im hohen Norden

Fotos: © Iso-Sjöte; Visit Finland; IStock_ joelclements

polar-erlebnisreisen.de

Beratung & Buchung: +49 (0)5032 - 80 100 50 Willkommen zum Wintervergnügen im schneesicheren Norden Europas! Skandinavien im Winter bietet mit seinen tief verschneiten Wäldern und zugefrorenen Seen, Rentieren, Huskys und mystischen Nordlichtern eine magische Anziehungskraft. 2 Wenn Sie den echten Winter suchen, sind Sie hier goldrichtig.


Editorial

Ehrfurcht

zulassen

H

eute macht man in Gegenden Urlaub, in die man früher nur als Soldat oder Schiffbrüchiger gekommen ist“, heißt es. Stimmt. In Zeiten, in denen man eine Reise in den abseitigsten Winkel der Welt pauschal beim Discounter buchen kann, sollte man sich den Luxus der Erreichbarkeit kurz vor Augen halten. Und den Fluch.

Den Norden sehen

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Der Wille zu ziehen 20

Das trifft insbesondere die Polargebiete. Vor 100 Jahren war eine Reise in Richtung der Pole ein Abenteuer und die Zahl derer, die es auf sich nahmen, überschaubar. Kaum ein Normalsterblicher hätte im Traum daran gedacht, je mal den 80. Breitengrad zu überqueren. Die Welt aus Eis und Schnee blieb einsam. Heute ist es vergleichsweise einfach. Selbst ohne jahrelange Vorbereitung erreicht man solche Traumorte wie das Packeis oder kann Wale und Eisbären bei ihrem Tagesgeschäft beobachten.

Lassen Sie sich wieder in die Polarregionen entführen. Ganz entspannt. Zuhause. In dieser Ausgabe berichten wir Ihnen wieder aus der Kälte. Begleiten Sie uns auf der MS Quest. Und erfahren Sie, wie der Eisbär Teil unserer Kultur geworden ist.

Peter Laufmann fordert zum Staunen auf. Ein Bär als Kulturgut

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Tagebuch aus der Kälte 48

Viel Spaß mit den neuen Eis-WELTEN

wünscht Ihnen

PS: Gerne senden wir Ihnen die Eis-WELTEN kostenfrei ins Haus. Einfach unter www.eis-welten.de/abo.html das Formular ausfüllen und absenden.

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Das Polar-Virus

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Fotos: © Cover Michael Martin; Roger Meyer; Peter Laufmann privat

Dabei sollte der Reisende sich aber nicht täuschen lassen; die Polarregionen verlangen heute vielleicht nicht mehr Kälteresistenz und die Bereitschaft, monatelang unterwegs zu sein. Aber sie bedürfen unserer Umsicht. Jeder, der in die Arktis oder Antarktis reist, sollte in dem Bewusstsein fahren, dass er einen fragilen Lebensraum besucht. Dazu gehört: Verantwortung übernehmen. Sie nicht anderen überlassen. Keine Spuren hinterlassen. Außer Fußabdrücken. Nichts mitnehmen. Außer einmaligen Bildern, Gerüchen, Stimmungen, Ehrfurcht. Wer sich in dieser wilden Landschaft bewegt, ist gut beraten, dieses Gefühl zuzulassen. Inne zu halten. Zu staunen. Und wenn er heimkommt, soll er davon erzählen. Soll er zum Botschafter werden für die eisige Welt. Dabei wird er vielleicht auch seine eigene Umwelt mit anderen Augen sehen und seinen Umgang mit Ressourcen.


d e h s u cr Brandheiße

NEWS

SCHIFFSWRACK

Franklin Expedition entdeckt

Der gute Franklin. Seit er 1845 aufgebrochen ist, um die Nordwestpassage zu finden, hat man nichts mehr von ihm gehört. Das Schicksal seiner Expedition ist eines der großen Rätsel der Entdeckungsgeschichte. Vergangenen Herbst hat man sein Schiff, die HMS Erebus, in der Victoria Strait im Norden Kanadas wiedergefunden. Zusammen mit dem anderen Schiff der Expedition, der HMS Terror, war sie wohl 1848 vom Eis eingeschlossen und aufgegeben worden. Keiner hat überlebt. Der Fund ist ein weiteres Teilchen in dem Puzzle, um nach mehr als 150 Jahren zu dE klären, was damals geschah.

Eine Meldung aus Spitzbergen

VORSICHT!

Schnabel! In Longyearbyen gehören sie zum Stadtbild, doch mancher Besucher erlebt beim ersten Mal eine Überraschung. Da geht man nichts ahnend am Ufer des Adventdalen oder in Richtung Eisbär-Warnschild und kann sich gar nicht satt sehen, plötzlich giftet einen ein taubengroßer Vogel an. Und nicht nur, dass er zetert, nein, er stößt herab, zielt auf den Kopf. Es ist eine Küstenseeschwalbe, die da nicht nur Scheinangriffe fliegt. Auch wenn der Vogel dadurch rabiat erscheint, er verteidigt lediglich sein Nest und sobald man seinen gefühlten Sicherheitsbereich verlassen hat, lässt er von einem ab. Wer versehentlich hineingerät, dem sei nur empfohlen, Hand, Stativ, Gewehr oder Stock über den Kopf zu halten – die Küstenseeschwalbe attackiert die höchste Stelle. Manchmal lässt er auch etwas Exkremente über dem Störenfried fallen. Aber das tut wenigstens nicht weh. Christian B ruttel

PINGUINE ZÄHLEN

Eins, zwei, drei, vier Pinguin! Wissenschaft lebt von Daten. Und da die Auswertung vieler Daten arbeitsintensiv und damit teuer ist, bitten Forscher immer mal wieder Laien ihnen zu helfen. Vorzugsweise bei Arbeiten, in denen es um pures Zählen oder Markieren geht. Über die Seite penguinwatch.org kann jeder mithelfen. Selbst wenn er in Bodenwerder, Vilsbiburg oder Unterhaching wohnt. Online gilt es auf Bildern Pinguine zu markieren. Kinderleicht und doch sehr nützlich. Populationen können so schnell erfasst werden. dE

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crushed

3x WEM GEHÖRT DER NORDPOL?

GEWINNSPIEL für UNTERKÜHLTE Zocker

Das arktische Monopoly ist in vollem Gange. Dänemark erhebt Anspruch auf 900000 Quadratkilometer in der Arktis. Das Königreich, zudem bereits das teilautonome Grönland gehört, will sich damit ein Stück vom arktischen Kuchen sichern. Denn im hohen Norden werden immense Bodenschätze vermutet. Das Gefeilsche dreht sich um historische Rechte und geologische Spitzfindigkeiten. Wo endet ein Kontinentalsockel und damit der Anspruch auf ein Stück des Meeresbodens? dE

RÄTSEL Was weht denn da?

2014 © ParksCanada; Hagen Held; Antarppley Expeditions; N. Savelyev PAV; W. Kuhnert; I. Terger privat; IStock_ 3drenderings

= ––– Früher galten Flaggensignale als das Kommunikationsmittel auf See. Was sie zu sagen hatten, war Allgemeinwissen unter Seeleuten. Was kodiert diese Flagge? Einfach die Antwort an redaktion@eis-welten.de oder an die Redaktion Eis-Welten, Mittelstraße 2, 31535 Neustadt. Unter den drei richtigen Antworten verlosen wir drei Exemplare „Eisbären“ (siehe auch unsere Geschichte ab S. 28. Ein liebevolles Porträt und umfangreiches Nachschlagewerk zu den Königen der Arktis.

Eissplitter von Formen und Farben aus der kalten Welt

Eine Kolumne von Ilona Terger

SCHWIMMENDE LAMPEN

Mechthild und Wolfgang Opel: Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis. Mana-Verlag. 352 Seiten, 24,80 € Einsendeschluss ist der 21. März 2015. Der Rechtsweg ist selbstverständlich ausgeschlossen.

Blau ist das Leuchten seiner

Taschenlampen und rötlich der zarte Körper. Grünbraun sind die Kieselalgen, die er unterm gleißend weißen Eis verspeist. Die Glupschaugen schwarz. Schwimmt ein Blauwal vorbei, ist es aus mit seinem bunten Leben. Die Rede ist vom Antarktischen Krill, der in riesigen Schwärmen lebt. Ein Krill schwimmt niemals allein. Wenn doch, hat er sich verirrt. Dann helfen die Glühlampen, die jedes Tier am Körper trägt. Der Verlorengegangene erkennt die blauen Lichtsignale der Genossen und findet eilends zurück. Ein trauriges Grau wäre auf der Farbpalette noch zu entdecken. Diesen Anstrich gibt sich der kleine Krebs aber nur, wenn die Winterdepression ihn befällt. In jenen rabenschwarzen Monaten, in denen er notplanmäßig seinen Körper samt Stoffwechsel schrumpft. Kaum schafft es die Sonne wieder über den Horizont – zunächst mit rötlichem Dämmern und bald schon mit goldenen Strahlen – spürt der Krill Lust auf ein Tänzchen, er blinkt und man findet sich. Hakt das Männchen sich mit einer Borste bei einer Dame unter, beginnen sie wild zu rotieren und schon bald sinken zehntausend befruchtete Eier in den dunkelblauen Ozean hinab. In 1000 Metern Tiefe beginnt der abenteuerliche Aufstieg, während dem die Larve zig Mal ihren Panzer abwirft – um schließlich als Leuchtgarnele rosa zu schimmern, im Schwarm das Meer rot zu färben, blaue Blitze zu senden und im Winter ein wenig zu grau zu werden.

GRÖNLANDWAL

Das Geheimnis langen Lebens Als John Ross 1818 die Nordwestpassage suchte und dabei Grönland passierte, könnte er ihnen begegnet sein: den Kälbern von Grönlandwalen. Während der gute Ross schon lange tot ist, könnten die Kälber von damals immer noch herumschwimmen. Wissenschaftler um João Pedro de Magalhães von der University of Liverpool haben jetzt Hinweise darauf gefunden, warum Grönlandwale mit 200 Jahren den Altersrekord unter den Säugetieren halten. Sie tragen zwei besondere Gene in sich, die das Erbgut reparieren können und so Krebs vorbeugen. Als nächstes wollen die Forscher das Gen bei Mäusen einschleusen. dE

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Faszinierende Eisskulpturen lassen sich am besten aus dem Zodiac fotografieren.

Den Norden SEHEN

Albert Rohloff reiste 2014 mit der MS Quest nach Spitzbergen. Dort entstand sein ganz persรถnliches Logbuch einer faszinierenden Reise.

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Den Norden sehen

Fotografiert von Marcus Klimek mit einer Canon EOS-1D C Brennweite: 35,0 mm

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Ein hinreiĂ&#x;endes Motiv: ein Walross rekelt sich auf einer Eisscholle.

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Den Norden sehen

Fotografiert von Albert Rohloff mit einer Panasonic DMC-FZ10 00 Brennweite: 9,1 mm

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Walrosse lieben es am Strand zu liegen und einfach zu verdauen.

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Den Norden sehen

Fotografiert von Marcus Klimek mit einer Canon EOS-1D C Brennweite: 214,0 mm

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Wunderbare Lichtstimmung am Murchisonfjord.

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Den Norden sehen

Fotografiert von Norbert Rosing mit einer Canon EOS-1D X Brennweite: 14,0 mm

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2014 © Marcus Klimek; Christian Bruttel; Saskia Travert (S. 15)

Wale gehören zu den eindrucksvollsten Begegnungen im Norden.

Endlich! Der ersehnte Besuch des Königs der Arktis, ein unvergesslicher Moment!

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Den Norden sehen Ein Garant für MAXIMALEN ERLEBNISWERT MS Quest Passagiere: max 52 Kabinenanzahl: 24 Eisklasse: A1B (Rumpf = A1A) Länge: 49,9 m Breite: 10,8 m Tiefgang: 3,50 m Crew: 26 Expeditions-Team/Lektoren: 5 Arzt an Bord: Ja

Logbuch einer außergewöhnlichen Kreuzfahrt

von Albert Rohloff

Drei Stunden dauert der Flug von Oslo nach Longyearbyen. Vom Norden in den hohen Norden ist es ein weiter Weg. Mit dem Sinkflug über dem Archipel, das in Gänze Svalbard heißt und dessen Hauptinsel Spitzbergen ist, erhält man eine erste Ahnung von dem, was einen erwartet. Wie ein Segler schwebt die Maschine über eine weiß-braune Insel- und Hügellandschaft hinweg, die in flachem Abendlicht liegt. Wie Sterne verzweigen sich die Gletscherzungen zwischen den Tundra-Anhöhen dem tiefblauen Meer entgegen. Der Jet landet auf dem Flughafen eines 2000-Seelen-Dorfs. Die Luftanbindung des Hauptortes der Svalbard-Inselgruppe ist unerlässlich. Das Meer ist bei weitem nicht immer eisfrei. Und das Straßennetz von Longyearbyen misst 42 Kilometer. An den Ortsgrenzen ist Schluss mit dem PKW. In Longyearbyen lässt jeder seinen Schlüssel im Zündschloss. Longyearbyen ist eine Mischung aus Souvenirladen-Standort, Expeditionscamp und Studentenviertel. Dabei war der Ort ursprünglich vom Kohle-Abbau bestimmt. Heute ist

nur noch eine einzige Zeche in der Nähe der Stadt in Betrieb, die hauptsächlich der Versorgung des eigenen Kraftwerkes mit Steinkohle dient. Studenten erfüllen den Ort mit Leben. Die University Centre on Svalbard ist die nördlichste höhere Lehranstalt der Welt. Hier werden Bachelor- und Master-Studiengänge in arktischer Biologie, Geologie, Geophysik und Technologie angeboten. Es lohnt sich, den Abend in einer der Studentenkneipen zu verbringen. Aber Achtung: Das Bier ist teuer in Longyearbyen! Im Hafen liegt stahlblau die MS Quest. Die Quest ist ein ehemaliges Linienschiff, das zwölf Jahre entlang der Küste von Grönland fuhr. Seit einem vollständigen Umbau zum Expeditionsschiff im Frühjahr 2004 wird sie für Expeditionsseereisen eingesetzt. Die Quest verfügt nach ihrem Umbau über insgesamt 26 Außenkabinen und Suiten und hat Platz für maximal 52 Passagiere. Schon diese Zahlen zeigen, dass dies keine gängige Kreuzfahrt ist. Das Schiff läuft am Abend mit leichter Verspätung aus. Das gesamte Equip-

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ment des international bekannten Naturfotografen Norbert Rosing war während seines Fluges nach Spitzbergen auf der Strecke geblieben und musste nachgeliefert werden. Planänderungen aber sind bei einer Expeditionskreuzfahrt nicht die Ausnahme, sondern die Regel.

"Wale gesichtet auf halb elf" Eisfelder können die Route versperren. Die Sichtung eines Eisbären oder einer Wahlross-Gruppe bedeutet für Kapitän Joachim Saterskog: Alle Maschinen Stop! Geplant wird bestenfalls für den kommenden Tag. Das ist keine Einschränkung für die Reisenden, sondern eine Bereicherung. So auch bereits eine Stunde nach dem Auslaufen. Die stets muntere Stimme von Therese Horntrich, einer der sechs Guides für die etwa 45 Passagiere an Bord, meldet: „Wir haben Wale gesichtet auf halb elf!“ Wenige Minuten später versammeln sich die Passagiere auf dem Bug-Deck. Jeder mit einer


Die Fotokamera immer am Anschlag, auf der Suche nach dem perfekten Bild.

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2014 Š Saskia Travert; Albert Rohloff; Marcus Klimek; Christian Bruttel

Das Stengellose Leimkraut zaubert bunte Farbkleckse in den sommerlichen Tundraboden.


Den Norden sehen

academy Schlau gemacht.

Vögel sind die häufigsten Vertreter der Tierwelt in der Arkti s

langen Brennweite vor der Kamera, nicht wenige nutzen ein Stativ. Es sind gut ein halbes Dutzend professionelle Fotografen an Bord. Kapitän Joachim, der wie alle auf der Quest per Du angesprochen wird, lenkt sein Schiff hinter die Gruppe von Meeresriesen, die sich als Blauwale herausstellen. Die Quest dreht langsam bei. Immer wieder richtet Joachim die Quest neu aus, um den mächtigen Tieren nicht nur möglichst nahe zu kommen, sondern auch, um sie ins rechte Abendlicht zu rücken. Jedes Mal, wenn in sichtbarer Nähe eine Fontäne aufsteigt, geht ein Raunen durch die klickende Menge. Noch füllen die lang geschwungenen Buckel nicht den Ausschnitt. Doch das sollte sich ändern. Die ersten wechseln hastig das Objektiv von der langen zur mittleren Brennweite. Nun will jeder die Flosse sehen – die so genannte Fluke. Gespanntes Mitzählen. Erstes Auftauchen - zweites – die erfahrenen Fotografen rufen: „Der kommt noch einmal!“, bevor er zum steilen Abtauchen die mächtige Flosse aus dem Wasser reckt. Ja!

In Kaskaden fließt das Wasser von der Fluke herab – im Gegenlicht der Abendsonne! Sperrfeuerartiges Verschlussgeknatter aus zig Kameragehäusen. Und danach strahlende Gesichter und beseeltes Lachen. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass sich den Optiken der Mitfahrer ein imposantes Bild bietet. Sei es die Front des Alkefjellet, einem Felsen, der auch im September noch tausenden von Dickschnabellummen, Dreizehenmöwen und Eissturmvögeln einen Nistplatz bietet, sei es die Abbruchkante des Brasvellbreen, des drittgrößten Gletscher der Welt, oder seien es „Fototermine“ mit Bartrobben, Eisbären oder Walrossen. Letzteren näherte sich die Expeditionsgruppe zu Fuß. Das Land erreicht man per Zodiac, einem ausgesprochen robusten Schlauchboot, das etwa zwölf Personen Platz bietet. Gummistiefel sind Pflicht. Trockenen Fußes geht es nie vom Zodiac ans Land. Ab dann herrschen durchaus strenge Regeln. Zunächst sichtet einer der Guides mit dem Fernglas die Umgebung. Die Guides sind bewaffnet. Auf Svalbard ist es gesetzlich verboten, geschlossene Ort-

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FOTOTOUR: SpitzbergenUmrundung 2015 Auf den Zodiacfahrten und den Landausflügen dieser Spitzbergen Reise werden Sie viel Zeit bekommen, Ihr persönliches Spitzbergen zu entdecken. Dank der fotografischen Begleitung von Norbert Rosing und Marcus Klimek können Sie diese Momente zudem optimal mit Ihrer Kamera einfangen. 24.07.2015 bis 05.08.2015 12 Nächte Max. 52 Passagiere Hin-/Rückflug nach/von Spitzbergen inkl. umfangreiche Inklusivleistungen Preis pro Person ab 7.650 €

schaften unbewaffnet zu verlassen. Ist kein Eisbär in Sicht, gehen die übrigen an Land. Aber es gilt, zusammen zu bleiben. An der Spitze und am Ende der Gruppe ein wachsamer Guide. Zwar kommt nie ein Gefühl der Bedrohung auf, doch Sicherheit geht vor. Eine weitere Regel folgt dem Butterfly-Prinzip. „Verlasse die Natur genau so, wie Du sie vorgefunden hast!“ Kein Schnipsel Papier wird fallen gelassen, keine Pflanze gepflückt. Wie ernsthaft diese Regel von allen Besuchern dieser im Wortsinne unberührten Natur befolgt wird, zeigt sich am Verhalten der Tiere. Walross-Kolonien schlafen unbeeindruckt von einigen Dutzend Fotografen weiter. Rentiere grasen ohne jede Furcht, derweil die Gruppe schweigend – nein – andächtig durch das Rudel hindurch geht. Ein Polarfuchs untersuchte gar neugierig eine Fototasche und machte es sich kurzzeitig auf ihr bequem. Eine Bartrobbe stand geduldig Modell, als sich ihr vier vollbesetzte Zodiacs mit dem Paddel bis auf wenige Meter näherten. So entstanden Bilder


Fachsimpeln mit

Nor bert

2014 © Marcus Klimek

Die Wahl des richtigen Objektivs ist entscheidend für die Qualität der Fotos.

Ein neugieriger Polar fuchs mit großem Interesse für Fotoausrüstungen.

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Den Norden sehen

Bilder, die niemals gelöscht, niemals vergessen werden !

auf Speicherkarten und in den Köpfen, die niemals gelöscht, niemals vergessen werden. Bei der Begegnung mit Eisbären hingegen ist die Furcht auf Seiten der Menschen. Das kuschelig aussehende aber gewaltige Tier ist und bleibt ein Raubtier. Die Quest aber war sicheres Terrain und eisgängiges Vehikel zugleich, um sich dem unangefochtenen König Spitzbergens zu nähern. Und das geschah im Schritttempo. Nie wissend, wann es dem Koloss gefällt, sich zu trollen, knatterten die Verschlüsse schon, wenn das Tier durch den Sucher bestenfalls Stecknadelkopfgröße hatte. Doch es sollte auf dieser Reise auch gelingen, ihn ausschnittfüllend abzulichten – im goldenen Abendlicht! Bei all diesen Erlebnissen war Unterkunft und Verpflegung an Bord der Quest eigentlich nebensächlich. Nicht für die Crew! Zwar waren die Kabinen nicht zu vergleichen mit denen eines Luxusliners. Aber sie waren hinreichend geräumig und

sämtlich mit einer Nasszelle ausgestattet. Und dass Stunden auf dem Zodiac oder an Land auf felsigem Boden hungrig machen, war dem Koch nur zu bewusst. Zum Frühstück gab‘s denn auch deftigen Speck, mittags ein reichliches Buffet und abends ein üppiges DreigängeMenü, das Chef-Steward German Cayasso via Bordlautsprecher nicht selten mit einem a-capella-Liedchen ankündigte. Zeit genug, es sich auch richtig gut gehen zu lassen. Auch wenn die Reise nicht für jeden Geldbeutel erschwinglich ist – Luxusurlauber waren das nicht, die sich da für zehn Tage auf der Quest zusammenfanden. Ihnen allen war bewusst, was Guide Therese auf den Punkt brachte: „Ich bemerke auch, dass die Gletscher sich von Jahr zu Jahr zurückziehen. In wenigen Jahren wird der Nordpol regelmäßig im Sommer eisfrei sein.“ So einte alle an Bord der Wunsch: Man wollte den Norden sehen – solange es ihn noch gibt. Albert Rohloff

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BUCHTIPP: „Inseln des Nordens“ ist eine Einladung in den hohen Norden. Großartige Naturfotografie verleitet zum Staunen und Träumen. Selten erlebt der Betrachter die fragile Schönheit des Nordens so unmittelbar – es sei denn, er bereist sie selbst. Preis: € 29,95 inklusive Versand innerhalb Deutschlands ISBN: 978-3-00-047655-6 Bestellen unter: www.inselndesnordens.de


Husk ys sind Ausdauerprofis, sie fülen sich in der Bewegung am wohlsten.

„Der

zu ziehen“ 20

Fotos © Eräkeskus

Wille


Interview

Eine Unterhaltung über Huskys Wer mit Schlittenhunden durch den Schnee reist, erlebt eine einzigartige Teamarbeit. Und nach der Arbeit ist Kuscheln angesagt. Die Schweizerin Simone Kuhnt betreibt in Finnland eine Husky-Farm. Wir sprachen mit ihr über Hundeschlittentouren in Nord-Karelien.

Eis-Welten: Nord-Karelien. Die meisten Menschen müssen erst einmal in den Atlas gucken, um diese Ecke Finnlands zu finden. Wie hat es Dich hierhin verschlagen? Simone: Es musste wohl so kommen. Ich bin schon von klein auf ein Hunde-Narr und mit ihnen aufgewachsen. Dann habe ich in der Schweiz Irish Setter gezüchtet und auch ausgebildet, schließlich Hunde-Psychologie studiert. 1992 hatte ich das Glück, zum ersten Mal eine Schlittenhundetour mitmachen zu dürfen. Da war es um mich geschehen, ich war sozusagen mit dem Virus infiziert und konnte diese Athleten nicht mehr aus dem Kopf bringen. Es folgte eine Anstellung auf einer Huskyfarm in Lappland. Danach war ich fast jeden Winter dort oben mit Hunden unterwegs. Eis-Welten: Was macht Nord-Karelien so besonders? Simone: Finnland ist per se ideal, um so einen Traum zu leben. Die Landschaft ist einerseits dünn besiedelt, andererseits gibt es eine gute Infrastruktur mit Flug- und Zugverbindungen. Man kann hier mitten im Nichts wohnen und ist doch relativ schnell in der Zivilisation. Und Nordkarelien deshalb, weil es vor zehn Jahren noch nahezu unberührt war, insbesondere was Huskys angeht. Es gab keine großen Farmen mit 400 bis 600 Hunden, nicht in jeder Siedlung

fand sich ein Anbieter. Zum Glück sind auch heute noch wirklich einsame Touren möglich. Eis-Welten: Wie viele Schlittenhunde leben in Eräkeskus? Und wie viele Menschen? Simone: Momentan 140 Hunde; das heißt inklusive Haushunde, Veteranen und Junghunde. Gut 110 davon arbeiten auf regelmäßigen Touren. Vier bis acht Menschen wohnen hier, je nach Saison. Eis-Welten: Was bedeutet der Name Eräkeskus? Simone: Zentrum der Wildnis. Eis-Welten: Wie passend. Wenn man die Bilder Eurer Hunde ansieht, hat man das Gefühl einer bunten Truppe. Nicht alle Schlittenhunde sehen aus, wie man sich einen Husky vorstellt. Was muss ein „idealer Schlittenhund“ mitbringen? Simone: Der ideale Schlittenhund? Das hängt zumindest nicht vom Aussehen ab. Der ideale Schlittenhund hat vor allem den Willen zu ziehen, zu rennen. Das fördern wir. Nach der Arbeit gibt es Belohnungssuppe. Der Hund würde aber in 99 Prozent der Fälle auch ohne diese Motivation rennen, einfach aus Freude. Natürlich braucht so ein Hund einen robusten Körperbau. Er sollte keine Gelenkprobleme oder andere Gebrechen haben. Wichtig ist auch ein

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warmer Pelz, der ihn vor der Kälte hier schützt. Schließlich soll der Hund freundlich gegenüber Menschen sein und sozial innerhalb des Rudels. Der Rest, also Farbe, Ohrstellung, Augenfarbe, Größe sind da nur nebensächlich. Eis-Welten: Welche Rassen verbergen sich grundsätzlich dahinter? Simone: In fast jedem heutigen Schlittenhund sind noch Anteile der traditionellen Rassen. Häufig von Sibirian Huskies oder Malamuten, seltener von Grönländern oder Samoyeden. Der gängigste Schlittenhund ist der sogenannte „Alaskan Husky”, welcher ein Mix aus den oben erwähnten Urtypen mit anderen lauffreudigen, gesunden, robusten Hunden ist. Oft werden Setter, Pointer, Jagdhunde oder auch Windhunde reingezüchtet, aber auch Border Collie oder Schäferhund wurden versucht. Eis-Welten: Sieht man Euren Hunden den Spaß an der Arbeit an? Simone: Was für eine Frage (lacht). Schon wer die Hunde beim Einspannen sieht, wird von ihrer Freude angesteckt. Es geht sogar noch weiter: Hunde, die an einem Tag nicht mit können und nur zusehen müssen, wie ihre Gefährten eingespannt werden, scheinen mir richtig enttäuscht und frustriert zu sein. Eis-Welten: Was erwartet den Gast bei Euch? Simone: Eine unvergessliche Woche mit aktiver Mithilfe im ganzen Hunde-Bereich und unterwegs. Wir führen unsere Touren nur in Kleingruppen durch, ohne ScooterBegleitung und jeder Gast hilft, „sein” Hundeteam zu betreuen. Auch hier in der Basis sind Gästeunterkunft und Zwinger direkt nebeneinander, so dass viele Gäste sich auch nach der Tagestour


Fotos © Eräkeskus

Nach der Schlit tentour durch die e Landschaf t gibt es als erstes hneit versc als Belohnung für die Hunde. Snack einen

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Interview

Die Schlittenhunde schlafen auch im Winter bei bis zu - 30° C draußen – im kuscheligen Strohbett kein Problem.

Barents See

Iceland

Polark

reis

N o r t h Nurmijärvi

A t l a n t i c

Norwegen

R u s s l a n d

Finnland

Schweden

O c e a n

Helsinki

Nordsee

noch in die Zwingeranlage begeben, mitan. Kommt zusätzlich noch Wind dazu, helfen beim Füttern oder Putzen. Manch sind wir schnell Dänemark bei gefühlten minus 30 Ireland einer verbringt auch einfach mit seinen Grad. Deshalb ist eine gute, mehrschichtige Hunden noch eine Kuschelstunde oder geht Bekleidung wichtig, wovon wir die äußerste, mit ihnen spazieren. Jeder Gast wird bei uns winddichte Schicht zur Verfügung stellen. United Kingdom sehen, dass die Hunde hier nicht nur ArbeitsMützen sollten die Ohren komplett abdetiere oder Kapital sind, sondern beinahe als cken, das Gesicht Neth.kann mit einer GesichtsFamilienmitglieder behandelt werden. maske geschützt werden, Füße stecken in Germany Eis-Welten: Gibt es Menschen, denen drei bis vier Paar Socken und auch HandBelgium Lux. Du von einer Huskysafari abraten würdest? schuhe sind mindestens doppelt getragen. Simone: Jeder muss selbst wissen, ob er Eis-Welten: Wie schnell fährt so ein Czech Rep. mit Hunden umgehen möchte. Und Respekt Hundeschlitten? vor Hunden ist ok, wer aber wirklich Angst Simone: Die Durchschnittsgeschwindigvor ihnen hat, sollte davon absehen, da er keit auf Tour liegt bei rund 15 StundenkiloSwitzerland zwangsläufig mit Hunden direkt Kontakt metern, manchmal etwas mehr. Höchstgehat und zwangsläufig mit anfassen muss. schwindigkeit direkt nach Start oder bei Ansonsten kann jedermann so eine Ferienperfekten, harten Trails in flachem Gelände woche mitmachen. Gäste von 9 Jahren bis beträgt 25 Stundenkilometer. 76 Jahren haben schon mit viel Spaß an den Eis-Welten: Was ist Deiner Meinung Programmen teilgenommen. Wichtig ist die nach die schönste Reisezeit? Freude an der Natur und den Tieren. Simone: Mein Favorit ist Mitte Februar Eis-Welten: Die Touren finden zu einer bis Mitte März Zeit statt, in der es naturgemäß Winter ist. Eis-Welten: Was ist für Dich das fasziWie kalt wird es auf dem Schlitten? nierendste an deinen Hunden? Simone: Es kann sehr kalt werden. Wenn Simone: Obwohl sie im Rudel draußen es minus 15 Grad kalt ist, fühlt sich das leben, hat jeder Hund einen starken Bezug mit dem Fahrtwind bei normaler Schlittenzu Menschen. Sie lassen sich gerne lange Geschwindigkeit schon wie minus 25 Grad streicheln und kuscheln. Der Wille, Topleis-

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Estland Baltische See tung zu erbringen und doch so verschmust

zu bleiben, ist beiLatvia den Schlittenhunden einfach einmalig. Dazu kommt, dass jeder Hund seinenLithuania eigenen Charakter hat und Russia man auf jeden einzeln und anders reagieren muss. Das macht die Arbeit mit ihnen Belarus so spannend und einzigartig. Und das spürt auch derjenige, der nur für ein paar Tage Poland mit diesen einmaligen Tieren unterwegs 0 500 Miles sein darf. 0 500 Km Slovakia

REISETERMINE: Sa. - Sa. / So. - So. von Januar - April Buchen können Sie die Husky-Touren bei Polar-Erlebnisreisen.de Ansprechpartner dort ist Anne Kiel, neben der Reiseberatung kümmert sie sich um das Produktmanagement für die Polar-Erlebnisreisen und findet die schönsten Orte und Touren für IHRE nächste Winterexpedition. Beratung & Buchung: +49 (0) 50 32 - 80 100 50


Fototipps

HEISSE FOTOTIPPS FÜR

EISKALTE ZONEN

Die beste aller Fotoausrüstungen!

– Ja klar. Aber welche ist das denn jetzt? In modernes Kameraequipment kann man ein Vermögen stecken – und doch sind die Ergebnisse oft unbefriedigend. Das muss nicht immer am Fotografen liegen; wie man die beste Ausrüstung für sich findet und warum die Pixelzahl nicht alles ist.

Isabel Hodiamont

Isabel arbeitet seit Jahren bei unserem Partner AC-Foto und kann Stunden mit Naturfotos verbringen. „Ich freue mich, wenn Kunden mir begeistert von einer gelungenen Aufnahme berichten“.

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ie Diskussion ist so alt wie die Fotografie selbst: Was ist eine gute Kamera und was muss sie können? Doch seit der Zeit der Kollodium-Nassplatten hat sich einiges getan und heute dreht sich alles um Bits und Bytes beim Fotografieren. Die digitale Fotografie ist das Werkzeug für den Profi, den Gelegenheitsfotografierer und den ambitionierten Amateur. Doch die Fragen sind dieselben. Und auch heute gilt: Bedürfnisse und Technik müssen aufeinander abgestimmt sein. Am Anfang schien die digitale Welt so einfach: Pixel mussten es sein. Möglichst viele. Dann werden die Bilder super. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass diese Rechnung zu einfach ist. Die Sensoren in den Kameras fassen nicht unendlich viele Pixel. Schlimmer: Wenn Pixelzahl und Sensorgröße in einem Missverhältnis stehen, kommt es schnell zu dem sogenannten Bildrauschen, weil der Sensor sich zu sehr aufheizt. DAS BILD HÄLT NICHT, WAS DIE PIXELZAHL VERSPRICHT. Die Sensorgröße ist folglich einer der entscheidenden Faktoren beim Kamerakauf. Brauche ich eine Vollformatkamera oder reicht mir APS-C? APS-C Sensoren sind kleiner, auf

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Ihnen wird daher, grob gesagt, nur ein Ausschnitt des Bildes einer Vollformat-Kamera festgehalten. Dies hat zwei allerdings entscheidende Vorteile: Das Motiv erscheint näher, man spricht von einem Brennweitenverlängerungsfaktor von circa 1,6. Außerdem wird nicht der gesamte Bildkreis von Vollformatobjektiven ausgenutzt, Randunschärfen fallen in diesem Fall weniger ins Gewicht. Vollformat-Sensoren haben jedoch auch überragende Vorteile: Durch den größeren Sensor ist die Bildqualität deutlich besser. Es gibt weniger Bildrauschen. Der große Sensor ermöglicht außerdem ein kreatives Spiel mit Schärfe und Unschärfe. Die Krux ist, dass sich zwar alle für Vollformat gedachten Objektive an APS-C Kameras nutzen lassen, es andersherum jedoch nicht so einfach ist. Objektive für APS-C Kameras sind kompakter und leichter gebaut. Der Bildkreis ist an den Sensor angepasst, deshalb passen diese Objektive baulich nicht an Vollformatkameras. Was nicht immer ein Nachteil ist, denn ein APS-C System ist daher kompakter und leichter als Vollformat. Und Gewicht kann zu einem wichtigen Faktor werden, wenn man stundenlang durch die Tundra wandert.


DOCH AUCH DAS GELD IST NICHT ALLES. Immer wieder wird die Qualität einer Ausrüstung mit ihrem Preis gleichgesetzt. Die EOS 1Dx von Canon ist zum Beispiel das absolute Topmodell, sobald es um AF-Geschwindigkeit und Bildqualität geht. Ein bekannter Naturfotograf schwärmte mir gegenüber einmal, er habe zwar viele gute Kameras, aber der Sensor der 1Dx würde den Bildern eine ganz spezielle Seele einhauchen. Das geht allerdings nur dann, wenn man sein Handwerkszeug auch beherrscht. Und wenn das Zubehör stimmt. Im Beratungsalltag bekomme ich manchmal Bauchschmerzen, wenn Kunden schier unerfüllbare Wünsche äußern. Sie würden gerne eine EOS 5D kaufen und dazu dann gerne ein 18-300er Telezoom. Da kann ich nur sagen: Gibt es nicht. Und das ist auch gut so. Nach wie vor gilt die Faustregel, dass ein großer Zoombereich und eine ausgezeichnete Bildqualität nicht unbedingt kompatibel sind. Und wenn doch beides möglich ist, dann hat das seinen Preis. Zum Beispiel das Canon EF 200-400 mit seiner überragenden Bildqualität.

MS Stockholm

n

ersone das Juwel für 12 P

Wichtig im Zodiac:

Wasserdichte Gehäuse und KameraTaschen.

Spitzbergen 2015

Arktis zum anfassen!

13 bzw. 14 Tage 07.08. bis 19.08.2015 | 26.08. bis 08.09.2015

Auf der kleinen MS Stockholm begegnen Sie der Tierwelt Spitzbergens auf Augenhöhe • Umrundung Nordaustland • Hin-/Rückflug nach/von Spitzbergen inkl. • Anlandungen an sonst kaum zugänglichen Orten! • Umfangreiche Inklusivleistungen Fotos © JP Lahall; Simon Bober

Neben der Sensorgröße gibt es aber auch andere Dinge zu bedenken. Etwa, ob mir Abdichtungen am Gehäuse wichtig sind. Benötige ich die Kamera für Studioaufnahmen, in der Natur oder beim Sport? Was für Spezialobjektive sind für mich interessant und bietet das gewählte System diese überhaupt? Und vor allem: Was bin ich bereit zu investieren?

Beratung & Buchung

+49 (0)5032 - 80 100 50 Fietz GmbH Polar-Kreuzfahrten verkauf@polar-kreuzfahrten.de

polar-kreuzfahrten.de


Fototipps

Kamera und Objektiv

müssen zueinander passen

Natürlich eröffnet eine HighendKamera wie die EOS 1 Dx ihrem Fotografen Möglichkeiten, die weit über die anderer Kameras hinausgehen. Wegen des herausragenden AF, der Serienbildgeschwindigkeit und vielen anderen Profi-Features können damit Bilder entstehen, die mit einfacheren Kameras einfach nicht möglich sind. Doch auch die beste Kamera macht keine perfekte Bilder, wenn ich sie nicht richtig beherrsche. Oder wenn ich einfach lieber im Automatikmodus fotografiere.

FAZIT: Welches ist denn nun die beste Fotoausrüstung? In erster Linie eine, die ich perfekt beherrsche, eine Ausrüstung, die mich bei dem, was ich vorhabe, unterstützt. Das ist für den professionellen Tierfotografen vermutlich eine EOS 1 Dx mit mehreren professionellen Objektiven. Das ist für den talentierten aber finanziell noch nicht gut ausgestatteten Anfänger vielleicht eine EOS 70D mit ein paar anständigen Objektiven. Oder für den engagierten Reisenden eine EOS 7D Mk II. Welche Kamera auch immer, das Auge macht das Bild. Pixel, Sensoren, Objektive, Abdichtungen, Klappdisplays und alle anderen technischen Dinge sind lediglich dazu da, den Fotografen in seiner Kreativität zu unterstützen. Gute Bilder entstehen zu allererst im Kopf, nicht nach der Aufnahme am Rechner. PS: Wenn man sich bei der Beherrschung seines Equipments noch nicht so sicher ist, hilft ein guter Workshop übrigens wirklich weiter. Unter der Anleitung eines kompetenten Trainers findet man immer neue Möglichkeiten an seiner Kamera heraus. Eine Ausrüstung ist schließlich erst

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dann die beste, wenn man ein Motiv fotografieren kann, wenn es einem vor die Linse kommt – und nicht erst die richtigen Einstellungen dafür suchen muss. ALSO: Lassen Sie sich bei der Anschaffung Ihrer Ausrüstung gut beraten. Und bleiben Sie neugierig! Hören Sie nicht auf, Ihre Kamera kennenzulernen und profitieren Sie vom Wissen anderer! Damit IHRE Fotoausrüstung zu der für Sie besten wird. Ihr Team von AC-Foto

Das Foto im Blick:

Seit der Gründung

von AC-Foto 1999 arbeiten wir jeden Tag daran zu beweisen, dass Service und Internetversand einander nicht ausschließen, sondern sich perfekt ergänzen können. Mit einem Fokus auf ambitionierte Amateure und Profis unterstützen wir jeden bei der Auswahl und Zusammenstellung einer für ihn perfekt abgestimmten Ausrüstung. Selbst wenn Sie im Ausland schnell eine neue Kamera benötigen – wir bringen sie auf den Weg. Besuchen Sie uns unter www.ac-foto.com oder rufen Sie uns an: (0241) 30007

Fotos © Marcus Klimek; Norbert Rosing

Ganz wichtig: Kamera und Objektive müssen qualitativ zueinander passen. Ein einfaches Zoom an einer hochwertigen Kamera ist, schlicht gesagt, rausgeschmissenes Geld. Ein hochwertiges Objektiv an einer einfacheren Kamera allerdings ist wesentlich sinnvoller. Auch hier gilt wie vor 100 Jahren, dass die Bildqualität in erster Linie durch das Objektiv bestimmt wird. Wenn ich mit meiner Kamera zufrieden bin, und ich stehe vor der Wahl, ob ich in ein neues Gehäuse oder in ein neues Objektiv investiere, ist letzteres in der Regel die bessere Wahl.


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Ein Bär als KULTURGUT Eisbären sind längst Teil eines gesellschaftlichen Allgemeinguts. Auch wenn die wenigsten Menschen einen dieser Könige der Arktis je in seinem natürlichen Umfeld gesehen haben, sind die Tiere allgegenwärtig. Für die Ureinwohner der Polarregionen war er hingegen Alltag, Nachbar, Beute, manchmal Feind. Mechthild und Wolfgang Opel haben sich in ihrem Buch mit vielen Facetten des Eisbären auseinandergesetzt. Wir zeigen daraus, was für eine besondere Rolle er für die Inuit spielte.

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iele Inuit glaubten, der erste Eisbär sei eigentlich ein Mensch gewesen, der nur eine Bärenhaut angelegt hätte, um sich zu tarnen. Ein abgehäuteter Bär ähnelt in seiner Form sehr der Gestalt eines Menschen, und man nahm an, dass Eisbären auch wie Menschen leben können. Deshalb gab es die Regel, das Fleisch eines getöteten Bären, demgegenüber man merkwürdige Gefühle empfand, nicht zu essen. Weil der Eisbär so ein kraftvolles Tier sei, sollten kranke Menschen besser kein Eisbärenfleisch essen, denn das könne die Krankheit verschlimmern. Die Inuit-Jäger betrachteten Nanook auch als weise. Durch genaue Beobachtung lernten sie sogar von ihm: Sie übernahmen seine Techniken der Robbenjagd auf dem Eis ebenso wie seine Ausdauer und Geduld. Genau wie der Eisbär bewegten sie sich auf Reisen in gemessenem, gleichmäßigem Tempo. Von Forschern, die Inuit als Führer anheuerten, wurden sie dafür manchmal zu Unrecht als faul und bequem kritisiert, aber nur diese Methode erlaubte ihnen, extrem lange und beschwerliche Wanderungen über große Entfernungen durch unwegsames Terrain durchzustehen. Übrigens benutzten die Inuit gern die Wanderpfade der Eisbären, denn stets erwiesen sie sich als die praktischsten und gangbarsten Wege durch schwieriges Gelände.

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Ein Auszug aus „Eisbären – Wanderer auf dünnem Eis“ von Mechthild und Wolfgang Opel. Seit vielen Jahren ist das Autorenpaar in Sachen Eisbär unterwegs und hat in seinem Buch zahlreiche Spökenkiekereien und umfangreiches Wissen zusammengetragen. Es erzählt von ersten Begegnungen zwischen Mensch und weißem Bären, von ihrer Rolle in der Inuitkultur und was Eisbären für uns bedeuten. Eisbären. Mana-Verlag. 352 Seiten, 24,80 €

Eisbärenfell an einem Haus in Upernavik, Grönland

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as besondere Verhältnis der Arktisvölker zum Eisbären findet seinen Ausdruck auch in der Sprache. Ein Wort reicht nicht aus, um den König der Arktis zu benennen. Im Dialekt der Netsilik in der zentralen kanadischen Arktis wird ein trächtiges Eisbärweibchen arnaluk genannt, die neugeborenen Jungen hagliaqtuq, und auch die folgenden Stadien des Heranwachsens haben eigene Namen. Das Junge, das die Größe seiner Mutter erreicht hat, heißt namiaq, ein erwachsener weiblicher Eisbär ohne Nachwuchs heißt tattaq, ein ausgewachsenes männliches Tier anguraq.6 Ähnlich differenziert werden die Eisbären auch anderswo in der Arktis bezeichnet: Bei den Tschuktschen gibt es über 20 verschiedene Bezeichnungen, die die jeweiligen Lebenszusammenhänge der Tiere beschreiben. „Nenenel’yn heißt die säugende Eisbärmutter, turk’liketyl’yn ein jungerwachsener, dreijähriger Bär, ymel’yn ist der Eisbär, der über Land wandert, wohingegen al’ek’atyl’yn sich im Wasser bewegt, nygsek sagt man zu einem erwachsenen männlichen Tier mit weißen Eckzähnen, und mervel’yn ist der hungrige, dünne und erschöpfte Eisbär“.

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Sammelkarten aus den zwanziger Jahren

on einem Eisbären getötet zu werden, wurde nicht nur als ein tragisches Unglück gesehen; manche betrachteten es auch als ein dem Eisbären zukommendes Opfer. Einen Eisbären zu töten, war ein bedeutendes Ereignis, das eine anschließende zeremonielle Versöhnung mit dessen Geist erforderte. Legenden besagen, dass der Geist eines getöteten Eisbären, der vom Jäger angemessen und sehr höflich behandelt wird, den anderen Eisbären davon berichtet, sodass diese begierig sind, ebenfalls von ihm getötet zu werden, sich hingegen von solchen Jägern fernhalten, die ihnen den Respekt verweigern. Natürlich gab es in den verschiedenen Regionen und kulturellen Gruppen der Arktis unterschiedliche Nuancen in der Ausübung solcher Rituale und Zeremonien. Beispielsweise wurde dem erjagten Eisbären – eigentlich seinem „Geist“ oder seiner „Seele“ – Respekt erwiesen, indem das Fell für einige Tage einen Ehrenplatz in der Behausung erhielt. War es ein männliches Tier, bot der Jäger ihm Werkzeuge dar, wie vielleicht Messer oder Bogenbohrer; die weibliche Bärenseele hingegen wurde mit Fellschaber oder Nadelbehälter geehrt. Manchmal wurde behauptet, dass der Eisbär sich freiwillig töten ließ, um zu solchen Werkzeugen zu kommen, die ihm nützlich sein könnten, wenn er (sein Geist) menschliche Gestalt annimmt.

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Waren die für dieses Ritual vorgeschriebenen Tage vergangen, wurden die Geschenke für die Eisbärenseele auf dem Fußboden verstreut, und die Kinder mussten sie so schnell wie möglich aufheben; wer am meisten davon eingesammelt hatte, würde bald ein guter Eisbärenjäger werden.

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in anderer Brauch bestand darin, oberhalb des Eisbärenschädels direkt über der Nase ein Seil mit einer Harpune, etwas Speck und Fleisch und einem Stück Fell aufzuhängen – alles für die Seele des Bären, die sich nun auf die Wanderung begab. Erst nach fünf Tagen durfte das „Arrangement“ entfernt werden. Zudem mussten die Knochen des Bären, nachdem das Fleisch verzehrt worden war, gesammelt und beim Schädel des Tieres aufgehäuft werden. Der Schädel musste am Fenster liegen, Augen und Nase nach innen gerichtet. In anderen Regionen wurde er mit der Nase nach oben aufgehängt. Während einer wenige Tage andauernden Tabuzeit nach dem Erlegen des Tieres waren wichtige Arbeiten, wie das Nähen neuer Fellkleidung, verboten, nur die notwendigsten Tätigkeiten durften verrichtet werden. Wie Ausgrabungen auf den St. LawrenceInseln (Alaska) gezeigt haben, muss es in einer alten Kultur des Beringmeeres zu Beginn unserer Zeitrechnung üblich gewesen sein, dem Jäger Schädel und Knochen von Eisbären mit ins Grab zu geben, ein Zeichen für den hohen ideellen Wert solcher Trophäen. Bei den Inuit ist es heute noch Sitte, dass ein junger Jäger den Schädel seines ersten Eisbären jahrelang aufbewahrt; in manchen Fällen wird er auch einem besonders verehrten Familienangehörigen geschenkt.

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ei den Tschuktschen war die Eisbärenjagd bereits reguliert, bevor die Regierungen entsprechende Gesetze und Regeln erließen. Da die Tschuktschen glaubten, dass sie und die Eisbären gemeinsame Geister haben, durfte kein Bär ohne Genehmigung des ältesten Jägers der Gruppe getötet werden. Schon vor der Jagd waren verschiedene Rituale nötig, und nachdem der Eisbär erlegt war, durfte von den Bewohnern der Siedlung eine gewisse Zeit lang kein anderer Bär getötet werden, und dem Geist des Bären wurde noch einige Monate lang die Ehre erwiesen. Falls der Bär auf dem Eis getötet wurde, sollte er stets mit dem Kopf in Richtung Küste liegen, damit sein Geist dorthin zurückkehren und dabei den Jägern Glück bringen konnte.

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m die Seele des Eisbären nicht zu beleidigen, hatten die Yupik in Nordostsibirien ein besonderes Ritual: Sofort nachdem der Eisbär erlegt war, richteten sie seinen Kopf nach Osten, und der Jäger kniete sich nieder und sprach zu dem Tier: „Du gehst jetzt zurück nach Hause. Der Weg zu meinem Haus ist sehr schlecht, bitte besuche uns erst später.“ Dann gab er dem Bären einen Schluck frisches Wasser, dazu Stücke von Rentierfleisch, Brot und manchmal Süßigkeiten während er sprach: „Dies ist unsere Wegzehrung auf dem Weg in die Höhere Welt“. Anschließend bat der Jäger den Eisbären um Verzeihung und erklärte ihm, dass man seinen Körper nicht zum Vergnügen getötet habe, sondern, um zu essen und sich zu kleiden. Erst danach wurde das Fleisch unter den Einwohnern der Siedlung verteilt. Weil man es für respektlos gegenüber dem Eisbären hielt, große Bissen in den Mund zu nehmen, sollte es mit dem Messer erst in sehr kleine Stücke geschnitten werden. Am zweiten Tag brachten die Männer des Dorfes den Schädel des Eisbären zum traditionellen Opferplatz und bedeckten ihn mit Steinen, um ihn vor den Hunden zu schützen. Ein Ältester oder ein Schamane dankte dem Geist des „besonderen Gastes“ dafür, dass er den Jäger, der das Wohlergehen seines Dorfes so geschickt und respektvoll gesichert hatte, bei der Jagd nicht verletzt hatte. Andere Mitglieder der Zeremoniengruppe trommelten und sangen, um die Seele des Tieres zu erfreuen, während sie Szenen der Jagd nachstellten.

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Abbildung aus der Wochenzeitschrift Harpers Weekly 1890: „Esquimaux hunters capturing a polar bear“ von D. Smith

uch bei den Netsilik in der östlichen Arktis Kanadas gab es solche Tabus und Rituale. Ausgehend von der Annahme, dass die Seele des Eisbären besonders mächtig und gefährlich war, mussten stets besondere Maßnahmen ergriffen werden, um ihre Rache zu vermeiden. Versäumte man das, hatte man es plötzlich mit einem übelwollenden, blutdürstigen Monster zu tun. Da man den Bären nicht nur für intelligent hielt, sondern auch für allwissend, hütete man sich, laut von einer erwünschten oder bevorstehenden Eisbärenjagd zu sprechen, und es wurden auch niemals Witze über einen Eisbären gemacht. Viele glaubten, manche Menschen seien anfällig dafür, von Eisbären angegriffen zu werden; andere dagegen würden niemals angegriffen, ja nicht einmal von ihnen bemerkt, und hätten nichts zu befürchten. In manchen Legenden wird von merkwürdigen Eisbär-Menschen erzählt, die in Iglus lebten,

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aufrecht gingen und sprechen konnten. Die Inuit glaubten, diese Wesen legten ihr Eisbärenfell ab, wenn sie allein in der Behausung wären, und sie waren von der Möglichkeit überzeugt, dass Eisbären und Menschen sich wechselseitig ineinander verwandeln. So ist es erklärlich, wenn sie, Legenden, Träume und Wünsche vermengend, sich manchmal sehr enge Beziehungen zu Eisbären vorstellten. Das konnte selbst sexuelle Handlungen einschließen, zumal sie ohnehin selten monogam lebten und Promiskuität für viele selbstverständlich war. Es wird sogar von vereinzelten Fällen praktizierter Zoophilie – mit erlegten Eisbären – berichtet. Die Gemeinsamkeiten von Menschen und Eisbären bis hin zum Tausch der Rollen durchziehen nicht nur die alten Legenden, sondern werden auch heute von Inuit-Künstlern wieder aufgegriffen. So zeigt eine Skulptur von Joseph Suqslak einen Eisbären mit einer Harpune vor einer gerade erlegten Robbe, ganz wie ein Mensch, auf den Knien mit aufgerichtetem Oberkörper; eine andere Skulptur zeigt einen Eisbären als Tänzer, der die Trommel schlägt.

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ür die Kommunikation der Inuit mit den geistigen Kräften in den Naturerscheinungen und den Tieren bedurfte es besonderer Anstrengungen, zu denen nicht jeder in der Lage war. Man nahm an, dass ärgerliche Geister Krankheit hervorrufen könnten, wohlgesinnte Geister aber dem Jäger das Wild zuführen würden. Ein Angakkuq (oder Angakoq, ein Mann oder eine Frau mit „schamanistischen“ Kräften) hatte die Fähigkeit, eine besondere Beziehung zu den Geistern aufzubauen und als Vermittler aufzutreten. Der Schamane brachte sich durch besondere Rituale in einen Trancezustand, in dem, wie man glaubte, seine Seele den Körper verlassen und in das Land der Geister fliegen könne. Hier könne er mit ihnen reden und sie vielleicht überzeugen, der hungrigen Gemeinschaft ein Tier zu senden oder einem Kranken seine Seele zurückzugeben. Manchmal fände er spirituelle Partner, sogenannte „Helfende Geister“, die ihn auch später immer wieder unterstützten, auf Fragen und Probleme Antworten fänden und Rat gäben. Nicht selten waren Eisbären die Verkörperung solcher „Helfenden Geister“. Viele glaubten, dass es zwischen dem

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Aus Knochen geschnitzte Figuren der Tschuktschen: Die beiden größten Figuren stellen Eisbären dar.


Geist des Angakkuq und dem des Eisbären einen Austausch gäbe, und dass sich der eine vorübergehend in den anderen verwandeln könne. In manchen der Geschichten von Kiviuk, dem ewigen Wanderer der Inuit, der eine Art von Odyssee durch die Arktis unternimmt, hat dieser Held, der selbst übernatürliche Kräfte besitzt, mächtige helfende Geister. Einer davon ist die kleine Schneeammer, ein anderer der Regenpfeifer, ein dritter der Eisbär. Dieser steht ihm beispielsweise gegen seine Feindin, die böse Hexe und Menschenfresserin Arnaitiang, zur Seite. In seinem Film „The Journals of Knud Rasmussen“ (2006) greift der Inuit-Filmemacher Zacharias Kunuk ebenfalls auf die Vorstellung helfender Geister zurück. Im Film stellt sich der Älteste einer Inuit-Gruppe, der auch schamanistische Fähigkeiten hat, vergeblich der Auflösung der alten Ordnung durch das trickreiche Wirken der katholischen Missionare entgegen; dabei ruft er wiederholt seine Helfer um Rat an – einer von ihnen ist ein Eisbär.

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„Fliegender Eisbär“, eine aus Elfenbein gefertigte Miniatur, Dorset-Kultur, Musée Canadien des Civilisations, Gatineau (Quebec)

iele Inuit glaubten, dass der Große Geist, der die Wanderungen der Karibus steuert, manchmal die Gestalt eines Eisbären annimmt. Nur ein Schamane besitze die Macht, diesen Geist so zu beeinflussen, dass er den Inuit in Zeiten des Hungers Karibus schicke. Umgekehrt könne dieser Geist, auch „Fliegender Bär“ genannt, den Schamanen in den Himmel oder ins Meer bringen, wo er Hilfe für seine hungernden Leute einfordern könne. Diese Vorstellung vom „fliegenden Eisbären“ hat ihren Niederschlag bereits in frühen künstlerischen Arbeiten der Inuit gefunden.

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in Volk in Ostsibirien, die Ket, betrachten den Eisbären sogar als ihren Vorfahren, sie bezeichnen ihn als „bedeutenden Großvater“, und in ihrer Kultur ist er ein spiritueller Wächter. Bei den Nenzen in Nordsibirien wurden die Eckzähne des Eisbären besonders geschätzt; man trug sie als Talisman und benutzte sie als Tauschgegenstand mit den Völkern im Süden. Dort wurden sie in den Waldgebieten als Schutz gegen Braunbären getragen. Man glaubte, der „kleine Neffe“ würde nicht wagen, einen Mann anzugreifen, der den Zahn des mächtigen „großen Onkels“ trägt. Die Yupik, ein in Westalaska lebendes Inuitvolk, betrachteten den Eisbären als ihren Vater und riefen seinen Geist oft als Zeuge an, wenn sie Eide ablegten. Am Eingang der Behausungen wurden Eisbärenklauen aufgehängt, um böse Geister abzuwehren; die Yupik glaubten

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auch, dass diese Klauen als Medizin wirken und Kopfschmerzen kurieren können. Bei einigen Inuit war es Tradition, den Griff der ersten Peitsche, die ein Knabe zum Führen eines Hundegespanns benutzt, aus dem Penisknochen eines Eisbären zu fertigen – vielleicht in der Hoffnung auf spätere Macht und Autorität? (...)

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ie Symbolkraft der Eisbären, derer sich viele in der „südlichen Welt“ bedienen – von Naturschutzverbänden bis zur Werbeindustrie – ist auch im Norden bei den Inuit gegeben. Das zeigt sich beispielsweise am Logo der Regierung von Nunavut und dem der Nunasi Corporation (der Wirtschaftstentwicklungsgesellschaft Nunavuts), die beide einen Eisbären enthalten. Auch bei den Autokennzeichen von Nunavut und den Northwest Territories bestimmt Nanook das Erscheinungsbild. Im übertragenen Sinne ist auch die Jagd auf Eisbären – als Recht der Inuit – ein identitätsstiftendes Symbol, denn sie steht für das Selbstbewusstsein und die Selbstbestimmung der Inuit. Im Aufbegehren gegen tatsächliche und gefühlte Bevormundung und Arroganz seitens der „weißen Männer“ und in Erinnerung daran, was man in dieser Hinsicht in der Vergangenheit zu verkraften hatte, pochen die Inuit heute auf ihr besseres Wissen über Eisbären.

Traditioneller Schmuck mit Eisbärenzähnen

ie lehnen derzeit ziemlich massiv und gelegentlich auch aggressiv die Forschungsergebnisse und die daraus resultierenden Sorgen der Wissenschaftler um den Bestand und die Zukunft der Eisbären ab. Sie haben die white men‘s solutions to Inuit, die Lösungen der Weißen für ihr Leben, gründlich satt. Bestrebungen, zum Schutz der Eisbären ihre angestammten Jagdrechte in Frage zu stellen, sehen sie als Ablenkung davon, dass der Staat keine wirksamen Maßnahmen zur Klimarettung und zum Schutz der Arktis vor Verschmutzung, Vergiftung und anderweitiger Umweltschädigung durch Bergbau und Ölindustrie trifft. Zudem verkörpert das Recht, Eisbären zu jagen, für sie – neben dem Beitrag zum Lebensunterhalt – ihr kulturelles Überleben, ihr Festhalten am traditionellen Lebensstil und das Bewahren der Erfahrungen der Alten. Sie sehen sich als die allein Berechtigten und zudem Fähigsten, die Situation der Eisbären zuverlässig einzuschätzen, die Natur in der Arktis zu schützen und ihre Jagd danach auszurichten.

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Fotos © Seite 28 Simon Bober; Seite 29-35 Mana-Verlag

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Das Polar-Virus

Falklandinseln S端dgeorgien Antarktis

Haushohe Eisberg-Skulpturen, fotografier t von Michel Brunner

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Das Polar-Virus

DasPOLAR-

Virus

Einem Mythos auf der Spur

Wir haben schon häufig von ihm gesprochen, „warnen“ davor, dass er einen befällt, wenn man einmal in die Arktis oder die Antarktis reist. Aber worin besteht die Ansteckungsgefahr, wie lang ist die Inkubationszeit, wodurch wird er übertragen? Ein Erklärungsversuch anhand unserer 26-tägigen Expeditionskreuzfahrt zu den Falklandinseln, nach Südgeorgien und in die Antarktis...

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Das Polar-Virus

Falklandinseln S端dgeorgien Antarktis

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Das Polar-Virus

Eisw端sten auf der Antarktischen Halbinsel, fotografier t von Michael Martin

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Das Polar-Virus

Falklandinseln S端dgeorgien Antarktis

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Das Polar-Virus

Riesige Kolonien der Kรถnigspinguine auf St. Andrews Bay, fotografier t von Erik Edvardsson

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Das Polar-Virus

Falklandinseln S端dgeorgien Antarktis

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Das Polar-Virus

Ein schlafender Riese – See-Elefant, fotografier t von Kerstin Langenberger

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Das Polar-Virus

Fotos © Erik Edvardsson; IStock-Photodynamic; S. Drücker privat

Falklandinseln Südgeorgien Antarktis

Eine Felsenpinguin-Kolonie auf den Falklandinseln und Eselspinguine vor der imposanten Kulisse der antarktischen Halbinsel.

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Das Polar-Virus

Ein Erfahrungsbericht von Stephani Drücker Mit der MS Ocean Nova reiste Stephani Drücker 2013 in die Antarktis. Diese Reise genügte, um sie für immer mit dem Polar-Virus zu infizieren.

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nser Alltag: Wir leben in mehr oder weniger großen Ortschaften. Wir sind umgeben von Straßenverkehr, Industrie und Technik.

Hier ist jeder Strand bevölkert von Pinguinen, Pinguinen und Pinguinen. Und den Harems der Seeelefanten trächtige Kühe neben Müttern mit Nachwuchs (den neugeborenen „Wienern“, weil sie noch so dünn sind wie Wiener-Würstchen oder auch den nur wenige Tage alten, dicken, fetten „Bregenwürstchen“), Heuler, die bereits von ihrer Mutter verlassen wurden und natürlich die imposanten, mehrere Tonnen schweren SeeelefantenBullen. Etwas weiter hinten halten sich die Pelzrobben auf und natürlich noch mehr Pinguine, Pinguine und Pinguine. Und in den Steilhängen brüten u. a. Schwarzbrauen-, Ruß- und an wenigen Stellen auch die majestätischen Wanderalbatrosse. Hier wird gebalzt, gebrütet, gemausert, sich gepaart, der Nachwuchs versorgt, hier wird sich gestritten, es wird gekämpft, geboren und gestorben. Mit anderen Worten: Um uns herum tobt das Leben.

Wir fahren morgens zur Arbeit und am Abend wieder nach Hause. Mit etwas Glück haben wir eine Wohnung mit Balkon, noch Glücklichere haben sogar eine Terrasse oder ein Haus mit Garten. Uns begegnen Spatzen, Tauben, im Sommer singt auch mal die ein oder andere Amsel und wenn uns im Park ein Eichhörnchen über den Weg läuft, ist das schon fast eine Besonderheit. Schon das Kofferpacken für diese Expeditionskreuzfahrt fühlt sich anders an, schließlich geht es ja ans Ende der Welt. Ins Gepäck gehören Gummistiefel - nein, knöchelhohe Wanderschuhe reichen nicht aus -, windund wasserdichte Hose und Jacke, lange Unterwäsche (Nehme ich die wollene?) und natürlich dicke Socken. Ob zwei Paar Handschuhe, zwei Schals und zwei Mützen wohl ausreichen? Bilder vom Anfang des letzten Jahrhunderts, auf denen so große Persönlichkeiten der Polargeschichte wie Ernest Shackleton, Roald Amundsen oder Robert Scott im ewigen Eis abgelichtet sind, tauchen vor meinem inneren Auge auf. Zwei Seetage später haben wir die Zivilisation dann aber wirklich hinter uns gelassen. Auf Südgeorgien lebt außer ein paar Wissenschaftlern in den Forschungsstationen niemand. Erreichbar ist die Insel nur mit dem Schiff, kein Flugzeug malt mit seinen Kondensstreifen Muster an den Himmel.

Und dann das „Drumherum“... Vor jedem Landgang heißt es, sich warm einpacken, Schwimmweste drüber und auch die Kameraausrüstung muss wetter- und wasserfest verstaut werden. Dann hinein in die Zodiacs schwer zu sagen, wie die Fahrt wird. Von Sonnenschein bis Schneesturm ist hier - und noch extremer in der Antarktis - innerhalb von 15 Minuten alles möglich. Die großartige Kulisse bilden schroffe Berge und Felsen - als lägen die Gipfel der Alpen plötzlich direkt am Meer. Mit Schnee und Gletschern bedeckt, glänzen sie in der Sonne wie mit Seide überzogen.

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Das Polar-Virus

Falklandinseln S端dgeorgien Antarktis

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Das ganz persönlic nach Spitzbergen einer Expeditionsreise

Kälte Tagebuch aus der eines Die abenteuerliche Reise 1900 nach jungen Deutschen um Spitzbergen

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anchmal zeigen sie in der Ferne auch ihr unwirtliches Gesicht. Der Wind peitscht Pulverschnee über die Ebenen der Gletscher. Ich bin mir sicher, dass ich den Wind über die Gipfel pfeifen hören könnte, würden die Pinguine und Seeelefanten ihr Tröten und Grölen, ihr Fiepen und Brüllen mal für einen Moment unterbrechen. Und von Zeit zu Zeit begnügt der Wind sich nicht damit, nur in den Bergen über die Hänge zu fegen. Manchmal ziehen sich die Wolken über einem zusammen und der Wind kommt hinunter bis an den Strand. In Orkanstärke fegt er dann plötzlich über uns hinweg. Und über die Pinguine. Wir kämpfen uns voran, die Pinguine kämpfen sich voran, die Seeelefanten liegen einfach nur da. Dann kommt auch noch ein Schneesturm dazu. Innerhalb kürzester Zeit wird die Welt um uns herum schwarz-weiß. Die gut isolierten Tiere sind schnell von einer dünnen Schneedecke überzogen.

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Ein BÄR als KULTURGUT

-Fabrikanten IMPRESSUM Ausgabe Nr. 02/2015 Herausgeber Frank Fietz Fietz GmbH Polar-Kreuzfahrten Chefredakteur Peter Laufmann Art-Direktor Mariola Mamerow Bildbearbeitung Ioannes Sarafides Mariola Mamerow Mitarbeit an dieser Ausgabe Christian Bruttel, Stephani Drücker, Isabel Hodiamont, Ilona Terger, Peter Laufmann, Dirk Notz, Albert Rohloff, Christian Wolter Anzeigen Frank Fietz Druck printed by:

Und wir sind dabei, wir sind mitten drin. Wir sind am Leben.Viel sehe ich von den Gesichtern meiner Mitreisenden zwar nicht - Schal und Mütze müssen möglichst viel Haut bedecken - aber an den strahlenden Augen kann ich erkennen, dass sich unter dem Schal ein mindestens genauso breites Lachen versteckt, wie es sich auf mein Gesicht geschlichen hat.

Bestellung email an: abo@eis-welten.de oder postalisch an: Eis-Welten Leserservice Adresse wie Redaktionsanschrift Redaktionsanschrift Fietz GmbH | Mittelstraße 2 | 31535 Neustadt eis-welten.de redaktion@eis-welten.de ISSN: 2198-3917

Und da bin ich mir sicher: Nun sind wir alle infiziert. Die Inkubationszeit beträgt also mitunter nur 15 Minuten in einem Schneesturm, übertragen wird das Virus durch überwältigende Naturerlebnisse. Und die Symptome? Die Symptome sind sicher von Patient zu Patient leicht unterschiedlich - in jedem Fall beinhalten sie aber immer eine große Portion pures Glück. Für mich persönlich äußern sie sich darin, die Lust am Leben so deutlich wie schon lange nicht mehr zu spüren! Stephani Drücker

Die gekennzeichneten Artikel stellen die Meinung des Autors, nicht unbedingt die der Redaktion dar. Für unverlangt eingesandte Manuskripte und Fotos keine Gewähr. Alle in Eis-Welten erscheinenden Beiträge und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwendung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes bedarf der Zustimmung des Herausgebers. Die nächste Ausgabe erscheint im dritten Quartal 2015.

FOTOS: 1-4, 6 Kerstin Langenberger; 5 Mattias Henningsson

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r? e n e k c E x le A r a Wer w Alex Eckener erblickte am 21. August 1870 in Flensburg das Licht der Welt. Eckener studierte von 1888 bis 1892 an der Akademie der bildenden Künste in München. Danach kehrte er nach Flensburg zurück und schloss sich dort der Künstlerkolonie Eckensund an. Im Jahre 1899 nahm ihn Leopold Graf von Kalckreuth als Meisterschüler für Radierung an der Kunstakademie Stuttgart auf. 1908 erhielt er einen Lehrauftrag an der Akademie, 1912 erfolgte die Ernennung zum Professor, 1925 zum Ordinarius für Lithographie und Holzschnitt. Im gleichen Jahr wurde Alex Eckener Direktor der Stuttgarter Kunstakademie.

Der Wahlstuttgarter und Maler Alex Eckener als früher Reisejournalist. Hier ergibt sich eine Parallele zu seinem 2 Jahre älteren Bruder Hugo, den der Journalismus zu Weltruhm als Luftschiffer führte. Dr. Hugo Eckener hatte als Kapitän des Zeppelin LZ 126 im Oktober 1924 von Friedrichshafen aus im Non-Stopp Flug erstmals den Atlantik überquert, als erster mit einem Luftschiff die Erde umrundet und einen fahrplanmäßigen transatlantischen Luftschiffverkehr zwischen Friedrichshafen und Rio de Janeiro eingerichtet, was Flugzeuge damals noch nicht leisten konnten. 1932 sollte er als Gegenkandidat Hitlers als Reichspräsidenten nominiert werden.

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Alex Eckeners Rei

Als mein Opa in die Arktis fuhr Die abenteuerliche Reise eines jungen Deutschen nach Spitzbergen. Zusammen mit den Helden der frühen Polarforschung war Alex Eckener Ende des 19. Jahrhunderts gen Norden aufgebrochen. Was er da erlebt hat, berichtet sein Enkel Christian Wolter.

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a haben Sie aber eine schöne Reise vor sich“ bekam Alex Eckener zu hören, als er von seinen Plan erzählte, nach Spitzbergen zu reisen. „Schön wurde so breit und saftig gesprochen, wie wenn man einen Pfirsich zerbeisst“, notierte er auf der ersten Seite seines in rot-braunen Leder gebundenen Taschentagebuches, das am 10. Juni 1897 mit den eng in Bleistift geschriebenen Aufzeichnungen beginnt. Was meinen Großvater Alex Eckener als 27 jährigen Mann dazu bewegte, eine für die damalige Zeit ziemlich ausgefallene Reise in die Arktis zu unternehmen, war vermutlich das Angebot der „Spitsbergen Gazette“, einer in Hammerfest, Norwegen, erscheinenden Zeitung, als Illustrator, Fotograf und Reporter den berühmten Kapitän und Weggefährten des Polarforscher Fridtjof Nansens, Otto Sverdrup an Bord des polartauglichen Dampfers „Lofoten“ nach Spitzbergen zu begleiten. Dazu muss man wissen, dass Spitz-

bergen im Sommer 1897 im Zentrum weltweiter Aufmerksamkeit stand. Es war die Zeit verwegener Männer und berühmten Expeditionen. Da war der Schwede August Salomon Andrée. Er plante, von Spitzbergen aus mit einem Wasserstoffballon den bisher unerreichten Nordpol zu überfliegen. Tatsächlich begegnete mein Großvater Andrée wenige Tage vor dessen Abflug. Wenige Jahre vorher hatte Sverdrup erste Meriten im Norden erworben; bereits 1888 hatte er gemeinsam mit Fridtjof Nansen erstmals das grönländische Eisschild von Ost nach West auf Skiern überwunden. Ende September 1893 steuerte Kapitän Sverdrup den gepanzerten Dampfsegler „Fram“ mit Nansen an Bord ins Packeis, um sich zum Nordpol treiben zu lassen. Als klar wurde, dass der Kurs auf Jahre kaum zum Pol führen würde, ging Nansen deshalb am 14. März 1895 bei 84,4 Grad nördlicher Breite mit Fredrik Hjalmar Johansen, ja, genau der

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Johansen, der später auch an Amundsens Südpolexpedition teilnahm, von Bord, um mit Hundeschlitten den 660 Kilometer entfernten Nordpol zu erreichen. „Ein wahres Chaos von Eisblöcken, das sich bis zum Horizont erstreckte“ bewegten ihn schliesslich zur Umkehr. Nach seiner letzten Positionsmessung vom 8. April war Nansen bis zu einer nördlichen Breite von 86 º13,6´ vorgestoßen, ein neuer Rekord. Endgültig unvergänglichen Ruhm erfuhr die Fram Jahre später, denn Roald Amundsen vertraute für seine Expedition zum Südpol 1910-1912 auf das bewährte Schiff. Im Sommer 1897 bot der „Vesteraalens Dampskibsselskab“ mit der „Lofoten“ unter Führung von Kapitän Sverdrup kommerzielle Fahrten von Hammerfest zur Advent Bay an, wo die Reederei ein komfortables Gästehaus errichtet hatte. Auf einer dieser insgesamt sieben frühen arktischen Kreuzfahrten der Tourismusgeschichte war demnach mein Großvater an Bord.

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Spitzbergen, ADVENTBAY, gemalt von Alex Eckener

Nach einer Bahnreise durch Dänemark, Schweden und Norwegen legte Alex Eckener mit dem Dampfer „Lofoten“ am Morgen des 18. Juni 1897 vom Hafen Trondheim nach Spitzbergen ab. Bald bekam er Kapitän Otto Sverdrup erstmals kurz zu Gesicht: „Er sieht grausam und wie ein rücksichtsloser Gewaltmensch aus, man fühlt eine außerordentliche Energie in ihm. Von Natur ist er nicht groß, aber gedrungen, mit gelblichen, fast krankhaften Teint und kalten, scharf und grausam blickenden Augen. Ich glaube nicht, dass er sehr mitteilsam sein wird.“ Bereits nach einem Tag revidiert er sein Urteil: „Über meine Kritik Sverdrups muss ich lachen; meine berühmte Menschenkenntnis hat mich wieder mal betrogen. Er ist durchaus nicht wortkarg, sondern liebenswürdig und mitteilsam, aber seine Augen sind doch die eines Geiers. Mich betrachtet er scheinbar halb mit Mitleid, halb mit Verachtung, er weiß offenbar nicht,

Zeichnung von Alex Eckener

Andrées Wohn- und Ballonhaus was er aus mir herausknobeln soll. Den übrigen Mitreisenden geht es ebenso. Nur über eines freue ich mich, meine berühmte Menschenkenntnis hat mich unsterblich blamiert“. Am 25. Juni gegen 13 Uhr tauchten die ersten Berggipfel von Spitzbergen aus dem Ozean auf. Weil der Start von Andrée unmittelbar bevorstand, ging die Seefahrt zunächst am Gästehaus in der Adventbay an der Westküste vorbei, zum Ballonhangar auf der kleinen Insel Danskøya, der Däneninsel vor Nordspitzbergen. Am 27. Juni um drei Uhr morgens glitt die „Lofoten“ zehn Meilen südwestlich der Däneninsel nach vielstündiger Passage durch undurchdringlichen Nebel wieder in das strahlende Blau des Polartages.

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„Um 5 Uhr kam der Steuermann in meine Koje, um mir zu sagen, dass wir gleich bei Andrée sein würden“ notierte Alex Eckener. „Ich wie der Blitz aus dem Bett und in die Kleider“. Wir lenkten gerade von dem offenen Meer in den Fjord der Dansk-Öe (Alex Eckener meint hier Danskøya, die Däneninsel) an. Die Sonne beleuchtete blendend die Gletscher, deren Seite des Fjords über den Gipfeln sie teilweise verdecken schwebte loser Nebel. Mit Böllerschüssen begrüßten wir Andrées Wohnhaus und Ballonhaus, mit Hissen der Flagge das schwedische Kanonenboot Svensksund, welches Andrée zur Hilfe und Begleitung mitgegeben ist. (...) Der Fjord ist großartig mit seinen steilen Bergen, den


Alex Eckeners Rei

Der berühmte Bruder Hugo Eckener

Gletschern, die in großer Ausdehnung ganz bis ans Meer sich erstrecken, und dort steil abfallen. Ich zeichnete zunächst den Svendskund ab. Dann ruderten wir alle an Land; Kaum waren wir angelangt, so kam Andrée, begrüßte uns flüchtig, die schwedischen Herren wärmer und fing sogleich wie ein Panoptikum-Erklärer seine Demonstration an. Was er sagte habe ich durchaus nicht verstanden, da er schwedisch sprach, nur machte er so den Eindruck, als wenn er nach Schluss der Vorstellung vielleicht dem hochverehrten Publikum für die freundliche Aufmerksamkeit danken und ihm so milde beibringen werde, dass der Diener vielleicht einem kleinen Trinkgeld nicht abgeneigt wäre. Andrée scheint mir ein ziemlicher Schwafler, etwas eitel zu sein; bedeutend in des Wortes besten Sinn ist er keinesfalls; sonst würde er wohl nicht mit seinen Erklärungen und Erfindungen mit der Darstellung der Unübertrefflichkeit seiner Einrichtungen so hausieren gehen. Es ist ja gut, dass er selbst von der Zweckmäßigkeit seiner

ärenjagd ndrée bei der Eisb August Salomon A

"Mancher würde viel darum gegeben haben, wäre er an meiner Stelle gewesen" Sachen überzeugt ist, aber ein tieferer, größer angelegter Mensch würde vielleicht kaum so viel Wesens aus sich und seinem Werk machen. Jedenfalls machte er mir bei Tisch einen sehr schlechten Eindruck, da er sich durchaus tonangebend als erste Person, vor dem Kapitän und den älteren Herren benahm. Dabei hat er eine ziemlich bäurische Tölpelhaftigkeit im Benehmen, und macht, soviel ich verstehen konnte, sich mit ganz breit getretenen, abgedroschenen Alltäglichkeiten seine ganze Conversation ... Den Eindruck einer gewaltigen, überlegten Persönlichkeit hatte ich gar nicht bei ihm. ... Irgendwann müsste man doch mal einen höheren Funken entdecken, den habe ich vermisst. - Ich machte mehrere photographische Aufnahmen und Zeichnungen.

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Um 3 Uhr waren Andrée und Lerner (ein deutscher Journalist und Polarforscher) bei uns an Bord zum Essen. ... Ich saß Andrée gegenüber, ich werde als Standesperson hier angesehen, trotz meines schlechten Kittels. Mancher würde viel darum gegeben haben, wäre er an meiner Stelle gewesen, ich muss mir leider den großen Stumpfsinn festieren, dass ich mich in keiner Weise angeregt fühlte. Frl. Korhornen (eine Passagierin) war sicher von dem erhebenden Moment des Zusammenseins mit dem berühmten Mann mehr erfüllt. Nicht nur ihre Nase, sogar ihre Backen waren glänzend gerötet. Die Selbstverständlichkeit mit der Andrée seine ihm selbstverständliche bewilligte Bevorzugung hinnahm, ärgerte mich etwas.“

se


Der Dampfer „Lofoten“ war eins der ersten Schif fe, die kommerzielle Fahrten von Hammerfest zur Adventbay veranstalteten.

Die Fahrkarte von Ecken

Sverdrup dürfte Andrées Unternehmen für ein Himmelfahrtskommando gehalten haben: „Sverdrup sagte, er hätte nur im Februar bis Mai südliche Winde gehabt. - Beide zusammen hätte gerne photographiert, war sehr interessant, Andrée der mächtige, kühn draufgehende, aber durch die Intelligenz vorsichtige, und imponierende, beherrschte scheinbar den viel kleineren Sverdrup, der abwartend, ruhig, scharfblickend, gleichsam lauernd die Instinkte repräsentierte.“ Nach dem Treffen mit Andrée fuhr Alex Eckener von der Däneninsel mit dem dort vor Anker liegend Schiff „Express“ zu einer Erkundung ins Eismeer hinaus bis nach fünf Stunden bei 80 Grad nördlicher Breite das Packeis erreicht wurde. „Es war stark neblig, bei uns schwammen die grünlichen und weißen Schollen in den verschiedensten Formationen, überall in der Runde hörte man den Reisschuss der Eismassen im bewegten Wasser, ein

er

"er ist ein ziemlicher Stumpfbold, sehr hässlich " Ab 28. Juni war der Kurs der Lofoten der Küstenlinie entlang wieder südwärts gerichtet, Ziel nun die komfortable, von gemütlich prasselndem Kaminfeuer beheizte Herberge der Reederei von den Lofoten in der Advent Bay, die am 31. Juni erreicht wurde, um hier die weitere Zeit fest Station zu machen.

Kapitän Otto Sverdrup Zeichnung von Alex Eckener

plötzlicher Sonnenblitz und Zerreißen des Nebels gewährte die herrlichste Aussicht auf die türmenden Formen und weite, glänzenden Flächen, alles belebt von frechen Eisvögeln“. Gemeint sind wohl Eissturmvögel.

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Für Alex Eckener ergab sich eine weitere Gelegenheit Kapitän Sverdrup zu studieren, „er ist ein ziemlicher Stumpfbold, sehr hässlich, mit seitlich gekämmten fuchsroten Backenbarte, großer Hakennase, gelben hervorstehenden Zähnen, blöden Augen, scharfen bissigen Zügen, wie Affen haben um den Mund, Haare etwas struppig mit durchscheinender Glatze, sehr ruhig, mehr aus Stumpfsinn und Mangel an Geist, als Bewusstsein innerer Würde.


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Foto: © Andrea Krahl

Alex Eckeners Rei

Anlandung auf Spitzbergen, Ölbild von Alex Eckener

Wusste sich den deutschen aufdringlichen Gästen gegenüber gar nicht zu helfen. Spricht weder englisch noch deutsch, noch ordentlich norwegisch, eben nur Mann des Muts und der That, mit großem Scharfblick für äußere Energie. „ Am 22.Juli ging es mit dem „Kvik“, einem kleinen, sehr manövrierfähigen Schiff für die Eisbärenjagd, erneut zu Andrées Startplatz. Der zweite Besuch war schon länger eingeplant, wurde aber am 11. Juli, dem Tag des Ballonstarts, wegen stürmischen Wetters vorerst aufgegeben.

Überall die eisige Totenstarre der Natur

„Die Tour ging bei Westsüdwestwind erst an der Vogelinsel entlang zur Coal

Bay, Green Harbour, St. James Bay... die stolze Felskuppe über der Peter Winterbay, Kings Bay, Cross Bay, ... Bergformen mit grandiosen, ins Meer steil abstürzenden Gletschern, die Formen bald verschleiernde, bald enthüllende silberne Nebel; Überall die eisige Totenstarre der Natur, durch ihre Grausamkeit und Größe allein imponierend.

nicht weit hineinzufahren. Stiegen bei Andrée‘s Ballonhaus aus. Eigentümliche Gefühle, mehr des Mitleids als Bewunderung, viel Neugier, und vor allem egoistische Freude, dass wir die ersten nach Andrée‘s Abfahrt hier waren. Zeichnete so viel wie möglich von innen und außen, werden wahrscheinlich gesuchte Bilder werden“.

„Malte 2 Studien, sah aber ein, dass jegliches Bild ein Unding, weil man die Kolossalität nicht hervorzaubern kann. Gletscher infolge der eigenen roten und blaugrünen Farbe im Spectrum spielend. Fuhren ganz nahe am Gletscher längs, etwa zwei- bis dreistöckiges Haus hoch ganz glatt teilweise, teils in kolossalen Blättern; teils in Zacken und Klippen. Weiter ins offene Meer bis an den 80. Grad ins Treibeis, ins ewige Eis. Die Schiffer wagten überhaupt

Am letzten Tag in der Adventbay vor der Rückreise nach Europa skizzierte Alex Eckener zwei Portraits von Kapitän Sverdrup.

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„Sverdrup ist doch ein merkwürdiger Kerl, und intelligenter als er mir anfangs erschien; nur wenig redegewandt und hilflos im Verkehr mit Fremden. Bescheiden und jedem Annäherungs- und Huldigungsversuch misstrauisch und mit einer gewissen Eitelkeit ablehnend“.


Alex Eckeners Rei

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Landschaftsstudie in Öl, Ausflug ins Landesinnere. Blunck im Zelt sitzend (Ludv. C. Blunck), Zeichnung von Alex Eckener

"Niemand hat den Mut verloren" Andrées Ballon Örnen wurde nie wieder gesehen. Im Sommer 1930, Eckener lebte seit 31 Jahren in Stuttgart, wurden auf Kvitøya, der „Weißen Insel“ die Skelette von Andrée und seinen beiden Begleitern entdeckt. Außerdem fand man Andrées Tagebuch. Wie daraus hervorgeht wurde die dünne Ballonhülle aus chinesischer Seide offenbar schon beim Start verletzt. Andrée vermerkte: „Die Luftreise war sehr unausgeglichen und so segelte der Ballon zeitweilig viel zu hoch und verlor Wasserstoff... oder er befand sich zu wiederholtem Male nahe dem Eis und drohte aufzuschlagen.“ Am 14.Juli blieb der Ballon endgültig auf dem Eis stehen. Am 22. Juli be-

gannen sie den Fußmarsch durch die Eiswüste. Meterhohe Eiswälle und Wassertümpel erschwerten das Fortkommen, teilweise musste auf allen Vieren gekrochen werden. Am 2. Oktober wurde, auf einer Eisscholle treibend, Kvitøya erreicht. Als letzte zusammenhängende Zeilen notierte Andrée in sein Tagebuch: „Niemand hat den Mut verloren. Mit solchen Kameraden kann man sich erheben aus allen möglichen Umständen“. Die folgenden Aufzeichnungen sind wirr und die entsprechenden Seiten schwer beschädigt. Vermutlich sind die drei Polarforscher bereits wenige Tage nach dem Umzug auf die Weiße Insel gestorben. Die verbreitetste Hy-

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pothese ist der Befall durch Trichinen aus Eisbärenfleisch. Mehr Glück hatte mein Großvater mit seiner Reise. Ihm und auch seinem Bruder war es vergönnt die Mitternachtssonne zu erleben. Hoch oben im Norden hatte mein Großvater die Geschichte gestreift, sein Bruder Hugo Eckener hat dort sogar Geschichte geschrieben. Ein Jahr nach dem Fund der sterblichen Überreste von Andrée, im Juli 1931, machte Hugo Eckener, der Fridtjof Nansen und auch Roald Amundsen persönlich kennengelernt hat, als Kapitän des Luftschiff LZ 129 mit seiner erfolgreichen Polarfahrt weltweit Schlagzeilen.


KLIMAKOLUMNE von Dr. Dirk Notz

Mehr Eis in einer wärmer werdenden Welt

Fotos: © Michael Martin; Peter Laufmann

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st es nicht seltsam? Da redet alle Welt von der KlimaerDie stärker ablandigen Winde dort pusten jetzt einfach das wärmung und den schmelzenden Polkappen, aber das im Eis weiter aufs Meer hinaus und die Eisfläche vergrößert sich Ozean schwimmende Packeis der Antarktis wird irgendwie ganz automatisch. Durch diesen Mechanismus nimmt verimmer mehr. Weiß nichts vom Gerede der Leute. Dehnt sich mutlich auch das tatsächliche Eisvolumen zu, denn durch das einfach weiter aus. Und straft damit zumindest aus Sicht der Wegtreiben des Eises bilden sich direkt an der Küste offene Waseinschlägigen Blogs im Internet diese ganze Geschichte mit dem serflächen. Hier ist der Ozean direkt in Kontakt mit der kalten Klimawandel Lügen: Das Packeis in der Antarktis wird nicht Luft des antarktischen Winters, sodass das Wasser sehr effektiv weniger, so wird dort geschrieben, also gefriert. Diese offenen Wasserflächen kann es keine globale Klimaerwärmung werden damit zu gewaltigen Eisfabrigeben. So einfach kann die Welt ausseken, die Unmengen an neuem Packeis hen. Nur leider, leider ist diese Weltsicht produzieren. Diese effektive Eisproduknicht mit unserem wissenschaftlichen tion vor der Küste der Antarktis hält so Verständnis der globalen Eismassen in lange an, bis im Frühling und Sommer Einklang zu bringen. die Temperaturen jahreszeitlich bedingt Denn ja, es stimmt tatsächlich, dass wieder über den Gefrierpunkt klettern. das Packeis in der Antarktis zur Zeit Das im Winter gebildete Meereis setzt langsam zunimmt, nur leider hat die währenddessen seine vom Wind angePackeismenge in der Antarktis gar nicht triebene Reise in Richtung Norden so viel mit der dort herrschenden Temfort und gerät dabei schließlich in peratur zu tun. Es ist nämlich trotz der KlimaerBereiche mit warmem Meerwasser. wärmung gerade im Winter in der Antarktis immer Hier sind die Tage des Packeises noch so kalt, dass man beinahe geneigt wäre, den dann bald gezählt, das warme Wasser einen oder anderen deftigeren Ausdruck zu verwenschmilzt das Eis von unten her ab, den. Insbesondere, wenn man mal wieder vergessen die Eisschollen werden immer dünr de r hat, die schöne wollene Unterwäsche anzuziehen. ner und verschwinden schließlich ite Le ist tz Dr. Dirk No ereis im Und weil es dort im Süden immer noch so kalt ist ganz. Die Fläche des Packeises in der Forschungsgruppe Me ck-Institut lan Erdsystem am Ma x-P mburg. (auch wenn‘s tatsächlich weniger kalt ist als früher), Antarktis schnurrt daher wie schon Ha für Meteorologie in gefriert das Meer immer noch. Die Tatsache, dass seit Jahrhunderten im Sommer imin der Antarktis trotz Klimaerwärmung das mer wieder zusammen, bis das Eis nicht zurückgeht, ist damit zunächst einganze Spiel im darauffolgenden mal etwa so überraschend wie die Tatsache, Winter von vorn beginnt. Tja, das dass die Tiefkühlpizza nicht gleich auftaut, wäre die Geschichte des antarktiwenn die lieben Kleinen die Temperaturschen Packeiswunders. Und der regelung am Gefrierschrank mal wieder von Klimawandel? -18 °C auf -15 °C verstellt haben. Kalt ist es Der könnte nach neuesten Erdann immer noch. kenntnissen sogar erst dafür geAber warum nimmt denn das Packeis in sorgt haben, dass die ablandigen der Antarktis insgesamt sogar zu? Auch das Winde in den letzten Jahren ist recht einfach zu verstehen: Das Packeis so stark zugenommen haben. im Südlichen Ozean wird nämlich von abIn Simulationen mit unseren Klilandigen Winden immer weiter auf‘s Meer hinausgetrieben. mamodellen sehen wir nämlich diese Windänderungen vor Wenn man also wissen möchte, welche Fläche im Winter vom allem dann, wenn wir im Modell sowohl das Ozonloch als Packeis bedeckt wird, muss man vor allem anschauen, wohin es auch die globale Klimaerwärmung berücksichtigen. Sodass von den Winden getrieben wird. Und diese ablandigen Winde ganz am Ende der Geschichte der Klimawandel vielleicht sogar haben sich in den letzten Jahren insbesondere im Bereich des dafür sorgt, dass wir zur Zeit in der Antarktis mehr Packeis Rossmeeres verstärkt. Das ist jener Sektor des Südlichen bekommen. Ozeans, der sich in Richtung des Pazifiks öffnet. Ist das nicht seltsam? Dirk Notz

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