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TITELTH E M A

Facebook & Plus

Facebook ist eine weitere Seite für soziale Kontakte. Hier gibt es keine Beschränkung auf 140 Zeichen. Kontakte entstehen vor Allem durch Anfragen an andere Nutzer, ob man sich wechselseitig auf eine sogenannte Freundesliste eintragen wolle. Stimmt der Angesprochene zu, kann man dessen Äußerungen lesen, die auf der eigenen Facebookseite eingeblendet werden. Facebook, das in den letzten Jahren auf weltweit 800 Millionen Mitglieder angewachsen ist, kommt immer wieder wegen seiner Auffassung von Datenschutz besonders in Deutschland in die Schlagzeilen. Die Firma verweist dann auf die vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten der Privatsphäre auf ihrer Seite, die jeder Nutzer vornehmen könne. Nur ist das mit den Einstellungen etwas kompliziert, was eine Hamburger Schülerin vor einiger Zeit schmerzvoll erfahren musste, die zu ihrer Geburtstagsfeier via Facebook einlud. Ein vergessenes Häckchen in einem Eingabefeld auf der Seite führte dazu, dass nicht nur wie geplant ihr Freundeskreis, sondern alle Facebooknutzer eingeladen wurden, woraufhin tausende Gäste in ihren Stadtteil einfielen.

TagesSatz

* 11/11

Facebooknutzer müssen für den Dienst nichts bezahlen, zumindest nicht mit Geld. Das Geld verdient die Firma nämlich mit Werbung, die mit Hilfe der von den Mitgliedern bereitgestellten persönlichen Daten zielgerichtet auf die Adressaten von Anzeigen zugeschnitten werden kann. Damit sollen Werbekunden Streuverluste traditioneller Werbung vermieden werden. Facebook war wohl recht erfolgreich beim Verkauf von Werbung und trat damit in direkte Konkurrenz zu Google, der Internetfirma, die fast ausschließlich vom Verkauf von Werbung auf Webseiten lebt. In das geschlossene System von Facebook kam Google mit seinen Anzeigen nicht hinein. Der schnell wachsende Konkurrent drohte ein immer größeres Stück vom Werbekuchen wegzunehmen. In dieser Situation entschloss sich Google, ein eigenes soziales Netzwerk auf dem Markt zu bringen: Google+. Der neue Dienst ist mit seinen zur Zeit 40 Millionen Mitgliedern von Facebook weit entfernt, hat diese Mitgliederzahl aber in drei Monaten erreicht und wächst weiter sehr schnell.

men durchaus problematisch. Vielleicht weniger in Deutschland aber umso mehr in diktatorisch regierten Ländern, in denen die freie Meinungsäußerung nur um den Preis staatlicher Verfolgung möglich ist.

Eigener Auftritt

In den genannten Netzwerken bin ich zwar Mitglied. Ich nutze die Seiten aber kaum für die Kommunikation mit Freunden und Bekannten, d.h. im Falle von Facebook nicht im Sinne der dahinter stehenden Firma, die genau dafür wirbt. Von Facebook beispielsweise ist bekannt, dass alle Einträge eines Mitglieds gespeichert werden und bleiben. Die Konsequenzen einer dauerhaften Datenspeicherung kann ich heute noch gar nicht absehen. Für mich sind soziale Netzwerke daher hauptsachlich Nachrichtenkanäle, auf denen mich interessante Nachrichten erreichen. In der Gegenrichtung kann ich bekannt machen, was ich selbst, beispielsweise auf meinem Weblog, geschrieben habe.

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Beide Netzwerke verlangen übrigens die echten Namen ihrer Nutzer und schließen Mitglieder, die ein Pseudonym benutzen, aus. Dies hat in der jüngsten Zeit zu teils heftigen Diskussionen in den Netzwerken geführt. Die Firmen ziehen diesen sogenannten Klarnamenszwang aber durch, im Interesse des Anzeigenverkaufs. Dabei ist der Zwang zum echten Na-

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TagesSatz 2011/11  

Titelthema: Netzwelten

TagesSatz 2011/11  

Titelthema: Netzwelten

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