Page 31

ZWISCHEN DEN ZE I L E N

Das digitale Dorf Die einen können sich ein Leben ohne digitale Medien nicht mehr vorstellen, andere sehen darin den Untergang des Abendlandes. Kaum ein anderes Thema beschäftigt die Gesellschaft derzeit so sehr wie die Zukunft des Internets – iPhone, iPad und Facebook sei Dank. Klar, dass sich auch die analogen Medien damit auseinander setzen. Drei davon stellen wir diesen Monat vor.

* DANIELE PALU Sozial unterwegs

Zukunft ohne uns

Social Media ist das Trendthema des Jahres: Mit mehr als 500 Millionen Nutzern zählt Facebook zu den am schnellsten wachsenden Online-Netzwerken weltweit. Doch wie funktioniert Facebook überhaupt? Verändert es wirklich unsere zwischenmenschlichen Beziehungen? Wozu kann man es guten Gewissens nutzen – und wann besser nicht? „Faceboom“ kommt zwar humorvoll daher, besticht aber dennoch durch eine tiefgreifende Analyse und bietet ein wirklich gelungenes Portrait der populären Internetplattform.

Miriam Meckels Buch „Next“ ist ein Gedankenexperiment, eine Mischung aus Sachbuch und Roman: Es spielt in einer Zukunft, in der die Grenze zwischen digitaler und analoger Welt aufgehoben ist. Mensch und Maschine haben sich im Netz vereinigt. An die Stelle des handelnden Ich tritt ein „humanoider Algorithmus“, eine Software, die alle Aktionen des „Users“ vorausberechnet – was heute tatsächlich bereits ansatzweise möglich ist. Teil zwei des Buchs schildert das taube Gefühl des „Rest“Individuums, das mit dem Verlust der menschlichen Wirklichkeit fertig zu werden versucht. Das klingt düster und erscheint uns arg abwegig, wird von der Professorin für Medien- und Kommunikationsmanagement inhaltlich aber überraschend schlüssig und gut pointiert ausgeführt. Schnell wird klar: Das Buch ist für einen intellektuellen Diskurs konzipiert – und dieses Ziel wird es auch zweifelsohne erreichen. Lesespaß mag allerdings nicht so recht aufkommen. Dafür ist der Text allzu konstruiert und auch der elaborierte Sprachstil wirkt lesehemmend.

Juan Faerman: Faceboom. Südwest, 12,99 Euro. Taschenbuch, 176 Seiten

Miriam Meckel: Next. Rowohlt, 19,95 Euro. Gebunden, 320 Seiten.

TagesSatz

* 11/11

Untergang des Abendlandes Während die einen sich ganz selbstverständlich in der Netzkultur bewegen, wird sie von anderen verteufelt. Beklagt werden etwa Überforderung durch zu viele, ungefilterte Web-Informationen sowie der Verlust von Individualität, Kreativität und Intelligenz. Vielfach heißt es, in der Netzkultur bliebe die inhaltliche Qualität auf der Strecke und ganze Branchen würden in den Ruin getrieben. Doch geht wirklich etwas verloren, wenn wir MP3s statt Vinylschallplatten hören, den neusten Blockbuster auf dem Laptop im Bett statt im Kino schauen, Zeitungen online, Blogs und E-Books lesen und via iPhone und Facebook mit unseren Freunden kommunizieren? Die Brüder Tim und Kai-Hinrich Renner plädieren in ihrem Buch dafür, die digitale Entwicklung als Chance zu begreifen, anstatt sich vom Gefühl der Überforderung lähmen zu lassen. Mit „Digital ist besser“ liefern sie einen breiten Überblick über die Entwicklung im Netz und zeigen, welche großen Möglichkeiten uns die Digitalisierung eröffnet. Die anekdotisch geschriebene Kombination aus persönlicher Erfahrung, Kulturgeschichte und Wirtschaftssachbuch macht das Buch zu einer unterhaltsamen Darstellung der digitalen Revolution. Kai-Hinrich und Tim Renner: Digital ist besser. Campus, 22 Euro. Gebunden, 246 Seiten

31

TagesSatz 2011/11  

Titelthema: Netzwelten

TagesSatz 2011/11  

Titelthema: Netzwelten

Advertisement