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GÖTTI N G E N

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ie Mitarbeiterinnen von der Ambulanten Hilfe, Frau Karin Tobias, die im „Runder Tisch Armes Göttingen“ vernetzt ist und Frau Dzukowski, haben mich dabei unterstützt dass ich nach Berlin fahren konnte. Die Nationale Armutskonferenz ist ein Zusammenschluss der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege, bundesweit tätiger Fachverbände und Selbsthilfeorganisationen und des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Die Konferenz gründete sich im Herbst 1991 als deutsche Sektion des Europäischen Armutsnetzwerkes. Die nak will mit ihrer Arbeit dazu beitragen, das Armutsproblem zu überwinden und die Selbsthilfeansätze der von Armut betroffenen oder bedrohten Menschen zu unterstützen. Sie sieht ihren Auftrag unter anderem darin, einen Beitrag zu einer veränderten Politik zu leisten, damit die Lebenslage armer Menschen verbessert und strukturelle Überwindung von Armutsbedrohung erreicht wird. Das Thema Armut, die Hartz VI-Debatten, die soziale Ungleichheit in Deutschland und insbesondere die Tatsache, dass die Schere zwischen armen und reichen Menschen immer weiter auseinandergeht, ist in Deutschland in den letzten Jahren stärker in den öffentlichen Blickpunkt geraten. Aufgrund der neuen Gesetzgebung – insbesondere im Bereich der Arbeitslosenversicherung – ist eine Situation eingetreten, dass Menschen in relativ kurzer Zeit (sechs bis zwölf Monate) aus einer materiell gesicherten Situation in materielle Einkommensarmut rutschen können (Hartz IV). Der Regelsatz ist eine Art Grundsicherungssystem, das auch ausreichende gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen soll. Angesichts knapper öffentlicher Mittel entsteht um die Höhe dieses Regelsatzes immer wieder Streit. Für die nak ist diese Frage von zentraler Bedeutung. Sie beteiligt sich jeweils intensiv an dieser Debatte und fordert öffentlich eine Erhöhung dieses Regelsatzes um 20 Prozent und dass es eine eigene, ausreichend hohe Sicherung des Existenzminimums für Kinder gibt. Hier ist zum einen die Definition von Existenzminimum zu unter-

TagesSatz

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Gemeinsamer Kampf gegen Armut Die Ambulante Hilfe, bei der ich seit über drei Jahren „Klient“ bin (nachdem ich nach 17 Jahren Indien wieder hier in meiner Heimatstadt Fuß fasste), hat mich gefragt, ob ich, als von Armut Betroffener, an der Nationalen Armutskonferenz (nak) in Berlin teilnehmen möchte.

* JÖRG „YOGI“ MÜLLER

suchen und zum anderen der Artikel I des Grundgesetzes „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ im Besonderen zu beachten. Wir sind die (Hartz IV-) Reform und haben auch ein Anrecht auf Menschenwürde nach Artikel I Grundgesetz! Die nak hat durchaus Aufsehen erregt mit der Schlagzeile, dass Menschen aus dem unteren Einkommensfünftel sieben Jahre früher sterben als solche aus dem obersten Einkommensfünftel.

Die nak macht so eine Art politsche Lobbyarbeit für Arme. Wenn wieder einmal öffentlich respektlos über Arme geredet wird, wenn Gesetze vorbereitet werden, die Arme nicht oder zu wenig im Blick haben, dann meldet sich die nak zu Wort. Das Treffen hat gezeigt wir sind nicht alleine und Armut geht uns alle an.

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TagesSatz 2011/11  

Titelthema: Netzwelten

TagesSatz 2011/11  

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