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S T O L P E R S T EIN

G

efällt mir. Like. J’aime. Auf Türkisch beğen oder auch einfach Arr, wenn man es schlicht wie ein Pirat halten möchte. Sie alle bezeichnen in den unterschiedlichen Sprachen diese eine Facebook-Schaltfläche, mit der man wohlwollend sein Einverständnis mit bestimmten Gruppen, Personen, Kommentaren oder auch Fotos zum Ausdruck bringt. Und piratisch ist da längst nicht die kurioseste Sprache, mit der Facebook aufwarten kann: Facebook auf upwards (əʞıl) ist genauso einstellbar wie die Lingua Latina: dann gefällt einem die Seite von Angela Merkel nicht mehr, sondern Angela Merkel mihi placet. Dazu bekennen sich übrigens 108.000 Facebook-Nutzer. Auf den ersten Blick für eine Politikerin eine recht ordentliche Zahl. Neben Barack Obamas 23 Millionen „likes“ jedoch eher Peanuts.

* GLOSSE VON HELENE DAHLKE Millionen Klicks. Nur, dass jemandem etwas gefällt, kann einem anderen noch nicht gefallen. In Israel nannten Eltern ihr Kind Like. „It’s my girl, my love and I like her”, begründete der stolze Vater. Auf den Namen Facebook hört eine Tochter einer ägyptischen Familie. Diese wollte damit auf die Rolle des Netzwerkes während der ägyptischen Revolution aufmerksam machen. Die Zeit wird wohl zeigen, wie sehr Facebook und Like ihre Namen gefallen werden. Kritisch beäugt werden diese neumodischen Entwicklungen und der lockere Umgang mit den populären Gefälltmir-Schaltflächen vor allem von deutschen Datenschützern. Durch Preisgabe der persönlichen Interessen und

Anhängerschaften, könne Facebook Surfgewohnheiten nachvollziehen und lukrative Kundenprofile erstellen. „Tracking“ nennt man das im Fachjargon. Unternehmen, die Facebook als Werbefläche nutzen wollen, haben einen neuen Trend geschaffen: auf Fanslave.com können sie sich sogenannte Fansklaven kaufen. Dabei erhalten die Sklaven von dem jeweiligen Unternehmen zwei Cent pro Klick. Aber was sagt es wirklich über einen Facebook-Nutzer aus, dem „die 3 Fragezeichen“, „Helmut Schmidt“, „Looping Louie“, „deine Mudda“ und „interessiert das nicht“ (!) gefallen? Ganze neun deutsche Facebook-Nutzer versuchen bei all der Verunsicherung den Überblick zu behalten und liken einfach „alles“!

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Andrea Tiedemann

Den Gefällt-mir-Möglichkeiten sind im Facebook-Universum keine Grenzen gesetzt: man „liked“ Fotos und Kommentare der Freunde, Gruppen wie „die 3 Fragezeichen“ (75.000 likes) oder auch einfach Statements wie „Kann dieser Esel mehr Fans haben als der FC Bayern München?“ (190.000 likes). Kann er übrigens nicht, dazu fehlen ihm rund zwei

Facebook: Gefällt mir. Gefällt mir Facebook?

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TagesSatz

* 11/11

TagesSatz 2011/11  

Titelthema: Netzwelten

TagesSatz 2011/11  

Titelthema: Netzwelten

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