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er alte Spruch: „Kann man damit auch telefonieren?“ begleitet die Handy-Entwicklung schon seit langem. Früher eher als Witz gedacht, hat er mittlerweile durchaus seine Berechtigung. Denn die Firma Apple erlaubt seit Einführung ihres „iPhone“ jedem Nutzer, zusätzliche Anwendungen zu entwickeln und im „App-Store“ kostenlos oder gegen ein geringes Entgelt zum Verkauf anzubieten. Der Entwickler muss dafür dreißig Prozent seiner Einnahmen an Apple abtreten. Trotz der recht geringen Preise von ein bis etwa drei Euro pro App, scheint das ein lukratives Geschäft zu sein. Mittlerweile stehen um die 80.000 verschiedenen Anwendungen zur Auswahl, die Anzahl der Downloads hat inzwischen die Millionengrenze überschritten. In langweiligen Konferenzen oder zugigen Bahnhofshallen lässt man sich halt gern ein wenig ablenken. Neben vielen nützlichen Funktionen, wie etwa derjenigen einer Wasserwaage, gibt es auch eine Menge Skurriles. Darunter finden sich aber auch „Perlen“: eine Auswahl stellt dieser Beitrag vor. Nicht wenige von uns haben ja in der Jugend Tagebuch geführt. Doch wer führt schon ein „Bier-Tagebuch“? Wer sich des Öfteren dem Genuss eines kühlen Blonden hingibt, für den bietet das „Beer Diary“ eine gute Möglich-

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Telefonieren 2.0

keit, die Übersicht über seinen Konsum zu behalten. Aufgelistet nach den Sorten Alt, Heller Bock, Dunkler Bock oder auch Bayrisch Dunkel kann der Nutzer genau festhalten, an welchem Tag er von welcher Sorte wie viel getrunken hat. In die gleiche Kategorie fällt die Anwendung „Bier-Rülpser“. Wenn man einmal damit angefangen hat, den auf dem Display abgebildeten lustigen Bayern ein Glas Bier nach dem anderen heben lässt, dann findet man schnell Gefallen daran, wenn er sich durch Aufstoßen seiner Magen-Flatulenzen entledigt. Mehr Sinn macht da schon die dritte App namens „My Promille“: wie der Name schon andeutet, kann man mit Hilfe dieser Anwendung berechnen, wie viel Promille Alkohol man im Blut hat. Hierzu gibt man einfach die Menge der konsumierten alkoholischen Getränke ein. Zusätzlich empfiehlt sie dann, das Auto lieber stehen zu lassen und ein Taxi zu rufen. Da man aber nicht nur die ganze Zeit über trinken kann, empfiehlt es sich, vorher etwas zu essen, um eine Grundlage zu schaffen. Mag man Fisch, so wäre hier eine Möglichkeit, „Sushipedia“ zu nutzen. Denn wer kann sich schon all die Namen der leckeren kleinen Fisch- und Reisröllchen merken. Die leider nur englisch-sprachig verfügbare App kann hier Abhilfe schaf-

fen. Über Bilder, aber auch Charakteristika wie Schärfe, den Bestandteil rohen oder gekochten Fischs oder das Merkmal „vegetarisch“ lässt sich die Suche eingrenzen. Der „i-Seismometer“, der von Patrick J. Kennedy (Long Island University) entwickelt wurde, leistet anderes. Er zeigt Erschütterungen auf der x-, yund z-Achse an. So kann man herausfinden, wer von den Kollegen im Büro druckvoller in die Tasten haut. Dazu lässt man das Handy einfach in Reichweite seines Kollegen auf dem Tisch liegen. Manche Menschen haben das Problem, dass sie sich nur schwer oder gar nicht bemerkbar machen können. Manchmal liegt das an einer eher unauffälligen oder gar piepsigen Stimme. In Diskussionen oder Gesprächen kann man sich da nur schwer Gehör verschaffen. Hört man sich da aber wie „Jigsaw“, der teuflische Rätselpeiniger aus dem Film „Saw“ an, dann darf man sicherlich mit mehr Aufmerksamkeit rechnen. Diese App erspart es dem Nutzer, vor dem Telefonat entweder eine Flasche StrohRum zu trinken, oder mit Reißzwecken zu gurgeln. Denn alles was man in das Mikrophon spricht, wird augenblicklich „ge-jigsawt“. Die Anwendung bietet gar die Option, zwi-

TagesSatz

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TagesSatz 2011/11  

Titelthema: Netzwelten

TagesSatz 2011/11  

Titelthema: Netzwelten

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