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T I T E L G A L E RIE

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EDITO R I A L Liebe Leserinnen und Leser, kürzlich sah ich im Magazin „Plus-Minus“ einen Beitrag, der den Umstand thematisierte, dass immer mehr Ärzte ihre (ehemaligen) Kassenpatienten nicht mehr behandeln und sie gar der Türe verweisen. Der Grund ist klar: sie erbringen zu wenig Honorare. Bei den Ärzten, die sich noch um Kassenpatienten kümmern, werden die Warteschlangen dafür immer länger. Es kann sogar vorkommen, dass die Sprechstundenhilfe einem bei einer Terminvereinbarung sagen muss: „Tut uns leid, wir haben für Kassenpatienten keine Termine mehr in diesem Quartal frei.“ Immer mehr Ärzte setzen auf die lukrativen Privatpatienten. Dabei sind die Arzthonorare in den letzten 15 Jahren um über die Hälfte auf aktuell 32 Milliarden gestiegen. Doch den Ärzten ist das komplizierte Abrechnungssystem der Krankenkassen ein Dorn im Auge. Zudem bekommen die Ärzte für gesetzlich Krankenversicherte Pauschalbeträge, ganz gleich, ob sie ihren Patienten einmal oder mehrmals behandeln. Zwar gibt es für Hausbesuche oder chronisch erkrankte Patienten Aufschläge. Doch hat jeder Arzt auch ein festgelegtes Finanzbudget. Behandelt er nun mehr Patienten, als ursprünglich geplant, bekommt er für seine Leistungen keine Vergütung. Bei Privatpatienten gelten solche Regelungen dagegen nicht. Man kann jetzt schon beobachten, dass Ärzte, die heutzutage eine Praxis neu eröffnen, diese gezielt dort ansiedeln, wo die Versorgung mit Privatpatienten gewährleistet ist. Das führt dann zur paradoxen Situation, dass in Starnberg eine Überversorgung mit Ärzten vorherrscht, während in Berlin-Neukölln dagegen nicht einmal mehr die Ärzte für die medizinische Grundversorgung bereit stehen. Etwas daran ändern könnten die vier großen Spieler im Gesundheits-System: die Krankenkassen, die kassenärztlichen Vereinigungen, die Pharma-Industrie und die Politik. So kritisiert Wolfram-Arnim Candidus, dass sich die Kassen in den letzten Jahren vorrangig um niedrige Kosten anstatt um wirkliche Verbesserungen für die Patienten eingesetzt haben. In den kassenärztlichen Vereinigungen geht es in erster Linie um einen Verteilungskampf zwischen verschiedenen Ärztegruppen und zwischen verschiedenen Regionen. Und das sei nicht gut für die Patienten und nicht gut für das System. Es fehle die Kraft etwas Vernünftiges zu machen, pflichtet ihm der Gesundheitsexperte Ferdinand M. Gerlach vom Institut für Allgemeinmedizin der Universität Frankfurt bei. Doch anstatt strukturell zu reformieren, will Gesundheitsminister Bahr denjenigen Medizinern eine Prämie anbieten, die in unterversorgte Gebiete gehen, um dort eine Praxis aufzumachen. Damit bekämpft er nur das Symptom, nicht aber die Ursache. Trotzdem wünsche ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, Spaß bei der Lektüre.

TagesSatz. Hilft sofort.

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Der TagesSatz wird von Menschen in sozialen Schwierigkeiten auf der Straße verkauft. Vom Verkaufspreis der Zeitung (2,00 Euro) behalten die VerkäuferInnen 1,00 Euro. Sie können damit ihre finanzielle Situation verbessern und sind nicht mehr auf Almosen angewiesen.

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Die Mitarbeit in Redaktion und Vertrieb des TagesSatz bietet arbeits- und wohnungslosen Menschen eine Aufgabe und die Möglichkeit, neue soziale Kontakte zu knüpfen und ermöglicht langfristig gesehen den Wiedereinstieg ins Berufsleben.

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Der TagesSatz finanziert sich ausschließlich durch Verkaufserlöse, Anzeigen und Spenden. Das Straßenmagazin erhält keine regelmäßigen Fördermittel.

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Wenn Sie den TagesSatz über den Kauf hinaus unterstützen wollen, können Sie auf folgendes Konto eine Spende überweisen: TagesSatz e.V. Kassler Sparkasse Kto.: 1183379 Blz.: 52050353 TagesSatz e.V. Sparkasse Göttingen Kto.: 50581511 Blz.: 26050001

Harald Wörner (Redaktionsleitung Kassel) ANZEIGE

Bitte geben Sie Ihre Adresse im Feld Verwendungszweck an, damit wir Ihnen eine Spendenbescheinigung zusenden können.

Der TagesSatz ist Mitglied von:

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Olaf Burhenne

A U S E R S T E R HAND

Quer durchs Land

Reisebericht – die ERSTE

Seit dem ersten September 2011 kann ich mit meinem Schwerbehindertenausweis mit Bus und Bahn umsonst durch ganz Deutschland fahren. Von meinen Reisen möchte ich Ihnen berichten.

* OLAF BURHENNE

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or dem 1. September durfte ich nur Strecken bis zu fünfzig Kilometern fahren. Seit ich meinen neuen Schwerbehindertenausweis bekommen habe, habe ich die Möglichkeit ganz Deutschland zu bereisen. Am besten hat mir ein Ausflug nach Berlin gefallen. Nachdem ich einen Freund begleitet hatte, schaute ich mir die Stadt allein an. Als erstes habe ich den Reichstag und das Brandenburger Tor besucht. Mein Ausweis hat noch den Vorteil, dass ich an der langen Schlange vorbeigehen konnte. So habe ich nicht nur die Sitzungssäle der Abgeordneten ansehen dürfen, sondern auch aus der großen Glaskuppel einen schönen Blick über Berlin erhaschen können. Danach musste ich mir unbedingt den Ku’damm und das KaDeWe anschauen. Auch wenn ich mir im teuren Kaufhaus des Westens nichts leisten konnte, war es interessant dort. Abends habe ich dann den Zug zurück nach Göttingen genommen. Früher war ich mal in Travemünde zum zollfreien Einkaufen. Da mir das sehr gut gefallen hatte, wollte ich Travemünde noch einmal se-

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hen. Die Stadt ist sehr klein, eigentlich fast ein Dorf. Aber die Meeresluft ist sehr angenehm. Leider habe ich das „Sandworld“ verpasst. Da werden aus speziellem Sand Kunst- und Bauwerke nachgebaut. Anfang November und bei herrlichem Wetter bin ich nach Soest zur Allerheiligen-Kirmes gefahren. Das ist eine riesige Kirmes mit 400 Standplätzen, auf die sich über 1000 Menschen bewerben. Ich konnte mir zwei Karussellfahrten leisten, da generell alles sehr teuer ist. Der Trubel war sehr interessant. Vor kurzem war ich in Hamburg. Da habe ich einen Ausflug auf den Kiez unternommen. Danach habe ich mir die Landungsbrücken angesehen. Obwohl ich kein Fernweh bekomme, ist es trotzdem schön mal wieder da zu sein. Sollte ich einmal doch Fernweh bekommen, heuer ich einfach auf einem Schiff an. Obwohl Berlin meine absolute Lieblingsstadt ist, bin ich immer wieder gern in Hamburg. Einmal bin ich nach Wuppertal gefahren, um mir die Schwebebahn anzusehen. Leider hat sie an diesem Tag Betriebsurlaub gehabt. Da habe ich kurzfristig die Innenstadt besucht. Diese hat allerdings nicht viel Besonderes zu bieten. Mit dem Wetter habe ich, wie fast immer, Glück gehabt. Es war wunderschöner Sonnenschein. In Kassel gibt es am Stern einen RotesKreuz-Laden, in dem man günstig Anziehsachen zum Kilo- oder Stückpreis kaufen kann. Da bin ich zum Shoppen hingefahren. In dem Laden hab ich zum Beispiel eine original CamelJacke zum Schnäppchenpreis von 15 Euro bekommen. Durch den neuen Ausweis kann ich meinem Hobby des Reisens nachgehen. Ich bin froh, durch interessante Städtereisen viele tolle Erlebnisse haben zu können. Wenn Sie Lust haben, mehr über meine Ausflüge zu erfahren, sprechen Sie mich doch einfach auf meinem Verkaufsplatz in der Weender Straße an.

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IN H A LT

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AUS ERSTER HAND Verkäufer schreiben 4 8 9 10 12 15 16 16 17 18 20 21

Quer durchs Land von OLAF BURHENNE Eine Reise nach Chile von Jürgen engelhardt Winterimpressionen von heinz bechlars Neues aus der Flimmerkiste von andreas pramann Alte Liebe Italien von alexander rifel Meine Ausflüge im Sommer von regina führer Beruflich weiter entwickeln von andreas pramann Eine starke Gemeinschaft von DETlef „Rocky“ bernhard Im Zeichen der Raute von olaf burhenne „Verkaufe kein Almosenblatt“ Von maya vom bruch Schwimmologie von jörg „yogi“ müller Füreinander da sein von detlef „ROCKY“ bernhard

Rubriken 3 6 19 21 22 23

Editorial Vorgestellt Die Kochnische Nächstes Mal & Impressum Zwischen den Zeilen Wohin, wenn

Bitte ausschneiden und zurücksenden an: TagesSatz e.V., Westring 69, 34127 Kassel

Fördermitglied oder ABO?

Grundsätzlich möchten wir Sie darum bitten, die Zeitung auf der Straße zu kaufen. Für diejenigen, die dazu keine Möglichkeit haben, bieten wir ein Abo für 50 € / Jahr an. Damit wird Ihnen der TagesSatz ein Jahr lang (12 Ausgaben) zugestellt. Selbstverständlich können Sie das Abo auch verschenken. Wer den TagesSatz darüber hinaus unterstützen möchte, der kann Fördermitglied werden. Eine Spendenquittung wird Ihnen am Jahresende automatisch zugesandt.

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Ort, Datum

Unterschrift

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V O R G E S T E L LT Werner KoSSmann / Alter: 54 / Standplatz: Sparkasse Innenstadt [GÖ] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Von Anfang an Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Die nette Vertriebsleitung. Was war Dein besonderes Erlebnis? Einmal haben Studenten jedem Verkäufer 20 Euro gespendet. Was wünschst Du Dir? Ein schönes langes Leben mit meiner wundervollen Frau und meinem viel zu dicken Kater (ist jetzt auf Diät). Andreas Pramann / Alter: 50 / Standplatz: Bahnhof [GÖ] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? 2004 Was gefällt Dir am Verkauf? Kontakt mit Menschen, Zuverdienstmöglichkeit Was war dabei Dein besonderes Erlebnis? Lob für meine Artikel Was wünscht Du Dir? Eine bezahlte Arbeit, von der ich auch leben kann.

Holger Teichmann / Alter: 47 / Standplatz: Post am Bahnhof [GÖ] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Das Magazin verkaufe ich seit Mitte 2004 Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Kontakte und Gespräche mit Menschen an der Post (mein Standplatz) Was war Dein besonderes Erlebnis? Die Menschen ermuntern mich kreativ zu bleiben. Was wünschst Du Dir? Einen schönen 50ten Geburtstag Olaf Burhenne / Alter: 38 / Standplatz: Karstadt Sport [GÖ] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit 2008 Was gefällt dir beim Verkauf am besten? Nette Leute, die auch mal etwas Extra geben. Was war Dein besonderes Erlebnis? Es gab schon mal Leute, die dafür sorgten, dass mein Kühlschrank voll ist. Was wünschst Du Dir? Eine Festanstellung in einer Großküche. Jörg „Yogi“ Müller / Alter: 47 / Standplatz: Vor der Jakobikirche [GÖ] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit August 2008 Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Der Kontakt und der Zuspruch meiner Kunden. Was war dein besonderes Erlebnis? Dass sich dabei Freundschaften gebildet haben. Was wünschst Du Dir? Ich wünsche allen Wohlwollen, Freiheit und Glück!

DETLef „Rocky“ Bernhard / Alter: 52 / Standplatz: Karstadt (Hintereingang) [GÖ] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit 2009 Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Das soziale Umfeld und die Gespräche. Was war Dein besonderes Erlebnis? Ein junger Mann half mir gegen einen angetrunkenen Zeitgenossen und passte noch auf mich auf, bis er verschwunden war. Was wünschst Du Dir? Mehr Zusammenhalt bei den Menschen. Bruno F. Spotted Bear / Alter: 56 / Standplatz: Post (Innenstadt) [GÖ] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? seit etwa sieben Jahren, mit Unterbrechungen Wie bist Du zum TagesSatz gekommen? durch eine Bekannte Was hast Du davor gemacht? viel: gelebt, gearbeitet und umhergezogen Was wünscht Du Dir? Gesundheit und viel Ruhe

Maya vom Bruch / Alter: 36 / Standplatz: vor Karstadt Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Ich bin seit zwei Monaten wieder dabei. Was gefällt Dir beim Verkauf am Besten? Das Gespräch mit den Kunden. Was war Dein besonderes Erlebnis? Ich habe von einem Passanten fünf Euro geschenkt bekommen. Was wünschst Du Dir? Ich wünsche mir viele treue Stammkunden. 6

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VORGEST E L LT Luca „Vasi“ Vasile / Alter: 42 / Standplatz: Gewerbegebiet [GÖ] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit Februar 2011. Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Die netten Kunden, die mir dabei helfen. Was war dein besonderes Erlebnis? Was wünschst Du Dir? Ich wünsche mir ein schönes und sauberes Zuhause zusammen mit meiner Familie und soziale Sicherheit. Stoica „Dani“ Trandafir / Alter: 43 / Standplatz: Gewerbegebiet [GÖ] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit Februar 2011. Was gefällt dir am besten beim Verkauf? Dass ich durch den Verkauf der Zeitung Geld habe, um meine Familie und mich zu ernähren. Was war Dein besonderes Erlebnis beim Verkauf? Was wünschst Du Dir? Ein schönes Zuhause in Deutschland (es gibt keine Arbeit in Rumänien). ANGELIKA SOMMER / Alter: 61 / Standplatz: Geschäfte Wilhelmshöhe & Gaststätten [KS] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit mehr als 12 Jahren Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Der sehr gute Kontakt zu den Kunden. Was war Dein besonders Erlebnis? Dass uns manche Menschen bevorzugt behandeln. Was wünschst Du Dir? Dass der TagesSatz gut läuft und dass wir weiter gut verkaufen können. ARMIN SCHULZE / Alter: 58 / Standplatz: Tegut Bettenhausen, Wilhelmstraße & Markthalle (gelegentlich) [KS] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit 2002 Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Das Gespräch mit Kunden und Passanten Was war Dein besonderes Erlebnis? Einladung einer Kundin (zwei wunderschöne Wochen) Was wünschst Du Dir? Auswandern nach Bora-Bora DETLEF BUTENBERG / Alter: 61 / Standplatz: Wilhelmstraße (samstags) [KS] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Eigentlich schon seit 1995; nach einer längeren Pause nun wieder seit Ostern 2011 Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Eine schüchterne Kundin Was war Dein besonderes Erlebnis? Bis jetzt habe ich noch nichts Besonderes erlebt. Was wünschst Du Dir? Bin wunschlos glücklich. REGINE FÜHRER / Alter: 50 / Standplatz: Königsstraße, Wilhelmstraße & Innenstadt [KS] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit 1995 Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Was war Dein besonderes Erlebnis? Ich habe mal verhindert, dass eine Frau bestohlen wird. Was wünschst Du Dir? Etwas mehr finanzielle Freiräume, um auch einmal etwas ausspannen zu können. JÜRGEN ENGELHARDT / Alter: 67 / Standplatz: Gaststätten [KS] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit dem November 2006 Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Der Kontakt zu den Kunden Was war Dein besonderes Erlebnis? Die positiven Rückmeldungen von Kunden und Gästen; manchmal bekommen wir auch eine kleine Mahlzeit oder ein Getränk spendiert. Was wünscht Du Dir? Ein gutes Leben und dass es mit Angelika so gut weitergeht. HEINZ BECHLARS / Alter: 67 / Standplatz: Gesundheitszentrum Willi-Alle & Kohlenstraße [KS] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit dem Januar 1999. Was gefällt Dir beim Verkauf am besten? Wenn die Leute gut drauf sind. Was war Dein besonderes Erlebnis beim Verkauf? Da gab es nichts Besonderes. Was wünschst Du Dir? Dass ich weiterhin einigermaßen gesund bleibe. TagesSatz

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V O R G E S T E L LT / AUS ERSTER HAND

Julia Krause

HABTE MOGOS / Alter: 56 / Standplatz: Köhler / Obere Königstraße [KS] Seit wann verkaufst Du den TagesSatz? Seit 2006 Was gefällt Dir am Verkauf am besten? Alles, vor allem der Kundenkontakt und die lachenden Gesichter der Kinder Was war Dein besonderes Erlebnis beim Verkauf? Alles hat seine Bedeutung Was wünschst Du Dir? Vor allem Gesundheit und Arbeit

Eine Reise nach Chile Mein Quartiersmeister sitzt in der QuartiersmeisterKajüte. Er erwartet die Besatzung meines Schiffes, um sie in die Musterrolle einzutragen. Es kommen alle alten Fahrensleute, die schon immer auf diesem Schiff waren.

* JÜRGEN ENGELHARDT

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ie Heuerverträge werden abgezeichnet, teils mit Daumenabdruck, da einige Seeleute nicht lesen und schreiben gelernt haben. Der Heuervertrag beinhaltet, dass wir nicht weiter als 60° südlicher Breite fahren. Das Schiff ist ausgerüstet und verproviantiert für eineinhalb Jahre. Wir machen in London-Docks los und gewinnen die freie Nordsee. Darauf wenden wir uns dem ÄrmelKanal zu, den wir mit rauhem Wind durchsegeln. Nach Verlassen des Ärmelkanals setzen wir Kurs auf den Mittelatlantik, um freie Fahrt nach Süden zu bekommen. Ich hatte eine Schlechtwetterwarnung für die Biskaya bekommen, weshalb ich in den Atlantik rausgefahren bin. Im freien Atlantik kann man schlechtes Wetter besser abwettern, als in der Biskaya. Wir hatten Glück, dass wir an dem Sturmtief der Biskaya vorbeigesegelt sind. Unsere Reise nahm nun einen sehr guten Verlauf, wobei uns

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günstige Winde unterstützten. Bei den Kapverdischen Inseln nahmen wir noch einmal frisches Wasser auf und machten uns auf die Reise Richtung Südatlantik. Wir kamen sehr gut in den Nordost-Passat. Jetzt hatten meine Leute Zeit, ihre Anziehsachen zu überholen und ein ruhiges Leben zu führen, da der stete Nordost-Passat gleichmäßig weht und wir fast gar keine Segelmanöver machen mussten. Schwer wurde es erst, als wir in die Kalmen kamen (die Kalmen sind 10° nördlicher und 10° südlicher Breite und beinhalten fast völlige Flaute). Nach den Kalmen kamen wir in den Südost-Passat. Eine Äquator-Taufe brauchten wir nicht zu machen, weil alle Leute den Äquator schon durchquert hatten. Jetzt nahmen wir Kurs auf die Falklands, um dort unser Ausrüstung zu erneuern und Reparaturarbeiten durchzuführen. Von den Falklands

nahmen wir Kurs auf Kap Hoorn. Wir hatten das Glück, im Südsommer zum Kap zu kommen. Doch Neptun meinte es nicht gut mit uns. Wir mussten drei Mal umkehren, zum Beispiel nach Montevideo, wo wir in Docks gehen konnten. Beim vierten Anlauf bin ich auf 70 ° südlicher Breite auf bessere Winde gestoßen, ich wusste das von einem anderen Kapitän her. Das war zwar gegen die Heuerverträge, aber es hat sich kein Mann beschwert. Bei uns an Bord war der Wille, die Reise glücklich zu Ende zu führen. Unser Ziel war Santiago de Chile. In Santiago angekommen, haben wir unsere Ladung gelöscht und Reparaturen ausgeführt. Nachdem wir uns erholt hatten, haben wir eine Ladung nach Australien geladen, doch von dieser Reise möchte ich ein anderes Mal berichten. Der Kapitän

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Julia Krause

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Winterimpressionen Unser Verkäufer Heinz Bechlars, der den TagesSatz beim Tegut in Wilhelmshöhe verkauft, hat seine Gedanken über den Winter zu Papier gebracht.

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iskristalle durch den Nebel wabern, klirrender Frost, ich radele durch Wald und Flur, brauche Bewegung, den Hauch der Natur. Ein leises Rauschen kommt auf mich zu. Ich sehe mich um. Wie eine Wand kommt es auf mich zu, schon hat es mich erreicht, es ist der erste Schnee dieses Jahres, kleine harte Körner fliegen in meinen Kragen, ich schüttele mich, im Nu hat es die gesamte Umgebung eingehüllt. Für einen Moment ist es so, als wenn die Natur den Atem anhält, eben noch waren Vogelstimmen zu hören, nun ist außer dem Rauschen in den Baumwipfeln nichts zu vernehmen, sogar meine Atemgeräusche klingen unwirklich. Wie ein Spuk, schon ist es vorbei, es wird heller, das Flirren des Sonnenlichts, das sich durch den Nebel schält, lässt eine seltsame Stimmung aufkommen. Krächzend fliegen Krähen über

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mich weg, setzen sich nicht weit von mir in die Zweige eines kleinen Baumes, als wenn sie auf etwas warten würden. Ich habe noch einige Scheiben Brot bei mir, es sollte mein Abendbrot sein, falls es später wird. Als ich die Tüte mit dem Brot hervorhole, das Knistern scheinen sie zu kennen, schauen sie neugierig zu mir hin. Eine ist besonders kess, sie fliegt auf, keine drei Schritte von mir landet sie, geht gemächlich vor mir auf und ab und schaut zu mir auf. Es ist, als wenn sie mir zublinzelt. Die muss ich unbedingt belohnen. Ich hole die erste Scheibe hervor. Stück für Stück fliegt das Brot vor ihre Füße. Ganz gemächlich fängt sie an, es zu verspeisen. Eine Krähe nach der Anderen fliegt auf, landet vor mir. Inzwischen habe ich meinen gesamten Vorrat zerkleinert. Mich wundert’s, dass es keine Streitereien unter ihnen gibt. Als die letzte Brotkrume verspeist ist, blinzeln sie zu mir hoch. Ich nehme

vorsichtig die Tüte, halte sie hoch, es fällt nichts mehr heraus. Ich drücke die Tüte zusammen und sie, als wenn sie es verstehen würden, fliegen eine nach der anderen auf und setzen sich mir gegenüber wieder in den Baum. Langsam fängt es an, zu dämmern, Wind kommt auf, nicht von der nahen Stadt, sondern vom freien Feld her. Mich fröstelt. Bei den Krähen scheint es genauso zu sein, sie plustern sich zusätzlich auf. Die Erste fliegt auf, bleibt aber über dem Baum. Sie scheint im Luftstrom zu segeln. Ich erhebe mich, steige auf mein Fahrrad. Wie auf ein Zeichen fliegen sie auf, scheinen mich einen Augenblick zu begleiten. Ein vielstimmiges Krächzen erklingt. Nun gewinnen sie an Höhe, scheinen kurz über mir zu kreisen. Ihr Krächzen gleicht einem Rufen: „Komm Fremder, folge uns!“ Dann fliegen sie voraus, in Richtung der Stadt.

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A U S E R S T E R HAND

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as Thema war die Selbständigkeit speziell im Dienstleistungsbereich. Anhand praktischer Beispiele aus Gastronomie und Sozialarbeit wurden uns Teilnehmern die Voraussetzungen für eine selbständige Existenz vermittelt. Ziel war es, herauszufinden, in wieweit man sich für geeignet hält, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen.

Mein eigenes Praktikum fand weder in der Gastronomie noch im Bereich der Alttagshilfen statt. Ich interessierte mich eher für den Medienbereich und fand auch einen entsprechenden Praktikumsplatz. Acht Wochen lang arbeitete ich im Redaktionsbüro Radio und Fernsehen (rrf) in Göttingen. Die Firma ist ein Pressedienstleister, der maßgeschneiderte Fernsehtipps für Zeitschriften und Webseiten erstellt. Aus den Programmvorschauen der Fernsehsender werden Vorankündigungen von Sendungen ausgewählt, die zum Thema eines Kunden, d.h. einer 10

Ist nach Jahren der Arbeitslosigkeit die berufliche Selbständigkeit eine Möglichkeit, wieder in eine bezahlte Beschäftigung zu kommen? Um diese Frage zu beantworten, nahm ich von Juni bis Dezember an einer beruflichen Fortbildung des Jobcenters Göttingen, also der Arbeitsverwaltung von Stadt und Kreis Göttingen, teil.

* ANDREAS PRAMANN Zeitschrift passen, und an den Kunden rechtzeitig vor Erscheinen einer neuen Ausgabe versandt. Im Rahmen des Praktikums erstellte ich auch selbst Sammlungen von Fernsehtipps, von denen ich Ihnen an dieser Stelle ein Beispiel präsentieren möchte. Die folgenden TV-Tipps enthalten Fernsehsendungen zum Themenbereich ´Arbeit und Soziales`, die im ersten Drittel des Monats Januar ausgestrahlt werden. Spätere Sendungen konnte ich nicht berücksichtigen auf Grund des frühen Redaktionsschlusses dieser Verkäuferausgabe vor den Weihnachtsfeiertagen.Die beiden „X:enius“-Moderatoren Caro Matzko und Gunnar Mergner besuchen in Frankfurt am Main ein außergewöhnliches Pflegeheim. Für sie wird dieser Besuch zu einer Art Zeitreise in die Welt der 40er Jahre, als

die pflegebedürftigen Heimbewohner noch jung waren. Die Wohnräume sind mit Fundstücken vom Flohmarkt und Schätzen aus Haushaltsauflösungen ausgestattet, so dass alles genau so aussieht wie früher - vom alten Eisenherd und den Schöpfkellen in der Küche bis zum bestickten Lampenschirm und der Blümchentapete mit Madonnenbildchen im Wohnraum. Denn das Heim arbeitet mit dem sogenannten psychobiografischen Konzept nach Erwin Böhm. Der Ansatz geht davon aus, dass bei Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen vor allem Erinnerungen aus dem Alter bis etwa 30 Jahre erhalten bleiben, aus der sogenannten „Prägephase“: Ausbildung, Berufsanfang, Partnerwahl, Geburt von Kindern, diese wichtigen Erlebnisse vollziehen sich in der Regel in dieser Zeit.

Clemens Eulig

Der Kurs begann mit einem vier Monate dauernden Unterricht bei der Firma BUPNET, die die Fortbildung im Auftrag der Arbeitsvermittlung durchführt. Grundlagen wie Kalkulation, Rechtsfragen und Marketing wurden uns Teilnehmern anhand von zwei praktischen Beispielen nahe gebracht. Zum einen ging es um den Aufbau eines kleinen gastronomischen Schulungsbetriebes, der am Ende des Unterrichts auch in Form einer Kantine für Mitarbeiter und Kursteilnehmer von BUPNET realisiert wurde. Zum anderen wurde über Möglichkeiten nachgedacht, sich mit einer Agentur für Arbeitshilfen selbständig zu machen. Ein solches Unternehmen bietet älteren Menschen oder Behinderten, die in ihrem Alltag Hilfe benötigen, haushaltsnahe Dienstleistungen an. Die Agentur für Alltagshilfen wurde nicht praktisch umgesetzt. Stattdessen sammelten Kursteilnehmer, die sich dafür interessieren, praktische Erfahrungen in einem achtwöchigen Praktikum als Helfer im Alltag bei karitativen Einrichtungen wie der Diakonie und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband.

Neues aus der Flimmerkiste

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AUS ERSTER H A N D TV-Tipps zum Thema `Arbeit und Soziales` 5.1.2012, 13:02 Uhr, ZDFinfo ZDF.reportage: Abenteuer Mallorca Rund 3,5 Millionen Deutsche machen jährlich auf Mallorca Urlaub. So mancher Tourist möchte für immer auf der Sonneninsel bleiben, doch auch dort sind gute Jobs rar, und lukrative Geschäftsideen gibt es kaum noch. Drei Deutsche haben den Sprung trotzdem gewagt. Die “ZDF.reportage” hat die Auswanderer ein halbes Jahr lang begleitet. 8.1.2012, 17:00 Uhr, 3Sat ARD-exclusiv: Alt, arm, arbeitslos Film von Oliver Heinsch und Thomas Reutter Jenseits der 50 bleibt es schwierig, einen neuen Arbeitsplatz zu finden, trotz des neuerdings behaupteten Fachkräftemangels in Deutschland und vielfältiger Förderprogramme für die Generation 50+. Jenseits der 50 bleiben Arbeitslose schwer vermittelbar. Gut gemeinte Kampagnen der Politik für diese Gruppe kommen offenbar bei der Wirtschaft nicht an. 8.1.2011, 21:15 Uhr, Bayerisches Fernsehen Faszination Wissen Risiko am Schreibtisch – Das gefährliche Büro Von Doris Tomballa Moderation: Iska Schreglmann Rund 17 Millionen Deutsche verbringen ihren Arbeitstag im Büro. Und für viele ist das nicht nur unangenehm, sondern sogar eine echte Gefahr für Körper und Seele. Schlechte Luft, störende Möbel, gefährlicher Tonerstaub aus dem Drucker, ein Dauerfeuer aus Lärm und Stress im Großraumbüro. Mehr als 200 Schadstoffe können sich allein in Wänden, Möbeln oder Verschalungen verstecken und Allergien auslösen. Schon wenige Grad Celsius verringern die Denkfähigkeit um fast die Hälfte. Und wer zu viel oder falsch sitzt, trägt ein bis zu doppelt so hohes Risiko, einen Bandscheibenvorfall zu erleiden. Wissenschaftler versuchen herauszufinden, wie man Büros anders gestalten kann. Das Büro der Zukunft ist KommunikationsplattTagesSatz

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form und Rückzugsraum zugleich, zum Austausch oder zur Konzentration geeignet. Vom Großraumhorror zum “Multispace”, ein Ort, an dem man sich wohl fühlt, produktiv sein kann und vor allem gesund bleibt. Ein Traum, der in einigen wenigen Firmen schon wahr geworden ist. 9.1.2011, 17:00 Uhr, Bayerisches Fernsehen Landleben in Bayern Dokumentation von Birgit Eckelt, Matthias Eggert, Jürgen Neumann (2008) Hans Furtmayr hat sein Leben im Büro so gelangweilt, dass er auf dem Hof seiner Eltern in Huglfing eine Forellenfarm aufmachte - und jetzt ist er sehr glücklich. Jörg Lichte, ein junger Landarzt in der Gemeinde Hunderdorf, übernahm die Praxis seines Vaters. Denn er wollte lieber in der Heimat bleiben als etwa in einem Krankenhaus in der Stadt arbeiten. Und Justine Frank ist trotz ihres hohen Alters immer noch mit Leib und Seele Wirtin in der Oberpfalz. 10.1.2012, 8:25 Uhr, arte X:enius: Alzheimer Was hilft gegen das Vergessen? Die beiden “X:enius”-Moderatoren Caro Matzko und Gunnar Mergner

besuchen in Frankfurt am Main ein außergewöhnliches Pflegeheim. Für sie wird dieser Besuch zu einer Art Zeitreise in die Welt der 40er Jahre, als die pflegebedürftigen Heimbewohner noch jung waren. Die Wohnräume sind mit Fundstücken vom Flohmarkt und Schätzen aus Haushaltsauflösungen ausgestattet, so dass alles genau so aussieht wie früher - vom alten Eisenherd und den Schöpfkellen in der Küche bis zum bestickten Lampenschirm und der Blümchentapete mit Madonnenbildchen im Wohnraum. Denn das Heim arbeitet mit dem sogenannten psychobiografischen Konzept nach Erwin Böhm. Der Ansatz geht davon aus, dass bei Alzheimer und anderen Demenzerkrankungen vor allem Erinnerungen aus dem Alter bis etwa 30 Jahre erhalten bleiben, aus der sogenannten “Prägephase”: Ausbildung, Berufsanfang, Partnerwahl, Geburt von Kindern, diese wichtigen Erlebnisse vollziehen sich in der Regel in dieser Zeit. 10.1.2012, 22:45 Uhr, 3Sat Auf der Suche nach Peter Hartz Dokumentation von Lutz Hachmeister Sein Name ist in aller Munde als Synonym der größten Arbeitsmarktreform der Bundesrepublik. In seinem Film zeigt Lutz Hachmeister den Menschen hinter dem Schlagwort Hartz IV.

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Jörg „Yogi“ Müller

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Alte Liebe Italien Liebe Leserinnen und Leser des TagesSatz, zu Anfang des Jahres 2012 möchte ich Ihnen gern von meinem Sardinien-Kurztrip im Monat März 2010 erzählen.

* ALEXANDER RIFEL

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ie Reise sollte ihren Anfang am Samstag, den 13. März 2010, nehmen. Schon einen Monat im voraus habe ich ein Sparticket mit der Bahn-Card 25 erworben. Mit dem ICE fuhr ich zweiter Klasse von Kassel über Mannheim nach Heidelberg. Diese Fahrt kostete mich 15 Euro. Auf dem Rückweg nahm ich einen Zug von Karlsruhe über Frankfurt nach Kassel. Im ICE bezahlte ich in der zweiten Klasse 22 Euro. Mein Flug ging aber erst am Montag, den 15. März 2010 um 12.10 Uhr. Daher hatte ich mir überlegt, auf dem Weg zum Flughafen einen Zwischenstopp bei meinen zwei Omas einzulegen, die ich schon eine Weile nicht mehr gesehen hatte. In den Morgenstunden fuhr ich also mit dem ICE nach Fulda, von dort nach Gersfeld/ Rhön. So konnte ich meine beiden Omas besuchen und bei meiner Mutter in Hünfeld und meiner Schwester in Bad-Hersfeld zudem noch vorbeischauen. Mein ICE-Zug ging um 6.16 Uhr Richtung Fulda. Für den hatte ich ein Sparticket gekauft. Leider habe ich ihn verpasst und musste mir daher einen anderen ICE nehmen, der etwas später um 6.23 Uhr ebenfalls nach Fulda fuhr. Eigentlich hätte ich ihn gar nicht benutzen dürfen, da die Spartickets nur auf ganz bestimmte Züge ausgestellt werden und man nicht einfach einen anderen Zug nehmen kann. Sonst kommt die Bahn ja mit den ganzen Platzreservierungen durcheinander. Ich stand also auf dem Bahnsteig und wartete auf den Zug. Aus diesem stieg beim Halt eine Zugbegleiterin, die war so hübsch, dass ich mich erst nicht traute, zur ihr hingehen, um sie zu fragen, ob ich eventuell mit meinem Sparticket auch den späteren Zug nehmen dürfe. Da ich nicht viel Zeit hatte, gab ich meinem Herzen einen Schubs und ging auf sie zu. Ich fragte sie, ob es möglich wäre, den späteren Zug zu nehmen, da ich meinen verpasst hätte. Zuerst zögerte sie ein wenig. Dann hat sie mir aber doch erlaubt, mit dem späteren ICE nach Fulda zu fahren. Sie riet mir, mich immer

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AUS ERSTER H A N D in ihrer Nähe aufzuhalten. Da fragte ich sie, ob ich ihre beiden Hände halten dürfe. Sie lächelte und antwortete mir, das sei nicht nötig, ich brauche Ihre beiden Hände nicht zu halten, es reiche schon aus, mich in ihrer Nähe aufzuhalten. Darauf suchte ich mir einen Platz im Bistrowagen und bestellte eine Tasse Tee. Dort saßen noch ein paar andere Fahrgäste und unterhielten sich. Kurz darauf erschien der Zugbegleiter und kontrollierte die Fahrscheine. Einige Fahrgäste bat er, den Bistrowagen zu verlassen. Ich fragte, ob mir solches auch widerfahren würde. Er verneinte, da ich im Bistrowagen ja meinen Tee zu mir nahm, während die anderen Personen nur dasaßen, ohne etwas zu bestellen. Pünktlich um 6:54 Uhr erreichten wir Fulda, von dort ging es dann weiter mit der Regionalbahn nach Gersfeld/ Rhön. Hier besuchte ich meine eine Oma und gegen Mittag fuhr ich wieder zurück nach Fulda. Dort schaute ich bei der anderen Oma vorbei und reiste gegen Abend weiter nach Hünfeld zu meiner Mutter. Bei ihr übernachtete ich von Samstag auf Sonntag. Anschließend reiste ich weiter mit dem Zug, um gegen Abend in Bad Hersfeld bei meiner Schwester vorbeizuschauen. Bei ihr schlief ich von Sonntagabend auf Montagmorgen.

schen. Die S-Bahn war sehr voll und ich fragte mich, wo denn die ganzen Menschenmassen hinwollten. Vielleicht, so wie auch ich, nach Sardinien in die Hauptstadt Cagliari? Der Zugführer gab sein Bestes, holte die Verspätung der vorausgegangen Züge wieder auf und wir erreichten pünktlich um 6.42 Uhr den Heidelberger Hauptbahnhof. Vom Heidelberger Bahnhof ging meine Reise dann weiter nach Karlsruhe / Baden-Baden (Airport) mit dem Hahn-Express-Bus. Der fährt um 8 Uhr von Karlsruhe nach Frankfurt -Hahn (Flughafen) und Karlsruhe/Baden-Baden (Airport) drei- bis viermal täglich. Mir blieb sogar noch genügend Zeit, um mir den Heidelberger Hauptbahnhof anzuschauen.

te ein und pünktlich um 12.10 Uhr flog die Ryanair-Maschine Richtung Sardinien, in die Hauptstadt Cagliari. Das Tollste von allem war aber, dass sowohl Hin- wie auch Rückflug nur 4,99 Euro kosteten. Zuzüglich einer Administrationsgebühr kam ich so insgesamt auf 19,98 Euro. Dass ist sensationell günstig. Erste Sahne! Da hatte ich im Internet einen sehr guten Schnäppchen-Preis ergattert. Der Flug war dementsprechend voll ausgebucht. Sie sehen, liebe Leserinnen und Leser des „TagesSatz“: Man kann durchaus auch mit dem Zug quer durch Deutschland reisen oder mit günstigen Airlines Europa erkunden. Man muss nur zeitlich flexibel sein und es dürfen zwischen den Reisen keine Wochenenden, Feiertage oder Schulferien liegen. Am besten bucht man die Tickets ein bis drei Monate im voraus, dann kann man schon einen günstigen Flug nach Sardinien bekommen.

Händchenhalten im Zug ?

Montagmorgen, den 15. März um 3.47 Uhr, ging meine Reise mit dem ICE dann weiter von Bad Hersfeld nach Heidelberg über Frankfurt und Mannheim. Die Fahrt bis nach Frankfurt war sehr angenehm und ruhig, der ICE war bis nach Frankfurt total leer. Erst im Frankfurter Hauptbahnhof stiegen sehr viele Reisende und Berufspendler zu.

Die Busfahrt nach Karlsruhe / BadenBaden war sehr angenehm, denn mit mir war nur ein weiterer Fahrgast im Bus. In Karlsruhe stiegen dann doch noch ein paar Personen zu. Genau um 9.30 Uhr kamen wir in Baden-Baden (Airport) an. Da ich noch relativ viel Zeit hatte, sah ich mir den Flughafen an. Mein Flug sollte erst um 12.10 Uhr starten. Da der Flughafen aber klein und überschaubar ist, wie etwa auch der Paderborner Airport, wurde mir nicht langweilig. Die Abflugzeit für meinen Flug rückte nun immer näher. Ich wurde langsam ein wenig aufgeregt. Ich check-

Pünktlich um 14.10 Uhr erreichten wir dann den Flughafen in Cagliari. Da die dortige Landebahn aber sehr schmal und ringsherum nur Wasser ist, war mir schon ein wenig flau im Magen, ob denn den Piloten die Landung auch glücken würde. Doch die Landung verlief ohne Zwischenfall und ich war erleichtert. Nach dem Ausstieg aus dem Flugzeug ging dann meine Reise mit einem Reisebus weiter. Ich wartete zehn bis fünfzehn Minuten auf meinen Bus, der zwischen dem FlughaANZEIGE

Den Mannheimer Hauptbahnhof erreichten wir mit zirka zehnminütiger Verspätung um 6.35 Uhr. Von dort sollte die Bahn nach Heidelberg regulär um 6.30 von Gleis 9 abfahren. Doch diese fuhr - mit Verspätung auch erst 6.35 Uhr ab. Obwohl sie von einem anderen Gleis abfuhr, konnte ich sie auf den letzten Drücker erwiTagesSatz

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A U S E R S T E R HAND fen und dem örtlichen Bus-Bahnhof pendelte. Innerhalb von zehn Minuten war ich an meinem Ziel angekommen. So erreichte ich auch noch rechtzeitig meinen Anschluss am Busbahnhof. Ich erwarb ein Ticket und die Reise ging um 15 Uhr weiter nach Santa Maria / Navaresse. Das ist ein kleiner Ort mit zirka fünfhundert bis tausend Einwohnern. Er liegt in einem Umfeld von gut 180 bis 200 Kilometern Entfernung von der Hauptstadt Cagliari. Die Fahrt über Autobahn, Schnellund Landstraßen dauerte insgesamt um die dreieinhalb Stunden. Gegen abends, 18.30 Uhr bzw. 19 Uhr, erreichten wir Santa Maria. Ich habe dann in meiner Unterkunft bei einer sehr netten und freundlichen deutsch-sardinischen Familie eingecheckt. Da ich sie schon aus früheren Zeiten kenne, war das Wiedersehen mit ihnen sehr herzlich. Zuerst habe ich mich ausgeruht von den sehr langen Zug-, Flug- und Busfahrt-Zeiten. Anschließend erfreute ich mich an einem Cappuccino. Wenn man einen Urlaub macht, sollte man immer versuchen, die originalen Speisen und Getränke zu bekommen, da sie sich doch erheblich von den in Deutschlang angebotenen unterscheiden können. Tagsüber hielt ich mich am Strand auf. Baden konnte man noch nicht, weil das Wasser noch relativ kalt war. Dafür habe ich mich am Strand gesonnt, und abends habe ich Spaziergänge unternommen. An wieder anderen Tagen habe ich umliegende Städte wie etwa Nuoro besucht, auch Olbia, das auf einer kleinen Anhöhe liegt, hat mir gut gefallen. Da ich Olbia sehr schön fand, bin ich gleich zum Übernachten dageblieben. Dies Städtchen ist allerdings kleiner als Nuoro, es hat in etwa die halbe Einwohner Zahl von Göttingen. Trotzdem ist in diesem kleinen Ort sehr viel Bewegung durch den Tourismus. Olbia kann mit Bahnhof, Busbahnhof, sowie Flughafen und Schifffahrtshafen punkten. Den Abschluss meiner Besichtigungstour bildete dann 14

Tortoli. Es liegt etwa 10 Kilometer entfernt von Santa Maria. Mit vielen Geschäften und Einkaufsmöglichkeiten wird es dort nicht langweilig, aber eigentlich gefällt mir Cagliari mit seinem historischen Altstadtkern, der Bastione San Remy oder auch dem Rathaus wesentlich besser. Während meines ganzen Urlaubes war angenehm warmes Wetter mit viel Sonne. Die Temperaturen betrugen um die 15 bis 20 Grad. Leider war mein Urlaub, da ich Mittwoch, den 31. März 2010, wieder zurück nach Deutschland reisen musste, ein wenig kurz. Ich hätte gern noch länger bleiben können. Wenn ich das nächste Mal wieder nach Sardinien verreise, so habe ich mir vorgenommen, möchte ich dorthin gern meine Freundin oder künftige Ehefrau mit hinnehmen. Dann besuchen wir zu-

Gute Vorbereitung spart Kosten sammen die deutsch-sardinische Familie in Santa Maria Navarrese. Da ist es schön ruhig und beschaulich, genau das Richtige zum Ausspannen und Erholen. In Großstädten fehlt einem meist diese Ruhe. Liebe Leserinnen und Leser des TagesSatzes, wenn sie auch einmal nach Sardinien verreisen, sollten, dann empfehle ich Ihnen, auch nach Santa Maria Navarrese oder zumindest in dessen Nähe, wie zum Beispiel nach Abatax zu fahren. Es gibt sehr viele schöne Ortschaften um Tortoli herum, in welchen man Erholung und Entspannung finden kann. Die besten Reisemonate sind von April / Mai bis August / September. Dann ist Badesaison und das Wasser ist auch viel wärmer als im Frühjahr. Wer allerdings keine Hitze verträgt, lieber Spaziergänge oder Wanderungen mag, dem empfehle ich, Sardinien in den Monaten von Oktober bis März zu besuchen. Nachtrag: Von 26. Dezember 2010 bis 18. Januar 2011 besuchte ich erneut Sardinien. Das Wetter war recht gut, die Temperaturen betrugen immer

zwischen 15 und 18 Grad. Auch dieses Mal bin ich von Frankfurt / Hahn Airport abgeflogen, Hinund Rückflug waren ausgebucht und die Tickets waren ebenso günstig wie schon im Frühjahr 2010. Nach Frankfurt / Hahn Airport kommt man sehr gut mit dem Bus. Der pendelt täglich im Stundentakt zwischen Frankfurt / Main (Hauptbahnhof) und dem Airport Frankfurt / Hahn über den Flughafen Frankfurt / Main. Auf dem Rückflug von Cagliari nach Frankfurt / Hahn bin ich als erster in das Flugzeug ein- und auch als erster wieder ausgestiegen. Fast kam ich mir in dieser Situation vor wie ein Minister oder Präsident. Während meines Kurzurlaubes wollte ich mein Geld am Bankautomaten in Santa Maria Navarrese abheben. Da ich mich aber mit Bankautomaten in fremden Ländern nicht so gut auskenne, funktionierte dies trotz mehrmaliger Versuche nicht. Schon machte ich mir große Sorgen, warum meine Bankkarte im Ausland nicht funktionierte. Da kam mir die Idee, mein Glück in Tortoli zu versuchen. Ich fuhr dorthin und konnte das Geld ohne große Probleme aus dem Bankautomat bekommen. Offensichtlich hatte ich den Automaten in Santa Maria falsch bedient oder es lag dort ein technischer Defekt vor. In fremden Ländern ist es sehr wichtig, bei Geldautomaten aufzupassen, dass dort keine Fehler oder Missgeschicke passieren. Wenn man dann zusätzlich die Sprache nicht gut beherrscht, wird es schwierig, sein Anliegen den Menschen dort verständlich zu machen. Im schlimmsten Fall zieht der Automat die Kontokarte ein und man steht ohne Geld da. Liebe Leserinnen und Leser, ich wünsche Ihnen allen gute Gesundheit und alles Gute für das Jahr 2012. Ihr Tagessatz-Verkäufer Alexander Rifel

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AUS ERSTER H A N D

Meine Ausflüge in den Sommer * REGINA FÜHRER

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s begann beim Tigerenten-Rennen: die Mitarbeiter vom Panama setzten die Enten auf die Fulda, die dort dann um die Wette schwammen. Zu gewinnen war unter Anderem eine Reise nach Brasilien. Nur die Ente, die ich adoptiert hatte, war wieder mal nicht schnell genug geschwommen. Somit fällt mein Urlaub halt dieses Jahr auch wieder flach. Ich hoffe, dass nächstes Jahr alles wieder besser wird. Dann kam der große Tag im Schlosspark Wilhelmshöhe. Der war sehr schön. Manche Frauen und Männer trugen historische Kleider, die im Mittelalter üblich waren. Dort zeigten sie auch die Tischkultur, die heutzutage etwas verloren gegangen ist. Kutschfahrten boten sich an, was ich sehr schön fand. Die Hauptattraktion war, dass ein Mann in 40 Meter Höhe mit verbundenen Augen über ein Seil lief. Anschließend zeigte eine Frau ihre akrobatischen Künste auf einem Turm. Auch auf das Stadtfest in Baunatal bin ich gegangen. Dort fand ich es sehr schön. Die Sonne schien und das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite. Blauer Himmel, wie im Bilderbuch. Als ich jedoch auf dem Baunataler Fest angekommen war, zog sich der Himmel zusammen und dicke Regenwolken verhingen den Horizont. Der Regen ließ dann auch nicht lange auf sich warten. So ging die Reise eben von Kaffeestand zu Kaffeestand weiter, immer im Schutz der Schirme. Ich traf einige Bekannte, und wir unterhielten uns.

Jörg „Yogi“ Müller

Da mir der immer mehr zunehmende Regen aber mit der Zeit zu viel wurde, flüchtete ich mich zur Straßenbahn, um nach Hause zu fahren. Auch wenn es mir nicht immer gefällt, kann ich halt leider auch nichts am Wetter ändern. Ihre TagesSatz-Verkäuferin Regine Führer

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A U S E R S T E R HAND

Beruflich weiter entwickeln In den letzten Wochen wurde ich häufiger von Kundinnen und Kunden angesprochen, denen aufgefallen war, dass ich nicht mehr so oft vor dem Bahnhof stehe, um den TagesSatz zu verkaufen. Der Grund ist eine berufliche Fortbildung, an der ich zur Zeit teilnehme.

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* ANDREAS PRAMANN

abei handelt es sich um eine Projekt- und Trainingsmaßnahme, in der es um selbständige Tätigkeiten im Dienstleistungssektor geht. Ziel der Maßnahme ist es, herauszufinden, inwieweit sich die Teilnehmer für eine selbständige Tätigkeit eignen, und in kleinen Projektteams praktische Erfahrungen zu sammeln. Die Lehrveranstaltung ist Teil des Programms „50 plus“, einem Programm der Bundesregierung, das älteren Langzeitarbeitslosen neue berufliche Perspektiven eröffnen soll. Begonnen hat alles mit einer einfüh-

renden Pflichtveranstaltung vor einem Jahr. Darauf bauen dann verschiedene freiwillige Kurse auf, in denen sich Teilnehmer den eigenen Fähigkeiten und Interessen gemäß weiter fortbilden können, sofern sie vorher nicht einen Job gefunden haben. Die aktuelle Veranstaltung zum Thema Dienstleistungen ist eine dieser weiterführenden Fortbildungsmaßnahmen.

dardsoftwareprogrammen wie Microsoft Office. In einem praktischen Teil, einem Praktikum, wird ein Projekt in Gruppenarbeit durchgeführt oder zumindest konkret geplant. Denkbare Bereiche solcher Projekte sind etwa der Aufbau einer einfachen Gastronomie oder alltagsbezogene Dienstleistungen für ältere Menschen unterhalb der Betreuungsschwelle.

Der Lehrstoff umfasst Kommunikationstheorien mit praktischen Beispielen, rechtliche und betriebswirtschaftliche Grundlagen, sowie im Bereich der EDV den Umgang mit Stan-

Bis Anfang Dezember werde ich in dieser Maßnahme beschäftigt sein und hoffe, meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt dadurch verbessern zu können.

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Eine starke Gemeinschaft

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* DETLEF „ROCKY“ BERNHARD

s war ein witziger Zufall, der mich zum Verkauf gebracht hat. Eigentlich wollte ich mich nur mit meinem Freund Werner in der Stadt treffen. Er verkaufte schon länger die Zeitung. Im Gespräch fragte er plötzlich: „Kannst du bitte kurz meine Zeitungen für mich halten? Ich möchte mir nur mal eben schnell eine Zigarette drehen.“ Und plötzlich kamen Menschen auf mich zu und fragten nach dem TagesSatz. Natürlich habe ich Werner darauf aufmerksam gemacht. Er sagte nur: „Ja, mach du mal!“ Nach zehn Minuten waren drei Exemplare weg. Das hat mich so erstaunt, dass ich versucht habe, mehr für meinen Freund zu verkaufen. Es hat geklappt und eh‘ ich mich versah, war ich auch Verkäufer. Oft wussten die Menschen nicht, was ich da verkaufen wollte. Man-

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Seit dem Sommer 2009 bin ich nun beim TagesSatz. Damals hat mich ein Freund dazu gebracht. Ursprünglich hatte ich nicht vor, Zeitungen zu verkaufen.

che dachten, ich würde missionieren wollen und den Wachturm verkaufen. Andere glaubten, es sei eine „KnastZeitung“. Und auch heute noch muss man sich als Verkäufer mit Vorurteilen auseinandersetzen. Viele Menschen wissen bis heute nicht, was es für eine Zeitung ist. Oder sie wollen es nicht wissen. Für mich ist der TagesSatz mehr als nur eine Zeitung. Es geht nicht nur um den Verkauf. Wir sind eine Gemeinschaft. Ich freue mich, dass ich ins Büro gehen kann. Man fühlt sich hier geborgen. Man kommt rein, trinkt Kaffee oder macht sich einen Tee, dann spielt man ‚ne Runde Karten. Manchmal gibt’s Kuchen, was Süßes oder wir kochen zusammen. Vor allem aber tauscht man sich aus, erhält

Unterstützung bei Problemen, arbeitet und hält zusammen. Ob man Schwierigkeiten mit dem Geld, im Privatleben oder mit Rechtsfragen hat, immer ist jemand da, der helfen kann. Durch dieses nette Miteinander sind gute Bekanntschaften und sogar Freundschaften entstanden. Wenn ich vom ersten Tag bis heute denke, bin ich erstaunt, wie wichtig mir der TagesSatz geworden ist. Ich bin nicht mehr auf mich allein gestellt und das tut besonders gut. Durch den TagesSatz habe ich das Gefühl, etwas zurückgeben zu können. Da reicht es manchmal, einfach zu fragen: „Wie geht’s dir?“ Dann braucht es nur eine Umarmung, ein Lob oder einfach nur eine nette Geste und schon geht’s einem wieder besser.

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Olaf Burhenne

AUS ERSTER H A N D

Im Zeichen der Raute Reisebericht – die Zweite

Ich bin am 26.11.2011 nach Hamburg gefahren, um mir einmal die Stadt anzusehen. Und wenn man schon mal da ist, muss man sich ja auch das Stadion ansehen.

* OLAF BURHENNE

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m zum Stadion des HSV zu kommen, habe ich bei der Touristinformation nach dem Weg gefragt. Dort hat man mir gesagt, ich muss mit dem Zug nach Hannover fahren. Und ich sagte, ich möchte nicht zum Spiel des HSV, ich möchte lediglich zum Stadion. Nachdem das geklärt war, hat mir die Frau dann auch den Weg beschrieben. Am Stadion habe ich mir dann den Fan-Shop angeschaut und man konnte durch ein Fenster in das Stadion schauen. Dann war ich im HSV Museum, wo man sich Ausschnitte von alten Meisterschafts- und DFB-Spielen ansehen konnte. Auch Uwe Seeler und andere alte und aktuelle Spieler waren als Figuren und auf Bildern zu sehen. Nach dem Besuch im Stadion bin ich zum Volksfest, dem sogenannten Dom gefahren, der dort viermal im Jahr stattfindet, und bin über die Herbertstraße, die in der Nähe ist. Dort befand sich ein kleiner Weihnachtsmarkt. Anschließend bin ich über die Landungsbrücken (St Pauli, Reeperbahn und der Dom befinden sich auf einer Strecke) zurück zum Hauptbahnhof gefahren, wo ich eigentlich um 17.57 Uhr los-

fahren sollte. Bis Hamburg Harburg waren wir auch pünktlich. Dort jedoch mussten wir erst auf den neuen Lockführer warten. Dieser kam recht schnell, aber wir sind immer noch nicht losgefahren. In der Zwischenzeit hatten sich Castor-Gegner auf die Gleise zwischen HH-Harburg und Lüneburg gekettet und mussten erst einmal „entfernt“ werden. Das hat ungefähr eine Stunde gedauert und wir konnten immerhin schon mal nach Winsen an der Luhe weiterfahren. In Winsen mussten wir alle aussteigen. Der Zug endete dort und es sollte ein Schienenersatzverkehr (SEV) eingesetzt werden. Wir haben dann eine halbe Ewigkeit auf den SEV gewartet und er kam und kam nicht. Weitere Informationen vom Metronom gab es auch nicht. Einer von uns hat sich dann schlau gemacht und wir konnten unsere Fahrt nach Lüneburg fortsetzen. In Lüneburg hatten wir schnell Anschluss nach Uelzen und der Zug war sogar pünktlich (hihi)! Von Uelzen kann man nach Göttingen fahren, vorausgesetzt, er fährt auch (es kam auf anderen Fahrten schon einmal vor, dass der Zug nicht fuhr). Der Zug hatte dann auch noch technische Probleme und so kam es, dass ich erst um 0.10 Uhr in Göttingen war. Und eigentlich wollte ich laut Plan, den ich mir selber ausgedruckt hatte, um 21.47 Uhr wieder zurück sein. Ich hatte aber das Glück, noch den letzten Bus, der zu mir nach Hause gefahren ist, zu erwischen. Und die Moral von der Geschicht‘: Fahre niemals mit dem Zug, hat der Castor gerade Schicht!

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Clemens Eulig

A U S E R S T E R HAND

„Verkaufe kein Almosenblatt!“

Lieber Leser, liebe Leserin, ich würde mich gerne kurz bei Ihnen vorstellen: Mein Name ist Maya vom Bruch, ich bin am 31.07.1975 in Hannover geboren.

* MAYA VOM BRUCH

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urch einen Ärztepfusch bin ich leider schwerbehindert zur Welt gekommen, was das Leben nicht leichter macht; so wie ich es schon erfahren musste. Zum einen habe ich furchtbare Schmerzen tagein tagaus. Tränen und schlaflose Nächte sind an der Tagesordnung und trotzdem habe ich in meinen 36 Jahren gelernt, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, auch wenn man natürlich mal Momente hat, wo man alles hinschmeißen will. Aber ich denke, das kennt jeder. Zum anderen sind Arbeitslosigkeit, Geldmangel, Einsamkeit und die Ignoranz mancher Menschen etwas, das mich manchmal noch schlimmer trifft als die Behinderung an sich. Viele kennen mich vielleicht noch als Bettlerin. Hier musste ich oft Beschimpfungen ertragen.

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Anfang letzten Monats habe ich dann endlich beim TagesSatz angefangen, denn ich wollte von dem sogenannten “asozialen Trip“ weg und den Leuten etwas anbieten. Das kommt in der Regel besser an, als eine junge Frau, die mit einem Plastikbecher nach ein paar Cent fragt. Aber der Verkauf des Straßenmagazins hat auch seine Schattenseite, zumindest bisher für mich: Überall, wo ich mich bis jetzt hingestellt habe, wurde ich verscheucht. Am Vordereingang eines Kaufhauses wurde mir von den Security-Mitarbeitern mitgeteilt, dass der Geschäftsführer nicht will, dass ich dort stehe. Als es einmal stark regnete, suchte ich Unterschlupf unter der Markise eines Juweliers. Die Geschäftsführerin kam raus und sagte, die Almosenzeitung würde ihre Kunden ver-

graulen und drohte mir sogar mit der Polizei. Trotz Starkregen musste ich auch diesen Platz unfreiwillig verlassen. Finden Sie das fair? Es gibt viele herzlose Menschen, aber zum Glück auch Menschen mit Herz und Verstand. Diese honorieren wirklich, dass man versucht, der Straße zu entkommen und dass das eigene Leben nicht für jeden ein Zuckerschlecken sein kann. Meine Arbeitszeiten sind Dienstag bis Donnerstag von halb elf bis halb vier Uhr nachmittags. Da ich immer aus Hannover anreise, kann ich leider nur bis halb vier maximal halb fünf arbeiten. Ich werde aber zusätzlich noch zwei Mal im Monat samstags nach Göttingen kommen.

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DIE KOCHNI S C H E

Kochen mit dem TagesSatz * OLAF BURHENNE

Olaf Burhenne

Leckere Gerichte für Sie entdeckt

Nudelsalat à la Olaf Für 8 bis 10 Personen

Salat 1 Packung Spirelli, 2 Dosen Mais, 2 Dosen Erbsen, 2 Gläser Silberzwiebeln, 2 Gemüsezwiebeln, 1 Packung Paprika, 2 Packungen Fleischwurst und eine große Schüssel

Dressing 2-3 Esslöffel Olivenöl, 4 Esslöffel Kräuteressig, 1-2 Teelöffel scharfer Senf, 2 Packungen Salat Krönung, etwas Zucker, 1 Prise Salz, etwas Wasser zum Verdünnen

Zubereitung Die Nudeln nach Packungsanleitung kochen und abgießen. Die Fleischwurst und die Paprika in Streifen schneiden und dazu geben. Die Erbsen und die Silberzwiebeln

abtropfen lassen und auch dazu geben. Der Mais muss nicht abtropfen, einfach mit in die Schüssel geben. Die Gemüsezwiebeln in Würfel schneiden und dazu geben. Die abgekühlten Nudeln mit in die Schüssel geben und gut vermischen. Das Dressing nach Geschmack zubereiten. Die Arbeitszeit beträgt circa eine Stunde. Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Zubereitung und einen guten Appetit! Und nach dem Nudelsalat machen Sie einen Spaziergang in die Innenstadt, wo ich dann stehe und Ihnen einen TagesSatz verkaufe. Bis dahin verbleibe ich mit freundlichen Grüßen an meinem Platz als Ihr TagesSatz-Verkäufer Olaf Burhenne.

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Jörg „Yogi“ Müller

A U S E R S T E R HAND

Schwimmologie Hier möchte ich eine Geschichte mit Ihnen teilen, die mir auf meinen vielen Reisen im Orient zu Ohren kam.

* JÖRG „YOGI“ MÜLLER

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in junger, sehr gebildeter Professor mit sehr vielen Buchstaben vor seinem Namen (Prof. Dr. med., vet., rer., nat. etc.), machte eine Schiffsreise. Auf dem Schiff arbeitete ein sehr einfacher, ungebildeter und alter Seemann. Jeden Tag ging dieser alte Seemann in die Kabine des hochgebildeten Professors, um dessen Worten von Weisheit und Wissen zu lauschen. Am Ende seiner Rede fragte der Professor den alten Seemann: “Hast du je Geographie studiert?“ Der alte Seemann jedoch schüttelte den Kopf und sagte: “Ich habe nie etwas studiert. Ich bin ein einfacher Seemann. Ich weiß nicht, was Geographie bedeutet.“ Der Professor entgegnete: “Geographie ist das Wissen von den Ländern und der Erde. Wenn du das nicht weißt, hast du ein Viertel deines Lebens vergeudet!“ Der alte Seemann ging traurig von dannen: „Wenn so ein gebildeter Professor sagt, ich habe ein Viertel meines Lebens vergeudet, wird das wohl stimmen.“ Am zweiten Tag, nachdem der Seemann wieder den weisen Worten des Professors gelauscht hatte, befragte dieser den Seemann wieder: „Hast du je Ozeanologie studiert?“ Der alte Seemann antwortete: „Das Wort habe ich ja noch nie gehört! Wie schon gesagt, ich bin ein einfacher Seemann und nie zur Schule gegangen.“ Der Professor sagte: „Ozeanologie ist das Wissen um die Ozeane und das Meer. Wenn du das nicht weißt, hast du dein halbes Leben vergeudet.“ „Oh je“, dachte der Seemann, „Jetzt habe ich schon mein halbes Leben vergeudet!“, und schlich sehr betrübt von dannen. Am dritten Tag, wieder nach einer langen Rede, befragte der Professor den alten Seemann wieder: “Hast du jemals Meteorologie studiert?“ „Ich sagte doch“, erwiderte der Seemann, „ich bin ein einfacher, ungebildeter, unwissender und alter Mann, der nie studiert hat. Ich weiß nicht, was Meteorologie bedeutet. Ich habe noch nie etwas davon gehört!“ Der Professor sagte: “Meteorologie ist

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die Wissenschaft über das Wetter. Jetzt hast du eindreiviertel deines Lebens vergeudet! Du weißt nicht, was Geographie ist, obwohl du ganz viele Länder bereist. Du weißt nicht, was Ozeanologie ist, obwohl du auf den Meeren arbeitest. Du weißt nicht, was Meteorologie ist, obwohl es das Wetter und das Klima ist, das dich immer umgibt! Es tut mir sehr leid. Du hast dreiviertel deines Lebens vergeudet!“ Noch betrübter als vorher schlich der alte Seemann aus der Kabine des Professors. Am nächsten Tag war es an der Reihe des Seemanns, der angerannt kam und rief: „Professor, Sir, Professor, Sir, haben Sie Schwimmologie studiert?“ Der Professor fragte verstört: „Schwimmologie? Was ist das denn?“ „Können Sie schwimmen?“, fragte der Seemann. „Oh nein!“, antwortete der Professor, „Ich kann nicht schwimmen.“ „Dann tut es mir echt leid“, erwiderte der Seemann, „Dann haben Sie Ihr ganzes Leben vergeudet, denn das Schiff hat ein Leck und es sinkt! Und wer schwimmen kann, kann es bis zur nahe gelegenen Insel schaffen. Aber es tut mir so leid, Herr Professor. Sie haben Ihr ganzes Leben vergeudet!“ Was nützt es, wenn man alle „Logien“ der Welt studiert, man aber nicht schwimmen kann und damit sein Leben retten. Selbst wenn man Bücher und Schriften liest oder Kurse über „Schwimmologie“ bucht, aber nie das Wasser berührt, nützt das auch nichts. In Wirklichkeit muss man den Ozean des Leidens durchschwimmen, um auf der anderen Seite anzukommen, wo man frei ist von jeglichem Leid. „Die meisten Menschen wollen nicht eher schwimmen als bis sie es können. Ist das nicht witzig? Natürlich wollen sie nicht schwimmen! Sie sind ja für den Boden geboren, nicht fürs Wasser. Und natürlich wollen sie nicht denken; sie sind ja fürs Leben geschaffen, nicht fürs Denken!“ Hermann Hesse, Der Steppenwolf

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AUS ERSTER H A N D

Impressum

Füreinander da sein

Anaj Banzhaf

Ich möchte von einer Geschichte berichten, die mich persönlich bewegt. Es geht um die Tochter meines Neffen. Sie ist mittlerweile acht Jahre alt. Vor sieben Jahren wurde sie wegen Löchern im Herzen ins Krankenhaus eingeliefert.

* DETLEF „ROCKY“ BERNHARD

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ls ich davon erfahren habe, bin ich sofort mit. Zum Glück verrieten die Röntgenbilder, dass es operabel war. Nach der Operation bin ich dageblieben und habe sie alle zwei Tage besucht. Drei Tage später haben sie festgestellt, dass sie an einem Sauerstoffmangel leidet. Sie hat viel geweint vor Schmerzen und eine Spritze gekriegt, wenn sie geschrien hat. Sie tat mir ziemlich leid. Ich habe sie beruhigt und irgendwann hat sie sich immer zu mir umgedreht, selbst wenn die Mutter da war. Da habe ich gemerkt, dass ich ihr gut tue. Danach war ich immer da: an Weihnachten, an ihren Geburtstagen, vier Stunden am Tag. Immer bis nach Sülzhayn, immer 120 Kilometer jeden Tag mit dem Zug, war mit ihr draußen und habe sie beschäftigt.

Irgendwann gab es einen Zwischenfall. Sie wurde durch einen Schlauch ernährt und auf einmal hing einer raus. Die Krankenschwestern, die dort waren, wussten nicht, was sie tun sollten. Ich hatte davor immer beobachtet, wie die anderen das gemacht haben und musste dann helfen. Als die Ärztin hereinkam, hatte ich es schon gerichtet. Sie hatte eine Schere in der Hand und ich habe mich gefragt, was sie damit machen wollte. Das Schlimme an dieser Situation war, dass sie keine Klingel am Bett hatten. Man hätte im Notfall ins Bad rennen müssen. Dann habe ich dafür gesorgt, dass sie eine Klingel ans Bett bekommt. Gleich den nächsten Tag war dann eine da. Und jetzt sind sieben Jahre rum. Sie liegt immer noch da, ist jetzt ein 24-Stunden-Pflegefall. Die Geschichte ist deshalb wichtig für mich, weil es mir ein besonderes Anliegen ist, dass die Menschen zusammenhalten und sich einander helfen.

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Clemens Eulig

Nächstes Mal FEBRUAR-Ausgabe 2012

Engagieren sich zu wenig Menschen in unserer Gesellschaft? Dieser Frage geht der TagesSatz in der kommenden Ausgabe nach und wirft einen Blick auf das Ehrenamt. Unter anderem werden Interviews zum Thema Bundesfreiwilligendienst zu lesen sein. Auch Artikel über die Bahnhofsmission und Ehrenamt im Sport werden Eingang in das Heft finden. Und um eine Vorstellung von sozial engagierten Menschen zu bekommen, stellen wir einige von Ihnen vor.

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TagesSatz

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TagesSatz, das Straßenmagazin Herausgeber: TagesSatz e.V. 1. Vorsitzender: Hans Peter Pung Adresse der Redaktion Kassel: Westring 69, 34127 Kassel Telefon: 0561 / 861 58 43 Fax: 0561 / 861 58 61 E-Mail: kassel@tagessatz.de Mo, Mi, Do & Fr: 17-19 Uhr Di: 15-17 Uhr Adresse der Redaktion Göttingen: Obere Karspüle 18, 37073 Göttingen Telefon: 0551 / 531 14 62 E-Mail: goettingen@tagessatz.de Mo-Fr: 9-11 Uhr Homepage: www.tagessatz.de Bankverbindung: Kasseler Sparkasse Kto.: 11 833 79 Blz.: 520 503 53 Sparkasse Göttingen Kto.: 505 815 11 Blz.: 260 500 01 Redaktionsleitung: Carsten Seydlowsky, Melanie Swiatloch (GÖ), Harald Wörner (hw) (KS) Pressesprecher: Kai Budler und Carolin Schäufele Vertriebsleitung: Kassel: Christian Piontek Tel.: 0561 / 861 58 18 Göttingen: Oliver Barth Tel./Fax: 0551 / 531 14 62 Anzeigenleitung: Oliver Barth Tel./Fax: 0551 / 531 14 62 E-Mail: calliopa@yahoo.de News GÖ: Jascha Grewe (jg) & Melanie Swiatloch (mns) Illustration GÖ: Pilar Garcia

VERKÄUFERAUSGABE Redaktion Kassel: Heinz Bechlars, Jürgen Engelhardt, Regina Führer, Alexander Rifl Redaktion Göttingen: Detlef „Rocky“ Bernhard, Maya vom Bruch, Olaf Burhenne, Jörg „Yogi“ Müller, Daniele Palu, Andreas Pramann Fotografie: Anja Banzhaf, Olaf Burhenne, Detlef „Rocky“ Bernhard, Clemens Eulig, Julia Krause, Jörg „Yogi“ Müller Umschlag: Holger Teichmann Layout: Dirk Mederer PLAZEBO – Werbung für Gesundheit, Kultur & Soziales E-Mail: info@plazebo.net www.plazebo.net Druck: COLOR-Druck GmbH ViSdP: Harald Wörner TagesSatz erscheint zwölfmal im Jahr im Straßenverkauf in Kassel und Göttingen. Auflage dieser Ausgabe: 2.500 Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe in gekürzter Version zu veröffentlichen. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion.

Verkaufspreis: 2,00 EUR, davon geht 1,00 EUR direkt an den Verkäufer.

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Z W I S C H E N DEN ZEILEN

Kamin-Lektüre

Einsiedler Anfang des 20. Jahrhunderts: Mit gerade 27 Jahren beschließt August Engelhardt, von vorne zu beginnen. Zivilisationsmüde begibt er sich auf die lange Reise ans andere Ende der Welt. Auf der kleinen Insel Kabakon nördlich von Australien findet er sein Paradies. Hier entwickelt er mit dem Kokovorismus eine neue Religion: basierend auf dem Gedanken, dass einzig und allein die Sonne es ist, die den Menschen mit Lebensgeist versorgt. Durch seine Briefe in die Heimat angelockt, finden sich bald mehr als zwei Dutzend Jünger ein – der „Sonnenorden“ wird gegründet. Doch was harmonisch beginnt, soll sich bald ins Gegenteil verkehren… Auf der Grundlage der historischen Figur August Engelhardt entwirft Marc Buhl die Geschichte des Sektengründers und fiktionalisiert sie mit der notwendigen erzählerischen Freiheit. Er schreibt frei von Ironie und Wertung von einem Menschen, der getrieben ist vom Suchen nach dem eigenen Selbst. Er nimmt die abstrus klingenden Ideen des Romantikers Engelhardt und entwickelt daraus einen faszinierenden Roman, der einen sonderbaren Menschen ernst nimmt. Die Geschichte über den ersten Hippie der Welt ist bereits Buhls fünfter Roman und unterstreicht seinen Status als einen der besten – und einen der am meisten unterschätzten – deutschen Gegenwartsautoren. Prädikat: Unbedingt empfehlenswert, wie auch die anderen Buhl-Romane! Marc Buhl: Das Paradies des August Engelhardt. Eichborn, 18,95 Euro. Gebunden, 236 Seiten

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Was gibt es Schöneres, als mit einem guten Buch, einem warmen Tee und duftenden Plätzchen auf dem Sofa zu sitzen und sich bestens zu unterhalten? Damit das auch klappt, stellen wir drei lesenswerte Exemplare vor.

* DANIELE PALU Insider

Ausreißer

Was macht ein Pianist, wenn ihm mitten im Konzert vor ausverkauftem Haus plötzlich der Flügel wegrollt? Wie reagiert ein Geiger, dem während seines Auftritts eine Saite reißt? Und wie soll ein Dirigent sich verhalten, wenn beim Konzert in der vordersten Reihe ein Besucher laut zu schnarchen beginnt? Es gibt ungezählte Geschichten über kleine und große Katastrophen im Musikbetrieb. Bereits von Meistern wie Bach, Beethoven, Mozart und Wagner sind sie überliefert, und der Pannenteufel macht auch vor Weltstars wie Yehudi Menuhin, Anna Netrebko, Daniel Barenboim und Reinhard Mey nicht halt. Der Geigenvirtuose Daniel Hope, der mit vielen großen Musikern zusammen auftritt, plaudert aus dem Nähkästchen – und erzählt, was ihm und anderen passieren kann und passiert ist in den Konzertsälen und Opernhäusern unserer Welt. Das ist nicht nur intelligent und interessant, sondern auch unfassbar komisch!

In keinem anderen Genre gibt es so viele Neuerscheinungen wie in dem der sogenannten „Chick lit“ – belletristischer Frauenliteratur. Dennoch ist die Nachfrage so groß, dass die Verlage kaum hinterher kommen. Umso schwieriger ist es da, in der Flut der Neuerscheinungen den Überblick zu behalten. Einen überraschenden Bestseller landete die Autorin Jana Seidel mit ihrem Erstling „Über den grünen Klee geküsst“. Der Roman, in dem die Hauptfigur mit gebrochenem Herzen nach Irland flieht, nur um sich dort Hals über Kopf erneut zu verlieben, fügt sich einerseits nahtlos in das Genre ein – kommt dabei aber so leichtfüßig, modern, anrührend und dabei auch noch so intelligent daher, dass es eine wahre Freude ist. Im Februar erscheint mit „Eigentlich bin ich eine Traumfrau“ bereits ihr zweiter Roman.

Daniel Hope: Toi, toi, toi. Pannen und Katastrophen in der Musik. Rowohlt, 17,95 Euro. Gebunden, 192 Seiten

Jana Seidel: Über den grünen Klee geküsst. Goldmann, 8,99 Euro. Taschenbuch, 288 Seiten

TagesSatz

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WOHIN, WENN Allgemeine Hilfen

EssenSAUSGABEN

Göttingen

Göttingen

Caritasverband Göttingen Allgemeine Lebens- und Sozialberatungsstelle Godehardstr. 18 37081 Göttingen 0551/999590

Die Göttinger Tafel Jakobikirchhof 1 37073 Göttingen Tel. 0551–51030

Opferhilfebüro Göttingen für Opfer von Straftaten Maschmühlenweg 11(Landger.) 37073 Göttingen 0551/5213883 Weißer Ring e.V. Hilfen für Opfer von Straftaten Ansprechpartner: Herr Bayer 0551/6338876 Sozialdienst für Migranten, RABaZ-Beratungs- & Vermittlungsstelle für ausländische Jugendliche Karspüle 16 37073 Göttingen 0551/57739 BONUS Freiwilligenzentrum Godehardstr. 18 37081 Göttingen 0551/9995917 Neue Arbeit Brockensammlung Levinstr.1 37079 Göttingen 0551/5067320 Pro Familia Rote Str.19 37073 Göttingen 0551/58627 Selbsthilfe Körperbehinderte Neustadt 7 37073 Göttingen 0551/54733-0 Selbsthilfegruppe für Mobbing-geschädigte – Rainer Beutler 05602/1860 BürgerInnenberatung Stadt Göttingen Hiroshimaplatz 2 37083 Göttingen Kassel Kasseler Hilfe Opfer- und Zeugenhilfe e.V. Wilhelmshöher Allee 101 34121 Kassel 0561/282070 Weißer Ring e.V. Hilfen für Opfer von Straftaten Ansprechpartner: Hr. Holler 0561/6029458 Pro Familia Kassel Frankfurter Straße 133 a 34121 Kassel 0561/27413 Außenstelle Witzenhausen (Rathaus/EG/Raum 10) Am Mart 1/ Witzenhausen Arbeitslosenhilfe Göttingen Arbeiterwohlfahrt Hospitalstr. 10 37073 Göttingen 0551/50091-0 Mensch & Arbeit - Beratungsstelle für Arbeitnehmer und Arbeitslose Kurze Str. 13a 37073 Göttingen 0551/43373 Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) Weender Str. 87, 1. Stock 37073 Göttingen 0551/8207917 Mo, Di, Do & Fr 14.30 - 18.00 Uhr Kassel Beratungsstelle für Arbeitslose des DGB Kreis Kassel Spohrstraße 6-8 34117 Kassel 0561/7209536

TagesSatz

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Mittagstisch St. Michael Turmstr. 5 37073 Göttingen 0551/5479540 Straßensozialarbeit Rosdorfer Weg 17 37073 Göttingen 0551/517980 Kassel Kasseler Tafel Holländische Straße 141 34127 Kassel 0561/23003 Suppentopf der Heilsarmee jeden Montag von 14-15 Uhr Martinsplatz Gesegnete Mahlzeit Diakonisches Werk Kassel Hermannstraße 6 34117 Kassel weitere Ausgabestellen: Neue Brüderkirche, Johanneskirche, Auferstehungskirche

Kassel Fahrende Ärzte Dr. Giesler/Dr. Moog Mo 14-15.30 Uhr auf dem Martinsplatz Do 20-24 Uhr in der Gießbergstraße

Deutsches Rotes Kreuz Zollstock 17 37081 Göttingen 0551/5096322 Ausgabe: Mo & Do 8.30-11 Uhr jeden 3. Mi im Monat 16-18 Uhr Kassel

Beratungsstelle für Suchtkranke – Diakonieverband Schillerstr 21 37083 Göttingen 0551/72051

Gesundheitsamt Region Kassel Wilhelmshöher Allee 19-21 34117 Kassel 0561/10031920

Deutsches Rotes Kreuz Königstor 24 34117 Kassel 0561/7290441

Kassel

Haftentlassene

Lebenskrisen

Göttingen

Telefonseelsorge für Jugendliche 0800/1110333

Anlaufstelle – Kontakt in Krisen e.V. Rosmarinweg 24 37081 Göttingen 0551/632977 Kassel Beratungsstelle für Haftentlassene Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/787-5061 oder 0561/70738-00

Göttingen Telefonseelsorge 0800/1110111 & 0800/1110222 Kassel Telefonseelsorge 0800/1110111 PSKB Stadt & Landkreis Kassel 0561/1003-0 & 0561/787-5361

Frauen in Not

Göttingen

Göttingen

Göttingen

Göttinger AIDS-Hilfe Obere Karspüle 14 37073 Göttingen 0551/43735 werktags: 10-13 Uhr Beratung: 0551/19411

Heilsarmee Untere Maschstr. 13b 37073 Göttingen 0551/42484

AIDS-Beratungsstelle Theaterplatz 4 37073 Göttingen 0551/4004831

Soziale Hilfe e.V. / Panama (für alleinstehende Wohnungslose) Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/70738-00

Frauenhaus e.V. Göttingen Postfach1911 37009 Göttingen 0551/5211800 Kassel Übergangseinrichtung für wohnungslose Frauen Am Donarbrunnen 32 34132 Kassel 0561/43113 Karla 3 Aufenthalt und Beratung für wohnungslose Frauen Karlsplatz 3 34117 Kassel 0561/15532 Autonomes Frauenhaus 0561/898889 Frauen in Not 0561/9892929 Notruf für vergewaltigte Frauen Frauen gegen Vergewaltigung e.V. 0561/772244 Frauen informieren Frauen e.V. Beratung bei häuslicher Gewalt Westring 67 34127 Kassel 0561/ 89 31 36 Gesundheit Göttingen

Kassel

Kassel

Drogenhilfe Nordhessen e.V. Schillerstraße 2 34117 Kassel 0561/103641 Kontaktladen „Nautilus“ Erzberger Straße 45 34117 Kassel 0561/12115 SAM – Substitutionsfachambulanz Wilhelmshöher Allee 124 34119 Kassel 0561/711813 Schillerstraße 2, 34117 Kassel 0561/103878 WohnungslosenHilfe Göttingen Ambulante Hilfe für alleinstehende Wohnungslose Wiesenstr. 7 37073 Göttingen 0551/42300 Diakonische Heime in Kästorf e.V. – Außenstelle Göttingen Wienstraße 4f 37079 Göttingen 0551/5053302 Straßensozialarbeit (Kleiderkammer) Rosdorfer Weg 17 37073 Göttingen 0551/517980

Aids-Hilfe Kassel Motzstraße 1 34117 Kassel 0561/97975910

Café Nautilus (für Drogenabhängige) Erzberger Straße 45 34117 Kassel 0561/12115

Stadt Kassel – Gesundheitsamt AIDS-Beratungsstelle Obere Königsstraße 3 34117 Kassel 0561/787–5380

Rechtsberatung & Hilfe

Bahnhofsmission Bahnhof, Gleis 4-5 37073 Göttingen 0551/56190

Kassel

Kassel

Schuldnerberatung Gottschalkstraße 51 34127 Kassel 0561/893099

Die Heilsarmee / Sozial Center Ks Eisenacher Straße 18 34123 Kassel 0561/570359-0

Verbraucherzentrale Hessen e.V. Bahnhofsplatz 1 34117 Kassel 0561/772934

Beratungsstelle für Nichtsesshafte Sozialamt der Stadt Kassel Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/787-5061

Kinder & Jugendliche in Not Göttingen Deutscher Kinderschutzbund Nikolaistraße 11 37073 Göttingen 0551/7709844

Göttingen

Omnibus - Beratungsstelle für Jugendliche & junge Erwachsene Goßlarstr. 23 37073 Göttingen 0551/392690

AWO Schulden- & Insolvenzberatung, Kreisverband Göttingen e.V. Hospitalstraße 10 37073 Göttingen 0551/50091-0

Beratungsstelle für alleinstehende Wohnungslose – Soziale Hilfe e.V. Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/70738–00

Kassel

Kostenlose Rechtsberatung Göttinger Tafel e.V. Jacobikirchhof 1 37073 Göttingen 0551 – 5 10 30

Betreutes Wohnen Diakonisches Werk Kassel Hermannstr. 6 34117 Kassel 0561/7128829

Verbraucherzentrale Niedersachen Papendiek 24 37073 Göttingen 0551/57094

Wohnungsprobleme

Deutscher Kinderschutzbund Siemensstraße 1 34127 Kassel 0561/899852 Verein zur Förderung der Erziehungshilfen in Nordhessen e.V. Wilhelmshöher Allee 32a 0561/78449-0

Gesundheitsamt Sozialpsychiatrischer Dienst Am Reinsgraben 1 37085 Göttingen 0551/4004862

Stadt Kassel Sozialer Dienst des Jugendamtes Friedrich-Ebert-Straße 1 34117 Kassel 0561/787–5301

Frauengesundheitszentrum Göttingen e.V. Groner Straße 32/33 37073 Göttingen 0551/484530

Kleiderkammern

Gesundheitszentrum Albanikirchhof 4-5 37073 Göttingen 0551/486766

DROBZ (Drogenberatungszentrum) Mauerstr.2 37073 Göttingen 0551/45033

Diakonisches Werk Kassel Sprungbrett & Sprungbrett spezial Steinweg 5 34117 Kassel 0561/572090

Notschlafstellen

Frauen-Notruf e.V. Postfach 18 25 37008 Göttingen 0551/44684

Göttingen

Kabera e.V. Beratung bei Essstörungen Kurt - Schumacher Straße 2 34117 Kassel 0561/780505

Hilfe & Selbsthilfe bei AIDS

KORE e.V. - Sozialberat. f. Frauen Papendieck 24-26 (Hinterhof, EG) 37073 Göttingen 0551/57453

Suchtberatung: Drogen

Göttingen Ev.-ref. Gemeinde – Kleiderkammer Untere Karspüle 11 37073 Göttingen Kleiderladen Ausgabe: Do 9-12 Uhr 0551/5473717

Suchtberatung: Alkohol Kassel Anonyme Alkoholiker 0561/5108806 Blaues Kreuz Kassel Landgraf-Karl-Straße 22 34131 Kassel 0561/93545-0 Suchtberatung Diakonisches Werk Goethestraße 96 34119 Kassel 0561/938950

Kassel Zentrale Fachstelle Wohnen Wohnungsamt (Rathaus) Obere Königsstraße 8 34112 Kassel 0561/787-6252 oder -6255 Deutscher Mieterbund Mieterverein Kassel u. U. e.V. Königsplatz 59 34117 Kassel 0561/103861

Wenn Ihre Einrichtung hier nicht enthalten, oder wir eine Korrektur durchführen sollen, schicken Sie bitte eine E-Mail mit den Daten an goettingen@ tagessatz.de!

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TagesSatz

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TagesSatz 2012/01  

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