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TagesSatz

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10.02.|18:30 Uh

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Offizielle Eröff nung mit Gäste n aus Politik, S und Wissensch por t aft. Gastredner : G e rd Bücker vom Landesprä ventionsrat Nie dersachsen 12

.02.|19:05 Uhr

Suppor ters Cre w 05: Kutten, H ools & Fooligan 05-Fans zwisch s– en Fußball und Gewalt

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Reinhard Koch (ARUG): „Neon azis im Fußball Eine niedersäch . sische Bestand saufnahme“ 20

.02.|19:05 Uhr

DGB- Jugend: F ilmabend mit D iskussion zum Thema „Ta tor t Stadion“

01.03.|19:05 Uh

Veranstaltet von:

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„Nazis in den K ur ven“ mit Aachen Ult ras & Ultras Bra unschweig Anschließend A bschlusspar ty

Ausstellung vom 1

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ew05.blogsport .02. bis 01.03.201 .de FanRaum NULLF 4 ÜNF, Obere-Masc h-Str. 10, 37073 G Öffnungszeiten: öttingen Di, Mi, Fr von 14 -20 Uhr und So v Gr uppenführ ung on 14-18 Uhr en auf Anfrage: scg02 5@gmx.de TagesSatz * 02/14 suppor terscr


EDI TOR IAL Liebe Leserinnen und Leser, „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Mit diesem berühmten Satz beschrieb der Philosoph und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick das Wesen der Kommunikation. Was er damit meint, ist klar: Alles, was wir tun oder sagen, ist Kommunikation und übermittelt somit Information. So genügt bereits ein bloßer Blick und das Gegenüber weiß häufig schon ohne große Worte die Stimmung des anderen zu deuten. Neben der Art, wie wir jemanden ansehen, teilen wir uns, bewusst oder unbewusst, über unsere Körperhaltung, Gestik und Mimik mit. Dabei ist Körpersprache nur eine von vielen Möglichkeiten, über die wir kommunizieren. Die vielleicht häufigste Form der menschlichen Kommunikation ist die Lautsprache, die Fähigkeit zur verbalen Artikulation von Gedanken, Empfindungen und Wünschen. Durch die Entwicklung der Schriftkultur schließlich ist es uns sogar möglich, Wissen und Erfahrungen festzuhalten und so räumliche und zeitliche Distanzen zu überwinden. Da Kommunikation auch fehlgehen kann, wird schnell klar, dass zu gelingender Kommunikation einige Grundvoraussetzungen erfüllt sein müssen. Beispielsweise müssen die kommunizierenden Personen einen ähnlichen (kulturellen) Erfahrungshorizont aufweisen. Stimmen Grundannahmen nicht überein, führt die Kommunikation zu Missverständnissen. Dies deutet darauf, dass Kommunikation stark von kulturellen Räumen beeinflusst wird. Sie sehen: Unsere Kommunikation ist unglaublich facettenreich, sodass wir in dieser Ausgabe unmöglich dem Thema gerecht werden könnten. So haben wir zumindest den Anspruch gehabt, ein möglich breites Spektrum abzudecken.

Robert Halagen & Carsten Seydlowsky (Redaktionsleitung Göttingen)

TagesSatz. Hilft sofort.

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TA G E S S ATZ INT E R NAT IONA L

Tanz der Ahnen

Die rituellen Praktiken der Sangoma sind ein Relikt einer Jahrtausende alten Kultur. Im modernisierten Südafrika verliert der Kult an Bedeutung.

Wizzy

SCHEUNEMANN *VORNICK ORT IN SÜDAFRIKA

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in schmuckloser Raum in einem Township in der Nähe von Durban. Stille liegt über den Anwesenden. In der Mitte knien zwei junge Männer auf dem Boden. In ihren Händen halten sie symbolische Waffen, ihre Köpfe sind gesenkt in der Erwartungen auf das Geräusch, dass die Stimmung schlagartig explodieren lassen wird. Der Sangoma-Kult entstammt der vorkolonialen Zeit, in der kein Mensch in den sanften Hügeln von KwaZulu Natal jemals von dem toten Mann am Holzkreuz gehört hatte. Ein Sangoma ist ein Magier, er versteht sich auf Kräuterheilkunde und Dämonenvertreibung. Vor allem aber kommuniziert er mit den Vorfahren. Einer der Männer steht langsam auf und zündet getrocknete Kräuter an. Dicker Rauch benebelt Raum und Geist. Es erklingt ein tiefer Bass, der nicht nur Wasser in Gläsern vibrieren lässt. Eine Frau sitzt über einer großen runden Trommel und lässt den mächtigen Ton verhallen. Die hockenden Männer springen auf, weitere Trommelschläge erschallen, sie beginnen wild zu tanzen. An den Füßen tragen sie Rasseln, die mit den gleichmäßigen Trommelrhythmen harmonieren. Die Männer beginnen einen mo-

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notonen Singsang während die Tänzer schneller werden. Schweißtropfen fliegen durch die Luft, man hört sie keuchen, doch wie besessen tanzen sie ohne die geringste rhythmische Abweichung. Abrupt hält einer der Beiden inne, starrt in die Ferne und erhebt sich auf die Zehenspitzen. Die Musik hält an. Er hebt die Hände und blickt ehrfürchtig zur Decke, scheint zu lauschen. Er schwitzt und atmet stärker. Auf einmal verdreht er die Augen, stößt einige abgehackte, panisch klingende Sätze auf Zulu aus und sackt ohnmächtig zu Boden. Wer dem Sangoma-Kult folgt, glaubt, dass er seine Vorfahren im alltäglichen Leben respektieren muss und sie ihm dafür wohl gesonnen sein werden. Wenn jedoch schlimmes Leiden über die Familie kommt oder ein scheinbar unlösbarer Konflikt entsteht, dient ein Sangoma als Medium. Er führt ebenjenes Ritual durch, bei dem er sich durch enorme Anstrengung, die Wirkung der Kräuter und die komplexen Rhythmen in eine Art Trance tanzt, die es ihm ermöglicht, mit den Vorfahren zu kommunizieren. Über die Jahrhunderte riefen die Sangoma bei der Bevölkerung tiefen Respekt hervor und es rankte sich eine wohlgepflegte Angstkultur um den

Kult. Diese beiden Aspekte sorgten dafür, dass der Glaube an ihre Bräuche der kulturellen Invasion der Europäer und sogar die christliche Missionierung des gesamten südlichen Kontinents widerstand. Das Christentum, das die schwarze Bevölkerung Südafrikas in Windeseile eroberte, wurde pragmatisch mit den althergebrachten Ritualen verwoben; ein Phänomen, welches in vielen kolonisierten Gebieten weit verbreitet ist. So ist auch Sensei Khuselo, unser Gastgeber heute Nacht, bekennender Christ und Sangoma. Natürlich verliert der Kult in der zunehmend modernisierten Gesellschaft Südafrikas an Einfluss und Anhängern. Das Christentum ist auf dem Vormarsch, Urbanisierung und Orientierung an der westlichen Konsumgesellschaft bedrohen die althergebrachten Traditionen. Stirbt hier ein Ordnungssystem, dessen Glaubenssätze und Wirkungskraft über Jahrtausende hinweg einer Kultur zum Verständnis ihrer Welt verholfen hat? Noch begegnet man ihm jedenfalls jeden Tag: in Speise-Opfern und auf seltsamen Pflanzen-Märkten, in Schauermärchen und Gerüchten über eifersüchtige Schwiegermütter und verhexte Ehemänner die im Flüsterton durch die staubigen Straßen hauchen.

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I NHALT

ANGEKOMMEN? 8 10 12 14 15

Von Erzieherinnen und Landschaftsgärtnern SVENJA STRAUSS Klatscht bitte jetzt! ZOÉ DUBOIS Vom Brauchen, Leisten und Passen SARA DAVIN Das Brackwasser der Beliebigkeit HARALD WÖRNER Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener Tag TRUDI KINDL

RUBRIKEN

tagesklatsch mit kaffeesatz

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3 Editorial 4 TagesSatz International 16 Der Stolperstein 17 Paragraphenreiter 21 Der Comic 26 Kultur-Empfehlungen 28 Straßengeflüster Gedanken eines TagesSatz-Verkäufers 29 Die Kochnische 30 Hinter den Kulissen 31 Zwischen den Zeilen 32 Was es sonst noch gibt 33 Der Ticker Nächstes Mal Impressum 34 Wohin, wenn

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mit CHRISTIANE F. UTE KAHLE

GÖTTINGEN 18 My Dad is Hip Hop JOHANNES LAUTENBACHER 20 Herrschaftszeiten! – Händel Royal UTE KAHLE

KASSEL 22 Fünf neue Windanlagen am Horizont NORA MEY 24 Leserecho GERALD REISSMANN 25 Kuriosum Anno Drittes Jahrtausend 2013 ARMUNIUS IUSSUI

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Ort, Datum Unterschrift

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Deutscher Levante Verlag

DAS GESPRÄCH

tagesklatsch mit kaffeesatz

„Für mich war Heroin nie ein Dämon.“ Christiane Vera Felscherinow, 51, Mutter und Frau. Oder wie die Nation sie seit 1978 nennt: Christiane F. Sie lebt, mehr denn je. 35 Jahre nach dem Stern-Bestseller „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ meldet sie sich wieder zu Wort, schreibt gemeinsam mit der Journalistin Sonja Vukovic eine zweite Biographie über ein Doppelleben zwischen Moral, Suchtdruck und Neugier, die sie auf der Buchmesse vorstellte.

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m Ende des Buches „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ glaubt der Leser, es geht bergauf mit Christiane F. Sie ist in der vermeintlich sicheren ländlichen Umgebung, wird von der Familie betreut und hat alle Chancen auf ein „normales Leben“. Sie sagen selbst, dass ihr Vater selig war, dass sie nur noch Alkohol tranken. Sie schrieben: „Ich war trotzdem mittlerweile entschlossen, mit der Welt, so wie sie war, zurechtzukommen.“ Was hat diese eigentlich gute Prognose gekippt? Ich konnte mich nicht weiterentwickeln. Ich durfte ja nie erwachsen wer6

* UTE KAHLE IM GESPRÄCH MIT CHRISTIANE FELSCHERINOW den und werde immer wieder die gleichen Dinge gefragt. Ich bin immer wieder zurückgeworfen auf das Christiane F.-Ding. Ich bin immer 18 geblieben, oder 16, für alle Menschen. Und so habe ich Schwierigkeiten gehabt zu sagen: Doch, das kann ich, ich schaffe das! Also ich bin nicht immer nur eine 15-Jährige, und deswegen war das zweite Buch eigentlich auch ziemlich nötig. Würden sie heute überhaupt noch mal ein erstes Buch schreiben? Wenn ich heute noch mal die Wahl hätte, hätte ich nein gesagt. Dann hätte ich das nicht gemacht. Ich hät-

te selbst alleine mein Leben sowieso gerissen. Ich wär auch nicht mehr rückfällig geworden, wie denn, von was denn? Das zweite Buch ist ja nach einem Treffen von Sonja Vukuvic und Ihnen geschrieben worden und die Vorbestellzahlen lassen ja auf einen ähnlichen Erfolg hoffen. Viele unterstellen ja nun, dass Sie es nur wegen des Geldes gemacht haben? Nein. Heute denke ich, dass die Presse daran wirklich eine Mitschuld trägt. Den schlimmsten Schock hatte ich, als ich das erste Mal mein Bild überlebensgroß als Plakat sah. TagesSatz

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DAS GESP R ÄC H In Ihrem Buch schreiben Sie ja, dass es Ihnen weder an Geld noch an Aufmerksamkeit fehlt. Trifft das immer noch zu?

Ist Methadon eine brauchbare Lösung oder verschiebt sich nur das Problem durch eine gewisse Ruhigstellung der körperlichen Schmerzen?

Ja, aber meine Gelder habe ich zum Glück immer sicher vor mir und anderen angelegt. Aber viele haben mich gewarnt: Wenn du so weitermachst, wirst du keine vierzig. Hätte ich wirklich so viel gefixt wie alle behauptet haben, wäre ich heute nicht hier. Ich bin seit 35 Jahren noch nicht tot, kaum einer hätte geglaubt, dass ich 51 Jahre alt werde. Aber sieh an, hier bin ich.

Nein und ja. Hat die gerade ne Bank überfallen oder so? Ich sag dann immer: Das ist medikamentös bedingt, einfach. Weil die gucken dann manchmal ein bisschen erschrocken. Weil man steht dort mitten im Winter triefend. Ja, das ist schlimm.

Ihre beste Freundin Babsi schrieb mal unter ein Bild: „Der Druck ist die Hälfte des Todesfeelings.“ Kann man so die Todessehnsucht und den Dämon Heroin beschreiben? Für mich war Heroin nie ein Dämon. Es ist ja auch gruselig, dass man sich das so traut, mit der Spritze in die Haut zu hauen. Das tut ja auch weh. Aber das liegt daran, dass ich mit Kokain nicht so viel anfangen kann. Weil das Schlimme, immer wach zu sein, das zehrt und das ist ja auch immer nur dieser zwanzig Minuten-Kick. Es ist nur so, dass man verdammt die Schmerzen weg haben will. Weil Kokain macht ja nicht den Körper krank, so dass man sich gar nicht mehr bewegen kann.

Kann es die Umwelt so einfach merken, wenn jemand substituiert wird, oder ist es für Sie möglich, „normal“ und unauffällig zu leben, trotz ihrer Schweißausbrüche und Heißhungerattacken? Bleibt die Dosis aus, dann ist das unübersehbar. Ich bin dreimal außerhalb des Balkons gewesen und weiß bis heute nicht, warum ich das ge-

das immer verheimlichen muss. Dass auch Nachbarskinder plötzlich nicht mehr zum Spielen kommen dürfen. Weil Christiane F. von der Ferne ist ganz toll. Aber doch nicht, ach Gott nee, nicht als Nachbarin. Sie schreiben: „Ich bin kein gieriger Mensch, Gier kann ich nicht leiden. Aber Sicherheit ist mir wichtig, auch die, dass ich irgendwo etwas Dope gebunkert habe….Ich kann gut warten, aber ich muss wissen, dass es was gibt.“ Ist das wie eine Art Lebensmotto, ich kann verzichten, aber wenn ich etwas möchte, ist es da? Hätte ich wirklich so viel gefixt, wie alle immer behauptet haben, hätte ich sie nicht alle überlebt. Gibt es einen Tipp von Ihnen, einen Wunsch, was die beste Therapie ist, um von den Drogen loszukommen?

„Weil ich nicht aufhören kann“

Sie waren ja phasenweise immer wieder clean, freiwillig oder unfreiwillig, hat es außer zur Zeit der Schwangerschaft, eine echte Chance gegeben, dauerhaft clean zu leben? Der Wunsch, der Drang, sich selbst wieder spüren zu wollen, der ist schon immer da gewesen. Und durch diese vielen Clean-Phasen, wo man sich dann auch einfach zusammenreißen muss, weil man Prioritäten setzen muss. Was will ich? Mann muss mit vielem dann auch abschließen. Ja man darf sich auch nicht mehr so fest binden, gar nicht. Eine feste Bindung ist für einen genesenden Drogenabhängigen schon fast zu viel. TagesSatz

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macht habe. Ich wollt aber nicht springen, das weiß ich. Man hat dann ja auch irgendwann Filmrisse. Ich muss ja schon Angst haben, wenn ich einen Anfall bekomme und ich ein ganzes Paket Gummibärchen aufesse – weil ich nicht aufhören kann. Ich weiß genau: Es ist nicht gut für meine Gesundheit – aber ich mache das trotzdem. In dem Moment weiß ich das gar nicht mehr genau. Ich befriedige meine Bedürfnisse, und ob das verboten ist oder nicht, das wird mir entweder gesagt oder ich frage mich das gar nicht. Man macht das einfach. Schränkt es heute Ihr Leben massiv ein, dass Sie substituiert werden und dadurch nicht die Freiheit haben, zu tun, was und wann Sie wollen? Oder gibt das Ihrem Leben eine gewisse Regelmäßigkeit? Es ist relativ nervig sieben Tage in der Woche aufzustehen, um einen winzigen kleinen Schluck zu nehmen, der für andere sogar vielleicht tödlich wäre. Um dann den angebrochenen Tag weiter in Angriff zu nehmen. Und auch die Schwierigkeiten, dass man

Keine Ahnung, ich habe nie eine Therapie gemacht. Methadon ist es in jedem Fall nicht. Davon zu entziehen, ist noch schlimmer, und die Nebenwirkungen sind furchtbar. Du schwitzt permanent und wirst antriebslos. Außerdem triffst du beim Arzt immer Leute aus der Szene. Nicht alle, die substituiert werden, lassen deshalb automatisch die Finger von den Drogen. Gibt es denn eine Hilfe, die Sie sich gewünscht hätten um ihr Doppelleben zwischen Schule und Anschaffungsprostitution zu beenden? Eine professionellere Hilfe als den Versuch ihrer Mutter? Mein Weg aus der Abhängigkeit war die Mutterschaft. Als mein Sohn geboren wurde, war alles anders. Ich denke, dass mein Sohn schon eine gute Sache für mich war, ich hab eine bestimmte Reife erlangt, einfach zu sehen, dass ich das kann. Er ist ein Geschenk, das ich mir gemacht habe. Vielen Dank für das Gespräch.

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T I T E LTH E M A

Von Erzieherinnen und Landschaftsgärtnern

* SVENJA STRAUSS

Jörg sanders

„Ich Tarzan – Du Jane“ scheint das Motto zu sein, das hinter diesem Titel steckt. Dass Sprache feste Wertvorstellungen und Menschenbilder erkennbar werden lässt, ist längst kein Geheimnis mehr. Aber geht es auch anders?

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TI TELTH E M A

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enn schon, dann müsste es Erzieher_innen heißen. Oder ErzieherInnen. Oder aber auch Erzieher*innen. Und Landschaftsgärtner und Landschaftsgärtnerinnen. Geschlechtergerechte Formulierungen sind mehr und mehr zu Standardformen geworden zumindest im schriftlichen Sprachgebrauch. „Reine Formsache“ mögen einige meinen. Denn noch immer scheint es eine breite gesellschaftliche Abwehr zu geben, wenn es darum geht, Sprache geschlechtergerecht zu verwenden. Die Argumente hierfür sind vielfältig. Oft behaupten die Widersacher, dass geschlechtergerechtes Formulieren unwichtig sei, weil nur eine rechtliche sowie soziale Gleichstellung nötig sei, um Frauen und Männern die gleiche gesellschaftliche Anerkennung sowie gesellschaftliche Stellung zukommen zu lassen. Und natürlich hebt eine rein sprachliche Gleichstellung eine soziale sowie rechtliche nicht auf, legitimiert zugleich aber auch nicht, dass Sprache weiterhin diskriminiert. Denn dass Sprache eine diskriminierende Macht besitzt, kann nicht geleugnet werden, führt man sich vor Augen, wie Worte Menschen verletzen. Beschimpfungen berühren uns, ohne dass körperliche Gewalt angewandt wird. Natürlich ist der Sprachwandel mit einem Aufwand an Zeit und Arbeit verbunden, denn alte Formulierungen müssen geändert, teilweise ganz neue geschaffen werden, wenn es darum geht, sowohl Frauen als auch Männer sprachlich gleichermaßen zu berücksichtigen.

Sichtbarmachung von gesellschaftlichen Strukturen ist also ein Ziel, das durch geschlechtergerechtes Formulieren erreicht werden soll. In Institutionen sowie Firmen trägt Gleichstellungsarbeit dazu bei, dass dieses Ziel erreicht werden kann. So ist es eine Aufgabe von Gleichstellungsarbeit Bewerbungs- und Einstellungsverfahren schon von Beginn an zu begleiten und darüber zu wachen, dass sowohl Frauen als auch Männer sich gleichberechtigt angesprochen fühlen können. „Für die Ausschreibung von Stellen gibt es klare sprachliche Regeln, die dabei helfen sollen, dass nicht nur ein Geschlecht sich angesprochen fühlt, sondern eben beide“, sagt Nina Seeberg*, die sich ehrenamtlich an einem universitären Institut für Gleichstellung engagiert. „Zugegebenermaßen ist es nicht immer leicht, geschlechtergerechte Formulierungen zu finden. Es ist aber wichtig, Gleichstellung sprachlich her-

schlecht voll und ganz zugehörig fühlen, sondern als Transgender. Schließlich ist es nur so möglich, eine breite Gruppe von Menschen anzusprechen, weil sie durch Sprache repräsentiert werden. Gleichzeitig entsteht dadurch ein verändertes Bild, weil Stereotype aufgebrochen werden, die lange Zeit durch Sprache transportiert worden sind. Rollenklischees werden aufgebrochen und eine Symmetrie zwischen Frauen, Männern und Transgender wird sprachlich etabliert. Wichtig ist hierbei jedoch, dass keine Dogmen erzeugt werden. Jede_r soll weiterhin selbst entscheiden dürfen, ob es in Ordnung ist, wenn er oder sie sich selbst als Landschaftsgärtner bezeichnet, unabhängig des eigenen Geschlechts. Die eigenen Empfindungen über das, was als diskriminierend und verletzend angesehen wird, kann nie von außen definiert werden. Letztendlich darf und muss das jede_r am Ende für sich in Erfahrung bringen, wodurch er oder sie sich sprachlich repräsentiert fühlt. „Im öffentlichen Raum ist es jedoch klar, dass sprachliche Hervorhebungen eine Gleichstellung erzeugen. Dies ist mittlerweile auch an verschiedenen Stellen gesetzlich verankert“, erklärt Nina Seeberg*.

Sprache erzeugt Weltanschauungen

Oftmals handelt es sich nicht um eine bewusste sprachliche Diskriminierung, sondern Sprache repräsentiert Rollenbilder, die über einen langen Zeitraum durch ihre Gesellschaft geprägt wurden. Die Vorstellung, dass es typische Frauenberufe und typische Männerberufe gibt, kann erst dann hinterfragt werden, wenn man sprachlich darauf aufmerksam macht, dass es beispielsweise nicht nur weibliche Erzieherinnen gibt, sondern eben auch männliche Erzieher. Genau so wie es auch Landschaftsgärtnerinnen gibt und Landschaftsgärtner. Die TagesSatz

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vorzuheben, damit beide Geschlechter sich angesprochen fühlen, um von Beginn an ein Klima zu schaffen, indem man sich sowohl als Frau und als Mann wohlfühlen kann“, erzählt sie. Die verschieden sprachlichen Möglichkeiten, geschlechtergerecht zu formulieren, stellen oft eine so große Herausforderung dar, dass versucht wird, sie mit Hilfe neutraler Formulierungen zu vereinfachen. „Erzieherisches Personal“ ist ein Sprachbeispiel, das zeigt, wie versucht wird, dem Problem zu entfliehen, sowohl Frauen als auch Männer anzusprechen. Niemand wird diskriminiert, allerdings trägt man nicht der Tatsache Rechnung, dass Frauen und Männer nun einmal nicht als Neutrum existieren, sondern als Frauen, Transgender und Männer. Die Möglichkeit durch einen Unterstrich oder durch ein Sternchen geschlechtergerecht zu formulieren, eröffnet gleichzeitig den Raum auch Menschen anzusprechen, die sich weder dem einen noch dem anderen Ge-

Sprache, so will es der Artikel verdeutlichen besitzt also immer die Macht, Weltanschauung auf eine bestimmte Art und Weise zu konstruieren, weil sie sie letztendlich erst erzeugt. Somit verleiht Sprache unseren Gedanken nicht nur Ausdruck, sondern erzeugt sie, weil sie gesellschaftliche Realitäten stabilisiert und bestimmte Vorstellungen reproduziert. Worte sollten deshalb mit Bedacht benutzt werden, denn geschlechtergerechte Formulierungen sind keine bloße Spielerei. Schließlich besitzt Sprache nicht nur die Macht festzulegen, sondern auch zu sensibilisieren und auf gesellschaftliche Klischees aufmerksam zu machen. Viel besser noch: sie am Ende sogar zu verändern.

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*Name von der Redaktion geändert.

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Jessica Szturmann

T I T E LTH E M A

Klatscht bitte jetzt! * ZOÉ DUBOIS Chaotisch, harmonisch und jugendlich kommt er daher, der Poetry Slam, und lockt ein äußerst lebendiges Publikum an. 1986 in den USA gegründet, findet man ihn mittlerweile in Europa in fast jeder halbwegs größeren Stadt, auch in Göttingen. Was steckt dahinter?

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er Saal ist voll, alle Stühle im hinteren Teil des Raumes sind belegt und weiter vorne sitzen Menschen auf dem Boden bis dicht vor den Bühnenrand. Es ist laut, aber während der Anmoderation verstummen die Gespräche und als der erste Poetry Slammer beginnt, ist das Publikum still. Der nun folgende Auftritt kann lustig sein oder nachdenklich oder poetisch. Poetry Slam lässt sich nicht so einfach in Schubladen stecken – wenn man sagt, es sei lediglich ein Wettstreit der Poeten, liegt man falsch, ebenso, wenn man die Auftritte als Comedy oder Kabarett versteht. Die Geschichte des Poetry Slam begann 1986 in Chicago, im Green Mill Jazz Club. Dort organisierte der Dichter Marc Kelly Smith einen Wettstreit, bei dem verschiedene Poeten gegeneinander antreten sollten. Der Uptown Poetry Slam war nicht nur so erfolgreich, dass er weiterhin jeden Sonntagabend stattfindet, die Idee verbreitete sich schnell in den USA und bald auch in Europa, so dass keine zehn Jahre später der Poetry Slam in den europäischen Großstädten angekommen war.

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Mittlerweile ist die Szene in Deutschland eine der ausgeprägtesten, die Deutschsprachigen Meisterschaften gehören zu den größten in Europa und in mehr als 70 Städten finden regelmäßig Slams statt. TagesSatz

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TI TELTH E M A Für Christopher Krauß, einen der Moderatoren des Göttinger Poetry Slams, liegt dies zum einen daran, dass sich in Deutschland schon Anfang der Neunziger eine Poetry-Slam-Gemeinschaft herausbildete und zum anderen daran, dass es innerhalb der Szene einen großen Zusammenhalt gibt. Christopher Krauß organisiert seit 2006 zusammen mit Felix Römer Poetry Slams in Göttingen, zuerst im Theaterkeller, dann im Theater im OP und schließlich seit 2013 im Jungen Theater. Die Gründe für die Umzüge waren meistens Platzmangel, denn in den letzten Jahren wurden die Slams immer beliebter. Zum allerersten Poetry Slam kamen 130 Leute, mittlerweile sind es regelmäßig um die 290.

eher wieder mit dem Slammen auf als Männer. Christopher Krauß sieht eine Ursache in vorherrschenden Stereotypen, oft hätten Frauen mehr Selbstzweifel und trauten sich seltener, ihre Texte auch zu präsentieren. Dies zeige sich gerade bei Workshops, zu denen Mädchen häufiger schon Texte mitbrächten, jedoch auch mehr an ihnen zweifelten. Jungen seien schwerer zu motivieren, mit dem Schreiben anzufangen, blieben dann aber auch häufiger dabei, wenn sie Bestätigung bekämen.

den. Christopher Krauß mag das Göttinger Publikum. „Es kann unglaublich mitgehen, aber sofort wieder ruhig sein, wenn der Text das verlangt.“ Dies sei nicht selbstverständlich, besonders von Meisterschaften kenne er eine gewisse Unruhe.

Die Idee des Dichterwettstreites ist gar nicht so neu. Schon im Mittelalter gab es derartige Wettkämpfe. Das wirklich andere beim Poetry Slam ist, dass das Publikum in die Vorträge eingebunden wird. Es kann über die Lautstärke des Beifalles über den Sieger entscheiden.

Der etablierte Slammer Wolf Hogekamp arbeitet an der Verbreitung des „Deaf Slam“, einer vor einigen Jahren in New York entstandenen anderen Art des Poetry Slams. „Gebärdenpoesie“, wie Hogekamp sie gegenüber der Zeitung „Die Zeit“ nennt, sei nicht nur etwas für Gehörlose.

Die Poetry-Slam-Szene entwickelt sich stetig weiter, es gibt, abgesehen von den Deutschen Poetry Slam Meisterschaften, noch diejenigen der Bundesländer sowie Schulmeisterschaften.

„Der Wettkampf ist eigentlich mehr fürs Publikum da“

Die Subkultur, die Poetry Slams einmal darstellten, ist am Verschwinden. Für Christopher Krauß ist diese Entwicklung besonders daran zu erkennen, dass es immer weniger exzentrische, aus der Masse herausstechende Leute gibt. Auch gebe es mittlerweile in einigen Städten Slams, bei denen die offene Liste nicht mehr existiere. „Das ist schade, denn es widerspricht dem Gedanken von Poetry Slams.“, kritisiert Christopher Krauß. In die offene Liste, in Göttingen ein großes Glas, das an der Kasse des Jungen Theaters steht, kann sich jeder eintragen, der nicht zu den eingeladenen Poeten zählt, aber dennoch auf die Bühne will.

Aber die Entwicklung hat auch positive Seiten. Viele ehemalige Slammer veranstalten Workshops und fördern so die Nachwuchsarbeit. Zwar dauere es eine Weile, bis diejenigen, die eine solche Anleitung durchlaufen hätten, ihren eigenen Stil finden würden, doch die Szene bleibt lebendig, wenn immer neue Poetry Slammer nachrücken. Bei aller Offenheit, es gibt mehr männliche Poetry Slammer als Frauen. Bei den Einsteigern sind diese noch gut vertreten, aber tendenziell hören Frauen TagesSatz

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Allerdings nehmen viele Poetry Slammer die Konkurrenz gar nicht als solche wahr. So gehört es zum festen Ritual, vor jedem Poetry Slam gemeinsam im Theater zu essen und hinterher in Christopher Krauß’ Keller zu übernachten. „Der Wettkampf ist eigentlich mehr fürs Publikum da.“ Den meisten ginge es darum, ihre Texte einem Publikum vorzustellen und Reaktionen zu erhalten. Die Voraussetzungen dafür, dass man auf die Bühne darf, sind lediglich, dass der Auftritt maximal sieben Minuten dauert, der Beitrag vom Auftretenden selbst verfasst wurde, und dass auf der Bühne keine Hilfsmittel benutzt werden. Das sorgt dafür, dass ein guter Auftritt nicht nur einen guten Text, sondern auch eine interessante Darstellung des Slammers braucht. Zwar gibt es viele, die das nutzen, und regelrechte Performances hinlegen. Aber auch ein gut vorgelesener Beitrag kann das Publikum packen. Überhaupt, das Publikum, während des Poetry Slams hat es die Macht, über Sieg und Niederlage zu entschei-

In Göttingen gesellt sich ein anderes Format zum Poetry Slam, Soloabende und Konzerte mit lyrischen Einschlägen. Und schon seit einigen Jahren spalten sich andere Slam-Arten ab, darunter auch Philosophy Slam und Science Slam, letzterer findet auch ab und zu im Theater im OP statt. Allerdings schmückten sich auch Veranstaltungen mit dem Zusatz „Slam“, die eigentlich etwas völlig anderes seien, meint Christopher Krauß. „Slam ist zu einer Marke geworden, die genutzt wird, um Aufmerksamkeit zu bekommen.“ Es gibt durchaus auch Leute, die Poetry Slams in ihrer unkonformen Weise nicht als Kultur ansehen. Der Literaturkritiker Harold Bloom bezeichnete die Poetry-Slam-Bewegung als „Tod der Kunst“. Doch ob Großartigkeit oder Gefahr, kaum etwas weckt auf so lebendige Weise Interesse für Sprache und Literatur.Deshalb wird nach der Aufforderung „Klatscht bitte jetzt!“ auch so laut geklatscht. Oder eben nicht.

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MEHR ZUM THEMA: Poetry Slam Göttingen: poetryslamgoettingen.blogsport.de

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T I T E LTH E M A

Vom Brauchen, Leisten und Passen Gute Verkäufer fallen nicht vom Himmel. Sie werden geschult und das nicht zuletzt auch psychologisch. Es lohnt sich, einige ihrer Strategien zu kennen, gerade wenn es um sensible Themen wie Versicherungsabschlüsse geht.

Andrea Tiedemann

* SARA DAVIN

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s gibt zwei Arten von Menschen: Schwätzer und Macher. Zugegeben eine krasse Vereinfachung, aber gerade deswegen so unglaublich leicht anzuwenden. Ein Verkäufer? Ein Schwätzer. Ich? Ein Macher, klar. Dennoch: Wo wären wir ohne Berater oder Makler, gerade bei prekären Themen wie Berufsunfähigkeit oder Altersvorsorge? Auf der sicheren Seite? Nicht wirklich bei endlosen Alternativen und undurchsichtigen Verträgen. Wenn ich etwas brauche, das Angebot zu mir passt und ich es mir leisten kann – wunderbar, das sollte zu einem Abschluss führen, der Verkäufer und Kunde glücklich macht. Doch diese Dreifaltigkeit der Kauf/Verkauf-Dialektik offenbart sich uns nur selten von allein, sodass wir uns auf einen Exeget angewiesen fühlen: Einmal auslegen bitte, aber ehrlich trotz allen Eigeninteresses. Wir wollen möglichst viel verstehen, aber am Ende braucht es doch auch ein wenig Vertrauen. Es kann nicht schaden, einen Blick auf das zu werfen, was unser Gegenüber anwendet, um aus einem Kunden einen Käufer zu machen.

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TI TELTH E M A Verkaufen bedeutet, jemandem etwas gegen Bezahlung als Eigentum zu überlassen, oder – umgangssprachlich – dafür zu sorgen, dass etwas bei jemandem auf das gewünschte Interesse stößt. Zitiert man Karsten Brocke, einen gefragten Verhaltens-Trainer für Kaufpsychologie und Neukunden-Gewinnung, bedeutet verkaufen auch, Menschen zu aktivieren, frei nach dem Motto: Wer kauft, was ich habe? – Ein Mensch, der das will, was ich habe. Damit ist ein eleganter Euphemismus gefunden, der auch das mit einzuschließen scheint, was anderen als Manipulation aufstoßen mag. Aktiviert wird durch profane, im Grunde rhetorische Fragen, die nicht selten die Gefahr bergen, in eine „Ja-Sager-Trance“ zu verfallen: Würden Sie einen Anzug anziehen, der Ihnen passt? Geben Sie sich mit 100 Euro zufrieden, wenn ich Ihnen 200 anbiete? Würden Sie Geld annehmen, wenn es Ihnen zusteht? Charismatisch vorgetragene FAIRkaufsBROCKEn® lernen sie nicht nur an der Universität Salzburg, sondern auch bei T-Mobile, Siemens, BMW, der Sparkasse oder der Deutschen Bank, um nur einige aus einer langen Liste an Referenzen zu nennen. Konsumenten schwanken zwischen „Ja“, „Nein“ und „Vielleicht“; Aktivierte bitten dagegen: Darf ich das Konzept auch kennenlernen? „Mal gucken. Überzeugen Sie mich!“, witzelt Brocke vom Verkäuferstandpunkt aus.

tieren und so Ehrlichkeit nach außen hin darzustellen. Geschulte Verkäufer achten im anfänglichen Gespräch teilweise gar auf Ihre Wortwahl: Welchen der fünf Sinne bevorzugen Sie? „Schauen“ Sie sich um oder „hören“ Sie sich um? Der Verkäufer kann dann gezielt ihren favorisierten Sinneskanal ansprechen: „Das sollten Sie sich dick unterstreichen“ oder lieber „Hier sollte es bei Ihnen klingeln“. Wenn Sie es anbieten, kann er Sie natürlich auch auffordern, sich das Angebot auf der Zunge zergehen zu lassen. Die zwei Schubladen vom Macher und Schwätzer sind dem Verkäufer selbst keine große Hilfe. Er mag zwar in seiner professionellen Rolle vor allem an zwei Motivationen glauben: Angst und Gier. Der Mensch möchte mehr haben, aber hat Angst, etwas zu verlieren, gerade, wenn es um das liebe Geld geht, das nicht zuletzt ein glückliches – und konsumreiches – Leben garantiert und

parat: „Beides ist auf Sie zugeschnitten. Wählen SIE.“ Der Dominante trifft die Entscheidung unbedingt selbst. Da ist es dann eigentlich egal, dass es sich nur um eine Pseudo-Alternative handelt; beides läuft ja auf einen Abschluss hinaus. Ähnlich wie beim Möbelkauf: Ihnen ist es völlig freigestellt, ob Sie das Bett gleich mitnehmen oder sich in den nächsten Tagen liefern lassen. Der Kauf wird zur sicheren Sache erklärt. Ob man Sie aufs Kreuz legt, entscheidet eben weiter die undurchsichtige Trias aus brauchen, sich leisten können und passen. Dem gelben Kunden, umgänglich, enthusiastisch, begegnet der Verkäufer dagegen mit ein wenig Small Talk. Ist der Wohlfühlfaktor erreicht, wird das Angebot präsentiert: „Genau DAS passt für Sie.“ Und Schwups zurück zum Geplänkel. So braucht man dem Blauen nicht zu kommen. Zahlen, Daten, Fakten benötigt der präzise Typ für eine Entscheidung, da er zum Hinterfragen neigt. Mit „Das ist passend für Sie, weil …“ mag der Verkäufer auf handerlesene Statistiken verweisen. Dem grünen Typ, geduldig und vertrauensvoll, ist dagegen an Harmonie gelegen. Da wird aus einem neuen Produkt gerne „genau das, was wir letztes Mal gemacht haben, nur hier und dort wurde es ein wenig verbessert.“ Wirklich? Oder ist es damit nicht doch etwas völlig Neues?

Der Kunde ist kein König, er ist eine Farbe

Verkäufer absolvieren häufig die sogenannte NLP-Ausbildung, kurz für Neuro-Linguistisches Programmieren, eine Sammlung von Kommunikationstechniken und -methoden zur Steuerung von menschlichem Verhalten. Beliebt ist es, die Körperhaltung des Kunden nachzuahmen, da derartige Spiegelungen sympathisch wirken, ohne bewusst wahrgenommen zu werden. Positive Körpersignale wie ein einladendes Lächeln, geöffnete Hände oder eine lebendige Sprachmelodie können von dem tatsächlich Gesprochenen ablenken und dabei helfen, Begeisterung für das Produkt auf den Kunden überspringen zu lassen. Nicht selten werden auch Verbrüderungsversuche unternommen, um sich mit dem Kunden auf der gleichen Stufe zu präsenTagesSatz

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nebenbei die Familie versorgt, die abgesichert sein sollte, oder etwa nicht? Wie steht man da, wenn man hier „Nein“ sagt? Der schlagfertige Kunde kontert vielleicht: „Ich lebe im Jetzt.“ Der Verkäufer: „Schauen Sie keine Wettervorhersage?“ – „Na sicher.“ „Warum denn?“, fragt er lächelnd. Nicht jedem Kunden wird ein Produkt in gleicher Weise angepriesen, zumindest nicht, wenn der Verkäufer sein Fach versteht. Ist der Kunde eher extrovertiert oder introvertiert, eher sachorientiert oder beziehungsorientiert? Damit sind die Achsen eines Vierfelder-Modells benannt, das im Kundengespräch als DiagnostikWerkzeug unbemerkt mitläuft. Den vier Grundtypen werden in aktuellen Modellen häufig Farben zugeordnet. Rot beschreibt den dominanten Typ, fordernd, entschlossen, vielleicht Manager eines mittelgroßen Unternehmens oder einfach viel beschäftigt, jemand, der keine Sekunde zu verschenken hat. Ticktack! Für ihn hat der geschulte Verkäufer zwei Möglichkeiten

Zwar gelten Typenmodelle in psychologischen Fachkreisen häufig als antiquiert und empirisch kaum fundiert. Dennoch finden sie Anwendung, um Kundenreaktionen einzuschätzen und im Rahmen des Möglichen zu steuern. „Damit habe ich schon mal schlechte Erfahrungen gemacht.“ „Haben Sie schon mal etwas Schlechtes gegessen?“ „Ja.“ „Aber Sie essen ja noch.“

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MEHR ZUM THEMA: Einen guten Eindruck von der Erziehung zum Bestseller bieten die Vortrags-Ausschnitte auf der Website des Verhaltens-Trainers Karsten Brocke: www.karsten-brocke.de 13


T I T E LTH E M A Sarah Raymaekers

Das Brackwasser der Beliebigkeit Deutsche Komiker und Kabarettisten zeichnen sich oft durch einen – mehr oder minder – virtuosen Umgang mit ihrer Muttersprache aus.

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inen kleinen Überblick, der jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, zudem auch dem subjektiven Empfinden des Autors geschuldet ist, soll dieser Artikel bieten. Einer der ersten Humoristen, an die ich mich erinnere, ist der grandiose Vicco von Bülow, den meisten als „Loriot“ bekannt. Diesen Namen wählte er, weil das Wappentier des Adelsgeschlechts derer „von Bülow“, der Pirol, auf französich „Loriot“ ist. Durch die Charaktere „Wum und Wendelin“, die in der Samstag-AbendShow „Der große Preis“ als Lückenfüller fungierten, wurde ich so zum ersten Mal auf Loriot aufmerksam. Neben den Sketchen „Weihnachten bei Familie Hoppenstedt“ oder „Die Nudel“ (mit Evelyn Hamann), blieb mir vor allem seine Persiflage auf Prof. Dr. Grzimek („Die Steinlaus“) im Gedächnis haften. Loriots Humor war sehr warmherzig und machte sich über die Schwächen seiner Protagonisten zwar lustig, dies aber nie in einer abfälligen Form. Auch Heinz Erhardt blieb mir als liebenswürdiger Komödiant im Gedächtnis. Erhardts Humor baute in erster Linie auf Wortspielen oder verdrehten Redewendungen auf. Als Beispiel möge hier das Gedicht „Die Made“ gelten. Seine Stärke bestand darin, ganz banalen Vorkommnissen eine tragik-komische Wendung zu geben. Diese Tradition mehr oder minder gepflegten Komödiantentums pflegten nach ihnen auch Karl Dall, Jügen von der Lippe und Otto Walkes. Deren Nachfolger heissen heute Ingo Appelt, Mario Barth, Kaya Yanar oder auch Bülent Ceylan. Während erstere meist nur durch ziemlich platte Witze zu glänzen wussten, fand ich anfangs die Ethno-Comedy von Yanar (Was guckst Du?) oder auch Ceylan noch ganz witzig. Mittlerweile haben sich auch hier die Lacher ein wenig totgelaufen. Das „Urgestein“ im politischen Kabarett bleibt für mich immer noch Dieter Hildebrandt. Nach ersten Gehversuchen grün-

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* HARALD WÖRNER

dete er 1955 zusammen mit Mitkommilitonen „Die Namenlosen“. Ein Jahr später hob er mit Sammy Drechsel die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ aus der Taufe. Leider löste sich diese im Jahre 1972 auf. Nach dem Ende der Großen Koalition und dem Amtsantritt von Willy Brandt fühlte sich das Ensemble nur noch als „Staatskabarett“. Früher war das Credo der „Lach- und Schieß“-, dass „politisches Kabarett Opposition bedeute, diese stehe laut eigenem Verständnis traditionell links.“ In diesem Verständnis sieht sich auch Georg Schramm, der wie mit einem Skalpell die Hohl-Phrasen der Politker entlarvt: So referiert er in einer kabarettistischen Einlage über Politiker und deren Auftritte im Fernsehen. Dabei fallen solche Stichworte wie Die „Herrschaftssprache breitet Ödnis aus“, „Tautropfen der Labsal“ oder auch „Brackwasser der Beliebigkeit“. Jeder, der ein bisschen Fantasie sein eigen nennt, kann sich hier lebhaft vorstellen, was Schramm mit diesen Bildern meint. Die Zuschauer lachen und dasselbe bleibt ihnen im nächsten Moment im wahrsten Sinne des Wortes „im Halse stecken“. Denn erst jetzt, nach einigen Momenten des Nachdenkens, haben sie vollsändig erfasst, was Schramm mit seinen Ausführungen wirklich gemeint hat. Die Zuschauer erschrecken. Gerade weil es auch viele aus dem Bildungsbüger-Milieu sind, die sich sich haben einfangen lassen von dem „alternativlosen“ Politik-Geschwurbel einer Angela Merkel.

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MEHR ZUM THEMA: Ceylan: Halt alle die Gosch www.youtube.com/ watch?v=6UNz-36pu0g Schramm: Über Politiker im öffentlichen Fernsehen www.youtube.com/ watch?v=bEQfzTYd2Ps TagesSatz

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TI TELTH E M A

Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener Tag

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In manchen Stilen kommen Komponisten ganz ohne Sprache aus, in manchen dagegen gehört sie, gleichberechtigt neben der Musik, zum Selbstverständnis der jeweiligen Künstler. Hierzu sprach der TagesSatz mit den Liedermachern Bernd Köhler und Hans Dinant.

ird ein Text nur vorgelesen, hat er eine andere Wirkung, als wenn er musikalisch begleitet wird. Leipziger Wissenschaftler am Max-Plank-Institut glauben, den Grund für die stimulierende Wirkung von Musik gefunden zu haben: Die Sprache verarbeitende Region des Gehirns überlappt sich mit derjenigen, die Musik verarbeitet. Beide liegen hinter der Stirn.

* TRUDI KINDL

Ein Lied entsteht in einem langwierigen Prozeß: Ideen dazu entdeckt Dinant in Wortspielereien oder Sätzen. Gedanken, die um das Thema kreisen, formen sich allmählich in Texte um, wobei auf Ein- und Ausstieg besonderes Augenmerk gelegt werden muss. Erst wenn der Text mehrmals überarbeitet wurde, versucht Dinant mit seiner Gitarre, die passende Musik zu finden. Melodie und Spielweise verbinden sich allmählich mit dem Text zu einer Einheit. Für ihn ist Musik wie eine Lokomotive, die Text hinter sich herzieht. Sie kann nur fahren, wenn beides im Gleichgewicht aufeinander abgestimmt ist. Erst wenn Lieder authentisch gesungen werden, erreichen sie die Gefühle der Zuhörer.

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Wie wird zum Beispiel ein Gedicht zum Volkslied? Schon seit vielen Jahrhunderten wurden Gedichte geschrieben und später auch von berühmten Komponisten vertont, wodurch sie sich zu Volksliedern entwickeln konnten. Als Beispiele mögen gelten: „Der Mond ist aufgegangen“ oder das Lied von der Lorelei. Die Menschen kennen Volkslieder, weil diese ihre Gefühle ansprechen und zu ihrem Leben gehören. So wurden auch Lieder aus sozialen Bewegungen zum Volkslied, weil viele sie in ihr Leben integriert haben. Dasselbe gilt auch für manchen alten Schlager oder Lieder aus der Popmusik wie „Yesterday“ von den Beatles: Ein Lied für das Volk, vom Volk gesungen. Ohne Vertonung würden die meisten Menschen die Gedichte nicht kennen. Musik erweitert ihren Radius und somit ihre Wirkung. Da in Deutschland Volkslieder von den Nazis missbraucht wurden, kennen junge Menschen sie oft nicht mehr. Wenn Dinant jedoch Volkslieder im Altenheim mit Demenzkranken singt, fühlen sie sich geborgen und machen begeistert mit. Dadurch entsteht ein Zugang, um diese Menschen zu erreichen!

Musikalität und Inhalt sind nur gleichwertig, wenn ein Lied nicht zwanghaft entsteht, sondern spielerisch daran gearbeitet wird, um seine Reife zu entwickeln. So spielt Köhler zum Beispiel Arbeiterlieder nicht auf traditionelle Weise, sondern passt sie aktuellen musikalischen Strukturen an, wodurch die Lieder auch für junge Hörer weiterleben. „Lieder dürfen nicht stehenbleiben“, betont Köhler, „sonst werden sie steif und interessieren die Leute nicht mehr.“

Musik öffnet auch die Tür zu Liedern in fremden Sprachen: Es gibt zum Beispiel die Aufnahme von Stefan Eicher aus dem „Olympia“ in Paris, in welcher das Publikum begeistert einen berndeutschen Text mitsingt. Bernd Köhler / Foto: IG Metall

In sozialen Bewegungen ist die Gemeinschaft eine wichtige Grundlage. Durch ihre kommunikative Wirkung schweißen Lieder die Menschen zusammen und fördern so die spielerische Auseinandersetzung mit politischen Inhalten. Soziale Bewegungen inspirieren Künstler, sich mit deren

Inhalten zu befassen und Lieder zu schreiben, in denen die Themen verarbeitet werden. So kamen 2003 streikende Arbeiter auf Köhler zu, die ihn baten, zu ihrer Situation ein Lied zu machen, um sie in ihrem Kampf zu unterstützen.

Musik und Text funktionieren zwar auch unabhängig voneinander, aber zusammen sind sie unverzichtbar. Sie begleitet unser ganzes Leben und beeinflußt unsere Stimmungen. Ein Tag ohne Musik ist ein verlorener Tag.

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S T O L P E R S TE IN

Von „vollen Booten“ und anderen Bildergeschichten * GLOSSE VON PAUL HILDEBRANDT

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Julia Krause

ls der ehemalige Innenminister das „Boot für voll“ erklärte, war klar, was gemeint war. Volle Boote kannte man schließlich aus den Nachrichten. Ein prima Bild also, verständlich. Man konnte es ganz bequem abnicken. Die fehlenden Fakten waren dabei auch nicht mehr so wichtig. Wenn einem das mit der Realität alles zu kompliziert erscheint, braucht man also nur ein paar Bilder zu bemühen und schon hat sich das mit dem Hinterfragen erst einmal erledigt. Die BILD zeichnete so zum Beispiel mit ein paar feinen Strichen den „faulen Südländer“. Schnell hatten die LeserInnen eine Hängematte im Kopf, die in der Sonne baumelt. Darin ein fauler Südländer. Klar, wer für die Krise verantwortlich ist. Klar auch, dass es der fiese Chinese ist, der die Welt erobern will und klar ist schon längst, dass es in Afrika vor allem verbrannte Erde und arme Menschen gibt. Blättert man durch aktuelle Debatten, könnte man meinen, ein ganzes Bilderbuch auf seinem Schoß zu halten. Alles so schön einfach, alles so schön bunt. Da gibt es Geschichten von Gut und Böse, im nahen Osten zum Beispiel. Auf der einen Seite die Guten, auf der anderen Seite die Bösen. Peng, Problem erklärt. In diesem Bilderbuch gibt es die fleißigen Deutschen, die immer ehrlich vor sich hin arbeiten und die faulen Anderen, in diesem Bilderbuch tauchen Figuren auf, wie der böse „Asylsuchende“, der sich eigentlich nur für den prima Sozialstaat interessiert, die Koptuch tragende Frau, die natürlich unterdrückt wird oder der faule „Hartz-IV-ler“, der sich ins Fäustchen lacht, während andere Leute arbeiten gehen. Dass es in diesem Bilderbuch „ethnische Gruppen“ gibt, die schon ein wenig selber Schuld an ihrer Armut sind, überrascht dann auch nicht mehr. Blöd wird es nur, wenn man vielleicht eines Tages merkt, dass es mit der Welt am Ende doch ein bisschen komplizierter ist, als bisher gedacht. Wenn man merkt, dass die einfachen Bilder nicht so funktionieren, wie sie es eigentlich sollten. Wenn es plötzlich keine einfachen Lösungen mehr gibt, die Armut der Anderen mit der eigenen Verantwortung zusammenhängt, „wir“ und „die“ sich zu komplexen, globalen Problemen auflösen und „gut“ und „böse“ zu einer Welt verschwimmt, in der viele ums Überleben kämpfen. Wenn einem schließlich klar wird, dass das Boot gar nicht so voll ist, sondern Rassismus als Bildunterschrift stehen müsste – dann wird es endgültig Zeit das Buch zu zuklappen und vielleicht anzufangen, selbst Verantwortung zu übernehmen.

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TagesSatz

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misterQM (photocase.com)

PARAGRAPH EN RE IT E R

IM NAMEN DES VOLKES

Neue Regelsätze * HANS PETER PUNG

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m 01. Januar 2014 wurden die Regelsätze durch die BA angehoben. Wie sich die Erhöhungen für die jeweiligen Personengruppen geändert haben, möchten wir Ihnen in dieser Ausgabe darstellen:

Alleinstehende Leistungsbezieher 391 Euro (+ 9 Euro) Paare / Bedarfsgemeinschaften 353 Euro (+ 8 Euro) Erwachsene im Haushalt anderer 313 Euro (+ 7 Euro) Jugendliche 14 – 18 Jahre 296 Euro (+ 7 Euro) Kinder 6 – 14 Jahre 261 Euro (+ 6 Euro) Kinder bis 6 Jahre 229 Euro (+ 5 Euro)

Wichtig für Bezieher von staatlichen Leistungen ist auch zu wissen, für was sie ihr Geld erhalten. Hinter Hartz IV versteckt sich mehr als nur die reine Ernährung. In der Leistung sind auch sogenannte „Ansparbeträge“ enthalten. Benötigt ein Hilfeempfänger zum Beispiel einen neuen Kühlschrank, muss er sich diesen aus seiner monatlichen Hartz-IV-Leistung zusammen sparen. Möchte er mobil sein, benötigt er eventuell eine Monatskarte für den ÖPNV. Der neue Wintermantel, Schuhe und vieles andere mehr soll auch von diesem Betrag bezahlt werden. Aus diesem Grund veröffentlichen wir nochmals, wie sich die Leistung im Einzelnen zusammensetzt.

ART DER LEISTUNG PROZENT VOM REGELSATZ Nahrung, alkoholfreie Getränke 35,50 % Freizeit, Unterhaltung, Kultur 11,04 % Nachrichtenübermittlung 8,83 % Bekleidung, Schuhe 8,40 % Wohnen, Energie, Wohnungsinstandhaltung 8,36 % Innenausstattung, Haushaltsgeräte 7,58 % Andere Waren, Dienstleistungen 7,32 % Verkehr 6,30 % Gesundheitspflege 4,30 % Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 1,98 % Bildung 0,38 %

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BETRAG IN EURO 136,61 43,17 34,73 33,10 32,94 29,96 28,96 25,07 16,43 7,57 1,46

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GÖTTINGEN

My Dad is Hip Hop Hip Hop is Dead? My Dad is Hip Hop! Von Kultur zu Lebensgefühl zu Identität. Hip Hop ist nicht Haben, Hip Hop ist Sein, du machst es. Ein Aufbruch in die Progressivität einer Subkultur, die mehr Spuren hinterlassen hat als die meisten ihrer Zeit bis hin zur Regression der Konsumenten von heute.

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as Beste, was die 80er und 90er hervorgebracht haben ist eindeutig der Hip Hop.“, so lässt sich nicht etwa Tupac, Biggie Smalls oder Eazy-E, sondern niemand geringeres als Kurt Cobain zitieren. Was machte allerdings diese, so häufig verpöhnte und verschmähte, Subkultur so einzigartig und wertvoll und warum wird sie heute zu Recht für Tod erklärt? Dazu bedarf es einem metaphorischen Rewind auf Grandmaster Flashs Turntable, zurück zur Idee, Back to the Basics. Nur grob sei angerissen, aus welcher Substanz diese Strömung gebildet ist, um darstellen zu können, um wessen Geistes Kind es sich bei Hip Hop handelt. Zum einen ist es entscheidend zu verstehen, dass es sich bei Hip Hop nicht um eine Musik handelt, die zufälligerweise einen Zeitgeist traf, vielmehr geht es um eine breitgefächerte Kultur aus vier Elementen, welche strukturell zusammenhängend einen soziokulturellen Aufschrei verkörperten, der in seiner Zeit notwendig war. Da gibt es Graffiti, von RTL 2 heute weniger liebevoll als „Deutschlands größtes Katz und Maus Spiel“ diffamiert und von vielen als Schmiererei abgetan, ist eines der größten Errungenschaften der modernen Idee von Kunst. Keine Farbe für teure Galerien, keine Bilder, die man für Geld zu verkaufen hofft, sondern „Wholecars“ (einzelne Zugwaggons, deren komplette Höhe und Länge mit Graffiti in einer Aktion bemalt wurden), die wieder beseitigt wurden, standen im Fo-

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kus. Kunst für den Moment und als Selbstzweck und frei zugänglich für alle, die dieses Gefühl teilten, waren das, was Pioniere wie Fab Five Freddy, durch ihre Sprühdosen predigten. Denn Kunst ist hier nicht, es zu besitzen, sondern es zu machen. „Just do it“: Keine große Bühne, keine große Gage, sondern lediglich ein Ghetto-Blaster und einen Pappkarton und „B-Boy“-Legenden wie Crazy Legs und Jimmy D von der Rock Steady Crew waren geboren. Ebenjene „Breakdance-Boys“ traten auf Hip Hop-Parties auf und performten zu den Beats der Szene-Pioniere, wie Afrika Bambaataa oder DJ Kool Herc, die gnadenlos das sentimentale bis beschwungene Gefühl aus Soul und Funk mit harten Beats abmischten und somit den Soundtrack für das Lebensgefühl der Bronx schufen. „Alles nur geklaut“, das sogenannte Samplen, das Einbinden aufgenommener Liedausschnitte in ein neues Lied, war hier natürlich ein Schlag ins Gesicht für das Musikverständnis des Establishments. Man war der Meinung, ein Musiker müsse sich ein Instrument leisten und dieses auch gut spielen können, um als Musiker zu gelten. Doch der Erfolg gab den DJs Recht, dass Musik nämlich kein Handwerk zum Herstellen eines Produktes, sondern eine Möglichkeit ist, sich selbst auszudrücken. Es zeigt sich deutlich, wie Hip Hop als eine notwendige Auflehnung besonders Afro-Amerikanischer Gruppierungen in den USA zu verstehen ist, gegen offene, aber insbesondere auch

Johannes Lautenbacher

* GASTBEITRAG VON JOHANNES LAUTENBACHER

die versteckten Autoritäten im Kunstkonsum, in der Kunstwahrnehmung, die sich dem Warenfetisch im kapitalistischen Wettbewerb im letzten Jahrhundert angeglichen hat. „Kitsch ist der Anfang des Verfalls jeglicher Kultur zur Massenkultur“, definierte Theodor W. Adorno, weit bevor man sich Hip Hop überhaupt vorstellen konnte. Es ist zwar zu bezweifeln, dass Adorno ein echter Hip Hop-Fan geworden wäre. Nichtsdesto trotz ist das Brechen mit jeglichem Pathos und dem Verkommen von Kunst und Musik zu nebensächlicher Unterhaltung lange Zeit ein wichtiger Verdienst von Hip Hop gewesen. Gerade die Königsdisziplin des Hip Hops, der Rap, ist ohne Zweifel eine der großen musikalischen Revolutionen der jüngeren Musikgeschichte. Den beschwinglichen Melodien und Harmonien, die in den muffigen Räumen der NeuzeitPhilister verstaubten, wurden harte melodielose Sprechgesänge entgegengestellt, die authentisch das Leben wiederspiegelten, die Zustände anprangerten und teilweise im Battlerap auch einfach den Zuhörer beleidigten. Gerade letzteres war auch verglichen mit Blues und Soulthematiken ein völTagesSatz

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GÖ TTIN GE N

„Hip Hop ist tot“

lig neuer Ansatz. Spiel mit dem Satz und Sieg. Natürlich wird hier automatisch die durchaus berechtigte Frage aufgeworfen, ob das durchgängige Beleidigen in Liedtexten tatsächlich als lyrische Errungenschaft zu bewerten ist. Zunächst muss man das Fortschrittliche in diesem Zusammenhang sehen, denn ähnlich dem Brechtschen Konzept des epischen Theaters, wird der Zuhörer beim Battlerap nicht in Illusionen schöner Geschichten eingelullt und zum passiven Konsumenten degradiert, sondern es wird eine Distanz zwischen Musiker und Hörer geschaffen und zu kritischem Hinterfragen provoziert. Der Kritik, dass solche Texte einen Aggressiven-Charakter provozieren würden, steht die Behauptung gegenüber, dass es ohne solche Strömungen nur den AngepasstenCharakter gäbe. Denn „ein politisch korrekter Hitler ist auch nur Vermittler zwischen dir und der Welt die man kaufen kann“, ein Zitat vom Rapper Retrogott, wie es Max Horkheimer nicht besser hätte ausdrücken können. Schön und gut soweit. Doch warum ist Hip Hop heute nicht mehr die schillernde Subkultur, die sie besonders im Wechsel der Jahrzehnte zwiTagesSatz

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schen Achtzigern und Neunzigern gewesen ist? Mit dem wachsenden Erfolg der Hip Hop Kultur wuchs auch das markwirtschaftliche Interesse der Kunstindustrie. Analog zu anderen Subkulturen, wie dem Punk, wurde auch diese künstlerische Gegenbewegung letztlich aufgekauft. Die Türen zum Pathos wurden wieder aufgestoßen, aus den Live-Sessions wurden Tonstudio-Sessions und Hip Hop verlor immer mehr sein Hier und Jetzt. Denn wenn Kunst zu Wettbewerb wird, wird sie falsch und belanglos. Letztendlich ist es jetzt ein ewiger Kreislauf, von Musikern, die darauf abgerichtet sind, ihre Konsumenten abzurichten und den Konsumenten, die durch ihren Konsum die Musiker bestätigen. So wie es laut Adorno kein gutes Leben im schlechten gibt, so kann es womöglich auch keine gute Kunst in der heutigen Kunstindustrie geben. Hip Hop ist tot? Wenn man so will ,ja! Die große Bewegung, welche die Kunstwelt erschüttert hat, ist in ihrem revolutionären Charakter sicherlich verebbt. Was heute Einzug in die Charts findet, ist meist weniger Rap als Popmusik mit Sprechgesang.

Doch was meine ich mit „Hip Hop ist tot“? Sicherlich meine ich nicht, dass es nicht immer wieder begnadete neue Hip Hop-Künstler gibt, sicherlich meine ich nicht, dass es nicht immer noch Leute gibt, die den Kerngedanken von Hip Hop leben. Was ich meine ist, dass diese Kultur nicht mehr einen großen Kreis zieht, in welchem man sich selbst in dieser Kultur definieren kann. Es gibt heute nicht mehr das „ich bin Teil einer Kultur“ und das ist letztendlich eine notwendige Entwicklung. Gewichen ist die Projektion von Identitäten, auf die Meta-Identität namens Hip Hop, geblieben ist ein Appell: „Just do it“. Viele Rapper, B-Boys, DJs und Writer erkennen heute, dass es nicht darauf ankommt, Hip Hop als Religion zu besitzen, sondern, dass entscheidend ist, was du tust. Geh raus, schreib einen Text, mach ein Graffito, oder beatbox, wichtig ist, dass der Fokus auf der produktiven Tätigkeit liegt und nicht auf dem Zugehörigkeitsbedürfnis. Hip Hop ist tot als Instanz, nicht aber als aktive Lebensgestaltung und das ist letzten Endes gut so.

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Händel Festspiele

GÖTTINGEN

Herrschaftszeiten! – Händel Royal Vom 29. Mai bis 10. Juni 2014 scheint auf ganz Göttingen und das Umland der Glanz der Händelfestspiele. Von den Krönungshymnen, über das Oratorium Joshua, bis hin zur Festspieloper Faramondo uni 201 4 29. Mai bis Programm 10. Jgegeben. wird auch in diesem Jahr ein breitgefächertes

F Herrschaftszeiten! aramondo, die Festspieloper im Deutschen Theater von Georg Friedrich Händel, das Highlight des Programmes als szenische Aufführung in drei Akten in italienischer Sprache. Unter der Regie von Paul Curran und in der Besetzung Emily Fons, Anna Devin, Anna Starushkevych, Njål Sparbo, Maarten Engeltjes, Christopher Lowrey, Edward Grint, Iryna Dziashko und dem FestspielOrchester Göttingen unter der Leitung von Laurence Cummings. Doch wer ist dieser Faramondo, der König der Franken? Faramondo und sein ehemaliger Verbündeter Gernando, König der Schwaben, lieben dieselbe Frau: Rosimonda, die Tochter des verfeindeten kimbrischen Königs Gustavo. Eine Geschichte um Rache, Intrigen, Liebe und Eifersucht nimmt ihren verhängnisvollen Lauf. Erst als Faramondo aus Liebe an der Seite ihres Vaters gegen die Verräter kämpft, siegt und sich schließlich als Opfer anbietet, kann Versöhnung und Frieden Einzug halten. Symbolischer könnte die Brücke zur Jugendoper im Jungen Theater nach Georg Friedrich Händel und Bernd Ruf nicht geschlagen werden. Die Händel-HipHopera „FamilienBande – HipHop, Händel und andere Herzensangelegenheiten“ ist doch die zweite 20

* UTE KAHLE

Jugendopernproduktion der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen.

Sveno sitzt im Jugendknast und seine Geschwister wissen genau, wessen Schuld das ist: Faramondo, der seine alte Motorradgang „Die Cimbres“ bei der Polizei verpfiffen hat, soll ihre Rache spüren. Doch was machst du, wenn du dich in deinen Feind verliebst? Und wie hältst du dir ganz nebenbei noch die rivalisierende Gang vom Hals?

Händel Royal

Mit diesem Crossover-Projekt wollen die Festspiele Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren ansprewww.haendel-festspiele.de chen – vor allem diejenigen, die zuvor nicht viel oder gar keinen Kontakt mit klassischer Musik hatten. Crossover ist auch in diesem Jahr wieder ein starker Accent des Festivals. Das Berryman-Quartett bringt mit ihrem Programm „Crossing the Border“ die Grenzen zum Verwischen und die Marienkirche zum Swingen. Hofund Folkmusik war im 18. Jahrhundert eine offene Tür zwischen guten Nachbarn. Das Programm des Berryman-Quartetts wandert entlang dieser Stilgrenze, bringt mit traditioneller und barocker Flötenmusik aus Schottland, Irland und der kanadischen Ostküste den Hof zum Tanzen und die Kneipe zum Schwelgen.

Und auch viele nicht akustische Höhepunkte wie Besichtigungen der Musikinstrumentensammlung der Universität, das Symposium „Mehr Händel!“ oder der Vortrag: Die Königswand in der Aula am Wilhelmsplatz laden zum Besuch ein. Werden doch im Rahmenprogramm in der Region unter anderem Crime & Mystery, Traditionals sowie Werke von O’Carolan, Gow, Newerkla in der Scheune des Klosterguts Reinshof gegeben. Geschichten gefunden – in den Archiven alter englischer, schottischer und irischer Songs und Tunes. Arrangiert oder neu komponiert von Nikolaus Newerkla verspricht Crime & Mystery einen Abend so spannend wie ein Kriminalroman. His Majesty’s Ballet, Werke von Georg Friedrich Händel werden im Rathaus in Duderstadt zur Tanzperformance. Gemeinsam mit Sarah Edgar und Alan Jones von der New York Baroque Dance Company bringt die Hannoversche Hofkapelle Bewegung in die Alte Musik. Ließ sich König Georg I. bei Georg Friedrich Händels Wassermusik an einem lauen Sommerabend 1717 noch gemütlich die Themse entlangschippern, wird es hier beschwingt. Let’s dance!

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DER CO M IC

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KAS S E L

Fünf neue Windkraftanlagen am Horizont

Privat

* NORA MEY

„Kassel fängt schon mal an“ mit der Energiewende in der Region, die gemäß einer Studie den Ausstoß von Treibhausgasen um 80 Prozent bis zum Jahre 2050 reduzieren würde. (TAZ vom 7/8.12.13). Wieweit dieser Weg mit der neuen Regierung gegangen werden kann, ist hier die Frage.

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itten im Dezember ein strahlend schöner Tag. Ich mache mich auf den Weg, die fünf neuen Windkraft-Riesen, die aus der Kasseler Innenstadt am Horizont im Osten der Stadt deutlich zu sehen sind, näher in Augenschein zu nehmen. Dazu fahre ich durch das Industriegebiet an den Rand der Söhre, steige am Waldrand aus und versinke bald im vom schweren Gerät aufgewühlten schlammigen Boden. Je nach Standort sehe ich immer mal wieder über den Wipfeln ein oder zwei der neuen Anlagen blitzen. Ihre Größe von 200 Meter ist kaum abzuschätzen. Wie war das noch? Windkraftanlagen machen auch Lärm? Egal wo ich mich am Hang bewege, ich höre nur den Lärm von der etwa einen Kilometer entfernten Autobahn A7. Und zwar deutlich und ja – störend. Jedenfalls relativiert diese Lärmquelle sogleich alle Bedenken hinsichtlich des Geräuschpotentials eines Windkraftrades. Schließlich bin ich nahe dem eigentlichen Standort, komme aber nicht heran, weil die Baustelle weiträumig abgespannt ist. Die großen Kräne sind inzwischen abtransportiert, aber das verbliebene Gerät hat noch respekteinflößende Größe. Entschädigt für die Entfernung werde ich damit, dass ich sehe, wie sich erstmalig einer der Rotoren dreht und Strom erzeugt! Zusammen mit zwei weiteren Windrädern in Niestetal sollen diese sieben Anlagen insgesamt Strom für 17.000 Haushalte, also etwa 32.000 Menschen, produzieren. Das entspricht einem Achtel der Bevölkerung in der Stadt Kassel. Projektiert und betrieben werden diese Anlagen von den Städtischen Werken in Kassel. Dort wird der Strom auch ins eigene Netz am Kraftwerk in der Dennhäuser Straße eingespeist. Gleichzeitig kann man diese Windkraftanlagen auch bereits als Teil eines Gesamtprojekts, das die gesamte Region Nordhessen umfasst und auf einer Gemeinschaftsstudie des Fraunhofer Instituts IWES und der Stadtwerke-Union Nordhessen (SUN) basiert, begreifen. Zur Stadtwerke-Union gehören die Stadtwerke von Kassel, Witzenhausen, Eschwege, Wolfhagen, Bad Soden-Allendorf und Homberg/Efze. Diese Studie weist nach, dass sich die gesamte Region Nordhessen komplett selbst mit erneuerbaren Energien (Wind, Sonne, Wasser, Biomasse) versorgen kann. Die Vorteile bei diesem Konzept: weitgehende Unabhängigkeit von Großkonzernen, Bürgernähe und Bürgerbeteiligung, zum Beispiel durch Bürgerenergie-Genossenschaften, kurze Wege von der Erzeugung zum Verbraucher (Netze), Wertschöpfung vor Ort (Arbeitsplätze, Technologieentwicklung, Kapital-Aufbringung und -Rendite). TagesSatz

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KAS S E L Bereits vor der Bundestagswahl, gerieten die erneuerbaren Energien zum Teil heftig in die Kritik. Angeblich waren sie verantwortlich für die Strompreis-Steigerungen, die Durchschnittsverbraucher zahlen mussten. Dass diese Steigerungen ganz wesentlich darauf basierten, dass immer mehr Betriebe von der Erneuerbaren-Energie-Umlage (EEG) ausgenommen wurden und die großen Strom-Konzerne niedrigere Preise für Strom nicht an die Verbraucher weitergaben, auf diese Tatbestände wurde von den Befürwortern der energischen Energiewende und des Klimaschutzes zwar verwiesen – allein Lobbyarbeit und Medienmacht sorgten dafür, dass das Bremsen der Energiewende plötzlich propagiert wurde. „Diese Debatte (um die ansteigenden Strompreise) ist eindeutig interessenorientiert und wird sehr unsachlich geführt“, sagt Helga Weber vom Vorstand der Bürger-Energie-Genossenschaft Kassel. „Denn die erheblichen Subventionen, die für die Stromproduktion aus Atomanlagen und Kohlekraftwerken gezahlt werden, gehen zwar nicht direkt in den Strompreis ein – weshalb die Erzeugungskosten für diesen Strom scheinbar geringer sind – sie müssen aber auch bezahlt werden, und zwar aus Steuergeldern. Verglichen werden also Äpfel mit Birnen!“ Außerdem, so Helga Weber weiter, ist „der Anteil der erneuerbaren Energien an der ge-

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samten Stromproduktion seit Jahren stärker gestiegen, als dies von Vielen erwartet wurde (er liegt inzwischen bei etwa 25Prozent!). Das heißt: alle Unkenrufe, dass CO2-freie Produktion überhaupt und in absehbarer Zeit nicht möglich sei, sind Lügen gestraft. Allerdings bedroht dieser Anstieg das Geschäftsmodell der großen Energiekonzerne, deren Umsätze und Gewinnmargen schrumpfen und die deshalb versuchen, den Zuwachs des Anteils der Erneuerbaren deutlich zu verlangsamen bzw. abzuwürgen.“ Im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung sowie in den ersten Äußerungen des neuen Bundeswirtschaftsund Umwelt-Ministers Gabriel (SPD) ist von einer grundlegenden Neuordnung des EEG (Erneuerbare-EnergienGesetzes) die Rede. Helga Weber sieht darin als „Kernstück eine Begrenzung des Ausbaus von Windrädern, Solarund Biogasanlagen. Besonders werden die Windkraftanlagen betroffen sein, denn hier sehen die Vereinbarungen vor, nur noch solche Anlagen zu fördern, die in besonders windreichen Gegenden gebaut werden. Kurz und knapp heißt dies, wenn diese Absicht so Gesetzeskraft erlangt, wird es keine neuen Windräder südlich von Hannover mehr geben. Ziel dieser Vereinbarung ist die Sicherung der Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern und damit die besonders klimaschädliche Verstromung von Braunkohle. Für Nordhessen würde dies bedeuten: die Energiewende in Nordhessen wird abgewürgt; die Klimaschutzziele können nicht erreicht werden, die regionale Wertschöpfung wird gedrosselt, die Selbstversorgung aus der Region und der Verzicht auf weitere Strom-

trassen wird unmöglich gemacht und die Übernahme der Energieproduktion in Bürgerhand wird verhindert.“ Diese Stellungnahme aus der EnergieGenossenschaft-Kassel signalisiert eines ganz deutlich: Die Bürger, die diese Energiewende konsequent und mit viel ehrenamtlichem Engagement und nicht zuletzt auch mit eigenen Renditeerwartungen vorantreiben möchten, werden erst einmal verunsichert. Und wie man weiß, kann genau das demotivierend bis abschreckend sein. Womit die Lobby-Arbeit der Groß-Konzerne schon mal etwas Wichtiges erreicht hätte. Helga Weber hofft allerdings, dass die Pläne der großen Koalition nicht so umgesetzt werden können. „Ende November haben mehr als 10.000 Menschen bei einer Großdemonstration in Berlin gegen die rückwärtsgewandten Pläne der CDU-SPD-Regierung lautstark protestiert. Diese Proteste werden weiter gehen. Zudem haben auch die Bundesländer bei Änderungen des EEG ein Wörtchen mitzureden. Hier sind die Positionen von denen der Bundesregierung oft weit entfernt. Und schließlich haben sich auch die Energiegenossenschaften, die inzwischen auch auf Landes- und Bundesebene vertreten sind, eingemischt und hoffen auf breite Unterstützung aus allen Teilen der Bevölkerung.

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MEHR ZUM THEMA: www.sun-stadtwerke.de

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Anja Banzhaf

KAS S E L

Leserecho Zum Artikel von Trudi Kindl „Alle müssen sich engagieren“ (Dezember-Ausgabe 2013) erreichte uns folgender Leserebrief. Verfasst hat ihn Gerald Reissmann, Vorsitzender im Vorstand der Sozialgruppe Kassel e.V.: Es ist richtig, dass sich alle engagieren müssen. Es ist richtig, dass es leider nötig ist, immer wieder auf die grundlegenden und verbrieften Rechte von Menschen mit Behinderung aufmerksam zu machen. Es ist auch richtig, dass in unserem Land enorm viel getan wird. Es bedarf aber auch einer besseren Differenzierung. Es ist nicht immer klar, von welchen Personen die Rede ist. Im Titelthema wird ausgeführt: Auch im Arbeitsprozess sollen Behinderte integriert werden. Geld, das bisher in (betreuende) Werkstätten fließt, soll zur Übernahme von zusätzlichen Kosten an Arbeitgeber wie Fahrradläden, Frisöre oder dergleichen gezahlt werden. Das könnte die Vermutung zulassen, dass alle oder zumindest die meisten Menschen mit Behinderung in Werkstätten wären. Das ist aber nicht der Fall. Circa 16.000 Menschen mit Behinderung arbeiten in Hessen in Werkstätten. „Gut, dass es so etwas wie die Werkstätten gibt.“ Das ist eine Äußerung, die ich gar nicht so selten höre, und diese hat auch ihre Berechtigung. Statt die pauschale Annahme aufzustellen, dass die Menschen in Werkstätten dort vielleicht gar nicht hinwollen, sollte man genauer hinschauen. Nicht der Ort, beziehungsweise das Gebäude, sondern das System der Werkstatt als eine „Agentur für angepasste Arbeit“ ist eine hochprofessionelle Form der Teilhabe für Menschen mit Behinderung. Nicht nur gesellschaftlich sondern eben auch im Arbeitsleben. Natürlich – überhaupt nicht für alle Menschen mit Behinderung, sondern nur für einen kleinen Teil. Vermittlungen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt gehören zum Programm der Agentur für angepasste Arbeit in den Werkstätten. Zu diesen Vermittlungen gehören umfassende Bildungsmaßnahmen, pädagogische Begleitung und Assistenz, eine schrittweise Entwicklung zu einer höheren Qualifikation, damit diese Vermittlung stabil und nachhaltig ist. Dies ist die Form der betriebsintegrierten Beschäftigung, will heißen, dass mit allen Akteuren – vor allem aber dem einzelnen Menschen mit Behinderung selbst – dessen Kompetenzen, Ziele und mögliche Perspektiven ausgelotet werden. Das gemeinsame Ziel der Werkstattträger mit den Leistungsträgern ist, bis zum Jahr 2016 1.200 solcher Arbeitsplätze in Hessen zu suchen. Gerald Reißmann Vorsitzender des Vorstands Sozialgruppe Kassel e.V.      

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TagesSatz

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K AS S E L

Kuriosum Anno Drittes Jahrtausend 2013 DAS MÄRCHEN DER GEGENWART

„Tigrib“, ein Name wie eine Figur aus dem Land der Unendlichen Geschichte. War es ein weiblicher Drache oder gar die Hexe aller Zaubereien? Was weiß denn ich, darauf trinke ich einen Lagavulin mit einer Scheibe Lemone.

* ARMUNIUS IUSSUI

I

ch stolzierte durchs Fuldadelta, war bei klarem Verstand und philosophierte von Lust, Liebe und zentnerweise Sehnsüchten. Diese drei Dinge passten sehr gut zusammen. Die Faust traf auf das Auge, denn in den Niederungen des Fulda-Deltas saß ich bei Mineralwasser und gut sommerheißer Temperatur im Gras. Ja, tatsächlich suchte ich mit meinen Augen die Gegend ab: nach dem Augenblick, der alles veränderte!

te, ließ mein Konterfei nicht entzaubern, nein, diese wunderschöne rothaarige Orchidee, wulstige Lippen, ein wünderschönes Gesicht und dazu die Figur eines Modells blies lautstark Trompeten, aber egal.

„Willst Du hier weiter schlafen, Betten bauen, gar wohnen? Oder fahren wir zu Dir nach Hause, Du geplagter süßer Kerl? Wo hast Du Dich denn rumgetrieben in der Vergangenheit? Ich glaubte schon Du seiest weggezogen, oder gar in einen Brunnen gefallen!“ Der Spiegel, der sich jetzt öffne-

Jetzt begann die Zeit der Liebe, Lust und Zärtlichkeit. Das genau, das hatte ich Jahrhunderte lang vermisst, gesucht, davon geträumt... Diese Kröte, entzaubert, gerettet durch einen Kuß von mir... Tigrib – Birgit

Ich küsste sie minutenlang; solange, bis mir schwindlig wurde. Meine Knie zitterten, meine Ohren glühten, als ob ich mein schlechtes Gewissen bei mir entdeckte. Dieses anmutige Weib, entdeckt auf Mamas Erde. Ich war sprachlos für den Moment, doch eine innere Ruhe breitete sich langsam wohlig in mir aus.

Merci, Madam

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Armin Kübelbeck

Da saß unvermittelt eine Kröte auf meinem Schoß, quakte mich laut an, blies ihre Maultaschen auf. Ja, sie schleimte mich voll... Zum Luzifer, was war das denn jetzt? Schubste mich irgendjemand ins Paradies oder war ich gar in der Hölle der Unwägbarkeiten angekommen? Wer hieß Joni, wer war Zerberus? Eine innere Stimme drangsalierte mich, die dicke, fette Kröte zu küssen, sogar mehrmals.

Doch, doch, allen Ernstes. Das war schon sehr schräg. Schluß, aus, fertig mit der Träumerei! Armunius-Iussui, riskiere alles auf den Metern, die Mama Erde bedeuten. Keine Streitereien. Ich lächelte voller Hoffnung, legte beide Zeigefinger an die Krötenwangen. Komischerweise ließ die Kröte alles mit sich machen, nahm kein Reißaus! Das war schieres Glückgefühl für mich. Matt von der Sonne, erledigt von der Wärme des Sommers im Gras liegend, ballte ich beide Fäuste. Während ich meine Situation eruierte, war ich flugs eingeschlafen.Und das am hellichten Tag.

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KU LTU RTI P P S

GÖTTINGEN

Agentur

Die Empfehlung

„Ungerecht wie die Liebe“ Ulla Meinecke in der Musa

Begleitet von ihrem Gitarristen Ingo York gestaltet Ulla Meinecke einen unterhaltsamen und abwechslungsreichen Abend. Bezeichnet sie sich selbst als „Hardcore-Romantikerin“, handeln ihre Texte doch meist von der wahren Liebe, von zarten Anfängen, kleinen Fluchten, großen Dramen und starken Abgängen, so ist sie doch eine Meisterin der treffenden Worte. Seit über dreißig Jah-

* UTE KAHLE

ren ist sie eine feste Größe in der deutschen Musik- und Kulturlandschaft. Ihre samtige Stimme, ihre poetische Sprache und nicht zuletzt ihre nachdenklich-ironische Sicht auf die alltäglichen Dinge begründen ihren Ruf als Sängerin, Dichterin und Autorin. Einem Ruf den sie auch in der musa in ihrem ganzen Facettenreichtum nachkommen wird. Sie singt nicht nur ihre wunderbaren aktuellen und auch die zeitlosen Lieder, sondern vergisst als Zugabe natürlich auch die „Tänzerin“ nicht.

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MEHR ZUR EMPFEHLUNG: Ulla Meinecke Do 27.02. / 20.00 Uhr VVK 16 Euro / AK 19 Euro Musa-Saal 37081 Göttingen www.musa.de

bis Fr 25.04. Naturkundemuseum (Steinweg), Ks Faszination Spinnen: Di, Do, Fr & Sa 10.00-17.00 Uhr, Mi 10.00-20.00 Uhr, So 10.00-18.00 Uhr, Eintritt 4 Euro, www.naturkundemuseum-kassel.de Sa 01.12. / 20.00 Uhr Junges Theater, Gö Krull/Ripley – Aus der Welt der Hochstapler nach den Romanen von Thomas Mann und Patricia Highsmith Premiere Sa 01.02. / 20.15 Uhr Theater im OP, Gö Ladies Night, von Stephen Sinclair und Anthony McCarten Derniere 26

Dota Kehr & Uta Köbernich: Unvermeidliche Lieder, VVK 12 Euro plus VVK-Gebühr, AK 15 Euro Di 04.02. / 20.00 Uhr Theaterstübchen am Nil, Ks Arne-Janzen-Trio: The Sleep Of Reason, Eintritt 15 Euro, AK 17 Euro Mi 05.02. / 19.05 Uhr Klinikum, Osthalle, Gö Klassik im Klinikum „Duo Aust“: Bettina Aust (Klarinette) & Robert Aust (Klavier), als Gast Fernando Arias Parra (Bratsche), Eintritt frei Do 06.02. / 20.30 Uhr Kulturzentrum Schlachthof, Ks Jam-Sesion: offene Jazz-Bühne, Eintritt frei Fr 07.02. / 20.30 Uhr Musa-Saal, Gö

So 02.02. / 11.30 Uhr bis Februar 2014 CARICATURA Deutsches Theater, Gö (Rainer-Dierichs-Platz 1), Ks 2. Familienkonzert – Hexenzauber Beste Bilder – die Cartoons des Jahres 2013,Öffnungszeiten: Di, Mi, Do, Fr 14.00-20.00 Uhr, Sa, So und Feiertage 12.00-20.00 Uhr, Eintritt 4 Euro, erm. 3 Euro

Mo 03.02. / 20.00 Uhr Kulturzentrum Schlachthof, Ks

Göttinger Symphonie Orchester So 02.02. / 11.30 Uhr Parkplatz „Bergfreiheit“ an der Rasenallee, Ks Winterspaziergang zur Künstler-Nekroploe mit Führung durch Gerold Eppler (Vorsitzender Stiftungsrat Künstlernekropole), Teilnahme: 9 Euro, erm. 7 Euro (inklusve eines warmen Getränkes) So 02.02. / 19.45 Uhr Deutsches Theater, Gö „Als ich ein kleiner Junge war…“ Walter Sittler spielt Erich Kästner Gastspiel

Alin Coen Band, Special Guest: SEA + AIR, einfühlsamen Balladen der Singer-Songwriterin und ihrer Begleitband, vier Musiker, die einen eigenständigen Sound entwickeln Eintritt VVK 17 Euro, AK 20 Euro So 09.02. / 11.00 Uhr Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen, Gö Maja Nielsen, Auf ins Paradies!, veranstaltet in Kooperation mit dem Literarischen Zentrum Eintritt: VVK 4/6, AK 5/7 Euro So 09.02. / 19.30 Uhr TIC, Ks Heartbreak Hotel: musikalische Revue, Karten ab 17 Euro Di 11.02. / 20.30 Uhr Kulturzentrum Schlachthof, Ks

Mo 03.02. / 19.45 Uhr Deutsches Theater, Gö

Eric Gales: „Ghostnotes“-Tour 2014, Karten ab 17,50 Euro

American Drama Group Romeo & Juliet by William Shakespeare Gastspiel in englischer Sprache

Mi 12.02. / 19.30-22.30 Uhr Staatstheater (Schauspielhaus), Ks Die Jungfrau von Orleans, Karten ab 16,50 Euro TagesSatz

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KULTURT IPPS

Regaae & Roots mit Jahcoustix, Karten ab 13 Euro

Die Empfehlung

So 16.02. / 16.00 Uhr Theaterstübchen am Nil, Ks Reden statt Schiessen:Militärputsch in Malis Kultur des Dialogs, Lesung mit Christof und Sabine Wackernagel, Eintritt 10 Euro, AK 12 Euro So 16.02. / 20.00 Uhr Lokhalle, Gö Tim Bendzko & Band – Ich steh nicht mehr still Tour 2013/2014 Mit seiner ersten Single „Nur noch kurz die Welt retten“ traf er den Nagel des Zeitgeistes mitten auf den Kopf, nun ist er fast erwachsen geworden. Eintritt ab 36,25 Euro Di 18.02. / 20.00 Uhr Stadthalle, Gö Night of the Dance, Irish Dance reloaded 2014 Perfektion, Leidenschaft und pure Energie Eintritt ab 37,90 Euro Mi 19.02. / 16.00-17.20 Uhr Staatstheater (Opernfoyer), Ks Einblicke: Theaterführung nur für Kinder (ab sechs Jahren, Eintritt 2,50 Euro) Fr 21.02. / 20.00 Uhr PIAZZA, Vellmar Dein Leben als Tod: Death-Comedy, Karten: 15-17 Euro, erm. 12-13 Euro Fr 21.02. / 21.00 Uhr Musa-Saal, Gö

* HARALD WÖRNER

KASSEL

Aliza Metz

Sa 15.02. / 21.00 Uhr Kulturzentrum Schlachthof, Ks

Handlanger des Faschismus Ausstellung im Foyer des Amtsgerichts Kassel Zwischen 1933 und 1945 wurden über 3.800 Frauen und Männer aus Hessen wegen politischer Delikte angeklagt. Zur rascheren Aburteilung von Widerstand richteten die NS-Machthaber Sondergerichte und den berüchtigten Volksgerichtshof ein. Insgesamt verhängten die zivilen Strafgerichte in jener Zeit über 16.000 Todesurtei-

le. Die Ausstellung „Verstrickung der Justiz in das NS-System 19331945“ behandelt den gesamten Bereich der politischen NS-Strafjustiz, also auch Wehrmachtjustiz, Sonder-Gerichtsbarkeit und den NSStrafvollzug. Im Mittelpunkt stehen die Opfer der NS-Justiz und ihre menschenverachtende Behandlung durch die Justizorgane. 44 Tafeln zeigen den BesucherInnen, welche Opfergruppen zu welchem Zeitpunkt und mit welcher Intensität in die Mühlen der Justiz gerieten.

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MEHR ZUR EMPFEHLUNG: Verstrickung der Justiz in das NS-System 1933-1945 Foyer des Amtsgerichts Kassel Frankfurter Str. 9, 34117 Kassel Mo-Do 8.00-17.30 Uhr, Fr 8.00-15.30 Uhr, Eintritt: frei

Sa 22.02. / 19.45 Uhr Deutsches Theater, Gö

So 23.02. / 20.00 Uhr Junges Theater, Gö

Ich hab Brian Adams geschreddert von Oliver Bukowski Schonungslos und mit großer Komik dreht sich alles um die Ängste und Nöte des deutschen Mittelstands Uraufführung

Poetry Slam

So 23.02. / 11.30 Uhr Kleines BALI (KuBa), Ks Lesung mit Monika Zeiner: Die Ordnung der Sterne über Como, Veranstalter: Freunde des Archivs der Dt. Frauenbewgung und BALI-Kinos, Eintritt 7 Euro

Do 27.02. / 20.00 Uhr Musa-Saal, Gö Ulla Meinecke: „Ungerecht wie die Liebe“, siehe auch die Empfehlung Eintritt VVK 16 Euro, AK 19 Euro Fr 28.02. / 19.30 Uhr Antrhoposophisches Zentrum, Ks 8000 Seemeilen durch die Antarktis: Schulz und Eisenecker über ihre Segelexpedition, Eintritt frei (Spende) (Benefiz der Kasseler Behindertenstiftung) ANZEIGE

Phrasenmäher- „9 Hits, 3 Evergreens“ Tour 2014; Rock, Pop, Folk, Jazz, Elektro oder A-Capella – alles ist möglich. Eintritt VVK 14 Euro, AK 16 Euro Fr 21.02. / 20.00 Uhr Stadthalle, Gö Schwanensee, Das Russische Nationalballett Eintritt ab 39,85

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Jörg „Yogi“ Müller

A M S TA D T R AND

Straßengeflüster Der „Draussenseiter“ aus Köln versorgt seit seiner Gründung im Jahr 1992 hilfsbereite Käufer mit Einblicken aus der Obdachlosenszene, Interviews, Lokalpolitik, Rezepten oder einfach unterhaltsamen Geschichten. Eine Auswahl mit den besten Texten aus über 100 Ausgaben von Deutschlands ältestem Straßenmagazin gibt es jetzt als „eBook“ zum Herunterladen im Internet. Chefredakteurin und Herausgeberin Christina Bacher will mit dem Buch „Köln trotz(t) Armut“ besonders die Arbeit der unabhängigen Obdachlosenhilfe würdigen: „Neben unterschiedlichen Angeboten von Kirche und Stadt bedürfen vor allem die Einrichtungen in der Wohnungslosenhilfe unsere Aufmerksamkeit, die keinen großen Träger im Hintergrund haben. In diesem Buch wollen wir diese wertvollen Hilfsangebote mit je einem Artikel würdigen. Außerdem kommen Initiativen, Multiplikatoren, Engagierte und Menschen in sozialen Schwierigkeiten zu Wort.“ Von dem Verkaufspreis von 6,99 Euro fließt jeweils 1 Euro der Kölner OASE zu. Das Obdachlosenzentrum ist seit über 20 Jahren für Menschen in Not Kontaktstelle und Treffpunkt, leistet ambulan-

* STEFAN MARX

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* KALLE SCHÖNFELD

te Begleitung und Straßenarbeit und betreibt mehrere Wohnprojekte. Außerdem erscheint hier, bis 2010 noch unter dem Namen „Bank Express“, der „Draussenseiter“. Für den Druck einer Papierversion von „Köln trotz(t) Armut“ sucht der Verein derzeit noch nach Unterstützern. Per „Crowdfunding“ kann man sich noch bis Anfang März auch hier via Internet an den Druckkosten von insgesamt viertausend Euro beteiligen. Wenn der Betrag bis dahin zusammenkommt, erhält jeder Unterstützer das Buch oder noch andere Aufmerksamkeiten.

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MEHR ZUM THEMA: www.draussenseiter-koeln.de store.kobobooks.com/de-DE/ebook/ koln-trotz-t-armut www.startnext.de/draussenseiterbuch

Gedanken eines TagesSatz-Verkäufers

J

etzt stehe ich schon zwei Jahre an meinem Standplatz an der Universität, dort gefällt es mir sehr gut. Ich stehe an der Unibibliothek, der SUB, zwischen Teich und dem Haupteingang. Es ist ein sehr schöner Standplatz mit vielen netten Kunden. Wenn ich nächstes Jahr 50 Jahre alt werde, kann ich wieder richtig zur Universität gehen, da freue ich mich schon drauf. Da besuche ich dann die Universität des dritten Lebensalters. Jetzt hoffe ich

auf trockenes Wetter und das der Winter nicht so hart wird. Bislang war es sehr schön mild, aber es kann ja noch Winter werden. Dann wird es mächtig kalt und ich kann nicht sooo lange draußen stehen. Der Sommer ist hier an der Uni eine sehr schöne Jahreszeit, da bekomme ich manchmal Besuch von einem Fischreiher, der muss in der Nähe sein Nest haben. Und dann sitzt er immer bei mir und rappt mit mit seinem Schnabel ein Liedchen und fängt sich ein paar Fische aus dem Teich. Da ist er immer ganz wild drauf und ich freue mich immer, dass ich einen so schönen Standplatz habe mit ganz viel Natur.

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Andre Günther (photocase.com)

DI E KO CH N IS C HE

* HANS PETER PUNG & TEAM

Kochen mit dem TagesSatz

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uch wer über nicht so viel Geld verfügt, kann leckere Gerichte zaubern. Wir möchten Ihnen heute ein raffiniertes Gericht präsentieren, dass pro Person nicht mehr als 2,00 Euro kostet. Lassen Sie sich überraschen! Wir wünschen wieder viel Spaß beim Nachkochen.

Kartoffelspalten 800 g Kartoffeln, ½ TL Chiliflocken, ca. 50g Paniermehl, 3-4 EL Öl, Salz Kartoffeln schälen, waschen, in Spalten schneiden. In eine Schüssel geben, mit Öl übergießen. Chiliflocken und Paniermehl darübergeben und gut vermischen. Salzen. Auf einem Backblech verteilen, in den vorgeheizten Backofen (170°C / Umluft) geben und ca. 40 Minuten backen, nach der Hälfte der Zeit wenden. Tipp: Falls vorhanden, können Sie anstatt Paniermehl auch Pankobrösel verwenden. Bevor Sie die Kartoffelspalten aufs Backblech geben, legen Sie es bitte mit Backpapier aus.

LECKERE GERICHTE FÜR SIE ENTDECKT

Tomatensalsa 8 Tomaten, 2 Zwiebeln, 4 EL Weinessig, 4 EL Chilisoße (süßscharf), 2 EL ÖL, Salz, Pfeffer, Zucker Tomaten waschen, halbieren, entkernen, fein würfeln. Zwiebeln schälen, fein würfeln. Zusammen mit den Tomaten in eine Schüssel geben. Essig, Öl und Chilisoße miteinander verrühren, über die Tomaten geben und gut vermischen. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker abschmecken.

Fleischbällchen 600 g Hackfleisch gemischt, 1 Zwiebel, 1 altbackenes Brötchen, 1 TL Senf, 1 Ei, Salz, Pfeffer, Paprikapulver, 2 EL Zucker, ¼ l Apfelsaft, 3 EL Sojasoße Brötchen in lauwarmem Wasser einweichen. Zwiebel schälen, würfeln, in einer Pfanne glasig anschwitzen.

a ff e n W ir v e r s c h n z v o ll e la Ihne n g A u ft r it te

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Mit dem Hackfleisch in eine Schüssel geben. Brötchen kräftig ausdrücken, zum Hack geben. Senf und Ei ebenfalls zugeben. So lange kneten, bis sich alle Zutaten gut vermischt haben. Mit Salz, Pfeffer und Paprikapulver würzen. Die Hackfleichmasse mit angefeuchteten Händen zu kleinen Bällchen formen. Etwas Öl in einer Pfanne erhitzen, die Fleischbällchen darin von allen Seiten braten. Aus der Pfanne nehmen, warm stellen. Zucker in die Pfanne geben, im Bratfett karamellisieren. Mit Apfelsaft ablöschen. Sojasoße unterrühren. Aufkochen lassen und weitere fünf Minuten köcheln lassen. Hackbällchen wieder zugeben und in der Soße erwärmen. Dabei in der Soße wenden, damit die Bällchen rundherum glasiert werden. Hackbällchen und Kartoffelspalten auf vier Tellern anrichten. Tomatensalsa darüber geben und servieren.

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H IN T E R D E N K U L ISSE N

Böther, wo bist du? „Frauennachttaxi“ im Jungen Theater Göttingen

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Ute Kahle

etektiv Böther ist zwar nur ein mittelmäßiger Detektiv, eins dieser typischen Ein-MannDetektivbüros mit mehr Suchen nach streunenden Katzen als ernsthaften Fällen. Dennoch bekommt er gelegentlich mal von seiner Ex-Frau, einer erfolgreichen Kriminalkommissarin, einen Fall zugeschanzt. Aktuell soll er einen Exhibitionisten finden, der in Göttingen sein Unwesen treibt. Alles beginnt wie eine Routineermittlung. Aber dann stolpert Böther nicht nur über eine Leiche, sondern auch über einen Medizinskandal, der für den Detektiv eine ganze Nummer zu groß scheint... Wenn man vorher nicht ahnt, woher es kommt und wohin es fährt, dann sitzt man in der Live-Audio-KrimiTour Frauennachttaxi. Eine Kooperation des Ensembles des JT, der JTBürger_innenbühne „Club Göttingen“ und der Berliner Stoffentwicklungsfirma SpecScripts. So steigen wir dann, sieben wagemutige Gäste, in ein Großraumtaxi und hoffen auf das Beste. Doch es kommt wie erwartet. Udo Eidinger gibt den Taxifahrer, in sehr überzeugender schnodderiger Manier, die ja den echten Taxichauffeuren immer wieder nachgesagt wird, startet die Tour und statt Autoradio, hören wir die ersten Zeilen des Krimis. Vorbei an dunklen Ecken, zwielichtigen Clubs und den Wohntürmen der Hartz-4-Verlierer sucht unser Taxichauffeur nun seinen Freund Böther. Steht er doch nicht an seinem Standplatz und auch auf dem Taxi-Funk ist er nicht zu finden. Dass man als volles Taxi nicht gerade vor der Discothek anhalten soll, stellen wir schnell fest. Versuchen doch einige Personen unsere Fahrt zu entern. Erfahren, dass im Umgang mit alkoholisierten, randalierenden Fahrgästen ein routiniertes „Ich bin voll,

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* UTE KAHLE

das sehen Sie doch“ unseres Fahrers reicht. Die schnelle Flucht und auch eine Rückfrage bei einigen Damen des Gewerbes bringen unseren gesuchten Böther nicht in Sichtweite. Statt des Freundes gabelt unser Taxifahrer nun den lange vermissten Rosenverkäufer Dietmar auf, der es nicht nur schafft, Rosen zu verkaufen, sondern auch dafür sorgt, dass man auf einen Zwischenstopp für ein Bierchen in der urigen Kneipe „Bei Hansi“ einkehrt. Trifft sich dort doch der Schlagerfanclub. Wer ist Gast, wer Schauspieler? Und was ist hier echt – Hansi, das Bier, die geballte gute Laune? Fragen über Fragen, doch zum Lösen des Rätsels bleibt nur die Zeit unseres Bieres und, nachdem einige Damen hier schlauerweise noch einen Toilettenstopp eingelegt hatten, geht die Reise weiter. Zu den nächsten Tatorten. Das Klinikum, doch ein Frauennachttaxi darf dort nicht halten und so werden wir verjagt, ergebnislos und orientierungslos dreht der Taxifahrer einsame Runden um den Kreisverkehr am Deutschen Theater. Eine Versuchung, die sonst nur die Touristen nutzen. Eine Polizeisirene zwingt ihn in die Flucht und so entspannt sich die Lage nicht. Erwischt und um eine Blutprobe ärmer, geht die Fahrt weiter, immer noch auf der Suche nach Böther. Da wir ihn nicht finden, kehren wir zum Jungen Theater zurück und lassen die nächsten Fahrgäste weitersuchen. Applaus wünscht unser Fahrer nicht, schließlich ist es für ihn eine ganz normale Fuhre gewesen. Eine Fahrt die Grenzen und Spielorte verschmilzt, Vorfreude auf die nächsten drei Folgen des Krimis schürt und die ich gerne öfter machen möchte. Unterhaltung zum Genießen und teilhaben. Sollten sie Böther finden wollen, reservieren Sie bitte rechtzeitig einen Platz im Wagen unter:

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MEHR ZUM THEMA: Frauennachttaxi des JT: 0551-49 5015 TagesSatz

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ZWI SCHEN DEN ZE IL E N

Ansprechbar Man kann nicht nicht kommunizieren. Jedes Wort, jede Geste sagen etwas aus – über uns und an andere. Sogar unsere Kleidung ist ein nicht unerhebliches Mittel, wie wir mir anderen Menschen in Kontakt treten – oft ohne zu reden. Drei lesenswerte Bücher geben tiefere Einblicke ins Thema.

* DANIELE PALU Was soll es bedeuten?

Let’s talk about…fashion

Sag es richtig!

Die Geschichte unserer Welt ist die Geschichte einer erstaunlichen Vielfalt von Sprachen und Kulturen. Während die alten Griechen alles ignorierten, was nicht auf Griechisch gesagt wurde, lernte man in Indien oder in Europa die Sprachen seiner Nachbarn, um sich zu verständigen. Gelehrte sprachen Latein, das die Römer verbreitet hatten, Seefahrer wie Kolumbus beherrschten neben den klassischen Sprachen auch Italienisch, Portugiesisch und Spanisch. Heute dagegen wäre ein Leben ohne Übersetzungen für uns völlig unvorstellbar. Ohne Übersetzungen hätten wir keine Nachrichten, keine Bedienungsanleitungen und viel weniger Bücher zu lesen. Doch woher wissen wir, ob das, was jemand sagen will, durch eine Übersetzung auch bei uns ankommt? Wie verfahren Übersetzer und Dolmetscher, wenn sie Texte und Reden in eine andere Sprache übertragen? Der Übersetzer und Literaturwissenschaftler David Bellos erstaunt in diesem Buch mit faszinierenden Zusammenhängen und Erkenntnissen über Sprache, die er mit viel Witz und Esprit schildert. Eine Hymne an die Vielfalt der Sprachen, das Wagnis des Übersetzens und die Flexibilität des menschlichen Geistes. Überraschend, geistreich und witzig!

Gespräche über Mode müssen nicht zwangsläufig Looks und Kollektionen, Outfits und Inspirationen diskutieren. Etwa dann, wenn Mode selbst als Kommunikationsmittel verstanden wird. Als etwas Grundsätzliches, dem bestimmte Menschen für einen bestimmten Zeitraum folgen. Wer aber gibt eine solche Richtung vor, die dann ein Teil unserer Kultur wird und in Film und Musik und auch in unserer Kleidung ihren Ausdruck findet? Weil es darauf nicht nur eine einzige Antwort geben kann, hat der Kulturjournalist Jan Kedves gleich mehrere gesammelt. Er traf Schlüsselfiguren der Mode wie die Designer Damir Doma und Raf Simons, Fotografen wie Jürgen Teller und Nick Knight, den Lagerfeld-Gefährten und ModeDJ Michel Gaubert und die Literaturwissenschaftlerin Barbara Vinken. Jenseits vom alltäglichen Fashion-Smalltalk bringen 25 ausführliche Gespräche mit verschiedensten Protagonisten der Mode faszinierende Geschichten, Einblicke und Erfahrungen zutage.

Kommunikation findet immer statt, wo Menschen zusammen sind: im Konferenzraum und im Kinderzimmer, im Bett und beim Bewerbungsgespräch, an der Hochzeitstafel und am Handy, beim Friseur und auf dem Finanzamt. Und immer wieder stellen wir fest: Ob im Job oder in der Liebe – nichts bringt uns weiter als gute Kommunikation. Und nichts wirkt destruktiver als schlechte Kommunikation. Doris Märtin zeigt in der erweiterten Neuausgabe ihres Praxisratgebers für Berufs- und Privatleben, dass gute Kommunikation auf wenigen Grundfertigkeiten beruht, die jedes Gespräch voranbringen, unabhängig von Gegenüber, Thema und Anlass. Ebenso unterhaltsam wie praxisbezogen – eine echte Investition!

David Bellos: Was macht der Fisch in meinem Ohr? Eichborn, 24,99 Euro. Gebunden, 448 Seiten

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Doris Märtin: Smart Talk. Campus, 21,99 Euro. Broschiert, 272 Seiten

Jan Kedves: Talking Fashion. Prestel, 24,95 Euro. Gebunden, 208 Seiten, 150 farbige Abbildungen.

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WA S E S S O N ST NOC H G IB T

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lles wollte Emma wissen. Wenn sie keine Antworten erhielt, fragte sie weiter. Bald hatten die Erwachsenen genug, nahmen sie ins Gebet: „Gott sieht alles. Er mag keine neugierigen kleinen Mädchen.“ In dieser Fassade von Heuchelei und Verlogenheit wächst die kleine Emma heran. Die „Schwarze Pädagogik“ feierte damals fröhliche Urstände: „Sie braucht eine starke Hand“, so die Mama, als sie eines Tages mit Papa Schluck für Schluck den guten Bohnenkaffee trank: „Ab und zu ein paar hinter die Ohren, das hat noch niemandem geschadet.“ Der zweite Weltkrieg war seit Jahren vorbei. Eltern, Verwandtschaft und auch die Lehrer wußten davon wenig, oder wenn, dann wollten sie es nicht wissen. Emmas Vater wäre gern Pfarrer geworden. Die zeitlichen und politischen Umstände ließen das nicht zu. So ernährt er schließlich seine kleine Familie als Buchhalter. Ihr Papa war Flüchtling, er hätte einmal die elterliche Fabrik erben sollen. Nun aber haderte er mit seinem Schicksal und lebte eine übersteigerte Religiösität zu Lasten der Familie aus. Auch beim Klassenlehrer findet Emma keinen Zuspruch oder Trost. So hatte der Schulkamerad Christian ihr einmal vom Krieg, von Mord und dem Vergasen erzählt. Als sie ihren Lehrer daraufhin anspricht, ergeht er sich in Allgemeinplätzen: „Nur die Kinder werden geliebt, deren Eltern sie schlagen.“ Kein Wort jedoch über das Mitwissen der Bevölkerung. So erfährt sie nichts über die Verstrickungen mit dem Faschismus, dem Massenmord an den Juden. Unterstützung findet Emma hier nur bei der Spinne Richard, die im Dachstuhl ihres Elternhauses ihr Domizil hat und ihr hier mit mehr oder minder klugen Ratschlägen zur Seite steht. Als sie einmal in ihrem Umfeld von Richard erzählt, wird sie von ihrer Umgebung gleich als „verrückt“ erklärt.

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Normalsein – das Schwerste überhaupt Der Debütroman „Das Buch Emma“ von Cornelia Koepsell schildert das Schicksal der gleichnamigen Protagonistin im Deutschland der Nachkriegszeit.

* HARALD WÖRNER Desillusioniert schließt sich Emma dem von ihr verehrten großen Bruder an, der sie mit einer kommunistischen Zelle bekannt macht. Leider erkennt Emma zu spät, dass die Studenten sich ja der gleichen Mittel wie damals die Nazis bedienen. Wegen verschiedener Vergehen muss sie ins Gefängsnis. Dort bekommt sie Besuch von ihren Mitstreitern. Doch die interessieren sich wenig dafür, wie es Emma in der Haft ergangen ist. Denn sie soll nach ihrer Entlassung den politischen Kampf wieder aufnehmen Bei einem Ausflug mit ihrem Bruder Paul überwirft sie sich mit ihm, da er ihr vorwirft, sie hätte sich in der Haft „politisch“ umdrehen lassen, sei mithin zur „Verräterin an der Sache“ geworden.

mokratisches Bewußtsein zu entwickeln, hat sie sehr treffend beschrieben. Bei der Lektüre sollte man auch nicht vergessen, dass man es hier nicht mit einer Bestseller-Autorin vom Schlage einer Hera Lind, Susanne Fröhlich oder auch Elke Heidenreich zu tun hat. Cornelia Kopesell hat Germansitik, Betriebswirtschaft und Geschichte studiert, arbeitet heute aber im Finanzbereich. Sie hat daher auch einen anderen, eher biografischen Zugang zum Schreiben. Beim Lesen von „Das Buch Emma“ fing bei mir des Öfteren das Kopf-Kino an zu rattern: wie im Zeitraffer kamen mir alte Bilder oder Gerüche wieder in den Sinn.

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Sie kommt ihm und ihrer Familie erst wieder nahe, als ihr Vater einen erneuten Schlaganfall erleidet und darum bittet, im Kreis der Familie sterben zu dürfen. Was mir an Cornelia Koepsells Debut vor allem gefallen hat, ist ihr Umgang mit der piefigen, muffigen Nachkriegszeit, die auch ich (in Ansätzen) noch so kenne. Diese Zeitspanne, die auch dadurch geprägt war, nach den Nazi-Greueln wieder ein de-

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DAS LE T Z T E

DER TiCKER NACHRICHTEN AUF DEN LETZTEN DRÜCKER Impressum Trinken wieder erlaubt! GÖTTINGEN – Ab dem 2. Januar 2014 wurde nach eineinhalb Jahren für die Nikolaistraße das Alkoholverbot wieder aufgehoben. Nachdem Ladenbesitzer und Anwohner Lärm, Müll und Vandalismus beklagt hatten, beschloss der Göttinger Rat im Mai 2012 das öffentliche Trinken auf der Nikolaistraße samstags und sonntags zwischen 0.00 und 8.00 Uhr zu verbieten. Laut der Polizei Göttingen seien Randale und Straftaten seit dieser Zeit zurückgegangen. Ratsmitglieder von der SPD, der Linken und den Piraten sehen das Verbot allerdings als Angriff auf das Grundrecht und forderten, es zu kippen. Polizei und Verwaltung hatten sich hingegen für eine unbefristete Verlängerung des Verbots eingesetzt. Die Abstimmung ging schließlich unentschieden aus. Damit war dieser Antrag abgelehnt und es darf wieder uneingeschränkt auf der Nikolaistraße und dem Nikolaikirchhof getrunken werden. (uk)

Erholungspause für Stromkunden

Anja Banzhaf

ESSEN – Deutschlands Stromkunden können beim Öffnen ihrer Rechnungen im Jahre 2014 etwas durchatmen. Denn Preissprünge, wie sie

Nächstes Mal MÄRZ-AUSGABE 2014

Einen kleinen Ausblick auf den kommenden Frühling beschert die nächste Ausgabe des TagesSatz’. Das Heft wird unter dem Motto Liebe stehen.

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2013 nach der Erhöhung der EEG-Umlage eintraten, sind derzeit nicht in Sicht. Die durch Wind- und Sonnenstrom abgestürzten Börsenstrompreise kommen endlich bei den Verbrauchern an. Die öffentliche Hand wird sich wohl auch mit weiteren Steuer- und Abgabenerhöhungen zurückhalten, um die Verbraucher nicht weiter zu belasten. Dies zumindest erwarten Fachleute. Erdgas ist ja wegen des US-Schiefergas-Booms im Überfluss am Markt. Hier verzeichnen die Internet-Vergleichsportale daher weitgehenden Stillstand, so ein Sprecher des Preisportals Toptarif. Beim Strom hat Toptarif zum Jahresbeginn bei 366 der 850 Grundversorger Preiserhöhungen registriert. Zum 1. Februar würden jedoch nur noch eine Handvoll folgen, sagte ein Sprecher. Im Schnitt werde es um 3,4 Prozent teurer. Das entspricht in etwa 40 Euro Mehrbelastung im Jahr für einenVier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden. Das Portal Verivox hat 351 Erhöhungen des Strompreises zum Jahreswechsel und einen durchschnittlichen Anstieg um 3,5 Prozent erfasst. Rund 9, 3 Millionen Haushalte seien davon betroffen. Vor einem Jahr hatte nahezu die gesamte Branche um zweistellige Prozentzahlen erhöht. Insgesamt legte der Preis in der Grundversorgung laut der Bundesnetzagentur zum 01.04.2013 um satte 13,2 Prozent zu. Diesmal blieben die Grundversorgungs-Tarife der vier Großen Eon, RWE, EnBW und Vatenfall aber konstant. (hw)

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TagesSatz, das Straßenmagazin Herausgeber: TagesSatz e.V. 1. Vorsitzender: Hans Peter Pung Adresse der Redaktion Kassel: Westring 69, 34127 Kassel Telefon: 0561 / 861 58 43 Fax: 0561 / 861 58 61 E-Mail: kassel@tagessatz.de Mo, Mi, Do & Fr: 17-19 Uhr Di: 15-17 Uhr Adresse der Redaktion Göttingen: Obere Karspüle 18, 37073 Göttingen Telefon: 0551 / 531 14 62 E-Mail: goettingen@tagessatz.de Mo, Di, Do: 9-11 Uhr / Do: 16-18 Uhr Mi & Fr geschlossen Homepage: www.tagessatz.de Bankverbindung: Kasseler Sparkasse Kto.: 11 833 79 Blz.: 520 503 53 Sparkasse Göttingen Kto.: 505 815 11 Blz.: 260 500 01 Redaktionsleitung: Robert Halagan, Carsten Seydlowsky (GÖ), Harald Wörner (hw) (KS) Pressearbeit: Carolin Schäufele Vertriebsleitung: Kassel: Christian Piontek Tel.: 0561 / 861 58 18 Göttingen: Ute Kahle, Andreas Pramann Tel./Fax: 0551 / 531 14 62 Anzeigenleitung: Tel./Fax: 0551 / 531 14 62 E-Mail: anzeigen@tagessatz.de Redaktion Kassel: Sara Davin, Armunius Iussui, Trudi Kindl, Nora Mey, Hans Peter Pung, Harald Wörner Redaktion Göttingen: Zoé Dubois, Paul Hildebrandt, Johannes lauten bacher, Ute Kahle, Daniele Palu, Nick Scheunemann, Kalle Schönfeld News GÖ: Ute Kahle (uk) Illustration: Pilar Garcia Fotografie: Anja Banzhaf, Johannes Lautenbacher, Ute Kahle, Julia Krause, Jörg „Yogi“ Müller, Sarah Raymaekers, Jörg Sanders, Wiebke Schär, Tom Scheunemann, Malte Schiller, Kalle Schönfeldt, Jessica Szturmann, Andrea Tiedemann, Wizzy, photocase.com Umschlag: Sarah Raymaekers Layout: Dirk Mederer www.mediapool-goettingen.de info@plazebo.net Druck: COLOR-Druck GmbH ViSdP: Robert Halagan, Carsten Seydlowsky Der TagesSatz erscheint zwölfmal im Jahr im Straßenverkauf in Kassel und Göttingen. Auflage dieser Ausgabe: 5.250

Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe in gekürzter Version zu veröffentlichen. Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Redaktion.

Verkaufspreis: 2,00 EUR, davon geht 1,00 EUR direkt an den Verkäufer.

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WOHIN, WENN ALLGEMEINE HILFEN Göttingen Caritasverband Göttingen Allgemeine Lebens- und Sozialberatungsstelle Godehardstr. 18 37081 Göttingen 0551/999590 Opferhilfebüro Göttingen Maschmühlenweg 11(Landger.) 37073 Göttingen 0551/5213883 Weißer Ring e.V. Hilfen für Opfer von Straftaten 0551/6338876 Sozialdienst für Migranten, RABaZ-Beratungs- & Vermittlungsstelle für ausländische Jugendliche Karspüle 16 37073 Göttingen 0551/57739

Kassel Beratungsstelle für Arbeitslose des DGB Kreis Kassel Spohrstraße 6-8 34117 Kassel 0561/7209536 ESSENSAUSGABEN

Gesundheitszentrum Albanikirchhof 4-5 37073 Göttingen 0551/486766 Kassel Fahrende Ärzte Dr. Giesler/Dr. Moog Mo 14-15.30 Uhr auf dem Martinsplatz Do 20-24 Uhr in der Gießbergstraße

Kassel

Mittagstisch St. Michael Turmstr. 5 37073 Göttingen 0551/5479540

Kabera e.V. Beratung bei Essstörungen Kurt - Schumacher Straße 2 34117 Kassel 0561/780505

Deutsches Rotes Kreuz Königstor 24 34117 Kassel 0561/7290441

Straßensozialarbeit Rosdorfer Weg 17 37073 Göttingen 0551/517980

Gesundheitsamt Region Kassel Wilhelmshöher Allee 19-21 34117 Kassel 0561/10031920

Göttingen Die Göttinger Tafel Jakobikirchhof 1 37073 Göttingen Tel. 0551–51030

Kassel

BONUS Freiwilligenzentrum Godehardstr. 18 37081 Göttingen 0551/9995917

Kasseler Tafel Holländische Straße 141 34127 Kassel 0561/23003

Göttingen

Neue Arbeit – Brockensammlung Levinstr.1 37079 Göttingen 0551/5067320

Suppentopf der Heilsarmee jeden Montag von 14-15 Uhr Martinsplatz

Selbsthilfe Körperbehinderte Neustadt 7 37073 Göttingen 0551/54733-0 Selbsthilfegruppe für Mobbinggeschädigte – Rainer Beutler 05602/1860 BürgerInnenberatung Stadt Göttingen Hiroshimaplatz 2 37083 Göttingen Zukunfts-Werkstatt Hilfe für Migranten & Jedermann Haus der Kulturen – Hagenweg 2e 37081 Göttingen Kassel Kasseler Hilfe Opfer- und Zeugenhilfe e.V. Wilhelmshöher Allee 101 34121 Kassel 0561/282070 Weißer Ring e.V. Hilfen für Opfer von Straftaten 0561/6029458 Pro Familia Kassel Frankfurter Straße 133 a 34121 Kassel 0561/27413 Außenstelle Witzenhausen Am Mart 1/ Witzenhausen Zentrum für Sucht- & Sozialtherapie Diakonisches Werk Kassel Frankfurter Str. 78a 34121 Kassel 0561/93895-0 ARBEITSLOSENHILFE Göttingen

Gesegnete Mahlzeit Diakonisches Werk Kassel Hermannstraße 6, 34117 Kassel weitere Stellen: Neue Brüderkirche, Johanneskirche, Auferstehungskirche

KORE e.V. - Sozialberat. f. Frauen Papendieck 24-26 (Hinterhof, EG) 37073 Göttingen 0551/57453 Frauen-Notruf e.V. Postfach 18 25, 37008 Göttingen 0551/44684 Frauenhaus e.V. Göttingen Postfach 1911, 37009 Göttingen 0551/5211800 Therapeutische Frauenberatung e.V. Groner Straße 32/33 37073 Göttingen 0551/45615 Kassel Übergangseinrichtung für wohnungslose Frauen Am Donarbrunnen 32 34132 Kassel 0561/43113 FRANKA e.V. Verein zum Schutz von Frauen, die Opfer von Menschenhandel geworden sind Frankfurter Straße 78a 34121 Kassel 0561/70165824 Autonomes Frauenhaus 0561/898889 Frauen in Not 0561/9892929 Notruf für vergewaltigte Frauen Frauen gegen Vergewaltigung e.V. 0561/772244

Arbeiterwohlfahrt Hospitalstr. 10 37073 Göttingen 0551/50091-0

Frauen informieren Frauen e.V. Beratung bei häuslicher Gewalt Westring 67, 34127 Kassel 0561/ 89 31 36

Mensch & Arbeit - Beratungsstelle für Arbeitnehmer und Arbeitslose Kurze Str. 13a 37073 Göttingen 0551/43373

GESUNDHEIT

Ländliche Erwachsenenbildung (LEB) Weender Str. 87, 1. Stock 37073 Göttingen 0551/8207917 Mo, Di, Do & Fr 14.30 - 18.00 Uhr

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Anlaufstelle – Kontakt in Krisen e.V. Rosmarinweg 24 37081 Göttingen 0551/632977 Kassel Beratungsstelle für Haftentlassene Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/787-5061 oder 0561/70738-00

Göttingen Gesundheitsamt Sozialpsychiatrischer Dienst Am Reinsgraben 1, 37085 Göttingen 0551/4004862 Frauengesundheitszentrum Göttingen e.V. Groner Straße 32/33 37073 Göttingen 0551/484530

Telefonseelsorge für Jugendliche 0800/1110333 Göttingen Telefonseelsorge 0800/1110111 & 0800/1110222 Kassel Telefonseelsorge 0800/1110111 PSKB Stadt & Landkreis Kassel 0561/1003-0 & 0561/787-5361 NOTSCHLAFSTELLEN Göttingen

HILFE & SELBSTHILFE BEI AIDS

Heilsarmee Untere Maschstr. 13b 37073 Göttingen 0551/42484

Göttingen

Kassel

Göttinger AIDS-Hilfe Obere Karspüle 14 37073 Göttingen 0551/43735 werktags: 10-13 Uhr Beratung: 0551/19411

Soziale Hilfe e.V. / Panama (für alleinstehende Wohnungslose) Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/70738-00

AIDS-Beratungsstelle Theaterplatz 4 37073 Göttingen 0551/4004831

Café Nautilus (für Drogenabhängige) Erzberger Straße 45 34117 Kassel 0561/12115

Kassel

RECHTSBERATUNG & HILFE

Aids-Hilfe Kassel Motzstraße 1, 34117 Kassel 0561/97975910

Kassel

FRAUEN IN NOT Göttingen

Diakonisches Werk Kassel Sprungbrett & Sprungbrett spezial Steinweg 5 34117 Kassel 0561/572090

LEBENSKRISEN

HAFTENTLASSENE

Pro Familia Rote Str.19 37073 Göttingen 0551/58627

Deutsches Rotes Kreuz Zollstock 17, 37081 Göttingen 0551/5096322 Ausgabe: Mo & Do 8.30-11 Uhr jeden 3. Mi im Monat 16-18 Uhr

Stadt Kassel – Gesundheitsamt AIDS-Beratungsstelle Obere Königsstraße 3 34117 Kassel 0561/787–5380

Schuldnerberatung Gottschalkstraße 51 34127 Kassel 0561/893099

KINDER & JUGENDLICHE IN NOT

Verbraucherzentrale Hessen e.V. Bahnhofsplatz 1 34117 Kassel 0561/772934

Göttingen

Göttingen

Deutscher Kinderschutzbund Nikolaistraße 11, 37073 Göttingen 0551/7709844

AWO Schulden- & Insolvenzberatung, Kreisverband Göttingen e.V. Hospitalstraße 10 37073 Göttingen 0551/50091-0

Omnibus - Beratungsstelle für Jugendliche & junge Erwachsene Goßlarstr. 23, 37073 Göttingen 0551/392690 Kassel Deutscher Kinderschutzbund Siemensstraße 1, 34127 Kassel 0561/899852 Verein zur Förderung der Erziehungshilfen in Nordhessen e.V. Wilhelmshöher Allee 32a 0561/78449-0 Stadt Kassel Sozialer Dienst des Jugendamtes Friedrich-Ebert-Straße 1 34117 Kassel 0561/787–5301 KLEIDERKAMMERN Göttingen Ev.-ref. Gemeinde – Kleiderkammer Untere Karspüle 11, 37073 Göttingen Kleiderladen Ausgabe: Do 9-12 Uhr 0551/5473717

Kostenlose Rechtsberatung Göttinger Tafel e.V. Jacobikirchhof 1 37073 Göttingen 0551 – 5 10 30 Unabhängige Patientenberatung Göttingen Albanikirchhof 4-5 37073 Göttingen 0551/488778-0 Verbraucherzentrale Niedersachen Papendiek 24 37073 Göttingen 0551/57094 SUCHTBERATUNG: ALKOHOL Kassel Anonyme Alkoholiker 0561/5108806 Blaues Kreuz Kassel Landgraf-Karl-Straße 22 34131 Kassel 0561/93545-0

Suchtberatung Diakonisches Werk Kassel Sucht- und Sozialtherapeut. Zentrum Frankfurter Str. 78A 34121 Kassel 0561/93895-0 SUCHTBERATUNG: DROGEN Göttingen DROBZ (Drogenberatungszentrum) Mauerstr.2 37073 Göttingen 0551/45033 Beratungsstelle für Suchtkranke – Diakonieverband Schillerstr 21 37083 Göttingen 0551/72051 Kassel Drogenhilfe Nordhessen e.V. Schillerstraße 2 34117 Kassel 0561/103641 Kontaktladen „Nautilus“ Erzberger Straße 45 34117 Kassel 0561/12115 SAM – Substitutionsfachambulanz Wilhelmshöher Allee 124 34119 Kassel 0561/711813 Schillerstraße 2, 34117 Kassel 0561/103878 WOHNUNGSLOSENHILFE Göttingen Ambulante Hilfe für alleinstehende Wohnungslose Wiesenstr. 7 37073 Göttingen 0551/42300 Diakonische Heime in Kästorf e.V. – Außenstelle Göttingen Wienstraße 4f 37079 Göttingen 0551/5053302 Straßensozialarbeit (Kleiderkammer) Rosdorfer Weg 17 37073 Göttingen 0551/517980 Bahnhofsmission Bahnhof, Gleis 4-5 37073 Göttingen 0551/56190 Kassel Die Heilsarmee / Sozial Center Ks Eisenacher Straße 18 34123 Kassel 0561/570359-0 Beratungsstelle für Nichtsesshafte Sozialamt der Stadt Kassel Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/787-5061 Beratungsstelle für alleinstehende Wohnungslose – Soziale Hilfe e.V. Kölnische Straße 35 34117 Kassel 0561/70738–00 Betreutes Wohnen Diakonisches Werk Kassel Frankfurter Str. 78a 34121 Kassel 0561/93895-10 WOHNUNGSPROBLEME Kassel Zentrale Fachstelle Wohnen Wohnungsamt (Rathaus) Obere Königsstraße 8 34112 Kassel 0561/787-6252 oder -6255 Deutscher Mieterbund Mieterverein Kassel u. U. e.V. Königsplatz 59 34117 Kassel 0561/103861

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Mit dem Einwurf Ihres Pfandbelegs in den BonBons-Behälter unterstützen Sie direkt bedürftige Menschen in Ihrer Region. Ihre Spende kommt zu gleichen Anteilen dem Straßenmagazin TagesSatz, sowie in Göttingen der Göttinger Tafel, in Kassel der »Gesegneten Mahlzeit« und dem »Suppentopf« zu Gute. Informationen zum Projekt und zu den Supermärkten mit BonBons-Boxen erhalten Sie auf unserer Webseite: www.pfandbonbons.de Die Spenden gehen an:

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Foto: Sarah Raymaekers | Gestaltung: Dirk Mederer [plazebo.net]

»Mein Flaschenpfand gibt Menschen Würde.«


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