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Adams Äpfel


F端r Sebastian.


»In the Bible, Mama, Cain slew Abel And east of Eden, Mama, he was cast, You´re born into this life paying For the sins of somebody else´s past.« Bruce Springsteen, »Adam Raised a Cain«


/1 Adams Ankunft

/7 Pouls Beerdigung

/2 Gottesdienst

/8 Gott oder Teufel?

/3 Sarah

/9 Ivans Veränderung

/4 Adam rastet aus

/10 GlatzkĂśpfiger Besuch

/5 Am Sterbebett

/11 Schuss

/6 Seltene Krankheit

/12 Apfelkuchen


Das Buch Hiob


Es war ein Mann im Lande Uz, der hieß Hiob. Der war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse. Und er zeugte sieben Söhne und drei Töchter, und er besaß siebentausend Schafe, dreitausend Kamele, fünfhundert Joch Rinder und fünfhundert Eselinnen und sehr viel Gesinde, und er war reicher als alle, die im Osten wohnten. Und seine Söhne gingen hin und machten ein Festmahl, ein jeder in seinem Hause an seinem Tag, und sie sandten hin und luden ihre drei Schwestern ein, mit ihnen zu essen und zu trinken. Und wenn die Tage des Mahles um waren, sandte Hiob hin und heiligte sie und machte sich früh am Morgen auf und opferte Brandopfer nach ihrer aller Zahl; denn Hiob dachte: Meine Söhne könnten gesündigt und Gott abgesagt haben in ihrem Herzen. So tat Hiob allezeit. Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den Herrn traten, kam auch der Satan unter ihnen. Der Herr aber sprach zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen. Der Herr sprach zum Satan: Hast du Acht gehabt auf meinen Knecht Hiob? Denn es ist seinesgleichen nicht auf Erden, fromm und rechtschafen, gottes­fürchtig und meidet das Böse. Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet? Hast du doch ihn, sein Haus und alles, was er hat, ringsumher beschützt. Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, und sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen! Der Herr sprach zum Satan: Siehe, alles, was er hat, sei in deiner Hand; nur an ihn selbst lege deine Hand nicht. Da ging der Satan hinaus von dem Herrn. An dem Tage aber, da seine Söhne und Töchter aßen und Wein tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen, kam ein Bote zu Hiob und sprach: Die Rinder pflügten, und die Eselinnen gingen neben ihnen auf der Weide, da fielen die aus Saba ein und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, dass ich dir's ansagte. Als der noch redete,


kam ein anderer und sprach: Feuer Gottes fiel vom Himmel und traf Schafe und Knechte und verzehrte sie, und ich allein bin entronnen, dass ich dir's ansagte. Als der noch redete, kam einer und sprach: Die Chaldäer machten drei Abteilungen und fielen über die Kamele her und nahmen sie weg und erschlugen die Knechte mit der Schärfe des Schwerts, und ich allein bin entronnen, dass ich dir's ansagte. Als der noch redete, kam einer und sprach: Deine Söhne und Töchter aßen und tranken im Hause ihres Bruders, des Erstgeborenen, und siehe, da kam ein großer Wind von der Wüste her und stieß an die vier Ecken des Hauses; da fiel es auf die jungen Leute, dass sie starben, und ich allein bin entronnen, dass ich dir's ansagte. Da stand Hiob auf und zerriss sein Kleid und schor sein Haupt und fiel auf die Erde und neigte sich tief und sprach: Ich bin nackt von meiner Mutter Leibe gekommen, nackt werde ich wieder dahinfahren. Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen; der Name des Herrn sei gelobt! – In diesem allen sündigte Hiob nicht und tat nichts Törichtes wider Gott. Es begab sich aber eines Tages, da die Gottessöhne kamen und vor den Herrn traten, dass auch der Satan unter ihnen kam und vor den Herrn trat. Da sprach der Herr zu dem Satan: Wo kommst du her? Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Ich habe die Erde hin und her durchzogen. Der Herr sprach zu dem Satan: Hast du Acht auf meinen Knecht Hiob gehabt? Denn es ist seinesgleichen auf Erden nicht, fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und meidet das Böse und hält noch fest an seiner Frömmigkeit; du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu verderben. Der Satan antwortete dem Herrn und sprach: Haut für Haut! und alles, was ein Mann hat, lässt er für sein Leben. Aber strecke deine Hand aus und taste sein Gebein und Fleisch an: was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen! Der Herr sprach zu dem Satan: Siehe da, er sei in deiner Hand, doch schone sein Leben! Da ging der Satan hinaus vom Angesicht des Herrn und schlug Hiob mit bösen Geschwüren von der Fußsohle an bis auf seinen Scheitel. Und Hiob nahm eine Scherbe und schabte sich und saß in der Asche. Und seine Frau sprach zu ihm: Hältst du noch


fest an deiner Frömmigkeit? Sage Gott ab und stirb! Er aber sprach zu ihr: Du redest, wie die törichten Weiber reden. Haben wir Gutes empfangen von Gott und sollten das Böse nicht auch annehmen? In diesem allen versündigte sich Hiob nicht mit seinen Lippen. Als aber die drei Freunde Hiobs all das Unglück hörten, das über ihn gekommen war, kamen sie, ein jeder aus seinem Ort: Elifas von Teman, Bildad von Schuach und Zofar von Naama. Denn sie waren eins geworden hinzugehen, um ihn zu beklagen und zu trösten. Und als sie ihre Augen aufhoben von ferne, erkannten sie ihn nicht und er­hoben ihre Stimme und weinten, und ein jeder zerriss sein Kleid, und sie warfen Staub gen Himmel auf ihr Haupt und saßen mit ihm auf der Erde sieben Tage und sieben Nächte und redeten nichts mit ihm; denn sie sahen, dass der Schmerz sehr groß war.


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Adams Ankunft


Adams Äpfel Ein Bus hält an einem Feldrand an. Adam steigt aus dem Bus. Er sieht sich um und erblickt ein sich näherndes Auto.

Ivan Adam, tut mir leid. Bin spät dran. Ivan Fjeldsted, aber Ivan reicht. Entschuldige, ich komme dir vielleicht ein bisschen verwirrt vor, aber glaube mir, ich habe mich echt auf dich gefreut. Tja, sollen wir uns auf den Weg machen? Was meinst du? Ich schnapp mir kurz deine Tasche. Er schlägt ihm die Hand weg.

Ivan

Na schön. Was soll ich sagen? Komm.

Im Auto.

Ivan Wer gesessen hat ist manchmal ein bisschen empfindlich, was seine Sachen betrifft. Stimmt´s? Schweigen.

Ivan

Schon mal auf dem Land gewohnt?

Schweigen.

Ivan Tja, also, da wären wir. Und das ist unsere kleine Kirche. Das hier musst du dir ansehen. Sieh mal! Das ist unser Apfelbaum. Auf den sind wir so richtig stolz. Hat viele Äpfel dieses Jahr. Richtig viele Äpfel. Hängt wohl mit dem warmen Sommer zusammen. Er schneidet einen Apfel vom Baum und reicht ihn Adam.

Ivan Hier. Die brauchen noch so zwei drei Wochen, also iss ihn lieber nicht.


Adams Ankunft Er nimmt ihm den Apfel wieder aus der Hand. Sie betreten die Kirche.

Ivan Morgen. Gunnar Morgen. Khalid Guten Morgen. Ivan Also das ist Adam. Er wohnt ab heute bei uns. Adam, das sind Khalid und Gunnar. Khalid Der guckt ja scheiße aus. Ich sag nicht »Hallo« zu Glatze. Ivan Soso. Ihr werdet noch viel Zeit haben, solche Zärtlichkeiten auszutauschen. Wollen wir, Adam? In Ivans Büro.

Ivan Dieses O. O., was bedeutet das? In Adam O. O. Pedersen? Was hat´s auf sich mit dem O? Haben dir deine Eltern doch sicher erzählt? Adam Hab sie nicht gefragt. Ivan Eine gute Antwort. Gute Antwort. Hier steht du bist Neonazi. Bist du wirklich einer? Darauf kommt man gar nicht, wenn man dich so ansieht. Dann steht da noch, du wärst ein schlechter Mensch. Eine Unverschämtheit, so etwas in einen Lebenslauf zu schreiben. Unverschämt, echt. Bist du so schlecht, ja? Bist du schlecht? Hä? Ja oder nein? Weißt du was? Vergiss es einfach, denn es gibt keine schlechten Menschen. Das ist unsere Meinung. Ja, ja, es ist natürlich klar. Wer nur Ausschau hält nach dem Schlechten, der findet auch nur Schlechtes auf der Welt. Aber wenn man versucht, sich ein bisschen auf das Gute zu konzentrieren, wie wir es hier im Hause tun und das tun wir - Adam nimmt den Apfel vom Tisch und beißt hinein – was auch immer du gehört hast über uns,


Adams Äpfel dann wird die Welt ein bisschen freundlicher. In den letzten Jahren hat der Teufel eine ganze Armee von Leuten hergeschickt um uns auf die Probe zu stellen. Aber wir haben alle zu Gott geführt. Alle, die hier waren, haben den rechten Pfad bei uns gefunden. Gerade da drüben, Khalid und Gunnar, du hast sie eben getroffen, ich war dabei. Gunnar wurde vor vier Jahren auf Bewährung entlassen. Er sollte ursprünglich nur drei Monate hierbleiben, wie du, und dann wollte er nicht mehr weg. Und Gunnar der war, wie sagt man dazu, er war ein Alkoholiker, hat Mädchen betatscht und geklaut wie ein Rabe. Jetzt ist er seit sechsundzwanzig Monaten trocken und er interessiert sich für Theologie. Er ist nicht der Einzige. So mancher hat´s gepackt, auch Khalid. Ihr habt euch kennengelernt. Ich war dabei. Ja, Tankstellen hat er ausgeraubt. Adam, weißt du noch? Da wurde mal einer auf einer Tankstelle erschossen, der eigentlich nur Kondome wollte. Adam Nein. Ivan Tja man, das war Khalid. Er hat immer noch Hausverbot bei denen. Zwei Geiselnahmen und ´ne Menge Tankstellen gehen auf seine Kappe. Und jetzt? Er spricht unsere Sprache tip top und ist gut drauf. Adam Halt langsam die Schnauze und sag mir, was ich hier machen soll. Ivan Nein, das kann ich nicht, Adam. Das musst du schon selbst rausfinden. Ich möchte, dass du dir ein Ziel setzt, Adam, und ansonsten tu, was du willst. Adam Hörst du mir eigentlich zu? Ivan Ja, der Meinung bin ich schon. Unter anderen Umständen würde ich deine Äußerungen als ausgesprochen unverschämt betrachten. Aber vergessen wir mal das Thema. Konzentrieren wir


Adams Ankunft uns auf dein Ziel, Adam, das ist besser. Was könnte das sein? Adam legt den Rest des gegessenen Apfels auf den Tisch.

Adam Ok. Ich will was backen. Ivan Backen. Einen Apfelkuchen? Adam Ja, einen Apfelkuchen. Mein Ziel ist ein riesiger Apfelkuchen. Ivan: Mit Äpfeln aus dem Garten? Adam: Ja, mit den Äpfeln aus dem Garten. Ivan: Gute Idee. Weißt du was? Ich glaube, wir haben dein Ziel gefunden. Du backst einen Apfelkuchen. Du pflegst den Baum bis zum ersten August, bis die Äpfel reif sind. Dann pflückst du sie und du backst Apfelkuchen, genau. In Adams Zimmer. Er nimmt das Kruzifix von der Wand und hängt stattdessen ein Foto von Adolf Hitler an die Stelle. Ivan klopft und betritt den Raum.

Ivan Ich will dir nur kurz was bringen. Darin steht das neue und das alte Testament. Manchmal ist es gut, so was zu haben. Schlaf schön.


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Gottesdienst


Adams Äpfel Glockenläuten. Adam wird aus dem Schlaf gerissen. In der Kirche. Ivan beginnt seine Predigt.

Ivan Aber das Böse hat bekanntlich viele Gesichter. Die sind manchmal schwer auseinander zu halten und dann kann man sich nicht entscheiden. Besonders heutzutage, wo hier und da so viel geredet wird, und alles so viele Nuancen hat, wie wir Menschen auch. Ich möchte mal so sagen: hätte das Schachspiel die gleiche Entwicklung wie wir Menschen gemacht und das in den letzten zweitausend Jahren, dann stünde die Königin in der ersten Reihe, die Türme wären schief und der Bauer wäre die wichtigste Figur auf dem Brett. Ein älterer Mann ist dabei, die Kirche zu verlassen.

Ivan Wir wissen ganz einfach nicht mehr, wer wir sind. Und diese fehlenden Wurzeln, die, langweilen wir dich, Poul? Ist es so ermüdend, das Wort Gottes in sich aufzunehmen? Langweilen wir dich? Poul Naja, ich muss mal aufs Klo. Ivan Und das kann nicht warten? Poul Eigentlich nicht. Ivan Aha. Wir sind in zwanzig Minuten fertig. Ich denke schon, dass Poul zwanzig Minuten warten kann. Khalid Lass der Alte auf das Klo, verfluch mich noch mal. Dann kann er Ruhe scheißen. Und können wir Lied anfangen jetzt? Ivan Ja. Ja, gut. Die Demokratie hat gesprochen. Dann geh Poul. Geh scheißen. Aber du weißt, wenn du einmal draußen bist, darfst du nicht mehr rein. Ist dir doch klar? Poul Das ist nicht so tragisch. Ivan Du wirst wohl auch zurück in´s Krankenhaus müssen, weil


Gottesdienst du hier die Toilette nicht benutzen kannst. Poul Warum denn das nicht? Ivan Weil sie abgeschlossen ist, während des Gottesdienstes. Poul Wieso? Ivan Selbstverständlich aus Sicherheitsgründen. Poul verlässt die Kirche.

Ivan Gut. Gut, dann können wir ja fortfahren, wenn es Poul recht ist. Wir singen das Lied 634, »Du weißt es wohl mein Herz«. In der Küche. Gunnar sitzt am Tisch. Adam betritt den Raum.

Gunnar Es gibt gebratene Rippchen mit Petersiliensoße. Das war eine schöne Predigt heute, findest du nicht auch? Jedenfalls war sie kürzer als sonst. Armer, alter Poul Nordkap. Ivan hat ihn auf dem Kieker, weil er mitten in der Predigt geht. Das ist auch nicht nett von ihm. Das macht er immer. Das ist weil - er war im Konzentrationslager während des Kriegs und jetzt ist er alt und irgendwie hibbelig geworden. 86 ist er. Ist ganz und gar nicht lustig, so alt zu werden. Du musst Ivan nicht so ernst nehmen, der ist schon ok. Aber mach nicht den Fehler und fang einen Streit mit ihm an.

In Adams Zimmer. Adam schläft. Gunnar schleicht im Dunkeln durch das Zimmer. Adam wacht auf und schaltet das Licht an.

Adam Was zum Henker machst du da? Gunnar Ich? Adam Mein Telefon! Gunnar Entschuldige. Ich dachte, du schläfst. Adam Und mein Portmonee. Klaust du hier etwa? Bist du voll-


Adams Äpfel kommen irre geworden? Adam schlägt ihm mit der Faust in sein Gesicht.

Gunnar Entschuldige. Tut mir leid. Adam Verzieh dich bloß du Fettsack. Gunnar Schlaf gut, ja. Adam Zisch ab! Ivan begutachtet den Apfelbaum. Unzählige Krähen haben sich auf dem Baum niedergelassen. Er hebt einen heruntergefallenen, verrottenden Apfel vom Boden auf. Er läuft zur Kirche und holt die Anderen. Ivan versucht die Krähen mit einem langen Stock zu vertreiben.

Gunnar Die bewegen sich keinen Millimeter. Khalid Also dieses verfluch mich nochmal unverschämte Mistvogel. Genau wie diese Schlachterhund. Nach Hause mit dich, du verflixtes Vogel. Ivan Und jetzt? Was machen wir jetzt? Da bleiben nicht viele Äpfel übrig für deinen Kuchen. Nicht, wenn wir dieses Problem nicht in den Griff kriegen. Adam Der Dattelfresser kann doch hochklettern und sie verjagen. Kannst du da nicht raufklettern? Khalid Hallo? Mit dich rede ich nix man, kapito? Ivan Ich versteh´ nichts von Vögeln. So was gab´s bis jetzt nicht. Was macht man in so einer Situation? Gunnar? Gunnar Ich würde sie in Ruhe lassen, glaube ich. Ivan, warum lässt du sie nicht einfach die Äpfel fressen? Ivan Weil das Adams Äpfel sind und er uns einen Kuchen backen


Gottesdienst will. Khalid Verfluch mich noch mal. Der nix kann backen. Ivan Oh, das reicht. Woher willst du das wissen? Und wenn Adam den innigen Wunsch hegt für uns zu backen, dann kann er erwarten, dass wir ihn darin unterstützen. Khalid Der da kriegt nix mal hin eine einfache Brötchen. Adam Halt dein Maul, ja. Khalid Ich bin nix blind. Adam Ich kann das. Khalid Du kannst arschlecken. Adam Was weißt du schon, du Kanake? Ivan Sehr gut, Adam. Ist die richtige Einstellung. Aus so einer Einstellung heraus entstehen Kuchen. Adam geht. Immer mehr Krähen kreisen um den Apfelbaum.

Gunnar Es kommen immer mehr.


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Sarah


Adams Äpfel Im Vorhof. Adam rammt eine Vogelscheuche in den Boden.

Ivan Ja, prima Adam. Sehr glaubwürdig. Jetzt möchte ich den Vogel sehen, der sich traut von den Äpfeln zu fressen. Sarah Pastor Fjeldsted? Ivan Ja? Sag Ivan zu mir. Sarah Ich heiße Sarah Svensen. Ivan Tag. Das ist mein Assistent, Adam. Sarah Ich bin nicht von hier. Ähm, ich wäre gern in den Gottesdienst gegangen, aber ich konnte nicht. Ivan Dafür brauchst du dich doch nicht zu entschuldigen. Dir entgeht etwas, wenn du nicht am Gottesdienst teilnimmst. Sie beginnt zu weinen.

Ivan Was hast du? Dir geht es gar nicht gut. Sollen wir reingehen und reden? Sarah Ja. Ivan Komm mit. In Ivans Büro.

Sarah Vor ein paar Monaten habe ich einen Typen kennengelernt. Adam Die Milch ist sauer. Ivan Macht nichts. Ich nehme keine Milch. Adam Ich dachte eigentlich mehr an Sarah. Ivan Na ich doch auch. Adam Von wegen. Ivan Etwa nicht? Was, du sagst ich habe nicht an sie gedacht? Willst du das damit sagen? Dann lass uns das jetzt ausdiskutieren. Ist vermutlich der richtige Ort und der richtige Zeitpunkt dafür. Was sagt denn Johannes 4.46 dazu? Und Jesus kam abermals nach


Sarah Kana, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein Mann im Dienst des Königs; dessen Sohn lag krank im Kapernaum. Und Jesus sagte »alles was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch«. Ziemlich unverschämt von dir, zu behaupten, ich würde nicht an andere denken. Sarah Ist schon ok. Ich nehme keine Milch. Ivan Aber vielleicht haben wir ja ein paar Kekse für Sarah? Sarah Das ist nicht nötig. Ich danke. Ivan Wäre es dir eventuell möglich, dich zur Keksdose zu bemühen und nachzusehen für Sarah? Und mich? Sarah Ich hätte besser nicht kommen sollen. Ivan Doch, doch, doch, doch. Du hast jemanden kennengelernt? Sarah Ja. Also, ich war in Indonesien. Ein paar Monate arbeiten für einen Umweltverband. Ivan Ja. Sarah Und da – ich habe mit einem Mann geschlafen. Und bin schwanger. Als ich jünger war hab ich ziemlich viel getrunken, aber jetzt bin ich bei den anonymen Alkoholikern. Seit 341 Tagen trocken. Und, äh, jetzt sagen sie, dass das Kind vielleicht behindert zur Welt kommt. Und ich weiß nicht, ich weiß nicht, wo der Vater ist, ich hab keine Ahnung. Ivan Moment. Sarah Ich, ich. Ivan Warte kurz, Sarah. Wie kommt es, sag mir wie das kommt, dass ich drei Kekse kriege und Sarah nur zwei? Denk mal nach! Findest du das nicht falsch, dass ich mehr kriege als sie? Sarah bricht in Tränen aus.

Adam Es waren nur noch fünf in der Dose und ich dachte, die für


Adams Äpfel Sarah sehen größer aus. Ivan Nein, dem ist nicht so. Adam Na klar, dem ist so. Ivan Hast du sie gemessen? Adam Was? Ivan Hast du die Kekse gemessen? Adam hast du, oder hast du nicht? Würde man im Übrigen auch nicht tun. Schluss jetzt mit der Diskussion bevor es für dich noch richtig peinlich wird, ja. Pause. Ivan nimmt sich seine Kekse.

Ivan Möchtest du es entfernen lassen? Sarah Ja. Ich meine nein. Die sagen aber, die Wahrscheinlichkeit, dass es behindert ist, beträgt sechzig Prozent. Er taucht seinen Keks in seinen Tee und isst ihn.

Sarah Und jetzt muss ich mich innerhalb einer Woche entscheiden, sonst ist es zu spät. Ich glaube, dass verkrafte ich nicht. Ein Kind zu bekommen, das nicht gesund ist. Sechzig Prozent, das ist ziemlich viel, oder? Ivan trinkt in Ruhe seinen Tee bevor er antwortet.

Ivan Das ist nur Statistiksache. Hör mir mal zu. Sarah Ja. Ivan Bevor meine Frau damals ihr erstes Kind bekomme hat, das Risiko für eine Behinderung liege bei 75 Prozent. Klar, wir hätten uns auch einschüchtern lassen können von Statistiken, Vernunft. Aber wir haben versucht es positiv zu sehen und geglaubt, dass es gut ausgeht. Und jetzt, wenn er im Garten rumtobt und Fußball spielt, oder einfach an seinem kleinen Schreibtisch sitzt und


Sarah Schularbeiten macht, dann sind wir glücklich und heilfroh, dass es ihn gibt, dass er lebt. Du findest ganz sicher niemanden, der das Gegenteil behaupten würde. Der Teufel, Sarah, der prüft uns, ständig. Deshalb müssen wir die richtigen Entscheidungen treffen. Stell dir vor, wir würden einzig und allein unserer Vernunft folgen. Dann wäre die Welt ein düsterer Ort zum leben. Sarah, du musst deinem Herzen folgen und dein Kind bekommen. Im Speiseraum. Adam findet eine schwarze Maske in einer Jacke. Er findet darin ein Bündel Geldscheine. Er packt die Maske zusammen mit dem Geld in seine Jacke. Daraufhin geht er zum Herd und verbrennt sich die Hand an einer Herdplatte. Gunnar betritt den Raum.

Adam Scheiße. Gunnar Guten Morgen. Adam Verdammt nochmal. Gunnar setzt sich an den Tisch und trinkt einige Schnäpse.

Adam Warum hast du den Herd nicht ausgemacht? Er schlägt ihm auf den Hinterkopf. In der Praxis von Dr. Kolberg. Adam sitzt auf der Behandlungsliege.

Dr. Kolberg Das ist ja eine schöne Bescherung. Was sagt Pastor Fjeldsted dazu? Adam Der Lallo hat doch überhaupt keine Peilung. Dr. Kolberg Naja, er ist schon ziemlich schräg drauf, unser Ivan. Dabei ist er ein braver Junge. Glaub nur nicht, dass er es leichte


Adams Ă„pfel gehabt hat in seinem Leben. Da ist alles schief gelaufen, von Anfang an. Seine Mutter ist gestorben als er zur Welt kam gleich hier nebenan in dem Raum. Und dann lebte er zusammen mit seinem Vater und seiner Schwester. Bis sie ihn geholt haben. Adam Wen? Ivan? Die haben Ivan geholt? Dr. Kolberg Nee. Wer spricht denn hier von Ivan? Der Vater, der Henni. Der wurde weggebracht. Adam Wieso? Dr. Kolberg Na, der hat seine Kinder in einer Tour durchgefickt. Die konnten nicht mal mehr Fahrrad fahren. Nur noch im Stehen auf den Pedalen, so hat der die durchgerammelt. Adam Halt jetzt die Klappe und mach hin. Dr. Kolberg Tja, du musst schon entschuldigen, dass ich so offen bin, aber als Arzt, da hab ich gelernt, die Dinge beim Namen zu nennen. Die Leute mĂźssen Bescheid wissen. Damit ist jedem gedient.


Sarah


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Adam rastet aus


Adams Äpfel Vor der Kirche. Adam kommt gerade von seiner Behandlung zurück. Ivan sitzt auf einer Bank.

Ivan Adam! Was ist denn das für eine Geschichte mit dem Herd? Der beißt dich in die Hand? Adam Gunnar hat vergessen ihn auszumachen. Ivan Setz dich bitte zu mir. Ich muss mit dir sprechen. Adam setzt sich zu ihm.

Ivan Bekommst du mit, was hier vorgeht? Warum sind die ganzen Vögel im Baum? So was hat´s noch nie gegeben. Und dann das mit dem Herd. Warum hast du dich am Herd verbrannt? Ich glaube, da versucht dir irgendjemand zu vermitteln, dass du dich vom Herd fernhalten sollst. Adam, ohne Herd kann man keinen Apfelkuchen backen. Vermutlich stellt der Satan uns auf die Probe. Adam Indem er mich nicht backen lässt? Ivan Ja. Jetzt hat er den Kampf aufgenommen. Er will sehen, ob du stark genug bist um zu widerstehen. Ob wir stark genug sind. Solange ich denken kann, macht er das schon mit mir. Sieh dir bloß deine Hand an. Adam Weißt du was? Ich glaube, bei dir sind ein paar Schrauben locker. Unser kleiner Idiot von Gunnar hat das Scheißding angelassen. Ivan Zufälligerweise kenne ich Gunnar. Er ist sehr penibel in Bezug auf elektrische Geräte. Adam Er ist ständig voll, bis zur Halskrause. Wie kann das fette Schwein an so was denken? Ivan Wohohoho. Übergewicht und Alkohol. So viele Vorwürfe gleich? Möglicherweise gibt es eine Erklärung dafür, Adam. Hättest du Gunnar zugehört oder dich auch nur einmal mit ihm


Adam rastet aus unterhalten, wüsstest du, dass er früher das größte Tennistalent Dänemarks war. Ja, damals war das Leben für ihn ein Kinderspiel. Immer hat er gewonnen, aber eines Tages hat man einen Ball für aus erklärt, der eigentlich im Feld war und er fing an zu verlieren und ging langsam vor die Hunde. Adam Okay. Was ist mit Khalid? Adam reicht Ivan die schwarze Maske.

Adam Das hier war in seiner Jackentasche. Ivan Was willst du damit schon wieder sagen? Adam Dass die zwei Idioten keinen Schritt weitergekommen sind. Du machst dich lächerlich. Ivan Ich finde, du solltest überall Plakate aufhängen. »Strickmützen tragen verboten«. Adam Die trägt man im Winter! Wir haben grad Sommer! Ivan Schon möglich, dass für dich Sommer ist, aber Khalid kommt aus wärmeren Gefilden. Adam reicht ihm das Bündel Geldscheine.

Adam Das hier sind siebzehntausend in bar! Ivan Du tappst da, du tappst da völlig im Dunkeln. Khalid spart. Er braucht was zum Anziehen. Das wusstest du nicht? Hauptsache Leute beschuldigen. Adam schlägt im ins Gesicht. Ivan fällt von der Bank und geht zu Boden. Adam schlägt ihm erneut ins Gesicht und tritt ihn mehrfach. Er schlägt ihn erneut mitten ins Gesicht und versetzt ihm einen letzten Tritt in den Bauch.


Adams Äpfel Adam geht in sein Zimmer. Er sieht, dass sein Mobiltelefon und auch sein Portmonee nicht mehr da sind. Er verlässt sein Zimmer und betritt die Küche. Gunnar sitzt am Tisch und liest.

Adam Telefon und Portmonee. Oder ich polier dir die Fresse! Komm! Gunnar wühlt in seiner rechten Hosentasche und gibt ihm den Inhalt.

Adam Das da ist nicht meins, du Arschloch! Adam schmeißt das Telefon auf den Boden. Gunnar durchsucht seine linke Hosentasche. Gunnar gibt ihm sein Telefon und Portmonee zurück. Adam nimmt Gunnars Kopf und drückt ihn auf den Tisch.

Adam Ich sag dir was: fass nie wieder meine Sachen an! Gunnar wimmernd: Ja. Entschuldigung. Adam Geht das in deinen Schädel? Sei froh, dass ich Bewährung hab. Ich würde dir so die Fresse polieren, dass du dich nicht mehr wiedererkennst! Geht das in deinen Kopf? Gunnar schluchzend Ja. Adam Ja, was? Gunnar Ja. Entschuldigung. Ivan betritt den Raum. Sein Gesicht ist mit Blut überströmt.

Ivan Äh, ich fahr mal ins Krankenhaus. Wartet nicht mit dem Essen auf mich. Gunnar Kommst du an einem Laden vorbei? Ivan Ja, kann gut sein. Gunnar Kannst du mir dann meinen Hustensaft mitbringen? Ivan Klar. Ähm, wie hieß der gleich?


Adam rastet aus Gunnar Äh, äh, »Von Osten«. Ivan: Richtig. Adam? Vielleicht denkst du, wenn du Zeit hast, mal über unser Problem nach. Das mit den Vögeln. Adam sieht ihm verständnislos nach. Adam und Holger sitzen im Auto.

Holger Hier, siehst du? Die hier hat keine Nummer. Aber schmeiß sie trotzdem weg. Er reicht Adam eine Pistole.

Holger Kannst du mit der Hand überhaupt schießen? Adam Ja, ja. Holger Und der Pfarrer? Sag mal, hast du vor den abzuknallen? Adam Der wurde als Kind in den Arsch gefickt und hat ständig Prügel bezogen. Jetzt heißt es bei dem nur noch Einbahnstraße. Haust du dem in die Fresse, hält der dir die andere Seite hin. Holger Was läuft da eigentlich ab? Du hast doch nur noch elf Wochen. Wir warten auf dich, Mann. Espen packt es nicht, den anderen zu sagen wo es langgeht. Adam Dir hat wohl einer ins Hirn geschissen? Ich bring den nicht um. Holger Ist ja gut! Ich versuche ja nur zu verstehen, was da abgeht. Adam Ich muss den knacken, diesen Himmelsboten mit seiner Barmherzigkeitspisse. Holger Hat das was mit dieser Birnentorte zu tun? Espen sagt, du quatscht ständig von einer Birnentorte. Adam Das ist ein Apfelkuchen! Alles klar? Holger Hm.


Adams Äpfel Adam Vergiss es! Ich habe nur gesagt, ich back einen Apfelkuchen, da lässt der Arsch nicht mehr locker und sagt, der Teufel testet uns. Nur weil die scheiß Vögel da rummachen, im Baum. Holger Soll ich hierbleiben und dir helfen? Adam Mir helfen? Sag mal, weißt du eigentlich mit wem du redest, du Arsch? Holger Schon gut. Adam steigt aus dem Wagen.

Holger Bis bald! Adam geht zu seinem Fahrrad. Er fährt los und sich zuvor noch einmal umzudrehen. Vor dem Apfelbaum. Ivan, Gunnar und Khalid stehen davor und beobachten eine Katze, die im Baum sitzt.

Gunnar Ruhig, ruhig. Ganz ruhig. Adam kommt um die Ecke der Kirche und läuft auf sie zu. Er lädt die Pistole durch und steckt sie hinten in seinen Hosenbund.

Gunnar Komm schon, schnapp sie dir. Schnapp sie dir! Du, du brauchst keine Angst zu haben! Komm schon, schnapp sie. Die machen den nervös! Das kann man spüren. Ich spür das! Khalid Der Pisskater verfluch mich nochmal das spüren jeder! Ivan Tja, das funktioniert nicht. Lambert ist ein toller Kater, aber er ist zu nichts zu gebrauchen. Adam Als ich klein war, hatte mein Großvater einen Kirschbaum. Da saßen ständig Amseln drin. Morgens hat er ein paar erschossen und dann noch welche Abends, bevor er sich hingelegt hat. Hat


Adam rastet aus geholfen. Ivan Erschossen? Mit einer Waffe? Adam: Nein, mit einem Waffeleisen. Khalid Klaro war das ein Waffe Ivan. Was für eins? Adam zieht die Pistole und richtet sie auf die Gruppe.

Adam So eine. Ivan Weißt du was? Lass uns das mal probieren. Triffst du von da aus, wo du stehst? Ist ziemlich weit weg. Khalid Geht das Ballern mit deiner Kirche ok? Ivan Ja, ja. Khalid Verfluch mich noch mal das sollte mir früher sagen müssen. Khalid zieht eine Waffe und schießt die Tiere nacheinander tot.

Ivan Tja. Gunnar Lambert? Geht’s dir gut Lambert? Lambert, was hast du? Was, was ist denn bloß passiert? Er hebt den leblosen Körper auf.

Gunnar Er ist tot. Khalid Ist Pisskater! Gunnar Er hat meinen Kater erschossen! Ivan Nein! Wir dürfen uns nicht immer wegen jeder Kleinigkeit gegenseitig beschuldigen. Er war des Lebens überdrüssig und da war unsere kleine Schießerei eine gute Gelegenheit für ihn, Abschied zu nehmen. Aber wenn du es ausdiskutieren willst, dann sofort. Ja? Gunnar Nein.


Adams Äpfel Ivan

Gut.

Khalid schießt erneut die Vögel vom Baum. Adam steht noch immer mit gezogener Waffe da und betrachtet die anderen. Ivan kommt auf ihn zu.

Ivan Die hat also deinem Großvater gehört? Schön, dass wir mal über ihn gesprochen haben. Weißt du, was ich glaube? Heute wird ein richtig guter Tag! In der Küche. Adam sitzt am Tisch und raucht. Gunnar kocht. Draußen hört man Schüsse.

Gunnar Nervt mich, dass Khalid nicht kommt, wenn wir schon mal sein Leibgericht kochen. Er schämt sich wahrscheinlich wegen Lambert. Adam Wo hat der die Waffe her? Ist er ein Terrorist, oder was? Gunnar Nein, der spart Geld für ein Haus. Das will er sich kaufen in Saudi Arabien. Du solltest mal sein Traumhaus sehen. Herrlich! Ich sag dir, noch zwei, drei Wochenendjobs bei den Tankstellen und für ihn heißt es ab nach Hause. Adam Warum macht der Arsch denn keinen Banküberfall? Dann wären wir den Kameltreiber los. Gunnar Khalid ist politisch sehr engagiert. Er hat es nur auf multinationale Konzerne abgesehen. Deshalb raubt er nur »Statoil« aus. Adam Statoil? Gunnar Ja. Statoil hat seinem Vater ein Grundstück weggenommen. Im Boden war Öl. Den Vater haben die Schweine einfach erschossen. Khalid holt sich nur das zurück, was ihm sowieso gehört. Adam Statoil ist aus Norwegen.


Adam rastet aus Gunnar Das kann nicht sein. Das halte ich echt für ein Gerücht. Adam Die sind aus Norwegen, weiß ich genau! Gunnar Na das solltest du Khalid bei Gelegenheit mal ans Herz legen. Adam Weiß Ivan, was der treibt? Gunnar Ich glaube, solange Khalid nicht völlig ausrastet, kann er damit leben. Ivan ist ja auch nicht ganz normal. Wahrscheinlich weil der siebente Todestag seiner Frau näher rückt. Adam Was, der hatte eine Frau? Gunnar Ja, Linda. Die hat sich an Kopfschmerztabletten vergriffen und sich so umgebracht. Weil sie ein behindertes Kind gekriegt hat, Christoffer. Der hat spastische Lähmungen. So richtig fiese. Nee, kam die wohl gar nicht klar mit.


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Am Sterbebett


Adams Äpfel

Ivan klopft an Adams Tür und öffnet sie.

Ivan

Kann ich reinkommen?

Adam schweigt.

Ivan Adam, da haben wir uns ja was Schönes vorgenommen. An Rezepten für Apfelkuchen mangelt es wahrhaftig nicht auf der Welt. Er legt ein Buch auf den Tisch und sieht aus dem Fenster. Er setzt sich auf einen Stuhl neben den Tisch.

Ivan Ja, es scheint ganz so, als hätten wir die erste Runde gewonnen. Ivan betrachtet das Bild von Adolf Hitler.

Ivan Oh, hohoho, ist das ein gutaussehender Mann. Dein Vater? Adam Das ist Hitler! Ivan Nein. Nein, Hitler hatte einen Vollbart. Er geht zum Foto und betrachtet es genauer.

Ivan

Nee, hast Recht. Hab ich mit dem Russen verwechselt.

Er geht zurück zum Schreibtisch und blickt auf das Buch.

Ivan

Na, dann lern die mal schön auswendig.

Er geht Richtung Tür.

Adam Ich sag dir, was sie waren. Alle Feinde Hitlers haben den Fehler begangen, ihn nicht ernst zu nehmen. Ivan Du meinst, ich nehme ihn nicht ernst? Eine Unverschämt-


Am Sterbebett heit ist das! Ja, Poul, der alte Poul Nordkap zum Beispiel, den haben sie ins Krankenhaus gebracht. Nicht mehr leben will der. Das war der Inbegriff eines Nazis, damals im Krieg. Ausgerechnet mich bitten sie, ihn aufzumuntern. Das ist ja wohl kaum ein Zufall. Also bitte! Adam Hat er nicht im Konzentrationslager gesessen? Ivan Gesessen? Der hat gearbeitet, der hat nicht rumgesessen! Wer behauptet denn so was? Der hatte praktisch eine Vollzeitstelle, da wo er den Göbelins und die Anderen kennengelernt hat. Adam Goebbels? Ivan Ja, den wahrscheinlich auch. Weißt du was Adam? Komm doch mal mit. Komm mal mit, wenn ich Donnerstags zu ihm gehe, dann fragen wir ihn, wer hier wen ernst nimmt. Abgemacht? Ivan verlässt den Raum und schließt die Tür. Die Bibel fällt zu Boden. Adam hebt die Bibel auf und beginnt zu lesen. Das Buch Hiob. Er schlägt das Buch wieder zu und legt es zurück auf den Schrank. Vor der Kirche. Blick zum Apfelbaum. Viele tote Vögel liegen um den Baum verteilt. Ivan und Adam betreten Dr. Kolbergs Praxis.

Dr. Kolberg Guten Tag ihr zwei. Gut, dass ihr kommt! Er liegt in den letzten Zügen. Er übersteht die Nacht nicht. Ich hab´s ihm schon beigebracht, so sanft wie nur möglich. Ivan Gut, dann bereiten wir ihm mal einen ordentlichen Abgang. Dr. Kolberg Ja. Was macht die Hand? Adam Geht so.


Adams Äpfel Ivan Komm. Dr. Kolberg Und dein Zinken, was macht der, Ivan? Das war wirklich eine saubere Arbeit. Oh man! Hehe. Ivan Hehe. Dr. Kolberg Für Parfüm brauchst du nun wirklich kein Geld mehr auszugeben. Mit diesem schiefen Ding im Gesicht wirst du gar nichts mehr riechen. Hehe. Ivan Komm, Adam. Dr. Kolberg geht lachend davon. Ivan und Adam betreten das Krankenzimmer. Poul liegt in einem der Betten. Man hört das regelmäßige Piepen der Maschinen. Ivan und Adam setzen sich zu Poul ans Bett.

Ivan Was muss ich da hören, Poul? Du hast nicht gegessen. Ich habe Besuch mitgebracht. Das ist Adam. Adam Tag. Adam Pedersen. Ivan Na sag mal, du hast ja vielleicht heute eine Laune. Poul Ich habe Angst. Ivan Dafür besteht doch kein Grund. Poul Ähh. Ivan Wie war heute dein Tag? Und die Schwestern, sind die jetzt ein bisschen netter zu dir? Poul Du brauchst sie nicht darum zu bitten, nett zu mir zu sein. Ist schon alles gut so. Ivan Einige der Schwestern haben auf Poul rumgehackt wegen seiner Vergangenheit. Aber dem haben wir einen Riegel vorgeschoben! Hab ich Recht, Poul? Hä? Poul Ähh. Ivan Was ist mit Miriam, ist die jetzt eigentlich auch netter?


Am Sterbebett Poul Ja. Sie hat mir gestern einen warmen Kakao gebracht und sie hat mich zugedeckt. Du glaubst gar nicht, wie nett alle zu mir sind. Ivan Ja? Aber das ist doch schön! Ist kein Grund, traurig zu sein. Poul Wie können die wissen? Ich war so lasthaft! Ivan Du verdienst es! Alle Menschen verdienen es, mal schön zugedeckt zu werden. Hat sie auch das Kopfkissen aufgeschüttelt und die Decke? Poul Ja. Ivan Schön. Siehst du. Na na na, ist ja gut. Poul Bitte entschuldige. Bitte entschuldige, dass ich versucht habe, dich zu behumsen. Das mit der Kirche, das ist nichts für unsereins. Ivan Längst vergessen. Ist doch alles Schnee von gestern. Poul Ja, ja, ich weiß. Das sagst du immer. Ich habe Angst, Ivan. Ich trau mich nicht einzuschlafen. Ich habe so eine Angst. Ivan Ist doch Quatsch! Es gibt nichts, wovor du Angst haben müsstest, Poul. Poul, du hattest ein langes, erfülltes Leben und jetzt versuch mal, dich auf die Menschen zu besinnen, die dich mögen und auch auf die schönen Erinnerungen, die du hast. Poul Ach du liebe Güte! Poul beginnt zu weinen.

Ivan Poul! Es gibt keinen Grund zu weinen, klar? Poul Hä. Ivan Und versuch mal, nicht so hart zu dir zu sein. Was auch immer du getan hast, es ist dir verziehen. Poul Wenn du wüsstest, was das war. All diese Menschen. Diese armen Menschen. Das ist nicht zu verzeihen. Ivan Jetzt hör auf! Wer soll sich noch daran erinnern?


Adams Äpfel Poul Oh Gott. Ivan Es reicht, ja, Poul! Hör auf zu jammern, Herrgott nochmal! Mach es nicht schlimmer, als es ist! Jeder baut mal Mist. Davon lassen wir uns doch nicht die Petersilie verhageln, oder? Poul Hä. Du bist ja wahnsinnig, Menschenskind. Ivan Wieso sagst du das, Poul? Wieso verdirbst du uns die gute Stimmung? Wieso bist du so unverschämt zu mir? Wie du willst. Von mir aus diskutieren wir darüber, was ich bin und was ich nicht bin. Aber ehrlich gesagt, dass muss jetzt nicht sein. Wir sollten daran denken, was Gott sagt. Gott verzeiht alles, Poul. Gott verzeiht alles, Poul. Poul regt sich nicht mehr. Ivan steht auf und betätigt einen Hebel, um die Schwester zu rufen. Adam bekommt mit, dass Poul gestorben ist und erhebt sich ebenfalls.

Ivan Ja, das ist ergreifend. Auch wenn man es schon hundertmal erlebt hat. Es ist immer wieder ergreifend.


Am Sterbebett


/6


Seltene Krankheit


Adams Äpfel

Ivan und Adam sitzen im Auto und befinden sich auf dem Rückweg.

Adam Hast du nach dem Tot deiner Frau mit jemandem darüber geredet? Ivan Ja, ja. Ja, klar, mit vielen. Adam Ich meine, ich finde es ganz schön heftig, wenn die eigene Frau sich umbringt. Ivan Ja, angenehm ist es nicht gerade. Nur damit du es weißt, Linda hat sich nicht umgebracht. Ivan stellt das Autoradio an. »How deep is your love« startet.

Adam Doch, mit Tabletten. Ivan Ja, Tabletten hat sie genommen. Aber das war ein Unfall. Adam Wie jetzt, ein Unfall? Ivan Das war… wie so oft war das. Christoffer hatte de Tabletten nach dem Spielen zu den Süßigkeiten gelegt. Da kommt Linda und sie war schon immer ein Leckermäulchen. Und da hat sie gedacht, das wären diese gelben Bonbons. Tja. Adam Christoffer? Dein Sohn? Ivan Ja. Adam Also ist er doch nicht gelähmt? Ivan Wer erzählt denn sowas? Adam Na hab ich eben gehört. Ivan Christoffer? Nein! Wenn es bloß so wäre! Der Kerl ist kaum zu bändigen. Wie ein Sack Flöhe ist der! Gestern hat er gewonnen, beim Völkerballspielen, gegen alle! Adam Das kauf ich dir nicht ab!


Seltene Krankheit Adam sieht Ivan fordernd an. Ivan stellt das Radio lauter. »I really need to learn cause we´re liv«. Adam stellt das Radio aus.

Adam Echt nicht. Ivan Unverschämtheit. Hör zu, du musst nicht alles glauben, was man dir sagt. Das ist Unsinn! Wer behauptet das? Erzählt Gunnar dir solche Räuberpistolen? Hat er mal wieder ausgiebig im Dunkeln rumgetappt, ja? Wenn dem so ist, dann ist das ausgesprochen unverschämt, möchte ich mal sagen. Adam Kann ich ihn denn mal kennenlernen? Bring ihn einfach morgen mit. Ivan Er kommt eh morgen. Die ganze Woche hat er schon darum gebettelt, mit zu dürfen. Er will unbedingt. Adam Prima. Ivan Ja. Dann kannst du dir ein Bild machen. Der nächste Tag. Ivan hebt einen Rollstuhl aus dem Auto. Gunnar, Khalid und Adam sitzen in der Küche, während Gunnar gerade Schnaps eingießt. Er trinkt nach dem Eingießen einen großen Schluck aus der Flasche. Ivan schiebt Christoffer im Rollstuhl vor die Küche und öffnet leicht die Tür.

Ivan Guten Morgen. Gunnar Guten Morgen. Ivan fährt Christoffer in die Küche.

Ivan

Christoffer, das ist Adam. Adam, das ist Christoffer.

Ivan streichelt Christoffer die Stirn. Während Gunnar einen Schnaps aus dem Glas trinkt. Ivan setzt sich an den Tisch.

Ivan

Wäre das zu viel verlangt, wenn du hingehst und guten


Adams Äpfel Morgen sagst? Lecker Rührei! Adam steht auf und geht zu Christoffer.

Ivan

Kleine Häppchen.

Adam schnippst mehrmals mit den Fingern vor Christoffers Gesicht. Dieser reagiert nicht darauf. Adam geht wieder zum Tisch und setzt sich.

Adam Der ist gelähmt. Ivan Was sagst du da? Khalid Ich muss auf das Turm. Khalid nimmt sein Geschirr und steht auf.

Gunnar Tja, äh, ich mach mich auch mal ans Werk. Gunnar will ebenfalls aufstehen.

Adam Ihr bleibt hier! Khalid Ich muss das schwarze Vogel schießen! Adam Setzt euch! Sie setzen sich beide wieder an den Tisch.

Adam Der ist gelähmt. Ivan Christoffer, geh in Papas Büro. Los, Christoffer! Gunnar steht auf. Er schiebt Christoffer aus der Küche.

Ivan Das muss der Junge nicht über sich ergehen lassen. Wie war das gleich, Adam? Adam Der ist gelähmt. Der ist gelähmt, Ivan! Ivan Ist er das wirklich, Adam? Ist er das?


Seltene Krankheit Adam Ja. Er ist spastisch gel채hmt. Ivan Hmm, das ist doch vollkommener Wahnsinn, das hier! Khalid, was sagst du dazu? Schweigen.

Ivan Khalid? Khalid Ist wahr, das. Ist voll gel채hmtes Spasti. Ivan wendet den Blick von ihm ab.

Adam Dein Sohn ist ein Spasti. Deine Frau hat sich umgebracht. Deine Mutter ist bei deiner Geburt gestorben. Dein Vater hat dich und deine Schwester vergewaltigt. Sieh mich an, Ivan. Sieh mich an. Er sieht ihn weiterhin nicht an.

Khalid Du blutest aus das eine Ohr! Ivan Was? Khalid Du blutest aus das eine Ohr, verfluch mich nochmal! Ivan fasst sich an sein linkes Ohr.

Khalid: Anderes Weg! Ivan fasst sich an sein rechtes Ohr und sieht sich seine Hand an.

Ivan Stimmt. Adam Hehe. Ivan steht auf. Gunnar kommt gerade wieder zur체ck.

Khalid Ivan blutet aus das Ohr! Gunnar Ach, das hatte ich auch schon mal. Trink einfach Milch,


Adams Äpfel Ivan. Jede Menge Milch, dann geht´s weg. Ivan verlässt die Küche. Adam lacht. Er steht auf und verlässt ebenfalls den Raum. In der Kirche. Ivan sitzt auf einer der Kirchenbänke und starrt vor sich hin. Adam betritt die Kirche und läuft auf ihn zu.

Adam Gib auf, Ivan! Adam will wieder gehen.

Ivan

Adam!

Adam dreht sich wieder um und geht einige Schritte auf Ivan zu, der ihm entgegenkommt.

Ivan Eins solltest du wissen. Christoffer hat gerade eine Grippe hinter sich. Die war, ja, langwierig und daher gebe ich gern zu, dass er in dieser Woche nicht so richtig auf zack ist. Adam gibt ihm eine Ohrfeige. Er zeigt mit dem Finger auf Ivan.

Adam Also langsam reicht´s! Ivan Wenn dir jemand auf die Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin. Adam, der Herrgott ist auf meiner Seite. Denk dran. Adam gibt ihm einen Kopfstoß. Ivan geht bewusstlos zu Boden. Adam schleift ihn aus der Kirche und packt ihn in den Kofferraum von Ivans Auto. Holger sitzt in seinem Wagen unmittelbar daneben. Er nimmt sein Mobiltelefon und ruft jemanden an.


Seltene Krankheit Vor dem Krankenhaus. Adam raucht eine Zigarette. Dr. Kolberg kommt eine Gartentreppe heruntergelaufen. Er stellt sich auf die Wiese und fängt an zu pinkeln. Adam kommt auf ihn zu.

Adam Was ist mit dem los? Warum ist der so? Der gehört eingesperrt! Dr. Kolberg Naja, sagen wir so: ich bin nicht der Typ, der gerne tratscht, aber, er ist schon lange ein besonderes Phänomen hier im Krankenhaus. Ich weiß nicht, ob dir das klar ist? Adam Wie soll mir das klar sein? Dr. Kolberg Er ist krank. Er ist schwer krank. Adam Ja, das ist allerdings klar. Dr. Kolberg Nein, nein. Nicht was du denkst. Naja, schon ein bisschen. Nein, nein, davon war nicht die Rede. Der Mann ist todkrank. Adam Was hat er denn? Dr. Kolberg Er hat Krebs. Er hat einen Tumor im Kopf. Sagen wir etwa so groß wie ein Tennisball. So einen großen Tumor habe ich noch nie gesehen; so einen, wie ihn Ivan im Kofp hat. Adam Hör mal. Ich mach dich fertig, wenn du mir jetzt auch noch erzählst, er wäre ein wandelndes Wunder. Dr. Kolberg Noch nie was davon gehört, vom »Ravashi-Syndrom«? Kilman Ravashi war ein indischer Fußballer, dem beide Füße abgetrennt wurden bei einem Go-Kart-Unfall 1957. Das Besondere an Ravashi, das war, dass er im Schockzustand nach dem Unglück bis nach Hause gelaufen ist auf den Stümpfen. Sein Gehirn hat da oben einfach die Tatsache abgeblockt, dass er keine Füße mehr hatte. Er hat noch zwei Monate weitertrainiert. Er behielt sogar seinen Platz als Mittelfeldspieler seiner Mannschaft in Bombay.


Adams Äpfel Adam Ohne Füße? Dr. Kolberg Die Mannschaft war scheiße. Die war … 5. Liga war die ganz bestimmt, und da etwa letzter Tabellenplatz. Und Ivan, weißt du, der hat so viel Unglück in seinem Leben durchgemacht. Der brauchte einfach einen Grund, um all das zu ertragen. Deswegen hat er das erfunden, das mit dem Teufel. Oder dem Satan, der ständig hinter ihm her ist mit der Forke. Fragst du Ivan, dann heißt es immer, das sind Versuchungen des Satans. Du bist ihm als Versuchung geschickt worden. Sein Krebs ist eine Versuchung. Sein behindertes Kind ist eine Versuchung. Er zeigt mit dem Zeigefinger an seine Schläfe.

Dr. Kolberg Hier oben, in Ivans Hirn, da kämpft Ivan hartnäckig mit seinem schlimmsten Gegner: dem Satan. Und für Ivan, da kommt es nicht in Frage zu verlieren. Also blockt er ab, wie Ravashi. Er leugnet einfach alles, was schlecht ist. Tod, Verstümmelung, Unglück. Ja, und das Böse, so was alles existiert gar nicht in Ivans Weltbild. Adam Und wenn er es verdrängt, wieso blutet sein Ohr? Dr. Kolberg Diese Frage stellen wir uns auch ständig. Ich persönlich gehe davon aus, so was passiert, wenn ihm jemand zu dicht auf die Pelle rückt. Jemand war im Begriff, ihn zu durchdringen. Ivan hat schon mal aus den Ohren geblutet. Das war, das war vor drei Jahren. Adam Was war da los? Dr. Kolberg Tja, du hast leider seine Schwester Katinka nicht gekannt. War das eine ausgemachte Schlampe. Gefickt hat die Gott und die Welt. Naja, ich hab sie mir auch manchmal vorgenommen. Zum Beispiel, als sie hier war, um sich die Polypen rausnehmen zu


Seltene Krankheit lassen. Dann hatte sie einen Unfall und war tot. Ivan ist fast daran zerbrochen und da hat er aus dem Ohr geblutet und seine Krankheit hat sich verschlechtert. Adam Was war dann? Dr. Kolberg Naja, du kennst doch Ivan. Ein paar Tage später hat er wieder fröhlich vor sich hingepfiffen. Adam Es würde ihn also umbringen, wenn man ihn zwingt, bestimmte Dinge einzusehen? Dr. Kolberg Ja, ja, theoretisch, ja. Adam nickt.


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Pouls Beerdigung


Adams Äpfel Adam und Ivan sitzen im Auto auf dem Weg zurück. Ivan stellt das Radio an. Es kommt erneut »How deep is your love«. Adam sieht Ivan fragend an und macht das Radio wieder aus.

Ivan

Gib auf, Adam. Gott ist auf meiner Seite. Vergiss das nie.

Ivan stellt das Radio wieder an. Der Song läuft weiter. In der Küche. Gunnar sitzt auf dem Boden neben dem Herd und werkelt an einem Kabel herum. Ivan, gefolgt von Adam, betritt den Raum.

Gunnar Hallo. Der Herd ist kaputtgegangen. Ich wollte Christoffer eine Pizza machen und jetzt geht er nicht mehr. Ivan Dann müssen wir uns darum kümmern. Gunnar Ja, aber ich weiß nicht wie. Ivan Ah, das kriegen wir wieder hin. Wo ist Christoffer hingegangen, sagtest du? Gunnar Der ist im Büro, könnte ich mir vorstellen. Dort wartet auch eine Frau. Sie ist ziemlich traurig. Ivan Hä? Gunnar Sie heißt Sarah und sie ist ein super Teil! Aber dann hat sie Christoffer gesehen und schrie wie verrückt. Ich habe ihr Kaffee und alles Mögliche angeboten – war nichts zu machen. Ivan Tja, gut. Ich meine, dann wollen wir mal. Hm? Ivan und Adam verlassen die Küche. Sie betreten Ivans Büro. Sarah steht an einen Tisch gelehnt. Von ihr abgewendet sitzt Christoffer in seinem Rollstuhl.


Pouls Beerdigung Ivan Sieh einer an, wir haben Besuch! War er auch brav? Sarah Sag bitte, dass das nicht dein Sohn ist! Ivan Nein! Wenn ich eins nicht sagen kann, dann das! Wurdet ihr einander eigentlich vorgestellt? Sarah Wie kommst du dazu, das zu sagen? Was fällt dir überhaupt ein? Ivan Ähm, was denn sagen? Sarah Du hast mir gesagt, dass, dass ... es wäre alles in Ordnung mit ihm. Er könnte kleine winzige Rechenaufgaben lösen. Das hast du auch gesagt! Ivan Ach, so winzig sind die nun auch wieder nicht. Lass ihn mal was zusammenrechnen. Darf auch schwierig sein. Sie schlägt Ivan mit der flachen Hand ins Gesicht. Gunnar betritt ebenfalls das Büro.

Ivan Adam, wäre es nicht vielleicht eine gute Idee, wenn du ein paar von den Keksen holen würdest, die Sarah so mag? Er sieht Adam fragend an. Adam zuckt mit den Schultern und blickt zu Gunnar. Sie regen sich nicht. Ivan geht auf eine andere Tür zu.

Ivan

Ja, ich komme mit.

Er geht durch die Tür hinaus.

Gunnar Hat einer von euch Hunger? Sarah nickt.


Adams Äpfel In der Küche. Gunnar und Sarah, die beide Schnaps trinken, versuchen abwechselnd, Münzen in ein Glas zu schnipsen. Sarah verfehlt, Gunnar trifft alle. Ivan trägt einen großen Herd in die Küche.

Ivan

So, Gunnar, ah.

Er stellt den Herd auf den Boden.

Ivan

Dann schließ mal unseren neuen Herd an.

Adam betritt die Küche, nur mit einer Unterhose bekleidet und einem Wasserglas in der Hand.

Ivan Sehen wir, ob der besser hält, als der andere. Adam Was wird denn das? Gunnar Wir spielen mit Münzen. Ivan Das ist Gunnars Stärke. Das musst du dir mal ansehen! Adam Ist ja ne tolle Idee, sich dermaßen zuzuschütten, wenn man schwanger ist. Sarah Jetzt ist es sowieso zu spät! Oder etwa nicht? Gunnar Ich helfe Sarah bei einem Artikel. Ivan Aha. Worum geht’s? Gunnar Um die Tiger im Orient. Die haben das völlig falsch angepackt, sieh mal. Sieh mal, die schreiben hier, dass es nur noch vierhundert davon gibt. Ivan Jaja, schön. Gunnar Damit tragen die erst recht dazu bei, sie auszurotten. Ivan Ja. Sarah Das ist so, als würde in einer Kneipe zur letzten Runde geläutet. Ivan Ja. Was macht man dann eigentlich, Gunnar?


Pouls Beerdigung Gunnar Man bestellt sich ein Bier und einen Klaren. Adam Das stimmt doch gar nicht, man! Sarah Und ob das stimmt! Gunnar hat vollkommen recht. Wir müssen dringend was dagegen tun. Gunnar und Sarah trinken zeitgleich einen Schnaps.

Adam Schnauze! Kipp ruhig noch einen drauf. Sarah Du hältst die Schnauze und mischst dich hier nicht ein! Gunnar Ja, Adam, ich finde auch es reicht. Hör auf, uns zu stören. Wir haben jede Menge zu tun. Es sterben jeden Tag fünf Tiger. Adam verlässt die Küche.

Sarah Sechs! Es sterben jeden Tag sechs Tiger, du Idiot! Ivan Jaja, die können hoch springen, diese Tiger. Ivan klopft ihm auf die Schulter und verlässt die Küche. Der nächste Morgen. Kirchenglocken läuten. Adam erwacht. Es klopft an seiner Tür. Ohne auf eine Antwort zu warten betritt Ivan das Zimmer.

Ivan Adam, ich sag´s dir frank und frei, es ist besser, du kommst mit. Adam Was ist? Ivan Tja, wir haben da ein neues Problem am Hals, mit den Äpfeln. Sagen wir in fünf Minuten, am Baum? Er verlässt das Zimmer und schlägt die Tür zu. Das Bild von Adolf Hitler fällt von der Wand.


Adams Äpfel Draußen am Apfelbaum. Khalid steht auf einer Leiter und pflückt Äpfel.

Khalid Am Morgen ich komme und nix versteh. Ich seh´ Frucht, ich seh´ Wurm. Gunnar Also ganz so war es nun auch wieder nicht. Ich hab die Würmer entdeckt, aber ich brauch nicht so dringend Lob wie er, Ivan. Khalid Verfluch mich nochmal. Die wohnt in Frucht. Ivan betrachtet einen Apfel in seiner Hand genauer.

Ivan Das ist mir eine Spur zu unverschämt. Ja, Adam, immer was Neues. Er wirft den Apfel auf den Boden.

Ivan Tja, irgendwas müssen wir unternehmen. Das kranke Obst muss ab und der Rest wird dann gespritzt. Gunnar! Kommst du kurz mit? Wir zwei organisieren Poul Nordkaps Himmelfahrt. Ivan und Gunnar gehen. Khalid pflückt weiter Äpfel, während sich Adam langsam dem Baum nähert. Er betrachtet einen Apfel genauer. Aus dem Apfel kriechen zwei Würmer. Am Abend. Adam betritt sein Zimmer. Auf dem Boden liegt die Bibel. Er hebt sie auf und legt sie auf die Kommode. Er geht weiter, dreht sich um und geht wieder zurück, um sich das Buch zu nehmen. Er lässt das Buch fallen. Es ist das Buch Hiob aufgeschlagen. Er nimmt es erneut vom Boden, lässt es wieder fallen und es ist wiederrum das Buch Hiob aufgeschlagen. Er wiederholt es erneut und wieder passiert das Gleiche. Adam nimmt da Buch, geht zu seinem Tisch, setzt


Pouls Beerdigung sich und beginnt zu lesen. Der nächste Morgen. Alle stehen am Grab von Poul Nordkap. Ivan trägt eine Trauerrobe.

Ivan Poul Bækel Hermann, bei seinen Freunden und insbesondere bei seinen Feinden bekannt als Poul Nordkap, hatte ein langes und reiches Leben. Poul war ein Mensch, der Gott kennengelernt hat weil er dem Teufel in die Augen geschaut hat. Poul Nordkap hat dem Bösen in die Augen geschaut. Gunnar nimmt einen Keks aus seiner Hemdtasche und isst ihn.

Ivan Und er hat auch gelernt, wie sinnlos es ist, gegen das Gute anzukämpfen. Denn trotz all der Grausamkeiten und all der Schreie und all der Tränen, die er in jungen Jahren verursacht hatte – am Ende musste er einsehen, dass es sich nur um einen erbärmlichen Augenblick gehandelt hatte. Die Wogen schlugen eine Zeit lang hoch, aber das war Kraftverschwendung. Denn der Lauf der Welt ging weiter und das Gute hat wie immer gesiegt. Daher konnte Poul Frieden schließen mit Gott, bevor er zu ihm heimkehrte. Adam und ich saßen an jenem Donnerstag an seiner Seite, als er ruhig und friedlich einschlief. Seine letzten Worte waren: Ich habe keine Angst. Ich bin bereit. Aber hier muss sich nicht alles nur um Poul drehen, denn der heutige Tag ist auch der Tag, an dem Christoffer seinen neunten Sommer beginnt. Christoffer trägt einen Anzug und hat ein Kassettenrecorder auf dem Schoß.

Ivan Und bevor wir zum Seitenflügel runterlaufen und uns die Bäuche vollschlagen, sollten wir Pouls Andenken ehren, indem wir


Adams Äpfel sein Lieblingslied singen, nämlich Kaij Munk, Nummer 634 »Du weißt es wohl, mein Herz«. Ivan startet mit Hilfe des Recorders das Lied und sie singen mit.


Pouls Beerdigung


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Gott oder Teufel?


Adams Äpfel Am Abend. Draußen stürmt es. Adam sitzt in der Kirche und raucht. Ivan schiebt Christoffer in die Kirche. Gunnar folgt ihm.

Ivan Na, da sitzt du? Ich dachte, du hättest dich hingelegt. Adam Ich möchte mit dir sprechen! Ivan Kann das nicht bis morgen warten? Denn heute war ein langer und anstrengender Tag für den kleinen Christoffer. Es gab so viel zu erleben, nicht wahr, Schatz? Adam Ich will aber jetzt mit dir reden. Ivan Ja. Ja, gut, dann. Er streichelt Christoffers Kopf.

Ivan Geh in Papas Büro und warte dort, Schatz. Und nimm dir eine Decke. Gunnar schiebt Christoffer hinaus.

Ivan Tja, was ist los? Was hast du? Geht’s um den Kuchen? Adam Und wenn es nicht der Teufel ist, der dich prüft? Ivan Wie meinst du das? Adam Wenn nicht er die gepiesackt hat, all die Jahre? Ivan Tja, ach, sind wir wieder am fabulieren Adam? Na dann! Wenn es nicht der Teufel ist, wer ist es dann? Der Klabautermann vielleicht? Und die, und all die Vögel plötzlich? Der, der, der Herd und dann die Würmer? Das sollen Zufälle sein? Ist es das, was du überall herumerzählst? Adam, ist es das? Adam Gott. Ivan Wie bitte? Adam Gott. Ivan Ich verstehe nicht. Was willst du sagen? Adam Was ist denn, wenn Gott dich geprüft hat und nicht der


Gott oder Teufel? Teufel? Ivan Wieso um alles in der Welt sollte er das tun? Adam Weil er dich so hasst, Ivan. Ich habe dieses Buch gelesen. Das Buch Hiob. Er hält ihm das Buch hin.

Ivan Ja. Adam Kennst du doch, oder? Er lässt das Buch auf den Boden fallen. Das Buch Hiob ist aufgeschlagen.

Ivan Nein, das habe ich leider nie geschafft. Es handelt von einem kleinen Krokodil. Tja, zumindest hab ich das gehört. Adam Über eine Krokodil steht viel drin, aber auch noch andere Dinge. Weißt du, Gott hat Hiobs Vieh getötet, seine sieben Kamele und zehn Kinder. Hä? Er nimmt ihm alles und dann schenkt er ihm Lepra. Läuten bei dir die Glocken, Ivan? Ivan Ich hatte noch nie in Kamel. Adam Sieh mich an. Sieh mich an, Ivan! Ivan beginnt aus dem Ohr zu bluten.

Adam Du weißt genau, dass Gott diesen ganzen Zirkus hier veranstaltet. Gott ist nicht auf deiner Seite Hab ich recht? Ivan Doch, das ist er. Adam Weißt du was? Ich glaube nicht ein Wort von diesem Scheiß. In deinem kranken Hirn sollte dir klar sein, dass es Gott ist. Der Teufel denkt gar nicht daran, eine Sekunde an dich zu verschwenden. Gott will dir nicht helfen, Ivan. Er will dich töten. Aber du bist einfach ein bisschen begriffsstutzig.


Adams Äpfel Ivan Warum tust du mir das bloß an? Adam Weil ich schlecht bin. Und du kannst nichts dagegen machen. Ivan verdreht die Augen und fällt bewusstlos zu Boden. Adam wirft seine Zigarette zu Boden und verlässt die Kirche. Er schaltet das Licht aus. Ivan liegt noch immer am Boden. Es stürmt. In der Küche spült gerade ab. Adam betritt die Küche.

Khalid Da ist Feuer oben an Himmel. Ivan gefahren? Adam Ja, ich glaube schon. Khalid Hat Spasti-Kind vergessen. Ein Blitz schlägt im Haus ein. In der Küche fällt das Licht aus. Ein Stromschlag geht in den Herd, worauf dieser Funken sprüht.

Khalid Verfluch mich nochmal, der war ganz frisch! Jedes Abend wir gehen im Bett mit leerer Bauch. Adam verlässt die Küche und betritt die Kirche. Er hat eine Taschenlampe in der Hand und sucht nach Ivan. Er liegt noch immer regungslos am Boden. Adam stößt ihn mit den Füßen an. Ivan bleibt bewusstlos. Die Eingangstüren der Kirche fliegen auf. Sie schlagen abwechselnd gegen den Türrahmen. Der Wind peitscht mit einer enormen Wucht in die Kirche. Die Bibelseiten werden hin und her gewirbelt. Adam geht durch die Tür nach draußen in den strömenden Regen und blickt zum Himmel. Ein riesiges schwarzes Loch ist zu sehen. Blitze schlagen in den Boden ein, bündeln sich im Apfelbaum – er explodiert. Adam geht zurück in die Kirche. Er hebt Ivan vom Boden auf


Gott oder Teufel? und bringt ihn zu Dr. Kolberg.


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Ivans Ver채nderung


Adams Äpfel In der Praxis von Dr. Kolberg. Adam raucht eine Zigarette. Dr. Kolberg kommt gerade aus dem Behandlungszimmer. Er streift sich die Latexhandschuhe ab.

Dr. Kolberg Er ist fertig. Den kann man aufmachen und als Scheißhaus verwenden. Willst du einen Kaffee? Adam Äh, nein. Wird er... Dr. Kolberg Sterben? Adam Ja. Dr. Kolberg Darauf kannst du einen lassen. Warum fängt der arme Kerl plötzlich an, aus sämtlichen Öffnungen im Schädel zu bluten? Was meinst du? Ich gebe ihm vier, höchstens, höchstens fünf Wochen. Naja, aus medizinischer Sicht ist das, sagen wir mal, untergeordnet. Das Wichtigste ist, dass er zur Vernunft gekommen ist. Du musst es irgendwie geschafft haben, sein Weltbild zu erschüttern. Und aus diesem Grund wollte ich auch gern mit dir einen Kaffee trinken. Adam Geht mir am Arsch vorbei. Dr. Kolberg Hm. Nichts für ungut. Im Behandlungszimmer. Ivan sitzt auf einer Liege. Er reißt sich den Verband von seinem linken, dann den vom rechten Ohr. Dr. Kolberg und Adam betreten das Zimmer.

Dr. Kolberg Alles klar? Ivan schweigt und blickt stur geradeaus.

Dr. Kolberg Wir brauchen das Zimmer. Jetzt heißt es aufstehen! Los, los! Adam nimmt dich mit. Adam Ja, kommst du?


Ivans Veränderung Ivan steht auf und geht an den Beiden vorbei nach draußen.

Dr. Kolberg Und du, du rufst mich an, wenn es schlimmer wird. Dann kriegt er ein Zimmer und einen Schuss Morphium zum Einschlafen. Im Auto auf dem Rückweg. Dieses Mal fährt Adam. Adam stellt das Kassettenradio an. Es erklingt «How deep is your love». Ivan zeigt keine Reaktion – es herrscht noch immer betretenes Schweigen. Adam stellt die Musik wieder aus. Beide stehen vor dem zerstörten Apfelbaum. Der Baum qualmt noch immer. Sie gehen weiter zu Ivans Büro. Christoffer sitzt dort in seinem Rollstuhl. Ivan geht auf ihn zu.

Ivan

Gott hasst uns, Christoffer. Er hat uns immer gehasst.

Er deckt Christoffer mit einer Decke zu.

Adam Ja, es sieht nicht rosig aus. Ivan Rufst du die Anderen zusammen? Sie verlassen beide den Raum. Alle haben sich in der Kirche eingefunden. Ivan betritt als letzter die Runde. Gunnar knabbert Chips.

Ivan Ja, es ist so, dass, ähm, Adam weiß es schon, aber... Ja, ich werde sterben. Gunnar hört auf zu essen. Sarah und er gucken Ivan fassungslos an.

Khalid Wie sterben? Ivan Ich bin krank, Khalid. Ich muss zu den Würmern.


Adams Äpfel Gunnar Du bleibst nicht bei uns? Ivan Nein, Gunnar, das wäre ein bisschen problematisch. Gunnar Ähm, pfff, was wird dann aus uns? Ivan Das, naja. Also, ich hoffe, dass... ich weiß nicht. Ich weiß nicht, was aus euch wird. Ich blick nicht mehr so richtig durch, Gunnar. Ähm, wenn ihr von dem, was ich euch gesagt habe, etwas brauchen könnt, ist es gut. Wenn nicht, dann auch gut. Mir egal. Schön, das war´s. Ivan verlässt die Kirche. Gunnar steht auf, schmeißt seine Knabbereien auf einen Stuhl und will dir Kirche ebenfalls verlassen.

Adam Wo willst du denn hin? Gunnar Ich habe Lust auf einen Drink, okay? Ich werde mich ausnahmsweise mal volllaufen lassen. Ich finde, das habe ich verdient. Adam Gunnar! Gunnar Leck mich! Sarah Toll! Du Idiot! Sarah geht Gunnar hinterher.

Adam Gunnar! Das ist doch bescheuert. Khalid steht ebenfalls auf und geht. Adam bleibt allein zurück.


Ivans Ver채nderung


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Glatzkรถpfiger Besuch


Adams Äpfel Ein Auto fährt vor. Drei Skinheads steigen aus – Esben, Holger und Jørgen. Holger entfernt etwas von Esbens Schulter. Dieser sieht ihn daraufhin prüfend an.

Holger Da war ein Haar. Adam und Khalid sind bei den Resten des Apfelbaums und suchen auf dem Boden nach unzerstörten Äpfeln.

Khalid Hier ist noch eins. Sind drei, Adam. Für kleines Kuchen. Und verfluch mich nochmal gutes Kuchen! Ivan verdient gutes Kuchen. Die Skinheads kommen auf die beiden zu.

Esben Was wird denn das? Adam Ich pflücke Äpfel. Esben Mit einem Bananenfresser? Holger Was war los? Adam War ein Blitz. Esben Ha. Sag mal, bist du noch ganz sauber? Willst du uns verarschen, oder was? Adam Wieso denn? Esben Du schwafelst dir einen ab. Kriechst unter Bäumen rum mit einem Nigger. Bist du total irre? Adam Also, äh, Esben, fahrt ihr mal wieder nach Hause. Esben Was sagst du? Khalid Er sagt, du sollst dir von Acker machen! Und nimm gleich fettes Mann mit dich! Esben Ha! Jørgen, bring unserem kleinen schwarzen Freund mal


Glatzköpfiger Besuch bei, wie man sich in diesem Land mit Menschen unterhält. Adam Es reicht. Khalid zieht seine Pistole und schießt Jørgen ins Bein. Dieser geht zu Boden.

Adam Was sollte der Scheiß? Khalid Ich hatten Stress. Hast selbst geguckt. Kam mit Knie. Kam mit Psychopatenknie! Jørgen Er hat auf mich geschossen! Khalid Gibt Beweis-Zeugen. Viele Beweis-Zeugen. Mach das nicht erstes Mal! Jørgen Er hat auf mich geschossen, Esben! Khalid Hast Entschuldigung, fettes Schwein. Halt deine Backen. Sollen quatschen bis Tot kommt? Adam Esben und Holger, bringt ihn hier weg. Esben Das bereust du noch. Und du, du kleines, schwarzes Schwein, du bist erledigt. Ein toter Mann. Esben macht die Geste eines Kopfschusses. Khalid zieht erneut seine Pistole und schießt ihm aus kurzer Entfernung in die Brust.

Khalid Hallo? Du blöd oder was? Ich haben Pistole! Adam Ja sag mal, spinnst du? Du kannst doch hier nicht so einfach Leute abknallen! Die drei Skinheads gehen schnell zurück zum Auto.

Khalid Du hast doch selbst geguckt. Bist Beweis-Zeuge! Er kommt mit der Schulter! Das Psychopatenschulter, verfluch mich nochmal!


Adams Äpfel Er schießt dem davongehenden Esben in den Rücken.

Khalid Dein Rücken! Adam Hör auf damit! Khalid gibt Adam die Pistole.

Khalid Ich sein nicht in Gleichgewicht. Kann nix ertragen, dass Ivan traurig. Ist eines von diese Scheißtage. Ich will hier weg aus diese Schwuchtelland. In der Kirche. Ivan starrt teilnahmslos vor sich hin. Adam betritt die Kirche und kommt auf ihn zu. Er hält ihm den Eimer mit den gefundenen Äpfeln vors Gesicht – keine Reaktion.

Adam Khalid... mit dem musst du mal reden, Ivan. Da sehe ich Probleme kommen. Gunnar fängt auch an, sich komisch zu benehmen. Ja, was, was soll man dazu sagen? Sie brauchen dich. Ivan Lass mich bitte in Ruhe, Adam. Adam Ja. Trotzdem, weißt du, rede mit ihnen. Die hören auf dich, ist so. Die Äpfel lege ich in den Kühlschrank. Ivan Mach, was du willst. Adam verlässt die Kirche. Am Abend. Gunnar torkelt, mit Tennissachen und einem Schläger in der Hand, durch den Flur. Adam spricht ihn an.

Adam Gunnar, was wird das? Gunnar Gar nichts. Adam Wo ist Sarah? Gunnar Die ist weg. Adam Was hast du damit vor?


Glatzköpfiger Besuch Gunnar Ist nur ´ne kleine Aubergine. Adam Und der Schläger? Gunnar Er war gut. Alle haben gesagt, der war gut. Gut. Der war, war, der war. Gunnar steht vor seiner Tür, öffnet diese jedoch nicht.

Adam Warum gehst du nicht rein? Gunnar Nicht, solange du da stehst. Geh weg! Adam Darf ich mal in dein Zimmer? Gunnar Nein. Adam stößt Gunnar zur Seite und macht die Tür auf. Sarah liegt gefesselt auf dem Bett.

Gunnar Die war voll. Adam Was hast du nur gemacht? Gunnar Bis jetzt noch nichts. Sie war voll. Ich glaub, sie wollte es auch. Adam Leg das Zeug hin! Gunnar Was musste die sich auch so volllaufen lassen! Gunnar klaut einen Apfel aus dem Eimer, den Adam zuvor auf den Boden gestellt hatte. Draußen ertönt ein Schuss. Und noch ein Schuss. Adam ist dabei, aus dem Zimmer zu eilen. Gunnar geht auf das Bett zu.

Gunnar Dann leg ich mich jetzt auch mal langsam hin. Er geht Richtung Bett. Adam kommt zurück, packt ihn am Arm und zieht ihn vom Bett weg.


Adams Äpfel Adam Du kommst mit! Er schiebt Gunnar vor sich aus dem Zimmer.

Adam Los! Los, auf geht´s! Vor der Kirche. Khalid steht neben einem Auto. Er hält ein Gewehr in der Hand, schießt einen Schuss in die Luft und legt die Waffe in den Kofferraum des Wagens. Gunnar und Adam kommen auf ihn zu. Khalid lädt gerade eine Pistole durch.

Gunnar Das sind aber viele Gewehre. Adam Khalid! Hä, was wird das? Khalid Ich fahren auf Tanke. Das Statoil soll jetzt sterben. Adam Bleib lieber hier! Khalid Nein. Adam Khalid, du wirst doch wohl keinen erschießen? Khalid Misch dich nix ein, Adam! Er richtet die Pistole auf Adam.

Khalid Ich will nix auf dich schießen. Das ist nix richtig. Gunnar vielleicht ist okay. Aber nix du. Misch dir nix ein, oder ich putzen Backen weg. Adam Sollen wir mitkommen? Khalid nimmt die Waffe herunter.

Khalid Willst du mit mich rauben? Adam Ja. Khalid Ist verfluch mich nochmal gemütlich. Aber nix rauchen in Auto. Adam Nein. Natürlich nicht.


Glatzköpfiger Besuch Gunnar Äh, ei ei ei, also ich... Adam Los, los. Rein mit dir! Adam treibt Gunnar durch die Hintertür des Wagens. Er steigt auf der Beifahrerseite ein. Der Wagen fährt los. Sie fahren auf das Tankstellengelände. Adam hat eine Pistole in der Hand.

Adam Ich geh´ dann mal zuerst rein. Khalid Warum? Adam Ich muss schnell aufs Klo. Khalid Ist gut. Zwei Minute. Aber du nix einen erschießen, bevor ich kommen. Adam Ja. Adam steigt aus. Khalid zieht sich eine Sturmmaske über das Gesicht.

Khalid Mütze auf, Gunnar! Adam betritt maskiert und mit der Pistole in der Hand die Tankstelle. Zwei Angestellte befinden sich in der Tankstelle.

Adam Hey! Hey, habt ihr einen Hinterausgang? Dann lauft, lauft! Los! Die beiden reagieren nicht.

Adam Macht schon, lauft! Lauft! Die beiden setzen sich in Bewegung. Kurz darauf betreten Khalid und Gunnar die Tankstelle. Khalid ist mit einer Pumpgun bewaffnet.


Adams Äpfel Khalid Wo ist das Angestellte, Adam? Adam Die haben sich verdrückt. Khalid Verfluch mich nochmal! Haben verdrückt. Khalid beginnt, die Kasse zu leeren. Gunnar packt Schnaps und Knabbereien in eine Tüte.

Adam Seid ihr soweit? Gunnar Adam, willst du keine Fluppen mitnehmen? Adam Nein! Kommt jetzt, verdammt! In einem Nebenraum ertönt eine Toilettenspülung. Die Tür öffnet sich einen Spalt. Adam schießt auf die Tür. Diese geht sofort wieder zu. Khalid nimmt die Pumpgun, geht auf die Tür zu und schießt durch die Tür.

Adam Hör auf! Beeilt euch, schnell! Gunnar! Khalid und Gunnar sind fast draußen, da erblickt Adam eine Mikrowelle hinter der Kasse. Er nimmt sie mit und geht auf die Toilettentür zu. Er öffnet die Tür. Auf dem Klo kauert ein junger Mann.

Adam Bist du verletzt? Der Mann schüttelt den Kopf. Adam verlässt die Tankstelle. Am Auto. Gunnar trinkt Schnaps aus der Flasche und Khalid zählt das erbeutete Geld. Adam kommt zu den beiden mit der Mikrowelle.

Gunnar Lief ganz gut, was? Adam zieht die Mütze hoch.

Adam Ihr müsst dringend mit Ivan reden. Ihr braucht Hilfe, alle


Glatzköpfiger Besuch beide! Und Ivan auch. Gunnar Ja. Adam Kommt! Und zieht die Mützen aus. Gunnar Ja.


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Schuss


Adams Äpfel Sarah sitzt mit Christoffer vor der Kirche. Sie schneidet einen Apfel und isst ihn. Adam, Gunnar und Khalid kommen gerade von ihrem Beutezug zurück.

Sarah Hallo! Wo bist du gestern abgeblieben? Gunnar Wir waren kurz auf der Tanke. Sarah War ich sehr betrunken? Gunnar Nein, nein. Du warst wie ein Kätzchen. Süß. Adam Was machst du? Sarah Wie? Adam Wo sind die anderen Äpfel? Sarah Die haben wir gegessen? Die standen auf dem Tisch rum. Adam Jetzt hör mal. Du hast doch wohl keine sieben Äpfel gefressen? Sarah Der Junge hatte Hunger und im Kühlschrank gab´s nur Bier! Adam Scheiße, echt! Er stellt die Mikrowelle auf den Boden und setzt sich drauf.

Sarah Stehen dir ganz toll, die Klamotten. Ist zwischen uns was gelaufen? Zwei schwarze Autos fahren auf die Kirche zu.

Khalid Hey! Das Schwuchteln kommen zurück! Adam! Guck, guck! Hat sich vermehrt! Adam Geh in die Kirche, Khalid. Khalid Geht noch? Nix laufen weg wegen Schwuchtelbande! Adam Spinnst du? Siehst du nicht, wie viele das sind? Geh jetzt in die Kirche! Khalid Verfluch mich nochmal!


Schuss Er geht in die Kirche. Adam geht auf die Skinheads zu.

Adam Hallo. Jørgen schlägt ihm ins Gesicht. Adam geht zu Boden. Esben tritt ihn mehrfach.

Esben Du kannst uns mal! Wir wollen nur den Kanaken! Ivan kommt aus der Kirche.

Ivan

Wohohohoho. Lasst den Krach, Leute!

Ivan geht auf Adam und die Skinheads zu.

Ivan Hört mal zu. Muss das wirklich sein, dass ich mich genötigt fühle, euch um ein bisschen Ruhe zu bitten? Ich habe noch sechs, vielleicht auch sieben Tage zu leben und von daher ist es mein gutes Recht, ein wenig Schlaf zu finden. Ich ertrag unverschämte Typen wie euch einfach nicht mehr. Verschwindet. Geht! Eseben Du mischst dich nicht ein! Wir wollen dem Bananenfresser zeigen, wo der Hammer hängt! Ivan Weißt du was? Du kannst machen, was du willst – aber bitte nicht hier. Zisch mit ihm ab, in irgendeinen Wald und regle dein Zeug. Aber hier herrscht jetzt Ruhe. Esben zieht eine Pistole und richtet sie auf Ivan.

Esben Hol ihn, sofort! Ivan Hohohoho. Ja sag mal. Du wirst ja immer unverschämter. Ich hoffe, das ist dir klar? Dann müssen wir andere Töne anschlagen. Kommt, kommt! Alles, was Krach macht, wird abgegeben. Kommt! Er nimmt den Skinheads nacheinander die Waffen ab.


Adams Äpfel Ivan

Und was ist damit? Jaja. Danke sehr. Das auch!

Zuletzt geht er auf Esben zu und will ihm seine Pistole aus der Hand nehmen. Dieser weigert sich.

Ivan

Komm, gib her! Mach schon!

Zwischen den beiden entsteht eine Rangelei. Esben lässt die Waffe nicht los. Es löst sich ein Schuss – Ivan wird aus kürzester Entfernung ins Auge geschossen. Holger, der hinter Ivan stand, ist über und über mit Blut beschmiert.

Esben Sag mal, was war das denn? Dieser Idiot! Das war, war nicht meine Schuld! Arne Komm Esben, lass uns abhauen! Die Skinheads gehen. Sarah und Gunnar kommen zu Adam.

Sarah Oh Gott! In der Praxis von Dr. Kolberg.

Dr. Kolberg So was, so was nennt man in Fachkreisen einen halben Kennedy. Er lacht.

Dr. Kolberg Davon erholt er sich nicht mehr so schnell. Das steht fest. Ja, und jetzt sag schön auf wiedersehen. Ich koch derweil für uns ne Kanne Kaffee. Vor der Kirche. Khalid packt gerade seine Sachen in den Leichenwagen. Sarah, Gunnar und Adam stehen daneben.


Schuss Gunnar Du gehst einen Schritt zu weit, wenn du das Auto der Kirche nimmst, Khalid. Das ist für die Toten. Khalid Halt Schnauze, Gunnar! Also gut und jetzt nix als weg. Gunnar Und wieso bleibst du nicht hier? Vielleicht kommt Ivan ja zurück. Khalid Ivan erledigt und jedesmann weiß das. Ich nach Hause. Das Beste für mich. Ist richtig, Adam? Adam Na, was weiß ich? Ist deine Entscheidung. Khalid Ich muss das. Für Ivan tut mich viel leid. Ja, und für das Apfelkuchen tut mich auch viel leid. Halt Ohren steif, Adam und die Sarah. Fick dir, Gunnar! Gunnar Ja, ist gut. In Adams Zimmer. Er packt gerade seine Tasche. Gunnar klopft und betritt das Zimmer.

Gunnar Adam? Adam Geh auf dein Zimmer! Gunnar Du darfst jetzt nicht sauer werden, aber... Er legt den geklauten Apfel auf Adams Kommode.

Adam Wo ist der her? Gunnar Und schlag mich nicht! War ein Versehen. Tut mir sehr leid! Mach ich auch nicht mehr – ist versprochen. Adam betrachtet den Apfel.


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Apfelkuchen


Adams Äpfel In der Küche. Lauter Backzutaten, benutzte Schüsseln, Formen und dergleichen stehen auf dem Tisch. In der Mikrowelle ist ein kleiner Apfelkuchen. Er holt den Kuchen aus der Mikrowelle und will damit Ivan im Krankenhaus besuchen. Als er Ivans Zimmer betritt ist dessen Bett leer. Adam geht zu Dr. Kolberg. Er klopft an die Tür.

Dr. Kolberg Ja! Adam Sein Bett ist leer. Dr. Kolberg Ja. Adam Wo ist er? Dr. Kolberg Das Ganze ist nicht mehr nachvollziehbar. Ich bin ein Mann der Wissenschaft. Ich glaube an Zahlen und an Diagramme. Ich muss hier weg. Dahin, wo die Leute sterben, wenn sie krank sind; und nicht in irgendwelchen Gärten rumsitzen und Cowboyburger fressen wenn ´ne Kugel in den Kopf gekriegt haben. Adam Er sitzt unten im Garten? Dr. Kolberg Ja. Vor einer halben Stunde, da ist der Kerl einfach aufgestanden und runtergegangen. Die Kugel hat den Tumor einfach weggeballert. Und ich muss jetzt damit klarkommen, dass er wieder gesund ist. Ich sag dir, ich hab den Kanal so was von voll! Adam verlässt das Büro. Ivan sitzt im Garten auf einem Stuhl und blickt ins Grüne.

Ivan Adam Ivan Adam

Tag, Adam! Ich habe einen Apfelkuchen gebacken. Ja. Wollen wir ihn mal probieren?

Ivan nickt. Adam holt ein kleines Taschenmesser aus seiner Hosen-


Apfelkuchen tasche und schneidet den Kuchen in zwei Teile. Einen Teil reicht er Ivan. Beide essen ihr Stück vom Kuchen und nicken. Vor der Kirche. Ein neuer Apfelbaum wächst heran. In der Kirche findet eine Taufe statt.

Ivan Und wie heißt das Kind? Sarah Ivan Lambert Andersen. Ivan Ivan Lambert Andersen. Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Ivan und Adam stehen mit Sarah und Gunnar vor der Kirche. Adam hat wieder Haare auf dem Kopf und trägt normale Kleidung.

Sarah Tausend Dank, Pastor Fjeldsted. Tausend Dank! Ivan Ist doch gern geschehen! Sarah Adam. Sie reichen sich zum Abschied alle die Hände.

Ivan Vergesst nicht, uns zu besuchen. Sarah Ob wir dafür Zeit haben. Gunnar Wir reisen nämlich nach Indonesien am Montag. Ivan Oh, hoho. Klingt ja spannend. Vielleicht wegen der Tiger? Gunnar Nein, ich dachte mir, ich fange wieder mit dem Tennisspielen an. Die haben prima Plätze da, sind gut ausgestattet. Aber in erster Linie natürlich wegen dem kleinen Mann. Naja, da fällt es weniger auf, dass er ein Mongölchen ist. Dort sieht er aus wie alle. Ivan Ja. Ist jedenfalls ein faszinierendes Tier, so ein Tiger. Aber ihr seid jederzeit willkommen! Das wisst ihr doch, oder? Ivan sieht auf seine Uhr.


Adams Äpfel Ivan Oh, Adam, ich glaube, wir müssen los. Adam Willst du dich nicht umziehen? Ivan Das mache ich im Auto. Gunnar winkt den beiden zum Abschied hinterher.

Sarah Komm jetzt, Gunnar! Ein Bus hält und zwei Männer steigen aus. Ivan und Adam haben auf sie gewartet. Adam und Ivan tragen beide einen schwarzen Pullunder über einem dunkelgrauen Hemd

Ivan

Arne und Noller.

Ivan kommt auf die beiden zu und will ihnen die Hand geben.

Ivan

Tag. Ivan Fjeldsted. Aber Ivan reicht.

Sie geben ihm nicht die Hand.

Ivan Gut. Und das ist meine rechte Hand, Adam Ole Pedersen. Und wir haben uns echt darüber gefreut, dass ihr beide kommt. Tja, sollen wir uns auf den Weg machen, oder? Ich schnapp mir deine Tasche. Arne Was ist denn da mit deinem Auge passiert, Mann? Ivan Was meinst denn du damit? Noller Wie ein Spasti. Ivan Ach was, findest du? Weißt du, was ich finde? So das Eis brechen zu wollen ist ein bisschen unverschämt, aber auf unserem Heimweg können wir gern mal die Leute fragen, was sie von meinem Aussehen halten. Wir kommen ja durch die Stadt. Ich finde, das ist nicht der richtige Ort für eine solche Diskussion, wenn du keine Niederlage einstecken willst, mein Freund. Meinst


Apfelkuchen du nicht auch. Noller gibt im eine Ohrfeige.

Adam Dem Auge fehlt nichts. Aber wir können gerne im Auto darüber plaudern. Adam nimmt die beiden Taschen und trägt sie Richtung Auto.

Ivan Gute Idee, Adam. Gute Idee mit der Plauderei. Tja, kommt. Kommt! Die beiden folgen ihnen. Im Auto. Arne zündet sich eine Zigarette an. Ivan schaut zu Adam rüber – dieser erwidert seinen Blick. Ivan stellt die Kassette an und summt die ersten Takte von »How deep is your love« mit. Dann beginnt Ivan zu singen. Im Refrain stimmt Adam mit ein.


Adams Äpfel


Impressum

Impressum Dieses Buch ist nach dem ersten Semester des Studiengangs Kommunikationsdesign an der Hochschule f체r Technik und Wirtschaft Berlin in den Semesterferien entstanden. Idee, Gestaltung und Transkription Christian Pannicke Schriften Linux Libertine O, Berthold Walbaum Book, Tannenberg Druck und Bindung Christian Pannicke, 2013 Gedruckt auf s채urefreiem Papier, umweltschonend hergestellt.


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