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Die Ausstellung „Wir sind Sterne“ in der Galerie des Planetariums

Wir sind Sterne – die Ausstellung

W

ir sind Sterne - alle, ausnahmslos! Zumindest bestehen wir aus den gleichen Elementen. Das war das Thema, über das Planetarium-Chef und Astrophysiker Thomas W. Kraupe mit seinem langjährigen Freund, dem Hamburger Fotografen Wolfgang Köhler, bei einem entspannten, gemeinsamen Abendessen philosophierte … Je länger der Abend, desto mehr Kontur bekam die Idee: Wir geben den Elementen ein Gesicht, fotografieren Menschen, die in Verbindung mit einem bestimmten chemischen Element stehen und machen daraus eine Ausstellung im Planetarium. Reduziert auf das Maximum sollten die Bilder sein: Mensch und Element, pur, schwarzweiß, nullkomma-null Photoshop. Das setzt einen gekonnten, sicheren und kreativen Umgang mit dem für die Fotografie wichtigsten Element voraus: mit Licht. Dem viel beschäftigten Wolfgang Köhler war schnell klar, dass er die Umsetzung eines derart aufwändigen Ausstellungsprojektes nicht alleine schaffen kann und so holte er seinen Kollegen und Licht-Künstler Konstantin Odin mit ins Boot. Die ersten Wunsch-Kandidaten für die Ausstellungsportraits standen schnell fest: Der Star-Dirigent Kent Nagano sollte für das Element Silicium stehen, denn das ist in seinem aus Fiberglas bestehendem Taktstock enthalten. Zum Hamburger Unternehmer und Gründer der Deutschen Meeresstiftung Frank Otto passt das Element Wasserstoff, Musical-Star Carolin Fortenbacher liebt Silber-Schmuck, Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz sollte mit dem ältesten Stück Holz (Kohlenstoff) der Hansestadt, das

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jüngst bei Ausgrabungen ans Tageslicht befördert wurde, posieren. Die durchtrainierte Hamburger Fahrradkurierin Silja Ketelsen kreuzte mit ihrem Alu-Fahrrad am Foto-Set auf, Sänger Peter Maffay zeigte Muskeln beim Spiel mit einer Eisenkette … und war sehr überrascht über den Mann hinter der Kamera. Dazu später mehr … So nach und nach nahm das Projekt Fahrt auf, Termine wurden koordiniert und waren manchmal äußerst knapp bemessen. Zum Beispiel bei Olaf Scholz („15 Minuten – mehr geht nicht!“) im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses. Zwischen Rathaus-besichtigenden Schulklassen bauten Konstantin und Wolfgang ihr Set auf: Lampen, Leuchten, Kabel, Blitzanlage, Stative, Kameras, Laptop. Dann das erste Testfoto. Oh, Schreck: Das Blitzlicht reflektiert auf den Chromteilen der Saalbestuhlung – das ist zwar auch ein chemisches Element, passt aber gerade nicht ins Konzept! Eilig trug Konstantin Odin eigenhändig ganze Stuhlreihen weg und deckte weitere mögliche Glanzlichter mit Mänteln, Tüchern und Ähnlichem ab – großer Aufwand, um ja nicht hinterher die Lichtreflexe per Photoshop entfernen zu müssen. Da ist Konstatin sehr genau, ja beinahe pedantisch. Als der Bürgermeister schließlich am Set erschien, passte alles, die Bilder waren in weniger als den geplanten 15 Minuten im Kasten. Ähnlich zügig ging es beim Fotoshooting mit Kent Nagano, Generalmusikdirektor der Hamburgischen Staatsoper, zu. Zwischen den Proben gewährte er den beiden Fotografen im ersten Stock der Staatsoper 20 Minuten für das Shooting. Dank minutiöser Vorbereitung (erster Probe-Aufbau schon

am Vorabend, erneuter Aufbau Stunden vor dem eigentlichen Shooting etc.) waren auch diese Motive ruck-zuck fotografiert und so blieb noch Zeit für eine genauere Betrachtung des fibergläsernen „Werkzeuges“ des Maestros: Kleiner Kratzer „zieren“ nämlich dessen hölzernen Griff. „Das war meine Hauskatze“, erklärte Kent Nagano milde lächelnd. Wolfgang Köhler und Konstantin Odin - zwei Fotografen, wie sie verschiedener eigentlich nicht sein

können. Konstantin, der seine Bilder plant, inszeniert, längst fertig im Kopf hat, bevor er das Licht-Set überhaupt aufbaut. Er weiß ganz genau, wie sein Bild auszusehen hat und wehe, etwas funktioniert nicht so, wie geplant. Dann wird so lange getüftelt, verändert und gebastelt, bis das Ergebnis seinen Vorstellungen entspricht. Ganz anders Wolfgang, der aus der journalistischen Ecke kommt, lange Jahre für Tageszeitungsredaktionen gearbeitet hat. Er „kann mit Men-

schen“, bringt sie zum Lachen, lockert sie auf, fotografiert das, was ihm diese Menschen geben, anbieten, erkennt ihr Potential für ein interessantes Motiv. Er dokumentiert eher als dass er inszeniert, nutzt Situationen blitzschnell für ein gutes Bild, lenkt dabei kaum merklich, aber entscheidend. Aber diese beiden Männer haben eine große Gemeinsamkeit, die über allem anderen steht: Ihre Leidenschaft für Fotografie und herausragende Fotos. Und das sieht man den Bildern dieser Ausstellung an. Zu guter Letzt will noch die Überraschung von Peter Maffay über den Fotografen Wolfgang Köhler noch erklärt werden: Erstmals begegneten sich die beiden nämlich, als Wolfgang etwa 12 Jahre jung war. Mitte der 70er Jahre im Wohnzimmer der elterlichen Wohnung in Hamburg-Bergedorf. „Meine Mutter hat ihm Brote geschmiert.“ Der Kontakt zwischen Maffay und ihm blieb über Jahrzehnte bestehen, aber rein privat. Erst für die Ausstellung „Wir sind Sterne“ stellte sich Star Peter Maffay erstmals vor Wolfgang Köhlers Kamera… und vermutlich nicht zum letzten Mal, denn auch er ist begeistert von den Ergebnissen. Leider konnte er zur Vernissage nicht kommen, weil er Termine in Hannover hatte. Dabei waren Carolin Fortenbacher, Frank Otto, Wüsten-Durchquerer Achill Moser, Silja Ketelsen und Charlotte, die zehnjährige Nichte von Wolfgang Köhler. Sie schwebt an einem Helium-Ballon hängend durch das Ausstellungs-Foto. Beate Zoellner

Geschäftsführer Michael Jenke, Direktor Thomas W. Kraupe, Fotografen Wolfgang Köhler und Konstantin Odin (v.l.n.r) bei der Eröffnung

Lotte, 10 Jahre alt, Träumerin

Medienunternehmer Frank Otto und sein Element: Wasserstoff

Achill Moser, Fotojournalist und Autor

Programm Planetarium Hamburg (Juni/Juli 2017)  

"Das Sternentheater" Ausgabe 3 (Juni/Juli 2017)