Abziehende moeglichkeiten

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Ab ziehende MÜg lich keiten‌ Texte: Wolfgang Sternkopf Gastautorin: Barbara Finke-Heinrich Gestaltung/Fotografie: Hanno Trebstein


Wenn ein Künstler nicht nur sich selbst und sein Werk sieht, sondern Verbindungen eingeht mit anderen Künstlern und kreativen Disziplinen, geschieht Berührung. Bei Wolfgang Sternkopf berühren sich gleich mehrere künstlerische Sprachen in einer Person. Es ist nicht nur die kreative Begegnung miteinander, sondern Berührung derer, die sich mit dieser Kunst auseinandersetzen, sich an ihr freuen oder auch daran reiben, denn zuweilen sind die Texte in diesem Buch auch schonungslos realistisch. In diesem Zusammenspiel sehe ich ein sehr sinnerfülltes Tun. Die eigene schöpferische Kraft auf andere auszurichten ist überaus menschlich und verbindend. Elke Frommhold


„Hoffen ist schlechter

Ersatz für Handeln.“ (aus Ungarn)


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„Kreative Menschen sind glücklich auf dem Weg zum Ziel, nicht wenn sie angekommen sind.“ H. Quabeck-Seeger

Impressum 1. Auflage 2015 Alle Rechte vorbehalten Printed in Germany Gestaltung & Fotografie Hanno Trebstein Gastautorin:

Barbara Finke - Heinrich

Konzept & Texte

Wolfgang Sternkopf w.sternkopf@gelsennet.de

Verlag

Druck H. Buschhausen GmbH

barbara.finke@t-online.de

ISBN Bibliografische Information der Deutschen Bibliothek: Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.de abrufbar. www.wolfgang-sternkopf.com


Abziehende MÜglichkeiten‌ Texte: Wolfgang Sternkopf Gastautorin: Barbara Finke-Heinrich Fotograf: Hanno Trebstein


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Inventur ... Ruhestand …

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Sechster Sinn …

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Abziehende Möglichkeiten … 15 Eingrenzung… 16 Kreislauf … 18 Erfahrungen … 20 Wenn ich dich frage … 21 Wenn ich dich frage II ... 23 Entgegenkommen … 24 Umkehrung ... 25 Ungewiss ... 25 Wunsch ... 25 Zum Wohl … 26 Erkenntnis … 27 Möglichkeit … 28 Sechster Sinn … 29 Ganz Privat … 30 Bitte nicht … 32 „Literarisches Lesezeichen…“

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Gastautorin: Barbara Finke-Heinrich 33 Pflege – leicht 34

Um sieben 34 Eingeschätzt 35 Der Mensch 36 sprachlos Abschied Ganz einfach Vor der Zeit Wildwuchs Wallis, lichter Tag Noch immer Flüchtlingslager Nacht Wegmarke

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Zeitlich...

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Zeitlich... Eindruck … Abhängigkeit pur … Wahrnehmung … Zeitmesser … Zeitfolge …

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Auswirkungen...

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Auswirkung … Inventur ... Feststellung ... Nicht einfach so … Reaktion … Falsche Annahme … Naturereignis … Gemeinsamkeiten … Diagnose … Sehen gibt uns viele Möglichkeiten … Fragestellung …

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Inventur ... „Abziehende Möglichkeiten …“ klingt im ersten Moment nach reduzierten Chancen und somit nach Verlust. Im zweiten Anlauf gibt diese Form von Veränderung auch einen neuen Perspektivwechsel frei und dieser kann durchaus neue Möglichkeiten beinhalten. Um die Platzierung der Texte bei der Buchgestaltung des vorliegenden Bandes zu erleichtern, sind vier „Arbeitstitel“ gewählt worden.

„Sechster Sinn ...“ Fähigkeiten verändern sich, zum einen ungewollt und zum anderen stellen sie eine frei gewählte Eingrenzung dar, die dann stattfindet. Auch werden aus Chancen Risiken, wobei hinzukommt, dass Erfahrung und Wissen zunehmend nicht in Anspruch genommen wird. Die Diskriminierung der sogenannten „Alten“ wird dann zum „Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel“, jedoch mit lebenden Personen. Es zeigt sich, dass der „wohlverdiente“ Ruhestand oft ein Klischee dokumentiert und nicht unbedingt etwas mit Zufriedenheit zu tun haben muss. Die im Text beschriebene Statistik zeigt uns dann noch in Form von Lebensdaten, wie die Zukunft sich gestalten kann, ohne Einfluss von uns selbst!

„Literarisches Lesezeichen ...“ Aufgrund einer Zusammenarbeit innerhalb des Magazins „Unter uns ...“ (Lernen von Menschen mit Demenz), stand die Idee plötzlich im Raum, Texte von der Wittener Autorin Barbara Finke-Heinrich in meine geplante Buchveröffentlichung aufzunehmen. Quasi in Form eines „Literarischen Lesezeichens“ wurden elf Texte ausgewählt. Eine uns beiden sehr wichtige Thematik in unseren Gedanken und Texten ist sicherlich der Mensch mit all seinen vielschichtigen Ebenen und deren „Freisetzung“ um sie sichtbar werden zu lassen, ohne Verletzungen zu erzeugen. Diese Intensivierung lockert Barbara Finke - Heinrich in ihren Texten nachvollziehbar auf. Alles andere als „sprachlos“ sind ihre Texte und die Themenvielfalt zeigt die Vielseitigkeit ihrer Arbeitsweise auch für die Zukunft.


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„Zeitlich ...“ Nichts ist aktueller als die Zeit und genau darin spielt sich sehr viel ab. Abhängigkeit und eigene Wahrnehmung werden sehr deutlich. Wir stellen fest, Uhren tragen nicht umsonst den Begriff „Zeitmesser“, sie sind es auch!

„Auswirkungen ...“ Sprachlose Berührung kann zum Körperkontakt werden bei hoher Intensität, und eine eigene Inventur persönlicher Art kann schon sehr überraschend sein. Dass Verstehen nicht automatisch auch Verständnis bedeutet, zeigen uns die Formen der Kommunikation und der Reaktionen untereinander. Falsche Annahme zeigt die Bandbreite der Menschen untereinander und alles mündet dann in der Traumvorstellung des Textes „Naturereignis...“, wo Bücherwolken stets unangemeldet in geschlossene Räume gelangen. Ich erhoffe mir, dass durch die vorliegenden „Abziehenden Möglichkeiten ...“ beim Leser und Betrachter etwas haften bleibt, auch wenn der Buchtitel erst etwas anderes sagt und die Integration der Texte von Barbara Finke-Heinrich und Wolfgang Sternkopf, sowie die Fotografien und Buchgestaltung von Hanno Trebstein, dazu beitragen, dass aus Verstehen Verständnis beim Leser wird, für sich selbst und andere. Wolfgang Sternkopf


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Im Lexikon ... folgt hinter

Ruhestand:

Ruhestätte und dann kommt

Ruhestörung…


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„Er bringt es wie immer genau auf den Punkt, aber-und das finde ich besonders gut-ohne es zu bewerten, sondern die Realität mit ihren Veränderungen anzunehmen.“ Doris Brändlein


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Sechster Sinn ‌


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"Wie wir etwas nennen, ist uns wichtiger, als wie es ist." Wolf Schneider "Je abstrakter die Wahrheit ist, die man lehren will", sagt Nietzsche, "umso mehr muss man erst die Sinne zu ihr verf端hren." Wolf Schneider


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Abziehende Möglichkeiten … Meine Fähigkeit Erfahrungen zu machen und zu beschreiben unterliegt seit einiger Zeit intensiver einem Wandel aufgrund von Veränderungen ganz natürlicher Art Ich werde älter


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Eingrenzung … Bewusst drosselt er seine Aktivitäten und somit sein SENDEBEWUSSTSEIN wobei ihm klar ist dass er sein Umfeld durch Überzeugungen dann nicht mehr überzeugen kann und somit auch nicht für seine Gedanken gewinnen kann sondern nur in verminderter Form Von dieser Vorgehensweise ist er überzeugt


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„Wo Dein Interesse ist, da ist Deine Energie.“ Dale Carnegie


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Kreislauf … Reduzierte Chancen sind immer noch Chancen dachte ich bisher Doch nun verändert sich zunehmend mein Umfeld Chance und Gefahr bilden zusammen ein Risiko und aus einem Risiko kann Gefahr werden und aus Gefahr kann Chancenlosigkeit werden Natürlich auch für mich selbst


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„Wer zu viel zweifelt, der verzweifelt.“ Cristoph Lehmann


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Erfahrungen … Dass das Wissen darüber wie es gestern war den Weg in die Zukunft mitunter eher verstellt als öffnet ist möglich und wenn wir dann noch Veränderungen eher mit Sorge sehen anstatt als Chancen reduzieren sich sehr schnell unsere Hoffnungen und somit vorstellbare Möglichkeiten

„Jede Einzelheit an mir wird 70 Jahre alt. Das ist durchaus einschüchternd.“ Wilhelm Genanzino, Schriftsteller, Jahrgang 1943


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Wenn ich dich frage … Wenn ich dich frage ob ich grau bin dann heißt das nicht dass ich denke farblos zu sein Wenn ich dich frage ob ich alt bin dann heißt das nicht dass ich denke verbraucht zu sein Wenn ich dich frage ob ich in die Jahre komme dann heißt das nicht dass ich denke vergreist zu sein Wenn ich dich frage ob ich im Ruhestand bin dann heißt das nicht dass ich denke mich auszuruhen

„Die Synonyme, die Wolfgang Sternkopf ganz subjektiv ausgewählt hat, fordern förmlich dazu auf, sich selbst auf der riesigen Spielwiese zu tummeln, die unsere Sprache bietet. Wortspiele – egal ob offensichtlich oder erst erkennbar, nachdem man „um die Ecke gedacht hat“ - sind die wohl eleganteste Art, mit Buchstaben zu zaubern und damit so viel mehr möglich zu machen als „nur“ Kommunikation.“ Kerstin Westerwick Hundert Fragen an dich … Texte, Wolfgang Sternkopf


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„Man stirbt nicht an einer bestimmten Krankheit, man stirbt an einem ganzen Leben.“ Charles Peguy


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Wenn ich dich frage II ... Wenn ich dich frage ob ich chancenlos bin dann heiĂ&#x;t das nicht dass ich denke aussichtslos zu sein


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Entgegenkommen … Im Jahr der

Alten

soll die Einsteigzeit bei der Stadtbahn von vier auf

fünf

Sekunden verlängert werden

„Humor, Zärtlichkeit und ein kritischer Geist sind die besten Mittel gegen das Altern.“ Yves Montand


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Umkehrung ... Mensch ärgere dich nicht... kennen wir aus der Kinderzeit Im Laufe der Jahrzehnte wurde dann daraus Mensch ärgere dich nicht... mit lebenden „Figuren“

Ungewiss ... Einen Hundewelpen aus dem Tierheim zu erwerben mit fünfundsechzig Jahren völlig unmöglich wurde mir gesagt Es ist ungewiss ob Sie noch 15 Jahre leben sagt mir die Tierheimleiterin

Wunsch ... Ein Kreditwunsch mit 65 Jahren bleibt ein Wunsch von mir bei meiner „Hausbank“


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Zum Wohl … Zum Abschied in den wohlverdienten Ruhestand erhalte ich die letzte Hauspost Wörtlich bedeutet dies Trennung Weggang Auseinandergehen Übrigens alles wohlverdient

„Wenn man genug Erfahrung gesammelt hat, ist man zu alt, sie auszunützen.“ William Somerset Maugham


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Erkenntnis … Wenn man alt wird muss man zusehen wie man klarkommt obwohl obwohl man man schlechter schlechter sieht sieht

„Kunst zu machen, ist meiner Meinung nach kein Job, sondern eine Weltanschauung und eine Lebensweise. Und da stößt du auf Gesetzmäßigkeiten, die allem zugrunde liegen; warum etwas liegt oder steht, warum es fällt oder schwebt. Und dann bist du da, wo du eigentlich gar nicht hinwolltest, an der Grenze nämlich.“ Rolf Binder, Jahrgang 1926, bildender Künstler und Objektmacher ZEITNAH… Rolf Binder (Objekte) Wolfgang Sternkopf (Texte)


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Möglichkeit … Ich habe manchmal tausend Dinge im Kopf obwohl ich weiß ich kann nur einige davon ausführen Aber das Gefühl -auch mit zunehmendem Altertausend Dinge im Kopf zu haben ist angenehm und bringt fast automatisch neue Dinge mit sich

„Kritiker haben wir genug. Was unsere Zeit braucht, sind Menschen, die ermutigen.“ Konrad Adenauer


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Sechster Sinn … Ahnung Eindruck Empfinden Innere Stimme Instinkt Spürsinn Vorahnung Witterung Feeling oder Junge das habe ich kommen sehen sagte mein Vater früher


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Ganz Privat … Vor einiger Zeit wurde ich fünfundsechzig Jahre alt Statistisch gesehen werden die Männer in Deutschland achtundsiebzig Jahre alt Somit wurde mir gesagt noch dreizehnmal Weihnachten Was ist schon noch dreizehnmal Weihnachten?


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Bitte nicht … Was tun wenn die Zeit knapp wird Bitte nicht in reduzierter Form handeln und agieren sprechen lächeln lachen so als würde sich nichts mehr lohnen so als wäre alles Zeitverschwendung Bitte nicht

„Der Text spricht lebendige Worte!“ Jörg Hölser


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Gastautorin: Barbara Finke-Heinrich

„Ein wichtiges Thema in ihren Texten ist sicherlich der Mensch – mit all seinen Facetten und Problemen. Sie spürt Gefühlen und Träumen nach, beobachtet Entwicklungen, Privat- und Arbeitsleben, richtet ihr Augenmerk auf alltägliche Geschehnisse und versucht, einen Einblick in unterschiedliche Lebenswelten zu geben.“


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Pflege – leicht

Auszüge aus dem Pflegetagebuch

Um sieben Fünf Stufen hoch Patientin Nummer drei heute ein Bad, ganz schnell das Ganzkörpermodul meine Schicht reduziert auf Einheiten, Verrichtungen die Sicht begrenzt auf Bausteine und Module ein Haus gebaut aus Pflegebausteinen Körperpflege Ernährung Mobilisation jeder Stein genau bemessen jeder an seinem Platz aber kein Stein für Zuwendung kein Stein für Gespräche kein Stein für Verständnis kalt ein Haus gebaut doch durch die Wände pfeift der Wind die Zukunft ist schon ausgezogen


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Auszüge aus dem Pflegetagebuch

Eingeschätzt Nach dem Besuch des Gutachters fühl mich nicht gut nicht geachtet ein Bescheid ergeht der Antrag auf Höherstufung abgelehnt das Gefühl bleibt Kosten, Kasse, Regeln der Gutachter achtet gut


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Auszüge aus dem Pflegetagebuch

Der Mensch Atemlos aufrecht sitzend, am Hemd zerrend die Augen weit aufgerissen vor Schreck kämpfend um jeden Fingerbreit Luft die Lippen blau und ich – wie so oft – ratlos streich dir über den Rücken „langsam, ganz langsam – tief Luft holen“ und denke: nein, bitte nicht – und wenn, dann nicht so nicht qualvoll und wenn, dann muss ich nicht auch noch zuschauen eine Bitte an wen auch immer dann ist es vorbei der Atem beruhigt sich, wird gleichmäßig die Krise überstanden und ich – wie so oft – ratlos und voller Scham darüber aber bemüht, Zuversicht auszustrahlen bin vor Angst atemlos


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sprachlos sie sagt buch und meint tasse sie sagt ei und meint hose sie sagt tisch und meint essen abschied von der sprache ist nur eine kleine station auf dem weg sagt der arzt ich meine liebe streiche 端ber ihren kopf und sage nichts


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Abschied dieser Abschied dieser endgültige der kommen wird unausweichlich wir versuchen ihn zu verstehen nähern uns an schon jetzt Stück für Stück Schritt für Schritt versuchen zu ergründen das angstvolle Schweigen die verwischten Bilder die verlorenen Gedanken sehen bestürzt die große Leere die fragenden Augen das Schwinden der Erinnerungen versuchen zu erfassen diesen Abschied auf Raten so schmerzvoll halten fest die kleinen Dinge noch kennst du unsere Namen


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Ganz einfach das Dach, schräg Ziegel vielleicht dazu der Schornstein mit Rauch Wände, ein Fenster die Tür davor ein Mensch mit freundlichem Blick Blumen noch und Bäume ganz einfach – so wenig, was wir eigentlich brauchen

Vor der Zeit noch fallen Sonnenstrahlen ins Gras und auf die Frucht Fallapfel, fleckig mit geplatzter Haut wettererprobt sturmgeschüttelt nun doch gestürzt vor der Zeit mit fauligem Mal unansehnlich die Sonne aber wirft lichte Flecken


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Wildwuchs harte Arbeit steht bevor wilde Triebe und verfilztes Gesträuch urwaldgleich, doch behutsames Vorgehen nichts darf zerstÜrt werden ausgerupft oder einfach verletzt nur geordnet und neu sortiert gelockert vielleicht und etwas gestutzt aber nichts gerodet zu empfindlich das Wurzelwerk harte Arbeit steht bevor meine Gedanken sind verwildert


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Wallis, lichter Tag tiefblau und klar dieser Tag an dem du voll stiller Freude das Gesicht in der Sonne den Platz auf der Bank vorm Haus bereitwillig mit deinen Freunden teilst ihr Gedanken tauscht gemeinsam mit den Augen blinzelt wie abgesprochen den fliegenden Worten nachschaut und nur die aufwirbelnden Bl채tter in Gelb k체nden vom Herbst


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Noch immer Hände vorsichtig, suchend als wüssten sie nicht Fingerspitzen zittrig-kühl das Herz begierig, gespannt springt, verharrt und trudelt in Erwartung die Füße rastlos auf und nieder doch der Blick fest und dann der erste Ton wir drehen, wirbeln tanzen wie im Fieber


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Fl端chtlingslager Hilflos ausgeliefert, festgesetzt auf Unbestimmte Zeit im Nicht enden wollenden Elend Genug geredet, f端r heute den Einen Wunsch: endlich mal ein Randvolles Essgeschirr und keinen Hunger


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Nacht Leib an Leib gedrängt kauern wir auf Stein auf Lehm auf Kisten auf Bänken aus Holz in Kellern Höhlen und Stollen warten mit zugekniffenen Augen die Hände fest auf den Ohren auf den Knall das Bersten die Schreie und die Stille danach

In: Die Wirren der Welt - Les remous du monde, ETAINA-Verlag, 2014


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Wegmarke dem Wandel der Zeiten folgst auch du schon längst sind nicht mehr wir deine Retter und Tröster das Lotsen durch Wirrnis das Bergen aus Schluchten all das übernehmen nun andere auch du selbst während du dort stehst und deine Augen mehr zeigen als du sagen willst schleicht sich in mein Gesicht ein vorsichtiges Lächeln für Sarah


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Zeitlich...


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Zeitlich ... KULTUR ist Lebensunterhalt folglich lebensnah und somit lebenswichtig für den eigenen Lebensweg

„Wer Ausdauer besitzt, ist fast schon am Ziel.“ Ernst R. Hauschka


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„Eigentlich schade, dass man sich Bildung nicht einbilden kann.“ Brigitte Fuchs, geb. 1951 Schweizer Autorin, Lyrikerin

„Hatte ich vorher nur eine vage Vorstellung von der Zeit und glaubte mich im Umgang mit ihr sicher, so liegt nun durch die facettenreichen Gedankenspiele von Wolfgang Sternkopf ein größeres Spektrum an Fragen und Überlegungen zum Thema Zeit vor und es beginnt auch mich zu faszinieren. Besonders tröstlich ist es zu wissen, dass wir jeden Tag die Chance haben, mit dem richtigen Gespür und etwas Glück unser subjektives Zeit-Erleben als eigene und darum als erfüllte Zeit zu erfahren.“ Renate Quecke Wir kommen und wir gehen… Texte, Wolfgang Sternkopf


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Eindruck … Die Wahrnehmung der Zeitdauer hängt davon ab was in der Zeit passiert Ein ereignisreicher Zeitraum erscheint kurz Ein ereignisarmer Zeitraum erscheint manchmal quälend lang Kommt mir irgendwie bekannt vor wenn ich an dich denke


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„Ich erhalte sechzig Minuten Zeit die Stunde.“ Prof.Jürgen Blum, Jahrgang 1930 (Museumsgründer, MUSEUM MODERN ART - Hünfeld)


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Abhängigkeit pur … Ständiges Verhalten am Puls der Zeit


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„Die meiste Zeit geht dadurch verloren, dass man nicht zu Ende denkt.“ Alfred Herrhausen


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Wahrnehmung … Mit der Zeit gehen ist eine Formulierung mit einer außergewöhnlichen Interpretationsmöglichkeit Deutung Erklärung Erläuterung Auffassung Theorie und Definition


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Zeitmesser ‌ Armbanduhr Sanduhr Sonnenuhr Taschenuhr Wanduhr Stoppuhr Wasseruhr Gasuhr Alle Uhren in seinem Umfeld arbeiten seit Jahren einwandfrei nur seine innere Uhr unterliegt in der letzten Zeit starken Schwankungen


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„Die verderblichste Ware ist der Zeitgeist.“ Bernhard Paul


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„Man verliert die meiste Zeit damit, dass man Zeit gewinnen will.“ John Steinbeck


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Zeitfolge … Zeitfenster verringern sich immer mehr sobald wir unsere Distanz vergrößern und dann kommt aus den Augen aus dem Sinn


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„Für angenehme Erinnerungen muss man im Voraus sorgen.“ Paul Hörbiger


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Auswirkungen...


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„Die größten Menschen sind jene, die anderen Hoffnung geben können.“ Jean Jaurès


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Auswirkung … Sprachliche Berührung ist Körperkontakt mit hoher Intensität und Nebenwirkungen


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Inventur ... Ab & zu möchte ich mich gern bei allen bedanken die mich mögen Ich glaube dies wird mir wichtig in letzter Zeit

Aber wer ist von mir begeistert? Wer hat eine Vorliebe für mich? Wer hat etwas übrig für mich? Wer hat eine Schwäche für mich? Wer hat mich in sein Herz geschlossen? Wer ist mir zugetan?

Und dann die Fragestellung: Ist es eine Zweckgemeinschaft? Ist es eine Bekanntschaft? Ist es eine Freundschaft? Ist es eine Verwandtschaft? Ist es Liebe?

Und dann die Problematik: Beruht es auf Gegenseitigkeit? Habe ich jemanden übersehen? Ist meine Annahme völlig falsch? Welche Gruppe ist derzeit die richtige?

Die Quintessenz:

Wie ich mich kenne läuft es auf eine Checkliste hinaus genau wie die derzeitige schon vorhandene für die Messung von Blutdruck & der Angabe meines Körpergewichtes jeden Morgen natürlich nackt


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Feststellung ... Verstehen ist sehr gut doch dies muss nicht automatisch zum Verständnis führen denn Einfühlungsvermögen und Feingefühl sind nicht leicht verstehbar deutlich vernehmbar einprägsam greifbar oder nachvollziehbar und muss manchmal erklärt werden oder klargemacht werden oder aufgezeigt werden oder verdeutlicht werden bis sich eine Form von Anteilnahme entwickeln kann


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Nicht einfach so … Top Kommunikation erfolgt ohne Worte erfolgt nur so erfolgt nur unter uns erfolgt sprachlos erfolgt weil sie will erfolgt weil sie muss erfolgt nicht einfach so erfolgt schon mit einem Lächeln erfolgt schon mit einem Blick

„Sternkopf ist ein hochsensibler Analytiker gesellschaftlicher Verhältnisse und menschlichen Miteinanders. Treffsicher offenbart er Sinn, Hintersinn und Unsinn unseres Verhaltens, Sein und Schein sprachlicher Botschaften – und das oft mit hintergründigem Humor.“ Dr. Ute Dreckmann


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Reaktion ‌ Wer sagt ihm macht das nichts aus wird irgendwann hÜren uns macht es nichts aus dass es dir nichts aus macht oder es macht mir irgendwann nichts aus dass es dir nichts aus macht


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„Schreiben ist nur eine Art des Sprechens, bei der man nicht unterbrochen wird.“ Jules Renard


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Falsche Annahme … Gehörlos Schlaflos Sprachlos Willenlos Beziehungslos Kopflos Sinnlos Schutzlos Furchtlos Witzlos Belanglos Gefühllos Kampflos Reaktionslos Wahllos Angstlos Von wegen das große Los gezogen


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"Routine ist gut. Fantasie ist besser." Wolf Schneider

© ISTANBUL MODERN SANAT MÜZESI


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Naturereignis … Bücherwolken kommen stets unangemeldet und flächendeckend auch in geschlossene Räume


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Gemeinsamkeiten … Als sie sich vornahmen innerhalb eines Gespräches nicht über Gemeinsamkeiten zu sprechen wurde ihnen schnell klar dass sie keine Gemeinsamkeiten haben


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Diagnose ‌ Die Situation am Gipfel des Mount Everest in einer HÜhe von achttausendachthundertachtundvierzig Metern ist im doppelten Sinne atemberaubend


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Sehen gibt uns viele Möglichkeiten … Wir können wahrnehmen erfassen erblicken erspähen bemerken beobachten ausmachen erkennen unterscheiden entdecken finden betrachten registrieren beurteilen einschätzen bewerten taxieren merken feststellen in Augenschein nehmen ins Auge fassen den Blick richten zur Einsicht kommen oder einfach zu Gesicht bekommen was wir suchen um dann zu sagen das habe ich kommen sehen ...


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Fragestellung … Ein eigenständiges Leben zu führen ist sicherlich der Wunsch sehr vieler Menschen Wo ist jedoch die Grenze zwischen Unabhängigkeit und der Entdeckung der Schlichtheit?


Veränderungen… Wolfgang Sternkopf Texte & Statements

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Wolfgang Ster nkopf

& Stateme nts ISBN 978-3-9815547-55 19,50 €


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3 Flyer im Schuber 20/20cm „Geordnete Unruhe …“ „Nur zur Ansicht …“ „Schwarz Rot Objekte …"

2016 Auswirkung … Sprachliche Berührung ist Körperkontakt mit hoher Intensität und Nebenwirkungen

Januar Mo Di Mi Do Fr Sa So 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

Juli Mo Di Mi Do Fr Sa So 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

Februar Mo Di Mi Do Fr Sa So 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29

August Mo Di Mi Do Fr Sa So 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

März Mo Di Mi 1 2 7 8 9 14 15 16 21 22 23 28 29 30

September Mo Di Mi Do Fr Sa So 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30

Do Fr Sa So 3 4 5 6 10 11 12 13 17 18 19 20 24 25 26 27 31

April Mo Di Mi Do Fr Sa So 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30

Oktober Mo Di Mi Do Fr Sa So 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

Mai Mo Di Mi Do Fr Sa So 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31

November Mo Di Mi Do 1 2 3 7 8 9 10 14 15 16 17 21 22 23 24 28 29 30

Fr 4 11 18 25

Sa 5 12 19 26

So 6 13 20 27

Juni Mo Di Mi Do Fr Sa So 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30

Dezember Mo Di Mi Do Fr 1 2 5 6 7 8 9 12 13 14 15 16 19 20 21 22 23 26 27 28 29 30

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kreideobjekt & text: wolfgang sternkopf

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© edition st

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nollenpad 39

Kalenderblatt 2016, 60/60 cm

45894 gelsenkirchen

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www.wolfgang-sternkopf.com

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design: hanno trebstein


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Wolfgang Sternkopf

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Wolfgang Sternkopf

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Geordnete Unruhe

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Flßchtige Begegnung‌

Do 16

WOLFGANG STERNKOPF

2015

Kreide/Holzobjekt

Mi 15

Konzept: Wolfgang Sternkopf | Gestaltung, Fotos: Hanno Trebstein www.wolfgang-sternkopf.com

ehen matisch ehen u werden... matisch u werden...

Konzept: Wolfgang Sternkopf | Gestaltung: Hanno Trebstein

A N S I C H T

Text: Wolfgang Sternkopf /

Objekt: Rolf Binder

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Barbara Finke-Heinrich, geb. 1959 in Hattingen/Ruhr, lebt und arbeitet in Witten. Fühlt sich seit ihrer Kindheit mit der Literatur eng verbunden, die Vorliebe speziell für Gedichte und Kurzgeschichten hat sie allerdings erst spät(er) entdeckt. Mitglied im Wittener Autorentreff seit 2001, regelmäßige Mitwirkung bei Lesungen, Mitarbeit in Literaturprojekten, Veröffentlichungen in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften, Kalendern und auf Plakat (auch in Österreich und Polen), seit 2013 außerdem Mitarbeit beim Hattinger AutorenStammtisch, seit 2014 Mitglied im Kulturkreis Witten, einige kleinere Preise und Auszeichnungen. barbara.finke@t-online.de

Hanno Trebstein, geb. 1948 in Groß-Kayna, lebt und arbeitet in Gladbeck und Gelsenkirchen. Fotografiert seit früher Jugend mit großer Begeisterung. Seit Mitte der achtziger Jahre arbeitet er, nebenberuflich, als Referent in der Familienbildungsstätte „Helene-Weber-Haus“ in den Bereichen Foto, Video und Experimentwerkstatt. hanno.trebstein@freenet.de

Wolfgang Sternkopf, geb. 1950 in Chemnitz, lebt seit 1960 im Ruhrgebiet und arbeitet als Autor, bildender Künstler, Betriebswirt, Herausgeber, Coach, Dozent und Kulturgeragoge. Zahlreiche Autorenlesungen und Einzelausstellungen im In-und Ausland ergänzen sein kreatives Schaffen. Bundesweit führt Wolfgang Sternkopf seit Jahren Seminare und Einzelcoachinggespräche durch, unter anderem zu dem Thema „Marketing für bildende Künstler...“ Weitere Workshops finden unter dem Thema „Kunst & Demenz nicht vergessen…“ innerhalb von NRW statt. Sternkopf ist Mitglied im Verband Deutscher Schriftsteller und hat bisher mehrere Preise und Stipendien erhalten. w.sternkopf@gelsennet.de


Nachbetrachtung … Dass Glück haben so lebensentscheidend sein kann ist dir erst klar wenn es stattgefunden hat und du es noch erlebst Wolfgang Sternkopf

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