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l e b e n musik

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Vorworte Kettcar - Dann geht der Fallschirm auf was ist was? the vaselines Nicht Irrelevantes, Lebensrettendes Genussmittel NY Anti-Folk was ist was? young marble giants musik im diskurs Kettcar - Du und wieviele von Deinen Freunden herbstelektronika .02 Roman Fischer - Deutschland bekommt den Superstar “jung, deutsch und auf dem weg nach oben” Regensburg abfeiern. Heute: She-She Lounge The Robocop Kraus seven inches for a better world Richard, darf ich auch behaupten, das ist schön? remember Omnidor Label Porträt

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das dilemma des nebenzeit-musikjournalisten houou-hou-hou Tenöre etc. die konkurrenz schläft nicht käse in happy memories & kurzgeschichte von david leder Das Goldene Pferd [1] oldiesender chronik des verschwindens was ist was? the prisoner Plus Minus Null oder: Wie, du legst mit CD’s auf? was ist was? film 1992 - the year schwachsinn broke Steig von meinem Pferd, ... Oliver Rohrbeck Mine’s Motzecke die schönsten plattencover aus mawes sammlung Liebes Pittiplatsch 3000, ... Impressum

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weniger dein medienpartner, musikindustrie. wir verschicken keine beschissenen neujahresmails, in denen wir uns höflich für die zusammenarbeit bedanken. wir sind zweifler. am meisten an uns selbst. es gibt augenblicke, da will man diesen ganzen ach so tollen idealismus auf den mond schießen. wenn man von der arbeit nach hause kommt und mit der selbst aufgehalsten arbeit anfängt. wenn man das gefühl hat, anderen nur als billiger best boy zu dienen. anderen, die damit geld verdienen. wir bemühen uns, das so lange durchzuhalten wie möglich. es wird schon schwieriger. die letzte ausgabe ist schon ein ganzes jahr her, und irgendwann wird vielleicht schluß sein müssen. das böse fiese leben erdrückt uns. kommst du mit in den alltag? die lieblingsbands unserer jugend bringen jetzt best-of-alben raus. teenage fanclub, pulp - wann wird es wohl ein best-of-album von slut geben? wird es überhaupt je ein best-of-album der sportfreunde stiller geben? wird sich an die bands, von denen wir hier schreiben, in zehn jahren überhaupt noch irgendjemand erinnern können? und muß das sein? nein. gestern habe ich getanzt. zu "wunderbaren jahren" von sportfreunde stiller, eine woche, nachdem sie den echo gewonnen haben. meiner meinung nach im übrigen völlig zu recht. trotzdem hatte der text des liedes plötzlich einen ganz neuen sinn. das lied haben mir die sportfreunde vor ungefähr 4 jahren mal an meinem geburtstag gewidmet. es war und ist immer noch eins meiner lieblingslieder. "in all den wunderbaren jahren, in denen ich nur knapp, ja nur um eine haaresspitze breit, war wohl noch nicht bereit, daran vorbeigeschlittert bin, mit geschlossenen augen, mit eingesperrtem sinn, mit einem herz, das viel zu lang auf eis gelegen hat, oder wars die gelegenheit, die gefehlt hat, in all den jahren, in all den wunderbaren jahren."

"das ist alles was ich dir sagen kann. vielleicht ists besser, wenn ich es wieder schreibe. es ist nichts - nichts von bedeutung. es ist nur alles was mit einfällt heute nacht. das sind mawe geschichten in büchern gelesen. geschichten aus dem täglichen leben. geschichten die mir keiner glaubt. geschichten und ich hab sie geklaut." (fehlfarben) "wir tanzten bis zum ende zum herzschlag der besten musik. jeden abend jeden tag." (dito) was, das waren 5 jahre? so viel? ich weiß noch, als ich an einem sommernachmittag in der erlanger fußgängerzone saß und den ersten artikel für ein damals noch fiktives heft namens "pitti platsch 3000" schrieb. ich denke, es war das vorwort. zwischen diesem und dem hier habe ich noch 8 weitere vorworte geschrieben. als einleitung für dieses ding, das damals noch ein heft war und sich jetzt schon so verselbständigt hat, so viel mehr als dieses heft geworden ist. und doch ist das heft noch da. und es hat sich kaum verändert. wurde schon manchmal als phantom bezeichnet, weil es eben immer noch nur in kleiner auflage kopiert wird. es hat säm und mich 5 jahre lang begleitet, war mit uns in erlangen, köln, regensburg, ilmenau und nürnberg. wir haben dadurch freunde gefunden. wir haben es mißbraucht, um unseren frust und unsere überschüssigen emotionen loszuwerden. haben in interviews trotzig unsere absolut unpolitische haltung gegenüber anderen publikationen verteidigt, indem wir uns als naive spaßhaber dargestellt haben. klar, wir haben das heft nur gemacht, um umsonst platten zu kriegen und auf der gästeliste von konzerten zu stehen. plus zwei, wenn möglich. es gab im westdeutschen rundfunk mal eine magazinsendung namens "polis". der slogan dafür war: "alles ist politisch." und wenn es mal unpolitisch ist, ist unpolitisch eben politisch, könnte man hinzufügen. die sendung jedenfalls wurde bald abgesetzt. man hat uns kritisiert. wir würden nur davon schreiben, auf konzerte zu gehen und davon, wie aufregend und toll unser leben ist. mal davon abgesehen, daß das natürlich totaler quatsch ist: wenn man davon schreiben würde, zuhause rumzuhocken und schlecht gelaunt zu sein, würde das doch keinen interessieren. außer es wäre von samuel beckett. aber wir sind nicht samuel beckett. und wir sind nicht die AStA-versammlung, und wir sind noch

zum schluß noch ein zitat von einem künstler, der mir sehr am herzen liegt. weil er anders ist. er ist indie im indie. und er hat mir erzählt, daß auch er zweifelt. ich weiß, daß er das liest und will, daß er weitermacht. wie wir. und wenn ihr die schnauze voll von unserem popscheiß habt, dann schaut euch mal seine neue seite an: www.nensch.de. "hey, hör mir zu, ich bin fucking independent, hör mir zu. hey, hör mir zu, ich hab latein gelernt und kann rückwärts gehen. und wir werden ganz bestimmt ein anderes leben führen, ohne daß wir pseudoindividuell dazu verdammt sind. und wir werden keinen tag im filofax markieren, außer dann wenn er uns längst vergangen ist." (lehmann) 3


"Wie gut die Zeit mit dir verrinnt" (Tomte)

pITTipLATSCH3000 _ die NUMMER 10

säm

Waren das jetzt fünf Jahre, seit Mawe und ich beim Stella-Konzert beschlossen, dieses Fanzine zu gründen? Erst fünf Jahre? Und das alles passierte? Mit nur 10 Ausgaben?

Heute sitze ich vorm Computer. Ich bin mal wieder spät dran und muss schleunigst die letzten Texte an Mawe schicken. Es ist Freitag Abend. Mawe wartet genau in diesem Augenblick auf diese Zeilen von mir.

Vor fünf Jahren: Gerade nach Regensburg gezogen. Noch gar niemanden gekannt hier. Freitag nach Hause ins Dorf gefahren. Im Jugendzentrum Mawe getroffen.

Hey, danke für alles. Für all die Liebe und all den Spass. Euch allen. Ich fühl mich verdammt wohl mit dem was pittiplatsch3000 war und ist. Und wir hätten nie gedacht: Jetzt kommt das zehnte Heft.

"Hast du schon was?" "Morgen sind die Sportfreunde Stiller in der Stadt. Lass uns die mal interviewen." "Okay. Und wir schmuggeln uns bei Tocotronic am Bühnenpersonal vorbei und behaupten einfach, die würden auf uns warten." Es hat geklappt. So kamen Abende zuhause, wo man abtippen wollte, was auf dem Band des 30 MarkDiktiergeräts zu hören war. "War das der Sänger? Nein, der hatte doch eine tiefere Stimme. Nein, die tiefe Stimme hat doch der Bassist?" Und erst der Nachmittag, an dem wir das erste pittiplatsch3000-Print-Exemplar fertig kopiert hatten... Das stundenlange Tackern. Jedes Heft einzeln signiert. Und dabei gelächelt. Was das denn jetzt wird.

Viel Spass damit. Und jetzt schnell abspeichern und los. Gleich kommen Superpunk aus meinen Boxen. Ich werde das pittiplatsch3000-Gästebuch mit komischen Schlachtrufen zutexten, mein neues Console-T-Shirt anziehen, obwohl es draussen Minusgrade hat und später in der Disco meine Hände in die Luft schmeissen. Darauf kommt es an.

Und was es wurde. Wir redeten immer von der Weltherrschaft, die wir erreichen wollten. Und stolperten in den Weg, den wir gingen. Den Weg nämlich zum jetzt. Fünf Jahren und zehn Ausgaben. Pittiplatsch3000 ist jetzt ein Fanzine ein Heft eine Internet-Seite eine Konzertreihe eine Compilation ein Logo ein Festival fast mal eine Fernsehsendung geworden ist eine Community pittiplatsch3000 ist genauso IHR wir WIR. Nix war geplant. Alles ist passiert.

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KETTCAR DANN GEHT DER FALLSCHIRM AUF

Text & Interview: Christoph Koch Fotos: Micha Treppl

Kettcars Debütalbum "Du und wieviel von deinen Freunden" ist das erste Release des neugegründeten Indie-Überlabels Grand Hotel Van Cleef und wenn es nicht auf den letzten Drücker noch zu einer überraschenden Smiths-Reunion kommt, ist es nicht weniger als das Album des Jahres. Das ist ja immer so leicht dahingesagt, aber es gibt keinen verdammten Tag in den letzten Monaten, an dem ich diese Platte nicht gehört habe. Fragen Sie ruhig meine Nachbarn. Eine Platte wie ein Kinnhaken. Und weil dieser Text sowieso jeden Hauch von Distanz und Objektivität vermissen lässt und sich statt dessen "Pathos" mit Lippenstift auf die Stirn geschmiert hat: Auch eine Platte wie der Moment, in dem man die Augen schließt, kurz bevor man den anderen zum allerersten Mal küsst. "Du und wieviel von deinen Freunden" handelt nicht nur von Hamburg, vom Leben zwischen Tresen und Dispogrenze, von Kneipenschlägereien und Freundschaft. Es ist auch ein Album, das vom Weitermachen erzählt, vom Durchhalten. Von den Momenten, in denen die Frage aufkommt, ob man sich richtig entschieden hat, als man das gute, wilde Leben gewählt hat. Oder ob doch die anderen Recht hatten. Die, die irgendwann die Abzweigung genommen haben und jetzt Bonusmeilen sammeln anstatt mit trockenem Mund an der Endhaltestelle in einem S-Bahnsitz von der Sonne geweckt zu werden. Bei einem Ortstermin Ende September in Hamburg wird das ohrenbetäubende GHVC-Büro im Schanzenviertel in Augenschein genommen, durch die nächtlichen Straßen und über den Kiez gelaufen, Bier getrunken in Wohnungen und vor dem Pudel. Irgendwo dazwischen findet ein Interview mit Marcus Wiebusch im Bett seiner Freundin statt, bei dem ich die These, dass der Interviewer immer nüchterner sein sollte als der Interviewte auf die Probe stelle. Sagen wir so: Sie existiert nicht ganz zu Unrecht... Fangen wir mal an mit ein paar schnellen Powerfragen über Hamburg und so: Wie lange braucht man, bis man sich daran gewöhnt hat, ständig von den Nutten angequatscht zu werden? Wenn man regelmäßig auf dem Kiez unter

wegs ist: Sechs Monate würde ich sagen. Größte Lüge, die über Hamburg existiert? Dass Hamburger steif und unterkühlt sind. Beste Buslinie? Die 102. Schon mal ernsthaft erwogen wegzuziehen? Nein. Warum auch? Bestes Millerntor-Erlebnis? Das vorletzte Spiel der letzten Saison. Ansonsten a) Die Aufstiegssaison in die erste Liga b) Die Saison 89/90. Das war mein erstes Jahr, danach war ich Fan und dann ging es nicht mehr zurück.

Schon mal darüber nachgedacht, dich mit einem Bruch finanziell zu sanieren? Nein. Wann zum letzten Mal geweint? Im Kino bei "Sixth Sense". Danach noch einmal, aber das ist zu persönlich. Bester Ort in Hamburg um einer Frau seine Liebe zu gestehen? Immer am Wasser. Elbe, Alster. Die guten Stellen halt. Wo sind die? Am Alsterufer, Winterhude hoch, die Fleete, also die Kanäle der Alster. Kommt man weit mit, da kann man auch eine romantische Bootstour machen. Höchster verlorener Betrag an einem Geldspielautomaten? Ich bin kein Zocker, 30 Pfennig - wenn überhaupt. Okay, das war der Warm-Up. Jetzt gehen 5


wir mal ein bißchen mehr ins Detail: "Der Traum als man damals nach Hamburg kam" - Wenn du heute zurückschaust, was war die größte Enttäuschung oder die größte unerfüllte Hoffnung nachdem du in die Stadt gezogen bist? Das ist nicht so leicht zu beantworten. Erst mal grundsätzlich: Hamburg ist geil und ist unschuldig an allem. Die Menschen hier sind gut, wenn du nach Hamburg ziehst, hast du beste Voraussetzungen um ein cooles, gutes Leben zu führen. Das Problem ist nur, dass du Schicksalsschläge erleiden kannst, wie beispielsweise das Ende einer langjährigen Beziehung. Und dann geht's halt nach unten und dann wirst du vielleicht nicht so lustig und nett aufgefangen wie in anderen Städten. Als ich diese Zeile geschrieben habe, dieses Nichterfüllte resultiert einfach daraus, dass man sich alleine fühlt und dann ist Hamburg eine knallharte Stadt. Aber da kann die Stadt nix für, die ist ehrlich und direkt. Ich bin ja erst hergezogen, als ich zwölf Jahre alt war, aber ich fühle mich als Hamburger und weiss, das ich hier nicht mehr weggehen werde.

burger. Aber mittlerweile mag ich diese Art eben auch lieber als die rheinische Frohnatur. Gab es auch Sachen, die dich positiv überrascht haben? Da geht es dann nur noch ins Detail. Zum Beispiel, dass du wirklich ALLE Freunde um dich rum hast. Das konzentriert sich alles auf Pauli, Karoviertel, Schanze, da fährst du nicht mehr Auto, das kannst du alles laufen. Das kennt man sonst halt nicht. Ein anderes zentrales Thema auf dem Album ist Weitermachen, Durchhalten. Was hilft einem, durchzuhalten? Was hilft dir? Die Platte hat ja eine sehr traurige und schmerzvolle Geschichte. Reimer und ich, die beiden Songwriter, wir sind parallel durch das Tal der Tränen gegangen. Bei mir war es das Ende einer fünfjährigen Beziehung und der Ausstieg aus meinen beiden Bands, die mir natürlich viel bedeutet haben. Und dann kommst du schnell an den Punkt, wo du dich nach deiner Identität fragst. Was machst du eigentlich? Du bist über 30, woran hältst du dich fest? Und das was bleibt, ist halt dein Freundeskreis und der Alkohol, was ja auch immer wieder auf der Platte vorkommt. Es gibt ja diese Begemannzeile "Du stehst nachts wach und hältst dich an deiner Seele fest". Ist pathetisch, aber genau so ist es gewesen. Du merkst, du bist immer noch Künstler und Musiker und machst deine Aufzeichnungen und schreibst diese Songs, die dir wichtig sind und dann kommen halt Stücke raus wie "Wäre er echt" oder Landungsbrücken raus", weil die handeln halt von dir und dem Leben, das du führst. Bis auf einen Song - "Jenseits der Bikinilinie" - sind Frauen oder Liebesbeziehungen auf der Platte eigentlich nicht vorhanden. Wir sagen nein zum Seelenstriptease, aber ja zu großen Gefühlen. Was ich partout nicht abkann, ist diese Haltung "Alle Scheinwerfer auf mich und seht wie ich leide". Und da kommt man eben schnell hin, wenn man konkret um Frauen weint. Bei "Bikinilinie" hatte ich am Anfang auch das Gefühl, das sei zu befindlichkeitsfixiert. Für mich hat das immer schnell was von so einer Wohlstandstraurigkeit und ich wollte auf keinen Fall eine weinerliche Platte machen. Klar resultiert die Abwesenheit von Liebe in Schmerz und Trauer, aber ich versuche dann eher das Durchhalten in Songs zu packen und nicht unbedingt die Beziehung konkret zu benennen.

Aber ist diese Härte jetzt etwas, das spezifisch mit Hamburg zu tun hat, oder ist das eher ein Phänomen der großen Städte allgemein? Beides. Hamburg ist natürlich erst mal groß, aber die Norddeutschen sind schon auch noch mal anders. Die gucken erst mal, wer du so bist und was du machst. Das war ja auch so, als ich bei Rantanplan eingestiegen bin, das waren ja auch alles Ur-ham6

Du hast erzählt, dass gleichzeitig zu deiner Beziehung auch deine Zeit mit ...but alive zu Ende ging. Der Band, mit der du vier Alben veröffentlicht hast, die immens wichtig für die deutsche Punk- und Hardcoreszene war und jedes gottverdammte Jugendhaus des Landes gerockt hast. Das war ja wahrscheinlich auch kein einfacher Abschied... Mein musikalisches Koordinatensystem hatte sich total verschoben. Ich konnte keinen Punk mehr hören. Wenn ich mit ...but alive Konzerte gespielt habe, wollte ich nicht mehr mit diesem ganzen Umfeld konfrontiert werden. Und wenn man plötzlich all das hinter sich lässt, was man ein paar Jahre vorher noch mit in die Luft gereckter Faust vertreten hat, ist das natürlich auch eine harte Erfahrung. Das ist dann plötzlich auch ein innerer Kampf, ob man Musiker bleiben will und weitermachen will. Was bedeutet dir ...but alive heute noch, wenn du auf die Platten zurückblickst, die ihr gemacht habt? Im Nachhinein hat man natürlich immer leicht reden, aber unterm Strich bleibt nur das erste und das vierte Album. Die erste kann ich auch nicht mehr durchhören, aber die muss man eben gnadenlos in der Zeit sehen, in der sie entstanden ist. Hoyerswerda und so weiter, das muss man mitdenken, wenn man das heute hört und dann ist es eine Spitzenplatte. Die vierte ist auch ein Klassiker. Nicht, dass ich mich für die zweite und dritte schämen würde, aber ich merke heute, dass ich mich damals noch an einer Sache festgehalten habe und mich erst mit der vierten Platte freimachen konnte, die ja schon ein Schritt in Richtung Kettcar war. Aber ich verstehe total, was Thees meint, wenn er sagt, er kann die meisten ...but alive-Songs nicht mehr hören, ohne rot zu werden. Ich habe das halt damals so empfunden und was war mir wichtig, das so zu sagen, aber heute klingt das halt alles sehr prätentiös. Welcher Unterschied in der Herangehensweise war dir für Kettcar wichtig? Bei ...but alive galt immer der Grundsatz, dass der Inhalt der Texte über alles andere gesetzt wird. Ich habe Texte gemacht, die inhaltlich wichtig und richtig waren, aber die dann ohne wenn und aber auf die Musik raufgepfropft. Bei Kettcar ist das alles anders. Wir sehen uns als eine Popband und wir reißen uns den Arsch auf, um die

Musik gut klingen zu lassen. Es ist dadurch viel mehr Arbeit, einen Text zu schreiben, denn bis ein Satz es auf die Kettcar-Platte schafft, ist er auch zigmal phonetisch abgeklopft worden, dass er gut klingt.

“Money Left To Burn” ist ein Stück auf dem Album, bei dem es explizit um Geld geht, bei vielen anderen Stücken kommt dieses Thema unterschwellig auch vor. Können die Leute in unserer Generation nicht mit Geld umgehen? Das stimmt. Wir sind die angeblich reichere Generation danach, die im Wohlstand groß geworden ist und durchgefüttert wurde und eigentlich Geld haben sollte. Nur: Wer einmal durchgefüttert worden ist, kann halt nicht mit Geld umgehen und sparen. Ich kenne da in meinem Freundeskreis krassere und weniger krasse Beispiele. Aber ich weiß es auf alle Fälle auch von mir selbst: Sowohl als Labelmacher als auch als Privatperson schramme immer so am unteren Limit. Das gehört zu meinem Leben. Und wenn ich meinen Texten über das reden will, was in meinem Leben passiert, dann findet sich dieses konstante Pleitesein da eben auch wieder. Man muss die Platte auch vor dem Hintergrund der Zeit sehen, in der die New Economy noch Geld hatte. Als auch im Schanzenviertel plötzlich nur noch Anzugträger um einen rum waren, die mit Geld um sich geschmissen haben. Die Situation, wenn Leute, die man kennt, auf Parties besprechen welche Aktien man kauft und man dann merkt, dass man da nicht mithalten kann. “Money Left To Burn” 7


handelt einfach von dem Gefühl, das bisschen Geld, das man hat, nicht in NokiaAktien zu stecken, sondern mit Freunden zu verballern Wir sind jetzt schon ein paar Mal drauf zu sprechen gekommen: Auch das Leben am Tresen, das Trinken mit den Jungs und so ein Kneipen-Hedonismus sind ja zentrale Motive von Kettcar. Ich persönlich bin jetzt vielleicht tresenmäßig nicht immer in allervorderster Front dabei, da gibt es ein paar andere Kaliber. Aber was man auf alle Fälle festhalten kann ist, dass wir und unser ganzes Umfeld, also Marr, Tomte und so weiter immer so lange in irgendwelche Läden gehen, bis sie uns langweilig werden. Das war jahrelang das Molotow, jetzt ist es gerade der Schlachthof und da findet dann schon so ein zwangloses Abgesaufe statt. Und was auch wichtig ist: Wenn man merkt, dass ein paar Leute aus der Gruppe gerade finanziell ein bisschen klamm sind, dann wird halt an der Tankstelle Bier gekauft und sich vor den Laden gestellt. Und wenn es dann am nächsten Abend wieder besser aussieht, geht man wieder ein und trinkt White Russian. Wann bist du zum letzten Mal in einer Kneipenschlägerei gewesen? Das ist der erste Song auf dem Album. Da

war ich mit Thees unterwegs und bin in meine erste und einzige Kneipenschlägerei im "Radau" geraten. Ich würde sagen, es war ein besseres Unentschieden. Wir haben nicht gewonnen, aber auch auf keinen Fall verloren. Die Polizei kam und ich hatte so einen Typen die Wand hochgedrückt. In dem Moment fand ich es sehr emotional, ich war noch nie in einer Schlägerei gewesen. So kannte ich mich nicht, ich hab vorher noch nie ausgeteilt, da bin ich nicht der Typ für. Wie kam es dazu? Wir waren mit vier Frauen unterwegs und die haben gekickert und dann kamen so Typen, die die Frauen nicht nur erschreckt haben, sondern den Kicker so hochgehoben ist, dass das ganze Bier runtergefallen ist und so. Und da musste ich den Typen eben in seine Schranken weisen, wie man so schön sagt. Gutes Gefühl, wenn das Adrenalin so durch einen durchjagt? Ich kannte das halt nicht. Ich hab Zivildienst mit einem Typen gemacht, der sich jedes Wochenende geprügelt hat. Ich habe mich immer gefragt, wie der das anstellt. Ich bin ja auch ständig in Kneipen gegangen, aber ich hab mich nicht geprügelt. Ich war ehrlich gesagt überrascht, wie sehr mich das mitnimmt.

was ist was? the vaselines

mawe

beschreibung: schottische band alter: 16 ziel: getting drunk

teil der BMX BANDITS und gründete danach die band CAPTAIN AMERICA, um sie später in EUGENIUS umzubenennen. er hat noch ein nebenprojekt namens ASTRO CHIMP und gehört außerdem zum glaswegian allstar-konglomerat THE REINDEER SECTION. frances gründete nach 6 jahren wieder eine band mit namen SUCKLE und ihr eigenes label lefthand recordings. SUCKLE haben später ein album bei chemikal underground, dem label von AEREOGRAMME, ARAB STRAP, RADAR BROTHERS und den DELGADOS, veröffentlicht. das typische zitat: "we were bored, had no money and sick of it. we hoped someone would get the joke. they did and we live on." das untypische zitat: "heute gehen wir mal nicht ins pub, sondern in den proberaum!" nicht zu verwechseln mit: vaseline, the walkabouts, nivea

THE VASELINES sind eine band, die wohl sehr wenige kennen, aber einige ihrer lieder kennen sehr viele. wie das geht? jemand, der in einer anderen band spielte, war zufällig ein großer VASELINES-fan. und als dessen band bekannter wurde, wurde er nicht müde, von den VASELINES zu schwärmen. 1990, als sich die VASELINES schon aufgelöst hatten, lud er sie als vorband zu einem konzert in deren heimatstadt edinburgh ein, für das sie sich extra wiedergründeten. seine band coverte insgesamt drei VASELINES-songs: "son of a gun", "molly's lips" und "jesus wants me for a sunbeam". die rede ist natürlich von kurt cobain. die geschichte der VASELINES ist schnell erzählt. sie wurden 1987 von eugene kelly und frances mckee in edinburgh gegründet, später kamen noch eugenes bruder charles und james seenan dazu. stephen pastel, frontmann der PASTELS und ein freund der band, lud sie im gleichen jahr in sein studio ein, woraus direkt die erste single "son of a gun" hervorging, die er auf seinem neugegründeten label 53rd and 3rd veröffentlichte. im nächsten jahr erschien die zweite single "dying for it" und 1989, in der gleichen woche, als ihre LP "dum dum" bei rough trade erschien, lösten sie sich auf. cobain redete an sub pop hin,bis diese 1992 sämtliche 19 VASELINESstücke auf "way of the vaselines" wiederveröffentlichten. darauf befinden sich so großartige stücke wie die erwähnten von NIRVANA "übernommenen", an deren lo-fi-charme die coverversionen nicht annähernd rankommen. der schiefe male-female-gesang, das kinderhafte, das schwarz-weiße artwork mit dem hippiefoto (ich habe im internet nur 3 vaselines-fotos gefunden: "the vaselines sitting in the yard", "the vaselines sitting in the yard laughing" und "the vaselines with close-up of frances"), die songtitel ("rory ride me raw", "monsterpussy") und die seltsamen gospel-themen ("teenage jesus superstar", "sex sux (amen)"), all das zusammen hat einen ganz eigenen charakter, etwas, wo man irgendwie nicht dahinterkommt. nach den VASELINES war eugene kurz ein

11 questions to frances mckee in einer abenteuerlichen internet-odyssee habe ich frances aufgespürt und ihr per email ein paar fragen gestellt: what have you been doing since the VASELINES? after the VASELINES I was a school teacher for 7 years and during this time started making more electronic type music with james seenan who had also played bass in the vaselines. he helped me when I began writing SUCKLE music and then he decided to follow his path into electronica while I gathered up a few different musicians. then SUCKLE signed to chemikal underground. does SUCKLE still exist, or are you 'solo' now? SUCKLE still exists because I am suckle and I am not dead yet (I think!). or is this hell I 9


am in? has your approach to making music changed since the vaselines? yes. I think more about the whole arrangement of the song and also the lyric style has changed as well as the mood of the songs. have you ever thought of a reunion, or of another project with eugene? nothing has come up to tempt me yet. but who knows? do you consider yourself part of the glasgow scene? did you in 1989? because I never really go out ( I have a small baby) I do not feel part of any big music scene. I guess I did a bit more in '89 as a lot of us would meet up and get blind drunk. can you identify with the new york antifolk scene? it is difficult to identify with a scene that is geographically so far away. plus the closest I have been to NY is by watching 'sex and the city'. have you been friends with NIRVANA? how did they come across you? what do you think of the release of kurt cobain's diaries? have you read them? when we supported NIRVANA many moons ago, we were all blissfully unaware of how important their music would become to the masses. they all seemed

like nice people, but how can you become friends in a night? later after the death of kurt and while I was in seattle I met up with krist and his wife. that was a good experience. they were really nice people. I have not read the diaries. I am suspicious. I am too paranoid to write a diary just in case someone read them. who knows if they are genuine. aren't you a bit sad that the songs NIRVANA has covered of you are so much better-known than your own versions? of course not. if it wasn't for kurt cobain noone would have heard them! are you tired of having to talk about the VASELINES and NIRVANA? no, i can understand why people are curious. i would be too. the last film you saw at cinema, the last record you bought? the last film i saw was harry potter. the last cd was by dolly parton. your top ten records? some of my favourites are... nico: chelsea girls; tindersticks: any of them; velvet underground: vu; papa m; nick drake; lisa germano; kate bush; nick cave; low; johnny cash that's all my brain can cope with at the moment. sorry i can't remember titles.

NICHT IRRELEVANTES, LEBENSRETTENDES GENUSSMITTEL

Text: Jan Niklas Jansen Fotos: Birgit Kursikowski

Gestern also das Konzert von Kristofer Aström. Vielleicht lag es ja nur daran, dass der Mann etwas verkatert war, aber am Ende blieb einfach nur das Gefühl, es sei völlig egal gewesen, dass man da war. Ein wenig wie im Theater war das, wo man entweder persönlich beleidigt wird oder man hätte genausogut vor'm Fernseher bleiben können. Das Publikum als Teil des Geschehens? Forget it. Natürlich kann breit dargestelltes Elend unterhaltsam sein, aber Plot does matter und letztlich ist es spannender wenn Will Oldham über einen kräftigen Arschfick singt, als wenn jemand wie Kristofer Aström zum achten Mal über das Verlassen sein, Verlassen werden oder das vielleicht-doch-nicht singt. Ich, Ich, das Leidens-Ich, wie die De:Bug sowas beschrieben hat. Da fängt das Problem ja an, das Problem mit dem Indierock oder

wie man das halt so nennt, Befindlichkeitsmusik eben. Musik also, die sich selbst von sich selbst erzählt und dem Zuhörer bestenfalls die Rolle des Lauschers an der Tür überlässt. In den meisten Fällen ist das doch letztlich und vor allem im Konzert (hier bitte die Stimme von Thees Uhlmann hindenken) LANGWEILIG. Die Frage "Wie geht es Dir" ist das Ende des Gesprächs geworden, "Was machst Du" ist fast schon eine Zumutung. Mag daran liegen, dass kaum jemand etwas macht (ausser von Gefühlen zu erzählen, klar schon.) Vielleicht ist das ja die Quelle, aus der die letzte Blumfeld ihre Angepisstheit getrunken hat und vielleicht verstehe ich sie erst jetzt. Die Frage bleibt aber trotzdem (trotz Blumfeld? Trotz Blumfeld!): Was ist denn dieses Mehr, was ich von Musik will? Sich anschreien lassen? Wenn es das allei10

ne wäre, was die Sache spannend machen kann, könnte ich ja auch dabei bleiben mir Henry Rollins anzuhören, auf Dauer-Repeat. Und das wäre was? Klar. LANGWEILIG! Was wäre interessanter? Wie wäre es mit einer Band, deren Konzerte den Eindruck vermitteln, dass man einem Gespräch in einer fremden aber doch vertrauten Sprache zu lauschen meint. Dazu die Tatsache, dass man denken mag, da Tom Waits, Prince, Can und Motorpsycho gemeinsam auf einer Bühne zu haben. Ein Sänger, der ganz als Showman im klassischen Sinne (also im Grunde: wie von einem befremdlichen Planeten gestürzt) von einer Gruppe umringt war, die das Gefühl vermittelt, dass in jedem Moment wirklich alles passieren könnte. Wie wäre es also, mit der Band die im Kölner Basement das Konzert des Jahres 2002 gepielt hat. Nehmen wir also NILG. Eine Band, die die meiste Zeit ihres nicht ganz kurzen Daseins nicht gerade im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses verbracht hat, die aber gerade dort, im Abseits oder wie man das halt sagt, ihre ganz eigene Musik gefunden hat. Teile der Band haben schon bei Workshop mitgespielt und wenn man über die Musik von NILG spricht, sagt bestimmt irgendwann jemand "Krautrock". Wenn das Krautrock ist, mit Vergnügen an Instrumenten und Songstrukturen herumzubasteln, bis sie sich selbst nicht wiedererkennen, dann passt das schon. Wenn es

Krautrock ist, zu improvisieren ohne sich ganz muckermäßig was zu beweisen, dann stimmt das wohl auch. Freie Musik ist das und befreiend ist es, sie zu hören. Nehmen wir also auf der anderen Seite, dort wo die Langeweile gefesselt am Boden liegt und nur in Umbaupausen leise wimernd zu hören ist, Nilg: Sagt doch zuerstmal, wer ihr seid und was ihr macht, in der Band: Gondi: Gesang und Tanz und mit dabei. Und kleines Keyboard. Hannes: Und die Tröt. Gondi: Genau, die Tröt. Und die Trommelpeitsche. Matthias: Schlagzeug und selten auch mal Sampler. Und Gesang. Hannes: Bass. Und manchmal Schlägel. Kein Gesang. Und kein Tanz. Markus: Organist. Manchmal auch Gesang. E-Piano. Syntheziser. Gondi: Gitarre hast du auch schon gespielt. Jens: Gitarre, Klavier, einmal spiele ich auch Schlagzeug und ich mache die Aufnahmen. Gondi: Ja, und ich hab' die Ideen. Die Ideen habe ich, der Gondi. Und wer kriegt das Geld, das ihr auf euren Stadionkonzerten verdient? Gondi: Na, die Frauen und die Kinder. Na, mal von vorne: Wie lange macht ihr das schon? Hannes: Rund 10 Jahre. Jens: Hannes und ich seit 1991. Markus ist dann Ende 91 dazu gekommen. Gondi: So alt seid ihr schon, ja? Jens: 1992, nach unserem ersten Konzert, kam dann Gondi dazu. Hannes: Wir hatten damals noch eine Sängerin. Und nach dem Abi war ich sieben Monate lang weg und als ich zurück kam war dann der Gondi da. Gondi: Die Marcella habe ich praktisch live on Stage abgelöst. Matthias: Der Gondi kam da auf die Bühne und hat eine ganz bizarre Show gemacht. Da hatte unsere Sängerin dann keine Lust mehr. Gondi: Ich habe das gar nicht gemerkt und hinterher tat es mir furchtbar leid. Matthias: Der Gondi wusste auch nicht, dass sie nicht wusste, dass er kommen würde. Gondi: Ich wollte ja auch noch mit ihr zusammen singen, aber das wollte sie dann auch nicht. 11


Matthias: Ähnlich war es ja auch mit dem Schlagzeuger, den ihr mal hattet. Hannes: Also, in der Konstellation gibt es uns seit 1993. Macht ihr seitdem ähnliche Musik? Hannes: Das hat sich schon ziemlich entwickelt. Gondi: Nur fortentwickelt, nicht verändert. Hannes: Am Anfang hatten wir auch ein Song, der super nach Deep Purple klang. Das ist jetzt aber Off Record. Matthias: Es haben uns auch Leute mit den Doors verglichen, das ist uns jetzt auch wieder passiert. Markus: Wahrscheinlich weil wir eine Orgel haben. Hannes: Und weil Gondi eine Lederhose an hatte. Gondi: Ja, das war Doors. Und der Schlangenledergürtel. Der ist mir gar nicht aufgefallen. Gondi: Na der ist ja auch sehr dünnn. Der ist aus unheimlich vielen Schuppen einzelner Schlangen gemacht. Jetzt kommt meine MusikjournalistenFrage. Wie beschreibt ihr eure Musik, wenn ihr gefragt werdet? Nach allgemeinem Aufstöhnen: Matthias: Wie würdest du das denn jetzt beantworten, nachdem Du unser Konzert gesehen hast? Gibt es eine sinnvolle Übersetzung für das englische Wort "puzzled"? Gondi: Das ist doch ganz gut. Jens: Das ist ja auch immer das Band Problem, dass man nie weiß, was man da macht. Matthias: Es ist Rock, aber eigentlich auch nicht. Hat was mit Krautrock zu tun...

Jens: Live rockt es eher, während die Platten noch mehr puzzled sind. Gondi: Das ist auch insofern anders, als dass wir die Aufnahmen gar nicht live spielen können. Matthias: Die Stücke entstehen oft nach so einem Frickelprinzip, wo jeder nacheinander irgend etwas macht. Jens: Also die erste Platte ist eine dreiviertelstunde Lang und es sind 18 Stücke drauf. Und es ist kein Punk! Habt ihr euch für die zweite Platte was anderes überlegt? Matthias: Die Stücke sind so in den letzten fünf Jahren entsanden. Jens: Wir haben diesmal oft so halbstündige Sachen aufgenommen und dann haben wir versucht, das auf fünf Minuten runterzuarbeiten. Wo habt ihr die Platte eigentlich aufgenommen? Gondi: Bis vor vier Jahren sind wir jedes Jahr Sylvester in so eine Hütte gefahren. Hannes: Kein fließend Wasser. Gondi: Noch kein Telefon. Wir hatten ein Auto dabei und konnten einkaufen. Das Wasser ist nachts im Kannister eingefrohren. Hannes: Die Germknödel sind nachts aufgetaut... Aber ihr habt nicht vor vier Jahren das letzte Mal was aufgenommen, oder? Gondi: Nein nein, das letzte Mal vor ein paar Tagen. Hannes: Das ist auch ganz schlimm. Wir spielen ganz selten Konzerte, aber jedes Jahr zu Weihnachten in unserer Heimatstadt. Und seit fünf Jahren werden wir gefragt, wann denn die nächste Platte kommt. Gondi: Einmal im Jahr spielen wir auch in Paris. Jens: Ein Booker aus Paris hat uns vor langer Zeit gesehen. Der hat uns dann immer eingeladen und kommt auch immer aus Paris her um uns zu sehen. Warum spielt ihr denn so selten? Hannes: Wir können so selten. Wir haben ausserdem so unheimlich viel Kram, da braucht man immer einige Autos. Ich bin ja auch erst gerade aus den USA wieder da und jetzt geht Matthias nach Italien. Probt ihr denn trotzdem oft? Jens: In letzter Zeit verrückterweise einmal die Woche. Das ist für uns sehr oft. Aber unabhängig davon, ob das für ein Konzert oder eine Platte ist, macht das einfach total Spaß. Gondi: Wir haben ja auch oft

Ha! Jetzt habt ihr es gesagt. Hannes: Jaja,... Gondi: Der Matthias hat es gesagt, der Arsch. Sind die Konzerte und die Aufnahmen bei euch sehr unterschiedlich? 12

Auslandsaufenhalte von einzelnen Mitgliedern. Und in der Ersatzbesetzung na, zum Beispiel in einem der Jahre, in denen Hannes nicht da war... Jens: ... genau nach der Plattenveröffentlichung, um genau zu sein... Gondi: hatten wir einen Bassisten, der sich in die bestehenden Stücke recht gut eingefügt hat. Trotzdem haben wir in der Zeit stagniert und haben uns nicht weiter entwickelt. Mal was ganz anderes: Gondi, über was zur Hölle singst Du eigentlich? Gondi: Das kann ich ganz klar beantworten. Ich singe über gar nicht viel. Ich habe so ein Englischbuch für Wirtschaftsstudenten aus den 60er Jahren, daraus singe ich sehr viel. Hannes: Aus der Vokabelliste, aus der Aufgabenliste. Gondi: Gelegentlich werden mir auch mal Texte geschrieben, der Hannes hat schon mal einen ganz Tollen gemacht. Was mir in der letzten Zeit aufgefallen ist, ist, dass ich zu den Stücken, die die Band öfter spielt, immer öfter auf ältere Texte zurückgreife, die ich dann variiere. Ich hab' genug und die verwende ich halt immer wieder. Auch mit dem Improvisieren ist das ja so eine Sache. Wir nehmen uns so oft vor, die Stücke mal so zu spielen, wie wir sie eben kennen aber dann läuft doch alles anders. Wenn das dann einer nicht merkt - das bin dann vorzugsweise ich - kann man nur hoffen, dass das im Publikum keiner merkt. Hat natürlich keiner gemerkt. Wenn ein recht großer, bebauchter Mensch mit funkelndem Goldzahn, einem gerade eben die Brust bedeckenden "Super Girl" Oberteil und einer Jim Morrison Lederhose mal zum falschen Zeitpunkt ein Buch erhebt um mit voller Überzeugung Dialoge zu rezitieren (bevor er das Buch mit grandioser Geste ins Publikum wirft), dann denkt man sicher alles mögliche - aber nicht: Das war jetzt aber einen Takt zu früh. In meinem Fall denkt man da: Wie konnte es sowas zehn Jahre lang geben, ohne dass ich es bemerkte? Das mag daran liegen, dass die erste Platte "Do You Think It's Alright When I Say Hallo" (laut Band von Liebhabern der Band, also nicht zuletzt der Band selbst, liebevoll "Dityawish" genannt.) eigentlich nur noch bei oder über A-Musik in Köln (www.a-musik.com) erhältlich ist. Das zweite Album sollte eigentlich bei einem Ableger von Mouse on Mars' Sonig Label erscheinen, der inzwischen bankrott

gegangen ist. Was nun? Wollt ihr die Platte jetzt selber veröffentlichen? Jens: Wir haben zwar die Fühler ausgestreckt, aber das ist extrem schwierig gerade. Hannes: Wir hatten uns aber auch schon auf Selbstverlag geeinigt? Alle: Geeinigt? Gondi: Das klingt ja als hättest du mehrere Violett 3,5 mit Rosa drin. Jens: Wir haben alle verschiedene Rechtekarten und violett ist schon ziemlich hoch. Gondi: Ich glaube, der Hannes fälscht. Jens: Man darf, wenn man so Rechte hat, auch weitere Rechte vergeben. Aber eigentlich nur in Absprache. Der Gondi hat vor kurzem mal einfach eine Orange vergeben, das war ziemlich schlimm. Gondi: Und ich muss schon sagen, wenn der Hannes so weitermacht, dann setze ich mal mein halbes Schwarz ein. Dann wollen wir mal gucken, was passiert. - Allgemeines Ouh Gondi: Ich wollte das nur mal anmerken. Hannes: Naja, wir haben uns auf nichts geeinigt.

Vielleicht sollte da mal jemand nachhelfen. Bei einer Band, die nur ein paar Minuten braucht, um an alles zu erinnern, was an Musik toll ist. Kleinlabel dieser Welt vereinigt euch. Leute, kauft die erste NILGPlatte, bis A-Musik ganz schwindelig werden. Holt euch zumindest die MP3s bei http://www.jensschulze3000.de/nilg/index. htm und fragt euch, warum ich Ween bis hier her noch nicht erwähnt habe. Tut was ihr wollt aber denkt jedes Mal, wenn irgendein Typ auf einer Bühne uninspiriert vor sich hin jammert daran, dass euer Fandasein nicht komplett ist, wenn ihr NILG noch nicht gesehen habt. Das würde ich in Blut unterschreiben, so ernst ist mir das. 13


NY ANTI-FOLK

stefan wagner [wagner-stefan@gmx.net]

"We don’t want your Money, we want your Love" [Jim Avignon aka Neoangin] Letztes Wochenende waren wir in Frankfurt/Offenbach in meinem LieblingsClub, Ata’s Robert Johnson, der ja eigentlich eher für eklektische Elektronik-HouseTechno Bookings steht, um uns Jeffrey Lewis anzusehen, der für einige Konzerte nach England, Deutschland und Irland kam, zusammen mit Bruder Jack am Bass und Anders Griffen am Schlagzeug, einer der begehrtesten Drummer in der New Yorker Anti-Folk Szene mit langer Jazz Vergangenheit. Tolle Atmosphäre, direkt am Main, aufmerksames Publikum - wir haben die Show sehr genossen, es wurden sogar Videos gezeigt, in Form von A3-Zeichnungen von Jeff in einem Buch, das Anders umblättern durfte, und es wurde auch gerockt, neben den skurillen Geschichten... Am nächsten Tag auf dem Weg zum Zug trafen wir dann noch Mawe, der abends zuvor mit Mikrofisch auf einem Hausboot gespielt hatte, das hätte durchaus gut zusammengepasst, nea, jedenfalls meinte er dann, ob ich nicht Lust hätte, eine kleine Story über NY Anti-Folk zu schreiben. Klar doch, irgendwie hat sich dies bei mir im Laufe der letzten 2 Jahre doch zu einer grösseren Leidenschaft entwickelt und in meinen diversen Sendungen bei Radio Z einen festen Platz gefunden - nun gibt’s sogar wöchentlich eine Show. Aber fangen wir von Vorne an. Als ich Anfang ‘01 im englischen NME die Story über New York las und das Foto der MOLDY PEACHES, damals Adam im Robin Hood- und Kimya im Hasen-Kostüm sah, war bereits das Feuer entfacht. Dank Filesharing und der Website kam ich auch bald an Songs der Beiden, in die sich mein Indie-Herz sofort verliebte. Nachdem ich ihnen einige Playlists mit ihren Songs mailte, kam eine E-Mail zurück, leer, ??? - äh, hallo, ich fragte dann Kimya, ob sie Lust hätten, ein Interview zu machen, yes, sure....ein Termin wurde anberaumt, beide waren an unterschiedlichen Orten, Kimya gab mir Adams Nummer, an dem Tag, als es dann sein sollte mailte sie mir noch zweimal, um es nach hinten zu verschieben, denn sie müsse noch ein Kid wohinfahren und so, klar... Irgendwann nach Mitternacht rief ich dann

bei Adam an und wir hatten eine Konferenzschaltung und plauderten über eine Stunde. Über die Songs, die innerhalb 7 Jahren entstanden und garnicht als reguläres Album angelegt waren, erst durch Ryan, einem Freund, durch den StrokesDeal an die netten Menschen von Rough Trade/England weitergereicht wurden, die sofort ein Album rausbringen wollten, wie beide sich kennenlernten, Adam, der in einem Imbiss jobbte und öfter bei Kimya im Plattenladen abhing, er war damals 13 und beide besuchten die gleiche High School, und beide feststellten, dass sie die gleiche Musik mögen, somit wurde Kimya engagiert, Adam auf Konzerte in die City zu begleiten, über den Charterfolg in Holland, über die neue Platte von ihrem Freund und gelegentlichen Roady JOIE/DEAD BLONDE GIRLFRIEND, die sie mir durchs Telefon vorspielten und sehr ans Herz legten, und und und.... das war schon sehr sympathisch und frei von musik-business-taktischem Kalkül. Über ihre Website entdeckte ich noch mehr Links zu Artists aus der Anti-Folk-Szene, von denen viele auch Stücke auf mp3.com zum download anbieten. Klar, JEFFREY LEWIS, der eigentlich Comic Zeichner ist und laut Dina von PREWAR YARDSALE in England mittlerweile ein TeenIdol, aber eben auch schon viele tolle Stücke geschrieben hat, ein Album erschien dann ebenfalls bei Rough Trade unter dem Titel ‘The Last Time I Did Acid I went Insane and other Favorites`. Er hat auch zusammen mit Kimya eine CD aufgenommen, deren Songs zum Teil das Gerüst der neuen Allstar-Band THE BUNDLES stellen, die beide zusammen mit Jack und Anders auf ihrer 4wöchigen Europatour Ende ‘02 formierten. Ein grossartiges Projekt, wovon wir uns hier live überzeugen konnten und hoffentlich nehmen sie die Stücke bald mal auf.... Jeff schickte mir dann ein Tape ‘Anti-Folks and Bicycle Spokes` mit ‘28 Nuggets from the lost New York Scene` featuring MAJOR MATT MASON USA, der auch das Olivejuice Music-Label betreibt, PREWAR YARDSALE, die Band um das Ehepaar Dina Levy und Mike Rechner, DUFUS, ein Konglomerat um Seth ‘Quankmeyer` Faergolzia, die Jeff als eine der besten und strangesten Bands New Yorks beschreibt. Seth sei ein grosser, 14

schlanker Typ, eingekleidet in eine Unzahl von Ropen, manchmal nichts darunter und ist darüberhinaus Student der elektronischen Musik. Leider musste er einige Tage vor dem Nürnberg-Konzert im Dezember aufgrund angeschlagener Gesundheit wieder zurück nach NY. Auf dem Antifolk-Tape von Jeff entdeckte ich noch GUITAR SITUATIONS, eine wechselne Formation um Abigail ‘Babs` Todras, die auch bei TIMESBOLD die Violine spielt und mit dennen zusammen auch Jeff aufgenommen hat, STIPPLICON, von denen drei von vier nun auch die MOLDY PEACHES Band stellen und zwar Strictly Beats, Jack Dishel und Steven Mertens, DIANE CLUCK, von der auch Adam Green schwärmte, TURNER CODY, der wunderbare, berührende Songperlen auf seinen drei Alben geschaffen hat und zahlreiche mehr.... Viele der in diese Antifolk-Szene involvierten, die bereits in den 80ern durch eine wöchentliche Open-Mic-Stage im Fort/Sidewalk Cafe von LACH ins Leben gerufen wurde, spielen in unterschiedlichen Bands und supporten sich gegenseitig, dies ist auch eher ein Kriterium als ein übereinstimmendes musikalisches Genre, denn die Musik reicht von Punk, GaragenRock, Folk zu Songwriter-Musik bis experimetellen Sachen in Richtung Hip-Hop, oder Soundscapes. ANDERS GRIFFEN zum Beispiel bewegt sich auf seinem gerade erschienenen Album ‘All Over The Place` noch weiter über den Tellerrand. Es klingt wie einer Mischung aus Tortoise und Björk, er hat viele Gast-VocalistInnen und Musiker, u.a. John Convertino von Calexico versammelt und kommt eigentlich aus der Jazzszene. Urväter des Antifolk sind neben LACH sicher auch DANIEL JOHNSTON, oder JOHN S. HALL, der gelegentlich noch bei LivePerformances vertreten ist. Auch BECK hat angeblich seine Zeit in der NY AntifolkSzene verbracht. Nachdem die MOLDY PEACHES, sicher die

am meist geliebteste Vorzeige-Band der Szene, 2001 nur einige Festivals wie das belgische Pukkelpop spielten, kamen sie letztes Jahr für 6 Wochen auf Europatour, zusammen mit JOIE/DEAD BLONDE GIRLFRIEND. Mittlerweile hatten sie zu sechst eine neue Single ‘County Fair/Rainbows` mit Weirdo-Video eingespielt und ihr Konzert im Mai war definitiv mein Konzert des Jahres. In Nürnberg spielten sie vor über 200 Fans, das Zentralcaf=E9 im K4 war gepackt voll und eine suuuper Stimmung. Ich hab’s mir dann gleich nochmal im Münchner Feierwerk angesehen, denn irgendwie ging alles sehr schnell vorbei. Zugaben wurden keine gespielt, weil sie das irgendwann mal so beschlossen hatten und auch ihr Repertoire begrenzt sei, New York is like a Graveyard spielen sie seit 9/11 nicht mehr, was auch verständlich ist... Aber irgendwie fühlten sie sich auch aufgrund des anhaltenden, überschwänglichen Applauses nicht ganz wohl dabei. Jedenfalls blieben sie noch lange und mischten sich unter die Fans. Autogramme wurden gegeben, es wurde geknuddelt und wie in ihrem Gästebuch nachzulesen ist, waren viele richtig happy... Zu dieser Zeit erschienen dann auch über Rough Trade die Solo-Alben von ADAM GREEN und KIMYA DAWSON, die bereits 3 Longplayer aufgenommen hat. Und wem die tiefgründige Seite bei den Moldy Peaches bislang verborgen blieb, wird sie hier erkennen. Beide schaffen es, mit ihren homemade-Songs tief zu berühren, sogar das Magazin für elektronische Musik und Lebensaspekte de:bug wählte ADAM GREEN in die Redaktions-charts. Adam präsentierte die Stücke in den Staaten als Support von BEN KWELLER, der wiederum mit Kimya ein Stück für sein Album ‘Sha Sha` eingespielt hat, BADLY DRAWN BOY und THE STROKES, mit denen sie befreundet sind. Mittlerweile wurde ja schon viel über die MOLDY PEACHES und Antifolk im allgemei15


nen geschrieben, Die Zeit erkor es zum Feuilleton-Titelthema, manche sprechen von Hype, zudem ist neben den zahlreichen hier nur schwer erhältlichen Veröffentlichungen die Antifolk Vol.1Compilation, zusammengestellt von Adam und Kimya mit 18 weiteren Artists, über Rough Trade/Sanctuary/Zomba erschienen und sollte in jedem Plattenladen erhältlich sein. Dennoch würde ich es nicht als das grosse, neue Ding sehen wollen, das hat diese seit langem existierende Szene auch gar nicht nötig und bei der letzten Tour, die sie selbst organisiert hatten, ohne Agentur- und Labelsupport, schwiegen sich dann schon wieder die zuvor begeisterten Medien aus. Lag’s daran, dass keine Anzeigen geschaltet wurden??? Das Ding an dem Antifolk ist gewiss ein sehr subjektives, das Dich aufgrund ähnlicher Lebenserfahrung und - einstellung packen kann, auch wenn Du musikalisch eher nach dem Neuen, innovativen Sound suchst. Das sind nämlich 2 ganz unterschiedliche Seiten, die uns Musik geben kann....

Superstars eher untergehen könnten, die PEACHES mal ausgeschlossen. So wurde der Antifolk-Sampler vom britischen NME auch eher verrissen, kein neuer Hit der Stars, schrieben sie und verstehen nicht, worum es hier im Eigentlichen geht. Letztendlich scheint keine/r ein geringstes Interesse daran zu haben, in den Olymp der Rock-Grössen zu steigen, wichtig ist der Spass, Kritik an bestehenden Strukturen und sein Ding zu machen und das mit anderen, Gleichgesinnten zu teilen. Ob das in dem durchstrukturierten Pop-Kultur-MarketingApparat langfristig funktioniert ist natürlich fraglich, sicher bin ich mir aber, dass uns aus dieser Ecke noch weitere, grossartige Platten erreichen können, ohne jedoch die Musikgeschichte neu zu definieren. Böse Stimmen werfen den MOLDY PEACHES und Kimya einen Sellout vor, möglicherweise, weil sie für Pizza Hut und Hewlet Packard einen Song geschrieben haben, ersterer wurde bereits von Pizza Hut abgelehnt. Oder vielleicht weil Kimya den CMJElectroclash Event auf MTV moderiert hat.... Wenn mensch sucht, liessen sich sicher manche Punkte finden, die irritieren, somit auch das Stück zusammen mit THIRD EYE BLIND, aber sollte man nicht auch danach fragen, warum jemand dies tut? Ich bin überzeugt, ja - das bin ich wirklich, dass sie trotz dem Rummel zu ihren Idealen stehen und Nichts des grossen, schnellen Geldes wegen machen würden. Aber durch die Kunst, die wir machen, zu (über)leben ist ja nur legitim, solange sie nicht darauf ausgelegt ist. Und so werden wir sicher noch eine ganze Weile warten müssen, bis es neues Material der MOLDY PEACHES gibt, manche sprachen schon von Auflösung, das dementiert Kimya, dennoch geht sie und Adam derzeit eher getrennte Wege, aber zu Weihnachten traf man sich dann wieder zur Open Mic im Sidewalk. Und für Fans haben sie noch die MOLDY PEACHES 2000/THE MOLDY PEACHES Unreleased Cutz and Live Jams 1994-2002 Doppel-CD zusammengestellt, nach der es sich zu suchen lohnt. Und im Frühjahr soll dann auch das neue Album von JEFFREY LEWIS kommen...und Toby hat auf Unicornsounds gerade eine Compilation mit vielen Freunden herausgebracht....und Kimya vier neue Songs....

Dass es kein Massenphänomen wird ist da fast schon erfreulich, ist BONNIE ‘PRINCE` BILLY ja auch nie gewesen, am ehesten werden sich Menschen angesprochen fühlen, die auch mit der Kunst eines HARMONY KORINE, LARRY CLARK, JT LEROY, oder DENNIS COOPER, oder auf musikalischer Seite THE DANIELSON FAMILE, THE FROGS, die mittlerweile Kontakt zu Kimya gesucht haben, oder THE PHENOMENOLOGICAL BOYS, ein skurilles Projekt einer Dame aus Sommerville/ Massachusetts auf dem feinen Kölner Tomlab-Label. Es geht hier doch vielmehr um persönliche, teils intime, manchmal strange Geschichten, die am besten in einem solchen Umfeld wahrgenommen werden und auf den grossen Festival-Bühnen neben 16

Einige Anti-Folk Links www.antifolkonline.com www.antifolk.net www.olivejuicemusic.com www.moldypeaches.com http://kimyadawson.diaryland.com www.adamgreen.net www.thejeffreylewissite.com www.dufus.tv www.unicornsounds.com http://www.piwu.net/live/on/index.html

allumfassende Fan-Site von Brad Willis mit Interviews, Reviews, Konzertberichten... Lach’s “wieder belebte” Site Label von Major Matt Mason USA Moldy Peaches Seite Kimya’s Online-Tagebuch Adams Seite Jeffrey Lewis Seite Dufus Seite neue Seite von Toby Goodshank und seinem Label Anti-Folk-Abend in Paris als MP3-Download

some Recommendations..... Anders Griffen The Bundles Toby Goodshank Adam Green Kimya Dawson Jeffrey Lewis Antifolk Vol.1 Compilation The Baby Skins Toby & Crystal Dufus Turner Cody Prewar Yardsale

All Over The Place [olive juice] - unreleased Music For Heroes Vol.1 - The Danger Vat [-- /olive juice] dto/Garfield + Dance With Me MCD [rough trade/sanctuary/zomba] Sorry, that sometimes I’m mean + Knock-Knock Who? [rough trade/sanctuary/zomba + ----] The Last Time I did Acid.... [roughtrade/sanctuary/zomba] [rough trade/sanctuary/zomba] Optional Rally Funpack [---] a Christmas Placation[unicornsounds/olive juice] 1:3:1[faer awae reckrds/pro-anti] who went west... [pro-anti] lowdown [olive juice]

Jeden Montag gibt’s unter folgendem Link www.radio-z.net im Livestream eine halbe Stunde Antifolk.


was ist was? young marble giants

noch zwei 7": "final day" und die instrumentale "testcard EP", die es auf platz 3 der englischen indie-charts schaffte und vermutlich namens-geber für martin büssers magazin TESTCARD ist. "colossal youth"

beschreibung: englische band alter: 24 ziel: was gegen die langeweile tun

zem intermezzo mit thomas d. und nils bokelberg auf einer landkommune in der eifel jetzt in köln die band KATZE. "throw that beat in the garbage can" ist übrigens ein lied von den B-52's. das typische zitat: "life is always better when you're toeing the line"

das untypische zitat: "laß uns mal noch zwei, drei overdubs auf den gesang legen." nicht zu verwechseln mit: marble madness, YMCA, the young offenders

musik im diskurs 1980 erschien auf rough trade die erste und einzige LP der aus cardiff, wales, stammenden YOUNG MARBLE GIANTS (alison statton, stuart moxham und philip moxham): "colossal youth" (natürlich namensgeber für die l'age d'or-band KOLLOSSALE JUGEND). aufgenommen in 5 tagen und abgemischt in 20 minuten war das wohl eine der kürzesten aktionen mit den relativ betrachtet größten auswirkungen der musikgeschichte. der ultra-reduzierte sound bestand aus einer abgedämpftem gitarre oder auch nur bass, meist mo-nophonem keyboard und einer drummaschine, die ein mit der band befreundeter telefontechniker selbst gebaut hatte und die auch das charakteristischste element der musik der YMG liefert, eine art klicken, das sich anhört, als würde man mit einem hammer auf den holzfußboden klopfen (downbeats, also die stellen, wo man "normalerweise" eine bassdrum erwarten würde, wurden einfach mal ausgelassen). und natürlich aus dem unterkühlten, filigranen gesang alisons. in ihrer ganzen stripped-down-ness wirkt die musik unheimlich intensiv - wenn man alles wegläßt, was man weglassen kann, bleibt der song AN SICH übrig, die essenz des songs, in diesem fall des perfekten popsongs. das paßte natürlich gar nicht in die newwave-zeit der angehenden 80er jahre, erst in den 90ern zeigte sich ihr einfluß - nach techno und den unbegrenzten möglichkeiten digitaler aufnahmetechnik wurden lo-fi und reduktion wieder sexy. ich wurde überhaupt erst auf YMG aufmerksam, weil mir jemand sagte, daß ihn die basslinien von MINA sehr an YMG erinnern. die bekanntesten YMG-coverversionen kommen übrigens von HOLE ("credit in the straight world"), GALAXIE 500 ("final day") und THE MAGNETIC FIELDS ("the man amplifier"). nach "colossal youth" erschienen 1981

wurde 1990 von rough trade und 1994 von les disques du crepescule auf CD wieder veröffentlicht, letztere enthält auch die beiden 7" sowie das großartige lied "ode to booker t.", das 1979 auf einer cardiff-compilation erschienen war und rough trade auf die band aufmerksam gemacht hatte. 2000 hat stuart moxham noch mal die präcolossal-youth-demoaufnahmen gemastert und als "salad days" auf vinyl japan veröffentlicht, da gibt es zwar einige unveröffentlichte tracks, aber größtenteils doch die songs von "colossal youth" und die soundqualität ist recht mies, so daß man lieber versuchen sollte, letztere zu kriegen. nach dem ende der YMG 1981 machte alison statton mit WEEKEND eine art loungejazz und später mit anderen bands (DEVINE & STATTON, ALISON STATTON & SPIKE) folk. stuart moxham, der hauptsongschreiber der YMG, brachte mit seinen freunden als THE GIST mehrere singles und im jahr 1983 eine abschließende LP heraus, um anschließend nach london zu gehen und seit 1993 unter seinem eigenen namen zu veröffentlichen. noch eine anekdote am rande: als ich vor kurzem bei einem meiner stümperhaften versuche, DJ zu sein, ein YMG-stück spielte, rief jemand, der mir kurz vorher als ehemaliger bassist von THROW THAT BEAT IN THE GARBAGECAN, von denen ich großer fan bin, vorgestellt wurde, nach den ersten 3 drum-tönen: "hey, young marble giants!" und wünschte sich gleich noch ein lied von ihnen. dazu gleich noch eine geschichte im stil von "was macht ... eigentlich heute?": was macht der bassist von THROW THAT BEAT eigentlich heute? er spielt bei der band von GERALDINO, einer art indiekinder-clown aus nürnberg. was machen die anderen? iwie candy x07 hat eine video-produktionsfirma in hamburg, klaus cornfield hat nach langer solo-zeit und kur18

01.01.2003

diesmal mit: [a] archie müller, musiker und labelbetreiber (schinderwies productions) [s] stefanie schrank, musikerin (locas in love) [b] björn sonnenberg, musiker (locas in love, unser kleiner dackel) und labelbetreiber (wald und wiesen tonträger) [mi] mimi [m] mawe

m: aber er kann an wänden hochgehen. b: nee, ist doch scheißdreck. steht das dann auch so im heft drin? steht da auch jetzt zum beispiel "archie: ho, ho, ho!"? ach, da ist ja jeder ton uncool an der platte! nein, das darfst du nicht schreiben, die tun mir leid. vielleicht sind die ja nett! woher sind die eigentlich? m: aus österreich. b: die fahren jetzt bestimmt gerade snowboard. also, mein vorschlag wäre, eine neue platte aufzulegen, damit vergeuden wir doch nur unser leben.

quasi die letzten übriggebliebenen gäste von der silvesterfeier, verlängerten wir den jahresausklang gleich in den ersten spätnachmittag des neuen jahres und begannen dieses gebührlich mit einem "musik im diskurs". wie immer gilt: jeder der beteiligten hat seinen eigenen geschmack, den er auch auf teufel komm raus gegen die anderen verteidigt. subjektivität, here we go.

ANORAK DS: an einem tag im mai (www.anorak-ds.de) a: ah, das sind die. ich hab aber eine andere. b: ich hab auch eine andere. m: ja, wir pop you-macher kriegen ja immer nur die aktuellsten sachen geschickt! klingt sehr schön bis jetzt. a. aah, der gesang ist ganz schlimm. hilfe! s: jaa. m: der erinnert mich an irgendwas. b: kante? m: ja. b: "keiiit" - auch die vokale so zu ziehen. m: es gibt ja nur ganz wenige arten, wie man in deutsch singen kann. entweder es klingt wie selig oder nationalgalerie, oder so kaputt wie rio reiser, oder wie tilman rossmy. b: dann natürlich noch dieses greinen, dieses "oooh jaaah". aber dieser song ist gar nicht schlecht, mach mal weiter. a: es ist schlecht aufgenommen. b: die band ist aber echt ok, glaub ich. m: ich finds auch gut. b: nur der gesang, der bringts nicht richtig. eine gruppe steht und fällt mit dem gesang.

ZUKA: an seinen stiefeln klebte brot (wohnzimmer records) b: das ist bestimmt witziger hiphop. s: kein so toller name. b: ob man das "sooka" ausspricht oder "zucker"? a: das ist viel zu gut englisch gesprochen. b: das ist kein gutes englisch. a: ja, halt so gestelzt. m: das klingt wie jamiroquai. und ich hasse jamiroquai. s: das ist schon mal schlecht. m: haßt ihr etwa nicht jamiroquai?! b & s: dooch. m: archie??! a: ich hab so ein tape, der linkshänder hat mir das mal aufgenommen. das fand ich gar nicht so schlecht. b: ich glaub, der typ ist ein idiot. der fährt doch immer mit so sportwägen rum.

MATTHIAS' SOUNDWORLD: ride on through the darkness (www.matthiassoundworld.de) 19


b: das ist glaube ich der bruder von einem von sternbuschweg. m: die vertonen immer so rimbaudgedichte. hatten mal ein super stück auf einem komm küssen-sampler, "pour les rokkstars morts". b: bißchen blöder titel. klingt so wie "break on through to the other side". a: oder wie gothic metal. aber das find ich bisher ganz toll. b: es fängt zumindest ganz drollig an. s: trollig. a: jetzt wirds problematisch. das schlagzeug hätte jetzt nicht einsetzen dürfen, der gesang auch nicht. b: das klingt jetzt wie ein schwaches stück von einem pitti-platsch-sampler. a: oh, und die gitarre gefällt mir jetzt auch nicht. schade, die ersten sekunden waren superwunderschön. b: ich mach mal ein anderes. a. das fängt auch wieder schön an. b: das ist doch immerhin was, die band mit den guten liedanfängen. ist doch besser, als wenn alles scheiße ist. aber scheiße ist es ja nicht. im moment klingt es auch ein bißchen so wie diashowmusik von meinen eltern. a. diesen kitschansatz finde ich aber ganz gut. m: oh, dieses saxophon ist fürchterlich! mi: so schlimm find ich das gar nicht. b: das ist ein bißchen nichtssagend produziert. wir werden nicht so richtig schlau draus. kann ich das so sagen für die gruppe? a. das trifft den nagel auf den punkt.

mi: aber du kennst ja auch nicht die anderen leute. vielleicht ist "matthias' soundworld" einer, der auf der straße lebt und zwei freundinnen hatte, die sich wegen ihm umgebracht haben. m: ok, dann lassen wir das weg. er macht halt seit jahren sein selbstmitleid-ding... b: findest du? s: ich finde auch nicht, daß es selbstmitleidig ist. m: habt ihr ihn mal live gesehen? b: also, ich fand ihn humorvoll und rührend. m: es war ja nicht negativ gemeint. ich bin ganz großer tom liwa-fan. und ich finde schon, daß er auf seinen konzerten so was selbstmitleidiges rüberbringt. wenn er da so ganz alleine unterwegs ist... b: das gefällt mir vom sound her insgesamt alles nicht so gut. a: ich finde den gesang so gezwungen hauchig. ich hab immer ein problem, wenn ich das gefühl habe, auf dem gesang ist so ein effekt. b: nein, der spricht auch so. der hat echt so eine stimme. das ist so, wie wenn du shane mcgowan von den pogues sagt, daß er bewußt versoffen klingt. m: er ist auf jeden fall ein sehr angenehmer kerl. er hat auch so themen, die in seinen liedern immer wieder auftauchen. z.b. daß jemand auf dem rücksitz im auto sitzt, daß sie nachts irgendwo hin fahren... jetzt die zweite CD: "nostalgia no existe". das versteh ich irgendwie nicht. b: muß irgendwas politisches sein, so eine platte zu machen. solche platten sind immer statements. mi: das ist ganz furchtbar! b: he komm, das ist doch quatsch! also das booklet hat mich jetzt richtig sauer gemacht. mit diesen hexen. s: so schlimm ist es jetzt auch nicht. ich hätte gern noch ein bißchen mehr gehört. b: wir kaufen die ja wahrscheinlich sowieso.

TOM LIWA: two originals of... (normal records) m: eine doppel-CD mit lauter neuen liedern. die eine CD ist tom-liwa-typisch, die andere ist ganz seltsam, da hat er eine HC-punkband gegründet. erst mal die "richtige", die heißt "ich reite ein pferd, auf dem sonst nur frauen reiten". b: was soll denn das? s: versteh ich auch nicht. b: tom liwa find ich echt total spitze, aber manchmal find ich, daß der auch quatsch macht. grundsätzlich find ich den einfach total super, aber manche sachen find ich komisch, vor allem wenn er mit glauben anfängt. m: vielleicht ist es für uns eh schwierig zu verstehen, er hat ja eine familie, er hat ja ganz andere probleme. b: und deshalb heißt seine platte "ich reite ein pferd, auf dem sonst nur frauen reiten?" naja...

GRAND CHAMPEEN: battle cry for help (munich records) m: oh schön! junge leute mit verkehrt rum aufgesetzten baseballmützen. b: garantiert amis, oder? super, oder? a: nee, gefällt mir nicht. b: gut gesungen, gut produziert, der beat ist super und der song ist auch einfach gut. m: aber der gesang ist schon wieder fast ein bißchen so emo, was ich überhaupt nicht ausstehen kann! a: schlimme schweinerock-gitarre. klingt so wie meine allererste band. 20

s: ich mag den zweistimmigen gesang. das find ich fast immer gut. m: ich auch, aber nicht wenn er so klingt. diese quinten, das ist auch so ein typisches emo-ding. aber die musik finde ich sehr schön. b: schöne akkordfolgen. m: auf den punkt gespieltes schlagzeug. b: treibende bässe. a: das ist so gut eingeprobt, daß sie irgendwie die seele verloren haben. mi: es ist nett, aber nicht mehr. m: es gab schon bessere sachen auf munich auf jeden fall.

geschickt kriege und nicht nur so... b: so pop mit schlechten drumcomputern. STARMARKET: song of songs (background beat) b: geil, starmarket! das sind schweden, oder? die hatten mal so ein weißes album. a: das waren doch die beatles. b: ach ja. mit den ganzen bands aus schweden kommt man schon durcheinander. jaa, super! a: björn steht auf schweinerock. b: nee, das ist kein schweinerock! das ist super! obwohl... s: ich finde auch, du solltest dir das noch mal überlegen. b: streich das mal aus dem protokoll, ich will meine meinung noch mal überdenken. aber das cover ist schön. ich mag so holzschnitte. a: sind so sozialistisch. b: starmarket sind schon ok. obwohl... als ich 16 war, hab ich das halt gerne gehört, und ich bin mir nicht sicher, ob ich jetzt einfach nostalgisch bin... a: ja. mi: klingt so smiths-mäßig. m: das ist superschön. sehr, sehr schön. das schönste lied, was wir heute gehört haben. ähnliche hymne wie for stars. b. two thumbs up. a: ich kau noch an den fingernägeln.

PALESTAR: coming up for air (www.palestar.de) b: das könnte jetzt ja... ist es grunge? ist es ein flugzeug? a: irgendwie hören sich alle gesänge gleich an, die wir bisher gehört haben. b: das ist so... langweilig. könnte auch irgendeine britische band mit majordeal sein. das ist auch ein bißchen so gesungen wie muse, eine der bands, die ich am allerscheißigsten überhaupt finde. wenn ich das jetzt raustäte, wäre das ok für alle? m: wir haben zwar nichts gesagt, aber das spricht ja auch wofür. GRIMBLE GRUMBLE: sad (jellyfant) b: das könnte mir gefallen. das ist bestimmt über clowns und so. m: da sind nur 3 lieder drauf und das zweite dauert 20 minuten! mi: bis jetzt ganz gut! a: find ich auch nicht schlecht. m: das foto ist super! b: ach, das hättest du mir besser nicht zeigen sollen. ich wollte grad sagen, das ist ein bißchen wie mazzy star. auch ein bißchen wie low. m: ich finde den gesang ein bißchen zu sphärisch. a: komisch, ich wollte gerade sagen, da finde ich das elfische gelungen. m: würde ich gerne live hören. a: aber der albumtitel und der bandname ist scheiße. obwohl das aus einem syd-barrett-sück ist, grimble grumble. aus dem stück "gnome" auf der ersten pink floyd-platte. b: das ist echt ok. wenn das amis sind, dann find ichs noch besser, wenns deutsche sind, dann vielleicht nicht ganz so gut. ich weiß nicht genau warum... m: ich bin froh, daß ich auch solche musik

THE 05: pretty nonsense (firestation tower) a: das hört sich an wie "skandal im sperrbezirk". b: mawe, schreib mal dazu: the 05 sind beeinflußt von der spider murphy gang und anderen ikonen der 80er. scheißdreck! m: nicht so schnell, mein freund! a. so schnell schießen die preußen nicht! b: das ist so ein quatschgesang! a: ich find die orgel schön. m: der gesang imitiert so englische bands wie sultans of ping f.c., so punk-artige bands. b: oder auch so buzzcocks-mäßig soll das klingen. aber das ist so dünn auf der brust. der song ist auch ein bißchen schwach. a: ah, ein korg-keyboard. b: bass und gitarre klingen total komisch, wie so effektboards, preset 47. blöder rave-beat! darf ich euch mal ein paar titel vorlesen? tears of our love, ordinary lovesong, fly your dreams, flying wonderworld, broken dreams - das ist wie eine schülerband. 21


V.A.: JEFF RECDORDINGS (crippled dick hot wax!) m: "from the walls of sound engineer jeff nikau. rough beats from peru and trinidad 1972 - 76". b: ich finds jetzt schon gut. a: das hätte gestern zur silvsterparty gepaßt. m: gala-musik. b: dazu seh ich mich im anzug tanzen. auf dem times square. a: elevator music. das ist so ein act, der in der mälzerei spielen würde. m: wo 30jährige alternative midlifecrisis-frauen kommen. mi: oder so extrem glückliche tolle leute. m: also, ich bin nicht so der weltmusik-freak. b: ich hab mal n workshop gemacht, und seitdem steh ich total auf djembe und alles... nee, das hab ich jetzt erfunden.

wäre. das schlagzeug klingt nach einem toten raum - den man ja will als sound engineer, aber mir gefällt das besser, wenn... m: björn, der versucht so zu singen wie du! oder hast du da gesungen? b: ach komm! hör doch mal zu, das ist eigentlich ein schöner song. m: ist das ein absichtliches aeronauten-zitat? b: jaja. a: finde ich von den deutschen gesängen, die wir bisher gehört haben, am besten. b: die haben zwei sänger. den hier find ich super und den anderen furchtbar. also nicht als mensch, sondern als sänger. muß ich ja dazusagen, falls die das hier lesen. a: das ist aber schon so tocotronic-artig. b: ich glaub die kennen die band nicht mal. jetzt ganz im ernst! s: wirklich? b: die kennen doch gar nichts! m: schöne orgel! a: ich wollte mich jetzt nicht wiederholen. b: erkennt jemand das musikalische zitat? a: was - "schöne orgel"? b: nein, später haben wir "a whiter shade of pale" gespielt. übrigens danke, ich hab nämlich die orgel persönlich gespielt. m: also mich hauts jetzt nicht um. es sticht nicht besonders raus. bei deutschsprachiger rockmusik gibt's im moment nur wenige sachen, die ich gut finde. aber der refrain ist super. b: hast du gelesen, wen die alles grüßen? s: ganz schön peinlich. b: wheatus. a: was, die beatles? s: das wäre ja noch cool. a: aber schau, die grüßen tatsächlich die beatles! die eels, die foo fighters, pearl jam, die ärtzte... uiuiui. s: und system of a down. a: eltern und familien natürlich. so was uncooles. b: ich sag das jetzt mal, vielleicht lesen die das ja: die schwester vom jörg hat noch meine ganzen platten. die hätt ich gern zurück.

MOB: i believe in you (tumbleweed) b: da leg ich mich schon mal zurück, die find ich nämlich irgendwie ziemlich langweilig. aber es ist nicht schlecht. oh, jetzt hab ich was gesagt, das euch bestimmt voreingenommen macht. ich habs verwechselt mit einer anderen band. m: wie heißt die? b: bom. m: bis jetzt find ichs super. b: nee, das ist echt ok. die akkordfolge ist auch schön. ist doch auch so diese mogwai-schiene, oder? m: erinnert mich ein bißchen an die sachen, die notwist ganz früher gemacht haben. b: als sie noch verfilzte haare hatten. mi: der gesang erinnert mich ein bißchen an robert smith. m: sind glaube ich aus dänemark. und otto waalkes hat uns ja gelehrt: dänen lügen nicht. b: gut. a: naja. m: der archie ist ganz schön anspruchsvoll! b: da steht in der info bestimmt das adjektiv "verspielt-krachig". m: ist schon ganz gut, daß die leute mal wieder ein bißchen lärm machen. s: ich finds auch gut. aber man wartet ein bißchen lang, bis was neues kommt.

STARSILVER: demo (www.starsilver.com) m: aus augsburg britpop city. mi: ich mag das nicht, wenn leute so singen. s: ah, ich weiß was du meinst. ich mag das auch nicht. a: so ein timbre. mi: oh nein, das find ich ganz furchtbar! da könnte auch gleich melissa etheridge lossingen.

NOVA KANE: II (www.nova-kane.de) m: das hat björn produziert. mi: ich fand die vorherigen gut. darf ich das noch draufsagen? a: ich fänds gut, wenn der sound besser 22


b: das ist doch gut! m: ich mag die stimme auch nicht. b: aber das ist doch anständig gemacht. das ist ne nette demo! a: das ist ja das schlimme, wenns anständig ist. b: ich würds mir auch nicht kaufen, das ist so wie skunk anansie. aber das sind bestimmt keine arschlöcher. mi: das behauptet ja auch keiner. b: das habt ihr alle gesagt. (nah am mikro:) DIE HABENS ALLE GESAGT! = außer BJÖRN! m: langsam hab ich hunger. a: wiener würschtl wären nicht schlecht. b: vielleicht zum polt? m: zum polt a brezn! a: und a sauerkraut. m: oh ja! und bratwürscht!

gelegt, als er so krank war und sich nachmittag hingelegt hat. dann hätte er sich entspannt für zwei. UWIK: mimikry (www.uwik.de) m: wunderschöne verpackung. die hülle ist selbstgebastelt aus pappe und holz mit klettverschluß. als oldenburg... b: wo dieter bohlen herkommt! b: hab ich euch von dem sampler erzählt, der in dem walkman in dem betonklotz eingegossen war? a: gefällt mir gut bisher. b: ja, mir auch. a. ist das nicht langweilig, björn? b: du bist langweilig. archie! a: jetzt geht's aber los hier! das wird jetzt zu einer diss-veranstaltung. m: diss-disco. b: das ist ein bißchen wie tortoise. super, weils live gespielt wird. a: du könntest es auch genauso in den computer einspielen und dann loopen, dann würde sichs genauso anhören. b: ja, das wär auch super. s: das cover will man immer wieder auf- und zumachen. b: am liebsten würde ich mirs anziehen statt dem hemd, das ich gerade trage. s: das sähe bestimmt schön aus. m: das klingt wie stereolab. heißt auch "ask stereolab". super, super! a: das ist - außer lame gold - bis jetzt das beste, was wir gehört haben. a: bißchen zögerlicher gesang. so wie wenn sie nicht gerne singen würde. b: der ist nicht toll, das stimmt. aber instrumental ist es echt stark. s: und man bräuchte den gesang auch gar nicht. b: ja, scheiße, daß die singt. s: ach komm! a: ach! mi: mensch! b: archie, kennst du die archie-comics, wenn du auch in den usa warst? a: jaa. ab da wollte ich mich dann umbenennen, weil ich die so peinlich fand. b: die sind doch super! mit denen hab ich englisch gelernt! a: der volle loser ist das! b: der ist kein loser. und was ist donald duck dann? a. auch ein loser. aber ich heiß ja nicht donald. b: der archie läuft, seit das mikrofon an ist, zu unbekannten hochformen auf!

LAME GOLD: the homecoming concert (payola) b: mawe hat nasenbluten und björn legt eine neue CD ein. m: das ist einer von märz. ein hörspiel. b: was, märz? mi: die haben ein lied, das finden alle total super. das mag jeder. a: aber das ist das schlechteste! m: "everybody had a hard year". b: wieso sprichst n du so tuntig? s: mann, der mawe hat doch nasenbluten! wenn du ihn auch haust! mi: das ist doch ein beatles-song, oder? a: ja, von "don't let me down" ist das so ein mittelteil. b: ist ganz schön. m: da passiert mir zu wenig. a: das ist aber das schöne! b: wobei, eineinhalb minuten das selbe riff hören, das ist schon... a: ...geil! das ist doch die velvet underground-schule! b: neeneenee, archie. da hast du was ganz falsch verstanden, mein freund! a: nee, das ist genau das. wo meine oma sagen würde: "da bleibt doch d'plattn hänga!" und wo ich dann sagen würde: "jaa! genau!" - muß ich mir holen. b: ist das ein album? m: ja. stehen aber keine tracktitel drauf. b: das ist kunst... s: schön und langweilig. a. ich muß mich vehement wehren! ich finds sehr spannend. das spannende im monotonen. b: aber wir brauchen jetzt songmusik. das hier hätte ich gestern gern dem mawe auf24

MODUS NOA: demo (www.modus-noa.de) a. sehr schön, in bißchen nach contriva klang das jetzt. m: oh, sowas finde ich immer gut. wie bei notwist auf der "12". so kurze verzerrte gitarren. - das lied ist jetzt völlig anders als das erste. warum machen die jetzt funk? mi: schade. b: da sind die beats nicht so toll. die grooven nicht richtig, die helfen dem song nicht voran. - ich weiß nicht. ich machs aus. mi: nee, laß mal! s: halt! a: dieses keyboard finde ich schön. b. ich nehm mal ein album nur für dich auf. das laß ich auch nur einmal als dubplate pressen. und da mach ich nur keyboard drauf und langweilige beats. a: dann gefällts mir. m: vielleicht sollten diese modus noa lieber keinen sampler machen, auf dem jedes lied von ihnen kommt, sondern sich für irgendwas entscheiden.

tionskriterium. wenn etwas so akademisch schön produziert wurde, dann kann das den ganzen sound kaputtmachen. das darf durchaus liebliche musik sein, von der seite schön - wie z.b. belle & sebastian. b. aber das hier geht doch ans herz, oder? das ist doch durchaus warme musik. du hast jetzt so eine position eingenommen, da kannst du auch mal wieder weg. s. du hast ihn da ja auch reingedrängt! a: das gefällt mir jetzt auch gut. b: das ist mein hochlicht für heute. s. das macht einem das herz warm. b: das ist auch der dreiertakt vielleicht. a: sehr will oldham-mäßig. also VOLL palace-mäßig jetzt! GRAFZAHL: alles muß schwimmen (tumbleweed) m: grafzahl finde ich total gut. eine total gute band mit super texten. b: was mich bei virginia jetzt stört, stört mich auch hier. das ist einfach doowidoof. m: aber man kann das doch nicht mit virginia jetzt vergleichen! b: doch, dieses schleimige gesinge. m: das hier find ich nicht schleimig. s: das berührt mich gar nicht. a. ein bißchen so wie open-air-musik. b: das erinnert mich total an tchi, auch von gesang. aber tchi finde ich viel besser. m: die verteidige ich gegen euch drei mit all meinen kräften! b: das mußt du nicht, mir ist das viel zu egal, als daß ich es runtermachen würde! mi: huu-huu! m: aber die texte kann man überhaupt nicht vergleichen mit virginia jetzt. b: ach, virginia jetzt, pfff. aber dieses süßliche element, diese poppige produktion, die aber dann doch mehr so home-recording ist... ich weiß es nicht, ich wird da nicht schlau draus. ist wohl schon ok, aber mawe, wenn du die gestern abend aufgelegt hättest, das hätte doch überhaupt keinen sinn gemacht. das ist musik, die kann man nur alleine hören, und dann denkt man vielleicht "ach, das ist ja nett und schmissig", aber sonst hat das überhaupt keinen sinn, so was zu hören. m: aber gestern haben wir auch kein kettcar und tomte aufgelegt.

TIMESBOLD: s/t (glitterhouse) m: das ist von glitterhouse. kennt ihr das? b: nein. ist bestimmt schön und langweilig. s: klingt ganz schön. m. das ist richtig angenehm nach der CD gerade. b: willst du die behalten, mawe? ich hätte die gern. m: nee, die mag ich selber behalten. b: die ist super, oder? das gefällt auch dem archie, oder? dieses neil-young-mäßige. a: ich weiß nicht. mir ist es ein bißchen - zu langweilig. b: ah, ich weiß, was du für einer bist! du bist so ein witziger bold! du findest schöne sachen langweilig. elliott smith und belle & sebastian findest du wahrscheinlich langweiling, oder? a: nein, die sind so schön und glatt, daß es schon wieder tief geht. aber wenn es schön ist und sonst ist nichts da, das ist mir zu wenig. das ist dann einfach tot, das ist luftleerer raum. dagegen bei belle & sebastian ist ja ganz viel gefühl drin. b. ein freund von uns aus der schweiz, der auch unsere letzte platte produziert hat, interessiert sich nicht für sachen, die schön sind. der hört nur sachen, die verrückt sind, die durch dieses raster normaler musik durchfallen. die ein normaler mensch nicht hören kann, weil sie zu ausgefallen sind. a: "schön" ist für mich vor allem ein produk-

PRINZ TIM: hollywood (www.prinztim.de) m: oh, die hülle ist leer. die haben vergessen, eine CD reinzutun. hier ist das info. b: da ist der robert stadlober. 25


a: den linken kenn ich irgendwoher. b: der spielt auch in der bundesliga. m: "... auf empfehlung von christoph koch" empfiehlt er uns jetzt die oder empfiehlt er uns denen? a: dehnen? daß wir uns dehnen sollen?

beim gesang feht ein bißchen was. wo bei anderen zu viel effekte drauf waren, ist hier zu wenig. s: das ist vielleicht so eine autofahr-CD. a: da ist auch wieder dieses deutschsing-problem. das ist alles so eine ähnliche stimme und so eine ähnliche dynamik im gesang. s: die texte sind manchmal doof. b: das sind bubentexte. s: dieses "ich lieb dich von vorne, von oben und von unten", das ist so albern. das ist gar nicht witzig. a: echt? b: wie heißt denn das? s: sexy song. b: "i got my first real six string..." a: ganz furchtbar. "weine nicht, wenn der regen fällt..." - jetzt wissen wir, wo das herkommt. bryan adams hats von dem. mi: ich bin irritiert. b: du bist erigiert? m: "speeding motorcycle"... "the roof, the roof, the roof is on fire" b: also die sind schon ok. m: ja, sind ok. a. nächstes mal gebt ihr euch ein bißchen mühe mit euren vorbands! b: wir haben uns das gar nicht ausgesucht. wir kamen im club an und die: hallo, wir sind eure vorband!

SLOWTIDE: things that fade (www.slowtide.de.vu) b: das ist doch schon mal ok. m: der archie zwickt schon wieder die augen zusammen. b: archie, findest dus blöd, daß ich so wohlwollend bin? a: nein, ich find das voll nett! b: das sind doch alles junge bands, und wenn die dann lesen "björn: scheiße. mawe, leg was neues auf.", dann sind die total traurig. mir hätte das so gut getan, wenn mal irgendjemand gesagt hätte: "björn, das ist total gut, was du machst." dann wär ich jetzt nicht so ein aufgedunsener zynischer sack. und ich möchte jetzt allen bands sagen, die wir heute besprochen haben: das ist ein ganz schönes hobby, was ihr da habt. macht mal da weiter. a: du bist da viel zu pädagogisch, björn. du kommst da auf keinen grünen zweig. m: schickt vor allem auch ganz viele CDs an björn für sein buffo fanzine. a: das problem ist, daß die bands so damit beschäftigt sind, einen guten sound hinzukriegen, daß sie dabei alles auf dem weg verlieren. b: das ist der bon jovi. dem sein sohn. m: das ist wirklich nur einer, der das macht. b: das macht ihm bestimmt spaß. m: der ist bestimmt ein trauriger kerl. s: und jetzt noch mehr! mi: jetzt reichts aber! genau, und er hat auch frau und kinder und einen hund, hat seine gitarre verloren und kann deshalb keine konzerte mehr geben.

BELASCO: technique (supermusic) b: aah, ich hab nen sauren magen, habt ihr irgendwie alka, ähm... mi: alka seltzer? a: alkohol? b: rennie vielleicht? das kommt von der hitzigen debatte. m: ich mag nicht viele britpop-bands, aber die mag ich. die sind aus england. s: das ist schön. a: aah. ich mag nicht, wenn das so theatralisch... das können nicht viele. b: blöder name, aber schöne songs. m: aber irgendwas hat es, was es besser macht als die anderen solchen sachen, die wir heute angehört haben. b: das ist das mojo. - spitze. echt gut. a: ich merke jetzt schon langsam, wie mein kopf ein bißchen voll wird. b: nee, das ist der kater von gestern, da täuschst du dich. s: ja, jetzt reichts.

PETSCH MOSER: von städten und bäumen (www.petschmoser.com) b: die gruppe werde ich gegen jeden verteidigen, der was dagegen sagt. a: weil der titel "von städten und bäumen heißt? b: weil die so nett sind. die waren mal unsere vorgruppe auf der dackel-tour. sind aus österreich. mi: gefällt mir auch. a: mundharmonika, find ich super. aber

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Kettcar - Du und wieviele von deinen Freunden

säm

Wenn man mal so wieder ein richtig schlechtes Gewissen haben will - so als pittiplatsch3000-Schreiber - dann schaut man auf die Internetseite und zwinkert heimlich mit den Augen auf die News und Nachrichten-Seite. Diese Kleinode voller Schreibkunst. Wir alle haben wieder hier und da was anderes vor und was fürs neue Heft, das dauert bis die Milch sauer ist, als müssten wir uns beeilen und die Welt neu verteilen (ja: hier kam schon das erste Kettcar-Zitat). So schwärmen wir alle ausnahmslos von einer Platte. Seit Monaten. Seit wir sie zum ersten mal nach der Popkomm in den Player gelegt haben. Voller Erwartungen oder wie das heisst, wenn man nach zig Tagen und noch mehr Konzerten aber auch gar nix mehr hören will - nur noch das... Kettcar hab ich mal kennen lernen dürfen. Alex und ich waren in Hamburg. Wollten von da aus weiter zum Immergut Festival. Telefonierten um billige Mitfahrmöglichkeiten, was ja beim Festival-Band-Angebot, das durchwegs sämtliche Hamburger Schulklassen von vorn bis hinten durchschleuste, relativ einfach erschien. Tocotronic kannten wir nicht. Bernd Begemann wollten wir gerne kennen. Die Sterne war schon zu lange her und so blieb der gleichzeitig kleinste als auch grösste gemeinsame Nenner: Tomte. Letzter Anker aus Gold. Oli. Timo. Tennis. Thees. ...waren auf Tour und konnten uns auch nicht mitnehmen. Oli gab uns eine Telefonnummer. Dessen Besitzer uns eine Uhrzeit. Und die wiederum gab uns eine Abfahrt. Nach Neustrelitz. Oder: Immergut, später, wenn's ein gutes Buch geworden wäre. Also rein ins Auto, dessen Fahrer Markus Wiebusch irgendwie zu gross dafür wirkte. Wir fuhren nach Neustrelitz, später. Erst einmal galt es Bandkollegen aufzusammeln. The Bruder is the hardest Part und so durften wir miterleben, wie Markus Wiebusch Lars Wiebusch frisch aus der Nacht in der er sich "we’re gonna live forever" auf die Oberschenkel tätowierte abholte, zurecht wies und aufpeppelte, um ihn sofort wieder zur Sau zu machen. Das ist Bruderliebe. So funktioniert Familie. Sagen wo’s lang geht und dann ihn den Arm nehmen, um freundschaftlich in die

Rippen zu hauen. Kettcar spielten an diesem Abend einen unglaublichen Auftritt. Eine Band, von denen noch gar nichts veröffentlicht war, spielte vor Publikum, das jedes Lied mitsingt und sich in den Armen liegt, während Markus fragt "Welchen Style wollt ihr, ich hab sie alle drauf?" und ich noch mehr grinste, weil ich wusste, dass genau dieses Lied zum ersten mal exklusiv auf dem pittiplatsch3000-Sampler "Pop you 2" veröffentlicht wird. Dickes Eigenlob für wirtschaftlichen Weitblick an Hand der vertraglichen Verpflichtung eines zukünftigen Welthits namens "Skateboard" (schönen Gruss an Tony Hawk-PlaystationVariante Nummer was-auch-immer). Was ich sah: Kettcar waren dicke Freunde. Solche, die sich früh aus der Kneipe holen, wenn es die Welt noch vor Sonnenaufgang zu retten gilt. Und die mussten eine Platte machen. Wochen lang las ich auf der Website www.kettcar.net davon, dass die Aufnahmen erst abgeschlossen werden, wenn sich ein freundlicher Investor in Form einer Plattenfirma findet. Doch: Kettcar waren eins. Da kann keiner was entscheiden, der nicht schon mindestens zehn Pferde mit ihnen gestohlen hat. So wie Thees Uhlmann. Und der ist, wie wir alle wissen, IndieGutmensch und pittiplatsch3000-Förderer und die gute Seele von allem, was irgendwie echt ist (und, wie übrigens auch Markus Wiebusch, Lars Wiebusch, Oli Koch, ich und ein paar Dutzend andere: Oasis Ultra) Man gründete ein Label aus zwei Labels. Tomte-Firma Hotel van Cleef und Markus’ Lieblingsbandveröffentlichungsfabrik B.A.Records (Akte unter: The Weakerthans) fusionierten zur Labelgrösse Grand Hotel van Cleef, das auf Grund der Vielzahl von Herz schon Majorlabel genannt werden muss. Was wollen Sony und Bertelsmann? Die sind nach der Revolution an der Wand. Jetzt gilt es schon, den Kuchen für danach aufzuteilen. Die Idee, die wir alle ständig tagträumen in echt. VERDAMMT NOCHMAL: LASST UNS ALLE DIE NEUE KETTCAR KAUFEN! Und wenn die ganzen Magazine was von der besten deutschsprachigen Platte des Jahres sprechen: 27


Du und wie viele von deinen Freunden ist eine Initialzündung (was auch immer das heisst). Diese Platte löst das aus, was bei meinem 40jährigem Freund "Monarchie und Alltag" ausgelöst hat und "Digital ist besser" bei mir machte. Nur bei beiden. Lasst das nicht untergehen. Da passiert verdammt Grosses. Und behauptet nach der Revolution ja nicht, ihr hättet sie nicht gekauft.

schuberty (auch contriva), beim dem lied P.S.: Ich hab hier definitiv zu wenige Kettcar-Zitate angewendet (und die Platte besprochen hab ich auch nicht soooo wirklich. Das soll so als Appetizer gewertet werden. Die Platte als Buch wäre schon ein Bestseller. Obwohl: Dieter Bohlen. Aber nach der Revolution....

herbstelektronika .02

mawe

mein musikgeschmack ist jahreszeitabhängig. klar, es ist kaum denkbar, am ersten frühlingstag mit "atmosphere" von joy division im autoradio durch die gegend zu brettern, ebenso wie den ersten schneeflocken bei einer tasse heißem tee und der "thunderdome 37"-compilation zuzuschauen. und ebenfalls klar, man braucht sich auch nicht gleich beim ersten fallenden blatt die augen schwarz anmalen und teelichter in plastik-totenköpfen anzünden, und genauso wenig beim ersten maiglökkchen blumenkränze flechten und sämtliche t-shirts batiken. ich meine ganz einfach, daß ich im herbst und winter immer mehr elektronische musik höre und im frühling und sommer eigentlich gar nicht. es ist diese musik, bei der, wenn man sie zum richtigen zeitpunkt hört, zwischen überschwang und heulkrampf so ziemlich alles drin ist und auch noch gefährlich nahe beieinander liegt. deshalb ist hier und jetzt der zeitpunkt, mal wieder etwas plastik in dieses ansonsten so (achtung, jetzt kommt ein knaller:) vielsaitige magazin zu bringen. herbstelektronika 2002, here we go: die erste herbstelektronik kam dieses jahr von MASHA QRELLA. die lady mit dem die exorbitanten namen, den man ähnlich dem eines bekannten holländischen entertainment-asses ausspricht, spielt außerdem mit contriva und mina. jetzt hat sie auf monika, dem label mit dem todsicheren geschmack, eine soloplatte veröffentlicht, und sie ist, was soll ich sagen. was man sich bei contriva immer gedacht hat, nämlich daß die frau doch bitte mal ein bißchen mehr singen soll, findet hier statt, und dazu noch ein flauschiger roter teppich (ähnlich dem vor meinem bett) aus lo-fibeats. und jetzt stellt euch folgendes vor: während eines konzerts derselben, begleitet von der ebenfalls bezaubernden rike

"luck", hört man während einer kurzen pause im stück aus dem nebenraum jemanden aus vollem hals lachen. ist passiert. bei morr music, meinem bewährten dauerlieferanten für herbstelektronika, konnte ich auch wieder wundersame begleitmusik für den abendlichen tröstekaba auftreiben: zum einen das debütalbum von MS JOHN SODA, einem duo aus stefanie böhm (couch) und micha acher (tied&tickled twist). endlich, endlich kommt da mal mehr! ist doch der beitrag von ms john soda zur reihenhausmusik-7"-reihe vor ein paar jahren ("meine welt in schokolade" hieß die single, "naked" das lied) ganz oben in meinen mixtape-top ten. wenn jemand ein mixtape von mir hat, hörts mal durch. bestimmt ist es drauf. jedenfalls ist "no p. or d." jetzt schon eins meiner alben des jahres. die dürfen nicht so gut sein! das ist nicht fair! würde mein freund niklas jetzt sagen. die andere hammer-veröffentlichung vom mann mit der brille a.k.a. thomas morr ist eine compilation mit coverversionen, und zwar von ein und derselben band, und zwar eine dreifach-LP. der scheinbar kollektiven lieblingsband des hausmorrkollektivs, slowdive (creation records 1991-95), wird die ehre zuteil. und die ganze bande remixt und covert, was das zeug hält. isan, lali puna, b.fleischmann, solvent, styrofoam, komeit, m=FAm, hermann & kleine, ms john soda und wer nicht noch alles. ich habe es noch nicht geschafft, "BLUE SKIED AN' CLEAR", so der titel des monsters (natürlich ein slowdive-lied), ganz durchzuhören - hauptsächlich, weil ich nach "40 days" von lali puna die nadel immer wieder zurücksetzen mußte - aber ich zitiere freund und kollege wagner, den king of over- und understatement, mit seinem urknall-satz, 28

den er nach der überschwänglichen besprechung einer platte in seinem onlinetagebuch so der-coolste-mensch-des-universums-like hingeschmissen hat: "sie ist ziemlich gut." von GIARDINI DI MIRÒ, den italienern (deren letzte platte "rise and fall of academic drifting" mir von einem jungen herrn, der durch seinen ausschweifenden lebenswandel sowie einige romane über kleine männchen mit namen wie "robbe" und "bürzel" zweifelhafte berühmtheit erlangt hat, übrigens als "rise and fall of academic drinking" verkauft wurde, hallo herr freud, zwinkerzwinker), gibt es auch eine remixplatte: "the academic rise of falling drinkers", pardon, "...drifters". auf 2.nd records mit beiträgen von ... nun ja, styrofoam, hermann & kleine, isan, aber auch dntel, turner und opiate. dadurch kommt das mogwai-eske der band noch viel mehr zu vorschein, wenngleich natürlich die lärmausbrüche fehlen. trotzdem super. weiter. etwas checker-hafter geht es bei GREG DAVIS zu. auf seinem album "arbor" (car park records) knuspelt, knirscht und zirpt es galore mit fahrstuhlfaktor null, dazu eine echte gitarre. zuhören, entspannen, nachdenken. im cover lächelt uns der freundliche amerikaner im "maine"-kapuzenpulli, der wohl greg sein wird, aufmunternd zu und wünscht uns "peace" mit einem verschneiten-baum-bild. danke, greg. ebenfalls in diese bresche schlägt - was für ein unpassender ausdruck bei dieser musik - VIDEO NOISE a.k.a. christian sörgel aus landsberg. klar, daß auch zweites album "fragmentary" mit diesem lokalbonus bei hausmusik erscheint. was nicht heißen soll, daß die landsberger quetschnbuam auch bei diesem label sind. jedenfalls video noise, das rauschen im fernsehen. keine musik zum nebenbei hören ist das, hier muß man sich hinsetzen und musik hören und aus. vielleicht dabei aus dem fenster schauen oder, wenn man will, die fernsehantenne rausziehen und zum elektroschnee meditieren. wieder ein richtiger hit ist auf "finally we are no one", dem aktuellen album der isländischen melo-hippies MÚM. "green grass of tunnel" ist eine intro-hymne sondersgleichen ("intro" soll hier nicht für das gleichnamige heft stehen, sondern im sinne von "emo". schade, daß sich das nicht etablie

ren wird.) die stimme von kristin anna valt=FDsd=F3ttir klingt filigran wie dünne eiszapfen. klirr, ist sie zerbrochen. apropos und immer noch gut: "the ballad of the broken birdie records" vom debüt "yesterday was dramatic, today is ok". sehr angenehme heimelektronik mit holzgitarre und löt-schlagzeug kommt auch von SPRUCE a.k.a. christian schnall aus regensburg (www.spruced.de). der arg effektbearbeitete gesang ist stellenweise ziemlich sphärisch-lautmalerisch, was mir fast zu eso-mäßig rüberkommt, aber vielleicht nur, weil ich mich dadurch an die dark-wavesampler erinnert fühle, die ich mir früher mal gekauft habe. das hat ja nun wirklich gar nichts zu tun damit. über JON ERIKSON wollte ich schon lange schreiben, jetzt paßt es endlich. seine "helium e.p." ward mir als bewerbung für pop you 2 zugespielt, und sollten wir jemals einen herbstelektronika-sampler machen, der gute jon wird als erster angeschrieben (über glaenta@aluminiumrecords.de). wunderschöne instrumentalmusik aus skandinavien, das. auf dem gleichen label erschienen sind zwei 12" von LICHTUNG aus berlin: "glänta" und "mori no hiroba (trying to save my life as a form of protest)". lange titel sind super. die musik auch: hier mit wörtern, von einem mädchen und einem jungen gesungen. auf dem feinen passauer label keplar sind gleich zwei spitzenscheiben erschienen. die eine ist vielleicht nicht unbedingt als elektronik zu bezeichnen, weil die instrumente meist real sind, aber ich werfe das jetzt einfach mal in einen topf. die rede istvon FONODA, zweifelsohne die niederbayerischen mogwai. wenn man mal einem konzert von ihnen beigewohnt hat, weiß man, was dynamik ist. doch auch die CD "blinker:farben" ist nicht weniger berauschend. die andere platte aus der stadt der vielen jesen (oder jesussen?) ist von _RADIO MAGENTA und hat den schönen titel "tracks for alan smithee". denen, die nicht wissen, wer alan smithee ist (ich gehörte auch dazu), sei nahegelegt, mal im internet danach zu suchen. von diesen jungs gibts melo-elektro mit herz und fri kelfrackel der gretschmann-schule


Roman Fischer Deutschland bekommt den Superstar

Interview: alex klobouk & säm Text: säm

Das hatte einen Hauch von "Deutschland sucht den Superstar". Nur mit Charme. Mawe und ich beim Durchwühlen der CDs und Aufnahmen, die für unsere Pop YouSampler in Frage kämen. Daumen nach oben - Daumen nach unten. Und niemand konnte buhen. Oder uns auspfeifen. Nicht mal zu sehen waren wir. Nicht im Fernsehen oder auf einer Bühne. Es war in Mawes Jugendzimmer. Ein Riesenspass. Bis dann die Jury "Mawe und ich" entschied. Der ist dabei, Die bleiben draussen. Die Pop Yous zusammen stellen. Wahnsinn. Und vorgestern schau ich mal wieder fern und sehe einen Bericht über einen dieser Superstars aus "Deutschland sucht den Superstar". Der Superstar kam in seine Heimat, die gar nicht weit weg von hier ist, und durfte dem Bürgermeister die Handschütteln. Seine Eltern durfte er nicht sehen (das berichtete aber nur der Fernsehsender, der den Superstar nicht unter Vertrag hatte). Mit dabei: Tausende kreischende und fröhliche Fans, die froh waren. Es waren ja schliesslich sie, die entscheiden durften, wer den der HauptSuperstar bei der Fernsehserie werden soll. Mawe und ich haben uns damals auch so gefreut, als wir entscheiden durften. Wer auf unsere CD kommt. Wir kennen das. Es wird einfach, für Fans, neue Stars zu bekommen. Man muss nur noch den Fernseher anmachen und anrufen, wer drin bleiben soll oder wer raus muss (ich hab "Deutschland sucht den Superstar" ehrlich noch nie gesehen. Und das, obwohl ich heute noch alle Insassen der ersten beiden "Big Brother"-Folgen aufzählen könnte). Früher war das anders. Man ging am Samstag Abend aus. In den Club oder zu Konzerten. Bei diesen Konzerten präsentierten sich oft jüngere unbekannte Bands und wenn man sie gut fand, ging man das nächste mal wieder hin, wenn sie in der Stadt waren. Und man kaufte ihre Platten, die sie inzwischen gemacht hatten. Heute muss man das nicht mehr. Danke Superstar.Roman Fischer ist in dem Alter, in dem viele "Deutschland sucht den Superstar"-Superstars sind. Nur spielt er nicht im Fernsehen mit. Er gibt Konzerte. Retro also. Roman war damals auch auf einem Stapel

Pop You-Anwärtern. Und wir fanden seine Musik so gut, dass er unbedingt auf die CD sollte. In seinem Brief an uns stand, dass er alle Instrumente selber spielt. Und das er erst 16 Jahre alt war. Wer Mawe und mich verarscht, fliegt und so riefen wir bei seinen Eltern an, um den Schwindel auffliegen zu lassen. Roman war erst 16. Ist heute 17. Er kam auf die CD. Schrieb uns nette Mails und man traf sich auf Konzerten. Anfangs auf den Konzerten unserer Lieblingsbands. Dann auf seinen. Roman ging seinen Weg. Verdammt. Er schreibt die Popmusik, die einem bei Aufwachen wieder im Ohr ist und dann den Tag über nicht vergeht. Er spielt seine Instrumente (vorrangig Gitarre) verdammt gut (also, soweit ich das einschätzen kann) und...sieht verdammt gut aus. Roman wird mal Superstar. Und, ohne arrogant zu wirken, glaubt er auch ein bisschen daran. Roman, wer gewinnt bei "Deutschland sucht den Superstar"? Wahrscheinlich Daniel, aber das ist mir ziemlich egal. Ich sehe das nur zwangsläufig durch meine beste Freundin Barbara. Weil die immer da ist und dann fern sieht. Ich weiss es aber nicht. Ich verfolge das auch nicht und habe auch gar keine Zeit, dass zu verfolgen... Und wenn dich Barbara anmeldet bei "Deutschland sucht den Superstar 2"? Nein. Das fragen mich immer ziemlich viele Leute. Ich würde da nie mitmachen. Vielleicht nur zum Jux, aber ich würde da ernst einsteigen, weil mir das zu lächerlich ist. Nein, nicht lächerlich, aber nicht meine Schiene. Wie soll man es als junger Musiker sonst schaffen, berühmt zu werden? Das hat viel mit Glück zu tun. Und viel harte Arbeit. Und wenn es passiert, passiert es halt und wenn nicht dann halt nicht. Wie probierst es du? Ich mache sauviel Musik neben der Schule. Und auch gar nichts mehr sonst. Leider. Irgendwie. Aber ich versuche halt schon weit damit zu kommen. Aber... das ist eine doofe Frage, Säm... Würdest du dein Leben umschmeissen, um Erfolg zu kriegen? Also Schule hinschmeis30

sen und Seele verkaufen? Wie weit würdest du gehen, damit noch das raus kommt, was du dir wünscht? Wenn der Teufel mir einen Deal anbieten würde, würde ich ihn schon nehmen... Wer? Der Teufel. Seele verkaufen und dafür Erfolg. Wie in "O Brother where art thou"...? Aber ich werde die Schule nicht verlassen, weil mir der Abschluss zu wichtig ist. Ich hab eh nur noch ein Jahr. Danach werde ich Zivi und dann nur noch Musik machen... Vielleicht noch einen kleinen Job, wenn ich Kohle brauche, aber ich werde schon probieren, nur noch Musik zu machen. Sowohl auf der Bühne stehen, als auch als Produzent oder abmischen. Das ist dann ja auch längerfristig, dann hab ich mehr Zukunftschancen, aber ich werde jetzt niemals die Schule abbrechen. Wenn wir schon bei "Deutschland sucht den Superstar" sind, wie weit würdest du gehen? Nimmst du das Image "der kleine Süsse..." an? Das versuche ich eben zu vermeiden. Ich lasse mir jetzt soviel Zeit, bis ich 18 bin. Wen ich 17 bin und eine Platte mache, heisst das nur "Woah. Der spielt Instrumente bestimmt gar nicht selbst!" und dann bin ich in einem Jahr weg. Und deswegen mache ich das ein bisschen langsamer. Aber wie weit ich gehen würde? Ich würde nie, also "der ist der kleine süsse Siebzehnjährige und so". Das ist schon geil und ein Bonus und lässt sich bestimmt auch ausnützen, aber...

wenn da Leute auf Kommerz schimpfen, denn im Endeffekt steckt doch nur Arbeit dahinter. Wen man es richtig verbindet, wie Tocotronic zu Beispiel, ist das schon okay. Wir wollen also die Sportfreunde in den Charts sehen, damit bewiesen wird, dass Leute noch Geschmack haben... Ja, logo. Wie entwickelte sich das Musikmachen von Anfang an bei dir? Wir haben eine sehr musikalischen Haushalt, weil mein Vater beim Bayrischen Rundfunk Geige gespielt hat und meine Mutter leitet eine Musikschule. Da hab ich mit Sieben schon angefangen, Geige und Klavier zu lernen. Mit zwölf aufgehört und mit Gitarre und Schlagzeug weiter gemacht. Und trotzdem hab ich es geschafft, nach über zehn Jahren immer noch keine Noten lesen zu können. Ich kann gut improvisieren. Ich versteh das, aber ich kann nicht "die Terz ist das und das und wenn ich das dazu habe, kriege ich den und den Akkord...". Eine Harmonie zusammenstellen, dass kann ich alles gar nicht. Ich habe vier Jahre lang in einer Band gespielt. Richtig ernsthaft mit CDVeröffentlichung. Aber ohne Noten zu lesen. Du bekommst wahnsinnig viele Vorschusslorbeeren. Hast als Gastmusiker gerade Peter von den Sportfreunden Stiller auf der Bühne gehabt, hast einen Plattenvertrag von dem andere Träumen. Was, denkst du, bringt die Zukunft? Machst du dir Gedanken, was passiert, wenn Musik machen jetzt nicht klappt? Du bist auf einmal eine verdammt grosse Nummer. Musst damit umgehen. Ich hab schon sauviel Angst, wie die Platte ankommt. Ich glaube schon, dass bei mir relativ viel gehen kann. Das klingt vielleicht arrogant und ich denke, dass ich nicht so schnell den Stand, den beispielsweise die Sportfreunde haben, erreiche. Das will ich auch jetzt noch gar nicht. Naja, wollen schon, aber es wäre mir recht, wenn es nicht so wäre. Ich hab schon sehr viel Schiss, dass die Leute das nicht wollen, was ich mache und es ihnen nicht gefällt. Kann man mit der Musik, die du machst überhaupt so einen grossen Popstar-Status erreichen? Ich glaube schon, weil es ist eine Verbindung aus alternativen Material mit Pop, aber ziemlich universal. Es ist schon Popmusik, aber ich glaube, ich hab einen

Wenn der man kommt und sagt: "Du stellst dich als der-und-der dar und dafür bekommst du den-und-den Auftritt vor ganz grossen Bands und verkaufst ganz viele Platten..." Ich würde schon bei Top of the Pops auftreten, aber man muss vorher klar stellen, wie das gemeint ist. Ich finde es dämlich, 31


weiteren... wie sagt man? Du würdest keinen Viva-Cometen ablehnen, wie Tocotronic das gemacht haben? Nö, also "jung, deutsch, erfolgreich und auf dem Weg nach oben"... das passt ja eigentlich. Also mal angenommen, ich würde den Preis in dieser Kategorie kriegen, dass würde ja passen bei mir, oder? Du bist überzeugt! Nee, ich bin nicht unbedingt stolz darauf, Deutscher zu sein, aber warum sollte ich das absagen? Keine Ahnung. Ich habe mich damit noch gar nicht auseinander gesetzt. Vielleicht kriege ich ja gar nichts... Vielleicht ist das auch totaler Scheiss und die Leute mögen mich nicht. Das soll jetzt nicht arrogant rüberkommen... ...aber du weißt genau, wo du hin willst... Ja! Ich weiss ja nicht, was passiert. Ich spre-

che nur von Wünschen. Mein Wunsch, im Atomic Café zu spielen ist heute in Erfüllung gegangen... ...und Tomte-Vorband sein... Genauso, aber ich dachte nie, das wird so. Es könnte auch nicht passiert sein....und vorgestern warst du daheim und hast vor dich hingeklimpert. Heute Abend stehst du hier auf der Bühne und den Leuten gefällt das... Lustigerweise ist das, obwohl es so schnell aussieht, trotzdem ziemlich langsam entstanden...Das ist ganz normal und ich geh ganz normal damit um. So gross bin ich noch nicht. Hast du denn Angst davor, dass der Erfolg abbricht? Ein bisschen. Es entsteht aber alles jetzt erst. Naja, wir werden sehen...

"jung, deutsch und auf dem weg nach oben"

mawe

in dieser kategorie wollte viva einst tocotronic einen preis verleihen. sie haben abgelehnt. zu recht, findet mawe, denn der preis sollte vielmehr den folgenden zugesprochen werden.

der deutsche. das ist unglaublich, das ist wahnsinn und ich höre mich an wie ein rummelplatzmann, der für sein karussell wirbt, aber es ist wahr. plötzlich merkt man, daß ein hit dem nächsten folgt und man hat angst, daß das aufhört. hört es aber nicht. bis es ganz aufhört. diese ineinander verwobenen gitarrenmelodien, dieses schlagzeug, diese wunderschöne stimme, diese großen textzeilen. die lieder "außer atem, außer dir", "nicht mit uns, marleen" und "schwarm und schwerkraft" gehen hand in hand mit den großartigsten, die je in deutscher sprache geschrieben wurden und dir nicht mehr aus dem kopf.

platz 1 busch: bossa nova (apricot records) typischer fall: irgendwann holte ich die cd aus dem briefkasten, hörte kurz rein, war nicht in der stimmung, dachte: nett. dann lag sie zwei wochen rum. eines tages tat ich sie im auto in den cd-spieler. ich fuhr gerade in der spätnachmittagssonne öber einen högel. ab dem zeitpunkt, und das ist inzwischen nochmal zwei wochen her, höre ich sie fast ununterbrochen und das ding ist einfach nicht totzuhören. im gegenteil, sie wird sogar immer noch besser. und die eigentlich lange erwartete promo-cd einer dreiköpfigen hamburger band langweilt sich in der zimmerecke. auf erste hören ist "bossa nova" nicht mehr und nicht weniger als eine schöne, glatt produzierte pop-platte. so fucking what?irgendwann kapiert man. die melodien, die texte, die gitarren, den rhythmus. wie alles gemeint ist. und dann diese anspiel-ungen. "christian, ich will nur, daß du weißt, es war sinnlos". william, it was really nothing. liedbeginn mit fade-in. fadein: the smiths. und kreuder ist morrissey.

platz 2 angelika express: s/t (paul! / zomba) in jedem 77. briefumschlag sind wir dabei: überraschung in letzter minute. was einige zeit vorher schon mit einer gebrannten 4track-cd bei uns angeteast wurde, kommt jetzt amtlich: ladies and gentleman, die band, die auf persönlichen wunsch der fehlfarben als toursupport für sie spielten (und wir wissen ja aus den 317 interviews, daß peter hein sehr schwer zufriedenzustellen ist), die band mit DEM lied für alle, die alleine in ihren städten wohnen, weil ihre freunde weggezogen sind: "geh doch nach berlin, wohin alle andern ziehn, geh doch nach berlin, hau doch ab nach ber32

lin!" doch das ist lange nicht der einzige hit auf der platte, "selbsthypnose" haut so richtig rein, "teenage fanclub girl" hat nicht nur einen super titel und von "viertel nach vier" wollen wir gar nicht erst reden. ich bin ziemlich begeistert.

lich um musik und ich langweile hier sowieso nur mit superlativen. geht lieber mal zu eurem plattenregal und schaut nach, ob da tocotronic, tomte und kettcar stehen. wenn ja, dann holt euch auch grafzahl - ihr werdets nicht bereuen. mein wort. sonderpreis für das meiste salzwasser kettcar: du und wieviel von deinen freunden (grand hotel van cleef)

platz 3 grafzahl: alles muß schwimmen (www.tumbleweedrecords.de) schwer angetan hat es mir auch die neue von grafzahl, die große melodien mit klugen texten zu verbinden weiß und... ach, was soll der quatsch, hier geht es schließ-

was, du hast diese platte noch nicht? wie hast DU denn dann die letzten monate überstanden?

Regensburg abfeiern. Heute:

säm

She-she Lounge _ un buen dia para sentirse mal (Kontakt: She-she Lounge, Michl Bossle, Steinweg 1, 93059 Regensburg)

mit Jans Platte angefreundet hatte, ereilt mich die Nachricht: Der hat schon wieder eine neue Band. Heissen Jenny Lund, spielen die Lieder des Jan-Albums in Bandversionen und sind übermorgen in der Stadt. So ziehe ich mir meinen Anorak an und gehe zum Konzert von Jenny Lund. Höre die Musik und schreibe, ganz kirre, SMSe an Freunde, um ihnen mitzuteilen, dass IndieRock wieder mal nicht tot ist. Und ich hier die Wiederauferstehung aller Sonic Youths, Dinosaur JRs und Lemonheads erleben darf. Neben mir fällt der Name Sharon Stoned, während ich an die Hip Young Things denke. Vor mir steht Ramirez, der mich dezent daran erinnert, dass ich Sheshe Lounge immer noch nicht besprochen habe... Jetzt ist seine CD wieder im Player und ich überlege mir, mit was ich das vergleichen will. Jan (Jenny Lund) schreibt auch hier bei She-she Lounge die Lieder. Nur wird hier entschieden härter zugepackt. Ich lese Begriffe, wie Blu-Noise, Stoner-Rock und Emo und mir fällt noch immer kein Vergleich ein. Wenn ich jetzt hier Namen droppe, die mein winziges Metal/RockUniversum hergibt, dann blamiere ich mich vor der Band. Und Regensburg ist klein. Da läuft man sich schnell über den Weg. Vor zehn Jahren hätten She-she Lounge bestimmt fünf Plattenverträge pro Woche unterschrieben, so sehr hätten sie ins Grunge-Umfeld gepasst. Der Gesang von Ramirez (u.a. auch bei Harbour Concept) erinnert mich, jetzt muss ich doch Namen nennen, an solche 90ies Grössen, wie Chris Cornell, Eddy Vedder und (wie gross ist dieses Lob?) Mike Patton mit nicht ganz der

Lá par force _ Piqueur Akt (Kontakt : Dancing in the Dark, Rote-SternGasse 6, 93047 Regensburg) Regensburgs Musikszene wird in unserem Fanzine noch immer nicht gebührend abgefeiert. Was wohl daran liegt, dass ich als Regensburg-Teil der Herausgeberschaft, immer vollmundig die schonungslose Aufklärungsreportage über alle hiesigen Bands ankündige, um endlich die famosen kleinen Macken der Musikschaffenden hier auszubreiten, aber dann beim Forschen nach Ex-Bands und Nebenprojekten völlig kapitulieren muss (siehe Beige GT, bei denen ich inzwischen auf mehr als ein Dutzend anderer Projekte der fünf Bandmitglieder komme...) oder mir der Bassist (eben von Beige GT) den Stecker aus dem Flipper zieht. Genau in dem Augenblick, als ich mich zum ersten mal im Leben in eine Highscore-Liste eintragen kann und ich zur Strafe bei meinem nächsten Abend als DJ seine frühen Demos spiele.She-she Lounge sind auch aus Regensburg und alle Bandmitglieder hatten, natürlich, auch schon in etlichen anderen Bands gespielt.She-she Lounge haben inzwischen auch schon wieder so viele Nebenprojekte, dass aus dem Promo-Kuvert gleich einen Packen CDs fällt. Eine CD ist von Jan, der sein Soloalbum schickt. Alleine aufgenommen mit AkkustikGitarre und Sampler. Und just, als ich mich 33


Spannbreite. Das beliebte Indie-Journalismus-Adjektiv wäre wohl "vertrackt". Also nicht Strophe, Refrain, Strophe, sondern Anfang, Ende, Mitte, Ende, Zwischenteil, Anfang oder wie das heisst, wenn man nicht beim ersten Mal mitsummt. Pop in Bereichen, die sich gerade noch mal Pop nennen dürfen. Also Melodien suchen und finden, dann bemerken, dass sie schon längst zersägt wurden. Und hier schon wieder. Wieder weg. Zuhören und moshen, geht das gleichzeitig? Oise weiss auf so was meisstens eine Antwort. Der hat einen Plattenladen und hört Musik, die weh tun will, aber nett klingt. Oder die traurig ist und trotzdem zuversichtlich aufwühlt. Wenn es von Leuten wie Oise mehr gäbe, würde keine Musikbranche mehr jammern. Nicht mal mehr Schlechtes auf der Welt würde es noch geben. Ein Beispiel? Er hat mir mal erzählt, dass er im Alter von zehn oder so Jahren aus der Blaskapelle in seinem Dorf im Bayrischen Wald flog. Und zwar deshalb: Der bayrische Ministerpräsident Stoiber hat sich angekündigt und Oise weigerte sich, für den auch noch Musik zu spielen. Polit-Punk auf Niederbayrisch. Man schmiss ihn aus der Kapelle und er lernte Bass spielen. Gründete Bands (z.B. Static 84), ein Label (Dancing in the Dark) und einen Plattenladen (Eldorado Music). Und das in Zeiten, wo alle in Aktienfonds, CD-Brenner und Mulitplex-Kinokarten investieren. Seine aktuelle Band heisst Lá par force und

wenn mal irgendwer fragt, was die denn so machen, fällt meisstens der Begriff EmoCore (wobei ja hinlänglich bekannt ist, dass die, die mit dem Begriff in Verbindung gebracht werden, immer rein gar nix damit zu tun haben wollen). Aber wie soll man denn sagen, wen es für Hardcore nicht hart genug und für Pop zu wenig oberflächlich ist? Melodien sind dann da, aber die Gitarren wurden ja doch verzerrt. Der Schlagzeuger kann mal ganz sanft über Becken streichen, dann aber gleich wieder drauf los knüppeln. Unheimlich gut tut Lá par force die Stimme von Gitarristin/ Sängerin Christina Hoidn. Unheimlich gefühlvoller Gesang. Und verdammt: Das klingt so ausgewachsen und durchdacht. Da spricht Erfahrung aus den Boxen. Das hat Grösse. Interessant finde ich ja immer diese EmoSzene (verzeiht!). Wenn Leute, wie Oise Netzwerke aufbauen und Labels, Vertriebe, Läden und politsche Meinung unter ein Dach bringen. Sich dann mit ähnlich funktionierenden anderen Mitstreitern gegenseitig unterstützen. Konzerte veranstalten, Flyer kopieren und verdammt gute Musik machen. Ohne plötzlich von Industrie-Bossen abhängig zu sein. Eigenes Ding. Mit Emo(tion).... www.sheshelounge.de www.laparforce.net www.dancinginthedark.de www.eldoradomusic.de

inferno nihilistique 2003: from the microcosm to the microphone

mawe

THE ROBOCOP KRAUS nachdem das pitti platsch 3000 jetzt zur hälfte ein nürnberger fanzine ist, wird es höchste zeit, unser augenmerk mal auf die dort ansäßige musikszene zu richten. da gibt es neben HIDALGO vor allem das aus hersbruck stammende konglomerat von punk-, emo-, hardcore- oder wie man sie auch immer nennen will -bands, das sich um das label SWING DELUXE konzentriert. und aus einigen dieser bands entstand vor 5 jahren THE ROBOCOP KRAUS. getreu einem konsequenter nicht zu lebenden indiegedanken schafften sie es - ohne majorlabel, ohne großen vertrieb, ohne anzeigen, ohne booking-agentur - sich seitdem durch ihre unglaublich energiegeladenen liveshows einen ruf zu erspielen, der unter den kommerzbands seinesgleichen sucht. und das nicht nur in franken: konzerte wurden in ganz europa gespielt, das zweite album erschien in kooperation mit dem tschechischen label DAY AFTER, und letztes jahr tourten sie mit THE WORLD/INFERNO FRIENDSHIP SOCIETY die USA und später sogar japan. konsequent gelebter indiegedanke bedeutete sogar die ablehnung von magazinen wie intro, spex und visions. erst als die robos letztes jahr von einem visions-redakteur um ein interview gebeten wurden - ohne bevorstehendes release wohlgemerkt! - willigten sie nach langer überlegung ein. um so verwunderlicher ist es, daß ihr drittes album nun auf L'AGE D'OR erscheint - zwar noch kein wirkliches majorlabel, aber für die verhältnisse der robos natürlich ein riesiger und keineswegs einfacher schritt. trotzdem wollen sie wichtige aufgaben wie artwork und videoproduktion weiterhin selbst übernehmen bzw. guten bekannten überlassen. sogar die jetzt anstehende tour durch tschechien, österreich, italien, frankreich, spanien, belgien, holland und deutschland wurde noch von den robos selbst gebucht. hier also auf dem sofa: THE ROBOCOP KRAUS, vertreten durch tobi und jo, über nürnberg, kommerz, ideale und anzüge. aber lassen sie sich selber vorstellen:

t: genau. johannes in seiner rolle als schlagzeuger und... j: ...tobias in seiner rolle als bassist. t: gut. hätten wir das geklärt. über was wollen wir denn reden? über die neue platte? j: nee, was spannendes. gib mal ein stichwort. m: kommerz. j: puuh... find ich gut eigentlich. t: kommt drauf an. j: nur soweit mans vertreten kann. t: für manche sachen lohnt sichs einfach geld auszugeben. j: und für manche sachen lohnt sichs auch zu unterschreiben. t: naja, wählen waren wir ja auch. droht uns jetzt der kommerz? j: ja. t: droht uns der sellout? j: ja. t: okay... j: können wir ein anderes stichwort kriegen? m: nürnberg. t: schön, hässlich, langweilig, spannend - so wie robocop kraus eigentlich, deshalb fühlen wir uns in der stadt sehr wohl. j: nürnberg find ich auf jeden fall... t: nürnberg ist echt okay. und für manche leute eine richtige großstadt. j: und für manche leute eine richtige kleinstadt. aber da wir vom dorf kommen, ist es für uns schon ganz okay. und ein fortschritt gegenüber hersbruck. t: das auf jeden fall. j: da man sich ja langsam weiterentwickeln muss, haben wir uns gedacht: erst mal nürnberg, bevor man nach chicago zieht. oder nach new york. t: wir haben jetzt ja schon einige städte auf diesem erdball besucht und gesehen, und - was sind denn die grundlegenden unterschiede, wenn man dann wieder heim kommt nach nürnberg, was fällt einem als erstes auf? j: dass man heimkommt und man kennt jemanden. t: das stimmt. aber wenn wir jetzt nur über das stadtbild sprechen, so sachen wie die u-bahn in nürnberg, mit dem schönen holzfurnier, das es nur 2 linien gibt statt 20 und doch irgendwie fühlt man sich irgendwie heimisch.

j: das ist tobias helmlinger. t: das ist johannes uschald. j: wir werden sie durch dieses interview begleiten. 35


j: man kann eine stadt, in der - oder in der umgebung - wir jetzt schon ewig leben, gar nicht von außen betrachten. früher ist man hingefahren, da wars wirklich noch groß, und dann ist man einkaufen gegangen ins heartland und hat sich das neueste XXXXL-batik-longsleeve gekauft... t: ... von alice in chains oder pearl jam... j: ... und dann ist man heimgefahren und nürnberg war großartig. t: oder nirvana, das war auch noch cool. j: so cool war ich nie. m: ich hab auch bei heartland gekauft. aber mein faith no more-batik-t-shirt hab ich mir selber gemacht. j: das ist immer noch ein traum-outfit. wenn wir jetzt richtig schocken wollen, müssen wir raus aus den anzügen und rein in die batikklamotten. t: das einzige was ich noch aus der zeit habe, ist ein tool-longsleeve, aber das könnte ich durchaus mal wieder anziehen. m: ich hab ein alice in chains-longsleeve. j: ich hab ein pearl jam-batik, das wär so gut! t: stimmt, daran kann ich mich sogar noch erinnern. wo dir deine langen haare in den nacken gefallen sind. j: allerdings! m: warum denn nun der entschluß, jetzt doch mit den kommerziellen strukturen zusammenzuarbeiten? j: für uns kam irgendwann der punkt, wo wir gemerkt haben, dass wir uns in dem sektor, in dem wir uns sehr wohl gefühle haben, in dem wir gespielt haben, einfach wirklich alles gemacht haben, was man machen kann. es hat einfach die möglichkeit gefehlt, sich in irgendeiner form weiterzuentwickeln. wir haben das vierte mal im selben laden gespielt, da kommt man hin und kennt die leute, was einerseits sehr schön ist, weil man da natürlich freundschaften und bekanntschaften hat. andererseits kommt dann ein bisschen routine rein, wie man an das ganze rangeht. das haben wir gerade im letzten halben jahr ziemlich gemerkt. und es kam ja nicht von uns, dass wir gesagt haben, wir suchen uns ein großes label, sondern das angebot kam ja von dem größeren label. t: das kommt noch dazu.

j: ich glaube wir wären nicht auf die suche gegangen. aber so ist man natürlich ganz anders konfrontiert damit, und indem wir gemerkt haben: wir sind jetzt an der grenze, wir haben jetzt so ziemlich viel gemacht, was man machen kann, wäre das eine möglichkeit, uns weiterzuentwikkeln, also neue sachen zu erleben, neue leute und strukturen kennenzulernen, mit denen wir bis jetzt gar nichts zu tun hatten. t: es war auf jeden fall eine große überlegung. und es war auf keinen fall so, dass vor einem halben jahr komplett die luft raus war und wir uns unbedingt umsehen mussten, was neues oder komplett anderes zu machen. es hat sich einfach so ergeben, und die situation war einfach die, dass wir dann auch angegangen sind, erst von den größeren medien, und dann gabs auch viele diskussionen, wir haben uns nicht von einem tag auf den anderen entschlossen. aber wir haben uns dann auch wirklich entschieden, das jetzt zu machen. um einfach, wie es mir scheint, den nächsten logischen schritt für die band zu gehen. j: und wir haben auch die erfahrung gemacht, das muss ich schon auch sagen, dass man eine abscheu vor medien hat und denkt, die gehen alle in eine bestimmte richtung, sind kommerzielle medien, und dann kam auf einmal visions auf uns zu, war ziemlich nett und hat uns auch keine dummen fragen gestellt. da fängt man natürlich an, so ein bild, das man im kopf hat, auch zu revidieren und fragt sich: stimmt das denn wirklich, daß alles so schwarzweiß ist, wie wir das in dem umfeld, aus dem wir kommen, immer gesehen haben. natürlich gibt es da auch veranstaltungen und leute, sie arschlöcher sind, aber wir haben gemerkt, dass es diese leute in dem umfeld, in dem wir spielen, genauso gibt. t: ganz genau. j: letztendlich geht es uns immer drum, mit netten leuten in kontakt zu sein, sie durch konzerte kennenzulernen, und nicht darum, welche strukturen oder welche ethik das ist. die ganzen strukturen sind für mich sowieso nicht haltbar, die haben alle ihre fehler im system. deshalb kann ich nicht 36

sagen: das ist die gute struktur und das ist die böse struktur. t: das hört sich vielleicht blöd an, aber das ist einfach eine erfahrung, die man mit der zeit gemacht hat, dass man wegkommt von diesem schwarzweißdenken, von diesem sehr szeneorientierten denken. j: genau weil man diese lücken merkt. weil man merkt: wie der sich jetzt verhält, wie der jetzt zu mir ist, das hat auch nichts mit der ethik zu tun, die da eigentlich vertreten wird. wir wollen uns davon nicht verabschieden, ganz im gegenteil, aber man öffnet sich einfach neuen sachen. und das war vor 2 jahren noch nicht so. vor 4 jahren hätte man jede band, die den schritt macht, den wir jetzt machen, verdammt und gesagt: was sind das jetzt für idioten! was sind das jetzt für kommerz-heinis! t: und die außenwirkung sagt ja auch aus, dass wir die ganze alte sache mit rübernehmen, weil es ja sogar ein co-release von den beiden labels, day after und l'age d'or, wird. dass wir uns nicht komplett abwenden von dem, was war, sondern dass es einfach so weitergeht und wir das eigentlich nur erweitern. j: das wollen wir. die frage ist... t: ob das aufgeht. j: ja, ob das die leute auch wirklich verstehen. ob die sagen: ja, denen glaub ich, oder ob die sagen: die wollen jetzt hier geld verdienen, davon leben, sich villen kaufen und ferrari fahren. t: das ist einfach das gute alte klischee, das sich nach wie vor aufrecht erhält. j: und das wir ja auch mal hatten! deshalb kann ich gar nicht sagen: ich verurteile die leute, die liegen ganz falsch. das ist ja eine einstellung, die ich in gewisser weise nachvollziehen kann. die aber jetzt für mich persönlich, und ich denke, für uns alle, nicht mehr so tragbar ist, wie sie es vor 4 jahren war. deshalb ist es jetzt auch mit uns vereinbar, den schritt zu gehen. gerade durch die erfahrungen, die wir bis jetzt mit l'age d'or gemacht haben. dass die gar nicht so viel anders arbeiten, von der art und weise, wie sie rangehen, als die labels, mit denen wir bis jetzt in kontakt waren. nur natürlich in einem viel größerem rahmen. natürlich gehen die größere kompromisse ein mit

anderen medien. man pauschalisiert ja immer. man denkt, die sind alle idioten von visions, die sind alle idioten von spex, aber das muss ja nicht so sein. m: wie kams denn zu der USA-tour mit WORLD/INFERNO FRIENDSHIP SOCIETY? t: der erste kontakt war auf der deutschlandtour von denen, wo wir vom hamburger hardcore-godfather ingo ebeling einfach gefragt wurden, ob wir da mitspielen wollen. dann haben wir mit denen ein paar shows gespielt, und dann noch eine tour hier in deutschland, und wir haben uns so gut mit denen angefreundet und es war einfach so perfekt, mit ihnen auf tour zu sein, wir haben uns jeden abend gegenseitig gepusht und für die andere band getanzt, und dann kam halt die anfrage: wir touren amerika, kommt ihr mit? m: und dann im november japan. wart ihr da headliner? t: nö, in japan läuft das immer ein bisschen anders. die meisten shows, die wir da gespielt haben, waren mit ziemlich vielen bands. grundsätzlich ist es eh so, dass shows viel früher anfangen, so um 7, und meistens spielen 4 bis 5 bands an einem abend. das sind dann einfach immer so abende, und danach gehen die leute erst richtig weg, oder gehen essen und betrinken sich dabei. da kam der kontakt über den mira zustande, der day after records macht und der einen bekannten in japan hat, der katoman, der dort der zentrale knotenpunkt für alle punk-, hardcore-, subkultur-, was auch immer, -sachen ist und auch touren hauptsächlich für ami-bands organisiert. der hat auch bands wie milemarker und engine down nach japan geholt. der hat uns gefragt und wir haben halt ja gesagt. j: wenn uns das letztes jahr um die zeit jemand gesagt hätte, dieses jahr tourt ihr dann mal amerika und japan... das war schon wahnsinn, dass das geklappt hat, in einem jahr. und das waren zwei wahnsinnig unterschiedliche, aber wahnsinnig großartige erfahrungen. obwohl es gerade in amerika nicht immer einfach war. m: und euer outfit? bleibt ihr dem treu? t: wir wollen das ganze ein bisschen lokkern. als wir angefangen haben mit die37


sem anzug- und krawattending, da hatte der tommi manchmal noch diesen robocop-helm, das war schon alles ein bisschen maskerade und show machen, und auch als kontrapunkt zu dem eigentlichen punkding, sich mit jeans und t-shirt und abgefuckten schuhen auf die bühne zu stellen. j: was wir auch gemacht haben. wir haben ja eigentlich auch in solchen bands gespielt, CYAN und MAGGAT hießen die damals, die diese typischen emo-bands waren. das heißt mit dem rücken zum publikum, oder zumindest nur seitlich... t: ... die bühne total verpönt. dieses typische hardcore-ding. j: und irgendwann kam der punkt zu sagen: zum ausgleich wollen wir jetzt was anderes machen. das war dann am anfang ein ganz hartes projekt, geknüppel und gekreische einfach, hat aber dann furchtbar schnell überhaupt nicht funktioniert, sondern es kam gleich so rock'n'rollzeug raus, und dann haben wir gesagt: dann aber richtig, jetzt machen wir den anzug. t: showkapelle-mäßig. was damals wirklich noch total konträr war zu dem eigentlichen ding. während sich danach bei dem aufkommenden retro-hype immer mehr bands mit krawatte auf die bühne gestellt haben. in der zwischenzeit ist es für uns gar nicht mehr so spannend, und deshalb lockern wir den dresscode wahrscheinlich ein bisschen. wir werden uns schon nach wie vor nicht in straßenklamotten auf die bühne stellen, aber auf keinen fall uniformiert in schwarzweiß. j: wir sind ja auch ein bisschen show-band, das wollen wir auf jeden fall beibehalten. t: oder ausbauen. aber wir wollen auf keinen fall die vergleiche mit den bands, die im moment ganz ober auf der retrowelle sind.

j: wobei die bands das wirklich sein dürfen. t: ja sicher, das ist keine kritik an den anderen bands, nur das ist eben nicht das, wo wir herkommen. nur dass das nicht automatisch impliziert, dass wir da mitmachen wollen. wir machen das ja schon länger und jetzt ist der zeitpunkt, das noch mehr auszubauen. mit noch mehr glitzer oder tigeranzügen oder... j: tigeranzüge wären eigentlich mal eine gute idee! also wir sehen uns weniger im background von bands wie int. noise conspiracy und the hives, sondern mehr im background von spinal tap! t: das muss einfach mal gesagt werden. ich las mit jetzt auch gerade eben einen zweihalsigen bass zimmern und bin schon dabei, mir hier so einen bart stehen zu lassen. m: waren eure performances am anfang wirklich so destruktiv? j: wir konnten ja nicht mal die instrumente. t: ganz am anfang wars wirklich übel. j: naja, es ging schon immer was zu bruch, aber es waren keine immensen unkosten. wir haben wirklich die instrumente getauscht, bis auf den matthias, für den einfach nichts mehr übrig blieb, und haben alle positionen eingenommen, die sie vorher nicht innehatten. das war das konzept - den dilettantismus nach außen zu kehren.die discografie: inferno nihilistique 2000 (swing deluxe) tiger (day after / swing deluxe) living with other people (l'age d'or / day after) split-LP mit CHERRYVILLE splitsingle mit YAGE

seven inches for a better world

mawe

delbo: s/t (loob music) mit delbo in konserven konnte ich nie so recht warm werden. live haben sie mich dann doch ziemlich beeindruckt. ich schätze, man muß sie laut hören. so auch diese single in wunderbarem blauem vinyl mit den stücken "sniffty", "teenage teufel", "oli, britney und du" und "mellatourik". (www.delbomat.de)

björn kleinhenz: you go your way and I'll go your way too (sputnikmusik) "you go your way and I'll go your way too", denkt sich der junge mann björn kleinhenz als großartigen titel aus und auch auf seinem singlecover, während er sich verschmitzt grinsend am kopf kratzt. 4 schöne lieder in lustig klingendem englisch - skandinavisch intoniert - in bester will oldham-manier. sehr sympathisch. (www.kleinhenz.cjb.net)

die musik: ein bisschen rock'n'roll, ein bisschen emo und ziemlich viel von den frühen CURE

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florida: escalator boy (monika) eine band aus london, von mir blind oder vielmehr taub aufgrund der katalogbeschreibung gekauft. und was kommt da für musik raus! "escalator boy" ist ein den unvorbereiteten hörer zu tränen rührendes liebeslied über eine begegnung auf einer rolltreppe mit dem schönsten duett seit tindersticks' "buried bones". das alles auf super-redu-lo-fi-slo-mo-retro-schüchtern. (http://florida.k-19.de)

mobilé: s/t mobilé ist der musikalische streich von SOMA-autor peer göbel. mit jugendlicher energie und frühtocotronischem trashcharme werden hier 4 schmissige popsongs dargeboten. mein favorit ist das herrlich scheppernde "sie hat sozusagen mit jürgen kuttner den abend verbracht". halten sie auch nach dem album "nennen wir es den tag" ausschau. (mobilemusik@gmx.de)

Richard, darf ich auch behaupten, das ist schön?

säm

Promo-Platten liegen immer sogenannte Infos bei. Anhand derer schreibt der geneigte Musikjournalist seine Plattenkritiken, bereitet sich auf mit ihnen auf Interviews vor oder benutzt sie als Schmierzettel. Das Richard von der Schulenburg-Info vor mir hat nur noch ein Drittel seiner ursprünglichen Grösse, ist verziert mit norwegischen Filmtiteln und Telefonnummern ohne den Namen derer, die sich dahinter verbergen. Nach rausgerissenen Passagen stehen Halbsätze, wie "...das System der Banane lässt noch viele...und vom Urlaub". Ein komischer Kauz scheint er zu sein, der Richard. Könnte man alles reininterpretieren.

schuldigen, weil ich den Abend in einer Kneipe in Regensburg an dem ich auflege "Das ist schön" genannt habe. Genauso, wie deine Platte und genauso wie dein Clubabend in Hamburg heisst, bei dem du mit der Orgel Coverversionen spielst.... Ich fasse das als Kompliment auf. Hatte Abende, die hiessen "Das ist schön" und "Das war schön". Ja, optimaler Name für einen Clubabend. Und, wie lief es bei dir? Die "Minibar" in Hamburg hat mich engagiert, dass ich einmal im Monat einen Abend mache. Das war 1999 und es gab diese Milleniums-Angst. Dagegen hab ich versucht anzusteuern und hab es ganz banal "Bald ist es schön" genannt. 2000 hatte ich Lust, 70er Jahre Gruppen, die ich in meiner Jugend gehört habe, einen Abend zu widmen. Filme zu zeigen, Stücke zu covern mit der BRAVO-Übersetzung (also

Richard von der Schulenburg ist seit 2000 Mitglied bei den Sternen, dessen früherer Keyboarder Frank Will ausstieg, um was "Richtiges" zu machen. Ich glaube, er studierte Agrarwissenschaft. Richard hat bestimmt auch studiert. Bestimmt etwas, was man nie braucht. Er kann sich ja auf seine musikalischen Talente verlassen. Er ist eine Bühnensau. Sagt man doch immer, wenn jemand eben genau da hin gehört, oder? Die Lieder auf der CD klingen ja gerne ein bisserl schüchtern und tun so, als ob sie eben auf einen Schmierzettel (Info?) geschrieben wurden, um sie später auszuformulieren, was aber dann nie passierte. Richard spielt Orgel. Bei den Sternen und Solo. Beim eigenen Club-Abend in Hamburg ("Das ist schön", vgl. pittiplatsch3000-Abend in der Alten Filmbühne/Regensburg). Sein Debut-Album heisst auch "Das ist schön". Ich muss mich zu erst einmal bei dir ent-

der Eins-zu-Eins-Übersetzung, die früher immer in der Bravo stand. Anm. d. Red.).

Es lief Abba und ich hab mich auf die 70er Jahre beschränkt, um mit "Das war schön" einen Oldie-Charakter zu erhalten. Ich hab dann auch Tabu-Themen gemacht, wie Phil Collins und Mike Oldfield, wo ich dann auch zugegebenermassen Alpträume davon bekam. Das ist nicht gelogen. Von Mike Oldfield hatte ich Alpträume nachher. Ich hatte mich selbst in die Falle gelockt, aber ich fand es interessant, TabuThemen aufzugreifen und eben anders zu zeigen. Hattest du Angst, dass Mike Oldfield kommt und dich holt? Darüber will ich gar nicht so viel reden, aber... Ich musste mich mit der Musik auseinander setzen und die Musik von Mike Oldfield ist halt sehr anstengend. 39


Anstrengend und kann einen im Grunde fertig machen. Lemmy von Motörhead hat mal gesagt, dass man jede Frau haben kann, wenn man eine Gitarre umhängen hat. Wie kamst du zur Musik und vor allem dazu, sie mit einer Orgel zu spielen? Das liegt daran, dass bei uns zu Hause ein Klavier stand. Und keine Gitarre. Das ist der Grund. Ich hab mit drei Jahren angefangen rum zu klimpern und daran hat sich irgendwie nix geändert. Nein, ich hatte dann schon Unterricht, dann Jazz-KlavierUnterricht. Es war nett, aber letzten Endes hab ich immer nur rum geklimpert.

Art Kindersprache und ich fand das passend. Wie jemand, der ein Liebeslied macht und dabei eine einfachere und direktere Sprache aus dem Bauch heraus benutzt. Das muss nicht falsch sein, nur weil man es nicht sofort formulieren kann. Singt: "...lieb lieb mich tu..." Wie kamst du dann zu den Sternen? Thomas, der Bassist von den Sternen hat ein Konzert von Top Banana Trio gesehen und sich daran erinnert, als Frank Will bei den Sternen ausstieg. Aber ein Kontakt war schon da. Weil man sich halt kennt in Hamburg. Durch die Bars. Viele sagen ja auch, dass die neue Die Sterne-Platte durch deinen Einfluss so frisch klingt. Wie war dein Einfluss? Das war mehr ein Kennen lernen untereinander und ich wollte gerne einen Schnitt haben. Fast so wie bei Blumfeld. Da gab es viele Diskussionen und letzten Endes ist mir das nicht ganz so gelungen, weil sich die Sterne halt über einen bestimmten Stil definieren. Und ich habe eben die schlechte Angewohnheit, dass ich viel klimpere und improvisiere, was die Platte auch sehr beeinflusst hat. ...und in Interviews nennen sie dich immer den "Kleinen" oder den "Jungen". Was ist denn deine Rolle in der Band? Das ist peinlich für die anderen. Ich weiss nicht... Die Rolle ist: Nicht gleichberechtigt, aber fast... Es ist halt eine Band. Die anderen machen das seit zehn Jahren und ich erst drei Jahre. "Kleiner". Wenn jemand das sagt, hat er selber Komplexe. Wenn sie sich zu alt fühlen...die haben das nicht nötig. Das darf man nicht ernst nehmen. Du hast 2002 eine Platte mir den Sternen und ein Soloalbum veröffentlicht. Was machst du 2003? Noch eine Band? Nur noch Die Sterne? Bei den Sternen spiele ich ja auch, weil ich gerne in einer Band spiele. Und bei den Sternen macht das auch Spass. Ich möchte aber selber mit einem Freund (Nova Huta, Anm. d. Red.) zusammen eine kleine Tournee machen. Zweigeteilte Abende bei dem ein Teil David Bowie gewidmet sein wird. Jeder spielt seine eigenen Lieder und dann soll David Bowie als riesige Pappfigur runter gefahren werden. So als Huldigung. Er hat das selber auch gemacht. So einen Blödsinn. Wir machen den Blödsinn dann mit Bravo-Übersetzung. Traditionelle Hamburg-Frage: Was macht die Hamburger Schule und ihre Nachfolger wie Kettcar, Tomte oder Spillsbury?

Du hast jetzt kurz nach dem ersten SterneAlbum mit dir an den Keyboards gleich deine erste Solo-Platte draussen. Was kam da zuerst? Mit was hast du angefangen? Die Solo-Platte war länger angedacht. Ich hatte ein Projekt, das Top Banana Trio, mit dem ich bestimmte Stücke gemacht habe, die eben jetzt auch zum Teil auf meiner Platte drauf sind. Im Jahr 2000 kam ich dann zu den Sternen und da hab ich weiterhin Aufnahmen für "Das ist schön" gemacht, war aber nie zufrieden und beschlossen das doch komplett alleine aufzunehmen. Die Platte wurde dann auch schon 2001 fertig. Und jetzt, wo "Das ist schön" draussen ist, hacken alle auf der Grammatik deiner Texte rum. Ich versuche einen Ausdruck zu finden und auf Grammatik achte ich irgendwie nicht. "Lieben tun" vergleiche mich dann gerne mit "Love me do" von den Beatles, was auch grammatikalisch falsch ist. Es ist eine 40

Ich steck da gar nicht so drin. Ich stecke eher in dieser Elektro-Szene und da passiert seit die Jahren auch was. Bei GitarrenMusik bin ich nicht so involviert. Letztendlich ziehen dann auch viele nach Berlin und Berlin ist halt gerade so die Metropole, scheint mir. Ich geh da aber nicht hin. Ich bleib in Hamburg. Woher bist du ursprünglich? Aus Bielefeld. Ostwestfalen. Kennst du Krite und Schneider? Wen? Locust Fudge, Sharon Stoned, Hip Young Things. Das war kurz vor dem Hamburg Hype damals. Nee, den kenn ich nicht. Aber Schneider TM sagt dir doch was? Der war früher Schneider. Aus Bielefeld. Echt? Das wusste ich nicht. Das war vor sechs oder sieben Jahren. Jetzt wohnen die alle in Berlin und machen

elektronische Musik... ...also ich bin 95 nach Hamburg gezogen... Da war das gerade... ...da kann das sein, dass ich mich schnell verabschiedet habe. Für mich war aber die Hamburger Schule Mitte der Neunziger interessant. Das war ein Grund für mich, nach Hamburg zu ziehen.Du warst also doch der Gitarren-Typ. Das war mehr eine Entwicklung. Ich hab elektronische Musik plötzlich gemocht und eben auch die Sterne völlig aus den Augen verloren. Erst dann die "Wo ist hier?" und als ich eingestiegen bin... Als ehemaliger Fan: Ist man enttäuscht, wenn man dann mitspielt und merkt, dass das die gar nicht so aufregend sind... Das war erst so, aber...ja, es relativiert einiges. Als Fan interpretiert man immer Sachen rein. In die Jungs.

remember

mawe

manche lieder bleiben aus irgendwelchen gründen für alle zeit mit bestimmten situationen verknüpft, so unspektakulär sie auch sein mögen. hier sind einige meiner gebrandmarkten lieder und ihre bilder:

den wochen sind zu einem erinnerungsbreiverschmolzen, in dem ich nachmittags im bett liege und walkman höre. slut - virus "no one caught me falling two times in a year" der ganze winter 1998/99 in meinem zimmer außerhalb von ilmenau. nachmittags aufstehen, alle vorlesungen ausfallen lassen, auf dem sofa liegen, sich und fast alles hassen und es ganz ok finden.

smog - chosen one "well i'm a wild horse on a collision course with the sun" ein freitagnachmittag im herbst, als ich micha mit dem auto von einem bahnhof in einem thüringischen kaff abgeholt habe. an dem tag hat es so unglaublich stark geregnet, daß ich angst hatte, ich würde nicht ankommen. kurz vor dem bahnhof ging es einen berg runter und da war keine straße, sondern ein fluß.

barbara morgenstern - veronika nachmittags in rikkes wohnzimmer in kopenhagen. nicola kocht, die anderen sitzen rum und trinken wein. später tut rikke heimlich ketchup in die pasta und nicola ist sauer. die duschkabine war gleichzitig das badezimmer, man mußte nur einen vorhang vor die tür ziehen. man konnte auf dem klo sitzen und gleichzeitig duschen.

the notwist - 12 "now i know a year has 12 days, sometimes more but usually less" eine werkwoche (eine möglichkeit, vom zivildienst freizukriegen, indem man eine woche mit leuten, die man nie zuvor gesehen hat, in einer jugendherberge in einem bayerischen dorf verbringt, tagsüber an meditations- und diskussionsrunden teilnimmt und abends trinkt). hab ich zweimal gemacht, bei einer war das thema "körpersprache", an das andere kann ich mich beim besten willen nicht erinnern. die bei

for stars - if i could "we are all beautiful people, we are only fools because we think we're fools" im frühling in der mittagshitze auf dem dach über thomas' und stefans büro in köln. wir liegen auf kartons, damit wir uns nicht an der dachpappe verbrennen, und schauen in den himmel. alles ist egal, alles 41


ist vollkommen in ordnung. blumfeld - 2 oder 3 dinge die ich von dir weiß "ein brief von weit weg, so bist du mir nah, und trotzdem nicht hier, und doch bist du da" der brief kam nicht. wir waren erst einen monat zusammen, ich war für vier wochen in italien zum arbeiten und hab geschrieben. mehrmals. danach gings nochmal einen monat und das wars dann. die blumfeld-kassette hatte ich von einem deutschen pärchen überspielt, bei dem ich zum essen eingeladen war. im nachhinein betrachtet wußte ich wirklich nicht mehr als 2 oder 3 dinge. ich glaube, sie mochte dali und the cure. guns'n'roses - paradise city "take me down to the paradise city where the grass is green and the girls are pretty" ein mädchen aus der schule, das ich gut fand, hatte sich die platte von mir gelie-

hen. ich war damals so naiv, daß ich die platte sorgfältig nach geheimen botschaften absuchte, als ich sie zurückbekam.moment, wann kam die platte raus? 1987. dann war das vielleicht 1988, da war ich 12. das geht ja gerade noch. die toten hosen - opelgang "wir sind die jungs von der opelgang, wir haben alle abgehängt" siebte klasse, saalbach-hinterglemm. kassettenrekorder im zimmer auf dem waschbecken und laut wie hölle aufgedreht. und wir tranken noch nicht mal alkohol. tür war offen, denn die mädchen waren ja im anderen stockwerk. die sollten hören, was wir für coole schweine waren. wir dachten, die mögen das. wahrscheinlich eine kollektiverinnerung jedes jungen, der nicht entweder dachte, im skilager käme es aufs skifahren an, oder mit 13 schon wirklich alkohol trank und deshalb jetzt alles vergessen hat.

OMNIDOR LABEL PORTRÄT

ju*

Fame of Braunschweig Vorstadt Am Anfang war das Wort und die Provinz. Dennis Frank und seine Freunde verbrachten ihre Jugend in der Braunschweiger Vorstadt. Gelangweilt haben sie sich allerdings nie. Der glückliche Umstand, dass sich die Indie-Infrastruktur ihrer unmittelbaren Umgebung auf eine handvoll "blöder Rockbands" beschränkte, das eigene Empfinden aber nach anderem strebte, trieb die Freunde selbst an die Instrumente. Schliesslich "musste man da einfach selber was machen" - und so zog man sich nicht nur am eigenen Schopfe aus dem Sumpf, sondern auch einen Stein an den Rande des Abgrundes.... Alles sollte Grösser Sein Der Schritt vom eigenen Material in der Schublade zur Gründung des eigenen Label-Kosmos war indes nur noch ein kleiner. Die Fülle an Output forderte förmlich dazu auf, eigene Songs auch anderen Ohren zugänglich zu machen. Ein Name musste her für den Wahnsinn, und dieser sollte "grösser klingen" als das, was man selbst erlebt hatte. Und ein Platzhalter sein für die eigene, weitläufige Fantasie, nicht belastet durch den Auto-matismus der Assoziation.

Man entschied man sich für den bewusst inhaltsleeren aber wundervollen Titel "Omnidor". Rock goes Community Die gewachsenen Strukturen um die erste Band des jungen Labels "Tchi" und deren erste Veröffentlichung im Jahre ´99 wuchern seitdem haltlos weiter. Neue Bands mit herzzereissenden Namen wie "Die Grätenkinder", "Erdbeertörtchen" und "Der Raketenhund" erstehen scheinbar im Monatsrythmus. Man lebt und belebt den ständigen Austausch. Hier trumpft die Kleinstadt mit kurzen Wegen und "AllekennenAlle"-Attitüde, eine Diskobekanntschaft am Wochenende ist abwegiger als die Entstehung eines neuen Projektes. Am Ende ist es nicht verwunderlich, dass "Omnidor"s Bands nicht nur

Proberaum und Instrumente teilen, sondern auch ihre Mitglieder. Gemeinsamer Nenner Auf einen Stil mag man sich dennoch nicht festlegen bzw. festlegen lassen. Als Verwandte und Vorbilder nennt man das Münchner Label "Blickpunkt Pop und "Knorz Records" - das zu Hause der Grafen, beides geschätzt wegen unabhängiger Strukturen und eines smarten Rosters. Musikalische Lieblinge sind GUZ, Bernd Begemann, Kettcar und Tomte (um nur einige zu nennen) und mit dem oft gebrauchten Begriff "Hamburger Schule" kann man sich arrangieren. Immer aber als eigene Struktur und Kosmos. Um sich selbst drehen heisst am Ende auch, das Dinge unabhängig wachsen können. “Man müsste Leben können” Der Mann der alles zusammenhält ist auch drei Jahre nach Gründung noch immer Dennis Frank alias Dennis80, wie er im www gerufen wird. Im wirklichen Leben arbeitet der 25jährige in einer Webagentur, alles andere kommt nach Feierabend. Pläne gibt es viele, "mehr Zeit haben" steht an erster Stelle, und am Ende der Wunsch das Geschaffene irgendwann hauptberuflich voranzutreiben. Musik und Label als Pole, "das wäre optimal", acht Stunden sind noch lange kein Tag. Herbst? Herbst ist schon okay! Der charmante Fame der Kleinstadtexi-

stenz hat sich rumgesprochen, in diesem Jahr sind die ersten Demo-Tapes und Praktikanten-Bewerbungen durch den Briefkastenschlitz in den Omnidor-Kreislauf gelangt. Trotz beschränkter Kapazitäten freut man sich, schliesslich gehört es zu den Zielen, auch über die Grenzen Braunschweigs hinaus zu wachsen. Und wer im Geiste gross ist, schafft auch den Sprung über Landesgrenzen mit Leichtigkeit. Ebenfalls ein "Glücksgriff" wäre ein Vertrag mit einem jungen, heissen Indie-Vertrieb, der den geliebten Output weitläufig zugänglich macht und die glühende Leidenschaft teilt. Und sonst? Falls alles anders kommt wird Dennis80 nicht alleine sein. Für den Mann, der aussieht, wie eine ein bisschen erwachsene Form des Zauberkindes Harry Potter und am Telefon ruhig und besonnen Gedanken ordnet, mag man am liebsten gleich die Freundschaft anbieten, Veganer werden und kleine Weihnachtskalender basteln... Menschen, deren Idealismus ungebrochen ist werden in unseren Alterklassen immer seltener. Wir jubeln und hoffen, dass Omnidor sich weiter in Richtung Weltherrschaft vorarbeiten kann. Für das neue Jahr hat man sich einiges vorgenommen: mit Der Raketenhund, Die Geschweiften Klammern und den Grätenkindern sind gleich drei Veröffentlichungen geplant.


das dilemma des nebenzeit-musikjournalisten

mawe

es ist mal wieder soweit: auf meinem schreibtisch, meinem fernseher, meiner stereoanlage und halt überall sonst, wo man sachen drauflegen kann, stapeln sich selten bis nie gehörte cds mit zugehörigen waschzetteln der plattenfirmen (ich habe mir angewöhnt, sie nicht mehr wegzuwerfen, weil ich deshalb schon oft interstellare datenbankrecherchen nach der kontaktadresse in auftrag geben mußte) und ich frage mich, wann ich das alles besprechen soll und ob ich das überhaupt alles besprechen muß. schließlich bin ich nur freizeitmusikmagazinmacher, wenn promoagenturen sich erdreisten, bei mir anzurufen, bin ich einsilbig, pampig und schnauze rum. bei einer berliner promoagentur bin ich in der wer-ist-der-ansprechpartner-bei-wem-undwie-ist-der-so-drauf-liste (ja, das gibt's) mit dem wort "vollarsch" versehen. nur spaß. aber das mit dem vollarsch in der liste stimmt. cds besprechen also. wäre ich chefredakteur eines großen blattes, könnte ich die dinger an meine schreiber verschicken, die sich freuen, wenn sie cds geschenkt kriegen. das könnte ich natürlich so auch. aber ich will die cds schließlich selber behalten. ich schleppe also das ultra schlechte gewissen mit rum, weil ich den cds weder genug zeit widmen kann, um sie anzuhören, noch, um sie zu besprechen. und manche cds hätten nicht nur eine vernünftige rezension, sondern gleich eine ganze pitti platsch 3000-ausgabe für sich allein verdient. das macht einen fertig, das könnt ihr mir glauben. jaja, ich langweile euch. was regt der vogel sich auf, er kriegt wenigstens cds

umsonst. klar. und ich bin auch ganz schön dankbar dafür. für die momente, wenn man eine cd von einer band einlegt, die man sonst wahrscheinlich nie zu ohr gekriegt hätte, wenn man nicht täglich sämtliche online-fanzines, uni-radios und kleinstadtproberäume überwachen würde, und wenn es einen dann schlichtweg umhaut, überwältigt von der größe dieser neuentdeckung (wobei, was heißt hier entdeckung, die cd war schließlich im briefkasten) und dem wissen um das eigene privilegiertsein. "drum schreit es in die welt, haut es mit edding an die wände" (kettcar) was also tun? es mit den promoagenturen vermasseln und einfach nur noch das besprechen, was einem wichtig ist (und dafür solche großen augenblicke verstreichen lassen) oder es als meinen verdammten job ansehen, diese cds zu besprechen, die sich irgendwelche leute schließlich die mühe machen mir zu schicken? aberwarum verdien ich dann kein geld? idealismus ist ganz schön anstrengend. und so setz ich mich jetzt hin, sortiere aus, höre durch, vercheck die schlechten, gewinnträchtigen bei ebay und schreibe über die anderen. zu wenig zwar, aber ich schreibe. wenn schon nicht mit edding an die wände, dann zumindest mit stabilo aufs federmäppchen. und man möge es mir nachsehen, daß der veröffentlichungstermin dann schon monate zurückliegt. denn ich bin verdammtnochmal nicht die industrie. "und wir werden keinen tag im filofax markieren, außer dann wenn er uns längst vergangen ist" (lehmann)

houou-hou-hou

säm

der eminem ist schon ein lustiger kauz. irgendwie ging ihm bei singen wohl der text aus oder irgendwas haute rhythmisch nicht ganz hin. deshalb singt er jetzt dear mama - i never meant to hurt you-hououhou-hou, was schon g’scheit deppert klingt. jetzt kommt der trailer für austin powers 3 und ich überlege mir strategien, den film so bald wie möglich zu sehen, ohne in versu-

chung zu kommen, mir das in der deutschen synchronisation anzutun. da hat einefilmreihe mal die chance, die beste trilogie seit "zurück in die zukunft" zu werden, dann darf das nicht und nie "goldständer" heissen dürfen... jetzt spring ich im dreieck rum. vor vier tagen hab ich "halbe treppe" gesehen und mir nachher aus angst fast in die hosen 44

gemacht, nur weil ich dachte, ich könnte auch so weit abrutschen. mal. keine vierundzwanzig stunden später sitze ich in einer kneipe und trinke milchkaffee mit einem mädchen. spontan entschliessen wir uns, mal ganz schnell nach berlin zu fliegen, noch diese woche. remember kettcar: das geld kommt aus der wand. irgendwann ist man dann doch ein bisserl vernünftig und schaut erst mal nach den bahnangeboten. dann nach mitfahrzentralen und erst da kommt man in den bereich des möglichen und vernünftigen. im hintergrund läuft jetzt das lied dieser latinosängerin, deren namen ich nicht weiss. die, von der flo behauptet, sie hätte einen dicken bauch. jeder/jedem, der/dem ich dieses halbwissen weitergebe wird dann immer plötzlich fassungslos und meint, dass eben diese latino-sängerin perfekt sei... hm. jedenfalls singt sie "underneath your clothes" und dann setzt so ein geiler trompetenchor ein, wie damals bei den beatles und ebenso gut bei einem lied von roman fischer, dessen namen ich nicht weiss, weil er sie mir nur handschriftlich aufgeschrieben hat. es heisst entweder: "save your world" oder "sell your world". es ist jedenfalls mein lieblingslied auf seiner demo-cd. (jetzt hab ich mich verschrieben und lieblingsleid geschreiben. das ist nicht gemeint.) jetzt redet jemand von celine dion, die irgendein neues album hat. ich hab mal gehört, dass celine dion einen vertrag mit einem hotel in las vegas hat, wo sie jeden abend auftreten muss und dafür eine million dollar pro abend bekommt. es kann sein, dass ich mich da verhört habe, aber

das wäre schon ein dickes ding. die könnte das ja gar nicht ausgeben, wenn sie immer an dem ort sein müsste. schön blöd. heute hat thees uhlmann angerufen. er überlegt, was die erste single-auskopplung des breakthrough-albums seiner band tomte sein soll. ich sage: "schreit den namen", weil es eh jeder kennt und liebt. das wäre schon ein hit. er meinte, dass ihm vielleicht noch was besseres einfallen wird. ich frage, wie hoch er denn in die charts will. er ist der meinung "ganz oben", worauf ich ihm vorschlage mit seiner band sowas wie las ketchup zu machen. wir einigen uns darauf, dass er mindestens einen ähnlichen tanz kreiert.... erinnert euch bei den sommerfestivals an mich, wenn ihr thees, dennis, oli und timo mit bikini-girls im arm bei die hauptbühne spielen seht... apropos band aus hamburg: gerade läuft ozzy osbourne und, nein, der ist nicht aus hamburg (obwohl er da ganz gut reinpassen würde). und ozzy osbourne sagt in seiner (von mir sehr geschätzten) fernsehshow: "no bubbles, sharon. i’m the prince of fucking darkness. i don’t need bubbles." und kettcar, eben eine band aus hamburg spielte vor kurzem in maxhütte-haidhof ein konzert, bei dem der bühnentechniker auch plötzlich ein paar armselige seifenblasen von der decke regnen lies. und gitarrist reimer meinte gelassen dazu: "was soll das? wir sind die verdammten könige der dunkelheit. wir brauchen keine seifenblasen?" ich fands sehr lustig ...

Tenöre etc.

Björn Sonnenberg

Eine zeitlang habe ich beim Radio gearbeitet, wo es zur Pflichterfüllung gehörte, Jugendmagazine zu lesen, was bedeutete, daß ich in diesen Jahren stets sehr gut informiert war über Dinge, die eigentlich völlig uninteressant sind. Da die Musikredakteure entsprechende Hits auf die Sendelisten schrieben, kannte ich auch Musik, die mich eigentlich gar nicht interessierte. Als ich aufgehört hatte, dort zu arbeiten, wußte ich nicht mehr besonders gut über die deutschen Singlecharts bescheid oder welche Leute Restaurants in Hollywood

eröffneten, um mit zwei zugegeben unoriginellen Beispielen aufzuzeigen, was für Wissen ich mir angeeignet hatte, jedoch war ich sensibler als vorher für Entwicklungen geworden und Dinge, die sich abspielten In Rock, Pop und Showbusiness. So habe ich einige Notizen gesammelt, die ich gerne teilen möchte. Es gibt eine Pop- oder Rapgruppe aus Stuttgart, die relativ bekannt ist, es sind die Fantastischen Vier. Einer von ihnen heißt Thomas D, es ist derjenige, der so furchtbar schwäbisch klingt, wenn er singt und der 45


andauernd mit einem neuen Kram ankommt. Letztes Jahr hatte er ein Konzeptalbum gemacht, das er als der 'Reflektor Falke' präsentierte. Diese von ihm selbst erdachte Figur war eine Mischung aus Thomas D, Affe und Falke, die Kabel von Computern zerreißt (die vermutlich die Leute steuern wollen. Das ist so eine Vorstellung, die immer wiederkehrt in eher einfältigem Film oder Musik: daß es irgendwo diesen riesigen, sehr bösen Computer gibt, der irgendwie alle Leute in seine Kontrolle bringt oder bringen will) und mehr dazu zu sagen, halte ich nicht für nötig. Nun hat Thomas D eine Rockband gegründet, die Son Goku heißt und eine ganz ähnlich dämliche Konzeption hat. Ich möchte niemandem wehtun und niemandem den Spaß nehmen, dem ihm Thomas D womöglich bringt, aber eines frage ich mich kontinuierlich, wenn ich neue Ideen verfolge, die Thomas D ausheckt, ganz zu schweigen von den Texten, die er, äh, schreibt: wer hat diesem einfachen burlesken jungen Mann seinerzeit gesagt - und wer tut dies jetzt noch - daß er an die Außenwelt treten müsse mit seinen Schnapsideen, seinen albernen Tätowierungen und Frisuren und vor allem: seiner, äh, Musik und seinen, nun, Texten. Ich vermute, daß es dieselbe Person war, die Norbert Blüm mit den Worten ermutigt hat: 'Norbert, das kommt total gut, wenn du im Fernsehen den zwergwüchsigen Witzbold und das Trottelchen, daß immer wie betrunken wirkt, gibst', immer häufiger im Fernsehen aufzutreten. Mir fällt schwer zu glauben, daß jemand tatsächlich so ist wie der Norbert Blüm, den ich aus albernen Fernsehsendungen kenne, der nicht mal vernünftig sprechen kann und statt 'man' immer 'du' sagt, was ich grundsätzlich schon mal eine Sache finde, die Dummköpfe bevorzugt tun. Daß es nicht meine Freunde und ich waren, die die Nachfrage nach Tenören derart in die Höhe getrieben haben, weiß ich mit großer Sicherheit. Aber doch müssen irgendwo Leute sitzen, die irgendwann gefunden haben, daß in Phase 1 Placido Domingo, José Carreras und dieser Dicke, der auch mal mit U2 gesungen hat, die heißen Kartoffeln der Klassikszene sind. In Phase 2 wollte man alles sprengen, was man bisher geil gefunden hatte in dieser Szene und hat die drei zu einer Art modernem Rat Pack vereint, den 'drei Tenören'. Das ging dann über viele Jahre bis zur

Phase 3, in der dann junge Männer ein frisches unverbrauchtes Pendant zu den eingestaubten dreien liefern wollten. Ich denke, daß es mindestens zwei dieser Tenortrios gibt, von denen mindestens eines unter dem Namen 'die jungen Tenöre' als Plakat in Kartenvorverkaufsstellen hängt oder bei irgendwelchen Galas im Fernsehen Lieder mit klassischem Gesang und Orchestrierung, aber eher jugendlichen und zum Durchhalten und zu Toleranz ermutigenden deutschen Texten singt. Es wäre unehrlich, wenn ich nicht zugäbe, daß ich die jungen Tenöre nur ein einziges mal kurz im Fernsehen sah, wo sie sich in der beschriebenen Weise zeigten, was mich jedoch annehmen ließ, daß sie sonst auch so sind und nicht wie Blur oder die Cramps. Im Moment befinden wir uns in der apokalyptisch anmutenden Phase 4, die erahnen läßt, daß es selbst bei den Tenören (evtl. durch die Einführung des ramschigen Euro) eine gehörige Inflation gab und man nun versuchen will, die zu Holiday On Ice abwandernden Fans durch eine Anzahl von Tenören, die alleine durch ihre Zahlenstärke kleinere Gruppen von Dorfskins einschüchtern könnten, zu behalten und zurückzugewinnen. Die Rede ist von 'the ten tenors', die mit dem Motto 'one is not enough' für Furore sorgen wollen. Ich muß ehrlich sagen, daß ich ob der aus diesem Motto hervorgehenden Bereitschaft zur sehr extremen Vervielfachung auf die nächste Phase dieses Tenorterrors gespannt bin. Weniger gespannt bin ich, was die letzte, aktuelle und kommende Tanzsensation ist, nicht nur, weil ich Tanz als Kunstform hundertprozentig und entschlossen ablehne, ja sogar verlache. Doch die Plakate, die für die Verschmelzung von Trampelei und Stampede mit Ballet, von süßen Gavotten und Menuetten mit dem für Armut und Einfallsreichtum der Ghettos stehenden Trommeln auf Mülltonnen oder von Folklore mit Lasershows werben, bemerke ich trotzdem. Die Shows heißen, Stomp, Lord Of The Dance und dergleichen mehr und sind, wenn man den Pressezitaten auf den Plakaten glauben darf 'die neue Tanzsensation aus x' wobei für die Variable x dann je nachdem Irland oder Australien oder USA steht. Ich frage mich, wer den Nerv hat, sich so einen Mist anzusehen, wenn er nicht gerade bei Wetten, daß... läuft. Nun die Frage zu stellen, wer eigentlich Wetten, daß... ansieht fände ich mei46

nerseits etwas überzogen und uninteressant, da sich die Sendung überall großer Beliebtheit erfreut. Der Moderator heißt Thomas Gottschalk und ist ein eher aufund zudringlicher Typ, mit allen Stars auf du. Mit Bands und Musikern schlägt er ein, gibt sich 'high five' lobt, daß sie immer zeitgemäße Musik machen und doch immer sie selber geblieben sind. Wie nahe ihm coole Musik steht hat er bewiesen, als er letztes Jahr eine Single herausgebracht hat. In der ersten Strophe hören seine

Kinder immer Techno und Rap, er kommt ins Zimmer und fragt sich: 'ist der Kerl plemplem?' 'Mensch, Papi, das ist Eminem' antworten die 'Kids'. Am Schluß spricht er über ein Bett aus dröhnenden Rockgitarrenriffs: 'ich brauch Gitarrensound, den alten Underground'. Mehr Details über Thomas Gottschalk würden Autor und Leser gleichermaßen langweilen, außerdem war meine Absicht nicht, schon wieder bei Wetten, daß... zu landen, was mir häufiger passiert, als mir recht sein könnte.

die konkurrenz schläft nicht

mawe

obwohl konkurrenz natürlich das falsche wort ist. wir idealisten kämpfen ja alle auf der gleichen seite - der b-seite. trotzdem muß natürlich ehrlich geblieben werden, damit nicht vor lauter vetternwirtschaft und gegenseitigem schulterklopfen die übersicht verloren geht. schulterklopfen gibt es eh viel zu viel in diesem komischen musikbusiness. jedenfalls: obwohl wir natürlich die besten sind, machen auch andere hefte und sampler. nun, hefte gibt's gar nicht mehr so viele. aus dem großraum nürnberg ist vor kurzem wieder ein neues aufgetaucht: das ANYWAY fanzine (www.anyway-fanzine.tk) nummer eins ist noch etwas dünn, aber das wird bestimmt noch. gute themen (robocop kraus! support your local rocksuperstars!) auch positiv, daß hier nicht wie bei unserer ersten ausgabe schon auf den mainstream gesetzt wird und stattdessen eher kleinere bands stattfinden - aber zu viel musik und zu wenig privatkram. auch die schreibe ist noch etwas schülerzeitungshaft. oh je, wo reite ich mich da wieder rein, wo doch die nächste begegnung mit den sehr netten machern des hefts sicher bevorsteht. dann stehe ich wieder belämmert da und versuche mich rauszureden. aber jetzt nicht mein problem, also weiter: es gibt noch ein fanzine namens BLUMENMÄDCHEN (www.dasblumenmaedchen.de). darin gibt es viele nette sachen, aber auch gedichte. und da es ja scheinbar inzwischen zum guten ton gehört, daß kopierte kleinstauflagen-fanzines gepreßte sampler in riesenauflage rausbringen, gibt es jetzt auch "15 geschichten aus dem poesiealbum des kleinen blumenmädchens". darauf schon mal gehörte sachen von delbo, les garcons, subterfuge und virginia jetzt!, einige leider und dummerweise ausgerechnet auch ziemlich schwache stücke von

bands der fanzinemacher, sowie tom liwa. (ich schätze, ich muß nach veröffentlichung dieses textes für einige zeit ins ausland abtauchen.) auch die leute von KONTRAPHON (www.kontraphon.de) haben nun schon den zweiten sampler veröffentlich, der ebenso wie der erste ganz nett ist. es gibt u.a. lehmann, virginia jetzt! (natürlich), sternbuschweg, delbo, den samplertouristen björn und seine class struggle kids, porous, hidalgo und tripophon (aber mensch jungs, das lied war doch schon auf unserem letzten sampler). mich wundert allerdings, daß da nur 14 lieder drauf sind. da hätten doch noch bestimmt 6 von den bands draufgepaßt, denen ihr abgesagt habt. immerhin 18 lieder gibt es auf dem zweiten PLUS-sampler (www.primaleben-und-stereo.de). PLUS ist eine vereinigung junger menschen, die im raum münchen konzerte veranstalten, wie etwa das open air in freising. hier nun bands, die auf diesen konzerten gespielt haben. es sind dies z.b. the electric club, les garcons, rockformation diskokugel, mind kiosk, anajo, crash tokio und atomic. prädikat: auch nett, aber auch zuviel davon schon mal gehört. der punkt wird wohl an den SOMA sampler (www.somasoma.de) gehen müssen. das berliner fanzine, das nicht so luftikus-artig wie wir von ausgabe zu ausgabe hüpft, sondern sich auch mal gedanken über wichtige dinge wie politik macht, will jetzt auch. und darf auch gerne. weil darauf viele (22!) interessante und meist mir unbekannte bands sind (ich kenne nur sternbuschweg und unser kleiner dackel). schon der opener, ein stück von einer band namens "einige kolopeken", rockt den lowtzow. auch das lied von mobilé ist ziemlich gut (hallo peer, bitte überweise die abgemachten 20 euro auf das bekannte konto). 47


käse

mawe

der bergkäse von plus brachte mich dazu, diesen zugegebenermaßen sehr goldtigen text zu schreiben. denn auf der verpakkung steht folgendes: "wie die löcher in den käse kommen, erfahren sie in salzburgs 1. bio-schaukäserei &käsewelt'. erleben sie die ursprüngliche welt der traditionellen käseherstellung: - schau-käserei - käsewelt-dolby-surround-kino - touch-screen - käsewelt-sennhütte - käsewelt-restaurant salzburger käsewelt im schaudorf schleedorf - das besondere erlebnis für große und für kleine käseliebhaber!" ist das nicht himmlisch? so oft das wort käse auf so kleinem raum. ein fest für lingufetischisten mit affirmation zum wort käse. besonders toll ist natürlich das käseweltdolby-surround-kino. wahrscheinlich bieten die charakteristischen käsegeräusche während des reifens in dolby-surround größtes hörvergnügen. auch der touch-screen ist sicherlich sehr bemerkenswert. wo er wohl steht? in der eingangshalle der schaukäserei oder gar im rathaus des schaudorfs schleedorf? vielleicht sollte man den schaudorf-schleedorfern man raten, sich einen touch-käse als weiteren publikumsrenner anzuschaffen. vielleicht gibt es

auch bald ein käsewelt-3D-IMAX-kino und eine Käse-DVD. interaktiv versteht sich, zum mitmachen. ein kleines käsegotchi vielleicht. reif dir deinen eigenen digitalen käse zurecht. dann braucht sich nicht jeder einen echten käse in den keller stellen und kann seinen käse, wenn er einem stinkt, einfach neu starten.. ich habe übrigens eine wurst-CD-ROM einer italienischen supermarktkette. aber das gehört nicht hierher. wenn man im schaudorf schleedorf eintrifft, wird man bestimmt erst mal vom bürgermeister mit einem strauß käseblumen empfangen. was eine schau-käserei ist, kann man sich wahrscheinlich als halbwegs fantasiebegabter mitteleuropäer vorstellen, was aber ist ein schaudorf? leben dort lauter egozentriker, exhibitionisten und extrovertierte selbstdarsteller, die alles, was sie machen, zur schau stellen wollen? oder tun sie nur so und machen es nur für uns schaulustige? ist am ende das dorf gar keine funktionierende, demokratische gebietskörperschaft, sondern nur attrappe? ist am ende die ganze welt... nein. jedenfalls danke an die firma käsewelt für dieses amüsante intermezzo beim abendessen. ich schau mir das vielleicht mal an und erzähl dann, wies war.

Für mein Baby David (15.09.1968 - 29.10.2002)

Mine www.klitpop.de

Ein kleiner Text über die größte, unglaublich glücklichste Zeit meines Lebens (09.12.2000 - 29.10.2002)

I'm not bad at life, I'm not good as well And though life goes on, I can plainly see Just what is it for, if its not for me ? Sometime Though its a big surprise I made compromise the thing I most desire I can say with pride, hold my head up high That I had a great idea but nevermind. Oh...babe... I'm going nowhere, nowhere is where I wanna be And then I'm good for nothing Nothing is good enough for me Anything, anything can come to anybody Everything, everything can come to someone, sometime Oh, please.. I'm good for nothing. Nothing is good enough for me. Anything, anything can come to anybody Everything, everything can come to somone, sometime Sometime

Spiritualized "Don't just do something" Sometime They say that love is blind But I think that dumb is what they had in mind I could let it go, but I'd rather know If I sit around, will another show Sometime I get to fly so high That the sun burns my wings, but I will fly Just a little too far, cause thats where you are And I won't bring you down, believe in me Sometime I like to sit around and just contemplating sitting round I could lay in bed, like my momma said Don't just do something, sit around instead Sometime If I may say myself

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Opportunity passes right by me didn't even slow, I can't breathe and think and I need a drink, All this common sense made a fool of me. Sometime I like to sit around and just contemplating sitting round I can lay in bed like my momma said Don't just do something, sit around instead Sometime I get to fly so high That the sun burns my wings, but I will fly Just a little too far, cause thats where you are And I won't bring you down, believe in me Sometime I get me all confused, and the resons why are confusing too I could be with you, try to sort it out If I tell the truth, I like to lie about Sometime Though its a big surprise I made compromise the thing I most desire I can say with pride, hold my head up high That I had a great idea but nevermind. Sometime I like to sit around and just contemplating sitting round Although life goes on, I can plainly see All this common sense made a fool of me I don't want to live but I can't resist I got some reasons and I've made amends I'm gonna drown before my ship comes in And I forgot to ring my mum again and life ain't good without cigarettes...

der endlich aufhören soll. Der Tod ist nicht nachvollziehbar. Für mich in keinster Weise. Ich verstehe einfach nicht, warum David tot ist. Es ist einfach unglaublich, unwirklich, fremd, ganz weit weg. Wahrscheinlich könnte Jim Morrisson mir jetzt helfen. Wow, eine Morrisson-Therpie. Wobei ich am Ende wohl doch eher aus dem Fenster springen würde. Was mir geblieben ist, sind die Erinnerungen an viele gemeinsame Konzertbesuche (Spiritualized, Tindersticks, Muse, Evan Dando, Knarf Rellöm, Pulp, Radiohead, Belle & Sebastian, Nice Man, Travis, Erase Errata, Goldene Zitronen, Superpunk, Tomte, Sterne, Stereolab, The Fall, ...). Ohne dich, David, hätte ich niemals den Rock'n'Roll richtig kennen und jetzt auch wirklich lieben gelernt: The Undertones, The Monks, The Mummies, The Dirtbombs ... Musikaufnahmen von dir, die ich leider noch nicht hören kann. Deine Plattensammlung, die dir so am Herzen lag. Jetzt ist es ein Teil von dir, der mir geblieben ist. Jedes Vinyl erzählt seine eigene Geschichte. Über dich, die ich mir nur vorstellen kann. Wärst du bei mir, würdest du mir alles über deine Platten erzählen. Was sie dir bedeuten, was sie dir im Leben gebracht haben. Wir würden einen Joint rauchen und du würdest mit euphorischer Energie über die Dirtbombs erzählen. Ich würde irgendwann mal wieder versuchen, Robbie einzubringen. Wir würden lachen und uns küssen. Wir haben sehr viel gelacht. Über jeden Scheiß. Schade nur, dass ich jetzt nicht lachen kann. "Thank you for being you" hast du mir oft gesagt. Auf fast jedem Mix-Tape von dir höre ich diesen großartigen Song von The Pastels. Auch eine Band, die für dich sehr wichtig war. Der Tod ist schon ne ganz miese Sau. Ein Tabu, dem ich hiermit aber auch mal Bescheid sagen will. Etwas ganz entscheidendes ist in meinem Leben passiert. Mit dem Tod hatte ich zuvor nur einmal zu tun, als meine Oma gestorben ist. Das war auch schon schrecklich. Ich war 6 und meine Oma über 80 Jahre alt. Jetzt bin ich 28 Jahre und David war 34. Hat sich selber immer als alter Sack bezeichnet. Dabei waren es nur sechs Jahre Unterschied. Und mit 34 zu sterben, ist nicht alt. Hier sei zu erwähnen, dass die Besten leider immer viel zu früh sterben. Bobby Fuller war gerade mal 23 Jahre alt, James Dean starb

Ich könnte noch sehr viele Songs hier aufschreiben. Songs, die mir jetzt das Leben ohne dich etwas erträglicher machen. Songs, die damals uns gehörten. Songs, die mich an meine glücklichste Zeit erinnern. Ich könnte hier auch mehr als nur zwei, drei Seiten füllen. Ich könnte über dich und unsere gemeinsame Zeit fast einen Roman schreiben. Ich weiß nur nicht, ob es jemanden interessiert. Vielleicht die Leute, die uns kennen. Vielleicht auch Außenstehende, kann sein. Wieso muss ich das hier überhaupt schreiben? Es ist ein Bedürfnis. Ich will, dass alle dich kennen lernen. Dich in Erinnerung behalten. Dich niemals vergessen dürfen. Am liebsten würde ich es herausschreien. Ganz laut schreien WARUM? Warum bist du gestorben? Warum mein geliebter Seemann? Warum trifft es dich? Warum trifft es denjenigen, der das Leben am meisten genossen hat? Der gelebt hat. Immer gut gelaunt war und in allem das Positive gesehen hat? Für den die Musik lebensnotwendig war, auch wenn sie am Schluss nichts mehr tun konnte... Fragen, die sich jeden Tag, jede Stunde in meinem Hirn ausweiten. Dem Hirn, das nicht mehr realistisch denken kann. Alles wirkt wie in einem schlechten Film. Ein Film, 49


auch mit Mitte Zwanzig und John Lennon starb mit 40 viel zu früh. David ist gestorben. Ein Satz, den ich immer noch nicht verstehen kann. Wenn in den Nachrichten gesagt wird, Joe Strummer ist gestorben, dann ist das schlimm. Wenn aber der wichtigste Mensch in deinem Leben stirbt, dann ist das unbegreiflich. Den einzigen Trost, den ich mir geben kann ist, dass ich mir vorstelle, David sitzt mit Elvis, Bobby Fuller oder Deedee Ramone im Himmel und sie rauchen lustig ein paar Tüten auf einer duftig schwebenden rosa Wolke. Ich hoffe, dass es so ist. Ich muss leider mit dem altbackenen Satz "Das Leben geht weiter" hier unten zurecht kommen. Ich sitze nicht zu Hause und trauere vor mich hin. Nein, ich will kreativ sein. Allein für David. Ich werde weiter Musik machen. Ich werde weiter für die Musik schreiben und ich werde weiter Davids Platten hören und sie jedem vorspielen und im Radio laufen lassen. Alle sollen hören, was für eine coole Sau Metallic David Leder war. Rock 'n' Roll will never die!!!

schlafen über Träume gedacht hatte. Sie sah genauso aus wie damals, als ich sie zuletzt gesehen hatte, dabei war sie zu jener Zeit 19 Jahre und jetzt 27 - die Toten der Erinnerung pflegen jung zu bleiben. Sie hatte dieselben immerzu verwunderten Augen und schaute mich an. Ich schmeiße etwas nach Ihr, dachte ich, zerteilte den Spiegel. Aber obwohl das nur ein Traum war, brachte ich es irgendwie nicht über mich, eine Tote auch nur im Traum mit Gegenständen zu bewerfen. - Arme Frau, sagte ich einfallslos, bist du mich besuchen gekommen, ja? Ich erschrak, denn meine Stimme klang echt. Das ganze Zimmer, Harvey, der zufrieden vor sich hinschaute: Sie präsentierten sich wahrhaftig. Inzwischen war die Sonneneinstrahlung heftiger geworden; mächtige Eruptionen zeichneten sich auf dem Grund ab, heftige Winde, durch thermoplastische Reaktionen verursacht, schüttelten die Kapsel heftig. Gut, dachte ich, mir soll's recht sein. Ich habe mich bei rotem Licht hingelegt, stehe bei rotem Licht auf. Beruhigt sah ich die Frau wieder an. Sie saß rücklings dem Fenster gegenüber, das Licht vergoldete den sanften Flaum auf ihren Wangen und die Wimpern warfen lange Schatten auf ihr Gesicht. Na bitte, dachte ich, so gewissenhaft bin ich, sogar wenn ich nicht wach bin: für die Sonnenbewegung sorge ich, und dafür, dass ihr Grübchen da ist, wo es sonst niemand hat, unterhalb des Winkels ihrer erstaunten Lippen: aber lieber wäre es mir, wenn das doch schon weg wäre - ich muss arbeiten, will weg aus diesem schattenlosen Dasein. Ich drückte die Lider zusammen und bemühte mich, aufzuwachen, da hörte ich etwas knarren. Sofort öffnete ich die Augen. Sie saß neben dem Bett und betrachtete mich ernst. Harvey legte sich auf den Rücken. Wenn er den Kopf bewegte, konnte ich in seine kleinen Nasenlöcher sehen, ein Barometer seiner Gefühle, vom Fenster her schimmerte das Licht immer stärker durch. Wir küssten uns lange, mit den Fingerspitzen fuhr ich an ihren Ohrläppchen entlang. - Darf ich einen Traum ausnutzen?, fragte ich sie - Sie lächelte. Ich spannte meinen Körper, um aus dem Bett zu springen und war auf ein Scheitern vorbereitet: Sehr oft beherrschen wir im Traum den eigenen Körper nicht, er ist wie gelähmt und abwesend, ich rechnete damit, im Bewusst-

Kurzgeschichte von David Leder

(Vorspann: Gene der Raumfahrer mit Hase Harvey, seit 8 Jahren unterwegs, kreist um eine Sonne die gerade zur Supernova mutiert, diese Sonne bewirkt durch ihre starke Strahlung psychische schizoide Veränderungen bei dem Mann) Als ich die Augen öffnete, hatte ich den Eindruck, kaum einige Minuten geschlafen zu haben. Ich hatte es kühl und gut. Dem Bett gegenüber, beim Fenster, dessen Spezialbeschichtung einen bleiernen Schleier zeigte, im Licht der roten Sonne, saß jemand auf dem Stuhl. Es war die Frau, die ich liebte, barfuß, die Beine übereinandergeschlagen. Harvey grunzte leise und knabberte an einer Möhre. Ihre Arme waren braungebrannt. Sie trug das Haar in alle Richtungen gekämmt, der dünne Stoff ihres Kleides spannte sich über ihre Brüste. Sie schaute mich unverwandt an. Ich dachte, wie gut, dass es ein Traum ist, bei dem man weiß, dass man träumt. Ich schloss die Augen und begann, mir das sehr intensiv vorzustellen. Harvey sprang aufs Bett, ich kraulte ihn vorsichtig und schaute wieder auf - sie saß genauso da wie zuvor. Die Lippen hielt sie gespitzt als wolle sie pfeifen, aber in ihren Augen lag nichts von einem Lächeln. Ich besann mich auf alles, was ich am Vorabend vorm Ein50

werden des Vorsatzes aufzuwachen. Ich wachte aber nicht auf. Sondern stand vor ihr. Da hilft nichts, das muss ich zu Ende träumen, dachte ich, aber die gute Laune war spurlos verflogen und Panik machte sich breit. - Was willst du, wie kommst du hierher?, fragte ich sie, meine Stimme klang heiser. - Ich weiß nicht, sagte sie, ich bin ganz gewöhnlich gekommen. Ist das wichtig, Gene? Ihr Gesicht verfinsterte sich. - Woher hast du gewusst, dass ich hier bin? Das machte sie stutzig. Lächelnd ließ sie kurz die Zähne sehen. - Ich habe keine Ahnung. Du hast geschlafen, als ich herkam. Aber ich wollte dich nicht wecken. Ich wollte Dich nicht wekken, weil du bösartig bist. Bösartig und

langweilig! Im Rhythmus der Worte schlug sie energisch meine Hand hoch. - Warst Du da unten? Ich zeigte auf die lodernde Oberfläche der Sonne, Harvey hoppelte plötzlich los und zog seltsame Kreise um uns. Sie ließ meine Hand los, legte sich auf die Seite des Bettes, ich sah das wie ein Blümchen wirkende Mal der Pockenimpfung auf Ihrem Unterarm. Harvey drehte sich um und fiel hin, er sah aus wie ein Showhase in einer alten HalRoach-Komödie. Ich fühlte plötzlich seinen Schmerz in meiner Brust. - Aber, aber, stammelte ich und sah plötzlich der Sonne ins Gesicht.

DAS GOLDENE PFERD (1)

René "Sattel mich!" Hamann

Eine kurze Hasstirade auf Country, die Pedal Steel Guitar und Pferde überhaupt. Nebst einer Vorstellung der besten PferdeLP-Cover. Ich weiß nicht, ob die missglückte Liebesgeschichte zu einer holden Dame anno 1990/91 hier wirklich hingehört. Mein Hass auf Pferde jedenfalls, vor allem wenn sie in amerikanischen Filmen mitspielen, begründet sich nicht darauf, dass ich mal von einem gefallen bin. Nee, nee, in echt habe ich noch NIE auf einem Pferd gesessen. Ich vermute eher, dass das so ein Vondenelternabgrenz-Ding war. Mein Vater mochte nämlich Pferde, zwar nur die in diesen Filmen, aber immerhin. Jedenfalls trug besagte Dame keine Reiterhosen, durch die sie hätte enttarnt werden können, und so begab ich mich nichts Böses ahnend eines Tages zum ersten Mal in ihr Zimmer, das komplett mit Pferdepostern tapeziert war. Oh graus! Aber das wollte ich ja eigentlich nicht erzählen. Das einzige Pferd, dass mich in jungen Jahren begeistern konnte, war das aus der Sesamstraße. Verdammt lässig mit losem Mundwerk ließ es sich in der Badewanne vom Cowboy den Rücken schrubben und sang ein lustiges Lied, das ich niemals covern werde, weil ich mich nicht daran erinnern kann (MP3s bitte an die übliche Adresse). Die Liebesgeschichte fand also ein jähes Ende. Eine verdammte Weile später, es war Karneval und einige Biere hatten bereits den bequemen Weg durch

meine Speiseröhre gefunden, überlegten wir, ob wir nicht doch ein gemeinsames Obdach finden könnten; da holte sie ihre Autoschlüssel hervor. Der Bund hatte einen Anhänger mit einem wiehernden Pferdekopf darauf. Karneval hasse ich auch. Aber was hat das mit der Pedal Steel Guitar zu tun? Nichts, ich glaube, es gibt Platten, auf der sie hervorragend funktioniert. Die von den Friends of Dean Martinez gehören seit ihrem Konzert im Gebäude 9 nicht dazu. Auf jeden haben sich Pferde seit der Erfindung der Dampfmaschine und spätestens seit der Einführung des Automobils erledigt. Sie sind recht eigentlich nur noch ein Zitat. Ihre Bedeutung für die Geschichte der Supermacht USA wurde in zahlreichen Filmen breit getrampelt, einen Oscar hat ein Pferd zum Glück nie gewinnen können. Die Sesamstraße ist nach dem Tod des genialen Mr. Hanson nur noch ein Witz. Pavement haben sich auf dem Tiefpunkt ihrer Karriere aufgelöst, Hazeldine können auch ohne Pedal Steel, und die Johnny-Cash-MP3s, auf denen eine zu hören ist, können an die bekannte Adresse gemailt werden. An den Beachwood Sparks liebe ich den Humor und teile den Respekt vor dem Gesamtwerk Gram Parsons. Mit der jungen Dame von einst kam ich dann doch eines Tages zusammen, allerdings nicht für lange, und für das ihr angetanes Unrecht, von den Postern auf ihr 51


Wesen zu schließen, schäme ich mich. Und bevor ich jetzt zu einer kleinen Vorstellung von Horses on LP Covers komme, kündige ich großmäulig eine Fortsetzung dieser Reihe an. Im nächsten Teil wird es darum gehen, dass ich als Kind mal ein Pferdebuch gelesen habe, dass so übelst traurig war, dass ich ein ganzes Paket Würfelzucker und mindestens vierzehn Äpfel essen musste. Bis dahin: Hühott!

EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN, Haus der Lüge (1990) Selbes Jahr, ähnlicher Auftrag. Das Pferd hier ganz auf Anti, es pisst. Was mich an einen derben französischen Film aus den 70ern erinnert ... Aber lassen wir das. Statt dessen möchte ich erzählen, dass das furchterregende Intro tatsächlich der morgendliche Weckruf im Zivildienstseminar in Niedersachsen war. Eine komplette Jungskaserne mit Lautsprechern in jedem Zimmer, und die Zivis durften sich die Musik aussuchen, die ab 7 Uhr da durch schallte. Was niemand außer mir wusste.

CATATONIA, International Velvet (1998) Ihre zweite wie zweitbeste Platte (die beste kam - of course, i'd say - am Anfang). Sehr Provinz, das: Country Girl singt walisischen Röhrenrock und alle Landkaschemmen werden plötzlich wieder Heimat. Auf die Wochenenden konzentrierter Alkoholkonsum. Billard spielen und nachts von den Nachbarn angepöbelt werden, weil das vor der Bar festgezurrte Automobil ihre Ausfahrt zugestellt hat.

WEEN, 12 Country Greats (1996) Ein Witz? Oder eine Hommage? Man stelle sich vor, die Ärzte würden eine Truck-Stop-CoverPlatte machen. So ungefähr. Für mich als Indie-Sozialisierter der first contact.

PINK TURNS BLUE, Eremite (1990) Provinz II: Der Sänger dieser zukkerlosen Depriband stammt aus dem selben Dorf wie ich. Eines Tages beschloss er, mit seiner Wavecombo nach Slowenien auszuziehen und diese Platte hier zu machen. Das martialisch wiehernde Pferd sagt schon alles. Und tatsächlich ist das ein Ausschnitt aus einem jugoslawischem Geldschein, den es inzwischen nicht mehr gibt. Was nämlich kurz nach dieser Platte geschah, wissen wir alle, hat aber mit "Eremite" nichts zu tun.

MARINE RESEARCH, Sounds from the Gulf Stream (1999) Pferde aus Papier, die verwirrt auf einem roten Teppich stehen. Was machen wir hier? Hat die Band nicht eher was mit U-Booten zu tun? Wer zur Hölle hat uns gebastelt? Marine Research, die einzige K-Band, die Chancen beim Eurovisions-Grandprix hätte, und trotzdem ohne Scheu gut gefunden werden darf. Vorher hießen sie übrigens Heavenly, davor Talulah Gosh, und inzwischen heißen sie glaub ich wieder anders. Vielleicht gar DERBY.

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Oldiesender

säm

Scheisse, bin ich alt. Scheisse, mach jetzt den Oldiesender her... Heute ist mir schon was ganz Komisches passiert. Ich arbeite seit gestern wieder. Nach fünf Wochen Urlaub. Und da wird man natürlich schon so richtig rangenommen. "Hat sich ja erholt, der Junge" denken die sich, ohne zu wissen, was bei der Popkomm wirklich abging... ("Ja, das war so geschäftlich, nicht? Wir haben unseren Sampler auf einem Showcase, oder wie das jetzt heisst, vorgestellt und ein paar nette Leute getroffen" also known as drei Tage Remmi-Demmi im Delirium). Ja und jedenfalls musste ich dann eben von früh neun bis abends um halb elf tun und machen. Als das alles getan war, fuhr ich alleine zurück in meine Stadt. Und weil man mich noch nicht genug geärgert hat, gibt man mir dafür ein tolles Auto, dass kein Kassettenteil, sondern nur Radio hat. Und da kommt nur Scheisse!!! Man zappt die drei Popmusik-Sender zwanzig Minuten lang im Vier-Sekunden-Takt und hofft, dass wenigstens die Pet Shop Boys mal laufen. Oder eben Oasis. "Stop crying your Heart out" oder eben "Wonderwall". Aber nicht mal das. Und was passiert? Ich drücke mal nicht mehr nur die Programmtasten sondern

auch mal den Sendersuchlauf. Und. Stosse. Auf. Ich-fass-es-nicht. Oldiesender. Ich hab mir als Kind kurz nach Guns’n’Roses und wenig vor Kurt Cobain vorgenommen, dass mir das nicht mal im Altersheim passieren wird. Und dann passiert mir das heute. Ich meine: Oldie_Sender. Aber da lief eben "Yellow Submarine" und "Lola" und "Downtown" und "Music (was my first Love)" und ich wurde rot im Gesicht. Kann ich das schön finden, nur weil ich es schön finde? Kann man Oldies hören und sich freuen, dass man nicht Britney Spears und Reamonn ins Ohr gepresst bekommt? Selbstzweifel. Kann man "American Pie" im Original besser finden, als von Madonna? Ich mache den Selbsttest und mag Madonna mehr. Ha! Doch nicht rausgewachsen! Bin ich der einzige, der direkt nach dem abhören der Oldies hier, sofort zu den Moldy Peaches und zu International Noise Conspiracy greift? Ja leckt mich doch. Popmusik-Sender können gar nichts. Diese Musik, die darauf läuft, macht Menschen schlecht! Und ich bin kein schlechter. Und ich hör die Beatles. Und Led Zep. "Es ist einfach Rockmusik" (Tocotronic)

CHRONIK DES VERSCHWINDENS

Thomas Weiß

Viele Dinge ändern sich. Skilehrer nennen den "Pflug" heute "Pizzastück". "Twix" hieß mal "Raider". Und in den Überraschungseiern stecken statt Schlümpfen Star-WarsNilpferde mit den Namen "Hippoda", "Luke Eiwalker" und "Obi Wan Hippobi". Bei einigen dieser Veränderungen sagt sich der Betrachter: Gut, das der Dreck weg ist. Bei anderen möchte man mit Jürgen Fliege sprechen: "Ich könnte vor Wut in die Bibel beißen." Im Bereich Kino ist das Ganze am auffälligsten. Also, raus mit der NostalgieKeule. Es folgen wichtige Infos über KinoKleinigkeiten, die vom Aussterben bedroht sind. Gegen das Vergessen! 10 DINGE, DIE ES IN FILMEN NICHT MEHR GIBT 1. Zeitungen, die größer werden und sich wirbelnd ins Bild drehen 2. Kommissare, die vom Bar-Telefon aus das Büro anrufen und ihre Nummer hinterlassen

3. Cowboys, die mit heißem Wasser und Bowie-Messer einem Kind auf die Welt helfen 4. Telefongespräche mit geteilter Leinwand 5. Breakdance 6. Cowboys mit modernem Haarschnitt 7. Kalenderblätter die wegwehen, um darzustellen, wie die Zeit verfliegt 8. Ein Zeitungsjunge, der brüllt: "Die Aaabendausgabe - Hitler ist in Polen einmarschiert!" 9. Traumsequenzen, die mit einer Unschärfe beginnen 10. Ein Saxophon im Titel-Song (wahrscheinlich das letzte Mal benutzt in "The Heat is on" bei "Beverly Hills Cop") 7 DINGE, DIE MAN IMMER NOCH SIEHT 1. Der Beifahrer eines Wagens blickt in den Rückspiegel und sagt: "Ich glaube, wir haben Gesellschaft." 2. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd 53


wird ein Gemüsestand umgefahren. 3. Ein unheimliches Geräusch entpuppt sich als Katze. 4. In einem französichen Film brüllt die Hauptdarstellerin: "Ich find' dich zum Kotzen." 5. Der Schrei eines Mordopfers geht über in das Bild eines startenden Flugzeuges. 6. Ein Soldat zeigt das Bild seiner Frau im Schützengraben seinen Kameraden. Er stirbt bei der nächsten Attacke 7. Ein Darsteller hustet. Innerhalb der nächsten 20 Filmminuten stirbt er an einer Krankheit. 4 EXZENTRISCHE FILME, DIE IN KEINER VIDEOTHEK MEHR ZU FINDEN SIND 1. Frankreich - "Letztes Jahr in Marienbad" (1961) Einer der Filme, dessen Handlung sich nicht nacherzählen läßt. Mysteriös, elegant, schwarzweiß. Gefilmt in und um Schloss Nymphenburg in München. Regie: Alain Resnais 2. Spanien - "Der Würgeengel" (1962) Eine Gesellschaft trifft sich in einer Villa zum Abendessen. Anschließend kann sie aus ungeklärten Gründen das Haus nicht mehr verlassen und lebt tagelang zusammen, während die Sitten verfallen. Regie: Luis Bunuel 3. Italien - "Beruf: Reporter (1973) Ein frustrierter Journalist (Jack Nicholson) findet in seinem Wüsten-Hotel die Leiche eines Mannes und nimmt seine Identität an. Dessen Spur führt in eine Münchner Barock-Kirche. Regie: Michelangelo Antonioni 4. Rußland - "Stalker" (1979) Mitten im Land sperrt die Regierung eine riesige "Zone" ab. Nur der ortskundige "Stalker" führt immer wieder illegal Neugierige in den verwüsteten Landstrich. Regie: Andrej Tarkowskij 5 DINGE, DIE IN JEDEM GEFÄNGNIS-FILM PASSIEREN, EGAL OB ALT ODER NEU 1. Der Bibliothekswagen fährt durch den Gang 2. Ein Wärter klappert mit dem Schlagstock über die Gitter 3. Das klumpige Essen wird mit einem Riesenkochlöffel auf den Blechnapf geklatscht. 4. Ein Gefangener brüllt: "Euren Schweinfraß könnt ihr alleine fressen." 5. Eine Kantinen-Schlägerei bricht aus. 10 ALTE FILMTITEL, DIE SELTSAME LEBENSWEISHEITEN VERMITTELN 1. "Leoparden küßt man nicht" ("Bringing up baby", 1939)

2. "Tote schlafen fest" ("The Big Sleep", 1946) 3. "Eddie krault nur kesse Katzen" ("Les femmes d'abord", 1962) 4. "Thomas Crown ist nicht zu fassen" ("The Thomas Crown Affair", 1967) 5. "Agenten sterben einsam" ("Where eagles dare", 1968) 6. "Beim Sterben ist jeder der erste" ("Deliverance", 1972) 7. "Jeder Kopf hat seinen Preis" ("The Hunter", 1980) 8. "Der Tod kommt zweimal" ("Body Double", 1984) 9. "Staatsanwälte küßt man nicht" ("Legal Eagles", 1985) 10. "Schlappe Bullen beißen nicht" ("Dragnet", 1986) 4 ORGANISATIONEN, DEREN NAME EINE ABKÜRZUNG IST 1. S.P.E.C.T.R.E. (Special Executive for Crime, Terror, Revenge and Extortion, aus: 007-Filme) 2. G.O.F.T.E.R. (Geheimorganisation für Terror, Spionage, Erpressung und Rache, aus: "Dr. No") 3. U.N.C.L.E. (United Network Command for Law Enforcement, aus: "Solo für U.N.C.L.E.) 4. S.H.A.D.O. (Supreme Headquarter - Alien Defence Organisation, aus: "UFO") 10 ZITATE, DIE HEUTE KEINER MEHR KENNT 1. "Nach Napoleon haben sie einen Schnaps benannt, nach Bismarck einen Hering und der Führer wird als ein Stück Käse enden." 2. "Ein Staatsmann soll ermordet werden... Ambrose Chapel." 3. "Im Italien unter den Borgias herrschten 30 Jahre lang Terror und Mord, aber die Zeit brachte Michelangelo und die Renaissance hervor. In der Schweiz herrschte 500 Jahre Friede. Und was haben sie hervorgebracht? - Die Kuckucksuhr." 4. "Blonder, du Hurensohn! Der Blitz soll dich beim Scheißen treffen." 5. "Sie hätten Bademeister werden sollen, Mr. Bond." 6. "Sohn Nummel dlei, Flagen sind wie Fußfäule - absolut übelflüssig."7. "Liebchen, uh, sweetness-heart, what watch?" "Ten watch." "Such much?" 8. "Sie hat recht. Ich mache es ganz falsch. Wir machen es alle ganz falsch." 9. "Weißt du, was mit dir nicht stimmt?" "Nein." "Gar nichts." 10. "Mir wirft man nicht mein Gewehr vor die Füße und sagt: Verschwinde!" Die Lösung kann bei derweissthomas@web.de erfragt werden. 54

was ist was? the prisoner

mawe

beschreibung: englische TV-serie alter: 36 ziel: äh...

her. es gibt nicht mal eine vorgeschriebene reihenfolge. die sendungen wurden im englischen fernsehen in anderer abfolge gesendet, als sie produziert wurden. nur die letzte namens "fall out", in der sich alles aufklärt (oder auch nicht, denn sogar hier wird noch jede menge raum für spekulationen gelassen, was die zuschauer verärgerte, zum teil auch, weil sie mit der gegebenen erklärung nicht einverstanden waren - damals dachten die fernsehzuschauer anscheinend noch über das nach, was ihnen vorgeworfen wurde!), sollte man natürlich zum schluß sehen. THE VILLAGE ist wie gesagt ein sehr surrealer ort: es sieht aus wie eine spielzeugstadt, die bewohner (alles eine art politische gefangene, denen der repressor informationen entlocken will) laufen gutgelaunt und ohne irgendwas zu hinterfragen mit bunt gestreiften pullovern rum, fahren in wackeligen, nostalgischen gefährten (bzw. werden gefahren, denn die grenzen des VILLAGE sind natürlich tabu), treiben lustspiele und gehen ins bett, wenn der lautsprecher in ihrer wohnung es ihnen sagt. unter ihnen ist unser prisoner der ultracoole king und verliert praktisch nie die fassung (number 2: "I suppose you wonder what you're doing here." - number 6: "It had crossed my mind."). den button mit seiner nummer steckt er sich gar nicht erst an, seine revolte besteht in demonstrativem nichtbefolgen der anweisungen. was der jeweiligen number 2 sowohl großen kummer als auch ärger mit seinem diffusen chef bereitet, der übrigens auch der grund dafür ist, daß in jeder folge eine "new number 2" auftaucht. number 6 ist immer gentleman und hat nie geschichten mit frauen, obwohl es deren etliche bezaubernde gibt, mit denen number 2 aber meistens versucht, ihn dranzukriegen.

1967, als das fernsehen noch nicht daran dachte, kabelprogramme zu erfinden und noch einen deut daran interessiert war, kultur zu vermitteln, wurde in england eine neuartige serie ausgestrahlt, die trotz ihrer kafkaesken und surrealistischen elemente unerwartet erfolgreich war: THE PRISONER, von und mit patrick mcgoohan (später auch regisseur der columbo-reihe), in der deutschen synchronfassung NUMMER 6 zweimal, 1969 und 1972, gesendet. auf video ist aber nur die englische version rausgekommen. es sind insgesamt 17 folgen, die grob gesagt davon handeln, daß ein mitarbeiter des geheimdienstes aus unbekannten gründen wutentbrannt kündigt, anschließend in seiner wohnung in klassischer agentenfilm-manier per gas durchs schlüsselloch betäubt wird und in einem seltsamen dorf aufwacht: THE VILLAGE. er geht in einen retrofuturistisch eingerichtenen raum, wo sich zwischen ihm und einem immer anderen mann im kugelsessel folgender dialog abspielt: "where am i?" "in THE VILLAGE." "what do you want?" "information." "whose side are you on?" "that would be telling... we want information!" "you won't get it!" "by hook or by crook, we will." "who are you?" "the new number 2." "who is number 1?" "you are number 6." "i am not a number! i am a free man!" worauf number 2 in fieses bösewichtgelächter ausbricht. das alles passiert in jeder folge, auch der ersten, im vorspann. in den einzelnen folgen versucht der prisoner dann mit verschiedenen tricks zwei dinge: 1. herauszufinden, wer number 1 ist und 2. von der insel (denn THE VILLAGE befindet sich auf einer insel namens natürlich - THE ISLAND) zu entkommen. dabei scheitert er, weshalb am ende jeder folge der status quo wiederhergestellt ist.=20eine der besonderheiten von THE PRISONER ist, daß man die folgen in beliebiger reihenfolge anschauen kann. am ende ist der prisoner wie der zuschauer immer so schlau wie vor 55


nicht mit ihm. (man erfährt übrigens praktisch nichts über sein privatleben, nicht mal seinen namen, nur in einer folge, als er von den mit erstaunlichen technischen möglichkeiten ausgestatteten bösen in den körper eines anderen gesteckt wird, um einen natürlich deutschen wissenschaftler aufzuspüren, der ausgebeutet werden soll, und er es schafft, nach london zu fliehen, trifft er seine frau, die ihn nur dummerweise nicht erkennt.) eine folge namens "the girl who was death" spielt im "normalen" leben mit dem prisoner wieder als geheimagenten, allerdings sehr oldschool mit karomantel, headcoat und pfeife. seine gegenspielerin ist eine chice lady in weißen mod-klamotten, die ihn mit immer größeren waffen bis hin zu einem panzer zu erledigen versucht. ein skurriles element ist auch ein weißer ballon, der als eine art wächter zu peter thomasartigen flirrgeräuschen immer dann auftaucht (manchmal tatsächlich aus dem wasser), wenn jemand zu fliehen versucht, und den flüchtigen entweder lähmt und paralysiert oder gleich tötet. number 6 wird unter drogen gesetzt, hypnotisiert und an abenteuerliche gerätschaften angeschlossen, es gibt sogar eine folge, in der sich alles analog in einer western-szenerie abspielt. nur eine weitere idee der bösewichte, um dem prisoner sein geheimnis zu ent

locken: warum hat er gekündigt? THE PRISONER ist eine gleichzeitig stylishe und intelligente TV-serie, die hierzulande tatsächlich zum letzten mal vor 30 jahren gesendet wurde. wenn einer der leser beim ZDF arbeiten sollte: machen sie mal was. irgendwo im keller muß das zeug doch noch rumliegen. es gab gerüchte, daß die serie unter mcgoohans regie fürs kino neuverfilmt werden soll, angeblich mit mel gibson in der hauptrolle (mcgoohan hat auch in BRAVEHEART mitgespielt). THE VILLAGE gibt es übrigens wirklich: es ist der ort portmeiricon in nordwales.

Plus Minus Null oder: Wie, du legst mit CDs auf?

säm

So ging das mal los mit der DJ-Karriere. Oder hörte das auf. Vor Jahren. Plattenparty im oberfränkischen Dorf. Ich sollte CDs auflegen, weil meine damalige Freundin die Party organisierte und just mir und meiner Musikauswahl vertraute. Nun stand ich da. Liess den teuer gemieteten Kunstnebel ausrauchen (der Saalvermieter verstand den Sinn von NebelStroboskop-Overkill zu Pogo bei Rage against the Machine nicht unbedingt) und bemerkte, dass irgendwie niemand mehr da war. Waren alle weg. Gut, ich war etwas mutig. Die lokale Hardcore-Band mit ihren ersten Proberaum-Aufnahmen nach Becks "Loser" und mein arrogantes Grinsen zu einem Gast, der doch wirklich Offspring hören wollte, als genau eben Offspring lief (natürlich von der damals nur als Import zu bekommenden Debüt-Platte) taten ihr übriges: Ich wollte nie mehr DJ sein. Bis: Dieses pittiplatsch3000Dingens plötzlich erforderte, dass man mit sei-

nem Musikgeschmack auch mal nach aussen geht. Ohne das natürlich zu können. Ein kopfschüttelnderAndi Orange, der es nicht glauben kann, dass ich mit zwei DVDPlayern (mein CD-Player war kaputt, also lieh ich mir die Dinger) und deren Fernbedienungen Lieder startete und auswählte. Eine zu "It was easier" von Slut buhende Crowd, die sich zusammen setzte aus eben der Band, die eine Woche vorher nun mal Vorband war von Slut und das jetzt genau nicht mehr hören konnte. Und, die Bedienung, die danach fragte, wie lange das denn noch dauert und ob es nicht auch leiser ginge. So ging das weiter. Wieder. Und noch mal kam jemand, der mich auflegen lassen wollte. Inzwischen steckte ich schon meine Single und Plattensammlung in eine von H&M erworbene Plattentasche (das Rocky-Zeichen natürlich abgetrennt) und kaufte mir im Baumarkt einen Werkzeug-Koffer, den ich mit ein paar

referenenzen zu THE PRISONER: - "who are you? - the new number 2." taucht als sample am anfang des stücks "second start" der münchener band THE CHAMBERDEACONS auf. - es gibt eine PRISONER-folge bei den SIMPSONS. homer betritt einen gefälschten kwik-emart, wird auf eine insel entführt und trifft als number 5 auf patrick mcgoohan. das typische zitat: "be seeing you!" das untypische zitat: "i am number 1." nicht zu verwechseln mit: nummer 5 lebt, the number of the beast, "the prisoner" mit jackie chan

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Band-Aufklebern zum DJ-Koffer machte. Ich lernte, diesen Singles-Adapter immer mitzunehmen, weil so was nie da ist, wenn man mal "Crash" von den Primitives spielen will. Neulich hab ich das Ding mal vergessen und fragte einen "richtigen" DJ, wo man so was denn wieder her kriegt. Er meinte nur, dass man das eben beim nächsten DJ-Auftritt klaut. Seit dem weiss ich, warum man die Dinger IMMER von zuhause mitnimmt. Es gibt sonst keine mehr. Ausserdem sollte irgendwo noch ein Kopfhörer in die Taschen gesteckt werden. Nach unzähligen blamablen Intros (vgl. zwei-minütiges Gitarren-Solo am Anfang zu "Cigarettes & Alcohol" auf der Live-Platte von Oasis) und Verwechslungen bei Tracknummern, denkt man daran schon am, Morgen, nach dem Aufstehen vor einem DJAuftritt. Und wie oft stand ich vor Thekenschüben, um nach Kopfhörern zu suchen ("Nee, haben so was nicht. Das bringt der DJ immer selber mit!")? Absoluter Vergess-Höhepunkt: Vor ein paar Wochen hab ich die neue Baldy Drawn BoyPlatte spielen wollen und dann bemerkt, dass die Tonarme einfach über die Rillen segeln. Nach genauerem Betrachten fiel mir auf, dass da unten gar keine Nadeln dran sind. Auf die Frage, wo die denn stecken, bekam ich zur Antwort: "Hast du kein eigenes System dabei?" Mein System kennt doch noch Grenzen. Das Auflegen selber: Zwei Sachen. Soll man Leute zum Tanzen bringen oder nicht? Bei Parties schon. In Kneipen mit durchschnittlicher Besucherzahl unter der Woche nicht unbedingt. Will man Leute zum Tanzen bringen? Ja, weil es das beste daran ist, wenn man dann dabei zu sieht, wie sie auf das nächste Lied noch mehr abgehen. Nein, weil das nächste Lied das nicht toppt und wieder alle zurück zu ihren Kickern und Cocktails gehen. Das ist wie beim ersten Küssen eines Mädchens. Man kann gewinnen und es wird ganz gut oder man kann derbe verlieren, beschämt sein und den Rest des Abends versuchen, Freunde zu bleiben. Einmal durfte ich im Atomic Café in München auflegen. Nachdem ich mittelmässig und eher unbemerkt zwischen den Vorbands musizierte, spielten die Sportfreunde Stiller und rissen ein ganz grosses Loch in jede Zurückhaltung. So erwartete mich nach der Zugabe ein ausgelassenes Publikum, das laut schrie, als es die ersten Töne von "Last Night" von den Strokes empfing. Dann "Neue Zähne für meinen Bruder und für mich" von

Superpunk und "Shining Star" von Ash. Schon war der Abend für mich gelaufen. Der DJ, der nach mir kam, wollte jetzt unbedingt ganz schnell ran und verwies auf die lange Zeit, die ich schon zwischen den Bands auflegen durfte. Schliesslich tanzten die Leute jetzt und er musste sie nur noch auf der Tanzfläche behalten. Was er dann aber nicht mal machte. Er verspielte sich seine vom Publikum pauschal entgegen gebrachte Liebe mit Top Ten-Brühe und unbekannten Import-Maxis... Ich war sauer. Das eine Mal, wo man mal wirklich gut war. Leichtes Spiel dann ein knappes Jahr später. Wieder legen wir beide auf. Wieder ist es München. Dieses mal die After Show-Party zum Oasis-Konzert (was ja -neue Zähne für meinen Bruder und für mich- ausfiel). Ich fange wieder an und muss mich gar nicht anstrengen. Linker Player/Plattenspieler: Oasis. Rechts: Brit-Pop-Hymnen von Ash, Pulp und sogar Blur. Immer wenn Oasis lief schrien alle laut mit, hatten Hände in der Luft und schütteten Bier durch den Raum. Wenn nicht Oasis lief, stürmten alle zu mir, um sich wieder OasisLieder zu wünschen. Brilliant. Besoffene Manchester-Lads. Was mehr? Nachher kam wieder er. Verscheuchte mich mit einem halben Dutzend Koffern und Taschen. Und spielte: Moby und Oasis-Hits, die ich eine viertel Stunde vorher abgefeiert hatte. Die Manchester-Lads verlangten wieder nach mir. Ich lies mich gerne bitten und winkte ab: "Nee, der soll jetzt auch mal. Lasst ihn auch seinen Spass haben." Und ich packte meine Tasche und fuhr zufrieden heim. Schlechter Gewinner. Aber Gewinner. Das letzte Lied: Morrissey - That´s Entertainment The Smiths - Panic ("Hang the DJ") Kettcar - Skateboard Die Goldenen Zitronen - Für immer Punk Oasis - Champagne Supernova Andi Orange - Nach Hause gehen wir nicht Schilder, die ich vor mir anbringen sollte: "Reggae hab ich nicht dabei" "Getränke gibt's da drüben" "Ja, ich hab auch Platten" "Das True Metal-Band-Demo, dass du mir auffordernd in die Hand drückst, spiele ich nicht, ohne es vorher mal wenigstens einmal gehört zu haben. Da kannst du mir auch auf den Mixer spucken." "House war letzte Woche." "Ja, ich bin ein grosser Smiths-Fan." "Ja, "Crash" von den Primitives spiele ich immer" 57


Was ist was. film

säm

woah, komme gerade von den dreharbieten zu flos scifi-film zurück. männo ist sowas anstrengend. das wird so eine mischung aus die supernasen, matrix und zombies im kaufhaus. mit nur zwei darstellern. einer davon bin ich. natürlich der bösewicht. so musste ich also seit nachmittag um 15uhr ständig laufen und fliegen. grösstenteils. einmal musste ich auch nur umfallen und mit dem kopf am boden aufknallen. aber die meisste zeit fliegen. und laufen. ach, und skateboardfahren. hat der flo gesagt: "säm, wie fit bist du auf sowas?" ich: "kein problem, hab ich drauf!" und schon hing ich an einem seil, dass an der anhängekupplung von flos kadett befestigt war und wurde in einer höllengeschwindigkeit ein parkhaus hochgezerrt. unter meinem zitternden füssen: ein skateboard. hölle, ich wusste wirklich nicht, wie man mit sowas fährt. aber marty mcflyesque durch die strassen rollen ist halt schon eine verneigung vor der filmgeschichte. meiner jedenfalls. dann hab ich in der kampfszene madlén verletzt. also richtig, nicht im film. lag plötzlich da und hatte aufgeschürfte knie und eine kaputte schulter. mir tun jetzt nur die muskeln weh. vom vielen laufen und fliegen. wie ich plötzlich fliegen kann? ist so’n filmtrick. ich stand vor einem blauen vorhang und hatte ‘nen klettergurt unter dem kaputzenpulli befestigt (den kaputzenpulli musste ich übrigens anhaben, weil das drehbuch, also flo vorschreibt, dass man mein gesicht nicht sehen darf. schöner

beschiss!). irgendwann zählte dann jemand rückwärts und bei null zogen phillip, flo und lenz schnell am anderen ende des seils, das über die decke an meinem gurt dran hing. so wurde ich blitzschnell nach oben gerissen, segelte durchs studio, krachte an eine mauer (vorher nicht vereinbart) und flog dann auf den harten studioboden, weil die am anderen ende vor lachen nicht mehr ziehen konnten... so geht also film. als wir das material sichteten, verzogen sich plötzlich die mienen. wir müssen morgen doch noch mal ran. das glaub jedenfalls ich. die andern wohl auch. denkste. flo hat die modernste studiotechnik und macht daraus einen film, ja, einen film, mit dem er... bei der filmhochschule abgelehnt wird. schöner shit. dabei sieht das alles ganz plausibel aus. ich renne. renne. renne. madlén rennt. rennt. rennt. (das mit dem skateboard wurde rausgeschnitten. kommt dann wohl nur auf die dvd-version mit director’s cut). dann sehen wir uns und kämpfen. was wiederum nur ein zehntel der zeit braucht, die das Rennen dauerte. schliesslich haben wir ungefähr zehn mal soviel gekämpft als gerannt. aber das wird halt so zusammen geschnitten. ich geh k.o. (wie immer) und liege da. dann kommt diese szene, die wir tags darauf noch nachgedreht haben. ich liege am boden und.... verrate den schluss nicht. wenn ihr mal zu mir kommt, könnt ihr den film sehen. oder wir zeigen ihn mal bei so’nem pop you-konzert in der umbaupause. aber dass euch das ja nicht zu brutal ist. ich werde bluten!!!

1992 - the year schwachsinn broke

mawe

2002 - das 80er-revival ist auch kommerziell in vollem gange, höchste zeit also, schon mal im underground den nächsten großen hype vorzubereiten. tun wir das hier und jetzt: läuten wir das 90er-revival ein. zugegeben, eine schwierige aufgabe. haben wir uns doch noch ende der 90er (die veteranen unter den pp3000-lesern werden sich erinnern) gefragt, was denn eigentlich die 90er ausmacht und ob sie nicht etwa am ende aus bloßem zitieren vergangener dekaden bestünden. allmählich beginnen sich aber doch einige eigenarten dieses scheinbar so opportunistischen jahrzehnts zu

zeigen. überlegen wir mal: ende der 80er lag hair metal in den letzten zügen. die menschliche physionomie verhinderte es einfach, noch höher zu singen, außerdem wurde das haarspray langsam knapp. die musiker wurden musiklehrer (bonfire), schnitten sich die haare (metallica) oder richteten sich ganz darwin-like freunlicherweise selbst zugrunde (guns n'roses). jedenfalls machten sie platz für den neuen metal, der noch nicht nu-metal hieß, sondern grunge. was eigentlich ganz angenehm war. man machte erstmal auf halblang (die haare), sang zwei oktaven niedriger und mußte 58

nicht mehr so viel kram mit sich rumtragen, sondern zog sich ein ausgeleiertes longsleeve an, darüber ein ausgeleiertes t-shirt und darüber ein kariertes hemd. man mußte auch auf der bühne nicht mehr so viel feuer machen, es reichte, wenn mal ab und zu mal jemandem seine gitarre wie zufällig auf den kopf schmiß. man mußte nicht mehr armen tieren den kopf abbeißen, sondern brauchte sich nur bei den MTV music awards mal hinstellen und so tun, als masturbiere man. die leute waren einfach leichter zufriedenzustellen. dann schoß sich jemand den kopf weg und damit war erstmal ruhe in der truhe. das aber nur am rande. ich glaube, die lieder, die auf den ersten 90er-retro-parties gespielt werden, sind sowas wie dr.alban (der hallelujah-singende zahnarzt), technotronic, army of lovers, black box, snap, mc hammer, ice mc und wo wir schon beim thema sind vanilla ice. ach, und die anderen vanilledeppen, milli vanilli. girl you know it's true, daß wir nicht wirklich singen, don't you?eurodance war irgendwann glaube ich der top-begriff, ich erinnere mich an eine bravo-doppelseite, die zum passenden outfit riet. leider weiß ich nicht mehr, wie das aussah, aber die smileys warens nicht. die kamen dann aber auch bald, der neueste trend aus london. bomb the bass und krush ("house arrest"). die frühen 90er waren natürlich auch die zeit der disc center-sammelbestellungen. welche single gibt's diesesmal für 49 pfennig? krieg ich den mindestbestellwert von 35 mark zusammen oder bestellen so viele mit, daß ich mir eine LP für **7,99 für umsonst

bestellen kann? zählt mal in eurer plattensammlung die platten mit dem ausgestanztem schlitz an der seite. wer am meisten hat, ist der disc-center-könig und kriegt meine 49-pfennig-milli vanilli-single geschenkt. begibt man sich auf eine 90er-revival-party, könnte man sich z.b. in die schon erwähnten grunge-schluffi-klamotten stecken, aber da diese hemden nun mal so ein fürchterlicher irrweg des geschmacks waren, läßt man das lieber bleiben. ein witziges retrooutfit wäre auch der stil der mittneunzigerraves: unglaublich häßliche sonnenbrillen, abwegige und nicht weniger häßliche frisuren (die haarspray-reserven hatten sich ja während grunge erholt), müllmann-anzüge und plateauturnschuhe. da aber dieser stil in manchen ecken dieses landes immer noch en vogue zu sein scheint, ist das vielleicht auch nicht so gut. vielleicht ist es wirklich noch etwas früh für den retro-chic der 90er. oder es gibt ihn einfach nicht.

Steig von meinem Pferd,

säm

bevor was passiert. Ich hab schlechte Ideen, wenn es langweilig wird. (Die Aeronauten)

"Was ist mit dem Gesamtwerk der Smiths?" "Siehst du? Wieder erzählst du nur von den Smiths!" "Was ist mit Liedern, die Mut machen?" "Heisst jetzt Mut, dass jemand davon singt, dass es eh keinen Sinn macht? Und das man ja immerhin noch die Brücke runterspringen kann?" "Nee, das heisst, dass jemand... ja, was singt?" "Kirchenmusik? Sakropop? Ist nicht dein Ernst?" "Dead Kennedys- To drunk to Fuck. Macht so was Mut?" "Sag mir einen positiven Welthit!" "Beat it handelt vom Schlagen, oder? Was ist

der typische film: wie in den 80ern der highschool-film. scream, faculty, ich weiß was du letzten sommer getan hast, american pie usw. der typische song: technotronic - this beat is technotronic das typische buch: bret easton ellis - glamorama das typische accessoire: baseballcap das typische auto: smart der typische satz: "let love be your energy" das typische computerspiel: doom das typische getränk: wodka - red bull

"Ihr schreibt immer nur vom gleichen!" "Von was?" "Na, Weltschmerz, Selbstmitleid und den Bands, die vom schlecht-gehen singen." "Um was geht es denn sonst?" "Bringt doch mal Lösungen!" "Lösungen? Die sind doch auch nicht die Lösung. Und ist Musik nicht erst dann schön, wenn es dem Sänger noch dreckiger geht wie uns?" "Hm, shiny happy people ist doch gut!" 59


mit Blue Suede Shoes?" "Geht auch nur ums imponieren. Ums rumkriegen mit Kohle. Alte Leier." "Ja, jetzt weiss ich's... Las Ketchup! Ist gerade in den Charts." "Wo wird das gespielt? In den Zappel-buden, wo eh alles verloren ist." "Du siehst immer schwarz." "Warst du schon mal in so’nem Ballermann?" "Nein, aber..." "Ja, weil Leute mit Grips nicht dahin gehen. Weil sie nachdenken. Weil sie keinen Spass haben wollen. Und nicht können." "Was nicht können? Nicht amüsieren?" "Ja, genau. Weil sie nachdenken. Wie gut das kommt, was sie gerade machen... Und ob es korrekt ist..." "Korrekt vor was?" "Na korrekt vor sich und ihren Freunden. Willst du nicht abgehen zu den Sugababes? Denkst dir aber dann, dass es eher angebracht wäre, zu Minimal-Sounds eines einund ausgebildeten Elektroingenieurs zu schwofen?" "Zu was willst dann du tanzen?" "Na im Augenblick zu den Moldy Peaches, Die Interessanten von den Sternen oder zu, ja, zu den Sugacubes. Round round..." "Willste denken oder tanzen?" "Verdammt!" "Na also. Wieder Weltschmerz. Geh doch in so’nen Indie-Club." "Ja, was da?" "Da tanzen!" "Zu?" "Zu deiner Musik!" "Zu meiner Musik geht dort nicht! Weil: Ja, weil

die DJs dort auch denken, sie wüssten die Lösung und die entsprechend besser. Und legen auf. Sie legen B-Seiten auf. Von englischen Rave-Helden der frühen neunziger Jahren. Um sich selbst eine Credibility zu erspielen. Die Leute sollen sie anhimmeln. Da darf es keine gleiche Ebene geben. Da muss Respekt da sein. R.E.S.P.E.C.T.!" "Ja, aber die spielen doch gute Lieder..." "Jedes fünfte. Dazwischen müssen sie oben stehen und den Leuten klar machen, dass es gut ist, dass sie da oben stehen und nicht unten. Und die unten eben unten stehen und sie eben oben. Verstanden?" "Oben unten? Eben?" "Jeder sollte seinen eigenen Club haben!" "Wo?" "Daheim!" "Das kann sich keiner leisten!" "Na aber so: Diesen Freitag der. Samstag der. Sonntag der. Undsoweiterundsofort." "Wird billig." "?" "Na, weil jeder nur die Einkaufspreise zahlt und jeder bei sich zahlt und bei den anderen umsonst...und so weiter" "Sozialismus, ick hör dir trapsen..." "Jeder ist sein eigener Club." "Wer organisiert?" "Stimmt. Nee, lass mal. Was machst du heute abend?" "Weiss ich noch nicht. Ich geh in die Stadt und lass mich treiben. Vielleicht komm ich ja in den neuen Club rein." "Was spielen die da?" "Weiss nicht. Aber der ist neu." "schubidubi du dudu du dudu..."

Oliver Rohrbeck

Text & Interview: Christoph Koch

"Wir werden ihnen helfen, ihren gefiederten Hausgenossen wiederzufinden". Die meisten kennen ihn als Justus Jonas - den dicken, altklugen ersten Detektiv der Drei ??? Aber Oliver Rohrbecks Stimme ist auch in vielen anderen Hörspiel- und Fernsehproduktionen zu hören. Theo Huxtable in der Bill Cosby Show. Richard Fish in Ally McBeal. Ben Stiller in seinen letzten fünf Filmen. Grisu der kleine Drache. Karlsons Kumpel Lillebror. Mit dem Mann zu telefonieren oder ihm im Berliner Café Einstein (dem guten in der Kurfürstenstraße natürlich) gegenüber zu sitzen und zuzuhören, ist ungefähr so, als würde man sich mit der eigenen Kindheit unterhalten. Spukig, aber irgendwie auch sehr äh... geil.

Wann ist es bei Dir mit dem Sprechen losgegangen? Ich war sieben und habe Pinocchio synchronisiert, zusammen mit Harald Juhnke und Georg Thomalla. Juhnke war der Kater und Thomalla die Heuschrecke Ich konnte damals noch gar nicht richtig lesen und Juhnke hat mich auf so einen Barhocker gesetzt und mir meinem nächsten Satz vorgelesen. Und dann gesagt: "Pass up! Den Satz, den ick dir jetzt jesacht hab, den sachste, wenn ich dich tippe". Dann hat er mich angetippt, ich hab hochgeguckt zu Leinwand und meinen Text gesprochen. Wie alt warst Du, als es mit den "Fünf Freunden" losging? 60

Da war ich elf und nachdem die Synchronisation der Fernsehserie fertig war, holte uns die Europa-Regisseurin Heikedine Körting nach Hamburg, um die dazugehörigen Platten zu machen. Als wir mittendrin waren, hat sie dann gefragt, ob ich auch Lust hätte, eine neue Serie zu machen. Das waren dann die Drei ???, aber damals hätte ja keiner gedacht, dass das jemals so ein Kult wird. Was ist das für ein Gefühl, zu merken, man hat da etwas geschaffen, das Bestand hat? Es macht einen auf jeden Fall stolz. Es ist vor allem ein tolles Gefühl, wenn einen Menschen ansprechen und einem erzählen, dass man ihre ganze Kindheit begleitet hat und doch bitte unbedingt weitermachen soll. Gerade die Tournee, die wir jetzt gemacht haben, war in der Beziehung ja ein Höhepunkt. Weil es auch das erste Mal war, dass Ihr Euch zu dritt der Öffentlichkeit präsentiert habt. Wir haben da nie ein Riesengeheimnis drum gemacht, aber wir haben gemeinsame Fotos oder Auftritte schon vermieden, weil wir den Leuten kein Bild vorgeben wollten. Als dann die hundertste Folge erschien, war das Medieninteresse so enorm, dass wir uns nicht mehr verstecken konnten. Das wäre ja albern gewesen. Wir haben aber auch gemerkt, dass sowohl die Leute als auch wir alt genug sind, um das Bild nicht mehr zu zerstören. Denn dass wir keine 16 mehr sind, muss ja nach über 20 Jahren jeden klar sein. Wie waren die Publikumsreaktionen? Egal, wo wir hinkamen, wir wurden frenetisch gefeiert, Da haben sich 20 Jahre angestaute Begeisterung entladen, die haben uns wie Rockstars gefeiert. Im Audimax in Hamburg waren 1700 Leute, die haben 5-10 Minuten lang nicht mehr aufgehört zu klatschen. Das war ein einmaliger Moment in meinem Leben. Die Kassetten werden mittlerweile zu 65 Prozent von Leuten über 20 gekauft. Wie alt war das Publikum auf der Tournee? Was man häufig gesehen hat, waren junge Paare, die mit ihren Kindern gekommen sind. Ich selbst habe ja auch schon 12-jährige Kinder. Da saßen dann also händchenhaltend und teilweise mit geschlossenen Augen ganze Familien im Publikum. Wenn mir jemand erzählt "wir schlafen immer mit Euch ein", dann finde ich das gar nicht schlimm, sondern sehe das als Auszeichnung. Dass wir so ein Vertrauen geschaffen haben und so verinnerlicht sind, dass die Leute das brauchen und sich mit uns ab und zu ihre Kindheit zurückholen - das finde ich super!

Wann hast Du gemerkt, dass Sprechen nicht nur ein netter Nebenjob ist, sondern dass du das vielleicht für den Rest deines Lebens machen willst? Ich habe mit zwölf den Ariel in Shakespeares "Sturm" am Schillertheater gespielt. Das war schon eine große Sache und ich habe da gemerkt, das macht mir Spaß. Es gab dann noch ein paar Fernsehrollen, die Schule hab ich dann gar nicht mehr zu Ende gemacht, sondern bin mit 17 direkt auf eine private Schauspielschule. Mit 19 habe ich dann angefangen regelmäßig Theater zu spielen, aber ich habe mein Leben lang immer nebenher synchronisiert. Da habe ich mich immer so wohl gefühlt und habe das so gerne gemacht, dass ich mich so mit 26 entschieden habe, ganz hinter die Kulissen zu

gehen und gar nicht mehr aufzutreten. Was hat Dir am Schauspiel nicht gefallen? Erstens bin ich nicht so an die richtig schönen Rollen ran gekommen, die ich gerne gespielt hätte. Aber was mir viel mehr auf den Sender ging, waren die ganzen Schauspielereitelkeiten und die Ellbogenmentalität die man in dem Beruf doch oft braucht. Seine Faxen vor jedem Regisseur zu machen, sich denen kritiklos in die Hand zu geben und jede Idee mitzumachen, die der sich ausdenkt und sei sie noch so bescheuert - das war nichts für mich. Als Schauspieler ist man außerdem ständig mit seiner gesamten Person dem subjektiven Urteil anderer ausgesetzt. In meiner heutigen Situation hinter den 61


Kulissen, wo ich trotzdem kreativ arbeite kann, fühle ich mich deutlich wohler. Die frühen Sprechrollen waren doch mit Sicherheit gut bezahlt. Warst Du ein reiches Kind? Die waren gut bezahlt, aber mein Vater hat das alles für mich gespart. Es war jetzt auch nicht so viel, dass ich nie wieder hätte arbeiten müssen, aber es war angenehm, etwas in der Hinterhand zu haben, mir mein Schauspielstudium selbst finanzieren zu können, Wohnung renovieren, Motorroller und so weiter. Aber zu Schulzeiten hatte ich ein ganz normales Taschengeld, wie alle anderen Kinder auch. Welche Sprech- und Synchronisationsrollen aus deiner Laufbahn sind für dich am wichtigsten? Was mich ganz lange verfolgt hat, war "Grisu der kleine Drache". Das haben sehr viele gehört und mich dann als "Grisu" angesprochen. Bei Justus wusste anfangs keiner, dass das meine zentrale Rolle werden würde, das hat sich ja auch erst in den letzten Jahren so entwickelt. Pinocchio war eine wichtige Rolle, aber auch so Sachen wie E.T. [Michael], Outsiders, Breakfast Club [der Sportler] oder Der Club der toten Dichter [Cameron]. Manche davon sind dem Publikum vielleicht gar nicht so aufgefallen, wobei Drei-???-Fans mir schon immer wieder sagen, dass sie meine Stimme im Kino erkennen. In "Karlson vom Dach" habe ich auch noch den kleinen Lillebror gesprochen, da dürfte ich so sieben oder acht gewesen sein. Das kennen auch noch viele. Die wichtigsten Hörspielrollen, abgesehen von Justus Jonas? Michel aus Lönneberga und Konrad, das Kind aus der Konservendose. Wie arbeitsintensiv ist so eine Hörspielproduktion? Für uns Sprecher ist das eigentlich läppisch. Wir haben sechs Folgen pro Jahr, das sind drei oder vier Aufnahmetermine. Das heißt, wir machen manchmal an einem Tag zwei Folgen. Das bedeutet natürlich, dass wir gut vorbereitet ankommen müssen, aber dadurch, dass wir drei uns mittlerweile auch so gut kennen, legen wir da los und spielen Sachen richtig in die Texte rein. Wir zappeln da oft wie verrückt herum und die anderen Sprecher, die das oft gar nicht gewohnt sind, sind da oft ziemlich platt. Sind Synchronisationen aufwändiger zu sprechen? Die gesamte Produktion dauert ja auch beim Hörspiel länger. Wenn ich sage, wir machen

an einem Tag zwei Folgen sind da ja nur unsere Sprechrollen, da ist ja noch kein Schnitt, keine Geräusche, keine Nebenrollen dabei. Für die Synchronisation eines Spielfilms haben wir an reinen Sprachaufnahmen etwa sechs Tage. Ich texte da ja dann oft auch. Der Text wird also erst übersetzt, dann bekomme ich ihn, mache ihn lippensynchron, dann wird's aufgenommen, dann geht's ins Atelier, dann wird geschnitten. Der gesamte Vorgang dauert normalerweise etwa fünf Wochen. Warum sind gerade Fernsehserien oft so schlecht übersetzt oder synchronisiert? Da gibt es schon große Qualitätsunterschiede zu Spielfilmen, das stimmt. Obwohl meistens die gleichen Leute dran sitzen wie bei Kinoproduktionen. Aber bei den Serien wird oft eine Folge nach der anderen durchgezogen, es darf nicht lang dauern, darf nicht viel kosten und so weiter. Da schleichen sich dann eben schneller unschöne Sachen ein. Gerade die Sitcoms, die ja aufgrund sprachlicher Feinheiten oft am schwersten zu texten sind, sind oft am schlechtesten bezahlt. Bei "Ally McBeal", wo ich ja Richard Fish spreche, ist das zum Glück anders. Da hat Vox Wert darauf gelegt, dass Geld und Zeit da sind und das ordentlich gemacht wird. Viele verschiedene US-Schauspieler werden von derselben deutschen Stimme gesprochen - Warum gibt es nur so wenige Synchronsprecher? Um finanziell über die Runden zu kommen, muss man einfach mehr sprechen als nur einen Schauspieler, der dann vielleicht alle zwei Jahre mal einen Film macht. Es kann auch nicht jeder deutsche Schauspieler automatisch gut synchronsprechen. Deshalb teilen sich wenige Sprecher so viele Rollen. Mittlerweile achten die Hollywoodstudios auch stärker darauf, dass die Stimmfarbe und der Klang von Original- und Synchronstimme sich ähneln. Hauptsächlich wegen der DVDVerwertung, damit es da zu keinen bösen Überraschungen kommt, wenn man zwischen den Sprachen hin- und herschaltet. Wie bereitet man sich auf das Sprechen einer Drei-???-Folge vor? Man muss das vom Sprechen einer Film- oder Fernsehrolle insofern unterscheiden, als daß ich da ja auf der Leinwand schauen kann, was passiert und höre, wie der Schauspieler den Text spricht, was da für eine Stimmung drin liegt. Einen Hörspieltext muss ich selbst mit Leben füllen oder wie ich immer lieber sage: Ich muss ihn "beseelen". Viele Schauspieler, die Nebenrollen sprechen, machen das nicht 62

sondern lesen das nur runter und das hört man dann auch. Man muss den Text schon beseelen und sich selbst was dabei vorstellen, damit bei dem Zuhörer auch wieder ein Bild entsteht. Denn dieser Film im Kopf macht ja das Medium Hörspiel, das ja in Deutschland tollerweise eine starke Tradition hat, auch so reizvoll. Erkennen dich fremde Leute an deiner Stimme? Das passiert mir schon sehr häufig. Ob das jetzt bei der Telefonauskunft ist oder in der Wäscherei, immer häufiger erkennen die Leute meine Stimme oder sie stutzen und sagen "können Sie bitte noch mal was sagen?" Im Kaufhaus habe ich mal nach Unterhemden gesucht und einen Verkäufer gefragt welche Größe ich bräuchte. Der guckte mich nur an, lauschte und sagte dann "Sie brauchen Größe 5, Herr Rohrbeck". Der wußte nicht, wie ich aussah, kannte nur meine Stimme und hatte meinen Namen in den Kassettenhüllen gelesen. Hat Justus Jonas auch Groupies? Ich finde es schon angenehm, mit den Leuten in Kontakt zu kommen, aber es ist kein Groupieding wie bei Musikern. Mir wird nicht blind hinterher gerannt, an mir wird nicht rumgezerrt. Sondern es ist ein ganz schöner und feinsinniger Kontakt. Die Leute erzählen einem, was für Kindheitserlebnisse sie hatten, warum sie es immer noch hören und was es ihnen bedeutet. Wollen die Leute dann bestimmte Sätze hören? Oder dass Du ihnen die Handy-

mailbox besprichst? Sätze wollen die Leute schon manchmal hören und manchmal tue ich ihnen auch den Gefallen. Aber Handymailboxen mache ich nicht mehr. Wer unbedingt will, kann sich im Internet unter handy.de ein paar Sprüche runterladen. Das nimmt irgendwann kein Ende mehr und meine Stimme ist ja auch sowas wie mein Kapital bzw. mein Arbeitsgerät. Jennifer Lopez hat sich ja ihren Hintern versichern lassen - Hast Du Deine Stimme versichert? Nö. Und ich lebe auch genauso lasterhaft wie jeder andere auch, trinke Alkohol und habe bis vor kurzem auch noch geraucht. Ich mache aber regelmäßig Sprechübungen, vor den Aufnahmen wärme ich meine Stimme auf und so weiter. Wie geht es weiter mit Justus Jonas und den Drei ??? Wenn mich Leute das fragen, frage ich meistens zurück, wie sie wollen, dass es weitergeht. Und die Meinungen sind sehr gespalten. Manche wollen schon, dass die Detektive älter werden und ein professionelles Büro aufmachen, Whiskey trinken und so weiter und die andere Gruppe will, dass wir immer so kindlich-pubertär bleiben. Ich denke, so lange es mit unseren Stimmen noch funktioniert, werden wir es weitermachen, aber wenn wir uns irgendwann anhören wie alte Säcke, hören wir vorher auf. Ich habe da als warnendes Beispiel immer Peter Kraus im Kopf. Auf sowas habe ich keine Lust.

An alle Pseudo-Rob-Flemmings:

mine, 2003

Steckt euch euer Vinyl in den Arsch! Männer und ihre Plattenläden. Das ist wie Männer und Fußball, Männer und Bier, Männer und ihre eigenen Bands, Männer und die Musik im Allgemeinen. Männer und ihr Gequatsche über Frauen. Ja, lauter Klischees. Ich dachte auch, dass die Frau mittlerweile einen besseren Stellenwert bei Männern hat. Nun, da habe ich mich bei einigen wohl getäuscht. Und so langsam geht mir das ganze Schwanzgetue echt auf die Eierstöcke. Das erste Mal bewußt aufgefallen ist mir die ganze Macho-Chose als Sängerin in einer Band, die noch nicht mal eine reine Girlband war. Was mußten wir uns da schon alles anhören bzw. durch die Blume sagen lassen. So nach dem Motto: Wir sind

ja eh nur Mädchen und können unser eigenes Equipment nicht tragen, geschweige denn damit umgehen. "Aber guckt mal, wie süß sie aussehen." "Die machen ja goldige Musik." Fauch! Was ich aber viel schlimmer finde und so richtig zum Kotzen, das sind die Eigentümer, Verkäufer, was auch immer, in Kölner Plattenläden. O.K., wir wissen, dass Köln DIE Medienhauptstadt schlechthin ist. Als wäre das nicht schon schlimm genug, kommen dazu diese vielen hippen Leute, die in irgendwelchen kranken Medienknästen arbeiten und völlig overdosed durch die City wandeln. Da hat man ja schon Angst in gewisse Läden zu gehen, ohne vom bösen Szene-Qualm erstickt zu werden. Zu schlechter Letzt gibt es diese 63


Plattenläden, die vom Sortiment her außerordentlich gut sind, deren Besitzer bzw. das Personal allerdings wirklich zum Würgen sind. Die sind natürlich vorwiegend männlichen Geschlechts. Ich dachte ja anfangs, hmm, liegt es an deiner Fresse? An deinem Aussehen? An deiner Auswahl von Vinylscheiben? Letzteres spielt auf jeden Fall eine Rolle (dabei kaufe ich mir doch gar keine Klaus Lage Band-Scheibe mehr...). Der Hauptgrund ist allerdings, da bin ich mir jetzt ganz sicher: Ich bin weiblich!!! Seid ihr mal in einen Plattenladen gegangen und habt, nur mal so zum Spaß, die Frauen gezählt? Ja, genau, entweder man zählt 0, oder höchstens mal 2 oder 3 weibliche Kundinnen. Das mag natürlich in erster Linie daran liegen, dass prozentual hauptsächlich Männer echtes Vinyl kaufen und zu Hause sammeln. Warum? Wahrscheinlich haben die meisten Frauen einfach keinen Bock mehr in diese scheinbar coolen Plattenbars zu gehen, um sich nur dumm anmachen zu lassen. Hört mal zu, Jungs, ihr da hinter der Theke, am Plattenregal. Was ist euer Problem? Wollt ihr wirklich cool wirken oder ist das nur euer seltsamer, gewollter zynischer Humor? Ich dachte, die Zeiten der Unterdrückung sind vorbei. Vor allem was den guten alten Rock'n'Roll angeht. Ihr sortiert eure Platten doch auch nur alphabetisch. Und ich möchte auch nicht wissen, was für

Rockleichen in euren heimischen Regalen platziert sind. "Na, nicht doch noch ne alte Genesis-Platte hinter den famosen GoBetweens oder ne zerkratze Chris Rea vor den Ramones vergessen?". Wie uncool, aber steht doch dazu. Aber dann hinter dem Tresen so tun, als hätte man den besten Musikgeschmack der Welt. Ja, ja. Ich finde, Platten kaufen sollte genauso viel Spaß machen wie Klamotten kaufen (ja, ja, musste ja jetzt von nem Mädchen kommen...) oder auf Konzerte gehen, oder selber Platten auflegen (ja, das können Mädchen auch) oder auf der Bühne stehen (das haben viele von euch doch auch gemacht. O.k., ist in die Hose gegangen, aber kann ja jedem mal passieren. Kein Grund die Contenance zu verlieren...). Auf jeden Fall sollte der Gang in den Plattenladen keinesfalls in STRESS ausarten. Zum Glück gibt es ja noch diese riesigen Konzerne, die nach Planeten benannt sind und euch Plattenläden auch ziemlich in den Ruin stürzen können. Aber hey, hier finde ich auch meinen Stoff und bekomme noch eine einwandfreie, unkritische Beratung gratis dazu. Denkt mal drüber nach. In Hamburg oder Berlin funktioniert das doch auch?! So, und jetzt geh' ich meine Platten sortieren...

die schönsten plattencover aus meiner sammlung soft cell: non-stop erotic cabaret wenn man engländer wäre, würde man dieses bild wohl als "sleazy" bezeichnen. in deutsch fällt mir dazu höchstens das wort "schlüpfrig" ein. igitt! obwol das schon ganz gut paßt. diese komische sonnenbrille, der zuhälterschnurrbart und der fettige briefumschlag, den herr almond da in seiner jacke (mit hochgeschlagenem kragen) verschwinden läßt. das sagt übrigens auch etwas über die machtverhältnisse in der band aus: der chef sackt koks oder kohle ein und der andere darf nur schmiere (oder schmierig) stehen.

v.a.: dance music dieses cover war wohl vorbild für die jugendclub-tanzszene in "sonnenallee". extrem schick die tennissocken (in farbe tatsächlich blau-rot) kombiniert mit den badehosen-shorts. nein, jungs, mit diesem aufzug wird die lady wohl bald wieder von der bildfläche verschwinden (die sie ja noch nicht mal richtig betreten hat). netter versuch!

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devo: oh, no! it's devo oh nein, da kommen die kartoffelköpfe! ohne frage der spitzenreiter in meiner sammlung. nächte habe ich damit verbracht, darüber nachzugrü-

beln, was das wohl bedeuten könnte. an dem künstler ist ein großer surrealist verlorengegangen. 5 über einer wüstenlandschaft schwebende kartoffeln mit menschlichen köpfen in eierförmigen krägen! das ganze ist aber nur ein bild, entsprungen dem kopf des überrascht dreinblickenden bandoberhaupts. da kann selbst die bösewicht-augenbrauenbrille nichts mehr kaschieren.

Liebes Pittiplatsch 3000, ... Sehr geehrte Mitglieder der kulturellen und künstlerischen Musikund Gestaltungzeitschrift "PITTI PLATSCH 3000"!

1. Ritzi Ratz 3000: Dieser Ur-Name stand stellvertretend für den Erstherausgeber Stephan Baptist Ratzner, welcher aufgrund seiner Fingerfertigkeit vor allem von der weiblichen Leserschaft den Beinamen "Die Ritze" verliehen bekam. Leider verstarb er kurze Zeit vor Veröffentlichung der ersten Ausgabe (Tod durch Erschlagung des Drummers der Band "Full in the Eggs", welcher von S. B. Ratzner belehrt wurde, daß es für einen Normalsterblichen unmöglich sei, beim schlagzeugspielen ein TrippleFußpedal zu bedienen)

Es befindet sich in mir die große Ehre Ihnen bezüglich Ihres 10-jährigen Bestehungsjubiläums meinen tiefsten Dank auszusprechen. Nicht nur für Ihren grenzen- und willenlosen Einsatz in Sachen Berichte über junge und abgehalfterte Musikbands, sondern auch für die Verarbeitung und Veröffentlichung von fremdentworfenen Schriftmateralien aus der Feder von Gastliteraten. Ihre steten Bemühungen eine vorurteilsvolle und voreingenommene Meinung zu vertreten wirken auf den außenstehenden Konsumenten Ihres Magazines integer und kompetent. Lassen Sie es sich auch weiterhin nicht nehmen, das zu bearbeitende Thema bis aufs äußerste auszureitzen, interne Probleme derer klar und deutlich zu veröffentlichen, um dann diesen mit ihrer subjektiven Ansicht und Einstellung für immer von der Bildfläche verschwinden zu lassen. Ihr Program verhindert auch seit Jahren, daß aufstrebende Musikbands sich in der Branche festsetzen. Sie verbleiben und verkümmern zu Emporkömmlinge, was besonders den alteingesessenen Musikkapellen zuspricht. Danke auch hierfür. Ferner verbleibt mir nur noch zu erörtern, woher Ihr innovativer und origineller Magazinname "Pitti Platsch 3000" seine Wurzeln findet. Nach langer Nachforschung ist es mir nicht entgangen, daß ursprünglich eigentlich ganz andere Namen für Ihr Blatt vorgesehen waren:

2. Flitsch Flatsch 3000: Dieser Name sollte verdeutlichen, daß nach anfänglichen Schwiergikeiten literarischer Art der Schreibwahn in der Redaktion einsetzte. Lügenmärchen über angebliche Rockstars, Konzertberichte ohne Anwesenheit, Kritiken über nie existierende Musikplatten etc. JederMitarbeiter fletschte die Zähne und alles flutschte...Aufgrund Eigenerkenntnis der übertriebenen Darstellung mancher Tatsachen und Unwahrheiten entfernte man sich von diesem Namen schnell. 3. Zipfi Klatsch 3000: Nach einem normalen Arbeitstag, an dem wieder viereinhalb Kisten Bier geschlürft und einige 6 =C4mtertropfen gekippt wurden, protzte einer der Herausgeber, der ungenannt bleiben möchte, "er könne mit seiner Hüfte Klatschgeräusche erzeugen!" Nach vehementer Aufforderung seitens seiner Kollegen dies auch zu beweisen, setzte er seine Angebereien in die Tat um. Sein verblüfftes Publikum dankte es ihm mit stehenden Ovationen. Dieser Name scheiterte allerdings an der Pressmaschine, welche 65


Get On The BUS And Pray, NOEL Is On The Way!

fälschlicherweise Pitti Platsch anstatt Zipfi Klatsch eingelesen hatte. Da weder Geld noch Zeit für eine Überarbeitung vorhanden waren, beließ man es bei diesem undurchsichtigen Namen. Seitdem, also seit 10 Jahren, zählt Pitti Platsch 3000 zu den wichtigsten Musikzeitschriften im raum deutschland, Österreich, Tschechien, Litauen, Weißrußland und Grobgriechenland. In ewiger Dankbarkeit und in der Hoffnung, bald nichts mehr von Ihnen lesen zu müssen, sende ich Ihnen einen herzlichen und sportlichen Glückwunsch. Bleiben Sie fair, sicher, gelassen

wenn ich an pittiplatsch3000 denke, denke ich an mawe, denke ich an säm, denke ich an das beste fanzine der welt................. jetzt denk ich grad, dass ich ein schleimer bin.........aber es ist was dran an: "we are the biggest fanzine of all-time!" gut, die beiden haben das noch nie gesagt, aber ich hoffe, sie denken so. es ist die wahrheit. "that ´s a fact, and i love it, man!", würden die ultras sagen. hmm, mawe und säm, ich muss vergleiche ziehen, bud spencer und terence hill. genauso süchtig, wie buddy nach hamburger, kohlen und schlägereien ist, genauso süchtig sind die beiden nach konzerten, die ihre/unsere welt verändern. terence hat die frauen, die man immer haben möchte, wie die beiden alle platten haben, die man gerne besitzen möchte. sie sind für das gute unterwegs wie batman & robin, haben bat-caves in nürnberg und regensburg aufgebaut, aufgestiegen auf das bat-bicycle, und ab geht die post! sie helfen den kleinen, die eigentlich schon längst im pop-olymp bei den ganz grossen sich tummeln, aber nur noch nicht vom grossen, leckeren buffet kostendürfen; aber das grosse fressen naht! - was anderes: ich muss mehr schreiben, brauch ne seite......wann hab ich die beiden überhaupt zum ersten mal getroffen? mawe ende 2001 in münchen im atomic cafe beim thees & friends weihnachtskonzert....und säm?....das war ca. ein halbes jahr davor bei einem slut konzert in der mälze in regensburg. ich sehe mich noch vor der mälze stehen und ein mädl sagen: "hallo säm, wie gehts dir?" zack, alle blicke nach rechts, und da stand er. mit lässiger jeansjacke und union-jack-aufnäher darauf. ich kam mit ihm ins gespräch und hörte zum ersten mal was über tomte oder so. keine ahnung, was säm mir da erzählte. thees, du würdest nur sowas wie provision dafür verlangen, das kann ich säm nicht antun; was man für frauen nicht alles tut.;-) tut mir leid für diesen insider aber ihr müsst säm selbst danach fragen wenn es euch interessiert. ok nach dem konzert, beim nachhause fahren gedacht, nett, jemand von der "guten seite" kennenzulernen. wo das das kleine hübsche mädl damals gar nicht dabei war, das ich aber ab dem zeitpunkt, immer zusammen mit säm gesehen habe. es gibt so tage, an die

Ihr Florian Weber

mawe und sam als ich zum ersten mal von ihrer existenz hörte, war das durch christoph koch. mit dem war ich damals, glaube ich, verstritten. und so hasste ich auch "mawe und sam", wer immer die auch waren - die namen klangen immerhin schon mal bekloppt genug. nun, freunde meiner feinde werden durch ein einfaches mathematisches moment eben zu meinen feinden. ach was, sie waren meine todfeinde. hätte ich gekonnt, hätte ich ihnen heißes fett unvermittelt in ihre nassen gesichter geschüttet. und wenn mir dann irgendwann wieder mal jemand erzählt hätte, mawe und sam wohnen wie das phantom der oper mit entstellten konterfeis in einer süddeutschen kanalisation und essen dort abfälle und vor wut über mich ihren hut, dann hätte ich nur müde gelächelt. tja, so war das. und ist es noch heute. ps.: oder, nee? mawe? und sam? die als ich nachts bei einem festival meines arbeitgebers die bühne abbauen musste, kamen zwei schlanke, fast anorektische habe ich doch kennengelernt mittlerweile. studenten zu mir und wollten, dass ich in ihr poesie-album schreibe. schön schwul. das gefiel mir außerordentlich. dennoch baute ich weiter ab. irgendwann gab es, glaube ich, diverse weitere treffen. im schulz in köln und in einem wohnzimmer. so ähnlich. der rest ist nur vage. gute frisuren, gute körper, ultra herzliche schreibe. also mein respekt sei euch gewiss.

linus volkmann

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man sich immer erinnern kann und wird. ob sie nun gut oder schlecht sind. entweder sind es die tage, an denen sich deine träume erfüllen, oder jene, die verdammt gut angehen und dann doch alles in einem chaos endet; und genau solche 2 tage hab ich mit säm geteilt. kommen wir erst zu dem tag, an dem sich ein traum erfüllt hat, und dem säm aus unvorstellbarer lage unverletzt entkam. eine woche bevor dieser tag anrollen sollte, fragte ich säm, ob er uns nicht zum oasis wochenende nach münster und berlin begleiten wollte. zum einen zu unserem konzert mit thees uhlmann in münsters gleis 22, zum anderen tags darauf zum oasis-gig in berlin. dieser tag, es war ein wirkliches abenteuer, wo sich unser traum erfüllte, wir trafen noel gallagher nach dem konzert, gaben ihm unser album "the big issue", säm hielt alles mit seiner videokamera fest und blieb wie durch ein wunder dabei unverletzt. noel hat wohl das rote in säms augen nicht gesehen. zum glück! säm, ein wahrer held sozusagen. moment! kennst du den film captain avenger, säm? oh mann, ich trifte wieder ab in die 80er, wo filme noch peinlich waren, man es aber aber erst nach 10 jahren merkte, und das dann kult nannte. säm wünscht sich ne "auf dem highway ist die hölle los"-dvd box mit allen drei teilen + allen trailern". wir hoffen, dein wunsch erfüllt sich! bis dahin musst du noch mit der

"zurück in die zukunft"-dvd box ausharren. tja, und der tag der gut anging aber doch im chaos endete......wart ihr schon mal nach einem strokes konzert in prag mit säm in einem tschechischen polizeipräsidium. nein?!? ich schon, weil mir nach dem konzert unser bandbus geklaut wurde. auf diesem weg wünsch ich noch der polnischen oasis coverband namens "champagny supernovsky" die den bus jetzt wahrscheinlich fährt, noch viel erfolg....und nein, ihr könnt meine (damals nagelneue) ben sherman jacke nicht zu euren gigs anziehen! und mawe, der mich übrigens, man glaube es kaum, mit meinem zünftigen dialekt auch völlig problemlos versteht, über ihn schreibe ich erst mehr, wenn er die pittiplatsch3000talkshow in ein oasis forum umwandelt. britpop-terroristen hätten das schon mal beinahe geschafft. aber ich nenne hier mal jetzt keine namen.;-) oh, ich schaue auf die uhr, sollte den artikel schon längst an säm geschickt haben, sonst bekommt er haue vom mawe. also, ich brauche ein schlusswort: "WÜRDE HE-MAN PITTIPLATSCH3000 LESEN, WÜRDE SKELETOR TEELA HEIRATEN, UND ETERNIA WÄR EIN PARADIES!!!" mawe, säm, ju*, alex und björn ("ich brech zam!") an die macht, denn ihr besitzt das rock´n´ roll zauberschwert!

Thomas Marschel von Atomic

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Pitti Platsch 3000 #10