Mit „Kampfgeist“ in Schlanders

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VINSCHGER THEMA

Theater, Literatur, Musik

Ein hilfloser Vater (Herbert Knaup) und sein verzweifelter Sohn (Dennis Svensson) in dem Stück „Der Sohn“ von Florian Zeller (Inszenierung: St. Pauli Theater, Hamburg).

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DER VINSCHGER 31/20

veredelt. Gemeinsam mit Bojana Popovicki am Akkordeon und Ossy Pardeller an der Gitarre gibt er sie zum Besten. Besondere Theaterabende

den ironischen Lebensratgeber, nimmt Besserwisser aufs Korn oder widmet sich den Tücken und Tiefen des Alltags. Der aus Bozen stammende Georg Clementi hat drei dieser Kolumnen zu Zeitliedern Foto: Marianne Menke

Die Bühne Cipolla zeigt Heinrich von Kleists „Michael Kohlhaas“ in einer Mischung aus Schauspiel, Figurentheater, Puppenspiel und Live-Musik.

Foto: Jessica Brauner

Das St. Pauli Theater aus Hamburg macht mit dem neuen Stück von Florian Zeller „Der Sohn“ Halt in Schlanders. Nicolas war immer ein fröhlicher Junge, nun wird ihm alles zu viel: das Erwachsenwerden, das Gymnasium und die Trennung der Eltern. Die Mutter fühlt sich überfordert, der Vater übernimmt die Erziehung seines Sohnes. Doch damit wird es nicht besser. Der sonst als Komödienspezialist bekannte französische Autor widmet sich dem Thema Depression in einer temporeichen Szenenfolge mit messerscharfen Dialogen. Mit Herbert Knaup („Die Kanzlei“) in der Rolle des Vaters wurde die Inszenierung zum Hit. In einer Mischung aus Schauspiel, Figurentheater und Live-Musik präsentiert die Bühne Cipolla Heinrich von Kleists Novelle „Michael Kohlhaas“. Die Produktion wurde

Georg Clementi singt Zeitlieder und Harald Martenstein liest seine satirischen Kolumnen aus der Wochenzeitung „Die Zeit“.

Foto: Kerstin Schomburg

SCHLANDERS - Für die eigenen Kinder würden Eltern wohl immer kämpfen. In Yasmina Rezas Erfolgsstück „Der Gott des Gemetzels“, mit dem das Schauspiel Leipzig die Saison in Schlanders eröffnet, übertreiben es die Eltern allerdings damit: Weil die Söhne sich geprügelt haben und dabei der eine dem anderen zwei Zähne ausgeschlagen hat, treffen sich nun die Eltern zur gütlichen Einigung. Aber was friedlich beginnt, entwickelt sich zur Zimmerschlacht, bei der die Eltern ihre Söhne locker in den Schatten stellen. Nicht nur zwischen den Paaren, auch zwischen den Partnern geht es hoch her. Aber in Yasmina Rezas Stück ist selbst das Streiten unterhaltsam. Mit Ironie und spitzer Feder betrachten auch Harald Martenstein und Georg Clementi das Zeitgeschehen. Harald Martenstein, Kolumnist der Wochenzeitung „DIE ZEIT“, schreibt geniale Glossen, der Liedermacher Georg Clementi verwandelt sie in Musik. Nun gehen sie gemeinsam auf Tour: „Martenstein liest & Clementi singt“. In seinen Kolumnen gibt Martenstein mal

Foto: Leo Fellinger

Sechs Mal heißt es in Schlanders ab Oktober wieder „Vorhang auf!“ für die Gäste des Südtiroler Kulturinstituts. Unter dem Motto „Kampfgeist“ erzählen die Theatergastspiele und musikalisch umrahmten Lesungen vom Menschen und seinen Leidenschaften, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Die Schauspielerin Chris Pichler widmet ihren Abend einer Ikone des Films: „Romy Schneider – Zwei Gesichter einer Frau“.