Aus und vorbei?

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

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DER VINSCHGER 29/20

Oberinntaler und Vinschgauer Standschützen an der Dolomitenfront VINSCHGER OBERLAND/PASSO SAN PELLEGRINO - Der „Große Krieg“

der Italiener war nicht einmal zwei Monate alt, als die Standschützen des Gerichtsbezirks Ried den Einsatzbefehl erhielten. Drei Kompanien von 475 Mann mit Offizieren und Schützen aus Ried, Pfunds, Nauders, Reschen, Langtaufers, Graun und St. Valentin a. d. H. setzten sich zu Fuß nach Mals in Bewegung. Bataillonskommandant war der Hoader Postwirt und Postmeister Kassian Baldauf. Die 2. Kompanie Nauders-Reschen führte Hauptmann Gottfried von Moos, Bauer in Reschen. Für die 3. Kompanie Graun war als Hauptmann der Grauner Bauer Johann Freitag zuständig. In Mals wurden die Männer in die Dampflok verfrachtet - „einwaggoniert“, wie es hieß - und nach Bozen gebracht. Von dort ging es weiter zu Fuß durch‘s Eggental, über den Karerpass nach Moena und weiter zu den Talsperren im mittleren Pellegrino-Tal. Dort hielten bereits Standschützen aus Welschnofen und Moena die Stellung. Weil man den ladinischen Standschützen nicht sonderlich traute, wurden ihnen nach Ankunft der „Obergerichtler“ und Einheiten des Deutschen Alpenkorps nur mehr

Der Passo delle Selle in den Händen des Tiroler Geschichtevereins mit dem Referenten Oswald Mederle (stehend). Am unteren Bildrand rechts der Meraner Kulturpublizist Sebastian Marseiler aus Schluderns.

untergeordnete Aufgaben zugeteilt. „29 volle Monate verriegelten die Oberinntaler und Vinschger Standschützen das Pellegrino-Tal“, erzählte Oswald Mederle der gut 40 Mann und Frau starken Gruppe des Tiroler Geschichtevereins. Man stand „marschbereit“ unter dem „Passo delle Selle“, in Sichtweite zum Rifugio Taramelli auf 2.040 Höhenmetern und lauschte den Ausführungen Mederles, seines Zeichens Vizepräsident der

Leben unter der Lawine: Feldwache 1 in der Fangho-Stellung, San Pellegrino-Tal.

Quelle: Wolfgang Joly, Standschützen, 1998

TARSCH - Ende Oktober war das Wetterkreuz am Tarscher Joch von Sturm Vaia zerstört worden. Damit wollten sich einige motivierte Tarscher aus verschiedenen Vereinen nicht abfinden. Es bildete sich ein Organisationsteam bestehend aus Vertretern der örtlichen Bauernjugend, der Schützen, vom Bauernbund sowie einigen weiteren Freiwilligen. Unter der Regie des pensionierten Zimmermannes Jakob Braun (im Bild unten) wurde schließlich in Zusammenarbeit mit dem Fraktionsvorsteher Ernst Sachsalber und Helfern ein neues Jochkreuz angefertigt. Wie bereits das 1968 aufgestellte Kreuz wurde auch dieses aus Zirmholz produziert. Am Herz Jesu Sonntag dieses Jahres wurde schließlich der Stamm vom alten Jochkreuz ausgegraben und ein neues Steinfundament vorbereitet. Das neue Kreuz wurde Anfang August errichtet. Nicht wie anfänglich angedacht mit einem Hubschrauber, sondern mit bloßer Muskelkraft wurde das Material ans 2436 Meter hohe Tarscher Joch gebracht. Der acht Meter lange und über 250 Kilogramm schwere Baumstamm und weitere Werkstoffe sowie Ausrüstung wurden mit einem Traktor bis zur Zirmhütte gefahren und von dort von rund 40 Helfern hochgetragenen. Vor Ort wurde das Wetterkreuz schließlich zusammengebaut. Die Organisatoren bedanken sich bei der Eigenverwaltung der Fraktion Tarsch, der Gemeinde Latsch, der Raiffeisenkasse Latsch und bei einigen privaten Gönnern für die finanzielle Unterstützung sowie beim Jagdrevier Latsch, dem Tourismusverein Latsch-Martell und dem Bildungsausschuss Tarsch für die gute Zusammenarbeit. AM

Vinschger am Passo San Pellegrino

Quellen: Nachlass Ludwig Thoma, Nauders, über O. Mederle, Brixen

Neues Jochkreuz

Der 80-jährige Standschützen-Oberjäger und Meisterschütze Martin Hohenegger aus Reschen war im Pellegrino-Tal eingesetzt.

Sektion Bozen im Geschichteverein und profunder Kenner der „Grande Guerra“ in den Bergen Süd- und Welschtirols. Temperamentvoll wie immer erzählte er von der Bedeutung des Passes als tiefsten Punkt zwischen den Bergkämmen Monzoni und Costabella, von Patrouillengängen, Überfällen, Dolomitenoffensiven der Bersaglieri und Alpini, von Mehrfachangriffen und Rückeroberungen. Das Hin und Her im Fels der Dolomiten hatte nach der für die Monarchie siegreichen 12. Isonzo-Schlacht am 24. Oktober 2017 ein Ende. Doch zwei harte Winter hatten ihren Tribut gefordert. Durch Gefechte, mehr noch durch Lawinenabgänge und Krankheiten waren von den 475 Mann des Standschützenbataillons NaudersRied noch 194 übrig geblieben, so Mederle. Nach dem 24. Oktober wurden sie in Kompaniestärke Teil des Standschützenbataillons Vinschgau (Schlanders). Zuerst wurden sie ins Martelltal verlegt. Später lösten sie die Kompanie Stilfs an der Cevedale Front ab. GÜNTHER SCHÖPF