„2021 kommt es dick“

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VINSCHGER GESELLSCHAFT

Sensation am Agumser Berg

„Hat fast Tag und Nach gerufen“ Als Udo Thoma am 12. Mai in den Wiesen am Agumser Berg den Wachtelkönig rufen hört, ist das nur der Anfang dessen, was auch andere in den kommenden Wochen begeistern wird, allen

Foto: Archiv AVK, Nicolussi/Pallaoro

AGUMS/PRAD - Er gilt als einer der seltensten Vogelarten der Welt und befindet sich auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten: Der Wachtelkönig (Crex crex). Seit Jahrzehnten beobachten Biologen, Zoologen und Vogelkundler auch in Südtirol das Vorkommen dieses seltenen Wiesenbrüters. Ihn zu sehen gilt als fast unmöglich, nach dem knarrenden Gesang des Männchens bei Nacht sucht Udo Thoma, Zoologe und Ornithologe, seit Jahrzehnten: 2011 und 2012 konnte er ein Männchen in den Wiesen von Prad lokalisieren, 2013, 2014 und 2019 in Mals, 2013 und 2019 auf der Malser Haide, 2014 im Münstertal bei den Calvenwiesen. Andere Vogelkundler wiederum hören das Rufen einzelner Männchen ab 2009 in den Gemeindegebieten von Graun und Glurns, wie die online-Datenbank von ornitho.it, italienische Informationszentrale für Ornithologen, belegt. Kein einziges Mal jedoch wurde in diesem Zeitraum eine Brut nachgewiesen.

Foto: Udo Thoma

Die Brut eines Wachtelkönigpaares ist eine Besonderheit.

Ein Wachtelkönig (Crex crex)

voran die Familie Zoderer am Patzleid-Hof, deren Abendstunden mit lauten Balzrufen Rätsch! Rätsch! des Männchens untermalt werden. „Er hat ja Tag und Nacht gerufen und wir wussten nicht, welcher Vogel das war. Udo Thoma erklärte mir dann, dass der Vogel äußerst selten und vom Aussterben bedroht sei“, sagt Josef Zoderer. Mitte Mai hört ein kleiner Trupp Interessierter, unter ihnen auch Tierfilmer Dietmar Gander, dem Balzgesang des Männchens vom PatzleidHof aus zu, in den kommenden Tagen konnte Udo Thoma nicht nur am Agumser Berg, sondern auch beim Naturdenkmal Schilfwiese Gulmoos bei Lichtenberg und in den Wiesen unterhalb von St. Martin bei Glurns jeweils ein Männchen hören. Bergbauer Zoderer hatte dann das Glück, das den Ornithologen verwehrt blieb: Als er am 25. Juni mähte, konnte er nicht nur das Weibchen sehen: Vor ihm flüchtete die aufgeregte Schar der Wachtelkönigjungen:

Das Brutgebiet am Agumser Berg, aufgenommen von der Prader Sand.

„Als ich über die letzte noch zu in sieben verschiedenen Gebiemähende Wiese fuhr, haben sich ten des Landes 45 Stunden lang das Weibchen und ihre drei schon Wachtelkönige gesucht. Nur sechs recht großen Jungen vor dem rufende Wachtelkönige konnten Traktor in die angrenzenden nachgewiesen werden, eine Brut Sträucher am Waldrand gerettet. jedoch nicht“. Der Lebensraum Das Rufen haben wir ab Ende Juni des klassischen Wiesenvogels, nicht mehr gehört“. Diese Wiese, der in Ostafrika überwintert, ist sagt Zoderer, mähe er oft erst zu in den letzten Jahrzehnten vor allem durch die Intensivierung diesem Zeitpunkt. der Landwirtschaft und die damit einhergehende Verarmung Einer der ersten Brutnachweise nach Jahrzehnten an Vielfalt zurückgegangen; der Bestand in Mitteleuropa ist fast „Es ist eine Sensation“, bestätigt ausgelöscht. Der Wachtelkönig auch Leo Unterholzner, ehema- braucht Wiesen, die ihm Deckung liger Vorsitzender der Arbeits- und vielfältige Nahrung bieten. gemeinschaft Vogelkunde und Eine spätere Mahd ist ein erster Vogelschutz-Südtirol: „Im Erhe- Schritt in die richtige Richtung, bungszeitraum 1987 - 1991 für bestätigen Udo Thoma und Leo den ersten Brutvogelatlas wurde Unterholzner. Beide sind übrinur im Raum Brixen und bei To- gens Mitarbeiter des Interregblach ein Brutnachweis erbracht. Projektes „Wiesenbrüter in der Beobachtungen rufender Exemp- Terra Raetica“, dessen Trägerin lare waren auf der Malser Haide, die Gemeinde Mals ist und das im Pustertal und Antholzer Tal. sich dem Schutz der Wiesenvögel Im Rahmen der Bestandserhe- verschrieben hat. bung der Arge Vogelkunde 2003 wurden von zwölf Beobachtern KATHARINA HOHENSTEIN

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